Im nächsten Leben werde ich ein Mann!
Gerechtigkeit? Eine Begegnung
Am geöffneten Kofferraum ihres Wagens stand heute Morgen eine gutaussehende Frau, etwa Mitte dreißig. Ich grüßte von der Haustür aus und schüttelte meine Fußmatte aus. „Mal den ganzen Sand loswerden, nicht?“, meinte sie freundlich. Ich sah, wie sie aus einem größeren Behälter eine rosa Flüssigkeit abfüllte. `Wahrscheinlich eine Reinigungskraft`, dachte ich mir. Als ich kurz darauf mit Abfall-Tüten zur Garage ging, hörte ich sie telefonieren. „Ich bin es leid ... ,“ drang es zu mir herüber. `Wahrscheinlich hat sie Ärger mit ihrer Firma`, vermutete ich.
Auf dem Rückweg zur Haustür sah ich, dass sie aufgehört hatte zu telefonieren und sich, bepackt mit Putz-Utensilien, auf den Weg machte. Sie kam vorbei und beklagte sich: „Da ruft mein Mann an und will wissen, was es zum Mittagessen gibt! Müssen wir Frauen denn alles machen? Die Kinder zur Schule bringen, dafür sorgen, dass sie alles, was sie brauchen, dabei haben, waschen, einkaufen? Also: Im nächsten Leben werde ich bestimmt ein Mann!“
Dieser Satz ging mir heute nicht aus dem Kopf. Er klang so, als wäre es für sie eine Selbstverständlichkeit, dass sie ein solches nächstes Leben haben würde.
Ich würde sie gerne danach fragen.

Kommentare (15)
Also: Im nächsten Leben werde ich bestimmt ein Mann!“
Im nächsten Leben sind die Männer aber dran mit Kochen und Aufräumen. Ich habe schon mal in meine Kugel geguckt. Is so. Nützt also gar nichts mit dem nächsten Leben. Vielleicht aber wirds beim nächsten Mann aber anders.
"Am geöffneten Kofferraum ihres Wagens stand heute Morgen eine gutaussehende Frau, etwa Mitte dreißig."
und wenn es in ihrem nächsten leben, werte GITTI, gar keine 'gut'-aussehende frauen mehr gibt? und auch keine die sich mit dem kochen auskennen? dann auch?
ich bin jedenfalls froh, nicht als weiblicher mensch auf die welt gekommen zu sein.
- der max
Liebe Gitti,
großes Thema. Als Mann ist man spezifisch behindert in den Dingen der Liebe und die kaputte Welt der männlichen Machthaber ist ein Beweis dafür. Gerechtigkeit ist keine Sache des ratio, sondern der Liebe und der Wahrheit, eine Domäne der Frau. Liebe kennt keine Unterscheidung, nur der Mangel an Liebe läßt die Ungerechtigkeit messen an der Gerechtigkeit. Obwohl das Thema ein taboo ist und ein Anathema in der Katholischen Kirche seit Konstantinopel, ist es doch schon vor über 4000 Jahren in Sumer thematisiert worden, als die Figur Gilgamesch die Unsterblichkeit suchte, weil er das immer wieder hier geboren werden satt hatte. Es ist normal und natürlich mal als Frau geboren zu werden oder als Mann, und es gibt auch die Schicksale, die mit ihrer zugewiesenen Geschlechtlichkeit nicht klar kommen. Das Problem sind nicht die Geschlechter, sondern die Sozialisierer, die eine Hierarchie nach dem Muster der Evolution bilden, in der es für das Männliche nur Krieg gibt und für das Weibliche nur das Erhalten des physischen Lebens. Jesus hatte vergeblich versucht die Hintergründe zu erleuchten mit seinen Parabeln über die physische Geburt und die zweite Geburt des Bewusstseins, aber man hat ihn deswegen verurteilt. Thomas hat seine Parabeln aufgeschrieben. Der Buddha hat vor ihm auch darüber gelehrt. Im Hinduismus ist das leider pervertiert zu einer Evolutions-Hierarchie.
Grüsse
Volker
Als dritter Sohn sollte ich eine Tochter werden. Vermutlich koche ich deshalb ziemlich gerne, darf aber meistens nicht.
... und ich 'ne Frau.
Und ich werde Kater. Schlafen, fressen, kraulen lassen, gähnen, ein bisschen raus, mein Revier markieren, ein bisschen Zoff mit dem jungen Nachbarkater, schlafen, fresse, schlafen, kraulen lassen .....
Ich verzichte großherzig auf den Aufsichtsratsposten und erspare mir anderes...
Im nächsten Leben werde ich eine Frau. Dann kann ich mir endlich meinen Kinderwunsch erfüllen.....
Ja, dass Frauen ihre (Ehe-)Männer aus der Küche aussperren, habe ich auch schon gehört! Dann dürfen sie sich allerdings nicht mehr beklagen, immer selbst für das Essen sorgen zu müssen.
Passen Sie dann aber bitte auf, nicht gefangen zu werden, um nicht im Tierversuchs-Labor zu landen!
Da habe ich doch herzlich gelacht! Eine erfrischende Wendung der Debatte. Ich kann Sie übrigens gut verstehen, denn eine Frau zu sein hat auch schöne Seiten.
Also ich habe das nicht gesagt, dass ich im nächsten Leben ein Mann werden möchte. Ich glaube, ich wäre lieber wieder eine Frau. Das kann ich jetzt schon so gut!
Übrigens halte ich es auch für wahrscheinlich, dass, wenn es ein nächstes Leben geben sollte, die Bedingungen dann andere sein werden als heute.
Danke für den Kommentar!
"Also ich habe das nicht gesagt, dass ich im nächsten Leben ein Mann werden möchte."
ja, werte gitti, sie haben mit ihrer entgegnung vollkommen recht; hab mich auch ziemlich verdrückt ausgekehrt; mir blieb allein die hoffnung, diesbezüglich nicht enttarnt zu werden ... - bzw. mich hinter der grammatik 'verstecken' zu können ... was sie zu verhindern wussten. wirklich schlechter ausdruck, also meiner.
- grüße vom max
Eine gute Idee, statt auf das nächste Leben als Mann zu warten, es mit dem nächsten Mann zu probieren! Vielleicht kommt sie bald schon darauf. Aber ob ihre Kinder das auch gut finden?
Danke für den Kommentar!
Lieber Volker,
danke für den ausführlichen Kommentar. Du sprichst in Deiner Darstellung viele grundlegende Dinge an, über die sich nachzudenken lohnt!
Grüße von Gitti