Juliane Löffler
10.05.2013 | 14:55 128

Eine leichte Druckwelle

Autobahn In der Diskussion um ein mögliches Tempolimit ist die Empörung groß. Ich kann das nicht verstehen. Warum? Dazu muss ich eine Geschichte erzählen

Eine leichte Druckwelle

Foto: Philippe Huguen/ AFP/ Getty Images

"Na, dann hat Frau Merkel gerade einen neuen Wähler gewonnen!" schreibt ein Kommentator auf Spiegel Online zum Thema Tempolimit. Ich verstehe das nicht. Sicherlich schwingt da auch schon Wahlkampfstimmung mit. Aber auch ein unerklärliches Beharren auf ein Recht, dessen Sinn mir doch mal bitte jemand erkären soll. Kein Mensch muss 270 auf öffentlichen Straßen fahren. Und wenn er das will, soll er das eben an einem Ort machen, wo er nicht andere damit gefährdet oder sich meinetwegen in einen ICE setzen. Da kann man dann sogar aus dem Fenster schauen. 55 % der Abstimmung auf der Seite des Spiegel sehen das anders.

 

Aber um mein Unverständnis für die Tempolimit-Gegner zu erklären, muss ich eine kleine Geschichte erzählen.

Vor drei Jahren (oder waren es vier?) fuhr ich mit meiner Familie von Frankfurt nach Düsseldorf. Es war der zweite Januar, eine eiskalte Nacht mit Temperaturen weit unter null, mit frostigen Straßen, etwa fünf Uhr in der Nacht. Wir wollten am nächsten Morgen pünktlich einen Flieger kriegen und waren – weil schon im Wetterbericht glatte Straßen angekündigt worden waren – extra früh losgefahren.

Außer uns war fast niemand unterwegs, die Autobahn war leer, alle (außer unser Fahrer) hatten sich schlaftrunken in ihre Wintermäntel eingerollt. Plötzlich schoss in atemberaubender Geschwindigkeit ein Wagen an uns vorbei, wir spürten eine leichte Druckwelle, das Auto ruckte vom Fahrtwind ein wenig zur Seite, nur ganz leicht. Der Wagen, dunkelblau, irgendwas Teures, sauste die ansteigende Autobahn herauf und war schnell nicht mehr zu sehen. Wir rätselten noch, wie schnell er wohl gefahren war, mindestens 250 sagte jemand, sicher 270 sagte unser Fahrer, wie leichtsinnig bei dem Wetter empörte sich ein Dritter.

Und dann geschah, unmittelbar darauf, etwas gespentisches. Durch die nebelige Luft kamen uns kleine Plastikteile entgegengeflogen, flogen und poltereten an uns vorbei, schrappten über den Asphalt, Zettel wirbelten durch die Luft, und dann waren da die Rauchschwaden. Ein LKW grätschte quer über die Autobahn, unser Fahrer riss das Steuer rum, irgendjemand hupte laut, und noch während wir auf den Seitenstreifen auswichen sahen wir wie in einem Film ein zerbeultes, dunkelblaues Blechknäuel an der Leitplanke. Wie ein zerknülltes Blatt Papier.

Wir hielten an, kurz sagte niemand etwas, dann redeten alle durcheinander. Uns war nichts passiert, der LKW war vor uns zum Stehen gekommen. Unser Fahrer stieg aus und kam nach ein paar Minuten zurück, wir hatten ein Warndreieck aufgestellt und er mit dem LKW-Fahrer Krankenwagen und Polizei angerufen. "Da ist Hopfen und Malz verloren" sagte er und hatte einen Ausdruck im Gesicht, den ich noch nie an ihm gesehen hatte. Aschfahl. Er war zu dem verunglückten Wagen gelaufen. Und wir hatten Angst um ihn gehabt, weil er dafür die Autobahn überqueren musste. Wir warteten bis die Rettungswagen eintrafen, und als klar war, dass hier niemand unsere Hilfe benötigen würde, fuhren wir weiter. Es schien absurd jetzt einfach die Fahrt fortzusetzen. Natürlich fuhren wir trotzdem. 

Die restliche Fahrt waren alle sehr wach und sehr still.

Letztes Wochenende bin ich wieder von Frankfurt aus gefahren, allerdings nach Berlin, und ich saß selbst am Steuer eines sehr, sehr alten Wagens. Baujahr 1986 (genauso alt wie ich). Der alte Wagen heißt Eimo und er fährt am liebsten 120 km/h. Viel schneller kann er auch nicht. Wieder schoss, es war schon dunkel, und die Straße schon recht leer, ein Wagen an uns vorbei. Mit gefühlt 300 Stundenkilomtern. Und sofort hatte ich wieder dieses mulmige Gefühl im Bauch. Und dachte: Wann kriegen wir endlich ein Tempolimit für die Autobahn?

 

Kommentare (128)

goedzak 10.05.2013 | 15:08

In der Diskussion um ein mögliches Tempolimit ist die Empörung groß. Ich kann das nicht verstehen.

Ich auch nicht, sogar ohne Erlebnisse, wie oben geschildert. Und wenn ich sehe, wie auch in diesem Forum die selben dumm-bräsigen Empörungsphrasen in vielkommentarigen threads aufgetischt werden wie bei Auto-Bild o. dgl., dann weiß ich nicht, ob ich heulen oder lachen soll.

Man muss autofahrend nur mal die Grenze von Frankreich oder den Niederlanden nach Deutschland überqueren. Das ist, als ob man schlagartig aus einer Zone mit angenehm-freundlichen Sommerwetter in ein hitzig-stickige 40-Grad-im-Schatten-Zone gekommen ist.

Juliane Löffler 10.05.2013 | 15:25

Merci, ich schaue gleich mal rein. Diesen Effekt, goedzak, habe ich auch immer, wenn ich von der Autobahn wieder in einer 50er-Zone in der Stadt ankomme. Da wird einem der Wahnsinn von diesem Tempo erst mal bewusst. Wenn ich mir dann noch die Unfallstatistiken anschaue... da gruselts mich immer wieder. Eigentlich verrückt, dass man das alles ausblendet und immer weiterfährt (ich eingeschlossen).

rolfmueller 10.05.2013 | 15:47

Am besten, wir bekommen alle einen GPS-basierten Sender unter die Haut operiert. Dann kann man uns alles verbieten und wir können ständig überprüft werden, ob wir gegen ein Verbot verstoßen. Das ist das Maximum an Sicherheit, die Friedhofsruhe.
Ich bin gegen ein Tempolimit, weil wir – außer im Wirtschaftsbereich – ohnehin schon viel zu viel reglementiert, eingeschränkt, ausgeforscht und überwacht werden. Es geht weder den Staat, noch Konzerne oder sonst wen etwas an, wo ich mich wann wie schnell oder wie langsam aufhalte, solange ich niemanden damit beeinträchtige. Und unangemessen verhalten kann ich mich nicht nur auf der Autobahn, sondern auch in der Schlange vor der Theaterkasse oder in meinem Wohnzimmer.
Diese zahllosen Einzelbeispiele, die Befürworter und Gegner ständig erzählen, aufschreiben und zitieren, sind unterhaltsam, aber nicht evident. 

ed2murrow 10.05.2013 | 15:55

Liebe Juliane Löffler,

Ihrer Offenheit geschuldet offenbare ich ebenso hemmungslos: Ich war lange Zeit ein Geschwindigkeits-Junkie.

Das äußerte sich nicht nur in 6,5 Stunden zwischen dem Domizil in Bayern und Rom (960 km inkl. 2 Tankstops, da hatte ich es richtig eilig), sondern auch darin, dass seit ein paar Kahren auf der A9 Höhe Ingolstadt die Tafeln für das nächtliche Tempolimit übergroß sind. Das damals noch existierende Bayerische Oberste Landesgericht schenkte meiner Version der Fakten Glauben, wonach die vormals angebrachten Verkehrszeichen Z 274-60 in der Nacht und bei vorhergehender unbeschränkter Geschwindigkeit schlicht nicht wahrzunehmen waren. Ich war mit 190 km/h statt der erlaubten 100 geblitzt worden. Folge: Mit viel Aufwand musste die Autobahnmeisterei das betreffende Straßenstück mit den nun unübersehbaren, über 2 m hohen Tafeln sowie einem sog. Geschwindigkeitstrichter ersetzen, und ich war nach wie vor in Besitz meiner Fahrerlaubnis. Für einen Familienkombi.

Autsch, keine blaue Limousine, kein tiefer gelegter Sportwagen? Nope, ein Familienkombi, übrigens so schnell wie ein Opfel Zafira oder Golf Plus oder ähnliche Kutschen: Für den alltäglichen, familiären wie bürgerlichen Gebrauch.

Mein Umdenken setzte auch nicht ein, als das Flensburger Konto 13 Punkte (allesamt wegen Geschwindigkeitsübertretungen) aufwies und die freundliche Dame von der Führerscheinstelle meinte, es rentiere sich vielleicht doch eine Schulung, um wenigstens 2 Punkte weg zu bekommen. Sondern als ich feststellte, dass auf kurzen wie mittleren Strecken hohe Geschwindigkeit außer Abnutzung von Bremsbelag und erhöhten Treibstoffverbrauch nichts bringt, erst recht keinen Zeitgewinn. Auf 100 km bestenfalls 5 Minuten, das sind Größenordnungen noch innerhalb eines jeden cum tempore.

Seitdem fahre ich gerne rechts, habe den Tempomaten (einschl. Automaitkgetriebe) meist auf 130 geregelt, genieße die Fahrten. Und schaue immer noch in den Rückspiegel, ob ich gefahrlos überholen kann. Denn mein neues Denken hat mich nicht dazu geführt, andere ausbremsen zu wollen. Ach ja, der Wagen ist immer noch derselbe.

Beste Grüße, e2m

hardob 10.05.2013 | 15:59

Ich wär ja mehr dafür, nur noch Autos zu bauen, die nicht mehr als einen Liter auf 100 km verbrauchen, deren Höchstgeschwindigkeit auf 100 kmh heruntergeregelt ist. Genau so sollte die Energiebilanz eines E-Autos aussehen.. Da liessen sich viele Ressourcen sparen, dass viiieeleicht sogar für unsere Enkel noch welche übrig bleiben. Auch müsste die Landschaft nicht mehr so zubetoniert werden, reichten doch schmalere Wege und engere Kurven.

So steht es heute in der SZ: "... Freie Fahrt für freie Bürger" hierzulande eine Art Verfassungszusatz, jedenfalls die Übersetzung von "Land of the Free".(..). Amerikaner bestehen auf den Waffen, die sie tragen; Deutsche auf jenen, in denen sie sitzen.

Ernstchen 10.05.2013 | 16:11

Ah, ein FDP-Zitat! ;) Jetzt kommen wir der Sache doch schon näher. Im Ernst: Klar wird es immer Vollidioten geben. Und wenn Sie mir keine Statistik vorlegeb die etwas anderes sagt, behaupte ich dass der Großteil der Raser Vollidioten sind. Und dass eher Ausnahmen die Regel bestätigen. Ich glaube Ihnen auch dass Sie ihr Fahrzeug stets komplett im Griff haben. Aber stellen Sie mal einen Heckenschützen mit brillianter Zielgenauigkeit in die Fußgängerzone und lassen ihn immer genau nicht auf Menschen schießen. Was meinen Sie was das bei den Leuten in der Fußgängerzone bewirkt? Wenn mir Raser auf der Autobahn begegnen werde ich nervös. Frau Löffler geht es genauso. Das umzudefinieren als gesteigerte Wachsamkeit und somit Beitrag zur verbesserten Verkehrssicherheit würde ich Ihnen zutrauen. Vielleicht hören Sie aber ja auch unser Unbehagen. We're out there together, not one for oneself.

Achtermann 10.05.2013 | 16:15

"Und unangemessen verhalten kann ich mich nicht nur auf der Autobahn, sondern auch in der Schlange vor der Theaterkasse oder in meinem Wohnzimmer."

Das ist ja das Bedauerliche, dass du dich die Geschwindigkeit betreffend auf den dt. Autobahnen - außer dort, wo Geschwindigkeitsbegrenzungen festgelegt worden sind - gar nicht unangemessen verhalten kannst. Du kannst dir und anderen mit 300 km/h das Gehirn zerquetschen. Die Chance, dass bei dieser Geschwindigkeit dieses eher passiert als bei 120 km/h, ist auch ohne wissenschaftliche Nachweise evident. Dt. geht einen Sonderweg. Sind die anderen Staaten der Erde und deren autofahrenden Bürger alle bescheuert?

Ich weiß nicht wie unangemessen du dich vor der Theaterkasse verhältst? Wenn dein Vordermann dabei zu Tode kommt, fährst zu zurecht in den Knast ein.

 

ed2murrow 10.05.2013 | 16:15

Natürlich ist das ein Ansatz, sonst hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, das alles hinzuschreiben. Mein Hinweis geht aber auch dahin, dass praktisch alle Autos heutzutage weit mehr als 130 km/h schnell sind. Wer von 300 km/h fantasiert, nur weil ein Luftruck geht (was nicht nur mit Geschwindigkeit zusammen-, sondern vor allem von der verdrängten Luftmasse abhängt) und dies mit einer bestimmten Klientel in Zusammenhang bringt, vernachlässigt, was in der Breite vor sich geht.

Dabei ist es nur eine Frage des Kalküls.

Georg von Grote 10.05.2013 | 16:22

Das mit der FDP war jetzt aber gar nicht nett :-) Auch Linke fahren gerne mal schneller als andere :-)

Das Problem ist doch vielmehr, das heutzutage schon die Kleinwagen übermotorisiert sind. In einem kleinen, der aber dann trotzdem  schon die 180 Spitze erreicht, würde ich mir eine solche Geschwindigkeit gar nicht erst erlauben. Aber genau das machen viele und wundern sich dann, wenn der irgendwann die Bodenhaftung verliert. Wenn man das Problem völlig aus der Welt schaffen wollte, dann müsste man bei allen Fahrzeugen die Motorleistung auf einen Einheitswert begrenzen.

rolfmueller 10.05.2013 | 18:29

Den Vergleich mit dem Scharfschützen würde ich nur nur akzeptieren, wenn auf der Autobahn Fußgänger unterwegs wären oder Kinder spielten. Dann wäre es aber ohnehin angemessen, langsamer als 120 zu fahren. Man kann auch bei 120 km/h Tempolimit unangemessen schnell sein.

Ich habe noch nie jemanden auf der Autobahn gefährdet und null Punkte in Flensburg. Ich bin natürlich dafür, dass man seine Geschwindigkeit nach den Umständen richtet, das ist auch heute schon Gesetz. Ich sehe jedoch nicht ein, dass ich auf einer vollkomen freien, womöglich sogar leeren Autobahn 120 fahren soll, nur weil irgend jemand das aus Prinzip so will.

Und dass weltweit keine schnellen Autos mehr gebaut würden, wenn in Deutschland auf Autobahnen ein generelles Tempolimit bestünde, ist wohl nicht wirklich ernst gemeint.

Ich kann nur wiederholen: Wirklich sicher ist es im Leben nur, wenn jeder mit Handschellen an sein Bett gefesselt ist.

dame.von.welt 10.05.2013 | 18:34

Nö, mir wurde bislang nicht klar, daß Ihnen diese Raserfraktion genauso viel Unbehagen bereitet. Möchten Sie Ihre Ode an die Porschefahrer-Rechte in Ernstchens Diskussion noch einmal nachlesen?

'Der Mensch kann schon selbst entscheiden, was gut oder schlecht für ihn ist und wenn er sich mal falsch entscheidet, ist es sein Bier. ...

Im Herbst gibts nen neuen Porsche S, über 500 PS, 3120 Spitze, Nirmverbrauch 9,7 Liter und CO2 im normalen Bereich. Auch wenn es IHnen nicht passt, es gibt Leute, die sich die 200 000 für so ein Geschoss locker leisten können und sich auch aus Spaß leisten und nicht als Potenzbrötchen. Und wer so ein Teil hat, der will auch mal zwischendurch den Tacho auf 300 sehen und in 3 Sekunden von Null auf 100 kommen. Weils einfach nen tierischen Spaß macht und nicht aus purer Angabe oder sexuelle Frustration :-)

Aber das versteht der deutsche spießige Vorgartenzwerg und Kadettfahrer eben nicht. :-)'

Ich schreib's Ihnen gern auch hier nochmal hin: Ihr Porsche sei Ihnen von Herzen gegönnt, Ihr Spaß an Geschwindigkeit auch. Die Mehrzahl meiner üblen Erfahrungen war übrigens nicht mit Sportwagen, sondern mit den von ed2m erwähnten Familienkombis, mit Sprintern, SUVs und vor allem mit dem durchschnittlich repräsentativen Firmenwagen in dunkelblau mit telefonierendem Spesenritter bei 200km/h+.

Danke an Juliane Löffler, entspricht fast 1:1 einem Erlebnis an einem usseligen Freitag(sehrfrüh)morgen mit 15cm Schneematsch und teilweise dichtem Nebel auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg, wo mich jemand mit Lichtgehupe und Ultradicht-Aufgefahre beim Überholen eines LKWs nötigte, dessen Auto eine halbe Stunde später nach x Mal Überschlagen vom Acker geborgen wurde - als ich gerade Adrenalinspiegel und Angst wegen der oberüberflüssigen Drängelei wieder los geworden war, was für ein Scheißmorgen. Keine Ahnung, ob der Fahrer das überlebt hat, vermutlich nicht, die Sanitäter schienen jedenfalls nicht in Eile.

Ich fahre in Deutschland mittlerweile ungern Autobahn, lieber in Österreich, Niederlanden, Schweiz, Italien. Dort gibt's nicht nur Tempolimits, sondern auch weniger Fetisch Auto, weniger eingebaute Vorfahrt, weniger Rechthaberei. Ein Tempolimit 120 wird mein bislang blütenreines Punktekonto in Flensburg mit größter Sicherheit belasten, aber gegen den Wahnsinn und die maßlose Selbstüberschätzung einiger weniger fällt mir nichts anderes mehr ein. 

 

Azenion 10.05.2013 | 18:58

Damit sich niemand mit 250 oder 270 zerlegt, soll ein Tempolimit von 120 her? Ich denke, es ist diese Maßlosigkeit der Regulierungsbefürworter, und die propagandistische Schmähung derer, die auch mal gern 150 oder auch 170 fahren, als "Raser" und "Autolobbyisten", die unnötig die Fronten verhärten. Ich wette, Tempolimit 180 würde problemlos akzeptiert werden.Dann könnte fast jeder fahren wie er will, und nur die wirklich gemeingefährliche Fahrweise würde untersagt.

rioges 10.05.2013 | 19:10

Die US-Amerikaner haben ihre Schußwaffen, die Deutschen ihre Autos. Das eine ist so irrational wie das andere. Und hinter beiden stehen jeweils große Konzerne. Und beide sorgen für reichlich Umsatz in der Bestattungsbranche.

Natürlich ist in D. vieles ünerreguliert. Aber es gibt Regularien die einfach nur notwendig sind. Vor allem dann, wenn die Autos so überhand nehmen.

MrMD15 10.05.2013 | 20:38

Was man auch immer von einem Tempolimit denken will, ich finde den Artikel etwas seltsam.

Scheinbar ist der/die Verunglückte völlig irrational und den Bedingungen nicht angemessen gefahren.

 

Aber am Ende hat die Person nur sich selbst gefährdet. Mit solchen Schauergeschichten kann man auch für ein Verbot von Wandern Winter und Freeskiing argumentieren.

Wollen Sie die Spannung, die aus der Steckdose kommt, von 230V auf 5V herunterregeln, die Berge abflachen und Fahrradfahren verbieten?

Zu allem findet sicher irgendjemand eine weniger nette Geschichte und kann die hier publizieren.

 

Wenn wirklich viele Menschen unverschuldet auf bestimmten Fahrbahnabschnitten (das kann man im Voraus feststellen, ob der Bereich gefährlich ist) ums Leben kommen, kann man die Geschwindigkeit dort gerne stark regulieren. Das gleiche gilt für staugefährdete Abschnitte.

 

Aber wir sollten aufhören zu versuchen, Menschen vor sich selbst zu retten.

MrMD15 10.05.2013 | 20:49

Ein blütenreines Punktekonto hat auch der Vielfahrer, der aufmerksam 20 zu schnell fährt und 180 bei leerer Autobahn. Trotzdem Glückwunsch dazu.

 

Zu Ihrem Erlebnis: Wer bei 15cm Schneematsch ein Tempolimit von 120 ausreizt (Gedrängel geht natürlich nicht, hat aber auch nichts mit dem Tempolimit zu tun, gibts auch in Holland), ist einfach lebensmüde oder ein extrem guter Autofahrer (das entscheidet dann darüber, ob man geborgenwerden muss oder nicht).

 

Aber wie gesagt, mit einem Tempolimit hat das nichts zu tun. Es gibt eben Wetterbedingungen, bei denen 120 schon zu viel ist. Dafür besuchen alle Autofahrer die Fahrschule...

dame.von.welt 10.05.2013 | 21:10

Zu meinem Erlebnis: der Dunkelblaue fuhr wesentlich schneller als 120 - eher 180. 

In welcher Fahrschule gelehrt wird, daß bei null Sicht und fiesem Untergrund ein Tempolimit ausgereizt werden soll, das würde mich schon mal interessieren. Ich hab's jamal so gelernt, daß bei Höchstgeschwindigkeit das Höchst der entscheidendere Teil ist und mir ist auch noch dunkel so, daß der Fahrer dafür Sorge zu tragen hat, sein Fahrzeug jederzeit zum Stillstand bringen zu können, an Wetter et al angepasst zu fahren und immer Vor-, Rück- und Umsicht zu üben.

Wenn Sie jemals richtig schnell gefahren sind, wissen Sie, daß einem danach 120 wie Rückwärtsfahren vorkommt. Extrem gute Autofahrer sind m.M.n. auch nicht die Lewis Hamiltons dieser Erde, sondern die, die unauffällig fahren und niemanden umzubringen versuchen.

MrMD15 10.05.2013 | 21:27

Das war von mir missverständlich ausgedrückt: In der Fahrschule wird gelehrt, dass man das Tempolimit nicht ausreizen muss, sondern seine Geschwindigkeit and die äußeren Bedingungen anzupassen hat.

Und damit kann es trotz Tempolimit mal sein, dass eben nur 80km/h möglich sind...

 

Ja, weiß ich. Allgmein ist es aber so, dass in moderen Autos einem 120 sehr langsam vorkommt.

 

Naja, ich würde schon sagen, dass professionelle Rennfahrer wissen, was sie tun. Das meinte ich auch mit extrem gut. Es kann ja schonmal passieren, dass man Herrn Vettel auf der Autobahn begegnet ;)

 

Aber ja, bei Ihrem beschrieben Erlebnis stimme ich Ihnen natürlich zu. 180 bei 15 cm Schnee ist verrückt. Aber wie ich schon geschrieben habe: Man kann die Menschen nicht vor sich selbst schützen.

dame.von.welt 10.05.2013 | 21:48

Die sollen sich zu Tode fahren, wo immer es ihnen auf einer privaten Spaßstrecke beliebt, bitte aber nicht mich, bitte nicht mal der Versuch dazu. Mein widerwilliges Plädoyer für ein Tempolimit gilt nicht dem Schutz von Verrückten vor sich selbst, sondern meinem Schutz, bzw. dem der Mehrheit der Fahrer. Ich fahre in D ausschließlich beruflich, immer Autobahn, immer mit Last, fast immer Strecken von 600km+. Mir passiert es pro Strecke mindestens ein Mal, daß mich jemand durch zu wenig Abstand, unangepasstes Fahren, eingebaute Vorrechte amtlich in Gefahr bringt - macht mir Angst, ist mir lästig, versaut mir den Tag.

Welche Vorschläge hätten Sie denn zu mehr Zivilität auf der Autobahn? Viel mehr Zivilstreifen und saftige Geldstrafen/Punkte für Nötigung? Wäre ich auch dabei, bislang hat's wenig genützt, in meiner Wahrnehmung wird die bundesdeutsche Autobahn zunehmend aggro - durch einige wenige.

Btw - ich kenne einen, der lange professionell Rennen gefahren ist - der ist auf der Autobahn ein geradezu langweiliger Fahrer, bei dem schlafe ich auf dem Beifahrersitz...;-)... das größtmögliche Kompliment an einen guten Autofahrer.

MrMD15 10.05.2013 | 23:41

Menschen machen Unsinn, auch im öffentlichen Raum. Ich kenne auch keine Statistiken, die wirklich zeigen, wie viel Prozent der Verkehrstoten nicht aus selbstverschuldeten Unfällen resultieren. Das würde mich wirklich interessieren, weil darauf eigentlich die gesamte Debatte basieren sollte. Dennoch ist die nächtliche Autobahnfahrt (die Ihnen bei entsprechenden Autofahrten sicher bekannt ist) eher eine Privatveranstaltung. Und wenn sich jemand selbst zu Tode fährt, ist das nicht mein Problem.

 

Ich glaube nicht, dass Zivilstrafen irgendetwas bringen, oder irgendwelche Geldstrafen. Am Ende wird dann nur bestraft, wer alleine im Auto sitzt und keine Zeugen hat.

 

Ein Tempolimit ist keine Lösung für die angesprochenen Probleme. Ob der Verkehr nun mit 180 oder 120 fährt, es macht keinen Unterschied, was die Fahrweisen angeht.Ich bin lange täglich zwei mal 25km auf einer Autobahn mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 120 gefahren und es ist genau das gleiche Spiel.

 

Ich kann Ihnen leider auch nicht sagen, wie man gefährliche Fahrweisen unterbinden kann. Strafen und mehr Regeln sind sicher nicht sinnvoll, da sie entweder nicht helfen oder nur die falschen treffen.

miauxx 11.05.2013 | 00:28

Jetzt hat der Deutsche Michel ja wieder was: Die "Freiheit" wird am Tempolimit verhandelt. Lasst uns wenigstens noch aufs Gaspedal treten, wo wir doch schon so arg "reglementiert" werden!

Tut mir leid - aber ich könnte das Kotzen kriegen! Es gibt tatsächlich genug wirkliche Probleme, aber der Aufschrei kommt, wenn ein SPD-Politiker sich über ein Tempolimit auslässt. Ich fass' es nicht!

 

miauxx 11.05.2013 | 00:46

"Ich kann Ihnen leider auch nicht sagen, wie man gefährliche Fahrweisen unterbinden kann."

Je höher das Tempo, umso höher die Gefährdung. Und das ist unabhängig vom Vermögen des Fahrers. Versuchen Sie mal bei 200 km/h etwas gegen plötzlich eintretende Ereignisse zu tun! Sie können auch gerne hinterher aus dem Sarg heraus einklagen, dass jemand vor Ihnen auf der Strasse Scheiße gebaut hat, der sogar nur 100 km/h drauf hatte ...

Und das Argument, dass 100%ige Sicherheit ohnehin nicht zu erreichen sei (natürlich nicht!), ist eben nur auf Verhinderung aus.

rolfmueller 11.05.2013 | 00:58

Ich bin ganz Ihrer Meinung.

Nur, warum sie diese Aussage an mich richten, verstehe ich nicht ganz. Wenn Sie sich einen Überblick über meine "Aufschreie" verschafft hätten, ich kommentiere immer als "rolfmueller", wüssten Sie es besser. Anlasslose Tempolimits sind so ziemlich das Letzte, zu dem ich mich äußere. Aber ich bin dagegen und äußere das auch, obwohl es zugegeben sehr viele wichtigere Probleme gibt.

gelse 11.05.2013 | 06:16

Es fällt mir auf, dass mich schon längere Zeit niemand mehr gefragt hat, warum ich keinen PKW besitze.
Ab Anfang der 70er Jahre wurde diese Frage mit zunehmender Dringlichkeit gestellt: „Wann kaufst du dir (kaufen Sie sich) endlich ein Auto?“
Meine Antwort: „Zu hohe Kosten, zu hohe Unfallwahrscheinlichkeit, zuviel Zeitverlust, wenn ich selber steuern muss“ stiess auf Unverständnis.
Die Kosten seien im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln eher günstig, wenn man Kaufpreis und Wartung ausser acht lässt.
Die Unfallwahrscheinlichkeit wurde angezweifelt: „Es gab auch schon Bahnunfälle.“
Der Zeitverlust wurde nicht verstanden: Natürlich kann man beim Fahren nicht lesen, Kaffeetrinken/Brotzeitmachen und aufs Klo gehen, das ist doch selbstverständlich.

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Gabriel hat übrigens schon zurückgerudert. Der SPD-Vorstand zeigte sich aufgeschlossen für das primäre Grundbedürfnis der Menschheit.

Tollschock 11.05.2013 | 10:13

Wenn ich mir so anschaue wer da wie auf Deutschlands Autobahnen zu dicht auffährt und im Pulk links wie angenagelt mit, auf den Abstand bezogen, zu hoher Geschwindigkeit rumrollt kann die Geschwindigkeit gar nicht weit genug heruntergeregelt werden. Ich bin eigentl. ein Gegner der Regulierungen jeglicher Art. Wer aber bei Tempo 130 bis auf 5m an den Vordermann rankuschelt ist in meinen Augen geistig nicht in der Lage ein derartiges Fahrzeug auf öffentlichen Straßen zu führen. Wer in einer 30-Zone in der bekanntermaßen Kinder spielen 70 km/h fährt dem gehört die Fahrerlaubnis entzogen. Der Entzug der Fahrerlaubnis wäre dann auch der Schlüssel. Nicht auf Zeit sondern einfach weg! Nach einigen Jahren darf man dann den Führerschein wiederholen. Nur weil alle möglichen Assistenten eingebaut werden sollte man das Hirn nicht abgeben. Wir haben 1 G auf diesem Planeten und dieser Anziehung unterliegen wir alle. Es gibt da keine Ausnahmen.

Nur weil in Deutschland PS-starke Autos produziert werden sollten wir uns nicht zu mobilen Rüpeln aufspielen. Alle die das wollen sollten sich eine Crossmaschine zulegen und da wo es erlaubt ist die Sau rauslassen. Das tut dann auch richtig weh wenn das Hirn diese Leistung nicht vollbringen kann. 

JR's China Blog 11.05.2013 | 10:23

Mir gefiele die Autobahn mit einem Tempolimit besser - aber ich verlange keins. Es fügte sich allzu komfortabel ein in jede Menge anderer Beschränkungen - Helmpflicht, Nichtraucherpflicht, etc..

Wenn es um Einschränkungen geht, hat jedes derartige Projekt seine Fans - und ich bezweifle, dass Sachargumente dabei im Vordergrund stehen. Wut auf die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen und der Wunsch, denen mal ordentlich eins zu verpulen,spielen m. E. eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

Wer aber mal richtig in Ruhe, mit vielleicht 120, vielleicht aber auch nur 100 km/h, die Autobahn bereisen möchte - als Erlebnis der dritten Art -, dem empfehle ich, sich beim Autoverleih mal zum Wochenendtarif ein Stück in Stahl gegossenes Stück Faschismus aus Südeuropa zu gönnen.

Das Fahrzeug wirkt von innen her anstrengend - die Armaturen scheinen einen förmlich anzusaugen und zu allen möglichen Aktionen zu animieren. Aber wenn man dem widersteht und ruhig durchfährt, halten trotzdem alle KFZ-Zeitgenossen respektvollen Abstand.

Es stimmt schon: die Autobahn macht mir manchmal Angst. Aber als Radfahrer auf einem in Fahrtrichtung links von der Straße verlaufenden Radweg habe ich viel mehr Angst: vor Leuten, die diesen Radweg gar nicht auf dem Zettel haben und beim Einbiegen über den Weg auf die Straße nur den KFZ-Verkehr beobachten.

Zwei Nahtod-Erlebnisse habe ich auf einer solchen Strecke schon hinter mir. Als Radfahrer. Und an solchen Rücksichtslosigkeiten der "Stärkeren" ändert sich durch ein Tempolimit auf den Autobahnen nichts. Ich wage zu behaupten: im Gegenteil.

goedzak 11.05.2013 | 12:26

Ja, das P-Wort... Es gibt nur wenige Menschen, die es sich anzufassen trauen, so gefährlich ist es. Grote, Du bist hier der einzige! Du bist überhaupt der Einzigartigste! Das Wort 'grote' ist ein Synonym für 'einzig'. Wer ist der groteste, wer hat den grotesten, das groteste Maul usw.

Etymologisch höchst interessant, das Wort hatte mal, so in den sechziger/siebziger Jahren des längst vergangenenen letzten Jahrhunderts, auch semantische Gehalte, die in Richtung "aufgeblasen, blasiert, dünkelhaft, selbstgefällig, selbstüberzogen, prahlerisch, großsprecherisch, großspurig (!), großtuerisch, wichtigtuerisch..." gingen.

Oh, Etymologie ist was Spannendes. Nimm nur mal das grote-Synonym "selbstgefällig". Herrlich, man gefällt sich selbst! Man steht vor dem Spiegel und gefällt sich selbst, wunderbar! Und die Etymologie des Wortes "Spiegel" erst: Es war mal u.a. eines der Synonyme für das, was Neudeutsch "Community" genannt wird.

miauxx 11.05.2013 | 14:08

Bitte um Verzeihung, wenn ich Ihren Kommentar überinterpretiert habe! Ihr Wort von der "Reglementierung" hat bei mir als Auslöser für meinen "Aufschrei" über das völlig überzogene Echo, seitens der Politik und der Medien, auf Gabriels Bemerkung gewirkt. Selbst angesichts des anrollenden Wahlkampfes ist das völlig überzogen!

Trotzdem: Als "anlasslos" empfinde ich ein ernsthaftes Nachdenken über ein deutliches Tempolimit keineswegs. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit zunehmendem Tempo potentiell die Gefährdung steigt. Ich weiß nun nicht, bei welchem Tempo vernünftig anzusetzen wäre ... Doch ob es 180, 200 km/h oder jenseits davon ist: Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo man entweder auf eigene Fehler oder äußeres Unvorhergesehenes schlicht gar nicht mehr verhindernd reagieren kann. Und, btw: Deswegen passt Ihr Vergleich mit der Theaterkasse auch überhaupt nicht!

Es ginge also um einen Mittelweg, der Schnellstraßen zulässt und gleichermaßen die Risiken so weit wie möglich stutzt. Kein Tempolimit steht dem vollkommen entgegen! Und mit "Freiheit" ist das auch überhaupt nicht zu begründen. Denn denkt man dieses Argument konsequent zu Ende, so wären jegliche verkehrsregelnden Maßnahmen Eingriffe in die Freiheit. Wie auch in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, kann es so aber nicht funktionieren. Zwar haben wir das leider noch nicht erreicht - aber die Freiheit des Einzelnen ist genau da zu beschränken, wo andere durch diese Freiheitsnahme eingeschränkt oder sogar bedroht werden. Alles andere hat eben nichts mit Freiheit, sondern nur mit Egoismus zu tun.

gelse 12.05.2013 | 05:21

>>Sieht man mal, wie der Mann vorausschauend gedacht hat.<<
Sicher. Irgendwie musste man Brünings Autobahn ja vollkriegen. Auch wenn die Idee erst nach des Gröfaz Tod umgesetzt wurde: Hat funzt.

Und an dieser Stelle will ich auch dem Gabriel und diesem türkischen Parlamentarier (wie heisst der noch mal?) danken:
Die wissen, wie man die FC wieder zum Leben erweckt:
Einfach ansprechen was das Volk in seinem Innersten bewegt. Dann gedeihen die Diskussionen wie Schwammerl im Sommerregen…

Die Autobahn überlasse ich Euch KdFlern und P-Wortfahrern, fahre lieber mit der anderen Bahn, wenn ich mal wohin will.

Wolfram Heinrich 13.05.2013 | 05:01

@MrMD15

Naja, ich würde schon sagen, dass professionelle Rennfahrer wissen, was sie tun. Das meinte ich auch mit extrem gut.

 

Das Kreuz ist natürlich, daß eine Autobahn keine Rennpiste ist. Auf einer Rennpiste hat der Rennfahrer andere Rennfahrer, neben, vor und hinter sich. Leute, die genauso gut ausgebildet und erfahren sind, wie er selber. Topfit. Und: Auf der Rennpiste passen andere Leute drauf auf, daß sich nichts Unvorhersehbares auf und an der Piste abspielt.

Auf der Autobahn ist das alles ganz anders. Du weißt nicht, wer der Mensch im Auto vor dir ist, ob er betrunken ist oder verliebt, übermüdet, alt oder zu jung, also unerfahren...

Viele Autofahrer sind viel zu phantasielos, sich vorzustellen, was alles sein kann. Man höre mal in den Verkehrsfunk rein:

"... es befinden sich Gegenstände auf der Fahrbahn, Menschen (nach einem Unfall etwa), tote oder lebende Tiere"

Hinter ein Kuppe steht ein liegengebliebener Laster oder es befindet sich dort das Stauende.

Ab einer gewissen Geschwindigkeit kannst du auf solche Situationen nicht mehr reagieren, die Physik verweigert sich dir. Fährst du mit 200 km/h, so hast du dich für die theologische Fahrweise entschieden: "Lieber Gott, laß nichts sein!"

Wenn ich vorhin von phantasielos sprach, so meine ich damit, daß diese Leute zu dumm (sprich: zu phantasielos) sind, um Angst zu haben.

 

Ciao

Wolfram

P. S.: Ein schönes Fundstück noch

"Denn bei Tempo 200 reduziert sich die Gefahr, überholt zu werden, drastisch, der Fahrer kann sich voll auf den Verkehr vor dem Auto konzentrieren. Das ist auch besser so, gerade an einem Tag wie diesem. Der Himmel ist bedeckt, ab und zu nieselt es."

Zeitschrift "FirmenAuto", 1999

Wolfram Heinrich 13.05.2013 | 05:01

@MrMD15

Menschen machen Unsinn, auch im öffentlichen Raum. Ich kenne auch keine Statistiken, die wirklich zeigen, wie viel Prozent der Verkehrstoten nicht aus selbstverschuldeten Unfällen resultieren. Das würde mich wirklich interessieren, weil darauf eigentlich die gesamte Debatte basieren sollte.

 

Sollte sie das? Bei den allermeisten Unfällen, bei denen mindestens zwei Autos (oder Personen) beteiligt sind, liegt die Schuld bei beiden (mehreren) Beteiligten. Schuld nicht unbedingt im juristischen Sinn, aber in dem, daß der Unfall nicht passiert wäre oder glimpflicher verlaufen wäre, wenn der juristisch nicht Schuldige sich optimaler verhalten hätte. Wenn ich als Autofahrer überleben will, muß ich für andere mitdenken.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 13.05.2013 | 05:15

@dame.von.welt

Danke an Juliane Löffler, entspricht fast 1:1 einem Erlebnis an einem usseligen Freitag(sehrfrüh)morgen mit 15cm Schneematsch und teilweise dichtem Nebel auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg, wo mich jemand mit Lichtgehupe und Ultradicht-Aufgefahre beim Überholen eines LKWs nötigte, dessen Auto eine halbe Stunde später nach x Mal Überschlagen vom Acker geborgen wurde - als ich gerade Adrenalinspiegel und Angst wegen der oberüberflüssigen Drängelei wieder los geworden war, was für ein Scheißmorgen. Keine Ahnung, ob der Fahrer das überlebt hat, vermutlich nicht, die Sanitäter schienen jedenfalls nicht in Eile.

 

Also dann erzähle ich halt auch eine schöne Geschichte.

1998, war ich auf der Autobahn zwischen Weiden und Regensburg unterwegs und gerade dabei, einen Kleintransporter mit ca. 150 bis 160 km/h zu überholen (ja, ich weiß). Beim letzten Blick in den Rückspiegel war die Autobahn hinter mir auf der linken Spur noch frei gewesen. Als ich etwa auf gleicher Höhe mit dem anderen Wagen war, bemerkte ich im Rückspiegel schon ziemlich nahe bei mir einen anderen Pkw, einen kleineren Sportwagen.

Der Sportwagen schloß sehr bald sehr dicht auf mich auf; so dicht, daß ich weder sein Nummernschild noch seinen Kühlergrill sehen konnte. Als ich den überholten Wagen im Innenspiegel erkennen konnte, bin ich wieder auf die rechte Fahrspur gezogen. Der Sportwagen, der es vorher offensichtlich so eilig hatte, hat mich nun nicht überholt, sondern blieb hinter mir, weiterhin mit extrem dichten Abstand (bei 150 km/h, wie gesagt,), hat schließlich mit seiner vorderen Stoßstange meine hintere Stoßstange leicht touchiert. Nach dem Anstoß blieb der Sportwagen weiterhin hinter mir, so daß ich nach rechts blinkte und dann meinen Wagen mit zunächst unverminderter Geschwindigkeit (denn auch eine kleine Verlangsamung hätte bei der gefahrenen Geschwindigkeit sofort zu einer Kollision geführt) auf den Seitenstreifen lenkte. Erst als klar war, daß mir der Sportwagen nicht auf den Seitenstreifen folgte, habe ich abgebremst. Der Sportwagen fuhr dann weiter, wobei ich jetzt das Nummernschild erkennen konnte: NEW - M 260. Ich selbst habe nicht bis zum Stillstand abgebremst, sondern bin dann wieder auf die Autobahn eingebogen und weitergefahren. Von diesem Punkt des Wiedereinfahrens auf die Fahrbahn bis zur Autobahnausfahrt Pfreimd war es nur noch eine kurze Strecke, vielleicht 1 km.

Durch meine Zeichen zum Wiedereinbiegen habe ich dabei offensichtlich einen Motorradfahrer, den ich noch vor dem Klein-Lkw überholt gehabt hatte, irritiert, so daß der leicht abbremste, um mich reinzulassen. Ich habe ihn aber - glaube ich - erst vorbeifahren lassen. Ich glaube nämlich, daß ich, durch die Aufregung über den eben überstandenen, gefährlichen Vorfall, den Motorradfahrer beim Wiedereinbiegen auf die rechte Fahrspur tatsächlich übersehen hätte, wenn der nicht abgebremst hätte.

Damals habe ich gehofft, der Motorradfahrer würde mich anzeigen, weil ich dann einen Zeugen gehabt hätte.

Am nächsten Werktag habe ich mit meinem Chef bei der MPU über den Vorfall geplaudert, die Theorie kam auf, daß so einer mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Punkte in Flensburg haben wird. Mein Chef rief bei der Führerscheinstelle an, läßt seine Verbindungen spielen. Dort erfuhren wir: der Halter des Wagens war ein 25jähriger Mann, keine Vorstrafen, keine Eintragungen im KBA-Register. Von Beruf war er Bundesgrenzschutzbeamter.

 

Ciao

Wolfram

Ernstchen 13.05.2013 | 09:26

Schlafmützenlinke ... hahaha! Ja, menschenskind das sind schon alles Warmparker, Weichduscher und Schatteneier, die mit ihren hässlichen Kleinwagen! Georg von Grothe hingegen hat ein strammes Paar dicke Eier und die brauchen Auslauf! ;) Pardon, das war jetzt nicht ganz mein Stil. Aber viele Ihrer Äußerungen zum Thema haben so Klischeemachotendenzen, es ist einfach a bisserl amüsant. Aber jetzt mal ein ganz anderes Szenario: Stören Sie nicht auch diese Langsamfahrer? Diese LKWs und Seniorenmercedes wegen denen man ständig abbremsen muss? Wenn die alle 160 statt 100 fahren würden, wärs doch viel flüssiger und das schnellfahren würde viel mehr Spaß machen! Stimmt doch, oder? Tja, schneller fahren können die einen (LKWs) und wollen die anderen (Senioren, Vorsichtige, Fahranfänger) nicht fahren! Dann wäre es doch besser das Spektrum nach weiter unten auf der Geschwindigkeitsskala ... Ach was solls, was ich mir hier in den beiden Threads schon für Beispiele und Argumente rausgelassen hab und von der "Gegenseite" kommt ausschließlich "Ich will Spaß, ich geb Gas!" und "Freiheit kauf ich mir in Form von Porsche" (ich weiß), das ist doch zwecklos. Nicht einmal das Argument dass Raser Angst und Schrecken verbreiten bei anderen Verkehrsteilnehmern ist zulässig, weil das sind ja nur die "hirnlosen" Raser, die natürlich auch bei Tempolimit 120 ihre 270 fahren würden. GvG selbst ist natürlich völlig erhaben und hat mit diesen Drängelhirnirasern nichts zu tun, erzählt aber gleichzeitig von "obwohl ich mit der Lichthupe übelst gezeigt hab dass ich jetzt komm und er gefälligst auf die billigen Plätze rechts zu huschen hat" (nicht wörtliches Zitat) ... und packt dann auch noch die Autoneidkeule aus. Herrschaftszeiten was für ein Käse!

Wolfram Heinrich 13.05.2013 | 10:33

@Ernstchen

Ja mei. So schrecklich sowas auch ist, ein einzelnes Beispiel ist kein Beweis für die Wirksamkeit von Tempolimits, da gebe ich schon den Skeptikern/Rasern ;) hier recht, aber auch nur da.

 

Ach ja, der Einzelfall. Gib mal bei Google "testfahrer autobahn unfall" ein und stöbere ein wenig in den Ergebnissen (Testfahrer, damit klar ist, daß es sich hier um Autofahrer handelt, die überdurchschnittlich viel Erfahrung mit extremen Geschwindigkeiten haben).

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 13.05.2013 | 10:40

@Ernstchen

Hey Wolfram, ich bin völlig auf deiner Seite, nur ein Herr von Grote und seine Kollegen vom schweren rechten Fuß werden nie ein Beispiel akzeptieren. Zumal in dem Link kein Hinweis auf den Ausgang des Verfahrens ist. Wie war das denn?

 

Wenn du in den Ergebnissen stöberst, wirst du eine Menge "Einzelfälle" finden. Turbo-Rolf wurde in zweiter Instanz zu 1 Jahr Haft mit Bewährung verurteilt. Ein Schnäppchen.

 

Ciao

Wolfram

Georg von Grote 13.05.2013 | 10:46

Jetzt mal im Ernstchen und nicht so übertreiben :-)

Ich habe nie gesagt, kein Verständnis für jemanden zu haben, dem hohe Geschwindigkeiten Angst machen. Und die Beispiele, die Ihr da bringt, sind natürlich grundsätzlich die negativen. Gegen Drängler und Typen, die glauben, anderen an der Stoßstange hängen zu müssen habe ich genauso viel wie jeder andere auch.

Ich sprach von Schnellfahren, wenn es die Straßen- und Verkehrsverhältnisse es zulassen.

Entflohener 13.05.2013 | 11:19

Es spricht einiges für ein generelles Tempolimit. Aber es spricht auch einiges für ein generelles Alkoholverbot und zwar nicht nur für Autofahrer. Ich bin weder für das eine, noch für das andere. Wir können nicht alles abschaffen, was uns und andere gefährden könnte, ohne unsere Freiheit empfindlich einzuschränken. Ich fahre meistens nicht besonders schnell, aber manchmal habs auch ich eilig und dann möchte ich auch mal erwas zügiger vorankommen. Rücksichtslose Fahrer werden sich von Tempolimits kaum vom Rasen abhalten lassen und schwere Unfälle gibts in Ländern mit Tempolimit nicht weniger.

Ernstchen 13.05.2013 | 11:54

Nein, meine Sichtweise ist nur anders. Für mich ist das vergleichbar. "Ich sollte das Recht haben, zu rasen wenn ich das für vertretbar halte." ist das was Sie sagen. Ich sage, was Sie für vertretbar halten kann bei diesen unnatürlichen Geschwindigkeiten mit gleichzeitiger Nähe zu anderen Verkehrsteilnehmern mit deutlich geringeren Geschwindigkeiten (bevor Sie mir mit Flugzeugen kommen) nicht der Maßstab für alle sein. Ob der Maßstab 120 km/h ist ist natürlich relativ arbiträr, aber dass es begrenzt werden muss, das ist meine Sichtweise.

Sikkimoto 13.05.2013 | 14:29

Interessant wie hier die Emotionen hochkochen.

 

Was mir inhaltlich etwas kurz kommt ist die Umsetzbarkeit bzw überhaupt die gewollte Umsetzung. Momentan gilt das wer schneller als 130 unterwegs ist bei Unfällen mindestens mitschuldig ist. D.h. man bewegt sich im Grunde außerhalb des Versicherungsschutzes. Ich finde diese Regelung gut.

Wie soll jetzt die Wirkung eines absoluten Verbots aussehen? Derjenige, der mit 250 Sachen über eine glatte Strasse rauscht würde mit Sicherheit auch ohne 120 Limit aus dem Verkehr gezogen werden. Trotzdem tun Menschen sowas. Sie riskieren nicht nur ohne Versicherung einen Unfall zu bauen sondern auch ihr eigenes und andere Leben. Das heißt ein Geschwindigkeitsverbot allein wird absolut nichts bringen. Es müste rigoros kontrolliert werden. Nur dann werden sich menschen daran halten.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Reichen die bisherigen Verkehrsregeln nicht aus? Ist das Problem nicht eher das sie bereits jetzt missachtet werden? Ich würde davor plädieren erst mal die bestehenden Ver- und Gebote einzufordern durch Blitzer, aktive Verkehrskontrollen und ähnlich unpopuläre Maßnahmen. Ein Problem ist wohl das solche Maßnahmen mit Kosten verbunden sind während ein folgenloses Verbot schnell und billig gefordert ist.

Entflohener 13.05.2013 | 15:46

Das ist genau der Punkt. Deshalb halten sich in der Schweiz die Autofahrer ans Templimit, in Deutschland dagegen nicht. Kontrolliert wird dort überall und die Strafen sind saftig. Das Autofahren macht dann allerdings nur noch bedingt Spass. Bei Fahrten durch die Schweiz beschleicht mich mitunter das Gefühl, wie wenn in jedem Busch die Räuber lauern (oder die Schergen des Königs...). Den Blick starr auf den Tacho gerichtet, wird ständig nach Temposchildern gesucht, um nur ja keines zu übersehen. Da liegt Freud (entspanntes Fahren) und Leid (Hilfe, war ich vielleicht zu schnell?) nah beieinander.

boshafterzwerg 13.05.2013 | 17:44

als boshafter Zwerg fahre ich natürlich auf der Autobahn so schnell ich kann ( bei 240 ist leider Schluß). Das geht aber nur auf wenigen freien Abschnitten unserer zu 80 % bereits regulierten Autobahnen. Warum den Rest nun auch noch regulieren? Wenn die Straße frei ist, kann man gut auch mal über 200 fahren, bei den heutigen Autos kein Problem. Die Unfallstatistiken fordern auch nicht zwingend ein allgemeines Tempolimit, die meisten Unfälle ereignen sich auf der Landstraße und in der Stadt. Die sicherste Sstraße ist statistisch die Autobahn. Für unsere arbeitsplatzsichernde Autoindustrie ist aber die theoretische Freizügigkeit auf der Autobahn der Verkaufshit schlechthin, da die Qualität unserer Fahrzeuge wegen der auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegten Konstruktion so gut ist.Also Leute, nehmt die wenigen Druckwellen hin im Standortinteresse.

tlacuache 14.05.2013 | 06:37

Die ganze Diskussion ist Kindisch, es wird viel über "Verbote, Radarkontrollen, Strafen" etc. geblubbert.

Der Gesetzgeber braucht nur eine Geschwindigkeitskontrolle "in" den Fahrzeugen einbauen lassen. Bei 130 ist dann eben Schluss.

Und labert mir nix von "da sind wir keine Exportweltmeister mehr".

Für die Egos mit schleifenden Eiern da tiefergelegt bleibt immer noch Fahrspass ("Es kitzelt so angenehm"). Er braucht dann eben nur 6 Sekunden bis 130, die anderen 13 Sekunden.

Die Geschwindigkeitdrosselung kann man natuerlich von Profis im Ausland abklemmen, wer's in Deutschland macht und erwischt wird, bekommt seine 100 000 € Droschke eben beschlagnahmt.

Als Anekdote:

Ich habe mal einen Ferrari in einem sehr armen X - Land gesehen, im Garten des Besitzers, so ein Hektar, also 100 mal 100 Meter, der konnte ihn ausserhalb gar nicht Spazieren fahren, da die Schlaglöcher in den Strassen auf einen halben Meter zugingen. Hat er ihn trotzdem gekauft? Klar.

Fragen wir hier mal die Physiker:

Wie schnell war der Ferrari bei Vollbeschleunigung bis zum Stand vor seiner Mauer ohne einen Kratzer, was war die höchste Geschwindigkeit?

Es ist eben was es immer schon war:

Spielzeug für tiefergelegte Eier (Hoffentlich haben sie ihm eine Fussmatte in die Unterhose gelegt).

Gruss

 

tlacuache 14.05.2013 | 07:26

Also du boshafter Zwerg, als BKrF mit 1 Million Km International auf dem Buckel, fast ein Viertel davon auf einem anderen Kontinent mit ungewohnten Überaschungseiern im Strassenverkehr kann ich Dir nur sagen:

Ich bin vor 25 Jahren auch mit 230 Sachen über die Piste gebrettert, weil ich meinte, ich bin "schneller" und "verdiene" mehr.

Das Gegenteil ist der Fall, es geht ab 35 körperlich an die Substanz. Du schläfst schlechter, dein Hirn ist ausgebrannt vor lauter Adrenalin und Konzentration. Wenn du zu einem Meeting kommst brauchst du erst einmal eine halbe Stunde um runter zu kommen, es geht auf die Pumpe (Grote?).

Man muss ja die ganze Zeit mit der Blödheit der anderen rechnen, das kostet ungemein Energie und ist nicht Gesundheitsfördernd.

Ich fahre auch heute noch ab und an 125 - 130, aber meine Erfahrung, auch was Reifenplatzer in der Kurve angeht, ab 95 ist Schluss mit Lustig, 95 ist langweilig, da werde ich Müde, aber bei 110 ist man wieder hellwach, wenn man schon alles an Unfällen gesehen hat, was so möglich ist, incl. Geisterfahrer und diesem Deppen Ausweichen und Zusehen, dass man dabei nicht stirbt...

Gruss

 

Oberham 14.05.2013 | 08:43

Was man allerdings kann ist, Dumme aus dem Verkehr zu ziehen.

... aus der Welt ziehen, wir arbeiten doch alle fleissig daran.

§1 StVo - würde genügen - nur die Druckwellen werden ja immer stärker - ich fahre eine Ente Bj. 1978 - früher auch manchmal auf der BAB zwischen München und Landshut - da ich dort Nachts arbeitete, so war die BAB "frei" - d.h. man konnte rasen - nun ich fahre wehr weit rechts, spiele immer mit dem weißen Strich - so wirklich mal ein LKW langsamer fährt (ca. 110 läuft meine Ente ohne sich zu überanstrengen - wie gesagt - BAB zum Glück heute praktisch gar nicht mehr - aber wenn man von der Arbeit ins Bett möchte - nimmt man von München nach Landshut eben die BAB - sprich es gibt Menschen die nutzen diese Straßen und fahren keine tonnenschweren PKW´s)

aber zurück zu den Druckwellen - fährt an einer solchen Ente ein URO - unbekanntes Raseobjekt - mit gefühlten 250 plus x vorbei - sollte man hellwach sein und nicht erschrecken!

Beim erstenmal bin ich furchtbar erschrocken - danach hab ich teuflich genau in den Rückspiegel geguckt wie schnell sich Lichterpaare hinter mir nähern - immer!

Aber zur Debatte hier - die Raserei ist doch nur ein winziger Aspekt unserer völlig wirren und verblödeten Verhaltensweisen - es geht bei A wie Automobil an und hört bei Z wie Zelle auf -

den manche Verrücktheiten enden für manche Menschen in einer Zelle, wenn man es genau nimmt - müssten wir alle wegen patologischer Ignoranz, ständiger Kompromissbereitschaft dem Wahnsinn gegenüber und teils schon wirklich perfektem Selbstbetrug in Zellen hocken - da uns dann keiner mehr rauslassen kann - wäre es ein ziemlich authentisches Ende - wir würden verhungern so wie gerade etwa 100 Menschen in der Zeit da ich dies tippte.

Lieber Wolfram - sie sind Geistreich, doch Ihr Realismus ist das klassische Überlebensprinzip - dass dem Wahnsinn Bahn bricht - die Dinge erkennen und dann ironisch betrachten, das ändert leider nichts - ich bin vielleicht nicht Geistreich sondern schlicht, doch ich habe dem System sicher weniger beigestanden als die meisten hier - freilich - sitz ich mit der gleichen Schuld mit im Boot.

Ist es nicht frappierend welche Debatten z.B. Beschneidung, Tempolimit, Rassismus, Faschismus, NSU, Nepotismus - all die kleinen Steine im Mosaik unserer irren Gesellschaften - global - auslösen, wie wenig wir inzwischen aber über Hunger und Eend von Milliarden reflektieren?

Im Herbst gibt es den Welthungertag - an diesem Tag werden wir über die Hungertoten viel lesen können.

Hätte der Gabriel nicht die Bemerkung gemacht - würden wir hier nicht über Tempolimit schreiben und uns austauschen.

Wie bescheuert sind wir nur? Welche Bemerkung eines Politclowns wird morgen unser Trigger sein?

... man muß uns aus dem Verkehr ziehen!

Oberham 14.05.2013 | 10:06

.. solche Ideen liegen seit 40 Jahren (oder länger?) in den Schubladen von kreativen und vernünftigen Verkehrsplanern und Desingnern, spuken in den Köpfen von vielen Menschen mit der "falschen" Grundeinstellung herum.

Leider zählt der Mainstream - und wenn er nicht passt, dann wird er passend gemacht!

(Warum nicht eine Volksabstimmung zum Thema Tempolimit?)

Die Idee modularer Individualvehicel, die sich zu "Zügen" koppeln können hat ca. eine Million gefühlter Vorteile - nur - sie kann nicht verwirklicht werden solange einzelne mit 3 Tonnern und 500 KW alleine über öffentliche Straßen brettern wollen und man den Güterverkehr nicht anders organisiert.

Aber das Gütertransportproblem wäre auch längst lösbar - einzig die Lobby der LKW Produzenten (an erster Stelle) plus jene der Logistiker im Straßentransport (an zweiter Stelle) plus die Mineralölindustrie (vielleicht doch die an erster Stelle?) kämpfen seit Jahrzehnten gegen eine stärkere Verlagerung auf die Schiene und regionale Sammel und Verteilzentren - daneben wird immer noch von Nordeuropa nach Südeuropa z.B. Rohmilch transportiert - um dann von Süd nach Nord den Käse oder die Butter zu transportieren - die aus dieser Milch produziert wurde - nur eine Episode - all diese Dummheiten sind seit Dekaden bekannt - doch jene die davon profitieren wissen sich politisch durchzusetzen - und so ist im System imanent, dass die dümmste Prozedur die stärkste Lobby hat - das Kluge glaubt durch Argumente überzeugen zu können und wundert sich regelmäßig wie doch Ignoranz und Überheblichkeit der Trottel immer wieder gewinnen.

Die politischen Gruselmarionetten sind die Relais zwischen uns und der Dummheit - sie dienen der Dummheit!

Würde man all die Ingenieure zählen, die sich in den letzten 40 Jahren entweder vor einen Zug warfen, oder - wenn sie es irgendwie ertragen konnten, als dumpfe Ausführungsgehilfen weitermachten - völlig gegen ihre Übererzeugungen - ich behaupte man käme auf eine Prozentzahl jenseits die höher liegt als 50 - (natülich liegen die Freitoten im Promillebereich - der Überlebenstrieb hält uns doch auch hier - freilich - manche sehen das alles nicht so schwarz wie ich....)

Leute Ihr informiert Euch großteils sehr gut, Ihr lest Euch ein, seid interessiert, ich bewundere jene von Euch, die sich ihren Optimismus bewahren können.

 

Entflohener 14.05.2013 | 10:48

Das würde vorraussetzen, dass unsere Gesellschaft "vernünftig" organisiert ist. Aber selbst wenn sich die einzelnen Akteure überwiegend rational verhielten (was meistens schon nicht der Fall ist), wäre die Gesellschaft es noch lange nicht. Was für die Einzelnen Sinn ergibt, kann für Gesamtheit disaströs sein. Klar ist unser Verkehrssysthem absurd. Aber so wie es nun mal ist, kann es durchaus rational sein, im SUV durch die Gegend zu düsen. Und Spass macht das allemal.

Wolfram Heinrich 14.05.2013 | 18:13

@Entflohener

Rücksichtslose Fahrer werden sich von Tempolimits kaum vom Rasen abhalten lassen

 

Mörder werden sich durch die Strafbarkeit von Mord nicht vom Morden abhalten lassen.

Aber der Vergleich hinkt natürlich, die beiden Delikte sind grundverschieden. Die Rückfallquote bei haftentlassenen Mördern ist traumhaft niedrig. Bei Geschwindigkeitstätern dagegen...

Die sammeln Punkte und Punkte, sehenden Auges fahren sie dem Führerscheinentzug entgegen. Und ist er dann weg, müssen sie zur MPU, sie winseln dir die Hucke voll und schwören heiligste Eide darauf, künftig nur noch regelgerecht fahren zu wollen. Haben sie den Führerschein endlich zurück, geht es mit dem Punktesammeln wieder los.

Seit inzwischen fast 30 Jahren gibt es Nachschulungskurse für alkoholauffällige Kraftfahrer (nach einer MPU). Trunkenheitsfahrer sind ebenfalls eine ziemlich hartnäckige, rückgefallgefährdete Tätergruppe. Trotzdem, die Kurse sind relativ erfolgreich, die Rückfallquote bei den Teilnehmern sind geringer als die von Leuten, die glatt, also ohne Kurszuweisung, durch die MPU gekommen sind. Vor ca. 15 Jahren hat man solche Kurse auch für Punktetäter eingeführt, hat sie evaluiert und die Ergebnisse waren durchgehend so schlecht, daß die Bundesanstalt für Straßenwesen die Kurse wieder einstellen ließ.

Geschwindigkeitssünder sind Triebtäter, denen kommst du mit ein bißchen Verkehrspädagogik nicht bei.

 

Ciao

Wolfram

P. S.: Ich wüßte ein schönes Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit in Kriminologie oder so. Eine Befragung zur Einstellung über verschiedene Gesetzesverstöße und deren Sanktion. Ich weiß nicht, was alles dabei rauskommen wird, ich bin mir aber ziemlich sicher, daß es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Schwanz-ab-/Rübe-ab-Fraktion und den "Freie Fahrt für freie Bürger"-Rufern. Härtere Strafen für Straftaten, die man selber eh nicht begehen wird, viel Verständnis dagegen für Delikte, die man selber begeht.

Geschwindigkeitsüberschreitungen sind keine Straftaten, ich weiß. Aber mit ein bißchen dicht Auffahren und Lichthupe-Drängeln ist man schnell bei der Nötigung, und die ist eine Straftat. Straßenverkehrsgefährdung übrigens auch.

Entflohener 14.05.2013 | 23:00

Es ist aber auch ein Kreuz mit den Schnellfahrern. Meine Frau wird z.B. ganz unruhig, wenn ich auf der Autobahn "nur" 120 fahre. Da heißt´s dann: "Gleich fahren wir rückwärts" usw. Es scheint so zu sein, dass Menschen Geschwindigkeiten unterschiedlich empfinden. Der eine macht sich ins Hemd, wenn der Tacho die 110 überschreitet, der andere bekommt die Krätze, weil er mit 120 dahin schnecken muss. Das erklärt vielleicht die hohe Rückfallquote bei den Temposündern. Das man sich die eigenen Vergehen schön redet, findet man sogar bei den Pädophilen (eigentlich sollte man ja sagen Pädosexuelle, wegen dem Euphemismus "philie"). Aber eine Arbeit über die Einstellung zu Gesetzesverstößen wäre tatsächlich hoch interessant. Vielleicht in der Art von Adornos "Studien zum autoritären Charakter".

 

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 06:16

@boshafterzwerg

Wenn die Straße frei ist, kann man gut auch mal über 200 fahren, bei den heutigen Autos kein Problem.

 

Das Problem bei hohen und sehr hohen Geschwindigkeiten sind nicht die Autos (die sind heute ganz hervorragend), sondern die Autofahrer (das sind immer noch die Urenkel der Höhlenbewohner).

Aus eigener Kraft kann ein Mensch maximal 40 km/h erreichen, und auch das nur kurzfristig und nur, wenn man so hochtrainiert ist, daß man die 100 m in 10 sec herunterdonnern kann. Wenn dem Sprinter auf der Tartanbahn unvermutet ein Zuschauer über die Piste läuft, kann dieser bei dem gelaufenen Höllentempo nicht mehr reagieren, es wird wahrscheinlich zu einem grauenhaften Unfall kommen. Zur Erinnerung: 40 km/h ist die Geschwindigkeit, die ich nach einem Fall aus über 6 Metern Höhe er­reiche, aus dem zweiten Stock eines Hauses, immerhin.

Welche ungeheuren Kräfte bereits bei sehr geringen Geschwindigkeiten freigesetzt werden, hat mich ein - gottlob harmlos verlaufener - Unfall gelehrt.

Es geschah zur abendlichen Hauptverkehrszeit. Die eine und einzige Hauptstraße durch meinen Wohnort war nahezu dicht. Stehender Verkehr mit Stop-and-Go, jeweils in Schrittgeschwindigkeit und nur für wenige Meter. Vor mir in der Schlange fuhren (aber Gott, was heißt schon „fuhren“ bei dieser Verkehrslage?) zwei Motorräder. Richtig große, schwere Motorräder, gefahren von einem zu den Motorrädern passenden Paar. Beide groß und mindestens stämmig, wahrscheinlich schon dick. Die Kolonne ruckt wieder mal an, alle Fahrzeuge fahren in Schrittgeschwindigkeit ein paar Meter weiter. Die hintere Motorradfahrerin paßt ei­nen Moment lang nicht auf und bekommt zu spät mit, daß die Kolonne schon wieder hält. Sie fährt auf das andere Motorrad auf.

Von der Wucht des Aufpralls wurde die Motorradfahrerin über die Lenkstange hinweg aus dem Sattel gehoben. Sie kam zwar mit den Füßen auf dem Boden auf, war allerdings immer noch in der Vorwärtsbewegung, so daß sie um ihr Gleichgewicht laufen mußte. Sie stolperte hilflos und unkon­trolliert weiter und lief schließlich mit immer noch erheblicher Energie an eine Hauswand. Ihr Kopf schlug gegen eine Türkante und sie wäre wohl ernstlich verletzt worden, wenn sie keinen Helm getra­gen hätte.

Um es zu wiederholen: Der kleine Unfall ist bei Schrittgeschwindigkeit passiert, bei echter Schrittge­schwindigkeit. Ich war in der fahrenden Kolonne drin und wir hatten ganz sicher nicht mehr als 10 km/h drauf. (Um in einer Stunde 10 km zu gehen, muß ein Mensch schon ganz ordentlich ausschreiten.)

Mit steigender Geschwindigkeit vergrößert sich das Problem. Und es vergrößert sich rasend schnell. Die Bewegungsenergie eines Autos steigt mit dem Quadrat der gefahrenen Geschwindigkeit an: Dop­pelte Geschwindigkeit heißt vierfache Energie, bei dreifacher Geschwindigkeit haste du bereits den neunfachen Energiebetrag. Wenn du mit 200 km/h „gemütlich auf der Autobahn dahingleitest“ (Ori­gi­nal­zi­tat aus einem MPU-Gespräch mit einem notorischen Geschwindigkeitsübertreter) bewegst du dich fünfmal so schnell wie mit 40 km/h, schleppst dabei jedoch 25mal so viel Bewegungsenergie mit dir herum.

Stell dir einen Wagen vor, der in der Stadt mit 50 km/h vor sich hinfährt. Auf der linken Spur wird er von einem anderen Wagen gleichen Typs überholt, der eine Geschwindigkeit von 70 km/h einhält. In dem Moment, da sich beide Wägen auf gleicher Höhe befinden, geschieht vor ihnen etwas, das beide zur Voll­bremsung zwingt. Beide Fahrer, gleich reaktionsschnell, treten voll in die Eisen. Wie schnell - glauben Sie - ist der Wagen auf der lin­ken Spur an jenem Punkt, an welchem der andere Wagen eben grade noch (vor dem Hindernis) zum Stillstand gekommen ist?

Die Lösung ist entsetzlich: Der schnellere Wagen hat an der Stelle immer noch 50 km/h. Der wegen der höheren Geschwindigkeit auch längere Fahrweg des zweiten Wagens während der Schrecksekunde ist dabei noch gar nicht mitgerechnet. Die auf den ersten Blick nur geringfügig höhere Geschwindigkeit hat enorme Auswirkungen auf den nötigen Bremsweg.

Das Gemeine dran ist: Man kann so etwas ausrechnen, aber man kann sich die beim Autofahren erzeugten Kräfte nicht vorstellen, kein Mensch vermag so etwas wirklich in sein Hirn zu bringen. Auch Ingenieure fahren auf der Autobahn 200 km/h, obwohl sie wissen (es sich aber nicht wirklich vorstellen können!), daß sie über 150 m bräuchten, um im Falle eines Falles zum vollständigen Stillstand zu kommen. (Und auch das nur, wenn alles optimal ist: Der Fahrer, der Wagen, der Straßenzustand.) Auch Physiker, die es eilig haben, zum Kongreß der Unfallforscher zu kommen, hängen sich bei 150 km/h eine knappe Wagenlänge hinter deinen Kofferraum, um dich zur Eile anzutreiben - obwohl sie genau wissen (es sich aber nicht wirklich vorstellen können!), daß bei diesem Affenzahn ein kleines Abrutschen von deinem Gaspedal die Katastrophe unausweichlich macht.

Das Autofahren ist für den Menschen eine prinzipielle Überforderung!

Von seiner biologischen Ausstattung, seinen Möglichkeiten der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Muskelreaktion ist der Mensch auf derart hohe Geschwindigkeiten, wie sie im modernen Straßenverkehr alltäglich sind, nicht eingerichtet. Kommt er mit 20 km/h noch einigermaßen klar, wird es bei 30 km/h schon kritisch und schon bei schlappen 40 km/h ist eine rechtzeitige, sinnvolle Reaktion auf plötzliche Ereignisse nicht mehr möglich. Ich kann nur dann mit Höchstgeschwindigkeit über einen halbwegs belebten Platz laufen, wenn die Passanten erschreckt vor mir auseinanderstieben. Ansonsten wird es über kurz oder lang zu einem Zusammenstoß mit - auch bei dieser Geschwindigkeit bereits - entsetzlichen Folgen kommen.

Einen Menschen ans Steuer eines modernen Kraftfahrzeuges zu setzen ist, als würde man Hirn und Nervensystem eines Igels in den Körper eines Geparden verpflanzen.

Daß es im Straßenverkehr nicht ständig kracht, daß trotz der „prinzipiellen Überforderung“ der Unfall das seltene Ereignis bleibt, liegt daran, daß der Straßenverkehr sehr, sehr streng reglementiert und ritualisiert ist. Diese strengen und strikten Regeln vereinfachen das „Spiel Straßenverkehr“ ganz erheblich. Ich muß als Verkehrsteilnehmer nicht ständig auf alles achten, ich darf sehr viel als selbstverständlich voraussetzen. Ich muß mich aber auch beim Autofahren auf sehr viele Dinge einfach blind verlassen können:

* Der Wagen, der mir entgegenkommt, bleibt ganz bestimmt auf seiner Seite, er darf ganz einfach nicht plötzlich rüberfahren.

* Der Fußgänger am Straßenrand bleibt ganz bestimmt am Straßenrand, er darf ganz einfach nicht jäh auf die Straße treten.

* Der Motorradfahrer, der von der Seitenstraße her kommt, wartet ganz bestimmt, bis ich vorbei bin, er darf ganz einfach nicht plötzlich vor mir auf meine Straße einbiegen.

* Wenn ich mich der Bergkuppe nähere und schließlich drüberfahre, dann darf einfach unmittelbar dahinter ganz kein anderer Wagen stehen oder langsam fahren.

Und auf der Autobahn gilt

* Wenn ich eine Fahrzeugkolonne überhole, dann darf einfach keiner plötzlich ausscheren.

Nur solange diese strengen Spielregeln strikt eingehalten und von den Autofahrern „kon­ser­vativ“ ausgelegt werden, haben wir eine reelle Chance, den Spielplatz Straßenverkehr auch diesmal wieder lebend zu verlassen.

 

Für unsere arbeitsplatzsichernde Autoindustrie ist aber die theoretische Freizügigkeit auf der Autobahn der Verkaufshit schlechthin, da die Qualität unserer Fahrzeuge wegen der auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegten Konstruktion so gut ist.

 

Daß diese Argumentation ein rechter Schmarrn ist, ist dir wahrscheinlich selber klar, oder? Die Produkte der Firmen Ferrari und Maserati sind ebenfalls auf hohe bis sehr hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, die Qualität dieser Produkte wird von Kennern als gut bis sehr gut eingestuft und entsprechend bezahlt.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 06:41

@Oberham

Ist es nicht frappierend welche Debatten z.B. Beschneidung, Tempolimit, Rassismus, Faschismus, NSU, Nepotismus - all die kleinen Steine im Mosaik unserer irren Gesellschaften - global - auslösen, wie wenig wir inzwischen aber über Hunger und Eend von Milliarden reflektieren?

 

Ach, na ja, das Argument trifft ja immer. Worüber immer ich nachdenke und was schreibe, es gibt stets ein Thema, das noch wichtiger wäre.

Was sind das für Zeiten, wo

Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist

Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

 

Ciao

Wolfram

MrMD15 15.05.2013 | 07:28

Ja, das sehe ich auch so. Es wird häufig einfach überhöhtes Tempo oder ähnliche teilweise irrelevante Kriterien als Grund für die juristische Schuld angenommen. Natürlich ist manchmal zu hohe Geschwindigkeit der Grund für einen Unfall, aber die grundsätzliche Teilschuld bei Tempo 130< auf der Autobahn würde solch eine Statistik natürlich verzerren. Auch ist zu schnelles Fahren auf Landstraßen ein Hauptgund für die so häufigen Kurvenunfälle. Aber da sich hier die Leute meist selbst umbringen (Hart ausgedrückt, ja. Aber dennoch wahr) als andere in Gefahr bringen, sehe ich hier kaum Handlungsgrund (Warnung okay, Begrenzungen nein.).

Am häufigsten sind (schätze ich jetzt mal) innerorts mehrere Parteien involviert: http://www.zeit.de/auto/2013-05/verkehr-stadt-sicherheit Da sehe ich wirklich Handlungsbedarf (Ausweitung des Ringverkehrs, Tempo 30, autofreie Innenstädte, etc.).

Das habe ich bei meinem Kommentar nicht bedacht. Aber um sich einen Überblick zu verschaffen, wäre es vielleicht ganz nett zu erfahren, wie viele der auf deutschlands Straßen getöteten/verletzten Autofahrer überhaupt in Beteiligung anderer in den Unfall geraten sind. Alleine das würde schon viel aussagen.

MrMD15 15.05.2013 | 07:44

Das mit dem Rennfahrer hatte sich auf meine Formulierung "der ist lebensmüde oder fährt unfassbar gut Auto" (das ist nicht der Wortlaut) bezogen. Das hatte ich nicht völlig ernst gemeint und hatte sich durch die entsprechende Antwort (können Sie gerne nachlesen) so ergeben.

 

Ich gebe Ihnen natürlich Recht, mit höherer Geschwindigkeit erhöht sich die Gefahr nicht mehr rechtzeitig bremsen zu können. Das lässt sich aber wiederum auf alle Geschwindigkeiten anwenden, ich hatte meine Erfahrung mit einem Motorradkoffer auch schon bei Tempo 120 (volle Autobahn etc.).

Allgemein muss man auch sagen, dass in sochen Situationen die Polizei oder der ADAC (kommt natürlich darauf an) immer relativ schnell vor Ort sind. Oder es ist eben schon der folgende Autofahrer, der den Gegenstand unter hinnahme eines Lack oder Blechschades in die Wiese befördert.

Und ein gefährliches Stauende ist in mehr als 99% der Fälle auch kein Problem, wenn denn nur alle Autofahrer entsprechend wachsam sind (und das ist natürlich das Wichtigste, richtig?). Weil dass wirklich kein Platz zum Bremsen vorhand ist und dazu niemand seine Warnblinkanlage verwendet hat, passiert nun wirklich so gut wie nie.

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 08:25

@Entflohener

Klar ist unser Verkehrssystem absurd. Aber so wie es nun mal ist, kann es durchaus rational sein, im SUV durch die Gegend zu düsen.

 

Rational? Im Ernst? Okay, für einen Tierarzt, der immer mal wieder auch über schlechte Straßen bei noch schlechteren Witterungsbedingungen fahren muß, mag die Anschaffung eines Geländewagens Sinn machen. Aber sonst?

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 08:32

@Entflohener

Es ist aber auch ein Kreuz mit den Schnellfahrern. Meine Frau wird z.B. ganz unruhig, wenn ich auf der Autobahn "nur" 120 fahre. Da heißt´s dann: "Gleich fahren wir rückwärts" usw. Es scheint so zu sein, dass Menschen Geschwindigkeiten unterschiedlich empfinden.

 

Das ist schlicht Gewöhnungssache. Wer längere Zeit im Ausland auf Autobahnen fährt, fängt irgendwann an, die mäßige Geschwindigkeit ganz angenehm zu finden (der ganze Verkehr um mich rum, fährt ja auch nicht wesentlich schneller, meistens). Ich habe mich auf italienischen Straßen und Autobahnen deutlich sicherer gefühlt als auf deutschen.

 

Der eine macht sich ins Hemd, wenn der Tacho die 110 überschreitet...

 

Ich kann nur für mich sprechen: Ich mache mir nicht ins Hemd bei höheren Geschwindigkeiten, wenn ich beim Autofahren grundsätzlich Angst hätte, würde ich schon längst kaum noch fahren.

 

...der andere bekommt die Krätze, weil er mit 120 dahin schnecken muss. Das erklärt vielleicht die hohe Rückfallquote bei den Temposündern.

 

Das erklärt es sicher nicht. Bei den notorischen Temposündern ist es eine Leidenschaft.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 08:34

@MrMD15

Auch ist zu schnelles Fahren auf Landstraßen ein Hauptgund für die so häufigen Kurvenunfälle. Aber da sich hier die Leute meist selbst umbringen (Hart ausgedrückt, ja. Aber dennoch wahr) als andere in Gefahr bringen, sehe ich hier kaum Handlungsgrund (Warnung okay, Begrenzungen nein.).

 

Der Haken ist: In einem Auto sitzt oft nicht nur der Fahrer, sondern Weib und Kind und Trallala. Man mag ja sagen, die Frau ist selber schuld, wenn sie so einen Idioten heiratet, aber deswegen gleich die Todesstrafe?

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 08:35

@MrMD15

Ich gebe Ihnen natürlich Recht, mit höherer Geschwindigkeit erhöht sich die Gefahr nicht mehr rechtzeitig bremsen zu können. Das lässt sich aber wiederum auf alle Geschwindigkeiten anwenden,

 

Schon, aber die Bewegungsenergie und damit der Bremsweg erhöht sich im Quadrat der Geschwindigkeit.

 

Allgemein muss man auch sagen, dass in sochen Situationen die Polizei oder der ADAC (kommt natürlich darauf an) immer relativ schnell vor Ort sind.

 

Wenn ich auf einer deutschen Autobahn ein gefährliches Hindernis bemerke, dann bin ich in der Situation zunächst völlig hilflos. Ich konnte dem Hindernis noch ausweisen, aber ich kann das Hindernis selber nicht entfernen. Es ist ein Himmelfahrtskommando, einen auf der Fahrbahn liegenden Koffer zu entfernen. Und es ist deshalb so gefährlich, weil man auf einer deutschen Autobahn immer mit Autos rechnen muß, die mit wahnwitzigen Geschwindigkeiten daherkommen.

 

Und ein gefährliches Stauende ist in mehr als 99% der Fälle auch kein Problem, wenn denn nur alle Autofahrer entsprechend wachsam sind (und das ist natürlich das Wichtigste, richtig?). Weil dass wirklich kein Platz zum Bremsen vorhand ist und dazu niemand seine Warnblinkanlage verwendet hat, passiert nun wirklich so gut wie nie.

 

Ein Stauende ist dann rasend (!) gefährlich, wenn es sich hinter einer unübersichtlichen Kurve oder hinter einer Kuppe befindet.

 

Ciao

Wolfram

Entflohener 15.05.2013 | 10:18

Ich wohne in den Alpen. Da hat´s Schnee von November bis April. Wer da mit Allrad unterwegs ist, fährt deutlich entspannter. In unserem Ort sind das mittlerweile die meisten. Etwas mehr Bodenfreiheit schadet auch nicht, damit die Karre nicht mit dem Unterboden auf dem Schnee aufsitzt, wenn Parkplätze noch nicht geräumt sind (alles schon erlebt). Da nützt dann nämlich der Allrad auch nichts mehr.

MrMD15 15.05.2013 | 10:37

Vergleich: Wenn ich überall in meiner Wohnung Stromkabel mit Netzspannung herumhängen habe ohne diese mit einer Lampe, einer Isolierung auszustatten, dann ist es das Problem des Besuchers, wenn er sich in meine Wohnung begibt. Und genauso wie im Auto, kann ich für einen Unfall haftbar gemacht werden.

 

Zu Ihrer 2. Antwort: Ja, höhere Geschwindigkeiten, mehr Gefahr. Meiner Meinung nach wird aber das Problem überschätzt. Solche Stauenden sind sehr sehr selten, vergleichbar mit einem Geisterfahrer. Die meisten Unfälle am Stauende passieren entweder bei 40km/h, weil die leute nicht aufpassen, oder weil zu spät gebremst wird und das 2. auf den Stau auffahrende Auto auf das plötzlich stark bremsenende auffährt.

 

Wie gesagt, solche Koffer sind meiner Erfahrung nach spätestens 5 Minuten in der Wiese (auf Kosten eines Blechschadens), größere Objekte nach spätestens 25 Minuten vom Himmelfahrtskommando beseitigt.

 

Es passiert trotz dieser Geschwindigkeiten einfach viel zu wenig auf den Autobahnen um wirklich ohne populistischen Hintergedanken ein Tempolimit zu fordern.. Die Unfallquoten sind größtenteils genauso gering wie im Ausland (teilweise geringer, teilweise höher).

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 12:42

@Entflohener

Also ich mach mir als Beifahrer schon gelegentlich ins Hemd, wenn der Fahrer etwas sportlich unterwegs ist.

 

Als Beifahrer freilich.

 

Ich kenne Leute, die rasen nicht aus Leidenschaft (man siehts am genervten Gesichtsausdruck), sondern weil sie es immer ganz eilig haben.

 

Wenn ich weiß, daß ich meinem Wagen und meiner Fahrweise den Weg von A nach B in 30 statt 40 Minuten schaffen, lasse ich mir 10 Minuten länger Zeit und trinke vor der Abfahrt noch einen Kaffee. Und dann habe ich es wirklich eilig.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 12:43

@Entflohener

Ich wohne in den Alpen. Da hat´s Schnee von November bis April. Wer da mit Allrad unterwegs ist, fährt deutlich entspannter. In unserem Ort sind das mittlerweile die meisten.

 

Ich sag ja, dort wo das Gelände und die Witterung es nötig machen, wundert mich ein SUV nicht. Die meisten findet man aber doch in den Groß- oder überhaupt -städten.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 15.05.2013 | 12:43

@MrMD15

Und genauso wie im Auto, kann ich für einen Unfall haftbar gemacht werden.

 

Wobei es natürlich sinnvoller wäre, könnte man den Unfallfahrer vorher aus dem Verkehr ziehen (man kann es oftmals).

 

Zu Ihrer 2. Antwort: Ja, höhere Geschwindigkeiten, mehr Gefahr. Meiner Meinung nach wird aber das Problem überschätzt. Solche Stauenden sind sehr sehr selten, vergleichbar mit einem Geisterfahrer.

 

Sicher sind Stauenden hinter einer Kurve oder Kuppe sehr selten, so wie Gegenstände oder Tiere oder Personen auf der Fahrbahn sehr selten sind. Plötzlich zum Überholen ausscherende Fahrzeuge sind schon nicht mehr ganz so selten und nimmt man alle unvorhersehbaren Ereignisse zusammen, dann läßt die Seltenheit schon deutlich nach. Zum Verrecken brauche ich gegebenenfalls nur einen einzigen dieser Vorfälle.

Wenn ich nachts fast ständig mit Abblendlicht fahren muß, weil immer wieder Gegenverkehr ist (auch auf der Autobahn werden entgegenkommende Fahrzeuge meist geblendet), dann laufen hohe Geschwindigkeiten auf die theologische Fahrweise hinaus: "Lieber Gott, laß nichts sein!" Ich muß ständig so fahren, daß ich auf unvorhergesehene Ereignisse noch sinnvoll reagieren kann.

 

Wie gesagt, solche Koffer sind meiner Erfahrung nach spätestens 5 Minuten in der Wiese (auf Kosten eines Blechschadens), größere Objekte nach spätestens 25 Minuten vom Himmelfahrtskommando beseitigt.

 

Hmja, und in diesen 25 Minuten kommen wieviel Autos vorbei? Wieviel davon mit - für diese Gefahrensituation - deutlich überhöhter Geschwindigkeit?

Mit einer gewissen Unsicherheit müssen wir leben. Passieren kann immer etwas, auch der Perfektionist macht Fehler, der Bedächtigste macht sich einer Unbesonnenheit schuldig, auch neue, gepflegte Bremsen können versagen.

Es gibt also ein Grundrisiko, im Straßenverkehr einen Unfall zu verursachen oder zumindest zu erleiden. Gegen dieses Grundrisiko ist kein Kraut gewachsen, es ist Bestandteil des Lebensrisikos: Schicksal.

Ein kleinerer Teil der Unfälle geht zu Lasten dieses Grundrisikos. Der wahrscheinlich weitaus größere Teil der Verkehrsopfer geht auf akutes oder systematisches Fehlverhalten zurück. Akutes Fehlverhalten ist dabei eine momentane, insgesamt bei dem betreffenden Verkehrsteilnehmer eher seltene Unachtsamkeit, während unter systematischem Fehlverhalten der chronische Regelverstoß zu verstehen ist.

Das Gefährliche daran ist nicht, daß jemand irgendwann Fehler macht. Jeder macht immer wieder irgendwann irgendwelche Fehler, damit müssen wir leben, auch im Straßenverkehr. Die meisten Situationen, mit denen wir es im Leben (oder im Straßenverkehr) zu tun haben, sind aber glücklicherweise ziemlich fehlertolerant, das Schicksal verzeiht uns. Das heißt, der Fehler führt in der Regel nicht zur Katastrophe, führt meistens sogar nicht einmal überhaupt zu einem Schaden.

Fehler, auch grobe Fehler, machen sowohl der gute als auch der schlechte Autofahrer. Der Unterschied ist „lediglich“ der, daß der gute Autofahrer seine Fehler selten, grobe Fehler gar sehr selten macht, während der schlechte Autofahrer eben gerade dadurch zum schlechten Autofahrer wird, weil seine Fehler sich häufen.

Fehler führen selten zum Unfall. Seltene Fehler führen wahrscheinlich nie zum Unfall. Fehler, die oft vorkommen, geben dem Schicksal viele Gelegenheiten, sich gegen uns zu entscheiden, sie führen irgendwann zum Unfall. Es ist eine Frage der Statistik.

 

Es passiert trotz dieser Geschwindigkeiten einfach viel zu wenig auf den Autobahnen um wirklich ohne populistischen Hintergedanken ein Tempolimit zu fordern.

 

Die Forderung nach Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen ist nun alles andere als populistisch. Was man Gabriel vorgeworfen hat, ist ja gerade, daß er damit die Wahlchancen der SPD vermindern würde, und tatsächlich hat Gabriel ganz schnell einen Rückzieher gemacht.

 

Ciao

Wolfram

Ernstchen 15.05.2013 | 17:18

Ich glaube ja dass SUVs nur gebaut wurden, damit in engen Straßen und an parallelen Parkplätzen öfter aneinandergeschrammt wird und mehr Lackreparaturen nötig sind.

"Die mit ihren tonnenschweren Sport Utility Vehicles Blöd-Arschgeigenautos, den anderen die Sicht nach vorne nimmt, Parkhäuser verstopft, fremde Rückspiegel abfährt, und das alles auf der Suche nach dem günstigsten Bioladen." (Erwin Pelzig, "Die Mitte der Gesellschaft", Neues aus der Anstalt 18.12.2012)