Matthias Dell
03.02.2013 | 21:45 52

Außerdem war sie mal Miss Bodensee

Tatort Für Konstanz nicht so schlecht: "Die schöne Mona ist tot" beeindruckt durch Besetzung (Sylvester Groth, Ronald Zehrfeld) und eine gewisse Lockerheit beim Stammpersonal

So gut gelaunt wie Klarablum (Eva Matthes) in ihren neuesten Streich am Bodensee reinpfeift, kann sie unmöglich Sarrebruck am letzten Sonntag gesehen haben. Oder weil wir noch einmal darauf zurückkommen müssen: Verstanden ist das alles immer noch nicht.

In jedem Fall kommt Konstanz als Sedativum recht. In Konstanz brennt nichts an oder um in die Verdauungsmetaphorik zu wechseln: Konstanz ist – wie tendenziell alle SWR-Tatorte – eine Art Haferbrei, wenn der Magen mal gereizt ist: muss nicht schmecken, beruhigt aber (und das wäre dann konstanzspezifisch, weil Ludwigshafen doch auch aufregen kann und Stuttgart das Gefühl vermitteln, etwas zu wollen).

Die schöne Mona ist tot entpuppt sich nun sogar als higher Konstanzer Level: Wenn man davon ausgeht, dass es outstanding am Bodensee überhaupt nie werden kann, dann sind das hier die größten Erfolge. Man kann das ganz gut an Klarablum sehen, die still aufblüht, am feschesten in der Straßenszene zu Beginn der Ermittlungen, wo sie so fein und ausdauernd schmunzunzelt, und man bis zum Ende nicht erfährt, worüber (wir fürchteten am Anfang schon eine neue Liebe oder so was).

Keine Charge für die Vorrunde

Putzi Perlmann (Sebastian Bezzel) kriegt auch ein paar Szenen, die eine Ahnung anzudeuten in der Lage sind, dass da noch mehr geht, als fallrelevante Informationen von A nach B zu kommunizieren. Anderswo wäre aus dem Assistentendiss, den ein Herrenreiter erster Kajüte, wie der große Sylvester Groth ihn vorstellt (der, seit dieser Woche, Schmücke/Schneider-Erbe in Magdeburg), ein schöner Witz geworden. Hier bockt Perlmann halt ein wenig zurück.

Sylvester Groth ist freilich eine Erscheinung; legt man als Skala von Bedeutungstragen das für den deutschen Film ja nicht unwesentliche Arsenal an Apparatsfiguren in den beiden permanent ausgebeuteten historischen Komplexen Nationalsozialismus und DDR zugrunde, ist Groth einer, der unter was Hochtrabenderem wie Oberst nicht erst einsteigt – die Vorrunde der niederen Dienstränge belongs den anderen. Dass nun die Figur des Christian Seitz, Intellektualbonvivant und Kriegsfotograf auf Innendienst im Lokaljournalism, besonders überzeugend entworfen wäre, kann man leider nicht sagen.

Die Qualitäten von Drehbuchautor Wolfgang Stauch, der zuletzt Jubiläumsrekordmünster und Schwangerschaftsvertretungsbrandenburg vorgelegt hatte, liegen eindeutig nicht in der ausgeklügelten, komplexen Geschichte (dieses Baulandgewinnlertum, dass die lokalen Gesellschaft in  alle vs. Christian Seitz differenziert, ist bloße Behauptung), sondern dem durchaus witzigen, nicht uncharmanten Dialog: "...bei ner Polonaise mitgemacht, was, das muss ich jetzt gestehen, tatsächlich ein Mordmotiv wäre." Allerdings täte es Stauchs Witz besser, wenn er sich drastischer entfalten könnte, die Anlage noch überzeichneter wäre, damit so eine Verachtung, wie Seitz sie hier performt, zum Tragen kommt (in Wien wäre das wohl am ehesten vorstellbar). In der Dann-doch-Normalität von Fernsehfilmkonstanz (Regie: Ed Herzog) wirkt's so nicht mehr als ein bisschen neunmalklug.

Das andere Highlight qua Auftritt in Die schöne Mona ist tot gibt Ronny "The Brustkorb" Zehrfeld ab, der gleich am Anfang eindrucksvoll aus der Hüfte arbeitet bei den Party People (zum Sonntagabend!) und dann nur mal kurz in die Pedale des Papa-albert-mit-Tochter-rum treten muss, um dem Feld zu zeigen, wer le Patron ist. Die Double-Technik beim Rauchen ist fast so aufregend wie das Kostüm mit dem zu weiten Neunziger-Jahre-Hemd und der Konfirmationskrawatte.

Die Volte mit der doch gar nicht toten Mona (eine originelle Auslegung des Etappentods?) hat was, kriegt in den Tatort allerdings nicht that Maß an Fatalismus hinein, den es bräuchte, damit die finale Ausführung des Mords, den begangen zu haben Seitz all the time verdächtig war, eine größere Schärfe bewirkte im Zuschauerkopf. So ist Die schöne Mona ist tot öfter kurz davor, etwas Größeres werden zu wollen, kommt dann aber nie dazu.

Eine Auskunft, die man nicht jeden Tag geben kann: "Ich faste"

Eine Erfahrung, in der das Leid des Angestellten unserer Tage beschrieben wird: "Der Laden ließ sich nicht umkrempeln, das ist passsiert"

Ein Hinweis für Leute, die mit Metaphern zu tun haben: "Krieg kann man mit nichts vergleichen"

Kommentare (52)

Magda 03.02.2013 | 22:34

Das war ein Tatort nach meinem Herzen, weil ich ihn verstanden habe. Vielleicht war es ein Fernsehspiel auf Tatort-Basis.

Am Ende war die Leiche wieder zu Hause oder so ähnlich? 

Schöne Sätze habe ich mir noch gemerkt:

 "Im Kleingedruckten stand nichts von offener Hose" (Genau das gehört ins Fettgedruckte)

Und: "Seitz nutzt die Gelegenheit und macht den Sack zu".

Das war ja fast prophetisch, denn irgendwie wars ja dann auch so. Nur nicht am See sondern daheim. Der Etappenmord in der Etappe ist doch auch was unbedingt buchenswertes.

goal74 03.02.2013 | 23:03

Och nöööö...
Warum so gnädig (oder würden Sie lieber sagen: merciful?!) heute, Herr Dell?
Ich war/bin enttäuscht, des war doch gar nix!

Und das hölzerne Spiel des Putzimann-PerlAssi ist ja fast so spannend wie das von Ben Afflek. Gaaaaanz großes Kino! (Mir wird kalt!)


Und das(!) sind doch beim besten Willen keine gelungenen Dialoge:
Seitz: "Sind Sie hergekommen, um mir meine Ehe zu erklären?"
Blum: "Haben Sie Ihre Frau umgebracht?"

Dann schon lieber 'nen Stellbrink in Gummistiefeln, da gabs noch wenigstens was zu lachen...

 

miauxx 03.02.2013 | 23:08

Naja, für Konstanz nicht so schlecht. So gut wie Dell kenne ich mich zwar nicht aus ... habe aber das Gefühl, im Konstanzer immer irgendwie dasselbe zu sehen - vielleicht nur immer ein anderes Bodensee-Ufer ...

Kriminalistisch am Ende aber doch enttäuschend für mich. Hat nun der "Schöne Fritz" mit dem "Großwagen" den "Kleinwagen" gerammt? Und wie ist die doch nicht tote "Schöne Mona" von ihrem "Kleinwagen" weggebracht worden, wo doch keine Spuren zu finden waren? Und als der "Schöne Fritz" auf Seitz' Dach festgesetz war, kamen sie alle schön der Reihe nach angelaufen: Bauer, die Nachbarn und schließlich Blum. So was ist wirklich schlecht!

Anfangs hoffte ich, es kann ja doch spannend werden, v.a. wegen der schon vielen potentiellen Täter. Diese Hoffnung hat das "Sedativum" Konstanz dann aber zunehmend vergeigt. Am Ende Enttäuschung!

Rene Artois 03.02.2013 | 23:14

Na ja, Master Dell ... – Ihre Anglizismen wirken auch auf die lästige Dauer "nicht mehr als ein bisschen neunmalklug". Sie läuft sich tot, die Masche und kommt nur noch manieriert rüber.  So wie Wolfrgang Schüttes Manie, jedwedes "und" per "&" zu subsituieren.

Ansonsten: Ihre Art, die Qualität des jeweiligen "Tatorts" vom jeweiligen "Schauplatz" her zu determinieren, spricht nicht für Ihren journalistischen Ansatz – die paar Versatzstückchen in Ihrer heutigen Kritik erinnern mich doch stark an den Satz von Willaim Jones:

"Viele Leute glauben zu denken, während sie nur ihre Vorurteile umsortieren.
A great many people think they are thinking when they are merely re-arranging their prejudices."

Sarah Rudolph 03.02.2013 | 23:21

Ach komm, das scheint ja letzte Woche richtig traumatisch gewesen zu sein, das kann doch nicht nur an meiner Anti-Antihaltung liegen, dass ichs so gegensätzlich (Im Sinne von nicht so schlimm, nicht im Sinne von wirklich gut!) empfinde.
Aber nun, um Konschtanz solls ja gehn. Und da bin ich dann doch wieder dabei. Dieser herrliche Ronald Z. mit seinem herrlichen Lächeln: toll. Wie er gleichzeitig so ekelhaft selbstherrlich und dabei doch irgendwie anziehend... 
Und Frau Blum hat mir gefallen. Auch bei ihr: das Lächeln! DIeses in sich hineinschmunzeln ist auch mir gleich aufgefallen und ich hatte zum 1. Mal seit Ewigkeiten kein Mitleid mit einer völlig unterforderten Eva Matthes die da deplaziert um den Bodensee stolpert, das passte doch mal.  

"So ist Die schöne Mona ist tot öfter kurz davor, etwas Größeres werden zu wollen, kommt dann aber nie dazu." trifft es ziemlich gut. 
Aber der dann-doch-Mord am Ende. Ich weiß ja nicht. Als Versuch das Ganze dann irgendwie abzurunden war das nicht überzeugend. Hatte was von einem Muss ja. Ich hätte drauf verzichten können. 

Auf Groth/Michelsen freu ich mich, das scheint mir interessant zu werden. (Auch wenn mir langsam zuviel neues im werden ist. So alt bin ich doch noch gar nicht!)

...und dann hab ich mir noch vorgestellt, was für eine Katastrophe, der Fasten-Runninggag wohl in den meinesten anderen Tatort-Drehbüchern angerichtet hätte. Puh!

 

peptonio 04.02.2013 | 02:52

Auf die Besperchung des Freitag hin angeschaut, obwohl inzwischen fast jeder Hoffnung beraubt, Tatorte könnten jemals etwas taugen (Ausnahme Hübner/Sarnau): Eine Enttäuschung erschütternden Ausmaßes! In jeder Hinsicht. Jetzt traue ich nicht nur dem Tatort nicht mehr , auch die Rensionen des Freitag haben ihre Zuverlässigkeit verloren.

Jaques 04.02.2013 | 08:58

Bonjour M. Artois, dem Himmel sei Dank für das FLambierte was auch immer auf ihrem Pürree. Trifft's gut, was Sie da schreiben.

Herr Dell - der Einstieg ist böse: "Für Konstanz nicht so schlecht" - das schließt ja gleich mal eine Menge Türen.

Le film war genau das richtige zu einer Tasse Hopfenkaltschale - oder war es Gerstenkaltschale, die Gisbert preferierte? - nach einem anstrengenden Arbeitstag. Und dass Frau Blum dieses Gequengel ihres Perlmännchens so weggeschmunzelt hat, hat auch mir gefallen. Und dass der Herr Groth so an ihr zersplittert ist, wie er sie eigentlich plattmachen wollte ("Hier kommt der fordernde Steuerzahler, also hopp, Fräuleinchen" - geht gar nicht) - genial.
Und ähnlich wie Perlman gequengelt hat, gab er den missverstandenen, natürlich unterschätzten Weltversteher.
Und das Kochen war nicht "Hobby", sondern "mir fehlt Sex"-Ersatz, n'est c'est pas?
Beaux Regardes, J.

 

fudge 04.02.2013 | 10:04

insgesamt ein tatort, den man gerne gesehen hat, aber wohl nicht lange in erinnerung behält. gefallen hat das lächeln der klara m., die (immerhin bei mir entstandene) spannung beim mord und der schnitt am ende, der dramatischironisch die pistole in der lässigen hand zeigte. nervig war hingegen z.b. die alte leier mit den abgezogenen kollegen als aufbau zum großen finale.

"Für Konstanz nicht so schlecht" finde ich auch etwas zu pauschal. und ich erinnere mich gut an sehr gute tatorte vom bodensee, z.b. "kaltes herz". außerdem lässt sich nunmal wohl nach jahren keine so große spannung zwischen blum und perlmann mehr aufbauen wie zwischen buckow und könig.

luddisback 04.02.2013 | 10:06

dass die schöne mona noch ein bißchen leben durfte fand ich so schön überraschend, dass ich die daraus entstandenen ungereimtheiten im bereich tatort-spurensuche verzeihen konnte. und dass der seitz am ende doch noch in den knast ging, verhindert sicher auch die drohende sexismusdebatte ob des ehrenmordmotivs. das war insgesamt, mit der einschränkung: für einen tatort, gar nicht so übel.

 

wernerkampmann 04.02.2013 | 10:55

"Konstanz ist – wie tendenziell alle SWR-Tatorte – eine Art Haferbrei, wenn der Magen mal gereizt ist: muss nicht schmecken, beruhigt aber"

 

Volltreffer. Wieder eine sehr gelungene Beschreibung. Und auch ich bleibe dabei: die "Anglizismen" wirken so verbraucht wie so manche Tatort-Figur und schmälern den Lesegenuß nachhaltig... In Verdauungsmetaphorik: da freut man sich an einem herrlichen Fischgericht und muss immer wieder an viel zu langen Gräten würgen! ;-)

Phil O'Soph 04.02.2013 | 11:36

Wer Tatort, man könnte sagen, allgemein deutsche TV-Produktionen schaut, erwartet doch wohl keine Unterhaltung auf höchstem Niveau.
Es ist dieses wunderbar mittelmäßige, oftmals fast schon öde TV-Format, das mich wissen lässt, dass die eine Woche vorbei ist und die nächste beginnt. Ich erwarte keine schauspielerischen Höchstleistungen inkl. tiefschürfender Dialoge, Spezial-Effekte oder sonstige Attribute, die wirklich gute Filme ausmachen würden. Allenfalls eine konsistente Geschichte. Das darf es gerne sein, und mehr bekommt man meistens auch nicht, was allerdings völlig in Ordnung ist.
Wie interessant kann also eine wöchentliche Kritik zu einer solch öden Sendung sein und vor allem bleiben - ohne eigensinnige Anglizismen wie "Lokaljournalism", die zwar immerhin polarisieren, aber über eloquente Hypotaxen, die den ohnehin langweiligen Tatort noch abstrakter erscheinen lassen, nicht hinwegtrösten.
Es geht hier bei immerhin nicht um hohe Kunst, m.E. auch nicht bei der Kritik – es ist und bleibt der Tatort.

vergo 04.02.2013 | 11:41

kann es sein, dass einige hauptdarsteller im tatort immer fetter werden ?

sylvester groth - the voice ! - rezensiv als dauernazischergen abzukanzeln... mann mann mann... 

aber das mit den vorurteilen von artois hats im übrigen sehr gut getroffen. denn was soll man da noch sagen bei soviel inhaltlicher leere ?zu den anglizissendingsbums von delle gibts auch nichts mehr viel zu husten. das kriegt der einfach nicht mehr raus. hoffnungsloser fall.

Matthias Dell 04.02.2013 | 11:41

"Wie interessant kann also eine wöchentliche Kritik zu einer solch öden Sendung sein und vor allem bleiben"

das ist ja ne, sagen wir ruhig, phil o'sophische frage, die sie da aufwerfen. die mittelmaß-als-konzept-idee scheint mir die - hier performte - magda-sarah-rudolph-schule zu sein. mit kategorien ist das aber schwer zu fassen (scheint mir zumindest gerade so), wobei es neben dem gut-schlecht-ding ja hier auch eigentlich um das nebenher-erzählte gehen soll. 

Matthias Dell 04.02.2013 | 11:44

"Ansonsten: Ihre Art, die Qualität des jeweiligen "Tatorts" vom jeweiligen "Schauplatz" her zu determinieren, spricht nicht für Ihren journalistischen Ansatz"

dear R.A., sehe den punkt, das ist dann wohl die betriebsblindness nach all den jahren. natürlich ist dieser tatort schlecht, aber wenn man weiß, was das in konstanz heißen kann, ist er ein bisschen weniger schlecht. but: got it. 

ps. guter hinweis auf den wein

Matthias Dell 04.02.2013 | 11:48

"kann es sein, dass einige hauptdarsteller im tatort immer fetter werden ?"

gute frage. von ronny zehrfeld heißt es, er wirke anders als alle anderem im tatort schmaler. oder wen hatten sie im sinn - den metzgerschwagerrauschebart?

"sylvester groth - the voice ! - rezensiv als dauernazischergen abzukanzeln... mann mann mann... "

bitte genau lesen: da steht nur, dass grothens größe, sein voice-over of herrschaftlichkeit/autorität, sich in den nazischergenfilmen, von denen es hierzulande nun mal mehr gibt als von anderen, dass diese große sich in diesem feld also daran (offizierslaufbahn) zeigen lässt. nicht mehr

Amanda 04.02.2013 | 12:34

Glaub gern, dass es am Bodensee so zäh zugeht. Wunderbar der Blitzbirne-Rilke-Konflikt, das Biest-Schöne-Universum, das leicht verschämte "War das schön ihr das alles zu zeigen"-Murmeln. Hätte allerdings schöner gefunden, wenn sich Putzi daran abgearbeitet hätte und nicht Augenhöhe-Blum. Das Ehepaar Seitz könnte abendfüllend sein.

Und, off topic, listen (read) very carefully, I shall say this only once: Dank Mr. Dell & René Artois hab ich inzwischen die 1. Staffel von 'ALLO 'ALLO gesehen und bin ob der Schließung dieser Lücke sehr froh.

Phil O'Soph 04.02.2013 | 13:07

Ja, "Mittelmaß als Konzept" beschreibt es sehr treffend. Ist vor mir also auch schon jemandem aufgefallen. Und ist ja auch  ein gängiges Format. Dann bin ich ja erleichtert...
Dem Einwand bzgl. Kategorien konnte ich nicht folgen. Worauf bezog sich das genau?
Wenn es tatsächlich darum geht, das Nebenher zu beschreiben, na gut, dann wollen wir mal:

Könnte man nicht den Nicht-Mord, der erst im Laufe der polizeilichen Emittlungen das eigentliche Motiv an den richtigen Mann brachte, und somit den tatsächlichen Mord geradezu forcierte nicht als Metapher dafür verstehen, dass der Polizeiapparat alles nur schlimmer macht, wenn er arbeitet?

So, Herr Dell, das war jetzt mal "phil o'sophisch". Zumindest mehr als meine vorangegangene Frage. Wahrscheinlich musste aber einfach nur ein Bezug zu meinem Pseudo her, und die Aussage war nur Mittel zum Zweck.
Hätte ja bei jemandem, der soviel zum Tatort schreiben kann, nicht erwartet, dass er sich solcher Wortspiele bedient - zumal ja der Pseudo selbst schon das Wortspiel ist... aber nichts für ungut.

fudge 04.02.2013 | 14:51

genau, diese folge meinte ich. irgendwas mit herz und eisekalt.

und ja, es stimmt schon: die tatorte aus den genannten städten finde auch ich tendenziell gelungener. was aber nicht heißt, dass konstanz konstant fader einheitshaferbrei wäre. folgen wie "im sog des bösen" oder besonders "bitteres brot" habe ich sehr gerne geschaut.

wegen mir muss nicht unbedingt jeden sonntag das rad des tatort-genres ganz neu erfunden werden.

Bluebird 04.02.2013 | 17:51

...der ebenfalls sehr gute und damals extrem spannende Tatort seinerzeit vom Bodensee hieß: "Herz aus Eis", und spielte in diesem Elite-Internat. (das nur nachgereicht)

Ein wenig spannender hätte es gestern Abend ruhig sein dürfen ;), aber alles in allem war dies ein feiner Tatort, mit einer schönen Wendung und spielfreudigen Schauspielern. Besonders gefielen mir der Groth und natürlich Ronny Zehrfeld, der letzte Woche noch als Volkspolizist ermitteln durfte.

 

Klara Blum und der kleine "Quängelkopp" sind nicht mein liebstes Team, erfreuen mich aber immer öfter. Schön das.

 

 

 

 

 

Steffi Eisenschenk 04.02.2013 | 18:38

Auch wenn ich ein fetter Fan vom schönen Fritz bin, die Story war eher lahm. Ziemlich langweilig. Wann war der letzte wirklich gute Tatort? Mittlerweile bin ich mehr Fan vom Polizeiruf 110. Es waren doch zwischdrin schon gute Ansätze erkennbar, quasi Tiger-Story, die dann aber doch nur als Bettvorleger gelandet ist. 

"Da ermittelt man auf Teufel komm raus und dann kommt der Teufel raus" Nee, ne? Bitte!!! Nicht so. 

Rene Artois 04.02.2013 | 21:21

Monsieur, Sie verwechseln da den herrlichen Kartoffel-Cantal-Pampf – "Aligot" – mit der Rebsorte "Aligoté", DEM Wein des Burgund, von dem man sich immer einen hinreichenden Vorrat aus dem Urlaub dortselbst mitbringen muss, weil er, wie Sie eindrucksvoll beweisen, hierzulandes eher unbekannt ist. Empfehlung: Der "Auchan"-Supermarkt im Städtchen Avallon, der a) hervorragend mit Wein sortiert ist und b) als einer von wenigen nicht nur einen hervorragenden Brillat-Savarin, sondern c) auch noch die wundervollen Biere der "Brasserie Thomas à Becket" aus Sens im Sortiment führt.

ceebee 05.02.2013 | 08:44

Ein dummes Huhn kommt kurz unter die Räder und wird am Ende erlöst. Weil es ja noch irgendeinen Mord geben muss. Die Idee, das Huhn und den Hahnrei weiterleben zu lassen, wäre einer entsetzlichen Strafe gleichgekommen, kam also nicht in Frage. Soweit ARD.

Das findet der Rezensent nicht so schlecht. Also schlecht schon, aber nicht gar so. irgendwie. Oder was?

Grundgütiger 05.02.2013 | 08:58

Immerhin mal wieder ein Krimi, fand ich.

Die Botschaft fürs Volk, "Eigentum vernichtet", manchmal auch den Eigentümer, war doch gut zu erkennen.

Aber da, wo selbst die Polizei die obere Mittelklasse kutschiert, bei uns im Revier gibts immer nur den Opel, sind das Fragen, die täglich entscheiden über sein oder nichtsein.

Also, her mit dem Kredit, wir wollen leben.

DanielW 05.02.2013 | 19:50

Hallo Herr Dell, ich würde Ihnen gerne eine Nachricht schreiben, nicht als Kommentar, sondern nur an Sie gerichtet, finde aber hier auf der Freitagseite leider keine Mail-Adresse oder eine andere Kontaktmöglichkeit und gehe dahier diesen, zugegebenermaßen, etwas merkwürdigen Weg. Kölnnten Sie mich kurz kontaktieren? danielweissbrodt@web.de

Evo 05.02.2013 | 23:06

weil hier so oft gegen die anglizismen des herrn dell geschossen wird, muss ich doch mal eine lanze für diese stilistischen eskapaden breaken (gut gell?): ich fand diese am anfang auch schräg, inzwischen kann und will ich nicht mehr ohne. ertappe mich sogar dabei, wie ich selbst solche denglischen kreationen entwerfe. also: keep it up usw.!

und noch etwas: einige wollen ihnen, herr dell, offenbar die freundschaft kündigen weil sie es wagen eine andere meinung zu haben. fand es auch schade, dass sie, herr dell, den saarbrücken-tatort (welch grandios surrealer spaß!) verrissen haben und nun die langweilig herumkollernde eva-matthes-pflaume gutheißen (schnarch). und natürlich sitzt man nach dem tatort am rechner, aktualisiert und aktualisiert bis der neue dell kommt, und wenn er dann nicht die eigene meinung teilt, ist man schockiert! aber das ist doch sein gutes recht und das macht dit janze ja auch spannend. also: chapeau auf der ganzen linie, ich bleib dabei.

ceebee 06.02.2013 | 14:06

@RENE ARTOIS

Solange Herr Dell stets im Ungefähren bleibt und da, wo ein Werturteil drohen könnte ins Englische wechselt, fühle ich mich nicht herausgefordert. Bei präziser Verwendung der deutschen Sprache müsste ich mich wohlmöglich ärgern. Beruhigend daher der Satz: "Verstanden ist das alles immer noch nicht." Das alles wohlgemerkt. Läßt ja leider keine Ausnahme zu.

 

 

 

Robert Baberske 07.02.2013 | 10:40

Ich denke auch, dass dem Bodensee-Tatort hier etwas Unrecht getan wird. Folgen, wie "Bitteres Brot", "Herz aus Eis" und "Im Netz der Lügen" sind sicherlich schwer in Ordnung. Nur wie bei den anderen SWR-Teams sind die guten Zeiten schon etwas her. Für mich war der Tatort nach der Einblendung des Namens Silke Bodenbender bereits gelaufen. Eine dermaßen bekannte Schauspielerin holt man nicht für 5 Minuten ins Boot, da muss noch mehr dahinterstecken, weswegen die Suche nach einer Leiche wenig Sinn ergab. 

Der übliche Dorf-Mief, zog sich in der Mitte sehr, mit einem Finale, der diesem Titel noch gerecht wird. Durchschnitt, mehr ist aus diesem See da einfach nicht mehr rauszuholen. Bleibt noch die Frage, weshalb Frau Blum dennoch so gute Laune hatte. Heimlich mit charming-Flückiger getroffen? Was für ne Überleitung ...