Jakob Augstein
20.12.2012 | 16:22 186

Der „Freitag“ muss sparen

Sachzwänge Auch diese Wochenzeitung lässt der mediale Strukturwandel nicht unberührt. Zwar wächst die Auflage, doch wird immer noch mehr Geld ausgegeben als eingenommen

Der „Freitag“ muss sparen

Der Freitag wächst. Unsere Auflage wächst und unsere Anzeigenerlöse wachsen auch. Das ist die schöne Nachricht. Weniger schön ist: Der Freitag gibt immer noch mehr Geld aus, als er einnimmt. Auf die Dauer ist das ein Problem. Es gibt zwei Möglichkeiten: mehr Geld einnehmen, weniger Geld ausgeben. Bislang sind wir nur gewachsen. Das reicht jetzt nicht mehr. Der Freitag muss jetzt sparen.

Sparen ist ein schlimmes Wort geworden. Wir denken an Europa, an die Krise. Und an die Lehre, dass Staaten sich nicht aus der Malaise heraussparen können. Für Unternehmen allerdings gilt etwas anderes. Sie können sich ihr Geld nicht selber drucken. Also wird der Freitag seine Kosten senken müssen. In allen Bereichen.

Diese Zeitung wird künftig weniger Kollegen Arbeit bieten können. Wir werden den Alltags-Teil leider um vier Seiten reduzieren müssen. Dafür werden wir einen Teil der Alltags-Themen in unserer ersten Lage berücksichtigen. Und wir sind gezwungen, den Ausbau des Online-Auftritts langsamer anzugehen. Das Netz ist die Zukunft. Die Zeitung ist die Gegenwart.

So befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Sparen trotz Wachstum. Aber das ist das Schicksal einer Zeitung, die sich in den Wirbeln des medialen Strukturwandels befindet.

Mitten in der schlimmsten Krise haben wir Anfang 2009 eine neue Zeitung herausgebracht, deren alter Name uns ein journalistisches Versprechen war. Eine Ehre. Damals lag die Auflage bei etwa 7000, jetzt liegt sie bei 14000. Das sind verkaufte und bezahlte Exemplare. Das ist für einen kleinen Verlag einer linken Wochenzeitung eine große Leistung. Auch verdienen wir mit unserem Anzeigengeschäft einen wachsenden Anteil unserer Erlöse.

Der Freitag wächst also. Gegen den Trend der Branche wohlgemerkt. Oder besser: Er wächst, weil sich die Redaktion gegen den trübsinnigen Zynismus und Fatalismus stellt, den uns ein wirtschaftshöriger Zeitgeist als Normalität vorgaukeln will. Weil wir die Wirklichkeit anders denken und anders beschreiben. Woche für Woche neu.

Der Freitag ist auch ein Beweis dafür, dass Leser noch bereit sind, gute Zeitungen zu abonnieren. Beinahe unsere gesamte Auflage liegt im Abonnement. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns helfen, dass das auch im kommenden Jahr so bleibt.

Kommentare (186)

klonkifanko 20.12.2012 | 17:11

Wohlweislich bezog mein Vorschlag sich auf Kommentare... Denn das wahre Problem ist doch: Wer viel kommentiert wird, hat nicht automatisch Qualität zu bieten, landet aber auf der Frontpage. Wer dagegen keine Kommentare hat - wie Ihr tatsächlich lesenswerter und mich zu recht ein klein wenig belehrender Beitrag - der bleibt weitestgehend ungelesen. (von meiner Seite wären jetzt schon 20 Cent im Topf)

melanie klein 20.12.2012 | 17:21

ja sparen ist wichtig. ich bin für die reduzierung der sparten politik, kultur, alltag, wissen und community. eine seite pro sparte reicht doch und dafür könnte augstein ja auch selbst schreiben. 

dann müsste man vielleicht noch die sparten umbennen, aus politik machen wir nahost-konflikt mit ausschließlichem fokus auf israelische aktivitäten, aus kultur machen wir die wöchentliche tatort-seite, aus wissen machen wir dann die wöchentliche einwirkung jüdischer lobbyisten in alle machtzentralen der welt (ein unerschöpfliches thema) und für den alltag schicken wir herrn martenstein als einzigen gastkommentator wöchentlich in den gazastreifen, denn den deutschen alltag kennen wir doch eh alle und uns gehts eh zu gut. bleibt noch die community. da könnte dann jede woche eine neue rede von herrn steinbrück abgedruckt werden, wahlweise, damit dadurch nicht gleich wieder verlust gefahren wird, könnte diese seite auch mit dem anzeigenmarkt zur verfügung gestellt werden, dann trägt sich augsteins freitag halt kostendeckend. ich schlage vor, den spiegel zu bewerben, den gehts ja auch nicht sehr gut grade. die jungredakteure wissen dort ja auch nicht mehr, was sie schreiben sollen.

also, viel erfolg!

Sisyphos Boucher 20.12.2012 | 17:40

Sind Sie ein frustrierter Abonnent?

Mal ehrlich: Es ist nicht leicht, ein qualitativ ansprechendes Format zu entwickeln und auf Dauer aufrecht zu erhalten und es dabei auch noch jedem irgendwie recht zu machen. Es ist noch weniger leicht, das zu tun, wenn man ständig für jede Veränderung kritisiert oder - wie in Ihrem Kommentar - mit verkappter Häme überzogen wird. 

Es mag sein, dass der Freitag weniger Tiefgründigkeit zu bieten hat als noch vor 10 Jahren. Ich vermag das nicht wirklich einzuschätzen, da ich das Blatt erst seit zwei Jahren abonniert habe. Aber im Vergleich mit einer Reihe anderer Medien ist der Freitag noch immer halbwegs anspruchsvoll und hat etwas mehr zu bieten als nur Unterhaltung. 

Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist aus meiner Sicht, aus der Sicht eines zahlenden Lesers, doch gar nicht so schlecht verlaufen. Der Freitag repräsentiert  mittlerweile die ganze Zerrissenheit der irgendwie links verorteten Mittelschicht in größerer Breite. Inhaltlich finde ich das interessant. 

Unglücklich an all dem ist die Verwirrung, die das Wort Sparen nach sich zieht. Wenn ich es nicht allzu falsch verstehe, muss der Verlag versuchen, weniger auszugeben, um das Blatt irgendwie retten zu können. Die Einsiegsinvestitionen haben wohl bisher nicht zu dem notwendigen Rücklauf geführt, dagegen aber zu mehr ABonnenten, was schon mal ein gutes Zeichen ist.

Das Anliegen, den Freitag zu retten, verdient Solidarität, wie natürlich auch die Redaktion und die von Entlassung und/oder Einschränkungen Betroffenen Solidarität verdienen.

An andere Stelle schon geschrieben, wiederhole ich hier: Ich wäre bereit, neben dem Printabo auch für Online-Inhalte des Freitags zu zahlen, wenn sie denn andere wären als in der Wochenzeitung.

 

EnidanH 20.12.2012 | 17:45

Waswärewenn...

 

... der Freitag - das wurde mehrfach erwähnt - hat viel Potential eine mutige, linke Zeitung zu sein.

Aber "irgendwie" hat er viel getan, dass das bisher nicht der Fall ist. Man nehme nur mal den neverending Relaunch, das hätte viel schneller gehen müssen.

Online wurden einige sehr Kluge (und wahrhaft Linke) vergrault und die Moderation hat da nicht klug und konstruktiv gehandelt, selbst jetzt landen Lieblinge der Onliner bei den Empfehlungen, bei deren Ergüssen es sich nicht um Anker handelt, sondern um "Geschwafel".

Die Thematik, was wirklich links ist und für den Freitag taugen sollte wurde hier oft durchgekaut, alleine es fruchtete nicht, wieder mit Hilfe der Onliner. Wenn sich monatelang irgendwelche Aggros hier austoben dürfen oder antsisemitisches Geschwurbel oder Ostalgie der Stasi hier erscheint... dann ist das von links so weit entfernt wie Merkel von sozial-gerecht.

Ich bin mal so frei: ich meine beim Freitag hat man kein Verständnis davon, was links ist oder sein sollte, wer denn die Leser sind und was diese haben wollen. Ich jedenfalls habe eine mutige, kluge, egofreie, konstruktive Presse erwartet, kein Ärzte-Bashing, kein Wulff-Gehetze oder sonstiges "anti", sondern Wege aus der Krise. Aber dazu muss man erstmal ideoliefrei erkennen, was schief läuft in der Politik (in jeder Partei). Aber beim Freitag herrscht keine Parteienfreiheit, so wie bei den Verantwortlichen der Online-Abteilung nie Parteienfreiheit herrschte... ergo: unglaubwürdig, bestenfalls egal.

bartmann 20.12.2012 | 19:07

Meine "Unterstützung" hättet ihr, wenn ich den Freitag digital abonnieren könnte.

@ENIDANH

Das Gegenteil wäre eine Presse, die, um Glaubwürdigkeit bemüht, auf Teufel komm heraus versucht, nicht Partei zu ergreifen - egal wie groß der Unfug ist, den eine der Seiten verzapft. Wie anscheinend in den USA geschehen: http://www.huffingtonpost.com/dan-froomkin/republican-lies-2012-election_b_2258586.html

oi2503 20.12.2012 | 19:19

Auf meine Frage, wie hoch denn das Minus p.a. ist werde ich wohl keine Antwort bekommen. Aber vielleicht auf die Frage, wie viele Abos der Freitag denn braucht, insgesamt oder zusätzlich um mit gleicher Menschstärke weiter arbeiten zu können. Das wäre als Orientierung hilfreich. Und könnte dazu beitragen, mehr Abos zu verkaufen. Die taz hat das jahrelang vorgemacht.

H.Hesse 20.12.2012 | 19:31

@Melanie Klein

@Sisyphos Boucher

Mir geht es es wie Ihnen, Sisyphos Boucher, die Häme, wie sie beispielsweise aus jedem Wort von Melanie Klein quillt, finde ich unerträglich und obendrein nicht hilfreich. Was soll so etwas? Kommt damit sich großartig vor?

Ihren Worten, Sisyphos, kann ich nur zustimmen!

Seien wir doch froh, dass es - bei aller Kritik im Detail - eine Zeitung wie den "Freitag", dass es eine engagierte Redaktion gibt, die Woche für Woche eine interessante, sich vom Medieneinerlei abhebende Zeitung herausbringt!  (Mit einer Community-Möglichkeit, wie ich sie sonst nicht kenne!) Dass es einen Verleger gibt, der das mit seinem Vermögen oder einem Teil davon ermöglicht. Er könnte damit aiuch andere, weniger sinnvolle Dinge anstellen. Die persönlichen Unterstellungen, die unsachliche Pauschalkritik, die Häme, die sich an JA in manchen Beiträgen manifestiert, finde ich destruktiv.

Wenn es so ist, wie JA schreibt, dass "wir weniger einnehmen als wir ausgeben", dann geht das natürlich auf Dauer nicht. Ich hatte vor einigen Wochen das Glück, die Redaktion kennenzulernen und habe dabei sehr engagierte Menschen getroffen und denke jetzt  ganz anders an die von den Entlassungen Betroffenen. So kann man nur auf weitere Expansion, sprich: mehr Einnahmen hoffen, die dann  vielleicht auch (Wieder-)Einstellungen ermöglichen. Helfen wir mit, den "Freitag" bekannter zu machen, empfehlen wir oder verschenken wir, Geld vorausgesetzt, ein Abo. Und, auch da folge ich Ihnen, Sisyphos, für Netzartikel würde ich auch bezahlen, so sie sich vom Printteil unterscheiden.

Dass künftig Seiten wegfallen, finde ich schade, denn natürlich geht damit auch ein Stück Attraktivität verloren und somit auch der Anreiz zu lesen bsw. das Blatt zu kaufen.  

Ich kann nur auf (ver-)lockende, spannende Inhalte hoffen. Andererseits  gehört der jetzige "Alltags"-Teil für meinen Geschmack unterm Strich zu den schwächsten Teilen der  Zeitung (zu bunt, zu oberflächlich, zuviel "Pop"). Eine Reduktion etwa des Politikteils hätte ich schlimmer gefunden.

Ich drücke dem "Freitag" die Daumen und freue mich immer auf den gefüllten Briefkasten an den Donnerstagen.

Helmut Hesse

 

 

Anton 20.12.2012 | 20:43

Genauer Zahlen wären immer interessant um die Situation besser einschätzen zu können. Zum Beispiel kann ich mir vorstellen, dass die Printausgabe in den "linken Zentren" der Großstädte und Stadtstaaten angekommen ist, aber in der Prärie universitären Kleinstädte in West und Ost noch immer ein unbeschriebenes Blatt ist. Wir selbst haben den Freitag in unserer Universitäts Bibliothek eingefordert und legen unsere gelesenen Abo-Ausgaben am Montag in den Kaffees der Stadt aus, anstatt sie irgendwo in der WG Küche vergammeln zu lassen. Da der Freitag eine hervorragende Communityarbeit leistet, ist es nicht verkehrt, diese bei der Aquise von Neulesern mit in das Boot zuholen. Mitgestalten anstatt nur konsumieren, hört nicht im Netz auf. Lieber bin ich tätig solidarisch mit einem "guten" (beziehe 3 Wochenzeitungen, Freitag wird als einziges Abo mit in das neue Kalenderjahr gehen) Blatt, als mich mit Stellenkürzungen oder Qualitätsbeschnitten abzufinden. Die Möglichkeiten der Leseraquise durch Leser wurden bis dato wohl nicht ausgeschöpft. 

Helmut Eckert 20.12.2012 | 21:48

der  Freitag ist für mich (hier online) der tägliche Genuss. Meine Altersrente beträgt  570 Euro. Da wird eine gekaufte Zeitung unerschwinglich!

Letztlich hoffe ich, dass diese Zeitung überlebt. Von 1953 bis 1960 war es der Spiegel  den ich wöchentlich kaufen und verschlingen musste. Ab 1975 war es wieder der Spiegel bis zu meiner Berentung im Jahre 2000. Von 1960 bis 1975 waren die SED Zeitungen es nur wert, für hinterlistige Zwecke gebraut zu werden. Das Klopapier war nicht besser! In meiner Dienststelle in Schwerin hatte ich ein Archiv des ND erstellt. Selbst das ND aus den Anfangsjahren der DDR konnte ich nur versteckt  archivieren. Wir nannten das Archiv: Es war einmal…

Damals lernte ich die Pressefreiheit schätzen!!!!!

blog1 20.12.2012 | 21:53

Zunächst einmal ein paar Worte an JA:

Ihr Beitrag vom 12.12. "Wir müssen sparen" war so überflüssig wie ein Kropf, nicht etwa weil sie auf die finanzielle Situation der Freitag hingewiesen haben, sondern weil Sie sich in ihrem Beitrag auf einen Artikel der taz beziehen und damit Tür und Tor für Spekulationen jedweder Art öffnen. Das Gesetz des Handelns kann doch nur beim Freitag liegen und nirgendwo anders.

- Ihre Argumentation, das der Freitag zu langsam wächst und die Kosten verglichen mit den Einnahmen zu hoch sind, kann ich nachvollziehen. Es ist die typische Reaktion, die ihnen ein jeder Controller - und die haben in den Unternehmen zumeist das Sagen - an die Hand geben wird. Wenn die Kosten zu hoch sind, dann müssen sie eben runter. Das sind die so genannten Sachzwänge. So einfach ist das.

- Was aber nicht gesagt wird, ist die Problematik, dass bei einem Personalabbau folgende Punkte zu beachten sind:

- die Stimmung und damit die Motivation in der Belegschaft sinken rapide. Das betrifft nicht nur diejenigen, die gehen müssen, sondern auch diejenigen, die bleiben. Dies bleibt nicht ihne Folgen auf den Output ihrer Zeitung.

- ein Personalabbau geht immer mit einem Qualitätsverlust einher. Wäre dem nicht so, hätte ja vorher ein Personalüberhang bestanden. Das scheint mir aber nicht der Fall zu sein.

- es besteht die Gefahr, das sich der Freitag "zu Tode" spart und zwar dann, wenn durch den Personalabbau eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird.

und schlussendlich:

Ein Personalabbau lenkt u.U. von den eigentlichen Ursachen dieser Misere ab. Wenn die Printauflage jetzt von 7.000 auf ca. 14.000 Exemplare gesteigert werden konnte, ist dies zwar respektabel, aber das Potential des Freitag ist m.E. bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Das betrifft sowohl den Print als auch Online.

Auch die Reaktion in der Community zu der aktuellen Situation des Freitag möchte ich nicht aussparen.

- Die Häme, die hier teilweise über den Freitag ausgeschüttet wird, ist völlig deplatziert. Nachdem man ja nicht weiß, wer sich hinter den Beiträgen verbirgt, liegt der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um Personen handelt, die daran interessiert sind, dass der Freitag vom Markt verschwindet.

- konstruktive Kritik ist aber keine Häme, sondern kann sehr nützlich sein. Es gibt hier einige Vorschläge, die überlegenswert sind.

Auch ich gehöre zu denjenigen, die gerne im Freitag schreiben. Von der Spezies gibt es genügend. Es ist in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal des Freitag und daraus sollte man mehr machen.

 

eldorado 20.12.2012 | 22:16

Alle müssen sparen.

Die Armen, weil sonst der Monat zuviele Tage hat.

Die Reichen, dass sie noch reicher werden. Ehrlich, das sind die besten Schnäppchenjäger.

 

Bei den Firmen ist es genau gleich.

Die, welche eine Golgrube entdeckt haben, wie z.B. die Pharmafirmen, müssen sparen um noch mehr Gewinne auszuschütten.

Die Firmen, die ein notwendiges Produkt herstellen, wie z.B. eine Zeitung, müssen sparen, weil das keine Goldgrube ist.

anne mohnen 20.12.2012 | 23:34

Lieber Herr Augstein, liebe Redaktion

 

Ihnen und Ihren Lieben  wünsche ich auf diesem Wege -

Frohe Weihnachten, ein gutes neues Jahr. Mögen alle Wünsche in Erfüllung gehen.

Uns, der Freitag-Gemeinde, wünsche ich, dass Sie, Herr Augstein und die Redaktion, wie ich bereits schrieb, an Ihrer Vision „von einem unabhängigen,  linksliberalen Meinungsmedium festhalten, das sich dem Strom und Rauschen von beliebigen und opportunen Meinungen, dem Zeitgeist angepassten Stimmungen und angedienten Haltungen entgegenstemmt. Haben Sie den Mut, für die Zeitung noch offensiver öffentlich zu werben. Lieber Herr Augstein, da sind Sie zu zurückhaltend.“

Der Freitag-Salon ist zu einer wunderbaren Institution geworden – ein Erfolg. Ich erinnere mich mit besonderem Vergnügen an Ihr Gespräch mit Oskar Lafontaine, dem der Schalk im Nacken saß, der wunderbar, erfrischenden Piratin Marina Weisband und zuletzt an Ihr Gespräch mit Oscar Negt, ein ungemein dichter Dialog, der  mich gedanklich immer noch sehr beschäftigt.

Ganz besonders hervorheben möchte ich einmal die Arbeit der Community Redaktion, die mit viel Herz, Verstand und mit der „überlebensnotwendigen“ Portion Humor und Langmut, hier moderiert, diskutiert und das Leben mit am Laufen hält.

Für mich hat das Blatt in diesem Jahr einen qualitativen Sprung nach vorne gemacht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen  von Herzen eine gute Zeit.

am

Aussie42 21.12.2012 | 00:33

Ich lebe in Sydney und bin daher auf den online Freitag angewiesen. Ein online Abo oder eine pay-wall faende ich ok. Auch ein button fuer freiwillige Spenden (z.B. aus der online-community) muesste doch auch moeglich sein.

Ansonsten koennte die Redaktion ja auch mit surveys in der community zu Geld kommen. (Der BBC macht das ja auch mit seiner Global Mind community. ) 

Einen Haushalt ausgleichen, muss ja nicht  sofort Personal ein"sparen" bedeuten. Man kann ja auch die Einnahmen durch gute Einfaelle steigern. (andere haben sicher weitere, bessere als meine).

Leute entlassen ist manchmal notwendig aber hat auch Nachteile, wie oben bereits angemerkt wurde.

Die inhaltliche Struktur veraendern:  bitte nur nach einer soliden Analyse der Leser-Gewohnheiten.

 

seriousguy47 21.12.2012 | 01:10

Da würde ich mich zum Teil anschließen:

- inhaltliche Änderungen erst nach Leserbefragung

- zusätzliche Einnahmequellen versuchen (freiwillige Ergänzungen zum Abo-Betrag, freiwillige Nutzerbeiträge von Online-Nutzern, Online Abos usw.). Entsprechende Einladungen an die Leser/ Nutzer sind sicherlich nicht allzu kostenintensiv ;)

Persönlich würde ich mir nach dem Weltuntergang, der ja gerade stattfinden soll, ein schärferes linkes Profil wünschen und mehr Beiträge von profilierten Gastautoren. Dann wäre weniger vielleicht mehr.

Die Redaktion könnte sich auch fragen, ob sie nicht allzusehr der Berliner Provinz verhaftet ist - und ggf. den Horizont etwas erweitern.

Im Titel sähe ich lieber nicht "Meinungsmedium", sondern die Ansage, dass man hier eine andere Sicht findet. "Meinungsmedien" sind eher die Talkshows und da scheint mir nicht die Leserschaft des Freitag zuhause zu sein....

...Ging mir so seit dem 12.12. durch den Kopf.....

Gustlik 21.12.2012 | 07:36

Wir werden den Alltags-Teil leider um vier Seiten reduzieren müssen. Dafür werden wir einen Teil der Alltags-Themen in unserer ersten Lage berücksichtigen.

T'schuldigung, aber ich bin nicht aus der Branche. Bedeutet das, die Ausgabe wird 4 Seiten dünner bei gleichbleibender Preistemperatur?

Aber ein anderes Foto... sollte schon noch möglich sein.

naturfreund 21.12.2012 | 08:21

So so, der Freitag formuliert über seine Verhältnisse. Es hätte doch nicht eines solchen Artikels bedurft und schon gar  nicht so kurz vor den Feiertagen, um diese traurige, knallharte Nachricht kundzutun.

Sie ist sozusagen die Antwort des Freitag auf den Mayahype. Heute, wo wir alle ein bißchen Maya sind und entweder auf den Untergang und die Ansprache von Bruno Ganz aus dem Führerbunker warten

oder zumindest einem bedeutungsvollen Zeitenwechsel entgegen sehen, möchten wir  doch nicht mit so profanen Themen wie Geld und Sachzwängen konfrontiert werden.  Wie dem auch sei, der Freitag denkt nicht an morgen, vielleicht ein ganz kleines bißchen, er denkt an heute, also den Freitag. Und das ist gut so. 

 

Jakob Augstein 21.12.2012 | 09:59

Nein, auf die Frage bekommen Sie keine Antwort :)

Aber auf die andere gerne: um kostendeckend zu arbeiten, brauchen wir mindestens 20.000 Abonnenten.  Bei entsprechenden Anzeigenerlösen.

Das ist eine realistische Größenordnung, finde ich. Darum bin ich auch guten Mutes, dieses Ziel zu ereichen. Es setzt allerdings voraus, dass wir in den nächsten Jahren wirklich Jahr für Jahr wachsen.

Das Problem ist für uns übrigens nicht, neue Abonnenten zu finden. Das funktioniert erstaunlich gut. Das Problem ist, sie zu halten.

Wir haben unsere Kündiger gefragt, warum sie nicht bei uns bleiben. Und die Antwort war: ihr seid zu kompliziert, den Freitag zu lesen, bedeutet "Arbeit" ...

Das ist natürlich eine schwierige Antwort. Das sehen Sie ja auch an den Debatten hier in der FC. Da sind immer noch die, denen wir nciht "links" genug sind - die machen sich aber nicht klar, dass eine straff-linke Zeitung niemals auf einen grünen Zweig kommen wird (wirtschaftlich betrachtet). Wachsen können wir nur, wenn wir uns öffnen, weicher werden, mehr Pluralität zulassen, weniger ideologisch sind, weniger rechthaberisch ... Diesen Weg haben wir ja auch eingeschlagen und darum sind wir ja auch gewachsen.

Es ist ein schmaler Grat: wenn wir zu links-intellektuell sind, verstehen uns zu wenig Leute und zu viele halten uns für anstrengend. Wenn wir zu wenig links-intellektuell sind, brauchen uns die Leute nicht. Der richtige Weg liegt in der richtigen Identität. Zeitungen sind wie Menschen. Sie müssen sympathisch sein. Dann sind Abweichungen kein Ärgernis sondern interessant.

Dies hier ist ein Abenteuer, das die Redaktion, der Verlag und die Leser gemeinsam erleben.

 

68er 21.12.2012 | 11:56

@ Jakob Augstein und OI2503

Eine Auflage von 14.000 ist erschreckend. Dass man da gegen das Flaggschiff Zeit mit ca. 500.000 verkauften Exemplaren anstinken. Wenn man Durschnittseinnahmen von ca. 3,50 Euro bei der Zeit annmimmt, kommt man auf wöchentliche Einnahmen aus Verkäufen von ca. 1,7 Mio Euro.

Beim Freitag käme man bei 14.000 Exemplaren und einer Durschnittseinnahme von ca. 2,50 Euro gerade mal bei 35.ooo Euro pro Woche. 

Das ist nach meiner groben Schätzung ca. 1/50 des Zeit-Budgets.

Da kann man sich in etwa denken, wieviel seiner schwer ererebten Euros Herr Augstein hier für unsere tägliche Belustigung opfert.

Was mir aber ganz übel aufstieß, ist der Zeitpunkt dieses Artikels. Ich habe selbst einmal erlebt, wie ein Verwandter von mir am Heiligmorgen per Telefon die Kündigung erhalten hat. Das ist absolut stillos, und da muss ich nicht um Verzeihung bitten, asozial und einer "linken" Zeitung mehr als unwürdig. Herr Augstein mag vielleicht nicht wissen, wie es ist Existenzängste zu haben, als Herausgeber einer "linken" Zeitung hätte er den Artikel wirklich ins nächste Jahr verschieben können. Sicherlich kann das dazu führen, dass Verträge dann erst zum nächsten Quartal gekündigt werden können, aber seine Mitarbeiter mit solchen Gedanken in die Weihnachten zu schicken, ist degoutant.

Helmut Eckert 21.12.2012 | 12:37

68ER Stiellos? Am gestrigen Abend rief mich meine Schwester an, um mir mitzuteilen, meine jüngste Schwester ist am Vortag verstorben. Herzinfakt! Das ist stiellos vom Tod! Er kennt kein Weihnachten und Ostern. Jede Entlassung in die Arbeitslosigkeit ist für den Betroffenen sehr schlimm. Die Ausbildung aller Mitarbeiter der Redaktion ist das Kapital der Menschen. Sie gibt ihnen die große Chance eine neue Beschäftigung zu finden. Daran ändert auch eine Kündigung nach den Festtagen nichts!

 

melanie klein 21.12.2012 | 14:19

"Es ist ein schmaler Grat: wenn wir zu links-intellektuell sind, verstehen uns zu wenig Leute und zu viele halten uns für anstrengend. Wenn wir zu wenig links-intellektuell sind, brauchen uns die Leute nicht. Der richtige Weg liegt in der richtigen Identität."

ja, wir bauen uns eine identität, damit gretchen und pletchen gut angesprochen werden, und nennen es dann mal links, wasimmer das auch sein mag. aber der richtige weg liegt in der richtige identität. und das recht, sich eine haltung zusammenzubasteln, muss schon beim verleger liegen dürfen, der, wenn er zweifelt, ja auch links ist.

langweiler 21.12.2012 | 14:40

@JA, @all

vielen Dank Herr Augstein, dass Sie sich in der Printausgabe auch an die Leserschaft gewendet haben und zur Aufklärung beitragen. Das fand ich schade, wie ich es in meinem Kommentar zum Beitrag "Wir müssen sparen" langweiler 13.12.2012 | 20:08 beschrieben habe.

In der Tat ist es ein schmaler Grad ein Medium zu produzieren welches von vielen gelesen wird, aber dennoch sich anspruchsvoll bezeichnen kann (https://www.freitag.de/autoren/tomach/welche-zeitung-will-ich-lesen-1-teil).

Denn das Problem ist, wenn die Zeitung für alle verständlich ist und und keine „Arbeit“ mehr damit verbunden ist, könnte es sein, dass sie zu beliebig wird und von einigen die höhere Ansprüche an eine Zeitung richten nicht mehr gelesen wird. Immerhin dient auch eine Zeitung als Distinktionsinstrumente, was politische Ausrichtung und somit Politik und Kulturteil, usw. angeht.

Ich wünsche der Redaktion, Herrn Augstein, der Community und allen anderen, die an dem Erstellen einer „anderen“ Zeitung beteiligt sind alles Gute und viel Erfolg.

Ich weiß nicht, ob die Idee schon mal erwähnt wurde, aber ich möchte einige Gedanken kurz zu den Sachzwängen äußern. Der Freitag ist online und im Print präsent. Damit es weiterhin so bleibt, stellt sich die Frage nach dem Bezahlen von Inhalten (hinter denen Arbeit von vielen Menschen steckt) Internet. Vielleicht könnte man es auf die Weise regeln, dass die Printabonnenten einen Zugang zu allen Produkten (Community, Online- Zeitung im PDF oder anderen Formaten haben). Natürlich gibt es Menschen, die lieber im Internet die Zeitung lesen. Für diese sollte eine Online Version und die Zuggänge, wie beim Printabo geregelt sein. Jedoch gibt es Menschen, die sich weder Print noch online Abo leisten können. Für diese sollte es andere Bezahlmodelle geben. Vielleicht sollten die Inhalte der Printausgabe mit einer Verzögerung von 1-2 Tage ins Netz gestellt werden und lediglich mittels einer kurzen Zusammenfassung Lust auf den Artikel machen bzw. dass nicht alle Artikel zu sehen sind dh. dass eine Auswahl von verschiedenen Artikeln online zu lesen ist und ein anderer nicht.

Jedoch kann dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Herr Augstein müsste, wie es schon andere Community Mitglieder geschrieben haben, offensiver für das Experiment der Freitag in Print, sowie online werben.

Wichtig ist, dass der Freitag „sympathisch“ (Für die Leser soll dies aber weiterhin Arbeit mit und in manchen Fällen auch an sich bedeuten) bleibt und somit die Presselandschaft um eine alternative Perspektive bereichert.

schlicht und einfach möchte ich an alle Beteiligten Danke sagen.



EnidanH 21.12.2012 | 15:29

Herr Augstein,

 

der Grundfehler liegt in der ideoligischen Deutung von links.

Linkssein heisst klug sein, mutig sein, d.h. Dinge zu fordern, die z.B. eine CDU fordert, aber auch Dinge zu fordern, die Die Linke fordert.

Auch Ihre Deutung nicht ideologisch sein zu wollen ist wieder ideologisch. Herrgott, man muss sich (auch als Journalist) doch nur mal die Realität anschauen und sich Gedanken machen; sind diese Gedanken basierend auf Vernunft und Empathie, dann kann man das links nennen.

Und genau an einer solchen linken unabhängigen Zeitung mangelt es in Deutschland. Vergessen Sie mal den SPIEGEL, die taz, die SZ und wiesiealleheissen. Die formulieren auch nur ideologischen Parteienbrei.

Halten Sie sich mal an die großen humanistischen Denker wie Hugo oder Hessel. Und vergleichen Sie mal was diese sag(t)en mit dem was von den selbsternannten linken Zeitungen kommt.

Und dann führen Sie sich vor Augen, dass es Leser gibt, denen die ZEIT zu SPD-lastig, die taz zu antisemitisch und der SPIEGEL zu boulevardesk ist... bums, schon haben Sie neue Leser oder Abo-Bezieher.

Ich habe das Freitag.Abo gekündigt, nicht weil der Freitag zu anstrengend war, sondern weil er mir zu flach war und die Community-Mitglieder zu aggressiv.

Man muss nicht marktschreierisch-oberflächlich durch die Lande ziehen, um neues Publikum zu erhalten, schon gar nicht, wenn man sich selbst als links einstuft.

Achtermann 21.12.2012 | 15:55

"Ich habe das Freitag.Abo gekündigt, nicht weil der Freitag zu anstrengend war, sondern weil er mir zu flach war und die Community-Mitglieder zu aggressiv."

Brauchst du eine Einpersonenzeitung? Die Inhalte zu flach, die Community-Mitglieder zu aggressiv. Diese wenig objektivierte Sichtweise in einen selbst konstruierten Tunnel des Geistes atmet nicht das Flair des Weltbürgers, der über den Dingen des Alltags steht.

melanie klein 21.12.2012 | 16:11

ich glaube, auch wenn ich mich als agressive kommentatorin zu recht angesprochen fühle, dass diese haltung der wahrheit entspricht. die artikel sind flach. und die braucht keiner. man kann eigentlich nur noch verzeichnen, und das ist in meinen augen die krux vieler journalistischer printmedien, dass die besten und tiefgründigsten artikel von freien autoren stammen. die redaktoren produzieren in den meisten fällen informationsmüll. schlecht geschrieben, schlecht recherchiert, ideologisch und plumb. wohl resultat eines beruflichen lebens in der blackbox. das ist in der tat schon vor jahren im britischen journalismus kritisiert worden. wer eine gut recherchierte story hat, professionell investigativen journalismus betreibt, braucht keine angst vorm netz zu haben. wer allerdings darüber nachdenkt, welche haltung er sich basteln will, damit er mehr leser kriegt, ist schon gescheitert. weil er nämlich gar keine haltung hat.

aggressionen apriori als problem anzusehen, finde ich - logischerweise - erstmal alles andere als überzeugend. denn in ihnen steckt eine haltung. gibt sicher andere wege, aber der der agression ist der effektivste. was nützen weichgespülte meinungen aus der populistischen mainstreamecke, damit ist keinem geholfen.

seriousguy47 21.12.2012 | 16:22

@ Jakob Augstein

Ein Problem dürfte sein, dass in die Debatte über die wirtschaftliche Zukunft des Freitag mehrere andere Debatten einfließen und die Kerndebatte komplizieren: z.B. Print/ Online, Bezahlen/ Gratis und Links/ Beliebig.....

Da ist es schon mal hilfreich, Zahlen zu haben. Also sag ich mal: die Abos sollten möglichst verdoppelt werden. Die einfachste Zusatzfrage wäre dann: Kann man da was mit zusätzlichen Online-Ausgaben ändern, die nur Abonnenten zur Verfügung stehen - während der nicht zahlende Rest nur einen deutlich begrenzten Teil einsehen und kommentieren kann?

Eine weitergehende Frage wäre die nach dem Profil. Ich meine, für ein irgendwie "linkes" "Meinungsmedium" ohne klares, kritisches Profil gibt es allenfalls in einer Berliner "linken" Bohème einen Markt, die, böse formuliert, gerne eine unverbindlich  "linke Gartenlaube" im "Hotel Abgrund"  liest. Und dieser scheint zumindest bislang  nicht groß genug zu sein.

Aus meiner Sicht gibt es aber seit dem neoliberalen Kreuzzug einen eindeutigen Überfluß an "Meinung", aber einen unübersehbaren Mangel an  kritischen Analysen. Ob dem auch eine hinreichende Nachfrage entspricht, weiß ich nicht und da liegt denn auch das Risiko bei dem, der in den Freitag investiert, was ich gerne respektieren und anerkennen möchte.

Falsch aber finde ich die Gleichsetzung von "Links" mit "kompliziert" oder "Arbeit". Das erinnert mich fatal an die Argumentationen der Öffentlich-Rechtlichen für ihre Carmen-Nebelisierung des Fernsehens und ist auch keine Frage der politischen Ausrichtung, sondern eine der redaktionellen Aufbereitung. Dass es da im deutschen Sprachraum, und vor allem links, erhebliche Defizite gibt, ist mir bekannt. Daran muss man arbeiten, wenn man sich politisch links platzieren und/ oder gesellschafts-analytisch schreiben möchte.

Falsch finde ich es auch, nur die zu befragen, die ein Abo kündigen.  Wer will schon zugeben, dass er einfach keinen Bock mehr darauf hat, für den Freitag zu bezahlen? Könnte es sein, dass da mancher sagt: zu kompliziert, aber meint: lese ich jetzt online kostenlos?

Zu befragen wären also die, die ein Abo haben (nicht die FC!), und zwar danach, was sie gut finden, und was sie anders haben möchten.

Noch weiter ginge die Frage, ob der Freitag sich nicht auch als Forum derer verstehen könnte, die konkret gesellschaftlichen Widerstand leisten.  In Stuttgart registriere ich z.B. reichlich Online-Propaganda für den Stern, wenn Arno Luik mal wieder etwas Zünftiges geschrieben hat. Es würde mich wundern, wenn das nicht in der jeweiligen Auflage sichtbar würde....

Eine stärkere Fokussierung auf solche Bewegungen würde zum einen den Hang zur Theorieverhaftung/ Kompliziertheit bremsen, zum anderen diesen Bewegungen ein Forum zur (Selbst-)Reflexion bieten und zum dritten, Menschen an die Zeitung binden - sofern sie sich als zuverlässiges Forum für Information und Austausch zeigen würde. Schließlich würde ein solches Forum solche Bewegungen auch für andere Leser erschließen und eine Verbindung zum öffentlichen Diskurs herstellen, der derzeit von den Medien nicht hinreichend hergestellt wird. Es geht mir dabei - wohlgemerkt - nicht um gelegentliches Berichten, sondern um eine kontinuierliche kritische  Begleitung.

Schließlich habe ich in einem früheren Kommentar schon das Thema profilierte Gastbeiträge angesprochen. Auch hier sehe ich persönlich derzeit einen eklatanten Mangel in den Medien, wo offenbar ein Trend herrscht, aus Mediem, die möglichst viel abdecken, ein profitableres (?) Spartensystem zu etablieren, wo jedes Thema sein eigenes Medium hat und eigenes Geld einspielt. Vielleicht liegt ja auch und gerade darin ein Grund für die angebliche oder tatsächliche Zeitungskrise?

Ob man sich dem widersetzen kann, ist eine Frage. Eine andere, ob sich durch profilierte Gastbeiträge nicht eine höhere Aufmerksamkeit für und Attraktivität des Freitag erzielen ließe.

Wenn all dies geklärt ist, kann man die Frage nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten stellen. Eine Paywall für einzelne Beiträge fände ich dabei die schlechteste Lösung, weil sie umständlich ist, weil man für Centbeträge seine Kontodaten riskieren müsste und weil man jeweils die Katze im Sack kaufen müsste.

Dann lieber eine Flatrate, die auch denen eine Überweisungsmöglichkeit eröffnet, die keine Finanztransaktionen online erledigen möchten und die Sache pauschal erledigt. Ideal fände ich es, wenn alle Verleger sich auf eine gemeinsame Flatrate analog zum GEZ-Sysrtem einigen würden, so dass man mit einer Bezahlung alle Medienportale nutzen könnte. Und diese Bezahlung könnte z.B. auch bereits mit einem PrintAbo abgedeckt sein.

Prinzipiell hätte ich persönlich auch nichts gegen eine "Miete" für diejenigen Blogger, die bei der FC eigene Beiträge einstellen - immer mit Sozialregelungen immer Hinterkopf natürlich.

-------

 

seriousguy47 21.12.2012 | 16:34

Die Frage, wer hier eine Einparteienzeitung haben möchte - Augstein oder Enidanh - ist doch genau die, die im Sinne der Zukunft des Freitag zu klären wäre. Sie einfach abzublocken ist das Falscheste, was man tun kann. Im Grunde ist es doch die Frage nach dem Markt, bzw. der notwendigen Marktlücke, die es profitabel zu erschließen gilt. Ich würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn JA da aus ideologischen Gründen Chancen übersehen würde. Aber, wie ich schon oben gesagt habe: es ist sein Geld, sein Risiko, seine Verantwortung. Ich kann nur Fragen stellen und/ oder sagen, was ich denke. Und den Freitag abonnieren oder nicht. Letzteres ist meine Verantwortung, alles andere nicht.

Achtermann 21.12.2012 | 17:21

"Im Grunde ist es doch die Frage nach dem Markt, bzw. der notwendigen Marktlücke, die es profitabel zu erschließen gilt."

Da unterscheiden wir uns in der Sichtweise nicht. Wenn Arbeitsplätze dranhängen, muss man sich schon fragen, ob der ideologischen Linie wegen diese geopfert werden sollen. Letztlich geht es um eine gute Zeitung. Gut im Sinne von informativ, begründeten und luziden Argumenten mit einiger Distanz zum Objekt der Analyse bzw. der Beschreibung. Dazu gehören Kolumnen mit einer persönlichen Note, die Blickweisen öffnen, auf die die durchschnittliche Leserschaft, zu der ich mich zähle, nicht kommt. Zeitung eben in ihrer ganzen Vielfalt. Ich muss mich beim Lesen der Texte nicht unbedingt bestätigt sehen. Wenn ich nach der Kenntnisnahme eines Artikels klüger, froher oder nachdenklicher bin als zuvor, lohnt sich das Zeitunglesen.

EnidanH 21.12.2012 | 18:41

Meine Güte...

 

... wie man aus meiner Forderung nach einer KeinParteienZeitung eine Anklage machen kann ich wolle eine EinParteienZeitung ist mir hier wirklich zu anstrengend.

 

Ich weiß nicht, ob es Langeweile oder Klugscheißerei ist, aber genau diese Art von "Angriffen", die aus dem Unvermögen resultieren richtig zu lesen und andere Sichtweisen wirklich verstehen zu wollen, machen - zumindest mir - diesen Online-Auftritt leidlich... und genau damit hätten wir das Gegenteil dessen, was für den Freitag gut ist.

Mir scheint, so einige in der FC sehen vor lauter Selbstreferentialität den Ausweg aus dem Sichselbstumkreisen nicht mehr. Das Problem, das hier kaum konstruktive Beiträge und damit ein echter Mehrwert für die Printausgabe entstehen kann ist genau diesem Zustand geschuldet, dass hier jeder der Klügste, Beste, Linkeste sein will, totaler Kindergarten.

Und, um noch eines darauf zu setzen, im ganzen Land ist die mutige Klugheit verpönt, nützliche Idioten hingegen kommen weiter, weil der Deutsche es nicht so mag, wenn einer Chuzpe hat und Dinge beim Namen nennt.

Ich habe damals den Freitag für mich und meine Mutter bestellt, weil ich hoffte er würde sich in diese kluge Mutigkeit bewegen, aber gut, watt soll's.

Guten Rutsch.

Achtermann 21.12.2012 | 19:54

@Nadine H.

"…wie man aus meiner Forderung nach einer KeinParteienZeitung eine Anklage machen kann ich wolle eine EinParteienZeitung ist mir hier wirklich zu anstrengend."

Das hat niemand gefordert.

"…aber genau diese Art von "Angriffen", die aus dem Unvermögen resultieren richtig zu lesen…"

Dann fang bitte bei dir an.

"…totaler Kindergarten."

Schöne Wendung. Ich liebe totale Kindertagesstätten.

Du wirst es nicht merken. Dein persönlich gemeinter Empörungsstil, der aus fast jedem deiner Worte herausquillt, ist es wohl, der die Resonanz auf deine Einlassungen nicht ganz so kuschelig ausfallen lässt, wie du dir von der Community erhoffst. Du müsstest aus deiner Haltung 'Ich und die Community' einfach eine Wendung vollziehen zu 'Die Community und ich'.

MopperKopp 21.12.2012 | 20:19

Kompliziert, Arbeit? 

Ich habe Bekannte, theoretische Physiker, Neurologen, Informatiker, denen ist wenig zu kompliziert und Geistiges wird eher als Spaß und Herausforderung denn als Arbeit empfunden. Auch diese Personen zucken vor bestimmten Texten zurück, vielleicht liegt es an der Sprache, diese linke Kryptologie erinnert an untergegangene Kulturen, an verschrobene Zeremonien ohne jeglichen Realitätsbezug, was allerdings weniger das Interesse eines Archäologen, Ethnologen, Anthropologen oder Historikers weckt, sondern wirklich ausschließlich in Arbeit mündet, staubtrockene Arbeit, sinnlos erscheinende Arbeit, denn wer glaubt noch an ein irgendwo verborgenes Erfolgsgeheimnis, zu ernüchternd ist die Wiklichkeit.

janto ban 21.12.2012 | 20:34

| wenn wir zu links-intellektuell sind, verstehen uns zu wenig Leute und zu viele halten uns für anstrengend. Wenn wir zu wenig links-intellektuell sind, brauchen uns die Leute nicht |

Hallo Herr Augstein,

mit der Kombination der Begriffe links und intellektuell habe ich so meine Probleme. Wenn ich mal versuche, mich in die Meckerer am Ort zu versetzen, die (natürlich) auch nach der etwas ausführlicheren Erklärung nicht verstehen, warum Sie diese schwierige Entscheidung getroffen haben/treffen mussten, kommt mir das Wörtchen intellektuell so komisch vor. Ich glaube, dass es denen eher darum geht, wöchentlich zu lesen, dass (z.B.) die Stütze-Sätze angehoben und die Banken endlich zerschlagen werden. Worüber man ja schreiben könnte. Um Kunst, Philosophie und historischen Krempel scheint es denen m.E. weniger zu gehen. Ich vermute das nur, aber so etwas sehen die vielleicht sogar als Versuch, vom Wesentlichen abzulenken.

Oder ganz anders: Die Neoliberalen haben immer so knackig-griffige Slogans, die jeder Esel versteht. "Sozial ist, was Arbeit schafft" zum Beispiel. Oder "Bevor etwas verteilt werden kann, muss es erwirtschaftet werden". Oder "Privat vor Staat". Oder oder.

Wir haben seit Kurzem "We are the 99 Percent". Mehr fällt mir spontan nicht ein. Liegt das am Thema oder sind Linke nicht in der Lage oder gar Willens, ihre Anliegen klar und inhaltsorientiert rüber zu bringen? Muss es immer gleich intellektuell sein? Der politische Gegner macht doch auch nicht aus jedem Propaganda-Artikel für die private Daseinsfürsorge ein Gesamtkunstwerk.

Auch, wenn ich ihn jedes Mal als Beispiel heranziehe, will ich es nochmal am Beispiel der Dell'schen Tatort-Rezension festmachen. Bei denen ist es mir egal, wie lesbar sie sind - und ob ich einen Satz zwei- oder dreimal lesen muss, bis ich ihn verstanden habe. So etwas muss aber in einem aktuellen Artikel über (z.B.) die Deutsche Bank nicht passieren, wie ich finde. Da sollte die kompositorische Kraft eher auf die Aussage/den Appell, als auf die Form gelegt werden. Bei so etwas darf wegen meiner ruhig in Form negierter Bildzeitungsartikel geschrieben werden.

Sie selbst haben ja mal gesagt, dass man jemanden, der zum Schluss eines Textes schreibt, dass auch alles ganz anders sein könnte, nicht lesen muss. Ich bin eigentlich ein Dialektik-Fan. Kommt aber auf das Thema an. Bei dem, was Sie mit links-intellektuell meinen könnten, habe ich ein bisschen Angst, weil es sich nach Relativierung/Konzession in der Sache anhört. Nach Texten für pensionierte Studienräte zur Tea-Time, statt für den Universal-Standard-Leser, der mit wachsendem Unmut auf sein Leben und seine Umwelt blickt.

Ich habe hier mal geschrieben, dass es uns noch viel zu gut geht. Aber ich habe meine Meinung geändert. Denn es geht nicht nur um die Höhe der Löhne, sondern um die Lebensqualität im Allgemeinen. Und die wird immer schlechter. Die Zukunftsaussichten stehen auf Sturm. Wer heute 35 (oder jünger) ist, sollte anfangen, sich Sorgen zu machen. Das darf man so platt ruhig sagen, finde ich. Schreiben auch. Das klingt zwar nicht gemütlich, aber... (s.o.)

Liebe Grüße

MopperKopp 21.12.2012 | 20:41

Ach so, der vielbeschworene Bauarbeiter, der mit der Bild unterm Arm aufs Klo geht (kann man ihn sich mit dem Freitag vorstellen? Einen weiter Vergleich der unterschiedlichen Lesertypen findet man hier...), der also eine Auszeit von der Arbeit nimmt, der steht symbolische für alle, die hart arbeiten und von der Lektüre ihrer Zeitung, auch und besonders in ihrer arbeitfreien Zeit, keine Verlängerung dieser Arbeit erwarten, sondern beispielsweise Spaß und geistige Anregung,  Lehrer, Beamte und Latte macchiato trinkende Prenzlauer Berg-Bewohner mal ausgenommen ;-)

Ludwig Hasselberg 21.12.2012 | 20:49

Aus Herrn Augsteins Kommentar werde ich nicht schlau...

Sehr beeindruckende Erfolge bei der Auflage und den Abos also. Der Herausgeber ist der meisteingeladene Journalist für "Politische Talkshows" 2012. Sein Blatt ist mittlerweile regelmäßig im Presseclub vertreten. Er selbst ist bei SPON und auf Phoenix vertreten, was der Bekanntheit nun sicher keinen Abbruch tut. Preise und Lob fürs Layout und die Onlinesparte.

Und in einem solchen Trend auf Köpfe verzichten??

Sicher, ich habe gestaunt über die genannte Zahl von 40 Leuten in der Redaktion. Die "Zeit" hat angeblich 100, bei einer Auflage von einer halben Million und mit einem Medienimperium im Rücken. Natürlich die Frage, ob die Zahlen - 40/100 - überhaupt vergleichbar sind. Aber dennoch... wie soll es gehen ohne möglichst viele kluge Köpfe?

Und sicher, den Reiz des alten Freitag haben für mich auch immer die Gastbeiträge ausgemacht. Und das muss ja beim neuen Freitag nicht anders sein, insofern kann natürlich Input von außen die Leistungsfähigkeit einer kleineren Redaktion immer verstärken. Aber dennoch... eine lockere Lose-Blatt-Sammlung, das kann doch keiner wollen.

Die "Zeit", das ist publizistisch betrachtet die einzige Konkurrenz zum Freitag. Von der müssten doch Leser/Abonnenten zu holen sein. Nur wie...

Die "Zeit" betrachtet sich selbst wohl als Wochenzeitung im klassischen Sinne. Klingt vielleicht banal, muss es aber nicht, wenn man sich nämlich fragt, ob Herr Augstein für den Freitag überhaupt noch das gleiche Selbstverständnis hat! "Straff-links", "Pluralität", "ideologisch", "zu links-intellektuell" und "anstrengend"... Was soll ich damit anfangen? Als Leser/Abonnent einer Wochenzeitung will ich eben diese einfach haben: ausführliche Vertiefung abseits tagesaktueller Berichterstattung, Darlegung von Zusammenhängen, Trends vorgreifen und erkenntnisfördernd zurückblicken und dergleichen mehr. Das mag manch einer als zu "anstrengend" und "intellektuell" empfinden, aber das macht eine Wochenzeitung aus oder sie ist es nicht Wert, gelesen zu werden - conditio sine qua non, Punkt. Ob das nun als "links" etikttiert wird oder nicht, ist dagegen fast unerheblich. Denn mit dem genauem Hinschauen einer Wochenzeitung, damit landet man ganz beiläufig (zwangsläufig?) bei linken Positionen.

Und wie will man Identitätsfindung per Marktforschung erreichen?

Das erschließt sich mir nicht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.12.2012 | 21:52

Bei aller berechtigten Kritik der MitforistInnen, hier führt JA durchaus berechtigte Argumente ins Feld: 

„Es ist ein schmaler Grat: wenn wir zu links-intellektuell sind, verstehen uns zu wenig Leute und zu viele halten uns für anstrengend. Wenn wir zu wenig links-intellektuell sind, brauchen uns die Leute nicht. Der richtige Weg liegt in der richtigen Identität. Zeitungen sind wie Menschen. Sie müssen sympathisch sein. Dann sind Abweichungen kein Ärgernis sondern interessant.“

 

Soweit ich sehe, ist „richtige Identität“ das Stichwort schlechthin, ich würde in diesem Zusammenhang aber nicht sagen

„Dies hier ist ein Abenteuer, das die Redaktion, der Verlag und die Leser gemeinsam erleben.“

denn es handelt sich wohl eher um eine Suchbewegung, oder?

 

Das hat naturgemäß Ähnlichkeit mit einem Eiertanz, aber mal ehrlich Leute – erleben wir den als links orientierte (um es mal vorsichtig und ergebnisoffen zu umschreiben) Leser – und SchreiberInnen im eigenen und wirklichen Leben nicht jeden Tag?

 

Im Beruf sowieso, da ist in neoliberalen Zeiten Maskerade Pflichtprogramm, aber man muss nicht allen sympathisch sein, wenn man nicht ganz unten in der Hierarchie steht und was gegen Schleimerei hat.

 

Wenn ich mich zu links-intellektuell ausdrücke, versteht mich meine eigene Frau – die nicht die politik & sozialwissenschaftliche Schulbank drückte wie ich – nur mit Mühe, also ersetze ich die Fachbegriffe und Fremdworte aus den jeweiligen Disziplinen durch gemeinverständliche, so daß sie meinen Gedankengang folgen und wir uns angeregt unterhalten können. Dabei lerne ich nebenbei, mir die ihr näher liegenden Begriffe und Beispiele anzueignen und gewinne dadurch an Verständlichkeit auch bei anderen Menschen. Dabei ist die Einflechtung von vertrauten Metaphern, Bildsequenzen, Vergleichen, Gleichnissen u.a.m. nicht nur hilfreich oder Stilmittel – es schafft Vertrauen – in eine Annäherung der Sprachebenen auf ein beiderseits begehbares Niveau.

Wenn ich mich dagegen beim gleichen Thema in Vereinfachungen und Flachheiten ergehe, verliere ich meine Glaubwürdigkeit und nicht nur meine Frau sehr schnell die Geduld – oberflächliches Gequatsche und einstudiertes Gebaren kann sie an jeder Discounter - Ladenkasse haben.

 

Ich würde also sagen, es geht nicht nur um Sympathie – denn deren Basis ist das Vertrauen darauf einander zu verstehen und dies mit jedem weiteren Treffen auszubauen.

Übertragen auf eine Wochenzeitung bedeutet das, daß eine für unterschiedliche Sprach – und Verständnisebenen aufbereitete Mischung in den Ressorts bereitgestellt werden müsste, die die anvisierten Zielgruppen anspricht und Schwellenängste ggü evtl. sehr anspruchsvollen theoretischen Beiträgen – die man ja in Schwerpunkt-Themen wie bei der letzten – dahingehend vorbildlichen – Ausgabe pointiert herausbringt.

Dazu muss aber die „Mischung“ im Redaktions-Team auch stimmen, denn die Team-Identität bestimmt bei einer kleinen Zeitung viel mehr als bei einer großen das Gesamtbild und damit das Ergebnis.

 Wer als Linker aber erwartet sich mit einer im Anspruch linken Wochenzeitung identifizieren zu können bzw. damit seine Distinktionsbedürfnisse befriedigen zu können, der übersieht, daß linke Identität hierzulande – selbstverschuldet wie weltgeschichtlich bedingt – in einer Krise und Lethargie steckt, die nicht durch rechthaberisches Anspruchsdenken zu überspielen ist.

Die ehemals Linke im Westen ist weitgehend grün, alternativ und linksliberal geworden – kurz etabliert und behäbig. Die Ost-Linke ist zahlenmäßig deutlich stärker und z.T. sehr traditionsgebunden – außerdem mit unwägbaren Stasi -u.a. Erblasten bzw. Zuschreibungen im Glaubwürdigkeitsdefizit, was sie – vor allem im Westen – nicht gerade sympathisch macht.

Der Freitag dagegen scheint mir als „Ost-West-Zeitung“ in gewisser Weise heimatlos und zieht nach meinem Eindruck freischwebende Intellektuelle wie sich„irgendwie-links“ verortende ZeitgenossInnen an. Das ist eigentlich eine ganz zugängliche Ebene, weswegen mich der Zuwachs der Auflage nicht wundert – das Potential liegt damit aber beim stetig wachsenden „intellektuellen bzw. akademisch vorgebildeten Prekariat“, das in anderen EU-Ländern derzeit arg gebeutelt wird und mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

 

Ich würde mir wünschen, wenn der Freitag diese stetig wachsende potentielle Leserschaft verstärkt ins Visier nimmt und deren finanzielle Ausstattung und Interessenlagen bei der Vermarktung bedenkt. Dabei denke ich vor allem an Berichte zur Selbstorganisation und über Netzwerke gegenseitiger Hilfe, wie sie erfreulicherweise in den sog. Krisenländern – angetrieben von den jungen Leuten – derzeit allerorten wie Pilze aus dem Boden schießen - die sind auch auf der Suche und deren Abenteuer sind sehr real...

Das ist oft zwar nur „irgendwie“ links, hat aber eine intellektuelles Fundament, auf dem sich aufbauen liesse.

 

Dystopisch inspirierter Fatalismus war gestern, heute sind wir schon in dem was morgen erst in der Zeitung steht.

 

I.d.S.

Ideefix

naturfreund 22.12.2012 | 07:52

Sympathisch, links- gehts nicht  ein bißchen differenzierter?

Für den "Freitag" gilt was für jede erfolgreiche Zeitung gleichermaßen gelten sollte: hierunter zählen, und die Mischung von all dem macht wohl das Gesicht, bzw. die Identität einer zeitung aus:  Wiedererkennungswert, Informationen liefern,  zur Aufklärung  beitragen, Aktualität, innovative Berichterstattung,  Themenführend, Hintergrundinformationen, kontroverse Auseinandersetzungen mit wichtigen Themen,  Meinungen, pointierte Artikel, Gastbeiträge, Würdigung von Argumenten, Orientierung an der Sache.

Die Begriffe links und rechts sollten durch nützlich, gemeinwohlfördernd, zusammenführend bzw.spaltend ersetzt werden.

Jedes Abo ist wie eine Wählerstimme, die man sich verdienen muß.

 

 

 

naturfreund 22.12.2012 | 07:52

Sympathisch, links- gehts nicht  ein bißchen differenzierter?

Für den "Freitag" gilt was für jede erfolgreiche Zeitung gleichermaßen gelten sollte: hierunter zählen, und die Mischung von all dem macht wohl das Gesicht, bzw. die Identität einer zeitung aus:  Wiedererkennungswert, Informationen liefern,  zur Aufklärung  beitragen, Aktualität, innovative Berichterstattung,  Themenführend, Hintergrundinformationen, kontroverse Auseinandersetzungen mit wichtigen Themen,  Meinungen, pointierte Artikel, Gastbeiträge, Würdigung von Argumenten, Orientierung an der Sache.

Die Begriffe links und rechts sollten durch nützlich, gemeinwohlfördernd, zusammenführend bzw.spaltend ersetzt werden.

Jedes Abo ist wie eine Wählerstimme, die man sich verdienen muß.

 

 

 

Georg von Grote 22.12.2012 | 09:20

Es dürfte wohl stimmen und letztlich wäre es ja auch ein völlig logischer Schritt im Rahmen des verkündeten Sparprogramms. Wenn da nicht ein Haken wäre.

Es geht doch ums einsparen auch von Gehältern. Nur dann frage ich mich - und jetzt bitte ich Herrn Grassmann und Frau Hensel wegzuhören, denn bei dem, was ich sage, geht es nicht um ihre Arbeit und Qualifikation - warum dann, wenn der Herausgeber sich schon selbst auf den Chefredakteurssessel setzt, noch zwei Stellvertreter benötigt werden, vor allem bei dieser überschaubaren Redaktion. Das bedeutet doch nur, gespart wird wieder unten.

Die andere Geschichte ist der online-Ausbau. Völlig logisch, dass da im Moment gespart wird, zumal hier so wirklich keiner eine Ahnung hat, was denn für die online Zukunft des Freitag seitens der Redaktion tatsächlich geplant ist, bzw war.

Solchen Gimmicks wie PN etc werden da nicht im Vordergrund stehen. Solche Spielereien sind auch unwesentlich. Dadurch werden weder die Blogs und Kommentare qualitativ besser, noch ändert sich dadurch das Verhalten des Einzelnen.

 

Abgesehen von der ersten Frage oben, bzgl 3 "Cheffes", würde mich schon interessieren, ob es nicht doch eher der online-Ausbau ist, der diese finanziellen Löcher reißt?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.12.2012 | 09:53

schließe mich an, der Schritt war folgerichtig. Wer sich im Print-Zeitungsmarkt umsieht, der muß feststellen, jedes Medium braucht heute ein Gesicht - Augstein bezeichnet das nicht zu unrecht als Teil der Marken-Identität mit der sich ein Produkt unter den anderen hervorhebt.

Von allen Beteiligten dürfte er den bekanntesten Namen und die höchste Medienpräsenz haben - dieser Schritt wird allseits beachtet werden und bringt "seine" Zeitung bei den anderen in die Schlagzeilen - inkl. "Überraschungs"-Effekt.

Er wird dazu in der nächsten Talk-Show antworten müssen und er wird das abgemilderte Sparprogramm sicher sympathisch und irgendwie links - d.h. mit Verweis auf die vermiedenen Härten für die Betroffenen - verkaufen.

Clever gemacht, kann man nicht anders sagen.

Ich erwarte davon tatsächlich eine kurzfristige Auflagensteigerung, ob die neue Marschrichtung unter seiner Ägide aber erfolgreich und nachhaltig sein wird bleibt abzuwarten. Jedenfalls spielt er auf der Medienklaviatur nunmehr auch das ein oder andere Soli - Leitartikel sind für Chefredakteure ja ein Muss, oder?

Bin gespannt.

Georg von Grote 22.12.2012 | 10:16

Es ist die logische Konsequenz. Der Freitag galt immer als "seine" Zeitung und jetzt hat sie ein Gesicht dazu.

Und die Schwierigkeiten sind ja oben schon angedeutet worden. Wie links kann ich mich darstellen, dass es der potentielle Leser akzeptiert und versteht. Diesen Spruch mit, das wird mir zu anstrengend zu lesen, den kenne ich schon lange,

Das mag auf uns nicht zutreffen, viele wollen mehr gefordert werden, aber der Leserdurchschnitt ist ein anderer. Die Kunst wird also sein, gute, meinetwegen auch linke Positionen so sprachlich zu verpacken, dass es der Leser nicht nur "gerne" liest, sondern bei ihm auch etwas hängen bleibt. Das ist das, was ich unter linkem "Boulevard" verstehe. Wenn ich am Leser vorbeischreibe, offline, wie online, dann springt der mir ab.

Und manche in der FC hier werden langsam akzeptieren müssen, dass der Freitag eben kein "linkes Kampfblatt" oder "Parteiorgan der LINKEN" sein will und sein wird.

So bitter die Entlassungen auch sind, vor allem für die, die es betrifft, so hoffnungsvoll macht mich der jetzige Schritt.

Bin eben doch ein hoffnungsloser Optimist.

Und auf Augsteins "Leitartikel-Soli" bin ich schon gespannt.

Ugonna 22.12.2012 | 11:44

Johannes Sevket Gözalan Schade das es keine andere Möglichkeit mehr gibt als zu sparen - man hatte sowieso nie den Eindruck, dass diese wunderbare, für mich wichtigste Zeitung in D, das Geld verfeuert hätte - im Gegenteil, jeder cent geht/ging in Qualität und nicht in Praktikantenartikel und Abendessen.... Gibt es keine Möglichkeit mehr (Genossenschaft gründen in der wir, jede soweit er kann, uns beteiligen können, die dann wiederum einen Anteil am Verlag halten könnte - oder einen Freundeskreis Freitag oder irgendwas?) ...... Die Qualität der Texte ist für mich der New Yorker Deutschlands und die einzige hörbare Stimme gegen die schlimmen Entwicklungen die uns alle langsam von innen aushöhlen und abstumpfen und jeden in den Egoismus treiben..

Ugonna 22.12.2012 | 11:52

@ v. Grotte:

Sorry, aber von was sprechen sie? Eine Zeitung, ein Medienunternehmen dieser Größe ("Kleine") braucht ein Gesicht, braucht Aktivitäten die Menschen binden! Und Herr Augstein macht das, obwohl er ihn bestimmt sich nicht auf Bühnen drängt - das kann man deutlich sehen - es ist nicht seins, aber er macht es trotzdem, da er es als Herausgeber muss! Ich kapier nicht, wie man bei der Ernsthaftigkeit des Themas Schadenfeude empfinden kann - so jedenfalls kommt es bei mir an.... Nicht jeder ARtikel ist perfekt oder zeitgemäß, aber die Summe ist bei weitem das beste und größte was es als Gegenstimme in Deutschland gibt - und es befeuert Menschen mit einem dritten Auge, das man dann der Mehrheit gegenüberstellen kann!

taptap 22.12.2012 | 12:11

"Und wir sind gezwungen, den Ausbau des Online-Auftritts langsamer anzugehen. Das Netz ist die Zukunft. Die Zeitung ist die Gegenwart."

Mit Verlaub Herr Augstein, aber das ist ein katastrophaler Trugschluss.

Wer unter 40 sitzt denn noch mit einer Zeitung z.B. in der Bahn? Genau - niemand. Aber viele haben Gadgets in der Hand und LESEN!

Ugonna 22.12.2012 | 12:38

@ v. Grote:

"Der Inhalt einer Zeitung muss nicht subventioniert werden  - es ist die Herstellung und der Vertrieb - und das Online Volumen ist zu klein um Redaktionsqualität ohne Subventionierung zu gewährleisten.."

und: "Und auf Augsteins "Leitartikel-Soli" bin ich schon gespannt."

Tut mir leid wenn ich sie missverstanden habe.... es war bei mir der letzte der Kommentare die unter den 70+ da oben sind die genau im  Tenor des "geschieht ihm recht" verfasst sind - und dabei denke ich nur, dass ein die Zeitung ein weiteres Ausdünnen nicht vertragen wird und die Spirale die nächste Stufe erreicht  - so lange, bis sogar ich mein Abo abbestellen muss. - und da muss und kann es andere wirtschaftliche Lösungen und Vorschläge geben als einen Leitartikel Soli vorzuschlagen - und "Chats" sind für Rechtschreibtypos bekannt - nun auch bei ihnen :-)

Ugonna 22.12.2012 | 13:11

@Jacob Augstein

es wird viele gute Ideen dieser Art geben "Prinzipiell hätte ich persönlich auch nichts gegen eine "Miete" für diejenigen Blogger, die bei der FC eigene Beiträge einstellen - immer mit Sozialregelungen immer Hinterkopf natürlich." und wenn man die Zeitung von Online her denkt = Online so viele Fans im Spektrum an sich bindet wie nur irgend möglich, dann ist ein Abostamm von 20.000 insgesamt evtl machbar - und die die Kündigen weil es zu anstrengend ist, sind nicht die die Geld beim Verlag lassen. Viele Artikel des Freitag kann man auch noch 3 Wochen später lesen - 

Es ist wohl Fakt, dass Online mehr Geld kostet als es dem Verlag heute bringt, das liegt aber nicht an den Möglichlkeiten des Onlinemarktes sondern der Darstellung, den technischen Finessen des Auftritts, der fehlenden Push-Funktionen, fehlende Verlinkungen, fehlendes Onlinemarketing und fehlende Mehrwertdienste - obwohl bekannt ist, dass Bezahl-Schranken zu keinen Umsätzen führt. Die Printausgabe wird und sollte dann nur noch ein Zusatzprodukt sein - und trägt somit auch nicht mehr die Hauptlast der Kosten der Gesamtstruktur und des Verlags. 

Der Freitag könnte doch zu einem Workshop einladen und andere Organisationen um Teilnahme bitten (Chaos Computer Club z.B.) - leider gibt es keine erfolgreichen Online-Publikationen die als Bsp gelten könnten - der Journalismus muss sich nicht neu erfinden -seine Präsentationsformen jedoch schon, genauso wie die der Autorenwelt.

Frohe Weihnachten allen!

Georg von Grote 22.12.2012 | 13:12

Sorry, ich habe wirklich keine Ahnung, was Sie alles in Kommentare hinein und herausinterpretieren. Versuchen Sie doch einfach nur einmal das zu lesen, was einer schreibt.

Ich habe weder etwas von Subventionen geschrieben und auch keine Lust mich im Moment zu diesem "Thema" zu äußern.

Noch habe ich den Schritt Augsteins in irgendeiner Weise kritisiert, sondern versteh ihn und halte ihn für einen Weg aus der Misere.

Okay. ich habe gefragt, warum die Spitze der Redaktionspyramide verstärkt wird und unten gekürzt, aber auch das kann gute Gründe haben.

Ich frage mich, was Sie wollen?

Und die "Soli" sind kein Vorschlag, sondern Leitartikel der Chefradekteure sind Usus und ich bin einfach gespannt auf den Stil und auf die Themen, die Augstein wählen wird. Mehr nicht.

Jetzt alles klar?

 

oi2503 22.12.2012 | 13:29

Nachdem nun der Weltuntergang erst einmal abgeblasen ist, lohnt es sich ja auch wieder sich mit einem – für mich – teilweise marginalen Thema wie dem Freitag zu beschäftigen. Einem marginalen Thema, das mir dennoch Herzensangelegenheit geworden ist. Über die Community. Den Print habe ich mir zwei- oder dreimal gekauft und wusste nicht so recht, was er mir sein können sollte. Der Eindruck war – soweit ich das erinnere, es ist schon eine Weile her: „Aha. Und das war es jetzt?“

Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Und auch dafür, dass Sie sich hier der Diskussion stellen. Nicht so stark, wie sich das sicher so manche/r wünscht, mich inbegriffen. Ich finde insgesamt jedoch, dass dies ein Schritt ist. Über meine Mutmaßungen zu dem Korsett, in dem sich ein so sensibler Vorgang wie betriebsbedingte Entlassungen und Verkleinerung des „Angebots“, Umstrukturierungen stattfindet, hatte ich an anderer Stelle ja schon geschrieben.

20.000 Abonnenten also bei entsprechenden Anzeigenerlösen. Und das soll  in mehreren Jahren erreicht werden. 16.000 Ende nächsten Jahres, 18.000 Ende 2013, 20.000 Ende 2014? Dazu sollte es doch ausreichend sein, wenn jeder überzeugte Abonnent einen anderen wirbt. Die Zahlen über Neuabos und Kündigungen werden Sie auch nicht mitteilen, würde ich auch nicht. Eine Frage dazu trotzdem noch. Wie groß ist denn der Anteil der Abonnenten, die Sie „übernommen“ haben heute noch, gibt es eine Verschiebung der Leserschaft, wohin?

Das inhaltliche Ziel haben Sie ja beschrieben: „öffnen, weicher werden, mehr Pluralität zulassen, weniger ideologisch (...), weniger rechthaberisch ...“. Ob man das nun (links-)intellektuell nennt oder links-liberal, ist, solange es an keine Parteienlinie gekoppelt ist, glaube ich, ziemlich gleichgültig. Eine Bezeichnung, eine knackige, treffende, packende, eine voller Herzblut im Sinne des Marketingsprech sollte es dennoch geben. Sie werden das wissen.

Als nächste Aktion werde ich nun gleich ein Abo des Freitag buchen, auch wenn die Zeitung ... s.o. und ich mich vor wenigen Monaten noch gegen ein seeeehr stark ermäßigtes Abos wehren konnte (der Preis war so absurd niedrig, das hätte mich damals schon stutzen machen sollen). Ich sehe das als praktische Solidarität.

Eine Bitte habe ich noch. Könnten Sie mir bitte auf Ihrer FB-Seite wieder das Kommentieren gestatten? Mein Zorn aus der Sommer-Zensur-Sperren-Zeit ist (weitgehend) vorbei, auch wenn ich Vieles von dem, was damals geschehen ist, nicht verstehe und auch nicht gutheißen kann und werde.

 

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.12.2012 | 14:12

eine Vermehrung der "Chefsessel" findet eigentlich nicht statt, Grassmann und Hensel werden sich die Vertretung sicher teilen, schon aus genderparitätischen Gründen, nehme ich an - und sind somit genötigt als Tandem bzw. Team anzutreten.

Ich rätsele nur, wer von beiden damit mehr gestraft ist...
;-)

Nunja, verwunderlich ist die Doppelbesetzung der 2ten Spitze nicht, das ist üblich wenn die Nr. 1 eine Doppelfunktion innehat, siehe Partei&Fraktionsvorstände.

Das kostet tendenziell nicht mehr als vorher, wenn der Vertretungsaufschlag je zur Hälfte gezahlt wird, was ich auch annehme - denn das ist bei Sparkursen so üblich.

Wenn, letzte Spekulation, es so war, erklärt diese Sparmaßnahme, die sich nach unten zu den Ressortchefs u.U. fortpflanzt, die Option statt 9 nur 7 Personale einzusparen.

Bitter ist das natürlich trotzdem, aber Augstein wird nicht so verrückt sein sich für seinen Posten gleich mal ne Gehaltserhöhung zu genehmigen - das wäre nicht nur unfein, sondern medialer Selbstmord, schätze ich.

Wie gesagt, spekulieren macht Spass, solange es folgenlos oder mit Gewinn zu betreiben ist. Die Info-Börse ist auch eine Art Wettbüro.

Übrigens fand ich die letzte "Nostalgie" Ausgabe recht gut.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.12.2012 | 14:26

naja, die Methode des "leaking" beherrscht Augstein, wie man sieht und miaaux schon geschrieben, auch ganz gut.

Das erscheint aber überlegter und planvoller als bei Assange, der sich ins Zentrum des Trubels als ein David der vom Goliath Verfolgter in Szene setzt und u.U. anders drauf wäre, wenn der Druck nicht so enorm wäre...

Augstein hat da viel weniger auszustehen, er hat nur teilweise sein Gesicht und evtl. einen Haufen Geld zu verlieren - wenn der Freitag dicht gemacht werden müsste.

Offenbar will er sich das nicht antun und zieht stattdessen die Notbremse und bringt die eigene Person zum Einsatz, vermutlich auch noch ein paar finanzielle Sicherheiten und natürlich seine Kontakte, die vermutlich mit Abstand besser sind als die der versammelten Redakteure.

Letzteres könnte in der Tat den Ausschlag geben für den künftigen Erfolg des Projekts, man sieht ja nicht nur im Salon, welche Prominenz und Aufmerksamkeit er durch die eigene Person anzieht.

Augstein hat sich ins Gespräch gebracht und da die Medien am Liebsten über sich schreiben und spekulieren, während das zahlende Publikum bei der Lektüre ungestraft seinen voyeristischen Bedarfen nachgehen kann, bestehen gute Chancen, denke ich...

Allem Anschein nach läuft der Hase so, wie er laufen soll - aber der Igel ist stets schon da. Jedenfalls versteh ich das Manöver bzw. die Spielregeln in diesem Business so.

Grüße 

Ideefix

 

Jakob Augstein 22.12.2012 | 19:29

Ja, schon richtig. Sie lesen ... Aber sie bezahlen nicht.

Sie werden eines Tages bezahlen. Da bin ich sicher. Aber dann sind wir tot. Das nützt uns nichts. Und wir werden nicht diejenigen sein, die ihnen das zahlen beibringen werden. Das wird Springer machen. Oder der Spiegel. Also die großen Player. Fragen Sie mal bei der taz nach, wieviel Geld dort die solidarischen Leser über Online hinterlassen. Das sind keine Summen um nach Hause zu telephonieren, wie man in Hamburg sagt ... Die Wahrheit ist: es gibt immer fünf nette Leute, die sagen, ich bin bereit im Netz zu zahlen. Und von denen tun es vielleciht zwei sogar wirklich. Aber der ganze Rest zahlt eben nicht. So eine Zeitung ist dagegen aus wirtschaftlicher Sicht eine reelle Sache ...

Das heisst nicht, dass das Netz unwichtig ist. Im Gegenteil. Das Netz muss die Zeitungsleser von morgen werben. Und es muss die Kommunikationsplattform werden, auf der über die Inhalte aus der Zeitung debattiert wird. Aber die Inhalte - die müssen entweder raus aus dem Netz, oder als ePaper bezahlt werden.

Sorry. Aber Kostenlos-Kultur war gestern.

MopperKopp 22.12.2012 | 19:48

Kostenlos-Kultur war gestern?

 

1. Beleget den Fuß
Mit Banden und mit Ketten
Daß von Verdruß
Er sich kann nicht retten,
So wirken die Sinnen,
Die dennoch durchdringen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

2. Die Gedanken sind frei
Wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
Wie nächtliche Schatten;
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Kerker verschließen
Wer weiß, was es sei?
Die Gedanken sind frei.

3. Ich werde gewiß
Mich niemals beschweren,
Will man mir bald dies,
Bald jenes verwehren;
Ich kann ja im Herzen
Stets lachen und scherzen;
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

4. Ich denk was ich will
und was mich erquicket,
Und das in der Still
Und wenn es sich schicket;
Mein Wunsch und Begehren
Kann Niemand mir wehren;
Wer weiß was es sei?
Die Gedanken sind frei.

5. Wird gleich dem Gesicht
Das Sehen versaget,
So werd ich doch nicht
Von Sorgen geplaget.
Ich kann ja gedenken,
Was soll ich mich kränken?
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

6. Ja fesselt man mich
Im finsteren Kerker,
So sind doch das nur
Vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.

Georg von Grote 22.12.2012 | 19:58

Aber die Inhalte - die müssen entweder raus aus dem Netz, oder als ePaper bezahlt werden.

 

Lieber Herr Augstein, warum kommt diese Erkenntnis so spät? Genau das wurde doch schon Anfang 2000, im Prinzip seit Beginn der Medienonlineauftritte von Insidern immer wieder gefordert und es wurde auch immer wieder vor den Folgen gewarnt, wenn man dieser Forderung nicht nachkommt. Das Ergbnis sehen wir ja nun überall, nicht nur in Deutschland. Im Prinzip fast 10 verschenkte Jahre und einige Zeitungsleichen, die sich nicht mehr wiederbeleben lassen werden.

Aber daswar gestern, für das Morgen drücke ich Ihnen und der Crew die Daumen.

der-Splitter-im-Auge 22.12.2012 | 22:14

Wenn man sich die Verteilung der  Kommentare anschaut, fällt signifikant auf, dass die allermeisten Kommentare, auf die von Community-Mitgliedern (Foristen) leistungslos (im monetären Sinn) erstellten Beiträge abgegeben werden und nicht auf die online verfügbaren Artikel. Ich vermute, dass sich dies auch so mit der Anzahl der  Clicks verhält, die ja für die Werbewirtschaft zu den relevanten Measurements gehört. Diskussionen zu Artikeln, die ausschließlich in der Printausgabe veröffentlicht  werden, finden online praktisch gar nicht statt. Die Schnittmenge von Foristen und Abonnementen dürfte daher sehr klein ausfallen.

Um nun Foristen zu Abonnementen zu machen, sollen keine Artikel mehr online veröffentlicht werden, bzw. nur gegen Bezahlung als ePaper zu erhalten sein, damit zukünftig über die Artikel online diskutiert werden kann, über die aber de Facto eigentlich niemand online diskutiert, obwohl diese zur Zeit sogar frei verfügbar sind.  Die Logik verstehe ich nicht. Oder habe ich da jetzt was falsch verstanden?

Lapis 22.12.2012 | 22:48

>>Das Netz muss die Zeitungsleser von morgen werben. Und es muss die Kommunikationsplattform werden, auf der über die Inhalte aus der Zeitung debattiert wird. Aber die Inhalte - die müssen entweder raus aus dem Netz, oder als ePaper bezahlt werden.

Sorry. Aber Kostenlos-Kultur war gestern.<<

 

Was für eine überhebliche Fehleinschätzung. Das Intenet nur noch als Kommentarbereich für den gebührenpflichtigen sog. "Qualitätsjournalismus"? Der bei Ihnen jetzt sogar noch "weicher" werden soll, um den potenziellen zahlenden Leser bloß nicht zu überfordern? Sehr witzig!

Wenn ich beim Freitag vorbeischaue, kann ich schon jetzt fast nur noch im 'Community'- Bereich interessante Beiträge finden.

naturfreund 23.12.2012 | 09:11

Sie werden eines Tages bezahlen. Da bin ich sicher.

Die spannende Frage wird dann sein, für was gezahlt werden soll?

Und wer soll zahlen? Sprich, wer findet "der Freitag"so spannend und interessant, dass er bereit wäre dafür Geld herzugeben. Also, die Frage nach der Zielgruppe und deren Informations-,+ Meinungsgewinnungsvorlieben und Gewohnheiten gilt es herauszu finden und zu bedienen. Markenkern oder Kernkompetenz müssen unbedingt mit dem Ziel verbunden werden die Zeitung auf Dauer  am Leben zu erhalten. Wie das geschieht ist eine Marketing und Innovationsfrage, die sich letztlich am Zeitungs-,+Informationsmarkt entscheidet, gleichsam dem grünen Rasen beim Fußballspiel. Um in dem Bild zu bleiben ist eine fette, gut erreichbare Wiese verlockender als eine abgelegene dürre Weide.

Und,um am Ende noch einen Spruch zu bemühen: man muß natürlich erst säen, bevor man ernten kann. In diesem Fall kommt es auf die Saatmischung ganz besonders an. Um Artenvielfalt zu erreichen, dürfen nicht wenige Arten (Themen, Meinungen) so stark dominieren, dass sie andere verdrängen und vom Standort 8Zeitung)verschwinden lassen.

 

 

 

 

Ugonna 23.12.2012 | 10:59

@v. Gote

 

Ok - Freundlichkeit ist nicht ihre Stärke und Respekt schon mal gar nicht - egal: was sie so alles von sich geben, und ob sie nun JA Recht geben oder nicht kaschiert das auch nicht mehr - und es geht nicht, Bezahlinhalte im Netz nur dann, wenn es entweder hohe psychologische oder faktische Bedürfnisse der "User" befriedigt und sie es aus dem einen oder anderen Grund brauchen. Politische Willensbildung und Kommentare lesen, Informationen von allgemeinem Interesse gehören nunmal nicht dazu - auch wenn man sich das manchmal gerne wünschen würde. Ich bin übrigens ein  Anhänger dieser direkt zugänglichen Art der Informationskultur - und das hat nichts, aber überhaupt nichts mit Gratiskultur zu tun.

Das Netz und der Verkauf von erstmal austauschbarer Information benötigt eine ähnliche Revolution in der Präsentation gegenüber den Usern (Konsumenten) wie sie sich im Zugangsmedium selbst gezeigt hat - es gibt Industrien und Segmente die die Richtung im Ansatz bereits zeigen - und YouTube ist schafft den eigentlichen Wettbewerb gegenüber den Print-/Informationsmedien. Dem muss man sich stellen und das verrückte ist: es würde sogar Spaß machen, genauso wie ein Skifahrer der mal aufs Snowboard steigt und neue Dinge mit der gleichen Materie erlebt: Schnee.

So,und ab jetzt geb ich den Versuch auf, ihnen zu antworten und eine qualitativ nützliche Diskussion zu führen - es wir langweilig für alle, sie und mich eingeschlossen.

Georg von Grote 23.12.2012 | 11:28

Also, wenn Sie jeden, der nicht Ihrer Meinung ist. als unhöflich bezeichnen, dann will ich Sie daran nicht hindern.

Nichts gegen Ihren Wunsch nach nicht gebührenpflichtigen Content im Internet, aber der Freitag ist kein öffentliches Institut für politische Bildung, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Da hängen Arbeitsplätze dran, also muss es Gewinn machen um die zu erhalten und ganz im Ernst, keiner macht eine Zeitung auf + - null Basis, sondern will auch was daran verdienen.

Insoweit gehört der Print-Content nicht ins netz und wenn, dann nur gegen cash. Insoweit ist die online-Seite tatsächlich dazu da, neue Interessenten und Abonennten anzulocken. Das ist ihre primäre Aufgabe und nicht einen vom Freitag bezahlten Spielplatz für Frustblogger zu installieren.

Und diese Voschläge wie, die Kommentare bezahlen zu lassen oder den Platz für einen Blog zu mieten sind vielleicht nett gemeint, aber Quatsch. Würde das eingeführt, wäre die FC in nullkommanix mausetot. Für so etwas zahlt keiner.

Sie mögen da anderer Meinung sein, aber der Freitag kann sich keine kostspieligen und schon absehbar sinnlose Spielereien leisten, egal wo ob im Schnee oder im www.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 11:35

Letzte Meldung dazu und überhaupt:

An der Idee für Online-Inhalte zu bezahlen ist nichts Falsches. Man könnte ja simpel die community - contents kostenlos und die redaktionellen gegen cash beziehen oder z.B. nur den Print-Abonnenten die Option eines eigenen Blogs einräumen o.Ä.

Inzwischen sind ja diverse Arten sicherer Zahlung möglich, in Kombination mit Print - oder E-Abo am Einfachsten zu realisieren.

Es ist aber auch ne netzpolitische Frage, wie weit man da gehen bzw. mitgehen will, denn

die meißten Provider/Webhoster verwenden open-source-software wie apache, mysql usw -  und sogar die Mehrzahl der kommerziellen Anbieter benutzen wie die privaten Blogger open-source content-management-systeme oder solche die darauf aufsetzen.

Die Netzinfrastruktur ist ohne open-source nicht denkbar noch funktionsfähig - das vergessen die die kostenpflichtige Inhalte ins Netz stellen allerdings sehr gern bzw. blenden diesen Grundgedanken der Netz"Allmende" aus sehr eigennützigen Gründen aus.

Nun aber Schluß, ich gehe solche Denkungsarten nicht mit.

Ugonna 23.12.2012 | 12:10

@ von Grotte

.. tja, aus ihnen spricht guter Wille aber kein Wissen und Bauchgefühl basierend auf traditionellen Gerichten, aber nicht auf Fakten wie Ökonomie im Netz mit Inhalten funktioniert - und mit der Einstellung, womit sie ja nicht alleine sind, dreht sich die Spirale nur weiter nach Süden oder die Freiheit der Menschen wird weiter eingeschränkt - beides wird nicht zu mehr Umsatz führen - und der Freitag ist ein Wirtschaftsunterhmen mit einer Aufgabe, kein Waschmittelhersteller

wahr 23.12.2012 | 13:13

Das Problem ist für uns übrigens nicht, neue Abonnenten zu finden. Das funktioniert erstaunlich gut. Das Problem ist, sie zu halten.

Wir haben unsere Kündiger gefragt, warum sie nicht bei uns bleiben. Und die Antwort war: ihr seid zu kompliziert, den Freitag zu lesen, bedeutet "Arbeit" ...


ich weiß gar nicht, ob ich wirklich gefragt worden bin, warum ich das abo gekündigt habe. an der komplexität des FREITAG hat's jedenfalls nicht gelegen. eher an dem mangelnden charakteristischen fingerabdruck. ich las viele texte von gastautoren, die viel wussten in ihrem (spezial-)gebiet, aber eben nicht in der lage waren, gute lesbare, auch unterhaltsame  texte zu schreiben. in der ausgabe eine woche später waren sie schon nicht mehr da, dafür andere gastautoren, die viel wussten, aber ...

wenn ich es mir recht überlege, ist es vielleicht genau das, was andere kündiger mit "kompliziert" meinten.

ich empfand den FREITAG in meiner abo-zeit (ca. 1/4-jahr, um 2011 rum) als beliebig und arm an eigener handschrift. vielleicht bin ich doch eher der typ, der gerne eine relativ fest umrissende redaktionsmannschaft inklusive eines stamms freier autoren schätzt, die nicht nur über spezialwissen verfügt, sondern die sich themen journalistisch erarbeitet und die einen eigenen schreibstil locker pflegt – und entsprechend auch die texte von gastautoren in diese richtung bringt. das finde ich z.b. eher in der SZ als im FREITAG. aber die SZ hat sicher mehr möglichkeiten, was manpower und geld angeht.

natürlich lese ich auch immer mal wieder sehr gute texte im FREITAG, z.b. das interview mit tocotronic, der auch einen subtilen humor ausstrahlt, was ich sehr schätze. überhaupt ist der herr angele ein guter, unterhaltsamer schreiber. oder der text über clara drechsler, der mir auch sehr gut gefiel.

taptap 23.12.2012 | 13:40

@J. Augstein: Danke für Ihre Replik.

Mir geht es nicht um einen kostenlosen Freitag im Netz - ganz im Gegenteil. Ich wundere mich, dass viele Zeitungen noch keine Bezahlschranken für ihre Webseiten eingeführt haben oder kostenpflichtige iPad/E-Reader Ausgaben bereit stellen.

Die Veränderung im Medienkonsum und die Zahl der online Leser (vermutlich mehr als Abonnenten/Käufer?) macht das aus meiner Sicht zu einer logischen Entscheidung.

Offensichtlich herrscht auch beim Freitag eine Angst davor diesen Schritt zu gehen. Warum ist mir unklar (zu teuer,  zu viel Aufwand, keine erfolgreichen Beispiele vorhanden?).

Wenn das Geld bisher sowieso mit der Print Ausgabe gemacht wird, könnte man doch eigentlich mit der Webseite experimentieren und testweise eine Bezahlversion starten. Und damit meine ich nicht das Freiwilligen Modell der TAZ, sondern eher das der New York Times.

 

pleifel 23.12.2012 | 17:58

Zuerst der Blog: Wir müssen sparen" vom 12.12 nur mit einem Link zur TAZ und nun ausführlicher vom 20.12. mit ein paar konkreteren Informationen. So, als ob man sich in einem Entwicklungsprozess befindet, der nach und nach der FC kundgetan wird.
Die Info eines Bloggers auf die Welt: "Jakob Augstein wird Chefredakteur des Freitag", erfahren wir auch nicht von ihm. Dabei ist das durchaus von Relevanz, zum einen, weil wir es wieder aus einer anderen Zeitung erfahren, zum anderen, dass es hier so problemlos oder als notwendige , bzw. richtige Maßnahme gesehen wird.
Soweit mir bekannt, hat der Freitag (analog der TAZ) kein Redaktionsstatut. Was und wie ein Festangestellter oder Freier seinen Beitrag formuliert, wie es zur Auswahl und Methodik der Bearbeitung von Themen kommt, ist mir zumindest nicht bekannt.
Wie groß ist das Spektrum des "Kreises der Beliebigkeit" von Inhalten dann, wenn ich keinen Fokus, keine gemeinsamen Wertvorstellungen, keine gemeinsam verstandene Basis habe, die darauf abzielt, gesellschaftliche Misstände, soziale Ungerechtigkeit, usw. aus einem gemeinsam verstandenen Blickwinkel zu bearbeiten?
Ich lese den Freitag (zur Zeit als Käufer, da Abo abbestellt) sicher nicht deshalb, weil ich von dem Blatt kurze, bildbetonte Artikel lesen möchte. In der Wochenzeitung möchte ich gerade längere Hintergrundartikel lesen, die eben nicht so eben auf die schnelle gelesen werden können. Dafür gibt es andere Blätter.
Übrigens bin ich nach Kündigung von einem Werber angerufen worden, mit dem ich sehr gut über die Gründe meiner Kündigung diskutieren konnte. Ich nenne nur ein Stichwort: Augstein und Blome.
Wie hier richtig angemerkt wurde, ist Augstein in den Medien sehr häufig zu sehen. Da mag es doch verwunderlich erscheinen, warum dann seine "Popularität" nicht mit der Zeitung Freitag in Verbindung gebracht wird. Muss ich daraus schließen, dass der Markeninhalt von JA nicht richtig ankommt oder gar nicht für gut befunden wird?

Mir erscheint das Potential vom Freitag nicht ausgeschöpft. Ich muss den Kopf schütteln, wenn ich zitiere: "..dass eine straff-linke Zeitung niemals auf einen grünen Zweig kommen wird (wirtschaftlich betrachtet).." Alternative: weicher werden, geschmeidiger werden = beliebiger werden!
Unsere Gesellschaft fliegt langsam auseinander. Selbst die "Mitte" kapiert es langsam. Und da ist kein Potential für "stramme Linkspositionen?". Da sind wir wieder beim Punkt, was verstehen wir darunter, jedenfalls keine weichgespülte Beliebigkeit. So hat es JA natürlich nicht gemeint.

Wer könnte Zielgruppe vom Freitag sein?
1. alle Gewerkschaftsmitglieder
2. die meisten Rentner
3. gesellschaftskritische Menschen, die z.B. aus dem Umfeld der FR kommen könnten
4. Alle Arbeitslosen, die einen günstigen Tarif als Onlinezugriff bekommen könnten
5. Studenten und Gymnasiasten
6. Soldaten, die glauben D. muss am Hindukusch verteidigt werden

Vielleicht mal als Beilage in großen Zeitungen oder mit Aktionen in Business- bzw. Charterfliegern (Urlauber).

Der Freitag braucht ein klares Profil was Pluralität in der Sache zulässt, aber ein gemeinsames Verständnis für die gerechtere, soziale, demokratische Gesellschaft voraussetzt. Auf Dauer wir sich Qualität gegen "Mainstream" durchsetzen. Und natürlich will ich auch einen bezahlten Freitagonline. Als Abonnent mit einem kleinen Zusatzbeitrag, dies wäre für mich ok.



 

Georg von Grote 23.12.2012 | 18:50

Lieber Jakob Augstein,
ich hoffe, Sie können einmal über Ihren Schatten springen und das Vergangene, wie ich auch, zu den Akten legen.

In Sachen Freitag Print müssen Sie und Ihre Crew am Hegelplatz die entsprechenden Konzepte entwickeln. Da hineinzureden steht uns Außenstehenden nicht zu. Und ich sagte ja schon, dass ich den Weg, den Print-Content aus dem Netz zu nehmen und wenn, dann online nur als ePaper oder vielleicht auch zusätzlichlich einzelne Artikel per pay to view anzubieten als den richtigen betrachte.
Aber das ist Ihre Aufgabe.

Was mich aber in diesem Zusammenhang interessiert, ist die Zukunft des online-Freitag, sprich auch der community.
Vielleicht presche ich schon wieder vor, dann stoppen Sie mich bitte und wir vertagen das, bis es soweit ist, aber die Frage für mich steht schon im Raum, wie die FC bei diesem Kurswechsel konstruktiv mitwirken kann.
Sie rissen in Ihren Ausführungen kurz an, dass Sie sich vorstellen, dass in der community dann die Printartikel lebendig diskutiert werden und dadurch bei Neukunden das Interesse geweckt werden kann und so neue Abos abgeschlossen werden.

Ich hege da gewisse Zweifel. Denn wie sollen diese Diskussionen in Gang kommen? Ich liege, glaube ich, nicht falsch, wenn ich behaupte, dass die Schnittmenge zwischen Abonnenten und FC-Mitgliedern ziemlich klein ist. Wie soll dann über etwas diskutiert werden, was die meisten gar nicht kennen?
Und da steckt nicht nicht einmal böser Wille oder Geiz dahinter, ich fürchte, die meisten hier können sich einen Blick in den Print-Freitag gar nicht leisten, auch wenn Sie wollten. Auch bei reduzierten Abos ist das bei 374 Euro, oder im neuen Jahr 384 einfach nicht drin. Auch nicht mit reduzierten Angeboten.

Was halten Sie davon, wenn sich die FC ein wenig mehr strukturiert? Eigene Themen und Themenbereiche, vielleicht auch begleitend zu den Hauptthemen im Print entwickelt und publiziert. Und zwar unter einem eigenen Stichwort. Wer weiter frei Schnauze bloggen möchte, solle es machen.
Die Idee mit den Freitagsgesprächen zum Beispiel sollte unter keinen Umständen wieder im Sande verlaufen, denn es ist eine richtig gute Idee.
Aber es gibt da auch noch andere.

Mit Sicherheit macht da nur ein kleiner Teil der FC mit, aber warum es nicht probieren. Es kann doch nichts passieren und Geld kostete es auch nicht, oder nur ganz wenig. Letztlich können nur wir dabei scheitern.

Ich fände es wichtig, dazu einmal Ihre Meinung zu hören, denn ich finde es schon wichtig, ob es sich lohnt, diesen Gedanken weiter zu spinnen.

Ansonsten Ihnen und Ihrer Familie ein hoffentlich ruhiges und stressfreies Fest

Georg von Grote

Achtermann 23.12.2012 | 19:00

"Die Info eines Bloggers auf die Welt: "Jakob Augstein wird Chefredakteur des Freitag", erfahren wir auch nicht von ihm."

Das ist ein wichtiger Punkt, den du hier ansprichst. Den Kunden, also den Abonnenten und Lesern des Produktes "Freitag", wurde von der Unternehmensleitung kein Vertrauen entgegengebracht. Statt die wirtschaftliche Lage offen zu kommunizieren und die evtl. notwendigen wirtschaftlichen Konsequenzen transparent zu machen, reagierte der Chef erst auf Hinweise in anderen Medien. Üblicherweise ist bei derartigen Nachrichten Spiegel-Online vornedran. Doch hier herrscht wg. der persönlichen Verflechtung Schweigen. Auf den Springer-Verlag muss man sich in diesem Fall stützen. Als Abonnent fühle ich mich da nicht ernst genommen.

mymind 23.12.2012 | 20:03

Statt die wirtschaftliche Lage offen zu kommunizieren und die evtl. notwendigen wirtschaftlichen Konsequenzen transparent zu machen, reagierte der Chef erst auf Hinweise in anderen Medien.Als Abonnent fühle ich mich da nicht ernst genommen.

Manch ein Realitätssinn lässt Fragen stellen:

Wer kommuniziert schon über seine wirtschaftliche Situation, vor allem wenn sie beengt ist? Tun Sie das?

Woher wissen Sie, was intern kommuniziert wurde? Irgendetwas muss ja kommuniziert worden sein, weil irgendjemand die TAZ  informiert hat, was zumindest nicht abgesprochen gewesen zu sein scheint. Ohne entsprechende Interna über Kündigungsverhalten & jeweilige Betroffene zu haben, finde ich, wenn es einer der Gekündigten überhaupt war,  so ein Verhalten auch merkwürdig, aber es passt in die Zeit… Es fühlt sich überhaupt nicht gut an, gekündigt zu werden, nicht nur kurz vor Weihnachten & Neujahr, aber was verspreche ich mir davon ggf. auch weitere Stellen zu gefährden?

Können Sie sich vorstellen, dass ein ´transparentes´ Outing ggf. geschäftsschädigend sein kann?

Wo ist das Problem,  das Sondieren der weiteren Maßnahmen abzuwarten? Oder sollen diese nach dem Vorbild der Kollektivkritik ´öffentlich´ besprochen werden?

Wieso fühlen Sie sich als Abonnent nicht ernstgenommen? Inwiefern betrifft sie das persönlich? Sollte Jakob Augstein einen persönlichen Rundbrief, der auch etwas kostet, an die Abonnenten verschicken, dessen Inhalt dann einen Tag später auch in der Presse gelandet wäre. Also bitte, etwas mehr Abstand, auch für DF-Vollblüter, ist nicht verkehrt.

pleifel 23.12.2012 | 20:20

JA ist eine Person, die man als Person des öffentlichen Lebens bezeichnen kann. Er ist Inhaber des Freitag und insoweit hat er damit alle Möglichkeiten, wie er mit der Zeitung verfahren will.

Wenn ich aus einer ökonomischen Entwicklung heraus Veränderungen plane, hier Personalabbau, dann ist das sehr wohl von öffentlichem Interesse.
Mit anderen Worten: sobald man sich einen Plan zur Umsetzung überlegt hat, bringt man das in "seinen Mitarbeiterkreis", sprich "Betriebsversammlung" und schaltet parallel die Infos für die Öffentlichkeit, sprich die Leserschaft im eigenen Blatt.

Sollten die Planungen noch nicht konkret gewesen sein und/ oder mit den Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet werden, auch dann gibt es etwas aktiv zu berichten. Alles andere ist für mich unprofessionell!

Achtermann 23.12.2012 | 20:48

"Wer kommuniziert schon über seine wirtschaftliche Situation, vor allem wenn sie beengt ist? Tun Sie das?"

Da würde ich schon unterscheiden wollen zwischen privat und geschäftlich. Eine AG beispielsweise hat auch ihren Geschäftsbericht vorzulegen und den Aktionären ihr Geschäftsgebaren zu begründen. Nun, ein Kunde ist kein Aktionär. Auch wenn es mal hieß, der Kunde sei König. Doch so hoch will ich gar nicht aufsteigen. Wenn ich aber nur auf die fürs Abo abgedrückte Kohle reduziert werde, ja, dann fühle ich mich als Leser - ich wiederhole - nicht ernst genommen.

mymind 23.12.2012 | 21:31

Das sehe ich etwas anders:

Wenn es um Entscheidungen geht, die Mitarbeiter aber auch wirtschaftliche Komponenten geht, dann ist es egal wie öffentlich die Person ist, ob als Inhaber, Chef oder Auftragnehmer, z.B. bez. Werbung.

Auch eine öffentlich bekannte Person, die als Unternehmer auftritt, darf das Recht haben Umstrukturierungen, oder wie auch immer die Maßnahmen bezeichnen werden, im inneren Zirkel darzulegen, zu erörtern, zu entscheiden wie es weitergeht & erst dann die Leser u. a.  Öffentlichkeit zu unterrichten. So wie ich es verstanden habe, waren diese einzelnen Schritte nicht gänzlich abgeschlossen, wenn ich mich irren sollte, bitte um Korrektur!

Davor in die Öffentlichkeit zu gehen, kann äußerst unproduktiv sein. Was ich immer noch nicht nachvollziehen kann, ist was daran unprofessionell ist. Wie leben in keine FFF-Welt, in der es dann heißt: Ach dem Freitag geht’s nicht so gut, da müssen wir doch schauen wie wir helfen können. Nicht nur im Zeitungsgenre gibt es jede Menge Häme & abgefucktes Verhalten der Konkurrenz, die Situation aufschaukelnd zu pushen…

Georg von Grote 23.12.2012 | 21:59

Ich vermute, manche überschätzen ihre Position, die sie als Leser und Blogger hier haben. Ich wüßte nicht, dass es usus wäre, dass das, was bei einer internen Betriebsversammlung besprochen wurde, am nächsten Tag brettlbreit publiziert werden muss. Zumal im konkreten Fall wohl erst nur eine Ankündigung dessen erfolgt ist, was auf die Belegschaft zukommt.

Ich will auch gar nicht darüber schwadronnieren, ob das nun mit der taz, bzw, eine Indiskretion war, oder bewußt lanciert. Es ist auch egal.

Anhand des ersten Blogs Augsteins vermute ich aber eher ersteres.

Der Leser jedenfalls hat natürlich irgendwann einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie es weitergeht und welche Positionen neu oder umbesetzt werden. Aber bitte doch erst dann, wenn alles in Tüchern ist und man ein Ergebnis präsentieren kann.

Den Käufer von Opel geht es vorerst auch nichts an, welches Werk geschlossen wird, solange sein Produkt einwandfrei und termingerecht geliefert wird.

pleifel 23.12.2012 | 22:59

JA ist ein Medienprofi. Darüber hinaus ist der Freitag irgendwie eine linke Wocheneitung. Aus diesem Zusammenhang heraus hätte ich eine proaktive Kommunikation erwartet, die zumindest die Abonnenten mit der schwierigen Situation vertraut gemacht hätte. Und natürlich im Onlinemedium. Warum müssen andere Medien in der Sache voraus sein?
Wenn es mir darum ginge, den Freitag "herunterzuziehen", würde ich anders schreiben. Der Freitag ist zwar kein führendes Blatt, aber mit Augstein verknüpft doch immerhin von Medieninteresse. Mir liegt etwas am Freitag!

Andererseits, wenn meine Überlegungen als Eigentümer hinsichtlich meiner Zeitung noch nicht spruchreif wären, ja, dann gehören sie eben noch nicht auf den Tisch. Mir ist auch nicht bekannt, ob es beim Freitag überhaupt einen Betriebsrat gibt? (vielleicht wurde es woanders erwähnt). Haben die Mitarbeiter/ Redakteure überhaupt die Möglichkeit, in der Sache eigene Vorschläge zu machen, um Entlassungen vorzubeugen usw.?

Natürlich kann man immer sagen, das geht uns nichts an. Alles Internas, alles Eigentümerrecht. JA macht das nach seinem Gusto. Aber dann sollte man den Freitag nicht mehr als linke Zeitung ansehen.

Georg von Grote 23.12.2012 | 23:23

Sie sollten vielleicht einmal Ihr "links" noch mal überprüfen und möglicherweise neu definieren.

Wir leben nicht mehr in Zeiten von Kolchosen, LPGs, Kombinaten und Brigaden und was es da sonst noch alles gab. Letztlich hatten die auch nix zu entscheiden, sondern das kam von oben.

Der Freitag ist ein modernes Wirtschaftsunternehmen und keine Schülerzeitung. Sie sollten vielleicht auch einmal darüber nachdenken, wer beim Freitag die Verantwortung trägt. Sie und die anderen Abonnenten jedenfalls nicht. Und interne Mitarbeiterumstrukturierungen debattiert man nicht öffentlich, schon gar nicht mit Leuten, die über die genauen Verhältnisse gar nicht Bescheid wissen.

Und wenn Sie Anstoß daran nehmen, dass etwas durchgesickert ist, dann fragen Sie bei taz und Welt nach, wer sie informiert hat. Die werden Ihnen allerdings was husten.

pleifel 24.12.2012 | 00:39

JA: "..Das ist für einen kleinen Verlag einer linken Wochenzeitung eine große Leistung.."

"..hatten die auch nix zu entscheiden, sondern das kam von oben."

Also egal wie man das Etikett aufklebt, der Inhalt bleibt der gleiche..
Was heißt hier interne Mitarbeiterumstrukturierungen? Von einer linken Zeitung erwarte ich Transparenz. Soll die deshalb nicht gelten, weil der Freitag ein "Privatprojekt" ist?
Ich nehme keinen Anstoß daran, das etwas durchgesickert ist, im Gegenteil! Diese "privatkapitalistische Geheimnistuerei" passt mir eben nicht.
Sollte es uns nicht vielmehr stören, warum Sie/ man so wenig über die internen Arbeitsbedingungen beim Freitag weiß (gibt es einen BR/ fehlendes Statut/ Beschlussfassungen usw.)? Ich lege an den Freitag, respektive JA einen anderen Maßstab an, als z.B. an den Springer Verlag. Aber ausgerechnet der hat Grundsätze und Leitlinien für die Redakteure, die man öffentlich nachlesen kann.
Wie kann es sein, dass man ausgerechnet vom Freitag hier nichts weiß? Für mich gibt es hier einen größeren Zusammenhang, die von mir aus mit dem Satz: glaubwürdige Realisierung linker Grundsätze verstanden werden kann.
Dabei ist mir schon klar, das sich auch Idealismus auf Dauer nicht vom Idealismus allein ernähren kann. :-)
Wenn Sie aber so freundlich wären, dann erklären Sie mir doch mal bitte, wie Sie die JA´sche Position von links verstehen?

 

 

Achtermann 24.12.2012 | 06:34

Georg von Grote, du schreibst: "Und interne Mitarbeiterumstrukturierungen debattiert man nicht öffentlich, schon gar nicht mit Leuten, die über die genauen Verhältnisse gar nicht Bescheid wissen."

Und Augstein gibt dir ja recht: "Da es immer schwierig ist, in eigener Sache zu sprechen, verweise ich auf einen Artikel in der taz."

Mir geht es nicht darum, in die persönliche Arbeitssituation eines Einzelnen reinzuschauen. Ich, und nicht nur ich, hätte es als faire Geste seitens des Eigentümers verstanden, wenn er, statt auf die Tagespresse zu verweisen, selbst ein paar Sätze dazu geäußert hätte. Politiker, Unternehmensführer und wahrscheinlich auch du nennen so etwas "vertrauensbildende Maßnahme". Zu den Bausteinen "vertrauensbildender Maßnahmen" gehören Ehrlichkeit, Transparenz, Kommunikation und Partizipation. Es muss nicht zwingend sein, dass diese Mittel nur taktisch eingesetzt werden, wie das die Berater, also die PR-Macker der Politiker und Kapitalbesitzer handhaben.

h.yuren 24.12.2012 | 11:00

lieber JA,

2 vorschläge zum sparen:

a) dein eigener gedanke, die kontrolle über die community ihr selbst zu überlassen. das spart zeit und nervige arbeit in der redaktion und vertreibt trolle sofort, wodurch das forum nicht unnötig gestört wird.

b) sparen kann überall ansetzen, wo kosten ins kraut schießen. ein größerer posten dürfte die residenz mit sich bringen. die hauptstadt bringt gewiss als werkplatz vorteile, vor allem wenn du und andere mitarbeiter am ort ansässig sind.

andrerseits diente vormals die nähe zum hof der hofberichterstattung. die brauchen wir nicht mehr. die elektronischen medien haben uns weitgehend von residenzpflichten befreit.

will nur anregen, darüber nachzudenken, ob an dieser stelle gespart werden kann oder sollte.

schöne feiertage und ein gutes neues jahr

hy

Georg von Grote 24.12.2012 | 17:08

Wenn Sie aber so freundlich wären, dann erklären Sie mir doch mal bitte, wie Sie die JA´sche Position von links verstehen?

 

 

Nun, ich kann das nur so beschreiben, wie es bei mir ankommt. Und ich lass jetzt mal all diese plakativen Linksetiketten, wie sozial etc pp weg

Wach bleiben, einen beweglichen Verstand behalten, sich nicht in vorgefertigte Korsetts pressen zu lassen, bereit sein, auf neue Situationen und Einflüsse zu reagieren und diese auch nutzen zu können. Sich nicht auf festgefahrene ideologische Positionen festnageln zu lassen. Über den Horizont hinaus denken und auch wagen, Unangenehmes zu äußern und auch dazu zu stehen.

Insoweit denke ich mal, sind Augstein und ich gar nicht so weit voneinander entfernt, auch wenn er das vielleicht ungern lesen möchte.

Georg von Grote 24.12.2012 | 17:13

Yuren, wo leben Sie? Oder sind Sie tatsächlich schon so Internet abhängig?

Die Freitagsredaktion zieht auf einen verlassenen Bauernhof in der Uckermark? Zu was? Unkraut jäten?

Und so nebenbei strickt man sich aus den Meldungen in den "Neuen Medien" die entsprechenden Beiträge und Artikel?

Sorry, aber so was erzeugt bei mir nur noch Kopfschütteln und ich kann das nur so erklären, dass Sie von der Materie sehr wenig Ahnung haben.

pleifel 24.12.2012 | 19:04

Danke für ihre Antwort, GvG.
Nun, so wie Sie mir JA´s Linksbild beschreiben und ihre Sichtweise dem nicht so fern steht, müsste ich allerdings meinem Linksverständnis einen völlig neuen Fokus geben.

Was Sie mir aber beschreiben, ist keine "Linksposition" einer linken Zeitung (genauer die von JA), sondern eine Arbeitsmethodik, die ich von jedem kritischen Journalisten erwarten muss.
Wenn die Bezeichnung "links" nur noch die Verpackung wie das "C" im Parteiprogramm der CDU ist und nicht mehr mit den historischen Ideen, Inhalten und Kämpfen in Verbindung steht, dann sollte sich der Freitag von der linken Etikette lösen.
Aber ich bin sicher, dass JA zwar ihre "Arbeitsethik" des Journalismus befürworten, aber nicht mit links verwechseln würde. Denn als Aufgabe linken Journalismus muss es mehr denn je sein, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten aufzudecken, partizipative Demokratie zu stärken und von einem Europa Abstand zu nehmen, dass mit seinen administrativen Verwaltungen und dem Euro die nationale Souveränität aushöhlt und zu einem technologischen, menschenfeindlichen, antidemokratischen Gebilde wird.

In dieser Hinsicht muss sich links stets verpflichtet fühlen, die wirtschaftliche Abhängigkeit der Menschen aufzuheben, zumindest maximal zu verringern und die soziale Gerechtigkeit zu stärken! Mit Ideologie hat das wenig zu tun, aber vielleicht mit dem Kerngedanken des Christentums aus seinen revolutionären Wurzeln heraus, die leider völlig domestiziert wurden.
Links ist mehr als nur ein Parteiprogramm. Dahinter stehen humanistische Aspekte (für mich), die sich mit der kapitalistischen Gesellschaftsform nicht vertragen.
Soweit verkürzt mein Linksverständnis. JA lässt seine Positionen immer mal wieder "aufblitzen", möchte sich nach meinem Verständnis aber nicht festlegen lassen. Soll ich das als "grundsatzlos" verstehen, oder ist es eher der Versuch, es vielen Recht zu machen? Oder ist es mehr journalistisches Kalkül, das sich aus pragmatischen, ökonomischen Erwägungen nicht festlegen will?
Ich weiß es nicht.

 

h.yuren 24.12.2012 | 19:42

Yuren, wo leben Sie? Oder sind Sie tatsächlich schon so Internet abhängig?

nicht in der hauptstadt, lieber georg. nebenbei bemerkt, hörte ich heute im radio den vergleich berlin - griechenland. vielleicht sagt dir das was.

vom internet bin ich nicht so abhängig wie du, glaube ich. ich freue mich, dass es dieses neue medium gibt. nicht mehr, aber auch nicht weniger.

hoffe, alle deine fragen damit zur höchsten zufriedenheit beantwortet zu haben.

und nu weihnachte mal schön!

naturfreund 25.12.2012 | 07:49

Der "Freitag" muß Kosten senken bzw. Ausgaben reduzieren.

Sparen müssen die Griechen. Hat man das Gefühl, dass sie am Ende, aus eigener Kraft, auf einen grünen Zweig kommen?

Mit sparen wird der Freitag bald an die Grenzen stoßen. Das finanzielle Problem wird dann auf der Einnahmeseite zu suchen sein.

Zwei Gruppen lassen sich auf der Einnahmeseite festmachen. Die Leser ( Zeitungskäufer, Abonennten, ?) und diejenigen die Azeigen schalten. Die Einnahmen der Letzteren sind Abhängig von der Anzahl der Leser, unabhängig ob sie zahlen oder nicht. Nun müßte sich doch errechnen lassen  welches Finanzierungsmodell zum Freitag passt und ihn am Leben erhalten kann: viele Leser und lukrative Werbeeinnahmen oder weniger Leser die zahlen, hoffentlich auch dauerhaft und weniger Werbeeinnahmen. Viele Leser wären mir als Zeitungsmacher und sendungsbewußtem Schreiber lieber.  Marktwirtschaft hat ihre Gesetze, ob man sie anerkennt oder nicht.

 

 

balu 25.12.2012 | 11:33

Am besten gefällt mir eine finanzielle Unterstützung in der Art von taz. Dort erscheint auf der Hauptseite und unter einzelnen Artikeln ein Zahl-Button. Man kann dort spontan entscheiden, ob das Gelesene einem etwas wert ist und problemlos auch kleinste Beträge nach Wunsch abbuchen lassen. Nicht jeder kann oder möchte sich auf Dauer zur Zahlung verpflichten.

Georg von Grote 25.12.2012 | 14:16

Denn als Aufgabe linken Journalismus muss es mehr denn je sein, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten aufzudecken, partizipative Demokratie zu stärken

 

Ich dachte, dasm muss ich nicht extra noch herausstellen, denn das gehört zumindest für mich zur Grundhaltung.

Und die Folexibilität ist in meinen Augen nicht allein nur die Frage nach dem journalistischen Handwerk, sondern gehört für mich zu den Vorrausstzungen schlechthin.

Wie kann ich mich neuen Situationen stellen und mit diesen arbeiten, wenn ich mich nur auf festgefahrenen ideologischen Gleisen bewege, verhaftet bin in alten verknöcherten linken Denkstrukturen?

Wir können die Gesellschaft nicht von heute auf morgen umkrempeln. Das wird ein langer Prozess werden, zumal wir auch in internationalen Abhängigkeiten stecken, aus denen wir uns nicht so einfach herauslösen können.

Wir müssen bereit sein, auch Kompromisse dabei zu schließen, auch wenn manche weh tun. Und diese neue Politik und die Chancen, die sich daraus ergeben, muss sich auch in den Köpfen der Bevölkerung festsetzen. So was kann man nicht einfach von oben herab verordnen. Sonst funktioniert das alles nicht.

pleifel 25.12.2012 | 15:35

Ja, dem kann ich zustimmen. Verordnet wird zuviel und vieles ist undemokratisch. Aber jeder kann im Rahmen seiner gesellschaftlichen Möglichkeiten mit anderen zusammen, gesellschaftliche Veränderungen bewirken. Dazu bedarf es gemeinsamer Zielvorstellungen, zumindest ein Raum, der mehrheitlich akzeptiert wird.
Dafür macht eine Zeitung wie der Freitag und das Forum hier Sinn, wenn es der Schärfung der Sache dient und dabei bei aller Kritik anderer Standpunkte die Achtung und den Respekt der Person beachtet (voraussetzt).
In dem Sinne..

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.12.2012 | 15:53

was sind gesellschaftliche Veränderungen?

Ein Wert an sich?

Wohin gesellschaftliche Veränderungen führen können zeigt das Gesellschaftmodell der Menschen allenthalben.

 

Vielleicht kriegt eine irgendwie Linke es ja hin sich darüber Gedanken zu machen.

In den Führungsetagen des Gemeinwesens indes scheint Irrsinn Einkehr gehalten zu haben.

Das zu reflektieren, und nicht weiter sich Gedanken zu machen über sein persönlich Erreichtes in Bodrum, der Schlenker sei erlaubt, erschiene als Desiderat, zu dem auch die Linke etwas zu sagen haben sollte imao.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.12.2012 | 16:42

Das mit Bodrum nehme ich natürlich sofort zurück: andererseits, wieviele ausgesprochen schlicht auftretende Türkenfreunde die deutschen so insgesamt haben könnten, kaum dass ein deutscher grund und boden in der türkei erworben zu haben glauben könnte.

auch wieder sowas was keiner lesen will.

 

und in den stillhaltegruppen des spätkapitalismus lernt man klima schützen.

fein.

 

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.12.2012 | 16:49

wissense, bei uff de strass, da gehen die mit einem suv brötchen holen, weil: is sicherer für die brötchen.

und kleinbürger, früher soll man geglaubt haben gerhart hauptmann hätte die sach' iwie abverhandelt, die feiern hier paady.

 

davor kann man doch nur den hut ziehen.

 

chapeau sozusagen.

 

danke damen und herrens

mesdames et messieurs.

 

iwie find ich spätkapitalismus klasse.

man lernt ja nie aus.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.12.2012 | 16:58

und für die kommentarzähler: es interessiert mich einen scheisendrecken wieviele kommentare ich hier geschrieben habe.

 

andererseits ja auch wieder spannend, dass es leute geben soll, die als ausgewiesene zähler einem das erzählen will, was man über seinen account ja auch erfahren kann.

schönes hobby: und so selten.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.12.2012 | 19:45

Vielen Dank für den Hinweis.

 

Kopernikus hatte seine "De lateribus et angulis triangulorum tum planorum rectilineorum tum sphaericorum" als Autograph, klein geschrieben, auch in Latein irgendwie schwer leserlich gestaltet.

 

Meine Vermutung: Kopernikus kann nur sportiv veranlagt gewesen sein, anders wäre es kaum erklärbär.

 

Irgendwie bin ich ja auch dafür, dass Texte endlich mal leserlich gestaltet werden.

 

Mädchen machen sowas ganz gerne.

 

Leider bin ich nur ein (i.W. 1) Mann.

 

Viele Grüße

Avatar
Ehemaliger Nutzer 26.12.2012 | 00:23

Und der Herr Generaldirektor des Hauses schreibt es ganz einfach hin.

 

Man sollte auch Figurinen des Spätkapitalismus durchaus lesen können dürfen müssen.

 

Nicht dass ich irgendein Problem damit ausmachen könnte.

 

Gleichwohl scheint man sich darauf geeinigt zu haben "die" (traurig stimmen könnende) Wahrheit auch noch hinzuschreiben.

 

Aber so ist das nun mal, sagte der Igel als er von der Bürste stieg.

 

Avatar
Ehemaliger Nutzer 26.12.2012 | 01:21

aber ich kann nun mal nicht schreiben, eben damit teile ich die Auffassung der Generaldirektion: biete ihnen ein Forum, damit sie dort wo es wichtig wird die Fresse halten werden: aus Langeweile.

 

Halt Du sie kurz, die anderen werden sie weiterhin dumm machen.

 

iwie eine ganz reizvolle überlegung für einen zuverlässig im Freitag gelöschten.

Benjamin Tag 26.12.2012 | 01:34

@finanzierung
stimme einigen vorrednern zu: warum nicht das genossenschaftsmodell der taz kopieren? ich kann mir vorstellen, dass die potenzielle community der freitag-genossen deutlich groesser ist als bei der taz!

@online:
"follow the free" halte ich für die dauerhaft beste und einzige einstiegsdroge für inhalte im internet. verbunden mit anzeigen und premium-angeboten sollte das funktionieren. auch heut schon.
wenn die artikel nicht mehr verfügbar sind, verlieren sie die zukünftige zielgruppe der politisierten linken jugendlichen. in 10 Jahren gibt es dann keinen freitag mehr. das fände ich sehr schade.

ALLES GUTE!

Martin Gebauer 26.12.2012 | 02:47

Die Tabula Rasa im Gespräch mit dem Verleger der Wochenzeitung „der Freitag“, Jakob Augstein 

Welche Rolle sollten die etablierten Medien zukünftig spielen – auch gegenüber kleinen Netz- und Onlinezeitungen? 

Ich glaube nicht, dass es eine Solidarität zwischen den Medien geben muss. Konkurrenz ist doch ganz belebend. Es ist schön, wenn es Partnerschaften und Freundschaften wie zwischen dem „Freitag“ und der „taz“ gibt. Aber am Ende sind wir als Unternehmen allein unterwegs. 

Haben Sie Angst vor dem Journalismus als Prekariat?

Wahrscheinlich ist es für den Journalismus nicht gut, wenn unterbezahlte, um ihren Status fürchtende Journalisten zu Unternehmenslenkern, zu Managern, zu Bankern geschickt werden, die über viel Geld und damit über ein dementsprechendes Selbstbewusstein verfügen. Wenn man sehr optimistisch ist, könnte man hoffen, dass die Journalisten dann eine bessere Arbeit machen, weil sie sich unabhängiger fühlen, und das Gefühl haben, über eine Klasse zu schreiben, zu der sie nicht gehören. Vermutlich wird es aber eher dazu führen, dass die Journalisten ängstlicher sind, schüchterner und zurückhaltender. Das kann nicht in unserem Interesse sein – natürlich müssen Journalisten ausreichend verdienen. 

Wie sehen Sie die Zukunft des Journalismus – Online– Print? 

Positiv. Wenn die Medienmacher es verstehen, die Vorteile von Online und Print miteinander zu verknüpfen und nicht glauben, Online würde über Print obsiegen oder Print müsse Online an die Wand drücken. Ich glaube, beides würde fehl gehen. Man muss die Vorteile beider Mediengattungen miteinander verknüpfen. Wir versuchen dies beim „Freitag“. Es gibt andere, sehr viel größere Zeitungen, die das sehr gekonnt vormachen. „Der Spiegel“ ist sicherlich ein Beispiel, aber auch die „BILD“-Zeitung kombiniert Online und Print auf eine sehr gute Weise. 

Herzlich Dank für das Gespräch
Das Interview führte Dr. Stefan Groß

Quelle:

http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_3320/

 

schorsch 26.12.2012 | 18:50

Lieber Jakob Augstein,

wenn der Freitag zu langsam wächst, wäre es denn nicht die einzige Lösung, sich zu bemühen, dass er schneller wächst?

Also, den Vertrieb zu optimieren?

Mehr zu verkaufen, auch so, dass die Abo's länger bestehen?

Also, sich clevere und fähigere "Vertriebsfachleute" zu holen - sie ein zu stellen?

Das würde ich machen, wäre es meine Firma!

 

Ich muss aber ehrlich sagen, wenn ich so manche Leserbeiträge überfliege, vergeht mir auch die Lust, die Kohlen für solche "Neunmalklugen" aus dem Feuer zu holen.

Aber andererseits geht es ja um mehr - es geht um die Deutschsprachige Leserschaft!

 

Mit besten Grüssen

Rainer Lange

pimpo 26.12.2012 | 20:29

Ja weiter so spart mal schön.. Ich find das soooo dooolllll.. und die "gleichgeschalteten" Papiergazetten können auch eingestampft werden kopieren doch eh nur dpa meldungen.. wäre doch ehrlicher, wenns eine Zeitung für die gesamte EUdSSR gäbe.. gut die SZ und Augstein haben hin und wieder gaaanz vorsichtig zwischen den Zeilen "Kritik" geübt aber das könnte man dann in der Einheitsgazette in der Satireecke unterbringen

Lapis 26.12.2012 | 23:18

„Deutschland“ muss sparen


Sachzwänge Auch dieses Land lässt der globale Strukturwandel nicht unberührt. Zwar wächst der Export, doch wird immer noch mehr Geld ausgegeben als eingenommen

Deutschland wächst. Unsere Beliebtheit wächst und unsere Einnahmen wachsen auch. Das ist die schöne Nachricht. Weniger schön ist: Der Staat gibt immer noch mehr Geld aus, als er einnimmt. Auf die Dauer ist das ein Problem. Es gibt zwei Möglichkeiten: mehr Geld einnehmen, weniger Geld ausgeben. Bislang sind wir nur gewachsen. Das reicht jetzt nicht mehr. Das Land muss jetzt sparen.

Sparen ist ein schlimmes Wort geworden. Wir denken an Europa, an die Krise. Und an die Lehre, dass Staaten sich nicht aus der Malaise heraussparen können. Für Bürger allerdings gilt etwas anderes. Sie können sich ihr Geld nicht selber drucken. Also wird der Wohlfahrtsstaat seine Kosten senken müssen. In allen Bereichen.

Martin Gebauer 27.12.2012 | 00:15

Dass Zeiten sich ändern ist Teil der menschlichen Natur, verankert im menschlichen Streben und Handelns nach... Status, Geld, Selbstbewusstein,...

Ich habe diese drei zuletzt genannten Eigenschaften aus dem Interview herausgenommen, finden Sie, die genanten Eigenschaften, im Zusammenhang des Interviews und Sie werden entdecken, eine Denkweise, welche sich darin/ dahinter verbirgt.

Die Zeiten ändern sich, - solange du dich selbst nicht änderst, bleibt letztlich alles gleich.

Magda 27.12.2012 | 17:03

Das mit dem Vertrieb ist sicherlich auch schon beim Freitag überlegt worden. Ich weiß ja auch nicht, ob die nicht auch sehr teuer sind, die richtig guten Vertriebsfachleute und ob alle Vertriebsmethoden zum irgendwie linken Freitag passen, das ist noch eine andere Frage. Aber, ohne geht es sicherlich nicht.


"Ich muss aber ehrlich sagen, wenn ich so manche Leserbeiträge überfliege, vergeht mir auch die Lust, die Kohlen für solche "Neunmalklugen" aus dem Feuer zu holen.

Da werden Sie wohl nicht der Einzige sein. Vor allem macht es oftmals überhaupt keinen Spaß mehr, sich länger mit dem Schreiben eines Blogs  zu befassen oder zu gestalten, wenn Leute hier "alles immer schon wissen" und dermaßen auf die Kacke haun', dass es einen erschreckt.

schorsch 27.12.2012 | 18:34

@MAGDA

 

Ja, ich finde es traurig, dass teilweise überhaupt solche schwachsinnigen Kommentare geschrieben werden, wo es hier nun wirklich um ernsthafte und teilweise bittere Entscheidungen geht!

Es sind immer diejenigen, die in keiner Weise ihren Kopf hinhalten müssen.

Aber zurück zum Thema:

Ich denke, es bleibt nichts anderes, als den Vertrieb auf solideste Beine zu stellen. Hier ist der Dreh- und Angelpunkt! Nur so kann man auf längere Sicht den Umsatz steigern und festigen.

Denn es ist ja nicht erlaubt, mit der Pistole in der Hand am Kiosk zu warten und potentielle Käufer zu zwingen!

Rainer Lange

Jakob Augstein 28.12.2012 | 14:30

Was die Qualität der Kommunikation angeht: nach drei Jahren Erfahrung im Netz, mit einer Community, mit Leser-Beiträgen und -Kommentaren bin ich absolut sicher, der vernünftigste Weg besteht darin, dass jeder seine eigenen Blogs moderiert. Ich hatte das schon ein paar Mal gesagt. Jeder findet immer irgendwelche Gründe, auf Zivilität zu verzichten. Die Wut, die sich aus eigenen Quellen speist, findet ihren Weg ins Netz. Das stört die Verständigung. Die Regeln des Zuhörens, des Verstehenwollens, des Anstand, wie auch immer man das nennen will, kommen unter die Räder. Wenn jeder selber entscheiden kann, welche Stimmung und welche Stimmen er duldet, dann ist das die fairste Methode. Denn dann können sich die Rüpel zusammenfinden und die anderen, wie es ihnen passt. Ich hoffe, dass wir bald soweit sein werden, das umzusetzen.

EnidanH 28.12.2012 | 17:00

Was bitte stimmt denn nicht mit dem "Vertriebsweg"?

 

Ich bekam und bekomme den Freitag selbst in Weißenfels am Bahnhofskiosk, wenn ich umsteigen muss. Oder wissen die Foristen etwas?

Der beste Vertriebsweg nutzt nichts, wenn keiner das Produkt will, dann hilft nur noch eine landesweite megateure Werbekampagne, um den Leuten zu suggerieren ohne den Freitag nicht leben zu können, über das Radio bis hin zum Netz, und das kann sich der Freitag nun wirklich nicht leisten (oder doch?).

Das Grundproblem ist viel eher (so meine ich), dass man sich überlegen muss für wen man schreibt oder schreiben will und wie man die Aufmerksamkeit bekommt. Und das muss dann jedem Mitarbeiter klar sein.

Der Freitag hat eine Riesenmöglichkeit angesichts all der Krisen und Brüche die Zeitung zu sein, die unabhängig, parteienlos und ideologiefrei die Leute abholt, d.h. aber auch, dass er sich als Dienstleitung mit Rückgrat verstehen muss. Dann gehen keine Touren mehr vom Kulturleiter, wenn er einen Politiker als Kretin beschimpft, und es geht nicht, dass hier nur Egos ihr Ideologielinkentum in den Blogs und Kommentaren ausbreiten und ausfällig werden, weil sie woanders aus dem Forum gekickt wurden wegen Verletzung der Nettikette.

Muss man halt wissen, was man will...

Martin Gebauer 28.12.2012 | 17:46

Letztens, ich saß im Wartezimmer meiner Hausarztgemeinschaftspraxis und überbrückte die Wartezeit mit dem lesen diverser Tageszeitungen, die die Praxis abonniert hatte. Ich weiß, dass mein Hausarzt hin und wieder den Freitag liest. Nun, die Zukunft eines Magazins, Wochen- oder Tagezeitung beschränkt sich irgendwann in der Möglichkeit auf Cafes, Kneipen, Arztpraxen und öffentlicher Raum. Dort, wo Menschen freiwillig oder unfreiwillig (auch Krankenhäuser) Zeit mitbringen. Was die linken Kneipen angeht, so weiß ich, dass dort, wo ich manchmal hingehe, der Freitag, zum lesen ausliegt. Aus Gesprächen höre ich heraus, dass die ältere Generation, die Gründergeneration linker Cafes, die heute noch an bestimmte Orte der Begegnung aus Nostalgie ihre Gewohnheiten ausleben, dass der Freitag, an Leserinteresse, bei vielen der Altlinken nachlässt, weil durch viele Themen zurecht, wie ich meine, ein Generationswechsel sichtbar ist.

Doch zum eigentlichen Thema zurück, so denke ich, es gibt Tausende öffentliche Räume, allein die Arzt- und Zahnarztpraxen anzuschreiben dort vermehrt Abonnement anzubieten, hebt oder senkt es doch die Klientel der User. Zumindest erinnere ich mich, dass, (bevor ich), den richtigen Arzt für mich fand, - wenn ich wohinkam und sah, welche Zeitung dort angeboten wurde (Friseur eingeschlossen), auf das Personal rückschloss.

Meistens stimmte meine Annahme.

Ich denke, wenn eine Zeitung überleben will, wäre es gut diese Räume zu nutzen. 

pleifel 28.12.2012 | 18:07

JA vom 12.12: "Wir müssen sparen"

Zitat: ".Wer das als Heuschreckenverhalten bezeichnet ist ein Idiot.."
"..Wer glaubt, mit so einem Projekt ließen sich große Renditen einfahren, ist wiederum ein Idiot.."

Bis auf die Kritik von "Ehemaliger Nutzer" an der Wortwahl und dem seltsamen Kommentar von "Magda" darauf, der wiederum von Achtermann mit: "..in einem zusammenfassenden Begriff  Idioten genannt hat. Dieses Wort steht im Grunde als Synomym für Laien.."
Was mir nun endlich die wahre Bedeutung von Laien erschließt. ;-)

Zu sagen, eine Bemerkung, eine Behauptung usw. sei idiotisch, ist immer noch etwas anderes, als die Person mit Idiot zu belegen. Auch wenn es bei einigen Kommentaren schwer fallen mag die Contenance zu bewahren, so sollte man sich auch nicht auf die Ebene des "Rüpels" begeben.

Wenn sich in "meinem Blog" jemand so daneben benimmt, muss ich ihn auch rausschmeißen können, zumindest dann, wenn er oder sie es auf Aufforderung nicht unterlässt.

Soweit zum Selbstverständlichen der Etikette.

 

silvio spottiswoode 30.12.2012 | 14:17

 

Liebe Magda, das klingt ja fast wie Resignation. Schnueff. Ich finde, das ist ein Luxus den wir uns nicht leisten können. Und, ganz nebenbei, absolut alles was Du schreibst lese ich gern und freue mich immer riesig über neue Texte von Dir. Damit bin ich bestimmt nicht allein. Gerade deshalb, dennoch, allen Widrigkeiten zum Trotz, ganz nach dem Motto "Wie nun? Ich bin. Aber, ich habe mich noch nicht. Darum werden wir erst“ immer besser, doller und viel mehr. Auf ein Neues. :))))

Magda 30.12.2012 | 18:01

Hallo Silvio,
naja, wie man bemerken kann, höre ich ja sowieso nicht so schnell auf. Nur manchmal...fragt man sich. Aber, danke für die Blumen.
Das ist eigentlich mein Ziel: Leuten was nahe bringen und sie auch zu unterhalten im besten Sinne. Ich schreibe nicht für mich und nicht im stillen Kämmerlein. Eher so im Sinne von: "Also Leute, ich muss Euch was erzählen". Und da ist ein Echo immer der schönste Lohn.

Nebenher: Früher gabs mal so eine Anwendung, da konnte man die Follower sehen. Sowas hat mich immer ermutigt.

Herzlicher Gruß und guter Rutsch

Georg von Grote 30.12.2012 | 19:22

Es lohnt sich nicht, diese Geschichte weiter zu thematisieren. Diese "Erwähnung" ist das Produkt einer schmerbäuchigen frustrierten Psychopathen, der wieder mal eine seiner Retourkutschen meinte fahren zu müssen.

Schlimm genung, dass sich die taz auch noch bemüßigt fühlt und als linke Bildzeitung geriert um das Thema, das sonst keinen interessiert hat hochzuschaukeln.

Ausgerechnet die taz, die ihre ultrarechten und antisemitischen Kommentatoren nicht in den Griff bekommt.

pleifel 30.12.2012 | 22:14

Es gilt immer noch zu belegen, was JA vorgeworfen wird. Wenn sich der SWZ auf den "Giftpilz", "Stänkerer" Broder beziehen sollte, dann wäre eigentlich nichts hinzuzufügen.

Eines steht jedenfalls fest, die israelische Regierung kann noch so einen rechten Kurs fahren, Uno-Resolutionen missachten, seinen Atomstatus leugnen, auf illegalem Land unrechtmäßig Wohnungen errichten usw.. Es hat keine konkreten Folgen, da spätestens bei Abstimmungen im Sicherheitsrat die USA ein Veto einlegen werden.

Augstein ist einer der wenigen in öffentlichen Medien, der israelkritische Beiträge setzt. Wenn es aber geschieht, gibt es immer eine sofortige Reaktion selbsternannter Israelverteidiger, die in jedem Text eine Stelle finden, die den Kritiker unglaubwürdig, antisemitisch, zumindest antizionistisch einordnet. Die Kritik an der Sache wird auf die persönliche Ebene gehoben. Die Methode ist einfach aber immer noch wirksam!

Vielleicht sollte man auch mal die bekannten jüdischen Kritiker selbst zu Wort kommen lassen, die wesentlich schärfere Formulierungen gefunden haben und zwar aus Sorge wegen der "blinden Politik" der rechtslastigen Netanjahu/ Lieberman - Konektion.

Wer sorgt denn bitte für eine ausgewogene Verteilung der Kräfte, wenn Israel und die Palästinenser an einem Tisch verhandeln?

Vielleicht arbeitet die TAZ ja daran. Aber warum sollten die sich die Finger verbrennen, da sie doch schon lange in der friedlichen Welt der grünen Mitte angekommen sind.

 

 

rechercheuse 01.01.2013 | 13:30

lieber jakob augstein, ein neuer jahresbeginn wird ja traditionell häufig mit guten wünschen/vorsätzen begleitet … mir gehen dabei die traditionellen worte über die freiheit der anders denkenden durch den kopf, zu denen slavo zizek meinte, dass die priorität mehr auf DENKENDEN gelegt werden sollte … für mich eine zeitgemässe idee als orientierung … ihnen und ihrer zeitung viele mutige und kluge gedanken für die leser und die zukunft !

knorpeli 05.01.2013 | 20:15

.......nun habe ich zu beginn des neuen jahres gleich wieder was gelernt: der Freitag ist eine "linke" Wochenzeitung! sagt der jakob augstein

der begriff "links" scheint ja tatsächlich mittlerweile recht unklar, undeutlich, vernebelt, vagabundierend bedeutungslos geworden zu sein.

es grüßt ein früher, sehr früher ehemaliger abonnent, der nichts lieber täte, als eine "linke" wochenzeitung namens Freitag wieder zu abonnieren.