Magda
19.12.2012 | 09:50 107

Haptik als Printargument?

Zeitungskrise Das Wichtigste an einer Zeitung scheint zu sein, dass sie raschelt, dass man Kaffee drauf verschütten kann, dass sie überall im Wege ist. Und, dass man sie anfassen kann.

Haptik als Printargument?

Foto: kafka4prez / Flickr (cc)

Viel wichtiger ist aber,  dass man sie irgendwo kaufen muss. Das sehe ich ja auch ein. 

Aber, dieser Tick mitdem haptischen Erlebnis, der immer mal wieder ins Feld geführt wird, um Print die höheren Weihen als sinnliche Erfahrungsquelle zu verleihen, ist mir nicht ganz zugänglich. In meinem beruflichen Leben hatte ich genug Zeug zum Anfassen. Wer mal kurz in einer heißen Setzerei gearbeitet hat, der weiß, wie sich das anfühlt. Anfassen sollte man die Bleizeilen, die da runterfallen auch nicht gleich, tut nämlich weh. Und wenn dann die erbosten Metteure einem Zeilen in den Rücken werfen, weil sie mit der „Zange kürzen“ müssen und nix richtig passt, dann war das der absolute „Haptick“ für einen Tag.

Und was das andere Sinnliche an Printmedien betrifft. Ich mochte den Geruch von Druckerschwärze noch nie. Außerdem sah man immer aus wie Schwein, wenn man in der Setzerei und Mettage zugange war.

Es gab also weniger sinnliche, aber - unbestritten – besinnliche und auch traurige Momente, als das „Bleisatzschiff“ in die neuen Folienhäfen einfuhr. Plötzlich war eine ganze Berufsgruppe überflüssig. Die Setzer und Metteure vor allem.  Ich habe darüber schon mal geschrieben. Bleisatz und Umbruch

Das ist auch lange her. Die Zeiten vergehen. Und hier geht’s ja nicht um die einstigen Produzenten, sondern um die gegenwärtigen Konsumenten, die ein sinnliches Papier-Erlebnis preisen und loben. Die wollen ein bürgerliches Zeitungsgefühl, ein haptisches eben und keinen online Häppchenjournalismus. Hat übrigens schon mal jemand erlebt, wie gemein man sich an Papier schneiden kann? Fürchterlich.

Print ist von Dauer
das Internet ist temporär?

Nicht nur weil bezahlt werden muss für Artikel und Beiträge wird Print so vehement verteidigt, sondern weil irgend so ein merkwürdig verdrehter Ewigkeits- und Dauerbegriff durch die Gegend geistert. Print ist von Dauer, Internet ist temporär. „Was man schwarz auf weiß besitzt...“ Wer schöpferisch ist, der kriegt seine Kreativität gedruckt dokumentiert und bezahlt, auch wenn er oder sie lügt „wie gedruckt" . So ungefähr ist die Tendenz.

Ich finde, es ist eher umgekehrt. Natürlich kann niemand was dagegen machen, wenn jemand ein ganzes Zeitungsportal vom Netz nimmt. Aber ansonsten: Ewig, endlos findet man noch Sachen im Internet, nicht ohne Grund ist ja deshalb die Nervosität so groß, wenn man sich dort eine Blöße gegeben hat. Es sollte ohnehin so ein zentrales Archivierungs-System geben im Internet. Wenns das nicht schon gibt.

So ist die gedruckte Ausgabe eigentlich wie eine Quittung dafür, dass man den Wert erkannt hat, der da hergestellt wurde. Und dafür bezahlt.

Außerdem – wenn es nicht ums Geld ginge, dann würden beide Editions-Arten prima miteinander und nebeneinander auskommen. Was man auch wählt, man muss es halt bezahlen oder so.

Wie auch immer: Der Mangel an „Anfassen“ ist mir wurscht, weil ich lieber Online lese und auch immer mehr E-Books bestelle. Die Schriftstellerin Ruth Klüger hat in mehreren Statements ihr Votum für E-Books abgegeben, aber sie würde auch nie ein Entweder/Oder daraus konstruieren. Es hat für ältere Menschen vor allem den Vorteil, sich die Buchstaben auf eine komfortable Größe einstellen zu können.

Haptischer Reiz ist für z.B. mich das Tänzeln der Fingern auf einer Tastatur, das macht Spaß, das macht schon beim Schreiben einen Rhythmus, auch wenn man nicht weiß, ob das Endergebnis so rasend harmonisch ist. Grußkarten kann man dann immer noch mit der Hand schreiben.

Was ein bisschen im Internet auf der Strecke bleibt, ist die Gestaltung. Aber, auch da toben ja die Kämpfe – um Formate um Bildgrößen usw.

Wirkliche mediale
Missempfindungen

Wenns was gibt, worunter ich wirklich leide, dann ist es nicht der Mangel an haptischem Reiz bei Wortmedien. Es ist die fürchterliche und miserable Stimmkultur bei Rundfunk und Fernsehleuten. Diese fröhlich-ungeschulten fast meckernden Stimmen, diese per Stimmlippe verstreute Heiterkeit, dieses ständige falsche Betonen – immer auf der ersten Silbe – das macht mich wirklich verrückt.

Mit Haptik ist es nicht so weit her. Man kann, um dieses Bedürfnis zu befriedigen, eine Menge andere Dinge anfassen, aber nicht unbedingt eine Zeitung umblättern. Man kann jemand Liebes entblättern, wenn einem so ist. Raschelt auch ein bisschen. 

Kommentare (107)

Gustlik 19.12.2012 | 10:23

Zeitungen... wurden an die Wände geklebt, darin Fisch und Wurst verpackt, damit gebastelt...
Immer noch, zwischen 5Uhr40 und 6uhr, wird darin wochentags am Frühstückstisch geblättert. In naher Zukunft haben wir sicher eine Art OLED-Tischdecke für den Küchentisch. Die besaugt sich dann per WLAN aus dem Internet. Da kann man auch d'raufkleckern ... mal richtig reinschneiden, wenn einem die Schlagzeile nicht passt.

Allerdings... Unsere (Internet-) Archivtechnik hinkt der Zeit hinterher. Neulich wurde uns ein Foto unserer Strasse aus dem Jahre 1900 gezeigt, es war aus dem städtischen Archiv. Dort liegen ja auch Zeitungen...
Versuchen wir mal in 110 Jahren eine Spur dieser Community oder einen Schuh von Zalando, ein Digitalfoto im Irgendwo zu finden. Nichts wird bleiben....
Wenn ich die letzten Tage des Freitages ausdrucke und unter die zu tapezierende Wand klebe, gibt es gute Chancen, dass in 100 Jahren jemand ein Fragment findet.
Man könnte ja eine gebrannte CD oder DVD, einen USB-Stick, einen Chip aus der Digitalkamera, eine alte Festplatte... für die zapplige Nachwelt vergraben? Nichts ist besser, als Zeitung an die Wand zu kleben oder Ängste in die Höhlenwand zu schlagen.

Magda 19.12.2012 | 10:31

Wenn ich die letzten Tage des Freitages ausdrucke und unter die zu tapezierende Wand klebe, gibt es gute Chancen, dass in 100 Jahren jemand ein Fragment findet.

Na, Sie haben ja viel vor mit der Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes. Mir fällt noch ein, man kann sich hinter einer Zeitung gut verstecken. Wir auch und oft gern im Kriminalfilm als dramaturgisches Element verwendet. Manchmal auch - bei komischen Sachen - eine Zeitung mit Schlitzen drin, zum "schmulen". 

 

Vielleicht gibts ja aus allen diesen Traditions-Gründen Print-Pflicht-Exemplare. Die "Deutsche Bücherei" muss ja auch welche kriegen. Wer weiß, wer weiß. 

kay.kloetzer 19.12.2012 | 11:54

Liebe Magda, ich weiß, was Du meinst und möchte ergänzen: Eine Zeitung ist im besten Fall ein gut komponiertes, mit Bedacht gewichtetes, nicht zuletzt gut gemischtes Gesamtwerk. Als Leserin werde ich nicht nur informiert, sondern durch Auswahl, Größe und Platzierung der Beiträge auch gelenkt und unterhalten. Online-Angebote dagegen wirken auf mich als so nahezu gleichwertig wie oft beliebig gestreute Textsammlungen, Informationshaufen, aus denen ich mich selbst bedienen kann - aber auch muss.

Bei einer Zeitung geht es für mich darum nicht allein um Haptik – es gibt ja auch epaper. Sondern es geht auch um einen für diesen Moment abgegrenzten Ausschnitt der Welt, wobei einzelne Beiträge miteinander in Verbindung stehen und sich zueinander verhalten.  Von einem Text, der am Rand steht, erwarte ich von vornherein etwas anderes, als vom Aufmacher oder dem Keller-Beitrag.

Dabei kann ich Themen, Meinungen, Wissen finden, ohne danach gesucht zu haben, weil Seiten-Kompositionen den Blick lenken, und weil das Überfliegen einer Zeitungs-Seite zu etwas anderem führt als das Scrollen einer Seite. Bei mir zumindest. Vielleicht bin ich da konservativ. Bestimmt sogar. Liebe Grüße

langweiler 19.12.2012 | 12:35

@magda

ich habe deinen Beitrag gelesen und fand ihn sehr interessant. Vielleicht ist dies von Interesse. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1954566/ Wer bei Amazon & Co ein E-Book kauft, dem sitzt der E-Book-Anbieter beim Lesen sozusagen auf der Schulter.

Natürlich sind die Erfahrungen die du beschreibst, die Schwierigkeiten im und beim Druck , usw. sind berechtigte Gründe das Argument Haptik zu entkräften, insbesondere das Schneiden am Papier, welches sehr schmerzhaft ist.

Aber mit was soll in Zukunft die nassen Schuhe ausgestopft werden. bzw. die Kleinkinder spielen.

Da du vom Druck kommst:

Zum 150-Jährigen präsentiert die Redaktion in der MedienGalerie im Berliner Buchdruckerhaus bis zum 11. Januar 2013 eine Ausstellung mit Exponaten aus 150 Jahren. Es gibt eine Jubiläumsausgabe, anzuschauen und zu lesen auch im Internet unter www.drupa.verdi.de.

Magda 19.12.2012 | 12:47

Hallo Kay,
"Eine Zeitung ist im besten Fall ein gut komponiertes, mit Bedacht gewichtetes, nicht zuletzt gut gemischtes Gesamtwerk. Als Leserin werde ich nicht nur informiert, sondern durch Auswahl, Größe und Platzierung der Beiträge auch gelenkt und unterhalten."

Sicherlich ist eine Zeitung durch Inhalt und Form bestimmt.
Ich bin ja auch dafür, dass Menschen mit Sinn für Gesamtkunstwerke das ihre getrost nach Hause tragen können. Aber ich bin schon so auf online eingestellt, dass mir das nur selten fehlt. Vor allem seit man Beiträge auf Tablets oder im E-Book-Format lesen kann, bin ich da echt übergelaufen. Mein Mann, der mehr Sinn für Gestaltung hat, der findet es gut, wenn eine Zeitung geräumige Bilder, eine intelligente Platzierung usw. hat. Ich eben nicht und viele andere auch nicht (mehr). Die projizieren ihren Wunsch nach Gestaltung und Form auf andere Gegenstände als auf die Zeitung.

"Sondern es geht auch um einen für diesen Moment abgegrenzten Ausschnitt der Welt, wobei einzelne Beiträge miteinander in Verbindung stehen und sich zueinander verhalten. Von einem Text, der am Rand steht, erwarte ich von vornherein etwas anderes, als vom Aufmacher oder dem Keller-Beitrag."

Genau, aber haben wir hier nicht die Problematik, das mit der Platzierung auch immer - wie Du selbst schreibst - "gelenkt" wird? Na gut, das gibts auch bei Online-Medien. Aber bei der gedruckten Zeitung ist überall der "Ausschluss" eine Option und ein preiswertes Argument. Es ist halt eine Platz und Platzierungsfrage.

Bewogen zu meinen Überlegungen hat mich dieses feste Beharren auf der Print-Zeitung als einziger geltender Institution. Vor allem aber denke ich, dass in so vielen Berufen das Gegenständliche verschwunden ist. Das mag man bedauern, aber daraus nun eine Art von Defizit zu diagnostizieren, wenn man dem nicht so nachtrauert, das will ich nicht. Und ich empfinde es auch für die weitere Entwicklung als einen Hemmschuh, wenn so eine Hierarchie etabliert bleibt: Print ist das Ursprüngliche und Online das Abgeleitete, irgendwie.

Gruß
Ich kann auch nur noch mal auf den seitlich empfohlenen redaktionellen Beitrag verweisen. Es muss irgendwas geben, das online-Ausgaben kostendeckend macht.

goedzak 19.12.2012 | 13:51

Vielleicht kommt es ja wirklich so, wie es auch mit Vinyl und mp3 gegangen ist: Vinyl/Print wird was für Liebhaber. - Und da ich kein Auto habe und diverse andere Maschinen auch nicht, werde ich mir die Liebhaberei noch hoffentlich recht lange leisten können.

Was ich übrigens empfehlen kann, sind Kombiabos, wochentags pdfs lesen, am Samstag die Printausgabe im Kasten. Bekam ich vor einiger als Geschenkabo (ND)... :-)

der-Splitter-im-Auge 19.12.2012 | 14:14

DIE gedruckte Zeitung stellt für mich ein geschlossenes System dar,  ähnlich linear wie das Fernsehen.  Ich fühle mich beschränkt und in einer, von wem auch immer, festgelegten Reihenfolge gefangen. Ganz konkret geht mir die Möglichkeit ab in Echtzeit via Suchmaschine bestimmte Aussagen, die in einem Artikel gemacht werden nachzuprüfen,  konträre Meinungen in Erfahrung zu bringen oder mein Wissen zu bestimmten Sachverhalten zu vertiefen. Print erachte ich für mich als nutzlos.  Ich bin froh, dass ich diesem friss-oder-stirb Medium nicht mehr bei der Informationsbeschaffung ausgeliefert bin. Für mich ist DIE Zeitung DAS Internet und Nachrichten-Seiten sind für mich nur News-Aggregatoren der Nachrichten-Agenturen, angereichert mit mehr oder weniger tendenziellen Kommentaren. Die Zeiten, in denen ich einer Zeitung vertrauen musste, sind glücklicherweise vorbei. Ich springe von TAZ zu FAZ, vom Guardian zur Bild.  Die Freiheit nehme ich mir, weil sie mir geboten wird, dafür würde ich sogar bezahlen. Weshalb sollte ich mich mit bedrucktem (e) Papier zufrieden geben? Weil sie sich besser anfühlt? Wenn ich etwas anfassen möchte, was sich wirklich gut anfühlt, knutsch ich mit meiner Frau ;)

goedzak 19.12.2012 | 14:35

Die Vorteile der Online-Medien, die Du beschreibst, sehe ich auch, nutze sie ständig und möchte sie nicht mehr missen! - Was ich aber auch gern mache: Samstags, nachdem ich richtig ausgeschlafen habe, den Papier-Freitag in die Jackentasche stecken, in mein "Wohngebiets-Cafe" um die Ecke gehen, reichlich Coffein inhalieren und die Zeitung lesen.

Dem Ton Deines Kommentars nach zu urteilen, musst Du wohl einen Menschen wie mich schwer verachten. Ich werds aushalten.

Aber: Du vergibst Dir einiges an 'Durchblick', wenn Du etwa Medien so geschmäcklerisch oder gar moralisierend ('die wollen mich einengen') beurteilst, statt sie historisch sachlich zu beurteilen. Und: Du neigst zu unkritischen Einstellungen gegenüber dem Neuen, dass zwar ein neues handling ermöglicht, aber inhaltlich nicht weniger kritisch gesehen werden muss als das Alte.

seriousguy47 19.12.2012 | 14:54

Ich stimme kay.kloetzer zu. Ergänzen würde ich, dass mit einem so gestalteten Print-Medium - gibt es das derzeit überhaupt? - idealerweise ein ganz anderer Umgang verbunden ist: Zäsur, Ruhe, Konzentration, Langsamkeit, eigene geistige Auseinandersetzung.

Online sehe ich eher die Neigung zu Oberflächlichkeit, Flüchtigkeit und Googlen statt selber Denken. Das Medium scheint auch hier zumindest ein Teil der Botschaft zu sein.

Auf Freitag bezogen hieße das für mich: weitaus höhere intellektuelle Qualität beim Print, Debatte und eigenes Flüchtiges in der Community. Aber die FC wird ja wohl demnächst ohnehin abgespalten und separat unter dem Namen "Mopperkopp" geführt....;)

GEBE 19.12.2012 | 15:09

„Freitag

Grüne Heringe,
In Zeitung gewickelt,
Trug ich nach Hause.

Sonnig und frostig
War das Wetter.
Hausmeister streuten Sand.

Im Treppenhaus erst
Begannen Heringe
Die Zeitung zu durchnässen.

So mußte ich Zeitungspapier
Von Heringen kratzen,
Bevor ich Heringe ausnehmen konnte.

Schuppen sprangen
Und lenkten mich ab,
Weil Sonnenlicht in die Küche fiel.

Während ich Heringe ausnahm,
Las ich in jener Tageszeitung,
Die feucht und nicht neu war.

Sieben Heringe bargen Rogen,
Voller Milch waren vier;
Die Zeitung jedoch war an einem Dienstag erschienen.

Schlimm sah die Welt aus:
Kredite wurden verweigert.
Ich aber wälzte grüne Heringe in trockenem Mehl.

Als aber Heringe in der Pfanne erschraken,
Wollte ich auch düster und freudlos
Über die Pfanne hinwegsprechen.

Wer aber
Mag grünen Heringen
Vom Untergang predigen?“

 

(Quelle: Günter Grass, „Gleisdreieck“; 2. Auflage April 1967, Hermann Luchterhand Verlag GmbH, Neuwied und Berlin)

h.yuren 19.12.2012 | 15:17

liebe magda, teile deine ansichten zur haptik-these und zum rest. mir scheint, die propagierer (das ist ein zufall mit den letzten silben) der holzmedien sind schreckliche modernisierer gegenüber den guten alten tontafeln und schreibrollen, von den steinigen inschriften gar nicht zu reden.

je mani-fester das medium, desto hölzerner, lehmiger, schilfiger und steiniger die gesellschaft.

die elektronisch auf den schirm gezauberte schrift kann richtig erzärgerlich sein, wenn irgendein unsichtbares teilchen im apparat seinen dienst verweigert, aber die flüchtigkeit und leichtigkeit der zeichen und bilder entsprechen doch im wesentlichen dem gesprochenen wort. das festhalten und einhämmern in stein hat dagegen etwas pharaonisch-monumentales, das von wahn und gewalt getrieben ist.

ich habe keine goldbarren im keller oder depot, die trügerischen ziffern auf dem konto genügen.

kay.kloetzer 19.12.2012 | 16:47

Liebe Magda, ja, die Lenkung kann ein Problem sein. Vor allem bei Zeitungen, deren Macher sich dessen nicht bewusst sind, die Wirkung unterschätzen oder schlicht nicht mehr das Personal haben, solche Entscheidungen kreativ zu treffen und journalistisch umzusetzen (das soll jetzt keine Spitze gegen den Freitag sein, sondern meint vor allem Tageszeitungsjournalismus).

Es kann ja die (Erst-)Information kaum noch Aufgabe einer Zeitung sein. Das übernehmen die elektronischen Medien, da sind sie konkurrenzlos. Als Problem sehe ich, was auch in dem von Dir verlinkten Beitrag von Stephan Dörner anklingt: Niemand weiß genau, wie Online-Journalismus finanzierbar wird, weil noch nicht klar ist, an wen er sich wie wenden soll oder wendet.

Nehmen wir die Lektüregewohnheiten eines Printlesers, der sich gewiss vom Rascheln aufs Wischen umgewöhnen kann, sich aber vielleicht nicht mehrmals am Tag einloggt, sondern  der auf einen Schlag informiert und unterhalten werden will, dafür Nachrichten erwartet wie gleichermaßen Analysen, Hintergründe und Meinungsbeiträge, eine Kolumne vielleicht. Demjenigen bleibt doch im Moment neben Gedrucktem nur epaper, also Print-Journalismus in digitaler Darreichung.

Online-Journalismus ist und kann etwas anderes, ist schneller, lässt sich anders aufbereiten mit Fotos, Filmen, Verlinkungen usw., reicht aber zunächst qualitativ oft nicht über Agenturmeldungen hinaus. Der Vorteil ist, dass es im Netz derlei Agenturmaterial von der Eilmeldung Stunde um Stunde zum aufbereiteten eigenen Text bringen kann – quasi vor den Augen der Onlineleser. Ein fundierter Text, wie ihn der Zeitungsleser am nächsten Tag bekommt, gibt es im Netzt dabei auch nicht viel eher, weil es dafür einer intellektuellen und sprachlichen Leistung bedarf, die Zeit braucht.

Du sprichst im Blog auch die Sprechkultur bei – vermutlich privaten? – Rundfunksender an. Genau aus diesem Grund ertrage nur noch Sender wie DLF oder Deutschlandradio Kultur. Auch ein Verlust der Sprachkultur ist bestürzend und in Online-Medien noch stärker zu beobachten als im Gedruckten. Das heißt: Das “Beharren auf der Print-Zeitung als einziger geltender Institution” empfinde auch ich als überholt, vielleicht gefährlich. Eine Besinnung auf die Ansprüche, die sie einst hatte und erfüllen konnte, finde ich wichtig. Das Neue, das da wann und wie auch immer entsteht, wird eine Mischform sein müssen, sonst geht nicht nur die Kultur des Lesens, sondern auch des Denkens verloren.

Schuld daran wäre nicht die Digitalisierung, nicht das Netz, sondern was Du beschreibst: “Und ich empfinde es auch für die weitere Entwicklung als einen Hemmschuh, wenn so eine Hierarchie etabliert bleibt: Print ist das Ursprüngliche und Online das Abgeleitete, irgendwie.” Man kann nicht mehr herausholen, als man hineinzugeben oder darin zu entwickeln vermag.

Ich muss nicht alles anfassen, will aber alles begreifen können.

der-Splitter-im-Auge 19.12.2012 | 17:12

1.Mit meinem Vorrat an Verachtung gehe ich ganz sparsam um.  Menschen die eine gedruckte Zeitung lesen bekommen davon nix ab.

2.  Die etwas paranoid wirkende Formulierung:“Die wollen mich einengen“ habe ich nicht verwendet. Bitte beachte das. Ich schrieb:“ Ich fühle mich beschränkt und in einer, von wem auch immer, festgelegten Reihenfolge gefangen.

3. Aus welcher Stelle meines Kommentars ist für dich ersichtlich, dass ich eine unkritische Einstellung zu Online-Medien habe?  Ich schrieb:“ Ganz konkret geht mir die Möglichkeit ab in Echtzeit via Suchmaschine bestimmte Aussagen, die in einem Artikel gemacht werden nachzuprüfen,  konträre Meinungen in Erfahrung zu bringen oder mein Wissen zu bestimmten Sachverhalten zu vertiefen.“

4 Was meinst du mit "historisch sachlich“? Ich wollte in meinem Kommentar nur beschreiben, weshalb ich Online dem Gedruckten vorziehe und wie ich damit umgehe. Wie Du eine Diskreditierung von Lesern gedruckter Zeitungen hineininterpretieren kannst, ist mir nicht verständlich. Die war keinesfalls meine Absicht.

Magda 19.12.2012 | 17:24

"Das heißt: Das “Beharren auf der Print-Zeitung als einziger geltender Institution” empfinde auch ich als überholt, vielleicht gefährlich. Eine Besinnung auf die Ansprüche, die sie einst hatte und erfüllen konnte, finde ich wichtig. Das Neue, das da wann und wie auch immer entsteht, wird eine Mischform sein müssen, sonst geht nicht nur die Kultur des Lesens, sondern auch des Denkens verloren."

Das ist ein schönes und auch sinnreiches Resümee. "Was Ihr ererbt von Euren Vätern.." ein bisschen so. Erbschaften waren ja ein Thema im Freitag.

Ich muss nicht alles anfassen, will aber alles begreifen können.

Klasse, das wird das Zitat der Woche. :-))

Abgesehen von den Medien. Ich bin immer wieder völlig platt und beglückt, was für interessante - auch fachliche Texte - sich im Netz finden lassen. Auch da ist online eine Fundgrube, wenn man das einschätzen kann, was man zu einem Thema vorfindet. 

Magda 19.12.2012 | 17:29

Das ist ein bisschen absolut, aber im Grunde urteilen viele jungen Leute so. Ich denke, die panischen Debatten, die von den großen meinungsführenden Printmedien angestoßen wurden, haben mehr mit der Angst vor dem Verlust der Vorherrschaft zu tun. Natürlich auch mit ökonomischen Zwängen. Aber die FAZ z. B.  - die sind stinkreich, die haben einfach nur Angst, dass sie an Bedeutung und Einfluss verlieren. 

Magda 19.12.2012 | 17:33

Hallo an alle Kommentatoren,
das ist ja klasse, dass soviele Interesse gezeigt haben. Und - an die Redaktion, dass es so schön bebildert wurde.

 

@ poor - der Begriff "Haptik" ist mir im Zuge der Debatte einfach öfter untergekommen. Zu meinem alltäglichen Sprachgebrauch gehörte der auch nicht. Aber, sie wollen eben jetzt  wieder "Ringelpietz mit Anfassen". Zurück ins reale Leben oder so ähnlich. Das hat mich animiert zu meinem Titel. :-))

der-Splitter-im-Auge 19.12.2012 | 18:37

Sooo jung bin ich mit meinen 47 Lenzen nun auch nicht. Ich habe die Entwicklung des Internets seit 1993 verfolgt,  daran mit gewirkt und bin in meinen Jungen Jahren damit sogar ab und an regelrecht verschmolzen.  Für mich ist diese Diskussion über Print und Online uralt und eine Wiederholung der Diskussionen um MP3 und AVI. Vielleicht liegt es daran, dass sich manche meiner Formulierungen für einige etwas radikal anhören.

 Ich sehe zwei mögliche Entwicklungen:

1. Massiver Eingriff von staatlicher Stelle um monetäre Gewinne im Netz zu ermöglichen / zu erhalten. Allerdings reichen da Gesetze nicht aus, da muss dann schon ein echter struktureller Eingriff bis hin zur Spezifikation von Hardware erfolgen (Zwangs-Verdongelung).

2. Die Sozialisierung der Kosten, d.h. eine Pauschalabgabe für die Nutzung von Inhalten, ähnlich der Fernseh-und Rundfunkgebühr, was wiederum die Erstellung von Verteilungsschlüsseln durch“ what ever “ notwendig macht.  

 Diese und ähnliche Diskussionen werden uns noch sehr lange begleiten. Und ich prophezei mal: In spätestenz 20 Jahren, wenn es erschwingliche 3D-Drucker geben wird,  wird sich daraus eine echte Systemfrage ergeben.  Ich freu‘ mich drauf.

eldorado 19.12.2012 | 19:13

Zuerst mal, für was man Zeitungen sonst noch so brauchen kann:

Meine Grossmutter, ihre ersten Lebensjahre reichen noch ins 19. Jahrhundert zurück, hatte ihr WC auf der Laube. Dort hatte es kein WC-Papier, sondern fein säuberlich geschnittene Zeitungsstücke.

Wenn man noch einen Holzofen hat, braucht man das Zeitungspapier zum Anfeuern.

Wenn meine Schuhe inwendig nass werden, stopfe ich sie heute noch mit Zeitungspapier.

Zeitungspapier ist ebenfalls ein gutes Isoliermittel. Im Winter habe ich das Lagergemüsse auf der Terasse in einer stabilen Kartonschachtel, dich ausgekleidet mit Zeitungspapier, mindestens ca. 20 Schichten. Das hält bis unter -10°C.

Als Kinder hatten wir Schiffli gemacht und Sonnenhüte und vieles mehr.

Mit meinen Kindern habe ich viel gebastelt: Larven für die Fasnacht und Weihnachtsgeschenke, wie z.B. Schalen. Alles angemalt und lakiert. Auch Spielzeug haben wir damit selber gemacht.

Ah ja, wenn man fort ist und es plötzlich viel kälter wird und die Kleider nicht mehr genug warm geben, kann man Zeigungspapier unter die Kleider stopfen. Das hilft wunderbar.

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Ehemaliger Nutzer 19.12.2012 | 19:14

ich lese lieber online mit kommentarfunktion, grad in einem sowas wie "heutzutage", aber vor allem, weil mich nun doch interessiert, was ich lese, mir erschließen mag...

mal drüber was gelesen haben... mal nen überblick verschafft haben... mal ... usw, eher nicht mehr, langeweile ist selten und wenn, keine ahnung, hab vergessen, was ich dann tue...

im jetzt ists wichtig, kommentare beilesen zu können, daraus, aus artikel+kommentaren spannt sich erst das "etwas erfahren" bzw weitergehend manches mal, wenn es zu interessanten diskussionen unter den kommentatoren (auch autor/in als kommentator/in) kommt, "erkenntnis(se)"...

ich "lerne", "gewinne einblick" über diskussion, vielleicht streit uä... jetzt, wenns denn ne printausgabe sein muß (bzw wars bestimmt schon lange so) , müssens mindestens drei zeitungen sein, die mensch kauft, um ne diskussion unter drei leuts zu ein und denselben gegenstand verfolgen zu können, in büchern , über bücher findet sichs ähnlich...

das netz, die kommentarfunktion kürzt obiges ab bzw gewährleistet im günstigsten fall obiges überhaupt noch ... das ersetzt kein "eigenes denken", wie es allenorts tönt, sondern regt eben dieses an, läßt bewegung zu...

es soll schon vorgekommen sein, daß mensch ein und denselben artikel im netz und in print las und gar nicht mitbekam, daß es ein und derselbe wortlaut,bildgebung usw war, weil der artikel im netz diskutiert wurde, im raschelpapier steht er erhaben über jede kritik vielleicht auch noch gut geschrieben da und rum und "klingt gut" , sogar erstmal "plausibel", für den einen oder andren gar "wahr"... die kommentare zeigen lügen auf, gezielte lügen, erlauben rückgriff auf info-pools, die mensch nicht kennt bzw , wenn recherche wie bei mir von "durchklicken" statt gezielter sucheingabe lebt, nicht dorthingelangt...

onlineausgaben von zeitungen( mit eben jenen printartikeln, die online kritisch diskutiert werden können) sind unverzichtbar, so "zeitung" gelesen werden soll bzw gekauft...

ich könnt mir ein abo auf ne "diskussionsgrundlagensammlung im artikelformat gedruckt+in die hand zu nehmen" sehr gut vorstellen, eben nicht n "meinungsmedium"...

eldorado 19.12.2012 | 19:43

Nun die Vor- und Nachteile von Print und online:

 

Zuerst zu den Printmedien, die gab's ja zuerst:

Bei den Printmedien kann ich schön alles der Reihe nach anschauen und lesen. Verpassen tue ich sicher nichts. Was ich später genauer lesen will, wenn ich Zeit habe, kann ich herausschneiden und ich kann etwas anstreichen, was mir wichtig erscheint. Ich kann es jederzeit überall lesen. Meine Augen ermüden weniger schnell. Ich kann es überall lesen, auch in wlan-Löchern (oder wie das heisst. und auch an der Sonne, wenn ich das will.

 

Nun zu den online-Medien:

Das hat den Vorteil, dass es sehr aktuell ist. Für mich ist es schwieriger, alles im Ueberblick zu behalten, also alles zu überschauen. Allerdings ist es auch so, was ich nicht weiss, oder entdeckt habe, macht mich nicht heisss. Ankreuzen oder eine Stelle markieren geht nicht. Statt auschneiden, kann ich den betreffenden Artikel ja ausdrucken. Das mache ich aber eher nicht. Es liegen nicht mehr überall Zeitungen, oder Seiten davon herum, die ich noch nicht gelesen habe. Die Community kann sich aktiv und unvermittelt beteiligen. Das macht den Austausch lebendig.

 

Fazit:

Ich habe es gerne sowohl als auch! Ich wohne in Basel. Da haben wir eine ähnlich aufgebaute Zeitung wie den Freitag: www.tageswoche.ch

In der Printausgabe gibt es vertiefte Themen. Und jeden Tag den aktuellen Journalismus. Das finde ich ideal. Da das Printmedium mit dem Internetmedium vernetzt ist, kann ich auch auf die Artikel der Printausgabe meine Meinung geben.

 

janto ban 19.12.2012 | 19:53

|| Nicht nur weil bezahlt werden muss für Artikel und Beiträge wird Print so vehement verteidigt, sondern weil irgend so ein merkwürdig verdrehter Ewigkeits- und Dauerbegriff durch die Gegend geistert. (...) Ich finde, es ist eher umgekehrt. Natürlich kann niemand was dagegen machen, wenn jemand ein ganzes Zeitungsportal vom Netz nimmt. Aber ansonsten: Ewig, endlos findet man noch Sachen im Internet, nicht ohne Grund ist ja deshalb die Nervosität so groß, wenn man sich dort eine Blöße gegeben hat. Es sollte ohnehin so ein zentrales Archivierungs-System geben im Internet. Wenns das nicht schon gibt. ||

Hallo Magda,

diese Absätze finde ich besonders spannend. Die Suchfunktion von spiegel.de reicht bspw. bis in die 90er Jahre hinein. Was man dort alles findet, ist schon erstaunlich. Zeitungen und Zeitschriften aus diesen Jahren landeten - schon aus Platz- und Gewichtsgründen - irgendwann beim Altpapier.

Mir fiel gerade wieder ein, wie sauer ich immernoch darüber bin, dass man die Öffentlich-Rechtlichen zum Depublizieren ihrer Video-Beiträge nach 7 Tagen verdammt hat. So eine Schweinerei. Ich hoffe ingeheim, dass sie die Daten nicht wirklich depublizieren, sondern sie nur unverfügbar machen, um nach einer etwaigen Gesetzesänderung alles im Nu wieder herzaubern zu können. Aber das ist vielleicht ein naiver Gedanke. Speicherplatz kostet ja auch Geld. Immerhin gehen die ÖR - soweit ich das beurteilen kann - nicht dagegen vor, wenn ihre Beiträge auf youtube hochgeladen werden. Diese Inhalte stehen und fallen mit Google, diesem Konzern, der das Wissen der Welt auf seinen Serverfarmen in der US-amerikanischen Wüste hortet.

Diese Depublikations-Sache zeigt allerdings, dass das Internet auch anfällig für ein gewisses Vergessen ist. Und das dieses "Vergessen" politisch forciert werden kann. Für mich eine Art Bücherverbrennung auf neudeutsch.

Früher schnitt man Artikel, die eine gewisse Zeit überdauern sollten, aus. Am besten tut man das mit digitalen Inhalten, die einem wichtig sind, auch. Klebt sie sich auf die Festplatte und macht eine Sicherheitskopie von Zeit zu Zeit. Dann kann man immer mal wieder was Hochladen. Das ist das schöne - aber auch nicht ganz unbedenkliche am Digitalen: die verlustfreie Kopie.

Auf deinen letzten Absatz hatte ich während des Lesens übrigens gewartet. Gut, dass der kam. Soll ich dir meinen Mann per Email schicken? :o) Nee, aber daran kann man gut erkennen, wo der große Unterschied zwischen Print und Online für die Umsätze liegt. Die elendige Kopiererei, von der ich mich gern freisprechen wollen würde, aber nicht kann. So ehrlich willl ich sein.

(Dieses Zitat ist schon vieeel zu lang, um als Zitat durchzugehen. Wobei ich sagen muss, dass ich das auch aus einer Zeitung hätte abtippen können. Ich möchte in diesen Zeiten kein kommerzieller Anbieter audio-visueller Medien sein. Soviel steht mal fest.)

goedzak 19.12.2012 | 20:41

In spätestenz 20 Jahren, wenn es erschwingliche 3D-Drucker geben wird, wird sich daraus eine echte Systemfrage ergeben.

Das wird keine 20 Jahre mehr dauern, eher noch weniger als 10. Der Vergleich ist aber interessant. Die wichtigste Frage ist immer: Was (Inhalt!) kommt raus bzw. ist da drin und wer hats mit welcher Kompetenz gemacht?!? Alles andere ist kaum mehr als Logistik.

 

 

 

 

Magda 19.12.2012 | 20:43

"Ergänzen würde ich, dass mit einem so gestalteten Print-Medium - gibt es das derzeit überhaupt? - idealerweise ein ganz anderer Umgang verbunden ist: Zäsur, Ruhe, Konzentration, Langsamkeit, eigene geistige Auseinandersetzung."

Also das kann so sein, das muss so nicht sein, das kann aber auch im Internet so sein. Es stimmt dass ich mir Texte, die ich im Internet "ergoogelt" oder "gegoogelt" habe und nachlesen will, inzwischen auch auf ein Gerät speichere, mit dem ich mich in Ruhe außerhalb des Schreibtisches hinsetzen kann oder sogar auf die Couch legen. Das kann man mit einer Zeitung auch nicht immer. Und da habe ich dann die Langsamkeit und Ruhe.

Aber die FC wird ja wohl demnächst ohnehin abgespalten und separat unter dem Namen "Mopperkopp" geführt....;)

Wer weiß, wer weiß. :-))

Magda 19.12.2012 | 20:51

Danke für die Ergänzungen. Ich bin auch immer glücklich wieviel schon digitalisiert worden ist und aus welchen Zeiten.

Mir fiel gerade wieder ein, wie sauer ich immernoch darüber bin, dass man die Öffentlich-Rechtlichen zum Depublizieren ihrer Video-Beiträge nach 7 Tagen verdammt hat

Konkurrenz und Pfründe, das stimmt.

Und es stimmt auch mit dem politisch forcierten "Vergessen" - da ist im Internet auch kein Kraut gegen gewachsen. Ich speichere deshalb auch viele Bieträge ab - meine Festplatte ist voll mit solchen Sachen. Aber, ich denke auch, es müsste irgendwie so amtliche, gesicherte Archive gegen, wie es sie auch bei gedruckten und anderen Quellen gibt.

MopperKopp 19.12.2012 | 21:14

Die MopperKopp-Community?

Aha, die Analog Natives rotten sich zusammen und sind immerhin schon auf dem medientechnischen Stand von 2007 angekommen. Wenn sie nun noch über ihre Schatten springen und dabei nicht im Gestrüpp der Seilschaften hängenbleiben, dann besteht vielleicht Hoffnung auf konzeptionelle Arbeit und der Freitag bleibt nicht nur als Wochentag in Erinnerung :-)

Joachim Petrick 19.12.2012 | 22:18

Magda

 

@Magda

Wunderbar , qie du mit diesem Blog nicht nur dem linken Boulevard einen blühenden  Blumenstrauss bindest, sondermn Dich als Johanna, die Täuferin, des Online Geschehen outest.

Getauft ist das Online Geschehen nun. Warten wir auf Godot u. a. Spießgesellen, was aus dem Online Geschehen wird?
Dabei könnte alles viel einfacher sein, wenn unsere Wirtschaft und Gesellschaft, voran die Medien, der Freitag,  längst, öffentlich- rechtich finanziert, auf demokratische Beine gestellt?

melanie klein 20.12.2012 | 00:59

die zeitung mit dem internet zu vergleichen kommt auf das gleiche raus als wenn man einen 90jährigen stellmacher fragt, ob er nicht mal die molekülketten elastomerer kunststoffe in der heutigen formel1-reifenproduktion beschreiben kann. sprich: sinnlos.

es geht m.e. nach bei dem argument des haptischen der zeitung (das im übrigen nicht von den zeitungsmachern als verkaufsargument in den ring geschmissen wurde) nicht um die herstellungsseite (druckerei), und auch nicht um das produzieren (tastatur benutzen) sondern um ein kulturelles argument.

das internet ist eine kulturelle revolution ersten ranges. es verändert (und hat es längst) das verhalten der menschen in allen aspekten. diese bündelung von psychischer, sozialer, körperlicher einflussnahme in fast allen lebensbereiche ist zu diskutieren. das internet hat diejenigen von uns, die es überdurchschnittlich benutzen, längst zu cyborgs gemacht. ob das gut oder schlecht ist, ist ne andere frage.

im gegensatz zur schallplatte wird die zeitung jedoch wohl nicht wiederkommen. richtig traurig macht mich das ganz und gar nicht. auf andere printmedien würde ich jedoch nie wirklich verzichten wollen. denn sie weisen einen weitaus niedrigeren abhängigkeitsgrad auf (im technischen, kulturellen und psychischen sinn). würde sich das internet verabschieden, hätte ich möglicherweise kurzzeitigige verlustgedanken. aber buch und zeitschrift wären ein herber verlust.

snow_in_june 20.12.2012 | 08:03

Also ich habe immer lieber eine Zeitung in der Hand oder ein Buch vor der Nase, als dass ich vor einem Bildschirm sitze.

Andererseits scheint mir der Weg in die Digitalisierung auch bei Zeitungen unumkehrbar zu sein. Die Frage ob wir das gut finden oder nicht spielt da meines Erachtens keine entscheidende Rolle.

Die darin liegende "Entmaterialisierung" hat sicher auch ihre Nachteile (für mich eindeutig ein Nachteil, wenn ich mal nicht mehr mit dieser monströsen "Zeit"  unterm Arm am Donnerstag durch die Gegend laufen kann), insgesamt finde ich diese aber in erster Linie spannend.

Man kann da so viele Beispiele nennen. Nehmen wir Videos: Ich meine, früher geh ich so Abends zur Videothek, leih mir so ne Kassette, kleiner Plausch mit dem Videothekar, dann mit der S-Bahn so zurück, noch schnell so eine oder zwei geracht, dann halt so reingezogen, dann noch mal raus, schnell noch so zurückgebracht, und so....

Jetzt: www.i-tunes.de....klick klick klick....Film geht los.....

Das muss man nur mal weiterdenken, wie krass resourcensparend das ist...man man man. Also ich will schon wissen, wo wir diesbezüglich in so 50 Jahren stehen, wtf

Magda 20.12.2012 | 09:01

"es geht m.e. nach bei dem argument des haptischen der zeitung (das im übrigen nicht von den zeitungsmachern als verkaufsargument in den ring geschmissen wurde) nicht um die herstellungsseite (druckerei), und auch nicht um das produzieren (tastatur benutzen) sondern um ein kulturelles argument."

Also ich finde, die Herstellung eines Printprodukts ist auch ein kultureller Prozess, aber das wird oft vergessen in Zusammenhängen, die nur den Konsumenten betrachten. Und - das mit der Haptik war mir eher ein bisschen ein Anlass zu mildem Spott. 

goedzak 20.12.2012 | 09:12

Ich glaube zwar an die Dialektik von Individuum und Kollektiv, aber nicht an illusionäre Kollektive. Ich bin kein Nationalist, kein Lokalpatriot und auch kein Community-Fetischist.

'Die' Community ist amorph, man kann von ihr gar kein konsistentes 'Bild' haben bzw. sich nur eines einbilden. Diesen Fehler machen viele, auch Redakteure und der Herausgeber, habe ich auch mal gemacht, ist länger her.

Leider denkt, wer sich ein 'Bild' von 'der' Community macht, auch, sie wäre ein handlungsfähiges Subjekt, könnte organisiert werden oder müsste, wie Du scheinbar gerade glaubst, in Schutz genommen werden.

'Community', das ist nichts als ein Sammelbegriff. Und deshalb fahre ich auch nicht nach Berlin, um 'für die Community zu sprechen'. Ich fahre nach Berlin, um mit Redakteuren und FC-Mitgliedern über konkrete Vorhaben zu sprechen. Weil nur sowas die Schwalben sein können, die 'irgendwie' den Sommer machen. (Leider hat es jetzt aber einen Wintereinbruch gegeben. :-()

Bilder mache ich mir nur von einzelnen FC-Mitgliedern. Von Dir hab ich auch eines, ein vages, höchstwahrscheinlich falsches. Aber Du machst einen Fehler, wenn Du solche Äußerungen wie oben von mir persönlich nimmst.

PS: Mein Kommentar war zu allererst eine Anerkennung für Magda und kay.kloetzer. Falsch war, die anderen interessanten Kommentare, die bis dahin gekommen waren, nicht zu erwähnen. Der mit durchschimmernde Frust dagegen ist eine lässliche Sünde. Bin auch nur ein Mensch. :-)

 

Pardon, Magda, wegen der Abschweifung!

Magda 20.12.2012 | 09:38

Jaja, schweife Du nur. Mein Community-Gefühl ist ähnlich. Bei denen, die sich kennengelernt haben - kommt diese Bekanntschaft aber nun mal auch in der Community ins Spiel. Das ist nun mal so im Leben.

Und dann nähren irgendwelche Leute, die sich ausgeschlossen fühlen, gerne den Eindruck, da seien welche zusammen, um die anderen auszuschließen. Oder sind eine In-group. Das ist alles so ein Quatsch. Es hat sich schlicht und ergreifend so ergeben. Hier in Berlin auch durch den Zufall, dass wir eben in der Nähe wohnen und so weiter. Oder ofter bei Veranstaltungen sehen. Was daran nun verwerflich ist, ist mir ein Rätsel. 

Außerdem: Geltungstriebtaten und Bedeutungsschwangerschaften sind hier in regelmäßigen Abständen zu verzeichnen. 

Dagegen hilft bei mir immer nur: Schreiben. Das macht mir Spaß. Das andere hat sich so ergeben. 

snow_in_june 20.12.2012 | 09:50

Also, deinen Ausführungen über die Community und ihren heterogenen Charakter stimme ich voll zu.

Es ist natürlich auch nichts Falsches daran, wenn man wegen eines konkreten Projektes mit Redaktionsmitgliedern spricht, ganz klar.

Andererseits hat dieses von Doimlinque angestoßene Projekt letztlich das dFC-Projekt als Ganzes betroffen und wenn sich dann da Leute hervortun, die hier ausdrucklich unterscheiden zwischen wertgeschätzten und nicht wertgeschätzten Teilnehmern, dann ist das in meinen Augen ein Problem.

Was den Frust angeht, den habe ich auch, ganz massiv habe ich den, die Frage ist vielleicht eher, wie man mit dem umgeht. Aber JA macht es uns ja vor, indem er hier Leute als "Idioten" beschimpft...

melanie klein 20.12.2012 | 10:23

das stimmt natürlich, aber die druckereien hören nicht auf zu existieren, wenn es keine zeitungen mehr gibt.

es gibt dieser tage (jahre) ja ohnehin viele berichte über aussterbende (handwerks)berufe, die allemal interessant sind. aber auch hier: die möglichkeiten, durch das wissen und handling mit programmen wie bswp. adobe acrobat den kompletten satz selbst auszuführen, sollte diskutiert werden. ich finde den untergang der zeitung als NACHRICHTENverbreiter nur als einen geringen teil des umbruchs, dem wir uns vielleicht gar nicht bewusst werden, weil wir alles in echtzeit erleben. es ist vielleicht wie das aufziehen eines kindes: irgendwann kann man sich nicht mehr vorstellen, dass der pubertärende auch mal ein baby war.

mitreden 20.12.2012 | 12:10

Zur Erdung:

  Mutter  hatte ihre Kriegswitwenrente mit Zeitungsaustragen aufgebessert,

Vater, Schriftsetzer,  am Freitag (Lohntag)  von unstillbarem  Bierdurst geplagt, Berufsleiden.

Ich (73) wurde von meinen Söhnen ins Internet getragen, ich bin denen  sehr dankbar.

Mein "Freitag PapierAbo" schätze ich sehr. Nur  leider nicht zu schaffen auch nur annähernd alles Interessante zu lesen, denn schon wieder ist Donnerstag und damit "Freitag".  Kein Problem,  kann man ja stapeln .  Und dieser Stapel ist nie mehr  zu bewältigen. 

Stapelentsorgung: Die Herabstufung einer Zeitung auf den Materialwert ist mir zutiefst zu wider, ekelig die hier angedeutenden Fäkallösungen.

Welch unwürdige  Wertschätzung geistiger Arbeit!

Praktisch gesehen: Ein duales System könnte ich mir sehr userfreundlich vorstellen.

Zu hause Papier lesen ... uuups muss weg zum Arzttermin, Autoservice und ähnliches ... ok lese ich in der Wartezeit (aus welchem Anlass auch immer) weiter, habs ja auf Tablet oder e-book und störe keinen durch demonstratives Blätter rascheln.

Finanzierung: Wer den PC nutzt muss auch Rundfunkgebühren zahlen, davon sollten auch Zeitungsverlage profitieren.

Warum nicht einen gerechten Anteil für online Versionen von zB "Der Freitag"!

Schließlich tragen gerade Zeitungen erheblich zur Meinungsvielfalt bei, siehe Bundestag. Aber eitel zeitunglesend raschelnde Politiker im Bundestag werden  immer weniger als solche erkenntlich, online machts möglich.

Ich bleib beim PapierAbo, hätte aber gerne den Freitag am Donnerstag online auf e-book,

tut was ;>) !

Zeitungsverlage der Nation, einigt euch profilübergreifend über Technik, damit uns   eure Vielfalt erhalten bleibt.

Oder bitte sagt mir was ich, jetzt schon,  tun kann

 

 

 

 

melanie klein 20.12.2012 | 12:17

"Finanzierung: Wer den PC nutzt muss auch Rundfunkgebühren zahlen, davon sollten auch Zeitungsverlage profitieren."

eindeutig: NEIN! 

und weiter heißt es bei ihnen:

"Warum nicht einen gerechten Anteil für online Versionen von zB "Der Freitag"!"

weil ich mit meinem selbst erarbeitenden geld selbst bestimmen will, welche inhalte, welche geistige arbeit ich honorieren möchte.

sicher kann man mit dieser haltung grundsätzlich eine diskussion über subventionen aufwerfen, wie theater, oper etc.

aber ich finde die im januar einsetzende neuregelung schon eine farce.

die meinungen von multiplikatoren sollten gezielt entlohnt werden, sprich: über bezahlungen der online-beiträge. alles andere ist bevormundung.

Theda 20.12.2012 | 12:42
Achtung, OT. Wer Menschen zusammenbringen möchte, sei es für ein Treffen mit der Redaktion oder für einen Ausflug, der kann das öffentlich in einem Blog vorschlagen. Ich habe auch schon Leute aus Foren getroffen, die dies öffentlich angeregt hatten und dabei gab es auch keine "logistischen Probleme". Es waren ALLE angesprochen, auch diejenigen, die einem unsympathisch erscheinen. Ihre und @Goedzaks Antworten sind genausoweinig wie die Taten dahinter nicht gerade lösungsorientiert. Das hatte man alles schonmal hier, mit der "Ingroup". Und es hat sich nichts geändert. http://www.freitag.de/autoren/goedzak/vor-der-boris-becker-besenkammer Titta 16.08.2010 | 19:12 "... die man sozusagen als den unternehmungslustigsten Teil des Freitag-Community-Kollektivs bezeichnen könnte, denn sie waren einem Aufruf zum Brigadeausflug nach Halle gefolgt." Wie und wo wurde denn dieser Aufruf erlassen? Ich habe davon gar nichts mitbekommen. Wer gehört zum Freitag-Community-Kollektiv? Ich gehe davon aus, dazu gehören doch wohl alle Community-Mitglieder, handelt es sich doch um einen "Brigade-Ausflug der Freitag-Community". ed2murrow ed2murrow 23.08.2010 | 03:39 @Referenzkommentar Das nächste Mal werden ganz sicher aller 7500 Mitglieder der Community angeschrieben. Und Sie dürfen sich um die Logistik kümmern, ehrenhalber. Was für eine Logik. Übrigens ist es immer wieder interessant, wenn jemand Gedanken und Gefühle fremder Personen lesen können…. Man sollte eigentlich nicht von sich auf andere schließen, aber nun gut.
melanie klein 20.12.2012 | 13:39

ja. denn 1) wo legen sie die grenzen fest? warum soll die online-plattform eines verlages profitieren und der blogger nicht, oder der wetterkanal oder der online-shop für lebende tiere?

2) wie ich weiter unten schon anmerkte: diese neuregelung ist eine farce. monopolistisches, zeitungemäßes verhalten, was wiederum zu meinem ersten kommentar in diesem thread passt. die öffentlich-rechtlichen maßen sich an, die benutzung des computers und des internets jedes einzelnen für sich selbst finanziell auszubeuten, indem sie ihre programme online stellen. das ist eine farce. sollen sie doch ihre seiten freischalten für diejenigen, die gez zahlen, weil sie fernseher und radio zu hause haben oder die ö-r benutzen wollen. das wäre fair.

auf eine grundsicherung an neutraler informationversorgung zu pochen und damit ein komplettes system quasi mit abgaben zu belegen, an dem die die ö-r noch nicht einmal einen konsumierten anteil in promillegrenze haben, ist unsittlich und anmaßend.

karamasoff 20.12.2012 | 14:00

ich bin mir ziemlich sicher, daß die ersten primaten anfingen sich einen begriff von etwas zu machen nachdem sie evolutionstechnisch befreit wurden vom zwang nur mit der schnauze fressen zu können ^^.

 

im ernst, das is doch nostalgiegesülze. die haptik ist bei einem pad, smartphone oder was auch immer die elektronisch verarbeiteten lesbaren codes auswirft genauso vorhanden. es sind nur andere icons. und wie immer wenn die information die redundanz überwiegt wirds für sehr viele menschen (dazu zähle ich auch vorstände und manager) jenseits der monetären bewertungssysteme schwierig :-) .

der markt hats einfach verpennt und zahlt nun drauf. pech gehabt. gabs in der form schon in anderen industrie und wirtschaftszweigen.

von daher haben auch dei recht, die den vergleich mit den steintafeln ziehen.

mitreden 20.12.2012 | 14:24

Das eindeutige Ja ist nur ein Promille innerhalb der aktuellen Diskussion quer durch alle Parteien.

  Der Wetterfrosch taugt hier als Metapher nicht.

Hellwache  Gelassenheit beim Beobachten derzeitiger Lösungsansätze führt weiter.

Lasst mal die Jungen von heute weiser werden und  lachen,

Über uns mit dem Laptop auf dem Rollator und  "navi on the road to w-lan"

Mein "Der Freitag" Abo finanziere ich selbst,  abgezwackt aus  spärlicher aber ehrlich erworbener Rente. 

 

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 15:24

Ausgesprochen schöner, auch in der zuweilen abgründigen Trockenheit des Wortwitzes, in der Pointe knackig zugespitzter Beitrag, bei dem ich ausnahmsweise mal ganz auf Linie der Autorin stehe.

Aber hoppla, ich vermute, das wird magda womöglich als "Beifall von der falschen Seite" verstehen, weswegen ich mich gleich wieder aus dem thread verabschiede - mit dem gerade per Post zugestellten Freitag in der Hand.

Haptik hin oder her, ich müsste schon unsere Glotze als Monitor benutzen, um das vor mir liegende DINA2.Querformat zu erreichen bzw. zu übertreffen. Mitnehmen kann ich das Gerät auch nicht so einfach, geschweige denn zusammenfalten und in die Tasche stecken. Die einzige Lösung wäre ein Akku-Beamer, aber der ist auch nicht überall einsetzbar.

Als fahre ich mit der Print-Version zum nächsten Termin und lese einige Artikel im Zug. Manchmal lernt man so neue Leute kennen, denn viele kennen die Zeitung hier im Westen überhaupt nicht - es gibt den hier nicht mal am Bahnhofskiosk, obwohl das Kaff fast 80000 Bewohner und einen Haufen Pendler hat  - keine/r liest den Freitag soweit ich sehe.

Aber Ich!

Ich lasse das Papier manchmal absichtlich aus meiner Tasche gucken, breite es im Zug schön für anonyme Mitleser der Schlagzeilen aus, lache oder schmunzele ggf. überdeutlich, um das Interesse der Mitreisenden an meiner Lektüre zu wecken. Nicht uneigennützig versteht sich, werde ich so zum Werbe - bzw. Fetischträger (nach Marxens Definition des Warenfetisch), denn ich unterhalte mich ganz gern über manchen dF-Beitrag - nicht nur hier in der dFC.

Die Haptik der Printversion ist nicht der springende Punkt - bedrucktes Papier ist ein im reallife unschlagbares Kommunikations - und Kontaktmedium, liebe magda - meinst du nicht, daß dieser Aspekt dazugehört?

melanie klein 20.12.2012 | 15:33

nichts für ungut, aber ihre aphorismensammlung können se auch im schreibtisch, pardon: im folder lassen.

und an eine sich automatisch einstellende altersweisheit glaubt nur, wer alt geworden ist.

abgesehen davon, ham se doch ein freitag-abo. und wenn sie dafür plädieren, augstein mit seinen 24 prozent spiegel-anteils-verwaltung noch ein paar groschen von der allgemeinen öffentlichkeit abzuzwacken, dann geben sie ihm doch den rest ihrer rente. essen können sie ja dann immer noch in der suppenküche, auch öffentlich finanziert, da können se dann auch mal die dicke ausgabe des freitags lesen und treffen gleichaltrige, die die 17€ pro monat nächstes jahr auch abdrücken müssen und nicht so rüstig sind wie sie.

Magda 20.12.2012 | 16:04

"Ausgesprochen schöner, auch in der zuweilen abgründigen Trockenheit des Wortwitzes, in der Pointe knackig zugespitzter Beitrag, bei dem ich ausnahmsweise mal ganz auf Linie der Autorin stehe."

Ach nee, jetzt Ideefix.
Wo Sie das so schön an mich herantragen, da muss ich jetzt sehen, wie  ich elegant die Kurve...wohin bloß...kriege. Also, Sie sind doch kein Knallfrosch. Wenn überhaupt, dann ein welterfahrene,  kluger und in Stilfragen höchst kompetenter Knallfrosch. Kurzerhand: Sie korrumpieren mich. In diesem Sinne: Nichts für ungut.

"Die Haptik der Printversion ist nicht der springende Punkt - bedrucktes Papier ist ein im reallife unschlagbares Kommunikations - und Kontaktmedium"

Ob Haptik auch bei springenden Punkten funktioniert, weiß ich jetzt nicht so recht und unschlagbar ist bedrucktes Papier als Kontaktmedium auch nicht. Da gibts noch andere. Hunde z. B. - Hundebesitzer treten auch andauernd in Kontakt. Aber, die kann man natürlich nicht aus der Jackentasche hängen lassen. 

Gruß

silvio spottiswoode 20.12.2012 | 20:25

"Man kann jemand Liebes entblättern, wenn einem so ist. Raschelt auch ein bisschen." ... und ihn lesen wie ein Buch, ehm, ... eine Zeitung. hihi.

Magda, Du Schelm, ich habe Deinen Text sehrsehr gern gelesen.

Die Defizite, die Du beispielsweise bei den Gestaltungsmöglichkeiten wahrnimmst sehe ich – als Gestalter – aber ehrlich nicht wirklich. Da kann man überall reingrätschen, braucht nur die Zugangscodes, und oft sogar nicht mal die.

Das Problem für mich ist viel eher, dass überall bewusst "designed" wird. So sehr, dass Gestaltung sich durch unbedachten Einsatz nivelliert und entwertet. Design als Umweltverschmutzung. Die Welt zugemüllt mit beliebig austauschbaren Gestaltungsversatzstücken ...

HAPTIK ist der Dreh- und Angelpunkt in der Print-Frage;  die in letzter Konsequenz immer auch eine Frage des – sich verändernden – Leseverhaltens ist.

Vor allem kann man mit Print eben viel mehr machen, als nur lesen. Mit einer Zeitung kann ich: meinen Umzug gestalten, bei einer Renovierung Wände tapezieren, den Boden ab- und mich zu-decken, decken; und für das Basteln von Lampen, Laternen, Kasperle-Puppen und Skulpturen eignet sich doch weit und breit nichts so gut wie eine Zeitung. Das alles ganz abgesehen von den Zeitungen, die mit meinen nassen Schuhen jedes  Wochenende ungeahnte Symbiosen eingehen. Wenn wir schonunglos ehrlich sind, dann macht doch sogar das spontane entblättern von etwas Liebem auf Zeitungen einfach viel mehr Spaß.

Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären: Das eben nicht Print vs. Internet oder Analog vs Digital ist. Dies sind bloß Finten. Viel wichtiger ist die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten. Die Privatsphäre, das körperhafte im Hier und Jetzt fest verortete Menschsein. Das mit allen Unzulänglichkeiten ganz da – und mit sich und dem Lesen seiner Zeitung, allein sein. Das so ganz anders ist, als das öffentliche, unterbrochene, Multitasking-Lesen im Computer oder Eipäd. Wo der Leser ganz Geist, verdammt ist zu austauschbarer, kalter Körperlosigkeit im zeitlosen virtuellen Raum.

Magda 20.12.2012 | 20:42

Freut mich, dass der Text gefällt.

Und bei den Haptik-Print-Argumenten bin ich auch d'accord.

"Viel wichtiger ist die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten. Die Privatsphäre, das körperhafte im Hier und Jetzt fest verortete Menschsein. Das mit allen Unzulänglichkeiten ganz da – und mit sich und dem Lesen seiner Zeitung, allein sein. Das so ganz anders ist, als das öffentliche, unterbrochene, Multitasking-Lesen im Computer oder Eipäd. Wo der Leser ganz Geist, verdammt ist zu austauschbarer, kalter Körperlosigkeit im zeitlosen virtuellen Raum."

Da bin ich nun wieder am Grübeln. Das im Hier und Jetzt verortete Menschsein - gilt das auch für das Zeitungslesen in der vollen U-Bahn?. Sieht man jetzt allerdings seltener. Kürzlich saß sogar ein FREITAG-Leser neben mir. Ein netter Mensch, übrigens.
Man ist doch mit sich und dem Lesen seiner Zeitung auch nicht immer allein. Und ich bin - auch beim Printlesen -gern ein "Überflieger". Bin da nicht viel gründlicher. Vielleicht gehts auch anderen noch so und das ist gar nicht so viel anders als virtuelles Lesen.

Das mit der "kalten Körperlosigkeit" ist ein Satz, der mir einfach musikalisch sehr gefällt, aber ob er so traurig zutrifft? Ich fühle mich im Internet eher immer angenehm entgrenzt, aber das kann ja unterschiedlich sein und eine Illusion.

Gruß

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 21:55

Ach nee, 

wenn das so weiter geht, müssen wir einen Blumenladen mit Hinterzimmer-Antiquariat aufmachen.

Haptik und Botanik passen gut zueinander, solange die intellektuelle Substanz biochemisch noch reaktionsfreudig, was offenbar der Fall ist.

Berlin, hmm?

Da studiert derzeit mein Ältester und ich habe ihm neulich von meinen West-Berliner Zeiten erzählt. Hausbesetzer und Kleingärtner damals. (hatte auch den Vorteil, daß man nach einer Räumung doch noch ein Dach über dem Kopf hatte, obwohl Übernachtungen in Kleingärten in West-D i.d.R. verboten waren – legal, illegal, scheißegal)

Laubenpieper sachte man damals. In der Tat, es piepte da wie dort ganz ordentlich seinerzeit.

Nun ja, in analogen Zeiten war die nunmehr zu Grabe getragene FR, die junge taz, der Spiegel und andere irgendwie links bis linksliberale Gazetten Pflichtlektüre und Erkennungsmerkmal für die oppositionelle Intelligenz – man setzte sich in den Öffis doch nicht neben die Springerpresse-Konsumenten, die sich darüber als Dumpfbacken outeten...

Heute ist diese Präselektion nicht mehr so einfach, die Leute lesen auf dem Weg von oder zur Arbeit kaum noch Zeitung, abgesehen von den BILD-Junkies mit LR-Schwäche und den distinguiert die Zeit lesenden und intelligent wirken wollenden Akads mit Abgrenzung-nach-unten-Komplexen.

Womit wir beim Thema identitätsstiftende Print-Medien wären.

Tatsächlich schwinden meine Berührungsängste gegenüber einer äußerlich interessanten Frau wie Schnee in der Sonne, wenn diese auch noch den Freitag aus dem Handtäschchen lugen lässt.

Das ist für mich eine Einladung zu einem ausgedehnten und gelegentlich auch intellektuell anspruchsvollem Flirt. Dagegen habe ich echte Schwierigkeiten in der Ansprache, wenn ein Weib in der Bahn oder im Bus oder sonstwo in irgendeinem Schundroman oder Boulevardblatt liest bzw. vorgibt zu lesen.

Durch die ganzen e-medien geht einem da echt die Orientierung verloren...

 

Männer lesen übrigens in der Öffentlichkeit ziemlich selten, noch seltener schreiben sie – und wenn, wollen sie dabei nicht gestört werden. Aber das stimmt gar nicht, jedenfalls nicht bei mir.

Printmedien sind für mich Kontaktbrücken zu Leuten, die evtl. interessant sein könnten oder für die unsereins interessant sein könnte. Das Medium ist da die Message bzw. der Opener.

 

Wenn magda aber da Ideefix als Hundebesitzer anspricht, dann weiss der, daß mein erster Blog auf dF doch von magda gelesen wurde.

 

Gruß?

 

Dito.

Magda 20.12.2012 | 22:10

Danke für die interessanten Impressionen aus der analogen Welt der Gegenwart und Vergangenheit. Ich übrigens lese hin und wieder sehr gern Kitschromane.

"Tatsächlich schwinden meine Berührungsängste gegenüber einer äußerlich interessanten Frau wie Schnee in der Sonne, wenn diese auch noch den Freitag aus dem Handtäschchen lugen lässt."

Welches Fabrikat muss den das Täschchen sein? :-))


Wie auch immer: Ihren Hundeblog habe ich nicht gelesen. Das war eine Zufallseingebung.
Ich bin nicht so hundeaffin, aber hole ich gern nach. Ich hab über Hunde eher mal gelästert.

https://www.freitag.de/autoren/magda/hund-l-a-erm-und-gerausch-eine-hommage-an-kurt-tucholsky

 

Joachim Petrick 20.12.2012 | 22:42

Magda Magda 19.12.2012 | 22:26

 


"ficht Dich denn nun wieder an. Wenn ich überhaupt "heilig" bin, dann als Magda, denn die hat gleich zwei Namenspatroninnen. Ich kämpfe auch nicht vor, nicht hinter und nicht links und rechts. "

Mich ficht, sana in corpore, copore sano, an, dass Du wiederholt, frei von Einladungen zur Reflektion, für die digitaslierten Medien, darunter unverhohlen enthusiastisch  für das ebook wirbst, als müsste erst das Vergrößerungsglas noch erfunden werden.

Ich weiss Du nennst Deinen Kampf nicht Kanpf, sondern Zank.

Scheinbar machst Du Dich durchaus schon damit vertraut, dass Du irgendwie ? irgendwann dereinst als "Heilige Magda" der ebooks in die Annalen des Freitag  als diejenige eingehst, die, wie vormals Johannes der Täufer Jesus Christus, mit geweihtem Wasser an Stirn und Haupt- Haar, das World Wide Web öffentlich genäßt, ohne eine Ahnung zu haben, was aus dem Balg "Internet" wirkich wird.
Nur deshalb nannte ich Dich "Heilige Johanna, die Täuferin"

dazu siehe:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/linker-boulevard-ausser-gefahr


Joachim Petrick


20.12.2012 | 14:42


Linker Boulevard "außer Gefahr"?


.............Der Preis der Freiheit des World Wide Web, des Internet, liegt in der nachhaltigen Wahrnehmung der Bedeutung und Stärkung der Printmedien, des gedruckten Wortes, sei es die Wahrheit, sei es die Lüge, gedruckt taugen diese, anders als im Internet, fälschungssicher,  dukumentenfest, schwarz auf weiss,  als Beweisstück.

Sisyphos Boucher 20.12.2012 | 22:49

Ich muss zugeben, dass ich mir meinen e-Book-Reader angeschafft habe, weil er haptisch einfach passt. Er liegt gut in der Hand und im ÖPNV nerve ich im Berufsverkehr niemanden mit weit aufgeschlagener Zeitung, sondern kann im größten Gedrängel noch bequem lesen. Haptik also als Argument für digitale Zeitung. ;-) Nebenbei übrigens das Allmachtsgefühl, eine ganze Bibliothek auf dem Reader verfügbar zu haben, platzsparend und leichtgewichtig. :-D 

Für die gedruckte Zeitung spricht ihre Verfügbarkeit jenseits von Daten- und Stromnetz und eine gewisse Haltbarkeit für die Nachwelt. 

Doch was soll's. Das Zeitungssterben hat nichts mit der Frage nach gedruckt oder digital zu tun, sondern mit der traurigen Tatsache, das Informationen und ihre Medien Waren und damit auch den Verwertungsgesetzen der Warenwirtschaft unterworfen sind. 

 

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 23:22

ok, ich poste mal den Ausschnitt zum Thema Hunde im digitalen Zeitalter aus meinem ersten Blog hier und komme danach auf Handtäschchen etc:

"Dazu muß man wissen, daß ich über ggf. Aufzuschreibendes während meiner Hunderunden nachdenke. Eigentlich ist unser Hund ein Familienhund und alle Haushaltsangehörigen sollten mit ihm Gassi – bei uns eher Feldwege – gehen. Da ich aber häufiger zuhause arbeite, bleiben diese Spaziergänge bei Wind und Wetter an mir hängen und ich versuche dadurch u.a. von der Arbeit am PC zu entspannen und komme somit tagsüber auch mehr unter Leute bzw. Frau – und Herrchen.
Im Laufe der letzten Jahre haben sich so ein paar nette Bekanntschaften entwickelt, die auch einige interessante Gespräche ergaben – daher gehe ich durchaus nicht ungern auf Hunderunde, man sieht sich? Ja, man sieht sich. Was haben nun meine Hunderunden mit meiner Familie auf Facebook zu tun? Nichts, möchte man meinen. Irrtum.
Denn:
Neulich sprach mich ein gutaussehendes Frauchen auf unseren wirklich ausnehmend hübschen und kultiviert bis aristokratisch auftretenden Terrierrüden an, einfach so. Ich kannte die Frau bis dahin nicht, wunderte mich aber nicht, weil ja meine Frau und unser Jüngster auch manchmal Hunderunden laufen und gefühlt mehr als doppelt so viele Hunde und ihre BesitzerInnen kennen wie ich – was vermutlich mehr an meinem schlechten Namensgedächtnis liegt, denn kontaktscheu und mundfaul bin ich eigentlich nicht.
Nun ja, im Laufe des gemeinsamen Weges mit den Hunden kamen sie und ich ins Gespräch, natürlich nur über Hunde im Allgemeinen und die beiden vor uns herumtollenden im Besonderen, wobei sich herausstellte, daß sie unseren Hund und meine Familie vorher gar nicht kannte,
aber durch Facebook!
Er sei ihr gleich aufgefallen beim Stöbern auf dieser Facebook – Seite (deren Namen mir gerade entfallen ist) und sie freue sich sehr über ihr Glück, daß unser Hund ja ganz in der Nähe zu ihrem lebe und die beiden sich, wie heimlich von ihr erhofft, sooo gut verstehen – und er sei ja so süß und sie rang mit ihrer Fassung und war augenscheinlich zutiefst gerührt von dieser sich aus dem virtuellen zur erfreulich realen Begegnung.
Dagegen war ich eher vom Donner gerührt. Unser Hund hatte eine eigene Facebook-Seite. Die Frau neben mir redete einfach weiter und ich stutzte bei der Frage, ob ich derjenige gewesen sei, der auf die Freundschaftsanfrage ihrer wirklich ausnehmend hübschen Hündin gleicher Rasse so positiv reagiert habe. Ich wusste natürlich, daß es sowas auf Facebook gibt und verneinte wahrheitsgemäß, wobei es langsam in mir zu brodeln anfing und ich die nächste Abzweigung anvisierte, um mich von meiner Hunderundenbegleitung zu verabschieden. Aber sie ließ nicht locker, weswegen ich mich – gottlob gibt es Handys – erst mit einem gefakten Telefonanruf aus der Affäre ziehen konnte und dabei einen kleinen Umweg in Kauf nahm.

Daheim angekommen stellte ich unseren Jüngsten zur Rede, der allerdings von diesem Ereignis völlig begeistert war und mir sogleich die FB-Seite unseres Hundes mit rund drei dutzend Freundschaftsanfragen von anderen Hündinnen zeigte. Die Seite war gerade mal ein paar Tage alt und in mir zogen böseste Vorahnungen hinsichtlich kommender Hunderunden auf.
(In diesem Moment fiel mir Harpe Kerkeling ein – ich bin dann mal weg...)
Beim Abendessen hatten wir natürlich nur ein Thema. Ich überlegte laut, ob ich mich nicht doch bei Facebook anmelden sollte, allein schon um die Hundeseite zu betreuen."

Volltext:

https://www.freitag.de/autoren/ideefix/meine-facebook-familie-und-ich-reihe-erzahlte-alltagsdramen

Bei Handtäschchen für Frauen kenne ich mich nicht aus. Bei Pfeifentäschchen für "echte" Männer dagegen schon.

Nu muss ich mich aber mal ans Lesen des verlinkten Hundeblogs machen. Unserer verrichtet sein Geschäft übrigens resonanzfrei stets im Gebüsch.

Alles eine Frage der Erziehung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schönen Abend noch bzw. gute Nacht wünscht

Ideefix

miauxx 20.12.2012 | 23:48

"Der Freitag sollte ein preiswertes Online-Abo (für den Anfang höchstens 50% vom Printabo-Preis) einführen und die Printausgaben-Artikel nicht mehr frei ins Netz stellen. - Und dann ganz schnell die Leute wieder einstellen!"

Ich glaube zwar, Du bist nicht vom Typus derer, die sich hier nun ständig darüber verbreiten, wie die eigentliche wirtschaftliche Situation beim Freitag sei, was die Gründe dafür und wie ihm aufzuhelfen wäre. Denn das nervt hier wirklich! Die zitierte Empfehlung ist sicher nur gut gemeint und immerhin bist Du ja auch ein Aktivist mit Geschenkabos.

Vorschläge für paywalls und/ oder Online-Abos liest man nun auch immer wieder. Aber:

1.) Betonen, so auch Du, Leser hier den Vorteil des Surfens von taz zu FAZ, zum guardian und Freitag usw. usf. und

2.) wird ständig behauptet, die Zeitungskrise, so auch die dF, gründe in der Spaltung von Print und Online.

Zu 1.) möchte ich sagen, dass ich mal gespannt wäre, wieviel noch von Zeitung zu Zeitung gesurft wird, wenn überall paywalls lauern oder Online-Abos für volle Zugriffe nötig sind. Kurz: Der Spaß und der schnelle Informationsvorsprung wären passè. Wir wären also, von einigen kulturellen Unterschieden wie eben der Haptik mal abgesehen, wieder bei der "klassischen" Zeitung gelandet. Nebenbei: Interessant wäre dann mal zu untersuchen, ob der nun wieder "klassisch", wenngleich online, Lesende sich tatsächlich mangelhaft informiert fühlt :-)

Punkt 2.) würde ich generell kritisch hinterfragen. Und anschließend an 1.) möchte ich zweifeln, dass eine zusätzliche Aboschranke den Wachstumserwartungen Augsteins bzw. der Mitarbeiter dF überhaupt aufhelfen könnte. Und das eben unter dem Aspekt der Internet-Nutzererwartungen. Sicherlich ist die gewohnte Gratis-Erwartung kritisch zu sehen. Und sicherlich würden sich welche finden, die bereit sind, für einen online-Freitag zu bezahlen. Aber, so behaupte ich, nicht genug (s.o. "Wachstumserwartungen"). Die einen würden Prioritäten setzen, die anderen müssen es aus wirtschaftlichen Gründen.  Ich möchte mich zwar, da ich es auch selbst kritisiere, nicht zu weit aus dem Fenster hängen, aber dem Freitag bleibt wohl vorerst nicht mehr, als in erster Reihe auf den Printbereich zu setzen. Also auf die Leute, die sagen, diese Zeitung (im herkömmlichen Sinne) leiste ich mir. Das Netzangebot kann dann durchaus als ein Zusatz und auch Werbung verstanden werden. So handhaben es ja auch die anderen, großen Zeitungen (Dein Stichwort: "Printausgaben-Artikel nicht mehr frei ins Netz". - naja, vielleicht eben nur nicht alle ...). Und das besondere Werbe-Pfund, was der Freitag hätte, wäre eben sein Community-Ansatz.

 

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Ehemaliger Nutzer 20.12.2012 | 23:59

Eben. Der Community - Ansatz vom Freitag war für mich der ausschlaggebende Faktor die Zeitung auch zu abonnieren.

Dann kam der relaunch und ich musste erstmal schlucken, wegen der abhanden gekommenen Features.

Aber gut, inzwischen gibt es die Benachrichtigungen zu Reaktionen auf meine blogs & comments.

Ich meine, der Freitag tut gut daran, diese u.a. Community-Optionen ggü den Mitbewerbern ins Feld zu führen.

Und die "Nostalgie" - Ausgabe diese Woche hat doch was, finde ich.

Keine andere Gazette bringt sowas.

Lesenswert trotz Krise.

Joachim Petrick 21.12.2012 | 14:06

Magda Magda 21.12.2012 | 09:21

90zigster Kommentar

 

@Magda hurtig
Vorläufig erscheinst Du mir mehr als die "Eilige...., denn Heilige Magda"
"......Außerdem, wir gehen alle irgendwann mal ein, als was ist mir völig wurscht. Aber, Dir offensichtlich nicht. Habe die Ehre."

Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht,  war das nicht  schon immer die Kaderschmiede Devise unserer gemeinsamen linken Mischpoke?

Trotzdem bzw. deshalb will ich Dir als Kader Magda von der Zankstelle eine Antwort nicht schuldig bleiben.

Hier geht es ja nicht um das irgendwie, vom Ende hergedacht, "Eingehen", sondern um den Weg dahin. Der ist Dir muitmaßlich sowenig wurscht wie mir?

Gegenwärtig kann ich, ungeschützt, unversichert, sagen, wenn mir der Tod "Habe die Ehre" gegenübertritt, werde ich diesen lachend mit einem
"Na !, da bist Du ja endlich, mein Herzchen! Du altersloser Gesell!Warum so spät?"
umarmend, die Wangen tätschelnd, herzend, begrüssen.
Dann vergisst Gevatter Tod womöglich, emphatisch verdattert, ein weiteres Mal, mir mit seinem Todeskuss die Augen für immer zu schließen?.

miauxx 22.12.2012 | 10:50

Es wird ganz schön "geleakt", was die Interna des "Freitag" angeht  -  wusste gar nicht, das allgemein so ein großes Interesse an diesem besteht ... Vor allem aber ist bedenklich, wenn in so schweren Zeiten für Zeitungen ein so ätzender und fast schadenfroher Ton wie durch die "Welt" angeschlagen wird. Gerade die "Welt", die selbst wirtschaftlich defizitär ist und eben wohl nur besteht, weil Springer sie sich eben leistet.

Joachim Petrick 22.12.2012 | 13:37

Magda Magda 21.12.2012 | 14:09

 


"Mensch Petrick, Pack Dich oder ich Haptich. :-) "

Nachdem nun der Maya- Weltuntergang, durchlitten, hinter uns ist und Du Dich scheinbar wieder wohlbehalten an Bord Deines Blog befindest, wage ich es zu fragen:

"Mensch Madame Ratzfatz,
 welcher "Magda Ratzeputz" hat da als Mitlglied Deines "Inneren Teams" (Begriff bei Schulz von Thun) mitten im

"Rasenden Debatten- (D-) Zug"

die Notbremse gezogen?, wenn ja , zu welchem Zwecke, um, entrückt verzückt, Blumen zu pflücken?, oder andere Mitglieder Deines "Inneren Teams", zum Schweigen vergattert, zu unterdrücken?

Den Tag zuvor, hattest Du noch, wenn  auch etwas säuerlich angenervt, versichert:
"Niemand will eine Mauer bauen, sag an, was ficht Dich an...."

Worauf ich Dich ins Benehmen darüber gesetzt, was mich angeficht.

Nun aber steht sie da, die Mauer, in Hauen und Stechen gemeißelt, im Haus und Hof Damen- Herren Jargon verteidigt, als wolltes Du, grenzüberschreitend, eine schlagende Verbindung mit mir eingehen?

Was schlägst Du nun an legalen Grenzübertritt Reiseerleichterungen für die anderen Miglieder Deines "Inneren Teams" vor, die durchaus zu friedensstiftenden und friedenserhaltenden Gesprächsaufnahmen bereit und fähig sind?

Kurzum!,
nun bis Du dran, was ficht Dich an?, fang an zu reden.
Was bedeutet ein "....oder ich Haptich. :-) "?

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Ehemaliger Nutzer 22.12.2012 | 15:16

Haptich? ui, wie gemein!

In diesem Zusammenhang kann nur der selbstverliebte Schreiberling den Kontext - Haptik - überbewerten und dabei das untergründig phonetische (Geh-hab-dich/wohl) Auslassungs-Wortspiel übersehen, wie es dem unvoreingenommenen Leser sofort ins Auge springt...
;-)

Aber wie immer bei magda, kann mann damit auch völlig daneben liegen, oder sie macht ein kleines Schmunzel-Geheimnis daraus, oder oder oder...