Lutz Herden
14.01.2013 | 13:11 51

Alouette, gentille Alouette!

Intervention Wieder findet ein afrikanischer Konflikt keine afrikanische Lösung. Mali wird durch externes Militär befriedet. Frankreich macht sich als Gendarm des Westens nützlich

Alouette, gentille Alouette!

Unter anderem sind französische Helikopter des Typs "Alouette" im Einsatz

Foto: Joel Saget / AFP

So werden vollendete Tatsachen geschaffen. Die Kombattanten der islamistischen Verbände im Norden Malis halten Angriff für die beste Verteidigung und marschieren nach Süden. Und ein französische Expeditionskorps hält viel von der Gunst der Stunden und marschiert nach Norden, den Gotteskriegern entgegen. So kommt man sich näher, so kommt man vor allem einer UN-Operation zuvor, wie sie der UN-Sicherheitsrat kurz vor dem Jahreswechsel einstimmig beschlossen hatte.

Resolution 2085 sah eine mögliche Rückeroberung der von Tuareg-Rebellen sowie radikalen Islamisten besetzten Nordregionen Malis vor, verzichtete aber auf Zeitpläne, nicht jedoch strenge Auflagen. Die Entsendung von etwa 3.300 Soldaten mit UN-Mandat aus den Nachbarländern Malis – vorwiegend den Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS – sollte auf ein Jahr begrenzt bleiben. Daneben sah sich die malische Regierung aufgefordert, einen „glaubwürdigen Dialog“ mit den Gruppen im Norden zu führen, die sich vom Terrorismus losgesagt hätten, vorzugsweise den Tuareg. Die ebenfalls in der Resolution ausgesprochene Erwartung, in Mali werde es im April 2013 Wahlen geben, wurde von der „technischen Durchführbarkeit“ eines solchen Votums abhängig gemacht. Dass es darum nach der jüngsten Entwicklung schlecht bestellt sein wird, liegt auf der Hand.

Autoritätsverlust für die UN

Frankreich hat die UN-Vorgaben nach seinen Bedürfnissen redigiert. Den Vereinten Nationen ist damit die Initiative entglitten. Besser gesagt, sie wird ihnen entzogen. Die ECOWAS-Staaten werden zwar noch gebraucht, aber mehr als folkloristisches Element, damit dem Vormarsch der Franzosen so etwas wie regionales Kolorit anhaftet. Militärisch sind sie zu Statisten degradiert, wenn Briten, Amerikaner und wohl auch die Bundeswehr ihren Part nicht schuldig bleiben. Wieder einmal wird ein afrikanischer Konflikt nicht durch afrikanische Kräfte gelöst. Das klassische Modell setzt sich durch und damit das bekannte Muster – durch westliche Militärmacht regionale Ordnungskraft entfalten. Mit dem Kanonenboot flussaufwärts. Alles wie gehabt. Nur sind es in Mali der geografischen Umstände wegen Mirage-Bomber und Alouette-Helikopter, die sich bewähren.

Für die Autorität der Weltorganisation, speziell die ihres Generalsekretär, kann das nicht von Vorteil sein. Ban Ki-moon hatte sich der Lage in Mali besonders angenommen und einer interventionistischen Lösung allein nicht allzu viel abgewinnen wollen. 

Düpiert fühlen muss sich auch Algerien. Noch im Dezember hatte Präsident Bouteflika beim Antrittsbesuch von Präsident Hollande in Algier um dessen Plazet für eine Vermittlung im Mali-Konflikt geworben und war – nach außen hin – nicht erfolglos geblieben. Seither haben algerische Diplomaten nicht eben beiläufige Arrangement ausgehandelt, teilweise sogar Verträge geschlossen. Die Tuareg der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) und die Organisation Ansar Dine (Verteidiger des Glaubens) rangen sich zu Konzessionen durch, die noch vor Wochen utopisch schienen.

Ein neues Afghanistan?

Was Algier motiviert, als Emissär aktiv zu sein, ergibt sich aus seinem Führungsanspruch in Nordafrika, der jedes postkolonial anmutende Eingreifen Frankreichs skeptisch bis ablehnend quittiert. Abd al-Aziz Bouteflika – ab 1963 selbst für anderthalb Jahrzehnte Außenminister – befürchtet nicht zu Unrecht, dass eine Militärintervention der Region mehr schadet als nützt. Allah liebt die Standhaften, und wer sich als islamischer Kämpfer seinem Todfeind widmet, der handelt in göttlichem Auftrag. Welch glückliche Fügung, wenn die Ungläubigen nicht in ihren europäischen Zivilisationsfesten gestellt werden müssen, sondern im Wüstensand des Sahel angegriffen werden können. Dass Frankreich quasi dazu einlädt, muss in Algerien Alpträume auslösen. Noch kein Jahrzehnt ist es her, dass ein Bürgerkrieg zwischen einer zu allem entschlossenen Guerilla der Islamischen Heilsfront FIS und der Armee mehr als 120.000 Todesopfer forderte. Sollte Mali zum Kriegsschauplatz werden, bliebe das angrenzende Algerien kaum verschont. Auch dort ließen sich dann die islamistischen Ausläufer des Arabischen Frühlings nicht länger eindämmen.

Droht in Mali denn wirklich ein Ql-Qaida-Staat vor der Haustür Europas, wie es François Hollande suggeriert? Ein zweites Somalia in Nordafrika also? Oder eher ein zweites Afghanistan, wenn sich die Präsenz von NATO-Staaten ausweitet und Bestand hat. Das schwache, von inneren Konflikten zerrissene und hilfsbedürftige Mali ist das ideale Terrain, um hier damit zu beginnen, für den Westen unliebsame Folgen der "Arabellion" einzudämmen – ob es sich um den Aufstieg eines Staats-Islamismus wie in Tunesien und Ägypten handelt oder den Aufschwung einer fundamentalistischen Guerilla-Macht, die Staaten durch Gottesstaaten, säkulare Gesellschaften durch Kalifate zu ersetzen wünscht.

Kein Wunder, dass Frankreich mit Großbritannien, den USA und Deutschland willige Sekundanten findet, deren Beistand nicht allein logistischer und temporärer Natur sein dürfte. Wer wie die Amerikaner mit Drohnen eingreifen will, hat sich bereits dem Verhaltensmodus verschrieben, wie man ihn aus Afghanistan und Pakistan kennt.

 

Kommentare (51)

perigrens 14.01.2013 | 14:32

Westerwelle hatte bereits vor Wochen unterstützende Einsätze der Bundeswehr signalisiert, woraus man schließen könnte, dass dem nun offen dort geführten Krieg entsprechende Vorabstimmungen vorausgegangen sind.

Bislang wird bei Bundeswehreinsätzen ein Kampfeinsatz derzeit ausgeschlossen.

Zusehends zeichnet sich dabei ein neues Rollenverständnis des Sicherheitsrates ab, der, so verstanden, die politische Entwertung der UNO beschleunigen kann.

Dass man es dabei mit purem unverstelltem Kolonialismus zu tun hat, darüber können Menschenrechtsgeplänkel nicht hinwegtäuschen.

Der Doktrinwechsel vom Kampf gegen den Kommunismus hin zum Kampf gegen den "internationalen" Terrorismus scheint sich zusehends flüssiger zu gestalten.

War der Kommunismus noch ein 1.Welt Phänomen, zeichnet sich, aufgrund auch kulturell gewachsener Unterschiede, inzwischen ein Grad von Abenteuerbereitschaft ab, der in den Eliten der ersten Welt Platz gegriffen zu haben scheint und über dessen Ausmaß vermutlich kaum wirklich Klarheit zu bestehen scheint.

Lutz Herden 14.01.2013 | 14:52

Dem ist zuzustimmen und die Erwartung zu formulieren, dass nun vermutlich der gesamte Norden Malis zum Operationsfeld wird, auch die an sich verhandlungsbereiten Tuareg  werden davon betroffen sein.

So abenteuerlich das auch immer sein mag, hier wird wieder ein Weltordnungsbedarf deutlich, bei dem auch Deutschland seinen Part übernehmen will. Unbedingt, wie der Verteidigungsminister zu verstehen gibt.

Hans Springstein 14.01.2013 | 17:12

Herr Herden,

diese Formulierung "hier wird wieder ein Weltordnungsbedarf deutlich, bei dem auch Deutschland seinen Part übernehmen will." halte ich gelinde gesagt für etwas unglücklich, weil Sie nicht sagen, wer diesen "Bedarf" hat oder sieht, wer die Welt neu ordnen will und warum, wem das nutzt. Ich kann mir denken, dass Sie das wissen, aber ich denke auch, dass es gar nicht oft genug klar benannt werden kann, weil es zu viele immer noch nicht wissen oder verstanden haben, leider.

apatit 14.01.2013 | 18:34

“Jede Kanone, die gebaut wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel gelassen wird, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an denen, die hungern und nichts zu essen bekommen, denen, die frieren und keine Kleidung haben. Eine Welt unter Waffen verpulvert nicht nur Geld allein. Sie verpulvert auch den Schweiß ihrer Arbeiter, den Geist ihrer Wissenschaftler und die Hoffnung ihrer Kinder.“ Man könnte meinen das hat Lenin gesagt nee, es war Eisenhower. Ja wir sind wieder wer in der Welt und die Pickelhaube blitzt in der Sonne, schön aufpoliert versteht sich. Und dann warte ich noch auf den Friedens Nobelpreis für die Nato – weil wir doch die Guten sind!

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Ehemaliger Nutzer 14.01.2013 | 21:07

Jeder Krieg, der wegen einer Religion geführt wird, ist ein falscher Krieg - fast alle Kriege wurden wegen religiösen Gründen geführt!

Darüber sollte die Menschheit langsam mal hinweg sein! Keine Religionen, 90% weniger Kriege! Und wenn einer sich nicht als was besseres als der andere halten würde (oder seine Interessen für wichtiger) hätten wir noch ein Problem beseitigt. In Mali passiert doch das alles gerade.

Aussie42 15.01.2013 | 02:52

Danke fuer die gute oekonomisch-politische Einschaetzung, der ich nur zustimmen kann. 

Man kann die Intervention in Mali  aber auch etwas militaerisch-zynischer sehen.

Ein Krieg ist bekanntlich immer gut, um oekonomische Krisen zu ueberwinden.

Die Intervention ist eine tolle Reklame fuer franzoesichen  Rafael Bombern und Mirage fighter. An dieser Promotion  beteiligen sich Medien around the world und kostenlos. Die Verkaufszahlen der Fighter, Bomber etc.  muessen jetzt  steigen

Die Konkurrenz guckt nur zu und darf langweilige Transport Maschinen nach Mali steuern.  Ohne Bilder. 

 

Nicht nur die Industrie auch die Generalstaebler sind glucklich. Es  gibt eine neue Moeglichkeit die Truppen combat ready zu halten und mal  wieder Wuestenkrieg zu ueben! Tres bien, mon general.

Das ganze Scenario hat in Deutschland nun auch noch das gruene Trittin-Siegel: "bio-dynamisch und menschenrechtlich unbedenklich" erhalten!!

Profiliert sich da jemand zum schwarz-gruenen Aussenminister?

Was sagen eigentlich die Buendnis 90 Buergerrechtler im Bundestag dazu?  Gar nichts?  Achso.

 

Oberham 15.01.2013 | 08:02

Eben darum sollten wir es zumindest zu unserer Litanei des Grauens machen!

Ich weiss, ich langweile, doch es ist nun einmal meine Sicht der Dinge, eine Sicht, die täglich durch die Realitäten manifestiert wird.

In Mali werden heute Menschen ermordet, durch europäische Friedensbomben, damit Afrika weiter, ein von willigen Stadthaltern im ethischen Stammeslook, die als Belohnung ihren Clan mit dem üblichen Luxustand überschütten dürfen, verwalteter Kontinent bleibt, der nichts weiter als eine gigantische Vorratskammer an Menschen und Resourcen für die westlichen Wirtschaftshölle bleibt.

Wie sagte so schön Frau Gates in einem Interview, "wir sorgen dafür, dass die Kindersterblichkeit zurückgeht, wir machen die Menschen fit für die Arbeit, wir verfolgen mit unserer Stiftung mehrere Ziele, einerseits werden Stiftungsgelder unter dem Gesichtspunkt der maximalen Rendite verwaltet, andererseits ermöglicht es die Stiftung in den Entwicklungsländern endlich eine nachhaltige Basis für produktive Leistungen  aus einer gesünderen Population zu generieren."

Klartext: Kindersterblichkeit schadet natürlich, da so schon viele potentielle Frohnarbeiter im Frühstadium einer wirksameren Selektion durch Hunger verlorgengehen, die jungen Erwachsenen sollten auch möglichst nicht an Malaria ausfallen, da auch angelernte Kräfte nicht beliebig ersetzt werden können - wer verhungert ist durch das Sieb gefallen, dieses Sieb, webt die Stiftung gerne durch ihre renditemaximierende Anlagestrategie mit."

So werden aus den vermeintlichen Philantropen die Kompagnos der französichen Bomber, so ist das an einer Krankheit im Säuglingsalter gestorbene Baby ein glücklicher Mensch, dem Moloch unserer Könige von der Schippe gesprungen!

Was das mit Mali zu tun hat? Die aufständischen im Norden, sie wehren sich gegen den Wahnsinn, sie lehnen sich gegen Korruption und gegen den globalen Finanzfaschismus der Konzerne und Banken auf, dass sie dabei den Rattenfängern radikaler Islamisten in die Hände fallen, wollen wir ihnen das vorhalten?

Es ist die Tragik unserer Spezies, dass sie wohl selten wirklich im positiven Sinne menschliche Führung zulässt, sie wähl sie lieber die Hölle - nun - wir leben dank der Brosamen die unsere gigantische westliche Wirtschaftsmacht an seine Sklaven ausbröselt in der Vorhölle, anmutend wie ein Paradies des Konsums, moralisch, stehen wir an der Seite der gröbsten Schlächter.

Willig schleifen wir die Bomben, die heute wieder über Mali vom Himmel fallen werden - und morgen.......?

Grundgütiger 15.01.2013 | 08:29

Kaum ist uns mit dem Kommunismus der alte Feind abhanden gekommen, wird der nächste geradezu aufgebaut. Ja gefördert.

Und so wird wieder eilig an einer neuen Einteilung der Welt gebastelt. Wir, wie immer, die Guten.

Auf der anderen Seite die böse Religion. Die Falsche.

Die nur eine Sprache versteht, Feuer und Schwert.

Neue Kreuzzüge?

Ja, werden wir erleben. Weil ja auch das wirtschaftlich gewünschte Ziel geblieben ist. Hat sich verdammt wenig geändert in tausend Jahren.

Aus Afghanistan nix gelernt? Nein!

Ausgerechnet der gescheiterte Dosenpfandminister klüger? Wenn es nicht so traurig wäre, zum Lachen ist er schon der Trittin.

Danke Lutz Herden für diese gute Einschätzung.

 

Hans Springstein 15.01.2013 | 09:57

Ja, hatte ich schon gesehen. Und Trittin war einst ein verbal Linksextremer beim "Kommunistischen Bund", eine von vielen linken Spalterorganisationen, die den Maoisten zugerechnet wurde. Heute schüttelt er den Mächtigen dieser Welt die Hand und macht für diese Politik.

Aber vielleicht hat Trittin nie die Seite gewechselt und schon immer für die Herrschenden gearbeitet, gehört doch das Aufspalten des gegnerischen Lagers von innen heraus zu den bewährten Methoden der Macht nach dem Prinzip "Teile und herrsche". Irgendwelche Agents provocateurs für diesen dreckigen Job finden sich immer.

Oberham 15.01.2013 | 10:35

Man nenne mir einen kommunistischen Machthaber, der nicht mit dem Establishment des Konzernkapitals zusammengearbeitet hätte.

Der Sozialismus und die Idee des Kommunismus lebt vielleicht in den Herzen einger Basiskämpfer, doch sie müssen nur einige Mandatsträger der Linken betachten und schon dürften ihre Illusionen platzen wie Seifenblasen.

Es ist eben ein verblüffender Akt - die rosarote Brille - der Menschen die Wahrheit schlicht ausblenden lässt, um der Seelenhygiene Willen - das geht solange gut, bis die Realität vor der eigenen Türschwelle steht und man aus den bequemen Hamsterrädern herausgeschleudert- und vor ganz konkreten Schwierigkeiten steht.

Lutz Herden 15.01.2013 | 12:05

Die Haltung der Grünen-Spitze überrascht nicht wirklich, Trittin stellt sich auf schwarz-grüne Optionen ein, vor der Niedersachsen-Wahl allemal. Er steht damit in der Gesinnungs- und Verantwortungsethik, wie sie für die Partei genau genommen seit dem Kosovo-Krieg 1999 typisch ist. Die weniger exponierte Kerstin Müller hat sich immerhin dazu durchgerungen, von erheblichen Risiken zu sprechen, die Frankreich eingegangen sei. Das gilt im Übrigen auch für alle Staaten, die Hollande nun beispringen wollen, also auch Deutschland.

perigrens 15.01.2013 | 17:23

Ihrer Einschätzung der Entwicklungen in Mali ist ebenso zuzustimmen, wobei die Kartenverteilung vermutlich noch nicht so abgeschlossen sein dürfte, wie es erscheinen könnte.

Dass die Tuareg z.b., man betrachte die Grenzziehungen in dem Gebiet, die mit Lineal gezeichnet wirken, Verhandlungsbereitschaft signalisieren erscheint logisch, nochdazu Tuaregs profunde Kenntnisse der unmittelbaren örtlichen Gegebenheiten in ggf. anstehende Verhandlungen mit einbringen könnten ggf auch zur Wahrung ihrer kulturellen Identität.

Was nun evtl anstehende Weltordnungsbedürfnisse anbelangt scheint es so, dass die Obama-Administration einen Lernprozess zu durchlaufen scheint im "handling": weitere Kriegsschauplätze erscheinen, von Außen betrachtet, kaum finanzierbar, was übrigens nicht nur für die US-Adminstration zu gelten scheint, sieht man sich die ausgepowerten Staatskassen der infrage kommenden Alliierten einmal etwas genauer an.

Politische, wie ökonomische Legitimationsprobleme ehemaliger Kolonialmächte machen die Sache nicht eben einfacher.

Andererseits darf man die unbeeindruckte Entwicklungshilfe Chinas in Afrika vlt nicht ganz außer acht lassen, die aufgrund ihrer Zuverlässigkeit für hohes Ansehen Chinas in Afrika sorgt.

Mit einem Wort: asymmetrische Verhältnisse, die eine realistische Einschätzung der Lage(n) in Afrika insgesamt nicht eben erleichtern.

 

Werkzeugrolf 15.01.2013 | 21:26

Das Frankreich nun allen voran marschiert ist für mich völlig klar. Schließlich hat der französische Konzern AREVA große Uranminen in Mali, desweiteren sitzt Mali auf großen Gold, Kupfer und Bauxit-Vorkommen. Wer darf die "nach" dem Krieg dann wohl auch noch ausbeuten. Frankreich natürlich.
Im Endeffekt ist die französische Wirtschaftsarmee einmarschiert und sichert die Pfründe gegen die Rebellen.

danki 15.01.2013 | 22:57

Jan van Aken hat heute,15.01.2013,im NDR-Radio ein bemerkenswertes statement zu diesem Thema abgegeben,dessen Inhalt im ZDF heute journal durch Amadou Tidiane Sy,Sicherheitsexperte Westafrikas,bestätigt wurde.

http://www.ndr.de/info/audio144195.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1820506/ZDF-heute-journal-vom-15-Januar-2013

Das kommt dabei heraus,wenn das militärische Denken über der Diplomatie steht.

Gaukler 16.01.2013 | 10:00

Ohne Zweifel gibt es in Westafrika eine Abneigung gegen französische Aktivitäten, ob militärisch oder gegenüber den Villen der sugar daddies am Meer. Aus gutem Grund.

Beim Lesen der Kommentare frage ich mich aber, ob hier irgend jemand schon mal den Boden dort betreten hat, oder länger in den Ländern war.  Ich glaubs nicht, zu viel Geschwätz.

Die Tuaregs kämpfen gegen den Finanzkapitalismus? Schon mal einen Tuareg dort oben gesprochen? Die Leute sind durch die Bedingungen vor Ort zerrissen, durch Statusverluste und Kampf mit anderer Gruppen, aber auch schlechter Grundversorgung. Und sie sind z. B. bei  Bambara aber auch Fulbe nicht sonderlich beliebt, ihre Jahrhunderte als "Herrenmenschen" spielen dabei eine große Rolle.

Chinesen beliebt? Aha, bei wem? Bei den korrupten Eliten, die von Chinesen zuweilen mehr Cash kriegen als von Franzosen  oder andern Europäern. Ich habe es in Nordmali erlebt, wie Chinesen die Bauarbeiter unter ihrem Kommando traktiert haben, wie Leute aus Bamako schilderten, dass die Chinesen sogar noch weniger zahlen als die Regierung, noch weniger als die Libanesen, zu wenig zum Leben. Von anderen afrikanischen Ländern möchte ich gar nicht reden.

Es gibt Uran im Norden Malis, aber der Abbau in großem Maße läuft heute über die Grenze, in Niger. Übrigens: neben Frankreich heißt der neue Hauptkontrakteur: China. Und richtig, dort wird abgebaut, egal wie es den Leuten geht.

Ich denke, in der NordSahel spielen viele Akteure ihr Spiel, und den meisten in den Dörfern geht es beschissen. Mit und ohne französisches Militär. Und auch mit der "stabilsten westafrikanischen Demokratie", die Mali bis vor kurzem angeblich war. Nun, zumindest solange das Geld der Familie Gaddafi floß.

 

Gaukler 16.01.2013 | 11:50

Nun, Bangladeshi habe ich noch nirgends in einem Land gesehen (Pakistani?), aber vielleicht sind die in den großen ostafrikanischen Fabriken. Vermutlich wären sie noch billiger als die 50.000 CFA (70 Euro), die Chinesen als Monatssalär an Bambara in Mali nicht zahlen wollten.

Ehrlich gesagt, mir ist nicht klar, was sie an meinem Augenschein bezweifeln? Was war denn ihr Augenschein? Passt es nicht in das Bild der freimütigen Entwicklungshilfe? "Die Chinesen" sieht man einerseits in der Hitze unterm Zelt und andere in der Hauptstadt-Hotelsuite für 400$ die Nacht.

Das ist richtig: da ist China so kompliziert wie Afrika. Und in dieser Hinsicht nicht viel anders als hier.

freedom of speech? 16.01.2013 | 17:48

Reflexhaftes Gerede von irgendeinem "Imperialismus" hilft jedenfalls nicht, irgendwelche Probleme zu lösen. Man bekommt fast den Eindruck, die Antiimperialisten hätten keine Probleme mit al Qaida.

Die Menschen vor Ort aber schon.

http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34302

Nicht mal die Russen haben was gegen Frankreichs Einsatz.

http://de.rian.ru/world/20130115/265320635.html

So viel Einigkeit ist selten:

"..."Alle Mitglieder haben ihre Unterstützung für die französische Position ausgedrückt." Alle hätten zudem anerkannt, dass sich Frankreich mit dem Einsatz auf dem Boden des Völkerrechts bewege. Auch Russland hätte Paris gelobt, weil die Regierung genau im Sinne der UN-Resolutionen handele...."

http://www.tagesschau.de/ausland/mali302.html

 

 

txxx666 17.01.2013 | 00:08

Die größere nordöstliche Hälfte von Mali ist hauptsächlich Wüste und ziemlich dünn besiedelt von Tuareg, die nirgendwo in der Sahara Selbstverwaltung genießen - auch nicht in Algerien, Libyen, Niger und Burkina Faso, wo sie ebenfalls m.o.w. große Landesteile bewohnen - und das jetzt offenbar ändern wollten; dafür haben sich Einige anscheinend von (bzw. unter dem Namen) "al-Qaida" bewaffnen lassen (zumindest wird es in den Medien so dargestellt), und so dürfen jetzt La Grand Armée und die Deutsche Wehrmacht (letztere noch ohne eigenes Personal) ihre neuesten Waffensysteme ausprobieren, die dann "zum Wohle des Landes" ertragreich exportiert werden können; denn Islamisten sollen und müssen (ob "konventionell" oder per Drohne) beschossen, zerbombt, vernichtet werden - das ist längst Konsens und schon fast Tradition.
Es wirkt allerdings etwas absurd, mit welchem Enthusiasmus hier von einem NATO-Staat und seinen Verbündeten schon wieder ein neuer Krieg begonnen wird, angesichts der jahrzehntelangen sich immer noch hinziehenden und kläglich gescheiterten "humanitären Missionen" in Afghanistan und im Irak.
Aber es geht natürlich auch darum, die Interessen der Franzosen und anderen Erste-Welt-Geschäftsleute in und um die Hauptstadt Bomako, die malische Regierung und die gemeinsam ausgebeuteten Bodenschätze zu schützen.
Dass die meisten Staatsgrenzen in Afrika ein empörendes, den tatsächlichen kulturellen Zugehörigkeiten hohnsprechendes Überbleibsel der erst 50 Jahre (offiziell) zurückliegenden Kolonialzeit sind, steht noch nicht einmal auf einem anderen, sondern auf genau dem selben Blatt.
http://misanthrope.blogger.de/stories/2190900/

freedom of speech? 17.01.2013 | 02:27

Mehrheit?

Na ja, ist ja nicht mein Problem, aber zumindest die Antiimperialistinnen hätte wahrscheinlich spürbare Problem damit, sich verschleiern zu müssen, die Entscheidungsfreiheit zur Partnerwahl und Verkehr den Männern zu überlassen und ansonsten den Mund halten zu müssen.

Aber egal. Die männlichen Antiimperialisten jedenfalls sehen wohl ganz neue Perspektiven für ein erfülltes Sexualleben.  :)

Phineas Freek 17.01.2013 | 16:31

Wenn die gelungene Frauenunterdrückung tatsächlich eines der Erfolgkriterien internationaler Dschihadisten sein sollte, müssten die sich allerdings und zu allererst bei denen bedanken, die ihren erfolgreichen Krieg gegen die arabischen Frauen in der gesamten Region erst ermöglichten, indem sie ihn aus der Taufe hoben lenk(t)en und in jeder erdenklichen Weise üppig unterstütz(t)en: den Peacekeepern und (untereinander tief zerstrittenen u. konkurrierenden) Werterittern für Freiheit und Demokratie!

 

Phineas Freek 19.01.2013 | 20:11

Blöd nur, dass ausgerechnet dieses deutsche Nach-Richten (Un)Wesen anderswo dieselben und von Deutschland mit unterstützten Al Kaida Terroristen ganz toll findet.

Höchst sehenswert dazu diese, aus demselben Quellensumpf und von denselben tumben Nachrichtenoffizieren zusammen geklaubte Räuberpistole „unseres“ medialen und freiheitlichen Stürmers.

 

Wo im Gegensatz zu Mali, wo angeblich ja gerade eine rein humanistische und antiislamistische Nationenrettungsaktion stattfinden soll, die syrische Ausgabe dieser  Jihadistenbande und ihre „neue Rechtsordnung“! „in den befreiten Gebieten“! (unmittelbar an der türkischen Grenze!), abgefeiert wird.

 

http://www.tagesschau.de/ausland/syrien2550.html

 

Das nun allerdings die Regisseure aus der Hamburger Fälscherwerkstatt, ausgerechnet den Part des „Richters“  dem Sprecher der in der in der. Al Nusra Front aufgegangenen Islamic Front Abu Abd al-Rahman al-Suri vergeben haben, macht den gläubigen Kohl fürs  heimatliche Hausschwein sicherlich nur noch fetter – das will ja schließlich Scheiße fressen und sonst nichts.

 

Guten Appetit weiterhin.

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=0LlWCuOH-OQ#!

 

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=0sb1EIgsGrY

 

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=qVwEsEjJeuo

 

 

 

PS

Für die staatlichen Auftraggeber dieser Propaganda und ihre Interessen, war und ist die Gründung und reibungslose Indienststellung von global agierenden Terrororganisationen mittlerweile zu einem festen Bestandteil Herrschaftssichernder (und herstellender) Aufgaben geworden.

 

http://www.youtube.com/watch?v=Dqn0bm4E9yw