kay.kloetzer
15.01.2013 | 18:15 48

Sprachpleite

Unwort Sprachkritische Aktion kürt "Opfer-Abo" zum Unwort des Jahres 2012

Sprachpleite

Foto: dev null / Flickr (CC)

Das hätte wohl keiner gedacht. „Schlecker-Frauen“ war bis gestern Vormittag die häufigste Antwort auf die Frage, was wohl Unwort des Jahres werden würde. Wahrscheinlich, weil sie schon als Wort des Jahres im Gespräch waren. 163 von 2241 Einsendern hatten den Begriff auf dem Zettel, 125 plädierten für die „Anschlussverwendung“ und 102 für „moderne Tierhaltung“. Nur einer brachte das „Opfer-Abo“ ins Spiel, und die halbe Republik fragte: Häh?

Ja, er war fast vergessen: Der Auftritt von Jörg und Miriam Kachelmann bei „Jauch“ am 14. Oktober. Auch das Interview ein paar Tage zuvor im „Spiegel“. Beides flankierte die Buchveröffentlichung „Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz", worin das Ehepaar den Prozess wegen Vergewaltigung verarbeitet. Kachelmann war feigesprochen worden. 

Der Jauch-Talk geriet zur Schlacht der Vorurteile und falschen Behauptungen, bei der der Moderator eine denkbar schlechte Figur machte, im Grunde gar keine. Und wer es wirklich bis zum Schluss ausgehalten hat, der überhörte vielleicht jenen Begriff, der nun von der Sprachkritischen Aktion zum Unwort des Jahres 2012 gekürt wurde – vor den „Pleite-Griechen“ und der „Lebensleistungsrente“, beides unbeholfene Wortschöpfungen zwischen Volksmund und Politikerkauderwelsch, die zwar die Kriterien der Vereinfachung oder Verschleierung erfüllen, nicht jedoch die von der Jury ebenfalls zum Maßstab gemachten Verstöße gegen Menschenwürde.

 „Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.“ Das hatte Kachelmann im „Spiegel“ gesagt.

Erfunden haben soll es: seine Frau. Das twittert der Wettermann gestern nicht ohne Häme: „Hui, das Unwort des Jahres. Wer hats erfunden? ;-) Leider ist es die Wahrheit, die manchmal politisch unkorrekt ist #rechtundgerechtigkeit“. Und wenig später: „Der Erfinder des Unwort des Jahres ist uebrigens eine Erfinderin, was aber fuer den #vollpfostenjournalismus sicher zu anstrengend ist.“ Danach: „In diesem Sinne danke ich Miriam Kachelmann fuer die korrekte Zusammenfassung der Zustaende in weiten Teilen von Polizei und Justiz in D.“  

Die Jury sieht es anders: „Das Wort ,Opfer-Abo' stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein." Das hält die Jury  für sachlich grob unangemessen "angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fällen zu einer Anzeige und einem Gerichts-verfahren kommtDas Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer.“

Dieser Appell nicht nur gegen gedankenloses Nachplappern sondern auch gegen gedankenloses Hinnehmen solcher Begriffe geht weiter als das kollektive Einverständnis über sprachlichen oder inhaltlichen Unsinn, über „Schlecker-Frauen“ oder  „Ehrensold“.

Damals, als Frau oder Herr Kachelmann den Begriff in die Welt brachten, gab es kaum vernehmbaren Protest. Der ist nun da, weil Sprachwissenschaftler sich nicht nur für mehr Sprachbewusstsein und Sprachsensibilität einsetzen, sondern (auch) Politik machen. Und  (indirekt) auf den  Zusammenhang von Sprache und Macht verweisen.  Der wiederum lässt sich dann auch gut auf „Schlecker-Frauen“, „Pleite-Griechen“ und „Lebensleistungsrente“ anwenden.

(zuerst hier)

Kommentare (48)

h.yuren 15.01.2013 | 18:33

weil Sprachwissenschaftler sich nicht nur für mehr Sprachbewusstsein und Sprachsensibilität einsetzen, sondern (auch) Politik machen.

und das ist doch prima, dass es auch solche linguisten im lande gibt, nicht wahr, liebe kk?

gestehe, dass mich der prozess und das getöse rundherum nicht interessierte, die kür der unworte aber immer wieder. es sind ja fast immer treffer ins schwarze dieser gesellschaft. das "Humankapital" ist mir besonders in erinnerung.

goedzak 15.01.2013 | 20:05

Gute Wahl, obwohl ich letztlich doch für 'Pleite-Griechen' plädiert hätte. Das Wort eines einzelnen zu wählen, bedeutet leider auch wieder Publicity für den. (In den hämischen Twitter-Zitaten klingt Herr K. genau wie die Maskulisten-Trolle, die hier manchmal einfliegen...)

'Pleite-Griechen' aber kündet vom nicht nur latenten Nationalchauvinismus in Medien (Bild) und Volk (Bild-Leser), passt der Politik in den Kram usw.

Terrich 16.01.2013 | 07:31

In Orwells 1984 ist die Sprache selbst von ihrer Vergangenheit und damit auch von ihrer Fähigkeit abgeschnitten, Zukünfte zu erfinden, hilft sie, die Menschen in eine Gegenwart einzusperren, aus der es keinen Ausweg gibt. Dies ist der Alptraum der Macht, nicht der wissenschaftlichen Rationalität. Wir dürfen die Ausschaltung der Erinnerung die Unterdrückung der Phantasie nicht länger als Idealisierung rechtfertigen, als den legitimen Preis der wissenschaftlichen Rationalität. Wir müssen in ihnen das erkennen, was sie sind: Verstümmelungen, die das, was sie zu verstehen behaupten, zerstören.

Aus: Das Paradox der Zeit, Ilja Prigogine

Terry Rich

thinktankgirl 16.01.2013 | 16:45

Liebe Kay,

für einen unbeteiligten Menschen, ist Opfer-Abo ein Unwort.

Ich versetze mich nur in die Lage eines Menschen, der zu Unrecht der Vergewaltigung angeklagt und an den medialen Pranger gestellt wurde. Dieser Mensch muß den Eindruck haben, daß Frauen einen Bonus haben, weil sie Frauen sind.  Daß in einer solchen Situation Menschen sich nicht unbedingt PC-korrekt äussern, sollte auch klar sein.

Allein schon deshalb, hätte die Jury Kachelmann außen vor lassen sollen. Da sie es nicht tat, ist es für mich nur ein weiterer Pranger und diskrediert die Wahl.

MopperKopp 16.01.2013 | 18:03

So, die Runde Schmollen ist beendet.

Die beiden Teile gehören zusammen, der erste Teil war eine Demonstration des nachfolgenden Gedankens. Was die Scheu betrifft, die war hier in letzter Zeit in tausenden Kommentaren und Beiträgen wenig spürbar, daher habe ich den Begriff genau in dem Kontext eingeflochten, aber nicht kursiv gesetzt, mehr oder weniger mein einziger Kommentar zu dem Thema.

CS Spuhr 17.01.2013 | 00:00

ich glaube nicht, daß es ein "Nachtreten" ist, und auch nicht, daß es  wirklich Kachelmann und seine Frau direkt treffen soll, vielmehr glaube ich, und finde es sehr lobenswert, daß die Jury als eine der wenigen Instanzen, Personen, medienwirksamen Kräfte oder als was auch immer man sie bezeichnen kann, eben dieses anprangern wollte: „Das Wort ,Opfer-Abo' stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein." Das hält die Jury  für sachlich grob unangemessen "angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fällen zu einer Anzeige und einem Gerichts-verfahren kommtDas Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer.“

Seltsamerweise sind es nämlich in der öffentlichen Meinung immer, und speziell zur Zeit nur die Inder (oder eben die Anderen) die Frauen vergewaltigen und nicht angezeigt werden, bzw. nicht verurteilt werden. Kachelmann mag schuldig sein oder nicht, er hat mit seiner Behauptung die Frauen hätten sowas wie eine "Opferindustrie" oder eben das Opfer-Abo, und würden immer unschuldige Männer anklagen, unglaublichen Schaden angerichtet. Wie soll ich meiner Tochter, Schwester, Frau, Mutter erklären, daß es wirklich keinen Sinn macht, daß sie ihren Peiniger anzeigt, da sie nur unnötig doppelt leiden würde?

groskunde 17.01.2013 | 03:24

Ein Fehlgriff, dieses angebliche Unwort. Es bezieht sich gar nicht auf alle Frauen, sondern auf ungerechte Praktiken, die gefühlt existieren. Diesen Missstand spricht Herr Kachelmann berechtigterweise an.

Die Begründung ist schwach. Eine Ungerechtigkeit wird damit relativiert, dass es ja noch viel grössere Ungerechtigkeiten geben würde (nur 3-4% der Fälle würden angezeigt). Neben Opfer-Abo haben Frauen wohl auch einen Dunkelzifferbonus.

thinktankgirl 17.01.2013 | 10:35

Mir ist das alles klar, aber ich kritisiere , daß dieses Wort NICHT in den Medien gebraucht wurde, wie die bisherigen Unwörter oder Unwort-Kandidaten (Schlecker-Frauen, Pleite-Griechen, alternativlos, systemrelevant, etc.),  also Wörter, die sich mehr oder weniger unbemerkt in das öffentliche Bewußtsein eingeprägt haben.

Ich habe bisher nirgends in den Medien das "Opfer-Abo" gelesen, gehört und gesehen, sondern erst nachdem es zum Unwort gekürt worden ist.  D.h. daß bisher die meisten Menschen damit keinen bestimmten Sachverhalt verbunden , sich wahrscheinlich sogar gefragt hätten, was damit gemeint sei.

Dank der Jury werden nun all die zu kurz gekommenen Männlein es bei jeder Gelegenheit als Begründung anführen.

Hfftl 17.01.2013 | 19:11

Wer - im Gegensatz zu dieser unsäglichen Jury - Deutsch kann, sieht klar, wen die Kachelmanns mit dem treffenden Ausdruck "Opfer-Abo" kritisieren - er richtet sich keineswegs pauschal gegen Frauen (schon gar nicht alle Frauen), sondern gegen diejenigen, die Frauen grundsätzlich, bereitwilligst und völlig unkritisch ein solches Ofer-Abo zugestehen, also die Gesellschaft insgesamt und im konkreten Fall bestimmte Institutionen wie Polizei,  Staatsanwaltschaft und Gericht - die sind es, die mit dem Wort Opfer-Abo zu Recht angeprangert werden, und zu ihnen hat sich nun auch jene Jury gesellt, die durch gezielte Fehlinterpretation, unterfüttert durch falsche, völlig irreführende Zahlen, sowohl die Existenz als auch die Kritikwürdigkeit des Opfer-Abos (nicht des Wortes, sondern des damit zutreffend benannten Sachverhalts) bestätigt hat.

Lethe 18.01.2013 | 09:53

hat sich mal jemand Gedanken dazu gemacht, was aus dem Umstand, dass "Opfer-Abo" nun das "Unwort des Jahres" ist, eigentlich erfolgt? Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft es allein in diesem Blog genannt wurde. Ähnliche Diskussionen dürften überall in interessierten Kreisen noch ein, zwei Wochen lang stattfinden. Danach ist das Wort im Sprachgebrauch, vor allem aber im Denkgebrauch zementiert.

freedom of speech? 18.01.2013 | 11:12

Tja, großes Kino zu Lasten Aller. Ein Wort, das vorher fast Niemand kannte, entfaltet jetzt erst so richtig Wirkung.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/joerg-kachelmann-verteidigt-unwort-des-jahres-opfer-abo-a-877704.html

"Nur ein Einsender hatte den Begriff vorgeschlagen, teilte die "Unwort"-Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt mit."

Wer das wohl war?

Frau Schwarzer wohl nicht? Sie hatte ja die Begriffe "einvernehmlicher Sex" und "Unschuldsvermutung" als Unworte des Jahres in einer Glosse vorgeschlagen. http://www.stern.de/lifestyle/leute/unwort-des-jahres-alice-schwarzer-gratuliert-jury-zum-opfer-abo-1955087.html

Was auch nicht weiter verwundert, der Dame ist die "Unschuldsvermutung" schon unangenehm begegnet. (LG Köln, e.V. vom 23.12.2011, Az. 28 O 1081/11).

http://www.stern.de/panorama/verletzung-des-persoenlichkeitsrechts-kachelmann-gewinnt-gegen-schwarzer-1849824.html

Nun ja, wer auch immer der/die Vorschlagende war, ist eigentlich unwichtig.

Die "Jury" sollte sich aber an ihrem eigenen Ziel http://www.unwortdesjahres.net/ messen „Ein sensiblerer Umgang mit Sprache in der öffentlichen Kommunikation“ http://www.unwortdesjahres.net/und sich möglichst bald selbst auflösen.

 

mwN:

https://www.freitag.de/autoren/marion-zieglauer/unwort-des-jahres-2012-opfer-abo#1358426452794370

 

Ptolemäus 18.01.2013 | 21:50
Opfer-Abo ein Unwort? Also die Kirche hat ein Opfer-Abo, weil man Geldstücke in den Opferstock werfen soll. Der Staat hat ein Opfer-Abo, weil man Steuern bezahlen muss. Die Frau Schwarzer hat ein Opfer-Abo, derweil man sich ihr Geschwätz im TV anhören muss. Was ist an Opfer-Abo schlecht? Ich meine das ist das geilste Wort des Jahres! Opfer-Abo, Opfer-Abo, Opfer-Aboooo, Opfer-Aboooohoho, Opfer-Abo,....
kay.kloetzer 19.01.2013 | 00:53

Interessante Sammlung. Es geht aber, glaube ich, hier nicht zuerst um Kachelmann, sondern darum, Wörter zu hinterfragen und darauf zu achten, was man sagt, was ein unbedacht ausgesprochener Begriff (okay, unbedacht trifft es hier schlimmstenfalls nicht) eigentlich.bedeutet. Ich finde, man kann die wahl spontan unglücklich finden, weil man den eigenen sprachschatz nicht gespiegelt sieht, aber wer die Erklärung dazu gelesen hat, sollte damit leben können, dass er nicht gemeint ist. Wer gemeint ist, sollte nicht damit leben können.

freedom of speech? 19.01.2013 | 13:38

Es geht hier nicht zuerst um Kachelmann, sondern darum, Wörter zu hinterfragen.

Nun nehmen wir an, es wäre so. Wo geht "es" denn los? Wohl doch erst mal beim Wort selbst. Beginnend mit dem Wort,  was bedeutet eigentlich: "Opfer Abo?"

Ist es das käuflich erworbene Recht eines Sadisten, in einem bestimmten Zeitraum turnusmäßig wiederkehrend (Abonnement) ein Opfer in Anspruch nehmen zu dürfen?

Ist es das käuflich erworbene Recht eines Masochisten, in einem bestimmten Zeitraum turnusmäßig wiederkehrend als Opfer behandelt zu werden?

Ist es das Abonnement, das einem Opfer gehört? Wobei Opfer als beliebter Begriff in der Jugendsprache verwendet wird? Du Opfer, du!

Die Bedeutung von Opfer-Abo war bis zur Juryentscheidung wohl fast Niemandem klar.

Man braucht demnach zum Verständnis des Wortes zwingend die Kenntnis des Kontextes.

Und was ist der Kontext? Nichts anderes als der Fall Kachelmann selbst.

Und da geht das Auslegungsdrama weiter. Ist es bedeutungsstiftend, was der Erfinder des Wortes sich dabei gedacht hat oder ist entscheidend, was das Publikum des Prozesses verstehen konnte?

In beiden Fällen ist jedenfalls für die Auslegung von wesentlicher Bedeutung, wie der Prozess ausgegangen ist:

Hätte Kachelmann verloren,  stünde es als trotzige und fadenscheinige Rechtfertigung eines Schuldigen, der keine Reue zeigt, da. Keine ungewöhnliche Sache.

Kachelmann hat aber nun mal gewonnen. Demnach ist es die Klage eines unschuldig 4 Monate in U-Haft festgehaltenen Justizopfers. Auch keine ungewöhnliche Sache.

Es fragt sich nun, ob die Klage berechtigt ist.

Aus subjektiver Sicht des Justizopfers liegt es nahe, die Schuld für das erlittene Unrecht einer bestimmten Struktur in die Schuhe zu schieben. Es wäre ein Erklärungsversuch für sein Schicksal.

Trifft die mit Opfer-Abo beschriebene Struktur aber auch im Allgemeinen zu?

Mensch (ich leih mir den Ausdruck von TTG) kann in Anbetracht des Falles Kachelmann wohl nicht mehr behaupten, dass so eine Struktur überhaupt nicht existieren kann.

Das Gericht hat eben nicht bestätigt, dass die Nebenklägerin ein Opfer ist, obwohl sie das behauptet und damit den Fall mit mediengestützter Dynamik ins Rollen gebracht hat.

Frau Schwarzer wurde einstweilig verboten, solcherlei zukünftig zu behaupten. Im Einzelnen:

http://www.hoecker.eu/mitteilungen/artikel.htm?id=215

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fehlerhafter-bericht-alice-schwarzer-soll-kachelmann-anwalt-5000-euro-zahlen-a-730231.html

Und nun kommt eine "Jury" und zieht das Ganze noch einmal medienwirksam durch die Presse. Dies mit der Behauptung:

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2012.pdf

"Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann."

Was soll das bedeuten?

Den konkreten Fall Kachelmann "außen vor" zu lassen ist - wie oben erläutert - schwer möglich, weil sich das Wort nur im Kontext Kachelmann überhaupt verstehen lässt.

Zum Anderen ist es widersprüchlich, wenn die Jury zwar nicht Aussagen treffen (urteilen) will, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können, dann aber von gängigen Vorurteilen in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen spricht.

Ja, was denn nun?

Im Fall Kachelmann jedenfalls hat es sich lediglich als Vorurteil heraus gestellt, dass Kachelmann Täter und die Klägerin Opfer sei.

Das scheint aber nicht in den Kram der Jury zu passen.

Ist das ein "sensiblerer Umgang mit Sprache in der öffentlichen Kommunikation?“ oder ist es geradezu die Bestätigung, dass Strukturen, die als "Opfer-Abo" bezeichnet werden können, tatsächlich existieren?

 

Viele Grüße

fos?