Jörn Kabisch
16.07.2011 | 09:00 42

Kochen Sie auch für sich alleine?

Koch oder Gärtner Einsam, verschlossen oder gar asozial? Wenn er kreiert braucht unser Koch niemanden bei sich, er steht am liebsten allein in der Küche. Nur sein Kater darf ihm zuschauen

Keine Frage. Ich koche ausschließlich für mich alleine. Am schönsten ist das, wenn abends Gäste kommen. Im besten Fall ist dann der ganze Tag verplant, und wenn ich mittags vom Einkaufen nach Hause komme, dann wird es einsam um mich. Nur Hungerlaute können mich aus der inneren Emigration hervorholen, das Gebrüll meines Katers vor seinem leeren Napf mit Sicherheit.

Er ist überhaupt das einzige Wesen, das mir in der Küche noch Gesellschaft leistet. Von seinem Platz auf dem Küchenstuhl beobachtet er über Stunden konzentriert und leise, was an Herd und Spüle vor sich geht. Für ihn scheint das wie Fernsehen zu sein. Er hat leider nur ein Gespür dafür, wenn die ganze Klapperei, das Brodeln und Zischen dem Höhepunkt zustreben. Wenn also die Nudeln noch dreißig Sekunden brauchen, ich bis dahin nach neuem Rezept noch eine Vinaigrette machen will – mit Tahin und einem kleinen Spritzer Granatapfelsirup. Dann setzt er zum Culinarius interruptus an.

Was habe ich mir schon alles anhören müssen, von Freunden, Mitbewohnern, Geliebten: Wie unkommunikativ ich sei, total absorbiert, ach was, wie asozial. Sie haben mit allem Recht. Aber hey, was soll’s, wenn es hinterher lecker Essen gibt. Ich brauche kein Küchenbier, keine Küchenmusik und auch keine ange­nehme Unterhaltung. Wenn ich koche, führe ich die mit mir. Alles andere reißt mich aus der Konzentration. Und wer, bitte schön, hat gesagt, dass Menschen miteinander kochen sollen?

Wie soll das auch gehen, miteinander kochen? Schon ein Blick in eine Restaurantküche zeigt, dass das eine ganz schlechte Idee ist. Profis kochen nicht gemeinsam, sondern nebeneinander, alle Tätigkeiten sind genau verteilt, und wenn es am Ende dem Chefkoch nicht schmeckt, dann setzt es – leider noch viel zu oft – Gebrüll.

Es ist wie meditieren

Für die Arbeitsteilung gibt es gute Gründe. Sich ein Schneidbrett zu teilen, um gemeinsam Karotten zu schneiden, hebt das Verletzungsrisiko enorm. Und je mehr Menschen an einem Eintopf zugange sind, um so mehr Gewürze werden am Ende drin sein, weil der eine nichts ohne Tabasco macht, die andere nichts ohne Muskatnuss und der Dritte verzweifelt vor dem Spirituosenschrank steht: „Das kann doch nicht sein. Der Sherry ist alle.“ Mir ist behagliche Einsamkeit oft lieber als Geistesverwandtschaft auf gut Glück. Dieser Satz stammt von der amerikanischen Essayistin M.F.K. Fisher. Sie hat damit 1949 begründet, warum sie lieber allein am Herd steht. Besser kann man es nicht formulieren.

Es ist nicht so, dass ich Menschen nicht in meine Küche lasse. Es muss nur klar sein, wer der Chefkoch ist – sie oder ich? Hierarchie hebt den Geschmack.

Am liebsten aber bin ich in der Küche immer noch mit mir allein. Es gibt viele Menschen, die diese Situation mit Meditation vergleichen. Da ist was dran. Der Kopf schaltet ab, dafür fangen Augen, Nase und Ohren an zu denken, vor allem die Hände – und die innere Stimme zieht sich zurück. Sogar wenn ich nach einem einfachen Rezept arbeite, muss ich unzählige Male auf die Anleitung sehen: Ach ja, zwei Teelöffel Sojasauce müssen in die Marinade für das Hühnchen. Wahrscheinlich habe ich das aber schon wieder vergessen, wenn ich die Flasche mit der Sojasauce in der Hand habe. Sprachliche Informationen werden, wenn ich am Herd stehe, in die Warteschleife geschoben. Aber wenn Pinienkerne beim Rösten in der Pfanne schon zu braun riechen, reagiere ich blitzschnell.

Mein einziger Fehler ist nur, dass ich zu oft auch alleine esse. Wenn ein Menü in meinen Augen besonders gut gelungen ist, sehen mich meine Gäste schon recht satt. Ich habe hinter mir, was die anderen noch vor sich haben. Das könnte besser laufen.

Kommentare (42)

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lisaschwert 16.07.2011 | 12:42

"Hierarchie hebt den Geschmack." Das gefällt mir.

Das ist seit mal ein sehr persönlicher Text, auch das gefällt mir.

Ergotherapie für Einsame? Nein! Ich benötige auch jede Menge Einsamkeit, oder Alleinesein. Bei mir ist es aber nicht die Küche, sondern mein Wohnzimmer; da sitze ich und vergesse die Zeit, während ich irgendwelche Farbkleckse aufs Papier haue oder Fetzen aus Hochglanzzeitschriften herausreiße, um bunteste Collagen zu kleben. Gekaufte Glückwunschkarten gibts bei mir schon lange nicht mehr, das wird alles selbst gemacht.

Nun freue ich mich auf Urlaub. Da fällt mir ein, so ein "echter Koch", hat der auch mal Urlaub, oder fährt der wie Jamie Oliver dann doch nur zu gastronomischen Wallfahrtsorten?

luggi 17.07.2011 | 00:54

Im Brinzieb kann ich das Geschriebene nachvollziehen. Meine Kollegen (meine Kolleginnen haben keine Mittagspause) überlegen jeden Werktag kurz vor "Mahlzeit", wo sie diese einnehmen. Da halt' ich mich raus. Warum soll ich mit ihnen diskutieren, welche Früchtchen wir heute verspeisen? Also marschiere ich allein zur Entscheidung und Verspeisung des getroffenen R-gebnis.
Mahlzeit.

weinsztein 17.07.2011 | 05:45

@ lisaschwert

Ein Koch, der in seinen Ferien nur gastronomische Wallfahrtsorte besucht, leistet der Inzucht Vorschub. Echte Köche gucken in Dorfküchen anderer Länder in Pötte und Pfannen, um genau da von den Besten zu lernen, Vergessenes wiederzuentdecken und neue, ganz andere Aromen. Gute Beispiele bietet oben Jörn Kabisch. Der kleine Spritzer Granatapfelsirup zur Vinaigrette gehört zur südosttürkischen Küche, den Löffel Tahin (das ist Sesampaste) dazu empfehlen arabische Feinschmecker. Den Tahin-Tipp bekam ich vor knapp einer Woche von Freunden aus dem Irak. Der ist genial!

Weisheiten oder Rezepte von Jamie Oliver, Lafer und anderen Schniekebrutzlern bieten Fernsehen und Internet. Trendküche dauert bis zum nächsten Trend. Sie schmeckt gut, die Zutaten sind meist teuer, es sei denn, man ersetzt das Bressehuhn durch ein Tiefkühlhähnchen.

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lisaschwert 17.07.2011 | 10:18

Sie meinen doch nicht den Jamie Oliver, der sein eigenes Geld in ein Projekt steckte, um die Schulküchen in England zu vergesünden? Den werden Sie bestimmt nicht meinen mit Tiefkühlhähnchen, oder? Denn der hat mit Tiefkühkost nichts am Hut. Lafer auch nicht. Kann ja sein es ist die Uhrzeit Ihres Kommentars, egal.

Überhaupt haben Sie mal wieder den Kommentar nicht verstanden, denn ein Koch, der im Urlaub seine Nase in fremde Küchen steckt macht eben Urlaub nur in gastronomischen Wallfahrtsorten.

Aber gut, anscheinend ist das Ihr Revier, da gehört das wohl dazu, das Allesbesserwissen trotz Unwissen.

Calvani 18.07.2011 | 00:38

Eine Premiere! In zweifacher Hinsicht. Zunächst bin ich über die Überschrift und den ersten Satz gestolpert. "Ich koche ausschließlich für mich alleine." Diese Formulierung verstehe ich zweckgerichtet im Sinne von "für sich selbst kochen", d.h., man isst hinterher alleine, was man gekocht hat, im Gegensatz zu nur "alleine kochen". Deshalb ergab der zweite Satz anfänglich keinen Sinn für mich. Hab's schließlich aber doch noch verstanden...
Und dann ist diese Kolumne auch inhaltlich anders als die anderen, die ich hier bisher gelesen habe. Erstmalig hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass es nicht vordergründig um die heitere Vermittlung von Sachinformationen, sondern darum geht, den Leser an der eigenen subjektiven Weltsicht teilhaben zu lassen. Wie angenehm! So überraschend wie angenehm!
Zum Thema habe ich hingegen eine ganz andere Meinung. Ich koche unheimlich gerne mit anderen zusammen. Allerdings macht sich dabei sehr schnell bemerkbar, mit wem man gut kann und mit wem nicht - das ist ein durchaus nützlicher Nebeneffekt. Tatsächlich muss aber entweder einer den Ton angeben und zuteilen oder jeder bereitet eigenständig eine Speise zu. Ich hatte ein paar Jahre lang einen Freund, der dachte Bratensoße würde ausschließlich deshalb braun, weil das Pulver aus dem Tütchen das macht - süß! - mit anderen Worten: Er konnte überhaupt nicht kochen. Wir haben uns dennoch regelmäßig am Wochenende (Fernbeziehung, nicht zu empfehlen, ich rate dringend davon ab!) zum gemeinsamen Kochen vornehmlich in seiner Wohnung und Küche eingefunden. Er saß währenddessen stets am Küchentisch und ich konnte unliebsame Arbeiten an ihn abgeben. Zwiebel schälen und hacken, Knoblauch ebenso, Salat und Gemüse klein friemeln und dergleichen mehr. Außerdem hatte er die ganzen Aufräumarbeiten an der Backe, weil es ja seine Wohnung war. Das habe ich sehr vermisst, nachdem wir uns getrennt hatten. Sehr! Nicht nur weil das so schön praktisch für mich war, nein, zusammen kochen verbindet, macht redselig und stellt Nähe her, finde ich jedenfalls. Und ich bilde mir ein, man isst dann auch vertauter zusammen. Also kurz und gut: Ich plädiere inständig und aufrichtig in einem Atemzug für das gemeinsame Kochen und gegen amouröse Fernbeziehungen.
Zu gerne würde ich Sie, Jörn, jetzt nach den Geliebten fragen, die Sie im Text erwähnen, ich möchte jedoch nicht indiskret sein. Nein, stimmt nicht, ich möchte sehr wohl indiskret sein, aber nicht dafür gehalten werden - das ist nämlich ein großer Unterschied!

weinsztein 18.07.2011 | 05:18

Nein, ich meine nicht, dass Jamie Oliver ein Tiefkühlkühnchen sei oder solche in seiner Küche verwende, auch nicht Johann Lafer. Beide halte ich für hervorragende Köche. Dass Jamie Oliver sich für besseres Essen in englischen Schulen einsetzt, weiß und lobe ich.

Ich habe ein Problem mit vielen Spitzenköchen im Fernsehen, das hatte ich andeuten wollen. Die kochen meist mit teuren Zutaten, so teuer, dass die meisten Familien sich diese Zutaten - ein Bressehuhn etwa, oder weiße Trüffel, frische Morcheln - nicht leisten können. Wollen Menschen mit normalen oder unterdurchschnittlichen Küchenbudgets solche Gerichte nachkochen, müssen sie für billigeren Ersatz sorgen. Da wird aus dem Bresshuhn ein TK-Hähnchen, der weiße Trüffel entfällt, statt Morcheln gibt's Zuchtchampignons. Das hatte ich sagen wollen und - verkürzt - auch geschrieben.

Glauben Sie mir, es ist nicht leicht, einen Spitzenkoch dazu zu bringen, in Kochserien mit schlichteren, erschwinglichen Zutaten zu kochen, denn die fürchten dann um ihren Ruf. Zuschauer könnten meinen, sie verwendeten in ihren eigenen Restaurants tiefgefrorenen Lachs von Aldi. Ich war selbst lange Autor einer TV-Kochserie und habe diese Erfahrungen oft gemacht.

"Ein Koch, der im Urlaub seine Nase in fremde Küchen steckt macht eben Urlaub nur in gastronomischen Wallfahrtsorten" ist nun Ihrerseits blanker Stuss, lisaschwert. In sehr einfachen Dorfrestaurants, hier in der Türkei heißen sie Lokanta, können auch europäische Spitzenköche sich anregen lassen, neue Aromen oder gar ihnen bisher unbekannte Gerichte entdecken. In diesem Zusammenhang erwähnte ich Jörn Kabischs Tahin-Empfehlung für eine Vinaigrette.

Nun gut, "überhaupt haben Sie mal wieder den Kommentar nicht verstanden". So wie Sie es formulieren, muss das chronisch sein. Ich werde bei der künftigen Lektüre Ihrer geschätzten Kommentare Hilfe erbitten. Schlimmer ist mein "Allesbesserwissen trotz Unwissen". Das ist unheilbar, Menschen, die mir nahe sind, verzweifeln daran.

Uhrzeit: 3 Uhr 17.

dame.von.welt 18.07.2011 | 12:36

Hihi - Sie essen Ihr gesamtes Menue, bevor Ihre Gäste kommen, lieber Jörn Kabisch? Womöglich im Stehen, direkt aus dem Topf, zwischen x anderen Aktivitäten? DAS wäre dann vielleicht wirklich verbesserungsfähig ...;-)...

Mir geht's meist so, daß ich nicht mehr allzu hungrig bin, wenn ich mich den ganzen Tag mit Kauf, Vor- und Zubereitung von Essen beschäftigt habe (was ich für Freunde liebend gern und viel zu selten tue) - ich schob das bislang auf die Fülle von Gerüchen, die Löffelchen beim Abschmecken und die schiere Menge an verarbeiteten Lebensmitteln.

Ein Appetitlosigkeit erzeugender Horror waren mir die hohen Stapel an Kisten mit Lebensmitteln, die ich im Rahmen meines allerletzten Gastro-Jobs vor vielen Jahren in ansprechende Büffets zu verwandeln hatte - bäh, was war mir danach Essen zuwider! Der absolute Tiefpunkt (und Kündigungsgrund nebst Schwur: nie! wieder! Gastro!) war die Aufgabenstellung, zahllosen Hühner eine Farce aus Hühnerleber in den Bauch zu stecken - nie war ich der Entsagung jeglichen Fleischs und zwar für immer so nahe wie beim Hantieren in den vielen, kalten, toten Hühnern. Es dauerte eine ziemliche Weile, bis ich nach dem letzten Job wieder Spaß am Kochen hatte. (nein, lieber luggi, kistenweise Paprika waschen, putzen, nochmal waschen, final schnibbeln waren auch nicht wirklich besser)

An den seltenen Tagen, die komplett der Jagd, Zubereitung und Vertilgung von Essen dienen, habe ich sogar sehr gern Gesellschaft und zwar solche, die sich ausdrücklich nicht zu Schnibbeln oder sonstigem Mitkochen-müssen versteigt. Sondern mir lieber Schwänke aus der Jugend erzählt, aus der Zeitung vorliest, wunderbare Musik vorspielt, liebevoll Zigaretten dreht und mich zu kurzen Pausen nötigt, beim Abschmecken eine Meinung hat oder einen Küchenschluck einschenkt - im Grunde vielleicht beinahe wie Ihr Kater für Sie, aber vernunftbegabt und ohne haifischartiges Gekreise um die Beine, wenn gerade mehrere Töpfe aller Aufmerksamkeit bedürfen.

Es gibt ganz genau einen Menschen auf der ganzen Welt, mit der ich wirklich gern zusammen koche - die bereits mehrfach erwähnte Wandelnde-Kochbuch*-Freundin - die hat das auch deswegen total drauf, weil sie zwei Jahre lang auf einem Boot, also auf allerengstem Raum für x zahlende Gäste gekocht hat.
(*Reißt Sie das Lesen im Kochbuch nicht aus Ihrer Meditation? Das Kochen passiert (wenigsten bei mir) doch auf einer ganz anderen Ebene, nämlich physisch und intuitiv - mich würde das Einschalten des vordergründigen Verstands zum Lesen und Merken von Rezepten irritieren)

Die kann-ich-Dir-helfen-Angebote halte ich aber ohnehin meist für hohle Höflichkeitsphrasen, die der Fragesteller eigentlich auch lieber verneint sähe. Außerdem tue ich mich schwer mit der Annahme, daß Essen überhaupt schmecken kann, wenn die Zwiebeln anders geschnitten sind, als ich das für richtig halte. Küche ist auf alle Fälle Hierarchie! Um nicht zu sagen: Diktatur! Da das kein Umgang ist, den ich mit Freunden anstrebe, mache ich viel lieber alles selber.

Aber - blieb unerwähnt - ich koche ja auch sehr gern für mich ganz allein. Sprich: kochen und essen in splendid isolation und zwar mit Serviette. Ist mitunter die einzige Möglichkeit, einen übellaunigen, bescheuerten und anstrengenden Tag doch noch zu retten. Denn: Essen ist immer das mindestens Zweitbeste im Leben und darin weit zuverlässiger als das Erstbeste.

ed2murrow 19.07.2011 | 00:30

Mit einigen, wenigen, Menschen, ist es mir vergönnt, ohne Aufhebens zusammen zu kochen. Das ist ein Gleiten, eine stille Koordination, selbst der Abwasch wird ohne Zuteilung unter dem Zubereiten erledigt. Es ergibt sich.

Das setzt ein Grundverständnis voraus, was gekocht werden soll, nicht wie. Sonst ließe sich das Neue nicht verwirklichen. Und da wir nicht sehr oft zusammen kommen, kommt zur Rezeptur die Würze von Neuigkeiten des anderen und nachzuspüren, wem es die Suppe versalzen oder den Salat verhagelt oder reichlich eingeschenkt wurde.

Wenige magische Momente, die einzigen, da sich mein Tiger herbeilässt, länger in der Küche zu verweilen. Meistens findet er das Draußen spannender. Wird zusammengekocht, liegt er auf der Küchenbank. Dann zählt er die Sterne durchs Fenster.

luggi 19.07.2011 | 00:51

Na Gottseidank, ihr kocht nur. Damit entgeht ihr der Gefahr, die offentsichtlich mit dem Braten verbunden ist. Aber beim Kochen wäre ich mir auch nicht sicher!

Man kann einen Apfel einfach so essen oder ihn aufwendig kochen, passieren, mit fremden Zucker und Zimt würzen, damit das Mus dann irgendwie genießbar wird. Nachdenken ist angesagt.

Der Koch an sich ist mir brinzibjell egal, die/der sterben von allein ... aus.

weinsztein 19.07.2011 | 06:29

Lieber Luggi,

"Man kann einen Apfel einfach so essen oder ihn aufwendig kochen, passieren, mit fremden Zucker und Zimt würzen, damit das Mus dann irgendwie genießbar wird. Nachdenken ist angesagt."

Ich habe nachgedacht und erkannt: "Man kann einen Apfel einfach so essen oder ihn aufwendig kochen, passieren, mit fremden Zucker und Zimt würzen."

Dann entfernte ich das Kerngehäuse des einfach so seienden Apfels, gab ins entstandene Löchlein Zucker, Zimt, wenige Rosinen und noch weniger Brandy, Marzipan verwarf ich, leider. Ich ließ ihn im Ofen blubbernd schmurgeln, seine Haut warf Bläschen. Dann befreite ich das arme Äpfelchen, setzte es auf einen am runden Rand fein ziselierten Teller, füllte ein wenig handverschlagene und kurz gekochte buttrig-sahnige Creme mit echter Vanille ein und gab ihm ein Bällchen Walnusseis zur Seite.

Wir waren beide glücklich, ich ein wenig länger.

weinsztein 19.07.2011 | 07:09

Der Lieben Dame Meinung teile ich. Schnibbeln von Zwiebeln, Möhren oder sonst was das würde ich niemals Grobmotorikern überlassen, wenn ich brunoise haben will.

Dafür, dass sie sehr gern für sich allein kocht und isst, beneide ich sie. Ich hasse das, vermische löffelgerechte Nudeln lieblos mit der Bolognese und löffle.

Nach dem Kochen für andere und mich giere ich nach Lob und - ganz ehrlich - ich erhoffe beim Genuss meiner Speisen Ekstase und schrille spitze Schreie, meinen Namen und die Gerichte preisend, zuckende Leiber auf dem Flokati.

(a cooks dream)

Calvani 19.07.2011 | 17:51

Falls du dich fragst, wer da beim Lesen so schallend laut gelacht hat, weinsztein, das war ich!

"Nach dem Kochen für andere und mich giere ich nach Lob und - ganz ehrlich - ich erhoffe beim Genuss meiner Speisen Ekstase und schrille spitze Schreie, meinen Namen und die Gerichte preisend, zuckende Leiber auf dem Flokati."

Das ist einfach zu komisch!

Ich hingegen koche auch gerne für mich allein - ja, ich meine es so, wie ich es schreibe: Ich koche allein und esse allein. Warum denn nicht?

weinsztein 20.07.2011 | 05:07

Du findest es komisch, Calvani, doch war mein Ernst beim Verfassen dieser Zeilen nie bitterer und die von dionysischen Sehnsüchten getriebenen Phantasien niemals üppiger.

Du kochst und isst gern allein. Gut, selbst dann sind Rausch und Ekstase möglich und sogar erhofft, aber Du lernst weniger Leute kennen.

So wie unser einsam brutzelnder Küchenjunge Jörn unter dem Joch Jakobs.

weinsztein 20.07.2011 | 05:39

"Mit einigen, wenigen, Menschen, ist es mir vergönnt, ohne Aufhebens zusammen zu kochen", - ist ein neues Beispiel Ihrer literarischen Brillanz, an der Sie uns so üppig teilnehmen lassen, liebe/r ed2murrow.

Ein kleiner Einwand sei erlaubt.

Einige sind immer nur wenige. Was gekocht werden soll, setzt kein Grundverständnis voraus sondern eine Vereinbarung. Auf verhagelten Salat und versalzene Suppe möchte ich nicht eingehen, auch nicht auf die Würze von Neuigkeiten zur Rezeptur des anderen.

Richten Sie bitte Ihrer Katze bitte aus, dass ich ganz bei ihr bin, wenn sie (oder gar er?) von der Küchenbank durchs Fenster die Sterne zählt, während es Ihnen ohne Aufhebens vergönnt ist, "mit einigen, wenigen Menschen ... zusammen zu kochen".

Gerne gelesen!

ed2murrow 20.07.2011 | 14:30

Ich freue mich aufrichtig, liebe/r weinsztein, Ihnen ganz persönlich wieder Lesegenuss verschafft zu haben. Das anspruchsvolle Publikum, das Nächtens noch nach einem Happen giert und von Ihnen aufs trefflichste verkörpert wird, ist natürlich höchster Ansporn, zumal unterhalb einer Kochkolumne.

Davon profitiere ich immens. Denn derart charmant und unter präziser Beachtung der Interpunktion erklärt zu bekommen, wie Stilblüten zwischen Tautologie, Pleonasmus und/oder Oxymoron anzusiedeln seien, ist ein Privileg. Das zeugt von einem Verständnis, das im Grunde jede Konvention entbehrlich macht.

Leider kann ich meiner Katze nichts ausrichten. Erstens weiß sie in ihrer Unschuld nicht, was ein/e weinsztein sei, zweitens bin ich nicht derart in Zungen beschlagen wie Sie. Über deren üblichen, aber auch gewöhnlichen Gebrauch Sie als Gourmet mit ausgewiesenem Repertoire sicher bestens Bescheid wissen. Falls nicht, empfehle ich zur weiteren Nachtlektüre den diesbezüglich völlig unverdächtigen „Götz von Berlichingen“.

Immer wieder gerne, e2m

weinsztein 22.07.2011 | 03:35

Liebes ED,

nie hätte ich gezweifelt, dass Sie sogleich verstehen, was ich Ihnen schrieb. Dass Sie nicht in Zungen beschlagen sind, finde ich gar nicht schlimm, sicherlich verfügen Sie über andere Qualitäten.

Ihnen als Ihro Kayserliche Majestät rate ich daher unbedingt ab, Herrn Berlichingen im Arsch zu lecken, selbst bei Einvernehmen.

Grüßen Sie Ihre Katze von meiner Katze. Sie heißt Grete und wurde vor einigen Wochen Mutter eines noch sehr tollpatschigen Katers. Er ist niedlich verfressen und so schön, dass ich ihn Weinsztein nannte.

Ihr Leser
weinsztein

SuzieQ 22.07.2011 | 03:57

@weinsztein
"Obiger Beitrag enthält einige Interpunktionsrätsel"
und nicht nur diese! Ich schreib nur "Grete".
Sooo bescheiden kenn ich Sie gar nicht,dass Sie sogar einen (noch sehr tollpatschigen)Kater nach sich selbst benennen,rührend.
Es passt so passend,da Sie ja,wie er,wenn er seine Tollpatschigkeit abgelegt haben wird,genauso sein Revier abstecken wird wie Sie, Sie unvergleichlicher Charmebolzen, haben Sie doch tatsächlich wieder Kapern ins Spiel gebracht, da leckts mi doch,

wann legen Sie Ihre Tollpatschigkeit ab?
Oder haben Sie sich diese patentieren lasen?
sq*kugelt sich vor amusement am Boden*

weinsztein 22.07.2011 | 04:46

Sie haben völlig recht, liebe SuzieQ.

Der Gourmand ist der Feinschmecker, der Gourmet ein Weinkenner. Das wird in Deutschland immer wieder verwechselt, und zwar seit Langem. Da gilt der Gourmand als Vielfraß, der Gourmet als Kenner der feinen Küche.

Und ja, meine Kommentare im Freitag sind ein nicht enden wollender Schrei nach Liebe. Gestern kochte mein englischer Freund Barrie Thorpe mit meiner Assistenz ein indisches Hühnchen-Curry, natürlich ohne Currypulver, dazu Basmatireis und eine Joghurtcreme mit Ingwer, Knoblauch und sehr viel frischer Minze. Köstlich. Er trank Bier dazu, ich türkischen Weißwein.
Irgendwann, spät, erinnerten wir, was uns fehlt. Liebe! Dann war kein Halten mehr. Unser Jaulen waberte von hier oben runter ins Tal bis es die ägäischen Wellen verschluckten.

SuzieQ 22.07.2011 | 04:48

Sie wissen doch:
Ich Sie auch,Sie mich sowieso.
Zu Kapern:sollten Sie nur dann Kapern verwenden,wenn Sie für sich allein kochen,dann no offtopic,
zu Charmebolzen:charmant brachte ed2m ins Spiel,von Ihnen kam niedlich verfressen und so schön,da konnte ich die Verknüpfung nicht verhindern,
um meine lustbetonte Phantasie beneiden mich einige(nach Ihrem Dafürhalten sind einige = wenige,soviel zu -was wissen Sie schon-),ich bin mehr als zufrieden.
"Ich verzeihe Ihnen..." :)
"...und habe Sie quasi vor Augen,rumkugelnd auf dem Boden"hatten wir schon,webcam is nich,:)
Rumkugeln sind nicht Mozartkugeln,weil Mozart Marzipan plus Pistazie,Rumkugel Rum und Schokosplitter, Sie Naschkatze Sie.
Achja,vielmals bedankt für Bemerken meines comments,ist ja nicht selbstverständlich,das Sie reagieren,Sie weinsztein Sie.

luggi 23.07.2011 | 00:11

@ weinsztein
Wahrscheinlich kannst du einen Apfel nicht mehr normal beißend genießen ... -> Zahnarzt.

So, und jetzt mal konkret, beschreib mal deine Unfähigkeit, mit allen Kochkünsten einen Apfel zu kreieren. Oder einfach eine Stachelbeere, oder ein Ei, oder einen Fisch...

Und noch einmal für dich zum Nachdenken; warum musst du Zucker hinzufügen, zu einer Frucht, die an sich süß ist (süßer Apfel).

Dein Kommentar war ein unnachgedachter Kommentar. Mit deiner Bildung sollte dir das eigentlich nicht passieren ... es sei denn, der weinsztein lebt in seiner eigenen, kleinen Kochwelt.

weinsztein 23.07.2011 | 05:18

Lieber Luggi,

Äpfel, Rettiche, Möhren, Sellerie (!) kann ich roh genießen, wenn mir danach ist. Ich bin nicht fähig, Äpfel, Stachelbeeren, Ei noch Fisch zu erschaffen. Alle für sich gesehen sind perfekt, ich bin es nicht. Vermutlich ist das einer der Gründe, dass ich koche. Ein anderer, dass ich unter Köchinnen aufgewachsen bin. Ein dritter: ich mag fast alles roh, gerne auch kombiniert als Rohkost. Aber nicht immer, ich will Abwechslung, Äpfel gebacken oder als Kompott, Fisch gebraten oder als Sushi, ein weichgekochtes oder ein Spiegelei.

Um den Reiz für mich zu verschärfen, verwende ich nach gusto Salz, grünen, roten, weißen, schwarzen Pfeffer, Zimt aus Sri Lanka, Vanille aus Tahiti und sehr viele Kräuter. Wie und wo ich was verwende, bedarf des Nachdenkens innerhalb einer eigenen Kochwelt. Die ist nicht klein und nicht mein. Ich koche gern wie Inder, Thais, Türken, Italiener, Franzosen, Deutsche und viele andere. Heute Abend gibt's bei uns Saç Kavurma, dazu afghanischen Reis mit Rosinen, Zesten der Orangenschale, Pinienkernen...

Wir werden zu Viert kochen: Perihan, Mehtap, Barrie und ich. Das wird ein Palaver geben, einen Hauch von Gezicke und ein köstliches Essen. So mögen wir das. Bist eingeladen, Luggi.