JR's China Blog
11.12.2012 | 14:59 13

Buchbesprechung: Interkulturelle Medienarbeit

Public Diplomacy. Qi Li ist deutscher Staatsbürger. Von 2001 bis 2011 arbeitete er bei der Deutschen Welle. Sein "Vertragsende" war in China ein Medienereignis. In Deutschland nicht.

Als Danhong Zhang1), damals stellvertretende Leiterin der China-Redaktion des Auslandsdienstes Deutsche Welle, vor über vier Jahren bei öffentlichen Auftritten umstrittene Äußerungen zu Chinas politischen Verhältnissen und der deutschen Medienreflexion Chinas machte, wurde das medial gut dokumentiert. Das war nicht sehr erstaunlich: 2008 war das Jahr der Olympischen Spiele in Beijing, und das Thema "China" stand weit oben auf den Plänen deutscher Zeitungs- und Rundfunkredaktionen.

Umstritten waren nicht nur Zhangs Äußerungen in einer Diskussion mit dem Kölner Stadtanzeiger oder im Deutschlandfunk. Auch die China-Redaktion der Deutschen Welle geriet in die Kritik. In Deutschland lebende chinesische Dissidenten schrieben am 13. September 2008 in einem offenen Brief an den Deutschen Bundestag:

Wir sind der Ansicht: die China-Redaktion der Deutschen Welle, die vor allem in chinesischer Sprache sendet, ist weitgehend von der deutschen Gesellschaft isoliert und bildet quasi eine Insel. Dies führte dazu, dass sie von ihrer Aufgabe, das Leitbild der Deutschen Welle, nämlich Menschenrechte und Demokratie zu fördern und der Welt Deutschland zu vermitteln, eklatant abweicht.

Es war möglicherweise nicht der erste Protestbrief von Dissidenten gegen eine angeblich irregeleitete Redaktion. Und laut Qi Li, der im vergangenen Monat seine  Arbeitserfahrungen (2001 - 2011) bei der chinesischen Online-Redaktion der Deutschen Welle veröffentlichte2), war es auch nicht so sehr jener offene Brief chinesischer Dissidenten, der die Deutsche Welle in Bedrängnis brachte, sondern ein Brief des Deutschen Autorenkreises zehn Tage später. Qi Li:

Seit Jahren habe ich die Erfahrung gemacht: Deutsche nehmen Deutsche ernst. Die Schreiben der chinesischen Dissidenten haben die Deutsche Welle und den Bundestag nicht außer Ruhe und Fassung bringen können. Diese können auch ewig im Großen und Ganzen untergegangen sein, wenn auch unter ihnen welche längst deutsche Staatsbürger geworden sind. Ebenfalls war Zhang Danhong für deutsche Medien ständig eine „Chinesin“, wobei das bürgerrechtlich gar nicht stimmte.

Damals reagierte die Deutsche Welle öffentlich: Danhong Zhang wurde - einstweilen - von der Arbeit am Mikrofon entbunden und verlor ihre Position als stellvertretende Redaktionsleiterin. Vor allem aber: die Arbeit der China-Redaktion - und hier insbesondere die Arbeit der Online-Redakteure - wurde untersucht. Ein Übersetzungsbüro übersetzte die chinesischen Texte für das chinesische Zielgebiet zurück ins Deutsche, und der frühere ARD-Korrespondent und "Tagesthemen"-Anchor Ulrich Wickert übernahm die Begutachtung.  "Sie entscheiden, was am Ende herauskommt. Sie sind völlig frei", zitierte Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung Monate später DW-Intendant Erik Bettermann.

Wickerts Fazit: "Die Vorwürfe tendenziöser Berichterstattung gegen die journalistische Arbeit der chinesischen Redaktion bei der Deutschen Welle entbehren jeder Grundlage." Wickert kritisierte nicht nur, dass Politiker die Vorwürfe "ungeprüft aufgegriffen" hätten, sondern auch, dass der Intendant ""offenbar auf Grund des öffentlichen und politischen Drucks ... voreilig und nicht gerechtfertigt" Personalentscheidungen getroffen" habe. Der Klarheit halber: es ging nicht um die Berechtigung der Äußerungen Zhangs außerhalb der DW, sondern um die Arbeit der Redaktion.

Der Bericht blieb unter Verschluss. Anders als die zuvor gemachten Vorwürfe gab er keinen Anlass zu Schlagzeilen. Es brauchte eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung an Bettermann, der Wickerts Arbeit als "sehr gute Arbeit - toll" bewertet haben soll. Bettermann wolle das Papier aber nicht veröffentlichen, "um die China-Debatte nicht neu aufleben zu lassen".

Wer Lis Buch liest, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass dies der Deutschen Welle hervorragend gelungen ist.

Vier Online-Redakteure der China-Redaktion verloren 2010 und 2011 ihre Aufträge als freie Mitarbeiter, bzw. ihre Arbeitsplätze, bei der Deutschen Welle. Inwieweit es sich auch bei den "freien" Mitarbeitern um "arbeitnehmerähnlich Beschäftigte" handelte, inwiefern die festen Jobs als befristet zu gelten hatten oder nicht, kann nicht Gegenstand dieses Beitrags sein; zum Teil wird das offenbar bis heute arbeitsgerichtlich verhandelt. Einer der vier früheren Mitarbeiter, Fengbo Wang, erwartet für diesen Monat  [Update, 17.06.13: im Dezember 2013] seine Verhandlung beim Bundesarbeitsgericht.

Interessanter ist, dass die Deutsche Welle - ungeachtet des entlastenden Wickert-Gutachtens - der China-Redaktion einen "Monitor" verordnete - den Ludwigshafener Sinologen Jörg-Meinhard Rudolph. Dieser sollte offiziell Stil und sprachlichen Ausdruck überwachen und gegebenenfalls korrigieren. Tatsächlich bewertete er lt. einem offenen Brief der vier (zum Teil bereits ehemaligen) DW-Mitarbeiter die "KP-Freundlichkeit" (oder hinreichende Distanz zur KP Chinas) in von der China-Redaktion verfassten Artikeln.

Es war ein zorniger Brief, den die vier im April 2011 bei der Onlineplattform "Neue Rheinische Zeitung" veröffentlichten, und schon auf Grund seiner Länge kein journalistisches Glanzstück. Aber inhaltlich ist er weitgehend beglaubigt. DW-Personalrat Christian Hoppe, zitiert vom Evangelischen Pressedienst (EPD)3) im Mai 2011:

Mit einigen Formulierungen seien die Unterzeichner "übers Ziel hinausgeschossen", erklärte Hoppe, doch die Vorgänge in der Redaktion würden insgesamt korrekt wiedergegeben.

Lt. Li hatten Fengbo Wang und eine weitere ehemalige DW-Kollegin am 14.04.2011 abends ein zweistündiges Gespräch  mit einem Journalisten in Köln. Dieser, ein freier Journalist, "wollte darüber berichten, wüsste aber nicht, was seine Vorgesetzten meinen" (Wiedergabe Li). "Tatsächlich haben wir von keinem Bericht der Zeitung gehört".

Eine andere Adresse - der EPD - berichtete allerdings, wie oben zitiert.  Li:

Diese Veröffentlichung kann man aber nicht heraus googeln, weil diese nur bei "epd medien" zu sehen ist. Die Presseagenturen, sei es dpa, ap, epd, geben ihre Geschichten in eine Datenbank ein. Diese werden dort den Medien zur Verfügung gestellt.

Das Buch - Li ordnet es als Reportage ein - steht nicht über den Dingen. Manchmal spricht Verbitterung aus seinen Kapiteln. Aber es ist ein Lehrbuch für eine Vielzahl von kulturellen und politischen Themen: "Integration", Extremismusverdächtigungen4), public diplomacy (und wie sie sich "politisch" selbst ein Bein stellt), Journalismus, Arbeitsrecht und - so beginnt man zu vermuten - der Verzweiflung von Vorgesetzten, die einen Plan abzuarbeiten haben, den man keinem vernünftigen Zeitgenossen einleuchtend erklären könnte.

Nicht zuletzt: wie eine öffentlich-rechtliche Einrichtung (offenbar) in den Sog einer Parallelgesellschaft geriet. Diese "Parallelgesellschaft" ist keineswegs bösartig, in dem Sinne, in dem der Stammtisch es gerne hätte. Sie ist überhaupt nicht bösartig. Aber die Politik steht ihr - und dafür sind die "Zhang-Danhong-Affäre" und Qi Lis Story eindrucksvolle Belege - ahnungslos, unvorbereitet und gerne zu Schnellschüssen aufgelegt gegenüber.

Während die chinesische Presse ausführlich berichtete - und teilweise wütete -, blieb eine deutsche Berichterstattung weitgehend aus.  "Ist das Thema für deutsche Medien uninteressant?", fragt sich Li zum Ende seines Buchs. Nicht nur ihm, auch Fengbo Wang fällt es schwer, das zu glauben.

Nun heißen sie nicht Eva Herrmann oder Susan Stahnke. Die DW ist im Grunde wohl nur denjenigen Deutschen bekannt, die sich bis in die 1990er Jahre einen Weltempfänger ins Gepäck legten, bevor sie nach Mallorca oder um die Welt reisten. Aber wenn es um die Voraussetzungen für guten Journalismus - und um arbeitsrechtliche Gegebenheiten - bei einem öffentlich-rechtlichen Sender (oder einer öffentlich-rechtlichen Medienplattform) geht, liegt ein öffentliches Interesse an solchen Vorgängen nahe. Zuständig für die DW sind z. B. der Kulturstaatsminister, der Deutsche Bundestag (der die Budgets bewilligt) sowie die im Rundfunkrat der DW vertretenen Politiker. Und wenn man geneigt ist zu glauben, dass verschiedenen Mitarbeitern der DW böse mitgespielt wurde, wirft das Fragen nach der in unseren Medien generell geübten Praxis auf: wie gut (oder schlecht) wollen wir eigentlich informiert sein?

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Anmerkungen

1) Deutsche Schreibweise - im Chinesischen geht der Familienname dem "Vornamen" voraus, also Li Qi, Wang Fengbo, Zhang Danhong.

2) Li Qi: "China-Albtraum der Deutschen Welle, August-von-Goethe Literaturvelag, Frankfurt a/M, 2012.

3) epd medien, 20.05.2011, S. 7 - 10

4) epd medien, 17.02.2012, S. 14 (Vor dem Landesgericht Köln fielen lt. EPD offenbar Worte, die für jeden öffentlich Beschäftigten von Interesse sein könnten. Auch hier berichtete offenbar ausschließlich EPD).

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Weiterführende Links

"Rundfunkfreiheit steht in den Schulbüchern", Die Welt, 14.02.2001

"Ideologische Instrumentalisierung", Neue Rheinische Zeitung, 01.04.2011

"Deutsche Welle - JR's Chronological Link Collection", 03.02. 2012

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Update:

Ein BAG-Urteil und seine Vorgeschichte, 20.06.2013

Kommentare (13)

JR's China Blog 11.12.2012 | 18:19

Was du nicht sagst! Zur Rubrik (Schlagworte sind "china" und "deutschland"): public diplomacy interessiert mich zwar, und das ist ebenso gut ein politisches wie ein kulturelles Thema, aber hier sind mir die kulturellen Aspekte wichtiger.

Zum "Schweigen der Lämmer": ich habe mir gedacht, ich mache der Community das unsittliche Lese-Angebot trotzdem. Der EPD, der ver.di-Personalrat und die Betroffenen selbst haben die Story im vorigen und in diesem Jahr überhaupt erst dokumentiert. Ohne sie gäbe es dieses Angebot zur Kenntnisnahme gar nicht. Dafür verdienen sie Respekt und Aufmerksamkeit. Und meinen großen Respekt dafür habe ich hiermit hoffentlich ein bisschen ausdrücken können.

Im Übrigen bestreite ich nicht, dass du (vermutlich) Recht hast. Einigen mag das Thema zu selbstverständlich sein (sie kennen es zu gut), anderen mag es zu fern sein. Aber das ist nicht mein Bier.

Vielen Dank für deinen Kommentar!

mymind 12.12.2012 | 19:50

Hallo JR,

ich finde es super, dass Du Themen in & rund um China hier platzierst!

Die deutsche Berichterstattung bez. China ist eine Katastrophe, von da her wundert mich das Treiben bei der DW in keinster Weise. Jegliche Reportage, unabhängig vom Event oder Thema, reduziert China letztendlich auf einen Nenner: Menschenrechte.

Ja! In diesem System gibt es Probleme & Konsequenzen für politisch Andersdenkende, nicht nur wenn sie von Auswärtigen infiltriert sind. Dennoch: Die Realität in diesem großen & bevölkerungsreichen Land kann & sollte nicht allein, vor allem einseitig politisch & darüber hinaus mit unseren Maßstäben betrachtet werden. S/W- Denker & Tunnelblick-Seher sind dabei keine hilfreichen  Kolporteure, höchsten Handlanger oder gutsituierte, merkwürdig weltfremde  Gutmenschen. Dazu gehört offensichtlich auch der Deutsche Autorenkreis, deren Mitglieder vermutlich mehr Berührung  zu chinesischen Dissidenten haben als eine undogmatische Aufenthaltserfahrung in China. Vielleicht würde dann der eine oder andere begreifen, dass China mit seinen Menschen & der Geschichte ein weites Spektrum bietet, darunter uns völlig fremde Aspekte im negativen wie im positiven Sinne.

Aber zurück zu den entlassenen Mitarbeitern: Es ist nachvollziehbar, dass viele hier lebende Chinesen ihr Land nicht so negativ empfinden, wie es  hierzulande medial dargestellt wird. Darüber hinaus treffen sie in Deutschland keine paradiesischen Zustände an, in gewissen gesellschaftlichen Beziehungen sogar Verkümmerungen. Wenn in den Medien nicht nur negativ berichtet wird sondern sogar gelogen wird oder falsche Bilder projiziert werden, wie z.B. 2008 beim ZDF bez. der Unruhen in Tibet, löst das nicht nur Unverständnis aus.  Auch politisch denkende Chinesen sehen darin eine Überschreitung der roten Linie, die Journalisten unter ihnen womöglich in ihrer Arbeit die Möglichkeit das schiefe Bild zurechtzurücken. Das kann zwar aber muss nicht zwangsläufig in Propaganda für die KPCh ausarten, aber offensichtlich ist es wohl inzwischen so, dass auch davon unabhängige, positive Nachrichten über China & seine Entwicklung als Propaganda eingestuft wurden & werden.

Das alles ist so erbärmlich, insbesondere unter der evidenten Tatsache der Propaganda & des medialen Brainwashing hier in diesem Land betrieben wird,  z.B. aktuell bez. Syrien. Es geht doch überhaupt nicht um Menschenrechte, der Begriff wird immer mehr missbraucht, um geostrategische Interessen durchzusetzen & diese in der eigenen Bevölkerung unter diesem Deckmantel zu kaschieren.

JR's China Blog 12.12.2012 | 23:22

Hallo Mymind,

vielen Dank für deinen Kommentar! Ich sehe Teile der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit übrgens ähnlich kritisch wie der oben genannte "Monitor" - das Problem ist aber m. E. nicht die Meinungsverschiedenheit zwischen "Kritikern" und "Verteidigern" Chinas, sondern die Art und Weise, wie Mitarbeiter der DW offenbar"eingenordet" wurden - also der Umgang mit der Meinungsvielfalt. Ich vermute, wäre ich - mit meiner Einstellung zu Chinas politischem System - Anfang des letzten Jahrhunderts ein Mitarbeiter der China-Redaktion gewesen, hätte ich ein Problem gehabt. Das wäre die zweite Seite der gleichen Medaille gewesen und hätte damals ebenfalls niemanden interessiert. Die DW verpasst die Chance, Pluralismus tatsächlich zu praktizieren - das wäre die beste Werbung für das, wofür sie angeblich eintreten will.

Qi Li sieht das Problem durchaus - er spricht die Tatsache an, dass die Dissidenten damals ähnliche Erfahrungen machten wie seine drei Ex-Kollegen und er heute. Sie schrieben sich vermutlich die Finger fusselig (siehe Li-Zitat oben: "Deutsche nehmen Deutsche ernst"). Ein Beispiel dafür, wie man "es" machen sollte, gibt auch in dieser Hinsicht die gute alte "Beeb": sie hat offenbar ein Beschwerdesystem, das Einwänden aus der Hörerschaft auch tatsächlich nachgeht. Vorne gerührt brennt hinten nicht an - wer frühzeitig hinhört, ist weniger anfällig für Kampagnen.

Auch wenn die China- und DW-Debatten 2008 wesentlich wahrnehmbarer waren als heute, brauchte ich fast zwei Monate, um darauf aufmerksam zu werden. Ich fand die DW-Programme (soweit ich sie hörte) zwar für meinen Geschmack zu unkritisch, aber keineswegs unkritischer als den Mainstream - den Vorwurf der "KP-Nähe" der China-Redaktion konnte ich nicht nachvollziehen.

Aber wer fragt schon die tatsächlichen Hörer (oder Leser).

Zeitungen, die etwas auf sich halten, haben in den letzten Wochen viel über "Qualitätsjournalismus" als Antwort auf die "Medienkrise" geschrieben. Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, aber ich glaube schon, dass viele Rezipienten sich ihre Presselektüre etwas kosten lassen wollen, wenn sie es denn wert ist. Dafür muss die "vierte Gewalt" aber auch bereit sein, Probleme anzusprechen, die bei ihr selbst auftreten.

Verarschen kann sich der Leser selbst.

mymind 13.12.2012 | 02:48

Zum einen : DW höre ich auch nicht. Vor einigen Jahren habe ich zufällig eine  deutsche DW- Journalistin & einen der DW-Kameramänner getroffen. Nun, was soll ich sagen? Sie zeichneten sich insbesondere dadurch aus, dass sie keine grossartige Ahnung geschweige denn Vorbereitung zu ihrem Thema,  Drehtermin &  - Ort hatten.  Entsprechend unvorbereitet, man kann auch bekloppt zu ihren Äußerungen sagen, waren sie insgesamt grottenpeinlich!

Diese Malle -DW-Leute in Wien waren total Panne, soviel komprimierte Blödheit in zwei Menschen  in einer Stunde habe ich selten erlebt. Aber wie ich diese Strukturen inzwischen einschätze, sind die beiden womöglich in gehobener Position tätig, dumm kommt immer weiter...

Danach habe ich mich kurzzeitig Fragen  über Sinn & Zweck dieses Senders sowie  der Fähigkeit  seiner Mitarbeiter gestellt. Aber da er nicht in meinen Sphären allgegenwärtig ist, dann vergessen.

Ich bin gespannt über einen Link über ´Qualitätsjournalismus´, da ist mir ggf. etwas entgangen.

& sonst? Was ist die 4. Gewalt?

 

 

 

JR's China Blog 13.12.2012 | 03:06

Über Deutsche Welle TV sag' ich lieber nichts. Die Radioprogramme auf Deutsch habe ich allerdings gerne gehört, bis sie (auf Kurzwelle) eingestellt wurden. Die Nachrichten und das "Funkjournal" waren OK.

Artikel zum Thema Qualitätsjournalismus / Meidenkrise z. B. hier, oder auch hier. Die Empfehlung zur "Haushaltsabgabe für Qualitätsmedien" unter dem ersten Link halte ich allerdings für wenig zielführend, wenn's gut werden soll. Staat und Journalismus gehen nicht zusammen - auch nicht in einem öffentlich-rechtlichen Sinne, und nicht einmal, wenn es sich "nur" um eine Art Steuerverwaltung handeln soll.

Und der Artikel unter dem zweiten Link ist bezeichnenderweise eher wirtschaftslastig, als dass er Fragen nach den Inhalten stellen würde. Es braucht eben nicht nur Leserinnen und Leser, die in aller Regel wissen, was sie gutem Journalismus verdanken. Es braucht vor allem erst einmal Journalismus. Es gibt ihn, aber ich weiß nicht, ob ich ihn als Regelfall bezeichnen sollte.

Hans Springstein 13.04.2013 | 20:21

Gut, da will ich mich mal zu diesem Text äußern: Ich finde gut, wenn aufgzeigt wird, wie Politik auf den Versuch reagiert, nicht Propaganda zu machen sondern guten und korrekten Journalismus, zu dem grundlegend gehört, nicht einseitig zu berichten.

Nun ist aber in dem konkreten Fall eines der Probleme, dass die Deutsche Welle zwar öffentlich-rechtlich organisiert ist, aber, mal zugespitzt formuliert, eben ein Propagandainstrument der Regierung. Das war sie auch schon immer, seit ihrer Gründung vor 60 Jahren. Sie ist "Rundfunkanstalt nach Bundesrecht" und der "Auslandsrundfunk Deutschlands", wie die Bundesregierung es beschreibt. "Zu ihren Aufgaben gehört es, Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat zu vermitteln." Das muss gar nicht weiter kommentiert oder erläutert werden, wie ich finde. Damit ist die DW abhängig vom Bund und dessen Institutionen, die sich mit Finanzierung von Medien- und Kultureinrichtungen beschäftigt, was heißt, dass auch bei der DW der Herausgeber bzw. der Auftraggeber und der Geldgeber die Linie, die Tendenz des Mediums bestimmen. Insofern ist das, worauf Sie berechtigterweise aufmerksam machen, (leider) nicht überraschend und selbst gängige Arbeitsrechtspraxis, nach der bestimmte arbeitsrechtliche Schutzregelungen für Beschäftigte in sogenannten "Tendenzbetrieben" nicht voll wirken können. Und die DW ist nun aber als Auslandssender des Bundes ein ausgemachter Tendenzbetrieb. Ja, und die öffentlich-rechtlichen sender sind da zwar formal unabhängiger, aber über die Gremien leider nicht minder politisch beeinflusst, bei allen lobenswerten Ausnahmen. So wird in beiden Fällen der zurecht eingeforderte Qualitätsjournalismus schlechterdings erschwert, bzw. eigentlich schon verhindert, dass das normale journalsitsiche Handwerk gepflegt wirde, wenn die Meinung des Herausgebers bzw. Auftraggebers wichtiger ist als die objektive Berichterstattung. Aber das ist z.B. bei den privat organisierten und finanzierten Zeitungen nicht anders.

Nichtsdestotrotz muss auf solche Vorgänge aufmerksam gemacht werden, auch wenn ich mich angesichts der beschriebenen Rahmenbedingungen darüber nicht wundern kann. Es ist ein weiterer Beleg, wie auch hierzulande Information gefiltert, aussortiert und benutzt wird. Und was und wer nicht reinpasst und sich nicht anpasst in die entsprechenden Muster, wird aussortiert. Das ist aber bei einem Propagandainstrument wie der DW nichts Ungewöhnliches, was es aber eben gemessen an den verkündeten Ansprüchen nicht besser macht.