Klaus Raab
31.01.2013 | 09:00 16

Ab durch die Vordertür

Alltagskommentar Wesentlich für das Gelingen eines Herrenwitzes ist, dass er nicht zu vertrackt ist. Und: Bloß keine Ironie! Sonst läuft er nämlich Gefahr, zum Herrenwitzwitz zu werden

Ab durch die Vordertür

Der Herrenwitz erfordert ein präzises Verständnis der sozialen Rolle des Herren in Abgrenzung zu Nicht-Herren

Foto: jimbowen 0306/ Flickr (CC)

Man hat mich gebeten, über den Herrenwitz zu schreiben. Da ich mich gern auf mir unbekanntes Terrain begebe, habe ich zugesagt. Es handelt sich, wie ich herausgefunden habe, beim Herrenwitz um ein aus zwei Komponenten zusammengesetztes Hauptwort: Herren und Witz. Ein Witz ist ein in der Regel kurzer Text, der häufig mit einem überraschenden Effekt endet. Ein Beispiel: „Kommt ein Schwein rein und sagt“ – jetzt kommt der Effekt – „muh.“

Der Herrenwitz als Sonderform des Witzes ist nicht, wie der Name zu suggerieren scheint, als Witz eines Herrn zu verstehen; dann wäre jeder von einem Herrn gemachte Witz ein Herrenwitz. Es handelt sich vielmehr um einen Witz von und für Herren. Er erfordert daher ein präzises Verständnis der sozialen Rolle des Herren in Abgrenzung zu Nicht-Herren wie Ärztinnen, Blondinen, Hausdrachen, Schwiegermüttern und Schwulen. Der Herr ist ein die Freuden des Körperkontakts schätzendes Mitglied der Gesellschaft, das deren Undurchlässigkeiten erträgt, verteidigt, nicht kennt oder sich nicht von ihnen betroffen fühlt.

Schön auf der ersten Ebene bleiben

Wesentlich für das Gelingen eines Herrenwitzes ist, dass er nicht zu vertrackt ist. Eine Blondine ist in einem Herrenwitz immer das Mitglied einer homogenen Menschengruppe, das, wenn es morgens betrunken unter einer Kuh aufwacht, sagt: „Und wer von euch vier fährt mich jetzt nach Hause?“ Es geht also um die klare, unverblümte Wiedergabe von Beobachtungen, die nie jemand gemacht hat.

Und besonders wichtig: Keine Ironie! Sonst läuft der Herrenwitz Gefahr, ein Herrenwitzwitz zu werden, also ein Witz über den Witz, wie die in Harald Schmidts Show rezitierten „Klassiker des Herrenwitzes“. Ein guter Herrenwitz macht sich aber nicht auf der zweiten Ebene über etwas lustig. Er kommt mit Anlauf durch die Vordertür, setzt sich an den Tresen und macht dem Busen der Barfrau schöne Augen.

Das Doppelbödige am Herrenwitz ist, dass er von unüberwindbaren biologischen Unterschieden handelt, diese aber selbst infrage stellt. Der Herrenwitz tut nämlich so, als handle er von der Natur der Blondine. In Wahrheit aber handelt er von der Kultur der Männer. Kultur kann man lernen. Auch Frauen können daher unter bestimmten Umständen (masochistische Grundveranlagung; vollzogene Komplettanpassung an die Kultur eines männlich dominierten Aufsichtsrats; vorherrschender Wunsch, sich von anderen Frauen abzugrenzen) glaubhaft einen Herrenwitz erzählen, sofern sie Herren im Geiste sind.

Kommentare (16)

Pjotr 'Petka' Pustota 31.01.2013 | 10:05

was hat dieses billege kommentar mit sexismus zu schaffen? erst ein verleger, der in seiner spon-kolumne die debatte ins lächerliche zieht und nun noch das hier ... was ist los bei euch in der redaktion? <blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p><a href="https://twitter.com/search/%23Sexismus">#Sexismus</a>: Wesentlich für das Gelingen eines Herrenwitzes ist, dass er nicht zu vertrackt ist &gt;&gt; <a href="https://t.co/DAhBkacw" title="https://www.freitag.de/autoren/klaus-raab/mit-anlauf-durch-die-vordertuer">freitag.de/autoren/klaus-…</a></p>&mdash; der Freitag (@derfreitag) <a href="https://twitter.com/derfreitag/status/296903930321985537">31. Januar 2013</a></blockquote>
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Wolfram Heinrich 31.01.2013 | 15:27

Apropos Herrenwitz:

Vor fast einem Jahr hat Calvani in einer Diskussion über Literatur einen Herrenwitz eingestellt, der ihr sehr gut gefallen hat.

 

In einem Kommentar hatte ich mich gewundert, daß so ein oberplumper Witz, der Frauen und ihre (angeblich) primitiv-mechanische Sexualität verhöhnt, gerade bei einer Frau so gut ankommt (er kam auch noch bei einer zweiten Frau sehr gut an). Daran schloß sich eine etwas ausführlichere Diskussion an.

Okay, ich gebe zu, daß die Verhöhnung der Frauen in obigem Witz ziemlich gut versteckt ist, man entdeckt sie erst bei genauerem Hinschauen.

 

Ciao

Wolfram

atoz 02.02.2013 | 16:40

das ist ein feature und kein bug!!

na hoffentlich lassen sich scripte externer webseiten hier nicht einbetten - suchen sie in einer geeigneten suchmaschine mal nach dem begriff "cross site scriting" / XSS oder auch "cross site request forgery" / CSRF etc.etc -> owasp.org ist auch ein ganz guter anlaufpunkt um sich ueber die sicherheitsproblematik von webangeboten zu informieren ...

 

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