Jan Jasper Kosok
14.06.2013 | 17:00 66

Bildet Banden!

Paywalls Wenn Zeitungen online Geld verdienen wollen, müssen sie dem Leser endlich ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann. Doch das geht nur miteinander

Bildet Banden!

Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Vieles ist in letzter Zeit darüber geschrieben worden, wie Zeitungen zu retten seien. Es wurde an die Moral des Lesers appelliert und an dessen Bereitschaft, für Qualität zu zahlen, es wurden bezahlbare Mehrwerte und Paywalls angekündigt und schlussendlich umgesetzt. So ist unter anderem kürzlich mit viel Tamtam Springers Bezahlangebot Bild+ gestartet. Nicht wenige schauen hoffnungsvoll auf das Verlagshaus, dessen Alleinstellungsmerkmal seit jeher ist zu wissen, wie man etwas gut verkauft. Schenkt man einigen Kommentatoren Glauben, geht es der Zeitungsbranche aber um mehr als den schnöden Götzendienst an Hermes, dem Gott der Kaufleute. Vielmehr geht es darum, mit dem eigenen Fortbestehen das Überleben der Demokratie zu sichern. Das sind große Worte

Die Debatte wird emotional geführt, es geht schließlich ans Eingemachte. Nicht wenig des Gesagten oder Geschriebenen darf man daher wohl getrost – oder beunruhigt – als gefechtshitzig bezeichnen. Vieles fußt vor allem auf der Sehnsucht nach den guten alten Zeiten und hat nur bedingt mit dem zu tun, was inzwischen fernab der Redaktionsräume passiert. Darauf einzugehen ist zwar notwendig, wurde aber an anderer Stelle schon zur Genüge getan. Hält man jedoch an einigen der durchaus richtigen Grundprämissen fest – zum Beispiel dem Überleben einer Branche, die tatsächliche eine Rolle in dieser Demokratie zu spielen hat, dem Wunsch nach Qualitätsjournalismus und einem Angebot, das Leser bereit sind zu zahlen – und orientiert sich mit etwas kühlerem Kopf an dem, was anderswo geschieht, so könnte man eine Idee davon bekommen, wie die deutsche Verlagslandschaft – zumindest teilweise und ausdrücklich im Konjunktiv – zu retten wäre. Aber wie könnte das funktionieren?

Es geht schließlich um eine Branche, die bis dato nicht mit einem tragfähigen Finanzierungsmodell für Online aufwarten kann. Sie sieht sich neben sinkenden Einnahmen aus dem Kerngeschäft – also dem Papier – einem Kunden gegenüber, dessen Konsumverhalten sich in den letzten Jahren deutlich und nachhaltig geändert hat. So scheint evident, dass eine Vielzahl von Menschen, die zum Beispiel früher noch von Tageszeitungen (Aktualität) oder Lokalzeitungen (Ort) abhängig waren, heute verstärkt auf internetbasierte Angebote setzen, die sowohl überregional als auch lokal, aktuell, aber eben auch billiger bzw. “kostenlos” agieren können. Otto Normalverbraucher bekommt mehr für weniger.

Das Angebot muss stimmen

Der Begriff „kostenlos“ jedoch ist insofern irreführend, als dass er unterstellt, dass die Inhalte “as in free beer” zur Verfügung gestellt werden. Das werden sie freilich nicht. Um in den Genuss dieser Inhalte zu kommen, muss der surfende Kunde erstens über einen (bezahlten) Internetzugang verfügen und zweitens in der Regel Werbung betrachten. An ersterem verdient der Verlag nichts, an zweiterem wenig. Unumstößlich bleibt jedoch, dass der Kunde auf die eine oder andere Art und Weise bereit ist, für Inhalte zu zahlen – auch, wenn das Geld je nach Blickwinkel mitunter nicht da ankommt, wo es ankommen soll. Dass online prinzipiell eine Zahlbereitschaft besteht, sieht man auch an den Verkaufszahlen diverser AppStores, an Streaming-Angeboten wie Spotify, an Stores wie iTunes oder an dem Umstand, dass ein Gros der ganz normalen Einkäufe inzwischen via Amazon, Ebay & Co digital eingetütet werden. So lang eben das Angebot stimmt. Und das tut es online meistens.

Zurück zum ominösen Leser. Dessen Konsumverhalten beschränkt sich inzwischen in den seltensten Fällen auf ein Produkt allein – etwa eine Zeitung, ein Nachrichtenportal oder ein Blog. Im Gegenteil, es dürfte unterdessen eine Vielzahl von Infotainmentjunkies geben, die zum Beispiel das Feuilleton der Zeit genauso zu schätzen wissen wie den Sportteil der Bild-Zeitung, während sie sich über Netzthemen vielleicht doch lieber fernab der Verlagsangebote informieren wollen. Ganz zu schweigen davon, dass die ausländische Konkurrenz nicht schläft und beispielsweise bei den Themengebieten Tech, Musik und Kunst mehr als nur mitreden kann. Umso globaler das Angebot wird, desto vielfältiger wird auch die Nachfrage – eine Entwicklung mit offenem Ende.

Geht man also davon aus, dass der heutige Konsument bereits eine monatliche Grundpauschale für seinen Internetzugang zahlt, mit Werbung beschallt wird und gleichzeitig ein breit gefächertes Informationsverhalten an den Tag legt, ist nicht weiter verwunderlich, dass die bereits existierenden Bezahlangebote der Verlage bis dato wenn überhaupt nur zögerlich wahr genommen werden.

Das hat zwei Gründe. Erstens orientieren sich die Preise solcher Angebote in der Regel krampfhaft an Papierpreisen, die auf quasimonopolistischen Marktvorraussetzungen vergangener Tage beruhen, und dadurch zweitens zu hoch liegen, um das gesamte Budget eines Lesers im Hinblick auf das inzwischen wesentlich vielfältiger Konsumverhalten online in nur einen Anbieter zu investieren. Was wir momentan vielerorts beobachten, ist das Ausformulieren von Angeboten, die am Internetnutzer, dem Neukunden des sagenumwobenen Wachstumsmarktes, vorbei gehen.

Verlage sollten sich zusammenschließen

Vor allem für kleinere Verlage, im Grunde jedoch für die gesamte Branche, kann es daher auf lange Sicht – blendet man einmal den staatlichen Kohlepfennig à la Kulturflatrate aus – eine lohnende Möglichkeit geben, darauf zu reagieren. So könnte neben den klassischen Abos, Zusatzangeboten und Online-Werbung ein weiteres zukunftsträchtiges Standbein etabliert werden. Unter der Prämisse, dass dabei sowohl Vielfalt als auch Qualität erhalten bleiben soll, bleibt: ein Zusammenschluss des Angebots. Dieser "Zusammenschluss" könnte wiederum auf unterschiedlichste Arten verwirklicht werden. Die Möglichkeiten sprengen problemlos den Rahmen dieses Textes.

Um irgendwo anzusetzen, könnte man sich zum Beispiel eine gemeinsame Paywall vorstellen, eine Art Single Sign-on für Bezahlangebote auf den verschiedenen Webseiten der Medienhäuser. Für den Endverbraucher interessant daran wäre die Möglichkeit, auf die Artikel verschiedenen Ursprungs zurückzugreifen, aber nur einmal zentral zu zahlen und sich danach frei bewegen zu können. Dabei wäre die Ausformulierung eines konkreten Angebotes natürlich eine Herkules-Aufgabe – ganz zu schweigen davon, in welcher (Gesellschafts-)Form es sich realisieren ließe. 

Zu klären wären endlose Detailfragen, wie zum Beispiel, inwiefern und ob der Nutzer auf das gesamte Angebot zurückgreifen kann, ob er oder sie ein monatliches Kontingent zur Verfügung hat, wie die Erlöse unter den Anbietern aufgesplittet werden, wie und ob der User und sein Leseverhalten getrackt werden und vor allem: wie der Preis gestaltet werden müsste, um die verschiedenen Bedürfnisse des Endverbrauchers zu bedienen. Schlussendlich ist der Preis immer noch das wichtigste Instrument hinsichtlich Strategie, Marketing und damit Erfolg. Sich zu einigen dürfte für die Verlage neben der generellen Bereitschaft eine größere Hürde als die technische sein.

Bei diesem Modell würde eine Art dezentrales Verlagsnetzwerk auf den verschiedenen Angebotsseiten entstehen, das nichts Gravierendes an den bestehenden Lesegewohnheiten des Internetnutzers ändern würde.

Eine andere Möglichkeit – eine, die ich selbst weitaus spannender finde – wäre eine Art Spotify für Journalismus. Eine zentrale Plattform – als App oder Seite –, auf der sich alle [sic!] Verlagsangebote tummeln. Auf dieser könnte sich der Nutzer sein eigenes Medien-Menu aus einzeln abonnierten Autoren, Zeitschriften, Ressorts und den Empfehlungen seiner Kontakte zusammen stellen: ein auf Geschmack zugeschnittenes Aggregat, tagtäglich aufs Neue. Selbst die Verlage müssten zum Beispiel durch In-Apps nicht auf ihr alther gedientes Branding verzichten und könnten den Leser weiterhin bei der Hand nehmen. Denkbar – und wünschenswert – wäre ebenfalls, dass so eine Plattform freien Autoren und Bloggern die Möglichkeit bieten würde, ihre Texte fernab jeglicher Verlagsbindung anzubieten. Produkt und Konsument kämen sich ein Stück näher.

Ein Spotify für Journalismus

Beide Modellskizzen – sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss – haben Vor- und Nachteile, schließen sich aber per se nicht aus. Sie könnten sogar gut miteinander funktionieren, wenn man die Schranken – sowohl die technischen als auch die in den Köpfen – durch Schnittstellen ersetzt. Das heißt: Wir müssen miteinander reden, anstatt den einen “Walled Garden” gegen den nächsten zu tauschen.

All diese Anrisse sind freilich momentan noch vage Zukunftsmusik. Wie auch immer diese Melodie eines Tages ausformuliert wird, zwei Dinge scheinen heute schon gewiss: Dass vor allem die Nebenstimmen der kleinen Verlagshäuser verstummen und nur große, finanzkräftige Player wie zum Beispiel Springer überleben werden, wenn die Branche weiterhin gegen- statt miteinander arbeitet, und dass, wenn es die Verlage hierzulande nicht tun, es jemand anderes tun wird (und man dann kleinlaut nachzieht, statt es selbst angegangen zu sein).

Das Zeitfenster, in dem man ein solche Blaupause aktiv mitgestalten kann, dürfte kurz sein. Es würde nicht verwundern, wenn man in Kürze in den Gärten eines Global Players wandelt, während man die Zeitung der Zukunft liest – ePaper gibt es dort jetzt schon. Mit der Film-, Fernseh- und Musikindustrie stehen des Weiteren genug Beispiele Spalier, die sicherstellen, dass am Ende niemand sagen können wird, man wäre nicht gewarnt worden.

Über alledem schwebt jedoch das Damoklesschwert der Gewissheit, dass durch das Netz das Angebot auf dem Artikelmarkt größer geworden ist, die vorhandene Nachfrage – und damit das Budget – jedoch nicht. Das durchschnittliche Kuchenstück wird daher zwangsläufig kleiner. Das ist das wirkliche “Problem” des klassischen Journalismus – man kann es freilich auch als Demokratisierung der Produktionsmittel und Zerschlagung der Meinungsmonopole sehen. Das Resultat dieser volkswirtschaftlichen Binse sind sinkende Durchschnittserträge, im Großen wie im Kleinen.

Es ist dementsprechend nicht bloß eine Randnotiz, dass Autoren wie Verlage und journalistische Startups ihr Kerngeschäft vermehrt mit Nebentätigkeiten zu finanzieren versuchen. Mit Worten allein lässt sich in den seltensten Fällen genug Geld verdienen. Dieses Phänomen wird sich auch nicht mehr grundlegend ändern. Im Gegenteil. Die Zeiten, die der Branche bevorstehen, sind so stürmisch wie interessant. Kein Gadget, keine neue App und keine Idee wird in der Lage sein, die Zeit zurückzudrehen. Vielleicht aber gelingt irgendwann endlich der Schritt in die Zukunft.

Kommentare (66)

Magda 14.06.2013 | 17:45

Mir gefällt die "Spotify" Idee. Ein bisschen in die Richtung geht der "Perlentaucher", denke ich. Man braucht Querschnitte zu allen Themen,  bedienungsfreundlich und leicht zugänglich und veränderbar. Und das nicht per google, sondern mit einem guten Anbieter, der was bezahlt dafür und selbst auch dafür was kriegt.  

Die Plattform mit den verschiedenen Medien, das wäre gut. Diese Vorstellung, man muss per Geld einer Zeitung allein im Internet die Treue halten, geht sowieso nicht auf. Man kann eine Zeitung besonders bevorzugen, wie den FREITAG und da ein solidarisches Abo abschließen, aber der Kampf gegeneinander bringt nichts.

"Das ist das wirkliche “Problem” des klassischen Journalismus – man kann es freilich auch als Demokratisierung der Produktionsmittel und Zerschlagung der Meinungsmonopole sehen. Das Resultat dieser volkswirtschaftlichen Binse sind sinkende Durchschnittserträge, im Großen wie im Kleinen."

Ich denke auch, daher speist sich auch der etwas zu große Eifer, der manchmal mit dem Thema einhergeht. :-))

 

janto ban 15.06.2013 | 04:11

*****

So sehe ich die Sache auch. Dem Medium Netz (als 'Tor zur Welt') mit einem vorgeschalteten Tor mit der Aufschrift "Professioneller Journalismus - Eingang hier" begegnen. Das ist sehr wahrscheinlich die einzige Möglichkeit.

|| Es geht schließlich um eine Branche, die bis dato nicht mit einem tragfähigen Finanzierungsmodell für Online aufwarten kann. ||

Richtig. Und es ist sogar noch viel schlimmer. Die Branche hat - als sie sich auf das Netz stürzte und damit selbst massiv dazu beigetragen hat, dass das einstige Kerngeschäft wegbrach - offenbar keinen Gedanken daran verloren, ob - und ggf. wie - der Vertriebsweg auf Dauer überhaupt funktioniert. Beim gezwungenermaßen überhasteten Versuch, dieses Versäumnis nun nachzuholen, indem plötzlich sein soll, was niemals war, nimmt die Branche es in Kauf, dass - ganz nebenbei - die Idee des freien, gemeinsamen Netzes zerschlagen wird. Das ist so'n bisschen das Gegenteil von Sozialdemokratie im Netz. Das ist Kommerz auf Teufel-komm-raus und nach mir die Sintflut. Also reine Marktwirtschaft.

Es wird nur funktionieren, wenn ein neuer, separater, gemeinsamer Raum geschaffen wird, in dem Journalismus im Netz stattfinden kann. Leider sagt meine Erfahrung mir, dass ich daran erst glauben sollte, wenn ich es sehe. Vielleicht sollte man sich mit dieser Fragestellung mal an den zuständigen Bundesminister (wer ist das eigentlich?) wenden. Aber da wird wahrscheinlich auch nur das übliche Geschrei von "Privat vor Staat" und der ach-so heilsamen Selbstregulierungsmacht freier Märkte kommen. Wie beschissen sich freie Märkte regulieren - und wie fatal das für die Gesellschaft insgesamt ist, werden wir wohl nie in unsere dämlichen Birnen bekommen. Gute Nacht.

anne mohnen 15.06.2013 | 10:54

Lieber Jan Jasper,

danke für die interessanten Aspekte, die Zusammenfassung aus vielen Diskussionen, die gerade in der dF-Community geführt werden.

(1 (1) Du schreibst in Bezug auf „kostenlos“: „Das werden sie freilich nicht. Um in den Genuss dieser Inhalte zu kommen, muss der surfende Kunde erstens über einen (bezahlten) Internetzugang verfügen und zweitens in der Regel Werbung betrachten. An ersterem verdient der Verlag nichts, an zweiterem wenig.“ Meines Erachtens ist das wirklich auch der ärgerliche Punkt in der Diskussion. Obwohl ich für Bezahljournalismus bin, verstehe ich nicht, warum die Verleger diesen Aspekt so wenig betonen, nicht offensiv den „Kabelanbietern“ ans Portemonnaie gehen. Ich zahle meinen Anschluss bei Kabel Deutschland und frage mich, warum die für die bloße Bereitstellung Monat für Monat Gebühren abgreifen, zumal ich den Eindruck habe, dass ich neuerdings gerade abends und am Wochenende gedrosselt werde.

(2  (2)  „Spotify“ ? Wird sich das für kleine Verlage rechnen? Wer weiß das? Für mich kommt das nur bedingt in Frage. Ich will meine Zeitung lesen. Ich möchte, plakativ gesprochen, einen Komplettentwurf, eine Richtung, über Politik, Kultur, Wirtschaft, das „öffentliche Leben“, „entworfen und komponiert“ (Angele) von der Zeitung meines Vertrauen, sozusagen aus „einer Hand“ ;). Ich will mich dann auch reiben (aufregen :))  können, also mir "weniger"  die Welt bloß nach meinem Gusto zusammenstellen. Mir ist Fremdmeinung wichtig. Gerade jetzt, wo in Griechenland mit der Abschaltung des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens demonstriert wird, wie wichtig (Print)Zeitungen sind und bleiben, ist mir das noch einmal ganz grell vor Augen geführt worden.

(3(3) Ganz praktisch? Derzeit liegt mein Abo für 2 Monate auf Eis, weil ich bis Ende August, mal hier, da und dort bin. Mir käme dF sehr entgegen, könnte ich die aktuelle Ausgabe nun online abrufen. Der Kioskkauf in Städten ist ja nicht das Problem. In Belgien oder England ist das allerdings in den nächsten 8 Wochen für mich nicht möglich. Also, liebe dF-Mannschaft,  an die Bande! Hier ist Handlungsbedarf.

Sommerliche Grüße, am

 

Magda 15.06.2013 | 11:24

Ich will meineZeitung lesen. Ich möchte, plakativ gesprochen, einen Komplettentwurf, eine Richtung, über Politik, Kultur, Wirtschaft, das „öffentliche Leben“, „entworfen und komponiert“ (Angele) von der Zeitung meines Vertrauen, sozusagen aus „einer Hand“ ;) (...)

Mir ist Fremdmeinung wichtig

Na und das ist ja das Problem. Wenn man Meinungen kritisch verfolgen und vergleichen will und soll überall bezahlen. Wie soll das aufgehen, wenn es nicht so eine Plattform gibt.

 

anne mohnen 15.06.2013 | 11:53

@ Magda

Wieso Problem?

Bevor Zeitungsverlage sich entschlossen haben, ihren Online-Content dem User für lau anzubieten, musste man bereits  für „Fremdmeinung“ in Medien zahlen, sei’s durchs GEZ-Gebühren, sei es, dass man sich ein Blatt, gar mehrere Zeitungen kaufte, sei es durch Bibliotheksgebühren. Bei Letzteren macht sogar jeder Gang auch noch schlank.

Im Übrigen, wer ich beim Einkauf die Meinung verträte, nur für die  Kartoffeln zahlen zu wollen, hingen Filet oder den Joghurt gratis einpacken zu dürfen, wer fände solch einen "Kunden" nicht bloß nur unlogisch, oder?

Das Argument "Werbung",  zieht bei mir auch nicht, es sei denn man forderte irrealerweise im Verkauf generell  Reklamefreiheit.

Nee, die Verleger müssen sich da beim Schopf aus dem Sumpf ziehen, den  sie mit zu verantwortenhaben und die Leser wären dann wieder in der Normalität angelangt. Darüber mag man7ichTränen verlieren; es bleiben dennoch "Krokodilstränen."

http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/900/binarywriterservlet?imgUid=25670c4e-29d6-89f3-362d-61611142c388&uBasVariant=11111111-1111-1111-1111-111111111111

Columbus 15.06.2013 | 12:07

Tief nachgedacht und nicht nur zusammengefasst, sondern originell, Herr Kosok. Ich wäre zu doof, das auch nur annährend so knapp aufzuschreiben.

Online ist nur die Bezahlung für einen Info-Entertainment und Kulturpool als noch bezahlbar für die Kunden (die Vielen) denkbar. Da haben Sie völlig Recht.

Provider verlangen derzeit zuviel vom Kuchen. Sie sind in der besseren Marktposition. Das verhält sich wie mit dem elektischen Strom in der Hand der Monopole und den Netzbetreibern, die ebenfalls monopolisiert sind. - Dem entspricht, dass die Angebotsleistung, also der tatsächliche Aufwand, gar nicht transparent überprüfbar ist und das Angebot permanent auf einem Daseinsvorsorgemarkt stattfindet (Anne Mohnen deutet das mit ihrem Kabelangebot ja an). Für die Presse, die Wissenschaft und ein breites Kulturangebot gilt das auch, es gehört zur Daseinsvorsorge, aber die Märkte liefern aus ökonomischen Gründen und Konditionierung, weitestgehend standardisierte Produkte. 

Hier werden sich, so hoffe ich, in Europa auch die demokratischen Regierungen einschalten und Regeln überlegen, die den Eingriffen beim Roaming und bei den Service-Anrufen der Hotlines ähnlich sind. Es wird politische Marktgesetze/Rahmengesetze geben müssen, um die Meinungsvielfalt und den offenen Zugang zu Informationen zu sichern.- Oder man verzichtet darauf und dereguliert weiter.

"Otto Normalverbraucher bekommt mehr für weniger." - Das würde ich allerdings differenzieren: Otto und Marion Mustermann bekommen mehr von dem, was eine Mehrheit sowieso nachfragt, zu einem günstigeren Preis und technisch, was Bilder, Videos und Musik angeht, in einer höheren Qualität, die noch ein wenig schneller beim Kunden ist.

Das ist die Joghurtfalle am Marktregal des Supermarktes unseres Vertrauens, der Variantenreichtum der Chipstüten und des Crackerfetischismus.

Was verhindert werden muss, geht es um Information und Presse, und um Demokratie, dass der "Otto" nur noch mitnimmt was ihm gefällt und dieses Gefallen vom Warenangebot des Großanbieters abhängt, der mit der Zeit übrigens auch die Anbieterseite kontrolliert und deren Preis bestimmt (mal an die Landwirtschaftsverhältnisse denken).

Da muss klug gehandelt werden oder man folgt weiter den Prämissen der Konsumentenökonomie, die recht eigentlich eine Anbieterökonomie mit sehr gleichförmigem Angebot ist, die unweigerlich zu Informationsdefiziten, auch bei gut vernetzten Leuten im Web, und zu einer weiteren Nivellierung der Informationstiefe führen wird.

Bezahlsysteme nach Geschmack klingen zwar frei und toll, aber in puncto Information und Vielfalt müssten degressive Regeln eingeführt werden. Sonst endet das doch wie im Film und Musikbusiness schon beobachtbar. Der allergrößte Haufen an Schmiermittel, dem Geld, landet in den Händen großer Anbieter, die recht gleichförmige Genrefilme anbieten.

>>Wie auch immer diese Melodie eines Tages ausformuliert wird, zwei Dinge scheinen heute schon gewiss: Dass vor allem die Nebenstimmen der kleinen Verlagshäuser verstummen und nur große, finanzkräftige Player wie zum Beispiel Springer überleben werden, wenn die Branche weiterhin gegen- statt miteinander arbeitet, und dass, wenn es die Verlage hierzulande nicht tun, es jemand anderes tun wird (und man dann kleinlaut nachzieht, statt es selbst angegangen zu sein). << - Das muss hundertfach kopiert als Paper-Wall jedem noch verbliebenen irgendwie kleinen, unter Umständen linken, differenzierten, mittelständischen und selbstdenkenden Verleger, Kleinverleger, Journalisten und Publizisten als zukünftiger Strafsatz, als Menetekel, auf die Tapete, die Vertäfelung des Betriebs- und Leitungsbüros, den Rauputz, getackert werden. Dieses "Werbebanner" gälte es einzublenden, immer wenn die Finanziers ihrer privaten Vorlieben den Tablett, PC oder das Smart-Phone nutzen.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

 

 

Ludwig Hasselberg 15.06.2013 | 14:27

Sehr interessante Denkanstöße und wunderbar vorgetragen.

Wie wärs denn, wenn Der Freitag da vorangehen würde? Warum nicht eine Paid-Content-Allianz dieser alternativen Wochenzeitung mit einer alternativen Tageszeitung? Und mit alternativen ausländischen Medien?

Nach dem Lesen des Artikels frage ich mich, wieso da bisher nur einzelne Zeitungen nebeneinander agieren - selbst wenn sie zu einem großen Medienkonzern gehören. Springer, Burda, usw. usf. Was der Autor da andenkt, kann ich mir in etwa so vorstellen wie die Gebührenvereinbarungen beim Abheben von Bargeld am Automaten. Da gibt es Cash Group, die Gesamtheit der Sparkassen und die Volksbanken. Geh ich halt zu dem Netzwerk, zu dem meine Bank gehört, und für mich als Kunde ist die Sache erledigt. Die einzelnen Banken wiederum scheinen die Kosten und Einnahmen gut untereinander aufteilen zu können, zumindest hab ich da noch nie vom Gegenteil gehört.

Weiterhin frage ich mich, wieso genau eigentlich die Anzeigenerlöse online so katastrophal gering sind - wenn doch unsere Aufmerksamkeit im Netz in der Masse unendlich viel wert ist. Und zumal die Wirkung von Online-Werbung ungleich viel genauer gesteuert und evaluiert werden kann als gedruckte Anzeigen.

Berufsjugendlicher v2.0 15.06.2013 | 17:20

zu 3. noch eine Anmerkung. Allein das Wiederfinden von Artikeln der Printausgabe  ist hier schwierig. Sie erscheinen nicht alle online und wenn ich z. B. Annett Gröschner suche, bekomme ich andere Fundstellen, als wenn ich ANNETT GRÖSCHNER in der Suche eingebe so 57000 zu 119).   Es wäre also schonmal hilfreich, ich könnte Artikel aus den den Printausgaben per Online-Suche wiederfinden, ob sie nun online gestellt wurden oder nicht. Früher hat man die Indexierung Google überlassen, mit dem Sparkurs muss man die IT selber hinkriegen.
Davon abgesehen ist eine Zeitung schon immer eher ein Wegwerfprodukt gewesen und mich würde  mal interessieren ob sich die Versuche für andere Zeitungen lohnen, aus dem Archiv Geld zu schlagen. Das wäre ja auch noch eine Alternative für den Freitag gewesen, denn damit hätte Google immer noch die Indexierung geleistet.

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Ehemaliger Nutzer 16.06.2013 | 11:31

An anderer Stelle hatte ich dazu angemerkt, daß über eine abgestufte User-Privilegierung, nach dem Freemium - Modell nachgedacht werden sollte:
Wer Premiumdienste (bspw e-paper, Archiv-Recherche, werbefrei,  Sonderfunktionen beim Bloggen und Kommentieren) nutzen will, der zahlt.

Das scheint bei vielen Anbietern zu funktionieren. Beim dF würde es innerhalb eines Onlineportals mit anderen, inhaltlich und programmatisch halbwegs ähnlich ausgerichteten Anbieter, logischerweise mehr Sinn machen sich zusammenzuschließen.

Aber so ein Portal ist in der Aufstetzung und Pflege schwieriger und aufwändiger, schätze ich. Ob der Traffic dadurch steigt lässt sich bezweifeln, weil die Übersichtlichkeit zwangsläufig schwindet, wenn mehrere Anbieter sich zusammentun - jedenfalls müsste ich dann meine Lesegewohnheiten verändern.
Stellt sich auch die Frage, wie sich solche Größenordnungen auf die somit auch zusammengeschlossenen communities auswirkt.
Da bin ich skeptisch, zumindest was die Qualität betrifft.

Sinnvoller scheint mir, die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Zeitungen, wie hier mit dem Guardian, voran zu treiben - und diese Beiträge bspw im Premiumsektor anzubieten.

mcmac 16.06.2013 | 12:06

[...]wie und ob der User und sein Leseverhalten getrackt werden[...]

Der Email-Dienst Posteo zeigte eine Möglichkeit, wie man sich bei einem wie oben im Beitrag skizzierten Medien-Portal tatsächlich anonym anmelden und ebenso bezahlen kann. Tracking wäre dann kein Problem mehr, bzw., würde so das aus betreibswirtschaftlichen Gründen möglicherweise notwendige Verfolgen von Lesern, deren Lese-Verhalten, sich nicht mehr mit dem persönlichen Datenschutz beißen.

mcmac 16.06.2013 | 12:10

korrigierte Fassung...

Der Email-Dienst Posteo zeigte eine Möglichkeit, wie man sich bei einem wie oben im Beitrag skizzierten Medien-Portal tatsächlich anonym anmelden und ebenso bezahlen kann. Tracking wäre dann kein Problem mehr, bzw., würde so das aus betriebswirtschaftlichen Gründen möglicherweise notwendige Verfolgen von Lesern, deren Lese-Verhalten, sich nicht mehr mit dem persönlichen Datenschutz beißen.

(Sorry. - Eine Editierfunktion für eigene Kommentare irgendwann einmal wäre auch nicht das Schlechteste...)

lg-mcmac

anne mohnen 16.06.2013 | 13:33

 

 

 

 

„Davon abgesehen ist eine Zeitung schon immer eher ein Wegwerfprodukt gewesen und mich

würde  mal interessieren ob sich die Versuche für andere Zeitungen lohnen, aus dem Archiv Geld zu schlagen.“, schreiben Sie.

 

Von wegen Wegwerfprodukt! Lange ließe sich darüber reden, warum Papier nicht nur geduldig ist, sondern aufgrund seiner Robustheit zu unseren „ältesten“ Archiven zählt. DSpiegel, dZeit, SZ. FAZ etc. werden mit hohem Aufwand z.B. von Staatsbibliotheken gespeichert, u.a. weil Zeitungen in der Neuzeit und insbesondere wegen ihres Booms seit dem 19. Jahrhundert  immens wichtige Geschichtsdokumente darstellen.

 

Lieber Berufsjugendlicher, betrachtet man das Internet ganz nüchtern, dann gibt es neben vielen,vielen und nochmals vielen Gründen es zu nutzen, auch eine  dunkle Seite und natürlich Schwachstellen ohne Ende.

 

Mal abgesehen, dass Konzerne wie Google & Co aus allerlei „guten“ Gründen, mindestens ihre Daten so sichern wie Fort Knox die vermeintlichen Goldreserven, ist das Archivieren und Konservieren von EDV und Internetkontent eine der großen technischen und bis dato ungelösten Aufgaben.

 

Was macht das mit unserem Gedächtnis, mit unserer Meinungsbildung, wenn alles mit einem Steckerzug n der Versenkung verschwindet? Darüber ließe sich aus philosophischer, kulturpolitscher und politscher Sichtweise viel nachdenken? Stattdessen wird oft so getan, als sei das „Schnee von gestern“.

 

Die Bibliotheken stehen vor einer riesigen technischen Herausforderung. Angesichts der unzureichenden Mittel, die man ihnen zukommen lässt, stellt sich die Frage, ob die Bibliotheken noch als Speicherorte unseres Kulturellen Gedächtnisses gewünscht werden.

 

 

 

Das dF nicht mehr das Archiv hatte, das er mal hatte, mag technische Gründe haben, mag aufgeschoben worden sein. wie auch immer.

 

Betrachtet man das Internet wie Petra Sorge als großen Aufsaugschwamm, dann wird einem die Brisanz erst einmal bewusst. Übrigens der Artikel von Sorge Warum wir Papierpresse noch brauchen ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Ein Punkt ist, dass  dieses Geredeüber das Sterben Printzeitungssterben differenziert zu betrachten ist.

 

http://www.zmg.de/no_cache/presse/presseinformationen/detail/article/80-prozent-der-deutschen-lesen-zeitung.html

 

 

 

Mir ist schon sehr daran gelegen, wenn Zeitungen sich deutlich positionierten in der Frage, was ja einige tun, die übrigens sehr erfolgreich Zuwächse ausgerechnet im Printbereich verzeichnen können.

 

 

Mein Eindruck ist, dass insbesondere kleine Tageszeitungen durchaus ihre Chancen nutzen können, sofern ihnen nicht aus Profitgründen der Hahn abgedreht wurde, ihr Angebot und ihren Journalismus verbessern und insofern die produktiv die Konkurrenzsituation angenommen haben.

Empfehlenswert zu dem Thema. Lothar Müller und Thomas Steinfeld, Lothar Müller von der SZ:

http://www.dctp.tv/filme/thomas-steinfeld-was-vom-tage-bleibt/

http://www.dctp.tv/filme/welt-verstehen-stefan-kornelius/

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1723678/  (es gibt mit Müller auch ein dcptv-Interview, was ich nicht finde)

Hier interessant zum Thema "Mikrozeitung".  Gleichwohl wird da der Finger in die Wunde gelegt, die auch „Bandenbildung“ betrifft: Die bereits jetzt schon fortschreitende Konzentration am  Medienmarkt, beträfe die nicht erst Recht die Plattformbildung? Columbus argumentiert ja in die Richtung.

 

 

 

 

Meyko 16.06.2013 | 14:38

Witzige Idee: „Bildet Banden!“  Bei der recht provokativen Headline musste ich schmunzeln, denn „im Zuge der 68er-Bewegung, die sich – teilweise – in Form von terroristischen Gruppen wie der Rote Armee Fraktion, der Bewegung 2. Juni und der Revolutionären Zellen zu kriminellen Vereinigungen zusammenschloss, erfuhr der Begriff der „Bande“ in Teilen der Alternativbewegung eine positive Umdeutung. „Bildet Banden!“ war in den 1970er Jahren eine gängige Parole in diesem Umfeld und oft in Verbindung mit dem Konterfei Pippi Langstrumpfs in Flugschriften abgedruckt oder auf Hauswände gesprüht.“ (Wiki)

Der BGH meint in einem Beschluss v. 22. März 2001:

[..] 1. Der Begriff der Bande setzt den Zusammenschluss von mindestens drei Personen voraus, die sich mit dem Willen verbunden haben, künftig für eine gewisse Dauer mehrere selbständige, im einzelnen noch ungewisse Straftaten des im Gesetz genannten Delikttyps zu begehen. Ein "gefestigter Bandenwille" oder ein "Tätig werden in einem übergeordneten Bandeninteresse" ist nicht erforderlich. (BGHSt)

Pippi Langstrumpf oder nicht, man benötigt voraussichtlich nicht unbedingt eine „Räuber-Bande“, um sich auf eine sinnvolle technische Möglichkeit zu einigen, die das kurzentschlossene Bezahlen eines guten journalistischen Beitrags vereinfacht. Darum geht’s doch erst einmal. Den Rest erledigt vermutlich der „freie Markt“. Das heißt, auch im Bereich der ohnehin  anrüchigen Preisabsprachen, sollte eine Einigung weder erwünscht sein, noch ist sie erforderlich.

Der folgende Satz ließ mich auch kurz stutzen, weist er doch auf eine an sich erwünschte, ursprünglich kontrovers und kontrollierend angelegte Beziehung hin. Er lautete: „Vielmehr geht es darum, mit dem eigenen Fortbestehen das Überleben der Demokratie zu sichern.“

Die gesamte „Überlebensdiskussion“ erscheint mir immer mal wieder (wie auch bei J.A.) als eine befangene, journalistische Argumentationsvermengung, unterfüttert mit einem gewagten Erklärungsansatz. Mittlerweile etwas fadenscheinig wirkend, wird immer gern wiederholt und recht pauschal, die Rettung der Demokratie durch den Journalismus angeführt.

Dazu das Goethe Institut bereits im Mai 2007: „Aber die Pressefreiheit in Deutschland wird heute weniger von den Staatsbehörden bedroht, als von der Presse selbst. Schlimmer als staatliche Fesselungsversuche sind die geistigen Fesseln, die sich der Journalismus selber anlegt: Zu beklagen ist die Vermischung von Journalismus und PR. Zu beklagen ist die Verquickung von Journalismus, Politik und Wirtschaft, zu beklagen ist also die Tatsache, dass sich immer mehr Journalisten zu Büchsenspannern und Handlangern vor allem von Wirtschaftslobbys machen lassen.“

Überlegenswert wäre demzufolge, ob wir nicht durch das Internet insgesamt etwas mehr bürgernahe Demokratie bekommen oder auch eventuell „die Chance, die Demokratie zu reparieren“ erhalten, wie Katharina Nocun hier kürzlich schrieb.

Ganz richtig: „Wenn Zeitungen online Geld verdienen wollen, müssen sie dem Leser endlich ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann.“ Aber dann wird leider im Text, so nebenbei, wieder einmal die Bild angeführt. Gerade dort wurde jedoch auch vor dem „Bezahlangebot“ im Online-Bereich, schon richtig Geld verdient. Ebenso wie bei SPON.

Und, wir alle wissen: BILD ist gar keine Zeitung. Sie verstößt gegen alle Regeln des Journalismus. Die Bild ist ein gefährliches politisches Instrument. Laut einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung ist sie eine riesige "Marketing- und Verkaufsmaschine". Zudem werden in der BILD regelmäßig auf perfideste Weise Persönlichkeitsrechte verletzt oder die Menschenwürde wird missachtet. Also bitte kein „klammheimliches Daumendrücken“ für solche stimmungsmachenden,  „großen, finanzkräftigen Player“ mehr.

Minderwertigem Journalismus wird es hoffentlich bald wie dem Spam ergehen: Ab und an kauft mal jemand irgendein Zeug  – vorwiegend wird freilich einfach rausgefiltert…

Berufsjugendlicher v2.0 16.06.2013 | 15:29

Danke für die "tour d'horizon" zum bedruckten Papierkosmos und sehr interessante Links. Die Profession der Wissensvermittler wird sich ändern müssen, das stellte gerade auch  "Dueck" im standard.at fest, auf den Beitrag wurde vom Freitag a.a.O. dankenswerterweise bereits verlinkt: http://derstandard.at/1369363607324/Todespirale-die-man-aufhalten-kann

Wie die privaten Zeitungsverleger und Verleger die Kurve kriegen wollen, ist mir auch ein Rätsel.  Das Hochpreisangebot wird wahrscheinlich besser werden, weil die Abzocke bei Fachzeitungen und -büchern die Wissensvermittlung behindert und  es werden Vertriebswege ausgebaut werden. Micropayment erinnert mich an englische Gasheizungen, in die kann man Chips für stundenweise Nutzung einwerfen.

Die kritische, gut vernetzte Öffentlichkeit wird auch von Verlegern systemmatisch behindert und kaputt geschossen.

Die Mikrozeitungen können ihre Journalisten nicht schützen, diese können ständig Klinkenputzen und kriegen die Hintergrundinfos nicht. Kohl hat ja als Bundeskanzler selbst den Spiegel ignorieren können.

Es werden aber auch wieder Spielwiesen entstehen und die "parasitäre" Nutzung des Internets durch arme Schlucker  nicht beendet werden. Die Wüste lebt.

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Ehemaliger Nutzer 17.06.2013 | 06:17

Paywalls Wenn Zeitungen online Geld verdienen wollen, müssen sie dem Leser endlich ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann."


Das sehe ich anders.

Wenn jemand etwas zu berichten hat, auch im IN, dann ist es seine Investition, für die er die Kosten tragen muss. Wie er das macht ist seine persönliche Sache. Wenn er sich das nicht leisten kann, dann geht das nicht. Wenn also Kosten entstehen für das Verlegen von Berichten oder Nachrichten, dann liegt es am Berichter diese Kosten zu tragen, denn das Berichten liegt ja in seinem Interesse. Alle anderen Modelle sind käuflich und damit nicht frei. Heißt praktisch, ich bezahle gerne die Kosten, die entstehen beim Verlegen, wenn ich etwas schreibe; es ist mein Luxus.  Die Freiheit der Information schließt ein Monopol aus, das gegen Geld etwas verkauft, das parallel zudem noch für BH’s von Otto wirbt. Die Informationen der community sind wirtschaftlich unabhängig, sie sind auch kein Monopol. So wie ich es nicht sehe, dass es Sinn macht, dass mir die Römisch-Katholische Kirche den Himmel erklärt, sehe ich nicht, dass es Sinn macht, dass mir unfreie anonyme Schreiber aus dem Off die Welt verklären.

Nein Danke.  ;-)

Volker

 

tlacuache 17.06.2013 | 07:55

Ich versuche es mal ohne meine freche Schnauze:
Die "WorldNews" werden wir mit dem Hundefuttereinkauf bekommen, also Gutschein am Supermarkt ("rubbeln Sie jetzt den Eingangscode mit der Münze frei"). Fragt mal den PR-OI53zich', wie das so läuft, ich bin da näher am grossen Teich und habe da so Vorgeschmäckle bekommen...

Man "Phillip Lahm't'" bei Bayern und "flutet" das BILDwochenende.

Auch wenn ich den Konrad Ege hier manchmal gerne lese, wirklich lernen tue ich z.B. was von meinen Kontrahenten A.M. oder Columbus, die hier Ausnahmsweise absolut gegen meinen Standpunkt laufen.

Wenn der Herausgeber, den ich gerne Lese, aber in seinem SPON-Kommentar, sich entschliessen sollte dem Freitag den Saft abzudrehen was ich aus betriebswirtschaftlichen Gründen mehr als nachvollziehen kann, ich verschenke schliesslich auch keine Ostereier.

Wenn also auf einmal der "Freitag" nicht mehr da sein sollte, finde ich aber A.M. und Columbus auf Ihren WEBsites, die lese ich hier nicht, da es hier so angenehm gebündelt ist, nein, nicht Gisela Bündchen, das macht der Blome...

Bündeln, darum geht es, Information und wie hier, Communityinformation...

Redet euch doch nicht alles Bildschwarz:

Als ich mich hier angemeldet habe, schrieb ich auf meinem kleinen Infokästchen oben Rechts:
"Gruss an die ZEIT. Blogger a.d.", am 19.04.2011, ich werde auch keine Probleme damit haben, an eine XXX - Site zu schreiben "Gruss an die Freitag Blogger a.d.".
Ich bin dafür zu alt, aber es werden sich in Zukunft ganz sicher noch Informationsportale entwickeln, die mit den Verlagshäusern mal null und nüscht zu tun haben wollen, nennen wir es mal "Idealismus", so Sachen macht man halt wenn man 20 ist, und davon werden grosse Verlagshäuser noch schlaflose Nächte haben...

Liebe Freitags - Redaktion, es gibt keinen Grund meinen Account zu löschen, ich habe vor 14 Tagen meinen AdBlogger für Freitagsanouncen oben beim Banner aufgehoben.

P.S.
Ich werde auch McMac, Serious47., GoldStarRobot, DvW, WH, Goedzak, Vaustein, Schachnerin, Mopperkopp, Springstein, iDOG, TTG, Bertamberg, Merdeister, Eddymurrow, Magda, Däumling, Lady Di, Oi, Abgohul und viele viele andere mehr wiederfinden, ach du jeh', der GvG auch noch ;-(

...Falls das Geschäftsprinzip des Freitags nicht aufgehen sollte, was ich aber Jakob Augstein nicht wünsche, ich wünsche, das es klappt...
;-)
Gruss, Tlacuache

Jan Jasper Kosok 17.06.2013 | 09:51

Liebe AM,

zu 1.) Das wäre die Kulturflatrate

zu 2.) Die Frage, ob sich das für kleine Verlage rechnen wird, kann ich nicht beantworten. Ich denke, es muss erstmal wieder überhaupt Geld in den Markt. Und mit der Frage wollte ich mich beschäftigen. Das kann per se auch für die kleinen Verlage erstmal nicht schlecht sein.

zu 3.) Den Einzelheftversand soll es bald wieder geben. Ich denke, die schicken auch ins Ausland. Not sure though.

Beste Grüße

JJK

Jan Jasper Kosok 17.06.2013 | 10:31

Missverständnis. Ich glaube nicht, dass der klassische Journalismus alleinverantwortlich für das Überleben der Demokratie ist. Ich wollte vielmehr meinen Vorredner zitieren.

Auch bei der Bild widerspreche ich dir nicht. Ich dachte, dass wäre durch das Alleinstellungsmerkmal "Verkaufen" deutlichen geworden. Bild geht es in erster Linie nicht um den Inhalt, sondern die Marge. Daumen drücken ist dementsprechend nicht angesagt.

Meyko 17.06.2013 | 12:06

"Ich dachte, dass wäre durch das Alleinstellungsmerkmal "Verkaufen" deutlich geworden."

Okay, hätte man so verstehen können. Sorry.

Naja, es sollte wohl einfach nochmal gesagt sein... (auch wg. J.A.s Beitrag)

 

Und, der klassische Journalismus hatte sicher über viele Jahre eine große Verantwortung und Definitionsmacht. Die werden gerade, so nach und nach, etwas anders verteilt. Mal sehn...

 

anne mohnen 18.06.2013 | 15:44

"Zu beklagen ist die Vermischung von Journalismus und PR. Zu beklagen ist die Verquickung von Journalismus, Politik und Wirtschaft, zu beklagen ist also die Tatsache, dass sich immer mehr Journalisten zu Büchsenspannern und Handlangern vor allem von Wirtschaftslobbys machen lassen.“

In die Reichtung geht auch der Artikel von Petra Sorge, auch wenn Sie nicht so dezidiert ist:   Warum wir Papierpresse noch brauchen 

anne mohnen 18.06.2013 | 15:47

Kann Ihnen folgen, lieber Berufsjugendlicher.

Allerdings finde ich nicht, dass die Internet-User  „Parasiten“ sind. Sie meinen das sicherlich nur ironisch. Denn Ihnen wird der Content ja freiwillig z.B. von den Verlagen zur Verfügung gestellt.  Ich wundere mich nur, wenn „der  User“  die „Freiheit des Netzes“ mit kostenloser Nutzung von  Content in Einklang setzt.

Bei Plattformen oder,  wie von Anderen bereits angemerkt, bei „Sammeldiensten“ möchte ich mich nicht einfinden. Ich verfüge über Recherche-Skills und brauche die nicht.

anne mohnen 18.06.2013 | 15:50
@ Lieber Jan Jasper "Kulturflatrate"? Hm, ich kenne mich schon bei den GEMA-Usancen nicht aus. Jedenfalls können davon doch nur die „Künstler“ dauerhaft überleben, die „Hits“ oder einen Mega-Hit gelandet haben, und dies kommt in der Regel mit großen Konzernen im Nacken zustande! Also, riecht schwer nach Verlagskonzentration – für mich als Rat- und Ahnungslose in der Angelegenheit eher abschreckend. Liebe Grüße am
anne mohnen 18.06.2013 | 16:29

Lieber Jan Jasper,

das ist doch unbestritten, dass auf Papier eine Menge „Junk“ unterwegs ist. Insofern sind die Statistiken, die von  ca. 57 Mio Papierzeitungsleser reden, mit Vorsicht zu genießen. Jedoch zeigt die Statistik auch, dass das mit dem Tod von Papier so eine Sache des Betrachters ist.

Und dann bin ich keine Gegnerin von Onlinejournalismus. Gott bewahre!:0))))) Bei der NZZ kann man eine Menge Geld einsparen, wenn man sie online abonniert. Das relativiert sich allerdings, wenn man, wie ich es tue,  eine die eine und die andere Zeitung abonniert, weil die eine Menge anderer Leute dann mitlesen.

Unschlagbar dZeit http://www.zeitabo.de/popups/preisuebersicht.html

Beide Beispiele, NZZ, dZeit, zeigen wie sehr man sich an den heiß umkämpften Tablet- und Smartphone-Markt anhängt. Ich finde das problematisch.

Mich ärgert ja auch in erster Linie,  die vermeintlichen Printgegener mit schlichten Behauptungen -Papiereinsparung, Waldsterben-  ihre „Kostenlosmentalität“ kaschieren.

Tja, und dann ist es natürlich komisch, dem hohen Lied von Online zu lauschen, während die schnöden Printabos Geld einspielen.

Wenn ich Papier verteidige,  dann wohl kaum,  weil ich gerne mit ner Fluppe im Mund (Nichtraucherin) und einem Espresso vor der Nase allmorgendlich gerne Druckerschwärze an den Fingern kleben habe.  

Ich betone das immer wieder: es ist eine andere Art des Informierens- und des Meinungsaustauschs. Ich habe das ja oben angedeutet:  Saugschwamm Netz, Stichwort „Komposition“, wobei auch ich davon überzeugt bin, dass da technisch noch eine Menge Luft nach oben ist. Allein in meiner täglichen "Netzlese"  blättern zu können, ist  wahrer Fortschritt. ;)

LG am

tlacuache 18.06.2013 | 16:38

Habe ich doch glatt vergessen Meyko, ***** Sterne Link, ein guter Rethoriker ist er schon, der Armin, aber in der Sache geben ich ihm noch lange nicht Recht, während er '89 scharmützelnd in Prag die Russen abschoss, kämpfte ich vergeblich in Dresden um ein gutes Fassbier, dieses Spiel verlor ich Glatt mit 0:1...

Etliche Schulgenossen machten dann kurz und Knapp die erste Mio mit Versicherungen und gebrauchten VW - Golf's aus Saarbrücken, in den "neuen Bundesländern", diese Erfolgsstory vorenthält natürlich der gute Arnim, der Profi, dabei hätte er damit doch so richtig Auflage machen können, oder wollten das seine Chef's damals nicht? Jetzt ist er selber Chef, man buckelte sich so 2 Jahrzehnte durch den Journalistendschungel um endlich in Wien oder wo auf's Parkett gehoben zu werden...

"Eine Aufgabe des Journalisten ist aufzuklären und die Informationen zu Filtern", sacht der Arnim, hat er nicht, er erzählt lieber was von 70 Kg schweren Handy's und Klingeln in Prag, von den Auswirkungen des "Mauerfalls" und dem "Zusammenbruch's" der Ostblockstaaten erzählt er nix.

"Es will doch nicht jeder die Quellen überprüfen, wer hat schon die Zeit dazu?", sein Oh - Ton - Alibi - das - Journalisten - auf - der - Welt -sein - müssen,,,

Genau das mache ich, als Nichtjournalist der verstehen will wie sich die Erde um die Sonne dreht...

Schönen Gruss

Jan Jasper Kosok 18.06.2013 | 17:06

Es war ebenso komisch, dem Hohelied der CD zu lauschen. Dinge verändern sich und auch Print wird nicht bis in alle Ewigkeit das Hauptstandbein der Verlage sein. Die Verschiebung der Parameter ist ja gerade das, was die Branche just so interessant macht – alle Irrwege inklusive. 

Und ich persönlich denke – genau wie Sie –, dass wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind. Es bleibt/wird spannend.

Besten Gruß

JJK

Jan Jasper Kosok 18.06.2013 | 17:19

Das ist wahr. Das Pricing ist immer noch ein Witz, was aber mitunter damit zu tun hat, dass es Gesetzgeber und Industrie schwer fällt, alte Habits loszuwerden (afaik kann man die Preise aufgrund alter Verwertungsregeln nicht beliebig nach unten anpassen). Will sagen, die einen können nicht mithalten, die anderen wollen nicht. ;)

LG JJK

PS: Ich sammle ja Schallplatten. Die neueren enthalten inzwischen häufig Download-Codes für die digitale Version. Praktisch.

Berufsjugendlicher v2.0 18.06.2013 | 17:48

Nicht sehr ironisch, denn die Deutsche Post vor der Telekom seinerzeit "der Gilb" genannt, betrachtete die Nutzung des Telefonnetzes durch die Mailboxen seinerzeit als "parasitär". Sie träumten ja von BTX und für die Firmenkunden gab's richtiges Netz. Heute sind alle möglichen Veranstalter die Mailboxnachfolger "Soziale Netzwerke", Internet-Portale gebaren sich schon fast hegemonial, die Drosselkom sowieso  und nicht zuletzt die Netzbetreiber der Mobilfonnetze trennen immer noch sorgfältig zwischen den Nutzungsarten. Selbstorganisierte Tauschbörsen und  Bittorent sind immer verdächtigt und in meinen Augen ist es nicht ausgemacht, dass Internetzugang mal ein Grundrecht wird oder die Drosselkom den schnellen DSL-Zugang überall hinlegen muss. Daher lautet das Motto immer: Holzauge sei wachsam :)

Meyko 18.06.2013 | 20:04

"Eine Aufgabe des Journalisten ist aufzuklären und die Informationen zu Filtern",

"Es will doch nicht jeder die Quellen überprüfen, wer hat schon die Zeit dazu?", sein Oh - Ton - Alibi - das - Journalisten - auf - der - Welt -sein – müssen…

Genau, typische Berufsbildbegründungen von Journalisten – sehe ich auch so. Und, manche Journalisten erledigen diesen Job tatsächlich und viele wiederum nicht.

Was allerdings systemimmanent ist und immer wieder passiert: Leser bekommen „journalistisch“ vorgefilterte Informationen und werden häufig von den eigentlichen Quellen ferngehalten. Manchmal vermute ich, dass dieser Teil, also der eventuelle Verlust der  „Definitionsmacht“, in der gesamten Diskussion"Papier versus Netz" insgeheim eine wesentlich größere Rolle spielt, als bisher offen thematisiert wird…

 

Grüsse zurück :-)

P.S.: Verunsicherte Journalisten ("Sie greifen in unsere Arbeitsabläufe ein")

anne mohnen 19.06.2013 | 08:27

Was allerdings systemimmanent ist und immer wieder passiert: Leser bekommen „journalistisch“ vorgefilterte Informationen und werden häufig von den eigentlichen Quellen ferngehalten.“, kommentiert ein FK am 12.10.2012 unter den Artikel von Petra Sorge.

 Doch ist das tatsächlich ein Argument für „Papier- versus Online-Zeitungen“.  Aus meiner Sicht argumentiert FK tautologisch. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass er für irgendeinen homöopathischen Aufguss von Artikel nichts bezahlen will, so bezieht sich seine Kritik auf die Qualität uns Seriosität von Journalisten. Fakt ist aber , dass er weiter Zeitung liest, nun online und für „lau.“ ;)))))

LG am

 

 

 

oi2503 20.06.2013 | 06:18

Auch ich schließe mich im Wesentlichen diesem Kommentar an. Aus mehreren Gründen und dann doch ein wenig anders. Die Gründe, warum ich das Bilden von Kleinstbanden für das Mittel der Stunde halte: Zum einen wird es dauern, wahrscheinlich sooooo lange dauern, bis eine Kooperation von Springer, Burda, Holtzbrinck, WAZ, Madsack, Freitag, taz, Junge Welt, jungle world und all den anderen erreicht ist (und da rede ich noch nicht von internationalen Kooperationen, Murdock, Berlusconi (ihgitt)), das bis dahin für die kleineren Verlage schon der point of no return, meint „wir sind pleite“, erreicht sein kann. Zum zweiten gehen die Klein- und Kleinstverlage in diese Kooperation mit einem großen Handycap: ihrer Kleinheit.  Wer kaum etwas (Leser und Angebot) in die Kooperation einzubringen hat, kann auch weniger mitbestimmen, geht also schon bei der Verhandlung über den Deister. Auch haben ja die großen Verlage ihre ganz eigenen Angebote schon gestartet oder sind wahrscheinlich kurz davor. Der Druck auf das Management bei Burda, Holtzbrinck und Co. Dürfte nach dem Start von Bild+ reichlich gewachsen sein. Das Zeintfenster für Verhandlungen darüber dürfte also schon allein durch diesen Start für einige Zeit geschlossen sein.

Was ich mir allerdings sehr gut vorstellen kann, ist eine Kooperation von allem, was sich nicht als Mainstream versteht. Freitag, taz, jungle world, Junge Welt, ND (aua) und allem auch, was nicht als Printe daherkommt. Ob das dann als gemeinsames Abo (und zu welchem Preis bei welchen Leistungen) oder als alternatives Spotify daherkommt muss jetzt noch nicht beschlossen werden. Da gibt es genug schlaue Köpfe in den Verlagen, die sich dazu austauschen können. Eine Bitte: Geht es jetzt an. Jetzt!

Eine Anmerkung noch. Wenn Online bezahlt werden muss (was wohl irgendwie unumgänglich scheint) werden die Erlöse aus dem Printen-Verkauf zurückgehen. Damned sure.

Und dann noch: Mein Dank für diesen Beitrag wird dir @JJK (du liest ja mit) lange nachschleichen. Weg aus dem Moralisieren (Untergang des Abendlandes) hin zu „Was tun!“. 7 von 5 möglichen * dafür.

Best, Oi

anne mohnen 21.06.2013 | 08:29

 @ JJK & Chris aus Almaty & OI2503

Hier ein engagierter  echt(!) guter Artikel zum Thema „Qualitätsjournalismus“ und elektronische Medien von Edo Reents, faz.net. und warum es sich lohnt Banden zu bilden ;)

Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch Auf der Damentoilette wurde ein Ring gefunden Beim Obama-Besuch überbieten sich die elektronischen Medien im Vermelden von Banalitäten. Auf die Demokratie wirkt der Echtzeit-Journalismus verheerend.

LG am

kmv 21.06.2013 | 11:54

Nicht wirklich: Wenn Zeitungen

/ Verleger (in D sind Verlage ökonomisch handelnde Unternehmen in privatrechtlicher Trägerschaft, insgesamt eher mittelständisch geprägt,. Der deutsche Markt gilt als attraktiv aber schwierig, nicht zuletzt wegen Titelvielfalt. Das Kartellrecht tut ein Übriges, wenn es vom Bedarfsmarktkonzept ausgeht.)

online Geld verdienen wollen, müssen sie dem Leser

für den der ‚Pressemarkt‘ (Nachrichten- + spezialisierter Fachjournalismus und Periodika) inhaltlich gegliedert ist („Qualität(sjournalismus)“ ist (und dank ‚online‘ - aus der Perspektive des Lesers - ist der Nachrichtenmarkt nicht mehr nur regional verfügbar, (wobei selbst Übersichten im Internet nur begrenzten Nutzerkreis erreichen  ….)

endlich ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann.

Verlage, wie jeder Produzent denken ‚vom Leser‘ her / trachten danach die eigene Marktposition in der Leser/Usergunst, auf dem Pressemarkt zu ‚erkennen‘

… Aber: Journalismus war noch nie Übertragungsleistung von Informationen, auch wenn die (eingeschränkte) Verfügbarkeit dies suggerierte …

 

kmv 21.06.2013 | 12:31

… Aber: Journalismus war noch nie Übertragungsleistung von Informationen, auch wenn die (eingeschränkte) Verfügbarkeit dies suggerierte …

 

… Aber: Presseerzeugnisse und Journalismus waren noch nie eine ‚marktunabhängige‘ Übertragungsleistung von ‚Informationen‘ (= Qualität, außerhalb von Interessenlagen).

Auch wenn die (medial eingeschränkte) Verfügbarkeit dies lange suggerierte bzw. dem ‚Nachrichtenmarkt ‘ein relativ geschütztes Geschäftsfeld bescherte  …

oi2503 21.06.2013 | 19:13

Du hast bestimmt schon mal was von "Zeitungssterben" gehört? Ist weit älter als das Internet. Es gab kein "betreutes Zeitungsmachen". Nie. Das Angebot muss stimmen. Immer. Für den Geschmack des Fisches, nicht des Anglers. Das ist Kapitalismus. Ausnahmen sind IHK-Zeitschriften, Bäckerblumen und Apothekenrundschau, die ADAC-Motorwelt. In der Tätärä das ND. Zwangspostillen halt. Alle anderen müssen um ihre Leser werben, die Inhalte liefern, die diese lesen wollen, das Angebot machen, für das sie zu zahlen bereit sind. Irgendwie banal, oder?

Best, Oi