GEBE
23.01.2013 | 07:34 46

- Bezieher wurden bei Tombola verlost

Hartz IV Wie auf einem Sklavenmarkt: Ältere Erwerbslose bei einer Tombola an Firmen "verschenkt"

- Bezieher wurden bei Tombola verlost

Foto: gaelx/ Flickr (CC)

Was sich derzeit ältere Erwerbslose bundesweit gefallen lassen müssen, passt unter keine Kuhhaut mehr. Unter dem Label „Perspektive 50plus“ starten allerorts Jobcenter zweifelhafte Aktionen, um angeblich älteren Hartz IV Beziehern eine (Re-)Integration auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. So werden beispielsweise Erwerbslose in Berlin zu speziellen Bauchtanz-Kursen eingeladen, in Brandenburg mit Schrittzählern ausgestattet oder in Nienburg zu sogenannten Rauchentwöhungskursen verdonnert. Nicht selten werden derlei Einladungen auch gleich mit Androhungen von Sanktionen verschickt.

Arbeitslose gratis abzugeben

Einen besonderen menschenverachtenden Unfug stellte nun das Jobcenter des rheinland-pfälzischen Ortes Bendorf im Rahmen der 50plus-Kampagne an. In Zusammenarbeit mit dem ansässigen Bildungsträger DG Mittelrhein wurde auf dem Weihnachtsmarkt eine Tombola veranstaltet. Bei dieser Verlosung wurden erwerbslose Menschen an Firmen in der Region wie auf einem Sklavenmarkt „verlost“. Die Unternehmen gewannen zum Beispiel Fensterreinigungen, Fußböden-Schrubben, Lager aufräumen, Fuhrpark reinigen oder die Gestaltung einer Firmen-Internetseite. Diese „Gewinne“ wurden dann durch Teilnehmer der 50plus-Kampagne durchgeführt.

Und weil das an Menschenverachtung noch nicht reichte, „durften“ einige Erwerbslose die Ziehung der Lose zusätzlich mit einer weihnachtlichen Aufführung untermalen und sich im wahrsten Sinne des Wortes „zum Affen machen“.

Wer jetzt denkt, die Firmen hätten wenigstens einen Obolus oder eine Spende entrichtet, der irrt. „Es gab nicht, wie bei einer normalen Verlosung, Nieten. Alle Lose gewannen. Die Firmen mussten auch nichts für die Lose bezahlen“, berichtet ein Betroffener. „Wir wurden dann als Gewinn vermittelt und mussten Fenster putzen, ohne ein Pfennig Geld dafür zu erhalten. Einen Job habe ich dadurch auch nicht bekommen“.

Für den DG Mittelrhein stand von Anfang an fest, kein Geld für ein Los zu verlangen. Schließlich wollte man das soziale Engagement der Unternehmen „belohnen“. Das Engagement beschränkte sich allerdings auf das alleinige „Bereitstellen“ von unbezahlter Arbeit. Weitere Verpflichtungen mussten die Firmen eingehen. „Die Firmen sehen, dass Menschen über 50 Jahre noch nicht zum alten Eisen gehören“, sagt Projektleiterin Anke Jorzig. Marianne Morgenschweis, Bereichsleiterin Markt und Integration des Jobcenters Mayen-Koblenz.

Jobcenter keine Lottobude oder Sklavenmarkt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB sieht in der Aktion richtigerweise eine "menschenverachtende und entwürdigende Aktion". So erklärte der DGB-Landesvorsitzende des DGB´s Rheinland-Pfalz, Dietmar Muscheid "Was hier als moderne Arbeitsvermittlung verkauft wird, stellt eine Verrohung der Sitten dar. Ein Jobcenter ist keine Lottobude und ein Weihnachtsmarkt kein Sklavenmarkt."

Das Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz kann die Aufregung nicht verstehen. In einer offiziellen Stellungnahme werden die Vorwürfe abgewiesen. "Wir halten die Aktion weiterhin für einen innovativen Ansatz mit Arbeitgebern in Kontakt zu treten“. Stolz wird berichtet, dass ein „Verloster“ eine Praktikumsstelle erhalten hätte. Dass das Praktikum unbezahlt ist, wird dann aber gern verschwiegen. (sb)

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Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion aus folgender Quelle:

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-bezieher-wurden-bei-tombola-verlost-9001301.php

 

Kommentare (46)

mcmac 23.01.2013 | 10:55

Wenn man so etwas immer wieder erfährt, fragt man sich, ob Teile der Gesellschaft, die medial breit angelegte, erbitterte Gender- und Antisemitismusdebatten führen, eventuell den Schuss nicht gehört haben. Mitten in der Mitte der Gesellschaft wird der absolute, unverhandelbare Wert eines Menschen systematisch und mit einem gruseligen Verständnis von Zivilgesellschaft (siehe Reaktion Jobcenter in obigem Beitrag) derart auf den Hund gebracht, dass man Westerwelles „die sollen doch Schnee schieben“ von 2010 heute, 2013, vielleicht schon dahingehend abwandeln sollte, dass diese Menschen doch selbst als schneeschiebende Planierschilde eingesetzt werden sollten. Oder, drastischer und deutlicher gesagt: Verlost werden sollten an die Bundeswehr in Kriegsgebieten, nicht als Minensucher, sondern gleich als Minenräumgeräte – vielleicht merkt's dann mal jemand.

Helmut Eckert 23.01.2013 | 15:27

Immer das gleiche Muster: nach Oben nicken, nach Unten treten. Sicher, die SPD Macher brachten diese Auswüchse nicht zu Papier. Trotzdem tragen nur sie die Verantwortung. Im neuen Spiegel ist ein Artikel:https://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2013&h=4&a=90638289

 und im Heft auf Seite: 36 – 37 Heft 4 2013 der vollständige Beitrag; über den Verkauf von 274 000 Sozialwohnungen des Bundes an private Investoren. Was ist passiert? Da ist nichts  zu raten, sondern die Folgen muss  jeder Bürger sofort wissen. Die Mietpreise stiegen und steigen wie das Wasser bei Flut an der Küste. Nur fehlt bei den Preisen die Ebbe!

Davon will ein Steinbrück jetzt nichts mehr wissen! Was stört mich meine Taten der Vergangenheit. Jetzt verspreche ich das Blaue vom Himmel und werde nach der Wahl die Gewitterwolken als alternativlos dem Volke schenken. Das kennen wir von früheren Wahlen… Denken wir nur an die Erhöhung der Mehrwertsteuer! Wahlversprechen sind wie Staub der Wüste. Niemand kann vorher sagen, wohin er weht und wessen Haus später voll Sand ist!

Ach ja: Auch das ist sein Wek, oder ein von Banken geschaffenes Werk: sprich Bankengesetz, wo allein Steinbrück die Verantwortung trägt: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/lobbyismus-banken-steinbrueck

Zitat Anfang: Unter Steinbrück schreiben Banken selbst das Steuergesetz. ... Zitat Ende.

Was folgere ich daraus: Er frisst Kreide bis zur Wahl und ist dann wieder der Diener seines Herren.. des Kapitals. Die Folgerung dieses Wissens erlaubt mir kein Wahlkreuz bei diesem Genossen!

elisRea 23.01.2013 | 17:13

Hallo Gebe, informativer, wichtiger und erschütternder Artikel.

Mich macht das wütend. Genau so wie die Aufstockergeschichte. Die Politik hat hier völlig versagt. Offensichtlich sind die großen Parteien nicht in der Lage über ihren Parteitellerrand hinaus im Interesse der betroffenen Menschen Entscheidungen zu treffen, wie z.B. eine Mindestlohnregelung und eine "Humanisierung" der Harz-IV-Gesetzgebung.

Die Leute, die das zu verantworten haben und dafür bezahlt werden .... [Selbstzensur]

LG

 

Helmut Eckert 23.01.2013 | 17:19

Seit wann ist der DGB ein Wurmvortsatz der SPD? Ich wählte viele Jahre die Partei der Genossen.. bis ich merkte, leider zu spät, welches Leid diese Partei, besser gesagt die damaligen Hörigen eines Schröders, mit einem Teil der Hartz IV Gesetze verursachen. Es gibt in der SPD viele die mir zustimmen, aus verschiedenen Gründen sich nicht offen zu meinen Thesen äußern können, oder wollen! Hass ist immer ein schlechter Ratgeber. Das Warnschild vor dem Betreten der Eisfläche ist kein Hinweis auf einen Hass des Schildschreibers. .Es ist nur ein Warnschild, mehr nicht. 

Mir kann kein Mensch erklären, dass kein Genosse die Fallstricke erkannte, die sich in dem Hartz IV Gesetz, dem Gesetz über die 400 Euro Regelung, des Leiarbeitergesetzes,  befanden. Dachten damals die verantwortlichen Genossen etwa, das Kapital wird nicht alle negativen Möglichkeiten, die letztlich zur Ausbeutung, zur Entrechtung und zur weiteren Armut der Betroffenen führen werden, zu ihrem alleinigen Nutzen anwenden?

Die 2. Schlussfolgerung müsste somit sein, wenn die Genossen es tatsächlich nicht überschauten, die entsetzlichen Folgen ihres Handeln: Dann wären sie zu blöde gewesen!

Die 3. Schlussfolgerung ist: Ihnen war es egal. Sie boten dem Kapital, dem Unternehmer die bewusste Möglichkeit der Gewinnoptimierung. Auch auf Kosten der Leidtragenden. Diese Möglichkeit ist die mit dem höchsten Wahrscheinlichkeitsfaktor. Siehe Änderung der Steuergesetze unter Schröder zum alleinigen Nutzen der Unternehmer.

Es waren SPD Minister, welche 274 000 bundeseigene Wohnungen an Kapitalgesellschaften verhökerten, ohne sich eine Bohne um die sozialen Folgen ihrer Bewohner zu scheren.

Wo sind sie geblieben diese Macher der SPD? Schröder ging zu den Russen als Berater. Dort arbeitet er für einen Hungerlohn in Millionenhöhe.  

Steinbrück ließ die Banken das Bankengesetz schreiben..  http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/lobbyismus-banken-steinbrueck  Steinbrück tingelte durch das Reich der Banken und Unternehmer, um für den Mindestlohn von 10 bis 25 000 Euro, als überarbeiteter Bundestagsabgeordneter, seine 2 stündigen Vorträge zu halten. Als Abgeordneter bekommt er fast 8000 Euro monatlich vom Staat. Übrigens: der Hartz IV Empfänger muss jede Nebeneinkunft über 50 Euro angeben und der Betrag wird ihm sofort abgezogen. Der Abgeordnete Steinrück kann Millionen zusätzlich verdienen. Er muss sie nur versteuern.  

 

Eichel verhökerte 80 000 Wohnungen. Er klagte um eine Erhöhung seiner Altersbezüge um läppische 2500 Euro, da ihm die zugestanden Höhe der Rente von 7144 Euro zu gering erschien!   http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ex-finanzminister-hans-eichel-scheitert-mit-pensionsklage/5884884.html

Wolfgang Clement  verließ gar die Partei um jetzt : Aufsichtsratsmitglied der Landau Media AG ; Aufsichtsrat der Dussmann-Gruppe. Vorsitz Wolters Kluwer Deutschland GmbH (Köln).

Aufsichtsrat DuMont Schauberg.Aufsichtsrat Deutscher Industrie Service (DIS), Citigroup Global Markets Deutschland der Citibank, der Verlag M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG sowie das Beratungsbüro Deekeling Arndt Advisors (DAA) Versatel AG Aufsichtsrats der Daldrup & Söhne AG. Aufsichtsrat Energy Consulting. Aufsichtsrat Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP 

Solche vorbildlichen SPD Genossen strickten diese angeführten Gesetze. Er war maßgeblich für die Leiharbeiter Gesetzgebung zuständig. Welches Wunder, in der  deutschen fünftgrößten Zeitarbeitsunternehmen Deutscher Industrie Service (DIS) sitzt er ebenfalls im Aufsichtsrat.

Neidisch bin ich nicht. Nur darf ich nachfragen, welches Wohl diese Genossen im Auge und Sinn hatten, als sie diese Gesetze beschlossen?

Da darf ich sehr wohl meine Zweifel äußern, ob dieser Kanzlerkandidat, diese SPD, das Wohl des kleinen Mannes berücksichtigen wird? Zweifel sind angebracht, wenn ich mir die Äußerungen und viel wichtiger, die vergangenen Handlung des Herrn Steinrück betrachte. Ob er vom Saulus zum Paulus wird? Eher kommt ein Kamel durch ein Nadeloöhr!

 

 

elisRea 23.01.2013 | 17:21

Hallo Terrich, informativer, wichtiger und erschütternder Artikel.

Mich macht das wütend. Genau so wie die Aufstockergeschichte. Die Politik hat hier völlig versagt. Offensichtlich sind die großen Parteien nicht in der Lage über ihren Parteitellerrand hinaus im Interesse der betroffenen Menschen Entscheidungen zu treffen, wie z.B. eine Mindestlohnregelung und eine "Humanisierung" der Harz-IV-Gesetzgebung.

Die Leute, die das zu verantworten haben und dafür bezahlt werden .... [Selbstzensur]

Helmut Eckert 23.01.2013 | 17:42

ELISREA Das ist eine sehr schwere Frage! Mit Schwarz -Gelb wähle ich meinen Schlachter. Grün hat was für sich! Viele dieser Wähler sind für eine andere Gesellschaft, wahrscheinlich für eine grün  - soziale! Meine Devise lautet daher: Wähle das Beste unter den Schlechten und hoffe, dass sie zu Guten reifen. Es ist wie mit der Ehe. Erst der Versuch macht klug! Mit der SPD lebe ich zur Zeit in Scheidung. Eine Versöhnung ist nur nach der Gewissheit einer Änderung ihrer Politik möglich. Als früherer Umweltberater ist mir das grüne Hemd nicht so fremd.. Nebenbei möchte ich festhalten, viele der Grünwähler kommen aus dem roten Sumpf der Enttäuschten!

Mit freundlichen Gruß H. Eckert

fahrwax 23.01.2013 | 18:16

30-Stunden-Woche fordern! Ohne Arbeitszeitverkürzung nie wieder Vollbeschäftigung!

 

Offener Brief an die Vorstände der Gewerkschaften, Parteien, Sozial- und Umweltverbände und Kirchenleitungen in Deutschland: 30-Stunden-Woche fordern! “Wir, die Unterzeichnenden dieses offenen Briefes, wenden uns an die RepräsentantInnen der Gewerkschaften, an alle demokratischen Parteien, die SpitzenvertreterInnen der Sozial- und Umweltverbände sowie die Kirchenvorstände in Deutschland mit der dringenden Bitte, dem Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit höchste wirtschaftliche und politische, soziale und humanitäre Priorität einzuräumen. Deutschland und die ganze Europäische Union befinden sich in einer schweren ökonomischen und sozialen Krise. Die Arbeitslosigkeit hat in Europa unerträgliche Größenordnungen erreicht. Besonders erschreckend ist die Jugendarbeitslosigkeit, die in einzelnen Ländern über 50 Prozent hinausgeht. In Deutschland ist zwar die Zahl der Jobs in den letzten Jahren gestiegen, aber es sind überwiegend Kurz-Jobs, die als Lebensgrundlage nicht ausreichen (sog. prekäre Beschäftigungsverhältnisse). Die Bewältigung der Arbeitsmarktkrise erfordert die aktive Beteiligung aller demokratischen Kräfte im Land. Wirtschaftliche Macht und neoliberale Politik müssen daran gehindert werden, weiterhin die Krisenlasten der lohnabhängigen Bevölkerungsmehrheit, den Arbeitslosen und den sozial Schwachen aufzubürden. Notwendig ist eine faire Verteilung der Arbeit durch eine kollektive Arbeitszeitverkürzung. Lassen Sie uns dafür gemeinsam kämpfen!...” Der Offene Brief mit dem Unterschriften-Stand vom 21.1.2013:

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/01/offenerbrief30std.pdf

Terrich 23.01.2013 | 18:49

Es ist im Grunde ganz einfach. Ich hatte das Dingen ja schon vor zwei Tagen drin. Man braucht da wirklich nicht soviel zu zu schreiben. es ist einfach erschütternd.

Ich hatte in meinem Blog einen Vorschlag, wie man diesen Parasiten des Systems zu Leibe rückt: massenhaft, und damit meine ich massenhaft, Emails mit dem von mir genannten oder einem anderen phantasievollen Vorschlag.

Sie sollen erkennen, in was für einem verkommenen System sie agieren und sie sollen erkennen, dass das erkannt wurde. Keinen Respekt, vor allen nicht die beschissene Ausrede gelten lassen:

Ich tue nur meine Pflicht!

Nein, sie haben sich den Job ausgesucht, sie sollen darin baden, das Wasser saufen, das sie mit ihren ekelerregenden intellektual Ausdünstungen vergiften.

NUR: solange hier im kleinen Kreise Aufregung zelebriert wird, hilft das nichts, gar nichts.

Terry Rich

luddisback 23.01.2013 | 19:32

danke gebe, dass sie diese meldung aufgegriffen haben! ein herrliches beispiel dafür, wie die mehrheit in diesem land durchaus mit unterbezahlten und, weniger als das, 1 euro sklaven leben kann, solange die verbrämung des sachverhalts über medial verstärkte rechtfertigungsphrasen gesichert ist.

das verlosen, oder vielleicht allein das wort tombolla, stört nun offenbar das wohlbefinden etlicher, die mit der amtlichen zuteilung der unfreien bislang kein problem hatten. der umgang des systems mit lohnabhängigen souveräns steht dabei aber nicht auf der liste des kleinen volkszorns, sondern diese tombolla. macht man doch nicht. jedenfalls vermute ich keinesfalls, dass uns nun die augen aufgegangen sind und uns eine änderung des status quo bevorsteht. man wird die ärmsten weiterhin amtlich geregelt an die industrie verschachern dürfen und bis auf weiteres auf sklavenmärkte auf volksfesten, die konzentration von betroffenen in arbeitslagern und tombollas verzichten. was bleibt ist nur die frage, ob man merkel oder steinbrück lieber mag.

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Ehemaliger Nutzer 23.01.2013 | 21:31

All die Schweinereien des SGB II waren von SPD und Grünen von Anfang an genau so geplant, wie sie jetzt durchgeführt werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Man kann das auch heute noch im Netz recherchieren. Das ist wichtig, weil sehr häufig argumentiert wird, dass das SGB II erst von CDU/CSU+FPD im Vermittlungsausschuß "verschärft" worden wäre. Tatsache ist aber, dass SPD+Grüne ja vor Verabschiedung des SGB II wußte, dass sie im Bundesrat keine Mehrheit haben. Konsequenterweise hätten sie dann den Entwurf des SGB II zurückziehen müssen. Tatsache ist auch, dass SPD+Grüne nicht rein zufällig das SGB II im wesentlichen auf den rabiaten Workfare Programmen der Angelsachsen aufbauten. Auch das ist dokumentiert. Die gesamte Menschenverachtung war absichtlich geplant. Das von SPD+Grüne stammende Züchtigungs-, Zurichtungs- und Verwertungsgesetz (SGB II) wird jetzt genau so wie geplant durchgeführt. 

Michael Haufe 23.01.2013 | 22:57

... habe mir den Film, "Hannah Arendt" (von Margarethe von Trotta) angesehen - Ja, sie hat Recht: Diese eichmänniche Art des bürokratischen KadaverGehorsams - (ohne jegliche Menschlichkeit) ist eine ganz neue Generation von Verbrechen!

Und ich sage es als Philosoph ganz deutlich: Es war immer zuerst der Staat.. der in DeutschLand die schlimmsten Verbrechen zu verantworten hat. Man sollte es dem Staat und seinen Leuten.. ebenso wie einflussreichen PrivatLeuten.. gänzlich verbieten, derartige Gesetze und 'DurchFührungsBestimmungen' zu erlassen, denn sie führen meist  zum Schaden und Leid für Dritte - und für uns alle!

Wenn man Herrn Eichmann damals etwas 'auf den Fuß getreten wär', wäre man heute vermutlich ein 'Held'. 'Was', so denke ich mir, 'wird man in 20 oder 30 Jahren über unsere RegierungsVer-(t=b) re(t=ch) er sagen?'

mcmac 24.01.2013 | 10:06

Selbstverständlich ist auch Ihre Kritik an meinem Kommentar berechtigt. Dass das Eine das Andere nicht ausschließt, war und ist für mich eigentlich evident, wenn ich das als Erklärung zu besserem Verständnis nachschieben darf.

Aufällig aus meiner Sicht jedoch ist, in welchem Maße und wie bestimmte Dinge öffentlich wahr genommen werden (sollen). Und da rangiert m.E. die HartzIV-Problematik unangemessen weit hinten. Und dort dann auch vor allem lediglich als abstrakter Kostenfaktor.

Kaltschnäuzigkeit und Empathielosigkeit, egozentrisches Denken usw., welche u.a. die charakterlichen, individuellen Voraussetzungen sind für Chauvinismus/ Rassismus/ Antisemitismus etc. pp., finden aber auch genau an dieser Stelle -mitten in der Mitte der Gesellschaft, wie das Beispiel zeigt- statt. Sie verweisen, bleibt man beim Thema HartzIV, aber eben kaum auf religiöse, geschlechtsspezifische oder sozio-kulturelle Ursachen, sondern legen den ökonomischen Kern des kapitalisitischen Pudels frei (den man genau so auch bei den anderen Themen frei legen könnte; nur ist es da anscheinend komplizierter, resp., setzt man sich in entsprechenden Diskussionen schnell dem Vorwurf aus, das Thema zu verwässern oder etwa ideologisch zu argumentieren). -Wenn man derzeit wieder die Töne aus Davos hört, scheint sich "der Kapitalismus" (verkürzt, ich weiß) wieder recht sicher zu sein, dass es nach seinem Crash 2007/2008 wieder richtig geil aufwärts geht...

Diskussionen über Antisemitismus und die Genderproblematik lassen aber aus meiner Sicht oft die zum tieferen Verständnis nötige Benennung der ökonomischen Ursachen/Verwerfungen außer acht. Beispielsweise hat sich mir die Diskussion um Jakob Augstein/Broder vor allem auch so dargestellt, als dass hier ein linksliberaler und vor allen unabhängiger Publizist und Verleger unter zu Hilfenahme eines einflussreichen Rechtspopulisten medial zum Schweigen gebracht werden sollte, weil nun endlich mal auch hierzulande die kapitalistische Party ungestört weiter gehen sollte, zumal eine wichtige Wahl in einem wichtigen europäischen Land ins Haus steht...

In etwa diese Richtung war mein Kommentar gemeint.

lg

elisRea 24.01.2013 | 14:04

Danke für Ihre Antwort. Ich verstehe jetzt, was Sie meinen.

Haben Harz-IV-Empfänger eine Lobby, die sie schützt, Druck auf Politiker ausübt, ihre Interessen vertritt? Haben sie Einfluss auf Abgeordente, Parteifunktionäre, Medienberichterstattung (Meinungsbildung)?

Ein Forist hier bemerkte m.M.n. ganz richtig, dass das Problem der Arbeitslosigkeit durch eine Umverteilung der Arbeit, d.h. Arbeitszeitverkürzung, gelöst werden könnte (oder müsste). Die Frage hierbei ist: Mit oder ohne Lohnanpassung/Lohneinbußen? Und: Sollten Lohneinbußen gestaffelt, d.h. abhängig von der Lohnhöhe sein? Und: Wer soll das wie durchsetzen?

Warum ist das nicht zumindest bei staatlichen und kirchlichen Arbeitgebern machbar?

GEBE 24.01.2013 | 14:35

Schönen guten Tag, alle zusammen.

Nun stellte ich mir gerade die Frage, was ich machen soll. Der Inhalte und der Höflichkeit wegen möchte ich gerne auf alle Kommentare antworten. Mache ich das, so verdoppele ich damit zwangsläufig die Anzahl der Kommentare mit dem Ergebnis, in Richtung „Meistkommentiert“ zu kommen, was ich auf diese Weise aber nicht will. Also werde ich versuchen einen einzigen Kommentar zu schreiben, der deswegen länger ausfällt, weil ich der Reihe nach per (@ …) antworte. Das scheint mir die korrekteste Vorgehensweise zu sein.

Wohl an denn!

 

@ mcmac 23.01.2013 | 10:55

Ich stimme mit Ihnen überein und möchte ergänzen: Es ist m. E. eben tatsächlich so. daß die größten Schweinereien, die allergrößten Einwirkungen auf Menschen diejenigen sind, welche die subtilste Vorgehensweise beinhalten, und gerade über diese Subtilität den Menschen einzuflößen geeignet sind, sie seien erstens harmlos und zweitens so daher kommen, als seien sie auch noch geradezu besonders vernünftig, besonders nützlich, besonders aufgeklärt. Dabei geschieht nichts anderes als der Freiheitsnatur des Menschen entgegen zu wirken und diese Freiheitsnatur zu okkupieren durch eine gewisse Instinkthaftigkeit. Es werden regelrecht Instinkte konditioniert – und zwar Instinkte, die besonders grauenvoll sich auswirken. Die Methoden, mit denen das bewirkt wird, sind offenkundig.

Um es grob und in einem Bild auszudrücken, welches aber die tatsächliche handfeste Realität charakterisiert, kann man sagen, die Methode ist immer die, wie man sagt, den Metzgerhunden Würste hinzuwerfen, nicht weil man ihnen etwa was Gutes gönnt, sondern um sie abzulenken, damit man mit den Schinken durchbrennen kann. Nun, diese Methode ist inzwischen ausgefeilt worden, indem man nicht mehr allen Metzgerhunden eine Wurst hinwirft, sodaß diese des weiteren auch noch damit beschäftigt sind, sich untereinander anzufallen und sich wegen des taktisch eingefädelten Wurstmangels selbst zu verbeißen!

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@ tlacuache 23.01.2013 | 11:09  

 Zu soviel „Realsatire“, sprich Zynismus, bin ich nicht fähig, da ich keine Pilze rauche udgl.

Und Sie haben vollkommen recht: es wäre das z.B. 2005 nicht als quasi Ausschau auf die Konsequenzen der sog. Hartz-IV-Gesetze geglaubt worden. Und heute ist es genau so. Man ist immer noch nicht bereit die Angelegenheiten zuende denken zu wollen, was an Konsequenzen noch bevorstehen, die allesamt schon eingeplant sind. Und diese „Schrittchen“ dahin, wie im Blog dargestellt, werden immer noch nicht verstanden als Bedeutsames, als Tests auf dem Weg dorthin.

Es gibt, ich möchte sagen, einen tatsächlichen Zauberspruch dazu (der durch persönliche Dusseligkeit geoffenbart worden ist, weshalb der Schwarzmagier-Erfüllungsgehilfe, der ihn durch seine Dusseligkeit ausgesprochen hat, ja auch inzwischen weggelobt wurde), der lautet: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passier. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." (J. C. Junker)

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@ abghoul 23.01.2013 | 12:02

" Man muss sich den dunklen Dingen stellen."

Vor allem muß man sie erst einmal gehörig genug, als tatsächlich gegeben, ins Bewußtsein bekommen.

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@ Lapis 23.01.2013 | 15:03

Danke für das Link! Auch hier steht ein Beitrag dazu: https://www.freitag.de/autoren/gebe/behoerde-schickte-bezieher-ins-bombenfeld

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@ Helmut Eckert 23.01.2013 | 15:27

Werter Herr Eckert,  ich verstehe Ihre Sichtweise. Eines allerdings, das kann man deutlich sagen, ist, daß es nicht mehr ausreicht, sozusagen bundesrepublikanisch innerhalb der Parteien und deren Programmen, die Problematik festmachen zu wollen. Also: ob die eine oder andere Partei dies oder jenes getan oder nicht getan, favorisiert oder vernachlässigt hat, ist schon lange nicht mehr der eigentliche Schauplatz. Wer heute noch meint, er müsse inbezug auf die politische, sozikulturelle Ausgestaltung in Richtung Berlin oder Brüssel gucken, macht sich selber blind, denn die tatsächlichen Arbeitsaufträge kommen aus Washington und nirgends woanders her! Es sind anglo-amerikanische Logen, die eine immer weitergehende materialistische Weltherrschaft anstreben, und es ist in gewisser Weise sehr naiv, für die sehr beobachtbaren Vorgänge, wie sie im Blog dargestellt sind, das politische bundesrepublikanische Parteiengetriebe als ausschlaggebend ausmachen zu wollen. Es ist genau dies dasjenige, was ich oben an @ “mcmac“ geschrieben habe: das Balgen um Würste in den Niederungen, was den klaren Blick verstellt.

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@ Zeitleser 23.01.2013 | 15:47

Auch der DGB ist seit Jahrzehnten schon ein verkommener Handlangerverein!

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@ elisRea 23.01.2013 | 16:39

„Das Eine schließt doch das Andere nicht aus. Verstehe ich nicht, warum Sie das schreiben.“

Nun, die Frage ist eben: Was ist die Wurst und was der Schinken!

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@ Lethe 23.01.2013 | 16:42

„immer öfter kann ich gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte“

Ich komme immer mehr dazu, sich für eine Diät zu entscheiden.

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@ elisRea 23.01.2013 | 17:13

Ein Mindestlohn ist schon längst für alle Bereiche beschlossen! Er beträgt genau 0,00 €! Nur ist er noch nicht gänzlich umgesetzt. Der Weg dahin, zu Umsetzung nämlich, aber wird in ungehemmtem Marsch beschritten. Man will es nur noch nicht wahrhaben, das dieser Mindestlohn schon beschlossene Gegenwartsrealität ist.

[Es kommt einem vor, daß das nicht erkannt/realisiert wird, wie in einer Beziehungssituation, wenn A zu B offen sagt: „Du, ich habe dich betrogen“; B dies aber nicht wahrhaben will und deshalb lacht und lacht und sagt: „Du scherzt, du willst mich ja nur veräppeln.“ – bis es anfängt zu dämmern und das Lachen radikal in Weinen umschlägt.]

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@ Red Bavarian 23.01.2013 | 17:18

„Das ist Sozialrassismus, nichts Neues in Deutschland.“

Sie irren. Es ist kein Sozialrassismus; es ist Animalismus. Und zwar globaler! Spätestens hier kann man deutlich erkennen, daß der Mensch auf das Tier aufgepfropft ist. Solange er den materialistischen Weg geht, entwickelt er sich zurück zu Tier/wird zum Tier. Erst wenn er beginnt zu über, sich als Geistwesen zu begreifen, erkennt er sich als Mensch.

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@ fahrwax 23.01.2013 | 18:16

Ich schlage vor, einen offenen Brief jeweils an sich selber zu schreiben, um sich offen selbst Auskunft darüber zu geben, inwieweit man wähnt selbst glücklich sein zu dürfen, obwohl es anderen schlecht geht. Und sich selbst Auskunft abzulegen darüber, wo, wann und wie man gegen eigene Ideale handelt, wie und wie weit man selbst schon verstrickt ist ins materialistische Getriebe.

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@ Baszlo 23.01.2013 | 19:08

„Vermutlich könnte man aus Arbeitslosen auch Soylent Green machen (was vielleicht auch passiert nach einem Wahlsieg von Rot/Grün) und stiesse damit auf breite Zustimmung.“

Noch nicht bei der nächsten oder übernächsten Wahl, aber die Richtung ist absolut nicht abwegig! Und selbstverständlich wird sich auch das wesentlich subtiler ausgestalten als im Film dargestellt. So offensichtlich und so plump wird nicht vorgegangen werden. Nicht wahr: auch der real bestehende Weltkrieg ist kein Piffpaffparadauz-Krieg mehr!

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@ luddisback 23.01.2013 | 19:32

„das verlosen, oder vielleicht allein das wort tombolla, stört nun offenbar das wohlbefinden etlicher, die mit der amtlichen zuteilung der unfreien bislang kein problem hatten.“

Ja, das Wort „Tombola“, es war wohl eine Ungeschicklichkeit. Aber es wird sich schon ein Euphemismus finden lassen in „Thinktanks“, die auch Ursula v. d. Leyen mit kreativen Lügenphrasen ausstatten. – Und solange man solche Verlosungen auch noch im Rahmen eines Volksfestes durchführt, hat es ja schon eine gewisse Casting-Show-Spektakel-Qualität, an die man seit Jahren gewöhnt worden ist, daß Bertelsmann-Sender Menschen zu Affen machen dürfen.

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@ Aqua-Jedi 23.01.2013 | 21:31

Ja! Es ist von Anfang an genau so (und noch weiter) taktisch, strategisch geplant gewesen. Und man durfte sich sicher sein, daß sozusagen die Trägheit der Menschen es nicht zuende denken wollte, weil sie zum größten Teil noch satt und zufrieden aufgrund der Fünfziger bis Achtziger des letzten Jahrhunderts waren und sind; und noch immer träumen, es käme bei der nächsten politischen Wahl so eine Art ‚Sugar-Daddy’ oder ‚Sugar-Mummy’ mit Erlösungs- und Heilandqualität daher und würde wieder volle Bäuche herbeizaubern. Es wird ein böses Erwachen werden!

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@ Michael Haufe 23.01.2013 | 22:57

Man hat gelernt. Das Menschheitsexperiment „Tausendjähriges Reich“, welches zum großen teil durch die USA finanziert und in anglo-amerikanischen Thinktanks ausgeheckt worden ist, wobei man den Schweinehunden Schickelgruber und Konsorten die Schweinehunde Woodrow Wilson und Konsorten zur Seite stellen kann, hat als ein wesentliches Ergebnis für die Gegenwart gebracht, Menschen heute nicht nur mehr physisch zu vernichten (das wäre heutzutage zu auffällig, zu offensichtlich, und geht nur noch in anderen quasi nicht für die allgemeine Empörung repräsentativen Gegenden der Welt!), sonder Menschen psychisch zu vernichten, sodaß man sie in ihrer Seele sterben läßt.

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@ rechercheuse 24.01.2013 | 00:13

Bitte bereiten Sie es als Blog hier auf!

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@ Alle

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit auch hier wieder dafür bedanken, daß Sie engagierte und dennoch im Ton sachliche Kommentare verfaßt haben – und daß bis hier an diese Stelle keine persönlichen Scharmützelchen haben Platz greifen können. Danke!

 

 

 

tlacuache 24.01.2013 | 17:13

Ich als "Scharmützelchen" - Profi, sie wissen schon wer, :-)

BESCHWERE mich Obergebets, dass Sie sie sich nicht bei jedem Einzelnen gemeldet haben.

Wir wissen beide, dass wir teilweise unüberbrückbare Differenzen haben, TROTZDEM will ich diesen Blog in den TOP 5 im Freitag, nicht, weil ich Sie so mag, sondern weil ich diesen Blog für SEHR wichtig halte...

Gruss

GEBE 24.01.2013 | 17:38

Ich habe überhaupt nicht die Wahrnehmung einer speziellen Angespanntheit zwischen uns, werter Tlacuache.

Und was die Platzierung anbelangt, so soll sie der sozialen realität geschuldet sein und nicht einem Kommentar-Promoting.

Die soziale Realität ist immer das Wahrhaftigere, auch wenn sie evtl.  voller Übel steckt, statt einer Surrogat-Realität, welche stets nur aus Gift besteht.

Zum Gruß!

JR's China Blog 24.01.2013 | 17:55

solange hier im kleinen Kreise Aufregung zelebriert wird, hilft das nichts

Sehe ich auch so. Aber ich muss mich mit einer solchen Verwilderung nicht abfinden.

Aber niemand soll das versiffte Wasser trinken müssen. Auch nicht diejenigen, die es angerichtet haben. Damit bliebe alles beim Alten.

Übrigens ändert mein frommer Wunsch nichts daran, dass viele von denen, die daran mitmischen, tatsächlich irgendwann selbst reinfallen.

moritzbarth 25.01.2013 | 00:40

Man könnte den im Artikel genannten - in der Regel gemeinnützigen - Projektträgern ja dankbar sein, haben sie durch die Verlosungen doch deutlich gemacht, wie menschenverachtend das ganze System ist. Und vielleicht war das ja auch schon mal ein Blick in die Zukunft?!

Aus eigener Erfahrung als ehemaliger Mitarbeiter in einem "Projekt 50 plus" weiß ich, wie wenig es darum geht, den arbeitslosen Teilnehmern zu einer dauerhaften beruflichen Perspektive zu verhelfen. Was wirklich zählt sind die Vermittlungszahlen pro Quartal; die Ergebnisse werden alle drei Monate von den zuständigen Jobcentern zusammen gefasst und allen Trägern zugeschickt. Bei diesen geht die Angst um, falls sie nicht genügend vermittelt haben dann im Folgejahr das Projekt zu verlieren. Das führt u.a. dazu, dass die Arbeitslosen in irgendwelche Klitschen vermittelt werden, die aufgrund unmenschlicher Arbeitsbedingungen und von Löhnen unter 7,- € eine hohe Fluktuation von Arbeitskräften haben - und naturgemäß froh sind über steten Nachschub. Gerne wird auch in Zeitarbeitsfirmen vermittelt, die einen hohen Bedarf an ungelernten Hilfskräften haben. Eine berufliche Perspektive gibt es kaum für die solchermaßen Vermittelten! Das ist für diese wie eine Schaukel: Arbeitslos -> Teilnahme an einem Vermittlungsprojekt -> schlecht bezahlter und meist befristeter Hilfsarbeiterjob -> arbeitslos -> und alles wieder wie zuvor.

Durch das Zwangssystem Hartz IV werden allerdings auch Menschen in solche Vermittlungsprojekte gezwungen, die sich schon lange mit ihrem Los arrangiert haben und gut mit der "Stüze" leben können und auch keinen Bock darauf haben, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen (ja, auch die gibt es!). In den Vermittlungsprojekten werden diese Menschen dann permanent unter Druck gesetzt, um sie in einen Job zu vermitteln. Das Ergebnis: wenn es dem Betroffenen nicht gelingt sich durch ärztliche Atteste vor einer Zwangsvermittlung zu schützern drohen Sanktionen durch das Jobcenter.

Für mich folgt daraus, dass man folgendes zusammen denken sollte: einerseits gibt es Menschen, die nicht arbeiten wollen oder können, andererseits gibt es auch immer weniger Arbeitsangebote für alle. Hier könnte ein bedingsloses Grundeinkommen die Lösung sein. Das hätte den Vorteil, dass der Apparat der Arbeitsagenturen und Jobcenter radikal verkleinert werden könnte und diese sich nur noch um die tatsächlich Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen kümmern könnten. Und statt die Arbeitslosigkeit zu verwalten und eine industrielle Reservearmee zur Lohndrückerei vorhalten zu müssen, könnten die vielen Millionen in die tatsächliche Förderung von Arbeit gesteckt werden.

Wir sollten im Zusammenhang der Diskussion über Hartz IV und auch zur Zukunft der Arbeit in diesem Land das bedingungslose Grundeinkommen verstärkt ins Gespräch bringen. Es ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluß, aber es könnte ein kleiner Schritt sein, um die einmal eingeschlagene Richtung in der Arbeitslosenpolitik zu ändern.

 

Lethe 25.01.2013 | 11:33

nun, ich arbeite nicht an meinem Linkssein, weil es mir nicht wichtig ist, in welcher Schublade ich kategorisiert und handzahm gemacht werden soll^^ Die Gemütsruhe andererseits ist so eine Sache. Ich bin mit mir selbst noch nicht überein gekommen, ob Gleichmütigkeit mein Dauerzustand sein soll, der gegen jeglichen Widerstand durchgehalten wird, oder ob ich mir gegenüber Dummdreistigkeit nicht doch gelegentlich (kalte) Wut erlaube.

Oberham 25.01.2013 | 12:04

§ 31 Zweites Gesetzbuch Sozialgesetzgebung sieht bei Verstößen gegen die in der Eingliederungsvereinbarung festgelegten Pflichten Leistungskürzungen vor. Das Arbeitslosengeld II kann dann – auch mehrfach nacheinander – gekürzt werden oder vollständig entfallen.

 

Wenn Sie erstmals gegen die mit Ihnen vereinbarten Eingliederungsbemühungen verstoßen, wird das Ihnen zustehende Arbeitslosengeld II um einen Betrag in Höhe von 30% abgesenkt.

 

Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass bei einem wiederholten Verstoß das Ihnen zustehende Arbeitslosengeld II um einen Betrag in der Höhe von 60% abgesenkt wird. Bei weiteren wiederholten Pflichtverstößen entfällt ihr Arbeitslosengeld II vollständig.

 

Absenkung und Wegfall dauern jeweils drei Monate. Während dieser Zeit besteht kein Anspruch auf ergänzende Hilfen nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzgebung (Sozialhilfe).

 

Wichtige Hinweise:

Sanktionszeiträume können sich überschneiden. In den Überschneidungsmonaten werden die Minderungsbeiträge addiert.

 

Führen die Leistungskürzungen dazu, dass gar kein Arbeitslosengeld II mehr gezahlt wird, werden auch keine Beträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgeführt.

 

Den vereinbarten Eingliederungsbemühungen müssen Sie auch während eines Sanktionszeitraumes nachkommen, auch wenn Ihr Arbeitslosengeld II wegen eines Pflichtverstoßes vollständig weggefallen ist.

 

der letzte Absatz besagt, dass ein ALGII Empfänger auch dann noch zum Lotteriegewinn werden kann, als lebende Räumraupe durch den Wald gescheucht werden kann, als was auch immer benutzt werden darf, wenn er schon auf Null Sanktioniert, keinerlei Leistungen mehr erhält und nicht mehr sozialversichert ist - er muss es tun, möchte er je wieder irgend eine Art von Leistung aus der Gemeinschaft erhalten.

Sprich - wir tolerieren eine Gesetzgebung, die den Menschen vor die Wahl stellt - frei und  absolut mittellos - oder unfrei, würdelos und dafür in einem warmen Bett.

Mich wundert, dass nicht mehr die Chance von Raub und Mord in Erwägung ziehen, bei Scheitern gibts auch ein Bett und Essen.

Wenn es klappt ist man sogar wieder ein akzeptierter Mitbürger und Konsument mit Kaufkraft.

 

 

 

Geierwally 29.01.2013 | 16:20

@Helmut Eckert

 

wenn sie sich über die schrödianer mit ihren hartz4 gesetzen aufregen, warum sparen sie da die grünen aus. die grünen, deren heutiges spitzenpersonal, damals mit regiert haben, ist daran mitschuldig, sie waren sogar die die die treibende kraft dabei waren.

die grünen sind nur länger in der opposition, das hat etwas die realität verschleiert.

außerdem wenn sie huiete grüne wählen, dann wählen sie ja die spd mit.

ich lasse mich von beiden parteien nicht mehr einlullen, deren politik in den letzten 4 jahren bestand nur darin, der linkspartei hinterherzurennen und sich deren themen und aussagen zu bemächtigen, um diese partei überflüssig zu machen. das ist nicht gerade politisch glaubwürdig, hier geht es seit jahren nur um wahlkampf.