Anna Fastabend, Franziska Schulteß
24.11.2012 | 09:00 27

Schreib es in die Welt!

Street Harassment Chance im Netz: Auf der Website Hollaback! berichten Frauen davon, wie alltäglich sexuelle Belästigungen sind

Das Thema geht einem nahe. Einfach, weil man als Frau schon zu oft Szenen wie diese erlebt hat: Jemand fasst einem beim Tanzen im Club plötzlich an den Po. Man dreht sich um, schreit den Grabscher an. Er entschuldigt sich und grinst blöd dabei. Man weicht in eine andere Ecke der Tanzfläche aus, tanzt beschützt von Freunden weiter – aber es macht keinen Spaß mehr.

Erlebnisse dieser Art sind es, die auf dem Online-Portal Hollaback! nachzulesen sind. Der englische Ausdruck dafür: Street Harassment. Gemeint ist Belästigung, die im öffentlichen Raum stattfindet, auf der Straße, im Bus oder Café. Das geht von einem verletzenden Blick, Nachpfeifen und Kommentaren über den Körper bis hin zu Masturbation von Exhibitionisten und physischen Übergriffen. Betroffene fühlen sich oft hilflos, ziehen sich lieber zurück und haben den Eindruck, den öffentlichen Raum jenen zu überlassen, die sie angegriffen haben.

In den Hollaback-Foren können Erfahrungsberichte anonym ins Netz gestellt werden. Darunter erscheint ein Button: „I’ve got your back“, ist darauf zu lesen: „Ich stehe hinter dir.“ 2005 startete die Hollaback-Bewegung in New York. Seitdem sind in 19 Ländern Seiten online gegangen, unter anderem in Indien, Chile oder Südafrika. Durch das Posten der Erlebnisse soll die Öffentlichkeit für das Problem sensibilisiert und Betroffene sollen gestärkt werden. Zudem werden Studien und Links zum Thema gesammelt. Der New Yorker Blog ist inzwischen zu einer eigenen Non-Profit Organisation avanciert. Deren Team koordiniert die internationale Bewegung.

Flirten sieht anders aus

Julia Brilling, die 2011 die erste deutsche Seite für den Raum Berlin gegründet hat und sie zusammen mit zwei anderen Frauen betreut, spricht von zwei bis drei Einträgen pro Woche allein in der Hauptstadt. Den „I’ve got your back“-Button drückten meist so um die 30 Leute. „Da gibt es oft eine Kettenreaktion“, erzählt Brilling. „Wenn jemand was gepostet hat, folgen andere, denen Ähnliches passiert ist.“

Hollaback definiert Street Harassment als „genderbasierte und sexualisierte Belästigung“. Dazu zählen auch rassistische oder homophobe Beleidigungen, oder solche, die sich auf den sozialen Status richten. Denn im Zentrum der Attacken steht nicht primär Sex, sondern Macht. „Viele fragen uns: Wie soll ich dann noch flirten“, berichtet Brilling. „Glaub’ mir: Wenn es flirten ist, merkst du den Unterschied.“

Die Belästigung erinnert die Betroffenen an die eigene Verletzlichkeit – und die Schwelle ist dabei unterschiedlich hoch: Für manche mag es sich harmlos anfühlen, „Hey Süße“ genannt zu werden. Für andere schwingt schon in diesen Worten die Drohung physischer Gewalt mit. Sie lässt sie schneller gehen, zum Handy greifen. Daraus folgt etwas, das man als „Raumverlust“ bezeichnen könnte. So wechseln laut einer Online-Studie der amerikanischen Seite stopstreetharassment.org 50 Prozent der Frauen die Straßenseite, wenn sie eine Männergruppe sehen, 40 Prozent geben an, ungern allein vor die Tür zu gehen.

Grabschen geht nicht

Eine exakte deutsche Übersetzung für Street Harassment gibt es nicht. „Ich würde alltägliche Belästigung dazu sagen“, schlägt Brilling vor. „Frauenkörper werden als öffentliches Gut behandelt, beglotzbar, anfassbar.“ Für viele Frauen ist das Normalität. Mitunter zweifeln sie selbst, ob sie das Verhalten ihres Gegenübers nicht vielleicht doch falsch interpretiert haben. Beklagen sie sich aber über übergriffiges Verhalten, wird dieses oft heruntergespielt.

Zu sexueller Belästigung am Arbeits- oder Ausbildungsplatz gibt es in Deutschland gesetzliche Regelungen. Belästigungen im öffentlichen Raum werden dagegen nur unzureichend erfasst. In der Schweiz erfüllt das Grabschen an Brust oder Po den Tatbestand der sexuellen Nötigung, in Schweden wird es mit einer Geldstrafe oder Gefängnis bis zu zwei Jahren geahndet. Hierzulande muss der Übergriff „erheblich“ sein: Eine einfache Berührung gegen den Willen der Frau zählt nicht dazu. Möglich ist eine Anzeige wegen Beleidigung. Das setzt aber nicht nur voraus, dass der Täter die Ehre der Betroffenen verletzt, sondern, dass er dies auch beabsichtigt hat. Schwer nachvollziehbar: Wer den Mittelfinger zeigt, kann wegen Beleidigung belangt werden – wer körperlich zudringlich wird, geht oft straffrei aus.

Anette Diehl vom Frauennotruf Mainz hat bei ihrer Arbeit in 25 Jahren nur eine Betroffene erlebt, die zur Polizei gegangen ist. Sie war von einem Nachbarn im Fahrstuhl an die Brust gefasst worden. Man einigte sich auf einen Vergleich, in dem der Nachbar sich entschuldigte. Katja Grieger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Frauennotrufe, bemängelt, dass die Forschung zu Belästigung in Deutschland aus Budgetgründen „seit Jahren stagniere“. Die einzige Studie des Frauenministeriums von 2003 befragte über 10.000 Frauen. 58 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem Leben mit sexueller Belästigung zu tun gehabt zu haben.

Nicht selber schuld

Was aber kann ein Online-Projekt wie Hollaback dagegen tun? „Der Name beschreibt die Grundidee“, sagt Brilling. „Holla back – zurückbrüllen.“ Es sei gelungen, durch die Postings mehr Problembewusstsein zu schaffen. Obwohl die Berliner Seite nie viel PR gemacht hat, seien Organisationen und Medien auf sie zugekommen. „Das zeigt, dass der Bedarf da ist.“ Bedarf nach Diskussion und nach Selbst-Stärkung. Denn ein einfaches Rezept gegen Street Harassment gibt es nicht: Selbstverteidigungskurse machen, Schlagfertigkeit trainieren – das kann helfen. Aber in vielen Situationen bleibt keine Möglichkeit zu reagieren. Brilling erzählt, wie ein Mann einer Freundin unter den Rock fotografierte, dann auf dem Rad wegfuhr. „Auf so etwas kannst du dich nicht vorbereiten. Das holt dich mitten aus deinem Leben raus.“

Eine der wichtigsten Botschaften von Hollaback sei deshalb, dass die Betroffenen nichts falsch gemacht haben. Erkenntnisse aus der psychologischen Traumaforschung belegen zudem, wie wichtig es nach einem belastenden Erlebnis ist, soziale Unterstützung zu erfahren. Und der eigenen Wahrnehmung zu trauen. Dass Betroffene selbst schuld seien, wenn sie belästigt werden, ist aber ein nicht totzukriegender Mythos. Das fängt bei der Annahme an, wer kurze Röcke trage, brauche sich über blöde Anmachen nicht zu wundern – und es geht bis zum Glauben an ein unbeherrschbares sexuelles Bedürfnis von Männern. Zudem wird gern behauptet, die verletzenden Kommentare seien als Kompliment aufzufassen. Eine absurde Vorstellung, findet Brilling: „Warum ist es wichtig, dass ich auf diese Art Bestätigung bekomme?“

Hollaback hat selbst mit Anfeindungen von Männern zu kämpfen. Der Vorwurf: Die Geschichten seien erfunden oder übertrieben. „Wieso sollten wir uns so was ausdenken?“, sagt Brilling. „Uns geht es nicht darum, jemanden zu denunzieren. Sondern einfach darum, bei Gewalt nicht zu schweigen.“ Die Kommentare auf die Beiträge fielen online dabei oft brutal aus. Viele posteten Sätze, die sie im Zwiegespräch nie sagen würden. „Ich habe schon gelesen: Du müsstest mal vergewaltigt werden“, erzählt Brilling. Seitdem schaue sie die „vielen Hassmails“ gar nicht mehr durch.

Das Netz biete aber auch eine Chance, ist Brilling überzeugt: Bei einem Thema wie Street Harassment, das oft als Privatsache behandelt wird, als etwas, mit dem jede allein fertig werden muss, könne gemeinsames Brüllen den Rücken stärken. Und ein bisschen öffentlichen Raum zurückgeben.

Kommentare (27)

crumar 24.11.2012 | 11:36

Mein Problem mit diesem Artikel ist, die Absicht ist eigentlich gut.

Es ist wichtig, sexuelle Belästigung öffentlich zu machen und es ist gut, den Medien Material zu liefern.

Nur so wäre sicherzustellen, dass sich das Bewußtsein der belästigenden Männer ändert, indem bspw. so ein Verhalten von anderen Männern geahndet wird.

Nur hapert es m.E. an der konkreten Umsetzung.

Hier z.B. http://berlin.ihollaback.org/2012/10/berlin/ sehe ich nur einen politischen Konflikt mit einem alten, ziemlich verwirrten Herrn.

Weiter: Einige der auf der Stadtkarte gekennzeichneten Vorfälle ergeben bei mir 404, versucht man näheres zu erfahren.

Ein Transexueller berichtet über zwei Vorfälle von transphobem Verhalten im November, die ich wirklich als sexuelle Belästigung ansehen würde.

Eine weitere Frau (es ist der dritte und letzte Eintrag für November) berichtet jedoch über einen ganz ordinären Konflikt in der S-Bahn:  "Gleichzeitig mit mir war an der anderen Tür eine Frau eingestiegen, die nach Geld bzw. Essen und Trinken fragte und ich hätte sie selber gar nicht bemerkt wenn der Typ mit dem Fisch ihr die Schachtel nicht entgegengehalten und laut “Hier! Willste fressen?” gesagt hätte. Die Frau fragte was es sei, man(n) sagte ihr es sei Calamari, sie lehnte ab. Als wäre seine Frage nicht schon abwertend und demütigend genug fing der Typ nun an lautstark kundzutun was er davon hielt: “Was zu essen wollen und dann das angebotene nicht essen. Kannste gleich weitergehen….” (oder so ähnlich). "

Was hat das mit *sexueller* Belästigung zu tun? Die nämliche Diskussion hätte jeder führen können, ungeachtet des Geschlechts.

Es meldet sich eine bestimmte Szene von Frauen zu Wort, die ein so weit gefasstes Verständnis von sexueller Belästigung hat, dass davon gar keine Rede mehr sein kann.

Die Moderatorin sollte m.E. klar machen, dass alltägliche, zwischenmenschliche Konflikte keinen Platz haben auf einer solchen Seite. 

So entsteht bei mir der Eindruck, die Karte solle lediglich mit möglichst vielen Vorfällen gefüllt werden.

M.E. ruiniert eine solche Vorgehensweise jedoch die eigentliche Absicht.

Gruß, C.

 

Katharina Schmitz 24.11.2012 | 13:54

"Hollaback definiert Street Harassment als „genderbasierte und sexualisierte Belästigung“. Dazu zählen auch rassistische oder homophobe Beleidigungen, oder solche, die sich auf den sozialen Status richten." Genderbasiert? Sozialer Status? Geht es noch blumiger? Ich kann Crumar nur zustimmen, ein bisschen mehr Differenziertheit und Hinterfragen würde dem Artikel, der Sache gut tun. 

Lady Wanda 24.11.2012 | 18:43

Eine Möglichkeit: zurückbelästigen! Ein Kerl der mir in den Ausschnitt langt, muss damit rechnen, dass ich IHM an den Schritt fasse. Und wenn ich dann noch sage: "Also Süßer- 150€ bar auf Tatze und dann sehen wir weiter" - dann ist Ruhe im Karton. *grins*  - Muss hinzufügen dass ich 58 bin, relativ stabil gebaut  und eine sehr stark ausgeprägte dominante Ader habe. (kleide mich auch gerne dementsprechend). Bis jetzt hat meine Methode immer gut funktioniert.

Rupert Rauch 24.11.2012 | 20:58

Hmmm, sicher ein guter Ansatz. Aber kann es sein, dass die Belästigungen gar nicht so oft auftreten?

Raumverengung verspüre ich in der Stadt auch in manchen Vierteln, auch wechsle ich als Mann idR ebenfalls die Straßenseite, wenn da eine Gruppe Männer ankommt (außer sie sehen wirklich harmlos aus). Männer werden schliesslich noch weitaus öfter Opfer männlicher (wenn auch selten sexueller) Gewalt.

Auch meine Frau (Anfang 30, schlank, gut aussehend) hat noch nie Belästigungen angesprochen, obwohl sie in der Stadt arbeitet und mit dem ÖPNV hinfährt.

 

Sarah Rudolph 24.11.2012 | 21:46

Gestern lief ein Mann hinter mir her, starrte mich an, machte Kussgeräusche, Anfang dieser Woche gröhlten mir morgens an der Straße mehrere Männer aus einem Auto "Anzüglichkeiten" zu. Vor 2 Wochen hat jemand meiner Freundin an den Po gefasst. Am selben Abend gab es noch mehrere andere Vorfälle. Ich könnte hier ewig weiter machen. 
Treten also offensichtlich gar nicht so oft auf, diese Belästigungen. (Ehrlichen!) Glückwunsch an ihre Frau, ohne ist definitiv schöner. 

Rupert Rauch 24.11.2012 | 22:31

Liegts vielleicht an der Gegend? Wo wohnst du? Wir sind im Raum Karlsruhe.

Macht bestimmt auch noch einen Unterschied ob man abends allein oder mit Freundinnen ausgeht. Macht sie ja nicht mehr, mit Mann und Kind :-)

Aus ihrer Diskophase hat sie Ähnliches berichtet, die entsprechenden Orte dann halt gemieden. Das ist bedauerlich, insbesondere auch für die Männer, die ohnehin meistens in der Überzahl sind.

 

 

Sarah Rudolph 24.11.2012 | 22:43

Mit Mann und Kind geht man nicht mehr aus? Oh.
Aber nein, es passiert in der Stadt (gestern Köln, Innenstadt, und auf dem Dorf (an der Straße auf dem Weg zur Grundschule meines Sohnes), alleine unterwegs oder mit Freundinnen oder auch nur mit männlichen Freunden.
Orte, an denen bestimmte Männer meinen, Frauen wie Ware behandeln zu können, zu meiden, würde meinen Radius verdammt stark einschränken. Ich merke aber schon eine Tendenz mich lieber an Orten aufzuhalten, an denen ich die Gefahr geringer einschätze. Wie bedauerlich das für diese Männer ist, ist mir aber nun aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen relativ egal. (Ich glaube aber, wenn Männer sich gegenseitig deutlicher klarmachen würden, dass dieses Verhalten eben nicht normal, okay oder was auch immer ist, wäre das wohl hilfreich für uns alle,)

Rupert Rauch 24.11.2012 | 23:09

"Mit Mann und Kind geht man nicht mehr aus?"

Wir haben derzeit weder Zeit noch Lust zum ausgehen (abgesehen von WE-Ausflügen und gelegentlichen Freundschaftsbesuchen), ändert sich vielleicht, wenn die Kinder größer sind. Aber wir waren auch vorher nie die großen Party- und Diskogänger.

In Köln habe ich übrigens tatsächlich öfters blöde Anmachen (Rufe aus dem Auto) miterleben können, meine Ex-Freundin studierte da. Vielleicht leben da einfach viele Idioten oder es ist diese komische manchmal ziemlich aufdringliche und nervige rheinländische Art, die mir immer fremd geblieben ist.


"Orte, an denen bestimmte Männer meinen, Frauen wie Ware behandeln zu können, zu meiden, würde meinen Radius verdammt stark einschränken."

Du dürftest das Haus nicht mehr verlassen.

Aber was ist die Lösung für das Problem? Ich weiß, was Testosteron mit Männern macht. Ich bin immerhin selbst einer.

"glaube aber, wenn Männer sich gegenseitig deutlicher klarmachen würden, dass dieses Verhalten eben nicht normal"

Es ist nicht normal und auch nicht unter Männern Konsens (zumindest nicht unter denen die ich kenne), wenn du das glaubst, bist du auf dem Holzweg.

Das sind zum Teil triebgesteuerte Einzeltäter, zum Teil finden sich da einfach die richtigen Idioten. 

Ich würde sicher einschreiten, wenn es irgendwo zu Tätlichkeiten käme, Belästigungen müssten schon massiv sein, damit man sich mit einem frustrierten Testosteron-Bolzen anlegt (oft warten die nur darauf ihren Hass an jemandem auszulassen).

Mir hat übrigens auch schonmal jemand in der Disko in den Arsch gekniffen, hab aber nie rausfinden können ob ein Mann oder eine Frau :-)

 

salmiak 25.11.2012 | 02:30

Es wäre schön, wenn du recht hättest. Leider werde ich auch (stadtteilunabhängig) mehrmals in der Woche mit verbalen oder körperlichen Belästigungen konfrontiert und ich kenne viele Frauen, denen es genauso geht. "Femme de la rue" eine kurzer Film von Sopie Peeters (https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/maenner-sind-schweine) ist ein extremes Beispiel, aber so geht es mir - in abgespeckter Weise- an so manchen Sommertagen.

jana marlene 25.11.2012 | 10:21

@rupert

erstmal schreibt da nur ein winzig kleiner teil der frauen ihre geschichten ins netz. jede frau die ich kenne hat diese formen von belästigungen bis hin zu schlimmeren übergriffen schon erlebt und ich finde es ein äußerst falsches signal, das auch noch infrage zu stellen. glaubst du wirklich die denken sich das aus weil sie sonst nichts zu tun haben? 

zweiztns: "diese" männer als testosteron und triebgesteuert zu bezeichnen, ist quasi eine indirekte entschuldigung für ihr verhalten und tut so als würde es sich um eine minderheit handeln. das ist aber nicht der fall. ich bin mehr als überzeugt davon, dass männer ihre hormone im griff haben genauso wie frauen, und ich habe diese belästigungen schon von männern jeden alters und schichtzugehörigkeit erlebt. das hört bei geld und bildung nicht auf.

das problem geht tiefer. frauen sind in unserer gesellschaft immer noch nicht soviel wert wie männer und das sitzt so tief, dass es zu diesen ständigen machtdemonstrationen und dann der schuldsuche bei sich selbst kommt.

eldorado 25.11.2012 | 12:33

Solche Machtansprüche wird es immer geben. Unsere Welt ist voll davon. Es gibt sie auch zwischen Arbeitgeber und - nehmer. Das haben wir schon alle mehr oder weniger geschluckt.

Im Laufe meines Lebens (ich bin jetzt 65) habe ich bemerkt, dass meine innere Haltung eine entscheidende Bedeutung hat. Breitet sich in mir Unsicherheit und Angst aus, kommuniziere ich das mit meiner Haltung und mache dementsprechend schlimme Erfahrungen, die meine Unsicherheit und Angst noch bestärken - ein Teufelskreis. Und auf der anderen Seite bestärke ich mit dieser Haltung den Uebergreifer und pulstere ihn richtiggehend auf um weiter zu machen.

Andere Menschen kann ich nicht ändern. Aber meine Haltung gegenüber ihnen schon. Wie ist es, wenn ich sage: "Haben Sie ein Problem? Bei mir sind sie an der falschen Adresse. Ich mag das nicht!" Meine Antwort ist natürlich situationsbezogen und fällt dementsprechend immer anders aus. Allerdings muss das auch die innere Haltung kommunizieren, sonst bringt es nicht viel.

An einsameren Orten und Nachts fühle ich mich am wöhlsten auf dem Velo, ähm Fahrrad. Da bin ich schnell und wendig.

Etwas darf man nicht vergessen: Die allermeisten, die Grenzen nicht respektieren und Uebergriffe machen oder sogar vergewaltigen, waren selbst als Kinder Opfer. Das rechtfertigt allerdings die Tat auf keine Weise, aber kann vielleicht helfen, besser damit als Opfer umzugehen.

Rupert Rauch 25.11.2012 | 23:12

"erstmal schreibt da nur ein winzig kleiner teil der frauen ihre geschichten ins netz."

Natürlich, Statistiken lassen sich daraus eben nicht ableiten. War ja auch nur ein Frage, nicht gleich auf die Palme gehen :-)

"äußerst falsches signal, das auch noch infrage zu stellen. glaubst du wirklich die denken sich das aus weil sie sonst nichts zu tun haben?"

Das habe ich nie behauptet und ich habe auch nur nachgefragt, ob der subjektive Eindruck mancher Frauen vielleicht (aus welchen Gründen auch immer) nicht verallgemeinerbar ist. Dass da sofort Aufschreie kommen, ist doch schon ein Informationsgewinn für mich. Genaueres können letztlich nur breite Umfragen ergeben.

"diese" männer als testosteron und triebgesteuert zu bezeichnen, ist quasi eine indirekte entschuldigung für ihr verhalten"

Nein es ist eine Tatsache. Die meisten Männer müssen ihr ganzes Leben lang ihren lästig starken Trieb kontrollieren, versagt die soziale oder Selbst-Kontrolle, dann wird das (bzw. sollte) bestraft. Diesen Mechanismus habe ich auch nie in Frage gestellt, er ist leider notwendig.

 

"und tut so als würde es sich um eine minderheit handeln. das ist aber nicht der fall. ich bin mehr als überzeugt davon, dass männer ihre hormone im griff haben genauso wie frauen, und ich habe diese belästigungen schon von männern jeden alters und schichtzugehörigkeit erlebt. das hört bei geld und bildung nicht auf."

Und trotzdem ist es nur eine Minderheit, aber eben keine fest umgrenzte. Du würdest dich umschauen, wenn eine Mehrheit der Männer das tun würden.

Ich habe auch noch nie erlebt, dass ein Mann mir gegenüber mit sowas geprahlt oder es auch nur erwähnt hätte. Mag sein, dass es Kreise gibt, wo sowas üblich ist, ich kenne die aber nicht.

 

"das problem geht tiefer. frauen sind in unserer gesellschaft immer noch nicht soviel wert wie männer"

Ganz ehrlich: ich würde an deiner Stelle nicht zuviel reininterpretieren.

Ich bin selbst ein Mann und ich kennen den unheimlichen Druck der Libido, dem man(n) ausgesetzt ist, wenn man(n) eine Weile allein lebt. Noch dazu sind Männer von Natur aus oft weniger sozial und gesellig, so dass ihnen auch noch Ablenkung und Ausgleich fehlt.

Zu allem Überfluß gibt es auch noch wesentlich mehr Männer, die um die fruchtbaren und wenigen attraktiven Frauen zwischen 15 und 35 buhlen, so dass fast jeder Mann in seinem Leben längere Single-Phasen hat und jede Menge herbe Zurückweisungen erlebt.

Die Mischung aus Frust, Angst vor Zurückweisung und starkem Trieb, befördert dann so manche psychische Störung und vermutlich auch eine Selbstaufwertung durch Abwertung von Frauen. Unabhängig davon, wie der betroffene Mann Frauen sonst sieht. Sind die irgendwann in festen Händen, sind es oft ganz normale umgängliche Typen.

Ich schreib das nicht umsonst, ich WEIß wie sich das alles anfühlt und was es psychisch mit einem macht, und ich schätze Frauen ganz bestimmt nicht allgemein gering. Ich würde das nicht gleich wieder auf der Gesellschaftsebene verorten, das behindert eine Problemlösung evtl. eher.

 

Rupert Rauch 25.11.2012 | 23:53

"Am besten so ein Verhalten ignorieren und sich allenfalls im Stilen darüber aufregen. Denn Aufmerksamkeit ist ja genau das, was die Typen wollen."

Ich weiß nicht, ich bin nicht mal sicher ob die überhaupt irgendwas bezwecken wollen, außer Druckminderung. Manche sind vielleicht so naiv und erhoffen sich Erfolg bei der Dame oder wollen ihn notfalls erzwingen.

Wie man darauf reagieren sollte, hängt wohl stark von der Art der Belästigung ab. Resolutes Auftreten (Selbstverteidigung für Frauen usw.) ist sicher selten schädlich. Das Problem öffentlich diskutieren schafft zumindest ein Bewusstsein dafür und fördert vielleicht ein genaueres Hinsehen, sehe ich jetzt auch nicht als schlecht an.

Nur überbewerten sollte man es nicht. Zumindest glaube ich nicht, dass eine allgemeine gesellschaftliche Geringschätzung von Frauen dahinter steckt. Ausschliessen kann ich es aber auch nicht sicher. Gesellschaftliche Minderheiten werden ja auch belästigt und dort geschieht es oft wegen Geringschätzung. Bei Frauen ist das wegen der starken sexuellen Komponente jedoch vermutlich nicht sicher abzugrenzen.

 

Hfftl 26.11.2012 | 23:42

Zitat: "ich finde es ein äußerst falsches signal, das auch noch infrage zu stellen. glaubst du wirklich die denken sich das aus weil sie sonst nichts zu tun haben?"

Heutzutage muss man das - leider - als Möglichkeit ernsthaft in Betracht ziehen. Gerade weil die Betreffenden ganz genau wissen: Anklagen gegen Männer werden von Gesinnungsgenossinnen grundsätzlich niemals bezweifelt.

Die Ehrlichen sind dabei - wie immer - die Dummen.