Katharina Schmitz
09.05.2013 | 09:00 47

Nicht nur Rezepte

Alltagskommentar Dass eine Frauenzeitschrift mit Modeteil sich auch um politische Themen kümmert, wird von manchen belächelt. Unsere Autorin findet das "Brigitte"-Bashing aber wohlfeil

Nicht nur Rezepte

Angela Merkel im Gespräch mit Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber

Foto: John MacDougall / AFP / Getty

So mancher Morgen nach einer Party ist bitter: Es plagt ein dumpfer Kopf und die unschöne Gewissheit, dass man sich noch um Kopf und Kragen geredet hat. Zum Beispiel ist die Provokation eine Kulturtechnik, die man angeheitert leider selten unter Kontrolle hat. Nüchtern aber, mit ein wenig seismografischem Gespür, können sich selbst Anfänger austoben. So verliert man nicht gleich den besten Freund, wenn man etwa den Spiegel-Online-Kolumnisten Jan Fleischhauer gut findet. Wer sich nicht sicher ist, kann seine Sympathie unverfänglich bei Facebook kundtun. Das habe ich bei Fleischhauers Kolumne über die Steuerpläne der Grünen getan, natürlich nicht ohne ironischen Kommentar zum Verblendungszusammenhang, in dem wir alle stecken.

Zur eigenen Haltung auf Distanz zu gehen, ist ein Trick, den Meike Lobo fatal nicht beherzigte. Sie leidet deshalb vermutlich unter einer Post-Partydepression. In der Aufregung um die Losvergabe beim NSU-Prozess hatte sie das Magazin Brigitte ein „antifeministisches Drecksblatt“ genannt. Warum denn auch nicht, schließlich hatten sich viele über die Vergabe und den Presseplatz für Brigitte aufgeregt? Einerseits verstand man den Wutausbruch von Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, der im Radio in Bezug auf Brigitte irgendwas von „Plätzchen-Rezepten à la Beate Zschäpe“ zeterte. Andererseits: Beim Blick in die aktuelle Ausgabe mit einer Reportage über Frauen in Ägypten, einem Porträt der Feministin Naomi Wolf und einem Interview mit Sarah Wagenknecht war man doch erstaunt und wunderte sich nicht, dass Lobos Facebook-Eintrag einen mittleren Shitstorm auslöste.

NSU und Emanzipation?

Ein Mädchen schrieb: „Bei uns lesen alle die Brigitte, sogar mein Vater, ich glaube wir gehen jetzt sterben.“ Brigitte-Kolumnistin Julia Karnick spielte auf Lobos Lidstrich an, eine so gut geschminkte Feministin müsse schon was mit Beauty am Hut haben. Und man selbst rieb sich die Augen, wird mit dem NSU-Prozess nun auch noch Emanzipation verhandelt? Lobo jedenfalls dürfte geläutert sein. Man findet den Eintrag bei Facebook nicht mehr.

Brigitte scheint aber weiter, als ihre Gegner vermuten. Es gibt auch eine von Brigitte organisierte Gesprächsreihe mit Politikerinnen. Neulich war die Bundeskanzlerin höchstpersönlich zu Gast und sagte auch einfach Privates wie: An einem Mann interessierten sie zuerst die „schönen Augen“.

Ich persönlich lese die Brigitte natürlich immer noch primär wegen der Spargelrezepte. In Zukunft wird dann wohl noch der Brigitte-Politikteil dazukommen.

Kommentare (47)

hunter 09.05.2013 | 16:21

"Es gibt auch eine von Brigitte organisierte Gesprächsreihe mit Politikerinnen. Neulich war die Bundeskanzlerin höchstpersönlich zu Gast und sagte auch einfach Privates wie: An einem Mann interessierten sie zuerst die „schönen Augen“."

Und das soll jetzt ernsthaft etwas sein, das FÜR Brigittes Kompetenz im Bereich des Politischen spricht? Oh Gott....

 

Miamaria 09.05.2013 | 16:34

"Und das soll jetzt ernsthaft etwas sein, das FÜR Brigittes Kompetenz im Bereich des Politischen spricht? Oh Gott..."

So kompetent wie BILD dürfte Brigitte allemal sein. :)  Ich habe den Eindruck, dass hier munter Klischees verbreitet werden, nach dem Motto: "Ach so, Frauenzeitschrift, da dreht sich alles nur um Mode und Kochrezepte..."

Brigitte liefert regelmäßig hervorragend recherchierte Reportagen zu frauenpolitischen Themen vor allem auch in der sogen. Dritten Welt.

Und auch der Tagesspiegel hat seine bunte Seite....

hunter 09.05.2013 | 20:17

Ich bin überrascht.

Noch vor gar nicht langer Zeit hat man Zeitschriften wie "Brigitte" gelesen und sich dann allenfalls leicht ironisch dazu bekannt - wenn überhaupt.

Niemand wäre auf die Idee gekommen, eine Zeitschrift wie "Motorsport" dafür zu preisen, wie dort soz. Probleme in der 3. Welt über die Thematik Auto transparent gemacht werden.

Und ein Architekturstudent, der sich abends beim Bier lobend über die Zeitschrift "Schöner Wohnen" geäußert hätte, wäre mindestens schief angesehen worden.

Doch vielleicht ist die Zeitschrift ja heute Avangarde und man liest sie in Architektur-Hauptseminaren unterm Tisch und ich bin eben bloß ein hoffnungslos altmodischer Ignorant. 

Am Ende ist es so, fürchte ich. 

Meyko 10.05.2013 | 14:47

Da "die Medien" laut einer Befragung bekanntermaßen auch die Gerichtsentscheidungen mit beeinflussen, droht in dieser Beziehung von der "Brigitte" wohl eine geringe Gefahr. (Wg. der männlich-dominanten Gerichtsbarkeit, die nur ausnahmsweise die "Brigitte" lesen dürfte...)

Hier etwas Interessantes (aus der FAZ) dazu:

"Das Thema Medien als Gegenstand einer breit angelegten Befragung von 447 Richtern und 271 Staatsanwälten in fünf Bundesländern - Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

[...]

Nahezu alle Richter und Staatsanwälte schreiben Medienberichten einen Einfluss auf die verschiedenen Aspekte von Strafverfahren zu.

[...]

Gut zwei Drittel der Richter (77 Prozent) und der Staatsanwälte (74 Prozent) geben an, Medienberichte würden „die Aussagen von Zeugen“ beeinflussen, wobei offenbleibt, worin sich dies zeigt. Doch handelt es sich um einen substantiellen Aspekt von Strafverfahren. Dies trifft auch auf den folgenden Befund zu: Fast jeder zweite Richter (44 Prozent) und Staatsanwalt (49 Prozent) erklärt, die Berichte hätten einen Einfluss auf den „Ablauf des gesamten Verfahrens“.

[...]

Eine Klärung bringen die folgenden Feststellungen. Ein Viertel der Richter (25 Prozent) und ein Drittel der Staatsanwälte (37 Prozent) berichten, die Medienbeiträge hätten einen Einfluss auf „die Höhe der Strafe“.

[...]

Die erwähnten Prozentwerte mögen gering erscheinen, ihre praktische Relevanz für die Angeklagten ist aber groß."

 

(Kommentardrittverwertung)

 

anne mohnen 10.05.2013 | 15:57

Hm, habe Ihren Alltagskommentar zu spät entdeckt. Nun erlaube ich mich hier zu wiederholen, was ich hier bereits geschrieben habe:

(…) Was Frau & den einen oder anderen Mann aufhorchen lassen sollte, ist wie u.a. Springer, FAZ & andere Einblick in ihre Haltung zu Frauenzeitschriften und deren Themen geben, insbesondere wegen des „Nebenaspekts“; dass Springer  mit BILDdFRAU eine der auflagenstärksten Frauenzeitschriften herausgibt.

Ohne mich hier über die Qualität von „Brigitte“ (Gruner und Jahr!!) oder anderer Frauenzeitschriften zu verbreiten, kann "Zschäpe" nicht nur ein Thema für solche Zeitschriften sein, sondern sollte es auch sein. Selbst unter dem vermeintlich kritischen Urteil, dass Frauenzeitschriften nichts anderes sind als Beförderung des Zeitgeistes, macht das Sinn, denn der Zeitgeist beschränkt sich in Frauenzeitschriften schon lange nicht mehr auf „mordende Gretchen“ ; dafür steht selbst BILDdFrau. Und die RAF war seinerzeit nicht nur im Forum von "Brigitte" Thema : http://www.brigitte.de/suche?query=RAF

Mordende Polittäterin haben schon lange die Theaterbühnen, Filme und  Bücher schreibender Historikerinnen verlassen und Einzug im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gefunden, zu der  (meinetwegen noch so trashinge) Frauenzeitschriften dazugehören, denen folglich Zschäpe ein Titelthema wert sein darf sogar und muss -  jenseits von "Bauch, Beine, Po und Haare". Auch deswegen sollten sich  Springer , FAZ den Schaum vorm Mund sparen und sportlich bleiben.  Auch wenn das Führungspersonal sogenannter deutscher Leitmedien das anders sieht . Es lässt zum einen tiefblicken, was ma(n) so von Frauenzeitschriften hält, insbesondere, wenn es die eigenen sind; zum anderen unterstreicht es nochmals, warum, Frauenzeitschriften eben die Leitthemen haben, die sie nun mal haben: Bauch, Beine, Busen gerne,  „Haare schön“ - auch Rezepte tollllllll! Das ist die mitlaufende Message!

anne mohnen 10.05.2013 | 18:20

Kann es sein, lieber Hunterm dass Ihnen die Ironie entgangen ist?

"Brigitte scheint aber weiter, als ihre Gegner vermuten. Es gibt auch eine von Brigitte organisierte Gesprächsreihe mit Politikerinnen. Neulich war die Bundeskanzlerin höchstpersönlich zu Gast und sagte auch einfach Privates wie: An einem Mann interessierten sie zuerst die „schönen Augen“.

Ich persönlich lese die Brigitte natürlich immer noch primär wegen der Spargelrezepte. In Zukunft wird dann wohl noch der Brigitte-Politikteil dazukommen."

;))))))))))))))

hunter 10.05.2013 | 22:42

Liebe Anne Mohnen,

Sie könnten wieder einmal (wie so oft!) gegen mich recht haben, allerdings macht mich doch dieser Absatz stutzig:

Andererseits: Beim Blick in die aktuelle Ausgabe mit einer Reportage über Frauen in Ägypten, einem Porträt der Feministin Naomi Wolf und einem Interview mit Sarah Wagenknecht war man doch erstaunt und wunderte sich nicht, dass Lobos Facebook-Eintrag einen mittleren Shitstorm auslöste.

 

 

anne mohnen 11.05.2013 | 11:44

Lieber Hunter,

wer die „Brigitte“ liest, wie weiland schon „Mutti“ und dann deren Töchter, weiß, dass „Brigitte“, dem Zeitgeist folgend, seit den 1970er-Jahren Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Professorinnen, Schriftstellerinnen, berufstätige Mütter etc. zu Wort kommen lässt, wie mir meine Mutter in dem Zusammenhang nochmals bestätigte und sich dabei  "wehmütig" an die Kolumnen von Elke Heidenreich erinnerte.

Die Anekdote mit der Kanzelerin, was sagt die denn: Dass Merkel nichts von sich preisgibt, dass sie so ihre eigene Art von Spott und Ironie pflegt etwa über Frauenzeitschriften– „schöne Augen“;  übrigens wie weiland schon Matthäus-Maier? Meine Tante erzählte mir, dass „Brigitte“ nicht müde wurde, der  Frisurentipps zu unterbreiten, worüber sich Matthäus-Maier ärgerte. Inzwischen hat sie den Tipp beherzigt, :))). Und Merkel? Die hat inzwischen auch eine Stylistin, die sie begleitet, um ihr morgens die Haare zu föhnen, worüber die Kanzlerin verständlicherweise ungern redet und noch unleidlicher werden soll, wenn jemand darüber schreibt. So what! Auch Frauen lügen sich hierzulande gerne eins - in die Handtasche. Da sind die Französinnen oder Italienerinnen entspannter, wenn sie sich morgens vor den Spiegel stellen, um dann mit unter dem Arm geklemmter Tageszeitung aus dem Haus zu rennen!

Nee, „Brigitte“ hat keinen Politikteil und kriegt auch keinen. Warum auch? „Brigitte“ hat ja als Zielgruppe die Leserinnen, die sich zusätzlich die FAZ oder dZeit und saison:))l „Schöner wohnen“ leisten können!!

Die von der „FAZ“ haben übrigens nicht über „Brigitte“ gejault, wie ED2murrow richtig monierte, als die im ersten Durchgang noch einen Platz bekommen haben und andere nicht: ausländische Medien.

Gruner & Jahr hat alles in die Losschale geworfen. Wer kann es Ihnen verdenken? Bei einer Lotterie ist es ja so, dass mit der Anzahl der Lose, die man erwirbt, die Wahrscheinlichkeit auf einen „Treffer“ steigen soll bzw. das Risiko auf eine Niete sinkt. Übrigens, wer entblödet sich und bringt  den Nachweis, dass „Brigitte“-Redakteure-innen blöder sind als die von BILD?

Ja, und die Rezepte von „Brigitte“ funktionieren: einfache Zutaten stehen eben gutem Geschmack nicht im Wege.

Liebe Grüße Ihre  amShopping Smilies

 

claudine 11.05.2013 | 14:12

Ähem? Nun muss ich sagen hinsichtlich von Brigitte-Bashing alleine auf das Facebook-Post von Lobo abzuzielen, ist verdammt einseitig und der Aufregung, die es hinsichtlich der Kreditiierung gab auch nicht angemessen. Denn da haben sich ganz andere Medien im Ton viel unangenehmer vergriffen. 

Bei mir bleibt so nur das unangenehme Gefühl das war hier ein unausgegorener Gegenschlag gegen Lobos „Schweigen der Lämmer”, den so manches angeknackstes feministisches Bewusstsein noch nicht verarbeitet hat. 

Schade.





 

Katharina Schmitz 11.05.2013 | 16:17

lieber ed2murrow und anne mohnen, Fussballfeuilleton findet man dann schon bei 11 Freunde ;0),  à propos: in der FAZ (Politikteil) war neulich ein Interview mit Andrea Nahles zu lesen. Wenn ich mich erinnere, war das Gespräch eher persönlich, es ging überwiegend über ihren Hang zum schnellen Autofahren und um ihre Heimat, die Eifel, soso. Was Brigitte zum Teil macht, nennen andere eben politisches Feuilleton.  

claudine 11.05.2013 | 17:37

@Anne Mohnen
Weil die Kritik hier zu dem Post an M. Lobo in diesem Artikel merkwürdig aus der Luft gegriffen scheint, und den Leser nicht einmal zum Inhalt dieses Posts informiert bevor man aber ihre Reaktion als negativ und unfähig beschreibt.

Davon abgesehen ist es sachlich natürlich einfach falsch: Meike Lobo hat das Facebook-Post nach wie vor online stehen, es ist also auffindbar – nur noch von einem ausgesuchten Personenkreis. Ganz einfach nachvollziehbar, weil dort die Kommunikation in eine vom Thema losgelöste Richtung ging. Auch ein „mittlerer Shitstorm” war das in den Kommentaren  nicht, wie hier beschrieben.

Den gab es allenfalls in dem von mir genannten Blogpost, das sehr offensichtlich viele feminstisch angehauchten Personen gerne falsch verstanden wurde. Und gerade dort hat sich die Blogautorin sehr besonnen, geduldig und ausführlich mit kritischen Kommentaren auseinandergesetzt. Über Tage. Sehr intensiv. Weswegen der Vorwurf „Sie wäre zur eigenen Haltung auf Distanz gegangen” m. E. entweder unverschämt ist oder schlicht dumm.

Und ich frage mich, was motiviert diese Autorin hier so zu befinden über eine Person? Während Lobo selbst lediglich ihre kritische Meinung über eine Zeitschrift vertrat.

Das alles klingt sehr unprofessionell, scheint sich in der Argumentation auf einen ganz anderen Artikel zu beziehen. Ich glaube, hier wird nicht sauber getrennt. Und schadet letztendlich nur dem Thema.

Tina 11.05.2013 | 17:51

Top-Themen heute bei Brigitte.de:

"Was hilft wirklich gegen Cellulite?"
"Brautsträuße – kreative Ideen für die Hochzeit"
"So leicht nehmen Sie drei Kilo ab!"
"Aufräumtipps: Wohin mit den alten Klamotten?"
"55 Ideen: Kartoffeln vegetarisch genießen"
"Was bringt Sie aus der Fassung? Reden Sie mit!"

Enough said.

Ich weiß gar nicht, was ich ermüdender finde – Postparties, eine verquere Feminismusdebatte oder diesen irrelevanten Versuch eines Tritts in die Seite auf einen FB-Kommentar hin, mit der Begründung, dass die Brigitte sogar ganz dolle Gesprächsrunden mit Politikerinnen macht, in denen Merkel auch einfach mal Privates sagen darf, endlich.

In der Tat scheint die Brigitte nicht nur durch die Brigitte-Diät Bekanntheit erlangt zu haben, sondern auch eine Tradition der politischen Berichterstattung zu pflegen. Meine persönliche Sternstunde des kritischen Journalismus:

BRIGITTE: Deutschland wählt am 18. September 2005. Sie, Frau Dr. Merkel, dürfen jetzt schon wählen. Erstes Thema: Worüber möchten Sie lieber sprechen - Frühstück oder Abendessen?

Und warum sollte man sich noch gleich von seiner eigenen Haltung distanzieren? Gut, dass sie's nicht tut.

hunter 11.05.2013 | 18:26

"Was hilft wirklich gegen Cellulite?"
"Brautsträuße – kreative Ideen für die Hochzeit"
"So leicht nehmen Sie drei Kilo ab!"
"Aufräumtipps: Wohin mit den alten Klamotten?"
"55 Ideen: Kartoffeln vegetarisch genießen"
"Was bringt Sie aus der Fassung? Reden Sie mit!"
Enough said.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wirklich niemand hier wird ein Problem mit Frauen haben, die gerne Brigitte lesen. Doch bitt scheen, versucht uns jetzt nicht noch zu erklären, dass die Brigitte-Lektüre zu politischen Willensbildung mittlerweile unentbehrlich geworden ist. (Sowas passt wirklich eher in eine schlechte Soap oder einen Film mit Doris Day, Kuhlenkampff, Peter Alexander und Konsorten).

Und wenn jetzt die Nahles in der FAZ über die Eiffel quasselt - dann ist das einer dieser nervigen Versuche der Boulevardisierung,die man heute allerorten antrifft, doch in der FAZ stehen halt noch andere Sachen drin.

Und zwar in der Mehrzahl. (Dasselbe darf natürlich auch über die Süddeutsche gesagt werden.)

ed2murrow 12.05.2013 | 00:09

"Und schadet letztendlich nur dem Thema"

Und das wäre?

Denn bei aller Apologie gegenüber einer Frau, die sich den Gestus des Dante umhängt (Laßt alle Hoffnung fahren etc.), dann aber ziemlich misanthropisch feststellt, "Menschliches Verhalten ist mir manchmal rätselhaft, manchmal unheimlich und ziemlich oft ziemlich zuwider" - die im hiesigen Artikel zitierte Aussage von Lobo ist schlicht no-go; da kann sie sich noch so lange hinterher hinsetzen und "erklären". Wir sind natürlich alle gespannt auf Lobos Buch.

Was hier durchscheint ist die schlichte Arroganz (die auch die SZ und die FAZ gekennzeichnet hat), Medien in "diese" und "jene" zu unterschieden, wo "Themen besser, kompetenter aufgehoben" seien, statt zu schauen, was die angeblich kompetenteren Medien für einen Stiefel und vor allem Dreck unter demselben erzählen. Ihr Copy & Paste von der Brigitte-Präsenz kann hingegen nur als infantil bezeichnet werden.

Schmitz hat jedenfalls meine völlige Zustimmung zu ihrem Artikel, denn Sie beweist vor allem eines, was Ihnen, "Tina", völlig abgeht: feinen Humor.

Best, e2m

 

 

Beste Grüße, e2m

 

 

hunter 12.05.2013 | 00:49

"Was hier durchscheint ist die schlichte Arroganz (die auch die SZ und die FAZ gekennzeichnet hat), Medien in "diese" und "jene" zu unterschieden, wo "Themen besser, kompetenter aufgehoben" seien, statt zu schauen, was..."

Ist es für Sie "arrogant", bunte Blättchen wie die Brigitte für geistig weniger anregend zu halten und andere dafür mehr? Wirklich?

Dann ist es wahrscheinlich auch arrogant die Times für informativer als die Bild-Zeitung zu halten, Beethoven lieber zu hören als, sagen wir mal, Dieter Bohlen, RTL2 weniger gern sehen zu wollen als andere Programme etc. ... die Liste dürfen Sie im Kopf gerne noch ein wenig ausweiten.

Wenn Sie unter Arroganz die bloße Fähigkeit zur Feststellung von Niveauunterschieden verstehen, so bin ich wohl tatsächlich arrogant.

Denn:

Ne, ich würde dem Dschungelcamp keinen deutschen Sprachpreis gegeben und ich halte Precht auch nicht für einen Philosophen.....

Ich schau beim Zahnarzt schon mal ganz gerne in die Brigitte, doch so richtig intellektuell gefordert fühlte ich mich da, ehrlich gesagt, bisher noch nie....  (über die grundsätzlich konservative Grundhaltung, ja Spießigkeit des Blattes dürfen gerne andere sich auslassen, ich bin dafür zu arrogant.) 

anne mohnen 12.05.2013 | 08:50

Lieber Hunter

 niemand behauptet hier, dass "Brigitte"  die  "FAZ!, "BILD", oder "dWelt", gar den dFreitag ersetzt ;). 

Und wie gesagt, der Alltagskommentar ist ja nicht ohne Selbstironie geschrieben. Jedenfalls lese ich das so.

Was ich  komisch finde,  ist die Arroganz der Medien, die am Losverfahren teilnahmen und sich dann gaaaaaanz unsportlich darüber beschweren, dass sie leer ausgingen. Also nochamls. Man mag sich über das Auswahlverfahrens als solches mokieren, für  Zornesausbrüchen reicht es allemal nicht, immerhin ist das Losverfahren verfassungskonform. Ob das Losverfahren die gescheiteste Lösung war, sei dahingestellt. Fakt ist, dass BILD, FAZ ihre Gründe  hatten, sich nicht für die Rechtmäßigkeit einer Videoschaltung beim Verfassungsgerichtstark zu machen.

Jetzt auf „Brigitte“ rumzuhacken ist wohlfeil!

Schönes Wochenende, am

 

anne mohnen 12.05.2013 | 09:01

"(über die grundsätzlich konservative Grundhaltung, ja Spießigkeit des Blattes dürfen gerne andere sich auslassen, ich bin dafür zu arrogant.)"

Nun, lieber Hunter, Sie müsste die Zeitschrift erst einmal durchblättern, um sich ein Urteil zu bilden. Das hat dann nichts mit "Arroganz" zu tun, sondern mit Fairness.

Übrigens, ich lese beim Zahnarzt den Kicker. So als echter Fußballfan, lass' ich mich zweimal im Jahr über Gómez & Co. detaillierter ins Bild setzen, bin ich deshalb schon verBILDet?

:)))

 

 

anne mohnen 12.05.2013 | 09:30

@ Claudine @ Tina

Ich kann mich da nur Ed anschließen!

Feminismus ist ja so ein richtiger „Vielfruchtacker“. Ja, und dann gibt’s auch FRAU, die die Medien, insbesondere die neuen dazu nutzt, sich ins Bild zu setzen, um, wenn’s gut läuft,  offline aufzuschlagen. Wer möchte es Frau verdenken - "Gleiches Recht für alle"!

Ermüdet, erfrischt? Das ist dann eine Frage individueller geistiger Fitness, die ja nicht so einfach altersgebunden ist.

In dem Sinne, konservativ hin oder her, ist auch für Frau Lobo zu wünschen, dass Sie bald eine Offline-Größe ist. Und dann gibt’s bestimmt auch ein Buch von ihr und hoffentlich viele, viele Zeitungsinterviews und Fernsehauftritte,bei der Maybritt, der Anne, dem Günni. Und keine Sorge!  Der Lidstrich wird dann sitzen.

hunter 12.05.2013 | 11:19

Liebe Anna Mohnen,

glauben Sie mir, ich habe das Blättchen mehr als einmal durchgeblättert. (Mein Zahnarzt lässt mich immer sehr lange warten - etwas wogegen ich ja gar nichts habe.)

Und ich kann sagen, ich habe es NIE ohne Verwunderung beiseite gelegt. (Man kommt da schon darüber ins Sinnieren, was -manchen- Frauen denn wirklich WICHTIG im Leben zu sein scheint...)

Mir ist es, ehrlich gesagt, ein Rätsel, wie man sowas wirklich ernst nehmen kann und auf Teufel komm raus auch noch verteidigen muss.

Nein, liebe Anne Mohnen,

der Artikel ist NICHT mit Ironie geschrieben. Was Sie meinen, ist eine gewisse Leichtigkeit, doch das ist nicht Ironie.

Die Autorin liebt nämlich ihre Brigitte und hätte sie gerne verteidigt. Darüber darf spätestens nach ihren letzten Postings kein Zweifel bestehen. (Sie hatten einmal nicht recht gegen mich.)

Damit Sie mich nicht falsch verstehen. Das sei ihr unbenommen. 

Jeder mag gerne Triviales, ich habe auch kein Problem damit, wenn es Menschen gibt, die Tiviales nicht von Niveauvollem unterscheiden können.

Nur, solche Leute sollten sich bitte nicht über Gegenwind wundern, wenn sie ihre privaten Vorlieben mit dem Prädikat "besonders wertvoll" versehen und in der Öffentlichkeit verteidigen - erst recht nicht, wenn sie dies in Medien tun, die noch ETWAS auf ihr Niveau achten.

Und noch etwas zum guten Schluss:

Es verwundert schon, dass eine gebildete Frau und Brigitte Leserin und Kennerin wie Sie die konservativ - spießige Grundhaltung der Zeitschrift nicht erkennt - mir springt sie bei jeder Lektüre geradezu ins Gesicht.

Ich poste das nochmal, was "Tina" zusammengestellt hat. Es dürfte genügen, um das von mir Gesagte zu illustrieren:

"Was hilft wirklich gegen Cellulite?"
"Brautsträuße – kreative Ideen für die Hochzeit"
"So leicht nehmen Sie drei Kilo ab!"
"Aufräumtipps: Wohin mit den alten Klamotten?"
"55 Ideen: Kartoffeln vegetarisch genießen"
"Was bringt Sie aus der Fassung? Reden Sie mit!"
Enough said?

Ich denke schon.

 

anne mohnen 12.05.2013 | 12:03

Lieber Hunter,

zum Hindertstenmal: Ich bin weder  "Brigitte-Abonnementin"  noch vergaß ich zu betonen , dass "Brigitte" dem Zeitgeist dient entsprechend ihrer Zielgruppe.

Wenn Sie der "Brigitte" Konservatismus attestieren, dann trifft das nicht minder auf dZeit (ich denke da an das Magazin), die SZ (Magazin) etc. oder frautv vom wdr zu! Die schreiben und reden alle von Bauch. Beine, Po garniert mit ner Sexismudebatte, Modestrecken,  (Alter)sex etc.

Was kann dann vor Ihren Augen noch  bestehen, lieber Hunter: Emma?

Ich lese die Emma. Aber zwischendurch muss halt auch gekocht  - von wem auch immer (tja, den gutfunktionierenden Rezepten soll der Hobbykoch durchaus was abgewinnen können), Kinder versorgt werden und dann legt auch Alice Schwarzer (Schicke Siebzigerin, ganz ohne Ironie!!)- auf ihr Äußeres wert und ich mal gerne die Füße hoch- ganz unideologisch.

LG am

 

 

 

 

hunter 12.05.2013 | 12:15

Liebe Anne Mohnen,

Sie verstehen mich falsch.

Deshalb noch einmal: Ich habe NICHTS gegen die Brigitte. (Und erst recht NICHTS gegen Frauen, die sie lesen!) Das Blatt amüsiert mich sogar - auf seine Weise eben!

Wie kommen Sie nur darauf, dass ich die Emma lese, bzw. empfehlen würde? Da müssen Sie irgendwas in meinen Postings ganz falsch verstanden haben. (Die liegt nicht bei meinem Zahnarzt rum und ich hoffe auch, keiner wird jetzt von mir verlangen, dass ich die kaufe.)

Ich bitte um Nachsicht, liebe Anne Mohnen,

ich möchte nämlich gar nicht mit Ihnen streiten und ärgern möchte ich Sie schon gar nicht! 

hunter 12.05.2013 | 12:59

Liebe Anne Mohnen,

da haben Sie mich wirklich kalt erwischt.

Ich bin da wirklich überfragt, doch ich mache mich schlau, versprochen.

Und da ich -toi, toi, toi- momentan nicht meinen alerten Zahnarzt aufsuchen muss, mache ich einen Termin beim Frisör.

Der ist, was Frauenzeitschriften angeht gut bestückt. Sollte wir also wieder einmal (freundschaftlich) unsere Klingen kreuzen, so werde ich Ihnen gerne meine Eindrücke schildern. 

Tina 12.05.2013 | 22:23

Glückwunsch zu Ihrer feinen Beobachtungs- und schnellen Auffassungsgabe, da brauchen andere viel länger. 

Es ging übrigens um die Verwunderung, dass die Brigitte neuerdings als politisches Qualitätsblatt gelobt wurde und die Diskrepanz zur Agenda und zum Welt- und Frauenbild des Magazins, das "Frauenthemen" ganz traditionell bzw. anachronistisch auffasst: Wie kann die Frau schön werden und schlank, eine gute Köchin, eine gute Haushälterin. Das passt nun mal nicht zum angeblichen Profil einer Publikation zur fortschrittlichen, kritischen politischen Geistesbildung.

Warum man in diesem Diskurs hämisch, persönlich und beleidigend werden muss, lass ich mir gern erklären.

anne mohnen 13.05.2013 | 09:32

„Wie kann die Frau schön werden und schlank, eine gute Köchin, eine gute Haushälterin. Das passt nun mal nicht zum angeblichen Profil einer Publikation zur fortschrittlichen, kritischen politischen Geistesbildung.“

Mit ner Menge Personal, liebe Tina, schafft Frau alles :)). Die Facebook-Chefin macht’s vor und zwar auf High-Heels ;)

Ja, klar: “It needs a Village!” Und dann haben „Brigitte“-Leserinnen immer einen verständnisvollen Mann an ihrer Seite; gerne Werbegrafiker, Arzt; Journalist (…) :))

Niemand bestreitet hier das „marktkonforme“ Frauenbild, das „Brigitte“ befördert. Klar, dazu passen auch  Reportagen über „Burnout“ und im Kleingedruckten die Wellness-Farm-Anzeigen.  Zum Muttertag wär das einen Blog wert gewesen, denn Rollenüberbordung ist ein Thema! Schwarzer hat das ja lange so gelöst, dassEmma erst gar keine Kinder bekam. Zum Glück hat die da nachjustieren müssen.

Also,  auch Ihr Einwand überezugt mich nicht,  dass „Brigitte“ nicht  aus ihrer Sicht über Zschäpe und den Prozess schreiben soll! Was unterscheidet denn „Brigitte“ im Frauenbild von der FAZ, BILD, hm? Und darum ging’s doch, oder?