DerMichael
21.01.2013 | 15:29 2

Post für Mr. Assange

Wikileaks Per Post schickte eine Künstlergruppe dem Internetaktivisten Julian Assange ein Paket und provozierte so ein Lebenszeichen des Wikileaks-Gründers

Post für Mr. Assange

Screenshot: !Mediengruppe Bitnik

Seit über 200 Tagen sitzt Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London fest. Diese ist aufgrund seiner prekären Rechtslage mittlerweile zu seinem zu Hause, Büro und Refugium geworden. Die Zürcher Künstlergruppe !Mediengruppe Bitnik hat die juristischen Mauern nun mit einer originellen Kunstaktion überwunden.

Per Postsendung schickte das Schweizer Künstlerduo Carmen Weisskopf und Domajgoj Smoljo dem Internetaktivisten ein Paket. Dessen Inhalt: eine Kamera, die durch ein kleines Loch des Kartons alle 10 Sekunden ein Bild aufnahm und via angekoppeltem Mobiltelefon auf dem Twitter-Kanal von Bitnik veröffentlichte. Am 16. Januar 2013 um 12:38 Uhr wurde das Paket in London aufgegeben und per Mail bei Julian Assange angekündigt. Nach zunächst einigen lediglich schwarzen Aufnahmen lieferte der Bilderstrom über die kommenden Stunden Photos eines Postzentrums, Postangestellten, Gitterwägen, den Innenraum eines Zustellungsfahrzeugs und letztlich einem Ledersofa. Das erste Indiz, dass die Lieferung in der Botschaft Ecuadors angekommen war.

Und tatsächlich ließ sich um am 17. Januar um 18:34 Uhr Julian Assange vor der Kamera nieder. Mit beschrifteten Karten richtete er erst die Frage an die Welt, ob die Kamera in dem Paket auch „an“ sei. Grüßte dann mit den Worten „Hallo Welt!“ und „Willkommen in Ecuador!“ seine Unterstützer und gab dann einige Forderungen von sich. So wünscht er sich Gerechtigkeit für den Internetaktivisten Aaron Swartz, der sich in Aussicht eines anstehenden Prozesses kürzlich das Leben nahm. Weiter fordert Assange die Freilassung von Bradley Manning, ermutigt seine Mitstreiter weiter zu kämpfen und bedankt sich für die Unterstützung, die er bisher erfuhr.

Das Projekt unter dem Titel „DELIVERY FOR MR. ASSANGE“ war nebst einer erfolgreichen Kunstaktion für die Schweizer auch ein Beweis, dass Assange entgegen einigen Verschwörungstheorien tatsächlich noch in der Botschaft verweilt und bei guter Gesundheit ist. Mehrfach waren über die letzten Wochen im Internet Gerüchte gekeimt, der Wikileaks-Gründer sei schon lange unbemerkt aus der Botschaft geflohen.