janto ban
04.03.2013 | 00:42 108

Zwischen den Zeilen

Homo-Ehe Ein paar Gedanken nach Günther Jauchs Talk von Sonntag Abend. Auf die Schnelle. Sie müssen raus.

Zwischen den Zeilen

Screenshot ARD.de

Ich bin schwul und lasse mich bei diesem Thema meinetwegen als befangen bezeichnen. Aber es geht mir hier vor allem um die Subtexte, die in der Debatte um die Gleichstellung der Homo-Ehe produziert werden.

Nachdem Norbert Geis (CDU) in der letzten Woche auf allen Kanälen seine Sicht der Dinge kommunizierte, saß - als Vertreterin derer in der CDU, die eine allgemeine Gleichstellung wehement ablehnen - heute Abend Katherina Reiche (CDU) bei Jauch. Das Argumentationsmuster dieser beiden CDU-Leute ist das gleiche. Reiche kurz zusammengefasst:

Es gehe nicht um Diskriminierung. Im Gegenteil. Wir seien eine offene und tolerante Gesellschaft. Aber das deutsche Grundgesetz sehe den besonderen Schutz von Ehe und Familie vor. Familie sei aber nicht schon gegeben, wenn von zwei Menschen geehelicht oder familiär (hier: mit Kindern) zusammengelebt werde, sondern erst, wenn eine eheliche Gemeinschaft aus Mann und Frau durch das Zeugen von Nachkommen für den Fortbestand des Landes sorgten. Wir seien eine offene und tolerante Gesellschaft. Wer sich aber mit dem Zeitgeist verheirate, könne schneller zum Witwer werden, als er gucken könne. Es gehe aber nicht um Diskriminierung. Das Bundesverfassungsgericht sei auf dem Holzweg und solle mal erklären, wie es den Gleichheitsgrundsatz mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie (in Reiches Interpretation) zusammen bekommen möchte. Außerdem wollten die CDU-Mitglieder das alles nicht usw..

Nun saß der Frau Reiche ein schwuler 'Vati vom Prezlberg' gegenüber, der natürlich nicht recht verstehen konnte, warum er und sein Lebenspartner - obwohl ver-homo-ehelicht und mit zwei adoptierten Kindern als Familie lebend - nicht unter den besagten, besonderen Schutz fallen darf.

Die Antwort auf diese Frage schwebte - von Reiches Worten beflügelt - den ganzen Abend lang unausgesprochen durch's Fernsehstudio. Sie lautet wohl:

Ach Gott, die Offenheit und Toleranz gegenüber Leuten wie dir, Vati vom Prenzlberg, ist doch nur Zeitgeist. Und der ändert sich - wie wir alle wissen - schon irgendwann wieder. Wenn's denn unbedingt sein muss, rennen wir ihm ein Stück weit hinterher. Eine Gleichstellung wäre aber nur Perlen vor die Säue. Wenn du ein Mutterkreuz verliehen bekommen möchtest, dann kauf dir 'ne Gebärmutter.

Ich weiß, das ist politisch nicht korrekt. Aber ich kann mir nicht helfen. Ich verstehe von konservativer Seite nur noch NS, was dieses Thema betrifft. Kann ja sein, dass ich mich irre. (Siehe Satz 1) Aber ich kann diese - als verlogen empfundenen - Töne nur schwer ertragen. Lieber wäre es mir, Geis, Reiche und Co. sagten:

Wir wollen das nicht, weil wir das eben nicht wollen. Anstatt von besonderem Schutz zu schwafeln. Und von Werten wie Offenheit und Toleranz, von denen sie ganz offensichtlich erwarten, dass das Fähnlein sich früher oder später von selbst wieder drehe. Sobald die euro-ökonomischen Tiefschläge erst auch Deutschland erreichten, zum Beispiel.

Denn bei Geld hört die Freundschaft ja bekanntlich auf. Und man stelle sich mal vor, was passieren könnte, wenn die Arbeitslosenquote in GER just auf Euro-Niveau zu steigen begönne, als denen, die keine Nachkommen zum Fortbestand der Nation zeugen, steuerliche Vorteile gewährt würden. Der Zeitgeist könnte eine glatte 180-Grad-Wende vollziehen wollen.

Dass die Entscheidungen des Bundesverfassungerichts (und seien sie auch noch so einstimmig) einem Teil dieser Bundesregierung schon seit längerem ein Dorn im Auge sind, ist ja kein Geheimnis. So klar wie die Reiche heute Abend habe ich das aber noch niemanden sagen hören. Vielleicht Kauder. Immer zwischen den Zeilen, versteht sich. Man ist ja weltoffen und tolerant, nicht wahr..

Und um dem Text die Krone aufzusetzen: Wenn ich mir die Subtexte dieser Debatte genau anhöre, bin ich heilfroh, dass Mutti Merkel diesem 'toleranten' Haufen von Waffen-, Atom- und Finanz-Christen vorsitzt. Danke, lieber Gott! (Ja genau, es ist auch mein Gott. Mich hat er auch lieb! Und er will, dass ich steuerlich entlastet werde. Hehe.)

Gut, dass das raus ist. Gute Nacht.

Kommentare (108)

Costa Esmeralda 04.03.2013 | 02:37

Lieber Janto, leider habe ich in Panamá diese Diskussion nicht live miterleben können. Vielleicht wird sie morgen durch die Deutsche Welle gesendet. Ich kann Deinen Zorn nachempfinden. Das ist der Kern der "repräsentativen" Demokratie, in der Bürgers Wille von Repräsentanten in den Willen der BT-Parteien verformt wird. Wie lange halten wir das noch aus? Unsere schweizer Nachbarn haben heute gezeigt, wo es lang gehen müsste. Dir eine "Gute Nacht!" LG, CE

oi2503 04.03.2013 | 09:13

"Familie sei aber nicht schon gegeben, wenn von zwei Menschen geehelicht oder familiär (hier: mit Kindern) zusammengelebt werde, sondern erst, wenn eine eheliche Gemeinschaft aus Mann und Frau durch das Zeugen von Nachkommen für den Fortbestand des Landes sorgten."

Mal abgesehen davon, dass es ziemlich flau ist als Argument, schließlich heißt es Ehe und Familie stehen unter ... (Also Ehe steht unter ... Und .... Familie steht unter ...) ist es auch am Kern vorbei. Als Heteroehepaar kommst du heute in den Genuss von Steuererleichterungen (Splitting), wenn es denn passt, also einer wesentlich mehr verdient als der andere, ohne ein einziges Balg, selbstgemacht oder nicht.

balsamico 04.03.2013 | 10:06

Das Bundesverfassungsgericht sei auf dem Holzweg und solle mal erklären, wie es den Gleichheitsgrundsatz mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie (in Reiches Interpretation) zusammen bekommen möchte.

Das hat das BVerfG schon erklärt und wird es demnächst wiederholen. Die Antwort wird einmal mehr lauten: Es hat sich seit 1945 etwas geändert in der Gesellschaft. Alle haben es mitbekommen, nur Leute von Schlage Geis und Reiche nicht, was nicht verwundert, da sie von gestern sind. Kein Grund, auf die Anschauungen des Jahres 1945 zurück zu gehen.

balsamico 04.03.2013 | 10:14

Mal abgesehen davon, dass es ziemlich flau ist als Argument, schließlich heißt es Ehe und Familie stehen unter ... (Also Ehe steht unter ... Und .... Familie steht unter ...) ist es auch am Kern vorbei. Als Heteroehepaar kommst du heute in den Genuss von Steuererleichterungen (Splitting), wenn es denn passt, also einer wesentlich mehr verdient als der andere, ohne ein einziges Balg, selbstgemacht oder nicht.

Ich finde, dass man die Frage, was Ehe und Familie ist, davon trennen muss, für wen es welche Steuererleichterungen gibt. Dass Leute gleichen Geschlechts, wenn sie sich zusammen gefunden und Kinder adoptiert haben, eine Familie sind, steht wohl langsam außer Frage. Dagegen ist es sehr wohl die Frage, ob Leute ohne Kinder, gleichgeschlechtlich oder nicht, die gleichen Steuervergünstigungen erhalten müssen wie Leute mit Kindern.  

 

Helmut Eckert 04.03.2013 | 10:30

Es soll Jeder nach seiner Vorstellung leben  solange er nicht den Nächsten benachteiligt. Diese Maxime war nie Teil der christlichen Lehre. Wo innerhalb Deutschland ist der Platz für die Gestrigen in dieser Gesellschaft?  Wo der Ort, der ihnen erlaubt, wie die Sekten in den USA, abgeschottet und frei in ihrem konservativen Glauben zu leben? Ich denke der Ort nennt sich CDU/CSU und Altötting!

Wolfram Heinrich 04.03.2013 | 11:05

oi2503

Als Heteroehepaar kommst du heute in den Genuss von Steuererleichterungen (Splitting), wenn es denn passt, also einer wesentlich mehr verdient als der andere, ohne ein einziges Balg, selbstgemacht oder nicht.

 

Das ist der Punkt. Wenn zwei Menschen zusammenziehen, kommt ja keine Zusatzbelastung auf die beiden zu, im Gegenteil, die Kosten für den Lebensunterhalt verringern sich. Eine 3-Zimmer-Wohnung ist billiger als zwei anderthalb-Zimmer-Wohnungen etc. pp. Teuer, so richtig teuer wird es, wenn Kinder kommen. Das sollte gefördert werden, und da ist ausgesprochen wurscht, ob das selbstgemachte oder adoptierte Kinder sind.

 

Ciao

Wolfram

Marc-David 04.03.2013 | 11:21

Ich verstehe immer nicht, warum die Leute der CDU sich immer auf ihr christliches Familienbild beziehen. Ist es in Deutschland nicht so, dass Staat und Kirche voneinenander getrennt sind? Oder leben wir etwa in einem Gottesstaat? Ich glaube nicht! Und schließlich geht es bei der ganzen Diskussion um die staatliche Ehe. Und auch Steuern sind eine Sache des Staates. Und da der von der Kirche getrennt ist, hat das christliche Familienbild auch nichts in dieser Diskussion zu suchen. Wer als konservativer Christ (es gibt ja auch fortschrittlich denkende) der Überzeugung ist, dass Ehe und Familie nur aus Mann und Frau und Kind besteht, der kann das ja glauben. Aber er soll doch bitte die anderen in Ruhe lassen. Jeder darf frei für sich leben, wie er es möchte. Das sagt ja auch das BVerfG

oi2503 04.03.2013 | 13:57

"Ich finde, dass man die Frage, was Ehe und Familie ist, davon trennen muss, für wen es welche Steuererleichterungen gibt."

Und was macht dann den besonderen Schutz des Staates für die Ehe noch aus? Bitte, das ist keine ernstgemeinte Frage.

"Dass Leute gleichen Geschlechts, wenn sie sich zusammen gefunden und Kinder adoptiert haben, eine Familie sind, steht wohl langsam außer Frage."

Habe ich etwas anderes behauptet?

"Dagegen ist es sehr wohl die Frage, ob Leute ohne Kinder, gleichgeschlechtlich oder nicht, die gleichen Steuervergünstigungen erhalten müssen wie Leute mit Kindern."

Und eine weitere Frage ist, ob Menschen mit Kindern Steuererleichterungen erhalten sollten. Und zwar eine, die eigentlich längst beantwortet ist. Mit: nein, sollten sie nicht. Kein Land in Europa gibt so viel für Kinder- und Failienförderung aus wie D. (darin Splitting eingeschlossen) und in keinem anderen Land der Welt ist der Outcome so gering für das eingesetzte Geld. Strukturen fördern sollte das Motto sein, nicht Familiengehalt zahlen.

rose 04.03.2013 | 14:35

Die Nachbarn, dass ich nicht lache, sind dem Kapitalismus abhold.

Wer nicht sieht, dass formelles Beschränken der Geschenke (formell, weil auf der anderen Seite wieder Ausweitung, Geschenke, weil legal, nicht geraubt, wie der Papst meint) nichts ändert, akzeptiert das System sowieso, schlimmer, er hält es für reformfähig in Bezug auf das Erstreben einer gerechteren, humaneren Wirtschaftsordnung. Hier muss man nicht spekulieren,  mit der Volksbefragung kann man verknüpfen "wollt ihr den Kapitalismus"---"JA!", es gibt ihn nur als den "totalen". Das wissen alle,  selbst die SPD -Renegaten, die nun wie ein Augstein, Schirrmacher, oder wie sie alle heissen, das schweizer Vorbild loben.

Es ist idiotisch, über die Höhe der "Zuwendungen" sich zu ereifern, wo jeder moralisch und intellektuell intakte Mensch versteht, dass selbst das doppelte eines Arbeiterlohnes ethisch nicht  begründbar wäre.

balsamico 04.03.2013 | 14:38

Aus einem alten Grundgesetzkommentar:

"Worin nun das geschützte Wesen der Ehe liegt,ist gleichfalls streitig, um so mehr, als die gesellschaftlichen Vorstellungen von der Ehe gerade jetzt einen Wandel durchmachen. Die spätchristliche Morallehre hatte die Sexualität aus dem Leben verbannt und ihr die Ehe als einziges legitimes Ventil gelassen. Das führte dazu, daß in zunehmendem Maße die sexuelle Betätigung als der eigentliche Inhalt der Ehe angesehen wurde, wobei es hier freilich nicht um zweckfreie. sondern um gebundene Sexualität ging: Zeugung als ausschließliehe Legitimation des Geschlechtsverkehrs und damit der Ehe. In der nationalsozialistischen Ehegesetzgebung und der ihr in manchen verwandten älteren Eherechtsprechung des BGH (Geschlechtsverkehr nur zum Zeugungszweck) findet dieser weltfremde Moralismus seinen Höhepunkt. Die gegenwärtige Enttabuisierung der Sexualität, die sie als eine unter mehreren natürlichen Lebensformen zu begreifen versucht, bietet nun die Möglichkeit einer Rückbesinnung auf
das Wesen der Ehe. Sie erlaubt es, die Ehe von ihrer einseitigen geschlechtlichen Bezogenheit zu befreien und sie stärker als einen auf Dauer angelegten, sozial intendierten Bund zur gemeinsamen Lebensgestaltung aufzufassen. " (Model/Müller, Grundgesetz, 11. Aufl., 1996, Art. 6, Rdnrn. 2,3).

Schade, dass das in der CDU noch nicht überall angekommen ist. Macht aber nichts. Das BVerfG hilft auf die Sprünge. Klar, dass es von den ewig Gestrigen trotzdem nicht akzeptiert wird. Aber was soll's? Wen kümmert's?

star 04.03.2013 | 15:20

Die Vorstellung von Katharina Reiche gestern Abend bei Jauch war ein intellektuell-geistlose Blamage. Ihr einzig immer wieder abgespieltes Argument des im Grundgesetz verbrieften  Schutzes der Ehe konnte niemanden mehr überzeugen. Die sture und starre Weigerung,  in der Lebenswirklichkeit anzukommen,  macht nur deutlich, dass die CDU/CSU die „Zeichen der Zeit“ nicht verstanden hat. Kein Kind wird weniger geboren durch die volle Anerkennung des Adoptionsrechtes – doch das konnte und wollte Reiche nicht verstehen.

 

Das Verhalten der CDU/CSU ist ausschließlich von parteitaktischem Verhalten diktiert. Die Parteiführung  hat Angst vor einem zu lauten Votum der Konservativen in diesen beiden Parteien. Außerdem passt auch das Abwarten auf das nächste Urteil aus Karlsruhe sehr gut ins Kalkül von Merkel. Nachdem heute schon zu erwartenden Inhalt - aufgrund der vorhergehenden Urteile - wird das BGH den Gesetzgeber wieder zu einer Anpassung zwingen!

 

Merkel kann sagen : Wir mussten das Urteil akzeptieren.

 

Die Konservativen müssen zähneknirschend eingestehen : Wir haben keine Chance mehr, die normative Kraft des Faktischen zu verhindern.

 

Nur bei den Wählern wird erneut der Eindruck entstehen - genau wie in der kath. Amtskirche -  : Freiwillig will man eben nicht in der Lebenswirklichkeit ankommen.

 

Politiker denken immer an die nächsten Wahlen - die Amtskirche denkt in Jahrhunderten.

 

Was für ein Trauerspiel!

 

Paul Haverkamp, Lingen

balsamico 04.03.2013 | 15:21

Und was macht dann den besonderen Schutz des Staates für die Ehe noch aus? Bitte, das ist keine ernstgemeinte Frage.

 

Warum nicht? Da wird's halt ein bisschen nebulös:

"Der Schutz von Ehe und Familie ist nicht nur Programmsatz, sondern geltendes Recht, aus dem sich für die in Ehe und Familie Lebenden ein Rechtsanspruch auf Schutzgewährung ableitet, der sich praktisch als Anspruch auf Förderung und bevorzugte Behandlung ausweist, sowie darüber hinaus eine verbindliche Wertentscheidung für das gesamte Ehe und Familie betreffende private und öffentliche Recht, BVerfGE 6, 55; ebenso BVerfGE 28, 104 (113): Förderung, nicht nur Verbot der Benachteiligung. Es erwachsen jedoch aus dem Schutzanspruch der Ehe keine konkreten materiellen Ansprüche auf staatliche Leistungen. (...) Daneben enthält das Grundrecht ein Abwehrrecht des einzelnen gegenüber Eingriffen des Staates in seine Ehe und Familie, BVerfGE 6, 386. Neben diesen subjektiven öffentlichen Rechten enthält Abs. 1 nach herrschender Meinung insbesondere die institutionelle Garantie der Ehe... " (fett und kursiv von mir)

Model/Müller, Grundgesetz, 11. Aufl. (1996), Art. 6, Rdnr. 1

Habe ich etwas anderes behauptet?

Ich hab' Sie nicht kritisiert.

Und eine weitere Frage ist, ob Menschen mit Kindern Steuererleichterungen erhalten sollten. Und zwar eine, die eigentlich längst beantwortet ist. Mit: nein, sollten sie nicht. ...

O doch. Kinder sind wuderbar, aber sie kosten nunmal auch Geld. Dass der Staat da ein bisschen hilft, ist völlig in Ordnung. Schließlich ist die Familie ein Kleinbetrieb zur Produktion von Steuerzahlern.

balsamico 04.03.2013 | 15:32

Das Verhalten der CDU/CSU ist ausschließlich von parteitaktischem Verhalten diktiert. Die Parteiführung  hat Angst vor einem zu lauten Votum der Konservativen in diesen beiden Parteien. Außerdem passt auch das Abwarten auf das nächste Urteil aus Karlsruhe sehr gut ins Kalkül von Merkel. Nachdem heute schon zu erwartenden Inhalt - aufgrund der vorhergehenden Urteile - wird das BGH den Gesetzgeber wieder zu einer Anpassung zwingen!

So ist es. Es gibt immer noch weite Teile in der Bevölkerung, die strikt gegen Homoehen sind und gegen alles, was damit im Zusammenhang steht. Diese Leute möchten CDU/CSU bei der Stange halten. Wenn das BVerfG die Homoehe und die steuerliche Gleichstellung mit der Heteroehe gutheißt, kann man sich wunderbar mit dem Bemerken davon stehlen, man sei's nicht gewesen.  

janto ban 04.03.2013 | 18:01

|| Als Heteroehepaar kommst du heute in den Genuss von Steuererleichterungen (Splitting), wenn es denn passt, also einer wesentlich mehr verdient als der andere, ohne ein einziges Balg, selbstgemacht oder nicht. ||

Stimmt. Die kommen zu steuerlichen Vorteilen, ohne für den Fortbestand der Nation (~&$+!*) zu sorgen.

Ich neide das aber nicht. Wir haben's ja nie gehabt und uns so eingerichtet. Es geht ja um die Anerkennung und nicht um's Geld. Mein Freund und ich sind seit fast 13 Jahre zusammen. Ob wir für ein paar Euro mehr drauf los ehelichten..? Weiß ich nicht..

janto ban 04.03.2013 | 18:16

|| Dagegen ist es sehr wohl die Frage, ob Leute ohne Kinder, gleichgeschlechtlich oder nicht, die gleichen Steuervergünstigungen erhalten müssen wie Leute mit Kindern. ||

Ich kritisiere die Reiche zwar in diesem Punkt. Allerdings dafür, WIE sie ihn vorträgt. Ich bin natürlich auch dafür, dass die Leute viele Bambini in die Welt setzen, ohne Angst haben zu müssen, es wirtschaftlich nicht gewuppt zu kriegen. Ich will/kann nicht - also müssen die anderen umso mehr. Aber die Reiche (und andere in der CDU/CSU) tun ja so, als wollten plötzlich alle Leute homosexuelle Partnerschaften eingehen, wenn eine Gleichstellung per Gesetz käme. Und als würde dann plötzlich kein Kind mehr gezeugt im Staate Null. Aber wir sind nicht ansteckend und färben auch nicht ab. Wenn die Union Kinder will, dann muss sie vernünftige Familienpolitik betreiben. Für deren Unfähigkeit kann ich mit meiner sexuellen Orientierung nicht herhalten. Wenn ich könnte, täte ich das, keine Frage.. :o)

janto ban 04.03.2013 | 18:25

|| Teuer, so richtig teuer wird es, wenn Kinder kommen. Das sollte gefördert werden, und da ist ausgesprochen wurscht, ob das selbstgemachte oder adoptierte Kinder sind. ||

So sehe ich das auch. Und das ist mir im Jauch-Talk übel aufgestoßen. Die beiden Herren haben zwei schwarze (oh herre!) Kinder aus den USA adoptiert und erziehen sie hier im Lande zu richtigen, echten Deutschen (~%$+#/*). Aber das passt Madame ja nicht. Prädikat: Kein besonderer Schutz. Der ging's die ganze Zeit nur um's Zeugen. Deshalb klingelte mir der NS-Wecker auch die ganze Zeit im Ohr. Die Argumentation der Gleichstellungsgegner klingt biologistisch wie Sarrazin hoch zehn. Das macht mir Angst.

janto ban 04.03.2013 | 18:35

|| Und auch Steuern sind eine Sache des Staates. Und da der von der Kirche getrennt ist, hat das christliche Familienbild auch nichts in dieser Diskussion zu suchen. ||

Wie säkular man halt eben sein kann will, wenn eine Partei mit einem C im Namen das Land regiert. Wobei ich sagen muss, dass ich auch Christ bin. Katholisch sogar. Aber darüber, was in bezug auf Politik "christlich" ist und was "konservativ" genau bedeutet, könnte man ja stundenlang diskutieren. Ach, wochenlang. Beim Thema Homosexualität stellte sich dann zuerst die Frage, ob man's gern alt- oder neutestamentarisch hätte. Ob also der strafende oder der liebende Gott das Maß der Dinge sein soll. Ich für meinen Teil habe mir diese Frage schon beantwortet. Rate mal.. :o)

janto ban 04.03.2013 | 18:49

Ich bin der Meinung, dass Kindern männliche UND weibliche Bezugsperson nicht schaden. Aber ich finde auch, dass das kein gutes Thema ist, um eine Gendersuppe daraus zu kochen. Sollen sich die Entwicklungspsychologen damit befassen. Gibt ja schon eine Menge Studien, die sagen, dass Abweichungen vom Standard nicht automatisch das Leben des Kindes von Grund auf in den Sand setzen. Von solchen Formeln halte ich ganz wenig.

Ich habe mir mein halbes Leben lang gewünscht, mein Vater würde uns (meine Mutter, meine Schwester und mich) einfach in Ruhe lassen und verschwinden. Manchmal (aber nur manchmal) denke ich, dass ich deshalb vielleicht schwul bin. Aber das ist nur so eine Theorie, für die ich mir hier viel Ärger einfangen kann. Das weiß ich.

janto ban 04.03.2013 | 19:03

|| Kein Kind wird weniger geboren durch die volle Anerkennung des Adoptionsrechtes – doch das konnte und wollte Reiche nicht verstehen. Das Verhalten der CDU/CSU ist ausschließlich von parteitaktischem Verhalten diktiert. ||

Danke für den Kommentar. Das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte. Die Argumentation derer aus der CDU/CSU ist gestelzt, in sich unschlüssig und stellt sich teilweise auf's Übelste demonstrativ neben das Grundgesetz. Beinahe, als solle sich an diesem Thema auf Teufel komm raus ein Kleinkrieg zwischen Bundesregierung und BVerfG entzünden. Nicht gut. Da wird gerade ein ganz großes Tabu gebrochen. Das ist sogar das erste Mal, dass ich froh bin, dass die FDP in einem Bundesministerium (L.-Schnarrenb.) sitzt. Ganz ehrlich. Und dass ich das nochmal sagen würde..

janto ban 04.03.2013 | 19:56

Ich kann da nur für mich reden: Mir geht's nicht um's ehelichen. Auch nicht um's Kinder adoptieren. Mir geht es um Gleichbehandlung. Und mit diesem Blog vor allen Dingen um die schrecklichen, braunen Untertöne, die diese Debatte produziert. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe für mich genug und will niemandem etwas wegnehmen. Mich hinzustellen und zu sagen: Ich will nicht heiraten, also sollen alle anderen das bitteschön auch bleiben lassen, weil es spießig ist und bourgeoise, kommt gar nicht in die Tüte.

Ich weiß immer nicht, wie ich das erklären soll. Aber in vielen Debatten der letzten Zeit ist es die Debatte selbst, die mir nicht passt. Die Art und Weise eben. Und das ist hierbei wieder der Fall.

Ich verstehe jeden, der mir auf den Kopf zu sagt: Ich bin nicht für gleiche Rechte für Homosexuelle. Das hatten wir beide doch schon. Und als ich dich nach dem Grund gefragt habe, hast du gekniffen..

Es sind die fadenscheinigen Begründungen, die mich erschrecken lassen. Dass zwei Männer bzw. zwei Frauen miteinander keine Kinder zeugen können, ist doch lange (lange lange) bekannt. Was hat diese Tatsache aber in einer Adoptions-Debatte verloren..?? Aus welchen Gründen wird denn gemeinhin adoptiert..??

Oder die ständige Wiederholung des Argumentes, Kinder bräuchten Vater und Mutter (resp. Mann und Frau), um zu ordentlichen Menschen heranwachsen zu können. Warum dann nicht konsequenterweise Alleinerziehenden die Kinder wegnehmen..??

Verstehste, das sind so Fragen, die ich mir stelle. Und die Antwort ist sehr ernüchternd: Es sind vorgeschobene Argumente, um nicht sagen zu müssen, dass man Homosexuellen gegenüber nicht halb so tolerant ist, wie man tut. Das ist schade, scheint aber Fakt zu sein. Anders kann ich das bis hier hin nicht bewerten.

GEBE 04.03.2013 | 20:25

„Es sind die fadenscheinigen Begründungen, die mich erschrecken lassen. Dass zwei Männer bzw. zwei Frauen miteinander keine Kinder zeugen können, ist doch lange (lange lange) bekannt. Was hat diese Tatsache aber in einer Adoptions-Debatte verloren..??“

 

Wenn das bekannt ist, so stellt sich zu allererst doch wohl die Frage: „Warum akzeptieren sie dann nicht diese Tatsache, und warum wollen sie dann partout dennoch Kinder?

 

„Aus welchen Gründen wird denn gemeinhin adoptiert..??“

 

Um in Elternlosigkeit hineingeratenen Kindern anstatt z.B. einer Heimkindheit einen familiären Ersatz für Vater und Mutter zu geben. Es sollte mich wundern, wenn das nicht auch schon lange, lange bekannt wäre.

Und da schließt sich der Kreis: zwei nicht elternfähige, d. i.: nicht miteinander zeugungsfähige Männer oder zwei nicht elternfähige, d. i.: nicht miteinander zeugungsfähige Frauen sind keine Eltern und somit auch keine Ersatzeltern! (Ich spare mir hier all das noch anzuführen, was bzgl. der entwicklungsspychologischen Sicht dazu noch zu sagen wäre, betreffend der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern.

janto ban 04.03.2013 | 20:41

Naja, zu den Dingen, die du nicht weiter ausführen möchtest, habe ich oben ja schon einiges aus meiner Sicht gesagt. Dann kommen wir da nicht zueinander.

|| Warum akzeptieren sie dann nicht diese Tatsache, und warum wollen sie dann partout dennoch Kinder? ||

Tja, das sind so Dinge.. Wir geben Kindern, die eigentlich hätten sterben sollen, Antibiotika. Und wir haben den LHC und den ESM. Wir tun wohl das, was der droben uns anempfohlen und machen uns die Kugel (und uns gegenseitig) untertan. Irgendjemand hat irgendwann etwas verdammt falsch verstanden. Daran muss es wohl liegen..

janto ban 04.03.2013 | 20:57

|| „Aus welchen Gründen wird denn gemeinhin adoptiert..??“

Um in Elternlosigkeit hineingeratenen Kindern anstatt z.B. einer Heimkindheit einen familiären Ersatz für Vater und Mutter zu geben. ||

Na, dabei könnte sein, dass zu einer Adoption zwei Seiten - das Kind UND die neuen Eltern - gehören. Win-win sagen manche. Anders soll sowas gar nicht funktionieren. Weiß ich aber nicht. Müsste ich googlen..

JR's China Blog 04.03.2013 | 21:09

Vorrang hat das Kindeswohl - ich vermute, darauf können sich alle einigen. Verschiedene Leute haben "nur" eine unterschiedliche Auffassung davon, was das Kindeswohl im jeweiligen konkreten Fall - nämlich dem Kind und seinen persönlichen Lebensumständen - eigentlich ist.

Auf der anderen Seite fällt mir aber auf, wie ideologisch darüber im Zusammenhang mit dem Thema Homosexuelle und Adoption debattiert wird, während jedes Jugendamt seit Jahrzehnten tagtäglich höchst pragmatische Entscheidungen auf Grundlagen trifft, über die eine Debatte allein schon statistisch weit lohnender wäre.Menschen, die adoptieren wollen, werden - meines Wissens - an ziemlich hohen Standards gemessen. Auch das ist für das Kindeswohl keine schlechte Voraussetzung.
Ich vermute, der größere Teil der CDU-Parteistrategen weiß das auch. Sie werden wohl Rücksichten auf die Teile ihrer Basis oder Wählerschaft nehmen wollen, die das anders sehen. Dass es Werte wären, die eine Merkel-geführte CDU in ihren Entscheidungen leiten, glaube ich jedenfalls nicht.

JR's China Blog 04.03.2013 | 21:29

Wenn Frau Reiche wirklich schon nach zehn Minuten die Luft ausging, wie auf einem anderen "Freitag"-Blog angemerkt, dann wahrscheinlich eben darum: weil es keinem Menschen vernünftig erklärt werden kann, warum die Union auch auf der letzten Etappe immer noch so tut, als gehe das Abendland unter, wenn sie nicht in wenigstens einem Punkt auf ihrem besonderen Familienbild bestünde.

Was hätte sie denn sagen sollen? "CDU-Wähler finden das nicht so gut, und darum warten wir auch diesmal darauf, dass das BVG uns die Arbeit abnimmt"?

janto ban 04.03.2013 | 22:16

|| Was hätte sie denn sagen sollen? "CDU-Wähler finden das nicht so gut, und darum warten wir auch diesmal darauf, dass das BVG uns die Arbeit abnimmt"? ||

Ich würde ja mal gerne wissen, was CDU-Wähler von der ganzen Sache halten. Lese gerade:

|| Merkels Machtwort gegen den Trend

Damit stellt sich Merkel auch gegen den Trend in der Bevölkerung. In einer Umfrage des Magazins "Stern" sprachen sich 74 Prozent der Befragten für eine völlige Gleichstellung homosexueller Paare aus. 23 Prozent der Befragten waren dagegen, drei Prozent stimmten mit unentschieden. || link

Die CDU liegt in Umfragen momentan bei 40%. Da kann man mal rechnen.. Selbst wenn alle 23% der Ablehnenden auf's CDU-Konto gingen, wäre der Film "Was CDU-Wähler wollen" leicht am Thema vorbei. Es stimmt schon: Es ist reine Partei-Taktik.

Aus meiner (befangenen) Sicht stellt es sich leider so dar, dass die CDU hier eine Meinung für ihre Wählerschaft deklariert, die so offensichtlich gar nicht vorhanden ist. Jedenfalls nicht annähernd in der behaupteten Absolutheit.

Ich kann das auch anders formulieren und sagen: Da soll dem Wähler die Flinte geführt werden. Aber das lasse ich mal, sonst lande ich argumentativ noch komplett im Sumpf. Offensichtlich visiert "der konservative Wähler von heute" seine Ziele lieber selbst. Ein bisschen Souveränität hat ja auch noch niemandem geschadet, nicht wahr..

Und das muss ich jetzt wieder relativieren. Es geht mir gut, ich muss nicht gleichgestellt sein. Brauche kein Splitting und habe mich mit meiner Kinderlosigkeit in diesem Leben längst abgefunden. Aber das dumme Gelaber soll wieder aufhören. Ich komme mir nämlich plötzlich so furchtbar.. ..homosexuell vor. Fällt mir sonst gar nicht so auf :o) Gute Nacht.

silvio spottiswoode 04.03.2013 | 22:46

@ GEBE

(Ich spare mir hier all das noch anzuführen, was bzgl. der entwicklungsspychologischen Sicht dazu noch zu sagen wäre, betreffend der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern.)

 

Nee, bitte nicht sparen.

Das will ich jetzt aber en detail wissen! Echt jetzt.

WAS GENAU GIBT ES FÜR ERKENNTNISSE ÜBER DIE PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG VON KINDERN MIT GLEICHGESCHLECHTLICHEN ELTERN?

Wo wäre da beispielsweise der Unterschied zu Kindern, die Invitro gezeugt wurden und dann mit Mutter, Tanten und Omas in einem reinen Frauenhaushalt aufwachsen? Komm schon, das muss jetzt aber mal erklärt werden. Ich möchte das wirklich verstehen. Bittedanke.

 

 

snow_in_june 04.03.2013 | 23:01

1. Ja, es ist in der Tat ganz einfach: Familie heißt heute eben nicht mehr zwingend Vater und Mutter. Alle wissen dass, nur diese unerträglichen Bürgerlichen nicht.

2. Man schützt Mann und Frau nicht, indem man Mann und Mann bzw. Frau und Frau diskriminert. Wenn ich im Studio gewesen wäre, hätte ich der Reiche die Fresse poliert (in Gedanken, ok, habe ich auch so, vor dem Fernseher, ok, so was sagt man nicht, aber...aber...)

Vor allem, vor wem muss die klassische Familie denn geschützt werden??? Bestimmt nicht vor Schwulen und Lesben...Eher vor solchen Lackaffen wie der Reiche (ok, sagt man nicht).

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:41

@oi2503

"Ich finde, dass man die Frage, was Ehe und Familie ist, davon trennen muss, für wen es welche Steuererleichterungen gibt."

Und was macht dann den besonderen Schutz des Staates für die Ehe noch aus? Bitte, das ist (k?)eine ernstgemeinte Frage.

 

Na ja, das Argument für den Schutz der Ehe ist ja, daß heterosexuelle Paar richtige, echte Kinder produzieren, während Schwulis beiderlei Geschlechts reproduktionsbiologisch doch eher ein Ausfall sind. Was für einen Sinn macht es, den bloßen Umstand, daß zwei Menschen in einer gemeinsamen Wohnung leben (Ehe ist zunächst mal nichts anderes), finanziell zu fördern?

Aufwendig, so richtig aufwendig, sind Kinder. Nicht das Zeugen der Kinder ist aufwendig, das ist schnell mal gemacht, manchmal so schnell, daß die Beteiligten erschrocken ausrufen "Scheiße, wir sind schwanger". Aufwendig ist die Aufzucht, Brutpflege senkt die Lebenserwartung der Eltern im Vergleich zu Artgenossen, die kinderlos bleiben. Schlaue Wissenschaftler haben das mal an Vogelpopulationen herausgefunden. Das Blöde dabei ist, daß Kinderlosigkeit zwar Vorteile für das Individuum bringt, auf Dauer aber kein erfolgreiches Geschäftsmodell ist.

Wenn was zu fördern ist, dann ist es die Aufzucht von Kindern.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:43

@GEBE

Um in Elternlosigkeit hineingeratenen Kindern anstatt z.B. einer Heimkindheit einen familiären Ersatz für Vater und Mutter zu geben.

 

Das optimale Lebensmodell wäre dann, nur mal so ins Unreine gedacht, die Wohngemeinschaft je eines schwulen und eines lesbischen Paares.

 

Und da schließt sich der Kreis: zwei nicht elternfähige, d. i.: nicht miteinander zeugungsfähige Männer oder zwei nicht elternfähige, d. i.: nicht miteinander zeugungsfähige Frauen sind keine Eltern und somit auch keine Ersatzeltern!

 

Wenn ich das so lese, gefällt mir der kleinbürgerliche Mief wieder.

Um einem Kind ein guter Vater, eine gute Mutter zu sein, muß ich also in der Lage und willens sein, ein Kind zu zeugen. Ehepaare, die - aus welchen Gründen immer - biologisch nicht in der Lage sind, miteinander ein Kind zu zeugen, sind damit also aus der Adoptionsschiene heraußen, gerade die Leute also, die sich am ehesten für eine Adoption interessieren.

Und dann darf ich dran erinnern, was alles für merkwürdige Menschen Kinder produzieren. Kinder, von denen ich mir denke, ach wärst du doch von einem homosexuellen Paar adoptiert worden.

 

(Ich spare mir hier all das noch anzuführen, was bzgl. der entwicklungsspychologischen Sicht dazu noch zu sagen wäre, betreffend der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern.

 

Gerade an deiner entwicklungspsychologischen Sicht zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern wäre ich sehr interessiert. Spar dir das nicht, vielleicht kann man ja was von dir lernen.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:44

@JR's China Blog

...weil es keinem Menschen vernünftig erklärt werden kann, warum die Union auch auf der letzten Etappe immer noch so tut, als gehe das Abendland unter, wenn sie nicht in wenigstens einem Punkt auf ihrem besonderen Familienbild bestünde.

 

Das Bemerkenswerte an diesen Homosexuellen ist ja, daß sie uns arme Heterosexuelle ebenfalls zu Homosexuellen missionieren wollen. Das können wir natürlich nicht dulden. Was sagst du? Die tun das gar nicht? Äh, äh...

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:45

@silvio spottiswoode

Wo wäre da beispielsweise der Unterschied zu Kindern, die Invitro gezeugt wurden und dann mit Mutter, Tanten und Omas in einem reinen Frauenhaushalt aufwachsen?

 

Allein unter Frauen. So ist es dem Obermeier Olfi in der Geschichte "Olfi Obermeier und der Ödipus" von Christine Nöstlinger ergangen.

"Olfi Obermeier ist vierzehn und das einzige männliche Mitglied seiner Familie. Außer ihm gibt's nur eine Oma, eine Großtante, zwei Tanten, eine Mutter und zwei große Schwestern. Kein Mann weit und breit, nicht mal zu den hohen Feiertagen. Aber so richtig bewusst wird Olfi das erst, als er während der Mathe-Stunde in einer Psycho-Zeitschrift liest, dass Kinder, die von Männern betreut und erzogen werden, einen wesentlich höheren Intelligenzquotienten aufweisen als Kinder, die ausschließlich von weiblichen Personen betreut und erzogen werden... Verständlich, dass Olfi sich um die ihm zustehende Intelligenz betrogen fühlt und in eine Krise gerät."

 

Ciao

Wolfram

silvio spottiswoode 05.03.2013 | 10:48

Ach Wolfram, ich glaube, darum geht es GEBE nicht. Die Frage, die da im Raum steht ist eher, ob Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern durch die Sozialisierung nicht auch schwul/lesbisch werden. Aber das werden sie nicht. Das haben jahrelange Studien in allen erdenklichen Varianten zu genüge dargestellt.


Hier ein Peggy Drexler, Ph.D. Artikel aus Psychology Today, eine Empfehlung von meiner Schwester, der Kinderpsychologin:
"And, in fact, all the research has reported children of gay parents feel less bound, less restricted, by gender stereotypes than those raised in straight households. They were freer to pursue a wide range of interests. There were no “boy things,” no “girl things.” Just kid things. That’s key. (...) They are emotionally literate. They are socially evolved. Growing up without ingrained, preordained ideas of gender roles, nothing is beyond their reach—including the prospect of exploring life with generosity and creativity. They represent not the worst-case scenario, but the best."

"In general, gay parents tend to be more motivated, more committed, and more thoughtful parents than heterosexual couples. That’s because they usually have to work very hard, and plan very far in advance, to become parents, and so rarely do so by accident."

Da wünscht man sich doch fast bei "Gay"-Eltern aufgewachsen zu sein. :)))

GEBE 05.03.2013 | 11:02

"Um einem Kind ein guter Vater, eine gute Mutter zu sein, muß ich also in der Lage und willens sein, ein Kind zu zeugen."

Um Vater oder Mutter zu sein, muß man Vater oder Mutter sein. Und um gut oder schlecht, gehts dabei erstmal garnicht!  Eine begriffliche Deklarierung von Nicht-Vatern und Nicht-Müttern zu Vätern und Müttern und von Nicht-Eltern zu Eltern, ist es eben nicht getan.

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:10

@GEBE

Schade, daß es noch keine PN-Funktion gibt, sonst würde ich Ihnen dazu meine Bankverbindungsdaten schicken, weil solch ein persönlicher und detaillierter Service natürlich Honorarpflichtig ist.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Dummschwätzer. Ich habe in meiner Hosentasche eine Argumentation, die ist so was von gut und überzeugend, das glaubts ihr gar nicht. Darlegen will ich euch diese Argumentation aber nicht.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:10

@silvio spottiswoode

Ach Wolfram, ich glaube, darum geht es GEBE nicht. Die Frage, die da im Raum steht ist eher, ob Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern durch die Sozialisierung nicht auch schwul/lesbisch werden. Aber das werden sie nicht.

 

Ich weiß, ich treibe nur meinen Schabernack mit GEBE.

Im übrigen verweise ich darauf, daß Homosexuelle unvermeidlicherweise Kinder heterosexueller Eltern sind und in den allermeisten Fällen auch in einer verschiedengeschlechtlichen Familie aufgewachsen sind.

 

Ciao

Wolfram

rose 05.03.2013 | 11:22

"Das ganze homosexuelle Ehegedönse ist nachgeäffte Hetero-Bourgeoisie."

dies ist richtig. Lenin schaffte die Ehe ab. Ein weiter Weg, zunächst muss in die Köpfe rein, dass es pervers ist, sich über das vermeintliche Beschränken der Managergehälter und Bonuszahlungen dieselben heisszuschwätzen. Jeder, der moralisch intakt ist, müsste einen einzigen Pfennig über dem Lohn des Arbeiters als unanständig empfinden,  aus Gründen sollte jener wenigstens durch mehr Geld als der Mehrwertverwalter für seine unerträglichere Arbeit entschäigt werden.

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:50

@GEBE

Um Vater oder Mutter zu sein, muß man Vater oder Mutter sein. Und um gut oder schlecht, gehts dabei erstmal garnicht!  Eine begriffliche Deklarierung von Nicht-Vatern und Nicht-Müttern zu Vätern und Müttern und von Nicht-Eltern zu Eltern, ist es eben nicht getan.

 

Ich fürchte, du entwickelst dich hier, vor aller Augen, zu deiner eigenen Karikatur. Vater bin ich also, wenn ich einige Grämmlein Ejakulat ins Innere einer Frau versenke... Mehr braucht's dazu nicht? Und wenn mein eigenes Ejakulat bei der Erzeugung eines Kindes nicht beteiligt war, bin ich nicht der Vater eines Kindes, das ich großziehe?

Zum Thema biologische vs. soziale Elternschaft habe ich mir einmal ziemlich ausführlich Gedanken gemacht, und zwar am sehr passenden Beispiel der Geschichte von Ödipus. Erst in Form eines Theaterstücks, dann in einem Essay.

Ich darf der Einfachheit halber aus dem Essay zitieren:

"Es war Ödipussens Mutter, welche die Phantasie der Leser und Zuhörer erregte. Erst die nach dem „Mord“ an Laios erfolgte inzestuöse Beziehung zwischen Mutter und Sohn hat Horden von Groß- und Kleindenkern dazu gebracht, mit erigiertem Gänsekiel in feuchtoffenen Tintenfässern zu stochern.

Mutter? Sagte ich „Mutter“? Was heißt „Mutter“? Und was „Vater“?

Im fortpflanzungsbiologischen Sinne ist meine „Mutter“ jene Frau, die mich ausgetragen und ge­bo­ren hat, und „Vater“ nennt man jenen Mann, der sein Sperma in besagte Mutter versenkt hat. Im entwicklungs– und sozialpsychologischen Sinn hingegen sind „Mutter“ und „Vater“ jene Per­sonen, die mich großgezogen haben, die sich also nach meiner Geburt wie Vater und Mutter zu mir verhalten haben. Im Normalfall ist eine solche begriffliche Trennung ohne praktischen Wert, denn beide Begriffe treffen in der Regel auf die gleichen Personen zu.

Wenn aber nicht, was dann?

Zur Beantwortung dieser Frage braucht man die Erkenntnisse der Psychoanalyse nicht zu be­mü­hen. Seit Konrad Lorenz in den dreißiger Jahren der Entenmutter ihre Mutterrolle alleine da­durch abgeluchst hat, daß er vor den frisch geschlüpften Entlein wie eine Entenmutter ein­her­ge­stapft ist, wissen wir, wie begrenzt die Bedeutung der biologischen Elternschaft auch bei schon ver­gleichsweise hoch entwickelten Tiergattungen ist - zum Kuckuck aber auch. So gesehen sind Ödi­pus’ Eltern - seine wirklichen Eltern - Merope und Polybos. Sie nehmen Ödipus als ihren Sohn an. Sie benehmen sich ihm gegenüber so, als wäre er ihr Sohn. Sie sind ängstlich bemüht, vor ihm die Tatsache der Adoption zu verheimlichen, um weder ihre persönliche Beziehung zu­ein­ander zu gefährden, noch den Anspruch von Ödipus auf den Thron von Korinth.

Im Gegensatz zu diesen beiden, die ihre Elternrolle mit sehr viel Aufwand spielen, tauchen La­ios und Iokaste im Ödipus-Mythos lediglich als biologische Maschinen auf, die Ödipus - ver­se­hent­lich! - erzeugt haben, um ihr Mißgeschick dann schnellstmöglich wieder zu vernichten. Der Plan des Kindesmordes mißlingt wegen des Ungehorsams des Hirten - und nur deswegen.

Es ist ein frivoler, biologistischer Mißbrauch der Begriffe „Vater“ und „Mutter“, La­ios und Iokaste als Eltern von Ödipus zu bezeichnen.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:51

@GEBE

"... gerade die Leute also, die sich am ehesten für eine Adoption interessieren."

Und wo kommt das Bedürfnis an dem Interesse her? Ist es vielleicht ein dieser Mangel, der am "ehesten" durch ein Kind ausgeglichen werden soll?

 

Ich hatte der Einfachheit halber von einem ganz normalen, heterosexuellen Ehepaar gesprochen, das ein Kind adoptieren will, weil es selber biologisch kein Kind produzieren kann. Was für ein Mangel soll ausgeglichen werden? Der Mangel besteht lediglich aus einer organischen Fehlentwicklung, nichts weiter. Ansonsten ist es der ganz normale Wunsch, ein Kind zu haben.

 

Ciao

Wolfram

janto ban 05.03.2013 | 16:34

|| das Argument für den Schutz der Ehe ist ja, daß heterosexuelle Paar richtige, echte Kinder produzieren, während Schwulis beiderlei Geschlechts reproduktionsbiologisch doch eher ein Ausfall sind ||

Ach. Lesben entscheiden sich doch häufig für leibliche Kinder. Die Männers sind da zurückhaltender. Muss mich mal über dieses Familien-Splitting informieren, das die da am verhackstücken sind. Ich glaube, das fänd ich ganz gut. Das könnte man - über alle Modelle des Zusammenlebens hinweg - schön an den Kinderchen ausrichten..

janto ban 05.03.2013 | 17:19

So sehe ich das auch. Soziale Elternschaft ist das, was Elternschaft ausmacht. Und zwar für beide Fälle: leibliche und nicht-leibliche Kinder. Wenn GEBE oben fragt, warum Menschen, die keine leiblichen Kinder haben können, nicht einfach akzeptieren, dass es so ist, kann man eigentlich nur antworten, dass das WOLLEN die eigentliche Voraussetzung für gelingendes Familienleben darstellt. Nicht das können. Im Optimalfall kommt halt beides zusammen. Gibt doch kein größeres Kindeswohl, als wenn ein Kind das Gefühl hat, gekonnt gewollt (angenommen) zu sein. Schon lustig, wie doppeldeutig sich das im Zusammenhang anhört..

JR's China Blog 06.03.2013 | 00:19

Ich vermute, ein Großteil der CDU-Familienkonservativen geht einfach einer Gewohnheit nach: die Stirn in Falten legen, langsam mit dem Kopf schütteln und sagen: "Nicht so schnell! Das Gute bewahren! Vor allem, wenn der Wandel irgendwie links ist! Rom wurde nicht an einem Tage erbaut!

Bestimmt hat Reiche vor ihrem Auftritt bei Jauch einen Telefonanruf von Ronald Pofalla (Kanzleramtschef) erhalten, etwa so:

Pofalla: Katherina, du musst morgen zum Jauch und dich dort ins reaktionäre Klischee pressen lassen.

Reiche (nölt): Nee, will ich nich!

Pofalla (gehässig): Nützt dir nichts. Laut Liste bist du morgen dran.

Reiche: Was hab' ich damit zu tun? Ist doch Kristinas Bier!

Pofalla: Erstens ist die morgen verhindert, zweitens laut Liste nicht dran, und drittens muss sie demnächst vielleicht genau das machen, was du morgen beim Jauch kritisieren sollst.

Reiche: Ach nee! Und wie ich im Herbst ein Direktmandat schaffe, ist mein Problem?! Die halten mich doch für bescheuert!

Pofalla: Das haben die bis zur Wahl längst vergessen. Genauso wie die Interviews, die du 2012 zu diesem Thema gegeben hast. Und wenn nicht, dann hast du sowieso ein Problem.

Reiche: Vergiss es, Ronald. Scheiß auf deine Liste. Ich hab' mich schon viel zu oft von dir vorschicken lassen.

Pofalla (leise drohend): Die Große Vorsitzende steht hinter meiner Liste. Wenn du morgen nicht beim Jauch bist, stellt sich die Frage nach Direktmandat oder anders bei dir im Herbst nicht mehr.

Reiche: Ja, iss ja gut! (Drückt Pofalla weg und nölt.)
Werdet schon sehen, was ihr davon habt! Ich mach' euch den Gebe!

JR's China Blog 06.03.2013 | 00:41

Die CDU wird anders rechnen. Nachdem sie schon bei jedem anderen Thema "umgefallen" ist, sobald der Wind ein bisschen kräftiger wehte (Kernenergie, Libyenkrise ausgerechnet vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz) usw., will sie jetzt mal beweisen, dass sie sich in diesem Umfall jedenfalls ein bisschen mit den Händen abstützt. Wer auf der offiziellen Reiche-Linie (oder noch weiter rechts) steht, kann nur noch die Union wählen, und die Moderaten finden das zwar entweder nicht so wichtig oder sogar falsch (und nicht so wichtig), erwarten aber von der Union nichts anderes.

Es geht also nicht so sehr darum, wie eine Mehrheit der potenziellen Unionswähler die Reiche-Nummer sieht, sondern darum, wie elastisch diese Mehrheit darauf reagiert.

(Meine persönliche Spekulation.)

Costa Esmeralda 06.03.2013 | 04:18

Liebe Rose, Du hast dreimal recht, aber einmal nicht. Die Schweizer sind sicher nicht bereit, den Kapitalsimus abzuschaffen. Sie profitieren ja von ihm wie kaum ein anderes Volk. Was aber für mich das Besondere an der Volksabstimmung war, war die Tatsache, dass das Kapital und die Parlamentsparteien massiv für "Nein" geworben haben, das Volk aber diesen Seilschaften aus Politik und Wirtschaft nicht gefolgt ist. Daran kann man ein mögliches Emanzipationsbestreben der Zivilgesellschaft von der politischen und wirtschaftlichen Oligarchie ableiten. Sicher bleibt die Frage, inwieweit eine schweizerische Zivilgesellschaft gesellschaftliche Gegenentwürfe programmieren und durchsetzen kann. Ich habe von einer anderen Initiative gehört, die eine Beschränkung der Höchstgehälter auf das 12-fache des Durchnittslohns fordern will. Das wäre dann doch schon ein Fortschritt und würde vielleicht eine Grenze bei etwa 20.000 Euro/Monat bedeuten (etwa Merkels Monatsgehalt). Jedenfalls sieht man an der Reaktion der deutschen Politiker die Angst vor direkter Einmischung des Volkes in die öffentlichen Angelegenheiten. LG, CE

Wolfram Heinrich 06.03.2013 | 08:24

@janto ban

Ach. Lesben entscheiden sich doch häufig für leibliche Kinder. Die Männers sind da zurückhaltender.

 

Lesben haben es da leichter. Man muß schon eine ziemlich - ich sag mal: - merkwürdige Frau sein, ehe einem das Jugendgericht das Sorgerecht über ein leibliches Kind abspricht. Als Mann hast du die Arschkarte gezogen. Wenn du eine Frau bespringst - Augen zu und an Apollo denken - um damit ein Kind für dich zu zeugen - alles abgesprochen und vertraglich geregelt - dann reicht ein Augenaufschlag der Frau und du mußt froh sein, wenn du das Kind wenigstens einmal im Monat sehen darfst.

 

Ciao

Wolfram

Georg von Grote 06.03.2013 | 17:14

Man sollte den Begriff und die Instutition der Ehe langsam mal zu den Akten legen. Wer mag und wer es für sein persönliches Wohlempfinden benötigt kann ja weiterhin diesen Status erlangen, wie die Taufe.

Rechtlich allerdings muss sich einiges ändern.

man mag es glaubenstechnisch hinbiegen wollen, wie man will, in den letzten jahrzehnten wird weniger aus christlicher Überzeugung geheiratet, es geht vor allem um Steuervorteile und Absicherungen.

Steuervorteile bei zwei Lebenspartnern im gesetzlichen Ehestand, die keine Kinder haben, sind heutzutage im Prinzip nicht mehr vermittelbar. Warum soll man 2 Verdiener begünstigen, nur weil sie die Ehe eingegangen sind?

Man kann über Erbrecht diskutieren, um Unterhaltsansprüche für den Fall, dass ein Lebenspartner nicht mehr erwerbsfähig ist, etc.

Steuerliche Vorteile machen aber nur dann Sinn, wenn sich die Partner, egal welchen Geschlechts entscheiden, Kinder selbst zu zeugen oder zu adoptieren. Und vor allem auch egal, ob diese nun in einer Ehe leben oder nur eine Lebenspartnerschaft eingegangen sind.

Der Idealfall dabei allerdings wäre, dass diese steuerlichen Vorteile allein dem Kind in erster Linie zugute kommen. Nur das zu überprüfen ist fast unmöglich. Insoweit muss man sich dann auf auf die "Eltern" verlassen müssen.

So langsam sollten wir uns daran gewöhnen, diese religiösen Werte, egal ob christlich oder anderswie geartet über Bord zu werfen. Sie passen nicht mehr zu den heutigen Gesellschaftsformen.

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2013 | 18:16

Bei mir ist das anders: hätte mir einen Vater sehr gewünscht. Meinem Kenntnisstand nach ist es für ein "gesundes" Aufwachsen eines Kindes unabdingbar, beide Elternteile gleichermaßen zu haben. Noch dazu, wo die Natur es so eingerichtet zu haben scheint, dass es eben anders auch nicht geht.

Ich selbst hetero, habe seit langem einen guten Freund, der schwul ist und damit beileibe nicht immer im Einklang ist, allein schon aus gesellschaftlichen Gründen heraus. Es gibt eine Theorie, wie die Homosexualität entsteht, die ich hier aber nicht zum Besten geben werde. Habe nämllich überhaupt keine Lust, mich beim Freitag schon wieder Vierteilen zu lassen. Das eine Mal war wirklich mehr als ausreichend ... bitte um Verständnis ; ))

janto ban 06.03.2013 | 20:14

|| Meinem Kenntnisstand nach ist es für ein "gesundes" Aufwachsen eines Kindes unabdingbar, beide Elternteile gleichermaßen zu haben. Noch dazu, wo die Natur es so eingerichtet zu haben scheint, dass es eben anders auch nicht geht. ||

Hmm. Meinst du "Kenntnis-" oder "Erfahrungsstand"? Dem wissenschaftlichen Kenntnisstand entspricht deine Aussage nämlich nicht.

Eigentlich reicht ein kurzer Blick in einen anderen Teil der Natur, ins Tierreich. Für den Zeugungsakt müssen meist Männlein und Weiblein zusammen finden, das stimmt. Mit der Aufzucht ist es ganz unterschiedlich. Manche Arten werden allein von den Männchen, andere von den Weibchen und manche von beiden groß gezogen. Einige lernen ihre Eltern sogar nie als solche kennen. Nun kann man sagen, dass das nunmal die Natur der jeweiligen Art ist. Aber davon halte ich nichts. Dieser Tierpfleger (wie hieß er denn noch..?) hat den kleinen Knut auch zu einem glücklichen Bären erzogen. Habe jedenfalls nichts anderes gehört.. :o)

Ich vierteile dich nicht, aber wenn ich ehrlich bin, geht mir die Argumentation anhand "der Natur" grundsätzlich gegen den Strich. Der Mensch ist ja nicht nur biologisches, sondern vor allem auch soziales und kulturelles Wesen. Und den scharfen Kritikern der rechtlichen Gleichstellung Homosexueller in der CDU/CSU rufe ich zu: Atomkerne zu spalten und mithilfe von Chemikalien Gas aus Schiefer zu sprengen ist auch nicht natürlich. 'Gesund' erwiesenermaßen auch nicht.

Nun kommt hinzu, dass du 'gesund' oben in Anführungsstriche gesetz hast. Das kann natürlich alles und nichts bedeuten. Die Aussage obliegt zunächst der Definition dessen, was wir als 'gesund', 'ungesund' oder gar 'krank' bezeichnen wollen.

Solche Überlegungen anhand von Volksgruppe, Rasse, physischer und psychischer Konzipiertheit (Behinderung, Hautfarbe etc.), Religion und/oder sexueller Orientierung hatten wir doch schon zu oft. Immer steckte nicht die Natur, sondern die Politik und niederes Interesse dahinter. Da ging und geht es um Macht und Deutungshoheit. Und immer wird 'die Wissenschaft' missbraucht, um zu dem jeweils gewünschten Ergebnis zu kommen. Ist immer der (aus Angst gespeiste) Wunsch Vater des Gedankens.

Ich bin der Letzte, der dir deine negativen Erfahrungen innerhalb der Familie - und die Schlüsse, die du für dich daraus ziehst - absprechen oder strittig machen will, das musst du mir glauben. Es ist all zu menschlich, dazu zu neigen, von persönlichen Hintergründen auf die Umwelt zu schließen, aber es führt in den allermeisten Einzelfällen zum falschen Ergebnis.

Wenn du sagst, dass dein Kumpel aus gesellschaftlichen Gründen nicht immer im Einklang mit sich und seiner Homosexualität ist, drängt sich mir erstmal die Frage auf, wie dessen gesellschaftliches Umfeld beschaffen ist. Und damit verbunden die 'schnippige' Frage, ob dieses denn "gesund" ist. Der Mensch hängt ja nicht als fertiges Erzeugnis im luftleeren Raum, sondern ist immer auch Produkt seiner Lebensumstände. Auch im Erwachsenenalter noch.

Wenn man das Klarkommen mit persönlichen Merkmalen (wie z.B. Kleinwüchsigkeit, Fettleibigkeit oder eben Homosexualität) als Maß für 'gesunde Kindheit und Jugend' nehmen will, muss man sagen, dass dafür noch kein Universalrezept entdeckt wurde.

Man sehe sich nur Geschwister an, die zuweilen aus ein und der selben Ursprungsfamilie hervorgehen. Kind 1 ist mitunter unerschütterlich, während Kind 2 vielleicht ängstlich und depressiv ist. Die Sache ist eben auf keine einfache Formel zu bringen. Und ich bin saufroh darüber, dass das so ist. Stell dir mal vor, was wäre, wenn all das 1:1 berechenbar wäre.. Ich will gar nicht daran denken..

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2013 | 23:42

Ich will da auch nicht dran denken. Genauso wenig, wie ich mich bzw. uns Menschen mit dem Tierreich vergleiche. Mir ist kein Tier bekannt, dass hier im Freitag kommentiert (Ausnahmen einmal abgesehen ;), dass Rendite erwirtschaften will, Automobile konstruiert oder regelmäßig nutzt, sich für Barca begeistert oder für Philosophie.

Mein Hund ist an genau zwei Sachen interessiert: Fressen und F...... . Tierische Natur eben. Nicht weniger., aber auch nicht mehr.

Ein ungenügender Vergleich - für mich jedenfalls.

oi2503 07.03.2013 | 06:17

"Wenn was zu fördern ist, dann ist es die Aufzucht von Kindern."

Letzter Versuch. Dass Ehe an sich nicht förderungswürdig ist, da haben wir keinen Dissens. Dass Kinder gefördert werden sollen, auch mittels Einsatz von richtigem Geld, und zwar viel davon, auch da keiner. Nur in dem wie und was gefördert werden soll, vertreten wir scheint's unterschiedliche Auffassungen. Ich bin nicht der Meinung, dass ein wie auch immer geartetes "Familiensplitting" das "Ehegattensplitting" ersetzen soll. Gefördert werden sollte die Infrastruktur für Kids, nicht die Familien, die dann damit machen können, was sie wollen.

Deine Hinweise darauf, dass Kinder teuer sind, waren für mich zumindest überflüssig. Ich kenne das u.a. aus eigenem Erleben.

oi2503 07.03.2013 | 06:22

"Und wo kommt das Bedürfnis an dem Interesse her? Ist es vielleicht ein dieser Mangel, der am "ehesten" durch ein Kind ausgeglichen werden soll?"

Welchen Mangel meinst du? Und kann es nicht auch bei dem von dir so hochgeschriebenen bürgerlich normalen (bourgeoisen?) Heteropärchen um das nicht fühlen wollen eines Mangels gehen? Kind als Sinnersatz, Kind als Hundeersatz Kind als Ehekitt, usw.?

Superwoman 07.03.2013 | 08:35

Erst mal Danke, Janto Ban, dass du offen und ehrlich über deine Situation schreibst, dich nicht fürchtest, die emotionale Seite darzustellen.

Die Reaktionen sind typisch. Eine der geäußerten Meinungen hier, die ich öfter höre, habe ich bei einem Freund letztens noch in einer ziemlich hitzigen Diskussion widerlegen können, der seitdem anders denkt. Es würde hier wohl zu weit führen, alles aufzuzählen, aber 

"bürgerlicher Mief  - Bourgoisie" - warum wollen die ach so progressiven Schwulen, die doch für eine moderne Gesellschaft kämpfen, denn jetzt auf einmal die  "alten Traditionen" nachäffen und von überholten Steuervorteilen Gebrauch machen. Sollten gerade "die" nicht gegen althergebrachte, rückständige Ideen kämpfen?

Das klingt ganz modern und offen und ist doch nichts anderes als eine Verunglimpfung von Schwulen, die nichts mit Toleranz mehr zu tun hat.

Was du, Janto und andere sagen, heiraten würdest du vielleicht gar nicht, aber das Recht dazu haben, willst du schon.

Die hehren Ziele, eine Gesellschaft zu haben in der Steuergesetze, Erbregelungen, Versicherungen,  Familienschutz usw. wirklich gerecht und praktisch sind, sind lobenswert und hoffnungsvoll.

Doch sie sind auch ziemlich utopisch, und hier werden sie benutzt, den Schwulen ihre Gleichberechtigung abzusprechen, denn ERST muss die Situation gerecht und fair gegeben sein, bevor Schwule dies verlangen dürfen.

Erst muss das Splitting nur für Familien gelten, danach kann man über Anpassung für gleichgeschlechtliche Ehen reden.

Erst muss das Erbrecht und all die Vaterschafts- und Mutterschaftsfragen geklärt sein. Erst muss die Familienpolitik sich ändern, das Scheidungsgesetz und wer von wem unterstützt werden darf bei Not - dann können auch die Schwulen ein Wort mitreden.

Schwachsinn und Verdrängung des eigentlichen Problems. Es ist schwer vorzustellen  - auch für mich persönlich - wie heute noch jemand von weißer Hochzeit träumen kann, aber he, wer das tut, sollte es durchführen können. Was hat dieser in manchen Augen als Naivität und Traditionsglaube abgetane Wunsch nach "Veröffentlichung" einer Zweierbeziehung mit dem Geschlecht zu tun?

Erst mal gleiches Recht für alle - das sollte auf den Fahnen aller stehen, die Verbesserungen wünschen, und bitte schwafelt nicht von Reformen, die nötig seien, bevor alle Teile unserer Bevölkerung davon Gebrauch machen können. Das klingt peinlich.

Ach und von wegen Deutschland gäbe das meiste Geld in Europa für Familienförderung aus - Wirklich? Wo bleibt das denn bitte? hier wird am meisten verpulvert, ja. aber komischerweise kriegt z.B. Frankreich es hin, kostenlose Betreuung für Kinder ab 3 für alle anzubieten, ohne Langzeitarbeitslosen vorzuschlagen, sich doch zu Kindergärntnern umschulen zu lassen.

Danke und viel Kraft noch an die Unterdrückten

silvio spottiswoode 07.03.2013 | 13:19

@ Christian G.


Der arme Hund. Das hört sich erschreckend wertend an. Was für eine Verantwortung. Der Mensch, die Krone der Schöpfung ... Schon fast eine archaische Gesellschaftsordnung, die nach heutem Kenntnisstand so einfach eben auch nichr mehr stimmig ist.

Der Standpunkt ist aber vor allem nicht konsequent zuende gedacht:Den Menschen als das Nonplusultra und Maß aller Dinge zu sehen, das kann man machen. Der hohe Preis dafür ist geistige Enge, dass einem alles andere entgeht. Eine offene Gesellschaft sieht anders aus. Mehr noch. Diese Blindheit dem Anderen gegenüber, hat den Menschen an die Grenze der eigenen Ausrottung gebracht. Und das ist eben die letzte Konsequenz dieser Haltung und gut so.

Viel spannender finde ich es allerdings nicht nur "das Kommentieren beim Freitag", "das erwirtschaften von Renditen" oder "konstruieren von Automobilen" als Beweis höherer Lebensformen zu betrachten, sondern an der eigenen Wahrnehmung zu arbeiten, das Ganze auch mal weiter zu fassen: Denn ebenso sind die bedingungslose Treue eines Hundes oder die Photosynthese einer Pflanze Ausdruck von Intelligenz.

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2013 | 16:59
Die Frage nach dem Mangel ist berechtigt, denn es wird immer als selbstvertständlich angesehen, dass mensch das Bedürfnis hat, Kinder in die Welt zu setzen. Warum eigentlich? Besonders vor dem Hintergrund, dass die Welt so anstrengend und böse ist (hier tagtäglich zu lesen) ist es doch mehr als egoistisch bis widersprüchlich, seine Gene in die Welt zu streuen. Die Kinder können das Weltelend dann austragen. Viele Leute, insbesondere Fauen, werden unter Druck gesetzt, endlich Kinder zu zeugen eben weil "alle" das so machen und sie sonst als unvollständiger Mensch gelten. Wird dieser Zwang eigentlich mal hinterfragt? Und ob es überhaupt sinnvoll/bereichernd ist? Und für wen? Die beiden Papis in der Sendung vertreten die typische "Bionade-Bourgeoisie" aus Prenzelberg. So mancher konnte es ihnen bereits an der Nasenspitze ansehen. Man sollte zuerst Hartz4-Kindern fördern als welche aus den USA einfliegen. Was ist so toll an (eigenen) Kindern? Menschen streben während ihrer Lebensetappen vorgegebene bürgerliche Zeile an: Ausbildung, Heiraten, bauen, Kinder bekommen, Großeltern werden. Ist eine Etappe erreicht, besteht der Gruppenzwang, die nächste zu erreichen. Ist Menschen sonst langweilig? Ist das die Art des Mangels? Oder ist der Druck durch die Spießer von außen so unerträglich, dass alle wie selbstverständlich mitziehen und den ganzen Zirkus nicht in Frage stellen?
janto ban 07.03.2013 | 17:06

:o) Danke auch.

Wir sind die, die wegen des besonderen Schutzes der anderen ein bisschen im Hintertreffen sind. Von Unterdrückung zu sprechen, ist vielleicht ein wenig hart. In den Sendeminuten der letzten Woche, in denen Seehofer und Geis und Reiche usw. nicht auf Sendung waren, habe ich mich eher weniger unterdrückt gefühlt. Das muss ich ehrlicherweise zugeben. Ich weiß immerhin 60% der CDU-Wähler hinter mir, das beruhigt :o)

Ich kann dir aber nur zustimmen. Wenn verpartnerte Päärchen erst mit unter die warme Decke des besonderen Schutzes des GG schlüpfen dürfen, wenn die bundesdeutsche Familienpolitik ein perfektes System ausgebildet hat, dann darf wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag gewartet werden. Das Knüpfen dieser Prämisse halte ich auch für falsch. Für ein Manöver, um vom eigentlichen Thema, der Ungleichbehandlung, abzulenken.

Wie Familienpolitik - heute und in Zukunft - im einzelnen auszusehen hat, soll und darf sich natürlich nicht am atypischen Modell entscheiden. Dafür soll schon die große Mehrheit Pate stehen. Deshalb müssten diese beiden Diskussionen eigentlich sauber getrennt voneinander geführt werden.

Dass nun alles in einen Topf geschmissen wird, empfinde ich gerade als den Affront. Denn das suggeriert eine Art Angriff der Homosexuellen auf die Institution der Ehe. Ich kann da nur für mich sprechen und sagen:

Liebe konservativen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer, wenn es so rüber gekommen sein sollte, dann habt ihr mich total falsch verstanden! (zwinker)

Liebe Grüße

Ein Schelm 09.03.2013 | 10:45

Lieber Janto Ban,

ich verstehe zwei Dinge nicht.

Erstens: Wie kann man freiwillig Jauch schauen? ;-)

Zweitens: Ich bin überrascht, dass Sie sich so echauffieren können. Die Reiches, Geis' etc. sind doch bekannt und werden unbeachtet am Wegesrand liegenbleiben, fest im Glauben. In 10 Jahren wird (fast) niemand mehr über Schwulen-/Lesben-Ehe oder -Adoption reden.

Und akzeptieren Sie doch einfach, dass es immer Menschen geben wird, die Schwule/Lesben nicht mögen, das ist ok. Sie mögen (fiktiv) keine Kinder, ich mag (fiktiv) keine Tiere, andere mögen keine Konservativen oder Linken. So what?

janto ban 09.03.2013 | 11:59

|| Ich bin überrascht, dass Sie sich so echauffieren können. (...) Und akzeptieren Sie doch einfach, dass es immer Menschen geben wird, die Schwule/Lesben nicht mögen, das ist ok. ||

Naja, in der Einleitung hatte ich ja versucht deutlich zu machen, dass der Text ein wenig impulsiver Natur ist. Dass es immer Leute gibt, die meine sexuelle Orientierung - und die sich daraus ergebenden Lebensumstände - nicht mögen oder sich schwer tun, ist mir bewusst. Damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil, denn das ist ja die andere Seite der Lebensweisheit: Jedem Tierchen sein Plaisierchen. (Ich erkläre anderen, dass es ganz normal ist, dass ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung homosexuell ist und lasse mir erklären, dass es ganz normal ist, dass ein gewisser Prozentsatz der gleichen Bevölkerung mit Homosexualität keinen ganzheitlichen Frieden zu schließen in der Lage ist. Ab und zu überschneiden sich diese beiden Mengen sogar auf's Merkwürdigste..) Alles ganz normal :o)

Ich hoffte eigentlich, dass man das aus dem Text auch herauslesen kann. Es geht mir nicht um die ablehnende Haltung gegenüber einer rechtlichen Gleichstellung, sondern um die erschreckend vertraut klingenden Begründungen, warum eine Gleichstellung (aus deren Sicht) nicht sein sollte. Um die irgendwie nationalsozialistisch summenden Argumente, die da bemüht werden. Und den verbalen Kleinkrieg, den die CDU/CSU in den letzten Wochen (bezüglich diverser Themen) gegen das BVerfG zu führen scheint. Obwohl offiziell betont wird, dass man die Entscheidungen des Gerichts akzeptiert. Was wiederum ein Irrsinn ist, denn die Entscheidungen dieses Organs hat die Bundesregierung auch gefälligst zu akzeptieren. Da wird sich also mit einer verfassungsrechtlichen Selbstverständlichkeit geschmückt - und das gefällt mir in Kombination alles nicht.

Zu argumentieren, Schwulen und Lesben stünden gewisse Rechte nicht zu, weil sie (in der Regel) keine leiblichen Nachkommen zum Fortbestand der Nation zeugten, finde ich nicht nur als Homosexueller fürchterlich, sondern auch als Linker. Es ist das Argumentations-Schema, das mich erschrecken lässt und all die Dinge, die mir in den Sinn kommen, wenn ich in dieser Attitüde weiterdenke. Ich will das jetzt hier nicht im einzelnen aufführen.

Ich kann nur nochmal sagen, dass ich mich - als schwuler Mann besehen - im Deutschland des Jahres 2013 wohl und gut aufgehoben fühle. Ich stand als Kämpfer für die Rechte Homosexueller noch nie in erster Reihe. Hierbei musste ich mich aus den oben beschriebenen Gründen aber einfach mal deutlich äußern. Mir persönlich (!) fehlt kein Recht, um in diesem Leben in diesem Land glücklich zu sein oder zu werden. Aber wenn ich die Nachtigall so trabsen höre, wie bei der Reiche, dann fällt mir schnell ein, dass der Zustand, den wir heute haben, nicht naturgegeben ist, sondern hart erkämpft werden musste.

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Schritte, die die Mehrheits-Gesellschaft mit uns Homosexuellen geht (und umgekehrt), nicht allzu überhastet sein dürfen. Aber die Zeichen stehen ganz gut, dass die Gesellschaft für eine vollständige Gleichstellung bereit ist. Diese Tatsache gefällt auch nicht jedem. Da muss dann aufgepasst werden, dass nicht Leute herkommen und rufen: Wollt ihr etwa in einem Land leben, in dem diese sexuell Verwirrten die gleichen Rechte haben, wie ihr guten, normalen Staatsbürger, die ihr euch den Rücken für den Erhalt des Guten und Schönen in diesem unseren Vaterlande krumm buckelt..?! Naja, so in dieser Art halt. Und das tun Reiche, Geis und Kauder für mein Empfinden zwischen den Zeilen. Darum ging mit das.

Liebe Grüße

janto ban 10.03.2013 | 16:22

Danke für den Link. Das "Unwohl der Kinder" scheint so eine Angst (ob nun vorgeschobenen oder nicht) zu sein, die mit den besten Argumenten nicht tot zu schlagen ist. Und sie ist so erschreckend ziel- und stilsicher. Vordergründig das Gute suchend und mit einem nur schwer erkennbaren Hauch von Homophobie behaftet. Wenn man von der Gegenseite aus argumentieren müsste, könnte man froh sein, ein solches Argument in der Hinterhand zu haben.. :o|

Robert Zapf 12.03.2013 | 17:32

Als ich Ihre Beschreibung der FDP las, schrieb ich, sinngemäß, daß es zwar ziemlich heftig wäre, man es aber so stehen lassen könnte.
Nach diesem Kommentar, gerate ich in Versuchung, ein neues Wort zu kreieren.
Sollten Sie nichts dagegen haben, würde ich fürderhin an Stelle von ****** oder wieviel auch sonst Sternen, oder "voll auf den Punkt gebracht", oder "drastisch aber wahr" einfach die Wörter

voller Eckert oder ein voller Eckert

benutzen.