goedzak
22.01.2013 | 11:46 19

Girlie im Grünen Salon

Eleni Mandell Harmlos tun, vertrackt singen, hintergründig erzählen – diese Frau hat’s faustdick hinter den Ohren (und dazwischen)

Girlie im Grünen Salon

Foto: pwever/ Flickr (CC)

 

Ein Pärchen neben mir. Ist das nicht der Tatort-Kommissar, raunt sie aufgeregt, als ein graumelierter Schlacks mit Bierpulle in der Hand sich vorbei schiebt. Nein, das ist Dominic Raacke, der einen Tatort-Kommissar spielt, mault er zurück. Herr Raacke, better known as Till Ritter, erspäht ein freies Sofa-Plätzchen ganz am Rande, lässt sich drauf plumpsen und schaut mit ausdrucksloser Miene in die Runde. Ich schätze, das Pärchen-Er hat Recht, denn der Cowboy Till Ritter würde nie in das Konzert eines dermaßen mokant über Männer singenden Girlies gehen, oder?

Der Cowboy-Darsteller als Privatmann holt sich noch ein Bier und dann beginnt Eleni Mandell from L.A., California, endlich mit ihrer Darbietung. Die Songtexte sind, leicht verkürzt gesagt, Veräppelungen verflossener Boyfriends. Den letzten hat sie in den Wind geschossen, weil er keine Kinder wollte, erzählt sie uns von der Bühne herab. Die Zwillinge, ihre Babys, die schätzungsweise 50 % des Tourpersonals ausmachen, empfing sie konsequenterweise with a little help of a sperm bank, so wird kolportiert - und nicht dementiert. Die Kleinen warten im Hotel auf die Mama. Als Babysitter ist der  besagte kinderskeptische Ex-Boyfriend eingestellt, unter Tarif bezahlt, wie seine Arbeitgeberin betont.

Diese Frau ist sooo attraktiv! Kurzes grünes Kleid, kleine Schönheitsfehler (die Nase!), seit dem ersten Album von 1998 die gleiche Frisur, und, uuh, der Hüftschwung!

Mal singt sie girliehaft kieksig, dann fraulich raunend, schließlich verrucht heiser – und alles ist nur Verstellung. Gitarre spielt sie so laid-back, dass ein Clapton verkrampft dagegen wirkt. Früher, vor der kostenintensiven Mutterschaft, konnte sich Eleni noch eine Tour-Band leisten. So ein bisschen Besen-Schlagzeug, Upright-Bass und eine leise sägende Halbakustische machen ja den Unterschied zwischen Liedermacherei und richtiger Musik aus, dachte ich immer. Irrtum – diese Songs zeigen, mit nichts als Stimme und Akustikgitarre performt, erst so richtig Textur und Materialqualität. – Alleredelste Song-Patisserie, schwarze Schokolade mit Bourbon, Chili und etwas Knoblauch, zigarettengeräuchert.

 

Mmmmh!

 

Kommentare (19)

dame.von.welt 22.01.2013 | 17:32

Falls ich mal wieder zu blöd zum Einbetten sein sollte, der link 

Das Ganze noch einmal in live, mit Sparband.

Mit diesem Stück kriegt man mich zuverlässig zum Heulen, so herrlich finde ich das.

Dominic Raacke scheint ein ausgewiesener Eleni Mandell Fan zu sein, den sah ich vor ein paar Jahren bei einem sehr großartigen Konzert im Quasimodo. Da trat sie als harmloses Mädchen mit Gitarre in einem zeltartigen Blümchenkleid auf, das quasi in Großbuchstaben das Wort Mittlerer Westen über ihr aufleuchten ließ.

Faustdick hinter den Ohren trifft's schon ganz gut...;-)...