Marcel Weiß
07.02.2013 | 11:45 2

Ah Google!

Aufklärung Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir in der Leistungsrechtsdebatte Google sagen?

Ah Google!

Foto: Kimihiro Hoshino/ AFP/ Getty Images

"Ich meine, genau so wie Sie, auch andere Suchmaschinen“. Mit dieser Antwort auf die Frage des CDU-Abgeordneten Siegfried Kauder – nicht zu verwechseln mit Volker –, ob er nur über Google reden würde, amüsierte der Rechtsanwalt Till Kreutzer neulich das Publikum im Bundestag, als das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverlage in einer öffentlichen Anhörung diskutiert wurde.

Für ein Presseleistungsschutzrecht stehen die meisten Presseverlage Deutschlands, zuvorderst die Axel Springer AG. Auf der anderen Seite stehen Google und viele Blogger und Netzaktivisten.

Oh, und außerdem stehen gegen das geplante Gesetz der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom), der Verband Freischreiber, diverse Verbände von Web-unternehmen, der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco, Facebook, Yahoo, der Deutsche Anwaltsverein sowie das Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht und die führenden deutschen Urheberrechtler. Auch SPD, Grüne und die Linken stehen dagegen.

Von dieser starken Front gegen das geplante Recht spürt man in den Medien aber wenig. Warum? Lassen wir einmal Befangenheit außen vor. Das Internet als neuer Verbreitungsweg für Informationen verändert gegenüber dem Papier die Dynamiken des Nachrichtengeschäfts grundsätzlich.

Kleinanzeigenportale sowie Google AdSense, Facebook und Co. konkurrieren zunehmend um die gleichen Werbebudgets wie die Presse. Zum ersten Mal spürt die Presse überhaupt Konkurrenz in vielen Werbemärkten. Wettbewerb statt Monopol senkt die Preise.

Ein weiterer Punkt ist die geringe Akzeptanz von Bezahlschranken für Nachrichten im Web. Im Web wird der Leser selbst zum Verbreiter der Nachrichten; jedes Mal, wenn unter einem Artikel auf „Like“ oder „Per E-Mail versenden“ geklickt wird. Wer sich hinter Bezahlschranken versteckt, verschenkt Reichweite, die ein anderer auf sich ziehen kann. Das alles ist nachteilig für das tradtionelle Pressegeschäft, und es ist kompliziert.

Einfacher ist es, auf den bis dato erfolgreichsten Internetkonzern, den kalifornischen „Erzkapitalisten“ Google (O-Ton Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG) zu schauen.

Google ist so spürbar erfolgreich mit seinen Angeboten. Jeder Blick in die Statistiken von Onlinepresseangeboten etwa zeigt, dass ein wichtiger Teil der Besucher über Google News kommt. Die Google-Tochter YouTube ist längst für viele Menschen synonym für den Onlinevideomarkt. Und für Piraterie. Obwohl Rechteinhaber wie Universal Music Group längst unbeschränkte Zugriffsrechte haben und Videos ohne Rücksprache mit Google entfernen können.

Wenn nicht einmal diese Zugriffsrechte reichen, um das Piraterie-Stigma abzuwerfen, könnte es dann sein, dass hinter der Entwicklung mehr steckt als rücksichtslose US-Kapitalisten?

Dabei macht Google sich keine Freunde, wenn es jedes europäische Steuerschlupfloch nutzt, ähnlich wie auch Microsoft und Apple. Aber die Journalisten, die sich beim Leistungsschutzrecht nur auf Google stützen und stürzen, wären gut darin beraten, die Aussagen von Juristen und Ökonomen zu diesem Thema zu studieren.

Zum Beispiel sollte man darüber nachdenken, warum das geplante Gesetz unterstellt, Google News würde mehr Wert von der Presse abschöpfen als zurückgeben, während sich kein einziger deutscher Presseverlag von Google News austragen lässt. Und was passiert mit Start-ups, die Ähnliches machen, wie etwa Rivva oder filtr? Entsteht hier vielleicht Mehrwert und man will trotzdem da abkassieren, wo Geld ist?

Google muss wie jeder Konzern kritisch beäugt werden. Wer von Google spricht, aber die Digitalisierung meint, sorgt im schlimmsten Fall für das Gegenteil des Gewünschten. Nicht zu Unrecht befürchten etwa Yahoo und viele Start-ups, dass Google mit dem Leistungsschutzrecht stärker werden könnte und sie Deutschland vergessen können.

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