Romy Straßenburg
13.02.2013 | 11:00 36

Im Namen Allahs

Porträt Ludovic-Mohamed Zahed gründete bei Paris die erste Moschee für Homosexuelle in Europa. Er kämpft für die Homo-Ehe – und für einen Islam, der niemanden diskriminiert

Im Namen Allahs

Foto: Andreas B. Krueger für der Freitag

Ein kleines Zimmer in Algier. Im Dunkel der Nacht wälzt sich der 17-jährige Mohamed Zahed in seinem Bett hin und her. Er schaut auf den schlafenden Jungen, mit dem er das Zimmer teilt. Beide gehören zu einer Gruppe junger Salafisten. Sie beten jeden Tag zusammen, manchmal ab morgens um vier bis spät in die Nacht. Und sie pauken Arabisch. Wie besessen wiederholt Zahed Koranverse. Er will ein guter Muslim sein. Mehr noch, er will den Islam lehren und Imam werden.

Doch nun bringt die Anwesenheit dieses Jungen ihn um den Verstand. Er spürt den unaussprechlichen Wunsch, einen Mann zu berühren. Keiner darf davon erfahren. Und doch: Da sind diese Bilder, Träume und die Erinnerungen an das seit Beginn der Pubertät unterdrückte Verlangen. Es ist der Moment, in dem Zahed sich eingesteht, dass er homosexuell ist. Aber es wird noch ein langer Weg bis zu dem Punkt, an dem er eines Tages offen sagt: Ich bin ein gläubiger Muslim – und ich liebe Männer.

Fast zwei Jahrzehnte später kann er befreit darüber sprechen. Und er hat einen Ort geschaffen, der ihn mit seiner Vergangenheit versöhnt. Im vergangenen November hat er östlich von Paris eine Moschee für Schwule und Lesben, für Feministinnen und Transsexuelle eröffnet. Aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen achtet er darauf, dass die Adresse geheim bleibt. Als Treffpunkt schlägt er ein Café am Ufer der Seine vor, gegenüber von Notre Dame. Etwas abgehetzt betritt er es. Eine Besprechung mit seiner Professorin habe ihn aufgehalten, sagt er. Zahed promoviert zu seinem Lebensthema: In seiner Doktorarbeit in Anthropologie will er zeigen, wie der Koran es tatsächlich mit Homosexualität hält.

Ein anderer Islam

Er legt seinen Mantel und ein Palästinensertuch über einen Stuhl und bestellt eine heiße Schokolade. Er ist gerade ein gefragter Gesprächspartner und viel unterwegs in diesen Tagen, in denen Frankreich erbittert über das Gesetz zur Gleichstellung von Homosexuellen streitet. Alle großen Religionsgemeinschaften sind sich in ihrer Ablehnung einig. Trotz dieses Widerstands hat die französische Nationalversammlung am Dienstagnachmittag für den Gesetzentwurf für eine "Ehe für alle" gestimmt. Der Senat muss aber noch zustimmen.

Der Streit um die Homo-Ehe hat eine Debatte um Glauben und sexuelle Identität losgetreten, die in den Augen von Zahed auch viele bislang unsichtbare Muslime betrifft. Ihnen möchte er eine Stimme geben. Und eine Moschee, in der nicht gegen gleichgeschlechtliche Liebe angepredigt wird. Sie ist die einzige ihrer Art in Europa, Vorbilder gibt es in Kanada und in den USA. In Zaheds Moschee versammeln sich an die 20 Männer und Frauen regelmäßig zum Freitagsgebet. Sie eint der Traum von einem Islam, der Homosexuelle nicht zu Aussätzigen macht. „Es gibt viele Muslime, die schrecklich unter diesem angeblichen Widerspruch leiden“, sagt Zahed und lässt ein Päckchen Zucker in seine Tasse rieseln.

Paris-Algier. Das sind die Koordinaten auf seiner Reise zu sich selbst. In seiner Kindheit in Algier läuft er in den Röcken seiner Mutter durch die Wohnung, in der Schule gilt er als „Schwuli vom Dienst“. Für seinen Vater ist Homosexualität unaussprechlich. Er warnt seinen Sohn: „Eher breche ich dir das Kreuz und beerdige dich bei lebendigem Leib, bevor du so wirst.“ Sein älterer Bruder beschimpft ihn als Heulsuse und Weichei. Dann zieht die Familie nach Paris. Zahed vergräbt sich in den Koran. Mit Allahs Hilfe, so glaubt er, könne er ein richtiger Mann werden.

Wegen der Geschäfte des Vaters geht die Familie Mitte der Neunziger wieder zurück nach Algier. Zahed schließt sich dort jungen Salafisten an. Die Sehnsucht nach Spiritualität und die Faszination für den Propheten Mohammed sind zu dieser Zeit sein ganzer Lebensinhalt – bis auf diese Nächte, in denen er wach liegt.

Ein Anschlag verändert sein Leben grundlegend. Am 30. Januar 1995 explodiert eine Autobombe im Zentrum Algiers. Durch den Terror einer islamistischen Gruppe sterben 42 Menschen. „Es war eine Katastrophe für mich. Das hatte nichts mehr mit Spiritualität zu tun. Mit dieser politisch motivierten Gewalt wollte ich nichts zu tun haben“, erinnert Zahed sich heute. Sein Vertrauen in die radikalen Jünger Mohammeds schwindet. Und diese stören sich an seiner auffallenden Zuneigung zu anderen Männern. Er sorgt für Unbehagen, schließlich wird er ausgeschlossen.

C‘est comme ça! – Er ist so!

Der Bruch mit der Gemeinschaft wirft ihn in eine tiefe Lebenskrise: „Danach folgten schreckliche zwei Jahre. Ich dachte an Selbstmord. Meine sexuelle Identität war eine unleugbare Tatsache. Meinen Glauben aufzugeben, erschien mir daher damals als die einzige Lösung.“

Die Familie zieht nach Marseille und mit ihr auch Zahed, wieder ein Neuanfang in Frankreich. Mit 20 bekommt er einen französischen Pass, von nun an soll er mit Vornamen Ludovic heißen. Auf den Beinamen Mohamed will er trotzdem nicht verzichten, obwohl er seinem Glauben abgeschworen hat. Nun kann er seine lang verdrängten Wünsche ausleben. Er trifft sich mit Männern, durchgefeierte Nächte, schneller Sex. Doch nach seiner ersten längeren Beziehung folgt der Schock: Sein HIV-Test ist positiv.

Von der Zeit seines Ausprobierens und der Infektion erzählt er in dem Pariser Café fast so, als beträfe das einen Fremden. Mit einem kurzen Abwinken und ironischem Ton zeichnet er die Karikatur seines „Klischee-Homo-Lebens“, wie er sagt, als er immer neue Affären aneinanderreihte und in Bars abhing, um seinen Propheten und das Virus zu vergessen.

Während er redet, kramt er eine Mandarine aus seinem Rucksack und legt dann ihre Schalen auf die weiße Untertasse vor sich. „Wollen Sie auch eine?“ Den Hinweis auf die möglicherweise pikierten Kellner in dem vornehmen Café weist er selbstbewusst zurück. „Ich brauch jetzt Vitamine!“

Dann erinnert er sich an die Zeit, als er das Versteckspiel vor seiner Familie nicht mehr aushielt. Seinem Coming-out folgten unterschiedliche Reaktion: Entsetzen und Hass beim älteren Bruder, wochenlang Tränen bei der Mutter, Verständnis bei seiner jüngeren Schwester. „Am meisten haben mich die Worte meines Vater berührt, der sagte: C‘est comme ça! Er ist so, und wir werden ihn akzeptieren.“ Zahed hatte nach den Drohungen der Kindheit nicht damit gerechnet. Umso überwältigter und dankbarer ist er für die Reaktion.

Und Zahed findet eine neue Bestimmung. Er lernt andere HIV-Infizierte kennen und beginnt, sich in einem Hilfsverein zu engagieren. „Das erste Mal in meinem Leben sagte ich mir: Du bist ein guter Mensch, du kannst anderen helfen, du bist kein perverser Teufel.“ Die Aufgabe gibt seinem Leben wieder einen Sinn. Er reist durch Frankreich, hält Vorträge, berät Infizierte und organisiert Demonstrationen.

Eine neue Bestimmung

Um Psychologie und Anthropologie zu studieren, geht er nach Paris. An der renommierten École des Hautes Études en Sciences Sociales fällt er als intellektueller Kopf auf. Besonders mit seinen genauen Kenntnissen des Korans beeindruckt er die Professoren. Zu Studienzwecken liest er die einst auswendig gelernten Verse wieder. Ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit überkommt ihn, nachdem er eine Weile sogar im Buddhismus nach Antworten gesucht hatte. Zahed pilgert nach Mekka, es ist die Rückkehr zu Allah. „Ich hatte mich all die Jahre ausgelebt, aber ohne Freude, ohne wirklich erfüllt zu sein. Nun spürte ich endlich, wer ich wirklich bin. Mein Leben erschien mir wieder sinnvoll.“

2010 gründet er den Verein „Homosexuelle Muslime Frankreichs“, der heute 300 Mitglieder zählt. Er will andere ermutigen, aus der Unsichtbarkeit aufzutauchen. „Ich dachte zunächst, wir brauchen keine eigene Moschee. Ich wollte in den bestehenden Strukturen für unsere Rechte kämpfen. Doch dann starb ein Transsexueller und kein Imam wollte ihn beerdigen. Das hat mich betroffen gemacht. Genauso wie der Fall einer muslimischen Frau, der die traditionelle Hochzeitszeremonie verwehrt wurde, weil sie einen Christen zum Mann nehmen wollte.“ Er beschließt, eine eigene Moschee zu eröffnen und findet Hilfe bei buddhistischen Freunden, die ihm einen Raum zur Verfügung stellen.

Am 30. November 2012 lädt Zahed zum ersten Gebet ein. „Viele Muslime fragen mich, ob es bei uns völlig anders zugeht. Aber im Prinzip gleicht unser Zeremoniell dem normalen Freitagsgebet. Nur gestalte ich unser Zusammensein interaktiver, lasse die Gläubigen zu Wort kommen und diskutiere mit ihnen über Fragen und Zweifel.“ Hauptsächlich arbeitet er derzeit aber an seiner Doktorarbeit. Vergangenes Frühjahr erschien sein Buch Le Coran et la Chair („Der Koran und das Fleisch“), eine Zwischenbilanz seiner Forschungen, gepaart mit autobiografischen Elementen. „Es geht mir darum, eine intellektuelle Basis für die These zu schaffen, dass der Koran keine Homophobie lehrt“, sagt er.

Mohammed empfing auch Transsexuelle

„Die hetero-normative Tradition ist ja nicht zu Zeiten Mohammeds vom Himmel gefallen. Die Verfolgung Homosexueller sowie die Unterdrückung von Frauen ist erst mit der Politisierung des Islam ausgeartet. Unter religiösen Vorwänden hat sich so eine soziale Kontrolle installiert.“ In den Hadithen, den überlieferten Geschichten über das Leben und Wirken Mohammeds, sei die Rede von „Mukhannathun“, von androgynen Männern, offenbar auch von Transsexuellen. „Der Prophet hat sie sogar bei sich empfangen und seine Frauen angewiesen, sich den Mukhannathun unverschleiert zu zeigen, weil von ihnen keine körperliche Begierde zu befürchten war. Würde der Prophet heute noch leben, er würde Schwule und Lesben trauen“, schreibt Zahed in seinem Buch. Trotzdem betrachtet er selbst manche Homosexuellen-Aktivisten kritisch. Er sagt: „Ich bin kein eifernder Verfechter einer übertriebenen Homophilie. Ich bin nicht der Meinung, wir brauchen laufend Gay-Parades oder wir sollten alle aus Prinzip auf der Stelle heiraten. Ich will nicht ein Dogma durch ein anderes ersetzen.“

Draußen vor dem Café wartet ein junger, dunkelhäutiger Mann auf Zahed. Voilà, mon mari, mein Ehemann, stellt er ihn vor. Zahed und Qyiaam haben sich im August 2011 das Ja-Wort gegeben. Kennengelernt hatten sie sich auf einer internationalen Konferenz homosexueller Muslime in Südafrika, der Heimat Qyiaams. Dort ist die Eheschließung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen seit 2006 legal. Qyiaam spricht Französisch mit einem englischen Akzent.

Im Februar 2012 zelebrierten die beiden eine zweite Hochzeitsfeier in ihrer Wohnung in Paris, obwohl die Zeremonie vor dem französischen Gesetz keine Gültigkeit hatte. Ein Imam vermählte sie in Anwesenheit von Familie und Freunden nach islamischer Tradition. Es war die erste öffentlich bekannt gewordene Trauung dieser Art. „Ihr zieht den wahren Islam in den Dreck“, schrieben erboste Muslime in Internet-Foren. Doch Zahed erwähnt nur kurz all die hasserfüllten Nachrichten an ihn. Auch Todesdrohungen hat er nach der Moschee-Eröffnung bekommen, aber er zitiert lieber die ermutigenden Zuschriften. „Ich bin kein ängstlicher Mensch. Wir brauchen uns nicht zu verstecken wie ein verletztes Tier vor dem Schlachter“, sagt er.

An François Hollandes neuem Gesetz zur Gleichstellung hängt auch die gemeinsame Zukunft von Qiyaam und Zahed in Frankreich, da der Südafrikaner sonst keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommt. Doch die beiden sind zuversichtlich, bald ein drittes Mal Ja sagen zu dürfen.

Heute, sagt Zahed, sei er ganz bei sich und nah bei den anderen. Dann verschwindet er mit seinem Ehemann in einem Metro-Tunnel.

Kommentare (36)

KalleWirsch 16.02.2013 | 11:23

Ja, mutiger Mann. Und doch habe ich große Schwierigkeiten nachzuvollziehen, wie eben auch bei schwulen Christen und Organisationen wie HUK, wieso gläubige schwule Männer die Anerkennung von Glaubensgemeinschaften suchen, die sie als pervers, krank und lebensunwert ansehen. Ich akzeptiere diesen Weg, aber ich kann ihn nicht vestehen.

Ich hätte gerne mehr erfahren darüber, woran Ludovic-Mohamed Zahed festmacht, dass der Islam nicht homophob ist. 

Noch eine Anmerkung zum promiskuitiven Teil seiner Autobiographie. Mit den dementsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wäre es zu keiner HIV Infektion gekommen. Hat sich für mich etwas zwangsläufig gelesen.

Und bevor einige Leser denken, ja, ja, der Islam ist so rückständig, dem empfehle ich nach Uganda zu schauen, wo die evangelikale Christen in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche sich immer wieder für die Todesstrafe für Homosexuelle einsetzen. Einige Protagonisten dieser homophoben Bewegung wurden vom scheidenen Papst emfangen undteils gesegnet. Haleluja

rheinhold2000 16.02.2013 | 11:53

"

Ja, mutiger Mann. Und doch habe ich große Schwierigkeiten nachzuvollziehen, wie eben auch bei schwulen Christen und Organisationen wie HUK, wieso gläubige schwule Männer die Anerkennung von Glaubensgemeinschaften suchen, die sie als pervers, krank und lebensunwert ansehen. Ich akzeptiere diesen Weg, aber ich kann ihn nicht vestehen.

Ich hätte gerne mehr erfahren darüber, woran Ludovic-Mohamed Zahed festmacht, dass der Islam nicht homophob ist."

 

wie kann "der Islam" "das Christentum" "der was weiß ich" irgendetwas sein.

das gilt höchstens für "den katholizismus" der ja in der tat kaum reformierbar ist. weil streng hyrarchisch.

ansonsten sind teile der evangelischen kirche inzwischen nicht mehr homophob:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/evangelische-kirche-und-homosexualitaet-der-pfarrer-und-sein-mann-willkommen-im-diensthaus-1.1024035

 

die gleichung religion=homophob ist auf jeden fall falsch.

und der islam ähnelt eher der evangelischen kirche als dem katholizismus, der islam ist auch unglaublich vielfältig.

 

KalleWirsch 16.02.2013 | 11:55

Selbstbestrafung? - Ich versteh nicht ganz. Ich meine auf jeden Fall nicht Selbstbestrafung. Für mich las sich das so, als ob eine HIV Infektion bei promiskuitiver Lebensweise zwangsläufig wäre. Das hat mich gestört. Wer promiskuitiv leben will, der soll das tun, kann das auch hervorragend, wenn er/sie sich entsprechend schützt. 

Da kommen wir dann nämlich zu dem nächsten Punkt. Die Einteilung in die normalen Homos, die monogam leben, heiraten wollen und vielleicht sogar gläubig sind. Und die bösen promiskuitiven Homos, die nichts als Sex im Kopf haben und nur rumvögeln. Ich bin durchaus für die Homoehe, auch wenn ich nicht davon Gebrauch machen möchte. Aber ich beobachte auch, dass eben im Zuge der Diskussion darüber promiskuitives und hedonistisches Verhalten verteufelt werden. Das kann nicht Sinn homosexueller Emanzipation sein. 

Ob nun Zahed unbewusst aus Selbstbestrafungstrieb gehandelt hat, kann ich nicht beantworten, denn ich kenne ihn nicht. 

KalleWirsch 16.02.2013 | 12:13

Sicherlich sind die drei Weltreligionen mannigfachig aufgestellt. Nur wenn ich mich auf den Artikel beziehe, wieso muss Zahed dann seine Moschee geheimhalten, weiso bekommt er Todesdrohungen. Wieso wurde der schwule Aktivist David Kato in Uganda getötet, wieso werden Homosexuelle dort verfolgt, weiso werden Homosexuelle im Gottesstaat Iran hingerichtet? Da finde ich die Nachricht, dass ein homosexueller Pfarrer von seiner Gemeinde akzeptiert wird schön aber nicht unbedingt auf demselben Niveau, wie die Verfolgung. Zumal auf der Hompage der EDK zur Segnung homosexueller Partnerschaften immer noch dieses steht:

 Die Segnung einer homosexuellen Partnerschaft kann nicht zugelassen werden. In Betracht kommt allein die Segnung von Menschen.

Homosexuell geprägten Menschen, die allein oder in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft leben, ist in ihrer besonderen Situation "Zuspruch und Anspruch Gottes nahezubringen und die Annahme des Menschen durch den barmherzigen Gott zu bezeugen. Das schließt die Fürbitte um Gottes Schutz und Geleit mit ein."27) Wenn homosexuell geprägte Menschen im Rahmen der geistlichen Begleitung durch andere Christen für sich eine Segnung erbitten, sollten sie ebensowenig abgewiesen werden wie andere Menschen, die eine solche Bitte äußern. Ihren Ort hat eine solche Segnung in der Seelsorge und der damit gegebenen Intimität. Diese Segnung im Rahmen eines Gottesdienstes vorzunehmen, kann wegen der Gefahr von Mißverständnissen nicht befürwortet werden. In jedem Fall muß für alle Beteiligte erkennbar sein: Gesegnet wird nicht die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft als Form des Zusammenlebens, sondern gesegnet werden Menschen, und zwar in diesem Falle homosexuell geprägte Menschen, die allein oder in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft ethisch verantwortlich leben.


Ich akzeptiere, dass es Tendenzen in den drei Weltreligionen gibt Homosexuelle zu tolerieren. das ist aber noch keine Akzeptanz auf Augenhöhe. In der maßgeblichen Tendenz überwigt für mich immer noch die Ablehnung der Homosexualität in den drei Weltreligionen.

rheinhold2000 16.02.2013 | 13:23

"Ich akzeptiere, dass es Tendenzen in den drei Weltreligionen gibt Homosexuelle zu tolerieren. das ist aber noch keine Akzeptanz auf Augenhöhe. In der maßgeblichen Tendenz überwigt für mich immer noch die Ablehnung der Homosexualität in den drei Weltreligionen."

Einverstanden. Aber eben immer noch. Religionen verändern sich und da hat sich auch inzwischen viel getan. Ich wollte aber vor allem ausdrücken, dass Religion nicht Homophob sein muss. und du hattes ja nach dem Motiv des in dem Artikel beschriebenen gefragt: Er möchte halt seine Spiritualität leben.

Romy Straßenburg 17.02.2013 | 15:14

Lieber Rheinhold, 

aus Platzgründen konnte ich den Aspekt "Homophobie im Islam" nicht so ausführlich darstellen, wie Sie es sich gewünscht hätten. Dazu sind einige Absätze rausgefallen. 

Im Prinzip untersucht Mohamed-Ludovic Zahed vor allem die Frage, warum der Koran Homosexualität angeblich als Sünde verurteilt. Dabei geht es im Kern um die Geschichte des "Volkes des Lot", an die biblische Geschichte der Stadt Sodom angelegt (Sodom > Sodomie, bizarrerweise hat nur in der deutschen Sprache ein Bedeutungswandel stattgefunden (= Zoophilie), wohingegen im Englischen/Französischen Sodomie noch immer "Analverkehr" bedeutet.

Das Volk von Sodom wird von Gott verurteilt und dem Untergang geweiht und Gott warnt die Menschen, nicht so wie die Bewohner von Sodom zu handeln - daraus wurde in Koranauslegungen :  Analverkehrt = Homosexualität = Sünde

Zahed hat mir aber erklärt, dass die Sodomgeschichte nicht Homosexualität im Sinne gleichgeschlechtliche Liebe (im beiderseitigen Einverständnis) meint, sondern dass die Bewohner Sodoms das "Gastrechts" missachteten und den von Gott gesandten Engeln in Knabengestalt sexuelle Gewalt antaten...

Er gibt natürlich in seiner Doktorarbeit noch dutzende weitere Belege für seine These.

In Deutschland gibt es sehr interessante Texte von Islamwissenschafler ProfDrThomas Bauer,  

die ich sehr empfehlen kann ! 

Beste Grüße aus Paris, 

 

Romy 

Der Kommentar wurde versteckt
alalue 17.02.2013 | 18:44

Alles gut und schön. Doch wenn man die islamische Realität bedenkt, und welchen Aufwand es bräuchte, den aktuellen Muslimen die historische Sichtweise Dr. Bauers nahe zu bringen, falls das überhaupt möglich ist: dann drängt sich auf: viel Spaß im Elfenbeinturm.

Aussagen wie "Islam ist" sind alle geschenkt, solange sie nicht klar machen, worauf sie sich genau beziehen. In diesem Fall heißt es besser " Islam war.....", aber jetzt ist er was ganz was anderes.

Es gibt ja keine zentrale Instanz wie den Vatikan im Christentum, und deshalb kann sich jeder "seinen" Islam aussuchen.

Dann bleibt eben: 90 -95%  der lebenden Muslime sind homophob.

thinktankgirl 17.02.2013 | 19:37

Selbstbestrafung? - Ich versteh nicht ganz. Ich meine auf jeden Fall nicht Selbstbestrafung. Für mich las sich das so, als ob eine HIV Infektion bei promiskuitiver Lebensweise zwangsläufig wäre. Das hat mich gestört. Wer promiskuitiv leben will, der soll das tun, kann das auch hervorragend, wenn er/sie sich entsprechend schützt.

 

a) Seit x Jahren ist klar, wie man sich gegen eine Infektion schützen kann.

b) Ein Mann ist gläubig, hat aber eine sexuelle Disposition, die von seiner Religion abgelehnt wird. Er lebt seine Sexualität aus, vermutlich im Zwiespalt mit seiner religiösen Überzeugung. Diese Religion bestraft eventuell Menschen mit seiner sexuellen Orientierung.

Da der Mann der Moral widerhandelt, muß eine Strafe auf sein Verhalten folgen. Da es nicht von außen erfolgt (weil im säkularen Frankreich), übernimmt es eine innere Instanz, die ihn die Vorsichtsmaßnahmen vergessen läßt.

 

 

 

rheinhold2000 17.02.2013 | 20:16

"Alles gut und schön. Doch wenn man die islamische Realität bedenkt, und welchen Aufwand es bräuchte, den aktuellen Muslimen die historische Sichtweise Dr. Bauers nahe zu bringen, falls das überhaupt möglich ist: dann drängt sich auf: viel Spaß im Elfenbeinturm."

wieso elfenbeinturm. als erstes wird die historische sichtweise dr. bauers den schwulen moslems ermöglichen ihr schwulsein zu leben ohne mit ihrer religion brechen zu müssen (sie habens da übrigens einfacher als die christen: die bibel spricht sich ja doch im at recht eundeutig gegen schwulsein aus)

"Aussagen wie "Islam ist" sind alle geschenkt, solange sie nicht klar machen, worauf sie sich genau beziehen. In diesem Fall heißt es besser " Islam war.....", aber jetzt ist er was ganz was anderes."

ja was denn?

offensichtlich alles mögliche

"Es gibt ja keine zentrale Instanz wie den Vatikan im Christentum, und deshalb kann sich jeder "seinen" Islam aussuchen."

was ja in dem fall ein vorteil ist, bis die katholische kirche aufhört homophob zu sein können wir noch sehr sehr lange warten.

da sind teile der protestanten schon weiter

"Dann bleibt eben: 90 -95%  der lebenden Muslime sind homophob."

womit die aussage die moslems sind homophob schon mal falsch ist.

alalue 17.02.2013 | 20:57

Sie argumentieren schön intellektuell rum.

Vor einiger Zeit, als der sogenannte arabische Frühling war, wagte ein Journalist aus Saudi-Arabien den Propheten anzuzweifeln. Der wurde sofort einkassiert und war schnell verschwunden. Den Propheten anzuzweifeln bedeutet in den Staaten, in denen 1 bis 1,4 Milliarden Muslime wohnen, den Tod. Ähnlich liegt es mit der Zwangsheirat und Todesstrafe für die Frau bei fremdgehen. Homosexualität desgleichen.

Bei solche rigider Moral ist es einfach Unfug, die katholische Kirche als Vergleich zu nehmen. Sicher sind die gegen Homosexualität, was aber lange nicht die Auswirkungen hat wie in islamischen Ländern. Dort wird man einfach ermordet. Punkt.

Einige hundert millionen Moslens können kaum lesen und schreiben, haben kaum Bildung und leben seit Jahrhunderten eine rigide religiöse Moral. Wenn dann ein paar Europäer mit netten Gedichten aus vergangener Zeit ankommen, sind die sofort begeistert.

In welcher Welt leben Sie ?

 

rheinhold2000 17.02.2013 | 21:20

Ist ja klar das von den islamophoben gleich mal ein paar youtube videos von pierre(?) Vogel gepostet werden

süüüüüüüüß

aber mal zum rest geschwalle:

"Sie argumentieren schön intellektuell rum."

süüüüüüß 2

mögen sie keine argumentationen?

oder nur keine intellektuellen argumentationen?

"Vor einiger Zeit, als der sogenannte arabische Frühling war, wagte ein Journalist aus Saudi-Arabien den Propheten anzuzweifeln. Der wurde sofort einkassiert und war schnell verschwunden. Den Propheten anzuzweifeln bedeutet in den Staaten, in denen 1 bis 1,4 Milliarden Muslime wohnen, den Tod. Ähnlich liegt es mit der Zwangsheirat und Todesstrafe für die Frau bei fremdgehen. Homosexualität desgleichen."

was übrigens auch für einige christliche staaten, ++++ gilt. und KOMPLETT offtopic ist, da es ja um Moslems in FRANKREICH geht

"Bei solche rigider Moral ist es einfach Unfug, die katholische Kirche als Vergleich zu nehmen. Sicher sind die gegen Homosexualität, was aber lange nicht die Auswirkungen hat wie in islamischen Ländern. "

und das nennst du jetzt eine argumentation?

"Dort wird man einfach ermordet. Punkt."

?????

"Einige hundert millionen Moslens können kaum lesen und schreiben,

haben kaum Bildung und leben seit Jahrhunderten eine rigide religiöse Moral. Wenn dann ein paar Europäer mit netten Gedichten aus vergangener Zeit ankommen, sind die sofort begeistert.

In welcher Welt leben Sie ?"

in der gleichen wie sie. ich bin nur nicht so vernagelt, hasserfüllt und ungebildet wie sie.

 

KalleWirsch 19.02.2013 | 08:30

Liebe Romy,

das war ich, der gerne mehr über die Homophobie des Islam aus Zaheds Sicht wissen wollte. Rheinhold hatte mich zitiert. 

Danke für die Info und den Lietraturhinweis. Ich weiß nicht, ob der Artikel im Print erscheinen ist. Aber wieso kann denn die ausführliche Version dann nicht Online stehen. Das ist doch ein Vorteil von Internetpräsenzen. Aber da sollte ich vielleicht mal die Redaktion fragen. Schade, denn das hätte den Artikel noch runder gemacht und wenn Sie sich die ganze Arbeit auch gemacht haben, dann ist das auch für Sie sehr ärgerlich.

LG KalleWirsch

jwie 20.02.2013 | 02:47

@ kallewirsch

"Noch eine Anmerkung zum promiskuitiven Teil seiner Autobiographie. Mit den dementsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wäre es zu keiner HIV Infektion gekommen. Hat sich für mich etwas zwangsläufig gelesen."

 

Das Risiko einer Infektion laesst sich auch mit Vorsichtsmassnahmen nicht ausschliesen. Ich halte selbstzerstoererische oder zumindest fatalistische "Motive" ( die muessen vielleicht nicht bewusst sein, um zu wirken) bei HIV-Infektionen fuer moeglich und grundsaetzlich fuer nicht wenig verbreitet, auch unabhaengig von der sexuellen "Orientierung"(whatever that is). 

 

HIV-Raten scheinen abgesehen davon jedoch oft an Orten (ob geographisch, psychisch, sozial..) umso hoeher zu sein, je staerker Homosexualitaet tabuisiert ist. Fuer mich ergibt das Sinn, da in einem Klima von Angst und Selbstzweifeln Freiheitsgrade, u.a. zur Verhandlung von safe sex, schwinden.

Ich hatte aus dem Bericht den Eindruck, dass seine Situation sehr komplex und kompliziert zu sein schien.

Aus all diesen Ueberlegungen heraus ist es fuer mich daher nicht ausgeschlossen, dass sein persoenliches Infektionsrisiko durchaus "zwangslaeufig" stieg.

KalleWirsch 20.02.2013 | 10:19

Ja, auch das mag sein. Aber was Zaheds Infektion angeht können wir nur mutmaßen und das finde ich schwierig. In den grundsätzlichen Punkten stimme ich weitestgehend überein. Tabuisierung von Homosexualität begünstigt den laschen Umgang mit Safer Sex (und es heißt ja safer und nicht safe, weil ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden kann). Wo Dämme brechen hat das nachdenken meist das Nachsehen. 

 

Romy Straßenburg 20.02.2013 | 13:47

Liebe Julie, 

die Beschreibung der Protagonisten, auch mit Attributen zu ihrem Äußeren, finde ich für die Lebendigkeit einer Reportage immer wichtig, eben weil man sich dann die Personen auch visuell vorstellen kann. Vielleicht ist die Information doch in dieser Hinsicht wichtig, weil Qiyaam aus Südafrika stammt und es dort ja durchaus denkbar wäre, dass er weiß ist. Sicher ist es in der Geschichte, besonders auch für die Akzeptanz auf Seiten der Familie, doch ein Detail, was die Liebe der beiden erschwert und daher ist ihr Mut noch höher einzuschätzen, ihre Beziehung so offen und selbstbewusst zu leben. 

Liebe Grüße 

Romy 

jwie 20.02.2013 | 15:16

Ich frage mich nur, weshalb niemand sonst in dem Artikel durch das äußerliche Attribut der Hautfarbe beschrieben wurde und vor allem wurde soweit ich das erinnere niemand als hellhäutig oder weiß beschrieben.

Zumindest in dem Artikel wird auch nichts davon erwähnt, dass irgendeine Familie aufgrund von Quiyaams "dunkler Haut" die Beziehung zwischen ihm und Zahed nicht akzeptiert. Ich glaube, es wird auch ohne diese Markierung von Quiyaam als nicht weiß völlig klar, dass es kein einfacher Weg ist, für den sich die beiden entschieden haben. Allein die Erwähnung der Hautfarbe sollte nicht gleich eine ganze Kette von freien Assoziationen beim Leser initiieren, à la "Das macht es ja noch schwerer."? Zumindest nicht in einem Artikel, in dem es um den Islam und Homosexualität geht und Rassismus als zusätzliche und verschränkbare Diskriminierungsform mit keinem Wort erwähnt wird.

Mir ist die Info nur erstmal als "nichtssagend" aufgefallen in dem Portrait von Zahed, weshalb ich nachgehakt habe. Die Antwort hat für mich jetzt noch keinen Unterschied gemacht.

 

Viele Grüße,

Julia

jwie 20.02.2013 | 15:26

@kallewirsch

Interessant ist, dass es in englisch-sprachigen Ländern oft "safe sex" zu heißen scheint. Es stimmt, dass das die "Illusion" schaffen könnte, Sex sei jemals safe. Ich fand eine lange Zeit die deutsche "safer sex"- Formulierung seltsam, zumal ich mir auch vorstellen konnte, dass die er-Endung einfach eingedeutscht war. So wie Du es darlegst, find ich "safer sex" als Konzept jedoch um einiges differenzierter als den englischen Gegenpart!

Viele Grüße,

Julia