Jakob Augstein
02.08.2013 | 06:00 69

Extrabyte! Extrabyte!

Zeitungen Springer verkauft ein paar Blätter, und schon macht sich Panik breit. Dem deutschen Journalismus sitzt die Digitalisierung im Nacken

Extrabyte! Extrabyte!

Foto: Sean Gallup/ AFP/ Getty Images

Nichts gegen die Hörzu. Das Fernsehprogramm war immer schön übersichtlich. Und man hat auch die Tipps für ein sicheres Weihnachtsfest gerne gelesen („Stellen Sie immer einen Eimer Wasser neben den Tannenbaum, für Notfälle!“). Aber die Speerspitze des investigativen Journalismus war das Heft nicht gerade. Der Springer-Verlag hat das Traditionsblatt jetzt verkauft. Als Teil eines größeren Pakets. Das kann für die Mitarbeiter zum Problem werden. Für die deutsche Öffentlichkeit oder für den Journalismus im Ganzen spielt das keine Rolle. Und wenn alte Fahrensleute daran erinnern, dass am Blatt noch Axels Fingerabdrücke kleben, muss man sagen: Nostalgie hat im Journalismus nichts verloren.

Auch mit dem Verkauf des Hamburger Abendblatts, lange Zeit das beste unter allen Springer-Blättern, das ebenfalls an die Essener Funke-Gruppe gehen soll, bricht nicht gerade eine Säule der Vierten Gewalt im Staat weg. Bei allem Respekt vor den Hamburger Kollegen, die mit der täglich gefüllten Spalte „Menschlich gesehen“ wahrscheinlich die älteste Kolumne im deutschen Journalismus geschaffen haben – das Abendblatt war immer eine respektable Regionalzeitung, bundesweit aber von geringer Bedeutung. Und von Bild der Frau, die ebenfalls nach Essen verkauft wurde, kann man getrost dasselbe behaupten.

Warum hat die Meldung vom Verkauf des 912-Millionen-Pakets die Medienbranche dann so erschüttert? Und warum begegneten die Kommentatoren dem Geschäft vor allem mit Häme und Skepsis? Spiegel online schrieb: „Dem Hause Springer fehlt die Vision.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte Springer-Chef Döpfner einen „Schönfärber“ Und SZ-Chef Kurt Kister fand in einem Porträt, Döpfner habe seinen Konzern „mit der Motorsäge verändert“. Das ist ziemlich hart für eine medienwirtschaftliche Transaktion, deren finanzielles Volumen überschaubar und deren unmittelbare publizistische Bedeutung gering ist.

Kann es sein, dass am Grund so heftiger Reaktionen die Angst liegt? Wie viele von denen, die Springers Ausverkauf kritisierten, fürchten in Wahrheit, dass Mathias Döpfner recht haben könnte? Dass Blätter, mit denen sich heute noch Millionen verdienen lassen, schon übermorgen praktisch wertlos sein könnten. Und damit auch die eigene Arbeit, die eigene Bedeutung, das eigene Leben. Vielleicht liegt am Grund so heftiger Reaktionen auch die Wut auf Döpfner und seinen Konzern, dass sie so rücksichtslos sind – mit einer Branche, die verunsichert ist, die von der eigenen Bedeutung überzeugt ist und dennoch keinen Weg in die Zukunft sieht. Mit den Traditionen, die vielen Journalisten viel wichtiger sind, als sie sein sollten. Weil Journalismus sich mit der Gegenwart befassen soll und der Zukunft entgegenarbeiten muss – und nicht der Vergangenheit verhaftet sein darf. Döpfner pfeift auf die Traditionen. Er verkauft zum besten Preis ein Produkt, an dessen Zukunft er nicht glaubt.

Damit ist noch nichts über sein eigenes Verhältnis zum Journalismus gesagt. Aber es ist eine Menge darüber gesagt, welche Bedeutung er dem Journalismus im zukünftigen Springer-Verlag beimisst: eine geringere. Döpfner redet nicht nur von Digitalisierung. Er betreibt sie. Und ein Grund für die heftigen Reaktionen mag schlicht der Neid sein: Springer ist reich genug, um neue Wege zu beschreiten, die sich andere Verlage nicht leisten können. Manche der Netzportale, die sich der Verlag in den vergangenen Jahren zugelegt hat, haben dreistellige Millionenbeträge gekostet.

Nicht ohne Risiko

Aber Springers Weg ist nicht ohne Risiko. Ja, es gibt ermutigende Zahlen: Zwei Drittel der Werbeerlöse des Unternehmens kamen im ersten Quartal 2013 aus dem digitalen Bereich. Aber ob die Millionen im flüchtigen Digitalgeschäft dauerhaft sinnvoll investiert sind, wo Marken schnell entstehen und vergehen, ist vollkommen offen. Das Beispiel von Springers Konkurrent Holtzbrinck, der sich mit dem Kauf – und dem Scheitern – des Studentennetzwerks StudiVZ eine blutige Nase holte, ist noch gut im Gedächtnis.

Ganz sicher allerdings ist, dass die Zukunft anders aussehen wird als die Gegenwart. Das ist keine überraschende Erkenntnis. Überraschend ist nur, dass so viele Journalisten und Verlagsmanager lange Zeit stillschweigend davon ausgingen, es werde für sie nicht gelten, was andere Berufe seit jeher erleben: dass Erfahrungen und Bedeutungen vom Strukturwandel fortgerissen werden können. Die Journalisten wollen nicht die Bergleute von heute sein.

Vor uns liegt eine einfache Frage: Wie wird im digitalen Zeitalter mit Journalismus Geld verdient werden? Wer darauf keine Antwort findet, geht unter – oder verlegt sich darauf, sein Geld anders zu machen und es dann für den Journalismus zu verwenden. Das ist weniger absurd, als es scheint, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Springer-Verlag sich für diesen Weg entschieden hat.

Die Konzernherrin Friede Springer hätte andernfalls kaum eine Bestandsgarantie für Bild und Welt abgegeben. Denn gerade die Welt hat wirtschaftlich noch nie Sinn gemacht. Nur publizistisch und politisch. Während Bild sich modernisiert hat, transportiert die Welt den reaktionären Charakter des alten Springer-Verlags in die Zukunft. Ist das nun etwas, worüber man sich freuen soll?

Kommentare (69)

anne mohnen 02.08.2013 | 06:19

D'accord! Und schön, lieber Herr Augstein, dass Sie wieder für Ihr eigenes Blatt schreiben.

"Denn gerade die Welt hat wirtschaftlich noch nie Sinn gemacht. Nur publizistisch und politisch. Während Bild sich modernisiert hat, transportiert die Welt den reaktionären Charakter des alten Springer-Verlags in die Zukunft. Ist das nun etwas, worüber man sich freuen soll?"

Nun, geht es da um Freude? Wenn es gelänge die Welt flott zu machen, würde es manche Konservative_n freuen, denn die haben sich ja in den letzten Jahren von der miesen Qualität ihrer Hauspostille verabschiedet.  Und Sie, Herr Augstein, könnten dann auch mal wieder für die Welt schreiben ;)

LG am

 

rechercheuse 02.08.2013 | 07:44

passt zwar nicht zum thema - ABER!!!

wie castorf bayreuth gerockt hat (okay, da ging es nicht um geld, sondern um haltung - die heute ja so selten ist) zeigt doch bei ganzganz wenig nachdenken, was das land in ALLEN bereichen braucht - vor ALLEM im journalismus ... immer schön kreativ auf der RICHTIGEN seite (die zynische "kreativität" muss + darf nicht nur ungebremst der sich selbsternannten "machtelite" vorbehalten sein)

 

 

Meyko 02.08.2013 | 07:58

"Springer verkauft ein paar Blätter, und schon macht sich Panik breit"

Naja, dafür dass viele Verlage üblicher Weise mit ausufernden „Panik- Angst- und Schreckensmeldungen“ ihr Einkommen bestreiten, scheint die bisherige Reaktion eher verhalten.

Allerdings ist der Verkauf sicherlich ein deutliches Zeichen.

 

Hier wird die herkömmliche Verlagszukunft jedochnoch einmal alternativ und Hoffnung machend dargelegt:

„Es sei nämlich ein Irrglaube, dass das Geschäft mit gedruckten Medien tot sei.“

JR's China Blog 02.08.2013 | 08:28

Und wenn alte Fahrensleute daran erinnern, dass am Blatt noch Axels Fingerabdrücke kleben, muss man sagen: Nostalgie hat im Journalismus nichts verloren.

 

Da wäre ich mir nicht so sicher. Als echte Radiozeitschrift - und als solche war die "Hörzu", wie der Name es sagt, ja mal gedacht - hätte sie vielleicht Zukunft. Auch online, und als Bezahlware. Der Punkt scheint zu sein, dass der Verlag für so einen Knickerkram keine Zeit hat. Und darin liegt das eigentliche Problem für den Journalismus. Wer liest schon eine Zeitung, nur weil ihre Rendite stimmt?

 

OK, vielleicht der "Welt-Kompakt"-Yuppie. Der findet das Blatt dann sexy. Und vielleicht wird es ja auch bald schick, sich eine modernisierte "BILD-Zeitung" unter dem Arm zu klemmen, ähm, gegen Bezahlung aufs Mobilgerät zu laden.

 

Blöd nur, dass den Bildschirm keiner schon von weitem sehen kann.

Magda 02.08.2013 | 10:16

Und SZ-Chef Kurt Kister fand in einem Porträt, Döpfner habe seinen Konzern „mit der Motorsäge verändert.

Es gibt immer wieder Journalisten, die kraftvolle Bilder nicht fürchten.. Das Bild stimmt, irgendwie. Döpfner ist der geborene schöngeistige deutsche Rechthaber mit mächtigem Transmissionsriemen. 

"Er verkauft zum besten Preis ein Produkt, an dessen Zukunft er nicht glaubt"

Das wird die Käufer aber freuen.

"Mit den Traditionen, die vielen Journalisten viel wichtiger sind, als sie sein sollten."

Na, das ist doch auch bei  Ihnen z. B. so. 

"Und ein Grund für die heftigen Reaktionen mag schlicht der Neid sein: Springer ist reich genug, um neue Wege zu beschreiten, die sich andere Verlage nicht leisten können. Manche der Netzportale, die sich der Verlag in den vergangenen Jahren zugelegt hat, haben dreistellige Millionenbeträge gekostet."

Neid um Reichtum? Das glaube ich nicht. Das ist zu einfach, wirklich. Eher ist es Furcht vor dessen Potenzen, die Springer nicht geneigt ist, zum Nutzen von Vielfalt, sondern von höchst gefährlicher Einfalt in vielerlei Bedeutung einzusetzen. Davor kann man sich fürchten. 

Claudia Käßner 02.08.2013 | 10:27

4. Gewalt trifft es genau: einer sortiert, einer meldet, der nächste erpresst öffentlichkeits- pardon medienwirksam, dann nochmal eine kurze Warnung und es werden Tatsachen geschaffen, der Nachruf dann nach Belieben weiter im Spiel.

"Der schwarze Freitag" als Wochenrückblick für das neue System. Dann kann das Wochenende gut beginnen und eine Woche = eine Gegenwart. Für Leben. Nicht um. Aber das war jetzt sprachlich/literarisch. Ob journalistisch?

Springer ist vielleicht die Sicherheit für das Spiegel Prinzip. Zur Sicherstellung der Planerfüllung. doppelter Boden sozusagen. Aufteilung von spiegel-online in national und international. In Papierform nur noch Übung. Bayreuth kann auf Bild laufen.

studiVZ gehört ins Resort Unternehmen/Wirtschaft oder so. Mit Verzweigungen nach Leben, Lernen und Recht.

Zu klären ist noch, wie die an Informationen interessierten Bürger all diese Fluten fassen sollen, bei dem Angebot im Regal. Das bestimmte Presseorgane ein definiertes Zielpublikum haben, ist ja bekannt. Aber selbst das wurde perfekt ins Gegenteil verkehrt.

Und Flugblätter verbreiten sich über das Netz in windeseile mit überschallgeschwindigkeit. Wer liest sie wie und wann?

dernetzmeider 02.08.2013 | 10:45

Der gute JA sieht leider alles unter dem Gesichtspunkt des "Geld verdienens"! Bei ihm muss mit Journalismus auch Profit entstehen! Das aber gerade der Freitag im Netz zu über der Hälfte aus "Umsonst"-Beiträgen der Community besteht, interessiert dagegen nicht. Wer mag schon wirklich Profitorientierte Journalisten, die für Geld dann auch gerne gefällige Artikel schreiben? Da bleibt dann wirklich der freie Journalismus auf der Strecke!

Tollschock 02.08.2013 | 11:26

Erst wird verkauft, dann umgruppiert dann filetiert dann abgestoßen und am Schluß wird ausverkauft was Geld bringt und der Rest in die Tonne gestossen. Was bleibt sind dann Ramschrampen die zusammen mit Zeitarbeitfirmen und Subunternehmen die Reste auspressen.

Deutsche Unternehmenskultur ist etwas das es nicht mehr gibt. Seit dem Management an der Macht ist und die sozialverantwortlichen Unternehmer verdrängt werden, seit dem die Gier das Geschäft alleinig bestimmt seit dem ist alles besser geworden. Seit dem sind wir international auf Augenhöhe mit dem freien Markt. 

Was da beschworen wird ist nicht dafür geeignet darin ein ruhiges und beschauliches Leben zu führen. Es ist nur gut um Angst zu schüren. Diese Angst frisst die Seelen und die Innovation. Hier wird ein hohler Baum als blühendes Leben dargestellt. Es kann einfach kein dauerhaftes Wachstum geben. Es gibt es genauso wenig wie ewiges Leben.

J.Taylor 02.08.2013 | 12:04

Sie haben recht, die entscheidende Frage in den nächsten Jahren wird sein, wie mit Journalismus Geld verdient werden kann, um den Qualitätsjournalismus zu erhalten.

Man kann über den Springer Verlag denken was man will, ich selbst bekomme bereits beim Anblick von WELT und BILD Ekelpickel, ohne das Papier zu berühren, aber der Verkauf war richtig. Wenn nicht jetzt, wann dann? Döpfner hat, um ein Bild zu benutzen, die Leinen der Rettungsboote gekappt und sie über Bord geworfen. Nun weiß jeder an Bord, dass das Schiff den Hafen erreichen muss, oder alle ertrinken, wenn es nicht klappt.

In der Zukunft sehe ich, wie Sie es auch andeuteten, dass Qualitätsjournalismus durch eine Quersubventionierung durch  andere Geschäftsfelder erhalten bleiben wird, und es wird darauf ankommen, glaubhafte und überzeugende Geschäftsmodelle zu präsentieren, damit das auch funktioniert. Von Luft und Liebe allein, auch wenn diese Vorstellung romantisch ist, wird Journalismus auch in Zukunft nicht existieren können.

JR's China Blog 02.08.2013 | 12:18

Nun ja - eine schwarze Null ist ja nun mal das Mindeste, was eine Zeitung braucht. Und dass es so viele "Umsonst"-Beiträge gibt, deutet mir eigentlich in erster Linie an, dass gute Texte eben nicht sehr gefragt sind. Auch andere "Bildungsziele" (schulisch, universitär, usw.) wären nicht gefragt, wenn nicht bestimmten "Scheinen" ein magischer (wirtschaftlicher) Wert zugesprochen würde. Kinder lernen "die Sprachen der Zukunft", nicht die, welche ihnen (oder auch ihren Eltern, was weiß ich) etwas bedeuten. Warum auch? Woher soll für sie der Sinn für "Bedeutungen" kommen?

Leider merkt man auch einem Großteil der Presse an, dass es den Geldgebern vor allem um gute Renditen geht, und dem Fußvolk um "was mit Medien". Eine verhängnisvolle Begegnung. ;-)

Columbus 02.08.2013 | 14:39

Es gibt reichlich Wissen, Meinungen und Haltungen, ich würde in Erweiterung sagen, ein Ganzes der Kultur, vielleicht sogar das Haupteil einer Gesellschaft, das sich letztlich nicht kapitalisieren lässt. Es verhält sich damit so, wie mit der Natur und Umwelt, von der einst die Grünen glaubten, sie müsste nur die Sünden ausreichend ökonomisieren, nämlich sie teuerer machen, um sie abzuschaffen und damit nachhaltig die Welt zu schützen. - Trugschlüsse waren das!

Ich denke, dass auch Presse, Qualitätspresse zumal, in nicht allzu ferner Zukunft nicht ohne private Mäzene, staatliche Förderung, eventuell gemeinnützige Stiftungen auskommen kann, bleibt es beim derzeitigen Gesellschafts- und Politikmodell, denn die Daten, Fakten, Meinungen und Kunsterzeugnisse, die das "freie", das "öffentliche", das "kulturbildene" Element überhaupt ausmachen, sie sind jene, die keine Preise auf Anbietermärkten erzielen oder zu lange Zeit brauchen, weil sie zukünftig sind und daher nicht in einen Verwertungszyklus passen.

Das jeweilige Medium ist da fast schon eine Nebensache.

Manche Journalisten und sicher die Mehrheit der Verleger als Kaufleute, -gar viele Politiker-, denken,  man könne sich das "Gedöns" sparen und mit einer Art "Hollywood-Presse" die Welt abbilden. Es würde für die Verkäufer und für die Mächtigen sehr viel einfacher oder noch einfacher als es heute schon ist. Aber geistige Armut, bald auch praktisches Leiden, blieben als Zukunftsresultat übrig.

Fazit: Geschäftsmodelle mögen sich schnell ändern, und ganz in diesem Sinne wird da produktiv kräftig zerstört und dort aufgebaut. - Wer weiß?

Aber die nicht-trivialen Dinge, sie sind nicht recht gut verkäuflich und werden es auch niemals sein. Die brauchen, um journalistisch abgebildet zu werden, wohl bald eine Ethik der Gabe und eine neue (?) Moral, die vom Eigeninteresse und Eigentum absieht und das Spiel der Anderen und des Andersartigen zulässt, fördert.

Schön, dass Sie, Herr Augstein, nicht nur SPON mit höchst lesenswerten Kolumnen, die manches Mal gar keine Kleinform mehr sind, versorgen, sondern auch an ihr Blatt denken.

Beste Grüße und weiter so

Christoph Leusch

 

Columbus 02.08.2013 | 19:48

Das, lieber Gustlik, ist ein Scheinarument, nein, ein Pseudoargument. Es wird häufig angewandt: Früher war es auch kein Zuckerschlecken. Warum sollen es andere Generationen leichter, besser haben, warum sollen sie nicht zu den Bedingungen und Umständen leben und arbeiten wie wir "Helden" oder "Ausgelieferte" sie noch kannten.

Sie hören solche Rede vom KIGA bis in die Berufwelt und ins hohe Alter. - Trotzdem ist es leicht zu erkennen, dass das Ziel von Gesellschaften, Kulturen und Politik nicht darauf ausgehen kann und soll. Nicht einmal die Konservierung der Zustände ist wünschenswert.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Konfuzikuntz 02.08.2013 | 22:45

Sie klingen allmählich wie Springers Pressesprecher... :)

Wenden Sie den Blick doch mal ab aus den ach so strategisch weitblickenden Zirkeln der Hauptstadt, weg vom beschämend einfallslosen Bild Plus und ähnlichen Sachen und schauen Sie sich beispielsweise - den Kicker an. Durchaus ernstgemeint. Ist nicht 100% vergleichbar, aber was ist das schon. Man hat dort gestern, ein aktuelles Beispiel, den Lesern das emagazine vorgestellt. Und ich habe spontan, und gewiss nicht als einziger gedacht: Cool! Feine Sache! 

In kleinen, aber sicheren Schritten: Es ist fränkisch bieder, was man dort macht, es gibt die ganze Zeitung jetzt auch (in toto kostenpflichtig) online, und der Leser entscheidet - hierauf kommt es mir an - lediglich entsprechend der eigenen Lesengewohnheiten, wie er den Kicker liest. Auf Papier. Auf dem "mobilen Endgerät". Oder eben beides. Dazu noch ein paar Gimmics für den Afficionado.

Da ist nicht eine Firma auf verzweifelter oder begeisterter Geldjagd zu sehen, sondern ein Unternehmen, das sein Ding anbietet, langsam und Schritt für Schritt mit der Zeit geht, das Internet weder als Fluch bejammert noch als Segen bejubelt, sondern es schlicht als dankbaren weiteren Vertriebsweg mit vielleicht langsam wachsender Bedeutung ansieht. Ganz nüchtern.

Man würde in Nürnberg nie im Leben über der Frage brüten, wie man Fußballjournalismus online verticken kann und sich auf Fachtagungen vorhersagen, dass die Leute in Zukunft keine Sportmagazine mehr kaufen werden und außerdem müsse man für den ROI schnellstmöglich die Druckerei zumachen und "Content" - das Wort ist ein Todesstigma - gehe bestimmt auch billiger...

Da macht ein Magazin, das auf seinem Gebiet tatsächlich und nicht nur in seiner Selbstwahrnehmung ganz respektablen Journalismus anbietet, selbst aber bescheiden ist, der Welt die freundliche Mitteilung, dass seine ganze Printausgabe jetzt zusätzlich auch online bezogen werden kann. So herum scheint mir das die richtige Vorgehensweise zu sein. Und wetten, dass die damit Geld verdienen!

Entweder man jagt das Geld, egal womit. Und man kann etwas und lässt das Geld zu sich kommen...

Springer ist mit Döpfners Strategie ganz lar Variante 1. Ob Ihre eigenartige Haßliebe diesbezüglich damit zu erklären ist, dass Sie mit dem Freitag eigentlich Variante 2 vorhatten, aber langsam zögerlich werden, weil es nicht so recht wuppt?

ebertus 03.08.2013 | 08:14

Natürlich, Variante zwei wäre das wohl auch von Augstein angestrebte Niveau gewesen. Und dass es nicht "wuppt", das mag viele Gründe haben, weil niemand in der Branche -und im Grunde darüber hinaus, sehr grundsätzlich- die wie auch immer geartete Lösung zu bieten hat. Grundsätzlich, weil es in der postindustriellen Gesellschaft an diesbezüglicher Nachfrage zunehmend mangelt, die existentiellen Grundbedürfnisse der Menschen in den Vordergrund des Seins rücken.

Oder klassisch und mit Brecht formuliert, den gesellschaftlichen Rollback fest im Auge:

Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Berufsjugendlicher v2.0 03.08.2013 | 11:19

Im übrigen soll gerade die Welt nur digital überleben. Das ist ein Testfeld gegenüber Bild mit der unverzichtbaren Printausgabe.

Ich weiß wirklich nicht, warum ich mir den Springer-Hut aufsetzen soll und wo die ihr Geld vergraben wollen, da hinriechen wo Springer hinscheißt. Das mache ich bei der Autoindustrie auch nicht und da hängen mehr Arbeitsplätze dran. BMW baut ein Elektroauto mit Karbonkrempel bis zum Abwinken drin, der vermutlich nicht mal in Germoney vermarktet wird. Dasselbe ist die Springer-Oper. Es gibt keinen Hinweis für mich, dass irgendwas dort irgendwelche Relevanz für den Freitag hat. Die Gesellschaft wird sich demokratieerhaltende Medien leisten wollen, dann sollen sie die Förderung von der Gießkanne auf direkte Subventionierung ändern wie in Österreich. Der Weg wurde hier vermauert, durch die Zeitungsverleger. My 2 cents.

ebertus 03.08.2013 | 11:47

Stimmt @Magda,

der Unterschied liegt zum Beispiel darin, dass heute und zunehmend nicht nur bildungsferne, von Hause aus arme Schichten betroffen sind, sein werden. Mal schauen, wer sich zum Bettlerkönig des neuen, akademischen Proletariats -auch in der Medienwelt- herausbildet. Gewerkschaften und andere Protagonisten herkömmlicher Art werden das mit Sicherheit nicht sein.

Dabei dachte man gerade im gepflegten Bildungsbürgertum der ehemaligen BRD, nun bereits auf der anderen Seite der Barrikade angekommen zu sein.

Ansonsten haben wir beide und trotz unterschiedlicher Vita qua wohl altersbedingtem BGE durchaus die notwendige Distanz zur Reflektion, schlimmstenfalls via der noch mitzuerlebenden Entwicklungen von eigenen Kindern und Enkeln tangiert. 

anne mohnen 03.08.2013 | 13:08

Springer bleibt sich beim Verkauf  treu:  „Dies sei für Springer ein weiterer bedeutender Schritt bei der Umsetzung der Strategie, das führende digitale Medienunternehmen zu werden.“ Und das wissen auch „die anderen“, insofern wäre eine Neiddebatte allenfalls zweitrangig.  Das große Thema ist ja,  das sehe ich wie Sie, die Konzentration auf dem Zeitungsmarkt und, wenn man Caspar Busses Artikel liest, ist die eine Frage des Durchhaltevermögens: „Springer-Chef Döpfner wollte bisher die gedruckte Zeitung ins Internet überführen. Jetzt behält er als wichtige Titel nur noch Bild und Welt mit einigen Ablegern. Bei allen anderen hat er den Kampf aufgegeben.“ Das jedenfalls betrifft Berliner MoPo und das Hamburger Abendblatt und angesichts der Entwicklungen -  die 4. Gewalt. Bei Fernsehzeitungen kenne ich mich nicht aus, welchen Einfluss die haben. Ich lese nur die, die mir kostenlos in den Briefkasten geworfen werden. Naja, da sind noch die 950(?) Mitarbeiter, aber das fällt wohl allgemein unter die üblichen Kollateralschäden bzw. unter  “shit happens“. 

Warmherzigen Meinungsaustausch gibt’s dann wieder, wenn bei Phönix Augstein und Blome wieder aufeinandertreffen  und NBlome auch JAugsteins neues Buch moderiert ;)

LG am

Columbus 03.08.2013 | 14:19

Es ist als Jakob Augstein, einfach nur Jakob Augstein und sonst nichts zu sein, extrem schwer. Daher bin ich gerne milde und zurückhaltend im Urteil.

Zu viele Projektionen und Wünsche gehen da auf einen gelernten Journalisten und Reporter, einen Verleger aus Gelegenheit und guten Schreiber, dessen Kolumnen, die durchaus gegen den bräsigen Mainstream gerichtet sind,  in der Wüste wie eine Oase samt Palmhain und Quelle wirken. Da geht auch einmal ein Thema nicht und ist sprachlicher Schwurbel, aber es wäre Vermessenheit und Undank nicht die Leistungen Augsteins anzuerkennen und seine völlig berechtigten Argumente nicht ernst zu nehmen.

Aber auch ein Jakob Augstein, mit oder ohne den Ballast an öffentlichem Vorwissen zu seiner  Person, zur Familie, zu Besitzverhältnissen und Rechten beim Spiegel, kann mit einem kleinen Presseerzeugnis die existierende Welt nicht auf den Kopf stellen und Dinge in Maßen profitabel machen, die einfach nicht marktgängig sind. Die Marktfähigkeit der Presseprodukte ist weitestgehend unabhängig (entkoppelt) von der Qualität. Da geht es nun einmal so zu, wie auf allen Märkten für Unterhaltung, Infotainment und Zerstreuung. Jeder denkende Mensch weiß, dass Detailwissen, Bildung und wirkliche Recherchekenntnisse nicht entscheidend für das Marketing und den Verkauf von Presseartikeln sind. Wäre es anders unsere Medienwelt sähe weniger bunt, dafür aber mehr schwarz auf weiß und furchtbar vertextet aus. Ich weiß mittlerweile selbst kaum mehr, ob ich mir das zurückwünschen wollte, weil die langen Jahrzehnte, in denen ich das bewusst suchte, bei mir selbst kaum den Eindruck hinterlassen haben, es hätte in der Breite was genutzt.

Aber eines weiß ich. Eine inhaltsreiche Presse ohne Subventionen kann nur betrieben werden, wenn irgendwie und irgendwo her das Geld kommt, den Gestaltungsspielraum zu sichern und die Unabhängigkeit zu wahren.

Wer am Rande der Existenz dahin produziert, der arbeitet sich nicht nur ab, sondern wird auch graduell immer schlechter, entdifferenzierter und leistungsschwächer, der wird auch davon abhängig, gerade immer nur das Nächste, ohne weitere Strategie unter die Leser und zunehmend die Seher  zu werfen.

Daher mein Fazit: Es braucht Mäzene, Stiftungen und den Staat, die aber möglichst nichts inhaltlich beeinflussen dürfen.

Z.B. regelmäßige Korrespondentenberichte aus allen Nachbarländern, dringlich notwendig, aber nirgendwo konsequent durchgeführt, hielte ich für absolut förderwürdig. Ebenso an möglichst jedem Publikumspresseorgan eine kleine Wissenschaftsredaktion. Das sind meist die 1-3% Interessethemen, die den Bach runter gehen.

Politik und Wirtschaft laufen von selbst, ebenso alles rund um den Alltag und die Ratgeberei jeglicher Art. Da wirbt auch die Industrie gerne nebenan und rundherum.  Seien wir ehrlich und erklären frei heraus, dass z.B. die Auto und Reiseseiten der meisten Publikumspresseorgane heute erweiterte Pressesprecher- und Marketingfunktionen der entsprechenden Anbieter darstellen. Ganz furchtbar ist z.B. in diese Richtung die SZ. Da werden Dinge über Autos als Infortmation und Wissen weitergegeben, für die kann sich der entsprechende Hersteller nur herzlichst mit Weltreisen und anderen Incentives, sowie großzügigen Anzeigen bedanken.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

Johannes Renault 03.08.2013 | 14:40

Die Journaille könnte doch auch erst einmal versuchen, sich durch 'staatliche Hilfe' ihr Geistiges Eigentum im Internet zu sichern.

Repressialien, Kontrolle, Sanktionen, Strafen. Siehe: Musik- u. Filmindustrie.

Da das offensichtlich nicht geht,  weil nicht alle Journaillen in das gleiche Horn blasen und noch ein politisch-gesellschaftlicher Faktor mit an Bord ist - im Vergleich zur Popmode-Industrie, findet nun bei Springer das statt was ich mir eigentlich wünsche:

Die Grossen, die es schaffen weiterhin so gekauft zu werden wie sie es wünschen behalten die Milchkühe, die Hühner oder den Acker. Der Rest geht über den Jordan. Das heisst, wenige verdienen exklusiv, die meisten irgendwie, irgendwo 'nur noch' €12,50 in der Stunde. Voila!

In der 'Universal-Sony-Industrie' wird es sicher noch ein 'woll-milchgebendes und eierlegendes System' geben. Doch auch hier wird sich der gewöhnliche Barde (Element of Crime) auf seinen öffentlichen Auftritt, und etwa 1400 netto gewöhnen können.

Da ich auch für Volvo-Kombi, Haus mit Garten und bester Schulbildung für die kleinen bin, werde ich diesen normalen Wandel mit allerlei nordafrikanischen Weibergejohle beklagen.

Wo ich nur kann.

Die Nachrichten, auch die guten und freien, wird es immer geben. 

anne mohnen 03.08.2013 | 15:08

Lieber Columbus,

gut das Sie an die Mühen des Verlegerlebens erinnern!

Ich teile doch die Auffassung, dass durch diesen Deal die 4. Gewalt nicht untergeht. Der Konzentration von Riesen schaue ich allerdings mit einigem Schaudern zu. Was die MOPO anbelangt, so war und ist sie vielen Berlinern wichtig (meine Wenigkeit außenvorgelassen). Ich gehe davon aus, dass die neuen Eigner sich nicht vom Blatt verabschieden.

Ja, jede Tageszeitung, die stirbt, ist eine zu viel. Warum? Ihre Bedeutung liegt zunehmend auf dem Lokalteil. Da gibt es ja durchaus gute Beispiele, die das kapiert haben.  Und wurde beim Niedergang der FR nicht auch der Fehler darin gesucht, dass die das Lokale preisgegeben hätten. Aber lassen wir das.

Ich bin hier keine Springer-Basherin. Sollte es JAugstein gelingen mittels  launiger Phönix-Sendung oder anderer Aktivitäten mit Springer-Leuten, dass bei dF ein_e Wirtschaftsjournalist_in eingestellt würde, von dem schmerzlich vermissten Buch WISSEN ganz zu schweigen, dann heiligte doch der Zweck die Mittel, auch dann nicht, wenn ein Blatt wie dF oder andere BILD& Co nichts anhaben können. Oder?

Auch stimme ich mit Ihnen überein, was Autos etc. anbelangt, obwohl gute Reisereportagen in Zeitungen rar sind, wie wir hier doch noch schmerzlich in Erinnerung haben sollten. :O)))

Schöne Grüße am

PS: Ich liebe die SZ und die Zeit - auch wenn ich die Magazine selten lese- bin halt nur ein Mensch.

 

Johannes Renault 03.08.2013 | 15:21

Übrigens hat man (meine alte serbische Nachbarin und ich), schon vor einiger Zeit festgestellt, dass sich zwei Formen der Veröffentlichung entwickelt haben: 

1. Die öffentlich-selbsbespiegelte, die auch bei jeder Möglichkeit behauptet sie sei die grosse, faire, demokratische 4. Instanz.

2. Die hundertmal grössere aus unabhängigen Netzzeitungen, -Aktivisten, Kommentatoren unter den teils haarsträubend konformen Artikeln der alten Meinungsblätter der Könige, Fürsten, Bischhöfe, Magnaten und ihrer Landsknechte. Dort, wo auch mal der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, welcher am Vortag noch im TV auftrat, vorgestellt wird, als: seht her, es geht doch.

Diese 5. Instanz wirkt Parallel zu jeder Zeit. Sie wird gelesen und nie zitiert oder gar aufgegriffen - gehoben aus dem Kommentaräther, jenem Raum der das ganze Universum wie die kleine Wohnung der serbischen Nachbarin aussehen lässt.

Für alle Medien zu formung der ruhigen Republiken, ist diese gigantische "schwarze Materie", welche das sechmillionenfache aller ausgesrahlten Bilder dieser Welt bedeutet, natürlich die 5. Kolonne der "Verschwörung". 

Allenfalls, und mit Sicherheit dient sie den Medienmachern und Fürsten  und Ideen als 'Geheime Meldungen aus dem Reich'.

 

Also, ich fasse nochmal zusammen: 1. und 2.

Herr Augstein und Döpfner (vor allem der) reden und schreiben über 1.

ebertus 03.08.2013 | 16:29

Aber dieses 2. wird es nur solange geben, wie die Herren "der konformen Artikeln der alten Meinungsblätter der Könige, Fürsten, Bischhöfe, Magnaten und ihrer Landsknechte" dem staatlichen System einer allumfassenden Überwachung nebst allfälliger Sanktion bei "Fehlverhalten" sicher sein können.

Wenn sich Menschen in substantiellen Stückzahlen in Parallelgesellschaften (wie der einer ehemaligen DDR) zurück ziehen, nicht mehr die GlobalPlayer des willfährigen Informationsbusiness nutzen, dann wird auch hierzulande und ähnlich der sog. Schurkenstaaten wirkungsvolle Verschlüsselung verboten bzw. kriminalisiert, werden VPN-Systeme staatlich reglementiert.

Derartiges und viel mehr noch steht dann auf dem Index...

J.Taylor 03.08.2013 | 17:17

Die Erstellung von Flugblättern im 3. Reich, beispielsweise durch die Weiße Rose, erforderte mehr Mut, als viele Menschen in der Lage sind aufzubringen. Das hat aber wohl weniger mit Journalismus zu tun. Die Mitglieder der Weißen Rose, wenn ich bei diesem Beispiel blieben darf, brauchten dafür nicht einmal Lust und Liebe, denn sie taten es aus Überzeugung.

Meine Einlassung zielte auf eine Bezahlung journalistischer Arbeit, heute und auch in der Zukunft. In der aktuellen Ausgabe des FREITAG, finden Sie sogar einen großen Artikel dazu, was mich freut, denn das Thema drängt und muss gelöst werden, da viele Journalisten in prekären Situationen sind, ein unhaltbarer Zustand.

J.Taylor 03.08.2013 | 17:38

Nun, ob Ihrer Bezeichnung hielt ich Sie für eine Journalistin, was aber insoweit stimmt, dass sie schreiben.

In den letzten 20-22 Jahren haben sich prekäre Berufssituationen in alle Branchen wie Rostfrass hineingefressen, es ist manchmal zum Kotzen. Arbeitsleistung unterliegt momentan einer höheren Inflation als Sparguthaben, so ist mein Eindruck, und der Boden dieses Desasters ist noch nicht erreicht.

Die Freiheit gibt es nur, wenn man sie sich leiten kann. Das ist der schlimmste Betrug, den der Finanzkapitalismus den Menschen antun kann.

Als ich jung war, in den 70er Jahren, hat ein deutscher Kabarettist, dessen Namen ich leider vergessen habe, folgendes dazu gesagt:

"Die Freiheit im Kapitalismus ist wie ein Zigarettenautomat. Nur wer die Mark hat, hat die freie Wahl."

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Ehemaliger Nutzer 03.08.2013 | 18:11
Was im o. Artikel völlig unbeachtet bleibt: Für seine Strategien im TV-markt und im online-Geschäft muss sich der Springer-Konzern von seinen Blättern trennen, weil ansonsten das Kartellamt ihm wieder ein Strich durch die Rechnung macht. DESHALB jetzt der Verkauf der Regionalblätter.
Joachim Petrick 04.08.2013 | 00:05


"Extrabyte"
assoziiert gelungen das Westberliner Extrablatt 1968 mit unserer digitalisierten Welt der Gegenwart. Das hat semantischeneSchmiss, das hat journalistische Wucht.

Das habe ich grne gelesen.


Was dieser Artikel dagegen in seinen Unwuchten nicht hergibt, ist die Mutmaßung, dass da womöglich einer quasi an sich selber das Hamburger Abendblatt, HÖR ZU, verkauft, um es bei Gelegenheit zum günstig fallenden Preis wieder einzukaufen, nachdem die Funk Gruppe das getan, was sie am  besten kann, Altverträge von Mitarbeitern zu entkernen, Verlagsprudukte von Personalbeständen und Standorten zu befreien?

Warum so heftig auf diesen Deal reagiert wird, ist nicht der Deal, sondern das Gefühl, dass sich Zeitungskonzerne in monetäres Wohlgefallen auflösen, um das Geschäft der Demokratie als solches der Art angeblicher Überparteilichkeit  profitabel zu entsorgen.
Gehört nun parteilichen Verlagsprodukten, wie einst im 19. Jahrhundert die Zukunft?, mit dem Freitag als irgendwie links angesiedelt voranreitender Gallonsfigur?

Das sieht dann nicht nach Journalismus als Steckenpferd durch Querfinanzierung, sondern nach einer radikalen Politisierung der journalistischen Landschaft aus.

Parteien entdecken "Vorwärts" das Geschäft des Zweitungsmachens in Verbindung mit Partei- Mitgliedschaft der Abonnenten neu?

anne mohnen 04.08.2013 | 07:50

„Warum so heftig auf diesen Deal reagiert wird, ist nicht der Deal, sondern das Gefühl, dass sich Zeitungskonzerne in monetäres Wohlgefallen auflösen, um das Geschäft der Demokratie als solches der Art angeblicher Überparteilichkeit  profitabel zu entsorgen.“

Da ist schwer was dran!

"Parteien entdecken "Vorwärts" das Geschäft des Zweitungsmachens in Verbindung mit Partei- Mitgliedschaft der Abonnenten neu?",

wobei CDU und FDP haben ja das Glück u.a. im Falle der Springer-Presse vom "Weh und Ach"  einer  Zeitungsfinanzierung befreit zu sein.

 

Heinz 04.08.2013 | 11:31

Kultur ist eine Karawane, die beständig weiter zieht. Von Zeiten zu Zeiten, von Ländern zu Ländern und von Kontinent zu Kontinent. Ich empfehle Die Weber zu lesen.  Döpfner macht einen Versuch und ob der gelingt ist bis auf weiteres offen. Marshall McLuhan stellte alle Medien als gleichwertig nebeneinander. Bisher waren das Steinplatten, Tontafeln, Papyri, Pergament und in letzter Zeit vorwiegend gedruckte Bücher und Zeitungen.

Umdenken, umdenken, umdenken.

Der Kopf ist rund, damit ...

lebowski 04.08.2013 | 12:41

Einige meiner besten LPs im Plattenschrank verdanke ich den Plattentips der "Hörzu".  Danke dafür.

 

Ansonsten: setzt Springer jetzt nicht einfach die "Reformen" durch, die Journalisten in den Kommentaren gerne anmahnen und fordern, solange es sie nicht selber betrifft. Schon sch.., wenn man mal selber die Medizin zu schmecken kriegt, die man anderen gerne verschreiben will.

silvio spottiswoode 04.08.2013 | 13:44

 

Seit Tagen überlege ich nun schon, warum diese Nachricht mich irgendwie doch kalt lässt. Mehr noch, es war ein Aufatmen, eine Klärung. "A watershed". Da zeigt sich die eigentliche Form des Unternehmens: Springer ist schon lange ein renditegesteuerter Medienkonzern und kein inhaltegenerierender Verlag mehr.
Von dem Deal hörte ich letzte Woche in Form eines Anrufs:"Hey, hast Du schon vom neuesten Geschäftsmodell gehört? Du verkaufst deine Altlasten und gibst dem Käufer auch noch das Geld dafuer." Das war unglaublich. Doepfner versteht Springer als "ein Haus der Kreativen". Von der Idee war ich sofort begeistert, das war subversiv. "Das will ich auch", dachte ich mir. Wie haben sie das Ding eingefädelt. Ob ich von Doepfner doch noch was lernen könnte? Oder bedeutete es, ich muss die Branche wechseln. Wenn Springer kreativ ist, was bin ich dann? Das frage ich mich sowieso schon die ganze Zeit. Da geraten die Grenzen ins Wanken. Oder auch nicht.
Jedenfalls ist Doepfner wahrscheinlich zu viel Geschäftsmann, als dass ihn irgendeine Ideologie interessieren würde. Niggemeier formuliert das in der Sonntagszeitung ganz treffend, als Teil einer Inszenierung, auf der Suche nach der eigenen Identität: "Es ist schwer, angesichts dessen nicht (...) darüber zu spekulieren, wie groß die Minderwertigkeitskomplexe dieses Unternehmens und seines Vorstandsvorsitzenden sein müssen; das Gefühl, bei aller Macht, bei allem Erfolg, letztlich einfach nicht genug geliebt zu werden. Springer wird gefürchtet und respektiert. Aber geschätzt, bewundert, geliebt?"
Der Journalismus spaltet sich auf: In fremdgesteuerte, politikmachende Propagandamaschinen der Unterhaltungsindustrie und unabhängige, freie Verlagshaeuser, die sich kritischem Journalismus verschrieben haben.

Berufsjugendlicher v2.0 04.08.2013 | 15:01

Innovation statt Bezahlschranke titelt die TAZ in einem Bericht über die Zusammenlegung der Online- und der Print-Redaktion bei Der Standard aus Österreich. Die hätten über Paywall nichtmal nachgedacht. Die online-Redaktion hatte 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ist zwar eine Tageszeitung in Österreich, aber vielleicht kann der Freitag ja noch was vom Standard lernen, wo bei Springer jetzt noch weniger zu holen ist als vorher (nix).

dernetzmeider 04.08.2013 | 15:59

Noch ein kurzer Beitrag zu JA's Einstellung zur Presse- und Meinungsfreiheit. Den Auszug aus einer E-Mail von JA hat mir ein Bekannter zur Verfügung gestellt der vom Freitag rausgeschmissen wurde (ob seiner Kririk!):

"Diese Nachricht (inklusive aller Anhänge) ist vertraulich. Sie darf ausschließlich durch den vorgesehenen Empfänger und Adressaten gelesen, kopiert oder genutzt werden. Sollten Sie diese Nachricht versehentlich erhalten haben, bitten wir, den Absender (durch Antwort-E-Mail) hiervon unverzüglich zu informieren und die Nachricht zu löschen. Jede Nutzung oder Weitergabe des Inhalts dieser Nachricht, sei es vollständig oder teilweise, ist unzulässig sofern sie nicht ausdrücklich erlaubt wurde.

This message (including any attachments) is confidential and may be privileged. It may be read, copied and used only by the intended recipient. If you have received it in error please contact the sender (by return E-Mail) immediately and delete this message. Any use or dissemination of this message in whole or in part is strictly prohibited unless authorised by the sender."

Alles Klar?

silvio spottiswoode 04.08.2013 | 17:14
"Wie wird mein versoffener Garten wieder nüchtern" ist eine überraschend literarische Überschrift.  "Die breite Masse liest eben eine einfache, emotionale Zeitung, die ihre Sprache spricht." Klar, deswegen bewundert Döpfner ja auch Kai Diekmann den Künstler. "Ganz wenige Menschen könnten diese Aufgabe bewältigen. Sie erfordert die Psychologie und die Sensibilität eines Künstlers (...)"  Irre, da fahren sie einmal nach LA und schon sind alle Künstler. O_o So langsam verstehe ich jetzt auch emotional wie es zu "Dada" kam.  Und damit ist die verwertungsorientierte Verkuenstlerung der Gesellschaft dann ganz offiziell abgeschlossen. Es lebe die Kreativindustrie. Beuys hatte recht, "jeder Mensch ist ein Künstler". "Aber es geht eben auch nicht nur ums Geld." sagt Doepfner. Nein nein, das stimmt. Es geht um Macht und Kontrolle.  Die Verwirrung nun auch noch mit der Mythologisierung durch Kunst zu steigern spricht Bände, wenn du mich fragst. Döpfner hat keinen Plan, ist irgendwie dann auch nur ein besserer Verwaltungsangestellter. Auch dass jetzt noch die künstlerischen Prozesse beschworen werden, aber dass es nach wie vor kaum verlässliche Zahlen gibt. Das ist Voodoo. Sollen sie doch einfach mal die Karten auf den Tisch legen und sagen, dass es sich als falsch erwiesen hat Print von Online zu trennen. Oder, dass sich seit mehr als zehn Jahren keiner wirklich Gedanken über die Möglichkeiten von Print in im Digitalen Zeitalter gemacht hat. Die Möglichkeiten sind da, die schreien uns förmlich an.  :-))))) . 
anne mohnen 04.08.2013 | 18:20

Also, in dem taz-Interview gibt MDöpfner sich doch souveräner als Kai  Diekmann.

„Aber es geht eben auch nicht nur ums Geld." sagt Doepfner. Nein nein, das stimmt. Es geht um Macht und Kontrolle. „ D’accord! Und in Zukunft werden die auch weiterhin die Linke nicht featurern. Dafür Großgeister von der FDP und CDU.

Mein Lieblingskolumne:  „Post von Wagner“: so schlicht, so einfach, gemacht für Dich und mich:

 „Wie ungerecht! Wie wollen Sie demnächst reden, mit welcher Moral? Es ist nichts bewiesen. Was wir haben, ist der Teufel Verdacht. Ein Internet-Geschwätz.

Der große Nobert Lammert. Ich hoffe, dass der große Norbert Lammert überlebt.

Herzlichst (...)

Zitiert aus: http://www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/norbert-lammert-plagiatsvorwurf-31597226.bild.html:

 Zumindest braucht es bei Wagner  keine weiteren „Investitionen“ mehr.  Und wer den zum Freund hat (...)

Schade, dass Diekmann Wagner keine Briefe an die Kauder-Brüder schreiben lässt. Einst in Nibelungentreue verbunden, jetzt tragisch zerstritten, wäre Wagners stille Post sicher von therapeutischem Nutzen im irren Dickicht zerrütteter Familienverhältnisse.

Wie wäre es mit einer gemeinsamen Berwerbung?

Kai Diekmann sucht Medienrevolutionäre!

Denn "(...) glaube, dass uns die Sonne alle fröhlicher macht, dieser heiße Stern in der Galaxie."

 

 

mcmac 04.08.2013 | 19:15

...Hat schon mal jemand drüber nachgedacht, guten Journalismus als öffentlich-rechtliche Sache zu verstehen?...

Ja, definitiv. - Wenn Medien in einer Demokratie eine so gewaltige Rolle spielen (sogen. "Vierte Gewalt"), dann sind sie eine grundlegende öffentliche Angelegenheit ("res publica"), die nicht den ökonomischen Zwängen und Gesetzen des Profits untergeordnet werden darf.

lg-mcmac

balsamico 04.08.2013 | 19:35

Ja, definitiv. - Wenn Medien in einer Demokratie eine so gewaltige Rolle spielen (sogen. "Vierte Gewalt"), dann sind sie eine grundlegende öffentliche Angelegenheit ("res publica"), die nicht den ökonomischen Zwängen und Gesetzen des Profits untergeordnet werden darf.

Eben. Beim gebührenfianzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen bzw. den Rundfunkanstalten der Länder und DRadio ist es schließlich ebenso. Zwar muss man es bei den Zeitungsverlagen nicht 1:1  nachmachen, geht vermutlich auch gar nicht. Aber das besagt ja nicht, dass man den Verlagen keine öffentlichen Mittel zuwenden dürfte. Einfach mal nachdenken, wie es am Besten gehen könnte. Auf alle Fälle sollten sie ab einem gewissen Umfang an öffentlichkeitswirksamer Information als gemeinnützig gelten. Das muss man natürlich definieren. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Meistens jedenfalls.

Columbus 04.08.2013 | 21:06

Hey, Silivio Spottiswoode,

Angenommen Wissen und Bildung wären ein Maß für Trinkfestigkeit. Wir lägen längst unter den Tischen, söffen wir mit Beuys, Arp, Huelsenbeck, gar Hugo Ball oder Walter Serner um die Wette. Ich wenigstens, traue mir nicht ein Achtel an Grips oder Bildung zu, wäre also nach der ersten oder zweiten Runde schon erledigt, vgl. mit diesen Typen. - Fazit. Das wäre extrem ungerecht für Dada und Beuys, die und deren Schöpfungen mit Kai Dieckmann als Person und Produzent von Presse zu vergleichen. (;-))

Bitte vergleichen Sie mich oder Sie sich selbst mit dem Kai und seiner Springerproduktion, da herrschten dann mehr Chancen für Vergleiche, auch wenn sie für D. trotzdem nicht schmeichelhaft ausfielen. (;-))

 Beste Grüße

Christoph Leusch

 

Columbus 04.08.2013 | 21:19

Ich hoffe auf die Albrecht- Erben. (;-)) Die nehmen sich die Hälfte des Privatvermögens und den rest stiften sie für den Kapitalstock einer Stiftung "Gesellschaft für die Freiheit und Offenheit des Journalismus in Deutschland e.V." Stiftungszweck: Koninuierliche Förderung der Auslandsberichterstattung, des Kulturjournalismus und des Wissenschaftsjournalismus in der deutschen Presse und Sponsoring der Sprach- und Wissensfortbildung an einer neu zu gründenden Fortbildungsakademie des deutschen Journalismus in Mainz. (;-))

Mainz ist natürlich mein Mainz und daher hoffnungslos unrealistisch.

Beste Grüße

Christoph Leusch

PS:

Von Einfluss auf die Stiftunggremien ausgeschlossen: Berufspolitiker, Banker, Leiter und Manager von Großunternehmen, Sportfunktionäre und hohe Beamte und Verleger und Chefredakteure. - Nicht aus Bosheit oder falschem Verdacht, sondern weil die ihre Interessen zu sehr pflegen und im Falle der Leute aus der Öffentlichkeit, häufig zu eitel sind. Das reduziert meist den Denkhorizont.

Columbus 04.08.2013 | 22:04

Kann  ich unterschreiben, Anne Mohnen.

5000 Abos mehr beim dF und Wirtschaft+Wissenschaft wären drin.

Andere Möglichkeit: Fördergelder bei der EU beantragen für eine regelmäßige EU-Berichte, unter der Garantie, es dürften dort nur bodenständige Journalisten und Intellektuelle aus diesen Nachbarländern (9) schreiben. das wäre der erste Schritt zum Ausbau des dF als Weltstandard-Intelligenzblatt.

Warum Intelligenzblatt, wenn es dummblattmäßig doch besser und leichter geht?- Ich verrate es: Das ist nur für die Förderanträge als akzeptable Begründung, denn ansonsten sind wir alle recht gleichmäßig, aber unterschiedlich bescheuert. Förderanträge werden aber von neunmalklugen Menschen gelesen und denen muss man auch eine Chance geben, irgend etwas zu entscheiden.

Gute Woche und nur das Beste

Christoph Leusch

mcmac 05.08.2013 | 11:45

...Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Meistens jedenfalls.

Es stellt sich - auch hier & wieder einmal - vor allem die Frage, w i e wir (künftig) leben wollen. Wenn Demokratie eine öffentliche Angelegenheit bleiben soll (bzw.: Demokratie ohne aufgeklärte Öffentlichkeit ist ein Widerspruch in sich), muss es einen gesellschaftlichen Konsens darüber geben, dass Informationen (und deren Strukturierung) weitesgehend unabhängig (sowohl von ökonomischen als auch von parteitaktischen Interessen) jeder und jedem  f r e i  zugänglich sein muss. Eine Gesellschaft muss sich darüber (diskursiv)  klar werden, ob sie sich das leisten will oder nicht (ja, natürlich soll & muss sie sich es leisten, wenn sie sich "Demokratie" auf die Fahnen geschrieben hat!).

ch.paffen 05.08.2013 | 14:01

“… Kann es sein, dass am Grund so heftiger Reaktionen die Angst liegt?...“

ich drücke es mal so aus – mit einem „print dino“  (dino = ausgestorben) auf der titelseite ist ggf. ein „klein wenig“ over the top oder einfach dem special sense of humor des chefredakteurs geschuldet ….. * bewußt angst machen oder angst verbreiten, ist ja kein wirklich feiner wesenszug, wie ich finde * ganz übel ist es aber, so mein empfinden, die interne zukunfts- bzw. existensangst dem leser als den „untergang des abendlandes“ – „der drohenden diktatur des no print“ – scheitert der print, scheitert die 4.te macht, scheitert die demokratie“ HALLO?????

als augenzwinkernden humorkick (fun factor rauf) hat der dino meine sympathie, trotz oder grade wegen der nostalgie (dad las und „raschelt“ = wunderschöne kindheitserinnerungen - „postprint generation“ als daily ritual „an jedem verdammten feierabend“ – die ganz ruhige zeit ohne tv, vor der tagesschau * sicherheit, freiheit, wahnsinnig cosy, und nebenbei (dad konnte lesen und die „weltbewegenden fragen aus der kidzworld“ beantworten) * ohne frage bin ich also vorbelastet durch diese frühkindlichen traumatischen erinnerungen (keine action, kein tv, boring, boring, boring (scherz, joke) – neudeutsch könnte man es auch aktive entschleunigung + infotainment nennen …..) * es raschelte viel ….. * vorbei, dennoch ist gut informiert sein eine nicht zu unterschätzende bereicherung auch wenn die quellen (print) irgendwie old school sind

ob der titel extrabyte, extrabyte so der voll knaller ist oder mehr eine absage an die von döpfner umgesetzte online first strategie beim print bereich, der springer ag sein soll (byte ist ja irgendwie eine überschaubare menge an zeichen, wenn die wikipedia info stimmt), wird ja wissen * fein hätte ich es irgendwie gefunden, wenn der autor weniger das orakel von delphi gibt, sonder der leser klar erkennen kann was nun wie und warum da so steht wie es steht * eine aufforderung zur klaren, deutlichen schreibe in anlehnung an “… Es geht darum, Begriffe zurückzuerobern: Gerechtigkeit, Gesetz, Gleichheit, Demokratie, Freiheit …“(Augstein-Kolumne: Am Schmelzpunkt des sozialen Systems - SPIEGEL ONLINE) * vielleicht aber auch ein ausgeklügelter anti einfache sprache exemplar im der Freitag ….. * so gesehen danke weil mutmaßen kann eine bereicherung sein … KANN * wie ich finde kein wirkliches must have

zu döpfner und seinen style fand ich ein gespräch mit Precht - ZDFmediathek - ZDF Mediathek mit dem titel “gefährliche freiheit“ sehenwert * lesenswert fand ich "Springer und die 68er" - ein Dialog nach 40 Jahren - Politik - Deutschland - Hamburger Abendblatt oder DER SPIEGEL 25/2006 - Wir Deutschen sind unberechenbar dies kann einem ggf. das einordnen der aktuellen meldungen ein wenig erleichtern

ach und damit es spannend bleibt, aktuell Jakob Augstein: Merkel und die Deutschen bilden ein Bündnis der Angst - SPIEGEL ONLINE * feinen wochenstart cp   

Merkurlino 06.08.2013 | 10:09

Von mir aus können die meisten Zeitungen – so wie sie heute daher kommen - aussterben! Jawohl! Sie sind veraltet! Schon längst!
Die Welt, Bild, der Spiegel und der Freitag – und wie sie alle heißen – ich brauche sie und die Meinungen Ihrer Kommentatoren nicht. Leise schleichend könnten sie meinetwegen verschwinden - und ihre Journalisten gleich mit.
Warum sollte ich die vielen, die widersprüchlichen und seichten Informationen aus aller Welt oder die selbstgerechten Meinungen der Kommentatoren denn lesen wollen? Um mich zu bilden? Aber hallo!
Warum also?
Unterm Strich werde ich davon nicht klüger und zufriedener,  eher schon verwirrter, feindseliger, voreingenommener, rechthaberischer. Besonders dann, wenn ich alles ungefiltert aufnehme. Mit anderen Worten: Durch diesen ganzen Wust der diversen Journale (einschließlich des Fernsehens) werde ich mich nicht bewegen, es macht mich nicht an! Es stielt mir meine Zeit und meinen Frieden!
Und ich möchte dafür auch nicht noch zahlen -  weißgottnicht!

Was für ein Irrsinn!
Die hin und her springende Zunft der Journalisten beobachtet fast immer nur das Außen in seinen Bewegungen. Und auch sich selbst bringen sie nie zur Ruhe. Und daher merken sie auch nichts, rein gar nichts von Veränderungen!  Aber reden, das müssen sie ohne Pause und schreiben. Darin sehen sie Sinn!

Ich – für meine Person - möchte aber Erkenntnis und immer durch neue Erfahrungen und Einsichten Bewusstseinserweiterung  gewinnen und mir erarbeiten. „Gnothi se auton!“ Doch dazu brauche ich notwendig die wahrhaftigen Erfahrungen anderer mit sich selbst – nicht deren unreflektierten Animositäten und Lügen.
Wie faszinierend lebendig und ansteckend beschreibt euer Augstein sich selbst im Umgang mit seinem Garten und wie tot und intellektuell kommt er daher in seinen Kommentaren. Er ist das beste Beispiel dafür, wo es lang geht und wo nicht. Ihm sollte man sagen „Grau , teurer Freund ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum!“ (J.W. v. G.)
Klartext:
Denken verhindert Erleben!
(Das regt die Intellektuellen jetzt natürlich auf. Ihre heilige Kuh soll geschlachtet werden – das geht gar nicht!)
Cool down! Augstein besonders, aber auch allen anderen Journalisten und Herausgebern möchte ich ans Herz legen:  Sinnt mehr und mehr nach über die Worte „Wenn ihr es nicht erfühlt, ihr werdet es nicht erjagen!“ (e.d.)
Und setzt es um!
Dann werdet ihr auch gerne gehört und gelesen!
So wie Augstein, wenn  er  sich in Worte fasst.