Joachim Petrick
22.01.2013 | 18:57 41

Banalität im Eichmann Prozess entlarvt?

Hannah Arendt hatte zum Totalitarismus einen Begriff von diesem entwickelt, der zwischen verschiedenen Phasen innerhalb totalitärer Systeme und deren Nachfolgesystemen unter,,,.

Hannah Arendt hatte mit ihren Forschungsarbeiten und Lehren zum Totalitarismus einen Begriff von diesem entwickelt, der zwischen verschiedenen Phasen innerhalb totalitärer Systeme und Phasen in deren Nachfolgesysteme zu unterscheiden weiss.

So hebt Hannah Arendt im Vorwort zu ihrer 1966 erschienen Studie differenziert Unterschiede hervor.

"Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft"
 
Dort schreibt Hannah Arendt:

"Ich erwähnte bereits den Abbau totaler Herrschaft, der nach Stalins Tod einsetzte. […] Dass man die Sowjetunion im strengen Sinn des Wortes nicht mehr totalitär nennen kann, zeigt natürlich am deutlichsten das erstaunliche und üppige Wiederaufblühen der Künste in den letzten zehn Jahren."

Hannah Arendt im Blick auf die UdSSR weiter:

"Man müsse so doch feststellen, dass die totale Herrschaft, die furchtbarste aller modernen Regierungsformen […] mit dem Tode Stalins in Russland nicht weniger ihr Ende gefunden hat als in Deutschland mit dem Tode Hitlers".

Warum erzähle ich das alles im Zusammenhang mit dem Margarethe von Trotta Film "Hannah Arendt".

Ich erzähle das, weil Hannah Arendts Arbeiten und Begriffe zum Totalitarismus dort in der Schwebe bleiben, gar ins Leere greifen, wo es um eine ermittelnde und gerichtliche Aufarbeitung von Totalitarismen, gleich welcher Art geht, die nationalistisch, koloniaslistisch, imperial, rassistisch, ideologisch, weltrevolutionär,  unterwegs, einer globalisiert verheerenden Zielsetzung nachgestrebt, mit demselben "System" Personal notwendig weitere Auswirkung auf unbewältigte Fragen nach individuellen, nationalen und internationalen Rechtsbegriffen in der Gegenwart zur Folge haben und doch, eben auch bei Hannah Arendt als politischer Theoretikerin  unbeantwortet bleiben.

So fragt Hannah Arendt hellwach, wie elektrisiert,  zu Anfangs des Films, während sie mit ihrem Mann, dem Trotzkisten, Heinrich Blücher in ihrer New Yorker Wohnung, vor dem Fernseher sitzend, als "Breaking News"  erfahren, dass Adolf Eichmann vom israelischen Geheimdienst Mossad aus Argentinien nach Tel Aviv entführt wurde:

"Ob die wohl einen Auslieferungsantrag stellen?"

Dabei konnte Hannah Arendt nur die Bundesrepublik Deutschland oder die Deutsche Demokratische Republik gemeint haben.

Ihr Mann Heinrich Blücher fällt dagegen zu allererst ein, in Israel wäre das ein illegaler Prozess, der Eichmann gehört als Justizfall  vor einen Internationalen Strafgerichtshof wie das Nürnberger Kriegsverbrecher Tribunal.

Meint Heinrich Blücher dabei, dass Richter, Staatsanwälte, die selber Überlebende des Holocaust waren oder Angehörige durch den Holocaust verloren hatten, im Fall Adolf Eichmann befangen seien?

Was meint Hannah Arendt, wenn sie dagegen ruft:

"DIe sollten sich hüten, dass das in Israel kein Schauprozess wird!°

Denkt Hannah Arendt da an die stalinistischen Schauprozesse im Moskau der späten Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, in denen Richter, Staatsanwälte, gar Anwälte erklärtermaßen Partei waren, auf dünner Ermittlungsbasis, womöglich konstruierter Aktenlage, Angeklagte zum Tode, zu Straflager verurteilten, und doch nicht als befangen galten?

Oder denkt Hannah Arendt dabei an die Schauprozesse des nationalsozialistischen Volksgerichtshofes in München gegen die Geschwister Scholl als Angehörige der studentischen  Widerstandsgruppe "Weisse Rose", in Berlin gegen die angeblichen und wirklichen Verschwörer des Attentats auf den Führer, Adolf Hitler, am 20. Juli 1944 in der Wolfschanze(Führerhauptquartier in Ostpreussen)?

Will Hannah Arendt mit ihrem Begriff von der

"Banalität des Bösen"

eigentlich bedeuten, nicht das Böse an sich kann, wenn es massenhaft von Amtswegen organisiert, zum Normalfall im gesellschaftlchen Alltag wird,  banal geraten, sondern die Art und Weise, wie Folgesysteme des Totalitarismus daran scheitern, dessen Vebrechen, Fall um Fall, mit demselben Personal unbefangen, aufzuarbeiten, unschudige Opfer zeitnah zu rehabiitieren, diese selber oder deren Angehörigen für das staatlich legitimiert organisierte Verbrechen als identifiziertes Unrecht nicht nur zu entschädigen, sondern für deren Weidereingliederung in den gesellschaftlcihen Alltag, Gesundheit, Beruf, Ausblldung, Studium, personell professionell, materiell  umfassend, Sorge zu tragen.

Genau dass drohte mit dem Adolf Eichmann in Jerusalem (Israel) im Jahre 1961 nach dem Berliner Mauerbau am 13. August  bis ins Jahr 1963 zu geschehen und geschah dann  auch absehbar?

Akten aus dem Bundesarchiv in Koblenz in der Bundesrepublik Deutschland wurden so wenig gerichtlich zu Rate gezogen, wie aus den Ostberliner Archiven in der DDR.

In der Spandauer Zitadelle Inhaftiert verurteilte Kriegsverbrecher, darunter der NS- Rüstungsminister Albert Speer, Baldur von Schirach,  Karl Dönitz, oder Bundeskanzer Konrad Adenauers Kanzleramtsminister Hans Josef Maria Globke (Maßstabsetzender Kommentator der Nünberger Rassengesetze von 1935), BND- Chef Reinhard Gehlen wurden nicht befragt, geschweige denn in den Zeugenstand  vor dem Jerusalemer Gerichtshof einbestellt.

Zeitzeugen, wie Eugen Kogon (Autor des investigativ aufdeckenden Buches "Der SS- Staat"), der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer am Main, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, Adolf Eichmann in Argentinien aufzuspüren, wurden nicht angehört, wurden nicht im Zeugenstand vernommen.

Anstatt nun Adolf Eichmann im Jerusalemer Prozess als Kronzeugen einzusetzen, der das gesamte Logistiksystem (Fahrpläne, Transportkapazitäten staatlicher Bahngesellschaften, Verwaltungsapparate) in Europa kannte, das den Vernichtungslagern Ausschwitz, Treblinka, Sobibor, aus Italien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, der Ukraine, Weissrussland, dem Baltikum, Slowakei, Balkanländern, Frankreich, Norwegen, Luxemburg, Benelux- Ländern, Spanien, Potugal, Rest- Polen um ihr Vermögen, Gesundheit gebrachte Menschen zuführte, wurde Adolf Eichmann mit erbarmungswürdig erschütterten Überlebenden des Holocaust konfrontiert, zu denen er im einzelnen Fall voraussehbar nichts sagen konnte, noch mochte, denn er war ja nur so genannter  Schreibtischtäter "Ich war nur für Fahrpläne zuständig".

Hier stellt sich die Frage, ob überlebende Opfer des Holocaust nicht unselig als Statisten, als Staffage  eines Gerichtsspektakels vorgeführt und schändlich missbraucht wurden?

Ein Schreibtischtäter,  der als Hoher Logistik SS- Beauftragter an der Wannsee Konferenz im Januar 1942 teilnahm, der sich in der Bundesrepublik Deutschland, wie viele, vor allem Juristen, Ärzte, Psychiater, Psychoanalytiker des "Göring- Instituts, Beamte, Polizisten, Wehrmachtsangehörige, Reichsbahnangehörige auf den Befehlsnotstand, auf den juristischen Terminus

"Tatirrtum von Amtswegen"

berufend (Hans Filbinger Wort "Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein"), womöglich von jeder persönlichen Schuld freigesprochen worden wäre?

Angesichts dieser mit den Händen zu greifenden Heillosigkeit, die über dem ganzen Adolf Eichmann Prozess in Jerusalem wie ein dunkles Rauchzeichen lag, fühlt sich Hannah Arendt als Gerichtsreporterin für das Kulturmagazin "Der New Yorker" auf ihre bisherigen Arbeiten zum Totalitarismus verwiesen  und nennt Adolf Eichmann im Zusammenhang mit ihrem Begirff "Banalität des Bösen", entdämonisierend, einen gedankenlosen "Hans Wurst",

Dass in diesem Gerichtsverfahren in Jerusalem gegen Adolf Eichmann von 1961- 1963, das vor einen Internationalen Strafgerichtshof, wie heute in Den Haag, gehört hätte, dem Israel allerdings, wie China, Nordkorea, die USA, bisher die Anerkennung verweigert, alle Verfahrensbeteiligten, angesichts der Unzulänglichkeiten der Organisation und Ausstattung des Prozesses, systemisch betrachtet, drohten, in die Farce- Rolle eines "Hans Wurst" zu geraten, sagt Hannah Arendt nicht.

Bleibt Hannah Arendt da auf halber Strecke stehen?

Hannah Arendts Versuch, mit dem Hinweis, dass die Judenräte  im Namen der europaweiten Effizienz der Logistik des Holocaust-Systems, statt Sand ins Logistik Getriebe zu streuen, mehr getan haben, als sie mussten, führte zu keiner erweiterten Frage nach Verstrickungen der Adminstrationen, Apparate, der damals von der Deutschen Wehrmacht besetzten Staaten in Europa als einfallreich willig kollaborierende Helfer, sondern geriet zum beängstigend verharmlosenden Vorwurf gegen Hannah Arendt selber, dass sie ihr jüdisches Volk Israel nicht liebe

Hannah Arendt (1906- 1975)  hat ihr ganzes Leben lang betont, kein Volk lieben zu können, also auch nicht das jüdische Volk, denn lieben könne sie  nur ihre Freunde.

Hat Hannah Arendt das falsch enigeschätzt, wie schwer es dem jüdischen Volk in Israel fiel, dessen Geberländer in Europa auf der Anklagebank zu sehen?

Die Praxis des deutschen Besatzungsregimes in den von der Deutschen Wehrmacht, von 1939- 1945, besetzten Ländern Europas, die Besatzungskosten mit dem Hinweis zu erhöhen, dass diese Länder sich ja am Vermögen des jüdischen Teils der eigenen Bevölkerung gütlich halten könnten, stieß, abgesehen von Dänemark, auf  willig strebig offene Ohren in staatlichen Apparaten.

Margarethe von Trottas Film "Hannah Arendt" lädt da segensreich  zu, weiterführend, aufdeckenden Debatten ein.

Dass der Psychiater und Philosoph Karl Jasper (1883- 1969), anders als der Philosoph Martin Heidegger (1889- 1976), ausgerechnet als Doktorvater von Hannah Arendt, von dem sie eine Anleihe auf den Begriff "Banalität des Bösen" nimmt,  in diesem Film keinerlei Erwähnung  erfährt, gibt Rätsel auf.

Historisch brisant ist möglicherweise, dass paralell zum Adolf Eichmann Prozess in Jerusalem, seit 1958 zwischen dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Schlusstrichdebatte zur deutsch. französischen Feinschaft von 1870 Konturen annahm , die schlussendlich im Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 mündete und ausdrücklich, neben einer turnusmäßig dichten Zusammenarbeit der Regierenden, der Ministerien in Frankreich, der Bundesrepunlik Deutschland, auch, neben einer gegenseitigen Amnestie von Kriegsverbrechen,  einen materiellen wie moralischen Schuldenerlass gegenüber Deutschland seit 1914  beinhaltet.

De Gaulle mochte als Initiator des Ellyssee Vertrages mit Konrad Adenauer das Ende der deutsch- französischen Feindschaft  seit 1870 als unabdinglichen Geleitzug seiner  erfolgten Ausrufung des Endes der französischen Kolonialzeit in Algerien, Mali, Marokko begriffen haben.

Dazu mochte auch gehören, dass De Gaulle Konrad Adenauer drängte, dem drohenden Berliner Mauerbau 1961 nach dem gescheiterten Versuch Chruschtschows mit seiner gesamtdeutschen Friedensinitiative im Jahre 1958, keine innen- und außenpolitischen Inititiativen entgegen zu setzen.

Von nunan, unterlag der Weg und Zugang  zu Ostberliner Archiven seit dem Berliner Mauerbau am 13. August 1961, bis dahin unbekannt admistrativen, gegenseitig kontrollierenden Beschwernissen.

Anwälte aus der DDR waren nun nicht mehr, ohne weiteres, bei Zivil- und Strafverfahren in der Bundesrepublik Deutschland, wie umgekehrt in der DDR, als Verfahrensbeteiligte zugelassen.

Zwischen der DDR und dem Staat Israel gab es zu diesem Zeitpunkt 1961 nicht einmal diplomatische Beziehungen, geschweige denn ein Rechtsabkommen.


Eine Frage bleibt, lag der eigentliche Anlass der so genannten SPIEGEL- Affäre vom Oktober 1962 in einer sich anbahnenden französisch- deutschen "Entente", in der die Bundeswehr als bestens aufgestellt, mit modernsten Waffen- und Logistiksystemen ausgestattet, im Gegensatz zur SPIEGEL- Titelgeschichte "bedingt abwehrbereit" vorgeführt werden sollte?

JP

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/auschwitz-prozess-fritz-bauer-institut-stellt-tondokumente-ins-netz-a-926541.html 

Zum 50. Jahrestag: Institut stellt Tonaufnahmen von Auschwitz-Prozess ins Netz





Kommentare (41)

Joachim Petrick 22.01.2013 | 20:52

ergänzt:

 

Hat Hannah Arendt das falsch enigeschätzt, wie schwer es dem jüdischen Volk in Israel fiel, dessen Geberländer in Europa auf der Anklagebank zu sehen?

Die Praxis des deutschen Besatzungsregimes in den von der Deutschen Wehrmacht, von 1939- 1945, besetzten Ländern Europas, die Besatzungskosten mit dem Hinweis zu erhöhen, dass diese Länder sich ja am Vermögen des jüdischen Teils der eigenen Bevölkerung gütlich halten könnten, stieß, abgesehen von Dänemark, auf  willig strebig offene Ohren in staatlichen Apparaten.

Joachim Petrick 22.01.2013 | 20:53

ergänzt:

 


Eine Frage bleibt, lag der eigentliche Anlass der so genannten SPIEGEL- Affäre vom Oktober 1962 in einer sich anbahnenden französisch- deutschen "Entente", in der die Bundeswehr als bestens aufgestellt, mit modernsten Waffen- und Logistiksystemen ausgestattet, im Gegensatz zur SPIEGEL- Titelgeschichte "bedingt abwehrbereit" vorgeführt werden sollte?

poor on ruhr 22.01.2013 | 21:28

Was für ein Zufall. Habe mir heute nach der Schicht das Buch "Adolf Eichmann, Bürokrat und Massenmörder, David Cesarani, Piper. 2008" gekauft und auch schon einige Seiten gelesen.

Finde das Blog von Dir un Deine Fragestellungen sehr gut. Glaube, dass es die richtigen Fragen sind.

 

Dass Globke in Jerusalem nicht anwesend war soll wohl ein Deal zwischen Adenauer und der damaligen israelischen Staatsführung gewesen sein und dafür gab es militärische Unterstützung und Wirtschaftshilfe, die von Israel dringend benötigt wurden.

Das stand aber nicht im Buch sondern habe ich aus dem Fernsehen.

 

In dem Buch steht, das Hannah Arendt in der neueren Adolf-Eichmann -Forschung mit ihrer Theorie wohl nicht mehr alle Antworten zu Adolf Eichmann geben kann.

Der Autor meint, dass Hannah Arendt ihre Darstellungen von Adolf Eichmann zu sehr auf ihre Theorie zugeschnitten hat, wenn ich das richtig verstanden habe.

Das ist eine Thematik in der ich nicht gerade sattelfest bin, aber das Streben des Autors in einem neueren Forschungsatz nachzudenken , hat mich zum Kauf animiert,   

Joachim Petrick 22.01.2013 | 22:53

Interessanter Buchhinweis.
Nach meinem Eindruck war Hannah Arendt, angesichts der desolat überforderten  Prozessführung im Verfahren gegen Adolf Eichmann, zuerst ratlos dann zum Schluss wirklich nur daran interessiert, mit dem Fall Adolf Eichmann ihre Theorie vom Totalitarismus zu unterfüttern.

Was sagst Du in dem Zusammenhang zum Elysee Vertrag, 22. Jauar 2013, samt SPIEGEL- Affäre 1962?

seriousguy47 22.01.2013 | 23:39

"Meint Heinrich Blücher dabei, dass Richter, Staatsanwälte, die selber Überlebende des Holocaust waren oder Angehörige durch den Holocaust verloren hatten, im Fall Adolf Eichmann befangen seien?"

Ich schätze, er meinte, dass die Verbrechen weder in Israel noch an israelischen Bürgern begangen wurden, der Staat Israel also formal nicht zuständig war. So verstehe ich den Verweis auf ein Internationalen Tribunal.

Die Interpretation der "Banalität des Bösen" ist natürlich ein Original-Petrick;), der wohl zu Recht meint, in der deutschen "Aufarbeitung" hätte es zu viel Banalität gegeben und sei zu wenig "Böses" zur Sprache gekommen.

Von Arendt aus betrachtet zeigte sich bei Eichmann eher, wie die Organisation eines Systems - heute z.B. auch das Internet - im menschlichen Gehirn zu einer psychopathischen Wahrnehmung führen kann, in der z.B. jegliche Empathie fehlt. Vergleichbares trat ja auch in der Organisation des Milgram-Experiments zutage.

So ensteht dann der für Außenstehende unfassbare Kontrast zwischen der bürokratisch kühlen Abwicklung auf der einen und einer menschlich nicht mehr nachvollziehbaren brutalen Vernichtungspraxis auf der anderen Seite - auf die aber die "Spiegelneurone" des bürokratischen Organisators womöglich gar nicht anspringen.

Ich denke, die Folgen der psychopathischen Verfälschung menschlicher Wahrnehmung durch Systeme/ äußere Strukturen wird in der breiten Öffentlichkeit bislang zu wenig beachtet, obwohl sie derzeit im Internet wieder mal überdeutlich zutage treten.

Ob Arendt diese Zusammenhänge sah, weiß ich nicht. Ich kenne sie fast gar nicht. Aber in der Formulierung von der "Banalität des Bösen" hat sie zumindest das Problem benannt.

 

Joachim Petrick 22.01.2013 | 23:52

"
Ich schätze, er meinte, dass die Verbrechen weder in Israel noch an israelischen Bürgern begangen wurden, der Staat Israel also formal nicht zuständig war. So verstehe ich den Verweis auf ein Internationalen Tribunal"

 

Das meinte er vor allem im Trotta Film.

Mutmaßlich war es so, dass Israel mit Adolf Eichmann alleingelassen wurde.

 

Dass Barbie, der GESTAPO Schlächter von Lyon,  1983 aus Paraguay nach Frankreich durch Betreiben der Bundesrepublik ausgeliefert wurde, war ein Einzelfall

.

Joachim Petrick 22.01.2013 | 23:56

"Von Arendt aus betrachtet zeigte sich bei Eichmann eher, wie die Organisation eines Systems - heute z.B. auch das Internet - im menschlichen Gehirn zu einer psychopathischen Wahrnehmung führen kann, in der z.B. jegliche Empathie fehlt. Vergleichbares trat ja auch in der Organisation des Milgram-Experiments zutage."

 

Eichmann selber redet als braver Vater und Ehemann von seinem "Gespaltensein"

seriousguy47 22.01.2013 | 23:59

"Mutmaßlich war es so, dass Israel mit Adolf Eichmann alleingelassen wurde."

Ich weiß darüber zu wenig, aber die Sache war natürlich juristisch hoch problematisch, so dass es genügend Gründe gab, hinter denen die BRD sich verschanzen konnte. Im eigenen Lande hat sie sich allerdings noch schändlicher verhalten - ganz und gar ohne Gründe, hinter denen sie sich verschanzen konnte. Das ist wohl wahr.

Joachim Petrick 23.01.2013 | 00:01

"
Ich denke, die Folgen der psychopathischen Verfälschung menschlicher Wahrnehmung durch Systeme/ äußere Strukturen wird in der breiten Öffentlichkeit bislang zu wenig beachtet, obwohl sie derzeit im Internet wieder mal überdeutlich zutage treten."

 

Das Internet ist aber nicht das System, sondern das Medium in dem "Gewaltsysteme", massiv präsent,  in Erscheinung trten

seriousguy47 23.01.2013 | 00:06

"Karrieregeil war Eichmann mutmaßlich auch"

Ich denke schon, dass es einen wesentlichen Unterschied macht, ob ein SS-Mann vor Ort effektiv mordet, um Karriere zu machen oder on einer am fernen Schreibtisch "fleißig" ist. Im Ergebnis macht es zwar keinen Unterschied, aber mit der strukturell vorgegeben Distanz kann man u.U, sehr viel mehr Menschen zu willigen Verbrechern machen, als wenn sie ihren Opfern in die Augen blicken müssten. Gilt ja auch für Bomberpiloten oder diejenigen, die Drohnen losschicken....

Man braucht das also zur Erklärung dessen, was passiert ist, und um alle zukünftigen Gefahrenpotentiale zu erkennen.

Joachim Petrick 23.01.2013 | 00:07

"Ob Arendt diese Zusammenhänge sah, weiß ich nicht. Ich kenne sie fast gar nicht. Aber in der Formulierung von der "Banalität des Bösen" hat sie zumindest das Problem benannt."

 

Das ist ihr zu danken.

Was n. m. E. bei ihr fehlt sind ökonomische Zusammenhänge, die bei ihren Vorstellungen von antiker Res Pubklica in "kleinen Mitspracheeinheiten" wohl auch eher nachrangig zur Geltung kommen, bzw. beiläufig zielführend behandelt werden können, weil das Primat der Ökonomie hier nicht greift?

Joachim Petrick 23.01.2013 | 00:14

"Im Ergebnis macht es zwar keinen Unterschied, aber mit der strukturell vorgegeben Distanz kann man u.U, sehr viel mehr Menschen zu willigen Verbrechern machen, als wenn sie ihren Opfern in die Augen blicken müssten."

 

Interessante Überlegung, die durch Aussagen von Heinrich Himmler gedeckt sind, siehe dessen Posener Rede im jahre 1943

",,, ein stummes Heldetnum .. es ist leicht drei Leichen, 30...., aber 300 zu sehen.......und trotzdem anständig geblieben zu sein....

apatit 23.01.2013 | 09:47

Eichmann, da denke ich sofort an den hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer einer der hartnäckigsten Nazi-Jäger. Er brachte Adolf Eichmann zur Strecke - und war Ankläger im wichtigsten Prozess der Bundesrepublik. Aber auch der vertraute nicht dem Adenauerstaat, er wusste was da “kreucht und fleucht “ und informierte den Mossad über seine Erkenntnisse. ( “Eichmann? Adolf Eichmann? Den Namen dieses Massenmörders habe er zuvor nie gehört “, erklärte der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer im Juni 1960 seinem Gesprächspartner, dem israelischen Diplomaten Felix Shinnar.) Soll so es gewesen sein und ich kann mir das lebhaft vorstellen, wer gibt schon zu, einst legte er Hitlers Rassegsetze aus, ( Globbke ) dann als Adenauers Staatssekretär war er dann 14 Jahre lang einer der mächtigsten Männer der Bundesrepublik, da hat man mit den alten Kameraden ( Globbke, Eichmann, Barbie, Gehlen usw.) schon Mitleid, es waren doch nur Befehlsempfänger und die haben doch nur ihre Pflicht getan. Außerdem ist der Kommunismus zu bekämpfen und da braucht man jede Frau und jeden Mann dazu und nicht nur die, mit der Blutgruppe unterm Arm! (Otto Köhler am 16.06.2006 im Freitag nachlesen) Oder der ND Artikel vom 8.04.2006 Enttarnung, Verfolgung und Verurteilung von Nazis in der DDR - Fragen an Dieter Skiba und Wolfgang Schmidt … passt zu deiner richtigen Analyse. Als Schluss sollte nicht unerwähnt bleiben:“ Faschismus ist nichts anderes als eine Herrschaftsform im Kapitalismus, zwar die brutalste, aber nur eine von vielen. Faschismus ist „die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ (Georgi Dimitroff). Bevor wider bestimmte Leute sagen, ach der schon wieder, meine ich, nee, liebe Leute das sollte man (mit) aber nicht nur betrachten.

Joachim Petrick 23.01.2013 | 13:33

"Generalstaatsanwalt Fritz Bauer einer der hartnäckigsten Nazi-Jäger. Er brachte Adolf Eichmann zur Strecke - und war Ankläger im wichtigsten Prozess der Bundesrepublik. Aber auch der vertraute nicht dem Adenauerstaat, er wusste was da “kreucht und fleucht “ und informierte den Mossad über seine Erkenntnisse."

 

Danke an die Erinerung an diesen engagierten Staatsanwalt, dwer weisungsgebunden wußte, was passiert, wenn er einen Auslieferungsantrag in Argentinien stellt

apatit 23.01.2013 | 15:54

JP hat der Wecker geklingelt? Das war eine! Definition eben. (Dimitroffs These trugen politischen Charakter und sind kaum als Ersatz wissenschaftlicher Theoriebildung zu verstehen.) Aber wenn ich den Film der Rat der Götter von Friedrich Wolf sehe, denke ich das er damals? Richtig lag! Der Faschismus entstand nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Boden kapitalistischer Wirtschafts- und Gesellschaftsverhältnisse und konnte auf diesem Boden wirksam werden. Aber Vorsicht – das sind Ketzer Gedanken! Schwamm drüber.

apatit 23.01.2013 | 16:05

Faschismus, war`s Faschismus? in Chile, Terror, Mord, Folter usw. ( Pinochet ist für kein einziges während seiner Diktatur begangenes Verbrechen wie Mord oder Folterung verurteilt worden, denn er starb vor der Anhörung.) General Pinochet hatte am 11. September 1973 bei einem vom US-Geheimdienst CIA unterstützten Militärputsch den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende gestürzt. Während seiner 17-jährigen Herrschaft wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mehr als 3200 Menschen getötet oder verschleppt, ohne dass ihr Schicksal geklärt wurde. 37.000 weitere Menschen wurden inhaftiert und gefoltert. Mir ist bis heute unklar, warum Baden-Württemberg Henry Kissinger mit Verdienstmedaille ehrte? Was hatte er gegen Milch für die Kinder in Chile. Aber kommen wir zum Thema zurück!

apatit 24.01.2013 | 08:18

... siehe Gabyweber.com dazu! / Bundesnachrichtendienst (BND) - Adolf Eichmann  

Download komplett artikel [PDF]  

In der Vergangenheit habe ich auf Akteneinsicht gegen das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Berliner Polizei geklagt. Vor dem Bundesverfassungsgericht habe ich ein Normenkontrollverfahren gegen das geplante Verbrechenbekämpfungsgesetz erfolgreich angestrengt; es sollte den deutschen Behörden unkontrolliertes Abhören im Ausland erlauben.

Zur Zeit klage ich vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Bundesnachrichtendienst auf Herausgabe seiner Akten zu den Themen „Eichmann in Argentinien“, „deutsch-israelische Zusammenarbeit bis zum Jahr 1960 auf nuklearen Gebiet“ sowie „Forschung deutscher Staatsbürger über rüstungsrelevante Themen nach dem Zweiten Weltkrieg in Argentinien“. Der BND hat die Akteneinsicht verweigert.

Heinrich Allers 09.02.2013 | 01:15

So interessant der Artikel über den Film in seinen Gedanken auch ist, er hätte, was die Form (orthographisch und grammatisch) angeht, etwas mehr Sorgfalt verdient. Ich kann mir garnicht vorstellen, daß er so wie hier in der gedruckten Ausgabe stand. (Und daß Karl Jaspers als "Karl Jasper" geführt wird, verläßt eigentlich schon den rein formalen Bereich der Nachlässigkeiten).- Mein Vorschlag: diese Netz-Version des Artikels noch einmal sorgfältig durchzusehen und die fälligen Korrekturen vorzunehmen.

Roesike Axel 18.06.2013 | 04:10

Hatte sie nicht auch zu anderen Nazi-Größen geschrieben, in Form von Bechreibungen ihrer Charakterzüge? Der Zusammenhang mit der Totalitarismus-Debatte ist natürlich dennoch auf der Hand liegend. Es gibt aber auch die moral-philosophische (oder ethische) Frage: Warum scheitert ein Mensch an seinem Menschsein? Verweigert sich der Humanität? Das ist nicht nur eine Frage totalitärer Strukturen. Ich denke, Arendt sah dies. Man müßte hier vielleicht auch Erich Fromm erwähnen, der die Täter psychologisch bzw. sozial-philosphisch abklopfte. Ähnlich an Typen angelehnt. 

Roesike Axel 18.06.2013 | 04:35

Ja, ich habe ihn gefunden, Ihren Arendt-Blog bzw. Beitrag. 

• »Anstatt nun Adolf Eichmann im Jerusalemer Prozess als Kronzeugen einzusetzen« – das ist nun irgendwie ein guter Gedanke. Man fragt sich bei anderen aktuellen Rechtsfällen (Saddam etc), warum der schnelle Tod des Beschuldigten im Interesse des Volkes, der Öffentlichkeit oder ähnlicher Gremien sein soll. Durch die schnelle Bestrafung entgeht auch die Möglichkeit, psychologische Profile etc anzulegen. Scheinbar werden Motive der Rache und Genugtuung als höhere Motive der Justiz angesehen. Als Deutsche können wir dazu wenig sagen. Ich beziehe diesen Satz auf die Tatsache der abgeschafften Todesstrafe. Arendt dachte diesbezüglich sicher eher amerikanisch. 

• »Bleibt Hannah Arendt da auf halber Strecke stehen?« – in gewisser Weise muß dieser Eindruck entstehen. Ich vermute, dass wir heutzutage mit größerer Selbstverständlichkeit Worte wie Weltöffentlichkeit, mediales Erscheinen etc gebrauchen. Damals war die Welt noch nicht so vernetzt. Vielleicht schweift der Gedanke zu sehr ab bzw. geht in die falsche Richtung?

• »Hat Hannah Arendt das falsch enigeschätzt, wie schwer es dem jüdischen Volk in Israel fiel, dessen Geberländer in Europa auf der Anklagebank zu sehen?« – dieser Satz bleibt mir auch nach einigem Nachdenken äußerst dunkel bzw. unverständlich. 

• »Dass der Psychiater und Philosoph Karl Jasper …in diesem Film keinerlei Erwähnung erfährt, gibt Rätsel auf.« – Sie verstehen doch sicher, dass auch der Feminismus seine, bzw. die Frauenbewegung ihre, Leitfiguren braucht, die durch unnötiges Erwähnen von männlichen Entitäten nur verwässert / herabgesetzt erscheinen. 

• »Zwischen der DDR und dem Staat Israel gab es zu diesem Zeitpunkt 1961 nicht einmal diplomatische Beziehungen, geschweige denn ein Rechtsabkommen.« – Sie erwähnten selbst BenUrion. Es ist wirklich komisch, wenn bzw. dass dies so war. Der Kibbuz hätte doch die natürliche Quelle aller sozialistischen Gedanken, Träume und Wünsche in der "DDR" werden können. Eigentlich schade. Kein deutsches Kibbuz-System, dafür Mauer, Wachtürme, Landmienen, Selbstschußanlagen und Todesbefehl. Wozu träumen? 

Mit freudlichen Grüßen! 

Joachim Petrick 20.12.2013 | 02:16

"Das ist nicht nur eine Frage totalitärer Strukturen. Ich denke, Arendt sah dies. Man müßte hier vielleicht auch Erich Fromm erwähnen, der die Täter psychologisch bzw. sozial-philosphisch abklopfte. Ähnlich an Typen angelehnt. "

 

Danke für diese Überlegungen.

Gleichwohl geh tes um totalitäre Strukturen von  damals, die bis heute in die Gerichtsbarkeit von Demokratien hineinwirken, wenn, wie  mit dem   Eichmann Prozess geschehen, dazu  am falschen Ort,  Regierungsverbrechen ungeheuren Ausmaßes des Deutschen Reiches durch einen bilateralen Deal zwischen Konrad  Adenauer und Ben Gurion zu einem bundesdeutsch- israelischen Akt der "Banalität des Bösen" gerät

Joachim Petrick 20.12.2013 | 02:26

"• »Zwischen der DDR und dem Staat Israel gab es zu diesem Zeitpunkt 1961 nicht einmal diplomatische Beziehungen, geschweige denn ein Rechtsabkommen.«"

 

Aber sehr wohl eine offizielle Propaganda des staatlich verordneten Antifaschismus und angeblich amtlichen Willen gegen NS- Verbrechen zu ermitteln.

 

Warum haben BND und MfS nicht die Inhaftierung Adolf Eichmanns in Argentinien gemeinsam per Amtshilfe oder jeder für sich oder gegeneinander betrieben, anstatt das dem israelischen Mossad zu überlassen?

 

Weil, wie der damalaige Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main Fritz Bauer, der das Aufspüren Adolf Eichmanns in Argentinien durch den Mossad erst ermöglichte, NS- Spitzel in der Staatsanwaltschaft saßen, die bei einem Auslieferungsbegehren Eichmanns in Argentinien, diesen sofort alarmiert und über Dritte  zur Flucht verholfen hätten

Roesike Axel 21.12.2013 | 00:42

bitte! und ebenfalls Danke!

was war denn genau der Deal? Schweigen gegen Unterstützung eines neu entstehenden Staates? 

ich will das noch ergänzen: es geht sogar um die Verdoppelung dieser Strukturen, einerseits als äußerliche, organisatorische, autoritäre, herrschaftliche etc, andererseits als die jeweiligen Formen der Verinnerlichung davon, also z.B., dass man immernoch annimmt, es sei selbstverständlich, dass Autorität (nicht Überzeugungskraft z.B.) für Ordnung sorgt.

Auch im Dritten Reich setzten sich schon totalitäre, in diesem Sinne: verdoppelte, Strukturen fort. Es ist fraglich, wie das Ausmaß konkret an Neuschöpfung totalitärer Strukturen war. Ich vermute, man kann Arendts These von der Banalität auch dahin ausdeuten: diese Strukturen waren keine originären Schöpfungen, sondern Mutationen und Fortführungen längst bekannter. Da wird das Wort ›klinisch‹ wieder aktuell, wie man von den Protagonisten des Dritten Reichs auch von Klinischen Fällen gesprochen hat. Fraglich, ob dies eine Verharmlosung sein könnte. 

Roesike Axel 21.12.2013 | 00:50

Vielleicht hat man dem Jüdischen Geheimdienst auch versprochen, diesem diese Aufgabe zu überlassen.

Wäre möglich, dass es dort ein konkretes Rachebedürfnis gegeben hatte. (um es verkürzt zu formulieren). Rache als Talion ist nach Jüdischen Recht eine Pflicht und selbst gewisses Recht. Da gibt es sicherlich noch einige ungekärte Gedanken und Fragen. Die vielleicht in Kriminalgeschichten oder sog. Thrillern noch eher beantwortet werden als in Geschichtsbüchern. Z.B. auch: warum wurde der frühere Partner von Joel Brand liquidiert?