Juliane Löffler
10.06.2013 | 08:00 16

"Der Minirock des Internets"

Im Gespräch Laurie Penny ist in Großbritannien die Stimme eines jungen Online-Feminismus. Sie kämpft für eine sexismusfreie Diskussionskultur

"Der Minirock des Internets"

Laurie Penny versucht, auf der Straße unnahbar zu wirken – als Schutz gegen dumme Anmache

Foto: Basso Cannarsa / LUZphoto

Der Freitag: Frau Penny, welche Rolle kann das Netz heute für Genderdebatten spielen?

Laurie Penny: Unsere Auffassung von Geschlecht und Sexismus wäre ohne das Internet heute fundamental anders. Ich bin davon überzeugt, dass sich durch die Geschichten und Erfahrungen, die wir online miteinander teilen, die Vorstellung davon verändert, welches soziale Verhalten akzeptiert wird – und welches tabuisiert wird. Der Feminismus der neunziger Jahre kreiste dagegen, teils auch als Anhängsel der damals dominaten neoliberalen Wirtschaftideologie, um Selbstermächtigungsfantasien in Form von Glamour, Shopping und Schuhen, wie wir das von Sex in the City kennen – er beschäftigte sich also vor allem mit den Sorgen reicher, weißer Frauen.

Und inwiefern ist der heutige Online-Feminismus anders?

Er ist ganz im Gegenteil nicht glamourös und versucht auch nicht, irgendjemand zu beeindrucken oder etwas zu verkaufen, wie das etwa die meisten Frauenzeitschriften tun. Der Online-Feminismus, so wie ich ihn verstehe, will Geschichten erzählen und ist viel konfrontativer. Und das ist auch viel machtvoller, als alle erwartet haben.

Aber ist das wirklich eine neue Art von Feminismus?

Es ist eine Weiterentwicklung. Eigentlich handelt es sich um einen alten Feminismus, der sich auf eine neue Art und Weise artikuliert. Er kann Menschen direkter erreichen als früher. Ich habe in meiner Schulzeit viel Literatur der zweiten und dritten Welle des Feminismus gelesen. Und ich habe mich umgeschaut und gefragt: Wo ist das alles? Was ist unser Feminismus? Alles, was ich damals in den Zeitungen sah, suggerierte: Dieser Kampf ist vorbei. Es gibt nichts mehr zu sagen. Erst als ich online aktiv geworden bin und 2005 angefangen habe, feministische Blogs zu lesen, habe ich in diesen Communitys etwas komplett Neues entdeckt.

Was war das genau?

Zum Beispiel Blogs wie LiveJournal oder the f-word. Über sie bin ich dann auch selbst zur Online-Aktivistin geworden. Ich habe dort in sehr kurzer Zeit eine Menge gelernt – auch über Themen wie ethnische Diskriminierung. Ich war 18 und in einer sehr weißen Gegend aufgewachsen. 2007 war ich dann fertig mit der Uni und beschloss, nicht auf einen Job bei einer lokalen Zeitung zu warten, sondern stattdessen dort zu bloggen. Ich tat einfach so, als wäre ich eine echte Journalistin – und dann wurde ich irgendwie eine.

Was hat sich dadurch an Ihrem Schreiben verändert?

Heute vermisse ich LiveJournal. Dort waren die Kommentare nicht ganz so brutal. Ich fühlte mich auf meinem eigenen Blog in der LiveJournal-Community geschützter, mehr als auf Webseiten professioneller Zeitungen – weil du in so einer Community viel persönlicher involviert bist, Beziehungen und Freundschaften pflegst. Um ehrlich zu sein, lese ich die Kommentare unter meinen Texten heute kaum mehr.

Ist es so schlimm?

Naja, manchmal, wenn ich schlecht gelaunt oder in Selbsthass-Stimmung bin, schaue ich mir an, was die Menschen im Internet über mich schreiben. Das ist aber so, als ob ein Teil deiner Seele leise umgebracht würde. Menschen sind manchmal so grausam und gezielt persönlich in ihren Attacken. Dann muss man sich einfach vor diesem ganzen Bullshit schützen. Durch die lauten, bösartigen Kommentare ist für mich aber auch etwas sehr Wertvolles verloren gegangen. Ich bin mir sicher, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht im Netz engagieren und öffentlich exponieren, weil sie Angst haben – mit diesem Hass konfrontiert zu werden.

Wann wurden die Angriffe so richtig heftig?

Es fing an, als ich regelmäßig für die Website des New Statesman zu schreiben begann. Es hat mich völlig überrascht. Ich dachte zunächst, all diese fiesen Kommentare und Blogbeiträge wären Reaktionen darauf, dass ich eine schlechte Autorin oder ein schlechter Mensch sei. Dann war ich auf einem Treffen mit einigen anderen Autorinnen und Aktivistinnen. Jemand erzählte von Online-Hasskommentaren. Und ich sagte: „Moment mal, ich kenne das.“ Das Gespräch darüber wurde zu einem regelrechten Ausbruch.

Was steht in den besonders krassen Kommentaren?

Ein College-Student schrieb etwa auf Twitter: „Du dumme Schlampe, ich will dich ins Gesicht schlagen.“ Meine Follower haben ihm dann geschrieben, dass er ein Idiot sei. Und daraufhin hat er sich beschwert, dass er beleidigt würde. „Siehst du, so fühlt sich das an“, habe ich nur gedacht.

Haben Sie eine bestimmte Strategie, wie Sie heute mit solchen Anfeindungen umgehen?

Retweeten hilft mir sehr, also die Kommentare ohne Anmerkungen auf der eigenen Plattform weiterveröffentlichen. Ich erwidere nichts darauf, sondern zeige nur, was Menschen sagen und tun. Lustig ist: Wenn du die Aufmerksamkeit auf diese Leute selbst lenkst, fühlen sie sich in ihrer freien Meinungsäußerung bedroht. Dabei tun sie doch genau dasselbe. Sie mobben dich und wollen dich zum Schweigen bringen. Die Beleidigungen sind ein bisschen weniger geworden, seit ich angefangen habe, öffentlich darüber zu schreiben. Und natürlich bekomme ich auch viel Unterstützung und Zuspruch.

Eine deutsche Bloggerin hat Trolle und Stalker als Kinder beschrieben, die von einer Brücke spucken. Von wem kommen die Anfeindungen bei Ihren Texten?

Das sind gar nicht nur Männer. Auch Frauen können sexistisch sein. Wir stellen uns Trolle immer als Typen vor, die ungewaschen im Keller ihrer Mutter sitzen und mit den Fingern aus der Dose essen. Enthüllungs-Kampagnen, die sie bloßstellen, haben aber gezeigt, dass es oft ganz normale, auch gut integrierte Typen sind – mit Job, Frau und Kindern. Manche machen das sogar unter Klarnamen, denen geht es nicht mal um Anonymität.

Haben Sie mal daran gedacht, sich wegen dieser Attacken aus dem Netz zurückzuziehen?

Ich habe sogar daran gedacht, mit dem Journalismus ganz aufzuhören. Meinen Twitter-Account würde ich zwar nicht löschen, aber ich habe mein Passwort dafür meiner besten Freundin gegeben. Sie moderiert manchmal die Kommentare, wenn ich einmal ein paar Stunden Pause brauche, zum Tee trinken, arbeiten, Nachrichten schauen. Frauen, die sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, sind meiner Erfahrung nach bei so etwas extrem wichtig.

Es werden auch Männer gemobbt, die sich öffentlich im Netz äußern. Gibt es da einen Unterschied?

Männer werden meiner Einschätzung nach eher für ihre Ideen und Inhalte angegriffen. Es wird nicht ihr Recht, sich zu äußern, grundsätzlich infrage gestellt. Und die Menge an Beleidigungen ist bei ihnen in der Regel auch geringer – das sehe ich im Vergleich mit meinen Kollegen. Ich persönlich spüre Sexismus auch stärker online als offline.

Wieso das?

Im Netz wird die strukturelle misogyne Gewalt unserer Gesellschaft besonders deutlich sichtbar. Auf der Straße versuche ich, als Frau immer auszustrahlen, dass man sich bloß nicht mit mir anlegen sollte – vielleicht bekomme ich das dort deshalb weniger ab als viele meiner Freundinnen.

Und online kann man das nicht ausstrahlen?

Meine Erfahrung ist es, dass ich dort mit meinen Meinungen und Texten als Provokation wahrgenommen werde – eben auch, weil ich eine Frau bin. Deshalb habe ich geschrieben: Die Meinung einer Frau ist der Minirock des Internets.

Bewegen sich Frauen im Netz grundsätzlich anders als Männer?

Die Belästigungen haben zum Ziel, Frauen aus dem Internet möglichst zu verjagen. Dem liegt der Zorn zugrunde, dass Frauen sich auch in einem vermeintlich männlich konnotierten Rückzugsraum bewegen. Das ist natürlich Quatsch. Frauen waren von Anfang an daran beteiligt, die Infrastruktur des Netzes mitaufzubauen. In der Diskussion um Online-Belästigungen wird Frauen aber oft erzählt: „Das Netz ist ein gefährlicher Ort, geh nicht dorthin.“ Das ist der falsche Weg, weil es die Absicht der Belästiger unterstützt.

Wie können wir die digitale Kommunikation verbessern, sodass sie für alle angenehmer wird?

Es geht beim Online-Mobbing oft darum, Macht auszuüben und einen höheren sozialen Status zu demonstrieren. Kampagnen, die das öffentlich machen, sind ein Versuch, diesen Mechanismus umzukehren. Ich bin auch absolut dafür, bei Stalking oder Vergewaltigungsdrohungen sofort die Polizei einzuschalten – auch wenn man diese Anfeindungen selbst damit nicht ganz verhindern kann.

Und was muss sonst noch passieren?

Die Netzkultur wird sich verändern müssen. Man muss klarmachen, dass, wenn du misogyne, gewalttätige Drohungen im Netz postest, auch noch fünf Jahre später die Konsequenzen spüren könntest, wenn du gerade einen neuen Job suchst. Dass du ein Problem bekommst, wenn die Person, die dich anstellt, eine Frau ist – oder ein Mann, der solche Äußerungen nicht als Bagatellen abtut. Wenn die Leute verstehen, dass ihre sexistischen Äußerungen online Auswirkungen auf ihr Leben offline haben, werden sie aufhorchen.

Das Gespräch führte Juliane Löffler

Kommentare (16)

Roflcopter 10.06.2013 | 17:15

Das ist zwar durchaus wahr, dass in den Kommentaren zu feministischen Artikeln die Misogynie verbreitet ist, es ist aber auch oft berechtigte Kritik darin enthalten. Der wollen sich Feministinnen prinzipiell nicht stellen, so meine Beobachtung, und nutzen daher die misoygynen Ausfälle um substanzvolle Kritik auszublenden.

So auch in diesem Interview in dem es von vorne bis hinten nur um die krassen Kommentare geht, mit keinem Wort aber auf irgendwelche Kritik eingegangen wird. Mich z.B. nervt die anhaltende und untergründige Begeisterung der Frau für den Neandertaler (was ich hier ja schon oft zum Ausdruck gebracht habe), die dann doch recht ambivalent zum Anspruch der modernen Frau ist. Bin ich jetzt deswegen misogyn?

Die längst überfällige selbstkritische Reflektion würde die Frauenwelt in ihrer derzeit blockierten Entwicklung viel weiterbringen als solche Opfer-und Heul-Artikel. Man entwickelt sich nicht weiter im Glanz und Sonnenschein der eingebildeten sakrosankten Makellosigkeit, das geht nur mit Schmerz und Selbstkritik (haben einige von uns Männern jedenfalls so lernen müssen in den letzten Jahrzehnten und bei dieser Erkennntnis sind wir den Frauen weit vorraus).

Columbus 10.06.2013 | 23:10

Wenn Laurie Penny sich als Minirock im Internet definiert, am Ende geht es ihr aber schon eher um die Angstfreiheit und ein bisschen mehr Druck und weniger Vergesslichkeit bei notorischen Mcps, wie sollten dann Männer, die Non- Mcps im Internet angezogen sein? (;-))

Das wäre doch einmal ein A-Z wert. Male and female Netiquette für mehr Sozialverträglichkeit im Web.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Lethe 11.06.2013 | 10:36

Wir wissen nicht erst seit Nietzsche, dass wir in einem niemals endgültig entschiedenen Krieg der Interpretationen eingebunden sind, in dem es vor allem um Deutungshoheit geht. Jede veröffentlichte Meinung ist im Rahmen dieses Krieges ein Angriff auf die Deutungshoheit anderer Menschen, selbst wenn die Intention von AutorIn eine ganz andere sein sollte. Und nicht alle dieser "anderen" Menschen wissen sich rein argumentativ zu helfen. Sich mit eigenen Meinungen ins Internet zu wagen, ohne auf diese grundsätzliche Problematik eingestellt zu sein, zeugt zumindest von einem gewissen Maß an Unbedarftheit.

 

Rupert Rauch 11.06.2013 | 12:12

Ich habe nie verstanden, warum jemand im Internet einen Klarnamen benutzt, wo doch selbst in Zeitungen oft mit Synonymen gearbeitet wird.

Ich verstehe auch nicht, warum jemand der für Gleichberechtigung kämpft, sein Geschlecht offenbaren sollte. Dann würden sich solche Fehlinterpretationen nämlich erledigen:

"Die Belästigungen haben zum Ziel, Frauen aus dem Internet möglichst zu verjagen. Dem liegt der Zorn zugrunde, dass Frauen sich auch in einem vermeintlich männlich konnotierten Rückzugsraum bewegen."

 

In Wirklichkeit ist es doch so, dass als provokant empfundene Texte jede Menge Idioten anlocken, so wie ein Honigglas Wespen. Haben die Idioten einen kritischen Grenzwert überschritten, findet defakto keine sinnvolle Diskussion mehr statt, weil alle einigermaßen seriösen Leute flüchten.

 

Juliane Löffler 11.06.2013 | 12:24

Es geht doch nicht um Deutung oder Meinung, sondern um Beleidigungen und Angriffe auf die Person. Dass es Leute gibt, die das nicht unterscheiden können ist ärgerlich genug – deshalb muss man das doch nicht hinnehmen oder draußen bleiben. Diese "Selbst-Schuld"-Argumentation verstehe ich nicht. Es geht doch darum, dass Menschen wie Laurie Penny sich trotzdem im Netz äußern und gleichzeitig versuchen, die Kommunikationskultur zu verändern. Das hat doch nichts mit Naivität zu tun.

Lethe 11.06.2013 | 13:55

Von "hinnehmen" oder "draußen bleiben" habe ich nichts geschrieben, Frau Löffler, und auch mit "selbst schuld" habe ich nicht wirklich etwas am Hut, zumindest nicht in diesem Kontext. Wenn ich einen Vergleich benutzen darf: Wenn Polizisten ins Revier gehen, versuchen sie idealerweise, etwaige aufkeimende Konflikte zunächst auf freundliche, argumentative Weise zu entschärfen. Sollten sie oder andere aber angegriffen werden, sind sie darauf vorbereitet und spielen nicht die vom Schicksal Geplagten.

Mensch kann versuchen, Kommunikationskultur zu ändern (auch wenn das ein weiteres Missverständnis ist: es dürfte im Netz den wenigsten Usern - und schon gar nicht denen vom Typ Proll - um Kultur gehen). Aber dies zu versuchen und dann überrascht vom Gegenwind zu sein, halte ich nach wie vor für unbedarft. Selbstverständlich ist es verdienstvoll, das Netz nicht den Prolls zu überlassen. Ein allzu zart besaitetes Seelchen darf aber nicht sein, wer sich ihnen in den Weg stellt. Die geschilderten Reaktionen sind vorhersehbar. Und wenige Dinge sind schöner für Trolle und Prolls, als zu merken, dass sie persönliche Wirkungstreffer landen.

Juliane Löffler 11.06.2013 | 14:16

Was das Trollverhalten angeht, haben Sie sicherlich recht. Auch, dass man Stratgien entwickeln muss, um sich zu wehren, wie im Interview beschrieben. Aber das: "Ein allzu zart besaitetes Seelchen darf aber nicht sein, wer sich ihnen in den Weg stellt" ist doch ein Dilemma. Die Lösung kann doch nicht sein, sich ein dickes Fell anzueignen, wenn man sich im Netz äußern möchte! Das ist doch auch im Journalismus unrealistisch, da Texte selbstverständlich auch online gestellt werden. Ich finde es stattdessen richtig, dieses Verhalten wieder und wieder zu lamentieren. Dass sich nicht jeder das "Spiel der vom Schicksal geplagten" anhören möchte und davon genervt ist – wenig Mitleid... 

Lethe 11.06.2013 | 14:31

Ich finde es stattdessen richtig, dieses Verhalten wieder und wieder zu lamentieren.

Nun, das Netz lässt dies zu, aber ich wüsste nicht, auf wen ich wetten wollte, wenn es um die Frage geht, wer auf Dauer die besseren Nerven hat. Aus meiner Sicht ist das "dicke Fell" durchaus eine Lösung, zumindest dafür, den selbsterteilten Auftrag zu erfüllen, ohne dabei allzusehr ins offene Messer zu rennen.

Rupert Rauch 11.06.2013 | 22:12

Klar kann man das Verhalten beklagen und vielleicht wirkt das sogar bei dem ein oder anderen, aber ganz ehrlich: die Bevölkerung ist keine statische Masse, sondern in steter Entwicklung begriffen. Die einen werden erwachsen, die nächsten Idioten kommen in die Pubertät und beginnen zu kommentieren, die einen lernen Rücksicht, die anderen sind gerade frustriert und wollen sich nur abreagieren.

Ich blogge und kommentiere seit mind. 15 (?) Jahren und eines ist gewiss: Trolle sterben nicht aus. Auch kann man immer und immer wieder die selben Diskussionen führen, über Jahre. Immer wieder kommen neue Leute, mit alten Argumenten. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Man kann ihn trotzdem führen, jede überzeugte Person ist ein Gewinn. Aber wer dabei jammert und klagt, wird schnell als Waschlappen wahrgenommen. Wer gar ernsthaft die Netzkultur ändern will, wird früher oder später frustriert aufgeben...

 

Lethe 12.06.2013 | 15:39

Ich hoffe schon, dass [...] es zumindest besser wird

Hoffnung währt am längsten und tut daher am längsten weh

 

wenn sich Medienerziehung endlich in den öffentlichen Insitutionen durchsetzt, so etwas wie ein kollektiver Lernprozess einsetzt

So ähnlich, wie alle Deutschen nur hochwertige Diskurse führen und Klassiker lesen, weil sie auf der Schule argumentieren und lesen gelernt haben. Was Idealisten oft übersehen, ist die Macht des bad will

Rupert Rauch 12.06.2013 | 23:06

Ach, das Gesetz der Statistik lässt sich nicht austricksen. Unter x Mio Kommentatoren gibts vermutlich immer einige tausend Idioten und sei es, weil die irgendeinen Gehirnschaden haben. Aber du hast schon recht, eine über jahrzehnte anhaltende schleichende Verbesserung, wäre auch schon was.

Der kurzfristig erfolgsversprechendere Weg wäre imho gescheite Forensoftware. Schaut man sich etwa das Forum von heise.de an, sieht man, was noch alles geht: übersichtlicher, ausgewogene Bewertungsfunktionen, ignore-lists etc. ich könnte mir da auch noch mehr vorstellen. Leider ist heise da seit Jahren abgeschlagen, gescheite OpenSource- Software scheint es dafür auch nicht zu geben.

 

Templeton 13.06.2013 | 05:11

Der Online-Feminismus, so wie ich ihn verstehe, will Geschichten erzählen und ist viel konfrontativer.

Meine Erfahrung ist es, dass ich dort mit meinen Meinungen und Texten als Provokation wahrgenommen werde – eben auch, weil ich eine Frau bin.

Im Grunde schreibt sie das online-feminismus konfrontativ ist und da ist es ja wohl eine Folge das ihre Meinungen dann provokant angesehen werden.

Es geht beim Online-Mobbing oft darum, Macht auszuüben...

Das publizieren von -in diesem Falle Genderartikeln, aber natürlich auch ansonsten alles politische, gesellschaftliches, usw...-,  ist zumindest in meinen Augen, auch eine Art Macht auszuüben. Macht gegen Macht. Ich sehe dies als etwas gleiches an, gleiches Ziel mit anderen Mitteln, intelligenz vs dummheit.

Vielleicht kann man die Beleidigungen als eine Art Preis betrachten, der  gezahlt werden muss, eine Art Währung, als Austauschprozess, wenn in der Öffentlichkeit publiziert wird.

Im Grunde hat die gesamte Thematik wirklich sehr mit innerer Einstellung zu tun. Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich und es steht jedem frei, worauf und wie emotional reagiert wird. Sowas ist doch viel wichtiger, als eine nettere Netzkultur zu fordern oder irgendeine gesellschaftliche Strafe zu fordern.

So wie ich den letzten Abschnitt lese, sollen mysogene, gewalttätige Drohungen keine Bagatelle sein, okay.....Gut, die Frage ist, was bedeutet "gewalttätig". Allerdings klingt alles, als sollte derjenige ein lebenslangen Makel beibehalten... Beispielsweise ein 17jähriger postet sowas und soll dann lebenslange Konsequenzen tragen? Na toll...