Matthias Dell
23.12.2012 | 21:45 12

Auf einer Tagung in Berlin

Polizeiruf 110 Etwas um die Ecke gemacht: Der grundsolide und angenehm sachte Brandenburger Polizeiruf "Eine andere Welt" motiviert zu Seitenblicken auf das Management der Macht

Vom Feeling her herrscht eher so ein Gefühl von Winterschlafbedürfnis vor, aber der Sonntagabendkrimi dreht zwischen den sogenannten Jahren auf, als organisiere er seine own private Wiener Festwochen. Polizeiruf am 4. Advent, Olga Lenski returns from Maria Simons Schwangerschaftsunterbruch, und die Formkurve zeigt weiter nach oben: Nach der etwas mühsamen Olga-Lenski-Einführungsveranstaltung  folgte der lahme, aber stabilisierende zweite Teil  und nun ein ansprechender Part 3: Eine andere Welt ist von jener weit verbreiteten Durchschnittlichkeit, gegen die sich Gefühle wie Zorn oder Ärger schlecht aufbringen lassen. Kann man machen.

Zu den in diesem Format mitunter – und nicht zu unrecht! – beklagten Auslassungen zählt "seit je" (Adorno) die Schauspielerwürdigung. Die fällt hier leicht, weil die Besetzung mit einigen Stars der Szene gespickt ist. Ronald Kukulies qualifiziert sich derart frisiert eindeutig für die Hauptrolle der "singenden Doppelhaushälfte" (Christiane Rösinger) im hoffentlich bald zu drehenden Roland-Kaiser-Biopic Santa Mania - Die Sehnsucht in mir auf ein Leben mit dir (AT). Hier spielt er den einfältigen Fleischermeister Domke, der als ehrliche Haut des darbenden Mittelstands keinen Schimmer vom übetriebenen Partylife seiner Tochter hat. Der gebeutelte Unterprivilegierte steht Kukulies zweifellos ebenso gut wie der bodenständige, Ressentiments geladene Swinigel, der er etwa in der Münsteraner Folge Spargelzeit war.

Kein episches Engagement hat auch Christina Große, die im Polizeiruf als Mutter der Domke-Tochter-Freundin Hanna (Lotte Flack) in Erscheinung tritt – vermutlich kann man von der paradigmatischen Christina-Große-Rolle sprechen, da die Schauspielerin es wie keine andere versteht, die nicht ignorante, dosiert besorgte Brandenburger Mittelstandsmutter mit Herz zu geben (siehe auch der Auftritt in Tom Tykwers Drei  – die dazugehörige Oma müsste fast folgerichtig von Christine Schorn übernommen werden). Vermutlich würden die sozialen Verwerfungen in der Wirklichkeit des Landes leichter zu handlen sein, wenn dort nur Christina-Große-Mütter mit den Problemen ihrer pubertierenden Kinder auf du und du wären, ohne Respekt für einen eigenen Lebensentwurf vermissen zu lassen.

Mit Rainer Strecker, der sich als Christina-Große-Gatte und Hanna-Vater beim Versuch von ein bisschen bürgerwehrbemobten Durchgreifen in eigener Sache eine blutige Nase holt, steht überdies ein sympathischer Underachiever bereit, den der interessierteste Kinogänger aus dem beinahe legendären Kurzfilm Ludenmann macht fertig kennt.

Games with Names

Von den Schauspielern zu den Rollennamen: Bildung ist heute, wie der aufmerksame Zeit-Leser immer wieder lernen muss, nichts mehr, womit man rechnen könnte, und also ist nicht sicher, ob sich die anspielungsreiche Namenswahl der Figuren tatsächlich aus so etwas wie Intention resultiert (Drehbuch: Clemens Murath). Lustig ist es dennoch, dass hier ein Beziehungsgeflecht sich ereignet zwischen dem Triangle aus Dramatiker/Literaturtheoretiker alter Manier (Gottsched), Olli-Dittrich-Figur (Ditsche) und nationalsozialistisch vereinnahmbarem Heide-Dichter (Löns) – und am Rande der Hardcore-Ausschlusspolitik, wie nur die Pausenhofhierarchie sie in konsequenter Grausamkeit hervorzubringen vermag, der sozialistische Ökonom (nicht ganz richtig buchstabiert: Kuscinsky) situiert ist.

Am interessantesten ist nun Eine andere Welt tatsächlich, wenn man den Fall von der Seite des Machtmanagements her anschaut. Mit Jan Gottsched (Jannik Schümann) und Ditsche Kummert (Max von der Groeben) stehen zwei Charaktere im Mittelpunkt, deren körperstrotzendes Selbstbewusstsein sich vor dem unguten Figurenarsenal der deutschen Geschichte lesen lässt. Man kann sich die beiden gut in den Jahren 1933 bis 1945 vorstellen: Der – what an Antlitz! – rein äußerlich unbedingte Vorzeige-Bürgersohn Gottsched fungierte als der kultivierte Opportunist, der von der Macht auch dann nicht lässt, wenn sie ihm zuwider sein müsste, und für alle Schweinereien, die er nicht selbst durchziehen will, seinen Gewehr bei Fuß stehenden SS-Kleinbürgerschläger entfesselt.

Im Lichte der Gegenwart besehen zählen beide zur innerlich verderbten Pest des Immer-schon-Oben, die so unangenehm macht, dass ihre Angehörigen aus den Selfempowermentbefehlen des Kapitalism die Lehre gezogen haben, ihnen gehöre einfach alles (hier: der Körper der Domke-Tochter). In der realen Welt, die wenn jemand fragt, "Leistungsgesellschaft" sagt, um, wenn keiner hinguckt, unbeirrt ihre Günstlingswirtschaft zu betreiben, möchte man mit solchen Leuten einfach nichts zu tun haben.

Der ohnmächtige Trickster

Stark für sich ein nimmt dagegen der traurige Dennis Kuscinsky (Joel Basman), dessen kurz-karierte Hemden zugleich Ferne und Dazugehörigenwollen zum High Style der verwöhnten Oberschichtskinder mustergültig zum Ausdruck bringen. Dieser Dennis rührt ans Herz, weil man ihm immer nur wünschen möchte, dass er die Zeit im Widerstand aka im toten Winkel des Tonangebens überlebe, um danach Künstler oder Kronzeuge der guten Sache zu werden (In Thomas Heises Film Stau von 1992 wird aus solch einer familiär verwaisten Figur der führende Neonazi von Halle-Neustadt). Um so bitterer ist deshalb, dass Olga Lenski bei allem Verständnis für Prinzipien und die Trennung von Privat- und Berufsleben den traurigen Dennis von ihrem Herd umgehend vor die Tür befördert (und das Drehbuch ihn halbfinal noch in die Nähe der Psycho-Pathologie rückt, wenn auch Basman Ähnlichkeiten zum jeune Anthony Perkins aufweist).

Ebenfalls ein Sympathieträger ist der Schrottplatzwächter Bogdan Kuljakow (Lenn Kudrjawitzki). Dem Kampf gegen das mit High-End-Anwalt bewehrte Böse, das in geschmackvollen Häusern wohnt (bei Herbert Knaups Gottsched-Vater muss man irgendwie auch immer daran denken, dass Herbert Knaup schon Eichmann in Buenos Aires gespielt hat), versucht Kuljakow mit subversivem Pokergestus eine Aufenthaltsgenehmigung abzutrotzen: Wenn man den deutschen Behörden schon nicht mit Vernunft kommen kann, dann eben mit dem geschickten Move, dass, wer nichts zu verlieren hat, auch seine Abschiebung in die Wagschale werfen kann, um sein Bleiben zu gewinnen. Staatstragend wie nun auch der Polizeiruf ist, geht das Manöver nicht ganz auf. Was aus Kuljakow wird, ist nicht endgültig geklärt – für die Seismografen des deutschen Asyl-Diskurses bleibt aber festzuhalten, dass die Figur mit gewisser Bauernschläue ein Thema auf die Agenda setzt, das die Gesellschaft permanent zu ignorieren versucht.

Weil nun aber der Sonntagabendkrimi ein Weihnachtsfest der "Gesamtsozialdemokratie" (Tom Strohschneider) ist, wird die Zuschauerberuhigung durch Schuldumverteilung angeleiert: Kuscinsky ist doch kein krankhafter Stalker, und krasser drauf als der stolze Sohn der alten Macht ist nur dessen Vater. Der käme im richtigen Leben wohl ungeschorener davon, aber dafür schauen wir ja Fernsehen – dass wenigstens da noch vom gerechten Leben im ohnmächtigen geträumt werden kann.

Ein unversöhnter Blick auf die Zeitläufte: "Nichts ist vorbei"

Eine Aussage, mit der man Neueigentümern eine Freude machen kann: "Na, ist ja gut, dass Sie den Laden übernommen haben"

Eine betriebswirtschaftliche Weisheit, die leider schwer zu objektivieren ist: "Man braucht aber die richtigen Leute, ohne die richtigen Leute läuft überhaupt nüscht"

Ein Standardmotiv des jüngeren Sonntagabendkrimi: das wieder zugenähte V-Brustkasten-Dekolleté in der Pathologie

Kommentare (12)

snow_in_june 23.12.2012 | 22:02

"Mit Jan Gottsched (Jannik Schümann) und Ditsche Kummert (Max von der Groeben) stehen zwei Charaktere im Mittelpunkt, deren körperstrotzendes Selbstbewusstsein sich vor dem unguten Figurenarsenal der deutschen Geschichte lesen lässt. Man kann sich die beiden gut in den Jahren 1933 bis 1945 vorstellen"

Das, finde ich, ist eine sehr gelungene Beobachtung!

"Kuscinsky ist doch kein krankhafter Stalker, und krasser drauf als der stolze Sohn der alten Macht ist nur dessen Vater. Der käme im richtigen Leben wohl ungeschorener davon"

Das ist so am Ende dahergesagt. Warum meinen Sie das? Ich frage mich ohnehin, wie geschoren der am Ende wird. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hätte der einen Krankenwagen rufen müssen. Dass er das nicht getan hat wäre dann unterlassene Hilfeleistung -----> Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr....

janto ban 25.12.2012 | 01:01

| zählen beide zur innerlich verderbten Pest des Immer-schon-Oben |

Die Szene, in der das blonde Super-Burschi den Vater der ihm (mutmaßlich) sexuell zum Opfer gefallenen Tochter verdrischt, obwohl doch Papa nun eigentlich mit dem Knüppel auf es los wollte, hat mich fix und fertig gemacht. Ohnmächtig irgendwie. Ob's vor empathischer Hilflosigkeit oder sexueller Erregung war, hab' ich vergessen. Hat beim Zugucken wohl das beste und das schlechteste aus mir herausgekrempelt. Dass das beabsichtigt gewesen sein müsste, rede ich mir nun ein. Von wegen körperstrotzendes Selbstbewusstsein. Das Wort Vernichtungsfeldzug kam mir in den Sinn. Und die Frage: Warum? Und die Antwort: Weil er es kann! Ekelhafte Antwort. Aber irgendwie... oder??

JSchwab 26.12.2012 | 07:13

Vom epischen Engagement zur paradigmatischen Rolle!

Toll, Gratulation an den „Freitag“. Auf der Suche nach einer Besprechung des „Polizeirufs 110“ am Sonntag vor Heiligabend bin ich nicht fündig geworden, noch nicht einmal bei Spiegel-Online. Also, Gratulation an den „Freitag“, sehr schnell gearbeitet, und dann eine so umfangreiche Rezension, sogar auf dem Titel der Online-Ausgabe angekündigt. Ich stürze mich begierig drauf.

Gleich zu Beginn des 2. Abschnitts stutze ich beim Lesen: „Zu den in diesem Format mitunter – und nicht zu unrecht! – beklagten Auslassungen zählt "seit je" (Adorno) die Schauspielerwürdigung.“ Also Zitat Adorno „seit je“. Hätte ich nicht gewusst, dass das von Adorno ist. Denke noch mal nach und gratuliere dem Autor dieser Besprechung: Verarschung des Lesers geglückt!

Weiter geht es mit  „einer "singenden Doppelhaushälfte" (Christiane Rösinger) im hoffentlich bald zu drehenden Roland-Kaiser-Biopic Santa Mania - Die Sehnsucht in mir auf ein Leben mit dir (AT).“  Habe ich noch nie was gehört davon. Der Autor scheint über ein profundes Insiderwissen zu verfügen.

„Kein episches Engagement hat auch Christina Große“, aber hallo, was ist en episches Engagement in einem Polizeiruf? Die Aufklärung könnte hinter dem Gedankenstrich folgen „ - vermutlich kann man von der paradigmatischen Christina-Große-Rolle sprechen“, na Donnerwetter, das epische Engagement wird zu einer paradigmatischen Rolle? Ich reagiere mit Verblüffung: das hätte ich nun nicht vermutet. Aber da kommt dann noch eine Rolle für eine Oma, die von jemand übernommen werden müsste, die ich nicht kenne, eine Oma gibt es aber in dieser Folge nicht. Wäre nun die Rolle der Oma episch oder paradigmatisch, oder geht das eine wieder ins andere über? Leider öffnet der Rezensent  erneut nicht seinen offensichtlich prall gefüllten Schatz an Insider-Wissen. Da habe ich wohl noch einen Bildungsbedarf, bevor ich mir die nächste Folge anschauen darf.

Um den Begriff „Underachiever“ zu verstehen genügt eine Suche im „Leo“. Aber der Autor schreibt ja über die Zeit-Leser „Bildung ist heute, wie der aufmerksame Zeit-Leser immer wieder lernen muss, nichts mehr, womit man rechnen könnte“ und so gehöre ich wohl in diese Kategorie, obwohl mein „Zeit“ Konsum sich auf das Lesen der Werbungs-Emails beschränkt.  Sollen gelegentlich eingestreute Anglizismen „what an Antlitz!“ oder „Selfempowermentbefehlen des Kapitalism“ versteckte Zitate sein oder den Text ein wenig verfremden? Fragen über Fragen.

 No Games with Names. Also es hat sich „hier ein Beziehungsgeflecht … ereignet zwischen dem Triangle aus Dramatiker/Literaturtheoretiker alter Manier (Gottsched), Olli-Dittrich-Figur (Ditsche) und nationalsozialistisch vereinnahmbarem Heide-Dichter (Löns)“  Und das hat zu den „Games with Names“ geführt. Das geschichtliche Wissen und die Fähigkeit, den Namen „Kuscinsky“ mit dem des marxistischen, aber revisionistischen Ökonomen identifizieren zu können, zeigt, dass der Autor zu den Hardcore Alt-Achtundsechziger gehören muss. Vielleicht mal über den Rat des klugen Literaturpapstes Reich-Ranicki nachdenken „Niemals über Namen Witze machen!“

 Also ich bin wirklich beeindruckt über das Geschichts-, Literatur- und sonstiges Insiderwissen des Autors, erspare mir und Ihnen den gedanklichen Ausflug zur „ familiär verwaisten Figur der(s) führende(n) Neonazi von Halle-Neustadt“ und will endlich wissen, ob dieser Polizeiruf gut oder schlecht war. Als Teil der "Gesamtsozialdemokratie", die sich sonntäglich abends beim Fernsehkrimi versammelt, interessieren mich die einfachen Dinge, nämlich z. B., was diese Folge des Polizeirufes auszeichnet oder eben nicht.

Die Handlung ist glaubwürdig in der Atmosphäre des ländlichen Raumes angesiedelt, wo die Jugendlichen nur wenig Auswahl haben, zusammen zu feiern und die Eltern sich nicht vorstellen können und wollen, was da abgeht. In der Regie und Kameraführung eine wohltuende Abgrenzung zum Aktion-Krimi: Ruhige Kameraführung und ein Fortgang der Handlung, der sich vornehmlich aus den Gesprächen der Polizei mit den Beteiligten ergibt.  Kein Deus ex Machina für die Auflösung, kein bis dahin unbekannter Dritter wird für die Lösung benötigt. Alle Fäden, die zur Lösung führen, sind sorgfältig und im Detail im Handlungsablauf angelegt.

 Die Gesichter in Großaufnahme wären auch bei schlechteren Schauspielern eindrucksvoll. Im Gegenschnitt aufgenommene Gesichter, die uns die (Verhör-) Dialoge nicht nur im Ton, sondern auch in den Bildern sozusagen miterleben lassen, zeigen, dass die Kultur der Babelsberger Filmästhetik Elemente enthält, die unseren Film wirklich bereichern können. Dann die sparsam geführten Schauspieler, vorneweg Maria Simon, die als einzelkämpfende Kommissarin (Krause wie immer toll, gehört aber zur Umgebung) Olga Lenski sich wie ein „Fisch im Wasser“ in der Umgebung des zurückgebliebenen Raumes und der daraus folgenden Mentalität des strukturell Unterlegenen bewegt. Da muss keine persönlich liebenswerte Eigenart angedichtet werden. Sie benötigt keine Profilierungsmarotte, sondern Kinder. Kann es sein, dass Frauen mit jedem Kind besser werden?

 

Matthias Dell 26.12.2012 | 20:34

snow_in_june - danke für die blumen. was das geschoren meint: tatort/polizeiruf ist ja keine gerichtsverhandlung, sondern, gerade in der variante wie hier, täteridentifizierung. was da alles an strafmildernden umständen reinspielt (das ding mit der unterlassenen hilfelassung häuft sich m.e., müsste man mal beobachten), ist lässlich - "gewesen" ist es in der logik des zuschauens olle gottsched. ungeschoren wäre in diesem sinne, dass die vektoren der erzählung am ende doch noch den jungen perkins gemeint hätten. verstehen sie, was ich sagen will?

Matthias Dell 26.12.2012 | 20:51

liebe/r jschwab,

"sie gefallen mir, sie gefallen mit sehr" (romy schneider), wenn ich diesen witz machen darf, ohne sie nicht ernstzunehmen. denn sie haben natürlich recht, und sie sind auch nicht der erste, der solcherart kritik übt - diese tatort/plzruf-diskussionsgrundlage da oben ist schonungsloser subjektivmanierismus, es geht "zwangscool" zu, wie vorgänger von ihnen ebenfalls zurecht feststellten. das hat sich so ergeben, wechselt immer auch ein bisschen, wird sich grundlegend aber nicht ändern, dafür können sie jeden sonntag (ab 21.45 uhr) ihre anmerkungen über das, was fehlt, dranhängen (es ist ja ein offenes format, bei dem sich der begriff/die beurteilung des gesehenen bildet durch die diskussion, im besten fall - und sie haben da ja wichtige beobachtungen beigetragen).

das ganze hier geht davon aus, dass es genügend andere tatort/plzruf-besprechungen gibt, die den leser dort abholen, wo sie ihn vermuten (wo immer das ist). darauf dürfen sie hier nicht hoffen, zumutung und überforderung sind quasi teilnahmebedingungen, man will doch auch, dass was los ist, und dieses gut/schlecht-ding übersieht so vieles, was den sonntagabend erst reizvoll macht. 

seien sie also dabei, werden sie teil unserer beschaulichen runde (man kommt da auch rein, sag ich jetzt mal), ignorieren sie die insiderismen (oder freuen sie sich, wenn sie mal einen text, ein lied von christiane rösinger hören/lesen, die haben nämlich einen eigenen charme). kritisieren sie, was sie kritisieren wollen, "am ende des tages" gehts um den spaß an der freud vom drüberreden.

und was den autor aka mich betrifft: "hardcore alt-achtundsechziger" trifft es fast

Robert Baberske 27.12.2012 | 12:36

Von Maria Simon über Sophie Rois zurück zu Maria Simon. Beiden Frauen schaut man unglaublich gerne zu. Ich hätte gedacht Herr Dell fährt hier einen 20-zeiligen Vergleich zu der vor gut 10 Tagen ermittelnden "Superwomom" auf. Ich denke ganz klarer Punktsieg für Olga Lenski im Bereich "Kind und Beruf unter einen Hut kriegen". Olga hat ja noch diesen ominösen Felix, der einfach da ist.

Der Krimi ansprechend, wenn man mal über die Auflösung - berühmester Schauspieler = Täter - absieht. Das die beiden Jungs zw.1933 - 1945 stattgefunden haben könnten, wäre mir jetzt nicht in den Sinn gekommen, aber gut. Wenigstens hat man hier auf "Yolo", "Alter" und "Milf" verzichten können. Und es ist doch schön zu sehen, was aus einer - naja - Sportmoderatorin für RTL und einem - naja - Sportkommentator fürs ZDF so wird. Wie klein die mediale Welt so ist. 

Matthias Dell 27.12.2012 | 16:13

ist richtig, olga lenski wäre ein beispiel für gelungene frauenfiguren, obwohl mich das kindervorzeigen am anfang mit diesem unsinnigen telefonat auch genervt hat - aber das ist eher ungelenk erzählt. beim felix bin ich mir nicht ganz sicher, was der für ne rolle spielt, der ist erstmal da und getrennt. die jugendszene, pflichte ich ihnen auch bei, war nicht doof gezeichnet.

nur das versteh ich nicht:

Und es ist doch schön zu sehen, was aus einer - naja - Sportmoderatorin für RTL und einem - naja - Sportkommentator fürs ZDF so wird. Wie klein die mediale Welt so ist. 

snow_in_june 28.12.2012 | 09:21

Danke für die Antwort.

"was da alles an strafmildernden umständen reinspielt (das ding mit der unterlassenen hilfelassung häuft sich m.e., müsste man mal beobachten), ist lässlich - "gewesen" ist es in der logik des zuschauens olle gottsched"

Diesen Satz verstehe ich leider nicht. Da sich der Folgesatz auf den zitierten Satz bezieht, habe ich bei dem natürlich auch Verständnisprobleme.
Dazu aber schon mal Folgendes: Sie schreiben doch in der Kritik, dass der Anwalt im realen Leben "ungeschorener" davongekommen wäre. In Ihrer Antwort geht es jetzt um die Vektoren der Erzählung, die sich am Ende doch auf Perkins hätten richten können. Das heißt meines Erachtens, dass sie jetzt, in der Antwort auf meinen Kommentar, mögliche Drehbücher miteinander vergleichen, in der Kritik aber noch das realisierte Drehbuch mit dem richtigen Leben.

Gruß, Snow

 

 

 

Matthias Dell 30.12.2012 | 14:52

snow! unser dissens, wenn ich das so sagen darf, liegt wahrscheinlich an der perspektive, und wenn ich mich recht erinnere, hatten wir das schon häufiger: sie gehören zu der schule, die auf das verhältnis der fiktion zum echten leben (und entsprechenden auswirkungen vor gericht) setzt, ich versuche ja eher, die fiktive erzählung an ihrer inneren wahrheit, stimmigkeit zu messen. noch ein versuch: was ich mit dem "ungeschorener" meinte - in der realität hat es die alte macht mit geld und teuren anwälten leichter. hier bleibt, als logik von zuschauers einer-muss-es-gewesen-sein-bedürfnis, dagegen ihr vertreter als letzter "schuldiger" übrig, auch wenn er nichts gemacht hat, außer hilfe zu unterlassen. moralisch, aus sicht der erzählung, die mit nichts anderem strafen kann als mit moral, war er es, "ungeschorener", das meine unterstellung, käme er in der realität davon, weil es da keine massenmedial vermittelte moralische schuldzuschreibung gäbe. gebe zu, dass der vergleich wohl hinkt bzw etwas unsinnig ist - aber vielleicht verstehen sie nun besser, was ich zu meinen versucht habe

snow_in_june 31.12.2012 | 08:05

Ja, super, jetzt verstehe ich es. Das stimmt ja, dass im Tatort der Anwalt hart angefasst wurde, nicht zuletzt, weil er in Handschellen abgeführt wurde, das würde man in der Realität nie machen, solange der keinen Widerstand leistet oder so.

Da haben wirs wieder. Meinen Vergleich mit der Realität. Was Sie da zu den unterschiedlichen Perspektiven schreiben, ist mir auch schon aufgefallen und kann ich gut nachvollziehen. Ich wünsche mir tatsächlich immer einen möglichst starken Realitätsbezug, jedenfalls dann, wenn man es nicht mit einem Märchen oder so zu tun hat.

Mit Freude auf Ihre nächste Kritik (auch wenn ich das Gefühl habe, in den letzten Tagen ca. 10 Tatorte verpasst zu haben), Snow