Mädchenmannschaft
21.10.2011 | 09:48 1

Was mir bleibt: die Definitionsmacht

Reden wir über Definitionsmacht. Ein Konzept, das von Feministinnen maßgeblich geprägt wurde. Es bedeutet, dass die Opfer und Betroffenen von sexualisierter, transphober, homophober, behindertenfeindlicher oder rassistischer Gewalt das Recht haben, die Gewalt als solche zu benennen. Es steht den ansonsten herrschenden Relativierungsversuchen und dem Rechtfertigungsdruck gegenüber.

Vor einiger Zeit geriet ich auf Twitter durch ein Missverständnis in einen mächtigen Shitstorm. Neben allgemeinen Vergewaltigungsandrohungen gegenüber Feministinnen wurden dabei ganz speziell auf mich bezogene Szenarien entworfen. Wie ich zu vergewaltigen sei und warum das gerechtfertigt sei. Daneben eine Reihe an Beleidigungen, die sich schon fast harmlos gegenüber der sexualisierten Gewalt ausnehmen.

Diese Sprüche wurden von der Urheberin als total normal angesehen, von diversen Leuten wurde sie für ihren Humor verteidigt und die Provokation sogar gelobt.

Dabei finde ich ich die ganze Geschichte nicht witzig, mich ekelt die Verachtung an, die Respektlosigkeit gegenüber meinem Körper, meinem Recht auf Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit. Vermutlich waren die Aussagen sogar strafbar (sie sind inzwischen gelöscht, aber an anderer Stelle dokumentiert.)

Und ich wehre mich gegen jeden Versuch, mir jetzt noch meine Meinung abzusprechen, mir eine andere vorschreiben zu wollen und mir als Betroffene die Definitionsmacht wegzunehmen. Ich wehre mich gegen jeden Versuch, die Vorgänge zu relativieren und über Rechtfertigungen zu spekulieren. Ich wehre mich auch gegen Überlegungen, welche Auswirkungen solche Vorgänge auf Vergewaltigungsopfer haben. Das alles ist völlig irrelevant!

Es ging um mich, meine Person, meinen Körper und ich sage: Sexualisierte Gewalt und Aufrufe dazu sind das Letzte und genau das ist passiert. Es sind Versuche mich einzuschüchtern und mich fremd zu bestimmen. Das zu benennen und mich dagegen zu wehren, ist meine Definitionsmacht. Wer sie nicht anerkennt, hält die perfiden Systeme von Unterdrückung, Einschüchterung und Verharmlosung von Gewalt am Leben.

Dieser Text wurde von Helga Hansen verfasst und erschien zuerst auf Drop the thought. Helga Hansen bloggt außerdem für die Mädchenmannschaft.

Kommentare (1)

luzieh.fair 21.10.2011 | 12:29

wer ein bisschen mehr über die Definitionsmacht wissen will, es gab beim Freitag vor knapp zwei Jahren eine ganz interessante Diskussion zu dem Thema (vermutlich auch zu anderen Zeitpunkten, aber das habe ich gerade gefunden):

www.freitag.de/community/blogs/antifee/must-have-definitionsmacht---teil-1

www.freitag.de/community/blogs/antifee/must-have-definitionsmacht---teil-2

Vermutlich ist es wichtig, das Konzept der Definitionsmacht zu kennen, um den Artikel hier zu verstehen. Von wegen Theorie und Praxis und so...

Ich hätte ja, als ich den Titel las, etwas fundiertere Ausführungfen erwartet (Theorie), wobei ich auch verstehen kann, wenn Frau sich einfach mal auskotzen will (Praxis).

In diesem Sinne, Lu