Christian Kreis
26.08.2010 | 13:15 1

Rangierbetrieb

Lyrik

Den Eselsrücken hinab schlich so’n Koloß
Sich heran, krachend prallte er auf die andern
Waggons, die rollten tags und nachts und es grollte
Zu mir, ins Schlafzimmer der Großmutter
Bernburg, Parkstraße dreizehn, in den Ferien
Stand ich mit ihr auf der Fußgängerbrücke
Über den Gleisen, wozu da noch verreisen
Auf dem Rangierbrett balancierte der schnurrbärtige
Helmträger mit wüster Hingabe, sei es der Arm
Den er gäbe, wie der Tischler die Kuppen der Finger
Dann schwang er die Kuppelstange, sein Schwert
Nur einer konnte sie bremsen, der Herr
Des Hemmschuhs, der legte den eisernen Schuh
Auf die Schiene, mal knapp vorm Überrolltwerden
Tückisch lautlos kam so’n Koloß heran
Von der Schwerkraft getrieben, hier längst ausrangiert
Die Fußgängerbrücke abgerissen, der Hemmschuhleger
Legt sich harmlos aufs Sofa, hats große Armlos gezogen

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