Frank R
03.01.2013 | 00:52 3

Vertreibung heute

Berlin Thierse wecken.

Nachdem nun auch der Thierse (zugezogen aus Breslau) den Schwabenkoller gekriegt hat, muss ich als Ex-Berliner (hinmigriert damals aus Potsdam) mal was Prinzipielles zum Lauf der Welt sagen. Es ist nämlich immer das Gleiche, lieber Herr Thierse. So wie der weiße Mann den schwarzen Mann aus dem Busch gejagt hat, okkupiert der Schwabe den Prenzlauer Berg. Eine erfolgreiche Spezies verdrängt immer etwas die andere. Shit happens.    
Die Thierses kamen auch nur mit dem Treck, weil Breslau anderweitig genutzt wurde, stimmt's? Da half auch kein Zetern. Dann in Berlin studieren und dort kleben bleiben, „jüldet nich“, wie der Berliner sagt.
Am besten ein Beispiel am unverdünnten, echten Ur-Berliner nehmen (nach seinem Outing im Getränkemarkt auch „Schultheiß-Berliner“ genannt). Der Ur-Berliner hat sich von Geburt an eine gesunde Provinzialität bewahrt, die ihn nicht wahrnehmen lässt, was um ihn herum passiert. Er krault seinen Dackel während der „Abendschau“ und schüttelt über dem „Kurier“ nur ein bisschen den Kopp, kauft sich ein Paket Wurscht oder hockt inne Kneipe und weiß gar nicht, wie Schwäbisch geht. Die urberliner Köterbestände sorgen auch zuverlässig dafür, dass die Stadt nicht allzu sauber wird.
Der Insulaner hat also die Ruhe weg, wie man so schön sang in Westberlin, das sich mindestens genau so von den Thierses im Ostteil bedroht fühlt wie die Thierses von den Schwaben. Keine Mauer der Welt kann diese urberliner Mauer-Mentalität zerreißen.
Seinen Frust über die fortwährende Gentrifikation seines Biotops erdet der Berliner in der berühmten Spröde seines Charmes. Meist flucht er (oder sie) murmelnd vor sich hin. Mehr aber auch nicht. Er hat, denkt der Ur-Berliner jedenfalls, zu viel erlebt, um sich zu wundern. Außerdem hat er sowieso immer Recht, da können Fremde die Klappe aufreißen wie sie wollen.
Ur-Berliner gibt es auch nur  ein paar Tausend. Die meisten von ihnen sind Taxifahrer und Hausmeister. Meist behalten sie ihren Adel für sich. Wenn einer laut herauskräht, dass er ein Berliner ist, ist meistens schon was faul. Je lauter, desto ferngeborener (siehe Kennedy).
Wenn man Wahlberliner aus der Stadt ekelt, was ja bisweilen gelingt, behalten sie gedanklich oft „noch einen Koffer in Berlin“. Was natürlich Blödsinn ist, denn den Koffer hat niemand dort, wo er hinfährt. Sondern man nimmt ihn höchstens dorthin mit. Quatsch mit Soße. Berlin eben. Det wer'n Schwaben und Thierses ooch noch kapiern. 

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