Jacques Kommer
03.02.2013 | 09:00 18

Zu wehleidig?

Männersache Würden Männer die Wehen einer Geburt überhaupt überstehen? Sie tun jedenfalls gut daran, ihre Selbstüberschätzung in Sachen Schmerz gering zu halten, meint unser Autor

Zu wehleidig?

Illustration: Otto

Männer würden die Schmerzen einer Geburt nicht aushalten – glauben viele Frauen. Aber stimmt das? Zwei holländische TV-Moderatoren wollten es jetzt genauer wissen. In ihrer Show Proefkonijnen (deutsch: Versuchskaninchen) verpassten sie sich selbst Geburtswehen. Dafür ließen sie sich Elektroden an den Körper kleben, die mittels Stromstößen Muskelverkürzungen im Bauch verursachten. Während der Prozedur gab eine Hebamme Tipps. „Nicht gegen die Schmerzen wehren“, riet sie. „Tief durchatmen.“ Nach kurzer Zeit krümmten sich die beiden. Zwei Stunden später hielt einer als Zeichen des Erfolgs eine Baby-Attrappe im Arm. Der andere hatte das Experiment abgebrochen. Für ihn waren die Schmerzen zu heftig.

Ist das nun der Beweis, dass Männer seltener eine Geburt durchhalten würden als Frauen? Nicht für den bei diesem Thema zur Selbstüberschätzung neigenden Mann. Zwar könnte man das Ergebnis des Selbstversuchs hochrechnen: Nur die Hälfte aller Männer wäre dann in der Lage, es auszuhalten – bei den Frauen liegt die Erfolgsquote bekanntermaßen wesentlich höher. Wirklich selbstbewusste Männer würde das aber nicht überzeugen. Bestimmt war das Gerät zu stark eingestellt, würden sie sagen. Und wie will man festlegen, ab wann der künstlich erzeugte Schmerz genauso heftig ist? Und überhaupt: Den Männern im Experiment stand auch keine schmerzstillende Rückenmarksanästhesie zur Verfügung.

Das von Seiten der Frauen oft vorgebrachte Argument, Männer seien wehleidiger als Frauen, würde ein Mann mit Geburts-Größenwahn-Komplex nicht gelten lassen. Er hätte sofort eine Studie parat, die nachweisen würde, dass seine Geschlechtsgenossen länger Schmerzen aushalten als Frauen. Wissenschaftler der Uni Mainz hätten herausgefunden, dass Kerle, die ihre Hände in eine Schüssel mit Eiswasser legen, das im Durchschnitt länger schaffen als Frauen. Diesen Männern sei aber gesagt: Vorsicht mit solchen Behauptungen. Vielleicht werdet ihr irgendwann wirklich in der Lage sein, Kinder zu bekommen. Die Medizin macht da gerade Fortschritte (der Freitag 8/12). Wenn ihr dann während der Geburt anfangt rumzujammern, könnte es peinlich werden.

Außerdem gibt es noch ein anderes Argument, warum man sich als Mann mit solchen Aussagen zurückhalten sollte. Frauen finden das einfach besser.

Kommentare (18)

snafu 03.02.2013 | 10:05

Weil Frauen robuster sind, erlebt in den letzten Jahrzehnten die Kaiserschnittgeburt, ohne zwingende med. Notwendigkeit ja auch ihren Siegeszug ;-}

Natürlich sind Frauen belastbarer, wobei, wenn man den Probanden die gleichen Endorphine zugeführt hätte, wie sie im weiblichen Körper bei der Geburt freigesetzt werden, hätten es vielleicht auch Beide geschafft.

Weil Frauen belastbarer, unempfindlicher und (oft genug erklärt bekommen) sowieso die besseren Menschen mit den edleren sozialen Verhaltensweisen sind, rühre ich keinen Finger mehr um sie bei irgendwas zu supporten (sowohl psychisch als auch psychisch).

Einer Frau die Tür zu öffnen, oder gar etwas Schweres die Treppe hochzutragen, könnte zu Recht als beleidigender Sexismuss ausgelegt werden. Wobei das natürlich nur zwei Beispiele von der Unmenge an Dingen sind, die man(n), Emanzipation sei Dank, sich ersparen darf.

Das ich, im Vergleich zu Frauen, ein wehleidiges Maskulinum bin, stört mich unter dem Aspekt überhaupt nicht. Ich freu mich über jeden neuen Bereich in dem  Wissenschaftler mal wieder die Überlegenheit der Frau nachweisen.

Was Frauen besser finden, so hinsichtlich Aussagen die man machen kann oder darf oder nicht, das wiederum geht mir inzwischn ganz weit wo vorbei.

(wobei ich bei solch Themen natürlich nicht raushängen lasse, dass ich das Geschlechtsneutral sehe, es ist mir auch egal wenn political correctness von Männern eingefordert wird.)

stellasirius 03.02.2013 | 14:42

Die Frage halte ich für falsch gestellt. Genauso könnte man fragen: welche Sorte Mensch hält das Sterben besser aus, Frauen oder Männer?

Da sieht man das Grundproblem: die Betroffenen haben nämlich keine Wahl, sie müssen da durch.

Nun sind außerdem im Körper der Gebärenden einige natürliche Mechanismen am Werk, die ihr das Ganze erleichtern sollen. Das mit freiwilligen Probanden nachzustellen, kann nicht wirklich funktionieren.

Wenn es für solche Männer, die wirklich gern Kinder austragen würden, eines Tages die Möglichkeit gibt, dann werden Motivation & Endorphine schon ihren Anteil beitragen. Falls dann überhaupt eine "natürliche" Geburt in Frage kommt.

Ansonsten, scheint mir, sind Männer im Schnitt sehr gut im Aushalten, wenn -- ja, wenn Ehre und Ansehen winken. Die Sache mit dem Eiswasser passt da gut: eine Art sportlicher Vergleich, bei dem mann zeigen kann, dass er der größere Held ist (als die Mitbewerber).

CS Spuhr 03.02.2013 | 19:41

eine Baby-Atrappe nach 2 Stunden? 2 Stunden? ernsthaft? wenn das nächste mal so ein hirnrissiger Versuch gemacht wird, dann bitte etwas realistischer: erst 3 Monate Morgends und Abends kotzen müssen, dann 5 Monate lang immer mehr wiegen und mit Wasser in den Beinen den Haushalt, die Arbeit und die Einkäufe etc. meistern müssen, dann 2-3 Monate lang die Blase schrumpfen, damit man alle 30 minuten auf Toilette muß, und dann: wie wärs mal mit 28 Stunden wehen simulation statt 2? danach bitte an den Weichteilen genäht werden, so daß man 2 Wochen lang nicht gescheit sitzen kann, während dessen alle 2 Stunden saugnäpfe an die Brustwarzen, bis diese blutig und wund sind und gleichzeitig weitere Wehen (ca 5-6 Tage lang immer wenn die Saugnäpfe an den Brüsten sind).

Das wäre realistisch, wenn ein Mann das durchsteht dann hat er meinen allergrößten Respekt verdient! (Und, mal zu nem anderen Thema: wenn ein Mann das durchsteht, dann darf er auch gerne gegen Abtreibung sein, vorher bitte einfach Klappe halten...)

luzieh.fair 05.02.2013 | 13:47

Wie sagt man so schön: es kommt auf das Ergebnis an, oder? Und irgendwie ist es doch logisch, dass jemand der unsinnigen Schmerzen ausgesetzt wird diese dann auch schlecht aushält. Das ergebnis der Geburtswehen ist nämlich ein Kind, das 40 Wochen lang gewachsen ist und zwar nicht irgendwo, sondern in der Frau. Dann die Hormongeschichte unter der Geburt und und und...vermutich (nachprüfen lässt sich das nicht) würde ein Mann die Schmerzen unter der Geburt genau so aushalten, wie eine Frau. Es wird zwar gesagt in jedem Klischee steckt ein bisschen Wahrheit und wenn mein Partner eine Erkältung oder Rückenschmerzen hat, muss ich mich schon immer zusammenreißen, um nihct laut zu fragen, ob er sich, wenn ich das nächste mal krank bin frei nimmt, damit ich mich genau so gut auskurieren kann, wie er, aber ich bin überzeugt und hoffe vor allem, dass das nix mit der Mann-Frau-Biologie zu tun hat, zumal ich auch einige Frauen kenne, die seeeeehr krank sind, wenn sie einen Schnupfen haben.

 

So und noch ein Satz zu diesem komischen Artikel: lustig war das jetzt aber nicht unbedingt...

Hfftl 12.02.2013 | 19:33

Den Schluss "Außerdem gibt es noch ein anderes Argument, warum man sich als Mann mit solchen Aussagen zurückhalten sollte. Frauen finden das einfach besser." muss man leider unterschreiben. Seriöse Studien, die belegen, dass Frauen nicht in allem und jedem "besser" sind als Männer, mögen sie eher selten. Dann doch lieber ein Jux-Experiment mit zwei Holländern (und natürlich ohne Vergleichsgruppe, also etwa zwei nichtschwangere Holländerinnen), das hat dann die einzig gültige Aussagekraft. Feminismus ist schon eine reichlich alberne Religion.