Katrin Rönicke
17.10.2011 | 19:00 17

Wo sind die Heldinnen?

Genderkolumne Was hält so viele Frauen davon ab, ihre politische und ökonomische Wirkungsmacht in der Gesellschaft in gleicher Weise wahrzunehmen, wie die Männer? Eine Ursachensuche

Die Frage beschäftigt viele Gemüter - ich nehme mich da nicht aus. Können, oder wollen Frauen und Männer nicht auf gleicher Augenhöhe ihre Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gestalten? Können wir nicht alles schaffen? Wir müssen doch nur wollen. Oder? - "Wenn sie nicht will, dann kann sie doch keineR zwingen!" Das höre ich sehr oft. Das ist richtig. Wir müssen nicht immer wollen, was wir theoretisch können. Aber viele wollen gerne. Sie möchten die Gesellschaft verändern. Sie fordern wirtschaftliche und politische Teilhabe für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Und sie gehen deswegen durch die Institutionen. Dabei ändern sie sich, ihr Verhalten und ihre Ansichten über die Geschlechterfrage. Oftmals entdecken diese Frauen sehr massiv, dass es die Gläserne Decke noch gibt. Andere verändern die Kultur, die sie in den männlichen Kreisen vorfinden. Die Wirkung ist wechselseitig: Wenn Frauen teilhaben, ändern sich beide: Die Organisationskultur und die Frau. Hier liegt eine Chance.

Manchmal aber wollen Menschen einfach nicht. Dahinter steckt mitnichten Feigheit – es ist eher ein einfaches Kalkül, eine Nutzen-Kosten-Rechnung. Spitzenpolitikerinnendasein, obere Chefetage eines DAX-Unternehmens, Bundeswehrgenerälin, Professorin, Geheimagentin, Jägerin - für all diese Jobs fallen uns viele gute Gründe ein, warum wir sie ablehnen. Sie erfüllen uns nicht, rauben uns aber gerne 60 Stunden unserer Woche. Sie erfordern das Beherrschen ekelhafter Regeln - finden wir. Sie sind geradezu unmenschlich und undankbar. Sie manifestieren geltende Herrschaftsnormen. Wir sollten uns dem nicht anpassen - wir sollten ein eigenes, selbstbestimmtes, freies Leben führen. Dort geht es nicht. Sagen wir. Oder?

Die Geschichte der Helden

Seit Tausenden von Jahren frickeln Männer daran, Kulturen aufzubauen. Sie führten die Kriege, sie planten die Städte und Reiche, sie teilten Herrschaftsgebiete unter sich auf. Frauen spielten schon in den Schriften von Aristoteles keine staatstragende Rolle. Politisches Mitspracherecht hatten sie keines. Sie waren in der häuslichen Hierarchie der griechischen Polis kaum höher gestellt als die Sklaven.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit setzten weiterhin die Männer ihre Maßstäbe für die Kultur: Die Seefahrt, die Kreuzzüge, der Kolonialismus - Männer riskierten ihr Leben für die Eroberung neuer Welten. Männer starben dabei. So waren es auch Männer, die neu entdeckte Gebiete und neue Wirtschafts-Wege - zum Beispiel bei der Entstehung des Kapitalismus in den italienischen Handelsstädten - unter sich aufteilten. Sie regelten das. Die Risikobereitschaft, die Selbstaufgabe, die völlige Ausrichtung auf ein Ziel - alles klassische Merkmale von Heldentum, - sind bis heute mindestens unterschwellig, oftmals aber auch sehr direkt vermittelte "Skills", die all jene haben sollen, die "oben" stehen. Ist das der Grund, warum Frauen sich zurückhalten: Weil ihnen das – zu Recht – dumm und verschwenderisch vorkommt?

Die unsichtbaren Heldinnen

Leisteten Frauen einen Beitrag zur Gesellschaft, so war es eine Selbstverständlichkeit, und wurde nicht als heroisch beziechnet. Es wurde nicht einmal aufgeschrieben. Frauen haben einen Mangel an Geschichte. Karin Hausen war eine der ersten, die sich um die Geschichte der Frauen kümmerte. Sie gründete die International Federation for Research in Women’s History. Diese Organisation kümmert sich explizit um den Beitrag von Frauen zur Geschichte der Menschheit. Nicht selten wurde dieser abgewertet, ignoriert oder geleugnet. Das zieht sich bis heute durch: Wenn Frauen einen Beitrag leisten in ihrer Sozialen Mikro-Welt oder ganz oben, auf Makro-Ebene, tun sie sich a) selbst schwerer damit, dies als große Leistung zu deklarieren und b) tun sich auch andere schwerer damit, dies zu tun. Heldinnen sind in unserer Gesellschaft immer noch Mangelware.

Frauen sind nicht per se feige, nicht per se schüchtern und nicht per se ablehnend gegenüber den bestehenden gesellschaftlichen Systemen mitsamt seiner Hierarchien. Aber in ihrer Gesamtheit stapeln Frauen gern tiefer als Männer. Sie selbst und auch die Männer siedeln "Heldenhaftes" beim sogenannten "starken Geschlecht" an. Was sie tun, ist ihnen und anderen eine Selbstverständlichkeit, "nicht der Rede wert". Und sie meinen, ihre Tätigkeiten, ihre Fähigkeiten – so ganz unheroisch und normal – die seien nicht ausreichend für das "da Oben". Deswegen lassen sie die Männer das regeln. Immer noch, viel zu oft.

Für einen pragmatischen Feminismus

Es gibt also zwei wesentliche Grundmuster: Erstens eine Ablehnung der männlich geprägten gesellschaftlichen Strukturen. Zweitens ein Kleinreden der eigenen Fähigkeiten – im Vergleich mit Männern. Denn es ist ja immer der Vergleich, der uns glauben lässt, wir seien weniger. Im Wettkampf waren Frauen bei einer Studie der Universität Pittsburgh schlechter im Lösen von Aufgaben, als wenn sie für sich alleine arbeiteten. Bei den Männern trat der umgekehrte Effekt auf. Gekonnt haben die Geschlechter gleich viel. Aber Frauen haben weniger Lust darauf, sich zu messen, zu beweisen. Sind sind einfach gerne. Man kann beides in Frage stellen und sagen: Das passt so nicht – dann machen (wir) Frauen eben nicht mit. Soll sich doch erst einmal die Gesellschaft ändern. Oder die Männer lehnen sich zurück und erklären: Die Frauen wollen ja nicht, sie sind ja feige und wenn sie zurückhaltend sind – na dann wollen wir ihnen ja auch nichts aufzwängen.

Oder man sieht die Chancen: Eine Gesellschaft kann man ändern – indem man partizipiert. So wie man ist. Eine Gesellschaft, an deren politischer und wirtschaftlicher Machtverteilung Frauen entscheidenden Einfluss nehmen, wird womöglich eine andere sein, sowie auch diese Frauen sich durch ihren Einfluss, die Verantwortung und ja – böses Wort! – die Macht, die sie haben, verändern werden. Ein pragmatischer Feminismus achtet auf die Möglichkeiten, die es gibt, alle Geschlechter zu gleichen Teilen zur wirtschaftlichen, politischen und sozialen Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen. Ein pragmatischer Feminismus setzt zudem auf die Dramatisierung von Geschlecht als erste Stufe, um erst im zweiten Schritt die Kategorie Geschlecht gesellschaftlich zu entdramatisieren. Er beginnt einen aktiven Prozess: Nachdenken und Reden über eine neue Gesellschaft, das in ein Handeln und Verändern in der Gesellschaft übergeht.

Kommentare (17)

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Ehemaliger Nutzer 18.10.2011 | 14:00

Liebe Frau Rönicke,
ich verstehe wirklich nicht was Sie hier sagen wollen. Möglicherweise geht mir das nicht alleine so, wahrscheinlich liegt es daran, dass ist ein Mann bin. Aber Ihre Ursachensuche ist in dieser Kolumne nicht erkennbar.
Können, oder wollen Frauen und Männer nicht … Das sind wirklich Fragen, die Suchen herausfordern.
Aber viele wollen gerne. Sie möchten die Gesellschaft verändern. Sie fordern wirtschaftliche und politische Teilhabe für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft.
Sie möchten und sie fordern … das ist schön, aber nicht immer und unbedingt realistisch. Warum wählen viele junge Frauen Berufe, die ohne weiteres als technikfern einzuordnen sind?
So beklagte in Hinsicht auf die Debatte um die Quotenslut in den Vorständen der DAX – Konzerne einer der Herren: Wir vermissen bei Frauen vielfach die technische Kompetenz, die unerlässlich ist zur Durchführung gehobener Führungsaufgaben!.
Aber wenn die Berufswahl zum einen die Übernahme einer solchen Aufgabe ausschließt, können wir zum anderen nicht unbedingt die Ersatzmutter der Nation, die unvergleichliche Zensurula von der Leier, politisch hochgespült durch Protektion und weniger durch Leistung (wie eigentlich bei fast allen Politikern), als Beispiel heran ziehen, oder die überaus smarte Frau Schröder, von der niemand so genau weiß, wie ihre Doktorarbeit zustande gekommen ist. Damen, (nein!) Frauen dieser Provenienz können Sie sicher auch nicht meinen, Frau Rönicke.
Wenn Frauen teilhaben, ändern sich beide: Die Organisationskultur und die Frau. Hier liegt eine Chance.
und gleich danach:
Manchmal aber wollen Menschen einfach nicht.
Hhmmm … etwas unglücklich ausgedrückt oder immanentes Programm?
Spitzenpolitikerinnendasein, obere Chefetage eines DAX-Unternehmens, Bundeswehrgenerälin, Professorin, Geheimagentin, Jägerin - für all diese Jobs fallen uns viele gute Gründe ein, warum wir sie ablehnen. Sie erfüllen uns nicht, rauben uns aber gerne 60 Stunden unserer Woche. Sie erfordern das Beherrschen ekelhafter Regeln - finden wir. Sie sind geradezu unmenschlich und undankbar. Sie manifestieren geltende Herrschaftsnormen. Wir sollten uns dem nicht anpassen - wir sollten ein eigenes, selbstbestimmtes, freies Leben führen. Dort geht es nicht. Sagen wir. Oder?
Was? Oder??? Wenn es um Macht geht, Frau Rönicke, spielen Ihre Bedenken keinerlei Rolle mehr. Und es gibt sicher auch Frauen, die diese Machtspiele hervorragend beherrschen (oder befrauen???). Und auch wenn es nicht um Vorstandsposten geht … Frauen sind untereinander teilweise sehr gnadenlos, nach allgemeinem Wortgebrauch: zickig. Auch scheint Kooperation untereinander nicht zu den Tugenden zu gehören, die Frauen auf den Leib geschrie … (nein, wie anzüglich) also, die Frauen auszeichnen, untereinander.
Wenn Sie also, Frau Rönicke, und natürlich das ganze Gendergedöns diese Forderungen stellen, ist das sicher publikumswirksam und bringt viele Pluspünktchen ein … aber es sollte einhergehen mit der Frage: ist es möglich, dass Frauen aus ganz spezifischen Gründen noch nicht in dem Maße teilhaben, wie es Ihnen wünschenswert erscheint? Kann es sein, dass in der dünnen Luft der hüderen Etagen vielleicht Atemnot eintritt?
Auf die restliche Kommentierung – griechische Polis und Sklavendasein – möchte ich wirklich nicht eingehen. Sie bemühen Zeiträume die in der gegenwärtigen Debatte so was von weit hergeholt sind, das eine Kuhhaut nicht reicht, um sie darauf auszubreiten. Ich hoffe, dass das nicht der Stoff ist, aus dem Ihre Student(innen)en ihr theoretisches Basiswissen rekrutieren … vielleicht sollten Sie denen raten, doch mal mit einem technischen Studium zu beginnen (so als Basistrip frei nach Rudi Dutschke) und dann in einigen Jahren mal schauen was daraus geworden ist … was halten Sie davon?

ngng 18.10.2011 | 14:43

Gut geröhrt der Elch.

Was aber die Atemnot betrifft da oben auf Wolke 7, kann es nicht auch sein, daß die Herren der Wolke einfach nicht die Atemluft teilen wollen, es soll sie ja geben die Hirsche des Platzes, die nicht auf Produktivität oder Verstand setzen, sondern auf den Ellenbogen, vor allem da oben, wo die Luft dünn ist. Wo kämen wir da hin, würde sich nun auch das qualifizierte Weibsvolk einschleichen, und um Himmelswillen kein Weibsvolk das mindesten genauso viel auf dem Kastan hat.

ngng 18.10.2011 | 14:43

Gut geröhrt der Elch.

Was aber die Atemnot betrifft da oben auf Wolke 7, kann es nicht auch sein, daß die Herren der Wolke einfach nicht die Atemluft teilen wollen, es soll sie ja geben die Hirsche des Platzes, die nicht auf Produktivität oder Verstand setzen, sondern auf den Ellenbogen, vor allem da oben, wo die Luft dünn ist. Wo kämen wir da hin, würde sich nun auch das qualifizierte Weibsvolk einschleichen, und um Himmelswillen kein Weibsvolk das mindesten genauso viel auf dem Kastan hat.

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shalako 18.10.2011 | 14:56

"Aber Frauen haben weniger Lust darauf, sich zu messen, zu beweisen."

Habe ich aus meiner Schulzeit ganz anders in Erinnerung. Und die begann schon in den 50ern.

Sie sind dabei nur leiser.

Während des Studiums werden sie dann schon etwas lauter und in Karriereberufsfeldern reduzieren sich ihre emanzipatorischen Ambitionen oftmals darauf, schlechte Männerrollen nachzuspielen.

Starke Frauen allerdings hat es immer schon gegeben. Spontan fallen mir Alice Miller, Margarete Mitscherlich und Hannah Arendt ein - Frauen, vor denen ich den Hut ziehe und mich tief verneige.

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Ehemaliger Nutzer 18.10.2011 | 15:44

ngng schrieb am 18.10.2011 um 13:35

und um Himmelswillen kein Weibsvolk das mindesten genauso viel auf dem Kastan hat...
Das war eine Feststellung, keine Frage, diese hätte sich aus: Wo kämen wir da hin, würde sich nun auch das qualifizierte Weibsvolk einschleichen ... ergeben.
Und Frauenhasser? Frage: geht's noch, so ganz ohne persönliche Begegnung, ohne jegliches Wissen um meine Person? Nur aus dem ideologischen Elfenbeinturm mal so hingeworfen ... vielleicht reagiert der A... ja, wars so gemeint? Bleiben Sie doch einfach sachlich und fragen Ihre Friseurin, was sie von den Thesen hält.

crumar 20.10.2011 | 03:55

@Katrin Rönicke: Bullshit.

Der Beitrag an männlichem Blut, Schweiß und Tränen an der Geschichte interessiert Sie einen feuchten Käse.

Das war zu 99% kein Heroismus, sondern der simple Versuch, im Alltag zurecht zu kommen, um der (beknackten) männlichen Sozialisation auf seine Art und Weise Rechnung zu tragen, indem "mann" Verantwortung übernimmt. In der Regel nicht für sich selbst in erster Linie, sondern für die Frau und für die Familie. Exakt damit ist ein Mann auch beliebig erpressbar.

Die positive Seite der Männlichkeit ist: Geh ein Risiko ein und steh dafür ein woran du glaubst.
Koste es, was es wolle.
Ihre Geschichte der Entschuldigungen für Feigheit und Opportunismus entehrt die Frauen, vor denen ich jederzeit den Hut ziehen würde.
Ihr ständiges Lamento verzwergt diese Frauen.
Was ist Kitsch? Die Verzwergung einer großen Sehnsucht.

Hatte Rosa Luxemburg einen Bedarf an "Heldinnen" in der Geschichte, um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen?
Welche gesellschaftlichen Eingangsbedingungen hätten nach ihrer Lesart erfüllt sein müssen, um eine solche Frau zu ermöglichen?
Eine 60% Quote bei der SPD für Frauen?

Die MACHT hatten und haben ungefähr 0,5% der männlichen Bevölkerung inne und eine steigende Anzahl von Frauen darunter.
Exakt diese Komplizinnen - Schwarzer mit den tollen Kontakten zu Springer und Bertelsmann - nutzen Sie doch für Ihre Vision vom "pragmatischen" Feminismus.

Das ist ein anderes Wort für Revisionismus.

Das Drama, das Sie hier inszenieren ist, aus der mangelnden Teilhabe von Frauen an dieser MACHT ein Mangel an Verantwortung herzuleiten.
Das zieht sich hier seit dem Faschismus und den Lügen, die der Feminismus über den Anteil der Frauen am Faschismus verbreitet hat durch die gesamte Diskussion: Der weibliche Zustand der perfekten Unschuld, des armen Opfers der Verhältnisse.
Die man quasi zu entschädigen habe - ein Akt permanenter männlicher Wiedergutmachung.

Sie möchten an der MACHT partizipieren - haben Sie gefälligst auch den Mut, die nächste an den Futtertrögen des Kapitalismus zu sein.
Seien Sie eine aufrechte Alpha-Frau (!) im Kreise von Alpha-Männern und eignen Sie sich bitte eine verdammte Art von Humor an.

Gruß, C.

SuzieQ 20.10.2011 | 04:43

Heldinnen-
keine Frau legt wirklich Wert auf eine solche Bezeichnung.
Männer stehen eher drauf. Also auf Held.
Gehen wir mal in die Wirklichkeit:
Gute Schulbildung, anschließend Ausbildung,
-die Liebe- kommt quer, Nachwuchs:
muss alles bezahlt werden,
Männer verdienen bei gleicher Qualifikation mehr Geld,
logische Konsequenz?!
Er arbeitet, sie bleibt zuhause.
Da ist sie Held, Manager, ohne Belohnung, aber wichtig, immens wichtig für die zukünftigen Helden, ; )
Nach Jahren der Erziehungs-'Arbeit' möchte sie wieder reintegriert werden ins Berufsleben.
Was dann? Keine/wenig Berufserfahrung, keine Reputation, Arschkarte, dann, wenn überhaupt 'Verkaufen unter Wert'.
Sollte dann auch noch die Familienkonstruktion den Bach runtergehen, ganz üble Aussichten, für sich, für den Nachwuchs.
"Heldinnen" reiben sich auf, mit ein, zwei, drei Jobs, ohne Altersvorsorge, desillusioniert, auf dem Boden (der Tatsachen) angekommen.
Dazu das Kostüm übergestülpt bekommen, für die Gesellschaft nutzlos, weil unproduktiv zu sein, zu weit ab vom Schuß, gestrig.
Hohn statt Heldentum, ungerecht, unfair, aber real.
Manche Frauen verkaufen dann ihren Körper, denn dann sind sie wenigstens für ihre Kinder erreichbar, wenn es Not tut, Jobs oder auch adäquate Geldverdiensituationen zu passenden Zeiten sind rar gesät.
Halbtagsstellen, z.B. von 9.oo - 14.oo Uhr, bietet kaum einer an, immer muss sich die Heldin den Gegebenheiten anpassen statt umgekehrt.
Wo sind die Heldinnen?
Überall, rechts und links, vor und hinter uns, mit der Faust in der Tasche und Liebe im Herzen, ohne Qual der Wahl.
Nur mit Qual.
Leben eben.
Wie kann frau einen solchen überheblichen Text einstellen?
Weil Privilegierte nicht sehen wollen, was um ein Vielfaches mehr, nebenan an die Wand gefahren wird?
Weil es ja genug Arbeit gibt? Man/Frau muss nur zugreifen?
Vollkommen am Leben vorbei!
Männer kommen gern von der Arbeit und sind dann völlig fertig, zu nichts weiter fähig als abzuhängen. Frauen erledigen ganz nebenbei den Haushalt, die Erziehung, halten die Familie in Gang.
Ja, alles zu allgemein?
Hab nach meinem 30-Stunden-Tag nicht ausreichend Zeit, eine feinere Wortwahl zu treffen, plane gedanklich schon Morgen voraus. Und Übermorgen. Und nächste Woche. Mache ich nebenbei.
Erwarte ich Anerkennung?
Nein, nicht mehr...
Sehne ich mich danach?
Natürlich, trotzdem...
Ich erwarte Respekt!
Für alle Heldinnen!
Und jede einzelne hat ihren eigenen Namen.
Heldin heißt keine.

Red Bavarian 20.10.2011 | 12:26

Siehe zur Quote auch den Mädchenmannschaft-Artikel '“Kristi, Uschi und die Quote” – unsere Lieblingssoap geht endlich weiter!'. Kristina und Ursula. Könnte auch Kristian und Urs sein. Neoliberal-neokonservative Analog-Männer oder neoliberal-neokonservative Bio-Männer, gehupft wie gesprungen. Führungsquoten-Einseiferei. Occupy the 1%-heros, forget the 99%-losers!

Ich ziehe es vor, eine 99%ige piratig-linke gendertabubrechende Analog-Frau zu sein. Make rainbows, not men-of-war!

SuzieQ 21.10.2011 | 00:35

@ eulen nach athen
wenn die Verallgemeinerung deine einzige Kritik ist, kann ich damit leben.
Es waren nicht nur meine eigenen Vorstellungen, sondern viel von dem, was ich täglich erlebe, erfahre, sehe und höre.
Geiselhaft? Korrektes "frausein"?
Davon hab ich kein Wort geschrieben.

@ der Menschen einer
schrieb am 20.10.2011 um 11:35
einer, der es wissen muss?
um nicht zu sagen, geradewegs überflüssig oder das beste Beispiel für deine These.

Ullrich Läntzsch 23.10.2011 | 15:43

Liebe Katrin Rönicke,

Was hält so viele Frauen davon ab, ihre politische und ökonomische Wirkungsmacht in der Gesellschaft in gleicher Weise wahrzunehmen, wie die Männer?

Ihre gute Frage beantworten Sie schon zu Beginn des Blogs,

Manchmal aber wollen Menschen einfach nicht. Dahinter steckt mitnichten Feigheit – es ist eher ein einfaches Kalkül, eine Nutzen-Kosten-Rechnung. Spitzenpolitikerinnendasein, obere Chefetage eines DAX-Unternehmens, Bundeswehrgenerälin, Professorin, Geheimagentin, Jägerin - für all diese Jobs fallen uns viele gute Gründe ein, warum wir sie ablehnen. Sie erfüllen uns nicht, rauben uns aber gerne 60 Stunden unserer Woche. Sie erfordern das Beherrschen ekelhafter Regeln - finden wir. Sie sind geradezu unmenschlich und undankbar. Sie manifestieren geltende Herrschaftsnormen. Wir sollten uns dem nicht anpassen - wir sollten ein eigenes, selbstbestimmtes, freies Leben führen. Dort geht es nicht.

Dort geht es nicht. Wie war, weder für einen emanzipierten Mann noch für eine emanzipierte Frau. Nicht in dieser Gesellschaft. Wenn eine Gesellschaft zu tieft unmoralisch ist, können an ihre Spitze auch nur zu tiefst unmoralische Menschen - jeglichen Geschlechts - Spitzenpositionen einnehmen.

Emanzipation kann doch nicht lauten, wie wollen überall den gleichen Anteil! MörderInnnen, DiktatorInnen, das wäre doch Bullshit. Apropos Shit. Wissenschaftlich lassen sich auch genderspezifische Unterschiede in Exkrementen nachweisen. Welchen Sinn sollte es haben?

Die Lebensentscheidung, der unbedingte Wunsch, der letztlich selbstzerstörerische Drang, in dieser Gesellschaft Karriere zu machen, wird eines niemals leisten können - Lebensglück.

Allerbeste
Ullrich Läntzsch

Emma in Uniform 24.10.2011 | 04:50

Oje, Frau Rönicke,
"Heldinnen"? Was für ein ranziger Begriff, riecht als hätten Sie doch zuviel Hollywood-Produktionen gesehen..nicht?

Dann verdrängen Sie möglicherweise oder wussten noch nie, dass wir: Schimpansen sind?

Die besonderen Bedingungen, der körperliche Größen- und Kraftunterschied, die hormonelle Ausstattung, Fortpflanzung - die im Alltag zwischen Mann und Frau "herrschen", seit jeher, sind Ihnen nicht bewußt? Nein?

Doch. Aber es bedürfte eines vielfach komplexeren Gedankengebäudes, als jenes dass Sie hier zur Schau stellen.

Oder bejammern Sie in Ihrer kleinen Polemik auf der oft mißbräuchlich verwendeten Ebene der Feminismusdebatte nur den steinigen Weg, der, hach, noch vor uns liegt, bis zu einer Welt ohne Monopolindustrie, Feudalherrschaft, Medienkontrolle, Armeen von Zombies und Söldnern, Krieg, Hunger, Sklaverei und... Sexismus, Intoleranz, derDeutungshoheit verwester Moral? Eine halbwegs zivile Welt eben? Eine Welt in der man, um Sie mal zu interpretieren, als dreißigjährige Frau ohne Kinder oder mit (beides ungünstig für die Planung des Chefs) einen unbefristeten saugeilen Arbeitsvertrag bekommt?

Weit sind wir noch nicht gegangen, ich hoffe ich verstehe Sie da richtig...um so wichtiger ist es, einige besonders hellwache Kommentatoren haben es bereits erkannt: Keine Klischees mehr zu bedienen. Nicht Friseuse, nicht Wirtschaftspsychologie oder Ökotrophologie oder ähnlichen Schwachsinn - die technischen, die ökonomischen, die politischen Nischen harren unser, jawoll, frisch auf!
(Völlig unbedrängt sollte sie die Frage lassen, warum denn in den technisch spezialisierten Feldern selbst der männliche Nachwuchs fehlt, wat solls...;))
Von der tradierten Form von Aufzucht und Pflege der Brut mal abgesehen, machen wir Frauen nur Rückschritte, grosso modo
gelingt es unserer menschenverachtenden Bildungs- und Sozialpolitik gemeinsam mit den neoliberalen Medien ein immer abstruseres und verblödeteres Frauenbild zu prägen.
Schönsein und -bleiben als Lebensinhalt; logischerweise, denn dies paart sich nützlich mit dem implementierten Lebenssinn des bejubelten Helden. Dessen Wahnwitz, als Mut betitel, bewegt aktuell die Welt - Flash and Chill! -Technisch versiert und hinlänglich ausgerüstet, seinem Instinkt folgend und im Arm seine First Lady, besiegt er vom Wohnzimmer aus die wahren Schurken, z.B. Bin Laden.

desolate Grüße - Emma Rothschild