Emran Feroz
02.11.2012 | 12:57 26

Ausweis, bitte!

Diskriminierung Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat Polizeikontrollen aufgrund der Hautfarbe für gesetzeswidrig erklärt. Ein Erfahrungsbericht über das sog. "Racial Profiling"

Ausweis, bitte!

"Einmal habe ich nachgefragt, warum das immer nur mir passiert und ob das möglicherweise an meiner schwarzen Haarfarbe liegen könnte"

Foto: habi / Flickr (cc)

Man sitzt im Zug und hört Musik oder ist mit den Gedanken einfach ganz woanders. Plötzlich wird einem ein Dienstausweis vor die Nase gehalten. Zwei Herren, in einigen Fällen auch eine Dame und Herr, stellen sich als Polizisten vor, in Zivil natürlich. Personenkontrolle, reine Routine. Komischerweise ist man die einzige Person im Wagon, die nach dem Pass oder Personalausweis gefragt wird. Der Beamte zückt sein Mobiltelefon hervor, ein älteres Gerät, was man heute als altmodisch bezeichnen könnte, während der Zweite nichtssagend dasteht. Der Name, der in dem Pass steht, wird überprüft. Der Polizist nuschelt irgendetwas ins Handy. Dann buchstabiert er den fremd klingenden Namen, den er nicht aussprechen kann. Am Ende heißt es „Dankeschön“ . Die Beamten geben den Pass zurück und gehen weiter.

Das was ich gerade geschildert habe, ist mir mindestens schon ein dutzend Mal während einer Zugfahrt passiert. Nach solch einer Kontrolle merkt man, dass man irgendwie „anders“ ist. Wäre dem nicht so, hätten die Beamten alle anwesenden Personen ohne Ausnahme kontrolliert. Einmal habe ich nachgefragt, warum das immer nur mir passiert und ob das möglicherweise an meiner schwarzen Haarfarbe liegen könnte. Daraufhin drehte sich der zweite Beamte um und fragte eine ältere Frau alibihalber nach ihrem Personalausweis. Natürlich hat er nicht ernsthaft daran gedacht, dass die Frau möglicherweise ein illegaler Flüchtling aus Afghanistan oder aus Somalia sein könnte.

Kein "Freund und Helfer"

Nach solchen Aktionen kocht in einem die Wut auf die sogenannte Staatsgewalt. Als ich einmal gefragt wurde, wohin ich denn fahren wolle und was ich dort vorhabe, wurde es mir zu viel. Ich wies den Beamten darauf hin, dass ich als österreichischer Staatsbürger innerhalb der EU reisen darf wohin ich will und dass es ihn nichts anginge, was ich wo machen werde. Nun sah mich der Beamte zornig an. Es sah fast schon so aus als hätte er die Hoffnung, dass sein Kollege am Telefon etwas Negatives über mich zu hören bekommen wird. Dem war natürlich nicht so. Die Polizisten gingen weiter. Mir wurde ohnehin nie das Gefühl zuteil, dass die Polizei „mein Freund und Helfer“ sei. Als ich auf die Toilette ging, konnte ich sehen, wie die Zwei im nächsten Wagon einen afrikanisch aussehenden Mann ebenfalls nach seinen Ausweis fragten.

Nun hat ein „dunkelhäutiger, deutscher Student“, wie es heute in der Süddeutschen zu lesen war, eine Klage am Oberlandesgericht Rheinland-Pfalz eingereicht. Er wurde an einem Bahnhof auf die selbe Art und Weise kontrolliert. Die Polizisten haben noch einen drauf gegeben und meinten zu ihm, er sei aufgrund seiner dunklen Hautfarbe ins Raster gefallen. Das Gericht hat glücklicherweise zu Gunsten des Studenten entschieden. Die Polizisten haben mit ihrer Vorgehensweise gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Streng juristisch gesehen haben die Beamten gegen einige Verbote verstoßen. Diese betreffen nicht nur das deutsche Recht, sondern auch das europäische.

Wie hat ein Deutscher oder Europäer auszusehen?

Es würde allerdings keinen Sinn machen, all diese Paragraphen und Absätze hier aufzuzählen, denn der Sachverhalt liegt auf der Hand. Es kann nicht sein, dass im „freien und aufgeklärten Europa“ derartig gegen Menschen vorgegangen wird, die obendrein noch einen europäischen Pass besitzen. Seit wann gibt es denn einen „Einheitseuropäer“? Gibt es irgendwelche Vorgaben, die besagen, wie ein Europäer oder ein Deutscher auszusehen hat? Muss er etwa blond und blauäugig sein, um nicht in das „Raster“ dieser Polizisten zu fallen?

Wie dem auch sei, die deutsche Polizeigewerkschaft ist sofort über das Urteil hergefallen und hält es für „schöngeistige Rechtsprechung“. Immerhin wissen all die Juristen und Richter nicht, wie es in der Praxis, sprich, „draußen auf der Straße“, abläuft. Nach solch einer Aussage fragt man sich, in was für einen Staat man eigentlich lebt und warum die Polizei sich die Erlaubnis nehmen darf, gewisse Gesetze mit derart billigen Rechtfertigungen in Frage zu stellen. Das Vorgehen der Polizei ist rassistisch und diskriminierend. Es gibt genug Gesetze und Konventionen, die das belegen. Diese sind aber allem Anschein nach für diverse Polizeivertreter Humbug. Es wäre schön, wenn die Polizei in einem Rechtsstaat sich auch an dieses Recht hält. Die Polizei ist dazu da, dass Recht und Ordnung in einem Staat erhalten bleiben. Hält sie sich selbst nicht daran, wäre sie von all den Kriminellen nicht zu unterscheiden. So viel zu unserem „Freund und Helfer“.

Kommentare (26)

doimlinque 01.11.2012 | 17:18

Was Du beschreibst, sehe ich beinahe jedes Mal, wenn ich mit dem Zug zur Arbeit fahre. Die Damen und Herren vom Zoll picken sich ausschließlich die dunkelhäutigen Fahrgäste für ihre Kontrollen heraus, wahlweise auch Jugendliche mit suspekt unordentlicher Kleidung.

Jemanden wie mich, aschfahl und im Anzug, würden die in hundert Jahren nicht kontrollieren. Dazu sind sie in der Regel überaus unfreundlich und reagieren patzig, wenn die betreffende Person kein perfektes Deutsch spricht (nicht ganz ungewöhnlich in einem grenzüberschreitenden Zug).

Die niederländischen Kontrolleure gehen übrigens nur geringfügig anders vor - nicht, dass das eine Entschuldigung wäre...

Bin mal gespannt, ob das Urteil etwas daran verändert. Ich kann es mir fast nicht vorstellen.

Gruß, d.

Vaustein 01.11.2012 | 17:23

Danke für diesen Beitrag. Leider wird das an dieser unschönen, diskriminierenden Praxis nichts ändern. Wer nicht "deutsch" ausschaut (was immer das sein mag) ist verdächtig (weshalb auch immer?) und wird kontrolliert. Über die Art und Weise, wie Polizeibeamten ausgebildet werden, weiß ich leider nichts. Zu vermuten ist aber wohl schon, dass die Auswahlkriterien für Ausweiskontrollen in irgendwelchen Richtlinien festgelegt sind.

Es wäre deshalb interessant, einmal aus berufenem Mund zu erfahren, wie die Polizeiausbildung in dieser Frage geregelt ist.

Miamaria 01.11.2012 | 19:18

Wie soll denn eine Personenkontrolle Ihrer Meinung nach aussehen, damit sie politisch korrekt ist? Ich frage das ganz ohne Ironie. Nach Ihrer Schilderung haben sich die Polizisten korrekt verhalten, sie waren weder unverschämt noch übergriffig. Was schlagen Sie vor? Kontrolle sämtlicher Reisenden in einem Waggon? Oder vielleicht gar keine Kontrollen mehr?

luggi 01.11.2012 | 22:35

ja nein, diese Polizei muss nach dem äußeren Augenschein kontrollieren

Sinti und Roma sind willkommen, wenn sie das neue Denkmal in Berlin bewundern sollten ... aber sollten sie auf dem Weg dahin ein paar deutsche Unterhosen stibitzen, dann sind solche Kontrollen als Deliktvermeidungsmaßnahme wohl nicht obsolet.?

Der Polizeistaat entblößt seine Krallen und das wahre Gesicht.

Kunibert Hurtig 02.11.2012 | 10:12

Recht hast Du schon, aber es ist nun mal so, dass das, was Winfried weiter unter schreibt, eben auch zutrifft.

Sowohl Polizei als auch Zoll erfüllen hoheitliche Aufgaben, zu denen es eben gehört, dass die Gesetze, denen sie verpflichtet sind, auch beachtet werden.

Das hat zunächst einmal nicht mit Diskriminierung zu tun, sondern mit der Erfahrung, dass Personen bestimmter Volkszugehörigkeit, sich diesen Gesetzen eben vielfach nicht verpflichtet fühlen.

Exemplarisch wird dies deutlich an Ereignishorizonten, die allgemein bekannt sind und manchmal eben auch in den Bereich eintauchen, der einen selbst berühren. So berichtete der Focus über eine Drogengang, die in Bergheim-Ahe Kinder und Jugendliche zwangen, Drogen zu konsumieren und an den Schulen, die sie besuchten zu verkaufen. Und es waren nun mal Marokkaner und Türken ... und die sehen eben auch so aus.

Es mag ja jedem Erwachsenen freistehen, sich mit allem voll zu dröhnen, ganz wie es beliebt. Aber was da ablief war und bleibt definitiv verbrecherisch und die wohlfeile Erklärung der Diskriminierung kann und darf nicht greifen!

Vor einiger Zeit (Datum vergessen) wurde hier ein Blog eingestellt, in dem von dem Überfall der Mitglieder eines türkischen oder libanesischen Clubs auf eine linke Szenekneipe in Berlin berichtet wurde. Prinzipiell ein Akt des Terrors, aber der Hintergrund war vergleichbar: Kinder und Jugendliche wurden gezwungen, Drogen zu verticken. Die ungeheuerliche Heuchelei dahinter: Die Betroffenen selber waren eher bereit, das verbrecherische Treiben mit dem Mantel des Schweigens zu bedecken, als ihre offenbar korrekturbedürftige Ideologie zu überdenken und zu erkennen, das Verbrecher eben Verbrecher sind, egal ob blond, ob braun, ob schwarz ... die Haare oder hell oder dunkel die Haut. Und die Verbindung zu den Hells Angels spricht auch für sich: Wenn es um die Kohle geht, tritt Ideologie in den Hintergrund.

Bei der Razzia, die Anfang des Jahres stattfand, entdeckte man dann in v.g. Wohnsiedlung auch ca. 250.000 !!! Speedtabletten und diese wurden ... in einem Niederderländischen Labor hergestellt. Woher ich das alles so gut und vielleicht auch noch besser weiß? Nun, es gibt über andere Verbindungen eben tiefere Einsichten.

Außerdem denke man an die vielen Coffee-shops (Maastricht, ein beliebter Anlaufpunkt), in denen Pot und Grass wohlfeil war und über die Grenze eingeschleust wurde. Nicht dass ich etwas dagegen hätte (Pot), aber die Gesetze sind nun einmal so. Wer etwas anderes will, dem steht der demokratische Weg offen, aber eine Mehrheit denkt eben anders. So ist das nun mal.

Kuni

 

doimlinque 02.11.2012 | 10:44

Keine Frage, Verbrechen sind zu bekämpfen ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Nationalität oder sonstwas. Alles andere wäre ja wiederum diskriminierend. Ich will auch nicht die Arbeit der Polizei madig machen. Hinterfragen sollte man diese Rasterfahndung nach Äußerlichkeiten dennoch.

 

Deine Beispiele scheinen mir allerdings etwas anders gelagert zu sein, als die von mir geschilderte ‚Beobachtung‘, zumal man mit Einzelbeispielen auch noch nicht unbedingt kriminelle Strukturen benennt. (Die Fiesesten der Fiesesten, höre ich immer wieder, sind die Osteuropäer und sogenannten Russlanddeutsche – in der Regel sind die nicht dunkelhäutiger als ich…) In dem ICE, mit dem ich fahre, finden die Beamten nie etwas. Die haben ja auch noch nicht einmal Drogenhunde dabei. Alles, was sie tun, ist Präsenz zu zeigen, ist mein Eindruck. Und dabei beweisen sie extrem wenig Fingerspitzengefühl. Sollten sie tatsächlich mal eine Unze Dope bei jemandem finden, ist das die absolute Ausnahme, ich habe das noch nicht erlebt. So oder so wären das doch kleine Fische! Die großen Schmugglerringe wären schön blöd, wenn sie ausgerechnet in diesem Sinne verdächtig aussehende Typen auf die Reise schickten. Ich kann jedenfalls jedem, der Dope im ICE schmuggeln will, nur raten, es mir anzuvertrauen, denn ich werde, wie gesagt, niemals nicht kontrolliert.

 

Rasterfahndung macht sicherlich bis zu einem bestimmten Punkt Sinn. Dass sie aber auch problematisch ist und mitunter dem Verbrechen durchaus helfen kann, dafür sind die NSU-Morde ein extremes Beispiel. Es werden ja übrigens seitdem doch auch nicht alle phänotypisch Urdeutschen unter Generalverdacht gestellt, gell?

 

Gruß, d.

Daniel Domeinski 02.11.2012 | 11:48

@Kunibert Hurtig

"Vor einiger Zeit (Datum vergessen) wurde hier ein Blog eingestellt, in dem von dem Überfall der Mitglieder eines türkischen oder libanesischen Clubs auf eine linke Szenekneipe in Berlin berichtet wurde ... Die Betroffenen selber waren eher bereit, das verbrecherische Treiben mit dem Mantel des Schweigens zu bedecken, als ihre offenbar korrekturbedürftige Ideologie zu überdenken und zu erkennen, das Verbrecher eben Verbrecher sind, egal ob blond, ob braun, ob schwarz ..."

Das war eine Behauptung, die nachweislich ihrer überspannten Phantasie entsprang. Sie schreiben ja selber, dass "Verbrecher eben Verbrecher sind", dass ökonomische Interessen zu Bündnissen führen können, die weltanschauliche Gegensätze zeitweilig und begrenzt überbrücken. Wieso sollten dann die "Betroffenden" in den Chor derjenigen einstimmen, für die Ausländer prinzipiell der Kriminalität verdächtig sind?

Kunibert Hurtig 02.11.2012 | 13:39

Es tut mir leid, aber Sie haben Unrecht!

Ich habe die Homepage diese Kneipe zwei oder dreimal hintereinander besucht und jedes mal andere Informationen diesen Vorgang betreffend darauf gefunden, bis eben der ganze Vorgang verschwunden war. Beim dritten Mal habe ich die Informationen von der Seite kopiert, um darauf einzugehen und mir dabei,. man lese, man staune, den so genannten BKA - Trojaner eingefangen. Er lag hinter der Oberfläche der Seite. Sie bestand aus zwei oder drei hintereinander liegenden JPGs.

Ich haben dieses Virus selbst isoliert und die Informationen, wie man ihn wieder los wird hier beim Freitag und auf der BKA - Seite veröffentlich. Hier hat das niemanden interessiert, was mich auch nicht verwunderte. Auf der BKA - Seite kamen durchaus dankbare Kommentare. Sie können das dort ergründen.

Und ich wiederhole was ich oben geschrieben habe, es stand in mehreren Medien, unter anderem in der TAZ. Gegenüber dieser Kneipe residiert(e) ein Club, ein Verein, dessen Erwerbstätigkeit den Informationen zu Folge auf Drogenhandel beruht(e) und der intensiven Kontakte zu den Hells Angels unterhielt, von denen wohl auch die zu verkaufenden Drogen stammen, die wohl in gewissen Abständen angeliefert wurden.

Da Sie offensichtlich nicht über die Informationen verfügen, die mir zur Verfügung stehen / standen, stellt sich natürlich die Frage, auf welcher Basis Ihre Kritik fußt. Es würde mich interessieren.

Ich schrieb dazu folgenden Kommentar im Freitag, am 14.02.2012, Erstellt um 19:52

Die Steuerzeichen, die seinerzeit (vor dem Relaunce gültig waren) habe ich gelassen

<i><b>Zitate</b> sind kursiv</i>

<i>Wir haben uns seit den Ereignissen des Wochenendes vom 3./4. Februar öffentlich kaum geäußert. Wir entschieden uns so, da wir ganz klar nicht erwarteten, dass die Institutionen und Medien in diesem kalten, menschenverachtenden Land auch nur das Geringste an Hilfreichem zu unserer Lage beizutragen haben, weil sie dies nicht ansatzweise wollen oder können. Diese Auffassung hat sich uns in den letzten Tagen eindrucksvoll bestätigt.</i>

Es sei anzumerken, dass die Institutionen in diesem <i>kalten, menschenverachtendem</i> Land dafür Sorge tragen, dass Mio. in Frieden und Sicherheit leben können, inklusiver derer, die genau das beklagen.

 <i>Denn was ist seither passiert?

Bullen in Zivil und Uniform zogen vor dem Haus hin und her, begafften unseren Laden, Plakate an der Fassade, gafften durch die Fenster, kichernd, Witze reißend. So klammheimliche Freude auf Seiten der Bullen überrascht uns nicht.</i>

<i>begaffen, gaffen …usw.</i> Deutlicher kann sich das empfundene und gelebte Selbstbildnis nicht projezieren. Die das Interesse und die natürliche Neugier Dritter in einen Bedrohungswahn kanalisiert und das Amüsement über Sprüche wie auf dieser HP als <i>klammheimliche</i> Freude am Gesehenen umdeutet. Verfolgter kann man wirklich nicht mehr sein.

Es folgen einige Zeilen zu den Medien, das übliche Geschwafel …

<i>Aus den meisten Artikeln und Kommentaren quillen rassistische und xenophobe Drohungen und Beleidigungen, Ignoranz, Ressentiment, offener Hass, interessiertes Desinteresse, die ganze Hässlichkeit der Verhältnisse.</i>

Doch dann:

<i>Dabei scheint das Motiv „linke Gutmenschen werden Opfer von kriminellen Ausländern“ sich wunderbar in ein bürgerliches Weltbild einzufügen; …</i>

Hier scheiden sich aber doch die Geister. Wenn ein Trupp von 30 jungen Semi-kriminellen in ein beliebiges Haus eindringt, dort Scheiben und Einrichtung fragmentiert, am nächsten Morgen zwei Musiker zusammenschlägt, die das Haus betreten oder verlassen wollen, so haben wir es hier nicht mit einem Pappenstil zu tun. Wenn weiter bekannt wird, dass HellsAngels regelmäßig im <i>Vereineinslokal</i> auflaufen, dass der Drogenhandel floriert, dann scheint mir das nicht mehr spaßig und die oben zitierten Texte von der Stellungnahme der Überfallenen doch geprägt von einer ideologischen Verblendung, die ich mit einer veränderten Fassung der dort aufgeführten Adorno Zitats:

<i>Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.</i>

Nämlich:

<b>Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen dumm, noch von der eigenen Dummheit ohnmächtig zu werden.</b>

 

 

Kunibert Hurtig 03.11.2012 | 11:31

Natürlich kann man es so sehen, man kann es aber auch anders sehen.

Betrachtet man z.B. die RAF mit ihren – zweifellos – Morden an Buback, Ponto, Schleyer, Herhausen u.a., waren diese Taten immer begleitet von schriftlichen Bekenntnissen zur Verbreitung der revolutionären Gesinnung und zu Aufrufen zum Widerstand gegen das kapitalistische System. Die Zielgruppe der Anschläge war klar und deutlich markiert, abgesehen davon dass es Leute in den Zentren der Macht saßen.

Die so genannten Dönermorde waren heterogen angelegt. Sie trafen keine Personen, die in exponierter Stellung einer systemrelevanten Tätigkeit nachgingen. Ihre Positionierungen in der Gesellschaft waren eher durchschnittlicher Art, kleine Kaufleute, Imbissbudenbetreiber u.ä., somit gekennzeichnet durch … nichts, außer durch Unauffälligkeit und der ethnischen Herkunft.

Die Mörder suchten sich ihre Opfer nach dem Zufallsprinzip, vielleicht sogar spontan aus. Der Nagelbombenanschlag in Köln – Kalk fand in einer Gegend statt, die durchaus mit geprägt ist vom Drogenmilieu, Prostitution/Zuhälterei, Gewalt, vollkommen unabhängig davon, wie es dazu kommt oder gekommen ist.

Die Ermittlungsbehörden gehen auch zunächst vom für sie Naheliegenden aus, ob aus Bequemlichkeit oder Mangel an Phantasie, sei einmal dahingestellt.

Aber das Wesentliche liegt darin, dass die handelnde Gruppe keinerlei Bekennerschreiben hinterließ, ausgesprochen konspirativ vorging und, das wird wenig beachtet, es wurde 9 Mal!!! dieselbe Waffe verwendet. Das verweist eigentlich – zumindest für die Ermittler – auf Straftaten/Morde aus einem mafiösen Umfeld, mithin z.B. aus dem Drogenmilieu, verteilt über die gesamte Republik!

Wie ich dort: Kunibert Hurtig 02.11.2012 | 10:12 schrieb, ist das nun mal nicht von der Hand zu weisen und die Beschaffung von Dope z.B. in Köln verweist fast immer auf Dealer, die letztlich aus dem Orient die Sore beschaffen.

Es ist sehr einfach, aus einer bestimmten erkenntnistheoretischen Position heraus die Karten auszuteilen. Viel schwieriger ist es, in medias res die Perspektive der Betrachtungsposition zu wechseln. 10 Jahre später die total schlauen Statements abzugeben erscheint da schon leichter. Und wenn die so genannten verdeckten Ermittler, oder V – Leute, wie man so sagt, dann auch noch im rechten Umfeld verortet werden müssen …

Nein, ich denke das war vor Ort und zur Zeit nicht so einfach und hinterher ist man immer schlauer … und man bedenke: wenn die Waffe nicht in der verbrannten Wohnung / im Wohnwagen gefunden worden wäre: was dann? Was hätte auf die Dönermorde verwiesen?

Heinz Lambarth 03.11.2012 | 12:08

Na ja, in d-land ist es sicherlich im internationalen vergleich noch ziemlich entspannt, wenn es um 'verdachtskontrollen' geht; da ist mensch aus den USA oder auch GB schon anderes gewöhnt. Rchtig surril wird es allerdings, wenn auch in den sogenannten 'terror-herkunfts-staaten' dieselben muster parktiziert werden. Weisshäute werden faktisch nie kontrolliert, dafür aber Inder, frauen und neuerdings Chinesen.

Also, was soll die ganze aufregung? Irgendwo haben wir alle probleme mit 'fremden'; und das abzustellen, schafft die menschheit sicherlich nicht mehr - weil sie vorher schon an den folgen der klimaveränderung ausstribt. Also heisst es - ruhe bewahren und bürgerrechte verteidigen, aber nicht dort, wo es nichts bringt...

PapaSchlumpf 03.11.2012 | 15:58
Das kommt mir aus früheren (DDR)-Zeiten bekannt vor, als Punk im soz. Einheitsstaat war man immer mit dabei in der "Fahndungskontrolle". Also früher Punk oder heute als Ausländer, geändert hat sich für Randgruppen nichts. Der Generalverdacht ist dein ständiger Begleiter und Schatten. Ich gebe Heinz s.o. vollkommen Recht die einzige sinnvolle Maßnahme ist Ruhe bewahren und Bürgerrechte verteidigen.
GEBE 05.11.2012 | 08:07

Diskriminierung? Nein!

Stichkontrolle ist Stichkontrolle. Will demnächst jemand etwa klagen der kontrolliert worden ist und eine gestreifte Krawatte anhatte, weil ein anderer mit einer gepunkteten nicht kontrolliert worden ist; ein Mann, weil eine Frau nicht und eine Frau, weil ein Mann nicht; ein Middle-Ager, weil ein Rentner nicht und umgekehrt?

Selten dämlich ist nur, wenn ein Polizist bei einer Kontrolle etwa  Aussagen macht: "Sie werden kontrolliert, weil sie aussehen als seien sie ein nicht maximalpigmentierter männlicher Rentenbezieher mit gestreifter Krawatte."

ElMatze 08.11.2012 | 00:46

Das hat doch alles garnichts mit Diskriminierung zu tun!

Es gibt sicher eine wunderschöne Polizeistatistik, die besagt, daß grünhäutige männliche Einzelreisende mit schwarzen Haaren und gelbem Spitzbart die größte Bedrohung für den Bahnverkehr darstellen. Diese muß man natürlich verstärkt kontrollieren.

Das blauehäutige Päärchen, Er grüne Haare, Sie blond, Er rasiert, Sie mit rotem Bart ist bisher noch nie aufgefallen. Die kontrolliert man selten.

Wenn wir jetzt von einer statistischen Gleichverteilung von Bösen und Guten ausgehen, kommt es doch zwangsläufig dazu, daß die absolute Anzahl der Funde bei den grünhäutigen höher ist, was natürlich unsere in Statistiken auswertenden Experten der Schutzbehörden veranlaßt, bei denen noch mehr Kontrollen durzuführen. Was jetzt folgt, könnt Ihr Euch denken, aber hey, wir wissen doch jetzt, wie Verbrecher aussehen.