Matthias Dell
21.08.2011 | 21:45 39

Alkohol, Rauchen, Pommes

Polizeiruf 110 What an Auftakt! Matthias Brandt feiert als neuer Münchner Polizeiruf-Kommissar in "Cassandras Warnung" unter Dominik Grafs Regie schon beim Debüt den höchsten Saisonsieg

Eigentlich bräuchte es hier jetzt den in dieser Sonntagabendkrimikritik geschätzten Jürgen Klopp, um dem ungeniert Ausdruck zu verleihen, was das gerade war: Hammer, irre, Wahnsinn – wären mögliche, relativ unvermittelte Vokabeln der Begeisterung, mit der Klopp nicht hinterm Berg halten würde. Wir auch nicht.

München hat einen neuen Polizeiruf, nach Edgar Selges Tauber, nach dem – wegen des Tods von Jörg Hube – leider nur kurzen Zwischenspiel von Stefanie Stappenbeck. Matthias Brandt ist Hanns von Meuffels und Anna Maria Sturm soll als Dorfpolizistin Anna Burnhauser seine Kollegin werden, und der Bayrische Rundfunk hat in der ersten Folge nicht gespart: Der große Dominik Graf hat Günter Schütters Buch Cassandras Warnung verfilmt, Florian von Volxem und Sven Rossenbach haben dazu eine Musik geschrieben, die sich nicht als Illustration begreift. Und so wird einmal vorgeführt, was mit dem Format möglich sein kann, wenn man sich nicht an die Formatierungen hält, sondern über den Sonntagabendkrimi als Routine improvisiert.

Allein im Kommissariat steht eine Mannschaft von Edelhelfern zur Verfügung, die in der ersten Folge aufgeraucht werden wie weiland das US-Postal-Team von Lance Armstrong am Schlussanstieg nach Alpe d'Huez. Ronald Zehrfeld als Gerry Vogt werden wir schon deshalb nicht mehr wiedersehen, weil er der Täter war. Die Besetzung McFlys mit Philipp Moog, der sein Leben seit Ende der achtziger Jahre als suspekter Jungdynamo in Derrick- und Der Alte-Folgen zugebracht hat, ist eine schöne, selbstironische Beförderung. Samir Fuchsens Kavallerist Ari Ben Kanaan führt – das gelingt, wenn kritteln erlaubt ist, vielleicht eher so halb, wirkt ein wenig bemüht – den Israel-Palästina-Konflikt gut gelaunt in die Folge ein. Dazu eine Schar von erstklassigen Komparsen, die das Polizeirevier zu einem lebendigen Ort machen.

Das alte München!

Die große Doris Kunstmann hat dazu einen Auftritt, der diesen Namen verdient, als Lehrmeisterin Taubers, was von Traditionsbewusstsein zeugt. Sie führt Meuffels in die Ermittlungen des Subfalls ein, den der Neue quasi nebenbei löst. Eigentlich führt sie den aus Bremen, mit einem Skoda Gekommenen aber in dieses München ein, mit einer literarischen Suada über die geleckte Jetztzeit, die genau genommen ein eigener, kleiner Film ist. Ein Spaziergang durch die gewandelte Welt, und man muss Schütter hoch anrechnen, dass er den abgewichsten Topos der Gentrifizierungs-Kinderwagen-Latte-Kritik durch eine Sprache von eigener Qualität wieder rückbindet an die nachempfindbare Wehmut einer persönlichen Geschichte.

Mit ein bisschen Abstand mag man Grafs Tempo, seine Auflösungen der bisweilen tänzerischen Dialogszenen (Meuffels Verhör der Vogt-Frau auf die Korruption ihres Mannes hin! Wie Vogt Vernehmungsszenen nachspielt!), seine Spielfreude mit dem Material als ein wenig effekthascherisch empfinden, denn natürlich fällt der Verdacht – auch wenn die zuständige BR-Redakteurin Dr. Cornelia Ackers im Presseheft frohlockend wirbt, es sei der Polizeiruf mit der "überraschendsten Wendung, die ich je in einem Film erlebt habe" – doch irgendwann auf Vogt selbst, und es reift die Vermutung, dass seine Frau (Alma Leiberg) gar nicht seine Frau ist, sondern seine Geliebte. Aber das ist lässlich.

Denn Schütter traut sich Sätze wie Meuffelsens Herkunftsbeschreibung, die man normalerweise, zumal so konzentriert wie von Brandt gesprochen, eher in einem Roman, aber nie in einem Fernsehfilmbuch verorten würde: "Bei mir ist es eher so eine Sippe, deren sinnentleertes Macht- und Pietätsgehabe nach der Verarmung weitergelaufen ist wie Störtebeker ohne Kopf." Cassandras Warnung ist häufig Überforderung, auch weil hier die Dialekte mehr sind als Lokalkoloritbehauptung.

Produzentenfantum

Matthias Brandt, der große Schmerzensmann des deutschen Films, kann in diesem überreichen Setting zu einer Männlichkeitsanlage finden, die im engen Rahmen der meisten Sonntagskrimi-Ermittler ein neues Feld erschließt zwischen einsamem Wolf und putzigem Alten, zwischen Richy Müller und Jaecki Schwarz. Brandts Meuffels ist, was Ulrich Tukurs Murot gerne wäre, ein Mann der alten Schule, der seinen Stil aber nicht als Ornament begreift, sondern dezent auslegt. Der Konservatismus von Meuffels kommt ohne den leicht beleidigten Zug ins Regressive aus, der aus dem Konservatismus of our days zumeist ein trotzig-naselaufendes Auf-die-Hinterbeine-Stellen vor der Gegenwart macht. Und am Ende tanzt der Kommissar wie weiland der einzigwahrerichtige Kommissar in der allergrößten Zbynek-Brynych-Verfilmung (ab 5:40), die je einem Reinecker-Buch zuteil geworden ist.

Der einzige Wermutstropfen, wenn auf diese beliebte Floskel zurückgegriffen werden darf als Stabilisator gegen den Rausch des Inkommensurablen, in den uns Cassandras Warnung getrieben hat, sind die Bewunderungsbekundungen von BR-Redakteurin Dr. Cornelia Ackers im Presseheft, die ihre Dominik-Graf-Anhimmelung unbedingt als Sein-größter-Fan-Dasein darstellen muss: "Dominik Graf ist ein Künstler, vor dem ich mit erhobenen Händen stehe mich irgendwie gen Mekka bzw. gen Graf neige, um zu sagen: 'Großer Meister, mach' einfach!' Und auch Günter Schütter verehre ich sehr – für mich stehen die beiden kurz vor der Vollerleuchtung (lacht)."

Das mag auf den flüchtigsten Blick vielleicht sympathisch klingen, auch wenn es grammatikalisch und metaphorisch nie Sinn ergeben hat. Aber man fragt sich dann doch, ob die mächtigen ARD-Redakteurinnen nicht eigentlich grundsätzlich ein derart euphorisches Verhältnis zu ihren "Künstlern" unterhalten und ihr Wirken besser denn als quasireligiöse Bewunderung als nüchtern-kritische Ermöglichung begreifen sollten – schließlich tragen sie einen Großteil der Verantwortung an der Konfektionsware, von der sich Graf und seine Kollegen hier so deutlich abheben.

Wohltuende Abweichungen von Kommissarstandardanweisungen (1): "Können wir uns bei der Suche jetzt mal wirklich auf das Handy konzentrieren."

Wohltuende Abweichungen von Kommissarstandardanweisungen (2): "Stellen Sie sich geschickt an, Esprit, Sie wissen, was ich meine."

Kommentare (39)

Sarah Rudolph 22.08.2011 | 00:05

Und keiner sprach von Mordfällen in denen ermittelt wird!
Ja, der war gut. Hektisch, verwirrend, anstrengend. Nicht so überraschend, wie er gerne gewesen wäre, über eine halbe Stunde vor Schluss war ich darauf gekommen. Etwas besorgt war ich zuvor, die Trans-Pandora solle die Täterin und das verschollene zweite Kind aus der Sozialwohnung. Das war ja dann glücklicherweise anders. Aber alleine diese beiden Figuren! Pandora fand ich wirklich toll.
Alleine, das die Figuren bishin zu den Komparsen wirklich gut gezeichnet waren, ist bemerkenswert. Verwirrt hat mich ja auch, dass Ronald Zehrfeld ja auch so eine Stadartbesetzung von Graf ist, und ich ihn ständig als den Polizisten in "Im Angesicht des Verbrechens sah" anstatt als Gerry, den bösen Polizistentäter, nebenbei auch noch sexistisches Arschloch und Kollegenschwein, ach. Der war mir dann doch zu überzeichnet. Überhaupt frage ich mich bei Graf immer ob er diese ganze sexistische Kackscheiße nun - gewissermaßen kritisch - abbildet oder schlicht reproduziert.
Die Musik war mir manches Mal auch eher "drüber", zumindest aber hat sie funktioniert. Etwas weniger mit dem Holzhammer hätte mir aber gefallen.
Ja, es war gut aus diesem Sonntagskrimigerüst auszubrechen.
Gewundert hat mich aber, dass mir der Film recht lang vorkam. Sollten all der Radau und die schnellen Schnitte nicht das Gegenteil bewirken?
Insgesamt aber vorne mit dabei, juchu!

Rolf 22.08.2011 | 00:15

Die fabelhafte Welt von Hans von Meuffels. Bin mir allerdings unsicher, ob die Mischung mit der "Dorfpolizistin" in spe gelingen wird. Meuffel als einsamer Wolf ggf. mit einer Münchner Frieda Jung an seiner Seite gefiele mir irgendwie besser und machte den zwischenmenschlichen Strang subtiler und interessanter. Mal gucken.

Ansonsten bekommt an dieser Stelle Matthias Dell wieder sein abendliches Bienchen fürs Hausaufgabenheft. Pfeilgerad und zielsicher, wie immer!

Ihr Rolf

Rene Artois 22.08.2011 | 00:29

Yeah, Dell! Ich habe mir sowohl Erstausstrahlung als auch einsFestival-Revival versagt, nachdem ich die Namen der "dramatis personae" gelesen hatte. Wer ein "Pandora Büchschen" ins Drehbuch nietet, frißt auch kleine Renés ;-)
Ich fürchte, nach so vielen Folgen "Inspector Lynley", "George Gently" und sogar "Barnaby" ist yours sincerely dem teutonischen Sonntagsgeschwurbel dauerhaft entwöhnt. Und dann noch die Absonderungen der Pressetanten/-onkels ... – nur gut, daß ich Schimmi komplett habe ;-)

Magda 22.08.2011 | 01:00

"Matthias Brandt, der große Schmerzensmann des deutschen Films, kann in diesem überreichen Setting zu einer Männlichkeitsanlage finden, die im engen Rahmen der meisten Sonntagskrimi-Ermittler ein neues Feld erschließt zwischen einsamem Wolf und putzigem Alten, zwischen Richy Müller und Jaecki Schwarz. Brandts Meuffels ist, was Ulrich Tukurs Murot gerne wäre, ein Mann der alten Schule, der seinen Stil aber nicht als Ornament begreift, sondern dezent auslegt."

Das ist jetzt aber wieder nicht in Ordnung: Ich will auch eine große Schmerzensfrau .Wegen der Quote. Ansonsten, Ihr Satz ist mir zu lang.

Aber immerhin; Die große Doris Kunstmann geht in Ordnung.

Der Rest ging mir irgendwie am Allerwertesten vorbei.
Das Ende war überraschend. Stimmt. Und zwischendurch habe ich nicht aufgepasst, das hat sich gerächt.

Reiner Zufall 22.08.2011 | 09:23

Ich hätte den Film wegen der Besetzung gerne gesehen, aber die akustische Umsetzung hat mir das unmöglich gemacht. Die Musik und die bewusst übertriebene Geräuschkulisse waren über weite Strecken lauter als die hingenuschelten und dialektgefärbten Textpartien. Ich habe schlicht nicht "verstanden", worum es ging. Nach etwa einer halben Stunde habe ich den Film neu gestartet, war aber genauso "erfolgreich." Falls es mal eine Synchronfassung gibt, werde ich (vielleicht) einen neuen Anlauf unternehmen.

Matthias Dell 22.08.2011 | 10:27

ob die sexistische kackscheiße KRITISCH abgebildet wird, müsste man vielleicht noch mal genauer fragen und wann und wie das ist, aber abgebildet wird sie zumindest, denn gerry ist ja kein sympathieträger, sondern ein sexistisches kackscheißenarschloch, und was anderes will/soll er auch nicht sein. der rahmen macht die musik, der will ja seine sexistische kackscheiße nicht noch sagen werden dürfen, der lebt da in diesem männerbündlerisch-machoiden polizeirevier, in dem der gesittet-traurige meuffels der fremdkörper ist

langweiler 22.08.2011 | 12:25

der Leichenschmaus zur Verabschiedung der vergifteten Kollegin entwickelte sich zu einem Gelage bei dem der Schnaps vom Tische gesuckelt, wild getanzt wird und der Kommisar sitzt in der Ecke bzw. bleibt auf dem Boden.
Zunächst dachte ich diese Szene sei eine Traumsequenz o.ä.
Die verschiedenen Einspieler, Rückblicke oder "was wirklich geschah", waren für mich sehr verwirrend.

Unrealistisch war die Abflussszene: Ich habe noch nie einen Abfluss geöffnet, der so sauber war (keine Haare, kein Schmutz , kein herablaufendes Wasser und dazu saubere Handschuhe usw. ) Schon komisch die Sonntagskrimis

paulart 22.08.2011 | 15:30

@ Rene Artois
Auch ich teile Ihre Vorliebe für englische und skandinavische* Krimis.
Sicherlich werden Sie Chief Inspector Morse kennen? Als wir - vor vielen Jahren - einen oder zwei holländische Fernsehsender empfangen konnten, gab es dort mal ein paar Morse-Fälle zu sehen.
PS: Leider hat Colin Dexter seinen Helden ja in "Und kurz ist unser Leben" [ dreizehnter Roman ] sterben lassen. Zu viel Whisky, zu viel Zigaretten, zu viel Bildung. Das konnte nicht gut gehen...

-
* Welchen Wallander-Schauspieler präferieren Sie denn?
Rolf Lassgard: www.welt.de/multimedia/archive/00469/Wallander_BM_Berlin_469953p.jpg
Krister Henriksson: www.cineastentreff.de/teleschau/200622/2/200622_169249_3_024.jpg
Kenneth Branagh: www.wallander-web.de/kennethbranagh3.jpg

Grundgütiger 22.08.2011 | 16:02

Die "Die Katze" hieß oder heist der Film, der mir von Graf mit G. George in der Hauptrolle in guter Erinnerung ist. War ein Knaller.
Unvergessen die von mir hoch verehrte Gudrun Landgrebe. Da hat´s im TV noch geknistert. Für mich die erotische Frau des Films.
Matthias Dell hat geschrieben "Der Konservatismus von Meuffels kommt ohne den leicht beleidigten Zug ins Regressive aus, der aus dem Konservatismus of our days zumeist ein trotzig-naselaufendes Auf-die-Hinterbeine-Stellen vor der Gegenwart macht".
Machen die meisten nicht, nur CSU Politiker.
Hab mir dann gestern nach der Schicht noch die Aufzeichnung des Polizeirufs angesehen, mit Gewitter im SAT-TV.
Also, das ist nach Schimmi ein gelungener Wiedereinstieg.
Das die junge Frau ein wenig zu eloquent war, fiel mir als erstes in´s Auge. Da hätte man die Lösung eigentlich riechen müssen.
Also, wenn ich nicht zu alt wäre, Bewerbung bei der Münchner Polizei, da kommt keine Langeweile auf.
In meinem Betrieb haben früher die Beerdigungen auch bis Mitternacht gedauert.
Da behält man den Kollegen länger im Gedächtnis.
Klasse Kritik Matthias, weiter so.
"Mann war das ein Scheiß", aber ein schöner Scheiß.

Blinkfeuer 23.08.2011 | 00:48

Was heißt denn schon ", wenn ich nicht zu alt wäre, Bewerbung bei der Münchner Polizei,", so, wie die sich da in Kompaniestärke regelmäßig übertölpeln , verkloppen ließen, dürfte da keiner alt werden....

und überhaupt: war DAS der Film, den der BR oder ARD oder der Papst (der konnte aber nicht, Regen in Madrid, aber datt Käppi sitzt!) erst nächtens zeigen wollte? Oder kommt da noch was nach?

Blinkfeuer 23.08.2011 | 00:48

Was heißt denn schon ", wenn ich nicht zu alt wäre, Bewerbung bei der Münchner Polizei,", so, wie die sich da in Kompaniestärke regelmäßig übertölpeln , verkloppen ließen, dürfte da keiner alt werden....

und überhaupt: war DAS der Film, den der BR oder ARD oder der Papst (der konnte aber nicht, Regen in Madrid, aber datt Käppi sitzt!) erst nächtens zeigen wollte? Oder kommt da noch was nach?

Andre Boine 23.08.2011 | 08:04

Das war definitiv der schlechteste Krimi des Jahres, nicht wegen seiner Schauspieler, sondern wegen seiner völlig hektischen Regie.

Während der eine Bulle im Film dauernd kifft, muss der Regisseur auf Speed/Koks gewesen sein. Im übrigen bin ich gewohnt Filme in solchen Zuständen zu gucken: aber DAS war unerträglich.

Der Film hatte keinen roten Faden, er hatte mehrere, die völlig abgehackt "irgendwie" aneinandergestöpselt waren. Eine derart bescheidene Regie habe ich seit langem nicht gesehen. Aber vielleicht wollte Dominik Graf mal was Neues ausprobieren.

Hier wurde auch nicht mit angeblich innovativen Stil-Mitteln gespielt, der Film lässt sich am Besten beschreiben mit "Panik Konfus an allen Orten".

Zur Hektik des Regisseurs gesellte sich dann die gewollte Hektik der Schauspieler, alles Zacki, Zacki, Ermitteln, kurz 3-Sekunden-Trauern beim Todesfall der Kollegin, der Hauptkommisar muss ruhig sein, und weiter geht's, a bissl Tanzen...

Hinzu kommt noch, dass man offenbar zur Einführung der neuen Reihe - ebenfalls schnell, schnell, hektisch - sämtliche München-Klischees durchnudeln muss: nach der Beerdigung mit geschminkter, Maskerade-Trauer, auf auf auf zum Tanz in die Szenekneipe, hier nun keine Trauer, nirgends, alle Polizisten schmusen miteinander (hippes 68er Gehabe transformiert in die Neu-Zeit) und möchtegern coole, hippe Szene-Kommissare begrüßen Ihre Frauen Standard-mäßig mit "Arschloch" und danach gibt's a Bussi. München als Scheiß-Stadt, vielleicht ist's ja wirklich so.

Das ganze war DÜNN, aber äußerst DICK aufgetragen.

Als Ehrenrettung hätte ich ja einen anderen Verdacht: gedreht wurde mit Material für 2einhalbStunden Film, und am Ende musste leider alles zu knackig zusammengeschnitten werden.

Grundgütiger 23.08.2011 | 12:17

Also, Filme, bei denen man sich am Sofa festhalten muss, mag ich auch nicht. Nicht wegen dem Sofa, sondern wegen der Bilder.
Anscheinend schauen viele Regisseure ihre Filme nach Fertigstellung nicht mehr an. Sonst wären Schnittfolgen von unter 1/2 Sekunde nicht mehr drin.
Ist aber modern.Die Beschleunigung der Zeit hat viele Gesichter.
Wenn man heute Filme aus den 70ern schaut, hat man den Eindruck, der Cutter raucht erstmal in Ruhe eine, und dann, CUT.
Bei den Privaten geht nichts mehr über 1 Sekunde das Bild. Sonst schaut die Jugend bloß wieder woanders hin.
Unter anderem hat diese Schnippelei auch zur Folge, das der Unterschied zwischen Werbeblock und "redaktionellem"Teil nicht mehr bemerkt wird.
Clever, wa?
Tja, schmusen ist natürlich schon ein Ding, das gar nicht mehr geht. Schließlich ist das die Münchner Polizei.
Und das hat der selige F.J.S. schon gesagt,"das ist anders, als wenn die Jesuiten Suppe verteilen".
Anläßlich einer Anti-Atomdemo.
Ich muss jetzt aufhören, sonst werd ich noch sentimental.

oranier 26.08.2011 | 01:59

Schimmi komplett, na wunderbar: die zielgerichtete mediale Vorbereitung der Akzeptanz des breiten Publikums von polizeilicher Folter am realen Beispiel des Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei Wolfgang Daschner und seiner politischen und juristischen Helfershelfer.

"Schimmi" schlägt vermeintliche Täter, wo er ihrer habhaft wird, brutal zusammen, um sie gefügig und gesprächig zu machen. Im Abspann: "Wir danken der Stadt Duisburg für die freundliche Unterstützung."

Avatar
fraus 26.08.2011 | 02:49

Also ich fand den Tatort spannend, auch wenn er einen kleinen Logik-Fehler hatte, da es gelungen ist, einen Spannungsbogen aufzubauen und diesen zum Schluss noch zu steigern.
Dabei muss ein spannender Film keine Superlative in dieser oder jener Hinsicht darstellen, sondern einfach spannend sein, denn das beinhaltet ja auch gute Arbeit.

Sarah Rudolph 26.08.2011 | 22:37

Immerhin fällt mir noch vor dem Sonntag auf, dass ich hier ja noch gar nicht geantwortet hatte.
In diesem Fall, in Gerrys Fall hatte ich das Problem nicht, der war unerträglich genug, dass ich ihn doch recht schnell so richtig scheiße finden konnte, obwohl ich Zehrfeld eigentlich ganz gern mag. Wie gesagt, ein bisschen drüber war der schon, das wäre sicher auch ein wenig subtiler gegangen, aber gut. Es war aber eben mehr der Auslöser als der Grund, die Sexismus-Frage zu erwähnen, weil mir das bei Graf schon mehrfach aufgefallen ist, in "Im Angesicht des Verbrechens" ganz besonders.
Bei Gerry war das eindeutig eine Charaktersache, aber zum Beispiel auf der Feier nach der Beerdigung war auch so eine seltsame Stimmung.
Aber dann wurde es andererseits ja auch mehrfach thematisiert also... keine einfachen Antworten, i guess.

Vielleicht werde ich den nächsten Graf-Film einfach mal bewusst unter diesem Aspekt betrachten.

Andre Boine 27.08.2011 | 04:49

Schmusen ist schon völlig in Ordnung, es gibt theoretisch dem Ganzen sogar Charme. Aber eben nicht so. Wie gesagt: ich glaube, da musste zu kurz zusammengeschnippelt werden. Ich glaube das vor allem deshalb, weil ich Dominik Graf zwar nicht besonders gut kenne, - eigentlich gar nicht - aber ich jetzt des Nächtens feststellen musste, dass er "Die Sieger" gedreht hat. Ein Film, der auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Insofern komme ich mir gerade so vor, als hätte ich Tarantino kritisiert, nur weil er mal was verkackt hat.

Andre Boine 27.08.2011 | 04:49

Schmusen ist schon völlig in Ordnung, es gibt theoretisch dem Ganzen sogar Charme. Aber eben nicht so. Wie gesagt: ich glaube, da musste zu kurz zusammengeschnippelt werden. Ich glaube das vor allem deshalb, weil ich Dominik Graf zwar nicht besonders gut kenne, - eigentlich gar nicht - aber ich jetzt des Nächtens feststellen musste, dass er "Die Sieger" gedreht hat. Ein Film, der auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Insofern komme ich mir gerade so vor, als hätte ich Tarantino kritisiert, nur weil er mal - theoretisch - was verkackt hat.