Jakob Augstein
26.06.2012 | 23:02 210

Offener Brief an Albrecht Müller

Nachdenkseiten Albrecht Müllers Nachdenkseiten genießen einen guten Ruf. Warum eigentlich? Denn ihr Gründer folgt mehr seinen eigenen Vorurteilen als seriösem Erkenntnisinteresse.

Lieber Albrecht Müller,

dies hier ist eine Gegendarstellung.

Ich weiß nicht, ob es mich freuen soll, dass Sie meine Kolumnen hin und wieder der Kommentierung und Untersuchung für würdig erachten. Sagen wir so: Es würde mich freuen, wenn Sie ein kluger Leser wären. Das sind Sie leider nicht.

Sie lesen offenbar nicht den Text, der vor Ihren Augen steht, sondern Sie suchen in dem Text Ihre eigenen Vorurteile – und wenn Sie die nicht finden, macht es Ihnen auch nichts aus.

Mir ist das schon das eine oder andere Mal aufgefallen. Dieses Mal aber ist es derart offensichtlich, dass es nicht unerwähnt bleiben sollte.

Es geht um Ihre Kommentierung meiner SPON Kolumne von Montag, 26. Juni.

Ich schreibe da auf, was Angela Merkel meiner Ansicht nach tun sollte: Nämlich sich für eine Ausdehnung der Europäischen Integration einzusetzen um den Euro und die bisherigen Errungenschaften seit den Römischen Verträgen zu retten. Ich stelle die These auf, dass sie das gegen den Widerstand der Bevölkerung und der eigenen Partei leisten müsste und Gefahr liefe, darüber ihr Amt zu verlieren. Der Text kreist um den Gedanken, dass diese Kanzlerin sich für Deutschland und Europa opfern muss.

Ihre Kritik ist kurios. Sie werfen mir vor, ein Parteigänger von Angela Merkel und ein Adpet der neoliberalen Ideologie zu sein. Außerdem schreiben Sie, dass ich die Hartz IV Maßnahmen verteidige.

Es gibt jetzt drei Möglichkeiten: Entweder haben Sie noch nie einen Artikel von mir gelesen – was eigentlich unwahrscheinlich ist, da ich das zweifelhafte Vergnügen habe, manchmal von Ihnen verarztet zu werden. Oder Sie haben die Artikel nicht verstanden – was ich auch nicht glaube, da ich nicht kompliziert schreibe und Sie mir als Autor keinen beschränkten Eindruck machen. Oder – und das ist meine Vermutung – es ist Ihnen ganz gleichgültig, was jemand denkt und schreibt, weil Sie sich nur für Ihre eigenenen Ansichten interessieren. Das ist die denkbar traurigste Variante.
 
Nehmen wir nur mal diesen Satz: "Der Autor hat auch nicht verstanden, dass wir nicht zu aller erst eine Staatsschuldenkrise sondern eine Finanzkrise hatten."

Darf ich Sie mal auf diese drei Zitate aus Artikeln von mir aufmerksam machen:

27.10.2011
"Der Begriff der Schuldenkrise hat sich durchgesetzt. Das ist ein Zeichen für den fortgeschrittenen Grad an Manipulation, der die Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Wenn einer Schulden hat, so klingt das, dann hat er zu viel Geld ausgegeben und muss sparen. Andersherum wird ein Schuh draus: Wir haben ein Einnahmeproblem, kein Ausgabenproblem. Deutschland gibt nicht zu viel Geld aus. Es nimmt zu wenig Geld ein. Die Arbeiter und Angestellte, deren Einkommen seit Jahren stagnieren, haben keineswegs über ihre Verhältnisse gelebt. Es sind die anderen, die ihre Verhältnisse beständig verbessert haben. In den vergangenen 20 Jahren sind die Geldvermögen von 1,8 Billionen auf 4 Billionen  gestiegen und die Staatsschulden von 600 Milliarden Euro auf 2 Billionen. Die Schulden des Staates sind die Vermögen der Reichen. Die Steuerpolitik ein Skandal: die Vermögenssteuer wurde abgschafft und die Unternehmens- und Erbschaftssteuern wurden gesenkt und der Spitzensteuersatz war niemals niedriger als heute."


10.11.2011
"Angela Merkel pflegt ihren Ruf als Pragmatikerin. Aber hinter dem Pragmatismus verbirgt sich eine handfeste wirtschaftspolitische Ideologie. Sie versteckt sich in den Begriffen. Schon das Wort von der "Schuldenkrise" ist ideologisch. Die Schulden sind nicht das Problem. Die irischen und spanischen Schuldenquoten lagen noch im Jahr 2007 weit unter den deutschen. Europa leidet nicht unter einer Schuldenkrise – sondern unter eine Institutionen-Krise. Die Finanzmärkte sind nicht ausreichend reguliert. Es gibt keine gemeinsam europäische Steuer- und Wirtschaftspolitik. Und im Süden des Kontinents haben schlicht und ergreifend die öffentlichen Institutionen versagt."

7.5.2012
"Seit dem Jahr 2008 sind wir daran gewöhnt worden, von einer Schuldenkrise zu sprechen. Aber es geht nicht um Schulden. Es geht um die Frage, wer entscheidet: Die Politik oder die Märkte."

Diese Texte hatten Sie gar nicht gelesen? Oder vergessen? Oder das passte gerade nicht so ins Argument?

Sie schreiben außerdem:
"Interessant ist die servile Bereitschaft Augsteins, Schröders Agendapolitik nach den von neoliberalen Kreisen eingetrichterten und inzwischen herrschenden Denkmustern für richtig und erfolgreich zu halten."

Das bezieht sich auf diesen Satz aus dem Artikel:
"Gerhard Schröder war bereit, (diesen Preis, nämlich den Amtsverlust)  für die Hartz-IV-Maßnahmen zu zahlen. Der Ex-Kanzler hat diese seinerzeit für notwendig gehalten und sie gegen den Widerstand der SPD und ihrer Wähler durchgesetzt."

Lieber Herr Müller, wenn Sie ein aufmerksamer, kluger Leser wären, hätten Sie gemerkt, dass ich von "Hartz IV Maßnahmen" spreche, nicht von "Reformen", wie es in den Mainstream Medien üblich ist. Das hätte Sie skeptisch machen können, ob ich tatsächlich, wie Sie schreiben, der Ansicht bin, diese Maßnahmen seien "richtig und erfolgreich" gewesen. Ich bin nämlich durchaus nicht dieser Ansicht. Sie hätten das googlen können. Recherche hilft. Gucken Sie zum Beispiel mal hier.

Tatsächlich bin ich aber der Ansicht, dass Schröder selbst diese Maßnahmen für richtig hielt, und dass er darüber seinen Job verloren hat.

Wiessen Sie, Herr Müller, meiner Kolumne hätte man tatsächlich einen schweren Vorwurf machen können: Nämlich den, dass ich da überhaupt auf die Idee komme, der Bundeskanzlerin Ratschläge zu erteilen, oder Forderungen an sie zu richten. Wer sind Journalisten, dass sie so etwas tun? Wer bin ich, dass ich so etwas tue? Diese Kritik hätte mich wirklich getroffen und nachdenklich gemacht. Diese Kritik haben Sie aber gar nicht. Wahrscheinlich, weil Sie es für selbstverständlich halten, immer alles besser zu wissen als die gewählten Politiker. Ich halte das nicht für selbstverständlich und bin da nicht so frei von Skrupeln wie Sie es sind.

Lieber Herr Müller, um es klar zu sagen: Was Sie da machen ist unseriös.


(Und noch eine Anmerkung: Wie sinnlos solche Optativ-Kolumnen sind, sehen wir ja daran, dass Angela Merkel heute gleich klargestellt hat, dass es keine Euro-Bonds geben werde, solange sie lebe. Eine ungewöhnlich dramatische Aussage für Merkel ...)

Kommentare (210)

anne mohnen 26.06.2012 | 23:23

Diese Replik war überfällig, lieber Herr Augstein! Ohne auf Müllers Obsession eingehen zu wollen, „Augsteins Gedanken“ regelmäßig zu dekonstruktiviern, ohne  die Holzschnittartigkeit  Ihrer Kolumnen  zu kommentieren,  ich mag es einfach nicht, wenn Leute sich auf andere einschießen. Es ist nicht einfach nur schlechter Stil, langweilt, sondern lässt eine Trittbrettfahrermentalität vermuten. Geht Müller gedanklich die Puste?

Hans Springstein 27.06.2012 | 00:11

Herr Augstein,

ich gestehe, ich habe Ihren Text bei SPIEGEL online auch nicht verstanden, so wie Albrecht Müller ihn inhaltlich nicht verstanden hat, wie er schreibt, auch nicht so, wie Sie ihn nach Ihrer "Gegendarstellung" hier gemeint haben können, wenn ich diese richtig verstanden habe.

Müller bittet immerhin "um Pardon für manche harte Kommentierung". Vielleicht ist ja alles nur ein bedauerliches Missverständnis, weil Sie das, was sie sagen wollten, nicht ganz so ausgedrückt haben, wie Sie es meinten. Kann ja Jedem mal passieren. Ihre Bemerkung an Müller "Es würde mich freuen, wenn Sie ein kluger Leser wären. Das sind Sie leider nicht." halte ich für unpassend.

Ich würde es bedauern, wenn Freitag und NachDenkSeiten sich auseinander schreiben.

GEBE 27.06.2012 | 00:21

Vorschläge an Merkel? Mutig, mutig!

Das ist ja fast so, als wolle man dem sprichwörtlichen Bock das Gärtnern beibringen.

Um mich kurz zu fassen, wer so etwas von sich gibt …:

 „(...) Politik ohne Angst. Politik mit Mut - das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“ (...) [Rede der Vorsitzenden der CDU Deutschlands, Dr. Angela Merkel, MdB, anlässlich der Festveranstaltung „60 Jahre CDU“ am 16. Juni 2005, Berlin]

 … ist überhaupt nicht befugt, weil einer antidemokratischen Haltung und Verfassungsfeindlichkeit überführt, irgendetwas noch politisch zu tun! Merkel hat die demokratische Rechtsstaatlichkeit längst verlassen!

Ansonsten stimme ich mit Hans Springstein 27.06.2012 00:14 überein.

pleifel 27.06.2012 | 01:09

Albrecht Müller hat sich konkret mit diesem Text auseinandergesetzt (und nicht mit irgendeinem Text aus der Vergangenheit).

Nehmen wir als Beispiel die "Hartz-IV-Maßnahmen". Warum sollte man diese Formulierung anders verstehen als "Hartz-IV-Reformen"? Der Begriff Reformen hat doch schon lange den positiven Begriffsinhalt verloren und dient ausschließlich zur Verschleierung von Maßnahmen, die nichts anderes als weitere Umverteilung bedeuten. Also ist doch hier eher eine klarere Formulierung angebracht.

Stichwort Europa: Hier kann ich auch nicht viel mit Ihrem "Appell" anfangen. Was soll das denn für ein Europa werden, wenn wir noch nicht einmal in der reichen BRD die Möglichkeiten für eine gerechte Gesellschaft hinbekommen, wie es für den Anspruch auf ein würdevolles Leben nach unserem Grundgesetz möglich und verpflichtend wäre?

Um diese Schieflage immer wieder aufzuzeigen, um für soziale Gerechtigkeit einzustehen, um neue Gesellschaftsmodelle zu diskutieren, um der Politik (den Politikern) auf die Füße zu treten, wenn sie ihrem demokratischen Auftrag nicht oder schlecht nachkommen, dafür brauchen wir den Freitag und die Nachdenkseiten

Umso wichtiger wäre es mir, wenn sich nicht die linken Kräfte gegenseitig in die Pfanne hauen, sondern Kritik als positiven Beitrag betrachten, um seine eigenen Gedanken zu schärfen, bzw. von der Sache her ohne persönliche Befindlichkeiten zu argumentieren.

Also eine Runde Augstein versus Müller/Lieb/J. Berger wäre mir lieber als Augstein versus Blome.

Ich kann Albrecht Müllers "Ich konnte diesen Text nicht ohne innere Empörung lesen und bitte um Pardon für manche harte Kommentierung." nur so verstehen, dass er mehr von Ihnen erwartet (bzw. sonst gelesen hat?), als in dem Beitrag von Ihnen "zu Papier" gebracht wurde!

pleifel 27.06.2012 | 01:28

Zum Thema Reformen in SPON noch ein Nachtrag zum aktuellen Interview mit Interview mit George Soros.

Ich zitiere SPIEGEL ONLINE: "Warum soll Deutschland an allem Schuld sein? Andere EU-Länder haben sich vor Strukturreformen gedrückt und über ihre Verhältnisse gelebt."

Klarer lässt sich die Position vom SPON nicht verdeutlichen! Wer in diesem Umfeld schreibt, muss sich dann auch eindeutig positionieren. Bei uns haben schwache Gewerkschaften, aber vor allem die meinungsmachenden Medien diese Vermögensumverteilung ermöglicht. Und dieses Rezept soll nun Europa aufgedrückt werden.

Bizarr dabei ist bloß, dass die Mehrheit in Deutschland "unter ihren Verhältnissen lebt", die Importländer kreditiert werden, mit den Krediten zusätzliches Geld kassiert wird und bei Ausfall der Kredite die Sozialleistungen usw. gekürzt werden, da die Schuldenbremse dies ja irgendwie alternativlos macht. Da bekomme ich das Kotzen!

pleifel 27.06.2012 | 01:38

Könnte es sein, dass Sie die falsche Frage gestellt haben? Diese Zahl ist immer im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit und Größe der jeweiligen Volkswirtschaft zu sehen (BIP). Und da hat Deutschland eher nicht das Problem. Nicht umsonst ziehen wir zurzeit Gelder an, die sogar mit Negativzins" verbunden sind.

Ich würde die Frage wie folgt stellen: Wer hält die Forderungen? Wer steht auf der Vermögensseite? Im Übrigen, wo sollen denn die ganzen sicheren Anlagemöglichkeiten herkommen, die für die Pensionsfonds, Riesterrenten usw. notwendig sind?

Als Banker kann ich nur sagen: Nur die Kunden mit großen Einlagen und die Kunden mit großen Schulden werden bevorzugt beraten und bedient.

tws 27.06.2012 | 01:39

@Herr Augstein:

z.B. bzgl. Schröder und Harz IV lassen Sie die entscheidende Stelle aus Ihrem Artikel auf SPON aus:

>>Europa ist für Merkel, was Hartz IV für Schröder war: Es ist das Projekt, das Ziel, der Sinn ihrer Kanzlerschaft.<<

Das bedeutet doch wohl, dass für Schröder das Projekt, das Ziel, der Sinn seiner Kanzlerschaft Hartz IV war, und damit umgangssprachlich, dass das Sinnvolle an der Kanzlerschaft Schröders Hartz IV war und Sie somit also Hartz IV für sinnvoll halten. So einfach ist das!

Ich selbst war auch sehr überrascht von Ihrem „Outing“, und ich hege keine Vorurteile gegen Sie. Ich finde sowohl Inhalt als auch Ton Ihrer Antwort an Herrn Müller eine Frechheit. Wenn Sie richtig verstanden werden wollen, müssen Sie sich klar ausdrücken. Ihre Leser darauf zu verweisen zum Verständnis auch andere Artikel von Ihnen zu googeln ist ja wohl der reine Schwachsinn.

Ich halte Sie für klug. Deshalb frage ich mich natürlich schon, was der Grund für diese offensichtlich gewollten Missverständnisse sind?

heidenplejer 27.06.2012 | 06:01

Sicherlich haben die Hartz-IV-Reformen zur Abwahl von Schröder und der SPD wesentlich beigetragen. Aber ein beabsichtigter Opfergang war es nicht. Schröder hat damals eine äußerst eigenwillige Tour draufgehabt und wollte natürlich seine Kanzlerschaft sichern.

An die BK appellieren, ihre Aussichten für eine weitere Kanzlerschaft mit einer Vertiefung der europäischen Integration zu verbinden, ist ja schon Teil der Alltagspolitik und findet geöffnete Türen vor - natürlich mit dem üblichen Wenn und Aber, Hü und Hott, Zögern, Dementieren, Hinterzimmer und Angie-Bühne.

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 08:41

Lieber Herr Augstein

Auch ich finde Ihren Artikel, jetzt nach dem hier gelesenen, mißverständlich und schließe mich Hans Springstein an.

Wenn Sie sich politisch nicht grundsätzlicher positionieren wollen, so habe ich Sie zumindest einmal verstanden, dann ist es m.E. wichtig die eigene Position zumindest in einem Artikel klarer zum Ausdruck zu bringen. Dass es sich um Missverständnisse handeln könnte, kommt ja eben nur durch Kritik zum Vorschein. Ansonsten wird es unter Umständen einfach anders verstanden, was Schade ist und keinem nützt.

wwalkie 27.06.2012 | 08:55

Dabei sind J. Augstein und A. Müller inhaltlich nicht so weit auseinander, wie es scheinen mag. Vielleicht sind es die Generationsdifferenzen, vielleicht auch die Unterschiede zwischen einem (Ex)-Politiker, der journalistisch wirkt und einem Journalisten, der ziemlich un-konkret über Politik schreibt und diesen damit nervt. Vielleicht auch die Frustration (beider?), so wenig bewirken zu können. Folgende  Passage ist repräsentativ:

J. Augstein:Gerhard Schröder war bereit, ihn für die Hartz-IV-Maßnahmen zu zahlen. Der Ex-Kanzler hat diese seinerzeit für notwendig gehalten und sie gegen den Widerstand der SPD und ihrer Wähler durchgesetzt. Die Sozialdemokraten erholen sich erst jetzt davon. Europa ist für Merkel, was Hartz IV für Schröder war: Es ist das Projekt, das Ziel, der Sinn ihrer Kanzlerschaft. (AM: Dieses häufig wiederkehrende Argument ist interessant, weil es inzwischen, obwohl ohne Substanz, zum Haltegriff der linksliberalen Besserverdiener geworden ist. Sie versöhnen sich mithilfe des „Opferttenors“ mit Schröders Untaten und dem damit verbundenen Angriff auf die Sozialstaatlichkeit. Das kommt Ihnen zupass, weil sie sich mit ihresgleichen aus dem konservativen Lager versöhnen wollen und es nebenbei auch noch billiges Hilfspersonal aus dem Niedriglohnsektor gibt.).

Es ist ja nicht falsch, was J.A. zu Schröder schreibt - bis zur Schlussfolgerung: Es ist das Projekt, das Ziel, der Sinn ihrer Kanzlerschaft. Diese wirkliche oder scheinbare - es ist im Text nicht erkennbar - Legitimation des Sozialabbaus muss einen Müller erzürnen (zurecht, wenn es so gemeint ist, wie es gelesen werden kann). Und darum ist seine sarkastische Reaktion zu dieser Passage ebenfalls nicht falsch. Zumal J.A. im gesamten Text es unterlässt, das "Projekt" Europa zu beschreiben. Für Demokraten kann es doch wohl nur heißen: Das "Projekt Europa" ist eines von unten, und eben keine "Diktatur des europäischen Marktes".

Müller beendet seinen Text versöhnlich:

Schlussbemerkung AM:

Ich konnte diesen Text nicht ohne innere Empörung lesen und bitte um Pardon für manche harte Kommentierung.

Und eine Wiederholung: Ich hätte nicht kommentiert, wenn Augsteins Denken nicht so repräsentativ für gängige Denkmuster bis weit hinein in den Kreis vermeintlich linker Intellektueller wäre. Schließlich ist er der Herausgeber eines Blattes, des Freitag, das ich normalerweise empfohlen habe, wenn ich nach einer sinnvollen alternativen Mediennutzung in Deutschland gefragt wurde.

Es ist gut, dass J. Augstein reagiert hat. Und es wäre gut, wenn A. Müller Gelegenheit zu einer Replik bekommen würde. Vielleicht trägt dies ja ein wenig zum "Ausgang aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit" bei.

Knüppel 27.06.2012 | 09:28

Verschwörungstheorie:

"Die Nachdenkseiten / Albrecht Müller soll(en) 'entsorgt' (unglaubwürdig gemacht) werden, weil sie den 'neuen' Freitag (Anmerkung: Das ist DER Freitag wo gesperrte User, wie @ForenBoy unter neuem Nick @Keiner weiß alles, unbehelligt erneut ihr Unwesen treiben dürfen, obwohl die Neuanmeldung eindeutig gegen die selbst verfassten Richtlinien des Freitag verstößt und in dem die ehemalige Community entmutigt und schließlich zergschlagen wird) bei seinem Weg in den kommerziell gewünschten politischen Mainstream behindert"

Verschwörungstheorie Ende

Nachtrag:

Jacob Jungs Politblog (vertrat häufig ähnliche Auffassungen, wie die Nachdenkseiten) ist bereits auf mysteriöse Weise (ohne irgend eine Erklärung des Betreibers) seit März 2012 "stillgelegt" worden, ein Zufall? http://bit.ly/MAp7kp

PS

Und nun dürft Ihr mich gern lebenslang sperren! Das würde meine Auffassung nur bestätigen ...

Magda 27.06.2012 | 10:26

Herr Augstein. Sie erklären Ihren Beitrag wie folgt:

"Ich schreibe da auf, was Angela Merkel meiner Ansicht nach tun sollte: Nämlich sich für eine Ausdehnung der Europäischen Integration einzusetzen um den Euro und die bisherigen Errungenschaften seit den Römischen Verträgen zu retten. Ich stelle die These auf, dass sie das gegen den Widerstand der Bevölkerung und der eigenen Partei leisten müsste und Gefahr liefe, darüber ihr Amt zu verlieren. Der Text kreist um den Gedanken, dass diese Kanzlerin sich für Deutschland und Europa opfern muss."

Mich hat schon in der Originalfassung diese "Opfer"-Geschichte gestört. Die weiß was sie will, denke ich. Und sie ist umgeben von Leuten, die auch genau wissen,was sie wollen. Europa unter deutsche Vorherrschaft zwingen. Da gibts nix zu opfern. 

Ansonsten laufen hier tatsächlich ein "alter" Hase und politischer Analytiker und ein - manchmal an der falschen Stelle romantisierender Journalist - gegeneinander. Analyse gegen Stimmungsbild würde ich sagen. Das hat seinen "Reiz", aber führt eben auch zu Missverständnissen. 

Merkel braucht sich nicht opfern. Schon das Bundesverfassungsgericht ist der Meinung, dass zuviel Europa in Deutschland am Werke ist. Sie könnte gar nichts machen im Moment. 

Jörg Habermas schrieb dazu:  "Zum neudeutschen Mentalitätswandel passt übrigens das Europa-unfreundliche Lissabon-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das sich gegen weitere Integrationsbestrebungen mit einer willkürlichen Festlegung unverrückbarer nationaler Zuständigkeiten zum Hüter der nationalstaatlichen Identität aufwirft. Staatsrechtler haben das Urteil unter der sarkastischen Überschrift "Das deutsche Verfassungsgericht sagt ,Ja' zu Deutschland" trefflich kommentiert.“

Hier habe ich das mal vor einiger Zeit verbloggt. 

Es wäre sehr gut und spannend, mit den "Nachdenkseiten" im Gespräch zu bleiben. Gerade wegen der unterschiedlichen Herangehensweise, die wwalkie weiter oben ja auch als gar nicht so weit auseinander einschätzt. 

Wolfgang Ksoll 27.06.2012 | 11:49

Ich finde Herrn Müllers Kritik berechtigt. Angela Merkel hat 7 Jahre bewiesen, dass sie es nicht gebacken bekommt. Warum glaubt Augstein, dass sie jetzt plötzlich regierungsfähig wird? In Griechenland waren Neuwahlen. In Deutschland soll nach Augstein Merkel weiter regieren. Das ist nicht nachvollziehbar.

In der Tat ist auch, wie Herr Müller richtig darstellt, in dem Artikel die gefährliche Brüningsche Politik von Merkel nicht erwähnt worden. Der Verweis auf andere Artikel als den kritisierten ist unsachlich.

Merkels Poltik ist falsch. Sie ist eine neoliberale, die nur die Stabilität der Banken und großen Schuldner im Auge hat, die Staaten also plündert. Sehenden Auges hat Merkel trotz Warnungen Griechenland in das neoliberale Elend wandern lassen wie weiland Brüning. Statt neben den Finanzmarktkonsoldierung auch das Wachstum inm Auge zu behalten. Während bei uns Brüning in die Radikalisierung geführt hat, hat in USA der Kapitalismus antizyklisch unter Roosevelt investiert, um die Schäden der Finanzmärkte zu heilen.

Dazu hat Merkel keinen einziegn gedanklichen Beitrag geleistet. Warum soll sie dann weiterregieren, wie Augstein es für seine Forderungen braucht?

Das Beispiel Hartz4 war in der Tat schlecht gewählt, man hätte als Beispiel für Staatskunst auch den Irakkrieg wählen können, wo Merkel auch falsch argumentiert hat auf Basis von Lügen der US-Regierung und Schröder glasklare, richtige Ansagen gemacht hat. So aber erweckt Augtsein ohne Not den Anschein neoliberaler Nähe.

Kein Ton wird darüber verloren, dass Deutschland weiter Schulden macht (um Waffen und sieglose Krieg zu finanzieren), während die unfähige Merkel von anderen ausgeglichene Haushalte fordert. Merkel ist unfähig Europa zu unterstützen. Da sollte Augstein klarer analysieren und nicht realitätsverdrängende Wünsche an Merkel zu stellen. Merkel muss weg. Sie steht Europa im Weg.

An Merkel Forderungen zu richten, wie Aigstein es macht, zeugt davon, dass man sie als Kanzlerin stützt. Das hat Herr Müller richtig beschrieben. Die Südeuropäer haben angefangen, aus ihren Fehlern zu lernen. Das Festhalten an Merkel wie bei Augstein ist ein Fehler.

SiebzehnterJuni 27.06.2012 | 12:22

Das Problem bei Augstein ist die Diffusität und die teilweise unzulässigen Verallgemeinerungen in seinenAussagen.

Merkels Projekt Europa? Wie bitte - keine nachvollziehbare Begründung für diese zentrale Botschaft!

Schröders Projekt HART IV? - Aber auch nicht ansatzweise belegt.

Und so geht es weiter.

Es tritt in diesem Aufsatz etwas zu Tage, die Verschwommenheit des FREITAGS allgemein!

Wo ist leidenschaft für LINKs?

ich lese nur Leidenschaft gegen Albrecht Müller. Dessen Aussagen zwar heftig sind, aber doch weitaus klarer und begründeter!

Und dann auch die anschließende Entschuldigung für die Emotionalität.Das ist in Ordnung! Das gefällt mir!!

pleifel 27.06.2012 | 12:35

"Wiessen Sie, Herr Müller, meiner Kolumne hätte man tatsächlich einen schweren Vorwurf machen können: Nämlich den, dass ich da überhaupt auf die Idee komme, der Bundeskanzlerin Ratschläge zu erteilen, oder Forderungen an sie zu richten. Wer sind Journalisten, dass sie so etwas tun? Wer bin ich, dass ich so etwas tue?"

Warum Augstein hier ein Problem sieht, ist mir unerklärlich! Wenn er seine Aufgaben als Vertreter der "Vierten Gewalt" so infrage stellt, brauche ich eigentlich seine Beiträge nicht mehr zu lesen.

Angela Merkel ist nicht nur eine "Katastrophe" für Europa, sie trägt auch wesentlich zur "Entdemokratisierung" in Deutschland bei. Nicht umsonst muss das Verfassungsgericht ständig korrigieren. Diese Denke auf Europa übertragen wäre nur konsequent der Durchgriff des "Kapitals, der Finanzoligarchie". Was bliebe uns als Bürger dann überhaupt noch an Korrektiven möglich?

Die Presse im Sinne von Augstein hat bis auf die kleinen Blätter längst die grundlegenden Kritiken aufgegeben. Warum auch nicht, denn die großen Blätter arbeiten doch nach den gleichen Prinzipien (Profitmaximierung, Konkurrenz, Konsolidierung), die uns erst in diese Krise gebracht haben.

Von einer Angela Merkel zukunftsfähige Lösungen zu erwarten, die auf ein soziales Europa ausgerichtet ist und die Gedanken der Aufklärung wieder in den Mittelpunkt stellt, ist wenn nicht dumm, zumindest naiv.

SiebzehnterJuni 27.06.2012 | 12:42

Beispiel für Diffusität und Unklarheit:

"...Ausgerechnet die protestantische Frau aus dem Osten muss jetzt Europa retten, das Projekt der katholischen Männer aus dem Westen..."

Was heißt hier "ausgerechnet"?

Was soll das "protestantisch" in diesem Zusammenhang?

Welche "katholischen Männer" aus dem Osten?

Welches "Projekt" hatten diese katholischen Männer ?

Warum muss Merkel eigentlich ganz allein Europa retten?

Das ist nur ein Satz und davon gibt viele - viel zu viele!"

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 13:16

Gegenbeispiel:

"Ich hätte nicht kommentiert, wenn Augsteins Denken nicht so repräsentativ für gängige Denkmuster bis weit hinein in den Kreis vermeintlich linker Intellektueller wäre. Schließlich ist er der Herausgeber eines Blattes, des Freitag, das ich normalerweise empfohlen habe, wenn ich nach einer sinnvollen alternativen Mediennutzung in Deutschland gefragt wurde."

Wie maßlos selbstübeschätzend und arrogant ist das denn?

Da fäällt mir nur ein: Hochmut kommt vor dem Fall.

heidenplejer 27.06.2012 | 13:26

"Es wäre sehr gut und spannend, mit den "Nachdenkseiten" im Gespräch zu bleiben. Gerade wegen der unterschiedlichen Herangehensweise, die wwalkie weiter oben ja auch als gar nicht so weit auseinander einschätzt."

Klingt sehr vernünftig, hat aber einen Haken. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass gerade jetzt, wo durch den Relaunch einige Verwirrung, Frustration, vielleicht auch Wut in der FC zum Ausdruck gebracht wurde, die Nachdenkseiten in nicht gerade freundlich zu nennender Art und Weise den Versuch unternehmen, einen Keil in die FC zu treiben. Anders jedenfalls läßt sich die Verbloggung der Müller`schen Augstein-Kritik in der Freitags-FC von gestern abend zunächst nicht deuten. Die Mißmutigen werden ermundert zur Meinungsäußerung, wie sie die Müller´sche Kritik finden.

Ich kann nicht erkennen, dass ein Kooperationsangebot in dieser schelmischen Weise vorgetragen werden sollte.

anne mohnen 27.06.2012 | 14:29

@ siebzehnterjuni 27.06.2012 12:22

Lieber Friedrich,

ich lese regelmäßig die Kolumnen von Jakob Augstein. Die Kritik von Müller ist deshalb für mich nicht nachvollziehbar und ungerecht!

Die Kolumnen von JAugstein sind höchst subjektiv und  stets pointiert holzschnittartig. Dass nicht selten These an These gereiht wird, dies gehört, wie sein Pathos, zum provozierenden Stimmungsbild, das JA provoziert. Der eine mag das, der andere nicht. Es ist ja nicht so, dass in dFreitag keine dezidierte politische Analyse stattfindet. Wer die Zeitung regelmäßig liest, kann das doch nicht leugnen. Ich  lese die Zeitung seit über einem Jahr jede Woche und stelle einen kontinuierlichen Qualitätszuwachs fest. Klar, bei einer schmalen Wochenzeitung, z.B. ohne Wirtschaftsredaktion, fällt jeder Schnitzer, jede Ungenauigkeit umso so mehr ins Gewicht! Das ist ein Problem für die Leser wie für die Macher. Doch ich bin ganz zuversichtlich.

 Nein, Müller hätte Grund genug, sich an anderem und Anderen abzuarbeiten. Mir fällt auf, wie sich die Neoliberale Wissenschaftsfraktion, angeführt von einem Prof. Sinn, oder Zeitungsredakteure  des Springer-Verlags, des Handelsblatts etc , wieder im öffentlich rechtlichen Fernsehen die Klinke in die Hand geben. Hervorgekrochen hinter dem Ofen, hinter den sie sich die letzten zwei Jahre verschanzt hatten, posaunen sie wieder ins alte neoliberale Horn – auch, was Europa anbelangt!

Und dann gilt: eine Kolumne ist einen Kolumne ist eine Kolumne! Wer übrigens umfängliche Analysen lesen will, kann auch nicht bei Paul Krugmans NYT-Kolumne verweilen, sondern muss gar seine Bücher lesen. Oder zur Abwechselung Habermas, oder Axel Honneth, oder, oder.

anne mohnen 27.06.2012 | 15:09

PS  Ist es nicht interessant,  wieeifrig das Publikum dem Verleger Woche für Woche folgt. Im Vergleich dazu, das ist meine Wahrnehmung,  finden andere, in den JA-Threads nicht selten geforderte analytischere Artikel oftmals kaum, jedenfalls viel weniger  Beachtung.  Woran mag das wohl liegen? Außerdem, ist das Ganze, hier die politische Richtung einer Zeitung, nicht immer größer als die Summe seiner Teile?

Ich mache mir ja eher Gedanken, wie eine einzelne, gehypte  Person, das auf Dauer toppen soll

anne mohnen 27.06.2012 | 15:20

PS  Ist es nicht interessant,  wie eifrig das Publikum dem Verleger Woche für Woche folgt. Im Vergleich dazu, das ist meine Wahrnehmung,  finden andere, in den JA-Threads nicht selten geforderte analytischere Artikel oftmals kaum, jedenfalls viel weniger  Beachtung.  Woran mag das wohl liegen? Außerdem, ist das Ganze, hier die politische Richtung einer Zeitung, nicht immer größer als die Summe seiner Teile?

Ich mache mir ja eher Gedanken, wie eine einzelne, gehypte  Person, das auf Dauer toppen soll

heidenplejer 27.06.2012 | 15:27

Okay, ich bin nur sporadisch in der FC und überschaue die Beziehungen zwischen den Nachdenkseiten und der FC nicht in Einzelheiten. Dass in vielen FC-Blogs gern auf Inhalte der Nachdenkseiten verwiesen wird, ist mir natürlich bekannt.

Aber hat es denn in der Vergangenheit schon polemische Auseinandersetzungen mit dieser Quailtät und Intensität zwischen den führenden Köpfen gegeben? Ist das also völlig vertraut und normal?

Wolfgang Ksoll 27.06.2012 | 15:30

Seit sieben Jahren ist Merkel an der Regierung. Und noch immer macht sie Schulden, die seie bei anderen geißelt.

2012: 32 Mrd € Schulden (Netto Kreditaufnahme)

2013: 18,8 Mrd € Schulden.

Merkel kann nicht mit Geld umgehen. Merkel kann den Europäern kein Vorbild sein. Merkel kann Europa nur in noch mehr neoliberale Verschuldung fürhen. Merkel sollte man nicht Unterstützen wie Augstein, sondern durch Neuwahlen (wie in Griechenland) anderen eine Chacne geben. Merkel hat lange genug bewiesen, dass sie es nicht kann. Augsteins realitätsfremde Träume betonieren das Elend.

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Abt_2/2012-06-27-BHH2013-2.pdf?__blob=publicationFile&v=1

pleifel 27.06.2012 | 16:08

Zugegeben, da geht es mir mit dem FC ähnlich. Deshalb sollte der Versuch gemacht werden, von den persönlichen Befindlichkeiten abzusehen und sich mit den Inhalten zu beschäftigen.

Mir geht es auch nicht um ein Pro oder Contra für Albrecht Müller oder Jakob Augstein. Ich erwarte aber von Kolumnisten klare Worte, die eindeutig interpretiebar sind und keiner älteren Artikel bedarf, um den Text so zu verstehen, wie es der Autor gemeint hat.

Lapis 27.06.2012 | 21:19

Wer immer nur "im Zweifel" "irgendwie" Links ist, jede klare Positionierung vermeidet und sich in Romantisierungen und schönfärberischen Allgemeinplätzen verliert, muß sich über Widerspruch von Menschen mit der Fähigkeit zum kritischen Denken und der Bereitschaft, für ihre Überzeugungen einzustehen, nicht wundern.

Wenn Herr Augstein meint, mit Beleidigungen (guter Ruf zu Unrecht, nicht seriös, kein kluger Leser, Vorurteilbeladen, nicht aufmerksam, skrupellos, unseriös) könne er einer sachlichen, am Text orientierten und nachvollziehbar begründeten Kritik von Herrn Müller adäquat begegnen, so fällt dieser dünnhäutige und pubertät wirkende "Offene Brief" voll und ganz auf seinen Autor zurück.

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 21:44

Auch wenn ich Jakob Augstein nicht immer einordnen kann, so empfinde ich die öffentliche Interpretierung A.Müller von den Nachdenkseiten zu der Kolumne JA im SPON anmaßend! De LInken sind teilweise auch nicht besser als die Rechten. Mit geht diese ganze ideologische Verblendung auf den Geist. Hier wird nur noch in eine Ecke gestellt und nicht mehr sachlich, differenziert diskutiert. Auch Müller schiebt vorwiegend alles immer nur auf die neoliberale Ideologie. Die Linke hat aber die Wahrheit nicht gepachtet. Die Krise ist komplex. Und hat für mich auch ganz andere Ursachen. Welche JA schon ganz richtig in der Vergangenheit erkannt hat.

JA hat recht! Müller hat sich einzelne Passagen aus der Kolumne heraus gegriffen und mit Vorurteilen interpretiert! Was ist in A.Müller denn nur gefahren? Sind jetzt auch die Linken durch die Krise schon "verrückt"?!

JA hat sich in Talkshows immer gegen Hartz 4 gestellt. Er hat in seinen Artikeln Merkel immer angeprangert und Gegendarstellungen erbracht.

Ich hab die Kolumne auch gelesen und war erst sehr irritiert. Irritiert, ob JA sich jetzt gedreht hat und die Neoliberalen verteidigt. NEIN, hat er nicht. Merkel ist wirklich die einzige, die Europa vorm Abgrund noch retten kann. Auch wenn das vielen Wählern nicht passt. Merkel muß genau das tun, was JA geschrieben hat. Wir haben eben keine Zeit mehr!! Schon alleine des Friedens wegen und in unserem eigenen wirtschaftl. Interesse. Die meißten haben anscheinend immer noch nicht kapiert, dass D sich isoliert und im Endeffekt völlig alleine dasteht. Wir haben eine Globalisierung und keine nationalen Wirtschschaftsräume mehr.

Der Euro war von Anfang an falsch eingeführt, keine Frage. Und auch Kohl hatte es versäumt, die polit. Union einzuführen. Es gibt kein zurück mehr. Wenn wir keine Integration hinbekommen und uns solidarisieren, wird es D viel härter treffen als die Südländer. Die sind eh schon arm. Ich bin auch gegen den ESM! Ich bin aber für Eurobonds, da wir keine andere Wahl erstmal haben. Wir müssen zuerst das Kapital wieder stärken, vertrauen schaffen, sonst trocknet die Wirtschaft aus. Und zwar in ganz Europa, Welt weit!! Die Banken sind alle miteinander verflochten. Was danach folgt, kann sich jeder denken. Dann wird Europa radikalisiert. Denn darauf warten die Rechtsextremisten doch nur. Bis jetzt haben wir noch kein Geld gezahlt. Bis jetzt sind es nur Garantien/Bürgschaften.

Die USA hat Angst vor einem starken Europa. Deswegen wird jetzt vermehrt gegen den Euro spekuliert. Wenn Europa als Kontinent stark sein will, sich behaupten will, dann müssen wir zusammenhalten und uns mit den schwachen Ländern solidarisieren!! Oder wir gehen alle unter. Alle Länder, auch D haben bis jetzt betrogen und die Verträge nicht eingehalten.

Man lese nur dazu Flassbeck

http://www.flassbeck.de/pdf/2012/24.4.2012/Der%20Leistungsbilanz%FCberschuss%20und%20die%20Rente.pdf

http://www.youtube.com/watch?v=mfKuosvO6Ac

Es geht auch um unsere Renten!!

Die meißten D sind so blöd und egoistisch, kleben nur am Geld und sägen sich den eigenen Wohlstand ab. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Wenn A.Müller wirklich links wäre und nicht so machtbesessen u ideologisch verblendet, hätt er JA eine persönliche Mail geschrieben. In der man nachfragt und sich konstruktiv auseinander setzt. So ist die Art und Weise wie Müller dies getan hat, für mich nur noch primitv und dient der eigenen Selbstdarstellung. An solchen Leuten, die für mich auch keine Demokraten (links) sind, gingen schon ganze Nationen unter.

Die Interpretion A.Müller hat vorwiegend mit Unterstellungen zu tun. Ich vermisse hier den Respekt! Ohne sich in JA hinein zu versetzen und zu überlegen was JA eigentlich wirklich damit sagen will.

So wird das nie etwas mit den Menschen. So werden wir uns gegenseitig in den Abgrund stoßen. Na dann...auf den Untergang Europas.

masonic 27.06.2012 | 21:51

Jakob Augstein:

AM entlarvt Ihre gefährlichen Phrasen völlig zu Recht!

a) Beispiel 1: Warum schreiben Sie: "Diese Zukunft liegt in Europa. Merkel muss die europäische Integration beschleunigen.", ohne einmal zu erläutern, wer sich hier zu welchem Zweck integrieren soll. Die Rede von der europäischen Integration ist  hohl, wenn nicht verraten wird, nach welchen verfassungsrechtlichen Grundmaßstäben und nach welchem Sozialmodell der integrierte Staatenbund geformt sein soll. Falls Sie eine Meinung dazu haben, sollten Sie diese mitteilen; es hilft nicht, auf Textbrocken aus anderen Werken zu verweisen, aus denen sich der Leser dann ein Bild des "wahren Augstein" basteln soll.

b) Beispiel 2: "Am Ende wird es eine Volksabstimmung geben [...]. Die Bankenunion und die Euro-Bonds sind nur die Notmaßnahmen, mit denen der Schwelbrand der Krise erstickt wird. Danach werden die Deutschen ein neues Grundgesetz haben und der Kontinent eine gemeinsame Regierung, eine gemeinsame Politik, ein gemeinsames Schicksal. Das liegt in der Konsequenz der gesamten europäischen Integration seit den Römischen Verträgen." Wie so oft reihen Sie Schlagwörter aneinander, aus denen sich irgendein größeres Bild ergeben soll - wie meist ohne analytischen Gewinn. Mal absgesehen davon, dass die Schwärmerei vom gemeinsamen Schicksal nervt: Sie verkennen, dass eben jene unbedingte Notwendigkeit, Europa zu retten, gerade von den Vertretern der Exportwirtschaft vertreten wird. Die holde Rettungsabsicht ist Interessenpolitik und willkommene Chance für Demokratie- und Sozialstaatsabbau, wie er allenthalben zu beobachten ist. Nicht die besten der europäischen Ideen (wie die Brüderlichkeit der frz. Rev.) werden gerettet, sondern die Marktideologie der letzten 30 Jahre. Das aber ist nicht erhaltungswürdig, weder im Nationalstaat, noch in einem europäischen Staatenbund!

AG alias masonic

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 22:24

Die Gewerkschaften sind doch schon lange konform mit den Eliten. Diese Gesellschaft ist verkommen und hat sich entsolidarisiert. Hier herrscht nur noch eine Selbstbedienungsmentalität, Lug und Betrug. Mehr Schein als Sein! Die Harzt 4 gesetze waren der Gewerkschaft völlig egal. Gewerkschafter betreiben auch nur noch Populismus!

Mir hat erst gestern ein junger Mann um die 30 erzählt, das nur eine Revolution und zwar keine mit einem hochgehaltenen Transparent, sondern eine blutige, etwas verändern wird. Und so sehe ich das auch. Das war übrigens in der Geschichte schon immer so. Diese Gesellschaft ist pathologisiert. Nur ein Bsp....vor paar Jahren hatte man noch in meinem Landkreis überfahrene Katzen entsorgt und begraben. Heute lässt man sie am Straßenrand verkommen und verwesen. Und wenn es vor dem Neubau ist.

Diese Gesellschaft ist krank und schizophren.

masonic 27.06.2012 | 22:31

Jakob Augstein:

Abschließend, und es wäre schön, wenn Sie zu diesem wichtigen Punkt antworten könnten:

Sie schreiben, dass Sie journalistische Skrupel hätten, der Kanzlerin überhaupt Ratschläge zu erteilen. Das ist verwunderlich. Jede Kritik ist auch als Ratschlag interpretierbar, es besser zu machen. Und die Presse muss kritisieren, sie muss die Besserwisserei wagen, um den Diskurs zu ermöglichen. Eine Presse, die es sich nicht mehr "anmaßt", der Politik Ratschläge zu erteilen, mag sich mit postmodernen Federn schmücken - als vierte Gewalt taugte sie mit endlosen "Ja, aber..."-Diskursen nicht. Der postmoderne Journalist würde lauschen und Positionen zusammenfassen, ohne sich entscheiden zu müssen und zu dürfen. Wer nicht entscheiden muss, lebt sehr bequem!

Mal davon abgesehen: Der postmoderne Relativismus, mit dem Sie offenkundig sympathisieren, kann auch wieder etwas Totalitäres haben, wenn er Verteidiger einer Lehre - wie den wunderbar klugen Apologeten AM - lächerlich macht.

masonic 27.06.2012 | 23:00

Ihr medizinisches Vokabular (pathologisiert, krank und schizophren) drückt eine Verzweiflung aus, die ich (junger Mann Anfang 30) ebenfalls verspüre.

Auch ich glaube an Entfremdung des Menschen, was ja die Annahme voraussetzt, der Mensch habe eine bestimmte Natur bzw. Natürlichkeit.

Leider wird schon diese humanistische Grundposition im Diskurs nur noch von einem schwindenden Teil der Teilnehmer akzeptiert.

Herrschend ist demgegenüber die Ideologie eines homo oeconimicus, der seinen Nutzen mehren und im Zweifel auch auf einen sozialen Charakter verzichten muss (was sich z.B. in der allgemeinen Akzeptanz widerspiegelt, das Verleihen arbeitender Menschen  - die Zeitarbeit - sei trotz all der furchtbaren Folgen der Entwurzelung mit dem menschlichen Bedürfnis vereinbar).

@dllxllb 28.06.2012 | 00:19
Was Müller da betreibt finde ich einfach nur stillos. Was auch immer seine Beweggründe sein mögen. Ich vermute der Mann braucht was zum drüber schreiben? Einen Aufhänger um zum Rundumschlag auszuholen? Und Traffic. Gibt's auf der Seite Werbung außer für Bücher? Kann ich gerade nicht sehen, falls. Wie auch immer. Diese Zerpflückung des Texts mittels inhaltsleerer Meinungsäußerung: "Donnerwetter", "Geschwafel", "eine glatte Lüge", etc. zeugt nicht unbedingt von Argumentationsstärke. Ich verstehe auch nicht wo er das herholt. Für mich ist der Text soweit schlüssig. Inhaltlich ist Müller bereits korrigiert worden. Der Nachtrag von heute ist auch nicht besser. Handverlesene Zuschriften, die eine Kritik an ihm mittig einbetten. Nachdenkseiten. Stimmt. Man kommt schon ins Grübeln. Auch bei einigen Kommentaren hier.
nowaysir 28.06.2012 | 10:08

Lieber Herr Augstein,

Ihr Text wurde verstanden. Wie lächerlich ist das denn, Sie schreiben in einem Text etwas, und um ihre "missverstandene" Haltung zu bereinigen zitieren Sie Ihre eigenen älteren Texte!

Es geht aber um einen komplett anderen Text, in dem Sie gegenteiliges schreiben.

Desweiteren ist es höchst fraglich Albrecht Müller persönlich anzugreigen und ihm Ahnungslosigkeit zu unterstellen, charakterlich nicht sonderlich stark von IHNEN wenn Sie michf fragen.

Und noch etwas, Ihre Methoden beim Freitag sind hinlänglich bekannt, eine klare Linie haben Sie ebenfalls nicht ("Papstliebhaber" und ein einstimmen auf die Lafontaine -Kritik der anderen Medien).

http://www.nachdenkseiten.de/?p=13360#h21

Sie - um auf dem ihrem Niveau zu bleiben - werden als "Prominentenlinker" nicht gebraucht.

pleifel 28.06.2012 | 10:56

@DLLXLLB / KARINL.

Ich gehe noch einmal auf die Befindlichkeiten von JA ein und gebe verkürzt wieder: "guter Ruf zu Unrecht, nicht seriös, kein kluger Leser, Vorurteilbeladen, nicht aufmerksam, skrupellos, unseriös". So spricht jemand, dessen Eitelkeit verletzt wurde. So kann man im 1ten Impuls empfinden, aber von einem Journalisten erwarte ich dann Professionalität in der Sache!

Bei AM weiß ich in der Sache woran ich bin, bei JA komme ich doch oft ins grübeln. Ich gebe mal eine kurze Zusammenfassung der Punkte, für die meines erachtens AM steht:

1. Die Funktion von Gesellschaftskritik (Wirtschaft, Politik, Institutionen) besteht darin, Menschen für politische, wirtschaftliche und soziale Fragen zu sensibilisieren, um letztlich zu einer Aufhebung gesellschaftlichen Unrechts zu kommen.

2. Der Wirtschafts- und Parteienapparat nutzt Massenmedien, um Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse der Menschen zu manipulieren und für sich nutzbar zu machen.

3. Zentrale Entscheidungsträger sind von persönlichen Motiven geleitet und handeln nicht zum Wohle der Allgemeinheit oder der besonders bedürftigen Menschen.

Diese 3 Punkte zitiere ich der präzisen Beschreibung wegen aus dem Buch von "Hermann Astleitner, Kritisches Denken".

Die Beteiligung in Foren ist immer mit dem Problem verbunden, dass man sich mit Meinungen auseinandersetzt, die von Personen geäußert werden, deren Wissensstand man nicht kennt. So hat man dann die Schwierigkeit mit der Verständigungsbasis: "wieweit muss ich in die Grundlagen eintauchen, um einen gemeinsamen Verständnishorizont herzustellen".

Nehmen wir das Thema "Eurobonds". Rein nach der Risikobetrachtung des Marktes (wobei sich hier sofort die Frage stellt: wer sind die "Spieler", die hier an der Zinsschraube drehen?), sollen die die höchsten Zinsen bezahlen, wo die größten Risiken liegen. Hört sich irgendwie logisch an, wie nach dem Motto: wer der Schwächste in der Runde ist, dem lade ich noch was drauf. Dazu zählen auch Strafgelder bei Nichteinhaltung von Vorgaben, die das Dilemma nur verschlimmern.

Eurobonds hätten frühzeitig vor Beginn der Krise Sinn gemacht, als sich die Marktspieler noch nicht auf die "Zerlegung der Euroländer" eingeschossen hatten, also zu dem Zeitpunkt, als man aus der Bankenkrise noch keine Staatsschuldenkrise gemacht hat. Es sollte klar sein, dass eine Frau Merkel niemals so weitsichtig europäische Finanz- und damit auch Wirtschaftspolitik gesehen hat (ich zumindest kann es nicht anders einschätzen). Sie hat im Gegenteil immer den deutschen Zinsvorteil verteidigt. Und als mediales Massenblatt ist ihr da die Bild (ich sage explizit nicht Bildzeitung) immer sehr behilflich gewesen.

Da wir nun das Endergebnis einer verfehlten europäischen Integration sehen, basierend auf der Vorstellung, dass Wettbewerb, Konkurrenz, Abbau von Arbeitnehmerrechten, dereguliertem Finanzmarkt, Privatisierungen usw., alternativlos sind, ist die Krankheit nicht mit der gleichen Medizin zu heilen, die die Krankheit erzeugt hat.

Ich kann beim besten willen nicht mehr einschätzen, ob der Einsatz von Eurobonds aus der Gesamtbetrachtung der Euroländer zum jetzigen Zeitpunkt noch ein Vorteil wäre. Da ich keine "fremdbestimmte" Kontrolle unserer deutschen Finanzpolitik zum jetzigen Zeitpunkt will (eine eigenes Thema), solange bin ich auch gegen Eurobonds.

Bevor Eurobonds eingeführt werden, bedarf es vor weiteren Zentralisierungen ein erneuertes Europa. Ein Europa mit der Verstärkung der von mir bereits oben genannten Gesichtspunkte des "Neoliberalismus" ist kein Europa für die Menschen, sondern ein Europa für das Kapital, die Monopole und diejenigen, die schon heute nicht auf die Leistungen des Staats angewiesen sind.

Manchmal muss man beim kritischen Denken wieder zurück auf Null, um von da aus nach neuen Lösungen zu suchen. Die Beteiligung an der Suche nach neuen Lösungen bedarf kritischer Menschen, die von einer kritischen Presse als vierte Gewalt unterstützt, bzw. "gefüttert" werden müsste.

Hierin liegen die Aufgaben von AM und JA, die uns bei unserer Meinungsbildung helfen können!

langweiler 28.06.2012 | 11:15

zur Info:

auch andere sind kritisch zu AM und den Nachdenkseiten. Beispielsweise Joachim Jahnke mit seinem Informationsportal Globalisierung, welches sich sachlich an gesellschaftlichen und umweltpolitischen Themen im Bezug auf die Globalisierung abarbeitet.

Die Nachdenkseiten hatten vor Jahren auf das Informationsportal verlinkt.

Unterschiedliche Auffassungen führten dazu, dass die Kooperation gelöst wurde. http://www.jjahnke.net/nds-besucher.html. 

Beide kritischen Webseiten gehen ihrer Wege und ab und an greift das Informationsportal Themen von den Nachdenkseiten auf und setzt sich sachlich mit dem Inhalt auseinander.

http://www.jjahnke.net/nachdenkseiten.html

http://rundbriefe.wordpress.com/2009/12/12/1598-2/

Warum schreibe ich das. Ich wußte nicht, wo ich mich im Netz jenseits des Mainstreams zu informieren. Bei der Vielzahl der Möglichkeiten stieß ich auf die Nachdenkseiten, die ich einige Monate verfolgte. Diese hatten auch auf die Seite von Joachim Jahnke verlinkt. So kam ich zum Informationsportal, welches mir von der Aufmachung sachlicher und weniger tendenziös vorkam. Nach und nach schaute ich weniger die Nachdenkseiten und widmete mich mehr dem Informationsportal weil es für mich informativer war und eher unparteiisch. Man/frau muss auch die Zeit zur Information beachten, die darauf verwendet wird insbesondere gibt es noch andere Verpflichtungen. 

Die Seiten haben sich voneinander getrennt, weil es im fachlichen Diskurs unteschiedliche Auffassungen gab. Ich fand dies schade.

Bei den Nachdenkseiten störte mich, dass es keine Kommentarfunktion gibt und somit die Informations so stehen bleiben muss, wie sie vom Macher der Seite dort eingestellt wurde. Da stellt sich die Frage ob kein Austausch gewollt ist und das Geschriebene quasi als Dogma stehen bleiben muss oder es andere Gründe gibt. Natürlich wäre auch die Frage ob bei einem Meinungsaustausch über die unterschiedlichen Themen überhaupt praktisch umgesetzt werden kann. (siehe FC).

Also ich finde es schade, dass die wenigen Kritischen wegen "unterschiedlicher Auffassungen" -man könnte sagen im Kern sind sie einer Meinung oder geht es darum wer die Wahrheit gepachtet hat - so miteinander umgehen.   

Denn eines ist klar: die anderen freuen sich wenn sich diejenigen, die sich kritisch zur Gesellschaft äußern sich dann selbst bekriteln. 

Denn die Gemeinsamkeit aller ist doch die "Aufklärung" und damit der Versuch die Menschen in die Lage zu versetzen die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu hinterfragen und auch sie auch zu verändern bzw. sich davon zu emanzipieren.

Bei aller Kritik wegen unterschiedlicher Auffassungen sollte diese sachlich, wertschätzend und nicht persönlich sein.

pleifel 28.06.2012 | 11:47

Von den ND weiß ich, dass sie für die Betreuung eines Forums nicht die Kapazität haben. Ich hatte diesen Wunsch auch schon direkt geäußert.

Was Sie über die Auswahl der Infoquellen schreiben, kann ich nur bestätigen. Anschließend priorisiert man sie, welche man wann und für welche Themen liest.

Ok, die ND schreiben aber immer mal wieder unter die Beiträge, dass die Redaktion nicht unbedingt mit dem Inhalt oder teilen des Inhalts übereinstimmt. Ansonsten muss man sich schon selbst dazu erziehen, auch Medien zu lesen, die nicht unbedingt die eigenen Standpunkte vertreten.

pleifel 28.06.2012 | 11:59

Nachtrag

Dürfte bekannt sein aber trotzdem nochmal:

Neutralität bei menschlicher Kommunikation gibt es nicht! Dies gilt auch für die Beschreibung von sogenannten Fakten. Vor allem bei Zeugenaussagen zur gleichen "Sachlage" (Situation) stellt sich dies immer wieder heraus.

Daraus aber den Schluss zu ziehen, sich nicht unbedingt mehr um "Objektivität" bemühen zu müssen, wäre nun auch fehlgeleitet.

Umso wichtiger ist es, den Hintergrund einer Person zu kennen, um die Aussagen "richtig" einordnen zu können und dass ist in Foren idR. leider nicht möglich.

ThomasWeber 28.06.2012 | 16:13

Schröders Agenda 2010 war in Wirklichkeit ein Agenda Sommer 2003. Nachdem rotgrüne Koalition wider alle eigene Erwartung un daher völlig unvorbereitet die  Wahlen im September 2002 überstanden hatte, kam es in den Monaten nach der Wahl zu einem Totalabsturz (LTW en Wahlen in Hessen und Niedersachsen).

Die Agenda 2010 diente zu nichts anderem, als den drohenden Kollaps der rot-grünen Regierung im Sommer 2003 abzuwenden. Deshalb war die Agendaschlampig vorbereitet, undurchdacht und politisch völlig unvermittelt.

Aus diesem Prozess im Nachhinein ein heroischen Akt der Kanzlerschaftsopferung von Schröder zu machen, ist dann doch etwas pathetisch, auf jeden Fall aber ziemlich kitschig.

Und als Basis für Ratschläge für die gegenwärtige Kanzlerin taugt der ganze Agenda-Prozess, ob das nun Maßnahmen oder Reformen sind, wirklich nicht.

FKritik 28.06.2012 | 16:25

Nun, um es zugespitzt zu formulieren: Augstein fühlt sich ertappt und reagiert entsprechend.

Merkel Ratschläge erteilen zu wollen ist schon eine Position. Von dieser versucht er sich mühsam zu entfernen, durch noch so viele Hinweise auf frühere Artikel.

Worum gehts. Merkels Politik ist zunehmend isoliert in Europa. Sie demonstriert verbale Kraftakte (so lange ich lebe...). Schäuble fabuliert in einem Interview mit Spiegel-Online von einem Europa im Zentrum natürlich Deutschland. Am Deutschen Wesen soll Europa genesen. Dies kennen wir und uns wird es gruselig.

In diesem Augenblick schreibt Herr Augstein den hier heiß diskutierten Artikel mit dem Titel "Was Merkel jetzt machen muß".

Felix Böttger 28.06.2012 | 16:44

Sehr geehrter Herr Augstein,

kann es sein, dass der von Müller kritisierte Text gar keine sachliche Analyse der Lage sein will, sondern strategisch gemeint ist? Mir kommt es so vor, als wollten Sie mit Ihrem Aufruf das Narrativ ändern, dass sich Frau Merkel zurechtgelegt hat - weg von der eisernen Sparkanzlerin, die uns erzählen will, "solange sie lebt" die "gierigen" Hände der "faulen Südeuropäer" vor dem Griff ins deutsche Portemonnaie zu bewahren, hin zur Kanzlerin eines solidarischen Europas. Kann es sein, dass Ihr Aufruf deshalb gar nicht an linke Leser gerichtet war, sondern ganz strategisch ins konservative Lager platziert werden sollte, sozusagen als Angebot, von der festgefahrenen ideologischen Austeritätsschiene wegzukommen und sich ein anderes Narrativ anzueignen, deshalb auch der Hinweis auf Schröder Agendapolitik, die im konservativen Lager ja durchaus geachtet wurde? Vielleicht haben Sie sich ja vorgenommen, sich hin und wieder als "U-Boot" ins konservative Lager hineinzustehlen, um gewisse Denkanstöße zu geben - so habe ich auch Ihren Artikel vor längerer Zeit verstanden, in Sie die Meinung vertreten, dass wir durchaus eine echte liberale Partei in Deutschland brauchen.

Sollte meine Interpretation zutreffen, wäre es natürlich erstaunlich, wenn ausgerechnet Herr Müller das nicht sehen würde, der doch als "Meinungsmacherexperte" bekannt ist.

Lemmansky 28.06.2012 | 17:07

„Wahrscheinlich, weil Sie es für selbstverständlich halten, immer alles besser zu wissen als die gewählten Politiker.“

Ich bin treuer NDS-Leser, muss Augstein aber in diesem Punkt Recht geben. Mit welcher verbalen Härte sich Müller und seine Crew in den letzten Monaten manchen Themen oder Personen gewidmet haben ist schon beachtlich. Es erscheint häufig so, als hätte man – gerade in ökonomischen Fragen – die Wahrheit für sich allein gepachtet. Arrogant und abschätzig wird jede auch noch so leicht abweichende Meinung denunziert. Es erscheint fast so als hätten Bofingers Vorwort und Wagenknechts Erwähnung bei Beckmann einen Höhenflug ausgelöst.

Wie Precht es einmal so schön formuliert hat: „Die Vorsilben Alt- und Ex- stimmen offenbar moralisch.“ Beim Schreiben sollte man sich immer in die Lage derer versetzen, die man kritisiert und abwägen, wie realistisch es ist, dass man selbst in einer ähnlichen Situation vollkommen diametral handeln würde. Das verleiht Demut.

salvo 28.06.2012 | 17:17

Herr Augstein,

ich erlaube mir, Ihnen vorzuschlagen zukünftig, mit Ihren Texten eine Leseanleitung für den wohl aus Ihrer Sicht leicht zu überfordernden Leser herauszugeben. Diese Anleitung könnte zB Hinweise auf frühere Texte enthalten, in denen Sie das Gegenteil geschrieben haben, oder, sollte es sich gar, wie hier vermutet, um eine strategische Maßnahme handeln, um 'progressive' Botschaften in den 'rechtskonservativen' Diskurs einzuschmuggeln, entsprechende Mißverständnisse im eigenen Lager vorbeugende Anwendungshinweise geben.

mfg

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Ehemaliger Nutzer 28.06.2012 | 17:32

@PLEIFEL

Ja, Sie haben doch recht und ich stimme Ihnen in allem zu. Medien müssen kritisch sein...JA ist gekränkt....Eurobonds hätten viel früher kommen müssen. Dann wären die Südländer nicht so angegriffen worden.

Nur wie löst man dieses Finanzproblem? Gibt es überhaupt noch eine Lösung oder fliegt uns das demnävhst um die Ohren?

Keiner sieht mehr wirklich durch. Es gibt verschiedene Komponenten, die sich aufgeschaukelt haben. Für mich bleibt aber dieses Kreditsystem, die Geldschöpfung an sich mit ihren Zinsen und dem Zinseszins, das größte Problem!! Eurobonds könnten Zeit kaufen um die Finanzmärkte zu regulieren. Und dafür sollte Merkel was tun. Nämlich strenge Regularien für die Banken und Investitionen für die schwachen Länder. Und genau das will JA. Eine Kanzlerin, die sich für Europa und wenns sein muß auch mal gegen ihre Wähler stemmen muß, da die D Europa führen. Ein gemeinsames Ziel, polit. Visionen!! Merkel gehts aber nur um die Wähler und ihrer Macht. 

Machen wir uns nichts vor. Alle Politker haben geschlafen und nach Einführung des Euro keine polit. Union vorangetrieben. Jeder hat jeden benutzt, gemogelt um sich den Wohlstand zu finanzieren. Die D waren sogar noch dreister, damit die Deutsche Wirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann. Die Politik, Schröder, hat sein Volk verraten. Wir haben viel zu viel Export und damit haben die anderen Südländer keine Chanche.

Wie will man aber jetzt das Großkapital noch bezwingen? Sie sehen doch...die machen mit uns was sie wollen. Spekulieren auf den Untergang der VW. Da wir keine polit. Visionen haben und vorallem kein Zusammenhalt! Wenn wir uns nicht solidarisieren werden wir alle zusammen untergehn. Oder wohin sollen unsere Export, von denen wir nunmal leben, verkauft werden? Auf den Mars, nach China? Wir sind eindeutig zu teuer. Wie die Chinesen ihr Wachstum erkauft haben, wissen wir doch alle. Was für eine Wahl haben wir? Die DM hättern gerne viele wieder. Das ist aber mehr als blauäugig in einer globalisierten Welt!! Darauf warten die USA doch nur. Sie haben nämlich Angst vor einem starken Europa. Deswegen spekuliert man darauf. Wir haben auch Wirtschaftskrieg meiner Meinung nach.

Ist aber egal...das Geldsystem bricht zusammen wie alle paar Jahrzehnte dies immer wieder passiert. So 1929....den Rest kennen wir aus der Geschichte.

Es muß sich immer einer verschulden, das ist das Geldsystem.

Viell ist das aber jetzt nur alles Theater um die Völker mehr auszupressen...das können wir Normale doch gar nicht so einfach beurteilen. Wenn ich das mit anderen Krisen vergleiche, Argentinien/Japan, dann kommt man immer wieder auf den gleichen Ursprung zurück. Schuld waren Blasen, die geplatzt sind. Und woher kommen diese Blasen? Aus den Krediten, die immer wieder vergeben werden. Damit kann man Länder in die Steinzeit zurück katapultieren. Für mich steckt dahinter System!! Wo der IWF eine ganz gezielte Rolle im Auftrag der USA spielt!!

mklingma 28.06.2012 | 17:33

Ja, es wurde ja nun schon im Einzelnen analysiert und erwogen. Herr Augstein reagiert auf Müllers überwiegend sachlich begründete, wenn auch aus emotionaler Betroffenheit geäußerte, dezidierte Kritik mit persönlicher Verunglimpfung. Wenn der Herausgeber dieser Community so agiert, wundert es mich nicht, wenn andere es auch tun.

Ich habe früher schon festgestellt, dass der Freitag in vielem seine Positionen schleichend verändert. Was nun Angela Merkels "Opfer"gang nach Europa betrifft, die u.a. mit dem Opfergang deutscher Soldaten (am Hindukusch 'unsere' 'Freiheit' verteidigend) in Beziehung gebracht wird, so stelle ich fest, dass es wieder ein gutes Stückchen voran gegangen ist.

Wer sind denn hier die "Opfer"? Was riskiert denn Frau Merkel und was haben denn andere dafür einzustecken?

Wir werden ein Plebiszit bekommen, wird nun orakelt. Ein Plebiszit über das Ende einer Staatsform, die wir bis heute als Demokratie bezeichnet haben? Seit über 60 Jahren verhindert die CDU den bundesweiten Volksentscheid! Ein Volksentscheid von oben soll dafür missbraucht werden, uns die Demokratie auszutreiben. Der Freitag-Herausgeber schwenkt bereits ein. Hoffentlich alles nur ein Missverständnis.

miauxx 28.06.2012 | 17:53

Selbst auf dem Blog Jacob Jung vermißt man seit Februar den Autor; ohne Vorankündigung ist er "verschwunden." Schon über plötzliche Krankheit wurde spekuliert.

Desweiteren: Solche Auseinandersetzungen wie zwischen Augstein und Müller braucht der öffentliche Diskurs, so er einer sein will! Das haben wir viel zu wenig. Mein Gott - es muss doch nicht hinter jedem deutlicheren Wort sogleich immer eine Gesinnungsjustiz vermutet und dF das Plattmachen unliebsamer Meinungen unterstellt werden. Ich glaube nicht, dass es dafür tatsächlich Anhaltspunkte gibt.

LesÉmeutières 28.06.2012 | 17:58

Zum ersten muss ich sagen, dass ich es ziemlich lächerlich finde, einen Text auf diese Art und Weise zu kritisieren. Der Herr Müller geht in seiner Rhetorik bewusst auf eine persönliche Ebene und stellt so schon seine inhaltliche Kritik in den Hintergrund. Man muss kein Philosoph sein, um zu wissen, dass eine konstruktive Diskussion nicht entstehen kann, wenn einer der Teilnehmer sein Gegenüber persönlich angreift und sei es nur durch kleine Gemeinheiten.Ich lege großen Wert auf Querlesen, denn viele der Leitmedien und Blogs liefern nicht nur die Nachrichten ab, sondern färben sie auch schon ideologisch ein, das macht der Spiegel nicht anders als die FAZ, die taz oder auch der Freitag. Dadurch lande ich auch des Öfteren auf den NDS oder auch in Ihrer Kolumne auf SPON.Auch ich sehe in Ihren Ausführung Punkte die durchaus kritikwürdig sind, oftmals bestimmte Polemisierungen, manchmal auch Schlussfolgerungen, die ich nicht logisch nachvollziehen kann. Darauf sollten Sie auch aufmerksam gemacht werden, immerhin gibt es noch Spiegel-Leser, die den Spiegel für ein linkes Leitmedium halten.

Genauso seh ich auch auf den Nachdenkseiten ein großes Maß an Polemik und Populismus, auch das sollte beobachtet und besprochen werden. Es ist gut, wenn sich Blogger gegenseitig auf Dinge hinweisen, die sie anders sehen als ihr Gegenüber.Was der Herr Müller in diesem Zusammenhang leider tut, und das ist Gift für jeden progressiven Diskurs, ist davon auszugehen, er habe den richtigen Standpunkt und müsse Sie zurechtweisen. Verstehen Sie mich nicht falsch, man sollte von seiner Meinung durchaus überzeugt sein, man darf sie nur nicht als absolute Wahrheit betrachten, denn dann verschließt man sich vor eventuellen Alternativen oder einfach nur vor eigenen Denkfehlern. Ein gutes Beispiel dafür ist die absolut dogmatisch geführte Debatte innerhalb der Linken zwischen Anti-Imperialisten und Antideutschen.Es gibt Kritikpunkte an Ihrem Beitrag, Herr Augstein, sicher. Ich glaube, der Nutzwert des Textes hält sich in Grenzen, denn es darf bezweifelt werden, dass sich Merkel noch groß um irgendetwas schert, das nicht zu ihrem eigenen Vorteil dient. Trotzdem finde ich die Aussage des Textes wichtig und das ist auch ein Punkt, den ich in der Kritik Albrecht Müllers nicht verstehen kann. Der Mann ist nicht dumm und die NDS sind sicherlich eine gute Lektüre um gewisse Dinge, die in den öffentlichen Debatten und den Teppich gekehrt werden, wieder ans Tageslicht zu holen. Sicherlich funktionieren die europäischen Instanzen alles andere als gut und auf jeden Fall müssen Wege gefunden werden, den neoliberalen Einfluss zu tilgen. Nichtsdestotrotz ist ein gemeinsames Europa mit gemeinsamer Haftung extrem wichtig für unser aller Leben auf diesem Kontinent.Als die EU gegründet wurde, geschah das vor allem aus dem Grund, niemals wieder ein Europa der Nationen zu haben, Nationen, die pausenlos im Krieg miteinander waren. Man sollte doch also von einem aufgeklärten Menschen, der einen kritischen Blog betreibt, erwarten, dass er weiß, wie kontraproduktiv und reaktionär diese antieuropäische, eher national orientierte Haltung ist. Ich glaube Herr Müller hat sich mit seiner unsachlichen Kritik selbst ein ziemliches Ei gelegt.

Nur mal so 28.06.2012 | 17:59

The fundamental cause of the trouble is that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt. Even those of the intelligent who believe that they have a nostrum are too individualistic to combine with other intelligent men from whom they differ on minor points.

Bertrand Russel in “The Triumph of Stupidity” (10 May 1933)

Eine Reaktion Russels auf eine etwas andere "Machtergreifung"

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Ehemaliger Nutzer 28.06.2012 | 18:39

der eierlegende Müller ist ein Bild, das mir ebenso gefällt wie Ihre Gesamtanalyse, danke dafür.

Ich sehe JA (Jakob Augstein) allerdings ein wenig "milder", weil er ja ganz bewusst auf Breitenwirkung achtet, und schon deshalb, um mehr Menschen bis ins Prekariat hinein "mitzunehmen", einen anderen und dadurch leichter angreifbareren Diskurs praktiziert, den ich auch unterhaltend und zugleich informativ empfinde.

Wenn dann ein mitunter fanatisch/ideologisch argumentierender Journalist dazu eine "Kritik" abgibt, kann eigentlich nur sowas dabei heraus kommen.

Also, nach ein wenig Sturm im Wasserglas wieder alles im grünen Bereich.

masonic 28.06.2012 | 18:48

Fakt ist doch, dass im Freitag eine wirtschafts- und rechtswissenschaftlich fundierte Analyse der als Krisenmanagement beschönigten "neoliberal governance", also die weitergehende Zerstörung sozialstaatlicher Grundlagen in den europäischen Staaten und den EU-Institutionen, nicht ausreichend stattgefunden hat.

Wo bitte war denn mal der Gastbeitrag eines kritischen Rechtswissenschaftlers, der erklärt, weshalb das Budgetrecht zu den unveräußerlichen Parlamentsrechten und damit zum Kerngehalt der Demokratie gem. Art. 20 GG gehört? Wo war denn eine der Größe des Themas angemessene Plattform für progressive Wirtschaftswissenschaftler? Die Nachdenkseiten waren mit der Herkulesaufgabe einer fundierten Analyse der Krisenbewältigung ziemlich allein in der deutschen Presselandschaft.

pleifel 28.06.2012 | 19:02

"..das können wir Normale doch gar nicht so einfach beurteilen.".

Also ihr von mir geschätzter Beitrag macht aber einen ganz anderen Eindruck! Sie haben viele Aspekte aufgegriffen, die in dieser Krise von Relevanz ist.

Ein ganz wesentliches Element ist das von Ihnen genannte Problem der Geldschöpfung.

Die eigentliche Geldschöpfung im 1ten Schritt ist die Ausweitung des Volumens über die EZB, die für diese Steuerung verschiedene Instrumente zur Verfügung hat. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Ausweitung schon länger über dem durchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstum der Euroländer liegt, ist die "sekundäre Geldschöpfung" der Banken mit allen dahinterstehenden oder begleitenden Rechtskonstruktionen wie Hedgefonds, Zweckgesellschaften, institutionelle Vermögensbetreuungen, Versicherungen, Pensionsfonds, Steueroasen usw. das eigentliche Problem.

Hier gilt es den Hebel anzusetzen um dem unkontrollierten "Buchgeldvermehren" den Zahn zu ziehen. Wie das geht, ist relativ einfach.

Auch gilt es mit der Mär aufzuräumen, dass eine strengere Kontrolle des Zahlungsverkehrs und dem Verbot "nicht der Realwirschaft dienlicher Geschäfte", wäre ein Eingriff in die Marktordnung und würde dem Anleger schaden. Mit dem Anleger sind gewiss nicht wir gemeint!

Da ich lange in einer Bank gearbeitet habe und auch weiß, wie Programme geschrieben werden, die den Zahlungsverkehr steuern und da ich weiß, dass jede Bewegung nachgewiesen werden muss, kann auch nicht behauptet werden, dass man den Zahlungsverkehr nicht kontrollieren kann!

Jede Bank, die ihre/seine Geschäfte verlagert hat, muss Geldbewegungen initiieren, die man nicht verbergen kann. Was man allerdings kann, ist bei kreativer Buchführung die Transaktionen mit anderen Zwecken verbinden, die man aber aufklären kann, wenn man in der Politik gewillt ist, dafür gut ausgebildete Fachfrauen (warum immer Männer) zur Aufdeckung einzusetzen.

Hier gibt es ein Bündel von Scheinheiligkeiten in der Politik unserer Regierung (Regierungen), die uns den Eindruck vermitteln wollen, wir müssen jetzt in den sauren Apfel beißen und da durch. Es besteht überhaupt nicht die Absicht, an die Wurzel des Übels zu gehen (den unregulierten Finanzmarkt).

Warum ist das so? In Europa gibt es etliche Länder, die von dem Bankgeheimnis leben. Unversteuertes Geld ist für ein land ein Fluch, für das andere ein Segen. Solange unter dem Deckmantel des Bankgeheimnisses die reichen Schichten der Besteuerung entziehen können, solange wird man uns weiter mit Schuldenbremsen und ähnlichem das Gehirn vernebeln.

Krass ist jetzt das Beispiel von Zypern. Da hat man den Oligarchen ein Steuerparadies eingerichtet, da lümmeln die Superreichen legitim auf der Insel rum und kaufen Immobilien und Grundbesitz, was das Zeug hält. Hier liegen vielleicht auch die Gründe, warum Russland kürzlich mit einem Millardenkredit ausgeholfen hat. Man hilft sich doch, wenn es ums große Geld geht. Nun soll aber der ESM ran. Hier geht es zwar zuerst auch nur um Kredite, aber wenn die nicht zurückgezahlt werden können (was eine hohe Wahrscheinlichkeit hat), dann sind wir als Steuerzahler dabei!

Und dafür baut man jetzt die Schuldenbremse ein. Dann kann man uns sagen, "wir können ja nicht anders" und baut Sozialleistungen ab, verlängert das Renteneintrittsalter usw.

Also hinter allem steckt eine perfide Strategie. Dazu bedarf es nicht der Ablenkung durch sogenannte Verschwörungstheorien, Neiddebatten, demografische Entwicklung, Globalisierung und was uns da so alles noch so angeboten wird.

Lassen wir uns nicht vernebeln. Mit ein paar einfachen Fragen, wie A. Müller das schon lange gesagt hat, lässt sich schon viel verstehen.

1. Wem nützt es? und2. Wer verdient daran (Abwandlung von 1.)

So lang sollte der Text eigentlich werden, aber ich bin halt durch Ihren Beitrag dazu angeregt worden! In meinem "Kessel steigt der Druck" jedenfalls schon länger. Daher kann ich mit lavieren und unklaren Positionen nicht viel anfangen.

Aus der Erinnerung zitiert nach Orwell: "Wenn man die Lügen nur lange genug wiederholt (Mainstreampresse, TV), dann glaubt letztendlich keiner mehr an die Wahrheit, selbst wenn sie offensichtlich ist.In der gleichen Richtung das Märchen von Andersen mit dem nackten Kaiser, den bis auf das Kind niemand nackt sehen wollte.Wenn die FC ein wenig zur Aufklärung dazu beitragen kann, gut so! Aber bitte ohne persönliche Angriffe. Niemand kann sicher sein vor gepflegten Vorurteilen oder Vorlieben. Und wenn man Vor-Urteilen so schreibt, dann sieht man es noch deutlicher.

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Ehemaliger Nutzer 28.06.2012 | 19:30

Puhh. Lapsis, Larum, Löffelstiel?

Augstein schreibt was, Müller nimmt es auseinander, Augstein reagiert (hiermit), Müller reagiert zurück. Was soll man dazu sagen? Was ich dazu sage:

Das linke Lager hat sich längst in zwei Hälften geteilt: die linken Europa-Pessimisten und die linken Europa-Optimisten. Jakob Augstein ist ein linker Europa-Optimist, wunderbar zu erkennen am hier besprochenen Artikel (Motto: Mehr Europa jetzt! Aber bitte besser und anders - das geht, irgendwie muss es doch, toi toi! Vgl. z.B. auch Die rote Sonne).

Und Albrecht Müller ist ein linker Europa-Pessimist (Motto: Mehr von diesem Europa 'nein danke' - ein anderes wird es aller Voraussicht nach wohl nie geben, wie denn auch..?) usw. usw.

That's the big problem, guys.

Ich schrieb oben "Europa-Optimisten/-Pessimisten". Die Präfix "Europa-" kann man aber mittlerweile getrost weglassen. Diese Spaltung greift ganzheitlich um sich. Optimisten sehen in der Piratenpartei z.B. eine bessere Zukunft am Horizont aufblinken, Pessimisten glauben langsam schon, dass eine bessere Zukunft mit oder ohne Piraten oder Hollande (oder wie sie alle heißen) in absehbarer Zeit gar nicht zu haben sein wird.So. Wer aber darf sich hier nun "Realist" nennen..?

Ich hänge irgendwo dazwischen und schreibe hier zum wiederholten Male:

Wir Europäer sollten uns schläunigst damit auseinandersetzen, dass es uns insgesamt schlechter gehen wird. Und diese (mutmaßlich zu erwartende) "Talfahrt" sollte noch viel schläunigster auf die Gesellschaft als Ganzes umgelegt werden. Die momentane Spreizung ist unerträglich und wird Europa über kurz oder lang von innen zerreißen.

Die Zeit wird kommen, da werden alle ganz dolle mit dem Finger auf "Die Chinesen" zeigen und jammern und jammern. Aber der eigentliche Fehler passiert mitunter im Innern. Die sich weiter und weiter öffnende Schere zw. Arm und Reich, Verdruss und Überfluss, sowohl national als auch europaweit (also international), wird die westlichen Gesellschaften sprengen.

"Versuchen wir zu verhindern, arbeiten wir dran", sagen die Optimisten. "Alles viel zu spät, alles erstmal wieder auf Null", sagen die Pessimisten. Dass sich was ändern muss, wissen beide Seiten. Die Optimisten sind halt beim Weg als dem Ziel, während die Pessimisten bereits das Ziel als das Ziel ausrufen. Soweit von mir hier. Es ist warm.

@dllxllb 28.06.2012 | 19:59

Wie ich sehe, hat Müller reagiert. Schon wieder. Diesmal nicht mit Leserbriefen, sondern mit einem selbstgestrickten Text. Macht es immer noch nicht besser.

"[Augsteins] Verhalten und seine Rolle erinnert mich an ein vor langer Zeit geführtes Gespräch mit dem heutigen SPD-Abgeordneten und Gesundheitsexperten Lauterbach."

Mich erinnert Müllers Verhalten an jemanden, der sich ein wenig mit Psychologie beschäftigen sollte. Vielleicht auch etwas über Schatten und Projektion lesen. Und in sich gehen. Nachdenken. Am besten ohne die Welt dran teilhaben zu lassen.

"deutlich artikuliertes Lob für Angela Merkel und für die Hartz-Maßnahmen von Gerhard Schröder"

Wie man das so verstehen kann, ist mir ein Rätsel. Ein/e Kanzler/in geht in die Geschichte ein. Merkel ist nun in die Bankenkrise hineingeraten und muss sich entscheiden wie sie sich in den Geschichtsbüchern bzw. WIkipedia verewigen will. Entweder wird sie das europäische Projekt vorantreiben oder es zerstören. Sie muss die Wahl treffen: entweder sich aufopfern für die europäische Idee (was wohl Augsteins Präferenz ist), oder eben nicht. So oder so ähnlich ist wohl der Gedankengang.

Davon kann man nun halten was man will, je nachdem wie man Merkels Rolle in dem ganzen einordnet, und auch sie selbst als Person, und dann auch noch die eigenen Ansichten. Aber als Lob für Merkel oder Schröder ist das nun ganz sicher nicht zu verstehen. Und das ist ja wohl klar. Auch ohne Recherchearbeit.

"Erstaunlich ist, dass Augstein persönlich wird"

Als erstes war es Müller gewesen, der 'persönlich' wurde. Wie ich finde, in einem Maß, welches das des offenen Briefs deutlich übersteigt. Wenn ihn nun diese 'persönliche' Ebene plötzlich stört, dann macht er was? Er fährt so fort. Und fügt einen Kommentar (Lapis 27.06.2012 21:19) an das Ende seines Texts der nichts weniger als persönlich ist (und andere Dinge), und bezeichnet das als "gebührend geantwortet".

Albrecht Müller -- der im Glashaus sitzende Steinewerfer? Kann man nicht wirklich ernst nehmen.

masonic 28.06.2012 | 20:17

AM hat schlicht einen wirklich schlechten Text von JA auseinadergepflückt. Die Einlassung AMs, es gehe ihm darum, anhand des Konkreten etwas Allgemeines zu veranschaulichen, nehme ich ihm auch ab. Er wollte zeigen, dass neben der ehe verlorerenen rechten Mainstreampresse auch das linksliberale Pressbürgertum (zu) viele Aspekte der herrschenden Lehre unkritisch übernimmt. Für diese wichtige Aussage darf man auch einmal zu drastischen Worten greifen. 

Dass AM manchmal hyperkritisch rüberkommt und Menschen aussortiert, die nicht (mehr) seinem Weltbild entsprechen: Ja, das stimmt. Aber schlechte Erfahrungen mit Menschen, die sich über kurz oder lang dem herrschenden Mainstream andienen, gibt es leider im Überfluss, gerade in AMs Leben, das ja nachgerade geprägt ist durch den steilen Wandel "seiner" SPD von einer halbwegs progressiven Sozialdemokratie zum neoliberalen Vehikel. Und das macht eben dünnhäutig. 

Lapis 28.06.2012 | 20:58

Die SPON Kolumne von Montag, 26. Juni, ist ein pathetisches Geschwafel im "Welt online"-Stil. Sehr gut hat mir dagegen Herrn Augsteins tiefgründig–philosophische Weisheit "Geld ist greifbares Vertrauen" gefallen.

Aber es gibt durchaus auch härtere kritische Stimmen:

https://uhupardo.wordpress.com/2012/06/25/jakob-augstein-angeblich-links-ein-nerviger-wichtigtuer/

Mühlenkamper 28.06.2012 | 21:03

Interessant finde ich vor allem die Wahl der Form eines "offenen Briefes". JA hätte  auch darum bitten können, eine Entgegnung auf den Nachdenk-Seiten schreiben zu dürfen. Aber das hat er - der sonst keine Scheu hat, auf anderen Plattformen aufzutreten - genau nicht getan. Auf offene Briefe gibt es gewöhnlich keine Antwort, allenfalls Reaktionen - und aktuell findet sich eine von AM auf seinen Nachdenk-Seiten, die jedenfalls nicht mißverständlich ist. JA hat für seine Entgegnung also eine Form gewählt, die einen Dialog sicher ausschließt. Und so bleibt in der publizistischen Wirkung das üble Motiv der Abgrenzung und der Ausgrenzung. Es geht auch anders. Man nehme die alte Weltbühne zur Hand, die am Schluß immer den wunderbaren Teil "Antworten" enthielt. Messerscharf, polemisch, aber immer auch eine Einladung an jene, mit denen man zumindest den moralischen Boden teilte.

Peter Pan 28.06.2012 | 22:04
Sehr geehrter Herr Augstein, in den Nachdenkseiten kann ich jeden Tag lesen wie eine mögliche Lösung wäre, in Ihrem Artikel leider nicht! Ich kann Herrn Müller nach wie vor nur recht geben und werde weitere Veröffentlichungen ab sofort kritischer lesen. Der Verweis auf irgendwann irgendwo einmal geschriebene andere Aussagen ist auch für Ihre Leser wenig hilfreich. Sie sind sicher bei dem Schreiben dieser Meinung nicht davon ausgegangen, dass alle Ihre potentiellen Leser alle Ihre bisherigen Texte kennen und diese beim Lesen berücksichtigen. Schade Peterle
@dllxllb 28.06.2012 | 22:31

Ob der Text nun gut oder schlecht war, das ist Geschmacksfrage. Darüber wird man kein definitives Urteil fällen können. Wenn man aber schon versucht etwas negativ zu darzustellen, sollte man das vielleicht anders aufziehen. Sonst schießt man sich unter Umständen selbst ins Knie.

Wie auch immer. Jeder Mensch erlebt Dinge im Leben die nicht in seiner Macht liegen und einen nicht vor Freude jubeln lassen. Das gibt einem dummerweise nicht das Recht sich wie ein Idiot aufzuführen (wobei ich hier noch nicht einmal Müller im speziellen gemeint haben will). Und nein, ich finde nicht, dass der Zweck die Mittel heiligt.

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Ehemaliger Nutzer 28.06.2012 | 22:44

Hier schmeißen Albrecht Müller und Jakob Augstein mit Förmchen aufeinander!

Inhaltlich gibt die von Müller hart kommentierte SPON Kolumne Augsteins aus meiner Sicht nichts besonderes her. Man kann sich daran hoch- oder runterziehen, oder sie einfach ignorieren.

Weder muss man den steilen Thesen Jakob Augsteins folgen noch seinen bemüht klingenden Analogien (Schröder/Merkel) oder den historischen Rekursen auf die Bonner Republik oder anderen Anspielungen, für deren Verständnis man ein gerütteltes Maß an nicht im Artikel vermittelten Wissens mitbringen muss. Geht man bei der Textanalyse der Kolumne werkimmanent vor, zieht also kein externes Wissen oder bildungsbürgerliche Wissenshappen hinzu, versteht man den Text an besagten Stellen ohnehin nicht.

Anderen Aussagen, die man aus der Zeitgeschichte der letzten Jahre wissen könnte, muss man sich nicht anschließen. Letzteres macht Albrecht Müller wohl nicht bei solchen Passagen: Bisher hat sie sich geweigert, die Krise in solchen Dimensionen zu sehen. Sie hat versucht, das Problem da zu lösen, wo es entstanden ist: in den schwachen Ländern des Südens. Dem mag man nicht zustimmen, wie auch viele andere Ökonomen das eben nicht machen. Es sind gerade diese Aussagen, welche die Märkte und die Wirtschaftspolitik betreffen, denen Müller nichts abgewinnen kann, mir kommen diese Aussagen Augsteins ebenfalls sehr grenzwertig und verquer vor. 

Das europäische Projekt ist schon von Schröder mit der Agenda 2010 angegriffen worden, und zwar wirtschaftlich, währungspolitisch und fiskalisch. Merkel setzte und setzt diese Zerstörungspolitik nahtlos fort und verstärkte sie noch. Schließlich arbeitete sie mit den beiden Brandbeschleunigern Steinbrück und Asmussen zusammen. Schröder als auch Merkel gaben den Banken und Spekulanten freie Bahn. Es geht auch anders, wie die damalige Bundesregierung, die Bundesbank und große Banken zeigten, als George Soros 1993 gegen die DM spekulierte, sie erstickten diese Spekulation und den Angriff gegen die DM im Keim. Merkel machte und macht nichts dergleichen. Im Gegenteil, sie belieferte die Banken und Spekulanten mit hunderten von Milliarden an Steuergeldern. Das erinnert fast an die Appeasement Politik europäischer Politiker zur Beschwichtigung des deutchen Faschismus.

Dass in Deutschland Stimmung gegen Europa gemacht wurde und wird, ja geradezu gegen andere Nationen gehetzt wurde und wird, dass die öffentliche Meinung manipuliert wurde und wird, dass sich die Balken biegen, dürfte auch Jakob Augstein nicht entgangen sein. Diese antieuropäische Stimmung in Deutschland würde jetzt im Falle einer Volksabstimmung sicher auf den durch diese Lügen und Manipulationen vorbereiteten und fruchtbar gemachten Boden fallen. Da und nur da mag man Augstein zustimmen.

masonic 28.06.2012 | 23:25

Ihre Einschätzung zur Volksabstimmung teile ich nicht. Bedenken Sie, dass im Fall einer Volksabstimmung über ein neues GG eher eine antisüdländische Stimmung den Ausschlag geben würde. Die zur Abstimmung gestellte Frage würde nicht lauten, ob die Deutschen den Euro behalten wollen; vielmehr würde zur Abstimmung stehen, ob man budgethoheitliche Kompetenzen auf EU-Organe überträgt und die "Stabilitätskultur" der Schuldenbremse auf europäischer Ebene einrichtet. Kürzer: Ob die "faulen Griechen/Spanier/Portugiesen! auch endlich einmal das Sparen lernen sollen, um ihren fälligen Beitrag zur Währungsstabilität zu leisten. Mit dem erwartbaren medialen Rückenwind würde das Votum m.E. ziemlich klar zugunsten einer Implmentierung des Fiskalpakts mit Durchgriffsrechten der europäischen Institutionen ausfallen.  

oi2503 29.06.2012 | 06:22

Meine Güte. Ich lese Augsteins SPON-Text als Aufruf an Dr. Merkel endlich das zu tun, was sie dem deutschen Volk geschworen hat: ihm zu dienen. Ihren Job endlich zu machen. Und dass dieser Job in einer Vertiefung der europäischen Integration liegt, nicht in Isolationismus. Klar enthält der Text Unschärfen und auch ein wenig Pathos. Ja, und? Müllers Antwort ist zerhäckselnd, nicht verstehend und wahrscheinlich nicht versehen-wollend. Geschenkt. Wer mir zeigt, wo in Augsteins Text eine Bejahung der Agendapolitik steht, bekommt von mir einen Gratiskommentar hier in FC geschekt. Meine Güte.

mustermann 29.06.2012 | 09:14

Augsteins Entäußerungen nicht nur in seinen Kolumnen erinnern zunehmend an das inhaltslleere Wischiwaschi-Gefasel von Steinmeier, Steinbrück und anderen neoliberalen Sozis.

Wenn es konkret wird, bleibt soziale Gerechtigkeit auch für Augstein eine Hohlphrase.

Merkel solls richten wie es Schröder schon gemacht hat: was wir ein absurder Quatsch! Schröder ist von den Superreichen fallen gelassen worden, weil er als nützlicher Idiot nicht mehr gebraucht wurde. Merkel wohnt dort jetzt im Enddarm, um ganz Europa zu privatisieren.Die Herabsetzungen von Müller disqualifizieren Augstein zusätzlich, machen ihn selber noch kleiner.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 09:31

pleifel 27.06.2012 01:28

Lieber @PLEIFEL,

ich bin auch Ihrer Meinung und hatte das bereits in einem anderen Blog von JA geschrieben.

Die Medien tragen eine ganz große Mitschuld, dass die Rechtsextremen hier wieder in der Öffentlichkeit so vertreten sind!! Die Mitte nach Rechts gerückt ist. Die Medien haben einen Auftrag des Kapitals. Ausserdem ist die BRD immer noch sehr weit rechts verortet. Was mit der Geschichte u dem Kapitalismus an sich zu tun hat. Kapitalismus kann eben nicht links sein!

Mich kotzen die vielen, arroganten, rechts eingestellten Journalisten nur noch an. Vorallem die von der Faz. Die fleissig zensiert und mich in einer Mail persönlich angegriffen hatte!  Machen wir uns nichts vor...Medien haben einen ganz gezielten Auftrag vom Kapital!! Man lese dazu nur Krysmanski.

Die Finanzelite hat durch die Geldschöpfung, der Einführung des elektr. "Geldes", der Politik von Rot-Grün soviel Macht bekommen, dass alles auf die Versklavung und zutiefste Ausbeutung, analog des Mittelalters, hinausläuft. Für mich herrschen immer noch die gleichen Hierarchien wie im Mittelalter. Demokratie ist nicht wirklich für die herrschende Klasse erwünscht. Die franz. Revolution hat nichts verändert. Da die Hierarchie immer noch genauso besteht!

Es gibt in Österreich gottseidank noch kluge Menschen, die nicht wie die Deutschen Ökonomen so vertrottelt sind. Und auch hier bei uns plädiert Prof. Huber von der Uni in Halle schon SEID 1998 für ein anderes, sozial, gerechteres Geldsystem!! Das Geldsystem stammt nämlich aus dem Mittelalter und schafft immer die Umverteilung von unten nach oben. Die Deregulierung der Banken hat dies alles noch beschleunigt. Die polit. gewollte Umverteilung durch Herabsetzung der Steuern der gehobenen Mittelschicht ebenso. Und das waren auch die Sozialdemokraten. Ich frage mich ernsthaft was die SPD eigentlich ist?!

Zum Geldwesen hier mal einen Link

http://www.soziologie.uni-halle.de/huber/publikationen.html#a11

Das diese Geldsystem nicht mehr in eine Demokratie passt, die Zinsen immer den Reichtum gewisser Eliten vemehren, will aber kaum einer wahrhaben. Auch nicht AM! Ich bin auch schon lange ein Leser der Nachdenkseiten. Ich hatte mich auch schon per E-Mail bei ihm gemeldet und ihm das Geldsystem mit all seinen Folgen aufgezeigt. Da kam aber keine Reaktion.

Dem ZDF hatte ich auch mal geschrieben. Das ZDF hatte dann wenigstens mal reagiert und einen Beitrag im Heute Journal gebracht.

Für mich ist A.Müller ein teilweise verbohrter Ideologe. Im Gegensatz dazu JA ein irgendwie links liberaler. Das alleine sagt eigentlich alles aus. JA ist NUR im Zweifel links und hat somit eine ganz andere Denkweise als Müller. JA ist nicht wirklich links!!

Wer das nicht versteht und respektiert, hat nichts verstanden.

AM hat DIES anscheinend auch noch nicht verstanden. Und ein DEMOKRAT MUß andere Meinungen akzeptieren. Was ich JA ankreide ist seine uneindeutige polit. Haltung, dieses Wischi-Waschi. Nur Irgendwie links ist eben nicht LINKS! Und es gibt noch mehr als schwarz oder weiß. Eben die Mitte.

Wann verstehen das die Leute?! Auch so manch ein Forist hier, der meint links zu sein!! Und mit Meinungen ist das auch immer so eine Sache.

Wenn Müller Leserbriefe auf seiner Seite jetzt veröffentlicht und zitiert, dann wirds auch nicht besser. Das ist für mich ein persönlicher Angriff und hat nichts mehr mit Sachlichkeit zu tun. Es gilt andere Meinungen zu akzeptieren. Ich kann auch immer viel in einen Text hinein interpretieren.

Ich hab JA Kolummne als einen Aufruf an Merkel endlich  zum polit. Handeln für eine Zukunft Europas verstanden. Ich kann mich auch täuschen. Das dies nicht ohne Demokratie geht, steht wohl ausser Frage. Nur haben wir keine Zeit mehr und müssen endlich handeln!! Wenn die Bevölkerung die Demokratie erhalten will, muß es auch endlich mal handeln!! Dann aber müssen die Leute sich solidarisieren und endlich mal in Massen auf die Straße gehen! Daran haben aber die meißten kein Interesse. Weil es ihnen finanz. noch zu gut geht.

Ich kann JA polit. nicht eindeutig einordnen. Dieser Schlagabtausch mit Blome ist für mich nichts weiter als eine Show. Und keine ernsthafte Auseinandersetzung mit polit. Themen. Ich hatte mich auch schon des öfteren gefragt, wo JA eigentlich wirklich polit. steht. Denn dies lässt er ziemlich im unklaren.

Es gibt auch schon lange eine Neue Rechte in D, die ich für sehr gefährlich halte. Die sich in ihrem Auftreten sehr gewandelt hat und nicht mehr so primitiv daher kommt.

http://www.extremismus.com/texte/neuerechte2.pdf

Ich will hier keinen in eine Ecke stellen. Ich mache mir aber so meine Gedanken. Und noch einmal. JA kann niemals wirklich links sein, da er aus einer gehobenen Schicht kommt und somit eine ganz andere Denkweise an den Tag legt. Da hat wohl Müller zuviel erwartet!

Viell läuft aber hinter den Kulissen auch etwas ganz anderes ab. Ich denke dabei an JA Frage hier, ob jemand weiß warum er verklagt werden soll.

Vergessen wir nicht das das Kapital alles tun wird um sich zu schützen!

thinktankgirl 29.06.2012 | 10:25

Augstein & Müller statt Augstein & Blome. Das fände ich ohnehin interessanter, substanzieller. Vorausgesetzt es geht zuvorderst um Positionen und nicht ausschließlich um personalisierte journalistische Interna.

Das fände ich auch eine Superidee! Ich finde den Talk Augstein & Blome völlig überflüssig: wo BILD draufsteht, ist BILD drin. Statt die BILD-Ansichten durch die Talkshow zu verbreiten helfen, wäre es sinnvoller, linke Positionen samt Argumentation dem breiten Publikum zu erklären.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 10:48

A.Müller`s Veröffentlichung  von einem Kommentator hier - Lapis 27.06.2012 21:19 - ist auch nur einseitig. Da pickt er sich ganz gezielt einen seiner Mitdenker heraus. Zum kritischen Denken gehören immer noch mehrere "Wahrheiten". Jeder hat seine eigene Wahrheit.

Was da jetzt abgeht ist für mich nur noch lächerlich und unglaubwürdig.

Müller sein Angriff auf JA Kolummne in dieser Form ist in keinster Weise zu entschuldigen wie ich finde.

Viell will JA ganz einfach nur ein "Diplomat" sein und ist auf "Harmonie" aus? Bezieht deshalb keine eindeutige Position. Das kann man gut oder schlecht finden. Ist aber eine Characktereigenschaft eines Menschen. Nur helfen Unterstellungen, und das sind die Aussagen von Müller, auch nicht weiter.

Ausserdem denkt das Bürgertum nunmal anders!

Ich schätze JA für seine Offenheit, für seine liberale, tolerante Diskussion hier auf der Plattform des Freitags sehr!! So etwas findet man selten in den großen deutschen Medien. Da fällt mir nur das Handelsblatt noch ein.

Müller sollte sich zurück nehmen und differenzierter denken, schreiben.

hadie 29.06.2012 | 11:29

Albrecht Müller hat am 28.6. noch einmal geantwortet und sich die Beleidigungen verbeten (guter Ruf zu Unrecht, nicht seriös, kein kluger Leser, Vorurteilbeladen, nicht aufmerksam, skrupellos, unseriös). Da kann ich nur zustimmen.

Springer ist ja auch ein Dienstleister für geltungsbedürftige Millionäre. Als Gegenleistung verlangt er ein synchrones Agenda-Setting von seinen Kunden. Und Kunde Augstein musste gerade mal in das Horn tuten: "Schröder hat sich geopfert, Friede Springer will Merkel opfern". Noch Fragen?

pleifel 29.06.2012 | 11:33

Danke KARINL!

"Verbohrter Ideologe"? Wenn man so hart für seine Überzeugungen kämpft, kann leicht dieser Eindruck entstehen.

Es gibt immer persönliche Gründe für solche Entwicklungen. Da die SPD für AM von den sozialdemokratischen Grundsetzen (z.B. des Godesberger Programms), soweit abgewichen ist (man kann auch sagen, seine/ ihre Überzeugungen verraten hat), auf den kann das nicht ohne Auswirkungen geblieben sein.

Also, ich würde das etwas milder bewerten.

Europa kann nur unser Projekt werden, wenn als wichtigstes Ziel der Mensch und nicht das Kapital im Mittelpunkt steht. Dazu muss es eine Schichtung der parlamentarischen Verantwortlichkeiten geben. Damit meine ich mehrere Parlamente, an deren Spitze die gewählten Vertreter einziehen, die für die "Sozialcharta" arbeiten. Hier wird entschieden, was für die Erreichung dieser Ziele in den weiteren Gremien zu tun ist, um die Vorgaben umzusetzen. Die Wirtschaft hat sich in einer dienenden Rolle wiederzufinden, sie ist ausschließlich ein Mittel zum Zweck!

Ich glaube, wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Denken.

Nehmen wir ein Unternehmen wie VW mit etwa 400.000 Angestellten. Hier betreibt man Marktforschung und Werbung im großen Stil. Glaubt hier jemand, hier ließe sich ohne Planung arbeiten? Würde man diese Planung deshalb sozialistisch nennen. Wohl kaum. Aber das bei den Unkalkulierbarkeiten des Marktes riesige Investitionen in den Sand gesetzt werden können (was immer wieder passiert (dazu zählen auch die Fusionen und Übernahmen)), soll dies volkswirtschaftlich effizient sein?

Es ist für mich eine realistische Vorstellung, über eine neue, wirklich demokratisierte Gesellschaft, die den Rahmen und die Planung in großen Zügen auf der Basis unserer vorhandenen Computertechnologie ermöglicht, eine Gesellschaft aufzubauen, die nicht den Zufälligkeiten und Irrationalitäten unterliegt. Dabei würde als Effekt die maximale Freiheit des Einzelnen für seine individuelle Entfaltung möglich sein und zwar auf der Basis ökonomischer Sicherheit! Dann und nur dann ist auch eine aktive, kritische Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung möglich. Der materielle Wachstumswahn würde sich meiner Überzeugung nach von selbst erledigen.

Kann mir übrigens jemand erklären, warum bei kontinuierlichem Wachstum des BIP immer weniger Geld für die Grundbedürfnisse vorhanden sind. Wo geht der Ertrag dieses Zuwaches hin?

Ich glaube, die "Ökonomie hat die Rationalität des Wirtschaftens in eine rationale Vermarktung des Irrationalen verwandelt" (aus Megaphilosophie von J. Koch). Treffender kann man es nicht formulieren.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 11:46

Da verkennen Sie wohl die Intention, die hinter Augstein & Blome steckt: auf breitenwirkung angelegter Politplausch, um auch politisch weniger Interessierte etwas Appetit zu machen.

Augstein & Müller würde eher eine intellektuell abgehobene Schicht ansprechen, die natürlich in der kurzen Sendezeit niemals mit dem Dargelegten zufrieden wäre: die Sendung würde in kürzester Zeit quotenmäßig floppen, da ist mir Augstein & Blome doch lieber (Spatz in der Hand.....)

Wer sich die nicht selten arrogant daherkommenden Ideologien Müllers antun will, der kann das ja auf den Umdenkseiten jederzeit tun.

Jakob Augstein 29.06.2012 | 12:13

Für mich stellt die Art der Kommentierung der Nachdenkseiten ein Problem dar. Die Seite hat viele Leser und sie verfügt in den Kreisen, die für den Freitag und für mich wichtig sind, über Bedeutung. 

Leider arbeiten die Nachdenkseiten mit Mitteln, die ich für unseriös halte, Unterstellung, Invektive, Verdrehung ... Ich hatte das bereits erwähnt.  Müller tritt als Oberlehrer auf, der aber selber absichtsvoll nicht genau liest. Ich kenne diese Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten, die sich hin und wieder mit meinen Texten befassen. Das ignoriere ich. Bei den Nachdenkseiten kann ich es, glaube ich, nicht ignorieren. Wenn ich das dauerhaft unkommentiert lasse und still dulde kommt das einer Zustimmung gleich. Das gefällt mir nicht. Ich bin nun wirklich nicht dünnhäutig. Das darf man auch nicht sein, wenn man sich im Netz bewegt. Das Netz ist kein Ort für Zimperliche. Aber ich finde, man muss auch im Netz seine Integrität schützen. Und ich finde nicht, dass man als Journalist oder Kommentator jeden Unsinn hinnehmen muss, der über einen geschrieben wird.

pleifel 29.06.2012 | 12:38

"Müller tritt als Oberlehrer auf, der aber selber absichtsvoll nicht genau liest. Ich kenne diese Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten, die sich hin und wieder mit meinen Texten befassen. Das ignoriere ich."

Jetzt haben sie ja noch einen "draufgesattelt"! Jetzt sind wir schon bei den Rechtsextremen angekommen. Vielleicht ist es für alle Seiten (JA/ AM) besser, die Kommentare einzustellen, da die Anmerkungen sich nicht mehr an der Sache orientieren.

In der FC ist auch von der "FC-Fangemeinde" darauf hingewiesen worden, dass man aus dem vorliegenden Text (hier ihr SPON-Beitrag) die Kritik ansetzen muss. Dazu sollte und muss man nicht ihre älteren Artikel gelesen haben.

Vielleicht wären weniger interpretationsbedürftige Artikel von Ihnen im SPON ein Fortschritt. Sie arbeiten mit Appellen, Aufforderungen, stellen sich aber gleichzeitig wieder infrage, ob Sie überhaupt berechtigt? sind, Politik in dieser Art zu kritisiern.

Von Ihnen als Vetreter der 4ten Gewalt erwarte ich Kritik, Lösungsvorschläge, Anregungen, Aufklärungen, halt dass, was ich von der kritischen Presse erwarte. Was jetzt hier geschieht, ist ein persönliches Geplänkel, was uns, den Lesern und Sympathisanten vom Freitag und den ND schadet.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 12:40

"Wenn man die Deutschen heute abstimmen ließe, würden sie Europa durchfallen lassen." soweit die Textstelle von JA

Und damit hat JA vollkommen recht!!

Mit macht der Zusammenbruch des Geldsystem/der Währung nicht soviele Kopfschmerzen. Wir haben eine gute Industrie. Firmen gehen pleite und neues wird entstehen. Was mich sehr bewegt, ist du Zunahme einer Radikalisierung der Menschen!! Nicht nur in D. Das ist eine gefährliche Entwicklung. Und die D haben immer noch nicht begriffen, dass man Geld nicht essen kann. Auch wenn es für viele bitter ist Geld zu verlieren, so ist dies doch allemal besser als ein 3. WK!!!

Und wie bereits geschrieben...im Internet meckern hilft auch nicht weiter. Veränderungen müssen von unten gewollt werden! Dazu müssen mehr Menschen auf die Straße gehen!

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 13:00

Jetzt machen Sie den gleichen Fehler wie Müller: sie lesen absichtlich falsch, um JA zu diskreditieren.

JA schrieb, dass sich auf den aus meiner Sicht ideologisch agierenden Umdenkseiten wohl sogar Methoden bedient wird, wie man sie aus der rechten Ecke kennt, mehr nicht!

Da ist die von Ihnen gemachte Gleichsetzung eine unzulässige Interpretation.

Übrigens auch eine Methode, wie sie gerne im rechten Spektrum angewandt wird. Vergleiche dieser Art sollen lediglich das Perfide an solcherlei Methoden heraus stellen.

Ideologen haben ja auch nicht so viele Möglichkeiten, anderen ihre Meinung aufzudrücken.

pleifel 29.06.2012 | 13:02

Exakt!

Und denen es nicht gut geht, die die Tafeln besuchen, die ihren Job verloren haben, die sagen, ich gehe nicht mehr wählen, es bringt doch eh nichts, verschlechtern damit noch ihre eigene Situation. Schlimmer noch, wenn sie wählen gehen, stimmen sie noch für die Parteien, die für ihre Situaton maßgeblich verantwortlich sind. Der Nebel hängt stärker in den deutschen Köpfen, als man es für möglich hält.

Aber da mache ich unserer Presse und den Gewerkschaften große Vorwürfe.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 13:09

Ich stimme Ihnen in allem zu. Nur wird durch das Zinssystem (Zinseszins) dies wohl nicht möglich sein. Da die Wirtschaft auf Kredit basiert. Und dies ist für mich eine der Hauptursachen warum Blasen entstehen und zum Kollaps der VW führen. Auch müssen die Zinsen, die ja in allem Produkten und Mieten usw. stecken, auch real erwirtschaftet werden. D.h. durch Produktion von Gütern/Waren.

Wohin gehen die Erträge der Wirtschaft....in Spekulationsgeschäfte. Weil die Wirtschaft lieber den Gewinn in Finanzprodukte anlegt anstatt in die Wirtschaft wieder zu investieren. Ich hab da das Bsp. von Wörgl immer im Hinterkopf. Geld gehört ab einem Zeitpunkt wieder in den Kreislauf zurück. Denn sonst häuft es sich an und dadurch wird speukliert. Das häuft wiederum mehr Geld an. Diese schafft Macht und käufliche Politiker! Der Mensch ist nunmal käuflich und gierig von Natur aus. Dem können sich nur wenige entziehen. Das Geld kann in neue Investitonen, in Bildung, soziales, Kultur usw. angelegt werden. Dann kann keiner mehr dem Staat das Geld aus der Tasche ziehen, was ja jetzt so von statten geht. Der Staat muß sich sein Geld alleine ohne Zinsen schöpfen und damit seine eigentlichen Aufgaben wie soz. Absicherung, Renten, Bildung, Sicherheit usw finanzieren. Daran muß man die Wirtschaft, die Konzerne viel mehr beteiligen! Und nicht den kleinen Mann!

Die Umverteilung von unten nach oben ist polit. gewollt. Und diese Hierarchie wird daran wohl nichts ändern. Wir haben doch keine Demokratie wo das Volk entscheidet. Der Wohlstand ist im Prinzip immer noch wie im Mittelalter verteilt. Die Menschen, die Werte in der Produktion schaffen, werden in immer mehr perkären Arbeitsverhältnissen gedrängt. Und die Elite unterstützt immer noch den Adel. Der Adel hat nämlich in der BRD nie wirklich aufgehört zu existieren! Selbst Wissenschaftler verkaufen sich um einen gewissen hohen Wohlstand zu haben. Es dreht sich alles immer nur ums Geld! Das ist das große Problem der Menschheit!!

hadie 29.06.2012 | 13:18

Wenn die Meinungen eines Publizisten von "irgendwie links" bis zu "Springers Fuss-Soldat" changieren, hat es der gute Herr Müller schon schwer mit seinen Kommentaren. Das martialische Gerede vom "Merkel opfern" kommt ursprünglich von den aggressivsten Kräften der globalen Finanzindustrie und der deutschen Exportindustrie. Dieses neue "Stahlgewitter" prasselt nun auf butterweiche Wohlstands-Patrioten nieder, die damit sichtlich überfordert sind. Wenigstens einordnen und kommentieren sollte man es dürfen ...

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 13:51

Danke für die andere Sichtweise. Da könnte mit Sicherheit etwas drann sein. Ich bezweifle nur das sich so viele Menschen den Schlagabtausch zwischen Augstein und Blome anschauen. Phönix schauen normalerweise auch nur Menschen die Interesse an der Gesellschaft, an Informationen haben.  Das sind aber die wenigsten.

Wenn ich sehe wie Angestellte im ÖD, die auch noch in Führungspositionen sitzen, sich von RTL verblöden lassen, lässt es mich gruseln!! Kein Wunder das die Deutschen immer mehr verdummen.

WoRomey 29.06.2012 | 14:03

Schon bevor ich das Alles hier gelesen habe, hatte ich das Abonnement des Freitag gekündigt. Der Anteil der reaktionären, bösartige, naiven, überflüssigen,... Artikel ist inzwischen so groß, daß ich mein Gelde lieber an anderer Stelle beitrage. Es zeigt sich wieder, daß Pressefreiheit die Freiheit reicher Leute ist, sich ihre Zeitung zu halten.

masonic 29.06.2012 | 14:46

@ J. Augstein

Respekt! Sie sind ein mutiger Mann! Einen - sorry - derart unterirdischen Text wie den Ihren, erschienen beim objektiven Qualitätsblatt SPON, nicht nur zu verteidigen, sondern die (m.E. aufrichtigen) Kritiker auch noch in die unmittelbare Nähe der Methoden der Rechtsextremen zu rücken, das ist schon doll! Sie werden es ganz nach oben schaffen, da habe ich seit heute keinerlei Zweifel mehr!

Blome kann stolz auf Sie sein, dem sind die NachDenkSeiten aus verständlichem Grund ja auch ein Dorn im Auge (s. seine Reaktion bei "Beckmann" vor einigen Wochen)!

masonic 29.06.2012 | 14:50

"Schon bevor ich das Alles hier gelesen habe, hatte ich das Abonnement des Freitag gekündigt. Der Anteil der reaktionären, bösartige, naiven, überflüssigen,... Artikel ist inzwischen so groß, daß ich mein Gelde lieber an anderer Stelle beitrage. Es zeigt sich wieder, daß Pressefreiheit die Freiheit reicher Leute ist, sich ihre Zeitung zu halten."

Jupp, meine Mail geht auch noch am WE raus. Was Augstein hier gemacht hat, ist einfach nur noch gruselig. Da wird eine der letzten Bastionen eines kritischen Journalismus, die NachDenkSeiten, einfach mal frontal angegriffen, statt die Hofberichterstattung von SZ über FAZ bis WELT und SPIEGEL zu attackieren. Daher bleibt nur noch, den ohnehin mit zu viel feel good verseichteten Freitag zu kündigen.

pleifel 29.06.2012 | 15:09

Gut, so könnte man es machen. Aber wenn ich jedesmal mein Abo kündigen würde, wenn ich mich über einen Artikel geärgert habe, dann hätte ich keines mehr (rechte Blätter, die Bild usw. zählen natürlich nicht dazu).

Es ist doch besser, sich mit dem A (a)nderen auseinanderzusetzten, als sich in der Konfrontation zu verabschieden. Ich finde in dem Freitag immer noch Artikel, die mich interessieren.

Als Beispiel sei der Artikel in der letzten Ausgabe von Karl-Ernst Lohman "Nach dem Verlust der Illusionen" genannt.

Verkürzt zitiert: Warum die Linken zwar ständig kritisieren, aber es "keine überzeugende Vorstellung einer Ökonomie gibt, die modern ist, die funktioniert und die nicht kapitalistisch ist".

Leider ist auch AM der Meinung (so wie ich es verstehe), dass mit mehr Regulierung, Verboten, Überwachung die Probleme zu lösen wären.

Ich bin mir nicht sicher, ob die herrschenden Kreise es zulassen würden, wenn wir tatsächlich die Wirtschaft auf das reduzieren würden, wozu sie da sein sollte. Und natürlich stellt sich hier die Eigentumsfrage der großen Vermögen. Wir dürfen zwar wählen, aber bitte nichts wesentliches am bestehenden System verändern.

Nachtrag: Doch ich bin mir sicher, sie würden es nicht zulassen. 

leckermalzbier 29.06.2012 | 15:28

Tja, Herr Augstein. Mit Ihrer ersten und insbesondere der zweiten Einlassung zur Kritik des Albrecht Müllers, haben Sie sich quasi genau als das geoutet, was Albrecht Müller Ihnen vorwirft. Solange die Spiele nach Ihren persönlichen Regeln ablaufen und Sie ausschließlich Vorteile daraus ziehen können, solange kommt man Ihnen wunderbar zurande. Doch wehe, dem Herrn Augstein hält man den aus mangelnder Selbstreflexion heraus notwenig gewordenen Spiegel vor die Nase, dann wird er zu einer Art Königsmörder. Die mit dieser Charakterisierung einhergehende Machtbesessenheit macht Sie, Herr Augstein, nicht nur zu einem beliebten Instrument der elitären Kreise, sondern schubst Sie praktisch mitten unter sie.

Ich gewann den Eindruck zu Ihrer Person bei einem kürzlich gesehenen Auftritt auf Phoenix, ohne zum damaligen Zeitpunkt gewusst zu haben, dass Sie DER Augstein sind, der vom Freitag. Denn der pseudokritische Gegenpart, der irgendwie links wirken sollte, war so unglaubwürdig, weil mit Suggestivvorwürfen fast schon penetrant durchzogen, dass ich niemals eine Verbindung zu einem Vertreter linker Positionen gezogen hätte. Das Ganze wirkte - nicht zuletzt wegen dem kitschigen Helm - unfreiwillig komisch. Ihr vermeintlicher Gegenpart erinnerte mich dabei irgendwie an einen Vertreter der FDP, mit Daueremittierung sinnfreier Ideologiephrasen.

Nein, Herr Augstein. Mit diesem nach verwöhntem Einzelkind ausehendem Handlungsreflex der Diffamierung eines Menschen, der nun wirklich nicht als ideologisch verbohrt gelten kann oder gar mit Hilfe von  Nazikeulengrobmotorik in die Nähe des Rechtsextremismus gedrückt werden darf, haben Sie Herrn Müller uneingeschränkt in seiner an Sie gerichteten Kritik faktisch bestätigt. Die Art und Weise hat fast pubertäre Züge. Und spätestens hier sollte schnell klar werden, dass Albrecht Müller ein paar Schuhgrößen zu groß ist für entlarvten Opportunismus. ;)

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das fast schon jüngerhafte Verhalten Ihrer Anhänger hier. Offenbar völlig frei von der Fähigkeit, selbst naheliegendste Parallelen zum Mainstreamjournalismus zu erkennen, wird auch hier rein reflexartig in diese unselige Art der Auseinandersetzung eingestimmt.Ich denke, Sie sollten endlich Farbe bekennen und sich nicht hinter Wortklaubereien verstecken, um Ihren vermeintlichen Linksrutsch eine Art von Kausalität zu verschaffen.

Normalerweise halte ich mich mit Kommentaren sehr zurück, aber in diesem Falle war eine emotionale Distanz zu Ihren haltlosen Vorwürfen nicht mehr möglich.

Und zur Sache selbst bleibt anzumerken, dass eine gewisse Hofierung der Kanzlerin durch die getroffene Wortwahl auch nicht fehlinterpretiert wurde, ja, werden konnte. Es sei denn, Sie akzeptieren, dass ich Ihnen signifikante Defizite im Sendungsbewusstsein vorwerfe. Denn nach Schröder dürfte Merkel wohl so ziemlich das ungeeignetste Personal sein, dass mit verantwortungsreichen Aufgaben betraut werden kann.

Maengelwesen 29.06.2012 | 16:39

Ich habe mich beim Lesen der Kommentierung des SPON-Artikels durch A. Müller auch gewundert, ob das der erste Text war den er von JA bislang gelesen hat. Allerdings habe ich nun auch schon ein paar mal Aussagen von JA gehört, die einander widersprachen (allerdings zeitlich versetzt). Naja, der Mensch hört halt im besten Fall nie auf zu lernen, und das ist ja auch gut so (bei Brecht erschreckt sich Herr K. ja auch, als ihm jemand sagt, er habe sich gar nicht verändert).

Mein Eindruck ist auch, dass Müller eine gewisse Grundeinstellung gegenüber JA hat, und Belege für seine Meinung sucht und bei Missachtung gegenteiliger Hinweise zu finden glaubt. Erinnert mich schwer an http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz.

Irgendwie scheint mir das ganze ein interessantes Beispiel für das von Michael Angeles Artikel "Die große Gereiztheit" beschriebene Phänomen zu sein, dass Linke gerne darum wetteifern, wer nun der linkeste, oder zumindest der beste Linke ist.

Ehrlich gesagt hätte mir JA's Replik aber auch besser gefallen, wenn sie etwas weniger gereizt, etwas souveräner geklungen hätte. Aber das mag Geschmackssache sein.

leckermalzbier 29.06.2012 | 16:59

"Naja, der Mensch hört halt im besten Fall nie auf zu lernen..."

Meine Güte, es gibt immer noch zuviele Menschen, die sich entweder alles schön quatschen müssen oder schlicht und einfach grenzenlos naiv sind.

@Jan-Hendrik

Genaus das ist ja der Punkt, die Abo-Kündigung wird mit sicherheit NICHT nur darauf zurückgeführt, sondern wird ein Vorspiel gehabt haben. Es sind die immer seichteren Texte und die oftmals weltfremden Äußerungen gegenüber der Linkspartei. Sorry, aber für mich wäre das ebenfalls ein Grund, dafür sorge zu tragen, dass mit meinem Geld kein weiterer schindluder getrieben wird. Denn das ist die einzige Sprache, die man auch in vermeintlich elitären Kreisen versteht, es geht ans Geldsäckel! Verharmlosung zur Rechtfertigung ist da wenig hilfreich.

@dllxllb 29.06.2012 | 17:04

Ein ähnliches Szenario erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls wahrscheinlich. Wer hätte gedacht, dass der Euro Europa zerstören könnte. Wobei. The love of money is the root of all evil. Und dass Namen Schall und Rauch sind, davon scheint man in der Finanzindustrie ganz besonders überzeugt zu sein.

FAZ-Artikel über die demokratischen Zustände auf Europa-Ebene http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-praesident-spricht-es-geschah-am-28-juni-11802742.html

@dllxllb 29.06.2012 | 17:13

Sie erwarten "Kritik, Lösungsvorschläge, Anregungen, Aufklärungen". Das ist ein schmaler Grat. Mir ist im Zweifel eine möglichst objektive Darstellung lieber - so weit das eben möglich ist -, als ein Text der sich in eine Ecke verrennt in die ich mich nicht unbedingt stellen möchte. Andererseits kann man sich auch in eine Ecke stellen und alles was da nicht voll drin ist in die gegenüberliegende drücken. Möglichkeiten gibt's viele. Im Übrigen ist eine Kolumne eine Kolumne. Am Rande: ND. Da fällt mir noch eine andere Publikation ein. Ironie des Schicksals.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 17:48

Naja, Herr Augstein, wenn ich das so lese "... Leider arbeiten die Nachdenkseiten mit Mitteln, die ich für unseriös halte, Unterstellung, Invektive, Verdrehung ... Müller tritt als Oberlehrer auf, der aber selber absichtsvoll nicht genau liest. Ich kenne diese Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten, die sich hin und wieder mit meinen Texten befassen. ..." dann ist sehr verallgemeinernd und auch schon recht starker Tobak.

Maengelwesen 29.06.2012 | 18:14

Du meine Güte! Ich rede mir doch nichts schön wenn ich es Menschen zugestehe ihre Meinung auf Grund von veränderten Bedingungen oder auch Erweiterung des Horizonts zu ändern. Wer denkt denn ernsthaft von sich sein ganzes Leben lang die gleiche (richtige) Meinung in allen Dingen vertreten zu haben?

Sie sehen mich doch auch durchaus kritisch gegenüber der Geschichte, oder nicht? Möchte mich hier nun wirklich nicht in so eine dumpf-naive "Alles was Augstein macht ist toll"-Ecke stellen lassen.

Lapis 29.06.2012 | 18:21

Schade, durch die unsägliche Behauptung, die NDS bedienten sich Mitteln, die den "Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten" entprächen, hat sich Herr Augstein in meinen Augen als seriöser Gesprächspartner disqualifiziert.

Während solche Methoden im Hause Springer tatsächlich Anwendung finden, scheint das dem wöchentlichen Plausch mit Kumpel Blome aber keinen Abbruch zu tun. Da geht's ja auch nicht um echte Auseinandersetzung, sondern nur um PR.

@dllxllb 29.06.2012 | 18:39

Er "kenne diese Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten". Zitieren SIe lieber richtig, nicht dass Sie sich als Gesprächspartner völlig disqualifizieren. Wobei das nicht derartig viel am Sinn ändert. Was anderes als das was Augstein sagt, ist die Art und Weise auch nicht die Müller da an den Tag gelegt hat. Pech für Müller und seine Anhänger dass rechte Spinner das ähnlich machen. Dass Müller auslegt wie's in den Kram (der mir immer noch nicht klar ist) passt, und attackiert und so weiter. Was soll das sonst sein. Qualitätsjournalismus wohl kaum.

miauxx 29.06.2012 | 19:51

Ich habe mir erst jetzt mal die Kontroverse angeschaut. Augstein in SPON gelesen und dazu die beiden Müller-Texte.

Der Punkt ist in meinen Augen, dass Müller sich links positioniert und Augstein aus diesem Blickwinkel "zerpflückt", weil dieser sich zumindest "irgendwie" im linken Spektrum verortet sehen will. Und nur so kann man Müller verstehen! Augstein ist mit seinem Kolumnentext "Was Merkel jetzt machen muss" eben nur "irgendwie" oder "im Zweifel" links. Er bietet keine linke Analyse und keine Vorschläge. Was Augstein mit einem klaren Kämpfen Merkels für eine europäische Intergration meint, darüber bleiben wir im Dunkeln. Müller hinterfragt zu Recht, warum wir nun ausgerechnet von der Frau, die bisher alles andere getan hat, als sich um ein einiges Europa der Menschen (!) zu kümmern, erwarten sollen, dass sie die Dinge zum Besseren wende. Augstein benennt zwar die negative und kontraproduktive Führungsrolle, die Merkel in der EU einnimmt. Wie um alles in der Welt soll man denn nun von dieser Merkel erwarten, dass sie plötzlich genau das Gegenteil davon tut, was sie bisher getan hat?! Die "eiserne Hand", die ihr bisher angelastet wird, soll sie mit Augstein nun, im Zweifel auch gegen den Willen ihrer "unmündigen" Bevölkerung, für den Zweck der historischen Idee vom geeinten Europa einsetzen. Bemerkt Augstein nicht, dass er, indem er so etwas fordert, gerade den Begriff der Integration, ja der Demokratie, konterkariert? Eine fortgesetzte Diktatur Merkel, die mit dem richtigen Anstrich doch eine "richtige" sein kann??

Aus linker Perspektive also hat Müller die richtigen Befunde über Augsteins Text gefunden. Augstein ist nicht konsequent, hat keine Vorschläge. Dass Müller vielleicht überinterpretiert, indem er Augstein ein Lob für Schröders Hartz IV aussprechen sieht, ist gar nicht einmal der Punkt. Hier mag es mit Müller vielleicht etwas durchgegangen sein; gleichwohl die betreffende Passage Augsteins keinesfalls eindeutig ist. Man kann sie durchaus so lesen wie Müller.

Dass Augstein darauf verweist, man möge doch auch seine übrigen Äußerungen im Netz aufspüren, um zu bemerken, dass er kein Merkel-Fan ist, ist eine Ausflucht vor der Textkritik. Ich kann als Autor doch von meinem Leser nicht verlangen, er möge bitteschön zunächst mein gesamtes Oeuvre studieren, bevor er sich äußert. Ein Text, zumal ein journalistischer, muss sich so, wie er vor mir steht, der Kritik aussetzen. Wohlgemerkt: Es geht doch hier nicht um Alfred Müller, sondern auch um den Leser, der einen Herrn Augstein vielleicht zum ersten Mal liest. Nehmen wir diesen zudem als einen linksorientierten an, so könnte er in der Analyse von Augsteins "Was Merkel jetzt machen muss" durchaus zu den gleichen Schlüssen wie Müller kommen.

Auch wenn wir heutzutage solche Streit-Diskurse viel zu wenig haben und es doch ruhig mal etwas deftiger zugehen kann, so wäre doch zu begrüßen, wenn die beiden "Streithähne" auf den Boden des Sachlichen zurückkehren würden. In Sachen persönlicher Anschuldigungen haben sie sich beide nichts genommen. Siehe auch Müllers Replik auf den NDS und Augsteins Kommentar hier im thread.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-was-angela-merkel-jetzt-machen-muss-a-840717.html

http://www.nachdenkseiten.de/?p=13671

oi2503 29.06.2012 | 19:52

Ich habe den Eindruck, dass im Verlaufe des Threads der eigentliche Anlass ein wenig aus dem Blick gerückt ist. Und deshalb schreibe ich aus meiner Sicht eine Replik auf Müller. Kursiv seine Sätze, nicht kursiv meine Anmerkungen dazu.

Man sollte die Bedeutung der Kolumnen des Freitag-Herausgebers bei SpiegelOnline nicht überbewerten. Aber zum einen laufen diese Kolumnen unter der Überschrift „Im Zweifel links“ und bilden damit einen Orientierungspunkt für linksliberale SpiegelOnline-Leserrinnen und -Leser ...“ Ja, ich glaube auch immer, wenn mir jemand aufschreibt: das beste Auto seit Menschengedenken, die gesündeste Margarine, die Sie heute Ihrer Familie kaufen können. Die Denkungsart allein hinter diesem einen Halbsatz ist offensichtlich: Die Menschen sind blöd.

„zum andern gewinne ich aus Gesprächen und Äußerungen anderer den Eindruck, dass zum Beispiel die in der neuen Kolumne „Was Merkel jetzt machen muss“ erkennbare unkritische Bewunderung für Angela Merkel weitere Kreise zieht, ...“ Also erst einmal: Was meint „weitere“? Weiter als was? Und dann: Bewunderung wofür? Für ihre Leistung im Sinne von Regierungshandeln oder für ihre Fähigkeit, sich Trends und Strömungen anzupassen und sich gegen die „Jungs“ zu behaupten, sie alle wegzubessen, ihren Machtwillen? Ich weiß, das klingt jetzt kleinlich, doch wer anderen unpräzisen Wortgebrauch vorwirft, sollte … eben, genau das. Ansonsten sind das Gefühligkeiten, unüberprüfbar. „Ich hab ein zärtliches Gefühl“, sagt Herrmann van Veen.

Wieso soll eigentlich jene, nämlich Angela Merkel, die Rettung bringen, die in der Vergangenheit nahezu alles falsch gemacht hat?“ Glaubt Augstein das denn? Oder zeigt er nicht eigentlich eine Richtung für verantwortliches Regierungshandeln an, von der die allermeisten (selbst ihr wohlgesonnenen) überzeugt sind, dass sie diesen Weg niemals gehen wird: Eine Sache, ein Projekt, meinetwegen auch das „Wohl“ Ds höher zu stellen als ihr eigenes? Liegt nicht eigentlich genau da die Kernaussage der Kolumne? Sie müsste, sie wird nicht, nicht ums Verrecken. Wenn inzwischen eines sonnenklar ist, dann das: Die Dame ist wendig und wenig an inhaltlichen Positionen interessiert.

Der Autor hat auch nicht verstanden, dass wir nicht zu aller erst eine Staatsschuldenkrise sondern eine Finanzkrise hatten. Er macht die Ursache der Krise bei den Südländern fest. Auch dabei ist er nicht allein. Auch andere eher linksliberale und linke Intellektuelle haben sich der allgemeinen Stimmungsmache gebeugt.“ Hat er nicht verstanden oder hat er sich gebeugt? Darf ich mir etwas aussuchen oder ist beides gemeint: Voller Unkenntnis gebeugt? In meinem Verständnis kann man sich nur beugen, wenn man vorher (oder immer noch) eine andere Meinung hat.

Wie kann man von einer Person und ihren politischen Freunden, die gerade mit dem Fiskalpakt Elend und Fehlentwicklung festzuschreiben gedenken, das Heil erwarten?“ Wie kann man überhaupt von einer Person das „Heil“ erwarten? Es rettet euch kein höheres Wesen undsoweiter ….

Dass die Bundeskanzlerin und CDU Vorsitzende, ihr Finanzminister und vermutlich auch ihre ganze Partei inzwischen der neoliberalen Ideologie ausgeliefert sind, hat dieser Kolumnist nicht bemerkt. Auch das ist typisch für weite Kreise dieses Bürgertums.“ Dieses Bürgertums? Welches? Wo eigentlich wird der Begriff Bürgertum definiert, was sagen uns die Worte? Was denn wohl ist gemeint, wenn Augstein schreibt, dass das „Projekt Europa“ (meine Wortwahl, weil ich zu faul bin, den Artikel jetzt auch noch nachzuschlagen) gegen die Partei geführt werden muss, und dass genau darin die Gefahr des Verlustes der Kanzlerschaft liegen könne?

eine Volksabstimmung zur Übertragung von Entscheidungsbefugnissen an europäische Institutionen, an eine europäische Regierung zum Beispiel, würde aus meiner Sicht von den Befürwortern gewonnen werden.“ Und aus meiner Sicht ist das nicht so. Und jetzt?

Interessant ist die servile Bereitschaft Augsteins, Schröders Agendapolitik nach den von neoliberalen Kreisen eingetrichterten und inzwischen herrschenden Denkmustern für richtig und erfolgreich zu halten.“ „Servil“ ist schon ziemlich harter Tobak, aber geschenkt. Geschrieben hat doch der Augstein nur, dass Schröder an seine Politik glaubte und sie gegen x und y und z durchgesetzt hat. Und dass es sich eine solche Sachorientierung auch von Dr. Angela M wünschen würde. Für Europa. Wo steht denn in dem Text, dass er die Agenda geil („richtig und erfolgreich“) findet? Welche Denkmuster herrschen wo?

Augstein macht diese Botschaft noch glaubwürdiger dadurch, dass er Schröder und Angela Merkel gleichzeitig mit der Opferrolle ziert.“ Seit wann ziert ein Opferrolle? Bei einer Heldenrolle mag das ja hinhauen und selbst da ist die Frage, warum man glaubt den Heldentenor geben zu müssen und was damit kompensiert oder versteckt wird.

So, und nun geht es in die Beleidigungen, alles Zitate Müller, in den Text von Augstein „eingebaut“:

Schwulstiges Gerede.

Augstein baut einen Popanz auf

Haltegriff der linksliberalen Besserverdiener

Sie versöhnen sich mithilfe des „Opferttenors“ mit Schröders Untaten … Das kommt Ihnen zupass, weil sie sich mit ihresgleichen aus dem konservativen Lager versöhnen wollen und es nebenbei auch noch billiges Hilfspersonal aus dem Niedriglohnsektor gibt.

Dummes Gerede ohne Substanz.

Donnerwetter

Geschwafel

Das ist das übliche Gerede, entlehnt dem Denken in den Kategorien von Blut, Schweiß und Tränen, das wir aus konservativen Kreisen kennen.

die nackte Sprücheklopferei

Bildungsbürgerliches Beiwerk ohne Realitätsbezug

Unfassbare Ignoranz gegenüber den wahren Ursachen!

Wer nun die vermeintlichen Krokodilstränen am Schluss des Textes zur angeblichen Emotionalität („innere Emprörung“) glaubt … nun ja, der glaubt sie halt. Ich jedenfalls tue genau dies nicht, halte sie vielmehr für eine mittelmäßig gelungene Selbstinszenierung.

Wie kann es sein, dass eine Stellungnahme zu diesen Aussagen Müllers nicht verstanden wird?

Heiko Zorn-Bürger 29.06.2012 | 21:17

Mai 2010

Die beiden (linken) Volkswirte Rudolf Hickel und Heiner Flassbeck beharken sich

via >NachDenkSeiten (!!!)<

mit Offenen Briefen und Gegendarstellungen.

Ach, hätte Albrecht Müller sich doch daran erinnert als er Jakob Augstein nun dergestalt kritisierte – und hätte er sich doch vor allem daran erinnert, was er höchstselbst den beiden Ökonomen zu ihrem Stil ins Stammbuch schrieb:

„...Wir setzen damit den Disput zwischen den beiden Ökonomen fort. (…) Wir würden uns wünschen, die verbale Schärfe unterbliebe... (…) … und auch Unterstellungen wie jene im ersten Absatz der Antwort Rudolf Hickels... (…) ...sollten besser unterbleiben.“ - Albrecht Müller -

Hickel eröffnete seinerzeit den Schlagabtausch in einem Stil der keiner war. Zumindest war es nachvollziehbar, dass Flassbeck sich nicht auf Augenhöhe – von Kollege zu Kollege – kritisiert fühlte. Dass Flassbeck darauf nun seinerseits in der Art reagierte, dass er den Ton nochmals verschärfte mag zwar ebenfalls menschlich nachvollziehbar sein, war aber weder als clever noch als smart zu bezeichnen. Will sagen, souverän geht anders!

Nein, diesen Vorgang hatte Müller wohl nicht mehr im Hinterkopf als er Augstein nun in einem Stil anging, welcher den Adressaten keinesfalls Augenhöhe mit seinem Kritiker zugestehen will.

Augstein hingegen war dieses Desaster wohl nicht bekannt, sonst würde er wohl kaum wie Flassbeck reagieren?

Denn das Ende vom Lied war, fachlich das sprichwörtliche Hornberger Schießen, menschlich bestenfalls mitleiderregend und publizistisch ein gefundenes Fressen für die konservative, neoliberale, alles-andere-als-irgendwie-linke Presse. So schrieb beispielsweise DIE ZEIT einen süffisanten Verriss, der mit den Zeilen endete:

„Vielleicht geht es bei diesem Streit, wie so häufig in der akademischen Welt, auch gar nicht darum, wer recht hat. Vielleicht geht es darum, wem eigentlich das Copyright auf die Krisendeutung zufallen soll.“

Autsch!

Ich erwarte nichts weniger als eine homogene „linke“ Öffentlichkeit. Ganz im Gegenteil gehört die Auseinandersetzung auch untereinander zwingend dazu, nicht zuletzt um so dem neo-konservativen Konsenslager und seiner TINA-Mentalität einen Gegenentwurf des permanenten Dialogs entgegenzustellen.

Aber welcher Öffentlichkeit soll sich mit den Inhalten eines Dialogs auseinandersetzen (wollen), wenn ein gegenseitig diskreditierender Stil und Ton alles sachlich bedenkenswerte überlagert?

Wieso, verdammt nochmal, „gelingt“ es linken Protagonisten und Vordenkern eigentlich immer und immer wieder, in der Öffentlichkeit auf eine Art und Weise miteinander zu disputieren, dass es zu einer Steilvorlage für die Broders, Blomes und Fischermanns gerät?

Öffentliche Kritik bereits im Ansatz als Fehdehandschuh zu werfen (Hickel & Müller) sowie diesen ebenso aufzunehmen und den Ton dabei auch noch zu verschärfen (Flassbeck & Augstein) war/ist so dermaßen Zitronencremebällchenhaft, wie es Kosakenzipfliger kaum sein könnte!

Wie wäre es, wenn man die kleinbürgerliche Attitüde einfach mal dem Lager überließe, dem sie eigentlich auch zugeschrieben wird:

Den Lesern eines Broders und Blomes, nicht jenen eines Augsteins und/oder Müllers.

Zum Nachvollzug:

1. Hickel „Heiner Flassbeck irrt...“ 03.05.2010

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/100518_rudolf_hickel_zur_griechenland_krise.pdf

2. Offener Brief Heiner Flassbecks an Rudolf Hickel vom 17.05.2010

http://www.nachdenkseiten.de/?p=5562

3. Antwort auf den offenen Brief von Heiner Flassbeck von Rudolf Hickel vom 25.05.2010

http://www.nachdenkseiten.de/?p=5653

4. Und nochmals Flassbeck auf Hickel vom 26.05.2010

http://www.nachdenkseiten.de/?p=5669

5. DIE ZEIT zum Disput vom 29.05.2010

http://www.zeit.de/2010/22/Oekonom/seite-1

Achtermann 29.06.2012 | 21:47

Augstein schreibt unter dem Label "Im Zweifel links" folgendes:

"Bisher hat sie [Merkel] sich geweigert, die Krise in solchen Dimensionen zu sehen. Sie hat versucht, das Problem da zu lösen, wo es entstanden ist: in den schwachen Ländern des Südens. Aber das genügt nicht."

Diese Behauptung ist eine aus der Propagandamaschinerie des Mainstreams, der sich bis in die Nachrichtensprache durchgesetzt hat. Die Ursache sind nicht die "schwachen Länder", was immer ein schwaches Land auch sein möge. Die Ursache liegt in der Entfesselung des Casino-Kapitalismus. Das heißt, die Eröffnung der Möglichkeit auf alles zu wetten: Auf Ernteerträge, die schon Jahre zuvor aufgekauft werden, auf faule Kredite, die gebündelt werden, auf Leerverkäufe mit der Hoffnung auf fallende Aktienkurse etc. Das hat mit Wirtschaften, also Investieren, im üblichen Verständnis nichts mehr zu tun. Bei diesem Gebaren versagt jede volkswirtschaftliche Lehre. Hier müsste der Hebel angesetzt werden. Ergo: Abschaffung der Investmentbanken.

Augstein hat nichts analysiert, wenn er schreibt: "Seit drei Jahren hat nichts ausgereicht, um die Märkte zu beruhigen…". Dieser Sprachgebrauch kommt nicht von den Arbeitnehmern, er kommt von denen, deren Handwerk mit gesetzlichen Regelungen eingedämmt gehört. Als ob es nur darauf ankomme, "die Märkte", die ich von Augstein gerne näher unter die Lupe genommen gesehen hätte, zu befrieden. Die Märkte, diese anonymen Wesen, sind sie nicht jene, die produzieren, sondern lieber Firmen aufkaufen und zerschlagen, statt in Arbeitsplätze zu investieren? Nee, wenn "die Märkte" beruhigt wären, hätten sie für ihre Spekulationsfelder die optimalen Bedingungen. Doch "die Märkte" werden nie zu beruhigen sein. Erst wenn sie sich gegenseitig totspekuliert haben, sind sie ruhig gestellt. Das alles hat mit dem Amtsopfer der Bundeskanzlerin, das Augstein fordert, wenig bis nichts zu tun. Wer die Kolumne Augsteins im Zweifel links einordnet, sitzt mit Rösler im selben Boot.

masonic 29.06.2012 | 21:55

"Ich erwarte nichts weniger als eine homogene „linke“ Öffentlichkeit. Ganz im Gegenteil gehört die Auseinandersetzung auch untereinander zwingend dazu, nicht zuletzt um so dem neo-konservativen Konsenslager und seiner TINA-Mentalität einen Gegenentwurf des permanenten Dialogs entgegenzustellen."

Heiko, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Nur: Mit Augstein ist ja der linke Dialog scheinbar unmöglich; sonst hätte er sich ja auf die Kritik AMs in der Sache eingelassen. Stattdessen hat er die NachDenkSeiten in einer unzulässigen Allgemeinheit diffamiert und seine alten Artikel zitiert, in denen "auch mal" etwas Kritisches zu Hartz IV zu lesen war. AMs Kritik war hart und sicher an der Grenze zur gelben Karte, aber aufgrund der strikten Sachbezogenheit eben (noch) nicht jenseits der Grenze. JA hätte sich mit der großen, wichtigen Kritik AMs auseinandersetzen sollen, über den Groll des alten Mannes hinwegsehend. Das hätte nicht nur Größe gezeigt, sondern hätte wichtige Erkenntnisse zu Tage fördern können.

Heiko Zorn-Bürger 29.06.2012 | 22:12

@MASONIC

Ich ergreife hier nicht Partei! Ich empfand Augsteins Return ebenso misslungen wie Müllers Aufschlag (so wie seinerzeit bei Flassbeck vs. Hickel auch).

„Nur: Mit Augstein ist ja der linke Dialog scheinbar unmöglich...“

Würde ich diese Meinung teilen wäre ich nicht hier!

...weiterhin fände ich es nicht ganz fair, allein vom bisherigen Verlauf des Konflikts Augstein/Müller gleich generell auf die Persönlichkeit und Haltung Augsteins schließen zu wollen; sowie natürlich auch nicht auf jene Müllers.

thinktankgirl 29.06.2012 | 22:19

AMs Kritik war hart und sicher an der Grenze zur gelben Karte, aber aufgrund der strikten Sachbezogenheit eben (noch) nicht jenseits der Grenze. JA hätte sich mit der großen, wichtigen Kritik AMs auseinandersetzen sollen, über den Groll des alten Mannes hinwegsehend. Das hätte nicht nur Größe gezeigt, sondern hätte wichtige Erkenntnisse zu Tage fördern können.

Genau!

Ausserdem hätte ich mir eine Kolumne gegen den ESM-Vertrag gewünscht, statt diesen Offenen Brief, der die Kritikpunkte AMs weder richtigstellt noch aufgreift.

Leute, das deutsche Parlament hat heute seine Haushaltshoheit an die zu gründende Firma ESM abgeben, die absolute Immunität besitzen wird. Seid Ihr hier im Freitag blind, oder warum läuft keiner dagegen Sturm?

pleifel 29.06.2012 | 23:17

So ist es!

es werden Entwicklungen eingeleitet, die uns Bürger völlig außen vor lässt. Selbst wenn es eine Volksabstimmung wegen Änderung der EU-Verträge geben sollte, wird es nichts ändern. Das "Großkapital", die "Finanzoligarchie" hat die Politik eingesackt.

Wir befinden uns am Ende der Fahnenstange, jetzt soll noch die Flagge aufgezogen werden, anstatt die Fahnenstange auszureißen.

Wozu braucht man die Schuldenbremse? Das ist völlig klar. Diejenigen, die glauben, der Staat muss sich wie die berühmte schwäbische Hausfrau verhalten, werden das alles für richtig und gut einschätzen. Aber selbst diejenigen sollten sich vergegenwärtigen, dass die schwäbische Hausfrau ihr Haus auf Kredit gebaut hat . Man muss immer die zwei Seiten der Bilanz sehen.

Aber weiter. Das Geld für den ESM-Fonds soll am freien Markt aufgetrieben werden. Welcher Gläubiger wird dem ESM aber große Summen zur Verfügung stellen, wenn der Verlust der Anleihegelder droht? Konsequenz, man übernimmt das Risiko des Ausfalls im ESM und verteilt es auf die Länderanteile. Und spätestens dann wird es Nachtragshaushalte geben!

Man geht also nicht radikal an die Gläubigerseite der Banken ran, lässt keine Banken pleite gehen und wandelt noch nicht einmal die Fremdeinlagen in Eigenkapital um. Hier ließe sich leicht feststellen, ob dabei Anlagen von Kleinanlegern dabei sind. Hier könnte man Gesetze zum Schutz von Kleinanlegern machen und nur das "Großkapital" in die Pflicht nehmen.

Aber das wird nicht geschehen, da die Gesetze eben genau letztere schützen sollen. Nicht umsonst wird hier das Bankgeheimnis so hoch gehalten, während jeder Arbeitslose "die Hose runter lassen muss".

Tja und spätestens bei der "Einpreisung" in den Bundeshaushalt wirkt dann die Schuldenbremse. Da die Einnahmeseite in vielen Jahren nach dem neoliberalen Muster ausgetrocknet wurde, wird nun der Rotstift weiter bei den sozialen Leistungen, der Infrastruktur, der Bildung, der Kultur, den Investitionen und natürlich wieder bei den Renten landen.

Alles weitere, was mit JA und AM in der FC noch gesagt werden könnte, ist für mich jetzt uninteressant. Es trägt zu keiner Verbesserung der Sache mehr bei. Die Herrn sollten das intern in einem vernünftigen persönlichen Gespräch klären. Aber da habe ich so meine Zweifel.

Warum sollten wir uns weiter mit persönlichen Befindlichkeiten abgeben? Ich werde jedenfalls nur noch was zu Inhalten schreiben.

mcmac 30.06.2012 | 05:32

Sehr geehrter Herr Augstein,

Vieles hätte ich Ihnen gerne geschrieben, Nettes sowohl als auch Kritisches; allerdings habe ich hier schon wieder so einen gräulichen, hammerblöden Layer über/unter dem Kommentarfeld. so dass ich Sie -leider- in Ihrem Elend allein darben lassen muss (nicht einmal nachlesen kann ich, woran ich mich reiben sollen könnte -geschweige denn selbst Quelllen einkopieren ode Ähnliches, während ich Bezug nehmen sollte auf das von Ihnen Geschriebene).

Nichts für ungut -aber: Was für ein Zirkus seit sehr langem (und nicht erst seit dem sogenannetn "Relaunch") ist das? Zu wessen Unterhaltung?

Ihre -bislang- treue Leserin/Beobachterin/Schreibende

mcmac

chrislow 30.06.2012 | 12:24

Es ist vielleicht alles richtig Herr Augstein; was sie über ihren Gegenüber erklären. Vorurteile, Selbstreferenz und scheinbare Gleichgültigkeit.

Aber ist nicht vielleicht auch richtig, dass gar nicht generell deutliche Unterschiede in der Meinung bestehen, sondern diese kleinen Stiche nur Spitzen zur Aufforderung dazu sind, sich Ausführlicher und deutlicher zum Thema zu äußern...!? Wenigstens als Aufforderung zu Kommunizieren? Und das machen sie ja nun jetzt mit dieser Gegendarstellung und stechen zurück. Und diese Kommunikation kann ja ebenso unterhaltend wie erkenntnisreich werden - da ist ja eigendlich immer alles offen.

Jakob Augstein 30.06.2012 | 12:48

Ich fühle mich angesichts des linken Widerstands gegen den Fiskalpakt nicht so wohl. Ich teile die Kritik, die Katja Kipping hier bei uns aufgeschrieben hat. Aber ich mache mir Sorgen um die europäische Integration und um den Euro. Alles, was danach kommt, ist noch schlimmer. Verkürzt: Nationalismus ist gefährlicher als Kapitalismus.

Sven Giegold (glaube ich) hat ein interessantes Argument gebracht: die Schuldenbremse wird die Staaten zwingen, eine gerechtere Steuerpolitik zu betreiben, weil sie sich das Geld, das sie den Reichen erlassen, nciht mehr an den Finanzmärkten borgen können. Wenn man das so sieht, wird es eine politische Zuspitzung geben, bei der die Wähler entscheiden können, welche Steuer- und Sozialpolitik sie wollen. Früher wurde die Verteilung über die Inflation gesteuert, dann über Schulden - und künftig über Steuern?! Wenn man das Vertrauen in den demokratischen Prozess nicht ganz verloren hat, dann ist das keine schlechte Aussicht. Und wenn man das Vertrauen ganz verloren hat - dann spielt es eh keine Rolle ...

Ich setze Hoffnung auf die Klagen in Karlsruhe. Es ist gut, wenn die Deutschen dazu gezwungen werden, sich mit dem Konflikt der europäischen Anforderungen und dem Grundgesetz zu befassen. Es ist gut, wenn die Politik gezwungen wird, mehr für Europa zu werben.

Die Überwindung des Nationalstaats - darin liegt die große Hoffnung.

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Ehemaliger Nutzer 30.06.2012 | 13:12

"Die Überwindung des Nationalstaats - darin liegt die große Hoffnung."

Der Satz stammt vermutlich aus der Bertelsmann-Denkfabrik.

Die Ökonomen wissen, dass der Fiskalpakt zunächst einmal wieder nur zur Zinskonvergenz und damit zur Verschleppung der Schuldenkrise um eine weitere Dekade führt. Davon profitieren dann wieder nur die Kapitalbesitzer. 

Man versteht auch nicht so ganz, warum die "europäische Einigung", oder wie man das auch immer nennen möchte, auf wirtschaftlicher Ebene erfolgen muss. Alles Propaganda.

Achtermann 30.06.2012 | 15:32

Augstein: "Die Überwindung des Nationalstaats - darin liegt die große Hoffnung."

Ein kurzer Blick in den deutschen Nationalstaat genügt, zu zeigen, dass niemanden daran gelegen ist, diesen zu überwinden. 16 Bundesländer mussten es sein nach der Widervereinigung. Jeder damals wusste, dass elf schon zu viel sind. Trotzig berief man sich auf Traditionen. Koste es was es wolle. Vor wenigen Jahren wurde die Bildungshoheit der Länder schärfer gefasst und dem Bund nicht mehr gestattet, sich in der Bildungspolitik finanziell zu engagieren. Dieser bildungspolitische Flickenteppich ist antirational. Für ihn gibt es keine guten Gründe. Trotzdem erhalten sich die Politiker diese Spielwiese, die niemanden nutzt. Hoffnung kann man haben. Sie sollte wenigstens einen Minimalkern von Realpolitik beinhalten.

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Ehemaliger Nutzer 30.06.2012 | 15:45

Gut, man muss ja nicht alle Positionen teilen. Wichtig ist zu erwähnen, dass der Widerstand gegen den Fiskalpakt auch von anderen Personen getragen wird, die sich sicherlich nicht als links oder irgendwie links verorten lassen möchten.

Sorgen um die europäische Integration und um den Euro machen sich gerade und vor allem linke Kräfte, die Partei Die Linke und natürlich auch Katja Kipping, wie man in ihrem Beitrag hier im Freitag lesen kann.  https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sparsam-stirbt-am-schnellsten

Die "Schuldenbremse" zwingt die Staaten zu nichts, mit der "Schuldenbremse zwingen aber die jeweiligen Regierungen der Bevölkerung eine Austeritätspolitik auf. Das, was sich die Regierungen nicht über eine gerechte Steuerpolitik bei den wirklich Reichen holen (in Deutschland ca. 100 Milliardäre und ca. 900.000 Vermögens- und Multimillionäre), das holen sie sich bei den auszuplündernden und zu verarmenden Bürgern. Das Mittel dazu ist die Austeritätspolitik, ein Hartz V für die ganze Euro-Zone.  Artikel über die in Europa zerstörte Mittelschicht gibt es so viele, dass man damit eine ganze Ausgabe des Freitags füllen könnte. 

Nationalismus und Kapitalismus gehen häufig Hand in Hand und sind manchesmal nur die zwei Seiten ein und der selben Medaille. Besonders in Zeiten einer der Bevölkerung aufgezwungenen Austeritätspolitik (Brüning läßt grüßen) werden von den rabiaten Teilen des Kapitals nationalistische Vorurteile gegen Teile der eigenen Bevölkerung und/oder gegen andere Nationen geschürt. Damit lenken die rabiaten Teile des Kapitals nur von sich selbst und von ihren Zielen ab.

Die Entstehung der Nationalstaaten löste ja lediglich die feudalistische Kleinstaaterei ab. Man mag sie als notwendiges Übergangsstadium zu einer vereinten Menschheit ansehen. Nur haben Nationalstaaten nichts mit Nationalismus zu tun. Das halte ich für eine gefährliche Verwirrung der Begriffe.

Ziel kluger und vorausschauender europäischer Politiker war es ja, nach 1945 eine europäische Ordnung zu schaffen, in der militärische und wirtschaftliche Kriege nicht geführt werden können, weil man gegenseitig miteinander wirtschaftlich und politisch verbunden ist. Das war die Geburtsstunde der EWG. Diese Projekt wurde und wird nicht von allen Regierungen europäischer Staaten zu allen Zeiten getragen. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass es gegen den Euro massive Spekulationen gab und gibt. Das Vorbild dafür ist der Angriff George Sorros und einiger Hedgefunds im Jahre 1992 gegen das britische Pfund und das Europäische Währungssystems, welcher mit einer Niederlage der Bank of England endete und das EWS (einem Vorläufer des Euro) fast zum Einsturz brachte.  http://de.wikipedia.org/wiki/Pfundkrise In 1993 versuchte Soros das gleiche Spiel mit der DM und scheiterte an der damaligen Bundesregierung, der Bundesbank und großen Banken, die den Angriff sofort abwehrten und die Spekulation im Keim erstickten.

Genau diesen Spekulanten, Hedgefunds und anderen öffenten Schröder und später Merkel Tür und Tor und ermöglichten diesen Leuten einen Kasino-Kapitalismus auf Kosten und zu Lasten der Bevölkerung.  http://de.wikipedia.org/wiki/Kasino-Kapitalismus 

Insbesondere Merkel wehrte und wehrt den Angriff auf den Euro seit 2008 nicht nur nicht ab, sondern füttert auch noch die kriminellen Banken und Spekulanten mit Abermilliarden aus Steuergeldnern, die dann bei der Mittelschicht und den zu verarmenden Schichten eingetrieben werden , mittels der Austeritästpolitik mit dem Namen "Schuldenbremse". Grund dafür ist sicherlich, dass Deutschland von der Krise bislang profitiert, weil die Politik der Bundesregierung streng merkantilisitsch ausgerichtet ist. Schäuble freut sich gegenwärtig über die Milliardeneinahmen aus Zinsen.

Die Deutschen müssen natürlich zu nichts gezwungen werden. Schon diese Vorstellung ist recht abenteuerlich. Wir hatten vor der großen geistig-moralischen Wende des Herrn Kohl und dem feudalistischen Umgestaltungsprogramm der Herren Lambsdorff-Tietmeyer für Deutschland ein einigermaßen friedliches Europa, das gute Chancen hatte, friedlich zusammenzuwachsen, weil die europäischen Bürger das so wollten. http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0079_lam&l=de Die nationalistische Politik wurde vom rabiaten Teil des Kapitals und ihrer willigen und willfährigen politischen Helfershelfer aus Union und FDP in die Herzen und Hirne der Menschen getragen. Transmissionsriemen dafür waren die privaten Schmutz- und Schundkanäle sowie die Springer-Presse. Und dennoch sind viele Menschen noch weit europafreundlicher als man das nach den Hetzkampagnen der vergangen Jahre befürchten muss. 

Für ein vereintes Europa ist kein Eingriff in das Grundgesetz notwendig. Dazu braucht man lediglich eine mit allen europäischen Staaten gegenseitig aufeinander abgestimmte Währungs-, Steuer-, Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Aber auf keinen Fall eine gesamteuropäische Austeritätspolitik.

masonic 30.06.2012 | 16:05

"Sven Giegold (glaube ich) hat ein interessantes Argument gebracht: die Schuldenbremse wird die Staaten zwingen, eine gerechtere Steuerpolitik zu betreiben, weil sie sich das Geld, das sie den Reichen erlassen, nciht mehr an den Finanzmärkten borgen können. Wenn man das so sieht, wird es eine politische Zuspitzung geben, bei der die Wähler entscheiden können, welche Steuer- und Sozialpolitik sie wollen."

@JA

Das ist verdammt blauäugig, obwohl es in der Theorie natürlich richtig ist: Der Schuldenstaat war auch immer eine bequeme Flucht aus den Verteilungskonlfikten. Man hat diese Konflikte nicht in der Generation ausgetragen, in welcher er sich jeweils stellten, sondern sie durch die Flucht in die Schulden vertagt.

Soweit könnte der Fiskalpakt nunmehr zwingen, die Verteilungskonflikte nicht weiter zu vertagen; über die gerechte Verteilung der Lasten könnten die Wähler entscheiden.

Nun zu den bösen Denkfehlern dieser Theorie:

1. Da alle ratifizierenden Staaten gewissermaßen zugleich sparen müssen, wird die Konjunktur im Euroraum in einem Maße einbrechen, wie es nur noch als ungesund zu bezeichnen ist. Der deutsche Sonderweg, über Exporte zum Erfolg zu kommen, wird bei dauerhaft eingetr+übter Euroraumkonjunktur nicht mehr gleichermaßen offenstehen. Es droht eine langzeitige Rezession, zumal die angeblichen Wachstumsimpulse kaum neue Mittel mobilisert haben.

2. Die Folge ist, dass auch die Steuereinnahmen wegbrechen werden. Dann müssen also ausgerechnet in den Zeiten, in denen wenig in die Staatskassen kommt, die hammerharten Spardiktate umgesetzt werden. Das ist die Pervertierung der wesentlichen ökonomischen Erkenntnisse des vergangenen Jahrhunderts.

3.  Unter diesen Rahmenbedingungen einer sehr nachteiligen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung würde selbst eine recht radikale Umverteilung durch hohe Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern nicht davor bewahren, dass der Sozialstaat weiter radikal geschliffen werden muss.

4. Folglich wird die Rede von dem "was wir uns nicht mehr leisten können" mehr denn je die TINA-Politik bestimmen. Entmutigt von den desaströsen Aussichten werden sich gerade die ju8ngen Generationen abwenden und auch die von JA erhofften Verteilungsfragen nicht mehr mit Zuversicht ausfechten.

5. Richtig wäre es gewesen, den Schuldenabbau zwar festzuschreiben, aber dabei viel mehr die Langfristperspektive zu wählen, also weniger radikal zu sein, um die Konjunktur nicht abzuwürgen. Zudem hatte es eine völkerrechtliche Vereinbarung für ein Schuldentilgungsprogramm über Vermögens- und Erbschaftssteuern geben müssen; die lächerliche FT-Steuer wird de facto nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

masonic 30.06.2012 | 16:13

@ Alle

Noch einmal zu den NachDenkSeiten: Denen unterstellt man ja gerne, sie wären blind für das Problem der Staatsschulden.

Das halte ich als langjähriger Leser für einen der größten Irrtümer. Vielmehr halten die NDS an dem keynesianischen Dogma fest, dass man in oder nahe der Rezession nicht sparen darf.

Dies allerdings auch und gerade aus dem Grund, dass man andernfalls durch langfristig wegbrechende Staatseinnahmen das Staatsschuldenprogramm nur zuspitzt.

Dass die NDS damit Recht behalten haben, kann man doch anhand von Griechenland und Spanien wieder exzellent beobachten.

Richtig wäre es, Keynes endlich mal RICHTIG zu lesen und umzusetzen, also die Konjunktur jetzt anzukurblen, dann aber auch Staatseinnahmen zur Schuldentiligung zu nutzen.

Der Fiskalpakt macht das Gegenteil: Er wird durch seine rezessionsfördernde Wirkung das Staatsschuldenproblem nicht lösen, sondern ins Unermessliche steigern!

pleifel 30.06.2012 | 16:15

"Die Überwindung des Nationalstaats - darin liegt die große Hoffnung."

Ein funktionierender Nationalstaat (BRD mit 80 Mio Ew.) ist mir immer noch lieber als ein zentralisiertes Gebilde.

Ich glaube nicht, dass die Schweiz bei einer Volksbefragung ihre Souveränität aufgeben oder wesentliche Kompetenzen abgeben würde. Und hier ist es nur ein kleiner Staat. Aber es funktioniert offensichtlich dort sehr gut und die Büger fühlen sich (glaube ich) dort sehr wohl. Es gibt dort wesentlich mehr Elemente der direkten Demokratie als bei uns. Aber je größer die "Gebilde" werden, umso schwieriger ist direkte Demokratie zu leben.

Es gibt in Europa viel zu viele unterschiedliche Vorstellungen der Lebensweise, der industriellen Struktur (selbst wir benötigen ja den Länderausgleich, um die Unterschiede in der Leistungskraft auszugleichen), um die unter einen Nenner zu bringen. Warum auch?

Wenn wir es in Deutschland als leistungsstärkstes Land in der EU für nötig halten z.B. keinen Mindeslohn einzuführen, dem Kapital den Vorrang vor den Lebensinteressen der Mehrheit zu geben, dann kann ein "Konglomerat Europa" für mich keine Verbesserung sein.

Solange noch nicht einmal das "reiche Deutschland" die Europäische Sozialcharta einhält, solange sie es für angemessen hält, mit Harz IV sei der grundgesetzliche Auftrag zum Schutz der menschlichen Würde ausreichend erfüllt, solange möchte ich erst einmal unseren Nationalstaat selbst demokratisieren. Ansonsten muss das Kapital "angezapft" werden, dass uns in diese Misere geführt hat.

Vielleicht geht es auch nur mit dem Schuldenschnitt, wie es David Graeber in seinem Buch beschrieben hat.

http://www.flegel-g.de/arbeitszwang.html

Columbus 30.06.2012 | 16:32

"Verkürzt", lieber Herr Augstein, funktioniert das mit Kapitalismus und Nationalismus wie bei einem System kommunizierender Röhren.

Wenn also ein EU-Gipfel zum Euro, zur Rettung spanischer Banken, schon vorweg, vor dem Gesetz, nun zur Rettung fast aller wichtigen Banken und Spekulanten mit passendem Gesetz, Gültigkeit erlangt, so wie am gestrigen Tage durch das große "Paket", müsste die sofortige freudige Verzückung der Börsen doch sehr nachdenklich stimmen.

Man darf weiter spielen und hat für noch größere Wetten (Derzeit bewegt man sich an den wichtigen Märkten nur ein paar hundert Punkte unter den Allzeit-Bestwerten und auf dem Anleihe- und Derivatemarkt längst schon wieder im Niveau der Jahre vor 2008), z.B. gegen zu schlecht Einlagen-abgesicherte Banken und z.B. gegen Schulden-Staaten die Anleihen und Zinsen auswerfen müssen, eine Rückversicherung. - Das hält ein paar Monate, dann beginnt der nächste Zyklus der Klagen und Unsicherheiten. Folge, es müssen weitere Zusagen (im Grunde Bürgschaften), dann wohl nur noch von der EU, getätigt  werden.

Die "Spekulationswirtschaft" hat kein großes Interesse an der Realwirtschaft mehr, weil sich mit der Selbstständigkeit ihres dominanten Marktes  Möglichkeiten zu Gewinnsteigerung erschaffen hat, die von realwirtschaftlichen Gegebenheiten länger unabhängig bleiben und diese fast immer übertreffen. - Ich denke, diese einfache Zusammenhänge weiß heute schon jeder Schüler einer weiterführenden Schule aufzusagen.

So lange es sehr gut läuft, Anleihen, Aktien und Rohstoffe zu dealen oder mit überzogenen Bewertungen Mondpreise z.B. für Immoblien in die Bilanzbücher einzutragen und darauf wieder Kredite zu gewähren oder Forderungen zu stellen, ändert sich daran gar nichts. - Im Gegenteil, eine leidende, eine prekäre Wirtschaft lässt sich noch viel besser ausquetschen. Wir werden es in 2013 erleben. Griechen, Spanier und Portugiesen wissen jetzt schon, wie das ist und sein wird.

Diese Art Kapitalismus, die keine Marktwirtschaft ist, weil letztlich keine Regeln existieren, die Vertragsgleichheiten garantieren und Übervorteilungen ausschließen, bei der aber trotzdem von Journalisten aller Ebenen und von 2/3 aller Politiker immer von "den Märkten" gesprochen wird, so wie in der amerikanischen Presse im Bezug auf arabische Länder und Ägypten immer von "der Straße", fördert den Nationalismus und eine weitere Rechtswendung, nicht etwa die Linkskehre der Gesellschaft.

Wenn die EU mit ihren neuen Instrumenten, z.B. einem Gouverneursrat, der im Grunde funktioniert wie die Direktorate beim IWF und bei der Weltbank, weiterhin die Größte Sorge darin sieht, diese "Märkte" ausreichend mit Liquidität und Garantien zu stützen, dann enden die folgenden sozialen Sparzwänge und Allgemeinsteuererhebungen (Mehrwert, Lohn- und Einkommen), die nun unausweichlich die Endstrecke jeder Austerität (Fiskalpakt) ausmachen, in einem allgemeinen Rechtsrutsch. - Das sage ich voraus und meine prognostische Meinung dürfte sich dabei aus keinem schlechteren Informationshintergrund speisen, als die so manches professionellen Medienbeobachters.

Eine Transaktionssteuer von 0,01-0,1 Prozent, Herr Augstein, die hat weder Lenkungs- noch Abschreckungswirkung, noch schöpft sie in großem Umfange ab. Das ist doch mehr eine Stempelsteuer für Milliardengeschäfte, die nun weiter laufen, weil 2/3 der Abgeordneten sagen, uns reicht das an Maßnahmen, mehr bekommen wir sowieso nicht hin, und gut aussehen tut es für uns auch noch.

Ständig älter werdende Gesellschaften werden in der Masse nach materiellen Sicherheiten und mehr Ordnung verlangen, aber nicht nach Freiheiten schreien. Da geht es nicht um die 2% Reichen und auch nicht um die 10% Wohlhabenden in unserem Land oder in der EU, deren Freiheitsgrade auch mit weniger Freiheit für das Volk, gut harmonieren, z.B. in Russland oder Griechenland, zunehmend in Großbritannien, bei uns in Ansätzen (Bsp. erste Forderungen nach einer fast lebenslangen Arbeitszeit: Rentner 67+, das ist der Rentner+Notwendigkeit zum Zuverdienst bis zum Sargdeckel, etc.)

Mit 75 oder 80 kann man zwar noch eine Zeitung heraus geben oder verlegen, aber eine Straße zu teeren oder Briefe auszutragen, dürfte zumeist eine Qual sein. 

Beste Grüße und gutes WE

Christoph Leusch

PS: Gut wäre es, eine kleine Wirtschaftsredaktion zu haben, die volkswirtschaftlich orientiert, so Sachen macht, wie z.B. einmal durchschnittliche und Median-Einkommen zu vergleichen. Die sich angewöhnt zu fragen, wie den die Verteilungskurven für Güter und Kapitalien aussehen (Dezentil und Perzentiltabellen), also, wer was vom Kuchen bekommt, die z.B. den Gini-Koeffizienten einmal an der realen Kaufkraft und Situation der Bevölkerungen überprüft, die in der Lage ist, die verfügbaren Angaben zu National- und Vokswirtschaften, sowie zu den stetig wachsenden Schattenhaushalten, auch mit ein paar prüfbaren Zahlen zu belegen.

In Ergänzung zu ihrem bedauerlichen, aber nicht ganz grundlosen Linkenpessimismus: Offenbar fällt es Linken jeglicher Provenienz leichter sich auf die kleine Kritik, die kleine andere linke Meinung nebenan wild zu stürzen, als sich in Gefechte mit der Macht einzulassen, die man sowieso für stärker und weit überlegen hält. Das gilt länger schon, nicht nur für die Politik und Wirtschaft, sondern auch für Kultur- und Gesellschaftsdebatten.

 

thinktankgirl 30.06.2012 | 17:00

brefcourte 30.06.2012 13:12

Achtermann 30.06.2012 15:32

Aqua-Jedi 30.06.2012 15:45

masonic 30.06.2012 16:05

masonic 30.06.2012 16:13

 

haben meine Kritikpunkte an Ihrem Kommentar schon besprochen.

Meine Kritik am ESM ist nicht nationalstaatlich geprägt, sondern von demokratischen Bedenken.

 

Dazu nochmals wichtige Artikel des ESM-Vertrages, bereits anderswo in der FC gepostet – aber nicht verlinkbar .-(

 

ARTIKEL 32

 

Rechtsstatus, Vorrechte und Befreiungen

 

(1) Um dem ESM die Erfüllung seines Zwecks zu ermöglichen, werden ihm im Hoheitsgebiet

eines jeden ESM-Mitglieds der Rechtsstatus und die Vorrechte und Befreiungen gewährt, die in

diesem Artikel dargelegt sind. Der ESM bemüht sich um die Anerkennung seines Rechtsstatus und

seiner Vorrechte und Befreiungen in anderen Hoheitsgebieten, in denen er Aufgaben wahrnimmt

oder Vermögenswerte hält.

 

 (2) Der ESM besitzt volle Rechtspersönlichkeit; er besitzt die uneingeschränkte Rechts- und

Geschäftsfähigkeit,

a) bewegliches und unbewegliches Vermögen zu erwerben und zu veräußern,

b) Verträge abzuschließen,

c) Partei in Gerichtsverfahren zu sein und

d) ein Sitzabkommen und/oder Protokolle zu unterzeichnen, soweit dies notwendig ist, um

sicherzustellen, dass sein Rechtsstatus und seine Vorrechte und Befreiungen anerkannt und

durchgesetzt werden.

 

(3) Der ESM, sein Eigentum, seine Mittelausstattung und seine Vermögenswerte genießen

unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, Immunität von gerichtlichen

Verfahren jeder Art, es sei denn, der ESM verzichtet für ein Gerichtsverfahren oder in den Klauseln

eines Vertrags, etwa in der Dokumentation der Finanzierungsinstrumente, ausdrücklich auf seine

Immunität.

 

(4) Das Eigentum, die Mittelausstattung und die Vermögenswerte des ESM genießen unabhängig

davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, Immunität von Durchsuchung, Beschlagnahme,

Einziehung, Enteignung und jeder sonstigen Form des Zugriffs durch vollziehende, gerichtliche,

administrative oder gesetzgeberische Maßnahmen.

 

(5) Die Archive des ESM und sämtliche Unterlagen, die sich im Eigentum oder im Besitz des

ESM befinden, sind unverletzlich.

 

 (6) Die Geschäftsräume des ESM sind unverletzlich.

 

(7) Jedes ESM-Mitglied und jeder Staat, der den Rechtsstatus und die Vorrechte und Befreiungen

des ESM anerkannt hat, gewährt dem amtlichen Nachrichtenverkehr des ESM dieselbe Behandlung,

die er dem amtlichem Nachrichtenverkehr eines ESM-Mitglieds gewährt.

 

(8) Soweit dies zur Durchführung der in diesem Vertrag vorgesehenen Tätigkeiten notwendig ist,

sind das gesamte Eigentum, die gesamte Mittelausstattung und alle Vermögenswerte des ESM von

Beschränkungen, Verwaltungsvorschriften, Kontrollen und Moratorien jeder Art befreit.

 

(9) Der ESM ist von jeglicher Zulassungs- oder Lizenzierungspflicht, die nach dem Recht eines

ESM-Mitglieds für Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsunternehmen oder sonstige der Zulassungs-

oder Lizenzierungspflicht sowie der Regulierung unterliegende Unternehmen gilt, befreit.

 

 

ARTIKEL 33

Bedienstete des ESM

Das Direktorium legt die Beschäftigungsbedingungen für den Geschäftsführenden Direktor und die

anderen Bediensteten des ESM fest.

 

 

ARTIKEL 34

Berufliche Schweigepflicht

Die Mitglieder und früheren Mitglieder des Gouverneursrats und des Direktoriums sowie alle

anderen Personen, die für den ESM oder in Zusammenhang damit tätig sind oder tätig waren, geben

keine der beruflichen Schweigepflicht unterliegenden Informationen weiter. Auch nach Beendigung

ihrer Tätigkeit dürfen sie keine der beruflichen Schweigepflicht unterliegenden Informationen

weitergeben.

 

 

ARTIKEL 35

Persönliche Immunitäten

(1) Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des

Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums,

die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und

die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher

Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen

Schriftstücke und Unterlagen.

(2) Der Gouverneursrat kann die durch diesen Artikel gewährten Immunitäten des Vorsitzenden

des Gouverneursrats, der Mitglieder des Gouverneursrats, der stellvertretenden Mitglieder des

Gouverneursrats, der Mitglieder des Direktoriums, der stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums

sowie des Geschäftsführenden Direktors in dem Maße und zu den Bedingungen, die er

bestimmt, aufheben.

(3) Der Geschäftsführende Direktor kann diese Immunität hinsichtlich eines jeden Bediensteten

des ESM außer seiner selbst aufheben.

(4) Jedes ESM-Mitglied trifft unverzüglich alle Maßnahmen, die erforderlich sind, um diesen

Artikel in seinem eigenen Recht in Kraft zu setzen, und unterrichtet den ESM entsprechend.

 

 

Hier wird eine Institution geschaffen, die keinerlei Kontrolle unterliegt. Das widerspricht jeglichen rechtlichen und rechtsstaatlichen Prinzipien. Das ist Totalitarismus! Die Bürger der EU haben keine Möglichkeit Rechenschaft von der ESM zu fordern, d.h. die Demokratie ist völlig ausgehebelt worden. Die ESM kann in einem rechtsfreien Raum agieren und genießt völlige Immunität.

Sind wir wieder auf den Stand vor 200 Jahren zurückgekehrt, weil unser Bundestag seine Bestimmung vergessen hat:

No taxation without representation!

 

 

 

pleifel 30.06.2012 | 18:08

Guter Beitrag Herr Leusch!

ich weiß nicht mehr wo ich vor kurzem die Zusammenstellung über die  Märkte gelesen habe: Märkte müssen beruhigt werden, Märkte spielen verrückt, Märkte üben Druck aus usw. Vielleicht kann jemand dies mit einem Link einfügen.

Jedenfalls gibt es nicht "die Märkte", sondern die Großanleger mit ihren eindeutigen Zielen der Gewinnmaximierung. Auch im Absturz ist viel Geld zu verdienen. Und wenn zuviel verloren (verzockt) wird, dürfen wir ran. Wie bereits treffend beschrieben, gibt es nicht die anonymen Märkte.

Ähnliches gilt für den dämlichen Spruch: "Wir leben über unsere Verhältnisse". Auch hier muss sofort die Nachfrage kommen, "wer denn damit gemeint ist".

Und wenn man als Deutscher dann sagt, wir "leben unter unseren Verhältnissen", dann wird man einfach nicht verstanden. Dann gilt es die elementarsten Zusammenhänge zu erklären und dazu sind viele nicht "empfangsbereit".

thinktankgirl 30.06.2012 | 19:32

Ich fühle mich angesichts des linken Widerstands gegen den Fiskalpakt nicht so wohl.

Es gibt auch Konservative und Rechte, die sich gegen ESM wehren, ohne nationalistisch zu argumentieren, wie z.B. Gauweiler. Ich erinnere mich nicht, warum mir der Name als ganz übel in Erinnerung ist, aber er stellt sich mit demokratischen Argumenten gegen ESM und Fiskalpaket:

Rede im Bundestag

Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung:

Hans Springstein 01.07.2012 | 00:59

Herr Augstein,

da haben Sie sich aber wirklich etwas geleistet: "Ich kenne diese Propaganda-Methoden von rechtsextremen Seiten, die sich hin und wieder mit meinen Texten befassen. Das ignoriere ich. Bei den Nachdenkseiten kann ich es, glaube ich, nicht ignorieren." Sie seien nicht dünnhäutig, behaupten Sie. Na "nicht dünnhäutig" sieht anders aus. Gelassenheit aus inner Stärke und eigener Überzeugung auch.

Und solche Vergleiche bzw. Gleichsetzungen und Unterstellungen sind wirklich das Letzte und Unpassendste, so sehr Sie sich auch ärgern mögen über Albrecht Müller.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 03:40

Hallo Herr Augstein,

Sie schreiben: "Sven Giegold (glaube ich) hat ein interessantes Argument gebracht: die Schuldenbremse wird die Staaten zwingen, eine gerechtere Steuerpolitik zu betreiben, weil sie sich das Geld, das sie den Reichen erlassen, nicht mehr an den Finanzmärkten borgen können. Wenn man das so sieht, wird es eine politische Zuspitzung geben, bei der die Wähler entscheiden können, welche Steuer- und Sozialpolitik sie wollen. (...) Wenn man das Vertrauen in den demokratischen Prozess nicht ganz verloren hat, dann ist das keine schlechte Aussicht. Und wenn man das Vertrauen ganz verloren hat - dann spielt es eh keine Rolle ..."

Das ist das, worauf ich in meinem Kommentar (oben irgendwo) hingewiesen hatte. Freut mich, dass sie diesen Aspekt (Optimismus/Pessimismus) genauso erkennen.

Ich habe eine Zeit lang selbst gedacht, dass die Schuldenbremsen vielleicht genau in diesem Punkt ihr Gutes haben werden. Dachte: Naja, wenn sie nichts mehr haben, wird ihnen die Einnahmeseite schon irgendwann wieder einfallen (usw.)

Aber ganz ehrlich: Ich gucke mir das traurige Schmierentheater jetzt zu lange an, um noch so etwas wie "Vertrauen in den demokratischen Prozess" haben zu können. Wo soll das noch herkommen? SPD und GRÜNE stimmen für den ESM, weil sie dafür Krippenplätze bekommen sollen? Soll man darüber lachen oder heulen? Fast glaubt man, Mutti verspräche dem Töchterchen ein Eis, wenn dieses zustimmt, dass ihm in Zukunft das Taschengeld komplett gestrichen ist. Kann man das anders überhaupt betrachten?

Ganz Europa wird auf Linie der versch*ssenen Finanzmärkte getrimmt, die das Geld für unsere etwaigen (lach) Rentenansprüche verwalten und uns damit zwischenzeitlich zu Staub spekulieren. Für einen Kursanstieg des DAX um 100 Punkte werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt - ohne Rücksicht auf langfristige Verluste jeglicher Art. Ein verfassungswidriges Unterfangen nach dem anderen wird verabschiedet. Und wozu? Um hinterher doch noch auf die Idee zu kommen, das Geld dort wieder einzusammeln, wo es ist: über Steuern von den Reichen..?

Herr Augstein, es tut mir herzlich leid, aber das kann ich nicht glauben. Mein Lieblingszitat lautet: "Glück ist Erwartungsmanagement" - und ich will mich nicht ins Unglück stürzen.

Ich habe die Kanzlerin gesehen während die Wagenknecht ihre letzte Rede im Plenum hielt (reiche den Link gleich nach). Die sah fix und fertig aus - und irgendwie alles andere als glücklich. Ja gut, vielleicht war sie müde, verständlich. Aber was die da zu tun hat, kann ihr selbst gar nicht gefallen. Ich weigere mich jedenfalls das zu glauben.

Auf mich wirkt es, als sei die FDP die einzige Partei (neben der Linken), die noch aus tiefster Überzeugung agiert. Damit meine ich allerdings nicht das, was man eigentlich "Liberalismus" nennt, sondern die Ebnung des Weges fürs Großkapital - zur vollständigen Zerstörung dessen, was wir als "Gesellschaft" kennen. (Dieses lächerliche Wort, man erinnert sich)

Sie schreiben: "Die Überwindung des Nationalstaats - darin liegt die große Hoffnung."

Darin bin ich fundamental anderer Meinung. Dafür darf man mich hier nennen, wie man will, mir total egal. Das einzige, das von der globalsierten, Schicki-Micki-Grenzenlosigkeit wirklich profitiert, ist das Großkapital, das eh nicht mehr von Staaten, sondern von Standorten spricht. Das kann es deshalb, weil es sich binnen Sekunden um den Globus beamt, nicht (familiär) verwurzelt ist, keine Reisekosten hat, sich problemlos in andere Währungen umrechnen lässt, keine Sprachprobleme, keine Mentalitäten, heimatlos, schlaflos usw. usw.

Es wird immer irgendwelche Einheiten geben. Selbst ein politisch völlig vereintes Europa würde eine Einheit (also quasi einen Nationalstaat) gegenüber anderen Ländern darstellen. Einzig der innere Halt dieser Einheit wäre viel weniger stabil als der der heutigen, europäischen Nationalstaaten. Wir sprechen immerhin eine Sprache, Sie und ich. Allein schon auf Englisch wäre es mir nicht möglich gewesen, Ihnen diesen Text zu schreiben. (Jedenfalls nicht ad hoc).

"Never touch a running system" - da ist viel Wahres dran. Sehr Vieles im derzeitig konstruierten Europa funktioniert so schlecht, dass man diesen Schwatt darauf nicht anwenden kann. Aber eines haben wir: Frieden im Innern. Und zwar jeweils. Gut, ein paar Tage lang brannte London mal - aber das war's dann auch schon. Meine Befürchtung ist, dass der ESM Athen (und das gerade beschriebene) London nach Berlin tragen wird. Gut für mich, dass ich da nicht wohne (kleiner Scherz am Rande, muss auch mal sein..)

Aber wie es derzeit läuft kann es nicht weiter gehen, das ist mal klar. Deutschland kann sich innerhalb Europas nicht auf Dauer auf Kosten anderer Staaten als Insel der Glückseeligen sanieren, dann ist nämlich ruckzuck jeglicher Halt dahin. Darin sind wir uns vermutlich einig.

Aber womit "saniert" sich Deutschland denn momentan eigentlich? Doch mit der Ausgabe von Schuldscheinen, die vermutlich am Sanktnimmerleinstag nicht zurück gezahlt werden (können). Das ist kein Griechen-Bashing, sondern eine reale Einschätzung der Situation. Diese Gelder werden komplett abgeschrieben werden müssen. Und der Euro muss endlich weg! Das Ende mit Schrecken muss endlich her - nicht das undemokratischste Konstrukt (ESM), das die Menschheit vielleicht je erschaffen hat.

Europa erinnert mich an Meryl Streep und Goldie Hawn in "Der Tofd steht ihr gut" (vgl. auch "solange ich lebe" :o)) Europa wollte die Haare für die Finanzmärkte schön haben, hat sich mit dem Teufel eingelassen und besteht nun beinahe nur noch aus Pflastern und Stellen, die mit Sekundenkleber notdürftig geflickt wurden. "Mumie" nennt man sowas sonst, oder "lebende Leiche".

Nee nee, ich kann das nicht, dieses Optimistische.. Das steht mir nicht. Schon als Steinmeier und Steinbrück seinerzeit nicht gingen - und später dann, als man Asmussen zum Oberjonglierer für finanzielle Europaangelegenheiten machte, wusste ich: die machen da weiter, wo sie aufgehört haben. Und genauso ist es bis jetzt gekommen - und so wird's auch weiter gehen.

Eine Opposition, die man zusammenwählen könnte, damit über die Steuer gesteuerter Ausgleich stattfindet..? Ich bitte Sie, Herr Augstein. Die reden doch alle nur noch von Wachstum, Wachstum, Wachstum. Müller doch auch. Das alles auf Pump, mit geliehenen Geldern. Das muss man doch mal zu Ende denken. Wie hoch denken Sie, kann die Steuer denn steigen, damit einerseits die zu erwartenden Zinsdienste bedient und generiert werden können - und anderseits der Laden im Innern nicht auseinanderfällt? Und je höher die Zinsdienste, desto schneller und mehr muss auf Pump "gewachsen" werden usw. Ein Teufelskreis ist das doch!

Sehen wir's doch mal, wie's ist: Wir stehen vor der Wahl zwischen Pest und Cholera - und mit dem ESM haben wir uns für Cholera entschieden. Die Pest wäre es, das System jetzt und heute crashen zu lassen (mit oder ohne Krieg, das müsste man dann sehen - vielleicht sind die Chinesen ja gnädig mit uns - und wir mit den Griechen usw. - keine Ahnung). Und dann wieder alles von vorn: Wirtschaftswunder 2.0 - auferstanden aus Ruinen, Phoenix aus der sche, das ganze Programm. Ich hätt's lieber heute als in 20 Jahren, denn dann bin ich 53 und kann nicht mehr. "Some things look better, Baby, just passing through" (Elton John)

Denn nur, was kaputt ist und herniederliegt, kann aufgebaut werden und tatsächlich wachsen, so leid es mir auch tut. Leben ohne Tod ist nicht zu haben. Fand Horst Köhler auch - aber der musste dann ja leider gehen. Das Wachstum, das wir derzeit angeblich haben, hat den Namen nicht verdient. Diese Finanzwelt ist nicht die perfekteste aller Welten. Und die Geschichte schreibt sich. Wir wollen es zwar (noch) nicht wahr haben, aber es passiert. Wieder einmal. So - und jetzt geh' ich ins Bett, bevor mir der Seretoninspiegel komplett in den Keller sackt :o|

Gute Nacht.xxm

Harm 01.07.2012 | 04:09

Für einen richtigen Journalisten eine sehr armselige Antwort. Klar, Herr Albrecht hat harte Kritik geübt. Vielleicht (?) auch zum Teil ungerecht. Aber das sollte sich ein Journalist gefallen lassen. Immerhin gestalten Journalisten die öffentliche Meinung mit und sind somit auch öffentliche Personen. Zumindest sollten sie es sein, gemessen an der Macht ihrer Worte und Leserschaft.Zumindest sollte ein Journalist klüger und besonnener antworten, statt so beleidigend zurückzupoltern.Was mich gerade am meisten ärgert: Den richtigen Presseausweis gibt es nach wie vor hauptsächlich für Berufsjournalisten. Blogger scheinen es - nach meiner Recherche - immer noch schwer zu haben. Angesichts dieser journalistischen Antwort, finde ich das sehr ungerecht. Aber auch die ursprüngliche Kolumne hätte von einem x-beliebigen Blogger stammen können. Was also macht noch den großen Unterschied? Qualität? Reife? Wortwahl? Recherche wohl kaum, weil man die eigene Meinung nicht wirklich recherchieren muss.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 10:58

Lieber J.Augstein,

nehmen Sie es mir nicht übel....aber Sie sind ein Träumer und leben nicht in der Realität.

"Sven Giegold (glaube ich) hat ein interessantes Argument gebracht: die Schuldenbremse wird die Staaten zwingen, eine gerechtere Steuerpolitik zu betreiben, weil sie sich das Geld, das sie den Reichen erlassen, nciht mehr an den Finanzmärkten borgen können. Wenn man das so sieht, wird es eine politische Zuspitzung geben, bei der die Wähler entscheiden können, welche Steuer- und Sozialpolitik sie wollen."

Seid Anfang der 90iger Jahre gibt es keine gerechte Steuerpolitik mehr! Da wurden die Steuern immer nur zugunsten der Besserverdienenden, Reichen geändert. Ich weiß das, da ich mal Steuererklärungen für einen Steuerverein gemacht hatte. Und da hatten alle Parteien, bis auf die Linke, immer fleissig mit gemacht.

Warum sollte sich daran etwas ändern?! Es gibt doch gar keinen Grund dazu. Aus den Menschen ist noch viel mehr heraus zu holen. Und wenn man auf die Straße geht um friedlich zu demonstrieren, wird schweres Geschütz aufgefahren bzw die Demonstration gleich von vornherein verboten. Siehe Hessen...Und das soll Demokratie sein?? Wo ein Generalstreik per GG verboten ist?? Lächerlich!! Das "Volk" hat hier nichts zu melden.

Apropo GG....das ist auch nur eine schöne Makulatur auf dem Papier. Obwohl wir das beste GG weit und breit haben. Denn klagen kann ich auch nur, wenn ich Geld habe. Die Schwachen bleiben immer auf der Strecke!!! Egal ob bei Bildung, Wohnraum, Kultur, Konsum usw.

Giegold kann ausserdem gar nicht anders reden, denn schliesslich geht es auch um den Erhalt seines Arbeitsplatzes. Und ich hatte dies alles schon öfter hier betont...die Politiker, der ÖD leben schon lange nicht mehr in der Realität!! Sondern an der arbeitenden Bevölkerung vorbei! Der Staat geht schon lange wieder in Richtung Diktatur!! Ich hatte 1 Jahr lang einen sehr guten Einblick in den ÖD. Da gibt es teilweise keinen großen Unterschied zur DDR. Hartz 4  und der 1 EURO Job ist Zwangsarbeit. Hatten wir schon mal in der Geschichte. Sarazzins Hetze gegen die Schwachen (Migranten), die die Medien bestens verbreitet hatten und somit Helfer des Kapitals sind, hatten wir auch schon mal in der Geschichte. Wollen Sie das die Demokratie immer mehr den Bach hinunter geht, Herr Augstein?!

Ich schätze Giegold in gewissen Themen. Er ist einer der wenigen Politiker, die noch einigermaßen realistisch sind. Leider sind die Grünen auch nur eine abgehobene Klientel Partei der Besserverdienenden.

Wenn Sie im Zweifel wirklich links sind, so müßten Sie sich mit den Schwachen solidarisieren. Also mit den Menschen in Hartz 4 bzw in den prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das tun Sie aber nicht. Sie denken nur in Ihrer Welt und vergessen dabei die Schwachen, die kaum noch Zugang zu der Gesellschaft haben und sich deswegen radikalisieren, sich den Rechtsextremen zu wenden! Wählen gehen diese Menschen schon lange nicht mehr. Und das ist gefährlich!!

Die Politik unterdrückt die Menschen, schafft Hass und Neid. Die Menschen können auch in Nationalstaaten friedlich zusammen leben! Man muß sie halt nur lassen. Und eben das macht die Politik nicht. Da sie das Kapital vertritt. Dazu kommen noch die ganzen Interessen der Einzelnen. ICH WIEDERHOLE MICH GERNE...ES WIRD HIER VOM KAPITAL GANZ GEZIELT HASS UND ANGST GESCHÜRT!! DIE MEDIEN VERBREITEN DIES WEITER. Hier sind schon längst wieder faschistoide Züge vorhanden. Nur eben auf moderner Art. Eben Neoliberale...

Zur einer zentralistischen  EU nur soviel...

Ich hatte 28 Jahre lang Zentralismus erleben dürfen. Das reicht mir!!

Die Sowjetunion war zentralistisch, die USA sind es ebenfalls. Wie da die Gesellschaften aussehen sollte jeder wissen. Die Armut nimmt im Zentralismus immer weiter zu. Die Demokratie existiert nur als Makulatur auf dem Papier! Die Wähler verlieren die Lust an der Politik, da Brüssel kaum mehr übersehbar ist. Ich kenne die Politker in Brüssel nicht. Warum also sollte ich dann wählen? Ich kenne aber sehr wohl die Politiker in meiner Kommune.

Der ESM beutet die Völker in den Staaten Europas zutiefst aus und wird nichts an der Situation verändern! Der ESM hat mit Demokratie absolut nichts mehr zu tun!!! Die Politik ist nicht gewillt auch nur wirklich etwas gegen die Oligarchen zu unternehmen. Wir kaufen uns nur Zeit und schaffen immer mehr mittelalterliche Verhältnisse. Leider wissen die meißten Menschen eben nicht was der ESM beinhaltet. Die Masse lässt sich verkaufen....und irgendwann wird sie aufwachen und sich wehren.

E.Hobsbawan hat die Situation mal sehr gut anlysiert.

http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/eric-hobsbawm-es-wird-blut-fliessen-viel-blut-700669.html

Ich sehe das auch so. Da die Politk machtlos geworden ist und nicht mehr etwas dagegen unternehmen will.

Ich bin auch für ein Europa. Nur eben nicht für ein Europa das dem Kapital dient, sondern den Menschen!!

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 11:10

Ich halte auch die Änderung des GG für höchst gefährlich!! Da die Masse keine juristischen Kenntnisse besitzt. Schon die Verträge zur EU sind für mich als Laien nur schwer zu überblicken.

Ich befürchte mit der Änderung des GG werden die Menschenrechte noch mehr beschnitten werden.

Ich finde auch, wie andere User dies anmerkten, dass Sie sich mit AM sachlich auseinander setzen sollten. Ich hätte ev. im ersten Moment auch so reagiert (emotional) und mich gegen die Vorwürfe AM gewehrt. Nun wäre es aber an der Zeit sich sachlich mit den Vorwürfen auseinander zu setzen. Das erwarte ich auch von A.Müller! Jedenfalls, wenn Sie im Zweifel wirklich links sind. Eine Zunahme der Spaltung der Gesellschaft beschleunigt die Radikalisierung nur. Und ist bewusst so gewollt!! Es gibt keine Zufälle in der Politik, sondern nur Strategie.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 11:34

Und noch etwas Herr Augstein,

Ihnen wird es nicht weh tun, wenn der Sozialstaat abgebaut wird. Den Menschen, die nicht das Glück hatten in so einer gut betuchten Familie aufzuwachsen aber doch sehr!

Das soll jetzt kein Vorwuf an Sie sein! Das soll nur zum Nachdenken anregen. Der Staat wird das soziale Zwangsläufig runter fahren und die Mittelschicht mehr besteuern. Jedenfalls kann ich bis jetzt nichts anderes mehr erkennen. Die CDU vertritt die Mehrheit der Bevölkerung, hinter der Geld steht. Und das ist numal eine ziemlich große Mehrheit in der BRD. Merkel wird also alles daran setzen um sich die Wählergunst zu erhalten. Deswegen wird auch nicht links gewählt. Die CDU spielt ein doppeltes Spiel meiner Meinung nach. Und die SPD, die Grünen genauso.

Wenn man die Kommentare auf anderen großen Zeitungen liest, so werden sich einige von der CDU wohl abwenden. Aber nicht um links zu wählen, sondern um sehr weit rechts zu wählen. Die Partei die Freiheit wird sich zur Bundestagswahl aufstellen. Das Bürgertum war es, dass Hitler damals zur Macht verholfen hatte!!!

Die Partei der Freiheit

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerrechtspartei_f%C3%BCr_mehr_Freiheit_und_Demokratie_%E2%80%93_Die_Freiheit

Das Arbeitslosengeld II soll durch ein Workfare-Konzept ersetzt werden, das gemeinnützige Arbeiten statt Transfergelder vorsieht. Das Renteneintrittsalter soll flexibel sein und sich an der Beitragszeit orientieren.

Workfare

Der Begriff Workfare ist in Anlehnung an Welfare (engl. Wohlfahrt) entstanden und bezeichnet ein arbeitsmarktpolitisches Konzept, welches staatliche Transferleistungen mit einer Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme verknüpft. Das in den Vereinigten Staaten in den 1990 Jahren entstandene Modell zielt darauf ab, ohne zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen „möglichst viele Transferbezieher dazu zu bringen, eine unsubventionierte Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt anzunehmen“[1] und unterscheidet sich somit von anderen Konzepten wie dem ursprünglichen Verständnis von Bürgerarbeit.[

Und jetzt sagt mir einer noch das die USA demokratisch und nicht bereits faschistoid ist. Zumal Guantanomo ebenfalls einer Diktatur gleichkommt.

ti1t 01.07.2012 | 12:52

Augsteins Kolumne "Im Zweifel links" sagt doch schon viel über den Inhalt aus. Jemand der keine Zweifel an Merkel als Politikerin hat, kann dementsprechend auch nichts "linkes" schreiben. Der Text trieft vor  ergebener Merkelgläubigkeit, obwohl sie nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems ist. Das wäre dann in der Tat ein "linker" Standpunkt. 

Hinzu kommen noch eine Reihe von fachlichen Fehlern, bei denen man den Eindruck bekommt, der Autor weiß eigentlich nicht worüber er schreibt. Das ist symtomatisch für nahezu jeden Artikel den Augstein schreibt.

Augsteins Reaktion auf die Überarbeitung seines Artikels ist auch keine große Überraschung. Augstein und Blohme kommt ja auf Phonix vor der Presseschau. Von daher schaue ich diese Sendung ab und zu. Wenn Blome mal wieder was "gemeines" sagt, kann man bei Augstein die selbe dünnhätige Reaktion beobachten wie hier, da Augstein seinem Diskussionspartner in keiner Weise gewachsen ist. Das macht die Phönix-Sendung auch nicht sonderlich interessant.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 12:57

"Augsteins Kolumne "Im Zweifel links" sagt doch schon viel über den Inhalt aus. Jemand der keine Zweifel an Merkel als Politikerin hat, kann dementsprechend auch nichts "linkes" schreiben. Der Text trieft vor  ergebener Merkelgläubigkeit, obwohl sie nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems ist."

Das ist aber nun wirklich Papperlapapp. Wenn jemand mit Merkel auf Kriegsfuß steht, dann ist es doch Augstein. Ich befürchte auch, dass da jemand den besagten SpOn-Artikel nicht wirklich überschaut hat, sorry.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 13:23

Was ich heute Nacht eigentlich sagen wollte:

Das Hauptproblem ist doch, dass die grundlegenden Verwerfungen geleugnet werden. Man kann doch kein schönes Haus auf einem total maroden Fundament errichten wollen.

Der ESM ist eine riesige Umverteilungsmaschinerie, die einen Ausgleich zwischen den EU-Staaten schaffen soll. Eigentlich könnte man dem mit linker Gesinnung fröhlich entgegenblicken, weil es irgendwie was vom Robin-Hood-Prinzip hat.

Nur hat Robin Hood es den Reichen genommen und den Armen gegeben. Der ESM aber sammelt es bei den Reichen gegen Zinsversprechen ein und verteilt es an die Staaten, damit diese den Banken ihren Zinsdienst erweisen können. Vielleicht gibt er das Geld sogar direkt an die Banken, damit die den Armen überteuerte Kredite vermitteln können.

Wie man es dreht und wendet: Mit dem ESM kommt schlicht eine weitere Station hinzu, bei der Zinsen und Zinseszinsen generiert werden. Wenn man mich fragt, wird das den Untergang eher beschleunigen als verhindern. Denn Geld vermehrt sich nunmal nicht nur weil man es hin- und herschiebt, die Langzeit-Lasten stetig vergrößert und auf den Schultern derer ablädt, die sie nicht schultern können. Heute nicht - und morgen schon gar nicht. Das war das.

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Ehemaliger Nutzer 01.07.2012 | 13:43

Der Artikel kann doch nur als Stilmittel gemeint gewesen sein. Augstein hat aufgeschrieben, was Merkel seiner Meinung nach tun müsste - und beim Lesen dürfte jedem klar geworden sein, dass das genau die Dinge sind, die sie im Lebtag nicht tun wird. Hat sie einen Tag später dann ja selbst so gesagt.

Ich bin mir - was die 'Vergemeinschaftung von Staatsschulden' angeht - selbst nicht im Klaren. "Wachstum auf Pump" halte ich sogar für den größten Irrsinn, der mir je untergekommen ist. Keynes kann jedenfalls nur funktionieren, wenn in "guten Zeiten" die privaten Guthaben angezapft und die Schulden auch wirklich substantiell zurückgefahren werden. Nicht durch Sparmaßnahmen bei denen, die sowieso nichts haben, sondern richtig aus der Substanz heraus.

Aber wann haben wir das denn zuletzt erlebt? Wo sind denn die Aktionäre, die es sich auf Dauer gefallen lassen, dass die Kurse auch mal fallen können müssen? Oder die Renditen mal kleiner sind als im Vorjahr? Oder (Gott bewahre) auch sogar mal negativ?

Wir hecheln doch seit Jahren von Standortsicherung zu Steuersenkungswettbewerb und von Krise zu Krise. Wirklich fette Jahre, in denen das Wachstum groß genug ist, um die Schulden tatsächlich auch zu tilgen, sind doch gar nicht in Sicht. Im Gegenteil: es werden immer mehr.

5 Prozent Zins auf Staatsanleihen bei 5 Prozent Minuswachstum - wie soll das funktionieren, wo soll das hinführen? Ich hab keine Ahnung - aber davon ne ganze Menge.

Und verweise an dieser Stelle nochmal auf meinen Eintrag "Gib mir die Welt plus 5 Prozent"

https://www.freitag.de/autoren/xxm/gib-mir-die-welt-plus-5-prozent

Das sind nämlich die grundlegenden Dinge, die einfach weggeleugnet und auf St. Nimmerlein verschoben werden..

ti1t 01.07.2012 | 15:24

Der Artikel kann doch nur als Stilmittel gemeint gewesen sein. Augstein hat aufgeschrieben, was Merkel seiner Meinung nach tun müsste - und beim Lesen dürfte jedem klar geworden sein, dass das genau die Dinge sind, die sie im Lebtag nicht tun wird. Hat sie einen Tag später dann ja selbst so gesagt.

Augstein knüpft seine Hoffnung immer noch an Merkel. Einer Politikerin, die die Krise verschlimmert hat und auch derzeit nicht erkennen lässt, das sie daran etwas ändert. Das ist so als wenn man in der Savanne von einem Löwen angefallen wird und an dessen Vernunft appeliert, er möge doch nicht auch noch das andere Beine verschlingen, weil man sei ja eigentlich so ein lieber Bursche. Das ist total verzweifelt, unangebracht und vollig naiv.

Darüber hinaus sollte Schröder auch nur für irgendwen auf dieser Welt ein Vorbild.

Ich bin mir - was die 'Vergemeinschaftung von Staatsschulden' angeht - selbst nicht im Klaren. "Wachstum auf Pump" halte ich sogar für den größten Irrsinn, der mir je untergekommen ist. Keynes kann jedenfalls nur funktionieren, wenn in "guten Zeiten" die privaten Guthaben angezapft und die Schulden auch wirklich substantiell zurückgefahren werden. Nicht durch Sparmaßnahmen bei denen, die sowieso nichts haben, sondern richtig aus der Substanz heraus.

Keynes hat auch in der letzten Weltwirtschaftskrise gut funktioniert und da konnte man nun wahrlich nicht von "guten Zeiten" reden. Wer "Wachstum auf Pump" nicht will, der kann die Banken ja gleich ganz abschaffen. Damit machen wir es uns aber nicht leichter.

masonic 01.07.2012 | 15:25

"Ich bin mir - was die 'Vergemeinschaftung von Staatsschulden' angeht - selbst nicht im Klaren. "Wachstum auf Pump" halte ich sogar für den größten Irrsinn, der mir je untergekommen ist. Keynes kann jedenfalls nur funktionieren, wenn in "guten Zeiten" die privaten Guthaben angezapft und die Schulden auch wirklich substantiell zurückgefahren werden. Nicht durch Sparmaßnahmen bei denen, die sowieso nichts haben, sondern richtig aus der Substanz heraus.

Aber wann haben wir das denn zuletzt erlebt? Wo sind denn die Aktionäre, die es sich auf Dauer gefallen lassen, dass die Kurse auch mal fallen können müssen? Oder die Renditen mal kleiner sind als im Vorjahr? Oder (Gott bewahre) auch sogar mal negativ?

Wir hecheln doch seit Jahren von Standortsicherung zu Steuersenkungswettbewerb und von Krise zu Krise. Wirklich fette Jahre, in denen das Wachstum groß genug ist, um die Schulden tatsächlich auch zu tilgen, sind doch gar nicht in Sicht. Im Gegenteil: es werden immer mehr."

Das sind sehr wichtige und auch ernstzunehmende Einwände gegen die antizyklische Wirtschaftspolitik des deficit spending.

Richtig ist, dass das "Sparen in der guten Zeit" bisher in der Realität nicht zu funktioniert haben scheint.

Die Frage ist aber, ob man auf einen grundsätzlichen Mangel des deficit spending als Instrument der Wirtschaftspolitik schließen darf.

M.E. darf man das nicht: Betrachten wir die Zahlen für Dt., so wird sehr deutlich, dass die Neuverschuldung ganz eng mit dem Wirtschaftswachstum verbunden ist. So betrug sie in relativ guten Jahren nur 14 Mrd. (2007) bzw. 11 Mrd. (2008); in bzw. nach konjunkturell schlechten Jahren hingegen 38 (2003) bzw. 40 Mrd. (2004), von dem Jahr 2010 (80 Mrd.) einmal ganz zu schweigen.

Die Jahre 2007 und 2008 zeigen doch, dass in Jahren zureichender Weltkonjunktur mit etwas mehr wirtschaftspolitischem Mut zumindest ein ausgeglichener Haushalt, und m.E. sogar ein Schuldenabbau, möglich gewesen wäre. Dabei muss man bedenken, dass das Wirtschaftswachstum in dem betreffenden Zeitraum nicht einmal hervorragend war (2006: 3,4%; 2007: 2,7%; 2008: 1,0%). Mit einer besseren staatlichen Investitionsstrategie wären auch Wachstumsraten jenseits der 5% ohne weiteres machbar, mit der Folge, dass man von der Faustregel, dass 1% Wirtschaftswachstum mind. 6 Mrd. zusätzliche Steuereinnahmen bringt, auch mal richtig profitieren könnte... Wenn wir nicht Jahr für Jahr Ressourcen brach liegen lassen würden (die Rede ist von Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, prekärer Arbeit: alles Folgen einer verfehlten Wirtschaftspolitik, die bedingt, dass wir unter unseren Möglichkeiten bleiben), könnten wir andere Wachstumsraten und zumindest ausgeglichene Haushalte haben.

Die Zahlen (Neuverschuldung 2003/2004/2010 einerseits, 2007/2008 andererseits) belegen jedenfalls, dass das Wirtschaftswachsrum die entscheidende Größe ist, damit Staaten überhaupt in die Reichweite kommen, ihre Schulden abbauen zu können. Es ist daher auch eine Milchmädchenrechnung, wenn man für eine Schuldenbegrenzung in Europa jetzt die staatlichen Investitionen ganz abwürgt, in der vagen Hoffnung die Nachfrage werde schon aus dem privaten Bereich und aus dem nicht-europäischen Ausland kommen.

Ich meine daher, dass wir zwingend an den Lehren von Keynes festhalten müssen. Wir bräuchten endlich eine Wirtschaftspolitik, die Keynes richtig (d.h. auch: mutig) umsetzt, und Wachstumsraten auch über 4 oder gar 5% anstrebt - und die Steuermehreinnahmen dann auch realisiert, anstatt über Steuersenkungen für Wohlhabende neue Geschenke zu verteilen, statt Staatsschulden zu tilgen!

Ergo: Keynes, aber bitte richtig.

ti1t 01.07.2012 | 15:27

Der Artikel kann doch nur als Stilmittel gemeint gewesen sein. Augstein hat aufgeschrieben, was Merkel seiner Meinung nach tun müsste - und beim Lesen dürfte jedem klar geworden sein, dass das genau die Dinge sind, die sie im Lebtag nicht tun wird. Hat sie einen Tag später dann ja selbst so gesagt.

Augstein knüpft seine Hoffnung immer noch an Merkel. Einer Politikerin, die die Krise verschlimmert hat und auch derzeit nicht erkennen lässt, dass sie daran etwas ändert. Das ist so als wenn man in der Savanne von einem Löwen angefallen wird und an dessen Vernunft appeliert, er möge doch nicht auch noch das andere Bein verschlingen, weil man sei ja eigentlich so ein lieber Bursche. Das ist total verzweifelt, unangebracht und vollig naiv.

Darüber hinaus sollte Schröder auch nur für irgendwen auf dieser Welt ein Vorbild sein.

Ich bin mir - was die 'Vergemeinschaftung von Staatsschulden' angeht - selbst nicht im Klaren. "Wachstum auf Pump" halte ich sogar für den größten Irrsinn, der mir je untergekommen ist. Keynes kann jedenfalls nur funktionieren, wenn in "guten Zeiten" die privaten Guthaben angezapft und die Schulden auch wirklich substantiell zurückgefahren werden. Nicht durch Sparmaßnahmen bei denen, die sowieso nichts haben, sondern richtig aus der Substanz heraus.

Keynes hat auch in der letzten Weltwirtschaftskrise gut funktioniert und da konnte man nun wahrlich nicht von "guten Zeiten" reden. Wer "Wachstum auf Pump" nicht will, der kann die Banken ja gleich ganz abschaffen. Damit machen wir es uns aber nicht leichter.

poor on ruhr 01.07.2012 | 21:34

Fand Magdas Hinweis mit den Nachdenkseiten im Gespräch zu bleiben ganz gut, allerdings glaube ich nicht dass Herr Augstein für Hartz IV ist. Natürlich darf mann auch JA kritisieren , aber in den wesentlichen Punkten bei Disskussionen in der Öffentlichkeit fällt mir schon auf , dass er loyal links ist.

Ich finde das gut. Wir haben in Deutschland leider nicht so viele von Herrn Augsteins medialer Reichweite, von denen man dasselbe sagen kann.

AM lese ich auch gerne und bin oft seiner Meinung. Man sollte unbedingt mit AM un den Nachdenkseiten im Gespräch bleiben , aber JA hat auch das Recht auf eine Gegendarstellung wenner sich von AM falsch wiedergegeben fühlt.  

Bei AM missfällt mir seine Fixierung auf Schiller . Die alten Konzepte sind nicht ewig gültig.

Eine linke Sozialpolitik jenseits von Hartz IV muss sich neu erfinden, "dann klappts auch mit den Wahlen."

 

@dllxllb 01.07.2012 | 21:49

Europa ist meiner Ansicht nach schon deshalb notwenig, weil man den globalisierten Märkten (außerdem BRICS und USA) ein demokratisches Gewicht entgegensetzen muss. (Von anderen Auswirkungen die eine Flucht in Nationalismus und Nationalstaat bedeuten kann mal abgesehen). Momentan scheint es so, dass die Finanzprodukte unbehelligt regieren während zombiehaft die börsennotierten Konglomerate die Menschen und den letzten Rest der Ressourcen verschwenden und verschmutzen. Und die Politik reagiert nur. Äußerst verhalten. Finanzielle Zwänge treiben nun die europäische Integration voran. Da drängt sich mir die Frage auf, ob das so gut gehen wird.

Teilnehmer an Märkten schätze ich im allgemeinen als recht 'flexibel' im Wettbewerbsverhalten ein. Vor allem wenn es sich um wenig bis unregulierte und/oder unternehmensfreundliche Märkte handelt. Giegolds (?) Zuversicht auf eine gerechtere Steuerpolitik teile ich da - ganz zynisch - nicht. Bevor man sich willentlich ins eigene Fleisch schneidet, doch lieber erst das der anderen. Ich höre jetzt schon das Geschrei: "Abwanderung! Kapitalflucht! Die ziehen alle nach London um! Das wird den Wirtschaftsstandort zerstören! Wir brauchen Wachstum! Wir müssen konkurrenzfähig bleiben!". Wobei ich es unbedingt für nötig halte die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen bzw. umzukehren. Weil sonst alles implodiert, das Kartenhaus einstürzt, etc. Damit hätte man auch nichts gekonnt. Und ein Zusammenbruch scheint ja unbedingt verhindert werden zu wollen. Nur wird das meiner Ansicht nach nicht funktionieren wenn man den Finanzmarkt nicht reguliert: vereinfacht, aus dem Elfenbeinturm rausholt, und auch Dinge verbietet die momentan noch irgendwem irgendwo Gewinne bescheren. Dieses Bestreben ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen. Funktioniert isoliert auf einer nationalen Ebene auch nicht so gut. Auf europäischer schon besser. Auch da habe ich allerdings noch nichts dergleichen mitbekommen. Alles was ich von da höre kreist um Sparzwänge damit man Zinseszinsen bezahlen kann.

Haben Sie nicht in Ihrer Kolumne geschrieben dass es schwer fällt Macht abzugeben. Mit Geld verhält es sich wohl nicht anders wenn man meint - gerechtfertigt oder ungerechtfertigt - damit ginge ein Verlust für die eigene Person einher. Außerdem finde ich man sollte die Möglichkeiten zur Manipulation der Menschen auch - oder gerade - in Zeiten des Internet, nicht zu gering einschätzen. 

Wenn man sieht was in den südeuropäischen Ländern vor sich geht - in europäischen Friendenszeiten - dann kann man sich schon fragen wieviel Skrupellosigkeit im Namen der Rendite und des eigenen Bankkontos im Umgang mit Menschen eigentlich noch so möglich ist.

Ich vertraue durchaus auf das Grundgesetz, Demokratie und Politik. Nur mit Vertrauen in altruistisch handelnde Politiker und Demokraten tue ich mich äußerst schwer. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die Politik müsste tatsächlich mehr für Europa werben. Hätte sie schon lange tun sollen, anstatt dagegen zu schießen indem es - im Zuge der Bankenkrise - nur noch um Angst und Geld ging. Der Euro ist eigentlich nicht Europa. Aber ohne den Euro scheint Europa inzwischen irgendwie auch nichts mehr zu sein.

thinktankgirl 02.07.2012 | 14:53

Ich vermisse immer noch einen Artikel zu ESM et al.

Es ist doch wohl ein Witz, daß auf der Startseite kein Redaktionsbeitrag zum Thema zu finden ist.

In der FAZ wird das Thema fundiert behandelt, in den dortigen Kommentaren finde ich Informationen, die ich gerne in einer irgendwie linken Zeitung lesen würde, weil sie verfassungs- und vertragsrechtliche Verstösse aufzeigen. 

Warum schreibt der Freitag nicht darüber:

Unterstützung für die Rettung

Großindustrie pro Euro

01.07.2012 ·  Niemand unterstützt die Euro-Rettung so hingebungsvoll wie die deutschen Großkonzerne. Mit Solidarität hat das wenig zu tun. Die EZB finanziert ihnen den Absatz. Und die Euroretter nehmen ihnen das Währungsrisiko ab. Die Zeche zahlt der Steuerzahler.

zeschnig 02.07.2012 | 15:11

Könnte ja durchaus möglich sein, dass es zu dieser Entwicklung kommt, also, dass Staaten unter dem Druck der Wähler gezwungen werden, dass Geld dort abzuholen, wo es reichlich vorhanden ist.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es einerseits solche Staaten geben wird und andererseits solche, bei denen es weiterhin auf die Ausquetschung und Ausdünnung des öffentlichen Sektors hinauslaufen wird. So wie bei uns in Sachsen. Wir sind zwar beim Schuldenstand top, andererseits aber kaum noch in der Lage sind, z.B. unsere Schüler anständig zu unterrichten.

Für Deutschland jedenfalls sehe ich da keine großen Hoffnungen, hier ist der sächsische Weg sicher vorgezeichnet. 

thinktankgirl 02.07.2012 | 15:18

Liebe/r brefcourt,

danke für den Hinweis, aber es geht mir um die Redaktion, nicht um die Blogger!

Der Freitag könnte sich wenigstens für die Erhaltung der demokratischen Spielregeln einsetzen, die durch den ESM-Vertrag verletzt werden.

Es gibt sehr viele Menschen, die von der Berichterstattung im Spiegel und in der Zeit enttäuscht sind. Statt hier neue Leserschichten zu erreichen und sich für ein demokratisches und soziales Europa einzusetzen, wird das Thema ignoriert.Ich empfehle der Redaktion die Online-Foren der "Qualitätsmedien" zu studieren, um zu erkennen, wie unzufrieden die Menschen mit ihnen sind. Das ist eine Marktlücke, die der Freitag besetzen könnte - ich träum ja nicht mal mehr davon, im Freitag linke Positionen zu lesen :-(

silvio spottiswoode 03.07.2012 | 13:35

Weiter oben im Thread gab es schon einige sehr gute Analysen zum Thema Bankenkrise/Fiskalpakt u. a. von Christoph Leusch.Ich versuche aber jetzt mal zur Diskussion noch ein paar neue Punkte beizutragen und einige meiner Bedenken zu formulieren.Sicher ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Nationalismus - im allgemeinen -  ein größeres Problem ist, als Kapitalismus. Ich glaube aber auch, dass der Form der Finanztransaktionen, die die Krise verursacht haben eigentlich ein anderer Name gebührt: Das ist kein Kapitalismus mehr, das ist Finanzfeudalismus.

Ich wünsche mir ein Europa, bestehend aus einzelnen national verwalteten Identitäten, mit einem Euro als Glaubensbekenntnis an eine gemeinsame Zukunft. So wie in einer guten Ehe jeder seine unabhängige Identität entfalten kann, so bleiben wir alle Deutsche und Griechen und Franzosen ... nur dass uns das Versprechen einer offenen, freien, gleichen, zivilisierten modernen Gesellschaft verbindet. Nicht zuletzt auch die Vision nachhaltigen, gemeinsamen Wohlstands. Nur, dass immer weniger klar ist, wie wir diese Vision Europas verwirklichen können.

Merkel, beispielsweise, wurde letzte Woche von Monti & Co gelinde gesagt an der Nase herumgeführt. Es wurden ganz klare Absprachen bezüglich des Vertragswerks einfach nicht eingehalten. So etwas tut man nicht, nicht mal mit Merkel. Das ist keine vertrauensvolle Basis, um gemeinsam ein tragfähiges Modell aus der Krise zu entwickeln. Zu den Modalitäten des EFSM/ESM-Fiskalpakts: Hier stimme ich komplett mit Katja Kippings Analyse einer postdemokratischen Wende hin zu einer autoritären Regierungsform überein. Das ganze Vertragswerk ist dermassen vage und so voller Lücken, dass es einfach nur eine Einladung zum Missbrauch darstellt. Ganz abgesehen davon, dass immer groessere Rettungsschirme das Problem verschlimmern, die Spekulation verschaerfen, statt sie abzustellen.  Selbst innerhalb der Grünen hat der Fiskalpakt zu Verwerfungen geführt weil das regelwerk nicht im geringsten den Anforderungen entspricht. (Siehe Sven Giegolds Blog und ueber den Pakt f. Nachhaltiges Wachstum ebenfalls im Giegold Blog  hier >> auch die Kommentare sind sehr interessant.)Ebenfalls gut finde ich die Stellungnahme der Piraten zum ESM.

silvio spottiswoode 03.07.2012 | 14:16

Und aufgrund dieses Vertrags soll Deutschland jetzt die weitreichendste politische Veränderung der deutschen Geschichte seit Herrenchiemsee vollziehen? Eine Änderung des Grundgesetzes hin zur Aufgabe des wichtigsten, zentralsten, ersten politischen Steuerungselements, das ein demokratisch gewähltes nationales Parlament überhaupt hat, die Aufgabe der Haushaltshoheit?! Damit ein nicht zu belangender Gouverneursrat (!), - eine Rechtsform nach luxemburgischen Recht - zukünftig die Entscheidungen bezüglich der europäischen Haushalte fällt? Sind denn alle völlig wahnsinnig geworden?

Wem will man soviel Macht in die Hände geben? Wer ist dem gewachsen? Das Haushaltsrecht ist historisch von unseren Vorfahren hart erkämpft worden. Es stellt das erste, wichtigste demokratische Recht des Volkes dar. Wir sind es uns und unserem Glauben an Freiheit und Gleichheit schuldig dieses Recht auch zu verteidigen. Denn es kann nicht ohne Einbusse der Souveränität des Volkes abgetreten werden. Das ist unmöglich. "Only over my dead body."

Ganz abgesehen davon sollte doch uns allem inzwischen klar sein, dass kein Rettungsschirm gross genug ist, um die Spekulation einzudämmen. Ganz im Gegenteil, je grösser der Rettungsschirm, desto wilder und rücksichtsloser wird von den Märkten darauf reagiert werden. Das liegt in der Natur der Sache.

Mehr noch: Ohne pathetisch wirken zu wollen könnte man inzwischen sagen, dass wir uns in einem Wirtschaftskrieg befinden (siehe Diskussion H.W. Sinn & G. Verheugen, Unter den Linden). Denn weder der IWF noch die Fed haben ein Interesse an einem starken Euro. Im Gegenteil, je stärker der Euro desto mehr Probleme haben die USA ihrerseits den eigenen ungleich viel viel grösseren Schuldenberg zu refinanzieren.

Die Kurskorrektur an den europäischen Börsen hat Portfolios der Unternehmen zurückgeworfen und die Marktkapitalisierungen vieler solider europäischer Firmen sind seit geraumer Zeit zum Teil lächerlich gering. Auch ist es einfach völlig irre Italien auf den Status eines Entwicklungslandes wie die Bahamas abzustufen. Das sind alles politische Entscheidungen kaschiert als finanzielle Massnahmen. Und Europa ist politisch zu schwach und sich uneinig um wirksam gegen die Spekulation vorzugehen.

Wir scheinen imm er nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben, zwischen dem Austritt der Krisenländer oder einem autokratischen Gouvereursrat in Brüssel, aber warum spricht keiner von wirklichen Alternativen, die sich an die Ursachen des Problems herantrauen. Das beste zum Thema Eurorettung hat m. E. Margrit Kennedy gesagt, als sie von einer an den Euro angelehnten Express-Währung für Krisenländer sprach, vorbei an den Banken.

Exkurs

Augsteins SPON-Text mit den RatSCHLÄGEN an Frau Merkel hatte ich ehrlich gesagt ganz abstrakt verstanden – als Kunstgriff – als Text mit "artistic license". So in etwa: "Du hast keine Chance, aber nutze sie"- Herbert Achtenbusch- mässig. Und, was ich bei Müllers Argumentation echt nicht ganz verstehe ist, wie er gerade von diesem Text dann darauf schliessen kann, hier würde jemand pro Regierung Merkel argumentieren. Mich hat Augsteins Text eben gerade deshalb ganz schön tangiert, weil durch diesen Kunstgriff doch schlagartig klar wird wie wenig selbst jemand wie Augstein an den Regierungskurs EFSM/ESM etc. glaubt, wie ungeheuer weit entfernt wir noch von einer guten Lösung sind. Wenn man jetzt die mangelnde Souveränität des Autors beklagten möchte, kann man dies tun. Jedoch sollte fairerweise dabei auch bedacht werden, dass Müller ganz bewusst und über Monate - teils auch extrem persönlich - seine kleinen Giftpfeile platzierte. Dass das dann irgendwann unendlich nervt sollte nachvollziehbar sein.

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Ehemaliger Nutzer 03.07.2012 | 19:47

Nochmal zu

"Sven Giegold (glaube ich) hat ein interessantes Argument gebracht: die Schuldenbremse wird die Staaten zwingen, eine gerechtere Steuerpolitik zu betreiben, weil sie sich das Geld, das sie den Reichen erlassen, nciht mehr an den Finanzmärkten borgen können. Wenn man das so sieht, wird es eine politische Zuspitzung geben, bei der die Wähler entscheiden können, welche Steuer- und Sozialpolitik sie wollen. Früher wurde die Verteilung über die Inflation gesteuert, dann über Schulden - und künftig über Steuern?!"

spiegel.de triumphiert heute:

Milliardenloch gefährdet Hollandes Wahlversprechen

Was hat Hollande nicht alles versprochen im Wahlkampf - Tausende neue Lehrerstellen und einen höheren Mindestlohn. Doch jetzt wird Frankreichs Staatschef mit der Realität konfrontiert: Im Haushalt klafft eine riesige Lücke. Der Rechnungshof verlangt rigoroses Sparen.

Paris - Viel bleibt François Hollande eigentlich nicht mehr. Der Spielraum für den Sozialisten und seine Regierung ist - wenn überhaupt - noch minimal. In Frankreichs Haushalt klafft ein Milliarden-Euro-Loch, das sich angesichts der düsteren wirtschaftlichen Entwicklung wohl so schnell nicht füllen lässt. Was Hollande noch bleibt, ist der Rotstift.

usw. usw.

Das nur mal eben schnell dazu..