janto ban
26.12.2012 | 12:19 39

Rot oder blau

Familiositäten Gestern bei den Schwiegereltern

Rot oder blau

flickr.com // allison.hare (cc)

Ein Teil der von Braten, Rotkohl und Klößen gesättigten Familie war noch in der Küche zugegen. Die beiden Kleinsten waren über ihre neuen Spielsachen verschwunden. Opa hatte es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht und war darüber eingeschlafen.

Die liebe Nichte (17) und ich erledigten den letzten Abwasch, während ihr Bruder (15) gemeinsam mit dessen Mama, Oma und Onkelchen (meinem Dauer-Lebensabschnittsgefährten) das Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Brett aufbaute.

Als mein Freund und ich uns kennen lernten, war der Junge zwei Jahre alt, das Mädchen fünf. Ich weiß gar nicht genau, was meine (sogenannte) Schwägerin ihren Kindern all die Jahre über mich, den jungen Mann, der plötzlich mit im Haus beim Onkel wohnte, erzählt hat. Vielleicht, dass ich sein Freund bin und wir uns lieb haben oder sowas. Für die Kinder war ich jedenfalls immer der ganz gewöhnliche, andere Onkel.

Nun sind die beiden Teenager und längst alt genug, um zu wissen, in welchem Verhältnis der Bruder ihrer Mutter zu mir steht. Irgendwie explizit darüber gesprochen haben wir nie. Hinter den Kulissen wurde offensichtlich ganze Aufklärungsarbeit geleistet. Alles gut.

Ich berichte das auch nur, weil in dieser Angelegenheit gestern ein kleines Novum stattgefunden hat, das ganz nach meinem Geschmack war. Während in der Spielekiste gekramt wurde und man sich noch uneins war, wer mit welcher Farbe spielt, bekundete der 15-Jährige, er wolle gern mit rot spielen. Dass das gut sei, befand mein Freund. Denn er selbst müsse unbedingt blau haben. Er habe früher nämlich immer mit blau gespielt, müsse man wissen.

Warum das denn so gewesen sei, wollte der liebe Neffe da von seinem Patenonkel wissen. Mein Freund hört auf, in der Kiste zu kramen, guckt in das grinsende Gesicht seines Gegenübers und kreischt mit hervorragend gespieltem Entsetzen:
"Weil ich ein Junge bin, du Schwuli!"

Man soll sowas ja eigentlich nicht sagen. Ich sage es aber trotzdem mal: Ich habe selten so gelacht. Mir wäre beinahe das Geschirr aus der Hand gefallen. Gut, dass die anderen keins in Händen hielten.

 

Ein Weihnachtswitz zum Schluss? Den hat mein Schwesterchen vorgestern erzählt. Ein kleines Kind grübelt vor sich hin: Hmm, die Mama und der Weihnachtsmann verwenden das gleiche Geschenkpapier. Ich glaube langsam, Mama gibt's gar nicht.

In diesem Sinne.

Kommentare (39)

Anchesa 27.12.2012 | 01:45

"...Die liebe Nichte (17) und ich erledigten den letzten Abwasch, während ihr Bruder (15) gemeinsam mit dessen Mama, Oma und Onkelchen (meinem Dauer-Lebensabschnittsgefährten) das Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Brett aufbaute..."

Zwei von Euch waschen ab, aber vier brauchts für das Spielebrett ??? Wie groß ist das Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Brett denn ?

Schöne Geschichte. Über den Witz grüble ich aber noch... Meine Geschenke waren gar nicht eingepackt. Heißt das nun, Mama und Weihnachtsmann gibbet nich oder gibts mich nich ??? Hmmm

janto ban 27.12.2012 | 18:47

You're welcome.

Joh, wir haben uns keinen Stress gemacht. Der kommt erst noch. Was die Köstlichkeiten des sehr langen Weihnachtswochenendes nicht vollbracht haben, könnte spätestens Anfang Januar gelingen, wenn meine Schwester 30 wird. Bin nicht nie, aber sehr selten blau. Die kommende Woche könnte ein kleiner Stresstest für meine Leber werden. Und was Banken und Atomkraftwerke nicht können, muss mein Magen auch nicht können, wonnich? :o)

Georg von Grote 27.12.2012 | 18:53

Mach Dir keinen Kopp.  Ich habs jetzt schwarz auf weiß, meine Leberwerte sind derart top, dass ich sogar gefragt wurde, ob ich überhaupt Alkohol trinken würde :-)

Allerdings, blau war ich auch nie. Doch, stopp, einmal mit 15, als ich meinem Vater ne flasche Johnny Walker geklaut und mit einem Kumpel konsumiert hatte. Das hat fürs restliche Leben gereicht, nie wieder blau zu werden.

Theda 29.12.2012 | 01:12
Bezug: *okiwannaevrybodytoclearthearearightnow*: "Warum das denn so gewesen sei, wollte der liebe Neffe da von seinem Patenonkel wissen. Mein Freund hört auf, in der Kiste zu kramen, guckt in das grinsende Gesicht seines Gegenübers und kreischt mit hervorragend gespieltem Entsetzen: "Weil ich ein Junge bin, du Schwuli!" Man soll sowas ja eigentlich nicht sagen. Ich sage es aber trotzdem mal: Ich habe selten so gelacht. Mir wäre beinahe das Geschirr aus der Hand gefallen. Gut, dass die anderen keins in Händen hielten." @JB: Oder besser in Franze oder Hebräisch?
janto ban 29.12.2012 | 11:26

| Oder besser in Franze oder Hebräisch? |

Dat vasteh ich nich. Aber Klassenkameraden - vor allem Jungs so um die 15 - können echt grausam sein. Darf gar nicht daran denken, was ich selbst so rausgehauen habe in dem Alter. Dabei bin ich mir sicher, zu 90% Opfer gewesen zu sein. Wenn mir eine meiner besten Freundinnen (heute dick, früher schon dick) erzählt, was ich alles zu ihr gesagt haben soll, kann ich das immer gar nicht glauben. Alles verdrängt. Kinder sind grausam. Ein subtiler Wink mit dem Zaunpfahl kann ab und zu vielleicht nicht schaden. Und dennoch... aber das hat Sarah Brightman einmal auf den Punkt gebracht:

Ghost in the machinery

In the eyes of the children
You can read his name
They'll make the same mistakes
And that's the only way

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