Katrin Rönicke
22.08.2012 | 15:25 9

Lies das mal richtig!

Genderkolumne Der Umgang mit Kinderbüchern und Filmen, die nicht politisch korrekt sind, ist schwierig - es braucht aber nicht andere Figuren, sondern Eltern, die sie einordnen können

Lies das mal richtig!

Pippi Langstrumpf mit dem Affen Mr. Nilsson im Film: Nicht alle Dialoge darin sind politisch korrekt

Foto: Jacob Forsell / Getty Images

Inspiriert durch den Podcast Märchenstunde, von Björn Grau und Max Winde über Aschenputtel, geht es diesmal um die Frage: Wie sollen wir Erwachsenen damit umgehen, dass Kinderbücher voller Stereotype und fragwürdiger, etwa diskriminierender Botschaften sind? 

Angefangen bei den alten Märchen kann sicherlich gesagt werden: Vorsicht vor den Jahrhunderte alten Gender-Stereotypen. Die Auswüchse können schlimm sein: In der Geschichte Rumpelstilzchen, die es unter anderem auch als kleines Pixi-Büchlein gibt, kommt es quasi zu einer Vergewaltigung der Müllerstochter durch den König. Das habe ich einmal nichtsahnend vorgelesen – danach ist es sofort in den Müll gewandert. Natürlich spielen die Märchen zu einer völlig anderen Zeit. Die Gepflogenheiten und die Rollen waren noch viel fester, starrer und für uns heute kaum nachvollziehbar. Gewalt fand in einem gänzlich größerem Ausmaß statt. So gesehen sind Märchen vielleicht ohnehin besser geeignet für ältere Kinder und Jugendliche. Wann auch immer diese eben dazu in der Lage sind, durch unsere Hilfe zu kontextualisieren.

Es einordnen und die „anderen Zeiten“ berücksichtigen, in denen ein Werk entstanden ist, das ist eine recht wichtige Methode im Umgang mit Geschichten, die man heute so nicht mehr erfinden oder erzählen würde (oder leider oftmals doch noch). Ein recht bekanntes und pikantes, emotional aufgeladenes Beispiel ist in diesem Zusammenhang der Streit über die Verwendung des Wortes Neger in den Pippi-Langstrumpf-Geschichten. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie der beste Umgang damit wäre  Dabei hat er zuerst beim Vorlesen selbst interveniert und aus der Negerprinzessin eine Südseeprinzessin gemacht. Pragmatisch und zielführend. Wie aber geht man verantwortungsvoll mit der Fernsehserie um?

Sie nicht schauen, weil die Bücher ausreichend sind, ist eine Methode. Doch wenn einem die Serie ans Herz gewachsen ist und man die filmische Umsetzung auch an seine Kinder weitergeben will? Anatol Stefanowitsch würde antworten: Schicken wir Pippi doch in den Ruhestand. Sie sei so voller Diskriminierungen, dass es keine gute Methode gebe, sie Grundschul – oder gar Kindergartenkindern zu zeigen. Das Problem ist: Spätestens bei dieser Forderung steigen ganz viele VorleserInnen und Erwachsene aus der Diskussion aus. Pippi von Bord gehen zu lassen – das bringen wir nicht übers Herz.

"Barbamama" ist Hausfrau

Wo wir gerade bei den Fernsehserien sind: Eine Zeichentrickserie, die gerade ein kleines Revival erlebt, sind die Barbapapas. Das sind bunte Wesen, die sich in alles verwandeln können, was sie wollen. Viele Kinder lieben diese Familie. Aber: Der Held ist fast immer „Barbapapa“, er rettet viele Menschen. Seine Frau, „Barbamama“, ist eine Hausfrau. Die Serie ist in den Siebzigern entstanden. Dass hier heteronormativ die Kleinfamilie abgebildet wird war damals fast die Regel. Doch die Stereotype in Barbapapa sind heute schmerzhaft. Die Kinder sind klar entlang von Mädchen- und Jungen-Rollen konstruiert. Was also tun?

Hier ist es wichtig, den Fokus nicht zu sehr auf eine einzelne Geschichte zu legen, sondern eine Vogelperspektive darauf zu werfen, womit man die Kinder „beschallt“. Ist das ein buntes Angebot mit vielfältigen Geschlechterrollen und Familienbildern? Dann sehe ich an Barbapapa nichts dramatisches. Als ein Angebot, eine Geschichte von vielen, ist es nicht mehr so schlimm. Andere und weniger normative Rollenbilder sind vorhanden.

Nicht geschlechtslos

Willi Wiberg zum Beispiel hat einen Papa, keine Mama. Sein Papa ist sehr fürsorglich und liebevoll. Zusammen erleben sie ganz alltägliche Mini-Dramen, die viel Spaß machen und ein positives Menschenbild vermitteln. Ein weiteres schönes Rollenbild ist Die kleine Hexe von Lieve Baeten. Sie ist zwar ein Mädchen, eine Hexe eben, aber sie ist ein Kind, mit dem sich alle Kinder identifizieren können. Das vergessen übrigens wir Erwachsenen gerne, wenn wir Kinderbücher kritisch hinterfragen: Dass Identifikationsfiguren für alle Kinder nicht geschlechtslos sein müssen (wie dies oft in Tiergeschichten versucht wird), sondern dass sie sich so verhalten müssen. Kinder denken oft viel freier und weniger eng und kategorisiert, als Erwachsene. Da kann sich auch ein Junge mit Pippi Langstrumpf identifizieren. Ein Mädchen fühlt sich als Seppel (einer der beiden Hauptfiguren in Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz). Das ist für Kinder häufig noch keine Frage von Belang. Im Gegenteil: Wir Erwachsenen sollten bei unserer Überaufmerksamkeit die Vorstellungskraft der Kinder nicht unterschätzen und sie schlimmstenfalls durch unsere Sorgen einschränken, indem wir laut Dinge sagen wie „Aber der Seppel ist doch ein Junge – wie schade, dass es bei Otfried Preußler keine Mädchen gibt, die den Räuber zur Rechenschaft ziehen.“ Im Gegenteil: Unsere Aufgabe ist es, sie zu bestärken, sich mit allem zu identifizieren, womit sie wollen – jenseits von unseren eigenen Normen in Bezug auf Geschlecht.

Sei wie du bist, Kind

Und auch für diskriminierungsfreies Denken sind Kinder offener. Auch hier kann ihre Fähigkeit, sich mit allem möglichen zu identifizieren, genutzt werden. In Ganz toll! von Trish Cooke hat die Hauptrolle ein schwarzes Kind und es wird eine Atmosphäre durch das Erzählen geschaffen, in die sich alle Kinder hineinfühlen und hineinfantasieren. Ähnlich die Geschichte Das kleine Ich bin Ich von Mira Lobe. Es ist bunt und sieht aus wie kein anderes Tier auf der bunten Blumenwiese und in den Gewässern. Zuerst ist es deswegen traurig, aber dann lernt es, sich so zu akzeptieren, wie es ist. Sei wie du bist, Kind – so heißt die durchgehende Botschaft Astrid Lindgrens und die vieler anderer AutorInnen, etwas Kirsten Boie. In dieser Haltung sehe ich die entscheidende Brücke, zwischen Political Correctness (Ich benutze den Begriff hier nicht abwertend! Im Gegenteil) und dem Wunsch, Geschichten-Schätze nicht zu vergraben, sondern weiter zu geben. Wir Erwachsenen müssen es in unserer Haltung gegenüber Kindern schaffen, ihnen als Grundwert und Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, dass alle Menschen das gleiche Recht auf ihre Würde haben. Dazu müssen unsere Kinder am eigenen Leibe die Erfahrung machen können, sein zu dürfen, wie sie sind. Das ist der erste und wichtigste Schritt im Sinne einer diskriminierungsfreien Pädagogik. Wenn sie das an sich selbst nachspüren können, werden sie besser in der Lage sein, auch andere so zu behandeln.

Über Geschichten sprechen 

Es kommt also weniger auf die Politische Korrektheit der Geschichten an, als auf all jene, die Vorlesen und mit daran beteiligt sind, Kindern Werte vorzuleben. Es kommt weniger auf die Inhalte von Büchern an, als auf unsere Art zu lesen und mit den Kindern über die Geschichten zu sprechen. Man muss nicht alles wegschmeißen: Man kann es umschreiben und in einen größeren Bezugsrahmen einbetten. Wir haben nämlich immer noch auch selbst in der Hand, wie unsere Kinder mit Geschichten umgehen – wir sind nicht bloß ausgeliefert und fremdbestimmt. Genauso wenig wie unsere Kinder – zumindest im Idealfall.

Kommentare (9)

Rupert Rauch 22.08.2012 | 22:28

Guter Artikel. Geht mir selbst auch so, dass ich oftmals in der Zwickmühle bin, insbesondere bei alten Märchen. Etwa Schneewittchen, die vom Jäger getötet werden soll und die Leber herausgeschnitten *wähh*.

Wobei Kinder damit idR ganz gut umgehen können, es bei den vielen Alternativen heute, aber selten als Lieblingsmärchen aktzeptieren. Womit ich auch Probleme habe, ist dieser ganz romatisierende Monarchenkitsch: der weise großartige König, die hübsche Prinzessin, der mutige Prinz, das halbe Königreich usw. oder so oberflächliche Märchen wie "Goldlöckchen", mit ihrem wunder-wunder-schönen blonden Haar (Moral: damit kann man sich alles erlauben).

Da gefällt mir Rumpelstilzchen nun wieder besser, es zeichnet ein realistischeres Bild vom König: gierig und brutal. Apropro, wo bitte kommt da eine Vergewaltigung vor? In den Versionen die ich kenne, heiratet die den König am Ende.

Dass der Begriff "Neger" mittlerweile als rassistisch verschrien ist (ich kenne das aus meiner Kindheit noch anders), finde ich schlicht albern und folgt der üblichen Steigerungslogik der political correctness. Man möchte zwar ein Wort für dunkelhäutige Menschen haben, aber gleichzeitig hat man ein schlechtes Gewissen dieses Merkmal zu beschreiben, weil die political correctness ja verlangt, dass die Hautfarbe keine Rolle spielen darf.

Also sagt man erst Neger, dann Schwarzer, dann Farbiger, dann Afroamerikaner oder was weiß ich. Albern und peinlich. Neger kommt von (span. negro, frz. nègre von ursprünglich lat. niger für schwarz) schreibt Wikipedia. Dass man es auch als Schimpfwort gebrauchen kann, ist kein Grund es nicht mehr zu verwenden, auch "Jude" galt schon als Schimpfwort und "Schwuler" soll heute in manchen Kreisen noch eines sein, trotzdem benutzt man sie weiter.

zuza 23.08.2012 | 13:58

Schöner Beitrag, danke dafür!

Ich glaube auch, dass es darum geht, wie wir mit Büchern, Filmen und Märchen umgehen. Je aufgeklärter die Eltern und Erzieher, desto eher finden sich Kinder und Jugendliche in dem Wust der Stereotype und Rassismen zurecht.  

@Rupert Rauch: Dass Sie den Begriff "Neger" als nicht rassistisch bewerten und die Suche nach einer weniger schmerzhaften und von Betroffenen selbst gewählten Bezeichnung als albern und peinlich bezeichnen, lässt mich vermuten, dass Sie sich noch nicht ernsthaft mit der Materie beschäftigt haben. Eine kurze Wikipedia-Recherche sollte Ihnen da nicht ausreichen. 

Ich empfehle Ihnen die Seite des BRAUNEN MOB und besonders folgende PDF :

http://www.derbraunemob.de/shared/download/warum_nicht.pdf

Sollten Sie das Bedürfnis Ihrer Schwarzen Mitbürger dann immer noch als peinlich und albern bewerten, wissen Sie wenigstens, gegen welche Argumente Sie die Augen verschließen.

Grüße aus Köln!

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2012 | 15:40

Guter Beitrag zum Thema. Richtige Schlußfolgerung am Ende.

"Es kommt also weniger auf die Politische Korrektheit der Geschichten an, als auf all jene, die Vorlesen und mit daran beteiligt sind, Kindern Werte vorzuleben. Es kommt weniger auf die Inhalte von Büchern an, als auf unsere Art zu lesen und mit den Kindern über die Geschichten zu sprechen"

Es kommt aber auch darauf an, inwieweit die eigene Familienform in den Geschichten vorkommt. Im bürgerlichen Standardmodell liest i.d.R. Mama vor, Papa nur ausnahmsweise. Es ist auch die Frage ob und wie Vater und  Mutter über die vorzulesende Lektüre sprechen, oder nicht.Sicher ist, daß eine Mutter anders vorliest als ein Vater, ein Erzieher liest anders vor als eine Erzieherin usw.

Das wirkt sich hinterher auf die die Lesefähigkeit - und lust der Kinder aus. Wenn Papa ungern oder wenig vorliest, darf er sich hinterher nicht wundern, wenn des Sohnes Lesefähigkeit - und lust hinter den Erwartungen zurückbleibt. Bei Müttern und Mädchen dürfte sich das ähnlich verhalten, fürchte ich.

Daraus ergibt sich die Frage, was lesen Mütter ihren Söhnen, was ihren Töchtern vor bzw. was bevorzugen die Vorlesenden und was die Zuhörenden? Gibt es Vorlesebücher die Jungs präferieren und welche gefallen Mädchen besser?Und wie geht man damit als Eltern um und wie läuft das in der KiTa? Fragt da überhaupt jemand nach, oder geht das im Alltagsbetrieb unter?

Immerhin hat Elternschaft ja, abgesehen von Regenbogenfamilien, den großen Vorteil, daß beide Geschlechter für´s Kind - obgleich  oft  unterschiedlich verfügbar sind, während KiTa und Grundschule häufig durchweg weiblich besetzt sind.Im Grunde fallen dadurch dem kaum vorhandenen männlichen Personal und den Vätern gerade beim Vorlesen und Lesenlern-Ünterstützen eine Schlüsselrolle zu, d.h. sie wären eigentlich die die durch Vorlesen und Vorlesenlassen einen zentralen Beitrag zur Sprachbildung - und Förderung leisten könnten, der quasi im Vorbeigehen auch die geschlechtliche Identitätsfindung - und bildung durch eine quasi - weil medial gestützte - Triangulierung erleichtert bzw. befördert.

Ich würde also K.R. zustimmen, aber ergänzen:

Männer & Väter sollten sich auch und gerade als Vorleser in den familiären wie institutionellen Erziehungs - und Bildungsprozess einklinken - dann bräuchten wir u.U. auch etwas weniger über mit  Geschlechtsstereotypen behaftete Vorleselektüre diskutieren, weil diese für die Kinder schon durch den Vorlesenden als erstarrte Muster zu erkennen sind. Leider sind gute Vorleser ziemlich rar, fürchte ich.

Verstehbar ist das für mich als Vater nicht, ich sehe bei unserem lesebegeistertem Jüngsten jeden Tag, was es bringt mir diese Zeit für seine Zukunft genommen zu haben.

nelesjoe 23.08.2012 | 23:56

Gender ist Scheiße!Ich habe mein ganzes Leben das gelesen, worauf ich Bock hatte und es hat mich einen Scheiß interessiert, was Eltern, Erzieher, oder sonstwer Berufene davon halten. Ideefix liest anscheinend politisch korrekt, und langweilt seine Nächsten.

Mir hat kein Mensch erzählen müssen, wie ich eine Geschichte, Märchen, was auch immer zu verstehen habe. Ich rede über das, was mich begeistert oder abstößt, und lass mich auch gerne korrigieren. Aber ich lass mir von niemanden erzählen, wie oder was ich zu lesen habe. Ist mir bei meinen Kindern auch nie eingefallen.

Zitat Ideefix:

Im Grunde fallen dadurch dem kaum vorhandenen männlichen Personal und den Vätern gerade beim Vorlesen und Lesenlern-Ünterstützen eine Schlüsselrolle zu, d.h. sie wären eigentlich die die durch Vorlesen und Vorlesenlassen einen zentralen Beitrag zur Sprachbildung - und Förderung leisten könnten, der quasi im Vorbeigehen auch die geschlechtliche Identitätsfindung - und bildung durch eine quasi - weil medial gestützte - Triangulierung erleichtert bzw. befördert.

BULLSHIT! Ihr wollt im Namen der Political Correctness indoktrinieren. Kommt mir doch sehr freiheitsfeindlich vor, mal abgesehen vom Genderstuß. 

 

 

 

Literatmaat 24.08.2012 | 10:43

Gute Nacht-Geschichten á la carte / Heute back ich, morgen brau ich [...] Ach, wie gut dass niemand weiß! / Liebe Frau R., dass Sie einfach so nicht so einfach sind, lässt die Einfachheit Ihrer Gedankengänge erahnen! Einfacher ausgedrückt: „Sie haben absolut Recht im geistigen Sinne der güldenen Maere und Prosa!“ Vorerst sollte vielleicht für alle Unwissenden einmal erläutert werden, was eine „Genderkolumne“ dem Wortlaut nach ist? [...] https://www.freitag.de/autoren/literatmaat/gute-nacht-geschichten

Lethe 28.08.2012 | 15:04

Mit etwas geänderter Wortwahl könnte eine derartige Darlegung auch in jeder fundamentalkristlichen Kritik nicht-fundamentalkristlicher Literatur Verwendung finden. Mensch, Mensch, Mensch. Da werden Märchen - die in ihren Urformen nie als Geschichten für Kinder gedacht waren - von Erwachsenen durch inadäquaten Realismusanspruch vollkommen verkannt und können dann natürlich auch nicht adäquat an Kinder vermittelt werden.

Vielleicht öfters mal C.G. Jung lesen.

Literatmaat 29.08.2012 | 19:46

Kasper und Blockbuster 

Das Kaspertheater ist ein dem Märchen vergleichbarer Mikrokosmos mit überschaubaren Verhältnissen, aber deutlich satirischen und clownesken Zügen. Ursprünglich war es 1 derbes Jahrmarktsvergnügen mit 1 komischen Figur im Mittelpunkt, die in der langen Tradition "clownesker" Figuren im Menschentheater stand.

Hierbei entwickelten sich in Europa verschiedene Typen heraus, so Guignol in Frankreich oder Kasper in Deutschland. In England war das "Punch and Judy"-Spiel sehr populär:

Mr. Punch soll auf sein Kind aufpassen. Da es schreit, wirft er es zum Fenster hinaus, bekommt Streit mit seiner Frau Judy, verprügelt diese und schlägt der Reihe nach alle Personen und Gewalten tot, die ihm begegnen (Polizist, Krokodil, Teufel und sogar den Tod).

Diese Geschichte sprach die vielfach unterdrückten Aggressionen der Zuschauer an und bot ihnen ein Ventil für ihre Verdrossenheit mit der Obrigkeit. Oft wurde das "Punch and Judy"-Spiel wegen Unmoral verboten und die Puppenspieler vertrieben oder bestraft. Stilprägend für die Gestaltung der Handpuppen im Kaspertheater im 20. Jahrhundert wurden die 1921 von Max Jacob im Erzgebirge gegründeten "Hohnsteiner Puppenspiele".

Max Jacob ersetzte auch den rüden und zotigen Jahrmarktskasper durch einen eher weisen und pädagogischen Kasper, der vor allem die kleinen Zuschauer zum richtigen Tun anleiten will. (?

1933 mussten Jacob und sein Ensemble die Burg Hohnstein verlassen: Die mächtige Festung wurde von den Nazis beschlagnahmt und in ein Konzentrationslager umfunktioniert. Die Kasperfamilie zog in ein eigens von der Gemeinde errichtetes Mehrfamilienhaus („Kasperhaus“ genannt) und bekam später als neue Spielstätte das Puppenspielhaus von der Weltausstellung in Paris, wo Jacobs Bühne 1937 gastiert hatte, wiederaufgebaut. [...]

In den 40er Jahren wurde die Hohnsteiner Bühne in der Truppenbetreuung eingesetzt. Auch ansonsten fungierte Jacobs Theater während der NS-Zeit als die deutsche Vorzeige-Puppenbühne (!).

(Wikipedia gekürzt)

"Makkusu Yakopu", wie er gelegentlich auch genannt wurde, ist nicht zu verwechseln mit dem französischen Dichter, Maler und Schriftsteller Max Jacob, der am 5. März 1944 im Sammellager Drancy ums Leben kam.

Am 24. Februar 1944 wurde er nach dem Besuch der Morgenmesse von der Gestapo festgenommen und in das Gefängnis von Orléans gebracht. Zuvor waren bereits sein Bruder, seine Schwester und ihr Ehemann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden.

Blockbuster

„Publikumsrenner, Kassenschlager“ oder „Knüller“

Die Bezeichnung spielt auf die Fliegerbombe (Luftmine) gleichen Namens an, die im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde.

A block-buster of an idea for a musical play“ 1942

Es kommt halt immer auf die Benotung an, gelle?!

Meyko 17.11.2012 | 13:44

"Kinder im Maul"

Eines lernen wir Menschen besonders früh und auch sehr gern. Es macht Spaß, Kindern dabei zuzusehen: Das Lamm gehört zum Schaf, wie das Fohlen zur Stute, die Kätzchen zur Katze und das Kälbchen zur Kuh. Das lernen wir relativ früh und das wissen wir dann auch alle. Das ist überall so. In allen Bilderbüchern und auf jedem Bauernhof und bekanntermaßen bei all den anderen Säugetieren, die uns entwicklungsgeschichtlich nahestehen.

Soweit zu diesem Teil unseres früh erlernten Wissens. Wir lernen natürlich weiter...

Ein Beitrag, der mir zu diesem Thema wieder einfiel.