lutz herden
18.03.2013 | 15:03 81

Ein unglaublicher Vorgang

Zypern-Paket Die Zwangsabgabe auch für zypriotische Kleinsparer kommt einer Zwangsenteignung gleich. Selten ist in der Eurozone eine so kurzsichtige Entscheidung getroffen worden

Ein unglaublicher Vorgang

Foto: Barbara Laborde/ AFP/ Getty Images

Man stelle sich vor, welcher Aufstand in Deutschland entfesselt würde, wären alle Bankkunden über Nacht damit konfrontiert, dass mindestens 6,75 Prozent ihrer Einlagen eingefroren, nicht mehr zugänglich, quasi verloren seien. Dass Millionen Menschen in diesem Land als Dienstleistungskulis für Niedriglöhne arbeiten oder sich die amerikanischen Freunde mit ihren Drohnen tagtäglich des vorsätzlichen Tötens schuldig machen, lassen die deutschen Wohlstandsmilieus an sich abtropfen. Betrifft uns nicht, kann man ignorieren oder ausblenden. Gerät jedoch das bei Banken Angelegte in Gefahr, geht  es ums Eingemachte. Sich daran zu vergreifen, das sollten besser keine Bundesregierung und keine Brüsseler EU-Zentrale riskieren.

Kollektive Enteignung

Man erinnere sich, wie Kanzlerin Merkel und ihr damaliger Finanzminister Steinbrück am 5. Oktober 2008 nach dem Crash der US-Bank Lehman Brothers und dem Fast-Crash des deutschen Geldhauses Hypo Real Estate eine Garantieerklärung für alle Bankkunden abgaben. Steinbrück damals: „Ich möchte gern unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.“

Den Zyprioten wird genau das zugemutet. Man kann die EWG-, die EG- und die EU-Geschichte abgrasen, so viel man will – es wird sich kein vergleichbarer Vorgang für die gemeinschaftliche Zwangsenteignung der Bürger eines EU-Staates finden. Wer geglaubt haben sollte, es seien schon mit Griechenland kaum zu übertreffende Exempel statuiert worden, sieht sich eines Besseren belehrt. Dass über Nacht auf Zypern auch der letzte Kleinsparer rasiert wird, ohne dass es einen Beschluss der Regierung in Nikosia, eine Konsultation, geschweige denn eine Entscheidung des zypriotischen Parlaments gab, erinnert an eine Kollektivstrafe. Sollte die EU eine Solidargemeinschaft sein, wie häufig postuliert wird, kann das nur befremden und abstoßen.

Selten ist in der Eurozone seit Ausbruch der Eurokrise eine derart kurzsichtige und alles andere als „Finanzmarkt“ gerechte Entscheidung gefällt worden. Investoren wussten bisher, dass ihre Staatsanleihen früher oder später nicht mehr sicher sein konnten. Nun wissen Millionen Sparer, dass ihre Guthaben von heute auf morgen gekappt werden können. Wie werden darauf Italiener, Griechen, Spanier oder Portugiesen reagieren, wenn sie dem Umgang mit Zypern entnehmen können, was ihnen blüht?

Auch in diesen Ländern ist die Finanz- vor allem eine Bankenkrise. Soll es einen Run auf die Banken geben, wenn alle Kunden von ihren Konten retten, was noch zu retten ist? Man kann die Eurozone wahrlich durch einen intelligenteren Coup in die Luft sprengen als durch das Zypern-Paket, eine Beleidigung des ökonomischen Sachverstands und des gesunden Menschenverstandes sowieso.

Kein Schuldenschnitt

Die Zyprioten mögen nun nachvollziehen, weshalb es in Brüssel und Berlin für euphorische Begeisterung gesorgt hat, als sie Ende Februar den konservativen Nikos Anastasiades mehrheitlich zum neuen Präsidenten wählten. Und sie werden vielleicht ermessen, weshalb sich dessen Vorgänger Dimitris Christofias bis zuletzt geweigert hat, solcherart Entmündigung durch die EU seinen Segen zu geben.

Um allen Irrtümern vorzubeugen – man hat es mit einem völlig anderen Verfahren zu tun als beim Schuldenschnitt im März 2012, der die Privatgläubiger Griechenlands ereilte und zum temporären Schuldenerlass von 100 Milliarden Euro führte. Dieser Haircut traf Finanzinvestoren – also Eigentümer von Schuldverschreibungen des griechischen Staates – die mit einer nicht eben geringen Gewinnerwartung Anlagen platziert hatten, deren mögliche Risiken den möglichen Renditen in nichts nachstanden. Was diese Anleger abschreiben mussten, war beträchtlich, hielt sich aber durch den Tausch gegen Wertpapiere mit längeren Laufzeiten und die Garantien der EZB in Grenzen. Mit diesem Schuldenschnitt sollten nicht zuletzt Spekulanten getroffen werden, die an den Kapitalmärkten auf den Totalbankrott Griechenlands und den Rauswurf aus der Eurozone gewettet hatten.

Ganz anders verhält es sich, wenn Sparern quasi über Nacht handstreichartig 6,75 Prozent ihrer Bankeinlagen entzogen werden. Über den Haircut für die Privatgläubiger Griechenlands wurde lange debattiert und verhandelt. Finanzinvestoren wussten, was auf sie zukommt. Sie konnten an Griechen-Bonds abstoßen (und haben das getan), was sich von den Gewinnaussichten her als Rohrkrepierer erwiesen hatte.

Welche Sternstunde

Das Exemplarische der „Zypern-Rettung“ besteht nicht allein in der anmaßenden Fremdbestimmung eines souveränen Staates, sondern im Negieren demokratischer Regeln. Demokratie wird nicht missbraucht oder manipuliert, sie wird schlichtweg übergangen. Das zypriotische Parlament darf über bereits getroffene Entscheidungen entscheiden. Welche Gnade! Welche Sternstunde der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie und all der Gesundbeter, die ihr das ewige Leben wünschen.

Kommentare (81)

Rupert Rauch 18.03.2013 | 15:15

Ja, ich  stimme weitgehend zu, allerdings bin ich der Meinung, dass die EU auf kurzsichtigen Entscheidungen gebaut ist, sie sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Und Enteignungen gehen (anders als im deutschen Sprachgebrauch) im deutschen Recht mit einer angemessenen Entschädigung einher.

"Das zypriotische Parlament darf über bereits getroffene Entscheidungen entscheiden."

Meines Wissens kann es die Lösung ablehnen und würde damit vermutlich mehr oder weniger automatisch aus dem Euro-Raum ausscheiden.

Das ist nicht die schlechteste Wahl, zumindest ist sie ehrlich und eskalierend, anders als der unsäglich verlogene Austeritätskurs, den man den Griechen aufgenötigt hat und der schleichend in die Katastrophe führt.

Wenn wir Glück haben ist der Euro demnächst Geschichte.

 

 

gweberbv 18.03.2013 | 15:39

Das zypriotische Parlament darf über bereits getroffene Entscheidungen entscheiden. Welche Gnade! Welche Sternstunde der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie und all der Gesundbeter, die ihr das ewige Leben wünschen.

Indem Zypern der Eurozone beigetreten ist, hat es die Souveränität über die seine Währung an die Gemeinschaft der Euro-Staaten abgegeben. Tonangebend sind hier natürlich die großen Staaten und nicht das winzige Zypern. Zurückholen kann man sie nur durch den Austritt aus der Währungsunion. Nur so lässt sich der Widerspruch auflösen, dass das Parlament in mächtigen Land A durch seine Entscheidung den Handlungsspielraum des Parlaments im schwachen Land B auf null einschränkt. Fertig. Aus.

 

 

Flori 18.03.2013 | 15:56

Interessant in dem Zusammenhang auch der allgemeine und vor allem mediale Verschleierungszusammenhang: die News des Staatsfernsehens, also ARD-Tagesschau oder ZDF-heute, besitzen ja bereits wieder den Mut, von der "damaligen Bankenkrise" zu sprechen, als sei alles längst überstanden. Der weise Aborigine wüsste etwas von einem Bumrang zu erzählen...

sven kyek 18.03.2013 | 16:02

Ich hatte schon mal Lenin zitiert :  Ohne revolutionäre Theorie keine revolutionäre Bewegung .  Und dann schrieb ich, das die revolutionären Theorien nicht im Sinne von Lenin unbedingt von  Denen ausgehen müssen , die die revolutionäre Masse bilden . Wenn es Denen nämlich an Theorien mangelt , können Diese auch vom Klassen-Feind geliefert werden .

Die Theorie ,, Rettung oder Heilung durch Enteignung " könnte eine solche sein . 

Das nach der Würde nun auch das Eigentum der Mehrheit geopfert werden soll zeigt nicht das Bild einer Demokratie . 

Es ist das Bild einer Diktatur , die scheinbar skrupellos , aber immer nachdrücklicher , zur Not auch gewaltsam um ihre Entsorgung bemüht ist . 

Bei n-tv sagen aktuell 90 % der Anrufer das sie Angst um ihr Geld haben  Ich habe mangels des Selben darum keine Angst . Meine Angst ist nur das es für eine revolutionäre Bewegung noch nicht ausreicht .Aber ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg . Mit Turbolader frei Haus geliefert . 

 

Helmut Eckert 18.03.2013 | 16:27

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/einlagengarantie-merkel-beruhigt-die-deutschen-sparer-a-889504.html

Merkels Märchenstunde geht in die nächste Runde. Stand einst Steinbrück hinter ihr, als sie die Spareinlagen der Deutschen als sicher bezeichnete, so wird sich dieser SPD Experte die nächsten Stunden und Tage beeilen, in das gleiche Horn zu stoßen.  Beide  erinnern mich an kleine Kinder, welche in den dunklen Keller gehen und unentwegt in die Dunkelheit rufen: Hallo, ist hier jemand. Hallo, Euer Geld ist sicher, wie das Gold in Fort Knox! Nur fest glauben, müsst Ihr lieben Wähler. Vor der Wahl wird kein Mensch Eure Spargroschen verschwinden lassen. Nach dem Wahl kommt das Wörtchen: Alternativlos… Auch wir Deutsche müssen Opfer bringen… Der Euro muss gerettet werden. Dazu müssen wir bereit sein, auch finanzielle Opfer tapfer zu tragen. Nur so werden wir den Wohlstand aller Bürger retten können….In diesem Singsang vor versammelter Presse wird der Raubbau am deutschen Sparer schöngeredet…Alles nur blühende Fantasie? Darauf sollte sich der kleine Mann nicht verlassen. Denn schnell kann er erkennen, dass es er ist, der verlassen ist. Wacht er aus auf, stellt er fest, sein liebstes, sein Geld nahm die Eigenschaft von Quecksilber an. Will er es greifen, ist es schon auf anderen Konten , mit anderen Worten, es ist nicht weg, nur woanders!

Es ist alles nur gelogen,

es ist alles nicht mehr war.

Kleiner Mann du bist betrogen,

weil Dein Geld ist nicht mehr da.

Es ist alles nur gelogen,

es ist alles nicht mehr war.

He, man hat dich abgezogen,

ist dir das endlich klar?

Freitag 18.03.2013

Franky 18.03.2013 | 16:28

Es tut mir leid, aber es mir ziemlich egal, ob die Leute mit mehr als 100 000 Euro auf dem Konto zahlen müssen. Lustig war in den Medien immer der Hinweis, auf angebliche russische Schwarzgelder - ganz so, als ob alle anderen Milliarden blütenweiss wären. Aber, dass man die einfachen Leute mit ein paar oder meinetwegen auch ein paar tausend Euronen auf dem Konto mit abkassiert, das ist irre. Das sind doch Peanuts bei den Dimensionen, um die es geht. Die Herrscher der Märkte wollen den Volk offensichtlich zeigen, wo der Hammer hängt. Anders kann ich es mir nicht erklären. Sonst könnte man ja fast eine klammheimliche Freude empfinden.
Damit auch gleich jeder deutsche Normalo an seine paar Spargroschen denkt, bringt die Bundeskanzlerin noch schnell die Einlagengarantie in Gespräch. Das hört sich in diesem Zusammenhang etwa so an, wie die Leier, dass alle Atomkraftwerke in Deutschland hundertprozentig sicher seien, da man sie sonst schon längst ja hätte abschalten müssen. Bald werden wir wohl flächendeckend damit erpresst, entweder auch auf ein paar Prozent Erspartes zu verzichten oder die eine und andere alternativlose Entscheidung zu erdulden.

sven kyek 18.03.2013 | 17:14

Der Erste mit Brüssel-Syndrom ?? 


Der Prignitzer - Ganz oben in Brandenburg, Nachrichten & mehrBanküberfall in Bad Wilsnack!! Die selbe Sparkassenfiliale, deren Eingangsbereich vor einem guten Vierteljahr gesprengt wurde, überfiel heute ein bislang Unbekannter. Der Tatverdächtige ist auf der Flucht, ersten Meldungen nach ist er mit einer offenbar echten Maschinenpistole unterwegs. Die Polizeifahndung läuft!

 

Hans Springstein 18.03.2013 | 17:32

Unglaublich ist dieser Vorgang nur, weil sich die Herrschenden in der EU bisher noch nicht so offen trauten zu zeigen, wessen Interessen sie tatsächlich vertreten und wessen Interessen sie nicht interessieren. Und kurzsichtig finde ich es auch nicht, sondern es passt zu der jahrelangen grundlegenden Strategie der Politik im Auftrag derer, deren Interessen sie sichern soll: Gewinne werden privatisiert, Risiken und Vreluste werden sozialisiert. Also eigentlich alles nichts Neues. Die spannende Frage ist, wie weit die Herrschenden und die "Regierenden" noch gehen können ohne ernsthaften Widerstand. Und wenn dieser Widerstand kommen sollte, was ich aber ein bisschen sekptisch sehe, was dann geschieht, wie darauf reagiert wird. Auf jeden Fall nicht mit "Nachbesserungen" ...

Franky 18.03.2013 | 17:55

Wenn man das Finanzsystem als System begreift, dass beständig - innerhalb seiner Grenzen - lernt, dann ist klar, dass bereits die hypothetische Revolte und auch die befürchtete Kapitalflucht aus den südlichen Ländern mit eingepreist sind. Ersticken kann dieses System nur an seiner eigenen Logik, so wie alter ein Windows-Rechner, der sich aufgehängt hat; oder wie die Sowjetunion, die einfach implodiert ist. Es fragt sich nur, wann dies passiert, und wie arm wir "99 Prozent" bis dahin werden müssen.

freedom of speech? 18.03.2013 | 18:02

Wer sich ansieht, wer am meisten jammert, wird sehen, wie goldrichtig diese Maßnahme ist.

Woher die plötzliche linke Leidenschaft für Steueroasen?

Forderte nicht kürzlich die Linke 100% Einkommenssteuer auf hohe Einkommen?

Forderten nicht Protagonisten der Syrica in Griechenland  20 % auf alle Einlagen? (und das wohl jedes Jahr. :)

Da scheinen mir einige Genossen massiv darüber verwirrt, wohin man gelangt, wenn man einfach nur dagegen ist.   :)

 

Viele Grüße

fos?

Franky 18.03.2013 | 18:18

Sorry, aber ich stehe politisch links und hatte gepostet, dass es mir ziemlich egal ist, ob Leute mit 100 000 Euro und weit mehr auf dem Konto zahlen müssen. Außerdem sollten, wie im normalen, also nicht politischen, Geschäftsleben erst einmal die Aktionäre haften, dann die Besitzer von Anleihen, dann die Sparer mit ihren Einlagen. Ich weiss, dass die meisten Linken auch so denken. Was bitte ist daran jetzt falsch?

Heinz Lambarth 18.03.2013 | 19:29

Nun ja, wenn es um die geldanlagen des kleinsparers und/oder der "russischen oligarchen" geht - da kann die EU schonmal auf's ganze gehen. Knapp 1 mio. einwohner und eine noch weit kleinere zahl an "russen", was soll da schon passieren? Da darf ein exempel stattuiert werden. Hier werden die instrumente gezeigt, die auch noch da sind; und zwar vorgeführt an einer menschengruppe, die viel zu klein ist, sich ernsthaft zu wehren.

Aber gemach, die "russischen oligrachen" haben sicherlich zur rechten zeit eine tipp bekommen; die dumme ist die kleinsparerin...

sven kyek 18.03.2013 | 19:41

Genau Herr Herden . Dieses Signal  verbreitet  mehr Angst als H 5 N1  im Jahr 2006 .  Das Merkels Austerität von einigen als Verzicht in schlechten Zeiten Austern zu Essen und das Verbot des Hochfreqenzhandels etwas mit Computerspielen zu tun  hat , ist der vorsätzlichen Verdummung der Fach und Fremdwortfernen Bildungsschichten geschuldet .

Aber :   ,, Eine Auszahlung ist derzeit nicht möglich.Bitte wenden Sie Sich an Ihre Hausbank "   ist IQ-Neutral . Und es hat etwas gemeinsam mit dem Internet . Es verbreitet sich in Windeseile Weltweit  und ??

            und es wird nicht vergessen wie manch gebrochenes  

                                      Wahlversprechen .              

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Ehemaliger Nutzer 18.03.2013 | 20:41

Ich danke mal wieder für diesen Artikel!

Anstatt das man "Briefkastenfirmen" enteignet, die nur in Zypern sind wegen der geringen Einschränkungen, geht es dem kleinen Bürger ans Geld. Seit gestern sind ja sogar einfach die Bankautomaten abgestellt worden (und die Banken geschlossen) - einfache Leute kommen nicht mehr an ihr Geld. Derweil dürfen die "Schwarzanleger" und die Banken selbst ihr Geld in Sicherheit bringen - vielleicht die Caymans, vielleicht Monaco oder sogar London? Wenn das nicht langsam zum Aufstand führt würde ich mich wundern. Und die Gelder deutscher Firmen, die dort billig geparkt waren, verschwinden natürlich auch vorher.

Hier werden nicht die Reichen enteignet, sondern die Armen und die Mittelschicht. Eine fast neue Version des Kapitalismus 3.0.

luggi 18.03.2013 | 20:49

"Man stelle sich vor, welcher Aufstand in Deutschland entfesselt würde, wären alle Bankkunden über Nacht damit konfrontiert, dass mindestens 6,75 Prozent ihrer Einlagen eingefroren, nicht mehr zugänglich, quasi verloren seien."

Diese "blöden" Deutschen akzeptieren seit Jahrzehnten ein absinkendes Zinsniveau. Was soll's.

balsamico 18.03.2013 | 20:59

Woher die plötzliche linke Leidenschaft für Steueroasen?

Es geht um die Kaltschnäuzigkeit, mit der man sich (auch) am Geld derjenigen vergreift, die nie an den Machenschaften des Großkapitals beteiligt waren. Dass das für Kapitalisten vom echten Schrot und Korn kein Argument ist, leuchtet ein. Schließlich hat man sich schon immer auf Kosten der kleinen Leute bereichert. Wo könnte man leichter abkassieren als bei denen? 

sven kyek 18.03.2013 | 22:21

Ich weiß nicht ob ich damit Richtig liege . Aber ich denke das die Reichenabgabe in Zypern von diesen abzugsfähig sein wird . Das würde heißen , daß sie mit dem eingezogenen Betrag die Steuerlast aus Zinserträgen mindern bzw . komplett auf 0 setzen . Somit zahlt der Steuerzahler .

Die Zinserträge der kleinen Konten werden sicher im Zuge von Freibeträgen nicht steuerpflichtig sein . Also können sie auch nichts geltend machen und so bleiben die bis 100000 Euro die Dummen .

ed2murrow 18.03.2013 | 22:58

Gar nicht sehr leise übernehmen italienische Medien den Tenor Ihres Artikels und fragen rhetorisch, was wohl im eigenen Land bevorstehe. Die Theoretiker des Domino-Effekts, die nicht die Furcht umtreibt, sondern der Wille zu einem "Kerneuropa" (früher auch schon einmal das der zwei Geschwindigkeiten) haben endlich ihr Mittel gefunden und dazu die Leitkuh.

Roger11 19.03.2013 | 00:57

Eigentlich sind mir die Probleme der sog. ersten Welt ziemlich egal, solange sie keine Kriege vom Zaun bricht. Denn es gibt andere, viel krassere malus facts auf dem Planeten, in der sog. dritten Welt, angerichtet von der ersten.

Ich stelle gegenüber:

- Prozentuale Zwangsabgabe von Deposits vs Wasserquellenverkauf an Nestle in Südafrika und Amerika (Nord und Süd)

- Prozentuale Zwangsabgabe von Deposits vs monokulturell-dominantes Samengut von Monsanto.

- Professionelle Verarsche der Bürger, mittels -  Angst. Diese Company, übrigens die älteste Firma der Welt - zieht man immer dann zu Rate, wenn der Baum brennt. Oder, wenn er brennen soll.

Angst ist weder an der NYSE noch an anderen Börsenplätzen gelistet  " Everyone is bookink us, cool, isn´t it?" ..meint der CEO.

"Ja".

"Hey, you damn german, isn´t Angst cool? Hey, just say it!"

"No."

"You fuckin Mensch!"

 

 

 

 

 

 

Tollschock 19.03.2013 | 09:36

Was soll die Aufregung? Einfach mal zur Bank gehen und sagen man müßte sein Konto räumen. Sparbücher etc gleich mit und Tschüß. Wenn 10% das jetzt mal einfach machen geht denen so der Hintern auf Grundeis das die Banken ein ernsthaftes Problem haben. Ich trau bei Geld keinem Menschen und schon gar nicht welchen die meinen sie könnten mit meinem Geld arbeiten. Was sich jeder einfach merken muß: Bei Geld und im Krieg gibt es keine Freunde!

Mein Gegner in Sachen Geld ist die Finanzwirtschaft. Sie schöpft Kapital aus dem produktiven volkswirtschaftlich aktiven Kapital und wandelt es in inaktives totes Kapital das Zinsen erwirtschaftet die ebenfalls von uns bezahlt werden müssen. Egal ob Fond, Versicherung oder irgendeine andere Anlageform die Summe des ganzen ist bei der heutigen Art der Gestaltung parasitär. Es gibt die schöne heile Welt nur noch dort wo die wohlformulierten Hochglanzbrochures die Menschen dazu verleiten ihr sauer verdientes Geld in windigen Immobilien etc anzulegen die von den anderen 10% aufgelegt werden um gemolken zu werden. Wenn man da nicht mehr mit macht und begreift das es im Leben wichtigeres gibt wird einem leichter ums Herz und das Geld was ich habe kann ich für mich und meine mir nahestehenden verwenden. Wir können denen durch Verweigerung und Vermeidung ziemlich gut das Wasser abgraben und diese legalen Schneeballsysteme zu Fall bringen. Das würde zum einen endlich Geld wieder da hin schaffen wo es gebraucht wird und zum anderen würden die ganzen überbezahlten endlich dahin gerückt werden wozu sie eigentlich gedacht sind: dem Menschen zu dienen!

Die Finanzwirtschaft ist im ursprünglichen Sinne eine dienende Einrichtung zur Sicherung und Aufbewahrung. Sie wurde aber Stück für Stück zu etwas ausgebaut das dieser Aufgabe nicht mehr nach kommt. Sie wurde vom Dienstleister zur Herrschaft und genau dieser Vorgang muß bedingungslos korrigiert werden.

serengeti 19.03.2013 | 10:39

Sie sprechen mit aus dem Herzen. Selten habe ich eine so konfuse und populistische Debatte erlebt. Vermögensbesteuerung als "Enteignung" zu bezeichnen gehörte bis jetzt zur üblichen Polemik neoliberaler Sozialstaatsgegner, von der FDP bis zur Tea Party.

Endlich greift die EU nach dem Geld, das nur auf Konten herumliegt - und die Linken schreien laut auf, werden zu Anwälten der Vermögenden, sorry, der "Kleinsparer" - mir kommen die Tränen. War Zypern nicht bis jetzt ein steuerparadies? Ist es so schrecklich, jetzt ein paar Prozent Steuern auf seine Ersparnisse zu bezahlen?

Der Griff nach den Geldvermögen ist das Beste, was Merkel und Schäuble bis jetzt zustandegebracht haben. Im Unterschied zu den Austeritätsprogrammen in anderen Ländern, der Kürzung von Löhnen, Renten, Arbeitslosengeld, etc., wird dadurch die Binnennachfrage nicht ruiniert und niemand in die Armut getrieben. Nur die "armen" zypriotischen Banken verlieren ihr Geschäftsmodell. Wie schrecklich!

Kennt eigentlich jemand Zahlen darüber, was so eine Maßnahme, in der ganzen Eurozone umgesetzt, bringen würde? Bestimmt genügend Milliarden, um damit nicht nur Staatsschulden abzubauen, sondern auch Konjunkturprogramme finanzieren zu können, die im Süden so dringend gebraucht werden.

Frage an den Freitag: Wieso macht man eigentlich ein Meinungsmedium, wenn man dann doch auf jedem populistischen Mainstream mitschwimmt?

lebowski 19.03.2013 | 10:43

Ich möchte an dieser Stelle einmal die voraussschauende Politik der deutschen Regierungen der letzten Jahre loben. Denn dank Hartz-IV und Agenda 2010 habe ich überhaupt keine Knete mehr, die ich in Sicherheit bringen müsste, falls uns hier ein ähnliches Schicksal wie Zypern blühen würde. Das beruhigt  ungemein die Nerven. Danke Angie!

gettop 19.03.2013 | 11:08

ich stimme den Bewertungen des Artikels vollumfänglich zu - aber

wie sollen die Großen - die Mehrheit - in der Eurozone sich verhalten, wenn ein Staat sich leistungsloses Einkommen über ein die anderen schädigendes Geschäftsmodell verschafft, dass am Ende platzt und Unheil über alle bringt.

Kurz vor dem Eurobeitritt war ich in Zypern - Uralub im April - und bereiste das kleine Land - was ich endeckte war eine Wirtschaft,  die sich auf Briefkastenfirmen konzentrierte - also Steueroase und Schwarzgeld -  Pelzgeschäfte und Luxusuhrenhandel.

In der EU kam die exessive Bankenindustrie hinzu mit dem Geschäftsmodell - Steueroase - Immobilienblase - und Anlocken von Auslandseuros durch überhöhte Zinsen. ( ähnlich Island). Bis die Bankenbilanzen über 900% des BIPs betrugen - in Deutschland 125%. 

Kurz - viele in Zypern haben sich mit wenig Anstrengung eine goldene Nase erworben - auch indem die Banken die Spareuros mit bis zu 10% verzinsten - verzinsen mussten , um das Geld der Welt anzulocken.

Nun ist das schädigende Geschäftsmodell geplatzt - vorsätzlicher Betrug steht im Raum, wer ist nun zu verurteilen - die EU, die Zypriotischen Parteien - die Wähler  - Frau Merkel -  sicher die Gier, so clever zu sein, dass "ordentliche" Arbeit nicht notwendig ist, wenn man die anderen über den Tisch ziehen kann, indem man gemeinsame  Regeln nur richtig ausnutzt.

Calvin 19.03.2013 | 11:26

Stimmt Herr Herden,

ein unglaublicher Vorgang dieser Artikel.

Soetwas wie eine gemeinsame Linie, ist beim Freitag nicht erkennbar.

Das Monate anhaltende Bashing der Euro-Rettung bei gleichzeitigen uneingeschränkten Solidaritätsbekundungen mit unseren griechischen EU-Partnern steht auf der einen Seite.

 

Nun kommt der erste vernünftige Vorschlag der EU-Kommission -und hier im Forum wird diskutiert, ob es nicht sozialer wäre, erst den Aktionär und dann den Steuerflüchtling zu enteignen.

 

So wie es aussieht wird Zypern auch den nachgebesserten Vorschlag ablehnen, da es sich nicht von seinem Geschäftsmodell verabschieden will: Einen Bankensektor der 7,2 Mal so groß ist wie das BIP / Jahr. Und weil die "kleinen Leute" eben auch der zypriotischen Regierung scheißegal sind.

 

Wenn man sich die Proteste dort anschaut (also die für russischen und englische Oligarchen und Steuerflüchtlinge), hätte vielleicht ein bisschen Kohle ins zypriotischen Bildungssystem fließen sollen.

Aber das weiß der hellenische Nepotismus zu verhindern.

Bleibt nur zu hoffen, dass die EU nicht weiter nachbessert und Zypern pleite gehen lässt. Dann können sich die Leute fragen, ob 6,25 - 10 % so viel und so ungerechtfertigt gewesen sind.

 

 

P.S.: Die deutsche Einlagensicherung deckt auch nur bis 100 000 € ab.

thinktankgirl 19.03.2013 | 12:22

Dazu noch eine hübsche Verschwörungstheorie aus dem Guardian:

Robert Mundell, evil genius of the euro

For the architect of the euro, taking macroeconomics away from elected politicians and forcing deregulation were part of the plan

The idea that the euro has "failed" is dangerously naive. The euro is doing exactly what its progenitor – and the wealthy 1%-ers who adopted it – predicted and planned for it to do. [...]

The euro would really do its work when crises hit, Mundell explained. Removing a government's control over currency would prevent nasty little elected officials from using Keynesian monetary and fiscal juice to pull a nation out of recession.

"It puts monetary policy out of the reach of politicians," he said. "[And] without fiscal policy, the only way nations can keep jobs is by the competitive reduction of rules on business." [...]

And when crises arise, economically disarmed nations have little to do but wipe away government regulations wholesale, privatize state industries en masse, slash taxes and send the European welfare state down the drain. [...]

 

gweberbv 19.03.2013 | 13:12

Dazu noch eine hübsche Verschwörungstheorie ...

Verschwörungstheorie? Eine dem Zugriff der Politik weitgehend entzogene Notenbank, die sich primär um die Geldwertstabilität kümmert, war/ist das Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaft und etwas allgemeiner der "nördlichen" Volkswirtschaften. Die Euro-Verträge schreiben dieses Modell ganz offen für die gesamte Eurozone fest.

Unsinn ist natürlich die Annahme, dass die Einführung des Euro unter diesen Vorzeichen letztlich auf die heutige Krise abzielten. Was wir momentan erleben, ist möglicherweise der Auftakt zur größten Wirtschaftskrise seit Menschengedenken. Da gehen die Interessen sowohl des Kapitals wie der Arbeitnehmer den Bach runter. Vergleichbar mit einer Naturkatastrophe.

Robert Zapf 19.03.2013 | 14:47

...Endlich greift die EU nach dem Geld, das nur auf Konten herumliegt...
Wenn ich nach 10 Jahren Sparen, und ich meine Sparen im Sinne von weniger Geld monatlich zur Verfügung haben, mich einschränken müssen, und nicht überzähliges Geld am Monatsende gewinnbringend anlegen, wenn ich dann nach diesen 10 Jahren, sagen wir halt 20 000 Euro auf meinem Konto hätte, um mir dann endlich ein neues Auto kaufen zu können, weil ich es für die Arbeit brauche, oder vielleicht auch mal meine alte Waschmaschine auswechseln möchte, dann würde es mich schon hart treffen, wenn ich plötzlich 1500 Euro weniger hätte.
Man sollt also schon etwas unterscheiden.
Und was hindert die Herrschenden daran, Sparguthaben bis zu einer gewissen Größe nicht anzutasten, und das erst mit Zinsstaffelung ab einer gewissen Größe zu tun?

Hier ein Link , der sich auch mit der Sache beschäftigt:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=16567#more-16567

 

orgalo 19.03.2013 | 16:50

„nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ - erst recht im online-Zeitalter. Gestern hätte ich noch gesagt, „wow“ . Heute müsste in einem news-artikel von ganz anderen Vorgängen gesprochen werden. Wer nun diesen Bock geschossen hat, auch die kleinen zyprischen Sparer mit der Zwangsabgabe nahezu 7% zu beglücken, ist in meinen Augen nicht mehr so wichtig. Offenbar waren da die zyprischen Unterhändler selbst ganz wild darauf, die großen Anleger möglichst zu schonen – auf Kosten einer Mitbeteiligung der kleinen Anleger.

Wirklich sensationell finde ich im Moment (als Zypern Berichterstatter würde ich vermutlich bei dieser Höchstaktualität mit Herz-Kreislaufbeschwerden zu kämpfen haben), dass bei einer Ablehnung des Anlegerbeteilungsmodells in der jetzigen Form - wo Kleinsparer bis 20 000 Euro Einlagenhöhe ausgenommen werden – es keine Kompromissmöglichkeiten mehr gibt. Vielleicht gibt es noch eine weitere Abstimmung – mit den üblichen Weltuntergangsbeschwörungen. Vielleicht hilft die EZB noch für weitere Wochen mit Notkrediten (ELA). Aber dann ist der Ofen aus. Zypern muss die Eurozone verlassen oder - ähnlich wie damals in Griechenland - kurzfristig eine Neuwahl mit ungewissem Ausgang veranlassen. In jedem Fall spektakulär. Für den Berichterstatter die ultimative Aufreger-Ansage.

serengeti 19.03.2013 | 16:52

klar, ein Freibetrag von 20000 Euro ist schon o.k. Ich fand es nur völlig unangemessen, mit welcher Schärfe hier kritisiert wird: Zwangsenteignung, Nacht- und Nebelaktion, usw. Man hat den Eindruck, hier würden jetzt die elementaren Menschenrechte außer Kraft gesetzt. Dabei ist der Zugriff auf die Geldvermögen im Prinzip angemessen und von den sozialen Auswirkungen her kein Vergleich zu dem, was die Austeritätsprogramme anrichten. Niemand wird dadurch einkommens- oder obdachlos. Und was die zypriotischen "Kleinsparer" betrifft: die haben viele jahre lang auf ihre Spareinlagen hohe Zinsen bekommen, im Durchschnitt 5 Prozent, soweit mir bekannt ist. Steuern mussten darauf keine bezahlt werden. Da ist es m.E. kein Beinbruch, einmal eine Abgabe von 6,75 Prozent zu leisten. Diese hysterischen Reaktionen der Medien, die ständige Rede von "Zwangsenteignung", haben in Zypern letztlich diejenigen gestärkt, die das Geschäftsmodell der zypriotischen banken verteidigen. Jetzt bin ich gespannt, was sich die Regierung einfallen lässt ...

janto ban 19.03.2013 | 17:31

|| Dass über Nacht auf Zypern auch der letzte Kleinsparer rasiert wird, ohne dass es einen Beschluss der Regierung in Nikosia, eine Konsultation, geschweige denn eine Entscheidung des zypriotischen Parlaments gab, erinnert an eine Kollektivstrafe. (... ...) Das zypriotische Parlament darf über bereits getroffene Entscheidungen entscheiden. Welche Gnade! ||

Ist das - Stand heute - (noch) richtig? Schäuble und die EU sagen, dass Zypern lediglich die Auflage bekam, die Summe X selbst aufzutreiben. Die irre Idee der Enteignung mit der umgedrehten Gießkanne soll in Zypern selbst entstanden sein. Und soweit ich weiß, gibt es zu dieser Behauptung bislang keine Gegendarstellung von der Insel..

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Ehemaliger Nutzer 19.03.2013 | 17:49

Ich habe gerade bei Phoenix Live die Debatte in Zypern verfolgt. Interessant fand ich 2 Dinge. Erstens als ein Parlamentarier sagte: "Die politische Führung und das Volk" - das ist also getrennt. Zweitens das Phoenix sich ausblendete, als ein Abgeordneter über Geldwäsche in Deutschland sprach!

mcmac 19.03.2013 | 21:01

Danke, Lutz Herden, für diesen Beitrag! Es ist unerträglich dabei zusehen zu müssen, wie die Merkel-Administration mit ihrer durchgeknallten Austeritäts-Politik das gesamte "Haus Europa" vor die Wand fährt. Mittlerweile gefährdet Sie damit die - nach blutigsten Jahrhunderten endlich - errichtete europäische Friedensordnung.

rechercheuse 20.03.2013 | 06:52

danke! ja, so sehe und mache ich das auch - konsumverweigerung bzw. konsum hinterfragen  und mit dem eigenen geld nicht andere spekulieren lassen ... zumindest die theorie, die man erkannt hat auch selbst praktizieren - was sonst???

bin gespannt was jetzt in zypern passiert

 

beunruhigt bin ich schon, dass sich deutschland immer mehr isoliert und das feindbild des europäischen südens merkel heisst, andererseits, machen die ja eigentlich unseren "job" als "wähler" - schlimm und schlimmer werden die ör nach ihrer eingeführten zwangsabgabe, wo verweigern ja auch bezahlt werden muss

Frank Linnhoff 20.03.2013 | 08:45

Kollektive Enteignung? - Ist dieser Ausdruck wirklich angemessen? Ich meine nicht. Ich störe mich daran, wenn immer von einer Zwangsabgabe auf Erspartes gesprochen wird. Die Abgabe gilt ebenso für Girokonten. Hier ist das meiste zu holen. Deswegen bringt eine mäßige Abgabe auf alle Einlagen den Banken das meiste Geld in die Kasse. Ich meine verstanden zu haben, dass jeder Bankkunde für seine Abgabe einen Kapitalanteil an seiner Bank erhält. Wir meinen ganz selbstverständlich, dass es die Aufgabe des Staates - in diesem Fall der EU- ist, Banken vor dem Konkurs zu retten. Führt nicht gerade diese "Rettungspolitik" dazu, dass die Banken meinen, sich alles herausnehmen zu können? Wir sollten uns fragen, wie es möglich ist, dass die Bilanzsumme der Banken dieser Insel um ein Vielfaches höher ist, als das BIP. Sagen wir es frei heraus, die zyprischen Regierungen haben gemeinsam mit ihren Banken sehr bewußt ein äußerst risikoreiches Spiel getrieben. Ich wünsche den Zyprioten, dass sie sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen und darüber nachdenken, warum die Situation so ist, wie sie ist.

gweberbv 20.03.2013 | 13:16

Inzwischen gibt es ja ein klares Votum des zyrischen Parlaments gegen die Zwangsmaßnahmen.

Laut Economist sieht Plan B nun so aus: Von den aufzubringenden 6 Mrd Euro holt sich Zypern ganze 4 Mrd aus den Einlagen des staatlichen Pensionsfonds. Die Rentenansprüche werden dann künftig direkt aus dem Staatshaushalt bedient. Und wenn die Kasse mal leer ist, was in den nächsten Jahren sicherlich der Fall sein wird, dann muss entsprechend gekürzt werden.

Für den zypriotischen Joe Sixpack wäre der Griff in die Bankeinlagen sicherlich der bessere Deal gewesen.

rheinhold2000 20.03.2013 | 15:34

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zyperns-parlament-lehnt-zwangsabgabe-ab-rettungspaket-in-gefahr-a-889847.html

Nun wird es richtig spannend. Ich bin mir sicher, dass nun nicht nur die Drähte nach Berlin, sondern auch die Drähte nach Moskau glühen. Für 17 Mrd. Euro könnte Moskau sich ein EU-Mitglied mit Gasvorkommen kaufen und gleichzeitig die 25 Mrd. Euro seiner “Oligarchen” sichern. Ein Schnäppchen, ermöglicht durch Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und Jörg Asmussen. Spasibo Germanija.

Ich persönlich gönns den Russen. Der bessere gewinnt halt. Thats kapitalism. Interessant nur das ausgerechnet die neoliberalalas hier im thread jetzt die spielregeln ändern wollen

Maxi Scharfenberg 20.03.2013 | 18:59

Viel Lärm um Nichts. Dabei ist so eine Staatsverschuldung weniger als Nichts. Aber der Analyse kann ich gut zustimmen. Trotzdem ist es nur Geld, um dessen Vorhandensein oder vermeintliches Fehlen mancher sich zu viele Gedanken macht. Dabei sollte doch jedem Halbökonomen klar sein, dass das nur einmal ein Beispiel sein soll, wie man aus dem ganzen Überschuldungsschlamassel wieder herauskommen kann, ohne dass das wackere Volk ernsthaft böse wird. Das kann man in Zypern wegen der Insellage gut üben. Helgoland wäre auch so eine Idee. Da gibt es auch lustige Zeitgenossen, wie einer heute Morgen an der Kaffeküche, der sagte: " Vielleicht dürfen die Zyprioten vorfristig wählen. Das wäre was und demokratisch wäre es auch."

Also, ruhig bleiben und der Frage nachgehen, wieso plötzlich Staatsverschuldung und Bankenpleite Themen sind. Ist es denn nicht egal, ob die EU je nach Land 70, 90 oder 150 % des BP verschuldet sind?? Nach rechtsstaatlich korrekten Gesichtspunkten ist es so oder so Konkursverschleppung.

 

 

digitales 20.03.2013 | 21:51

Zypern als Geldwaschmaschine, wie Griechenland eben auch und Italien und Portugal und überhapt: die ganze Welt als eine einzige Geldwaschmaschine.

Russische Multimilliardäre in Geldnöten, weil sie zwar wissen wie man Geld macht aber nicht wohin damit. Das ein Sie mit vielen anderen Milliardären.

Fed und EZB machen solche Leute schlichtweg zu Metabolismen, die als "Kackesprüher", inkontinent (kein Kalauer) wie sie nun mal sind, outen - und here we go: ladies and gentlemen: this party is represented by our best ones.

Eliten?

Sollte man für so einen Scheiß seine Zeit verschwenden?

Warum?

digitales 20.03.2013 | 21:53

erratum:

Zypern als Geldwaschmaschine, wie Griechenland eben auch und Italien und Portugal ea und überhapt: die ganze Welt als eine einzige Geldwaschmaschine.

Russische Multimilliardäre in Geldnöten, weil sie zwar wissen wie man Geld macht aber nicht wohin damit. Das ein Sie mit vielen anderen Milliardären.

 

richtig:

 

Zypern als Geldwaschmaschine, wie Griechenland eben auch und Italien und Portugal und überhaupt: die ganze Welt als eine einzige Geldwaschmaschine.

Russische Multimilliardäre in Geldnöten, weil sie zwar wissen wie man Geld macht aber nicht wohin damit. Das eint Sie mit vielen anderen Milliardären.

tja ..., 21.03.2013 | 08:54

Widerspruch, Herr Herden!

Ich kann mir eine Menge  vorstellen, aber "welcher Aufstand in Deutschland entfesselt würde, wären alle Bankkunden über Nacht damit konfrontiert, dass mindestens 6,75 Prozent ihrer Einlagen eingefroren, ..." fehlt mir wirklich jedes Vorstellungsvermögen!!!

In Frankreich, und eigentlich nur da, könnte ich mir das mit dem Aufstand vorstellen, aber das Risiko werden die Regierenden dort nicht eingehen!

In Deutschland ist, wie ich es sehe, die soziale längst zur asozialen Marktwirtschaft verkommen. Hier nimmt man es hin, daß Hartz IV auf den Weg gebracht wurde und gleichzeitig die höheren Einkommen entlastet wurden!

Es ist so, daß die Politik gern von dem scheuen Reh Geld sprich, das sich verflüchtigt, sobald es den Anschein hat, sich nicht schnell und mühelos vermehren zu lassen. Und hier geht die Politik eine Kumpanei mit dem Kapital ein!

Widerstand seitens der eigenen Bevölkerung muß Merkel & co nicht befürchten. Man (Rösler!) kann die 4oo €-Jobber als deutschen Standortvorteil verhöhnen. Merkel und Schäuble würden an Vernunft und Einsicht der Deutschen appelieren und mit einem gewinnenden Lächeln selbstverständlich ihre Hände auf die Gelder ihrer abhängig Beschäftigten legen!

 

Rosa Sconto 21.03.2013 | 09:07

Ich glaube, Sie verstehen etwas falsch: Dies ist was passiert, wenn Banker sich über die Menschen erheben dürfen, denen sie eigentlich einen fairen Servis bieten sollten. Politiker waren nur ihre willfährigen Helfer.

Die zypriotische "Bankenaufsicht" erlaubte dem Bankensektor bis zu 7-8 X mehr zu wachsen als das eigentliche BIP, während das normale Mass nur bis maximal 2X das BIP sein dürfte. Deshalb haben die zypriotischen Banken weit weniger Anleihegläubiger welche Verluste absorbieren können, - bevor Einleger getroffen werden. Das ist die einfache Mathematik und nicht politische Dogmatik.

Zusätzlich hatten sich die zypriotischen Banken mit "wertlosen" griechischen Staatsanleihen bedient die sie als "Sicherheiten" deklarierten und genau dies wurde zu einem tödlichen Gebräu. Zyperns Finanzsektor war einfach nur sehr schlecht geführt und obendrein von diletantischen britischen Finanz-"Experten" "beraten".

Diese Misswirtschaft hat dazu geführt warum Zypern nun andere für finanzielle Unterstützung anbetteln muss. Alles, was EU, EZB, IWF, etc tun ist das sie die Einhaltung ihrer Konditionen fordern um einen bail-out den Umständen entsprechend halbwegs erfolgreich durch zu setzten. Ohne diese gravierende Misswirtschaft der Banken würde Zypern gar nicht nicht um Hilfe betteln müssen.

Die zypriotischen Leute haben ja die Freiheit gegen diesen angebotenen Deal zu stimmen. In diesem Fall wird weder die EU noch die EZB und IWF das Angebot weiterhin gewähren und Zypern ist frei, das Zypern-Pfund wieder einzuführen. Oder, nur mal so nebenbei, die türkische Lira einzuführen.

Die Zyprioten kosten 60 Million nur für die Aufrechterhaltung der dortigen UN Mission weil sie zu bescheuert oder zu sturköpfig sind sich endlich mit der Türkei zu arrangieren. Die 3500 britischen Soldaten dort kosten noch mal das Gleiche und sind zur Erhaltung des Weltfriedens so wichtig wie ein Fahrad für einen Fisch. Das ganze Land ist ein "Failed State" und es wurde Zeit das es endlich auf der Realität aufschlaägt!

Lukasz Szopa 21.03.2013 | 14:23

1. Ihre These mit dem Fehlen der Demokratie stimmt nicht ganz. Es stimmt nicht, dass das zypr. Parlament über "bereits getroffene Entscheidungen" entscheiden kann/konnte. Wie wir vorgestern gesehen hatten - wurde die EU-Plan abgeleht. Demokratisch. Allerdings gebe ich ihnen Recht, wie im Fall Papandreu / Griechenland / Referendum: Das war damals alles andere als demokratisch (welche Privatphotos gegen oder Abfindungen hatte die EU damals gegen ihn? - ich kann bis heute nicht verstehen, warum er eingeknickt ist...).

2. Sie fragen sich, warum diesemal vor allem die Sparer zur Kasse gebeten werden, und nicht, wie bei Griechenland-Umschuldung, die Gläubiger. Doch die Fälle sind fast identisch: in beiden Fällen zahlt derjenige der einer Bank (Fall Zypern) oder einem Staat (Fall Griechenland) Geld anvertraut hatte, ob Finanzinvestor oder Kleinsparer, Geld war Geld.

3. "Spargarantien": Ob EU oder Steinbrück&Merkel: Wer an solche Spargarantien glaubt, läßt sich eben von Politikern verführen, die eine schöne Nebelwolke vor die finanziellen Tatsachen blasen. Denn: alleine die Steinbrück/Merkel-Garantie würde 500 Mrd. EUR bedeuten - wer glaubt, der Staat könne das (ohne Inflation) stemmen, ist aus meiner Sicht etwas naiv... Das was Sie hier "Vertrauen" (der Sparer an "das System") nennen, ist nüchtern betrachtet der Glaube an eine Lüge ("Dein Geld ist sicher". "Das Finanzsystem ist sicher".) (Oder warum haben alle Angst vor dem Bank-Run? Weil es dieses Geld zu 90% gar nicht gibt - auch nicht bei "gesunden" Banken...)

4. Sie haben recht, dass im Fall Zypern die "EU-Lösung" handstreichartig schnell durchgewunken werden sollte, während man bei Griechenland lange und offen versch. Lösungen diskuttierte und gar verhandelte. Doch vergessen wir nicht, so unsozial dieser EU-Vorschlag war (vor allem: unter Ausklammerung der Bank-Aktionäre!), es war ein VORSCHLAG. Den die Zypern abgeleht hatten. Sie haben zwar recht, dass es die Alternative zwischen "Vorschlag annehmen" und "Pleite gehen" war. Doch wenn man verhandelt, ist es eben so, dass man keinen "seichteren Vorschlag" parallel unterbreitet. Fazit, und da gebe ich Ihnen erneut recht: die EU handelt wider ihren Geist, keine Solidarität, es wird statt Frieden Feindseligkeit geschürt (denn - sehen wir uns die Debatte nicht nur hier an: am Ende heisst es "Deutsche" gegen "Griechen/Zyprer" etc...)

Frank Linnhoff 22.03.2013 | 08:59

Ihr Wort in Gottes Ohren, Herr Herden, was das "Verlorengehen von implantierten Gewissheiten" von Otto-Normalverbraucher angeht. Wie unsere Geldordnung und unser Bankenwesen der Mindestreserve mit multipler Geldschöpfung funktionieren, was Giralgeld ist, wem dies gehört und wem nicht, interessiert hier noch nicht einmal einen Bankgläubiger von 100. Das zypriotische Volk wird spätestens in der nächsten Woche etliche Illusionen verloren haben. Dass damit auch eine spürbare Anzahl deutscher Tiefschläfer aufwachen wird, dafür sehe ich keinerlei Anzeichen. Unser Finanzminister und unsere Kanzlerin scheinen sich dessen sogar absolut gewiss zu sein.

ww 22.03.2013 | 16:52

Was für ein aufgeregtes Getue - und das gilt auch für den weiteren Artikel  'Demokratie als Clownerie'  in der Ausgabe vom 21-3-2013! Vorab: die Einbeziehung auch der kleinen Sparguthaben war ein Wunsch nicht der EU, sondern der zyprischen Regierung (die offensichtlich damit zumindest optisch die Inhaber der großen, sehr großen und riesigen 'Sparguthaben' schonen wollte).

 

Und was ist eine einmalige Abgabe, wie sie vorgeschlagen wurde, finanztechnisch? Nichts anderes als eine, übrigens sehr bescheidene, Vermögenssteuer, wie sie Frankreich, im übrigen auch bei uns die Grünen (die ich wählen werde) und die SPD verlangen, zunächst einmal beschränkt auf die greifbaren Geldanlagen der Vermögenden, und sehr zweckmäßig zu diesem Zeitpunkt, bevor das Geld schnell abgeholt wird. Und dass dieser Zeitpunkt gewählt werden mußte, hat auch das Beispiel Griechenland sattsam gelehrt, wo ständig wohllautende Versprechen produziert wurden, ohne sie auch nur zum Teil einzulösen.

 

Die ganze Aufregung ist (aus recht undurchsichtigen Gründen) absolut unnötig - die verlangte Beteiligung der - größeren - Sparguthaben ist indessen noch unvollständig: auch die zyprischen Vermögen in anderer Vermögensform (Grundeigentum, Wertpapiere, Kunstschätze usw.) müssen selbstverständlich dieser - zunächst einmaligen - Vermögenssteuer unterworfen werden, daneben müssen auch die Banken (d.h.ihre Eigentümer) im Wege eines  'Schuldenschnitts'  (also einer sachlich und sprachlich eingeschränkten Insolvenz) an der Bezahlung des von ihnen angerichteten Schadens beteiligt werden.

 

Dieses  'Paket'  würde einer unaufgeregten Behandlung des Falles  Zypern entsprechen. 

Querdenker 23.03.2013 | 11:01

Die Zwangsabgabe auch für zypriotische Kleinsparer kommt einer Zwangsenteignung gleich. Selten ist in der Eurozone eine so kurzsichtige Entscheidung getroffen worden.

Selten konnte man so schön und quasi in Echtzeit miterleben, wie komplett daneben Lutz Herden mit seinen Analysen und Deutungen liegt. Aber was will man von einem Artikel erwarten, in dem der Autor schon von einer Entscheidung schreibt, wo es doch erst um einen Vorschlag ging. Der dann abgelehnt wurde.

Und seien wir ehrlich: Eine Zwangsabgabe bei Bankguthaben ist so ziemlich das gerechteste, was man tun kann - wäre es auch in Deutschland. Man kann nur hoffen, daß das zyprische Parlament Größe zeigt und diese Abgabe heute auch absegnet.

Salim Spohr 23.03.2013 | 19:18

Seit sieben Jahren erlebe ich, wie die Verwaltung des griechischen Teils Zyperns, von Vetternwirtschaft und Bestechlichkeit geprägt, dem Bürger in jener schwer verdaulichen Mischung aus Überheblichkeit und Inkompetenz täglich auf die Nerven geht. Aus fremden Ländern stammende Leute werden als Personen niederer Klassen behandelt, und die Verwaltung pflegt auch Einheimischen gegenüber einen so arroganten, bürgerverachtenden Stil, daß sie insgesamt aufgelöst und jede einzelne Stelle neu ausgeschrieben werden müßte, wenn eine Chance bestehen soll, dieses schöne Land von einer sie fressenden Verwaltungsmafia zu befreien. Europa hätte jetzt die Möglichkeit, Zypern zur Einhaltung der sonst in Europa geltenden Rechtsstandards, z. B. Kriegsflüchtlingen gegenüber, zu zwingen. Zypern soll gerettet werden, zuerst aber einmal vor sich selbst und seiner Mafia.  - Und Ihr Kommentar ist um bald eine Woche veraltet. Die kleinen Bankkunden hatten gemäß Eurogruppenentwurf ursprünglich ausgespart bleiben sollen.  - Der Böse, das  ist in diesem Fall wirklich Zypern selbst und seine Regierung.

Salim Spohr 23.03.2013 | 19:22

Über die Unverschämtheiten zyprischer Banken

 Die Banken Zyperns pflegen einen bald terroristischen Verwaltungsstil: Einen größeren von einer deutschen Bank überwiesenen Betrag hatte man mir nicht einmal in Raten von 10.000, Euro auzahlen wollen, sondern empfohlen, über den Cash-Automaten täglich 600,- Euro abzuheben, dann hätte ich ja bald den Betrag zusammen. Erst nach Anwendung massiven juristischen Drucks war mir das Geld dann doch ausgezahlt worden. Dem Landsmann eines Freundes, der zu seiner kranken Mutter hatte fliegen wollen, war die Auszahlung eines weit unter dem Kontostand liegenden Betrages erst genehmigt worden, als dessen Arbeitgeber gedroht hatte, andernfalls alle seine Konten dort zu löschen. - Die Euroleute scheinen kein Interesse daran zu haben, die Bürger Zyperns vor ihren Bankern zu schützen. - Schlimmer noch sieht es im Asylbereich aus, wo der Staat Zypern seine Bürger gegen Asylbewerber regelrecht aufhetzt, an denen er verdient. - Das darf doch nicht ungestraft bleiben.