KalleWirsch
22.09.2011 | 08:19 5

Der Staat als Mörder II: Troy Davis hingerichtet

Troy Davis wurde am späten Mittwoch Abend um 23.08 Uhr Ortszeit (05.08 Uhr MESZ)in Jackson / Georgia durch die Giftspritze hingerichtet, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA erneut eine Begnadigung ablehnte. Noch kurz vor seinem Tod erklärte Troy Davis, er sei unschuldig und verzieh seinen Mördern:

„An die, die mir das Leben nehmen wollen, möge Gott Euch segnen.“

www.tagesschau.de/ausland/georgia102.html

www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,787695,00.html

www.welt.de/politik/ausland/article13619068/Troy-Davis-nach-Verzoegerung-hingerichtet.html

Die Ereignisse der Nacht:

news.blogs.cnn.com/2011/09/21/lawyers-file-appeal-to-stay-troy-davis-execution/?hpt=hp_t1

 

Good Bye Troy

 

 

 

 

Kommentare (5)

Magda 22.09.2011 | 11:50

Dieser Aufschub von ein paar Stunden, was für eine gnadenlose Folter für den Delinquenten, ein paar Stunden Hoffnung und dann - doch der Tod.
Dostojewski hat es in "Der Idiot" geschildert.
Er selbst stand vor dem Erschießungskommando und ist erst in letzter Minute begnadigt worden. Die Todesstrafe ist eine Barbarei.

Wir wissen, dass wir alle sterben müssen. Und vor diesem Hintergrund hat die Todesstrafe etwas "kleinliches" und "bösartiges". Man nimmt dem Delinquenten die Jahre, die ihm noch bleiben und fühlt sich für ein paar Jahre unsterblicher? Oder besser oder triumphiert eine Weile über ihn, weil man noch lebt?
Will das der in den USA allgegenwärtige "Gott"?

Wieso das befriedigen soll, wie die Witwe des erschossenen Polizisten sagte, ich verstehe es nicht. Aber, es hat was mit dem "Jahre hin - und her-rechnen".

Ich wünsche Troy Davis, dass er in Frieden ruht, trotz allem.

seriousguy47 22.09.2011 | 17:15

"Der Staat als Mörder" ist fast schon eine Verharmlosung dieser faschistoiden und rechtsstaatswidrigen Lynchjustiz, denn es sind ja Richter und Politiker, die hier ganz persönlich gemordet haben. Man sollte sie namentlich nennen und nicht hinter einem "Staat" verstecken.

Generell wäre zu sagen, dass man zur Todesstrafe stehen mag, wie man will. Aber gerade, wenn man zur Todesstrafe steht, müsste man umso mehr am Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" festhalten. Gegen dieses Prinzip ist hier fundamental verstoßen worden.

Stimmen die Informationen der Stuttgarter Zeitung von gestern, dann bekommt das noch eine ungeheurliche Note. Denn dort war zu lesen, dass der Hauptbelastungszeuge selber im Verdacht steht, den Mord begangen zu haben. Drei Zeugen sollen unter Eid ausgesagt haben, dass dieser Mann sich ihnen gegenüber als Mörder geoutet habe.

Angesichts dieses Skandals nimmt es sich schon fast als Petitesse aus, dass der Mann nach 20 Jahren Haft hingerichtet wurde, also nach einer Strafe, die man durchaus als lange genug für eine Sühne betrachten könnte.

Wie man es auch betrachtet: das ist eine Verrohung, das ist nackte, primitive Barbarei, , die eine Gesellschaft, die sie begeht außerhalb der menschlichen Zivilisation stellt.