kopfkompass
10.06.2012 | 12:43 51

Leipziger Dummheit: Bürger gegen Asylbewerber

Die Stadt Leipzig will eine marode Massen-Unterkunft für Asylbewerber am Rande der Stadt schließen und die Bewohner in mehrere kleine über das gesamte Stadtgebiet verteilte Einheiten umsiedeln. Nun wurde eine Bürgerinitiative gegründet um genau das zu verhindern.

Hier ein sehr sehenswertes Video zum Sachverhalt.

Bei diesem Protest geht es aber nicht um Asylbewerber. Es geht auch nicht um Menschen. Sondern um Dummheit. Und Rassismus - also Dummheit. Was deshalb besonders schmerzt, weil sie sich ausgerechnet in der Stadt Bahn bricht, die wie keine zweite in Deutschland für den Wunsch nach Demokratie, die Wahrung der Bürgerrechte und friedliches Zusammenleben stehen will. Die als Marke geschützte Leipziger Freiheit wird augenblicklich offenbar auch als die Freiheit nicht Nachzudenken verstanden.

Der Mechanismus ist alt: Ein Klischee, das man beim Frisör, am Stammtisch oder beim Geraniengießen aufgeschnappt hat, wird wieder und wieder weitererzählt. Solange bis man denkt, es wäre eine Meinung. Die eigene, sogar. Das ist gut zur Selbstvergewisserung. Zur Sicherung der Gruppenzugehörigkeit. Zur Erzeugung von Gemütlichkeit. Das gute Gefühl, sich gemeinsam zu echauffieren, mit der Zunge zu schnalzen, den Kopf zu schütteln und die Arme in die Hüften zu stämmen. Es macht mich traurig: Die Leipziger Dummheit gibt es eben auch. Sie grinst bräsig aus einem pinkfarbenen Top und sagt:

Na die müssen nicht unbedingt hier hin, weil hier ist ja ein Wohngebiet und das passt halt nicht hier her.

oder:

Man kann auch nicht 70 Mann auf einem Fleck in ein Wohngebiet eingliedern. Das geht nicht.

oder:

Die Leute haben Angst […] vor der Zunahme der Kriminalität: Drogenkriminalität, Beschaffungskriminalität…

Natürlich sind das keine Argumente! Das sind Parolen! Was nur deshalb niemand bemerkt, weil niemand fragt. Es gibt keinen wahren Kern darin. Es gibt überhaupt keinen Kern!

Ich behaupte, dass niemand, der in dieser Bürgerinitiative organisiert ist jemals mit einem Asylbewerber gesprochen hat. Und auch niemanden kennt, der jemanden kennt, dem diese möglicherweise sehr erhellende Erfahrung zuteil wurde. Ich behaupte außerdem, dass niemand der diese Parolen gefällig wiederkäut, auch nur eine Minute darüber nachgedacht hat, worüber er eigentlich spricht. Keine einzige dieser Parolen würde einer Überprüfung standhalten. Und da rede ich nicht von Studien. Keine dieser Parolen ist einen Gedanken weiter noch wahr.

Wer sind eigentlich Asylbewerber? Kriminelle? Drogenabhängige? Zuhälter? Kinderschänder? Oh, Moment: Sind Asylbewerber nicht Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt, unterdrückt oder mit dem Tode bedroht werden? Die ihr Zuhause hinter sich lassen, weil sich Ihnen dort keine lebenswerte Perspektive bietet?

Wenn Asylbewerber nicht ins Wohngebiet passen, wo passen sie denn dann hin? Ich weiß schon: Am Besten, sie gehen dorthin zurück, wo sie herkommen. Wirklich? Sind nicht gerade viele Leipziger vor gar nicht allzu langer Zeit selbst wegen politischer Verfolgung und Unterdrückung aus Ihrem Land in ein anderes geflohen? Und waren die nicht sehr froh darüber, eben nicht einfach so wieder zurückgeschickt zu werden? Haben nicht gerade viele von uns vor nicht allzu langer Zeit ihre Heimat verlassen um anderswo ihr Glück zu suchen? Und mussten sie auf dieser Suche nicht selbst zunächst auf Rechnung einer fremden Gemeinschaft beherbergt werden?

Wollen wir nun jene, die bei uns Schutz suchen allen Ernstes auch in Zukunft in eine verlassene Kaserne pferchen, in der ihnen nachts die Kakerlaken übers Gesicht laufen? Die in einer Gegend steht, in der sie von der Leipziger Freiheit nichts anderes als ein Gewerbegebiet, eine Ausfallstraße und einen Puff zu Gesicht bekommen? Und wollen wir uns dann allen Ernstes vor einem MDR-Mikrofon versammeln um über mangelnde Integration zu ningeln? Ist das das Land, das wir verkörpern wollen?

Ich schäme mich.

Dabei sollten die sich schämen!

 

Weiterführend: Appell zur Unterstützung Asylsuchender in Leipzig

Kommentare (51)

heidenplejer 10.06.2012 | 17:58

"Bei diesem Protest geht es aber nicht um Asylbewerber. Es geht auch nicht um Menschen. Sondern um Dummheit. Und Rassismus - also Dummheit."

Doch @kopfkompaß: es geht sehr wohl um Asylbewerber und verschiedene Menschen. Und um Dummheit geht es überhaupt nicht. Die Leipziger, die sich auf dem Video äußern, sind keineswegs dumm. Sie sind so intelligent wie Du, aber sie haben andere Interessen - Eigeninteressen, die mit den Interessen der Stadtverwaltung kollidieren. Diese Interessen als Dummheit und Rassismus abzuqualifizieren, geht nicht an.

Wie Du weißt, gibt es ganz ähnliche Interessenkonflikte in Wohngebieten, wo entlassene Strafgefangene eine feste Bleibe erhalten sollen - oder auch bei Neuansiedlungen von Kindergärten, deren befürchtete Lärmbelästigung und die makabren Auseinandersetzungen um MIK- und MAK-Werte.

Bürger, die sich dagegen wehren sind nicht dumm. Ihre Initiativen müssen ernst genommen werden wie andere Bürgerinitiativen auch. Ich bin ziemlich sicher, dass keiner der Interviewten in Leipzig will, dass Asylbewerber auf Dauer in der Scheiße hocken.

Eine Stadtverwaltung hat einfach einen langen Weg vor sich, um eine bessere Lösung wie in Paunsdorf zu finden. Einfach so planen und im Stadtrat beschließen lassen sich jedenfalls solche schwierigen Probleme nicht.

Nordgeist 10.06.2012 | 18:27

LEIPZIGER FREIHEIT; oder die Freiheit die "kopfkompass" meint! Die erlaubte Ablehnung und nachvollziehbare Verweigerung der Bürger derart zu verunglimpfen und zu beleidigen zeigt ja wohl den wahren Geist des Texters. Wieso fehlt hier eigentlich nicht auch noch die dümmliche Nazi-Keule, dann wäre der Kopfsalat, bzw. die Orientierungslosigkeit perfekt.
Übrigens, ja, wer sind eigentlich "die Asylbewerber"? Das frage ich mich oft genug auch und finde nicht überwiegend akzeptable Antworten! Die Leipziger müssen sich absolut nicht schämen, da wären mir die Politiker, die diesen Zuwanderungs-Wahnsinn betreiben, absolut in der Pflicht

Nordgeist 10.06.2012 | 18:27

LEIPZIGER FREIHEIT; oder die Freiheit die "kopfkompass" meint! Die erlaubte Ablehnung und nachvollziehbare Verweigerung der Bürger derart zu verunglimpfen und zu beleidigen zeigt ja wohl den wahren Geist des Texters. Wieso fehlt hier eigentlich nicht auch noch die dümmliche Nazi-Keule, dann wäre der Kopfsalat, bzw. die Orientierungslosigkeit perfekt.
Übrigens, ja, wer sind eigentlich "die Asylbewerber"? Das frage ich mich oft genug auch und finde nicht überwiegend akzeptable Antworten! Die Leipziger müssen sich absolut nicht schämen, da wären mir die Politiker, die diesen Zuwanderungs-Wahnsinn betreiben, absolut in der Pflicht!

Popkontext 10.06.2012 | 18:31

Wenn ich etwas falsch verstanden habe, korriegiere ich mich gern. Meine Schlussfolgerungen muss ich aus folgenden Aussagen ziehen:
"Diese Interessen als Dummheit und Rassismus abzuqualifizieren, geht nicht an."
Ist es rassistisch, zu sagen, Asylanten haben in einem Wohngebiet nichts zu suchen oder ist es rassistisch?
"Wie Du weißt, gibt es ganz ähnliche Interessenkonflikte in Wohngebieten, wo entlassene Strafgefangene eine feste Bleibe erhalten sollen."
Werden da Ausländer mit Kriminellen gleichgesetzt?
"bei Neuansiedlungen von Kindergärten, deren befürchtete Lärmbelästigung"
Wir da davon ausgegangen, dass der Ausländer an sich laut ist und kann das sein, dass das auch massiv rassitisch ist?

heidenplejer 10.06.2012 | 18:56

Ich habe mit Asylbewerbern aus verschiedenen Ländern seit vielen Jahren beruflich zu tun, kenne durch die Asylverfahren einen Teil ihrer Anwälte und habe auch Kontakt mit der Stadtverwaltung. Ich rede mit Asylbewerbern oftmals auch über einen längeren Zeitraum, wenn es ihnen gelungen ist, aufgrund mancher sprachlicher Schwierigkeiten Vertrauen zu fassen und daran zu glauben, dass Ihnen auch mit meiner Hilfe ihre rechtliche, aber auch ihre ganz private und familiäre Situation vielleicht etwas erleichtert werden kann.

Aber ich lebe auch in einem Wohngebiet und habe während meiner Bereitschaftsdienste als Arzt alle umliegenden Heime für Asylbewerber im Lauf der Jahre kennengelernt, war in ihren Zimmern, saß auf ihren Betten und kenne ihr Leben ganz gut.

Dass daneben aber die Einwände und die derzeitige Ablehnung der leipziger Bürgerinitiativen zu vernachlässigen seien, denke ich nicht.

Ich wiederhole noch einmal: ich sehe den leipziger Stadtrat in der Pflicht, er muß gemeinsam mit seinen Bürgern zu einer tragbaren Lösung kommen und kann in einer so heiklen Frage nichts durchboxen wollen.

Popkontext 10.06.2012 | 19:08

Das ist wieder eine ganz andere Perspektive. Dass man nichts erreicht, wenn man die Leute nur als Rassisten (was sie sind) beschimpft, sondern das man sie mit ihnen reden muss und ihnen ihre eigenen Vorurteile klar machen muss ist klar. Das wäre z.B. eine Sache der Politik, aber genau das scheint ja auch angedacht, was aus dem Beitrag hervorgeht.

Nur wenn du sagst, das wäre nicht dumm und rasstisch, was die Anwohner da von sich geben, machst du dich damit gemein. Im übrigen habe ich auch schon mit Leuten geredet, die jahrelang mit Asylbewerbern gearbeitet haben bzw. jahrelang geschäftlich in islamischen Ländern tätig waren, die trotzdem nicht in der Lage waren, die Menschen als gleich anzuerkennen und es irgendwie schafften, die Vorurteile aufrechtzuerhalten, und nicht darüber hinauszuschauen. Das ist einfach eine Frage der Haltung und ganz sicher der Erziehung. Ich hatte das Glück, dass mir schon als Kind beigebracht worden ist, Menschen nicht nach Hautfarbe und kultureller Herkunft zu bewerten, weshalb ich bis heute auf jede Form von Rassismus sehr allergisch reagiere.

kopfkompass 10.06.2012 | 20:44

Ja, mein Text ist polemisch, aber nicht halb so polemisch wie das Gezeter der Bürgerinitiative. Aber nein, ich finde, ich muss für deren Bedenken überhaupt kein Verständnis haben. Und zwar so lange nicht, wie sich ihre gesamte Argumentation lieber an gefühlten oder aus der Bild-Zeitung gelernten Weisheiten entlang hangelt anstatt an Fakten. Warum zitieren sie keine Studien, die belegen, dass die Kriminalität im Umfeld von Asylbewerberheimen ansteigt? Weil es keine gibt.

Die Bürgerinitiative will keine Asylbewerber in Leipzig-Wahren. Ich hätte einige Schwierigkeiten zu argumentieren, warum das nicht rassistisch sein sollte. Und noch schwerer würde es mir fallen einzusehen, wie Rassismus jemals etwas anderes als dumm sein könnte.

kopfkompass 10.06.2012 | 20:47

@musica Es gibt Wohnungsleerstand und nicht zu wenig. Es ist tatsächlich auch geplant Asylbewerberfamilien in separaten Wohnungen unterzubringen. Um die Menschen besser betreuen zu können ist aber angedacht, immer mehrere dieser Wohnungen an einem Ort einzurichten. Im konkreten Fall in einem leerstehenden und vor sich hin verfallenden Wohnblock.

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Ehemaliger Nutzer 10.06.2012 | 20:59

habe mir das video angesehen ... auch mir würde es schwerfallen, da nicht von dummheit+rassismus zu sprechen, zumindest jedoch davon, dass da menschen sprüche von politikern nachplappern, besinnungslos aber in dem guten gefühl, dass wenn die da oben damit wahlkampf machen die da unten das doch auch sagen dürfen müssen.

im übrigen: dezentrale unterbringung! mit gut organisierter betreuung (die muß erst mal sein - wenn sie gut ist, versetzt sie asylsuchende in die lage, sich selbst zu helfen) mit/unter einbeziehung der nachbarschaften.

Untitled 10.06.2012 | 22:48

Ich hatte mich vor langer Zeit mal von den Zuständen in diesen Heimen überzeugt. Auch Freundschaft mit Bewohnern geschlossen. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.

Was die Leute in dem Clip von sich geben ist eine Ansammlung von Vorurteilen etc. ! Trotzdem oder deswegen sollte die Stadtverwaltung, die zuständige soz. Einrichtungen ... die Situation nicht unterschätzen. Es sollte im Vorfeld nicht nur mit allen gesprochen werden, sie sollten auch einander vorgestellt werden.
Sonst ergreift ganz schnell wer anders die Chance ...

R Stilzchen 11.06.2012 | 02:20

Man bräuchte keine Asylantenheime, wenn diejenigen, die gegen Rassismus sind, mindestens einen Asylbewerber bei sich zuhause aufnähmen und ihn verpflegten. Billiger und bequemer ist es natürlich, andere als Rassisten zu beschimpfen und sich selber als besseren Menschen darzustellen.
Was haben Sie, Popkontext, ganz persönlich, ganz konkret bisher für Asylbewerber getan?

Popkontext 11.06.2012 | 03:19

Ihr Satetement läd zwar nicht direkt dazu ein, aber ich beantworte Ihnen die Frage trotzdem: Ich habe mich mein ganzes Leben lang gegen Rassismus und die Blut- und Boden-Mentalität in Deutschland eingesetzt, in diversen konkreten Zusammenhängen, und auch für konkrete Aktionen, wo Menschen abgeschoben werden sollten. Ich hatte auch mal einen Bekannten, der Asylbewerber war, den ich zufällig kennnengelernt habe und dem ich so weit es mir möglich war versucht habe zu helfen, auch einfach mit Freundschaft z.B., und auch mit Unterkunft und Essen. Ich konnte es trotzdem nicht verhindern, dass er abgeschoben wurde. Und ich habe meine Nachbarn nie nach Hautfarbe oder Aufenthaltsstatus beurteilt, sondern immer nur danach, ob es nette Leute waren oder nicht. Wenn sich mehr Leute so verhalten würden - wobei ich ganz sicher nicht die einzige bin und andere noch viel mehr machen -, würde das sicher einige ökonomische Faktoren noch immer nicht verändern, die ganze Sache aber für alle sehr viel entspannter und vergleichsweise menschlicher machen.

TheGurkenkaiser 11.06.2012 | 10:16

Danke für Ihren Kommentar, Popkontext!
Was hier (also in den Kommentaren) passiert ist schrecklich: Leute, die den rassistischen Mob von Leipzig als rassistischen Mob bezeichnen werden angegangen. Das ist die neue politische Korrektheit: Alles was rechts ist muß verharmlost werden.

Selbstverständlich ist jede Ablehnung von Asylwerber_innen rassistisch, wer das leugnet macht sich zum/zur Komplizin, ist also auch Rassist oder Rassistin.

Also nochmal Danke für die klaren Worte an popkontext und kopfkompass.

An letzteren habe ich allerdings doch einen Einwand: "Dumm" ist das glaube ich nicht, was die Leipziger Bürgerinnen und Bürger da veranstalten: Sie suchen ihren eigenen Vorteil in einem kapitalistischen System. Das „Argument“, dasss die Grundstückspreise sinken könnten wurde von denen ja explizit genannt. Dann die Konkurrenz um Jobs usw. Es ist unter Bedingungen des freien Marktes (keine Anführungsstriche – es ist einer!) durchaus vernünftig, rassistisch zu sein und mit allen mitteln potenzielle Konkurrent_innen zu bekämpfen. Rassismus ist marktkonform und wird durch den Markt verstärkt. Kapitalismus ist Rassismus.

heidenplejer 11.06.2012 | 11:30

"Selbstverständlich ist jede Ablehnung von Asylwerber_innen rassistisch, wer das leugnet macht sich zum/zur Komplizin, ist also auch Rassist oder Rassistin."

Das ist konsequent zu Ende gedacht. Sicher wird Dir aber kein Asylbewerber bekannt sein, der mit Dir zusammen eine neue und rassismusfreie, also transkapitalistische Gesellschaftsordnung aufbauen will. In der Regel will er Teilhabe am Kapitalismus, will Arbeit, Verdienst, Konsum oder selbst Handel treiben. Und spätestens, wenn er seinen Zielen deutlich näher gekommen sein wird, beginnt er sich gegen weitere Zuwanderung zu wehren und wird selbst rassistisch, falls ihm durch weitere Zuwanderung seine mühsam geschaffenen Werte in Frage gestellt werden. - Die Dinge liegen also ziemlich kompliziert im real existierenden Kapitalismus. Und solange Du keine neue Gesellschaftsordnung auf den Weg bringen kannst, ist es eher sinnvoll, die Fronten, die durch die verschiedenen Eigeninteressen vorhanden sind und immer wieder neu entstehen, durch die Suche nach unaufgeregten und menschlich fairen Lösungen zu mildern. - Wenn Du ein solches Bemühen als Verharmlosung von Rassismus ablehnst, sei Dir das allerdings unbenommen.

anne mohnen 11.06.2012 | 11:32

Lieber Kompass,

ich kann Ihnen nur zustimmen.
Integration funktioniert erst dann, wenn sie mit den Bürgern kommuniziert wird!
Das ist freilich der beschwerlichere, wohl aber auch der zielführendere Weg.
Es gibt genug Modelle, bestens erprobte Ansätze, wie so ein Weg funktionieren kann. Da brauchen Komunen, Städte nicht mehr das Rad neu zu erfinden.

Und ja, den Bürgern ist eben zuzutrauen und nicht einfach zuzumuten, dass sie mit Bürgern unterschiedlicher Provenienz gut leben können.

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Ehemaliger Nutzer 11.06.2012 | 11:36

"Sicher wird Dir aber kein Asylbewerber bekannt sein, der mit Dir zusammen eine neue und rassismusfreie, also transkapitalistische Gesellschaftsordnung aufbauen will."

mir schon. und nicht nur eine_r!

es soll hierzulande übrigens auch asylberechtigte geben.
die rede von "Asylbewerber" ist leicht irreführend. asyl ist schließlich kein job! ich schlage vor, von "Asylsuchenden" zu sprechen.

anne mohnen 11.06.2012 | 12:02

@ Popkontext

"Ich habe mich mein ganzes Leben lang gegen Rassismus und die Blut- und Boden-Mentalität in Deutschland eingesetzt, in diversen konkreten Zusammenhängen, und auch für konkrete Aktionen, wo Menschen abgeschoben werden sollten."

Tja, das sind statemnets gegen die keiner ankommt. Die glaubt man oder auch nicht!

Fraglich wird es dann, wenn Sie sich hier gegen "die Blut- und Boden-Mentalität in Deutschland"
eingesetzt haben wollen.
Fraglich wird es, wenn Sie, die Sie ja "gegen Rassismus" sind, gleich diese Keule zur Hand haben und andere hier im Thread damit zwingen, sich bekennerhaft dagegen zu verwahren.

In der Debatte in Leipzig geht es um strukturelle Probleme, die aufzuzeigen, bleiben Sie hier schuldig.
Argumentieren die Gegner qua Definitionem rassistisch, wer sind eigentlich "die Gegner", zeigen sie Gesicht etc. Wie hat die Stadt den Zuzug kommuniziet?

Und eins vorweg. Ja, ich bin dafür, dass Bürger unterschiedlichster Herkunft in Leipzig und anderswo miteinander leben. Das ist keine Zumutung, sondern das macht eben eine lebendige, demokratische Kommune aus.

TheGurkenkaiser 11.06.2012 | 12:21

Was hat diese Spekulation darüber "was Asylbewerber wollen" mit meinem (logischen) Argument zu tun. Und: Woher wissen sie, welche Asylbewerber ich kenne?

@musica Ja stimmt soweit, die kritik an meinem Sprachgebrauch nehme ich an, nur dass der Begriff "asylberechtigt" sozusagen eine Staatsapologie ist: Mir ist das egal, wer ein Recht auf Asyl hat. Recht ist eine staatlich-juridische Kategorie nach der ich mich jedenfalls nicht richten würde, denn darin steckt ja schon die unterscheidung wer darf rein und wer nicht. Man muss schon dafür eintreten dass alle reindürfen die wollen. Recht hin oder her.

TheGurkenkaiser 11.06.2012 | 12:21

Was hat diese Spekulation darüber "was Asylbewerber wollen" mit meinem (logischen) Argument zu tun. Und: Woher wissen sie, welche Asylbewerber ich kenne?

@musica Ja stimmt soweit, die kritik an meinem Sprachgebrauch nehme ich an, nur dass der Begriff "asylberechtigt" sozusagen eine Staatsapologie ist: Mir ist das egal, wer ein Recht auf Asyl hat. Recht ist eine staatlich-juridische Kategorie nach der ich mich jedenfalls nicht richten würde, denn darin steckt ja schon die unterscheidung wer darf rein und wer nicht. Man muss schon dafür eintreten dass alle reindürfen die wollen. Recht hin oder her.

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Ehemaliger Nutzer 11.06.2012 | 12:34

@TheGurkenkaiser
meine kleine sprachkritik hatte lediglich den zweck, darauf hinzuweisen, dass nicht einmal von staats wegen alle asylsuchenden im zustand der suche+ des nicht-findens verbleiben. manche werden tatsächlich als asylberechtigte und damit ihr begehren als ein politisches anerkannt.
manche werden auch einfach nur "aufgenommen". z.b. als kontingent-flüchtlinge.

aber: man muß sich an diese staatspolitischen vorgaben nicht halten. ich tu es in meinem umgang mit flüchtlingen/asylsuchenden wie gefunden-habenden jedenfalls nicht.

Katia Alt 11.06.2012 | 21:26

Das ist eine sehr gute Frage!

Ich bin sehr dafür, dass man ganz normale Wohnungen diesen Menschen zur Verfügung stellt. Überall in der Stadt und es gibt viele freie Wohnungen. Diese dezentrale Unterbringung ist nur die Schaffung vieler kleiner Heime und damit keine dezantrale Unterbringung. Was sicherlich dennoch tausendmal besser als die marode jetzige Unterkunft ist. Aber es wären wieder "Heime" und das sollte nicht so sein.

Schafft Wohnungen für Asylbewerber, sie sind ganz normale Menschen, die unter ganz normalen Bedingungen leben wollen und sollen, wie alle anderen es auch tun.

Ich schäme mich für meine Heimatstadt und für diese Rassisten.

Und ich unterstelle der Stadt, die diese Plätze schaffen muss, dass sie kein Interesse an einer tatsächlichen dezentralen Unterbrinung hat, denn so sin die Menschen u.U. schwerer zu finden, wenn man sie abschieben will.

Popkontext 12.06.2012 | 00:58

@Helena
Als belesene Frau kennen Sie doch sicher diese Sache aus dem Zeitmagazin, wo Prominente ohne Worte auf ein Statement reagieren sollen. So in etwa hätten meine Freunde Daddy und Jan auf Ihr obiges Statement reagiert, würden sie es lesen. Wie kommen Sie dazu zu denken, dass ich mich vor Ihnen für irgendwas zu rechtfertigen habe? Dass ich überhaupt etwas dazu geschrieben habe, war meine persönliche Entscheidung, und vielleicht die falsche, da überhaupt drauf einzugehen.

anne mohnen 12.06.2012 | 18:34

@ Popkontext
Warum sollten Sie sich rechtfertigen, Popkontext?
Mir steht nicht zu, von jemandem Belege seines sozialen Engagements einzufordern.
Mich störte, dass Sie, weiterer oben und aus meiner Sicht allzu voreilig, die Rassismuskeule gegen einen Kommunarden zückten. Warum?

Nun, wie ich schon schrieb, möchte ich nicht von der Bevölkerung ablenken. Jedoch frage ich mich, was Behörden, resp. die Kommunen ganz konkret gemacht haben, dieses Thema in die Bevölkerung hinein zu kommunizieren. Ressentiments, Rassismus gegen Asylanten sind ja keine wirklich neuen Phänomene. Gleichwohl gibt es genug „Good-Practise-Beispiele“, Ansätze für gelungene Gemeindeentwicklung, die lehren, dass der Zuzug von Asylanten nicht per se zu einem Rassismusproblem werden muss.
So erschreckend das Video ist, so fraglich ist doch auch, warum überhaupt dieses Asylheim entstehen soll? Warum werden den Asylanten keine seperaten über das Stadtgebiet verteilten Wohnungen angeboten? Weiter oben betont Kopfkompass, Leipzig habe genug Leerstand. Warum sollen sie dann zusammengefercht auf ein paar Blogs verteilt werden.
Fragen über Fragen an die Stadt Leipzig....

KalleWirsch 13.06.2012 | 19:22

Ich frag mich ehrlich, wieso alle immer von Integration sprechen. Sind wir nicht in der Lage in unserer Verschiedenartigkeit miteinander zu leben? Worein soll sich wer integrieren. Auf diese Frage habe ich noch nie eine befriedigende Antwort erhalten. Was ist dieses Konstrukt in das wir alle uns integrieren sollen? Wofür steht es?
Wieso reicht es nicht, dass alle Menschen, die hier leben, sich an geltendes Recht halten? Wenn unsere Gesetze nicht ausreichen, um einen gesellschaftlichen Wertekonsens zu vermitteln, dann sind sie wohl unzureichend.

Wenn der Islam nicht zu Deutschland gehört, der rückständige Katholizismus aber Teil der christlichen Leitkultur dieses Landes ist, die Ehe zu einer der wichtigsten Institutionen der Gesellschaft erkoren wird, Homosexuelle aber davon ausgeschlossen sind, während aber das Grundgesetz alle Menschen als gleich ansieht und diese Gesellschaft zulässt, dass ihre Vertretung die Politik Waffenexporte in Länder erlaubt, die damit Demokratiebewegungen kurz und klein schießt.....dann möchte ich wissen, was ist das in das ich mich integrieren soll.

Und nochmal konkret. Wenn dieses Land endlich aufhören würde Flüchtlinge/Asylbewerber zu kasernieren, ihnen Wohnungen gäbe, sie zu Nachbarn werden ließe, dann wäre so manches Problem gelöst.

undundund 14.06.2012 | 17:02

hallo,
ich finde es absolut unerträglich, dass hier, auf den seiten des freitags, offen rassistische kommentare, "freie meinungsäußerungen" à la sarrazin (oder npds "sarrazin hat recht!"), landen.
ist vollkommen desillusionierend, von wegen es gebe einen gewissen grundkonsens. ich dachte, über diesen müsste man hier nicht mehr diskutieren, ziemlich rückschrittig. mich wundert, dass diese leutchen überhaupt ein forum bekommen und auch noch mit diskussionen beachtet werden. haut einfach ab, kommentiert bei euren kameraden und faselt nicht von meinungsfreiheit.
diese "bürgerinitiative" ist purer rassismus, der mob der da rumsteht wirkt wie eine art hoyerswerda-reenactment (vielleicht ja auch eine performance-gruppe?) und hier von rassismus zu sprechen ist sicher keine "rassismuskeule".
herzliche solidarische grüße an die initiativen und einzelpersonen, die es überhaupt geschafft haben, die stadt leipzig zu diesem schritt zu bewegen (bei uns in berlin war das selbst unter rot-rot nicht realisierbar, zb gibt es die industriegebiets-containerstapel in der motardstraße immer noch). ich wünsche euch viel erfolg dabei, menschenwürdige unterkünfte für alle migranten zu erkämpfen und schritt für schritt die diskriminierenden sammelunterkünfte abzuschaffen.
und danke an kopfkompass!
lino

miauxx 15.06.2012 | 02:01

"Natürlich sind das keine Argumente! Das sind Parolen!"

Damit hat kopfkompass vollends Recht!
Es wird keine Debatte um Menschlichkeit gesucht. "Argumente" wie, "Man kann auch nicht 70 Mann auf einem Fleck in ein Wohngebiet eingliedern. Das geht nicht.", sind nicht neu und wurden auch schon andernorts vorgebracht. Es sind Scheinargumente. Diese Leute kümmert es nicht, wenn Asylbewerber irgendwo in maroden Massenbehausungen leben. Aber sie kümmert es plötzlich, wenn es vor der eigenen Haustür geschieht.
Es wird sich bei einem Großteil vielleicht gar nicht um Rassisten im engeren Sinne handeln. Sie fahren bestimmt alle mal gern in die Türkei oder nach Ägypten; gehen zum Chinesen oder gar Äthiopier essen. Es ist das Phänomen der Xenophobie, das überall auf der Welt verbreitet und tief verwurzelt ist. Solange das Fremde auf einem bestimmten Abstand gehalten ist, ist alles ok.
Aber es gibt genug Beispiele, dass es so schwer gar nicht sein muss, diese Fremdenangst zu überwinden. Sie ist keine unheilbare Krankheit.

kopfkompass 15.06.2012 | 11:31

Ich habe im Zuge dieser Debatte auch nochmal intensiv über Xenophobie und Rassismus nachgedacht. Daher freut mich Dein Kommentar sehr, miauxx. Auch ich glaube, dass die Angst (oder wenigstens Vorsicht) vor dem Fremden etwas sehr tief verwurzeltes, vielleicht sogar menschliches ist. Was nichts daran ändert, wie unheilvoll das ist. Glücklicherweise kam man dem eigentlich sehr leicht beikommen: Mit Nachdenken. Daher bleibe ich dabei: Im Kern ist Rassismus dumm. Und zwar per se.

kopfkompass 15.06.2012 | 11:34

Die gute Nachricht übrigens: In drei Stadtteilversammlungen wurden die Dezentralisierungs-Konzepte, die eine Unterbringung von Asylsuchenden in den jeweiligen Stadtteilen vorsehen mehrheitlich beschlossen. Von Anwesenden weiß ich, dass die Versammlungen weitestgehend ruhig und mit breitem Konsens verlaufen sind. Was mich wirklich, wirklich froh macht.

blausax 15.06.2012 | 11:38

"Flüchtlinge/Asylbewerber zu kasernieren"
Es gibt Gegenden in D, wo es genau anders herum läuft: Bei "quer" im Bay. Rundfunk wurde von einem Landkreis in Bayern (ausgerechnet!) berichtet, wo sich die Bürger DAFÜR aussprachen, die bisher kasernierten Mitbürger fremder Herkunft im Kreisgebiet auf Wohnungen zu verteilen.

Hier war es die Kreisverwaltung, die das vehement verhindern wollte, u.a. mit dem Argument, wenn sich die Asylbewerber (vermutl. hat dort niemand "Asylsuchende" gesagt) zu wohl fühlen, kommen sie noch auf die Idee, bleiben zu wollen.

Das Video ist leider nicht mehr im Archiv, die Lobby der privaten Sender verhindert erfolgreich, das die Öff.-Rechtl. Sender zu viel für die Bildung der GEZahlenden tun kann.

BKK/LEJ 21.10.2013 | 17:03

Also zunächst mal ist der Artikel unsauber recherchiert. Das betreffende Asylbewerberheim liegt in Leipzig Paunsdorf und damit ebenfalls im einem Wohngebiet, ein anderes in Leipzig Grünau ebenfalls. Beide Heime gibt es seit Jahrzehnten, davor waren dort zumeist Vertragsarbeiter untergebracht. Natürlich sind beide Wohngebiete nach heutigem Standart lediglich dem Prekariat vorbehalten, da Platte. Deshalb hatte man bisher offensichtlich kein Problem mit Asylheimen in Wohngebieten. Da Wahren inzwischen aber eher gutbürgerlich, um nicht zu sagen spießbürgerlich dominiert wird, ist diese Angelegenheit plötzlich relevant. Ich habe etliche Jahren in der Nähe des Grünauer Heims gewohnt, aber solche dümmlichen Ausreden die hier vorgebracht werden, waren dort komischerweise nie ein Thema. Übrigens bin ich nicht wegen dem Heim dort weggezogen, sondern unsere Wohnungsgesellschaft die Modernisierung nicht hinbekommen hat. Grünau selber bin ich aber treu geblieben.