Jakob Augstein
12.12.2012 | 19:56 284

Wir müssen sparen

Freitag Der Freitag muss sparen. Da es immer schwierig ist, in eigener Sache zu sprechen, verweise ich auf einen Artikel in der taz.

"Bei der Wochenzeitung Der Freitag sollen neun Stellen gestrichen werden. Laut taz-Informationen teilte dies Verleger Jakob Augstein der Redaktion am Dienstagabend in einer Betriebsversammlung mit." mehr

Kommentare (284)

poor on ruhr 12.12.2012 | 20:32

Habe das mit einiger Bestürzung gelesen. Das tut mir sehr leid. Das ist sicher so kurz vor Weihnachten ziemlich bedrückend. Etwas richtig Gescheites fällt mir dazu leider auch nicht ein. Da kann man nur sehr viel Kraft für die betroffenen Mitarbeiter/innen wünschen, aber auch denen die dableiben, dass "der Freitag" doch mit den Problemen fertig wird! 

janto ban 12.12.2012 | 20:54

Kann mich dem nur anschließen.

| Im dritten Quartal dieses Jahres verkaufte Der Freitag sich laut IVW nur 13.790 Mal. Im Vorjahreszeitraum lag die verkaufte Auflage mit 13.929 Exemplaren etwas höher, wobei die Zahl der Abonnements von 2011 zu 2012 nicht rückläufig war, sondern sogar leicht gestiegen ist (von 9.925 auf 10.291). |

Das verstehe ich nicht. Ein Abo sind ca. 12 Zeitungen/Quartal. Damit müsste die Gesamtauflage doch eigentlich gestiegen sein. Bin ich als baldiger Probe-Abo-Leser ein finanzieller Klotz am Bein? Ich hoffe nicht.

poor on ruhr 12.12.2012 | 20:56

Irgendwie fällt es mir schwer, etwas Vernünftiges dazu zu schreiben.

Es ist doch klar man als Fan des FC-Projekts keinem der Mitarbeiter des "der Freitag"  eine Entlassung wünscht und dem Projekt und der Zeitung eine rosige Zukunft.

Ich bin wirklich bestürzt und es tut mir leid. Auch ich wenn die Zeitung in einigen Dingen früher besser fand , kann ich doch nur alle apellieren, dem Freitag die Abotreue zu hallten und möglichst noch neue Kunden zu werben,sofern einem das möglich ist.   

 

janto ban 12.12.2012 | 21:22

Ich kenne uns leicht depressiven Pappenheimer doch :o)

Mich kann heute nix mehr schocken. Meine neue Chefin rechnet mir für meinen neuen Job offensichtlich pauschal 8 Std./Tag ab - egal, wieviel Arbeit sie mir zuteilt und wie lange ich demnach tatsächlich arbeite. Habe heute die erste Abrechnung bekommen. Warte und freue mich schon auf das ganze Geld ~*%+$\# Früher war alles besser. Definitiv.

janto ban 12.12.2012 | 21:35

Schlaf gut. Ich bin auch gleich verschwunden. Vorher will ich aber noch was Blödes sagen. Sonst denken die Leute, mir mir stimmte irgend etwas nicht. Also sage ich:

Na toll. Jetzt müssen wir also sparen. Wer war denn auch so größenwahnsinnig, dem Kosok 27 Euro zu spenden? Was man damit alles hätte...

Besser bekomme ich die gefühlte Gefühlslage heute Abend nicht mehr in Worte gepresst. Guts Nächtle.

luggi 12.12.2012 | 22:28

knallhart getippt; ich möchte bezahlen ... für die Artikel die ich lese ... und nicht für die nichtgelesenen Artikel, für die ich zwangsweise mit meinem Obulus im Abo oder Freiverkauf bezahle ... ganz einfach

Sry, aber die neuen Medien ermöglichen doch meinen Kundenwunsch? Ich möchte gut recherchierte Artikel nicht auf Papier, und dass deren Inhalte nicht in allen möglichen tweets, Blogs etc. "nach"lesbar lesbar sind. Naja, die Postkutsche bleibt im übertragenen Sinne immer noch die Fortschrittsbremse bei den Printen.

janto ban 12.12.2012 | 22:45

| Einige sehen in dem aktuellen Schritt Augsteins schon den Anfang vom Ende (...) | (taz)

Wer sind denn wohl "Einige"? Quelque Sprech.

Knapp ein Viertel ist echt 'ne Menge Holz. Da vermuten "Einige" wahrscheinlich, dass über ein - auf's Gesamtprojekt gesehen - einigermaßen schmerzneutrales Maß hinaus gekürzt wird. Die Causa Nokia lässt schön grüßen. Aber was will man machen? Scheiß Zeiten sind das doch. Das sehen sicherlich einige so. Whoever.

janto ban 12.12.2012 | 22:57

So ähnlich geht's mir auch.

SPOILER Herr Angele mal bitte weghören

Ich habe den Freitag nun abonniert, weil ich etwas beisteuern wollte. Ob und wieviel ich in der gedruckten Ausgabe überhaupt lese, bleibt abzuwarten. Weil es meinen Gewohnheiten nicht entspricht. Wenn es die Möglichkeit gäbe, ohne großen Aufwand (ad hoc) einfach mal ein paar Euros zu "spenden", hätte ich das längst mal gemacht. Hatte mich seinerzeit extra bei flattr angemeldet. Aber das war mir irgendwie alles zu kompliziert. Vielleicht habe ich etwas übersehen. Wie ich es verstehe, ist die einzige Möglichkeit, der GmbH Geld zukommen zu lassen, die Zeitung zu kaufen. Was wegen dem umfangreichen Internet-Angebot ziemlich überrascht. Jedenfalls mich.

eykiway 12.12.2012 | 23:10

Ein Bauer erkennt seine Schweine am Gang

hmm rendite rendite der Jacob wird nix nachschiesen an Geld,

eine sterbende gatung die Zeitung ein Relikt aus alten Tagen internet bedeutet freiheit ohne Zwang bruchstückhaft den artikel die reportage die information persöhnlich was man denn möchte kann der Freitag nicht mithalten.

schade altvater dahn seis dank werd ich abwarten ,das ende die frage ist ob ich zu erst oder der Freitag geht

zeit beantwortet die frage alles was da ist hat seine berechtigung alles was nicht mehr da ist hatte keine

in diesen sinne eykiway

luggi 12.12.2012 | 23:10

ja Herrschaftszeiten, es ist ein Kreuz

Ich lese einige Printen online. Würde ich alle abonieren, wäre ich in einem Preissegment, das nicht mein Gewissen und meine gute Anvertraute akzeptieren würde. Ich auch nicht. Vor allem in Anbetracht der Papierverschwendung.

Ich verstehe die Verleger nicht ... die wollen auf Teufel komm raus bedrucktes Papier verkaufen... kopfschüttel.

Wir leben im 21. Dingsbums und die Verleger wollen mit Abos für "Postkutschenmitfahrten" die Onlinewelt bewältigen. Komisch.

mcmac 12.12.2012 | 23:15

Zunächst: "Wir müssen sparen" ist eine Verklausulierung in einem Blatt, dem ich -eigentlich und immer noch- zutraue, die Dinge beim Namen zu nennen - z.B. mit einem holperigen, aber ehrlichen "Wir müssen viele Leute entlassen".

25% der Leute beim Freitag werden also entlassen. Das ist hammerhart. Zuvorderst und vor allem natürlich für die Betroffenen. Aber auch für die Zeitung selbst. Und natürlich auch für die damit verbundenen Projekte wie z.B. diese Community hier. Das ist aber auch ein Schlag für die linke (Presse)Publizistik, für engangierten Journalismus abseits vom Mainstream. Wieder mal.

Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, nun nicht nur allein über Geld (und "Sparen") zu reden, sondern worin, neben der übermächtigen Konkurrenz, die Ursachen dafür liegen, dass eine Zeitung wie der Freitag auf der Stelle tritt, er also nicht in der Lage ist, langsam aber sicher immer mehr Leser zu gewinnen. Und das in diesen Zeiten! In diesem Medien-Jammertal! Vielleicht liegt es daran, dass der Freitag, insgesamt betrachtet, bei dem Versuch vielfältiger zu werden auch beliebiger geworden ist?..

Das erinnert mich fast ein wenig an die Linkspartei: Auch ihr gelingt es nicht, in den Zeiten dieser umfassenden System-Krise politisch zu reüssieren...

Jedenfalls stimmt mich diese Nachricht traurig (ein bisschen wütend macht es micht auch, weil ich seit mehreren Jahren wie blöde & aus freien Stücken Reklame in meinem Umfeld mache und schon einige Leute überzeugt habe, den Freitag zu abonnieren - alles umsonst?..). Ich hoffe, dass das nicht der Anfang vom endgültigen Ende ist. Und ich wünsche den Entlassenen alles Gute & das sie vielleicht bald wiederkehren... (Und den "Überlebenden" wünsche ich, dass sie trotzdem den Mut aufbringen, den Ursachen auf den Grund zu gehen und dort, wo es in ihrer Macht steht, die Dinge zu verändern; vielleicht ist ein bisschen weniger Buntheit besser für einen farblich kräftigen, diffrenzierten Biss mit Witz).

 

miauxx 12.12.2012 | 23:52

"Vielleicht liegt es daran, dass der Freitag, insgesamt betrachtet, bei dem Versuch vielfältiger zu werden auch beliebiger geworden ist?.."

Hmm ... Als der Freitag noch profilschärfer und ein reines Printprodukt war, stand er auch kurz vor dem finanziellen Aus. Dann hat ihn Augstein gerettet. Sicherlich auch mit der richtigen Idee, ihn so im Netz zu präsentieren. Die Versuche, allein über den Inhalt zu erklären, sind wohl einerseits fast die einzigen, die man unternehmen kann, leider bleiben sie letztlich aber auch recht spekulativ. Ein Nischenblatt wie der Freitag bleibt  - leider - wohl ein Experiment. Ein bisschen "beliebiger" ist dF, meine ich, schon auch geworden. Andererseits hat er eine so "übermächtige Konkurrenz" aber auch nicht. Das ist es nicht. Er ist als Wochenzeitung am Markt wohl eher so etwas wie eine Zugabe. Und somit ist es sicher besonders schwierig, neue Leser in signifikanter Zahl zu gewinnen. Und er ist andererseits eben auch nie so etabliert gewesen, so dass er, abgesehen von einem gewissen aber kleinen Stamm, sich auch in der momentan so beschworenen "Zeitungskrise" noch problemlos halten könnte. Das können wohl nur die althergebrachten großen Zeitungen - und selbst die fangen an, signifikant "zu sparen" (etwa der SPIEGEL).

Ob es mit alternativen Finanzierungsformen besser klappen könnte? Finanzierung über eine Genossenschaft? Naja, die taz etwa ist auch ein arriviertes Blatt; wohl deshalb klappt es bei ihr so gut. Die Junge Welt dagegen hat arge Probleme. Bliebe vielleicht noch so etwas wie ein Verein ... nur müsste damit ja nocheinmal ganz von vorne angefangen werden; Strukturen sich völlig ändern. Aber dF jemals als gewinnträchtiges Medium ?? Bleibt vor allem zu hoffen, dass sich das Modell der Journalisten-Leser-Verquickung irgendwie durchsetzen kann und eine besondere Marke dF ausbildet.

Columbus 12.12.2012 | 23:58

Hey Luggi,

An so einem traurigen Tag kommst du mit dem traurigsten, aber, ich sage es jetzt mal, auch dümmsten Argument der Menschheit über und für Medien und Presse. Da vergesse ich sogar das Sie und alle meine Gelübde.

Schau, was der Christusträger, ein reinster Ungläubiger, dir zu sagen hat.

 Wenn du ein Niveau hast und die anderen auch alle ein Niveau, und jeder nur noch das bezahlt, was er auf seinem Niveau gerne lesen, hören, sehen und fühlen möchte, also er/sie, es und die paar Zwitter, die Welt der Presse und der Medien wie ´nen gutgehenden Puff ansehen, - Von Pressehuren wird ja schon viel geschrieben und leider taten auch viele Presseleute viel zur Ausbildung dieses Rufs, - Dann kommt am Ende eine Mischung aus dem raus, was schon 90%  der Menschheit sich jeden Tag medial freiwillig antut und sich 8% klauen, ohne was zu zahlen.

Es kommen die Charts dabei rum und iTunes und die SPIEGEL-Bestsellerliste, nur noch Merkel und ein paar Hansel, nur noch TATORT, nur noch "Wetten das nicht", nur noch BVB und Bayern, und, und, und.

Diese Art der Selbstbefriedigung verwechseln leider zu viele Leser, Blogger und sonstige Kommunauten sowohl mit dem völlig entfalteten Individualismus, als auch mit einer absurden Form des  Kommunismus, bei dem am Ende alle glauben mit zu müssen und dabei frei zu sein.

Wohin das führt, kannst du hier in der dFC auch schon ablesen. Ob diese Art Scheinindividualität zu irgend etwas, außer der kläglichen Ausformung des Nichts führt, kannst du dir in einer stillen Stunde einmal überlegen.

Ich meine es gut mit dir und allen Kommunauten, aber das nützt nichts, wenn die je individuelle Veranlagung dazu führt, dass die allermeisten auf Damen- und Herrenwitze abfahren und eben gerne über das Fernsehprogramm und ihren Gender trouble, öffentlich und halböffentlich quaken möchten.

Ich gebe zu, an dieser Art Denke sind Medienmacher der Presse nicht ganz unschuldig und das hängt an diesem vermaledeiten Wörtchen "Boulevard". Das wurde nämlich übersetzt mit, "hole die Leute da ab, wo sie sich selbst sehen."  - Diese Perspektive ist aber so ubiquitär, dass sie am Ende eben entbehrlich ist. Leider haben auch viele Mitkommunauten nicht genug Mut und Herz zu erkennen, dass es nie und niemals darum gehen kann, die eigenen Interessen öffentlich auszustellen, es sei denn man ist Künstler oder hält sich für einen solchen.

Schon gar nicht geht das, wenn man dafür bezahlt wird und Presse machen soll. Dasein und Sosein begründet keinen Journalismus, schon gar nicht einen guten.

Beste Grüße und gute Nacht

Christoph Leusch

PS: Unter uns. Niveau hat, zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen, was man noch gar nicht weiß und kannte, nicht vermutete, nicht schon ahnte.

Ich schäme mich an solchen Abenden immer dafür, wie selten es mir gelingt, weil ich nicht nur platt bin, sondern auch noch mitbekomme, wie  platt ich denke und dann, welche Wonne,  wie gerne ich ins Wagalaweia eintauche. Dabei müsste da doch der Verstand einsetzen und sagen: Cave!Cave!Cave!

   

 

weinsztein 13.12.2012 | 02:08

Ich vermute, dieser Versuch einer Boulevardisierung des irgendwie linken Freitag ist gescheitert. Es war doch klar, dass die einiges kosten würde (finanziell). Ich fand diese Boulevard-Idee faszinierend, damals, als sie  angekündigt wurde.

Aus meiner Sicht scheiterte das Projekt daran, dass  "irgendwie links" mit der Zeit immer beliebiger wurde.

Das Blatt verlor an Profil. Manche Artikel konnte man hier oder anderswo lesen. Rubriken wurden weniger gepflegt als früher, plötzlich war der z. B. Gärtner weg, nachdem er sein Buch geschrieben hatte.

Wegen und während zunehmender Beliebigkeit redaktioneller Inhalte fühlte sich auch manche/r Chatter/in angezogen, um hier (verabredet) ihr antilinkes Mütchen zu kühlen, Stuss hier zu veröffentlichen oder Provokatiönchen. (Vor dieser Geseich-Armada, die allen möglichen Foren Antisemitismus unterstellt, kann sich allerdings keine Internet-Community sicher sein, die spielen in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach  keine Rolle.)

 

 

 

 

oi2503 13.12.2012 | 05:33

Hallo Herr Augstein,

zunächst einmal die Frage: Stimmt das denn, was die taz schreibt. Und stimmt es genau so, wie es da steht?

Zweite Frage: Was könnten wir, die Leser und Blogger im dF aus ihrer Sicht tun, um dies abzuwenden, wenn es denn stimmt; ja, ist das noch möglich oder bereits gefixt? Wie geht es denn danach weiter, ist das das der Anfang vom Ende?

mcmac 13.12.2012 | 10:34

Ein paar Gedankensplitter/Assoziationen; als Fortführung dessen - ohne Anspruch auf etwa ausgereifte oder halbwegs zu Ende gedachte Vollständigkeit..

Verstärkt könnte im Freitag über substanzielle Themen berichtet, diskutiert/gestritten werden. Ich denke hier an alle Entwicklungen, die auf das verweisen, was Michael Jäger vielleicht als „Die Andere Gesellschaft“ bezeichnet. Und dass man über längere Zeit an einem Thema bleibt, um es zu vertiefen (es gab z.B. mal vor einiger Zeit [vor 2-3 Jahren] eine sehr gute Artikelserie über den Kapitalismus und Denkansätze zu dessen möglicher Entwicklungsrichtung und Alternativen dazu, wo -im besten Sinne!- gesponnen wurde: Utopie sinnlich..) Denn dass die Gegenwart frustrierend „alternativlos“ und diese mächtige Behauptung haltlos und äußerst kritikwürdig ist, spüren und wissen eigentlich fast alle inzwischen ohnehin.

 

Also, dass man einen Schritt weiter geht, als die reine Kritik des Bestehenden es zulässt und über das Künftige mindestens versucht zu reden. Über das zu Erwartende und über das Wünschenswerte. Wenn man nicht öffentlich und hellwach träumen kann, werden Diskussionen beispielsweise zum BGE oder zu OpenSource immer im alten, flachen Brackwasser eines von Egoismus und Eigennutz geprägten, einseitigen und instrumentalisierten Menschenbildes absaufen.

 

Und wenn man über Personen in der Politik redet, oder deren Wahlkampfvereine - die etablierten politischen Parteien - dann gerne weniger demoskopische Orakeleien und Psychologisierungen wie sie „die Anderen“ ständig liefern, sondern eher als Analyse eines veröffentlichten Politischen, dessen Wesen gegenwärtig die private Performance ist, welche Willen, Tatkraft und gesellschaftliche Progression lediglich simuliert. In der Systematik dessen, was Crouch als Postdemokratie beschreibt, ist mit dem Herkömmlichen etwas anderes nämlich nicht möglich (weshalb ich auch JA's Grundsatz-Hymne auf das Kleinere Übel in seiner jüngsten Spiegel-Kolumne bestenfalls als „kritische Begleitung“ des Herkömmlichen lese, als als substanzielle Kritik daran, die so über den Konservatismus der SPD und ihres Kanzlerdarstellers hinaus auf wirklich Neues verweist.) Lieber eine kräftige Theaterrezension über Staats- und Parteientheater und dessen Darsteller (und darin aufzeigen, wie das gegenwärtige Personal noch jede große, tatsächliche Tragödie in eine Farce verwandelt) als dieses Kasperltheater an sich auch noch ernst zu nehmen. Erst so wird der Ernst der Lage bewusst. Erst so kann man verstehen, dass *wir* es sind, jede/r Einzelne, gemeinsam, die Demokratie *machen* müssen.

 

Die Yes Man haben 2008 eine gefakte New York Times erscheinen lassen: Diese Art von Spinnerei, diese subversiven Märchen, diese Poesie im Umgang mit der mathematisch-rechtwinkeligen, „alternativlosen“ Schein-Wirklichkeit, diese kluge, vorausschauende Narretei, die den Geist öffnet und Lust auf etwas ganz Neues, etwas ganz Anders macht, würde ich mir für den und vom Freitag wünschen. Wenn die anderen Ernst spielen, sollten *wir* spielend Ernst machen.

 

Ich glaube, dass die Leute tief in ihrem Innern es einfach satt haben, irgendwelche Instant-Lösungen in Punkteplänen von „Experten“ und Politikdarstellern präsentiert zu bekommen (denn sie wissen genau, dass das letztlich eh' nicht funktioniert). Sie wollen - im Grunde ihres Herzens - selbst gestalten. Und der Freitag könnte ein wunderbares Forum, eine geistig-publizistische, journalistische Platt- in Hochform dafür sein – wetten, dass das geht wie geschnitten Brot?.. :)

rioges 13.12.2012 | 11:28

Tja, da werden die Bilder nun noch größer und das Feuilleton noch mehr zugeballert mit Comics. Gefällt mir eh nicht.

Noch ist der Freitag eine lesenswerte Alternative (bis auf die riesigen Bilder - was nutzt mir da irgend eine Preiskrönung), allerdings holt das nd am Wochenende im Moment stark auf.

Vielleicht hätte man auch den Herausgeberkreis nicht einfach so sang- und klanglos abschaffen sollen?

kay.kloetzer 13.12.2012 | 12:43

Es ist schlimm und schade. Eine Frage an Jakob Augstein: Stimmt, was ND-online schreibt:

""Nun soll dem Vernehmen nach der Politikteil reduziert werden, die Wissenschaftsseiten von ,Der Freitag' werden offenbar eingestellt. Nach Informationen aus der Redaktion wird auch das Online-Prestigeprojekt von der Krise betroffen sein. Augstein hatte auf Facebook die viel gelobte Orientierung auf eine lebendige Community nicht mehr genannt und erklärt, er glaube ,an die Zukunft der Papier-Zeitung'."

Was bedeutet das konkret?

Sönke Paulsen 13.12.2012 | 14:17

Es gibt Projekte, die muss man einfach durchhalten, sonst geht der Weg nicht weiter. Die TAZ hat ein ähnliches Problem.

Die FR hat mindestens seit 2003 schwer gelitten, bevor sie eingestellt wurde, die FTD hat als Online-Format nicht gut funktioniert und der France Soir ist zu spät auf die Online Schiene gegangen.

Gute Zeiten für Zeitungen sind das nicht.

Warum nicht den Freitag internationalisieren. Eine französische Ausgabe und eine englische könnte man erstmal online starten.

Ich würde die Zeitung: "Der europäische Freitag" nennen.

Den Print-Freitag würde ich außerdem an Bestsellerzeitungen anheften oder ein Co-Marketing mit der TAZ oder der Süddeutschen starten. (jeweils in der Freitagsausgabe). Das könnte man auch mit Le Monde und so weiter machen.

Eine europäische Zeitung gibts ja noch nicht.

anne mohnen 13.12.2012 | 15:01

Einstellung der Wissenschaftsseiten? Dazu passte meiner Meinung nach, dass Frau Zinkant, die hierzulande neben Dagmar Röhrlich die beste (weibliche) Wissenschaftsjournalistin ist, sang und klanglos zum New Scientist wechselte oder enteilte.

Sollte allerdings der Alltagsteil so beibehalten werden, dann: Gute Nacht. Dann wird das wieder nichts mit der Auflagensteigerung. .

Dass dFC-Seite betroffen sein soll, wen wundert‘s. Hier wurde oft und  lauthals genug geschrieben: No Print: Aber - No-Print no cash: Ein so großes Blatt wie Die Zeit weiß davon ein Lied zu singen. Vor wenigen Tagen höhnte Schirrmacher noch, Zeitonline sei reines Verlustgeschäft.

Bemerkenswert  ist, dass ND und TAZ voll auf dem Laufenden sind, direkt die Hand am Puls des  dF haben.

anne mohnen 13.12.2012 | 15:13

Lieber Columbus,

gut, dass Sie sich zu Wort melden. Ich stimme Ihnen inhaltlich zu.

Weinsztein sieht das schon richtig, dass hier in den letzten Monaten eine Verflachung stattgefunden hat, insbesondere  unter den Kommunauten. In dem Punkt hatten und haben Sie, lieber Columbus, viele Mitstreiter hinter sich und Ihre kritischen Einlassungen.

So ein offenes Forum, setzt viel Verantwortungsbewusstsein voraus von Seiten der  Community: Kann ich ungefiltert schreiben, was mir durchs Gehirn fährt? Muss immer gleich alles raus, was mir über die Leber gelaufen ist? Soll durch Redundanz das Rad der Langeweile beschleunigt werden? Sollte der Impetus von Kritik Konstruktion oder Destruktion sein? Mit dieser Entscheidung geht die kritische Frage einher nach den  je eigenen Bedürfnissen und der Erwartungshaltung an so ein Zeitungsformat und Öffentlichkeitsmodell, das hier geboten wird.

Lieber Columbus, deswegen ist so wichtig, dass Sie und andere sich nicht zurückziehen. Zwischen durch Luft holen, auf jeden Fall, Abstand gewinnen, das gehört dazu. Aber bitte kein Schmollen, kein Aufgeben, nicht wahr?

Es geht um Außenwirkung, da beißt die Maus keinen Faden ab, da haben Sie Recht!

Und ja, auch in dem Punkt stimme ich Ihnen zu: Eine Zeitung ist ein Gesamtpaket. Das macht ihr Profil aus. Was ist es jedem wert: Meinung, Deutung von Politik, Kultur etc. ? Stufe ich mich freiwillig auf den „knechtischen“ Status eines Konsumenten herab, der nur noch das liest, was ihm passt resp. als passend serviert wird?

Die Frage  über den Wert von Öffentlichkeit, lieber Columbus, muss gestellt werden. Wenn Zeitungen, und davon bin nicht nur ich überzeugt, in unserem Kulturkreis essentiell sind, mit Kant bis Habermas gesprochen, für die Bedingung der Möglichkeit der Herstellung von Öffentlichkeit, dann steht doch mit dem Dahinsiechen, gar dem Untergang von großen und kleinen Blättern – Tradition hin oder her - ein Stück „Gewaltenteilung“ zur Disposition.

Ihre am

 

kds 13.12.2012 | 19:34

Schade für die Betroffenen. Ich glaube aber die Umwandlung des Freitags von einer linksintellektuellen in eine linksliberale Zeitung hat einfach zuviel Reibungsverluste gebracht, die durch den Aufwuchs nicht aufgefangen worden sind. Bei der hiesigen eher stromlinienförmigen Presselandschaft gibt es doch inhaltlich eigentlich genug Platz für eine anspruchsvolle Zeitung, Ich denke da an eine eher globale Weltsicht (Auslandsreportagen) anstatt der doch ofmals sehr deutschzentrierten Presse, wirklich sinnvolle Kapitalismusreflektion, die durchaus marxistisches Denken nicht ausschließt und ein eher nonkonformistischen Kulturteil. Doch ich denke, dass dies nicht den erhofften Anzeigengewinn bringen wird, so dass Augstein kulturell eher auf den  Boulevard setzt.  Auch bei den Kommentarfunktion hätte ich mir mehr struktur gewünscht, ähnlich wie es bei telepolis zu finden ist. Naja, das ist halt alles des Verlegers Entscheidung.

Obwohl spannend wäre es gewesen mit einer eher nonkonformistische Zeitung in dem qua Redaktionsstatut die Redakteure sich auch mal gegen den Verleger stellen könnten und so die Zeitung auch jenseits des verlegerisch gewollten Impetus  gestallten könnten. Aber das war ja wohl nicht der Hintergrund der angekündigten Entlassungen.

wwalkie 13.12.2012 | 20:07

Und so geht es immer weiter. Bochum  ist überall. Wir müssen sparen. Wir rechnen uns nicht. Wir müssen uns verschlanken. Wir müssen, wir müssen...

Es ist schließlich evident. Die Frankfurter Rundschau verkauft nicht  genug (Werbung), der Freitag verkauft sich nicht genug, und wenn er sich verkauft, reicht es auch nicht. Die linksliberale, auch von mir schwer kritisierte  FR  hat sparen müssen, was nicht gereicht hat, die irgendwie linke Wochenzeitung Freitag muss sparen. Aber wird es reichen? Kann es reichen ... in der E-Phase des Kapitalismus? Ich fürchte: nein . Nein, ich weiß, dass es nicht reichen kann. Das Angebot der wahrscheinlich am Limit arbeitenden Journalisten des Freitag wird nicht viel mehr Leser erreichen können, als bisher. Die Irgendwielinke ist nicht viel größer, wie es scheint. Die Linke auch nicht.  Und die unterstützende Community  wird inhaltlich und numerisch immer dünner. Viele Communarden wissen wohl auch nicht, worauf dieser Begriff zurückgeht - und dass ein gedrucktes Presseprodukt ein sinnliches Erlebnis sein kann.

Ich kann keine Ratschläge geben. Manche scheinen auf eine Fusion ND (Tageszeitung) und Freitag (Wochenzeitung) zu setzen - aber da müssten wohl J. Augstein und Die Linke über ihre Schatten springen. Was ist mit einer Zusammenarbeit von Konkret und Freitag? Was mit Jungle World oder Junger Welt? In der  brennenden Sonne der Ökonomie schmelzen pseudo-ideologische Ressentiments wie Schnee (von gestern). Oder ist es doch das Bewusstsein, das das Sein bestimmt?

Ich weiß allerdings, welche Verluste uns bedrohen. Die Linke zum Beispiel verzichtet auf einen Neskovic, der in der Frankfurter Rundschau einen brillanten Text über eine neoliberale Landeslinke im brechtschen Gestus der dreißiger Jahre veröffentlicht hat, auf den der Freitag dieser Woche eingeht und über den das ND heute berichtet.

Es scheint, dass dies alles bald so nicht mehr zu lesen sein wird. Wenigstens in gedruckter Form nicht. Ist ja auch nicht schlimm, schließlich gibt es neue Formen der Kommunikation, nicht wahr?  Vor allem gibt es neue Formen des Vergessens. Wenn euch diese reichen, nur zu...

langweiler 13.12.2012 | 20:08

@all

Seit ca. 2 1/2 Jahren kenne und lese ich den Freitag. Abonniert habe ich die Zeitung  ab ca. 1,5 Jahren.  Ich finde es ein gutes Projekt und es schockiert mich dies hier und in anderen Zeitungen zu lesen http://www.taz.de/Kuerzungen-bei-Wochenzeitung-Freitag/!107308/ und  das diese Veränderung keine Nachricht in der Printausgabe wert ist. Ich finde es schade, dass auf diese Weise (Informationspolitik)mit jenen umgegangen wird, die das Projekt mit dem Kauf der Zeitung bzw mit dem Abo mitfinanzieren. In verschiedenen Beiträgen wird Transparenz eingefordert (ich denke das gehört auch zur Grundausrichtung der Zeitung) aber selbst wird sich bei wichtigen Änderungen nicht daran gehalten. (Wechsel im Wissenschaftsressort, Frau Dahn usw).Die Leser möchten ernst genommen bzw. mitgenommen werden. Dies gehört mE. auch zu einer engeren Verschränkung zwischen Zeitung und Leserschaft.  

Den Freitag habe ich abonniert, weil er als Projekt irgendwie anders war. Ich fand und finde die Themenauswahl, den Stil, die thematische Setzung (wobei darüber zu streiten wäre Wirtschaftsressort/ Boulevard usw. ), die Möglichkeit zu kommentieren(hin und wieder eine Antwort vom Autor zu erhalten) bzw. Beiträge selbst zu schreiben und mit anderen über die unterschiedlichsten Themen zu diskutieren. Dieses Projekt mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten reizte mich und reizt mich noch immer. Es wäre schade um das Projekt der Freitag, wenn das Ende nah wäre.

Mit den "Sparplänen" (Die Begrifflichkeit erinnert mich an den Neusprech der Regierung- Personalabbauen wäre besser; wobei ich den Zusammenhang nicht verstehe, Der Freitag wächst langsam und trotzdem muss gespart werden) bzw. mit dem Ende gänge bzw. geht etwas verloren.Nicht nur für die Leserschaft auch die Schreibende Zunft, die damit ihr Auskommen finanziert, davon lebt. Auch der Personalabbau bedeutet ganz bestimmt nicht ein mehr an Qualität. Es wird sich zeigen wo der Freitag hingeht bzw. hin will. Hoffentlich nimmt er die Leserschaft mit bzw. geht die Leserschaft mit.

Das führt wieder zu Fragen:   

Welche Zeitung soll ich dann lesen?(hierzu hatte ich vor kuzem einen Beitrag geschrieben https://www.freitag.de/autoren/tomach/welche-zeitung-will-ich-lesen-1-teil) Natürlich gibt es im Internet mit der Vielfalt an Informationen. Doch wie kann ich aus der immensen Flut an Informationen die Spreu vom Weizen trennen und wie lange noch(Zensur usw.)? Wo finde ich gut eingeordnete und recherchierte Informationen die interessant aufbereitet sind (Print oder Internet)und eine Art Orientierung mit Struktur geben und nicht einen opportunistischen Einheitsbrei.

anne mohnen 13.12.2012 | 20:52

@ Lieber Herr Augstein,

Ja, auch ich bin bestürzt, wenn es dazu kommt,  dass keine eigenen Worte mehr gefunden werden.

Ich wünsche uns allen, dass Sie und Ihre Redaktion an der  Idee von einem unabhängigen,  linksliberalen Meinungsmedium festhalten, das sich dem Strom und Rauschen von beliebigen und opportunen Meinungen, dem Zeitgeist angepassten Stimmungen und angedienten Haltungen entgegenstemmt. Haben Sie den Mut, für die Zeitung noch offensiver öffentlich zu werben. Lieber Herr Augstein, da sind Sie zu zurückhaltend.

Vor allem wünsche ich mir, dass den Solidaritätsbekundungen Taten folgen und die Leser in die Tasche greifen, die Zeitung einfach kaufen. Alles andere ist "much adou about nothing"

In diesem Sinne Ihnen und Ihren Kollegen in dieser schweren Zeit

LG am

Rüdiger Grothues 13.12.2012 | 21:20

Es geschieht nicht nur zur Weihnachtszeit, und es ist in der Tat ein Kreuz: „Ich lese einige Printen online.“ (Luggi)

Nach wie vor kann der Verleger, die Zeitungsmacherin Inhalt und regelmäßiges Erscheinen nur bewerkstelligen, wenn die Konsumenten dafür ihrerseits einstehen (und ihren Beitrag zahlen).

Anders geht es nicht, Werbeumgebung online hin oder her.

Dann haben die Printen, wenn es gut läuft, einen anregenden Inhalt und meinetwegen auch ab und zu boulevardesken Schokoüberzug.

Rüdiger Grothues

Columbus 14.12.2012 | 00:13

Ja, Anne Mohnen,

Treu sein, Abo halten. - Das sage ich mir auch, selbst wenn ich dafür viele Kröten  schlucke und auch ab und an, meist aus Verzweiflung, sage, es reicht jetzt.

Rund um die von ihnen beschriebenen Fakten, schreiben eben viele, die sich hier auf ihre Freiheiten was einbilden, Print sei Holzverschwendung und recht eigentlich ginge es ihnen nur um die Gelegenheit und Freiheit was los zu werden. 

Gleichzeitig aber finanziert die Existenz der Zeitung die Online-Möglichkeiten. Die Print Abos bilden die Grundlage, selbst für das einfachste Werbegeschäft und die mögliche Höhe der Einnahme aus dem Platzverkauf. Sie liefern, zusammen mit den Vertriebsorten, die Grundlage der Sichtbarkeit des Zeitungstitels in der Republik, sie sichern die Grundlage der Wahrnehmung dieses Presseorgans. - Das ist ein Nischenprodukt und eher randständig am Markt.

So denfiniert sich verlegerischer Mittelstand nun mal, bei schmaler Kundenbasis (Mehr als 2 Mio. Menschen werden in Deutschland niemals solche Titel brauchen und nur 11.000 davon wollen dF), viel größere Konkurrenz und wenig Aussicht auf den einen Scoop und den dauerhaften Bestseller (noch spielt Herr Augstein nicht im Casino oder kauft System-Lottoscheine).

Auf Dauer wird es nur wenigen, sehr großen Titeln gelingen, zweigleisig Print und Online zu fahren und die zweistelligen Gewinnmargen zu halten, die sich "Geschäftsführer" und an Geschäften notwendig interessierte Geldgeber, manche möchte man gar nicht mehr im klassischen Sinne Verleger nennen, sich dauerhaft wünschen und bei ihren Geschäften durchsetzen. Bei diesen Titeln sammeln  sich dann die wenigen Millionen.  - Das ist das Chart-Problem, psychologisch, -das kennen sie bestimmt-, nennt es sich "Ich geh´ mit den Siegern und sei es auch nur gefühlt."

Zu diesem System der Shareholder oder Finanziers kann es, da bin ich mir recht sicher, auf Dauer nur eine Art öffentlich-rechtliche oder mäzenatische Absicherung des ernsthaften Journalismus geben. Basis: Profit nur zur Angebotsverbesserung und keine persönliche  Gewinnabsicht.

Die anderer Masche, nämlich auf das Verkäufliche und Unterhaltsame zu setzen, die geht auch, nur ist das nicht mehr unbedingt Journalismus. Dann testen bald wieder Redakteurskinder in Babywindeln, passend zur Werbung, teure Designeruhren auf Materialbeständigkeit, dann müssen Homestories her und Bildstrecken mit Fernsehprominenz, dann braucht es Skandalisierungen.

Zu den Leiden gehört ja auch, dass Abonnenten des dF die oftmals doch sehr solipsistischen Meinungen der Night hawks und Privatphilosophen, der unendlichen Spaßmacher, mitfinanzieren, und dann lesen müssen, wie der Print beschimpft wird und gar nicht dick genug aufgetragen werden kann.

 

II

Es ist kein Zufall, dass derzeit auch ein Kampf um den kulturell immer noch wichtigsten Publikumsverlag Deutschlands tobt. Da möchte einer mit bekanntem  Namen, ein neumodischer  blauer Boll auf Identitätssuche,  an die Macht, der die geschäftsführerischen Methoden des Geldverdienens an einer weiteren eingeführten Marke ausprobieren möchte. Die gilt jetzt noch was und war in den letzten Jahren nicht nur gut im Geschäft, sondern verlegte auch  gute Bücher, die sonst nirgendwo in dieser Form gedruckt worden wären (Man denke nur einmal an den "Implex").

Nur leider will der neue Boll die ihm unheimliche Grete Grüntal am Ende nicht mehr retten, sondern ruft ihre zu: "Nimm´ endlich das Gift in ausreichender Dosis, damit endlich Platz wird für Geschäfte die ich mir gar nicht vorstelle, sondern mache!"

 

Man lese das FAZ-Interview der ganz ruhigen, aber bestimmten  Sandra Kegel und dann ahnt man, was im Land der Dichter und Denker, der kritischsten Kritiker und der meisten neuen Buchtitel der Welt mittlerweile denkbar ist.

Wenn es hier in der dFC ein paar notorische Nerds gibt, die wirklich alles nach ihrem Kirchturm umdeuten wollen und von Themen besessen sind, so gibt es da einen Menschen, der auch noch das Geld dazu hat, die Axt in solchem Sinne zu schwingen und kaputt zu schlagen, was ihm nicht passt. Sogar die Lust daran, dringt durch jede Antwortzeile, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/suhrkamp/suhrkamp-gesellschafter-barlach-gaebe-ich-auf-muesste-ich-schmerzensgeld-kriegen-11991434.html .

 

III

Die FR wurde nicht wegen ihres schlechten Journalismus (mangelnder Qualität) abgestraft, ganz im Gegenteil. Es schimpften vor allem auch die Leser, die längst nicht mehr in Holz denken. Das einzige investigative Blatt Hessens wurde bestraft, weil es nicht konsequent genug platt war und immer noch zu  wenige Trivia streute. Da nutzt selbst der flammende Appell der Hochschulen des Landes nichts und Intellektuelle helfen gar nicht, weil die sich entweder abgewöhnt haben außer für sich, noch für andere zu sprechen, oder weil die mittlerweile auch nicht mehr gehört, sondern nur belächelt werden, weil ja jeder schon eine solche IQ-Bestie ist.

 

IV

Was Öffentlichkeit ausmacht und stark macht, das geht dabei vor die Hunde und kein Web wird es ersetzen. Unsere eigenen Online-Erfahrungen müssten es doch lehren. Aber wer lässt sich noch belehren?

Ich könnte mir denken, dass diese Art der marktförmigen Abwicklung gerade jenen in den Kram passt, die sowieso mehr steuern, als sich die hartnäckigsten Webapostel und individualistisch Freiheitsgläubigen, die sonst an keiner Verschwörungstheorie vorbei schauen, überhaupt vorstellen können. 

 

Beste Grüße und gute Nacht

Christoph Leusch

 

Theda 14.12.2012 | 12:04
@Helena Neumann "Weinsztein sieht das schon richtig, dass hier in den letzten Monaten eine Verflachung stattgefunden hat, insbesondere unter den Kommunauten. In dem Punkt hatten und haben Sie, lieber Columbus, viele Mitstreiter hinter sich und Ihre kritischen Einlassungen." Das ist eine Binse. Ich vermute, Columbus weiß sogar mehr als langjähriges FC-Mitglied. Die Qualität im Blogbetrieb sank bereits mehrere Monate nach Start dieser Seite aufgrund von persönlichen Animositäten und Grüppchenbildung. Viele gute Blogger sind gegangen - nicht erst seit ein paar Monaten. Verflachung findet übrigens auch statt, wenn BloggerInnen ständig mittelmäßige Artikel von "den richtigen" MitbloggernInnen und besonders von "Blauen" beklatschen und so tun als seien diese die crème de la crème - außer gegenüber Frau Hensel. Da muss man Columbus zugutehalten, dass er sich dagegen zu Wort meldet. Der Printfreitag ist über die Jahre hinweg ebenso verflacht und langweilig geworden. Ich kenne viele(Medien-)Leute, die ihn nur noch zur Analyse lesen, aber nicht zur Unterhaltung oder um etwas spannendes Neues zu erfahren. Zwei Verständnisfragen noch: Was meinen Sie eigentlich mit "inhaltlich zustimmen"? Die äußere Form, wie beispielsweise die Darstellung des Schriftbildes, kann Columbus doch gar nicht beeinflussen. Warum sind Sie die einzige, die Dr. Michael Angele stets auch mit Dr. anredet? Möchte er das so? Sind Sie eine Untergebene/Angestellte des Freitag? Ich kenne ein solches Verhalten lediglich auf Firmenhierarchien bezogen und aus der Uni, wenn Studenten - naja, Sie wissen schon - "dazugehören" wollen…. So ein offenes Forum, setzt viel Verantwortungsbewusstsein voraus von Seiten der Community: Kann ich ungefiltert schreiben, was mir durchs Gehirn fährt? Muss immer gleich alles raus, was mir über die Leber gelaufen ist? Soll durch Redundanz das Rad der Langeweile beschleunigt werden? Sollte der Impetus von Kritik Konstruktion oder Destruktion sein? Mit dieser Entscheidung geht die kritische Frage einher nach den je eigenen Bedürfnissen und der Erwartungshaltung an so ein Zeitungsformat und Öffentlichkeitsmodell, das hier geboten wird.
janto ban 14.12.2012 | 18:06

Der Rest hört sich echt mies an. Höre sowas von vielen Seiten. Mein Freund ist letztes Jahr auch eine Stufe runter gesetzt worden. "Wir wachsen, aber wir wachsen zu langsam." Wenn man bedenkt, woher der Freitag kam - und wo er hin will/wollte, kann man das ja noch verstehen, irgendwie. Aber dieser Satz steht für etwas ganz Fürchterliches. Wenn ich den höre, wird mir ganz schlecht.

janto ban 14.12.2012 | 18:21

Die Kommentare kann er sich auch durchlesen, ohne sich einzuloggen.

| Wie können *wir* helfen? |

Dazu muss ich leider sagen, dass ich es als Hilfe empfinden würde, wenn keine Blogs geschrieben würden, die die Maßnahmen beim Freitag mit Hartz IV assoziieren. Wenn ich mich mal für einen Moment in J.A. hinein versetze, ohne für ihn sprechen zu wollen. Die Kommentare darunter sind unterirdisch. Das Leben geht weiter. So oder so oder so.

Ich war nie Arbeitgeber und will mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, Entlassungsgespräche führen zu müssen. Dass man als irgendwie linker Verleger - ohne Rücksicht auf Verluste - jeden Monat neue Leute einstellt, kann es doch nicht sein. Diese pauschale Unternehmer-Schelte ist in meinen Augen kontraproduktiv. Wie könnte der Freitag denn weiterhin Einfluss auf die politische Willensbildung nehmen, wenn er finanziell der FR hinterher taumelt?

Hier muss der Zweck einfach mal die Mittel heiligen, sonst können sie den Stecker im Serverraum gleich ziehen. Dann wird's duster und hat sich ausgeschimpft.

Joachim Petrick 14.12.2012 | 19:28

Jakob Augstein Journalist und Gärtner in Berlin

 

Lieber Jaob Augstein,

wenn Sie nicht von selber kommen, hole ich Sie eben aus Ihrer irgendwie linken "Sozialphobien" Ecke als Herausgeber des Freitag herunter, damiot Sie sich meinen Fragen mit freiem Geist und Sinn ablehnend oder zustimmend widmen  können::

 


Der Freitag ist, was seine eigene Existenzgrundlage und die seiner Zielgruppe betrifft, n. m. E. nicht engagiert genug gesellschaftspolitisch präsent, unterwegs, wenn es um Fragen geht, wie, durch Kultur Flaterates?, wer finanziert wem die Online Sparten von Printmedien? Ist es der Staat, sind es bisherige GEZ Leistungsträger?, werden GEZ Anteilsaufkommen an Printmedien für deren Online Bereiche nach einem zu verhandelnden "Pflegesatz" Budget Schlüssel umverteilt?

Ist in diesem Zusammenhang nicht das Bundestagswahljahr 2013 medienentscheidend?
Bisher greifen nur die Mega Medienkonzerne argumentativ nach den GEZ Gebühren Anteilen. Warum nicht auch der Freitag?
`
Ist nicht quasi der Online Bereich von Zeitungen, Wochnmagazinen ein "öffentlich. rechtlicher"! Bereich, der ebenso über GEZ Beitragsaufkommen finanziert gehört, wie die Öffentlich- Rechtlichen " Fernseh- und Rundfunkanstalten?, um sich mit den jeweiligen Printmedien und deren sozialem Umfeld vertraut zu machen?

Warum setzt der Freitag diese Fragestellung nicht allein oder am besten  im Bunde mit anderen Printmedien auf die Tagesordnung öffentlicher Debatten?

scfrei 14.12.2012 | 20:38

"Der Freitag muss sparen. Da es immer schwierig ist, in eigener Sache zu sprechen, verweise ich auf einen Artikel in der taz."

Das ist also jetzt die Augsteinsche Austeritätspolitik? Und sie ist natürlich alternativlos? Selten so einen Heuchler gesehen. Jedes Jahr sammelt sein Clan Millionen vom Spiegel-Verlag ein. Aber die Leute beim Freitag beschäftigt man zu Niedriglöhnen und schmeißt sie kurz vor Weihnachten raus. Augstein = Heuschrecke

 

EnidanH 14.12.2012 | 21:28

Einsparmöglichkeiten...

 

warum Der Freitag an einem miethochpreisigen Standpunkt stehen muss habe ich nie so richtig verstanden, oder sollte es da nur um Prestige gehen? Ich meine in Kreuzberg oder anderswo gäbe es Objekte, die weniger an Standkosten verschlucken, und das würde viel eher zum Freitag passen. Was ließe sich dadurch einsparen? Schon mal überlegt oder durchgerechnet? Oder handelt es sich um Eigentum?

 

janto ban 15.12.2012 | 04:25

Dies ist kein privater Chat. Das darf man nicht vergessen. Wir können hier auf die Schnelle (mitten in der Nacht) Text anbringen und uns dabei in Inhalt und Ton vergreifen, wie wir lustig sind. Man lässt uns. Aber letztlich sind wir Communauten Teil der öffentlichen Wahrnehmung des Freitag, ohne uns das klar zu machen.

Es geht um eine unliebsame, geschäftliche Entscheidung des Verlegers, der den Überblick hat, der uns fehlt. Ihm da im Nachhinein reinquatschen zu wollen, ist doch Unsinn. Was gibt's der Überschrift denn eigentlich noch hinzuzufügen?

Dies ist die Netzöffentlichkeit. Hier zu diesem Thema zu sprechen, kommt für ihn einer Pressemitteilung gleich. Im ND stehen bereits Sätze, die kein gutes Bild auf Strohschneider werfen. Da fehlt der Anstand. Und hier wäre ein bisschen Einfühlungsvermögen "angebracht".

Von Herrn Petrick kann man das nicht verlangen. Der steckt hier nur sein Revier ab. Gehört alles ihm. Er trägt diese Verantwortung mit Würde, was sich in seinen wohl überlegten Äußerungen niederschlägt. Du lieber Himmel. Gute Nacht.

archinaut 15.12.2012 | 04:57

Ich drücke auf jeden Fall alle beide Daumen!

Erinnert mich an einen Unfall im weiteren Verwandtenkreis:

Ein junges Transportbeton-Unternehmen in den fünfziger Jahren, auf einer einsamen Landstrasse bohrten sich die beiden ersten Fahrzeuge (Betonmischer) ineinander.... es hätte das Ende der Unternehmung bedeuten können.

Heute hat das Unternehmen mehrere Standbeine, 1.300 Mitarbeiter und ist weltweit an 50 Standorten vertreten.

Alleinstellungsmerkmal war es, den Beton in gleichbleibender Qualität "just in time" auf jede Baustelle zu liefern..... so wünsche ich mir auch die Informationsversorgung;-))

best wishes

archie 

Oberham 15.12.2012 | 08:43

... schöne Anmerkungen.

Meine Befürchtung, es geht JA nicht um eine "andere Zeitung" sondern um eine die sein Konto schwängert.

Mich würde hier die Buchhaltung der letzten Jahre interessieren - welche Subventionen wurden abgegriffen, welche dieser Quellen sind versiegt.

Wir sind hier alle doch oft die naiven Träumer, die an das Gute im Menschen glauben, die bei ihren Gedankenreisen ganz vergessen, dass Milliardenmenschen täglich von einer anderen Welt träumen.

Warum wohl - wird diese Nachfrage nicht gestillt?

Könnte es sein, dass JA zu jener Gruppe von Menschen zählt, die diese Welt ohnehin als très chic empfinden?

Wir immer lade ich zum Kaffee/Tee ein, wer kommt könnte Kuchen oder Schokolade, Plätzchen oder Gebäck mitbringen.

Wer braucht hier ein Meinungs-Informations-Kultur-XRessort-Medioum, dass auf den derzeitgen ökonomischen Prinzipien fußt??

Ich würde mir eine Zeitung wünschen, die wirklich frei ist, die niemand sonst ernährt, als jene die dort wirklich arbeiten und vor allem auf einer materiell wenn überhaupt sehr sehr flachen Stundenlohntabelle - vor allem - sie müsste ohne Werbung überleben können - sprich wenn Werbung - dann nur um damit einen Rücklagentopf für schlechte Zeiten zu füllen (oder andere Aktionen) - d.h. kein Werbender kann mit seiner "Nichtschaltung" drohen.

Berufsjugendlicher v2.0 15.12.2012 | 12:27

 Ob der Freitag Subventionen bekommt/bekam entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ungeachtet dessen habe ich immer starke Zweifel gehabt, dass der Freitag wirtschaftlich arbeiten kann.  Die Taz hat auch erst unzählige Bettelkampagnen durchgezogen und ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, "arriviert" zu sein, aber ich lese sie auch zu selten.

In Deutschland gibt es keine direkte Presseförderung, der Bund der Zeitungsverleger lehnt diese auch eindeutig ab. Es gibt einen reduzierten Mehrwertsteuersatz und verbilligte Zustellungstarife. Das gleiche Modell vertritt die Schweiz. Die Fördersumme liegt absolut an der Spitze europäischer Staaten. Im Unterschied dazu hat Österreich eine direkte Förderung, die aber in der Summe wesentlich weniger ausmacht als hier und die Gefahr der sog. Hofberichterstattung in sich birgt.

"In Wahrheit seien Nachrichten «noch nie ein kommerziell verwertbares Produkt» gewesen. Sie seien stets mit Erlösen finanziert worden, die auf dem Wert der Nachrichten «für andere Dinge» beruht hätten – also zum Beispiel für die Aufmerksamkeit von Publikumsgruppen, die sich mit Hilfe von Nachrichten den Werbetreibenden zuführen lassen.",  steht in der NZZ

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/die_usa_weisen_nicht_allein_den_weg-1.13619867

zu einem Vergleich von Wissenschaftlern der Oxford-Universität über die Presseförderung in 5 europäischen Ländern und den USA:

http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/fileadmin/documents/Publications/Working_Papers/Public_support_for_Media.pdf


Der Bund der Zeitungsverleger vertritt eine klare Ablehung der direkten Presseförderung,  dort Beschäftigte sehen das aber anders:

"Ferner setzt sich ver.di für eine Reform der bisherigen Presseörderung
im Bereich der Tageszeitungen ein. An die Stelle der indirekten Förderung durch pauschale Steuersubventionierung (Halbierung des Umsatzsteuersatzes) soll eine direkte Förderung durch einen Förderfonds für
Tageszeitungen treten. Die bislang gewährte Steuersenkung ist umzuwidmen in Fondsbeiträge seitens der Zeitungsverlage. Als Förderkriterien sind vorrangig eine Höchstauflage, ein (dauerhaft unterschrittener) maximaler Werbeanteil sowie Konzernunabhängigkeit des jeweiligen
Unternehmens festzulegen." , zitiert aus einem Vorstandsbeschluss von 2002.

http://dju.verdi.de/ueber_die_dju/journalistentage/jit_2003/data/sicherung_von_meinungs-_und_pressevielfalt_in_deutschland

 

Ich wollte Deine inhaltlichen Vorstellung nicht unterschlagen,  aber die lassen sich doch auch rein im Internet verwirklichen?

 

Joachim Petrick 15.12.2012 | 12:50

Magda Magda 15.12.2012 | 09:10

 


Das ist ein mildestimmend gutes Wort. Danke!

Gleichwohl hätte Jakob Augstein hier gute Gelegenheit in dürren Worten kundzutun, dass er Zeit zum Nachdenken braucht. Was dann allerdings wiederum prekäre Spekulationen auslösen könnte.

Ein paar klärende Worte wären wohl schon, nicht nur als Arbeitgeber,  vonnöten. Der Freitag ist doch keine Stahlkocher-, keine Automobilbauer- Klitsche!, oder?

Vielleicht will Jakob Augstein auch erst einmal über seine Enttäuschung hinwegkommen, dass sich die Ikonen der DDR Bürgerbewegung, darunter Friedrich Schorlemmer, Daniela Dahn, noch vor zwei Jahren Herausgeber des Freitag,  u. a., sowenig in der Freitag Community, Zunge zeigend, präsent, einbringen.

Verstehen, warum bei diesen Ikonen unter den DDR Bürgerbewegten so wenig Substanz abrufbar scheint, die fürs Zeitalter des Internet mit seinen Communities, wie hier im Freitag, kompatibel ist, ohne diesen das vorhalten zu wollen.

Als Phänomen erscheint mir das allemal.

siehe dazu:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/klarsicht-im-freudenfeuer-und-hoffen
Joachim Petrick
14.12.2012 | 02:19 4
Klarsicht im "Freudenfeuer" und hoffen?

Autobiografie Friedrich Schorlemmers politische Autobiografie "Klar sehen und hoffen" ist im Aufbau Verlag erschienen, 354 Seiten, 22.99 €

 

thinktankgirl 15.12.2012 | 13:08

Italien hatte bis vor kurzem eine Presseförderung (ich müßte jetzt nachlesen, ob sie ganz abgeschafft oder nur stark eingeschränkt wurde - durch Berlusconi).

Der unorthodox-kommunistische "Il Manifesto" erhielt diese Förderung auch. Seit sie gestrichen ist, steht er kurz vor dem Schließen, womit eine wichtige linke Publikation verschwinden  und die Meinungsvielfalt eingeschränkt würde.

 

Achtermann 15.12.2012 | 15:42

"Der unorthodox-kommunistische "Il Manifesto" erhielt diese Förderung auch. Seit sie gestrichen ist, steht er kurz vor dem Schließen, womit eine wichtige linke Publikation verschwinden  und die Meinungsvielfalt eingeschränkt würde."

Weshalb sollte ein kapitalistisch verfasster Staat ein kommunistische Publikation fördern? Und: Wenn sich eine kommunistische Zeitung von einem kapitalistischen Staat fördern lässt, muss es mit dem Kommunismus, den sie vertritt,  nicht weit her sein. Also zumindest im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordung sich bewegen. Und diese wird derzeit an vorderster Stelle von der CSU geschützt. Von dieser Partei abhängig zu sein, stelle ich mir eher unangenehm vor.

silvio spottiswoode 15.12.2012 | 18:14

Kurzfristig könnte man vielleicht einen eigenständigen, gemeinnützigen Förderverein gründen, der Spendenbeiträge sammelt. Mit dem Ziel dadurch die Kosten der GmbH teilweise aufzufangen. Ich stelle mir inetwa das so vor wie bei der Woz in Zürich http://www.prowoz.ch/

Bei der Abendschule der Städelakademie in Frankfurt habe ich soetwas Ähnliches dieses Jahr mitorganisiert, da ein unabhängiger Träger notwendig wurde um die Schule weiter zu erhalten.

 

Auf lange Sicht finde ich die Idee einer Europäischen Zeitung sehr spannend.

Costa Esmeralda 15.12.2012 | 18:24

Bin erst seit Kurzem Teilnehmer gesellschaftlicher Diskussion in Deutschland, nach 35 Jahren Abwesenheit in Ländern der "Dritten Welt". Und bin geradewegs in dFC gelandet, obwohl ich auch mit Interesse den Yahoo-Nachrichten und der dortigen Diskussion (mit Erschrecken) folge, um ab und zu mit Infos beizutragen. (Auch die gesellschaftlich Ausgegrenzten, die mehrheitlich bei Yahoo posten, brauchen unseren Beistand) Bei Spiegel und Zeit bin ich mit Versuchen von Beiträgen sofort abgeschmettert worden. Bei dF nicht. Allein der Gebrauch der Begriffe "Merkelsches TOTSPARDIKTAT", "Seilschaften-Republik" oder "Bundestagsparteien-Diktatur" disqualifiziert für Teilnahme im deutschen Pressewald. Ich bin auf den Verein "Mehr Demokratie" gestossen und auch auf "Abgeordnetenwatch.de", die ich umgehend, wenn auch mit beschränkten Mitteln, unterstützte.

Was ist mein Anliegen: Aus der Ferne sieht unser wirtschaftliches und politisches Gesellschaftssystem nach 67 Jahren Bundesrepublik absolut überholbar aus. Die in anderen Ländern geschärfte Sicht, weil nicht im eigenen Brei verharrend, und die konkreten Versuche nach gesellschaftlicher Veränderung bezüglich unterdrückererischer und menschenverachtender Herrschaft helfen m. E. auch, um die Notwendigkeit von gesellschaftlichem Fortschritt in Deutschland zu erkennen. Diese Notwendigkeit darf nicht durch Salongespräche oder noch geduldeter Kritik vernebelt werden. Was für Deutschland ansteht, ist erst einmal eine rigorose Kritik des Bestehenden und investigativer Journalismus (á la Wikileaks) und dann ein offenes Forum für die Diskussion um die Reform unseres politischen und wirtschaftlichen Systems. (Ich habe hier bereits öfter die "Bürger-Republik" erwähnt, die von Piraten zwar erahnt aber nicht konkret gedacht wird, wahrscheinlich wegen fehlender Erfahrung) Wir müssten so etwas hinbekommen, wie die Fortführung der Diskussionen der Aufklärung, jenseits von Kapitalismus, Sozialismus und Religionen, hin zu einem Humanismus der Moderne. 

Ich kenne mich aktuell zu wenig aus, wie man die "Krise" bei dF finanziell lösen könnte. Aber warum sollten wir nicht die zur Entlassung anstehenden Redakteure mit einem entsprechenden "Auftrag" in Form von Stiftung oder Verein zur Weiterbeschäftigung verhelfen können, in einem Magazin der Kritik und Reform am herrschenden Deutschland-Modell. Das wäre mir ein jährliche Spende allemal wert, wenn sie auch notgedrungen bescheiden sein würde.

Liebe Grüsse an Alle in der vorweihnachtlichen deutschen Kälte aus dem warmen Panamá.

CE

Achtermann 15.12.2012 | 18:40

Wolltest du einen Arbeitsplatz haben, der von Spenden abhängig ist? Spender sind so scheu wie das Kapital selbst. Sie flüchten bei der geringsten Verstimmung. Darauf kann man kein Geschäftsmodell für eine Zeitung aufbauen. Säße ich auf einem solchen Arbeitsplatz, würde ich mich umgehend nach einem anderen umsehen, um dieser Abhängigkeit von Launen zu entrinnen. Eher müsste der Abo-Preis nach oben gehen. Doch: Wer kann sich das leisten?

Columbus 15.12.2012 | 18:43

Wie kann man nur annehmen, Jakob Augstein hätte je irgend etwas am dF verdient oder gar die Absicht gehabt, ein Einspielergebnis in der Größenordnung der Dickschiffe in diesem Verlagsgeschäft erzielen zu können? Welche Art Sonnenbrille muss man dazu im Winter und vor den Weihnachtstagen tragen, um da Verdächte zu äußern?

Berufsjugendlicher v2.0 15.12.2012 | 12:27,  beschreibt die Realität und gerade der Ratschlag aus Magdas Feder (Magda 15.12.2012 | 09:10), ist doppelt angebracht und dem Verleger, Herausgeber und Geschäftsführer sehr zu gönnen.

Bei aller Vorliebe für Weihnachtsgebäck, nette Geschichten und Online- Foppereien aller Art, die so schnell fabriziert sind wie sie wieder verrauschen, heißt doch Journalismus was anderes und kostet einfach Geld, ohne ausreichende Chance auf Einnahmen.

In Zukunft geht das nicht mehr ohne öffentliche Förderung, weil sich auch unter Geschäftsleuten, bei jenen, die werben und jenen, die zum Geschäftszweck Medienhäuser betreiben, längst herum gesprochen hat, dass Werbung nur in einen positiven, netten und rein unterhaltenden Umfeld wirkt. Da gibt es dann allerdings kaum noch Auswahl und Abweichung von der Mehrheit, weil die Werbung ihr Geld bei dieser übergroßen Mehrheit einspielt.

Also, gerade wenn es um die Sicherung der Vielfalt neben dem Mainstream geht, müssen neue, eher wie öffentliche Aufgaben wirkende, Finanzierungsmodelle her.

Das Netz, jenes ewige Online, hat sich doch als genau so einfältig erwiesen, wie sehr vieles in der großen Presse und im täglichen TV-Dudel. In ein paar Jahren zahlen wir alle freiwillig so viel wie für drei Wochenzeitungsabonnements an private Netzbetreiber, nur für die Teilnahme an der multiplizierten Belanglosigkeit.

Trotzdem schreiben und reden beide Seiten, Netz und Presse häufig so, als hätten einzig sie den heiligen Gral (S. Lobo, SPON) nicht nur gefunden, sondern kämen auch noch mit den Verletzungen bei dessen Eroberung, es ist im Grunde eine beständige Niveausenkung, und schließlich mit dem Blut in Amfortas Zierbecher (mit Journalismus ist nicht einmal ein Stückchen Brot drin), bestens zurecht.

Das mediale Herzblut aber, das wird dann Blutsaugerei aus dem massenhaften Bedürfnis nach reinster Unterhaltung und Klatsch. 

Für die paar Prozente an Diskurs und Inhalten, die eine Öffentlichkeit am Leben erhalten, müssen schnell ganz andere Wege gefunden werden.

Warum nicht noch mehr öffentliche Förderung, z.B. dafür, unser rudimentäres Wissen um die 9 Nachbargesellschaften mit einer Grenze zu uns regelmäßig aufzubessern? Übersetzungstätigkeiten wären so bezahlbar und  ganze Redaktionstellen könnten so geschaffen werden. Ein sinnvolles öffentliches und kulturelles Interesse wäre damit ohne Schwierigkeiten begründet.

Unsere Tageszeitungen, aber vor allem auch die Wochenblätter, sind doch erschreckend leer, was Informationen aus Polen, Tschechien, Ungarn, Portugal oder Belgien (...) angeht. Dafür lohnten sich EU-Mittel und eigene öffentliche Gelder. Eigentlich müsste jede große Berliner Zeitung mindestens eine Polenredaktion und eine für die Türkei aufweisen. Die meisten Blätter haben aber schon Schwierigkeiten über die USA oder GB reglmäßig Fundiertes zu schreiben. - Zwanglos ließe sich der Kreis erweitern und einmal wenigstens, bedeutete Globalisierung nicht nur einen ökonomischen Vorwand, Löhne zu drücken und Mittelstandsgesellschaften mit einer beständigen dumpfen Drohung zu verängstigen, um sie marktkonformer, rechtskonservativer, populisischer und besser ausbeutbar zu halten.

Beste Grüße

Christoph Leusch

miauxx 15.12.2012 | 22:04

"Das Netz, jenes ewige Online, hat sich doch als genau so einfältig erwiesen, wie sehr vieles in der großen Presse und im täglichen TV-Dudel. (...)"

Mein Gott, Ihr Gequengel über "das Netz" wird nun langsam eine Konstante in Ihren Kommentaren ...

Es gibt nicht "das Netz" als etwas, das ist oder als etwas, das sich als "einfältig erweisen" kann. Und mal Hand aufs Herz: Es tut doch auch keiner (mehr) so, als sei der "Gral" gefunden oder eine wirklich neue Epoche im Miteinander angebrochen, die wir nur noch nicht so richtig greifen können und deshalb einen Lobo u.ä. bräuchten. Die größten Netzenthusiasten von einst sind längst kritischer geworden. Und so lange man mitmacht, ist es doch etwas albern, ständig sein Missgefallen oder eine Dissidenz auszudrücken. Es ändert aber auch nichts, wenn man in diesem Sinne eben meint, nur sehr dünn gestreut Kommentare, dafür aber je im dreifachem Umfang des netzüblichen "TED" (wie Sie immer sagen) und in antiquierter Sprache, absetzt.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will Sie damit nicht in Ihrer Art, hier zu kommunizieren angreifen! Es ist doch schön, dass es eine Breite eben auch im Netz gibt - neben allem anderen und dem Mainstream. Und gerade der Freitag findet heute nun einmal auch wesentlich im Netz statt. Und da haben Sie, wie man sieht und liest, ja auch gar nichts dagegen. Das ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass er, trotz auch auf einem gewissen Niveau geführter Diskussionen und Beiträge, genauso "netzkonform" getwittert, gefacebookt usw. wird. Genauso wie auch hier auf freitag.de die Gesetze und Gepflogenheiten "des Netzes" nicht ausser Kraft gesetzt werden. Da kann man, oder Sie, Augstein Ratschläge geben wie man will. Immerhin: Einiges wird ja gemacht oder ist im Begriff, wie dF eben auch im Netz besonders sein kann, so wie er als Druckerzeugnis besonders ist. Und es ist eben auch so, dass gerade der Netzauftritt mit der spätestens seit WMR entworfenen Strategie das Pfund dF ist. Sie ist die Chance, auch auf den Print zurückzuwirken. Nur wird dF, mit allem Anspruch an guten Journalismus und enger Einbindung seiner Leser und Blogger für gute Gespräche, die Netzwelt unter seiner Domain nicht aus den Angeln heben.

So kann man also am Ende erstmal nur mitmachen oder es lassen. Und wenn Sie gute Texte, Blog oder Kommentar, schreiben, und dF kaufen, ist das doch okay.

Columbus 15.12.2012 | 22:15

Ich gebe ihnen Recht. Aber sie sind lange genug z.B. hier auf dFC unterwegs und lesen doch auch diesen Thread hier. Das Netz ist wunderbar, aber eben nur an manchen Stellen. Die können auch gesucht und gefunden werden. Ich spare mir zukünftig weitere Klagen dazu, dass vorüglich über das Druckwerk und seine Ausgaben gelästert wurde und wird. - Es stimmt schon, wenn sie merken, in den letzten Beiträgen aus meiner Tastatur häufte sich die Kritik  zur Floskel. Mir fiel Neues nun mal nicht ein.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

 

Costa Esmeralda 15.12.2012 | 22:19

ACHTERMANN, ich sehe, dass "Mehr Demokratie" und "Abgeordnetenwatch" scheinbar mit bescheidenen Spendengeldern durch ihre Mitglieder recht gut zurecht kommen. Der Vorteil ist auch die politische Unabhängigkeit von Sponsoren. Wenn wir den Kapitalismus reformieren wollen, kommen wir sowieso nicht darum herum, gemeinwirtschaftliche Geschäftsmodelle zu versuchen. Man müsste prüfen, ob gemeinwirtschaftliches Handeln mit dem dF-Modell kombiniert werden könnte. 

luggi 15.12.2012 | 23:12

Kommentiere doch einfach einmal das richtig, was du geschrieben hast, und lass unbekweme Teile nicht weg

MIAUXX schrieb:

"Klar, oder: möglich. Wobei online ja wiederum Unmengen Strom frisst ... Ist also nicht gesagt, dass es umweltfreundlicher ist."

Klar ... Unmengen Strom ... klar wie miauxx'scher Unsinn und miauxx'sche Unkenntnis. Deine Bestnote in Physik war 4? In Dummdreistigkeit bestimmt 2?

Jakob Augstein 15.12.2012 | 23:21

Vielen Dank für die vielen freundlichen Worte.

Ich erkläre den Fragenden gerne noch einmal die Lage: der Freitag wächst. Jedes Jahr etwa 1000 Abonnements netto. Auch unsere Anzeigenumsätze steigen. Mehr als 30% im vergangenen Jahr, und für 2013 rechnen wir mit noch mehr Wachstum. Aber dennoch sind unsere Kosten viel, viel zu hoch und das Wachstum dauert zu lange. Das macht die Lage so paradox: obwohl wir auf dem richtigen Weg sind, droht uns die Luft auszugehen, wenn wir nicht radikal sparen.

Wer das als Heuschreckenverhalten bezeichnet ist ein Idiot..

Eine kleine Zeitung ohne viel Geld für Werbung braucht leider sehr, sehr, sehr lange, um sich bei den Leuten ins Gedächtnis zu schreiben. Wir sind seit Anfang 2009 mit dem neuen Freitag unterwegs. Das sind vier Jahre. Der alte Freitag hatte leider kaum Bekanntheit, auf die wir gründen konnten. Für die allermeisten unserer neuen Leser, das wissen wir, war der Freitag ein neues, unbekanntes Produkt.

Vier Jahre ist keine lange Zeit. Ich rechne vom Zeitpunkt des Launches mit mindestens sieben, wahrscheinlich mehr Jahren, bis wir kostendeckend arbeiten. Denn nur darum geht es hier: kostendeckend arbeiten. Wer glaubt, mit so einem Projekt ließen sich große Renditen einfahren, ist wiederum ein Idiot.

Springers Welt hat - meines Wissens - nie Geld verdient, die FTD hat nie Geld verdient, ich bin nicht sicher, ob Cicero Geld verdient,  die FR hat lange Verluste gemacht und die taz  hat dreißig Jahre gebraucht, bevor sie einigermaßen sicher dastand. Aber was heisst heute für Zeitungen sicher?

Wir sind also wahrhaftig nicht allein. Aber wir haben, anders als fast alle der eben genannten Medien, keinen großen Konzern im Rücken. Das macht die Lage schwierig.

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren sehr viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Freitag beschäftigt zur Zeit etwa vierzig Leute. Einen Teil dieser Arbeitsplätze müssen wir jetzt abbauen. Ich rede mit dem Betriebsrat, wir suchen Lösungen. Ich bin ziemlich sicher, dass wir weniger als die befürchteten neun Stellen verlieren werden. Aber was hilft das den Kollegen, die jetzt in die Arbeitslosigkeit gehen müssen? Nichts.

Anchesa 16.12.2012 | 00:47

"Wir wachsen, aber wir wachsen zu langsam."

"Wir müssen sparen."

Ja diese tollen Sprüche durften wir uns auch anhören. Insofern hat mich der Titel des Blogs auch erst mal schlucken lassen.

Das was einen wütend macht, ist aber, das vorher bekanntermaßen jahrelang Managementfehler gemacht wurden, die auch immer wieder angemahnt wurden. Und dann dieser Schuß vorn Bug, als käm es so völlig überraschend.

janto ban 16.12.2012 | 01:26

Ich rede mir ja ein, dass die Entlassungen eine ultima ratio darstellen. Allgemeine Optimierung der Ausgabenseite steht normalerweise vor Personalentscheidungen dieser Art. Zumal man - gerade als linkes Blatt - auch aufpassen muss, dass eingekaufte Waren und externe Dienstleistungen nicht von Sittenstrolchen erbracht werden. Wie idiotisch auf der Praktikantenstelle herumgehackt worden ist, haben wir ja gesehen. Alles Schweineblogger :o)

Costa Esmeralda 16.12.2012 | 07:37

Liebe

@OBERHAM

@JAKOB AUGSTEIN

und alle anderen Interessierten an dF:

Die Mitternacht in Panamá lässt mich nicht zur Ruhe kommen, dazu ist das Schicksal der Redakteure zu wichtig, aber auch das Weiterbestehen des dF. 

Wie bereits weiter oben angemerkt, zurück auf deutschem Terrain nach Jahrzehnten im Ausland lebend, habe ich lediglich im "der Freitag" meine Kommentare zu meiner Sicht in Deutschland abgeben können. Andere Zeitschriften wie der Spiegel und die Zeit, die jeden unorthodoxen Kommentar sofort aussortieren, sind entweder direkt abhängig von politischen und wirtschaftlichen Seilschaften, oder wollen sich schlicht nicht-seilschaften-konformen Gedanken verschliessen, aus Angst vor der "politischen Korrektheit".  

Was brauchen wir in Deutschland und was können wir praktisch fúr die Redakteure tun? Bitte nehmt die Vorschläge nicht als Besserwisserei, sondern als die Sorge eines Mitbürgers, der zwar in der Fremde gearbeitet und gelebt hat, der aber trotzdem mit Liebe und auch mit "Hass" an seinem Vaterland hängt und es aus der Distanz mit Leidenschaft beobachtet. Und das nach aktivem Involviertsein in die 68er Bewegung und ihren Nachwehen bis Mitte der 70er Jahre.

Deutschland und die deutsche Gesellschaft braucht aus meiner Sicht eine Reform an "Haupt und Gliedern". 67 Jahre Seilschaftenrepublik hat den Deutschen scheinbar den Mut zur gesellschaftlichen Reform genommen. Der Materialismus hat selbst die HartzIVler und Arbeitslosen zum Kuschen gebracht, an die Mittelklasse und Intellektuellen ist erst gar nicht zu denken. Den meisten Bürgern ist die Angst vor dem Verlust der materiellen Existenz derart in die Knochen gefahren, dass selbst offene Kritik und Diskussion über Gesellschaftsentwürfe jenseits von Kapitalismus und Sozialismus nicht mehr möglich sind. In einer deutschen TV-Show würde wohl kaum jemand Merkel oder Steinbrück ins Gesicht sagen, dass ihre Parteien eine Diktatur über die Bürger ausüben, die lediglich alle vier Jahre Herrschaftsverhältnisse aufs Neue bestätigen sollen. Aber wir alle hier im dF wissen doch, dass der aktuelle Kapitalismus und auch der unselige Sozialismus keine Zukunftsmodelle für unsere Kinder darstellen. 

Wir brauchen ein neues Gesellschaftsmodell, das durch grösstmögliche Diskussion herausgeschält werden sollte. Ein Modell, dass endlich den "mündigen Bürger" Wirklichkeit werden lässt, der aktiv in die Gestaltung seiner Lebens- und Arbeitsverhältnisse eingreift, frei von Angst, ausgegrenzt und materiell "bestraft" zu werden. Zu einem neuen humanistischen deutschen Gesellschaftsmodell gehört auch eine Ethik des menschlichen Handelns, die über die Ethik der Religionen hinausreicht und an Aufklärung und universale Menschenrechte anknüpft. 

Wenn wir tatsächlich der Meinung sind, eine Reform der Gesellschaft herbeizuführen, dann müssen wir auch Offenheit und Zivilcourage an den Tag legen, die von immer mehr Menschen geteilt werden. Ein kleines Beispiel: In den dreissiger Jahren zwischen den beiden Weltkriegen gab es auf den kapverdischen Inseln (damals portugiesische Kolonie des faschistischen "estado novo") eine unregelmässig herausgegebene Zeitschrift "Claridade" (Klarheit). Diese Zeitschrift und das einzige Gymnasium auf den Inseln (in Mindelo) haben in wenigen Jahren eine unabhängige kapverdische Identität gefördert, die Weisse aus der Metropole, Mulatten und Schwarze vom afrikanischen Kontinent zu einer Nation hin entwickeln halfen, deren Unabhängigkeit vierzig Jahre später erreicht wurde. Diese Zeitschrift und die ersten "Intellektuellen" (Schüler des Gymnasiums) waren für die Kapverden so etwas wie die Geburtsstunde für die Unabhängigkeit, so wie die Aufklärung die Geburtsstunde für die Ablösung des Absolutismus war.

Ich stelle mir in Deutschland auch eine Geburtsstunde vor, die zumindest den Beginn einer Reform der Seilschaften-Republik einläutet. Dazu ist eine Zeitschrift in gedruckter und online-Form ausserordentliche wichtig als Kristallisationspunkt einer entsprechenden Reformbewegung. Eine solche Zeitschrift darf vor allem nicht wie das Kaninchen vor den Seilschaften-Schlangen ducken. Die Gedanken sind frei ohne Rücksicht auf materielle "Bestrafung". Nur sollten einige grobe Leitlinien des Inhaltes und auch des menschlichen Verhaltens vorgegeben werden, an die sich die Beteiligten halten, und die als Orientierung dienen. Eine solche vollkommen unabhängige wöchentliche Zeitschrift könnte sich nach einiger Zeit als das Medium etablieren, das allen Menschen offen stünde, die die Notwendigkeit erkennen, aus der leidigen Mediokrität unserer Republik im Sinne eines universalen Humanismus hinauszukommen. Ich bin mir sicher, vor allem bei Existenz einer lebendigen Community, dass nicht nur "gestandene" libertäre, progressive Intellektuelle sondern auch Piraten, Studenten und viele aus der Gruppe der "sozial Ausgegrenzten" eine solche Zeitschrift Woche für Woche kaufen und lesen werden. Auch würden langsam Frustrierte der BT-Parteien ebenfalls dazustossen, bis die Zeitschrift zum Mittelpunkt einer Reform-Bewegung wird. International könnte auch so ein Experiment Schule machen und neue Hoffnung für ein kulturell geeintes Europa machen und europäische Identität und auch Weltbürger-Identität stiften helfen.

Wir brauchen nur den Mut und den Willen zu so einem Projekt, ohne von "Machos" oder "Möchtegernphilosophen" in neue elitäre Fahrwasser zu geraten. Die Zeiten von "Ich-will-hier-rein-Schröder" (Bundeskanzleramt) oder "Turnschuh-Revoluzzer-Fischer" oder anders geschnitzte Grosskopfete sind endgültig vorbei. Die direkte Demokratie in einer Bürger-Republik muss auf gegenseitiger Achtung und Solidarität beruhen, wo jeder wichtig ist.

Frage für mich ist, ob genügend Menschen unter uns zu einem solchen Projekt bereit sind und ob bspw. "der Freitag" mit Jakob Augstein dieses Unterfangen mittragen würde. Wenn dem so ist, sollte dem Projekt nichts im Wege stehen. Es liegt an uns und nicht an den etablierten Seilschaften, ob eine Reform unserer Gesellschaft angedacht und angepackt wird. Wenigstens erst einmal in Form einer Zeitschrift. Was danach kommt, kann nicht vorhergesagt werden. Für die "gefährdeten" Redakteure werden wir uns alle anstrengen müssen, um eine Lösung zu finden und um sie nicht im Regen stehen zu lassen. 

Wenn Ihr meine Idee als Spinnerei anseht, dann vergesst sie einfach ganz schnell. Ich aber meine, so ein Projekt könnte sich lohnen, nicht nur im finanziellen Sinne, sondern vor allem im Sinne der Schaffung einer besseren Zukunft für spätere Generationen. Und dafür haben wir alle eine Verantwortung, die nicht durch Salon-Gespräche oder Ablassen von "intellektuellem Tiefgang" überspielt werden kann.

Noch einen schönen Sonntag für Euch alle vom Pazifischen Ozean, wo wir auch eine fruchtbare Sitzung abhalten könnten.

LG, CE 

PS: Wenn wir so ein Projekt auf die Beine bringen würden, erübrigte sich auch die Frage: "Früher war alles besser?"

Achtermann 16.12.2012 | 07:48

"In Zukunft geht das [= Journalismus] nicht mehr ohne öffentliche Förderung…"

Wie profitieren wir Rezipienten von einem öffentlich geförderten Journalismus? Gucke ich mir die Gremien von ARD und ZDF an, in denen Politiker die Großposten verschieben, bekomme ich leichtes Schaudern ob dieser Aussicht. So wurde der Vertrag des Chefredakteurs Nikolaus Brender nicht verlängert, obwohl dessen Vorgesetzter, der Intendant des ZDF, ihn für den besten Kandidaten hielt. Letztlich war es der damalige Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, der Brender stürzte. Als vorgeblichen Grund nannte er die schwachen Quoten der Nachrichtensendungen. Ich Wirklichkeit war es die politische Grundposition Brenders, der dem CDU-Mann und Parteispendenumdeklarierer  zu sozialdemokratisch war. Nun ist Brender in Rente und Koch ist der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger. Soviel zu den möglichen Folgen des öffentlich geförderten Journalismus.

tlacuache 16.12.2012 | 09:57

Ja, die guten Leute werden in Rente geschickt, die schlechten werden Kanzler oder landen bei der Bahn...

Ach so, wegen den Köchen bei Bauunternehmen:
..."Großbauprojekt auf der Bundesautobahn 1.

Betreiberunternehmen ist die u.a. von Bilfinger gegründete A1 mobil GmbH. Das gebildete Konsortium wird 30 Jahre für den Ausbau und die Erhaltung des sechsstreifigen Ausbaus der Autobahn zwischen dem Buchholzer Dreieck und dem Bremer Kreuz (Hamburg–Bremen) verantwortlich sein.Für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zur Unfallvermeidung kommt der Bund auf. Im Gegenzug erhält, statt des Staates, der private Unternehmensverbund einen Teil der Einnahmen aus der anfallenden LKW-Maut (wie hoch dieser Anteil ist, unterliegt der Geheimhaltung) !!!!!

Mach keinen Koch nach dem Froschkuss bitte (11 Jahre Ministerpräsident eines Landes, also dem Volk verpflichtet und vereidigt, aber jetzt Geheimhaltabgezocke)...

Oberham 16.12.2012 | 11:59

lieber Costa,

wie immer ganz bei Dir - nur ich fürchte die Wurzeln sind einfach schon viel zu tief im Wabberschleim der Gier vorrangetrieben, als dass der Baum sich noch andernorts Lebenssaft erschließen könnte.

Der Baum wird hoffentlich ein gütiges Ende finden.

Mein Angebot für einen chaos - blog steht - bis dato hat sich keiner gemeldet - (auf meinem blog kann man mich kontakten....)

Eine Professorin aus Heidelberg (mir ist der Name entfallen) hielt kürzlich einen guten Vortrag über die Netzöffenltichkeit und die Demokratie in Zeiten den I-N`s.

fahrwax 16.12.2012 | 12:55

Schön das endlich eine Erklärung kommt.

 „Aber dennoch sind unsere Kosten viel, viel zu hoch und das Wachstum dauert zu lange. Das macht die Lage so paradox: obwohl wir auf dem richtigen Weg sind, droht uns die Luft auszugehen, wenn wir nicht radikal sparen.“

 Hoffentlich gibt es noch Butter in Ihrem Kühlschrank?

 Die Fragestellung beim „Freitag“ ist keine andere als die Gesamtwirtschaftliche, die in jedem Haushalt:

Wollen wir für etwas Sinnvolles arbeiten, oder für Geld?

 Die Gegenwärtige Form des Wirtschaftens erlaubt da keine „fremden Götter“. Ohne Geld verhungert jeder fruchtbare Ansatz.

Die Arbeit allein für „Sinn“ ist nur möglich, solange der Kühlschrank gefüllt ist.

 Allerdings existieren Menschen, denen nicht der „gefüllte Kühlschrank“ Handlungsanreiz bietet, sondern das Ideal. Im Maximum führt das bis zum kalkulierten Selbstmord, gegen den das System chancenlos dasteht.  In der Vergangenheit haben Ideale zu Neukreationen der Selbstausbeutung geführt (siehe TAZ u.s.w.), ohne das die Systemfrage ernsthaft zu stellen war.

Wäre es an der Zeit geliebte Besitzstände zu opfern und Ideale über den Kühlschrank zu stellen, statt nur ein ansprechendes Transparent darüber zu hängen?

 Gerade hat Augstein, der Fernsehstar, zu Blome gesagt;“ wir haben uns vom bisherigen Wirtschaftsmodell verabschiedet“.

 https://www.freitag.de/autoren/augstein-und-blome/wie-gerecht-ist-deutschland

 Fein, welches gibt es beim Freitag in Zukunft?

In welcher Form wollen wir schreiben, wenn nicht sogar leben?

Wie gerecht ist es beim „Freitag“?

 Neue Formen wecken bisweilen neue Energien: geht es um Alles, oder um nichts Wichtiges?

Pose, Erbauliches, oder das Leben?

ChristianBerlin 16.12.2012 | 13:00

Auch wenn JA das Problem geschickt fast wegerklärt hat: Der Freitag wächst zumindest langsamer als geplant oder prognostiziert.

Das kann auch an eigenen Fehlern liegen. Ich sähe da vor allem zwei:

1. Einen grundsatzwidrigen Umgang mit Menschen - was zu einem Doppel-Verlust geführt (an Glaubwürdigkeit und einmaligen Human-Ressourcen) und hier offenbar die Erynnien heraufbeschwören konnte (taz- und ND-Berichte).

2. Keine eigene Rechtsabteilung. Es kann deshalb nicht ab und zu gescoopt werden, was bei einer relevanten Zeitung mit dazu gehört.

LG Christian

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 13:57

Sehr geehrter Herr Augstein, liebe Community

 

die hier nachgeschobene Erklärung zum taz-Artikel kann ich weitgehend akzeptieren. Ich verstehe es so, daß das Personal bei dF schneller als die Auflage gestiegen ist bzw. auf ein rascheres Wachstum durch deren breitere Resonanzerzeugung gesetzt wurde – was mir als recht kurzfristige Strategie erscheint, die nunmehr in eine mittel – bzw. langfristige überführt wird. Soweit korrekt?

Dann erscheinen mir Ihre Verhandlungen mit dem Betriebsrat über eine zumindest informelle bzw. auftragsgebunde Bindung der ehemaligen MitarbeiterInnen sinnvoll und konsequent, gleichwohl ich nicht weiss, inwieweit dies intern vorab kommuniziert wurde – ich hoffe dies geschah nicht so wie hier dokumentiert im Nachhinein mit der dF-Leserschaft & Community.

 

Was mich abstößt an Ihrem statement sind die Wertungen:

„ist ein Idiot“ bzw. „ist wiederum ein Idiot“

an dieser Stelle habe ich mir dreimal überlegt, ob ich Ihren Nachtrag kommentiere, denn dieses birgt die Gefahr ebenfalls von Ihnen als Idiot bezeichnet bzw. insgeheim dafür gehalten zu werden, wobei unsereins dem u.U. nur entgeht, weil er hierzulande oder in der dFC nicht als meinungsbildend bzw. relevant erachtet wird?

 

Nun gut, ich oute mich als Abonnent des Freitag und habe betrachte dies nicht nur als Förderung des Projekts, sondern auch als Abgeltung für die redaktionellen Leistungen, eben weil diese sich oft nicht im mainstream bewegen und wichtige Aspekte kritisch betrachten.

Ausgangspunkt meiner Entscheidung den Print-Freitag nicht nur gelegentlich am Kiosk zu erwerben und ansonsten online zu lesen, sondern zu abonnieren, war aber die in Aussicht gestellte stärkere bzw. intensivere Verschränkung von Redaktion und Community.

Diese Aussicht schwand für mich nach dem Relaunch rapide dahin, weil die Online-Verschränkung mangels UserInnen-Kommunikations – und Empfehlungsoptionen praktisch nur rudimentär vorhanden bzw. einseitig (durch email-Anfrage der Redaktion an BloggerInnen ob der als gelungen erachtete User-Blog in den redakt

ionellen Teil verschoben bzw. hervorgehoben werden darf) kanalisiert wurde.

Wünschenswert wäre dem gegenüber, daß der Freitag im linken bis linksliberalen Online-Spektrum, erst recht nachdem die Zeit ihre community zerschossen hat, eine Alleinstellung annimmt und ausbaut – so daß u.U. meinem Beispiel noch andere UserInnen als Abonnenten – d.h. als Förderinstanz der o.g. Verschränkung – gewonnen bzw. geworben werden könnten.

Dafür allerdings bräuchte es neben dem kostenbewussten Willen auch eine positive Voreinschätzung und eine realistische Umsetzungsstrategie.

 

Gefühlt erscheint mir nach dem Relaunch der Traffic und die Zahl der ForistInnen ganz erheblich zurückgegangen zu sein. Noch ausgeprägter bzw. leichter als zuvor, erreichen beim Kommentar-Ranking die bekannten „Power-User“ die high-scores – wobei ich in deren Kommentarspalten auch immer wieder die gleichen UserInnen mit in der Zahl und/oder Länge oft ausufernden postings wiederfinde, ganz so, als handle es sich um eine sich selbst befruchtende Gemeinde.

Das ist dann ein Online-Terrain, das für newbies oder Gelegenheits-User unübersichtlich und wenig transparent ist, zumal nicht selten Privatfehden die Diskurse durchziehen oder als wechselseitige Seitenhiebe überlagern.

 

Demgegenüber erhalten gute redaktionelle oder Blog-Beiträge neuer UserInnen vergleichsweise eine äußerst geringe Resonanz, weshalb das rein quantitative scoring bzw. ranking für mich keine Orientierung darstellt – sondern nur noch als Indikator für den neuesten Aufreger in einer mir nach dem Relaunch zusehends geschlossen erscheinenden community, die offenbar wenig Impulse in die Redaktion, aber auch nicht ins Forum, zu senden imstande ist.

Wünschenswert wäre dem gegenüber eine Hervorhebung von Blogs nach Qualität der Beiträge und Kommentare,womit dann u.U. auch wieder UserInnen angezogen werden könnten, die sich nicht durch seitenlange Kommentarspalten ohne Diskussionsfaden quälen wollen, sondern stärker ausgeprägte inhaltliche Interessen mitbringen.

 

Tatsache ist wohl, daß eine stärkere Verschränkung von Redaktion und Community nur qualitätsorientiert Sinn macht und durch die dadurch erzeugten Resonanzwellen auch eine monetär relevante Win-Win-Situation erzeugen kann. Dann wäre – neben einer zielorientierten redaktionellen Kritik der Community und umgekehrt – die Schaffung transparenter Kriterien für gute Blog-Beiträge wichtig, die dann auch von einzelnen RedakteurInnen punktuell entsprechend kommentiert werden sollten – sonst gelangt die Attraktion des Verfahrens für die Blog-Schreibenden – und Lesenden zu schnell in den Sog der mainstream-Mühle, d.h. ohne redaktionelle Stützung wird die Aufmerksamkeit für interessante Beiträge wie gehabt nur eine kurze Standzeit haben, d.h. für besagte Heuschrecken anfällig werden – was, nach meinem Eindruck, für Abonnenten wie für Werbekunden ganz ähnlich, oft der entscheidende Indikator für eine Mitwirkung bzw. Investition ist.

 

Anders bzw. ganz kurz ausgedrückt, betrachte ich mich als Abonnent als eine Art Mini-Sponsor des Freitag und würde mich als Werbekunde bzw. Investor angesichts des in Online – Zeiten fragil gewordenen Geschäftsmodells einer Print-Wochenzeitigung auch etwa zur Hälfte als Teil des Sponsor-Pools betrachten.

 

Daher verstehe ich Ihr „wir müssen sparen“ in erster Linie aus einer Perspektive, die im Blickwechsel einzunehmen evtl. hilfreich wäre – was meinen Sie bzw. das Forum?

 

Ideefix

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 14:57

Hallo Achtermann,

ja, es gibt die Rubrik Empfehlungen und das ist schon was.

Drei Blogs, aktuell insgesamt 11 comments.

Gemeint war, daß das Kommentar-Ranking oben rechts im Layout dazu eine Differenz bzw. Konkurrenz des Beachtenswerten aufmacht, der sich durch den ganzen Web-Auftritt zieht.

Für mich wäre es ausreichend, wenn man das quantitative Kommentar-Ranking auf die Hauptseite der community beschränkt und optisch vom redaktionellen Teil trennt.

Nach meinem Eindruck erhalten mehrheitlich community-blogs weit höhere Kommentarhits als die redaktionellen, was gefühlt an der Schlagzahl (posting-Häufigkeit) einiger weniger - dafür umso präsenterer - UserInnen liegt, die damit - blenden wir qualitative Aspekte da mal wertungsmäßig aus - einen Aufmerksamkeitsbonus erheischen, der bei näherer Betrachtung oft nur schwer ins Verhältnis zur inhaltlichen Bedeutsamkeit zu setzen ist.

Dagegen finde ich so wichtige Fragen wie die in diesem thread Erörterten nicht auf der Startseite noch (nicht) im Ranking.

Diese Auswahl, finde ich, sollte man nicht einer Server-Routine überlassen, das hinterlässt den Geschmack von Gleichgültigkeit - d.h. es ist schon eine Frage inwieweit die optische Präsentierung von für wichtig oder bedeutsam erachteten Fragen / Themen redaktionell gesteuert wird oder nicht - meine ich.

Gruß Ideefix

Magda 16.12.2012 | 14:59

„ist ein Idiot“ bzw. „ist wiederum ein Idiot“

Mir hat das gerade gefallen, aber ich weiß nicht, ob ich damit Herrn Augstein einen Dienst erweise. Ich bin ja sowieso gern ein bisschen zänkisch. Wenn man die hier und anderswo die z. T. abgesonderten Manifeste, Rettungspläne- und -erörterungen liest, kann man schon zu harten Worten kommen. Von daher fand ich das richtig gut, vor allem, weil es bei ihm selten vorkommt. :-))))))

 

 

 

Columbus 16.12.2012 | 15:04

Das stimmt, Herr Achtermann, was die Gremienkontrolle (Fernesehräte, Freundeskreise) und weitere indirekte Versuche der Politik angeht, Einfluß zu nehmen. Das ist furchtbar. Der Hess.R. ist ein Paradebeispiel und hat daher auch, z.B. an der Aufklärung der Polizeiskandale und der Steuerfahnderaffäre, an der Wolski-Geschichte, kaum einen Anteil. Ausgerechnet die FR, das Blatt mit den meisten Meriten in diesen Angelegenheiten, ist nun pleite.

Auch die Überwertigkeit des Starkults und der Sieg des Unterhaltungs (einschl. Talk)-Moderatoren- TV mit Eigenfirmen und zusätzlicher Werbevermarktung des TV-Ruhms, sind schlechte Entwicklungen. -Da stehen oftmals Preise und Leistungen nicht mehr in einem gerechten und angemessenen Verhältnis.

Aber das öffentlich-rechtliche System sichert immer noch viel Qualität. Paradox ist, dass alle Qualitätsinhalte der Sender zusammen nur einen verschwindenden Bruchteil der 8 Milliarden €/Jahr öffentliche Gelder verschlingen, die in den Töpfen der ö.r. Anbieter landen.

Der Trick um das zu rechtfertigen, ist der TED und die Quote. Dazu darf ich aber nichts mehr sagen, bzw. habe ich schon genug zu geschrieben, und geschäftlich das Muster der Auslagerung der Produktionen in private Firmen, plus Zwischenhandel über ein Medienmanagement, die ebenfalls damit verdienen, die von und mit bekannten  ö.r. Mitarbeitern oder Ehemaligen betrieben werden.

Maxime: Wir produzieren nichts selbst, heißt es dann, wir müssen alles einkaufen.

Fernsehen ist nicht Presse. Eher schon vergleichbar, die Arbeit der Radio-Redaktionen (Da arbeiten, nach meinem Dafürhalten, die besten und inhaltsorientiertesten Politik -und Kulturjournalisten, selbst wenn sie nun nicht auf meiner privaten Meinungslinie segeln).

Die öffentliche Finanzierung der Telemedien wird heute meist nach Proporz verteilt, aber die sehr geringen Pressesubventionen nach thematischen Kritierien.

Bsp.: Übersetzertätigkeit aus der Auslandspresse, bzw. Kooperation der Presseeinheiten auf europ. Ebene. -  Es gibt da doch Maßnahmen, die völlig unabhängig von jeglicher politischer Farbe, einen tiefen Sinn haben.

Ein anderes, denkbares Feld wäre, fundierte Berichterstattung über Theater und Museen zu fördern, weil da der Anteil der öffentlichen Verantwortung noch groß ist und die Kenntnisse zu dieser sehr typischen und vielfältigen Welt, trotz beeindruckender Besucherzahlen (für die Highlights) im Schwinden begriffen sind.

Das macht auch aus uns Kulturgeneigte mit der Zeit zu Deppen, dazu keine fundierte Information mehr zu erhalten. So verstehen wir weder die Aufführungen, noch entwicklen wir einen Wunsch dazu, weil alle unsere Maßstäbe aus einer doch schon alten Prägung aus Kindheit, Jugend und erweiterter Adoleszenz herrühren. Das erzeugt auf Dauer Kulturbanausen. - Dagegen anzuarbeiten, rechtfertigte auch eine öffentliche Föderung.

Ein rein privat organisiertes Presse-Informationssystem für alle Bereiche sähe bestimmt nicht besser aus. Sie und ich, wir wissen eigentlich, was sich dann durchsetzt.

Aber hier geht es ja um den dF. Und da mögen die Vorwürfe an die Adresse Augstein (möchte nur Profit, ist ein Hire-and fire man, Freitag ohne "der" war lebensfähig und der Zukunft zugewandt) ja zur Zeit wohlfeil sein, aber sie sind nicht wirklich berechtigt.

Ebenso ist mir klar, dass vom Print-Zeitungsmarkt, mit oder ohne Web-Double und/oder Online-Seite der Leser- und Privatpublizisten (der Freitag will ja hoffentlich noch ein Schrittchen mehr), sollte es einzig und allein privatwirtschaftlich weiter gehen und sich an der allgemeinen Wirtschaftsform und Finanzierung nichts wesentlich ändern, nur noch die sehr großen Titel der Verlagskonzerne und deren spezielle Ableger übrig bleiben, bei denen sich dann die Leserschaft, die überhaupt noch auf diese Art Information Wert legt, sammelt. Warum? Die Gewinne dort stimmen, marktwirtschaftlich betrachtet, und die Unternehmer-Verleger verfügen über ausreichend Manövriermasse, um die Firmenprojekte flexibel atmen zu lassen.

So schnell, da bin ich mir sicher, geben hier beim dF weder die Redaktion, noch der Verleger auf. Es geht weiter mit dem Projekt.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

janto ban 16.12.2012 | 15:38

| Wollen wir für etwas Sinnvolles arbeiten, oder für Geld? |

Als außer-SPD-licher Sozialdemokrat und Lohnarbeiter kann ich da nur die Hände über'm Kopf zusammenschlagen. Oben schreibt C. Esmeralda, den Bürgern sei die Angst vor dem Verlust der materiellen Existenz in die Knochen gefahren. Entschuldigung, aber das kenne ich gar nicht anders. Keine Ahnung, aus was für Familien ihr alle kommt. Wenn bei uns früher die Waschmaschine den Geist aufgab, war Holland in Not. Heute rennt man einfach los und holt sich nullzinsfinanziert 'ne neue. Ich fahre Putzsachen aus für mein Geld. Kann ja sein, dass das keinen Sinn macht. Dann lasse ich es, und helfe, Herrn Augstein durch's Dorf zu treiben. Ist das sinnvoll? Entweder was Sinnvolles oder Geld (zur Sicherung der materiellen Existenz). Leute, Leute. Da wird geredet, als ob die Menschheit es beiläufig und ausschließlich mit Vergnügen ins 21ste Jahrhundert geschafft hätte. Was hast du mit den einst so stolzen Arbeitern gemacht, Ursula? Oder war das der Gerhard?

snow_in_june 16.12.2012 | 15:48

Liebe Magda,

dass selbst Sie auf diese Community-internen Beschimpfungen einschwenken bzw. sich mit diesen solidarisieren, finde ich deprimierend.

Ja, ich sage: "selbst Sie", weil ich Sie eigentlich als jemanden einschätze, der mit Sachlichkeit die Community positiv beeinflussen könnte.

Können solche Beschimpfungen jemals zu irgendetwas führen bzw. die Community voranbringen? Ich meine nein.

Gruß, Snow

Achtermann 16.12.2012 | 17:15

"Liebe Magda, dass selbst Sie auf diese Community-internen Beschimpfungen einschwenken bzw. sich mit diesen solidarisieren, finde ich deprimierend."

Entschuldigung, dass ich mich einmische. Man muss doch nicht gleich in eine Depression verfallen, wenn die Position einer Bloggerin unpassend erscheint. Sie unterstützt Augstein, so versteh' ich das, der diejenigen, die ihm kenntnisfrei Mieses und Bösartiges unterstellt haben, in einem zusammenfassenden Begriff  Idioten genannt hat. Dieses Wort steht im Grunde als Synomym für Laien. Laien, in dem Sinne, wenn nicht argumentiert, sondern aus dem Bauch heraus politisiert wird, um die betreffenden Einlassungen mal positiv zu umschreiben. (Beispiel: "Selten so einen Heuchler gesehen.") Manchmal hilft wohl nur eine klare und eindeutige Ansprache. Ein psychologisierendes Herumgeeiere nutzt in so einem Fall nichts mehr.

Achtermann 16.12.2012 | 17:39

"Nach meinem Eindruck erhalten mehrheitlich community-blogs weit höhere Kommentarhits als die redaktionellen…".

Das mag stimmen. Die Blogger, die sich um ihren Thread kümmern, erzielen eine höhere Schlagzahl. Bei Bloggern, die nur ihre Texte abliefern, das gilt auch für den Redaktionsbereich, kommentiere ich seltener, wenn überhaupt. Ich will ja diskutieren!

Nach Qualität zu sortieren, halte ich für problematisch. Wer kann das schon? Wenn ich auch deiner Meinung bin, dass die Empfehlungen der Redaktion prominenter platziert gehörten. Die Quantitätshitparade, bei der ein :-) genau so gewichtet wird wie ein 30-zeiliger Diskussionsbeitrag hat ihre Schwächen. Ich war mal in einer Community, da rückte der zuletzt kommentierte Beitrag an die erste Stelle. Ein Ranking gab es da nicht.

MopperKopp 16.12.2012 | 18:00

Da liegt einem ja fast die Frage auf der Zunge: "Alles Idioten hier?", aber ich kann mich beherrschen.

Das ist beinahe wie 1914, im Kriegsfall versammeln sich alle unter der Flagge und es gibt nur noch Freund oder Feind, differenziertes Denken ist das zweite Opfer, gleich nach der Wahrheit.

Diese Haltung, das Zusammenrücken alter Gefährten, man tröstet sich, verharmlost Fehler oder sucht sie gleich beim bösen Anderen, man beschwört die alten Götzen, diese Haltung, bei der sogar der Begriff Idiot verniedlicht, beinahe in eine Auszeichnung umgedeutelt wird, obwohl mir ein herzhaftes Schimpfwort lieber ist als verlogene Anbiederei, diese Haltung ist möglicherweise verständlich aber ob sie für ein Medium, welches Meinungen widerspiegeln will, unterschiedlichste Meinungen, hilfreich ist, das ist doch eher fraglich.

Natürlich ist es ein Aufreger, wenn in einem Medium mit diesem Hintergrund, mit entsprechenden Lesern und Kommentatoren, Entlassungen vorgenommen werden. Das ist keine Kleinigkeit. Und natürlich geht es da hart her, es geht immerhin um Fragen der Lebensgrundlage.

Und dass genau diese harten Auseinadersetzungen hier im Freitag stattfinden können, ungeschminkt, unzensiert, ungekürzt, das ist ein Glaubwürdigkeitalleinstellungsmerkmal sondergleichen in der Medienlandschaft.

Man kann all das auch zukleistern, wegschminken, unkenntlich machen, in Wohlgefallen auflösen, sich schönreden, hinter scheinbar "konstruktiver" Kritik verstecken, verspielt damit allerdings genau das, was den Freitag auszeichnet. Und das können doch nur Idioten wollen, oder?

FrWeichelt 16.12.2012 | 18:45

Lieber Herr Augstein! Ich finde es feige, wenn man hier nicht den Mut findet, auch den Lesern und Abonnenten reinen Wein einzuschenken. Aber geschenkt. Wenn ich die Artikel in der TAZ und im ND richtig verstehe, planen Sie eine weitere Entpolitisierung des "Freitag". Reduzierung des Politik-Teils? Wohin soll das führen? Warum soll man dann die Zeitung noch lesen? Hier fand man wenigstens immer Artikel zu Themen, die der kurzatmige Journalismus ausblendete. Ihr Alltagsteil ist für mich überflüssig. Boulevard, selbst alternativer Boulevard und Lifestyle machen andere besser. Dazu brauche ich nicht den Freitag.

Und bei aller Liebe zum Internet und für die Community: Auch die Journalisten, die für die Intenetseiten des Freitag schreiben, müssen von etwas leben und das mit Geld bezahlen. Sie erbringen eine Leistung und die muss auch bezahlt werden. Es war sicher ein Fehler des Freitag, hier alles umsonst anzubieten. Vielleicht hätte man genau hier mal alternativ sein sollen: Wer hier lesen will, muss auch zahlen! Bei der "Welt" funktioniert das übrigens. 

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 18:50

Hallo Achtermann,

Es geht nicht nur darum, daß die Blogger, die sich um ihren Beitrag „kümmern“ eine höhere Schlagzahl erzielen – es geht vielmehr darum, wie das ranking im Auge des Betrachters wirkt, d.h. welche „Aura“ diese z.T. durch Kurzbeiträge des/der Bloggenden in der Quantität künstlich gesteigerten Zahlen in einem Online – Medium erzielen, wenn diese an herausragender Stelle, nämlich auf der Startseite u.v.a. vor den redaktionellen Inhalten und den empfohlenen Blogs präsentiert werden.

Das ist schlicht ungeschickt und für viele Auseinandersetzungen, die das Medium auf beiden Seiten voranbringen könnten, schlicht unproduktiv.

Ich pflichte dir bei, wenn du sagst, du möchtest in erster Linie diskutieren. Aber der von dir aktiv verfolgte Diskurs ist – wenn du bspw. von 150 um die 30 kurze Beiträge schreibst – deinerseits gepusht, auch wenn das gar nicht deine Absicht ist.

Auf der anderen Seite lädt das zum Mißbrauch bei UserInnen ein, die das dFC als Spielwiese für ihre Eitelkeiten oder zum Wegfischen auf ihre eigene Site nutzen.

Ehrlich gesagt, frage ich manchmal schon, wieviel Zeit manche UserInnen haben, soviel zu bloggen und zu posten – und ob da nicht noch ein anderes Interesse als die Klärung von Inhalten und Fakten in thematisch verortbaren Kontexten dahinter steht.

 

Ich bringe nochmals die zerschossene Zeit-Community in Erinnerung, wo dieses Platzhirschentum einiger ForistInnen – die hier auch bekannt und nicht selten aktiv sind – m.A.n. dazu führte, daß der Aufwand auf Seiten der Moderation / Redaktion bei der Pflege der reinen Online-Seiten in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag – d.h. weniger im Hinblick auf die page impressions als vielmehr mit Blick auf die zunehmenden Ausuferungen und Entgleisungen in Gestalt von Privatfehden konkurrierender Bloggerfraktionen und Einzelpersonen – stand.

Da hatte sich eine Eigendynamik entwickelt, die es neuen UserInnen unglaublich schwer machte einzusteigen geschweige denn den Diskurs-Faden verfolgen zu können.

Im Hintergrund wurden zugleich die Redaktionsteile ausgemustert, die zuvor aus dem Online-Blogger-Bereich angeworben wurden, da sie einen Haufen Follower und einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Bloggerszene mitbrachten. Warum? Deren Engagement hat sich weder für den Webauftritt noch für die Printausgabe ausgezahlt – meines Erachtens auch nicht in inhaltlicher Sicht.

Kurz: die sog. digital Natives sind im reallife nicht gerade produktiv und die Qualität lässt häufig zu wünschen übrig.

 

Womöglich leitet Augstein mit seiner radikalen Personalreduktion einen ähnlichen Kurswechsel ein, der u.U. auch Einschränkungen in der dFC zur Folge hat, der relaunch war evtl. erst der Anfang...

Ist aber reine Spekulation...

 

Wünschenswert wäre demgegenüber, daß die dF-Community – insbesondere die um sich bzw. ihre Kleingruppe kreisenden Vielschreiber – mal in sich gingen und scannen, wie viele neue User bzw. weniger aktive UserInnen sie auf ihre Beiträge versammeln und ob es wirklich sinnvoll ist, für immer die gleiche Zielgruppe bzw. ihre angestammte Gemeinde zu schreiben und mit dem Modus „unter uns gesagt“ ein comment-hit-ranking zu generieren, das lediglich den eigenen Tellerrand markiert.

 

Das meine ich u.a. mit qualitativen Überlegungen. Wenn ich immer dieselben Leute erreiche oder provoziere, dann wäre darüber nachzudenken den Adressaten – und Themenkreis für die eigene Bloggerei mal zu modifizieren.

Und was das Diskursinteresse betrifft, meine ich auch, daß Debattiererei kein Selbstzweck ist und nur kurzzeitig der persönlichen Befriedigung dienen kann. Wo aber Letzteres dominiert, da schließt es Neuankömmlinge und Interessierte oft schon von der angeschlagenen Tonart her aus.

 

Wenn also bei dF gespart werden muß, dann wäre auch zu überlegen ob weniger nicht manchmal mehr sein kann, wenn denn die anvisierte Richtung richtiger und erfolgversprechender ist.

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 19:34

" Nach Informationen aus der Redaktion wird auch das Online-Prestigeprojekt von der Krise betroffen sein"

http://www.neues-deutschland.de/artikel/807245.augstein-greift-zum-rotstift-bei-der-freitag.html

Ach, der neue Chefredakteur von ND heißt Strohschneider - war der nicht auch mal bei der taz und beim Freitag?

naja, bei ND gibt es ja noch andere Geldquellen und die taz kann sich dank der Etablierung ihrer grünalternativen Klientel inzwischen auch vergleichsweise noch ganz gut halten.

Aber daß der Freitag für Augstein nur ein Steigbügel bzw. Sprungbrett gewesen sei, das ist eine steile These...

Nun ja, taz und ND teilen sich mit dem Freitag eine ähnliche Zielgruppe - die einen eher in West-D, die anderen eher im Osten.

Der Freitag steht - als ehemalige Ost-West-Zeitung - irgendwie dazwischen und kommt womöglich zwischen o.g. Publikationen unter die Räder, weil deren Chefredaktionen womöglich meinen, daß eine linke bzw. linksliberale Wochenzeitung doch überflüssig sei, da es ja linke Tageszeitungen gäbe, die das gleiche Spektrum abdecken...

So lese ich diese nicht gerade erstaunlichen Beiträge von diesen Seiten, die weniger berichten als vielmehr subtil kommentieren.

 

Berufsjugendlicher v2.0 16.12.2012 | 20:39

In Österreich hat "der Standard" eine klare Trennung zwischen Print und Online-Version. Von letzterer gibt es eine reine Frauenausgabe - von Frauen für Frauen - "dieStandard" und eine für Migranten "daStandard".  Die Diskussionen in "dieStandard" waren so belastend für die Macherinnen, das sie einen Forumsfreien Tag eingeführt haben:

     Halts Maul, User!

Interview mit Birgit Tombor über den „Forum-freien Tag“ bei diestandard.at
http://www.malmoe.org/artikel/widersprechen/1816

Es gibt also durchaus funktionierende Beispiele für die Entkopplung von Online-Community und Print. DerStandard bekommt die zweithöchste direkte Förderung in Österreich, würde in Deutschland mit indirekter Förderung nach meiner Schätzung deutlich mehr bekommen. DerStandard hat eine 5mal größere Auflage als der Freitag, die Redaktion  ist viel größer, er scheint zu wachsen aber es sind auch Entlassungen im Gespräch.  In Österreich werden auch erhebliche Erhöhungen der Presseförderung gefordert, gerade im Vergleich auf wesentliche höhere Beträge in der Schweiz und Deutschland, wenn auch bei indirekter Förderung. Inwieweit ausgebaute Online-Foren dem Standard mehr Mittel reinspülen, habe ich nicht rausbekommen. Die Geschichte der als linksliberale geltende Zeitung liest sich im Vergleich mit dem Freitag schon interessant, aber die Printausgabe würde hierzulande keine Design-Preise bekommen, ist halt 'ne Zeitung :)

 

Über die Pressekrise im deutschsprachigen Raum habe ich von dem östtereichischen Portal malmoe auch was gefunden, was der Reflektion dienlich sein kann:

Kritik in der (Medien)Krise
http://www.malmoe.org/artikel/alltag/1784

 

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 21:11

*kicher*

oh ja, sich noch enger am standard orientieren, wäre sicherlich höchst unterhaltsam, ...

sie versuchens ja schon, das guardian-dingens und nun auch so in der moderation... beim standard konntest dir mit der zeit n spaß draus machen, entsprechende commentare unterbringen zu wollen, je nachdem, wer grad schicht schob/schiebt...

aber nee, also diese sogutwielive-berichterstattung, die fehlt hier noch, die is echt toll aufm standard, vor allem, wennde die jeweiligen fassungen der artikel nach zeit geordnet aneinanderreihst... einen tag lang, sicherlich ein libyen-tag lang wars hölle-witzig, du kamst ausm lachen nicht mehr raus, akutentscheidungen zu richtig, richtiger, besser falsch oder fälschender, nein doch lieber noch ne andre version oder öhhm, nehm wa wieder die von vor zwei stunden ? öhhm, nee, halt, ich hab ne idee und dpa macht mit, schaut, nu korrigiern wir so... oh shite, dpa hat zurückgezogen, okay, wartemal, dann...ähhm... hu... also, der guardian schreibt, ähhm, dann, öhh, nuja, ändern wir halt nochmal und...ach scheiße man, jetzt löschen wir dat ding...

urkomisch...

ja, der freitag sollt an solchem witz genesen können, keine ahnung, ob solcherlei humor teuer is, aber muß ja nich das standard-personal eingekauft werden für, denk, das bekommt der/die eine oder andere freitäglich angestellte schon noch hin, das wär schön, ernsthaft, das wäre die art von unterhaltung, die der augstein meint, bin ich sicher...

 

 

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 21:21

das mag sein, was du beschreibst. Ich treibe mich da nicht rum, ich lese gelegentlich die Print-Ausgabe des Standard und befürworte ungeachtet deiner Beschreibungen eine klare redaktionelle Linie im Umgang mit der Online-Community - worin du mich letztlich bestätigst.

Ansonsten hatte ich ja bereits zuvor meine Zweifel an der Übertragbarkeit ausgedrückt und meinen zu geringen Informationsstand bzgl. Online-Ausgabe des Standard erklärt.

Insoweit geht deine unterhaltsame Kommentierung dann doch ins Leere, fürchte ich.

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Ehemaliger Nutzer 16.12.2012 | 21:27

oh, die klare linie ist eindeutig ein mißverständnis, deshalb macht der standard ja spaß. wenn mensch solchen mal kurz wegen weltschmerz uä nötig hat, die moderation ist sehr unklar...naja, solange bis mensch das schichtsystem erkennt, dann weißte halt, daßde dies und jenes besser zu dieser jener zeit anbringst, andres zu andren, je nachdem, wer schieben muß grade...

der standard ist das offensichtlichste beispiel im deutschsprachigen raum für das umschalten auf gleichschalten, du konntest im letzten jahr wirklich erlesen, verfolgen, "wolangs geht" , gehen soll ...

vor zwei jahren war das noch etwas anders, soweit ich mitbekommen habe ...

Berufsjugendlicher v2.0 16.12.2012 | 23:19

Ja, lese ich so.

Der Auftritt der Online-Ausgabe der Printversion ist hinter einer Paywall, Kommentare sind aber auch möglich, aber ich weiß nicht, ob die im Forum sichtbar sind.

http://www.derstandarddigital.at/

 

"Im Jahre 1995 wurde derStandard.at als erster Webauftritt einer deutschsprachigen Zeitung errichtet. Dieser verfügt über eine eigene Redaktion – obgleich die Inhalte der Printausgaben ebenfalls online veröffentlicht werden – und wird heute von der Bronner Online AG betrieben, die mit der STANDARD Verlagsgesellschaft gesellschaftlich verwoben ist."

bzw. (dem Link derStandard.at folgend):

"derStandard.at wurde als Webauftritt der österreichischen Tageszeitung Der Standard gegründet, wird jedoch heute als eigenständiges Nachrichtenportal von der derStandard.at GmbH betrieben."

Columbus 17.12.2012 | 01:39

ad ChristianBerlin 16.12.2012 | 13:00

Lieber Herr Berlin,

Was meinen sie mit „grundsatzwidrigem Umgang mit Menschen“? Gerade wenn sie das so dahinschreiben, müssen sie schon klar und eindeutig sagen, auf was sich das bezieht.

An wem wurde oder wird grundsatzwidrig gehandelt? Etwa an Herrn Stohschneider, der nun Chefred. eines anderen Blattes ist und das wohl auch wünschte? - Wurden Mitarbeiterentscheidungen unfair und unverantwortlich getroffen?

Ich bedauere auch so manchen Weggang beim dF. Die Wissensseite (Zinkant) hatte ein gutes Herz, einen hellen Verstand und eine gehörige Portion Ironie. Strohschneider fehlt mir als Schreiber der sich bei Linken und grundsätzlich um die Berliner Republik herum gut auskennt, und aus vergangenen Zeiten erinnere ich so manches aus der Feder der ehemaligen HerausgeberInnen oder von Thomas Rothschild, wohingehen ich persönlich auf fast jeden Schreibsatz Magnus Klaues und jene des Herrn Busche, glattweg verzichten könnte. - Sie werden trotzdem gedruckt!

Das ist eben das Schicksal einer jeden Publikumspresse, die auch ja nicht dazu da ist, mein persönliches Sektierertum zu befördern, auch wenn ich bei Gelegenheit kräftig motze, die ständig wählen und auswählen muss, für den stets knappen Raum im Druckwerk.

Ich wünsche mir weiterhin eine dFC- Seite im Blatt. Aber auch diese Utopie wird nicht durch menschliche oder prinzipielle Grundsatzwidrigkeit der dF-Leitung verhindert, sondern durch den freien Willen dieser Entscheider, die ihr professionelles Medienangebot machen müssen und damit entweder erfolgreich sind oder eben eingehen.

Wurde aber wirklich irgendwo gegen Mitarbeiter oder Autoren sozial und rechtlich gesündigt? Haben sie da mehr Wissen, als nur bloße Vermutungen?

 Wieviele Stellen würden sie denn für eine eigene Rechtsabteilung abzweigen, beim klammen dF?

Warum braucht man für einen Scoop eine eigene Rechtsabteilung und was wäre denn ein solcher Scoop? Wer sollte ihn liefern, von wem wäre er zu erwarten? Ich bin ja Laie, sie der Journalist. Vielleicht können sie mich aufklären.

 Ich frage mich so manches Mal, ob solcherart Kommentare denn auf irgend einem Urgrund an Fakten ruhen, oder ob es reicht einfach ´mal Verdächte zu äußern? Folgte man dieser Logik, müsste man von Augstein und Co. konsequent böse denken.

 Beste Grüße

Christoph Leusch

 

Costa Esmeralda 17.12.2012 | 04:01

Lieber

@OBERHAM

es scheint mir auch, wie IDEEFIX sagt, dass in dFC Grüppchenbildung und Konversation unter Gleichgesinnten (auf möglichst "gehobenem" und "geistreichen" Niveau) Vorrang vor konkreter Auseinandersetzung über gesellschaftlich wichtige Themenbereiche haben. Aber vielleicht stelle ich auch zu hohe Ansprüche an die dFC bzgl. gesellschaftlicher Veränderungen, die mir angesichts des derzeitigen Zustandes der Seilschaften-Republik absolut vorrangig erscheinen. Es tut mir nur immer wieder leid zu sehen, wie Menschen, die sich für sinnvolle gesellschaftsfördernde Arbeit einsetzen, durch den "wirtschaftlichen" Zwang im Regen zurückbleiben.  

tlacuache 17.12.2012 | 11:16

Bei Bloggern, die nur ihre Texte abliefern, das gilt auch für den Redaktionsbereich, kommentiere ich seltener, wenn überhaupt. Ich will ja diskutieren!

Da nehme man nur mal die Zinkant, die ja jetzt scheinbar abgewandert ist.

Schoene Beitraege, aber am Schluss kamen nur noch im Schnitt 8 Kommentare, nicht, weil der Artikel an sich schlecht war, aber wenn man dann mal selber 6 Stunden recherchiert hat und es gibt keine Antwort, verliert man die LUST weiterzurecherchieren...

 

tlacuache 17.12.2012 | 11:22

"Sie erbringen eine Leistung und die muss auch bezahlt werden. Es war sicher ein Fehler des Freitag, hier alles umsonst anzubieten. Vielleicht hätte man genau hier mal alternativ sein sollen: Wer hier lesen will, muss auch zahlen! Bei der "Welt" funktioniert das übrigens."

Ich bin nicht bei der "Welt" und lese sie seid 25 Jahren nicht mehr, und die Beitraege / Artikel kann man getrost die Klospuehlung runterspuehlen, Sie Finanzmodellvorreiter, dann lieber Pleite und ohne "Freitagscommunity"

anne mohnen 17.12.2012 | 11:27

Die Fragen, die Columbus hier stellt sind auch meine Fragen an Dich, lieber Christian

Grundsatzwidriger Umgang mit Mitarbeitern : Worin bestünde der dann? Und sehen die Enteilten das auch so? Wir wissen es nicht; sie haben sich noch(;))) nicht dazu geäußert. Oder?

Scoop: Frau Winckelmann hat doch im Umgang mit dem Sarrazin gezeigt, dass eine Zeitung Themen setzen kann, die dann auch ausstrahlen. Sie bekam ja sogar einen Preise dafür. Danach lagen z.B. die Ossis auf der Couch, das wa  kein Burner ;)

Der Weggang von Frau Zinkant: ist mehr als bedauerlich. Doch warum gehst Du in einem anderen Blog darauf ein, in dem es angeblich um „Hartz IV“ geht, hm? Da Frau Zinkant nun für einen großen Verlag arbeitet, ist dieser „Sendeplatz“ schon deshalb nicht der denkbar ungeeignetste? Wollte Frau Zinkant sich einfach nur finanziell verbessern, wollte sie sich weiterentwickeln in einer Weise, die ihr beim dF nicht realisierbar erschien? Das wäre doch alles legitim, lieber Christian? Oder fühlte Frau Zinkant sich in ihren Leistungen von ihrem Arbeitgeber und der Chefredaktion anerkannt – wer weiß es? Mein subjektiver Eindruck war, dass die Wissensartikel, Zinkants exzellente Kolumne, immer zuletzt  bzw. erst Dienstags online gestellt wurde, mit der Folge, dass nur sehr wenige kommentierte Einlassungen zu den Beiträge der Wissensseiten auf der Leserseite erschienen. Seit diesem Frühjahr ist mir dies negativ aufgefallen. Ich fand das schade, weil Frau Zinkant in der Lage war, Woche um Woche, um Woche Qualität abzuliefern.  Wollte man damit nicht wuchern? Wer kennt auch hier die Interna?

Fakt ist: Frau Zinkant leitet jetzt ein Ressort beim New Scientist. Mich freut das für sie, obwohl ich ihre Intelligenz hier sehr vermisse. In so einem kleinen Blatt das gleich Lücken.

Apropos Mutmaßungen: Ich finde es bemerkenswert, dass Du als Pfarrer und Journalist mit Kommentaren einen Blog mit dem bulimischen Titel „Der Freitag fütter Hartz IV“ mästest, ein Blog, dessen zündende Idee die Unterstellung und das fadenscheinige Motiv Shitstorm sind.

Nun, im letzten Jahr sagtest Du, dass Du kein dF-Abonnement seist. Nach dem Raab-Artikel, ein einziger Abgesang auf Print, habe auch ich mich verärgert gefragt, warum Leser hier vorgeführt werden und könnte deshalb Dein Verhalten sogar nachvollziehen.

Allerdings, lieber Christian - ohne zahlende Leser keine Qualität. Übrigens, muss man nicht mehr über ein besonderes Zahlengedächtnis verfügen, über besondere Beobachtungsgabe, um zu erkennen, dass das Gros der Blogger und Kommentatoren hier  an der Zeitung – unabhängig ob Print oder Online - nicht mehrheitlich interessiert ist. Das muss doch Überlegungen nach sich ziehen, schon um derer Willen, die hier versuchen einen guten Job zu machen; wegen der Leser, Blogger und Kommentatoren, die das Projekt dF - Print & dFC!- mit befördern wollen.

LG am

elisRea 17.12.2012 | 13:17

Spenden bringt nichts? Schreibt Mopperkop.

Wie wäre es denn mit Solidarität der Mitarbeiter des Freitag. Wenn die nun, damit ihre Kollegen bleiben können, allesamt verkürzt arbeiten würden, sagen wir mal 75% bis 80% Arbeitszeitreduzierung? Der öffentliche Dienst in den neuen Bundesländern hat es vorgemacht.

Parallel dazu können vielleicht noch andere Maßnahmen greifen. Ehrliche Journalisten, die einen Standpunkt zu vertreten,  der Mut erfordert und Prügel selbsternannter "Eliten" einbringt, MUSS bleiben! Was kann ich persönlich, außer einem Abo, dazu beitragen, Herr Augstein?

MfG

h.yuren 17.12.2012 | 13:44

lieber JA,

nun scheint sich zu bewahrheiten, was der entschwundene streifzug vorausgesagt hatte: es wird finanziell eng für den freitag.

du sagst nichts dazu, ob und wie lange du den engpass hast kommen sehen und welche vorkehrungen außer einschränkungen du für den fall des falles vorgesehen hattest.

ich teile die urteile von mcmac, costa esmeralda, oberham etc., dass der freitag insgesamt ein schärferes profil braucht. "irgendwie links" ist ja ganz ulkig, aber nicht ernst zu nehmen. darüber ist entsprechend gebloggert worden.

medientheoretisch trifft die brechtsche kritik am radio genauso für die printmedien und den freitag im druck zu, dass der leser ziemlich passiv-rezeptiv dasteht, reduziert auf die konsumentenrolle. und für die einsperrung in den pferch der receiver zahlen zu dürfen, das hat was von feudalen strukturen. darum ziehe ich die online-version vor. das ist ein treffpunkt, ein kleiner feiner salon, in dem manchmal bloß gescherzt wird, meist aber seriös parliert und kritisiert.

wenn ich buchstabiere: bundestag, landtag, kreistag, freitag, ist mir die freiheit der versammelten schon wichtig, aber als hinweis auf den zweck oder sinn der versammlung doch nicht genug.

für diesen "freitagsalon" bin ich selbstverständlich bereit, eintritt zu zahlen. "Meinungsmedium", das hatte ich schon mal kritisiert, ist mir programmatisch zu mager. das driftet mir zu stark ab in die anything-goes-richtung. freier markt. darum erinnere ich an profillinien, die mcmac, costa und oberham z.b. genannt haben.

die idee der europäisierung, um womöglich mittel aus brüssel zu nutzen, ist ein doppelt wichtiger vorschlag. das nazionale hinter sich zu lassen nur durch die kooperation mit dem guardian, ist m.e. etwas zu wenig, sollte deutlich ergänzt werden. 

für ein forum mit klarem programm würden wahrscheinlich mehr teilnehmer bereit sein zu zahlen, am besten je nach kassenlage und wertschätzung. (siehe taz-abo)

die printausgabe wäre nach meiner vorstellung sekundär, nicht mehr das tragende fundament des projekts. für journalisten von profession, die nicht nur in der lage sind, die berufsbezeichnung normgerecht auszusprechen, eine harte nuss, zugegeben. andrerseits liegt es ihnen doch im blut, mit der zeit zu gehen, möglichst auf der höhe der zeit zu sein.

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2012 | 15:24

Lieber Christian,

entschuldige bitte, aber deine Ausführungen haben für mich - der z.B. die Causa Rahab nur am Rande - dafür aber in doppelter (ZOC &dFC) Ausführung - mitbekommen hat, den Nachteil wenig bis garnicht anschlussfähig zu sein, weil du die Zusammenhänge für nicht-Eingeweihte nicht kenntlich machst und mir deswegen auch schleierhaft bleibt, worauf du eigentlich hinaus willst.

So bleibt dein Anstoß einer für Insider bzw. für die von dir bevorzugten Adressaten, ohne das irgendwie klar wäre, wen du ansprichst bzw. wer sich gemeint fühlen sollte.

Hier geht es um das Thema Personaleinsparungen im Gefolge einer offenbar fehleingeschätzten Absatzlage und Rentierlichkeit vorgängiger Personalinvestitionen. Die dFC scheint mir demgegenüber zwar nicht unwichtig, aber nur eine Randbedeutung zu haben, denn sie ist evtl. ein inhaltlicher aber wohl kaum ein relevanter ökonomischer Faktor.

Wer das Feld räumen muss, steht nach meiner Kenntnis noch im Raum - deswegen finde ich eine vorgezogene Personaldebatte mit Verweis auf vorherige Personalentscheidungen - und Abgänge müßig bzw. wenig hilfreich.

Die einzige Frage, die in diesem Kontext evtl. bedeutsam wäre, ist die Frage nach dem künftigen Profil des Freitag und der dazu passenden Marketing-Strategie - danach sollten die anstehenden Personalentscheiden ausgerichtet sein, meine ich - aber das ist nur meine Meinung und ich zweifle sehr, ob diese bei den Entscheidern überhaupt wahrgenommen wird.

Grüße:

Ideefix

ChristianBerlin 17.12.2012 | 15:42

Die Fragen, die Columbus hier stellt sind auch meine Fragen an Dich, lieber Christian

Grundsatzwidriger Umgang mit Mitarbeitern : Worin bestünde der dann? Und sehen die Enteilten das auch so? Wir wissen es nicht; sie haben sich noch(;))) nicht dazu geäußert. Oder?

Liebe Anne,

manches hab ich inzwischen schon Columbus geantwortet (z.B. was mit "grundsatzwidrig" gemeint ist). Anderes kann man nicht ins Internet schreiben - selbst wenn man z.B. weiß, wer hier oder da mehr oder weniger verdient, wäre das nicht der passende Ort. Deshalb sind solche Fragen sinnlos. Es reicht m.E. aus, was wir mitkriegen. Den Rest wird der Freitag selbst am besten wissen.

Der ist auch der eigentliche Adressat meinewess kurzen Statements gewesen. Und ich bin sicher: ER kann es entschlüsseln und zuordnen. Ich denke, ich helfe dem Freitag - auch finanziell - mehr, wenn ich ihm meine Gedanken und Beobachtungen zu seinen Überlebensfragen verrate, als wenn ich mir ein oder zwei Abos leiste. Es sei denn, die wären völlig abwegig - aber das glaube ich nicht. 

Vielleicht war es auch gut, dass Columbus mich dazu gebracht hat, das zu präzisieren und ein paar unangenehme Dinge ins Gedächtnis zu rufen, die man gerne verdrängt oder vergisst. Die zwei Themen ziehen sich jedenfalls wie ein roter Faden durch alles, was ich hier beobachte - obwohl es auch immer wieder das Gegenteil gab und gibt. Am Ende steht aber meistens (leider) die Enttäuschung.

Bezeichnend finde ich, dass Du in Sachen Scoopen beim Freitag den Namen einer der freiwillig gegangenen Redakteurinnen oder Redakteure nennst. Daraus hätte in der Tat was werden können, wenn alles andere gestimmt hätte. Aber Ulrike Winckelmann konnte nach meiner Erinnerung nur ein Jahr gehalten werden, dann ging sie wieder zur taz, und Tom folgte ihr wenig später dorthin, bevor er dann ND-Chef wurde. 

Ich bringe dazu ja auch noch ein bisschen was in meiner Antwort an Columbus. 

Was ich dort vergessen habe, ist das Eingeständnis, dass das ans Licht Bringen unterdrückter Nachrichten in zweifacher Hinsicht eine Geldfrage ist: Autorinnen und Autoren benötigen mehr Zeit und die Zeitung benötigt eine Rechtsabteilung. 

Columbus fragt aber zu Unrecht, wieviel Redakteure dafür dann gehen müssen. Er müsste umgekehrt fragen, wievielen Redakteurinnen das den Arbeitsplatz sicher (Prämisse: Es rechnet sich). Man muss bei zu wenig Wachstum nicht einsparen, sondern investieren, und das an der richtigen Stelle. 

Unser aller Mutti hält das u.a. der Freitag mit völligem Recht vor. Warum nicht auch selbst so denken und handeln?

Natürlich hat das Investieren in eine Rechtsabteilung wenig Sinn, wenn man die Autorinnen oder Autoren, die man dazu ebenfalls benötigt, dann aufgrund von Problem 1 wieder verscheucht. Unter der Prämisse wäre die Frage von Columbus natürlich berechtigt. 

Das heißt aber für mich, dass, wenn beide Probleme existieren, der Freitag sie beide lösen muss, und das gleichzeitig, bzw. das erste zuerst. 

LG Christian

anne mohnen 17.12.2012 | 15:55

"Anderes kann man nicht ins Internet schreiben - selbst wenn man z.B. weiß, wer hier oder da mehr oder weniger verdient, wäre das nicht der passende Ort. Deshalb sind solche Fragen sinnlos. Es reicht m.E. aus, was wir mitkriegen. Den Rest wird der Freitag selbst am besten wissen."

Wieso schreibst Du es dann überhaupt? Entweder bist Du Insider, dann wären bereits diese Andeutungen indiskret, oder Du bist ein (...)?

"Ich denke, ich helfe dem Freitag - auch finanziell - mehr, wenn ich ihm meine Gedanken und Beobachtungen zu seinen Überlebensfragen verrate, als wenn ich mir ein oder zwei Abos leiste. Es sei denn, die wären völlig abwegig - aber das glaube ich nicht."

"Wow - welch ein Akt der  Selbstbescheidung!"

LG am

ChristianBerlin 17.12.2012 | 16:35

Wieso soll das unbescheiden sein?

Zu welchem Artz würdest Du denn gehen: Zu einem, der Dir die Praxisgebühr erlässt, oder zu einem der Dir die Ursache für Dein Leiden nennt? 

Mehr behaupte ich hier nicht. Wenn das, was ich sage, stimmt, es dem Freitag im Falle der Beherzigung mehr Geld in die Kasse, als ich je an Abo-Gebühren zahlen könnte. Stimmt es nicht, ist es bloß eingebildet, ist es natürlich auch nicht ummünzbar.

Wo liegt Deine Kritik daran?

Dass ich selbst glaube, was ich schreibe, kannst Du mir schwerlich vorwerfen, das erwarte ich nämlich von jedem, dessen Texte ich lese, das ist eine absolute Mindestanforderung.

Oder willst Du sagen: Was Du schreibst, ist falsch, wenn der Freitag das beherzigt, wird er arm? Dann müsstest Du schon deutlicher werden oder das sachlich begründen und nicht moralisch oder moralisierend.

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2012 | 16:39

Hallo Christian,

den Zusammenhang zwischen "Vergraulen" von RedakteurInnen und mißliebigen UserInnen, am Beispiel rahab, sehe ich in der Tat anders und nur bedingt in der Kausalkette von Geldmangel.

Soweit ich JA folgen kann, ja muß, weil ich nichts Gegenteiliges las und also spekulieren muß - hat er vorgängig nicht unerheblich in Personal investiert, evtl. auch zur Kompensation der Abgänge, in der Hoffnung auf Wachstum in einem zahlenmäßig doch sehr beschränktem Leserspektrum, das durch das Schlagwortprogramm "linkes Boulevard" - was auch immer das sei - nicht zu erweitern noch zu festigen war, gleichwohl n.m.E. nicht wenige der Anhänger der Piratenpartei dem Interessen-Spektrum "linkes Boulevard" bzw. linksliberale Ausrichtung zuzurechnen sind. Wenn JA, wie ich vermute, es auf diese seinerzeit wachsende und sich inzwischen langsam etablierende Zielgruppe "abgesehen" hatte, dann war das aus verlegerischer Sicht ein riskantes aber annehmbares Kalkül, das scheinbar aufgrund einer allzu geringen Nähe zu dieser doch sehr sprunghaften "Klientel", die zudem für die Umsonst-Kultur gerade bei Medien und Informationen steht, ebensowenig aufgegangen wie die Annäherung und Verschränkung mit der Bloggerszene hierzulande.

Ansonsten meine ich, daß im journalistischen Metier auch von Seiten der RedakteurInnen eine wachsende Tendenz zur Fluktuation gibt, die auf der immer mehr schwindenden inhaltlichen und personellen Bindung der Akteure gründet. Die Scheidung von Festangestellten und "freien" MitarbeiterInnen ist ganz ähnlich der von Stammbelegschaften und ZeitarbeiterInnen in anderen Branchen - und auf Seiten der unsicher Beschäftigten gibt es notwendig den Drang es ggf. woanders zu versuchen, wenn die festen Positionen in den bevorzugten Ressorts bereits und auf die nächsten Jahre gesehen vergeben sind.

Insoweit mag der Freitag für talentierte Redakteure/AutorInnen auch ein Sprungbrett sein, das ist auch eine Frage der Ambitionen und natürlich der Verdienstspannen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, daß die Texte die hier erscheinen durchaus nicht alle exklusiv für den Freitag verfasst, sondern als Auftrag eingekauft, wurden und diese Praxis inzwischen gängig ist - ich verkaufe meine Texte bei Gelegenheit ja auch nicht nur an ein Medium, es sei denn ich habe vorher die Exklusiv-Rechte abgetreten oder bin froh überhaupt publiziert zu werden...

Den Kontext mit rahab sehe ich anders, weil ich ihren Blog kenne und ihre Gangart als nicht gerade konstruktiv betrachte. Ob hier ein Exempel statuiert wurde, möchte ich mal bezweifeln, da rahab auf sehr vielen Plattformen unterwegs war/ist und dort mit immer der gleichen Masche für Aufregung sorgte.

Wer diesen Faden verfolgt, der langweilt sich schnell ob der Wiederholungen, jedenfalls ging es mir so. Was aber hier der ausschlaggebende Punkt war, erschließt sich mir dennoch nicht - in der Summe aber - d.h. netzweit betrachtet - mag das Ansinnen den rahabschen Einfluss auf diverser Foren mal exemplarisch durch einen zudem äußerst medienwirksamen Ausschluss aus der dFC zu begrenzen eine begründete strategische Maßnahme zu sein, denn diese signalisiert der übereifrigen Bloggerfraktion, daß die dFC durch diese AktivistInnen im Zweifelsfall nicht zu okkupieren ist.

Dies kann man als eine Grundsatzentscheidung werten, die u.U. dazu führte, daß nicht wenige Blogger aus solidarischem Reflex oder mißverstandener "Bündnistreue" sich aus dem Forum entfernten bzw. auf Distanz gingen.

Nun ja, all´ dies scheinen mir "Nebenkriegsschauplätze". Ich meine bis hierhin, daß JA seine Investitionen ins Personal zurückdreht und dafür sicher auch monetäre Gründe haben wird.

Auf der anderen Seite ist aus mancher Kommentarspalte im ND zu erfahren, daß die UserInnen dort nichts gegen eine partielle Übernahme des dF durch´s ND oder eine Beteiligung am dF-Projekt hätten - womit natürlich auch ein Mitbewerber im Marktsegment "irgendwie links" kraft höherem Eigenkapital und Auflagestärke des Platzhirschen Ost geschluckt wäre.

Da stellt sich die Frage, wie die dFC in solchem Falle reagieren würde?

 

schorsch 17.12.2012 | 17:30

Lieber Jakob Augstein,

bitte, bitte, erkennen Sie den Ernst, Ihre historische Aufgabe wahrzunehmen und Ihr Baby, den "Freitag" mit aller Kraft zu retten!

Nicht zuletzt durch die geschichtlich schwierige Situation brauchen die Deutschen ein Medium, dass ihnen die wirklichen Hintergründe der Politik und die Wahrheit schlechthin erklärt. Diese Aufgabe MUSS der "Freitag" und Sie im Speziellen übernehmen. Es ist sonst niemand dafür geeignet.

Auch wenn wir etwas geduldig sein müssen. Im kommenden Jahr stehen Wahlen an und es geht dann erst recht wieder um "Wahrheit".

Wir wissen, dass "unsere" Menschen solche Massnahmen, die "wir" für sie fordern (Grundeinkommen, Reichensteuer, Erbschaftssteuer etc.) dringend benötigen, aber all' dies muss ihnen jemand erklären. Und nur SIE bzw. "der Freitag" ist dazu in der Lage!

Gehen Sie bitte einmal in sich. (Ich meine dies ohne Häme) Sie haben das seltene Glück, in Geld zu "schwimmen" und sich um das "Überleben" keine Sorgen zu machen. Andererseits haben Sie doch dann auch die Pflicht, Ihren mitbekommenen Intellekt zusammen mit Ihren finanziellen Mitteln FÜR die Menschen einzusetzen.

Wofür sonst? Fürs Spielkasino? Fürs Verprassen?

Bitte, erkennen Sie die historische Verpflichtung für ein erstarktes Überleben des dringend benötigten Mediums "der Freitag" und setzen Sie sich bitte dafür ein, den Menschen "Ross und Reiter" zu nennen, damit "irgendwann" die Wahrheit auch als solche erkannt werden kann!

Mit besten Grüßen

Rainer Lange

 

Costa Esmeralda 17.12.2012 | 18:21

Lieber TLACUACHE,

Stell Dein Licht nicht unter den Scheffel. Deine Kommentare sind so wichtig und interessant wie die anderer Kommentatoren. Andererseits muss ich Dir gestehen, dass mich Diskussionen um intelligentes "linkes" Lavieren und Salon-Gespräche am Kamin in unserer Seilschaften-Republik mit der Absicherung von materiellem Bestand, obwohl durchaus wichtig, weniger interessiert. Ich habe mich in langen Jahrzehnten darin geübt, nach Widerstandsformen zu suchen, nicht nach Einnisten und schierem Überleben. Deshalb auch das Interesse, wie der in die Jahre gekommene deutsche Dampfer wieder flott gemacht werden kann, gegen zähe Seilschaften-Bestandserhalter. Dass jeder von uns nur ein Körnchen dazu beitragen kann, wissen wir alle. Aber viele Körnchen sind wichtig. Wie sollte ich sonst meinen Kindern begegnen? Meine Eltern waren immer sprachlos, wenn ich sie als kleiner Junge fragte: "Was habt Ihr gegen den Faschismus getan?" Heute fragen mich meine Kinder: "Was hast Du gegen die BRD-Parteien-Diktatur getan, die keine Luft für Non-Konformisten lässt?" Und darauf muss ich eine Antwort geben können, in Wort wie in Tat.

Achtermann 17.12.2012 | 18:24

"Den Kontext mit rahab sehe ich anders, weil ich ihren Blog kenne und ihre Gangart als nicht gerade konstruktiv betrachte. Ob hier ein Exempel statuiert wurde, möchte ich mal bezweifeln, da rahab auf sehr vielen Plattformen unterwegs war/ist und dort mit immer der gleichen Masche für Aufregung sorgte."

Ich denke, du hast die wunde Stelle genau getroffen. Das schreibe ich als jemand, der die Vor- und Nachwehen miterlebt hat. Diese alte Angelegenheit hier wieder aufzukochen und in den Zusammenhang mit der beabsichtigten Personalreduzierung in Verbindung zu bringen, zeigt nur, dass etwas zurückgeblieben ist. Ich könnte hier auch BloggerInnen aufzählen, die ich nicht gesperrt haben wollte. Aber für diejenigen gibt es keine Solidarität von ChristianBerlin.

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2012 | 19:10

wahrscheinlich ot, aber eher unwahrscheinlich...

würd nur gern wissen, seit wann diese strikte trennung so existiert und auch, ob die "gute" frau frefel (oder mit v, ka) in der printausgabe letztes jahr sich auskillerien konnte, wie sie es online so nett zelebrierte ?

herr reiser meinte mal in nem radiobrandenburg(jajaja, es gab gute radiosender irgendwannmal ;-) ) , daß mensch den spiegel lesen sollt, wenner n paar jährchen gelegen hat... daran hab ich mich denn mal so versucht, ich kaufe keine zeitungen (naja, die "volltext" is n abo, auf dem ich noch hänge, ohne dran zu hängen) , aber mein einer vermieter hatte ne spiegelsammlung, also spiegelausgaben bis ende siebzig/anfang achtzig und da hab ich immermal drin geblättert... nun dann später immermal "spiegel-online" und irgendwie isses ja in den kopp gehämmert, daß print so gaaaanz anders wär, als die online-ausgaben, print is wertvoll, online-naja...

so nahm ich im letzten jahr beim arzthocken mal nen neueren spiegel zur hand, die zwischenzeit von achtzig bis jetzt+entwicklungen kannt ich nicht, aber ja, irgendwie war dieser spiegel, der beim arzt rumlag nicht anders als der online-dreck und da eine offensichtliche entwicklung auf standard.at stattfand (hab ich ja ...naja... beschrieben) lag die folgerung eines ähnlichen verlaufs für die print-ausgabe nahe ...

lg

frage-/erklär-bärin

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2012 | 20:05

Hallo Achtermann,

ich kenne ChristianBerlin nicht gut genug, um seine Nicht-Solidaritätsfähigkeiten einzuschätzen. Mir scheint es beim "wir müssen sparen" in erster Linie darum zu gehen, daß Augstein sich gewahr wird, daß die Investition in Personal nicht die erhofften Auflagensteigerungen zur Folge hatten und

nicht zu vergessen:

daß die laufenden Betriebskosten am Standort nicht gleichbleiben, sondern sich in einem Maße erhöhen, daß er sich wohl gezwungen sah, die Notbremse zu ziehen.

Betrachte ich mal den Mietspiegel in der Gegend und die Nebenkosten für eine Präsenz-Redaktion mit 40 Personalen, so habe ich eine Vorstellung, was das ungefähr kostet und daß sich dieser Aufwand bei einem Erlös via Auflage von ca. 13.000 p.w. nicht nur nicht lohnt, sondern ein Zuschußgeschäft ist, das entweder auf Kosten des Zeilenhonorars oder auf Kosten von Arbeitsverträgen geht.

Wenn man voraussetzt, daß JA beim Zeilenhonorar keine Abstriche macht - auch weil er dann keine talentierten Leute mehr bekommt - dann bleibt nur noch die Reduzierung des Stammpersonals und die Konzentration auf das sog. Kerngeschäft.

Das ist offenbar nicht mehr in den Ressorts Politik und Wissenschaft angesiedelt, was mich ehrlich gesagt auch nicht wundert, denn in diesen Segmenten namhafte JournalistInnen zu bezahlbaren Preisen anzuheuern ist für ein so kleines Projekt wie dF nahezu aussichtslos.

Bezahlbar und realistisch scheint mir eher das Vorhaben einer Art "linker Wochenrevue", die kulturkritisch-bissig das laufende Geschehen aufspiesst.

So ein Konzept könnte, inkl. zugebuchter Gastbeiträge in Politik und Wissenschaft, durchaus aufgehen, denke ich.

Würde voraussetzen, daß der Freitag sich weniger als Meinungs - sondern vielmehr als Diskursmedium versteht und vermarktet.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sicher hast du recht, wenn Du - wie ich - der Ansicht bist, daß BloggerInnen wie rahab dem demokratischen Diskurs unter linken Vorzeichen auf ihre Weise den Garaus zu machen suchten und dabei in gewisser Weise erfolgreich waren bzw. sind.

Ich betrachte ein solches Vorgehen aber nicht als das was es vorgibt zu sein - nämlich dekonstruktiv - sondern als ziellos destruktiv.

Oder welches Ziel verfolgte rahab u.a. deiner Meinung nach?

Womöglich sind die Krisenmeldungen vom Verleger bzw. aus der Redaktion eine späte Genugtuung für versagte Aufmerksamkeit. Das wäre dann wohl pathologisch zu diagnostizieren, aber das wäre wiederum auf viele die schreiben um der Aufmerksamkeit - und nicht der Klärung und Veränderung - willen, anzuwenden.

Grüße:

Ideefix

 

Achtermann 17.12.2012 | 20:53

"Oder welches Ziel verfolgte rahab u.a. deiner Meinung nach?"

Es lohnt nicht, darauf einzugehen. Zumal viele Foristen hier die Sache nicht kennen. Jan-Japer Kosok schrieb damals:

"Die Sperre, die wir jetzt aussprechen, ist endgültig. Sie ist Ergebnis dessen, was wir seit mehreren Tagen beobachten, einem unsäglichen Diskussionsstil und der Tatsache, dass beide User bereits (mehrfach) gesperrt waren."

ChristianBerlin stochert meinem Gefühl nach zu sehr im Nebel, wenn er bspw. schreibt:

"Wer eins und eins zusammenzählen kann, für den liegt da zumindest die Vermutung nahe, dass die Top-Journalisten, die nicht gegangen wurden, sondern ebenfalls von sich aus gegangen sind, genauso enttäuscht gewesen sein könnten."

Das ist nur Stimmungsmache. Rationale Argumente sehen anders aus. Augsteins Vorhaben wurde lanciert, und nun geht er in die Offensive. Er zeigt sich bereit, mit sich reden zu lassen, zumindest nach außen. Der Herausgeber hat Zahlen genannt. Sicher kann man die auch anderswo nachlesen. Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung haben ein anderes Standing als die Vermischung von Vermutungen und Gerüchten, wie ChristianBerlin sie hier verbreitet. Manchmal sind wirtschaftliche Ergebnisse so zwingend, dass hehre Ziele zurücktreten müssen.

Für mich stellt sich die Frage, ob eine eindeutigere Positionierung Augsteins zur inhaltlichen Ausrichtung des Freitag mehr geholfen hätte. Er kann aber darauf verweisen, dass unter seiner Herausgeberschaft der Umsatz gestiegen ist und weiterhin steigt, aber eben nicht schnell genug, um die finanziellen Vorleistungen zu kompensieren.

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2012 | 21:02

Hallo Achtermann,

"Für mich stellt sich die Frage, ob eine eindeutigere Positionierung Augsteins zur inhaltlichen Ausrichtung des Freitag mehr geholfen hätte. Er kann aber darauf verweisen, dass unter seiner Herausgeberschaft der Umsatz gestiegen ist und weiterhin steigt, aber eben nicht schnell genug, um die finanziellen Vorleistungen zu kompensieren."

DAS ist auch für mich der entscheidende Punkt. Damit stellt sich die Frage, ob für JA das Projekt derFreitag wirklich sein Baby ist, oder nur sein Stief - bzw. Adoptivkind.
Das hat biographische Näherungen, die etwas heikel sind - ich möchte nicht in seiner Haut stecken, da sich dieses Gleichnis ja dem unvoreingenommenen Betrachter förmlich aufdrängt.

Nun denn: Gutes Gelingen

(Danke für die Repliken Achtermann und eine gute Nacht bzw. schönes Wochenende)

Rickenbacker325 17.12.2012 | 22:17

Kinder aus der Zone

Kurz mal zynisch: Hoffentlich ist unter den 9, die gehen müssen,  auch die stellvertretende CR, deren einziges Kapital im bourdieu'schen Sinne darin besteht, vor zig Jahren ein larmoyant-eitles "Ich war ein Zonenkind, und dann fiel die Mauer"-Buch geschrieben zu haben. Sie wirds ökonomisch am ehesten verkraften. Was qualifiziert(e) sie eigentlich für diese Position bei DF, außer, dass sie einen medial verbreiteten und dank des One-Hit-Wonders recht bekannten Namen hat, mit dem sich J.A. im Osten (Stammleser aus Sonntag-Zeiten! Leser-Blatt-Bindung!)) zu schmücken hoffte? Das sind Personalentscheidungen, die typischerweise unter die Rubrik irrational /Name-dropping-Geilheit/ Geklüngel fallen.  Was umso grotesker ist, als dass der entmachtete/ gegangene Vorgänger Jörn Kabisch laut Impressum lange parallel auf der Payroll des Freitag stand. Ja, so kann man natürlich auch Kosten in die Höhe treiben, um ein 3/4 Jahr später festzustellen, dass die Kosten zu hoch sind.

Um der Polemik noch eins draufzusetzen: Optik und Geschlecht (gut aussehend! weiblich!) der stellv. CR haben bei der Personalentscheidung selbstverständlich keine Rolle gespielt. Das spiegelt by the way die ganze Verlogenenheit linker Gender-Debatten wider. Klar, es geht nur um Inhalte und  Kompetenz.

Berufsjugendlicher v2.0 17.12.2012 | 23:22

Ich kann die Fragen, nur an alle weiterreichen, da ich zu selten Zugriff auf die Printversion habe.

Ich bin nur interessiert, ob die Trennung (Online-)Zeitung und  der Internetauftritt mit Kommunity mit unterschiedlichen Redaktionen bei Übernahme redaktioneller Inhalte der Printversion (aber nicht umgekehrt) sowie größeren Foren als beim Freitag und  deren untererschiedliche Zielgruppenausrichtung sich als Vergleichsmöglichkeit für die Umbaupläne beim Freitag heranziehen lässt.  Ich erinnerere mich auch an Überlegungen, hier mal von jemandem  angestellt, der gleich die ganze Community zum Gegenfreitag oder Userfreitag machen wollte. Solche Überlegungen sind mir fremd, aber die Diversifizierung wie beim derStandard hätte für Augstein durchaus den Vorteil, dass er sich um die Sanierung des Freitags kümmern kann ohne hier ständig  auf die Hacken gep***t zu kriegen und ohne seine Redaktoren zu persönlicher Forumsbeteiligung zu motivieren.

<OT> ja der Spiegel, ich habe mir die Ausgaben mit dem Video über Augsteins Papa und seine Le(h)erzeit im Knast gekauft, aber wenig Mensch wissen noch, welche Angst um die Pressefreiheit damals herrschte.   Ansonst nicht lesbar, d'accord. </OT>

ChristianBerlin 17.12.2012 | 23:50

Lieber Achtermann,

was Du zur Rahab-Sperre schreibst und zitierst, wundert mich nicht. Nach meiner Erinnerung warst Du einer der wenigen, die damals äußerten, dass Du sie richtig fandest. 

Ich hatte auf die zitierten Sätze JJKs übrigens verlinkt. Die verlinkten Gegenmeinungen hier genauso reinzukopieren, wäre genauso überflüssig.

Was mir bis heute fehlt, lieber Achtermann, ist die foren-Regel, gegen die Rahab verstoßen hätte. Die lieferst auch Du nicht. Bis mir die jemand nennen kann, bleibe ich dabei: Das war Willkür, und soetwas verbietet sich in einem Medium, das sich Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat.

Über den Weggang der politischen Redakteure spekuliere ich nicht, sondern habe, wie angedeutet, Informationen, die ich nicht preisgebe, weil man sonst vielleicht die Quellen erschließen könnte. In Berlin kennt man sich, trifft man und tauscht sich aus. Buschfunk. halt. Der Freitag - mein primärer Adressat - wird wissen, was gemeint ist, und das reicht mir in diesem speziellen Fall. Wenn da irgendwie ins Nachdenken käme, wäre alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Was Du statt dazu denkst, ist relativ irrelevant. Aber ich akzeptiere es als konkurrierende Meinung: 

Du denkst, JA fehlt das richtige konsequente politische Bekenntnis. Und ich denke, JA fehlt der konsequente Glaube an das, was er verkündet - sonst würde er die proklamierten Werte bei sich selbst zuerst umsetzen und sich dafür nicht aus der Verantwortung entlassen. Du denkst, das kann's nicht sein, denn wie sollten die Leserinnen und Leser das merken? Und ich denke, dass merken sie schon, an denen die gehen und an denen die bleiben.

Unter den letzteren sind freilich nach wie vor ein paar unentwegte, die ich um keinen Preis missen möchte und die hoffentlich nicht zu den Neun gehören. Aber es werden im Moment eher weniger als mehr.

JA steht dafür wie für alles in der Verantwortung. Das heißt aber nicht, dass eine One-Man-Show das Überlebensrezept wäre. Der Freitag kann m.E. nur als konstruktives Team mit einem entsprechenden Teamgeist überleben. Allein schon die Tatsache, dass nicht der Freitag selbst über seine gefährdetete Lage und die Konsequenzen die Öffentlichkeit aufgeklärt hat, sondern Insider-Informationen über nicht-transparente Kanäle aus dem Team heraus an linke Konkurrenzblätter gelangt sind - an jene übrigens, zu denen zwei Top-Leute vom Freitag freiwillig abgewandert sind - spricht in meinen Augen Bände, sowohl über den inneren Zusammenhalt beim Freitag als auch, was die Rest-Loyalität der jetzt bei der taz oder dem ND inhaltlich Verantwortlichen gegenüber dem Freitag betrifft: Beides ist erkennbar so nicht vorhanden, dass JA diese Fremdenthüllung erspart geblieben wäre, der er Zug um Zug hier hinterherinformiert.

Wenn Dir das nichts sagt, dann sagt es Dir eben nichts. Kein Problem. :)

Columbus 18.12.2012 | 00:09

Ach so! Ich bin nun wieder beruhigt, Herr Berlin.

Es war nicht ernsthaft von Ihnen ein schlechter sozialer und arbeitsrechtlicher Umgang des Verlegers und Geschäftsführers mit seiner Redaktion gemeint, sondern es drehte sich um die Ausübung des Moderationsrechts in der dFC. 

Was ihren persönlichen Scoop angeht, kann ich nicht viel dazu schreiben. Ich weiß davon und dazu nichts. - Aber das ist dann doch eine so tolle Sache, wenn sie solche Informationen haben, die sie als Scoop einem anderen Blatt, ausgstattet mit einer hinreichenden Rechtsabteilung, anbieten können.

Die Fluktuationen in den Redaktionen der Presse sind immer einmal wieder ein Thema bei Lesern. - Ich empfand die Absetzung des FJR bei der ZEIT als Ungerechtigkeit, weil man den klügsten und umtriebigsten Feuilletonisten und Literaturkritiker des Blattes wegen einer Lappalie enthronte.

Beim prekären dF dürfte es durchaus Probleme geben, sich mit den Gehältern und Honoraren gegen die viel größeren Konkurrenten durchzusetzen.

Was ich aber bisher bei ihnen nicht lesen konnte, ist ein schlüssiger Hinweis, der dF verhalte sich nicht loyal und arbeitsrechtlich korrekt gegenüber seinen Mitarbeitern. Ich glaube, diese Verdächte sind nun vom Tisch.

Gute Nacht

Christoph Leusch

 

Joachim Petrick 18.12.2012 | 02:04

Magda Magda 16.12.2012 | 14:59

 

Gruß von der Zankstelle!.

 


"„ist ein Idiot“ bzw. „ist wiederum ein Idiot“

Dass Jakob Augstein hier, bei Gefahr und höchster Not der Ausuferung dieser unselig ferngesteuert angezettelten Berliner Buschkanal Debatten in einem Umfeld medialer Piranias, nicht den Mittelweg der Ausgewogenheit wählt, sondern Urteilskraft  an den Tag legt, finde ich ermutigend, auch wenn ich sein Urteil in der Person und Sache nicht teile.

Hannah Arendt hat lebenslang die Fähigkeit zur Urteilslkraft auf der Basis persönlicher Erfahrung und Anschauung als den eigentlichen Motor zu Empathie in unserer Zivilisation kommuniziert.
Wer urteilt hat nicht die Wahjrheit gepachtet, aber seine Bereitschaft und sie Fähigkeit zum Handeln auf den Tisch gelegt, zu dem sich andere, wie auch immer, gedanklich im Fluss,  menschlich verhalten können.

siehe dazu:


https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/hannah-arendts-holzweg
Joachim Petrick
17.12.2012 | 22:06
Hannah Arendts "Holzweg"

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Ehemaliger Nutzer 18.12.2012 | 07:52

ich mach mal hier weiter...

was  wundert, ist, daß sich niemand mehr der "spitzen" und der "zankwilligkeit" wegen so einiger eigenartiger personeller entscheidungen der vergangen monate, der letzten 12 oder mehr erinnert... einige hatten sich -zurecht, wie ich finde- "aufgeregt" über sonderbare schreiberlinge (nichtmal gut schreiben könnend, von "gutdenken" mal nicht zu reden) , die nun unbedingt ins team mußten... diese sonderbaren schreiberlinge und deren printausgaben werden nicht wenig mitanteil an kündigungen von abos gehabt haben, ich wundere mich eh, daß "der freitag wächst, nur zu langsam", eher sah es nach schrumpfen aus, abos wie inhalte des abonierten...

ich weiß nicht, wie das mit einer trennung von print und online zu handhaben wäre, egal ob besser oder schlechter... und ja, augstein selbst ist nunmal auch kein schreibkünstler, sorry... manche könnens, viele nicht, aber "könnende" zugunsten von "unfähigen" abzusägen, naja, da könnt mensch trefflich psychologisieren und des solls ja nich sein...

 

guten morgen, tag, woche

und lg

Sisyphos Boucher 18.12.2012 | 09:22

Unabhängig davon, dass man mit einem persönlichen Abo dem Freitag, gleichwohl nur ein kleines, so doch eben ein Stück weiterhelfen kann, - auch ein Weg von Tausend Meilen beginnt mit nur einem Schritt - finde ich, dass man eher darüber diskutieren sollte, ob die Welt eine Wochenzeitung wie den Freitag braucht und welches Profil der Freitag einschließlich Online-Plattform entwickeln müsste, um seinen Gebrauchswert einem breiteren Publikum wirksam zu verdeutlichen, d.h. erfolgreicher zu werden. 

Auf das sowohl haptische als auch gelegentlich intellektuelle Vergnügen, den Freitag übers Wochenende auf der Couch zu lesen, mag ich nicht verzichten. Die andere Sicht auf die Dinge und weniger die Reflexion meiner eigenen Meinung macht das Lesen des Freitag für mich spannend, und in der Community sind es die Diskussionen, an denen es sich zuweilen lohnt, teilzunehmen.

Die Schelte gegen Jakob Augstein kann ich nicht nachvollziehen. Strukturelle und personelle Veränderungen scheinen notwendig, um das Blatt zu retten. Und von heute auf morgen kann man eine dereinst recht verschlafene und ostalgische Wochenzeitung nicht erfolgreicher machen, als es die allgemeine Marktsituation zulässt.

Zu den Marktakteuren gehören auch die Leser des Freitags und auch die Teilnehmer in der Community. Leider sind einige Community-Akteure recht zickig oder rechthaberisch und eher zu Selbstdarstellung als zu tiefergehender Auseinandersetzung geneigt. 

Soweit ich es verstehe, beabsichtigt der Verleger, das Blatt am Leben zu erhalten und entgegen dem Trend auch weiter zu profilieren.

Wenn wir als Leser und/oder als Community-Streithähne auch Interesse am Freitag haben, dann sind wir a.m.S. nicht gehindert, dem Verlag Vorschläge zu unterbreiten, oder?

Das fängt bei Themen an, die in dem Blatt behandelt werden können bis hin zu rein praktischen Modellen wie z.B. pay wall, Solibeiträge von Community-Teilnehmern usw. usf. Der bisher eingeschlagene Weg ist so falsch nicht.

Die Kommunikationsstrategien der taz lassen sich teilweise auch auf den Freitag übertragen. Ebenso könnte eine treue Leserschaft Modelle sinnvoller Co-Finanzierung überlegen, vorschlagen, organisieren und in Absprache mit dem Verlag auch umsetzen, sofern da überhaupt genügend Wille ist, zur Tat zu schreiten.

Ich persönlich würde neben dem Abo durchaus den einen oder anderen Euro für ein inhaltlich breiter angelegtes Online-Angebot zahlen, wenn es denn über die Printversion hinausginge. Das aber tut sie im Moment ja nicht. Also bleibt es für mich derzeit beim Printabo. 

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Ehemaliger Nutzer 18.12.2012 | 10:52

So weiß der Pastor C. Berlin (The Scoop) eventuell, vielleicht und/oder sogar möglicherweise mehr aus Interna des Freitag, darf aber seine "Kanäle" aus christlicher Nächstenliebe nicht "transparent" offenlegen.
Sollte ein anständiger Mensch dann aber nicht die Finger von der Tastatur lassen und nicht wichtigtuerisches Gemunkel absondern aus der Dunkelkammer der beleidigten Leberwürste und ollen Kamellen?
Und die musica zieht die Konsequenz und spielt leis im Hintergrund dazu.
Auf dem Fa(llo)gott?

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Ehemaliger Nutzer 18.12.2012 | 13:46

werte (virtuelle) gemeinde,

ich kannte den 'freitag' bereits, als sich dieser noch 'sonntag' nannte; ein abo erkaufte/erschlich ich mir - damals, mit einem pfund westkaffee, was nur daher funktionieren konnte, weil die briefträgerin/postbotin beinah jedem briefkasten, den sie bestückte, ein gesicht zuordnen konnte - und nicht selten ein schicksal, und so bekam ich das abo von einem der 'weggemacht ist ...', das war im frühjahr 1989.

ja .. - das ist lange her, gefühlt sogar noch viel, viel länger.

sollte ich einmal das glück haben, aus dortmund – besser noch aus deutschland, 'wegzumachen ...', was würde wohl ein nächster für mein ‚freitag‘abonnement hergeben wollen?

von einer 'linken' zeitung brauche/erwarte ich orientierung,
anleitung durch vorbildfunktion/wirkung, wahrhaftigkeit,
AUFKLÄRUNG im allerbesten sinn, herzlichkeit sowieso,
glaubwürdigkeit ... - plus X-anderes.

aber ICH (der ich kein intellektueller bin, und wohl auch nie sein werde [daher auch das brauchen all der vorangestellten begehrlichkeiten], möchte nicht an einem geistigen/politischen (kultur)liberalismus erkranken/leiden ... - entweder bin ich ein linkes blatt oder eben nicht.

was soll das sein, dieser 'linksliberalismus'?!

wasch mich, aber mach mich nicht nass?

von einem linken verleger erwarte ich eine 'linke' position, die durch sein benehmen/verhalten/handeln  unter beweis gestellt wird punkt

geht es denn hier wirklich um die arbeitsplätze, welche beim freitag 'abgebaut' werden sollen?

ich denke, dass es das nicht tut.

es geht um position/positionierung.

wie soll denn ein herr augstein links sein können, links denken, handeln - überhaupt links leben wollen/können?

aber meiner meinung nach braucht er das auch nicht - warum auch!

er soll sich doch bloß einmal anders verhalten, anders als üblich, anders als gewohnt, anders als erwartet - eben nicht 'linksliberal'.

entweder ich bin 'links' - oder ich bin 'liberal'. aber 'linksliberal' ... - was soll das sein?

ohne all die wahren linken hier (ganz normale menschen, welche verantwortung übernehmen:
- verantwortung für das wohl der mitmenschen,

- für das wohl dieses planeten,

  mit all den darauf lebenden kreaturen,

- verantwortung für ein möglichmachen des

  weiterexistierenkönnens von leben überhaupt ... -
   
ohne die vielen aufrichtigen und verdammt klugen köpfe hier (keine ironie!), mit ihrem unermesslichen engagement, ginge mir das schicksal des ‚freitag‘ relativ un-nah.

meiner meinung nach geht es doch nicht um die von entlassung bedrohten journalisten, so wie es (gefühlt) meist nicht um eine wahrheitsfindung geht, wenn (online) mit dem geistigen schwert gekämpft wird, um der lüge (gesellschaftslüge[en]) die unzähligen köpfe abzuschlagen, die huntertfach nachwachsen.

für mich geht’s hier oft um einen intellektuellen schwanzlängenvergleich – um eine art prestige.
 
bisher las ich (unter anderem) den ‚freitag‘, weil meine seele nach einem ganz bestimmten vitamin dürstet ... – das in dieser jetzigen form – im ‚freitag‘ aber immer seltener zu finden ist – meine meinung.

entweder ich bin ‚links‘, was ein ‚linkes handeln‘ bedingt ... – oder aber ich gehe den weg des ‚(links)liberalismus‘, aber dann würde mich der ‚freitag‘ nicht mehr interessieren.

und mit ‚links‘ meine ich keine konkrete politische ausrichtung/positionierung, a la bundestagsgeographie, sondern eine ganz bestimmte form des mensch-sein-wollens, ein bemühen um eine bessere welt, eine gerechtere welt, eine bewohnbare welt – für ALLE menschen – vor allem aber der mut ES ernst zu meinen, indem man ES als ‚linker‘ vorlebt, dass man(n) links fühlt, links denkt und links handelt.

dieses ‚linke‘ handeln ... – ich könnte es auch christlich nennen, wäre ich ein christ, ich könnte es kommunistisch nennen, wäre ich ein kommunist, ich könnte ... ich könnte ... ich könnte, wenn ich nur einer dieser glaubenskollektive angehören würde ... – daher kann ich ES (dieses links-sein) nur VERANTWORTLICH nennen – ich fühle mich verantwortlich, mitzugestalten – im besten sinn das leben um mich herum menschlich(er) zu machen, angefangen im kleinsten ...

fazit: was würde ich, was würde die welt, was würden WIR (also die virtuelle gemeinde), was würden sie, werter herr augstein verlieren,  wenn es den ‚feitag‘ nicht mehr gäbe?

mit herzlichen grüßen – der max

snow_in_june 18.12.2012 | 22:16

"und mit ‚links‘ meine ich keine konkrete politische ausrichtung/positionierung, a la bundestagsgeographie, sondern eine ganz bestimmte form des mensch-sein-wollens, ein bemühen um eine bessere welt, eine gerechtere welt, eine bewohnbare welt – für ALLE menschen – vor allem aber der mut ES ernst zu meinen, indem man ES als ‚linker‘ vorlebt, dass man(n) links fühlt, links denkt und links handelt."

Gut gesagt! Auch wenn ich mit dem Begriff "Linksliberalismus" wohl mehr anfangen kann als du.

Gruß, Snow

sceptic 18.12.2012 | 22:24

Was eine derartige Maßnahme für die Qualität eines Blattes bedeuten kann, haben andere bereits vorgemacht. Ich bin enttäuscht, dass Ihr diesen Weg ebenfalls einschlagt.

 

Ich persönlich werde gründlich überdenken, ob mein Abonnement unter diesen Umständen noch zeitgemäß ist oder gar fälschlicherweise als Zustimmung zu einer solchen Personalpolitik gewertet werden könnte.

janto ban 18.12.2012 | 23:23

| wie soll denn ein herr augstein links sein können, links denken, handeln - überhaupt links leben wollen/können? |

Eine Zumutung. Wie ist/denkt/handelt/lebt Jakob Augstein denn? Woher nimmst du diese Informationen, die keine sind? Das sind doch Verleumdungen.

| entweder ich bin 'links' - oder ich bin 'liberal'. aber 'linksliberal' ... - was soll das sein? |

Ach. Kennst du den schönen Spruch "Jedem Tierchen sein Plaisierchen"? Kannst ja mal versuchen, das aus linker Sicht für Homosexuelle und für Investmentbanker durchzuexerzieren. Oder gleich für homosexuelle Investmentbankerinnen. Dann kommst du vielleicht von allein darauf, was linksliberal meinen könnte.

Schwanzlängenvergleich. Nicht Mensch-sein-wollen. Lieber Max Escher, dein Kommentar ist - wenn ich es mir genau überlege - in Gänze eine Zumutung für mich. Ich lese aus deinen Worten nur das Prinzip, andere zu erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen. Tut mir leid. Davon, einem Menschen Mensch-sein zu wollen, kann ich dem Gastgeber dieser Veranstaltung gegenüber nichts erkennen. Dass dem so heftig applaudiert wird, erhöht nur meine Fremdscham. Umgeben von besseren Menschen kann man sich aber auch nur schämen, nicht wahr.

In deinem Kommentar von 22:22 Uhr sagst du, dass du dich über (noch) ausbleibendes Heckenschützenfeuer bezüglich deines kleinen Manifests freust. Wie peinlich ist das denn? (Ich sage "Manifest", um nicht von einem zankeslüsternen Frontalangriff reden zu müssen. Oder vom Krieg des Besseren gegen das Mittelgute oder dergleichen.)

So, da hast du dein Heckenschützenfeuer. Ein Wort, mit dem du eventuelle Kritiker bereits im Voraus diskreditieren möchtest. Ist mir egal. Ich will dir gegenüber nur Mensch sein dürfen. Gute Nacht.

janto ban 19.12.2012 | 00:07

Dafür habe ich mich extra nochmal eingeloggt. Ich fahre beruflich (was man so beruflich nennt) donnerstags immer durch Hilchenbach. Da könnten wir uns doch mal Zur Ela auf einen Kakao treffen :o) Alkohol darf ich wochentags nicht. Muss ja immer fahren. Und Erzquellwasser darf ich gar nicht. Der Arzt hat mir Felsquellwasser verschrieben. Und ab 23 Uhr Nachtruhe wegen des frühen Aufstehenmüssens. Eigentlich. Gute Nacht.

weinsztein 19.12.2012 | 03:29

War der von Redaktion und (mittlerweile schwindsüchtiger) Community "verzahnte" Freitag evtl. nur als Sprungbrett für Jakob Augstein gedacht?

Er ist der tv-talkshowmen 2012 und stets der Adretteste bei den Herren.

Wo will er hin? Früher nannte er den Freitag "im Zweifel links", neuerdings nennt sich die ehemals linke Wochenzeitung "linksliberal". Auf Spiegel-online hofiert er Peer Steinbrück, diesen wirtschaftsliberalen Kanzlerkandidaten der SPD?

Der folgende Beitrag wurde evtl. schon früher hierher verlinkt - ich weiß es nicht, ich habe nicht alles hier mitgelesen. Für mich lesenswert sind die Überlegungen einer "Insiderin" zur dahinsinkenden Frankfurter Rundschau:

http://www.perlentaucher.de/blog/280_die_panik_der_anderen 

 

 

GEBE 19.12.2012 | 10:38

Sie sehen doch, ich domiziliere in Bonn. Auf einen Kakao nach Hilchenbach? - zu weit, zu umständlich, obwohl ich dort noch Verwandtschaft habe, aber selbst nicht "va orwe ronner" sinn, sondern va d'r ganz anner Ecke. Ansonsten würde es mich schon interessiert haben den xxm-Janto Ban mal bei einem Plausch kennen zu lernen. Vielleicht ein anderes Mal. Gerne. So eine Art Freitags-Salon im Hauberg, das wär's doch. ;-)

langweiler 19.12.2012 | 11:52

vielen dank für diesen guten und authentischen Kommentar. Wo JA aber hoffentlich der Freitag nicht hingeht zeigt er in seiner Rubrik im Spiegel "im Zweifel links" insbesondere in den letzten beiden Beiträgen, in denen er sich mM. sich auf die Seite der (S)PD und somit auf die Seite von Peer Steinbrück stellt, welcher Mitverantwortlich ist für die Derregulierung der Finanzmärkte, die Agenda 2010 - für die soziale Spaltung in der Bundesrepublikanischen Gesellschaft. Ich frage mich, was soll in diesem   Zusammenhang (im Zweifel) links. Zu einer Partei zu halten, die ein großes Maß an sozialen Errungenschaften der Vergangenheit  im Namen der Globalisierung einfach abzuschaffen.

Aber richtig ist der Freitag wird gebraucht, insbesondere bei der ständigen Konzentration  der Medien (Springer, Burda usw.) und dem täglich verbreiteten Einheitsbrei.

nochmals Danke für den interessanten Kommentar.

Sisyphos Boucher 19.12.2012 | 12:19

Muss doch noch mal einen längeren Kommentar hier loswerden:

Die Kritik von einigen Diskutanten an Jakob Augstein kann ich schlicht und ergreifend nicht nachvollziehen. Unabhängig davon, dass er als Verleger durchaus das Recht dazu hat, die Entwicklung seiner Wochenzeitung - mit welchen Mitteln auch immer - ganz konkret nach seinen eigenen Visionen zu bestimmen und zu steuern, ist es wohl nicht von der Hand zu weisen, dass es einen Freitag vermutlich schon längst nicht mehr gäbe, wenn sich Jakob Augstein mit seinen Kontakten, Verbindungen und Ideen nicht engagiert hätte.

Ungeachtet dessen ist die Qualität des Mediums Freitag von vielen Faktoren abhängig. Die Online-Community ist als Spiegel eines Teils der Leserschaft und als Hort des zusätzlichen inhaltlichen Engagements und zusätzlichen Inputs ein solcher wichtiger Faktor.

Aus dem realen Wechselspiel zwischen Redaktion und Community gewinnt der Freitag zunehmend (s)ein unverwechselbares Format - und das unterscheidet ihn von anderen Medien. Diese Entwicklung ist übrigens ergebnisoffen und entzieht sich im Moment einer abschließenden Beurteilung. 

Leider sind nicht wenige Vielblogger und Noch-Mehr-Kommentierer hier in der Community besserwissend und meinen, ihre tradierten Feindbilder personalisiert pflegen zu müssen, ohne wirklich klarzumachen, wie es denn anders oder besser laufen könnte, ohne den sofortigen wirtschaftlichen Ruin zu riskieren.

Im Gegensatz zu anderen Medien finden sich im Freitag Artikel und Beiträge, die Anstoß und Anregung zum Weiterdenken sind. Wer nur die Bestätigung seiner eigenen Meinung erwartet, der begreift nicht, dass ein wirklicher inhaltlicher Diskurs keinen Sieger und Verlierer, sondern immer nur Gewinner kennt - Gewinner von Erkenntnis. 

Ich frage mich und Euch, was die seltsame Kritik an Jakob Augstein und die nicht selten auch persönliche Kritik an dem einen oder anderen Redakteur soll? Wer gewinnt dabei was?

So bedauerlich die Einschnitte sind, die derzeit beim Freitag aus wirtschaftlichen Gründen gemacht werden (müssen), die Community sollte die Chancen aktiv nutzen, sich an der weiteren inhaltlichen Profilierung des Blattes zu beteiligen. Wen ich mich nicht irre, war das doch auch ein Teil des Konzeptes Meinungsmedium, oder? Welche Zeitung sonst bietet das ihrer Leserschaft?

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 13:06

werter JANTO BAN,

eine kerbe können sie sich tatsächlich in ihren 'tinten'kolben schnitzen, und zwar dafür, dass sie mich (mit ihrer erwiderung) zum nachdenken verleitet haben;

ein nachdenken über meinen eigenen text - genauer: warum habe ich derart emotional geschrieben? warum das gebetsmühlenartige links versus linksliberal? warum habe ich mich derart in den wind gestellt, indem ich von einem herrn augstein jr. linkes handeln einfordere? was genau war ES, was mich derart aus der reserve gelockt hat?

ergebnis meiner nabelschau:

"Wir müssen sparen

Der Freitag muss sparen.

Da es immer schwierig ist, in eigener Sache zu sprechen, verweise ich auf einen Artikel in der taz."

warum ist es so schwierig, in eigener sache zu sprechen?! was ist denn seine 'eigene' sache? für mich liest sich das in etwa so wie der erste - und meist letzte, satz in einem (totlangweiligen) profil auf irgendeiner single-seite, aber nicht wie ein akzeptables statement.

schlimmer noch: ES erinnert mich an merkels 'alternativlosigkeit'. an wischi und waschi. es erinnert mich an eine ganz bestimmte form der FEIGHEIT. feigheit (oder arroganz?), gegenüber jenen, die sich einbringen (denn dieser, sein beitrag erschien online), feigheit gegenüber jenen, die ein (relatives) recht haben, reinen wein eingeschenkt zu bekommen - und ES (die schlagzeile [scheinbar] ohne textinhalt) erinnert mich an eine ganz bestimmte form der entlassungs'kultur', wie x-mal selbst erlebt. ganz zu schweigen von schnoddrigkeiten a la 'wir müssen jetzt alle den gürtel enger schnallen.'

all diese - und andere, gedanken waren es, die mir beim lesen dieser text-unsäglichkeit kamen, DENN: ICH als (linker) leser habe auch das (unverbriefte) recht ernstgenommen zu werden, um selbst ernstnehmen zu können - nicht zuletzt einen herrn augstein jr..

alles andere, was sie mir unterstellen - was juckt es die eiche, wenn sich ein wildschwein daran wetzt!

der max

ps. klar ... mein erster reflex war satisfatkion, das können sie mir ruhig glauben, aber ich bin es leid, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich lebe und fühle und denke ...

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 13:24

Der alte, von G.Gaus inspirierte "Freitag" gefiel mir besser, allein das Blatt war in der Ausrichtung nicht marktkompatibel, nicht überlebensfähig.
Sie beschreiben es richtig, unter den heutigen Eigentumsverhältnissen ist das Wohl und Wehe des jetzigen "Der Freitag" vom Verleger Jakob Augstein abhängig, ohne sein Geld werden auch die noch übrigbleibenden Mitarbeiter entlassen und die  Community läse "Page not found". Und müsste in anderen Foren migrieren und dort weiter predigen, munkeln, nölen und besserwisssen.
Oder es müsste ein anderes Eigentümermodell a la "TAZ" oder "konkret" etabliert werden. Wer gibt das Geld? Diejenigen, die sich noch nicht mal ein Abo leisten wollen oder können?

Wenn's doch dazu käme,  das Meckern bliebe uns erhalten.

Sisyphos Boucher 19.12.2012 | 14:45

Wie heißt es so schön: Wer nicht will, der findet Gründe. Wer will, der findet einen Weg.

Auf welche Weise schließlich der Freitag erhalten bleiben könnte, allen und jedem kann man's natürlich nicht recht machen. Schön wäre es dennoch, wenn der eine oder andere User auf seine destruktiven Gefühlsäußerungen, die sich gegen Verleger und Redakteure richten, verzichten und stattdessen den sachlichen Diskurs mitbefördern würde.

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 15:10

ob sie es nun glauben (können) oder nicht, lieber GEBE, aber mit lob habe ich tatsächlich probleme; einerseits möchte man(n) - in diesem fall ich, die erwiesene aufmerksamkeit mit einem zwar schlichten, aber nicht minder lebendigen dankeschön erwidern, und andererseits ... - vielleicht ein beispiel, zur besseren erklärung:

wenn ich auf der bühne stehe, um bei einer musik-session mitzumischen, dann höre ich zwar den applaus, und freue mich darüber (wie hulle), aber eigentlich spiele ich nicht wirklich für's publikum, ich stehe für/wegen der musik da oben; ähnlich gehts mir mit dem schreiben, mit dem verschriftlichen meiner gedanken.

wobei es mich regelmäßig wurmt, wenn ich 'mal wieder' über das/mein eigentliches ziel hinausgetippt habe, denn dann habe ich mich - vor allem aber die sache, um die es mir ging/geht 'fahrlässig' angreifbar gemacht.

ich wünsche mir eine button-funktion, um sich ganz dezent beim (klatschenden) publikum bedanken zu können, ohne dass mir unterstellt würde alleinig auf applaus aus zu sein ...

mit herzlich gemeinten grüßen - der max

oi2503 19.12.2012 | 15:18

„warum ist es so schwierig, in eigener sache zu sprechen?! was ist denn seine 'eigene' sache? für mich liest sich das in etwa so wie der erste - und meist letzte, satz in einem (totlangweiligen) profil auf irgendeiner single-seite, aber nicht wie ein akzeptables statement.“

 

Seit mittlerweile 12 Jahren arbeite ich in einem Unternehmen mit „strukturiertem Personalabbau“. Von ehedem rd. 2.000 Stellen sind etwas unter 300 geblieben. Einige von euch können sich sicher vorstellen, wie die Arbeitsatmosphäre unter solchen Bedingungen – manchmal, bei weitem nicht immer – ist. Und einige von euch können sich sicher auch vorstellen, dass die Geschäftsführung versuchen wird, die Kommunikation zu den Umbau-, Abbau-, Entlassungsmaßnahmen nicht aus der Hand zu geben. Genau das aber ist geschehen. Irgendjemand hat über die alte-Kollegen-Schiene externe Zeitungen versorgt, die Nachricht durchgestochen. Und schon war Herr Augstein nicht mehr in der Lage, den Prozess zu gestalten. Das muss für die Mitarbeiter nicht unbedingt gut sein, den Frust bei JA kann mir richtig gut vorstellen (ist aber ein Spekulatius). Dazu kommen Absprachen und Regelungen, die es erst noch getroffen werden müssen. Mit dem Betriebsrat –Matthias Dell hat darauf hingewiesen – und dann natürlich auch mit den betroffenen Mitarbeitern. Ganz ehrlich, da ist noch ziemlich viel nicht geregelt, das ist meine feste Überzeugung. Das kurze Statement zu „Wir müssen sparen“ nur ein Schnellschuss, um auf die Nachricht in der taz zu reagieren, schätze ich.

Ansonsten finde ich es hocherstaunlich wie viel Meinung, Überzeugung, gute & schlechte Ratschläge zum Thema hier ohne jede Faktenkenntnis angerichtet werden. Das Ganze dann noch garniert mit Mutmaßungen über die Motive der Handelnden. Was fehlt ist eigentlich, dass irgendwer die Kindheit von Jakob Augstein „analysiert“. Und das möglichst aggressiv.

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 15:30

012503

ich bin kein insider, ich bin 'konsument'. UND wenn mir DAS (der aufhänger dieser diskussionsrunde) in den napf geschüttet wird - von einem medienPROFI ... - dann kommt was eben kam.

für was also hat sich ein 'konsument' zu entscheiden?!

schlucken und das maul halten?

okay, das bekomme ich hin, bzw. würde ich leicht hinbekommen, aber dann NUR in funktion eines nicht-mehr-konsumierers des freitag punkt

 

der max

 

 

pleifel 19.12.2012 | 17:11

Ich kann nicht beurteilen, ob die Maßnahmen der geplanten Personaleinsparung notwendig sind. Dies ist Sache des Investors, hier JAs. Warum es aber  "immer schwierig ist, in eigener Sache zu sprechen" und ich die Infos zum Thema von anderen Presseorganen behandeln lasse, erschließt sich mir nicht. Eher vermute ich, dass die Veröffentlichung in der TAZ so nicht geplant war. So behält man jedenfalls die Fäden nicht in der Hand.

Ich habe kein Problem damit, für den Onlinezugriff, den Service und die Technik eine monatliche Pauschale zu zahlen (damit es nicht zu kompliziert wird). Auch die junge welt hat sich zu dem Schritt durchgerungen. Es sollte selbstverständlich sein, für die Leistung anderer zu bezahlen, so wie ich es selbst erwarten würde. Es sei denn, ich bin in der Lage, aufgrund eigenen Kapitals die Sache anders zu gestalten.

Online und (immer noch und hoffentlich lange) Papier sind eine zeitgemäße Antwort auf die technische Entwicklung. Jeder kann sie seinen Vorlieben entsprechend nutzen.

Es ist bereits vieles und gewichtiges hier gesagt worden, daher nur noch kurze Ergänzungen.

Columbus schreibt am 14ten: "Die FR wurde nicht wegen ihres schlechten Journalismus (mangelnder Qualität) abgestraft, ganz im Gegenteil. Es schimpften vor allem auch die Leser, die längst nicht mehr in Holz denken. Das einzige investigative Blatt Hessens wurde bestraft, weil es nicht konsequent genug platt war und immer noch zu  wenige Trivia streute."
Da wüsste ich doch gerne, woher diese Erkenntnisse kommen. Da ich früher die FR selbst lange gelesen habe, ist mein Eindruck ein anderer, nämlich genau das Gegenteil. Spätestens mit dem Umstieg auf das Tabloid-Format 2007 hatte die Boulevardisierung der FR begonnen. Und seit DuMont 2010 das Sagen hatte, war der Abstieg der FR vorgezeichnet. Leserbriefe sind selektiv und nicht unbedingt repräsentativ.

JA hat sicher mit dem Freitag ein nobles Projekt begonnen. Warum aber nicht, analog wie mit dem Guardian, ausgeweitete Zusammenarbeit mit anderen linken Presseorganen, wie es bereits vorgeschlagen wurde: also mit ND, Konkret, junge welt (als kleine Auswahl). Allerdings bin ich skeptisch, was Gremliza vom Konkret dazu sagen würde, denn der hat ziemlich "konkrete" und konstante Vorstellungen von linken Grundpositionen.

JA betreibt jedenfalls noch andere "Hobbys", wie ich aus seinem eben veröffentlichten Gartenbuch entnehme (wo man den Freitag übrigens bestens lesen kann). Weiter geht mir Augstein & Blome auf den Senkel, sowie manches im Spiegel Online. Privatsache? Kann man so sehen. Ich hoffe jedenfalls, dass der Freitag mehr Aufwand wert ist, als vorgenannte Aktivitäten.

Sollten die Einsparungen den Politikteil, den Kernbereich der Zeitung betreffen, dann weiß ich nicht, wie der Freitag den Weg der FR entgehen will!

 

 

Achtermann 19.12.2012 | 18:23

Nicht unterschlagen werden sollte auch der Kommentar von Thomas Rothschild zu diesem Statement von Ina Hartwig:

"Und was hat Frau Hartwig gegen diese Entwicklung unternommen, als sie noch Redakteurin war? Vorzugsweise über die "alten Herren, die noch bei Adorno & Co. gelernt hatten," gespottet und sie nach und nach durch Freunde und Freundinnen ersetzt, die jenen Verfall mitgetragen haben, den sie nun zu bedauern vorgibt."


Thomas Rothschild, von 1970 bis 2000 freier Mitarbeiter der FR

janto ban 19.12.2012 | 19:03

Hallo Max,

ich bin total kaputt. Nach der Maloche gerade noch die letzten Waren für's Konsumfest zusammengetragen und mich dabei halb tot trampeln lassen. Die spinnen, die Leute :o)

Ich würde deine Aussagen am liebsten einfach gegen meine stehen lassen, wie sie stehen. Es heißt ja nicht Konsensmedium, sondern Meinungsmedium. Ich freue mich zwar, dich zum Nachdenken angeregt zu haben, aber wenn du schreibst

| ich bin es leid, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich lebe und fühle und denke |

bin ich vermutlich über's Ziel hinausgeschossen. Impulsivität ist zuweilen meine Sache auch. Das hat der olle GEBE ganz gut erkannt. Ich mach's wie er: Hut ab! (Und wieder auf.) Einen schönen Abend dir.

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 19:44

ich freue mich einfach nur, werter JANTO BAN, dass es noch immer möglich ist, sich zu verständigen, bzw. einen für 'alle' seiten versöhnlichen ton zu finden, wobei das hier kein versuch einer konditionierung sein soll - bloß nicht!

möchte ihnen spontan ein geschenk machen; vielleicht bringt Sie  das kleine unpolitische gedicht - zumindest ein klein wenig, zum schmunzeln, nach ihrem anstrengenden arbeits- und beschaffungstag.

wünsche ihnen noch einen angenehmen feierabend.

 

mit herzlichem grüßen - der max

--------

abendstimmung

ein hase und ein hirsch,
ganz leise auf der pirsch,
die haben spaß dabei,
zu schießen
mit einem faulen wachtelei,
auf des waldes pfleger;
denn er ist ein
oberübelhinterlistighundsgemeiner jäger.

im wald ein schuh
legt sich zur ruh.

eine schnecke im klee
schnarcht wie ein reh.

ein hasenfurz legt sich
stolz ins unterholz.

eine eintags-fliege träumt
von der großen LIEBE,

und zwei sommersprossen
sonnen sich
auf den forellenflossen.

nur … die frösche,
in der schüssel ...
werden immer blasser -

für sie fällt heut‘
das abendrot
ins wasser.

©Max Escher

 

 

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 21:29

deine Kommentare fand ich ja bislang ganz anregend und unterhaltsam, aber bitte verzichte in Zukunft auf das Einbinden deiner Gedichte.

Frag´ jetzt bitte nicht warum. Lies es noch mal durch und befrag ggf. jemand der von Gedichten was versteht.

Dann wirst du verstehen, daß in diesem partiell bzw. personal in Sachen Gedichte qualifizierten Forum das Schmieden der Verse unter einem ausgesprochen anspruchsvollem Okular betrachtet wird.

Es gibt das Sprichwort:

Schuster, bleib´ bei deinen Leisten.

Ich wünsche Dir, das Du dir das zu Herzen nimmst.

luggi 19.12.2012 | 22:17

Ich weiß ja, wo ich in meiner Trafik das Lebenszeichen des "dF" finde. Und manchmal, wenn mich ein soziales Gefühl besteigt, dann kaufe ich die Printe und ärgere mich oft hinterher über die Geldverschwendung ... nicht generell, sondern wegen der verdruckten Seiten, die ich nicht las, und die ich niemals mehr lesen würde, weil der "dF" nicht aufhebenswert ist, z.B. wie die Eule.

Habe die Verkäuferin in meiner Trafik getestet.

"Sagen Sie einmal gute Frau, wo finde ich denn die dingsbums Wochenzeitschrift "drr Frreitag?"

Antwortete sie. "Ach, das ist ganz einfach. Sie gehen zu der Reihe mit den dingsbums Zeitungen und suchen hinter der "Preußischen Allgemeinen Zeitung" und vor der "Jungen Freiheit".

Ich bedankte mich artig für die Hilfe und mit dem Hinweis, dass ich ohne ihre Hilfe den "dF" niemals gefunden hätte ... na ja, wenigstens vor der "Jungen Freiheit".

 

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 23:07

ach, naja, das musst du ja sagen.

vorrecht der jugend usw.

alle Flachheiten instant zu publizieren die ihnen einfallen und selbige für einen übergeordneten Wert zu schätzen ist ihr einziges Privileg.

Sorry, aber Du hast weder der Form noch dem Inhalt nach eine Ahnung von dem was ein Gedicht ist, geschweige denn sein könnte.

Also lass das bitte.

Du findest mein "Gebaren" peinlich?

Hast du eine Vorstellung davon, wo mich das juckt?

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 23:30

ich nenne es nicht entartete oder sonstwie "kunst", was du hier in bedeutungsschwangerer pseudo-lyirscher Form absonderst.

Ich bewerte das nicht, ich bitte nur um unterlassung.

Mit Kunst hat das Zeug, was du hier als Lyrik vorstellen möchtest, wirklich gar nichts zu tun.

Also komm mal runter von deinem Denkmal.

Ok, die ewig pubertierenden Mädchen lieben dich deswegen.

Aber irgendwann kommt der Tag, wo du ein Mann sein musst.

Wie´s aussieht, wird dir das mehr als nur schwer fallen.

Nichtsdestotrotz: Gutes Gelingen.

Wolfram Heinrich 20.12.2012 | 15:40

@ideefix

"nur … die frösche,
in der schüssel ...
werden immer blasser -

für sie fällt heut‘
das abendrot
ins wasser."

mal im Ernst:

ist dir das nicht peinlich?

 

"3 gegen sacramento

 

glaubst du daß

kleinschreibung und

seltsam gefügte

zeilen den ruf

meiner seele zur

deinen

tun?

 

hoffst du auf

das blutleere grau

eines gesichtes

das dich

sieht?

 

denkst du -

magie des wortes?

ein zitternder kelch

ein kreiselndes ei

elektrisierend

den einen oder

den keinen

 

Ich lobe mir den braven Mann,

Der heutzutag' noch reimen kann!"

(leider nicht von mir)

 

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 15:49

wir werden es wohl nie erfahren, aber ich fürchte du hast recht mit deiner Vermutung. Wo aber mein Kunstverständnis rigoros gewesen sein soll, verstehe ich noch nicht ganz.

Es ist sicher ein anderes als das des gewesenen Users, deswegen aber "die Notbremse" zu ziehen, finde ich übertrieben.

Ich fand´s zuallererst OT und - legt man allein mal die formalen Maßstäbe von dem was ein Gedicht ausmacht an - schwach.

Inhaltlich gab´s auch nicht viel her, von daher...

Naja, ein nächstes Mal mache ich das aber nicht, mann weiß ja nie wie verletzlich die Person dahinter ist und ich werde mich in Zukunft hüten mit der Kritikeraxt auf überzogene Emphase zu reagieren.

VERsprochen

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 15:56

Jakob Augstein in der Printausgabe:
"Diese Zeitung wird künftig weniger Kollegen Arbeit bieten können."
Die, für mich, gute Nachricht: "Wir werden den Alltags-Teil leider um  vier Seiten reduzieren müssen."
Die weniger gute: "Dafür werden wir eine Teil der Alltags-Themen in unserere ersten Lage berücksichtigen."

Oberham 20.12.2012 | 19:42

... nun die Grüppchen tauschen sich aus, ich denke Vergleichbar einem Gesprächskreis in einer Therapierunde.....

Veränderung im positven Sinne kann nur aus innerem Antrieb eines jeden Individuums entspringen,  meine Traumwelt scheint leider eine ziemlich unbeliebte  zu sein, der "Kreis" ist klein, die Vision erscheint hierzulande wohl kaum attraktiv, man tut es mit der Keule unrealistisch ab.

Realistisch ist der Weg direkt hin zum ökologischen und sozialen Abgrund, anscheinend auch wünschenswert und durchaus attraktiv.

Mag sein die kollektive Selbstzerfleischung ist die wahre Lust am Leben.

Costa Esmeralda 21.12.2012 | 02:42

Lieber Oberham, guck mal in Deinem Blog nach. Dort wartet ein Vorschlag meinerseits bezüglich Taten. Ansonsten Frohes Fest! (Bei Eis und Schnee?)

LG, CE

PS: Auch wenn es Wenige sind: Die Leidenschaft nach Freiheit wird nie in Gänze unterdrückt werden können, auch nicht von Merkel und Steinbrück! Auf ein neues Wahljahr! Hoffentlich hat der Weihnachtsmann die Rute nicht für die vergessen, denen der Hosenboden ordentlich versohlt gehört.

 

 

janto ban 22.12.2012 | 00:51

|| bitte verzichte in Zukunft auf das Einbinden deiner Gedichte (...) Ich wünsche Dir, das Du dir das zu Herzen nimmst. (...) ist dir das nicht peinlich? (...) Ich bewerte das nicht, ich bitte nur um unterlassung. (...) Also lass das bitte. (...) Ok, die ewig pubertierenden Mädchen lieben dich deswegen. Aber irgendwann kommt der Tag, wo du ein Mann sein musst. ||

Ideefix, das sind die mit Abstand hässlichsten Worte, die ich im gesamten letzten Jahr hier gelesen habe. Ganz ehrlich. Brutal.

| mann weiß ja nie wie verletzlich die Person dahinter ist |

Was tut das zur  Sache? Tu doch einfach nichts, von dem du nicht willst, dass man es dir tut. Ansonsten wünsche ich entspannende Weihnachtsfeiertage.

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 11:47

Wenn du meinst. Kritik habe ich hier durchaus geübt, nur eben nicht am besagten Beitrag, weil der meiner Meinung nach OT war, weswegen der kritische Bezug im Kontext gar nicht möglich.

Das ist genau so harsch in der Tonart, abgesehen von Fäkalsprache, ausgefallen wie deine hier - wobei ich nicht davon ausgehe, daß du deine Kommentierung inkl. indiskutabler Wertung zurückziehst, so wie ich es gemacht habe. (Eine Entschuldigung für punktuelle Entgleisung meinerseits war ja nicht mehr adressierbar)

Aber das, wie man sieht, nützt bei Foristen wie Dir augenscheinlich nichts, ich bin sicher, daß dies ohne Ende nachgetragen wird, weswegen ich entschieden habe, dem Absehbaren vorzubeugen und so in gewisser Weise dem unausgesprochenen Rat in deiner Bemerkung zum Vorfall befolge.

Viel Spaß noch und tschüsschen.

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 12:11

Sicher hast du da recht - allerdings war nur der Kontrast zwischen dem ohne Artikelbezug eingestellten Gedicht und meiner Wertung brutal, meine Ausdrucksweise stellenweise grenzwertig. Deshalb habe ich Letzteres ja auch hier, d.h. öffentlich, zurückgezogen. Meine Bewertung des Ausgangsbeitrags und dessen Qualität hingegen ziehe ich nicht zurück, schon allein wegen der Replik des Ex-Users, es handle sich dann eben um "entartete Kunst" - was ich, mit Blick auf die Geschichte und die daher auf mich gerichtete Spitze bzw. Unterstellung faschistischen Gedankenguts, nicht tue.

Den in der Tat "hässlichen" Vorgang ohne die o.g. Kontexte bzw. die Beidseitigkeit zu skandalisieren ist das Eine, das Andere ist inwieweit der Ausgangsbeitrag eine Relevanz zum Artikelthema hat/te.

Kurz gesagt war ich einfach angenervt von dem Zeug inkl. Duktus und würde wohl in der Realität ganz ähnlich reagieren, wenn jemand sich - diskursfremd - über das was er für Kunst hält, die in meinen Augen aber diesem Anspruch nicht genügt, in Szene setzt.

Da werde ich immer etwas ungehalten, bleibe aber dabei hier - d.h. im Rahmen der Spielregeln - an den von dir rausgepickten Stellen deutlich überzogen zu haben.

Ansonsten habe ich nur um Unterlassung solcher themenfremden Eingaben gebeten, da diese regelmäßig dazu taugen den Diskursrahmen zu besetzen und ggf auch zu sprengen - durch Personalisierung und Polarisierung der Debatte.

Das gehe ich nur bis zu einem bestimmten Punkt mit, siehe Antwort auf miauxx.

Ansonsten feiere ich keine Weihnachten, aber das ist auch ein anderes Thema.

Gutes Gelingen allerseits und die letzte Meldung ist:

entspannt auch mal.

 

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 13:07

@ ... wem der kontext-anzug passt ...

"sprache verrät ihren benutzer", mehr braucht ein jeder, mit funktiostüchtigem geist, nicht an werkzeug, um am lauf der welt zu drehen ...

der max

ps.http://www.welt.de/lifestyle/article10802427/Wenn-Herrchen-dem-Hund-Hodenimplantate-spendiert.html

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 13:48

schliesse mich dem an... ;-)

nachdem nun, wie befürchtet, die Wiedergeburt des von der poetischen Mission beselten wie erwartet (nur zur falschen Jahreszeit) eingetreten - siehe oben - zeigt sich, daß (qed) in Fällen wo einer auf die Spaßbremse der Infantilitäten tritt, dann ggf. unter der Gürtellinie nachgetreten wird.

Lachhaft?

Vielleicht. Symptomatisch aber allemal für die Geschwindigkeit wie sich Gegen - in Rauschgift verwandeln kann.

Aber wie du richtig feststellst, wir  sind schon bei der Fortsetzung und ja:

es darf gelacht werden

;-)

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 14:28

ich möchte sie an ihre eigenen worte erinnern, die sie mir gewidmet haben:

"Aber irgendwann kommt der Tag, wo du ein Mann sein musst."

ja, wo sie recht haben, da haben sie recht, bezüglich des mann-seins.

und was heißt denn hier 

"zeigt sich, daß (qed) in Fällen wo einer auf die Spaßbremse der Infantilitäten tritt, dann ggf. unter der Gürtellinie nachgetreten wird."?

auf welchen kulturkreis beziehen sie sich da?

denn nicht überall auf der welt verläuft die gürtellinie in gleicher 'höhe'.

nicht wenige  kulturen kennen einen derartigen begriff, wie 'gürtellinie' überhaupt nicht - brauchen diese auch gar nicht, weil werte wie ehre -im zusammenhang mit MANN-sein, ganz anders eingebettet sind, im zusammenleben ...

der max

ps. an anderer stelle wurde mir erwidert: "wer austeilt, der muss auch einstecken können."  beherrschen sie das auch, dieses einstecken?

ich denke mal NEIN. 

oder aber sie verwechseln einstecken mit reinstecken?

solche männer soll es ja auch geben, habe ich (heraus)gelesen. unter anderem bei ihnen.

ansage!: ich werde mir von ihnen keinen mehr reinstecken lassen - und das können sie durchaus ernst nehmen.

bevor jetzt ein missverständnis auf die welt kommt, für das der name 'dohung' angedacht ist ... - ich drohe ihnen nicht - ich möchte sie nur darauf aufmerksam machen, dass auch einer wie ich einen grenzstrich zu ziehen in der lage ist/sein wird ... - mehr möchte ich zu 'unserem' thema nicht mehr sagen/schreiben.

ich werde ihnen damit mitnichten die hand reichen, soll nur eine art friedensangebot sein.

ein friedensangebot, aber nicht weil weihnachten vor der tür steht,

sondern weil ich mich den tatsächlichen problemen dieser welt widmen möchte, und keinesfalls einem individuum wie ihnen.

sie können das friedensangebot annehmen - oder ablehnen.

an wortmunition wird es auf keiner seite fehlen komma falls, nur ob die wirkungskraft die gleiche sein wird ... man(n) müsste es darauf ankommen lassen, was ICH keinesfalls will - keinesfalls.   

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Ehemaliger Nutzer 23.12.2012 | 14:41

@IDEEFIX, habe gerade bemerkt, dass ich ihnen ein falsches zitat zu lasten gelegt habe, was ich sehr, sehr, sehr bedauerlich finde - dafür möchte ich mich bei ihnen auf das höflichste entschuldigen, aber das friedensangebot hat nach wie vor bestand. nochmals entschuldigung.

der max

miauxx 23.12.2012 | 16:14

Na Georg, jetzt tu' mal nicht so, als würdest Du solche Auseinandersetzungen hier nicht kennen; als seist etwa Du immer nur ganz eng am jeweiligen Thema!? :-) Aber freilich hast Du recht - schön ist es nicht.

Der Max hat ja zu dem Fall hier auch einen Blogtext eingestellt; da dachte ich zunächst, der ist vielleicht ein bisschen sehr zart besaitet - schließlich muss man in der Online-Kommunikation immer auf ein wenig mehr direkte Härte gefasst sein. Als ich dann hier nachgelesen hatte, konnte ich den Max aber vollauf verstehen! Was Ideefix, nun "Ehemaliger Nutzer", da losgelassen hat, ist auf seine Weise so ziemlich das Härteste, was ich je hier auf freitag.de gelesen habe. In meinen Augen: Lieber ein paar Schimpfworte oder Bezeichnungen wie "Betonkommunist", "Nazi" oder "Antisemit" auf rein sachbezogene Äußerungen hin entgegen nehmen, als ein solches Bohren und Nachtreten im Empfindlichsten, wenn sich eben jemand etwas mehr persönlich offenbart hat.

Insofern musste etwas zu Ideefix' Ausfällen gesagt werden!

Georg von Grote 23.12.2012 | 16:30

Ist schon klar miauxx, war schon ein Nümmerchen zu viel. Ein "verschon mich bitte künftig mit derartiger Kleingartenpoesie hätte auch gereicht." :-)

Dabei ist mir der Ideefix eigentlich immer als eher ruhigerer Zeitgenosse in Erinnerung. Ich sagte woanders schon, irgendwie drehen ein paar vor den Feiertagen am Rad, warum auch immer.

Bei mir musste Dich quasi künftig umstellen. Bin sozusagen wiedergeboren. :-)

Aber JA hat ja zu dem Thema in einem anderen Blog schon wesentlich mehr und konkreteres zur zukünftigen Lage gesagt.

Aber ich finde, angesichts der neuen Situation sollte vielleicht die FC auch mal in sich gehen und überlegen, wie sie mit den zur Verfügung stehenden und bescheidenen Mitteln zum Erfolg beitragen kann.

Solche Diskussionen fände ich spannender.

freedom of speech? 23.12.2012 | 16:43

"...Lieber ein paar Schimpfworte oder Bezeichnungen wie "Betonkommunist", "Nazi" oder "Antisemit" auf rein sachbezogene Äußerungen hin entgegen nehmen, als ein solches Bohren und Nachtreten im Empfindlichsten, wenn sich eben jemand etwas mehr persönlich offenbart hat...."

 

Pardon, aber da muss ich nun doch mal widersprechen. Direkte Beleidigungen mit dem Willen, jemanden in seiner Ehre vor Dritten anzugreifen, - meistens weil die Argumente ausgehen - sind nicht in Ordnung.

Wenn jemand aber Prosa zum Besten gibt, erwartet er auch eine Reaktion der Leser und muss dann notgedrungen auch mit negativer Kritik rechnen. Davon lebt schließlich ein ganzer Berufsstand, obwohl sich die Autoren - im besten Fall - "persöhnlich offenbart" haben.

Es hat hier auch Niemand kleine Kinder bei Ihrem ersten Konzert der örtlichen Kreismusikschule ausgepfiffen. Es geht um erwachsenen Menschen.

Das sollte Alles sehr viel tiefer hängen.

miauxx 23.12.2012 | 17:03

"Pardon, aber da muss ich nun doch mal widersprechen. Direkte Beleidigungen mit dem Willen, jemanden in seiner Ehre vor Dritten anzugreifen, - meistens weil die Argumente ausgehen - sind nicht in Ordnung."

Ja sicher ist das nicht in Ordnung! Ich habe mich nur einmal gefragt, wie ich reagiert hätte, wäre mir so etwas wie dem Max widerfahren und bin so zu diesem Vergleich gekommen. Wollte damit auch nur sagen, dass auch bei dem Verzicht auf Schimpfwörter Beleidigungen überaus saftig ausfallen können.