Hans Springstein
12.02.2013 | 15:03 19

Die Macht des Kim Jong No

Nordkorea/Atomwaffen Nordkorea hat den Meldungen zufolge einen Atomsprengkopf getestet. Erwartungsgemäß wird hysterisch darauf reagiert.

Kim Jong Un, Nordkoreas Staatschef, hat es mal wieder der Welt gezeigt und spielt den "Dr. No". Er kann sich ja umbenennen lassen in Kim Jong No, so treu wie er der Rolle bleibt, die Nordkorea zugedacht ist: Ein Schurkenstaat mit einem Schurken an der Spitze. Und erwartungsgemäß fühlen sich die USA bedroht von diesem Test.

Ja, jede Atomwaffe ist eine zuviel und eine atomwaffenfreie Welt wäre eine bessere. Eine solche hatte ja auch der Kriegsnobelpreisträger und Drohnenpräsident Barack Obama sich gewünscht und versprochen. Doch was ist seit der Ankündigung dazu im April 2009 in Prag geschehen? Nichts. Die angekündigte Reduzierung der US-Atomwaffen war tatsächlich nur eine Modernisierung. Klar, weniger, aber wirkungsvollerere Sprengköpfe sind effizienter als mehr, dafür aber ungenauere Sprengköpfe. Wenn das Wort effizient in diesem Zusammenhang überhaupt angebracht ist. Jedenfalls, die USA sind noch immer stärkste Atomwaffenmacht, gefolgt von einigen anderen Ländern.

Wer will es da anderen Ländern, die noch nicht zur Liga der Atomwaffenmächte gehören, verdenken, wenn sie dazu gehören wollen. Schon allein, weil sie u.a. umringt sind von Stützpunkten, auf denen US-Atomwaffen lagern oder von denen aus diese Atomwaffen eingesetzt werden können. Wer wundert sich wirklich darüber, wenn eine Führung wie die nordkoreanische, die sehr wohl weiß, dass ihr Land immer noch als "Schurkenstaat" zählt, selbst versucht, ein atomares Drohpotenzial aufzubauen. Nicht um die USA oder die anderen Hüter von Freiheit und Demokratie tatsächlich anzugreifen, sondern um diese Länder von einem Angriff abzuhalten. Sicher hat der junge Kim mitbekommen, wie der Westen mit Ländern umgeht, die als widerspenstig und "Schurkenstaaten" gelten. Allein seit dem Jahrtausendwechsel bekam er ausreichend Anschauungsunterricht.

Natürlich ist das alles nicht vernünftig und nicht gut. Mit dem eigenen und dem Untergang des Angreifers zu drohen, ist nicht die wirklich gute Lösung. Aber angesichts des Gangs der Dinge in der Welt erscheint sie fast wie eine realistische oder zumindet logische Lösung, solange die USA voran weiter diese perverse Logik zum Maßstab der internationalen Politik machen.

Es gibt keine Garantie dafür, was Kim Jong No machen wird, wenn die USA tatsächlich alle Atomwaffen in der Nähe Nordkoreas abziehen und wenn Obama den symbolischen Knopf für den Beginn der Verschrottung aller US-Atomwaffen drückt. Aber erst dann kann der große Führer des Westens, schauspielhaft inauguriert, dass Kim Jong No sicher neidisch war, sich hinstellen und andere Staatschefs wie den nordkoreanischen, wie auch immer dieser einzuschätzen ist, auffordern, mit dem atomaren Wahnsinn aufzuhören. Dieser muss schleunigst aufhören und davon darf niemand ausgeschlossen werden. Solange das nicht geschieht ist der politische und mediale Rummel um den nordkoreanischen Atomtest nur ein verlogenens Schauspiel wie vieles in dieser weiten Welt.

Ja, und was wäre der Westen mit all seiner Rüstungsindustrie, seinen hochgerüsteten Armeen und präzisen Bomben ohne solche Schurken wie Kim Jong Un, Bashar al-Assad, Muammar al-Gaddafi, Saddam Hussein ... Ob die vielleicht für diese Rolle bezahlt werden und wurden?

Kommentare (19)

h.yuren 13.02.2013 | 09:05

lieber hans, deiner argumentation kann ich folgen. nur, ohne a-waffen wäre die welt der imperialisten keine andere. auch ohne diese riesenkeule in der hand der machtkranken waren und sind die systeme der herrschaft, ohne dass denen das wirklich bewusst ist, auf dem weg in den abgrund. die namen und waffen sind austauschbar.

grüße, hy

Hans Springstein 13.02.2013 | 13:48

Die Frage, was "abschließend" bedeutet sei Ihnen beantwortet: Ich habe damit meine Beiträge zur Diskussion in Folge meines Textes für mich abgeschlossen. Die Diskussion kann gern weitergehen, das hängt nicht von mir ab.

Und in dem Zusammenhang: Ich habe meinen Teil der Diskussion mit Ihnen auch abgeschlossen, da ich mir nichts unterstellen lassen muss und von Beginn an keine grundsätzliche Antinordkorea-Debatte führen wollte und will. Und wenn ich merke, dass der Debattant etwas aus meinen Beiträgen rausliest, was nicht drinsteht, oder dass ich mich nicht verständlich machen kann, weil ich es anscheinend auch nicht schaffe, mich verständlich auszudrücken, vorausgesetzt, der Debattant will mich nicht vorsätzlich falsch verstehen, na dann gibt es ganz einfach nichts, was zu debattieren wäre. Das ist mein Abschluss dazu.