Fanny Lépine, Yannick Cador
10.12.2012 | 15:07

Piräus und Delphi

Web-Reportage Der Hafen von Piräus war in der Antike das Handelsdrehkreuz zwischen Athen und dem Rest der Welt und Delphi war Kult. Und heute? Aktuelle Web-Reportagen aus Griechenland

Piräus und Delphi

Nicht alle profitieren von der Privatisierung des Hafens: Obdachlose im Schatten eines Pickups in Piräus

Foto: Oli Scarff/Getty Images

„Europa ohne Griechenland wäre wie ein Kind ohne Geburtsurkunde“, sagte einst der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing. Für ihn war klar: Griechenland muss zu Europa gehören. Das war in den achtziger Jahren, als Griechenland noch auf der Kandidatenliste für den EU-Beitritt stand. Heute ist es das erste Land, das für einen eventuellen Austritt aus der Euro-Zone in Frage kommt. Ist Griechenland das Stiefkind Europas? Doch nicht zu vergessen: Mit Aristoteles, Platon, Perikles, Euripides oder Sophokles ist Griechenland nicht nur die Wiege der Demokratie, sondern auch eine antike Hochkultur, die die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt hat.

Was ist von diesem goldenen Zeitalter heute noch übrig? Die Folgen der Wirtschaftskrise berühren alle Lebensbereiche der griechischen Bevölkerung, auch das Gesundheitssystem leidet. Arbeitslosigkeit, politischer Extremismus, soziale Ungleichheit, Angst vor dem Anderen und eine bankrotte Kulturindustrie – kehrt Griechenland zurück an die Anfänge der Zivilisation? An zehn Orten und in zehn Themenblöcken wollen Fanny Lépine und Yannick Cador in ihren Web-Reportagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen, um daran zu erinnern, wie eng Griechenland noch immer mit seiner einstigen Größe verbunden ist.

5. Folge: Piräus - Die Wirtschaft

Der heute größte Hafen Griechenlands war in der Antike das Handelsdrehkreuz zwischen Athen und dem Rest der Welt. Hier siedelten sich die ersten Reeder und Banker an, und ausländische Händler eröffneten ihre Geschäfte. Heute gehört der von den Reedern regierte Seehandel zu den wichtigsten griechischen Wirtschaftssektoren, der mittlerweile sogar chinesische Investoren anzieht. Piräus ist auch der berühmteste Hafen Griechenlands und ein idealer Ort, um über das Fernweh jener Griechen zu sprechen, die in ihrem Land keine Zukunftsperspektiven mehr finden. Die Reportagen von Fanny Lépine und Yannick Cadormit Hafen-Geschichten:

  • Seit der Verfassung von 1950 sind die griechischen Reeder von der Steuer befreit. Einer von ihnen erklärt, dass dies selbst in Krisenzeiten völlig gerechtfertigt sei, da der Seehandel dem Land Reichtum und Arbeitsplätze bringe. Stimmt das? Und wie denken die Angestellten darüber?

  • Der Hafen von Piräus im Wandel der Geschichte – eine Reise mit persönlichen Erinnerungen und Fotos eines Dockarbeiters

  • Infokasten: Zahlen und Fakten über griechischen Außenhandel, Umsätze und chinesische Investitionen

6. Folge: Delphi - Die Kirche

Der Apollontempel in Delphi war einst die wichtigste Kultstätte des antiken Griechenlands. Anders als heute bezeichnete das Wort „Religion“ damals kein Regelwerk, zu dem sich der Gläubige bekennen musste, sondern eine Vielzahl an Riten, an denen der Bürger teilnahm, weil er zur Bürgerschaft gehörte und so zum öffentlichen Wohl beitrug. 2.500 Jahre später ist das orthodoxe Christentum die vorherrschende Religion in Griechenland, und die Riten werden noch immer respektiert. Dass die Griechen so treu zu ihrem Glauben stehen, nutzt die Kirche aus, um ihren politischen Einfluss zu vergrößern. Fanny Lépine und Yannick Cador nehmen die Bedeutung der Kirche heute in ihren Reportagen genauer unter die Lupe:

  • Die Rolle der Kirche im Alltagsleben. Zusammen mit einem Dorfpfarrer erkunden wir ein Dorf und befragen seine Bewohner

  • Fotos der Armenküche mit Kommentaren eines ehrenamtlichen Helfers oder eines Gemeindemitglied

  • Infokasten mit Zahlen zum Vermögen der Kirche und dessen Besteuerung

    Hier entlang zu den Web-Reportagen aus Griechenland:

     Quelle: Arte Reportage