Matthias Dell
27.01.2013 | 21:45 67

Der ist in Frankreich 'ne Unterweltgröße

Tatort Quatsch mit Soße oder Soße mit Quatsch? Das neue Saarbrücken um Stellbrinken (Devid Striesow) versagt schon beim Debüt "Melinda" derart, dass einem die Worte fehlen

Kappl und Deininger (aka Maximilian Brückner und Gregor Weber) sind umsonst gestorben. Oder was soll dieser neue Saarbrücker Tatort in der redaktionellen Verantwortung von Christian Bauer? Saugt wie nichts Gutes.

Melinda ist von einem Format, dass man eigentlich am liebsten gleich hier Schluss machen würde mit dem Text, weil das ganze Aufregen doch nicht gut für die Nerven ist und am Ende nur zu Magengeschwüren führt. Nils Minkmar, Deutschlands leading saarländischer Feuilletonist, hat sich am Donnerstag schon im Verzweifeln in der FAZ geübt, und der dort unter anderem kritisierte Umstand, dass man Sarrebruck nicht sieht in einem der raren dort spielenden SR-Tatort-Filme, ist bei der Vollkatrastophe, die Melinda ist, fast am lässlichsten. Die Idee von Regionalität ist im Tatort mit den Jahren eh immer prekärer geworden.

Die einzige Frage von Belang, die Melinda stellt, lautet: Wie es dazu kommen konnte? Wenn man davon ausgeht, dass Schauspieler Ahnung vom Spielen, Drehbuchautoren (Lars Montag, Dirk Kämper) Ahnung vom Drehbuchschreiben und Regisseure (Hannu Salonen) Ahnung vom Inszenieren haben, und das alles auch nicht erst seit gestern, und alle sowieso auf der Seite des Guten immer für den besten aller Fernsehfilme fighten – was ging dann schief bei Melinda, dass so ein Murks herauskommt wie im vorliegenden Fall?

"Nordafrikanische" Diplomaten

Devid Striesow etwa, der ein toller Schauspieler ist und der auch  verschiedene Charaktere überzeugend spielen kann, hätte es gut getan, wenn er die Rolle als – immer noch – Kommissar Jens Stellbrink nicht ausschließlich als völlig überdrehtes Kind auslegen würde. Nichts gegen everybody's own style, aber wie soll ein Darsteller einer dann doch irgendwie seriösen Figur je Sympathien wecken können, wenn er so demonstrativ „unkonventionell“ im Baumarkt unter Reggae-Gedröhne-Einkaufen geht und noch nicht mal an der Kasse – how asozial - die Kopfhörer abnimmt?

Wohin mit Kommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück) im Hinblick auf die eigenen Gefühle, wenn die sich gleich mal volltough mit der sogenannten Staatsanwältin Nicole Dubois beim Ultimate Fighting unterhalten muss in prätentiösesten Dialogen („Darf ich dir nicht sagen, Kollegin“)? Von dieser Staatsanwältin (Sandra Steinbach), die uns wie ein Kind vorkommt und nicht wie eine Führungsperson, ganz zu schweigen. Und der vierte im Bunde, Horst „Zusammenfasser“ Jordan (Hartmut Volle) macht, was der Name schon sagt. Zum Glück kommt Saarbrücken nicht so oft im Jahr.

Der Fall ist absurd, was schon damit anfängt, dass es um „nordafrikanische“ Diplomaten geht, die erstens, weil ja selbst am Diplomatenschalter an der Grenze (by the way, welcher Grenze zwischen Metz und Sarrebruck im Sinne der Zollkontrolle eigentlich?) immer noch die Möglichkeit der Kontrolle besteht, die Drogen in Kindermägen (alle so entsetzt, als sie das Lösungswort gefunden: „Bodypacker!“) rüberschmuggeln. Und die zweitens eben aus so einem Charleys-Tante-nebulösen „Nordafrika“ kommen, von dem man die ganze Zeit nicht versteht, warum das Land nicht ausgesprochen werden kann, während die Musik (Michael Klaukien, Andreas Lonardoni) jedes Mal Orientalism kriegt, wenn einer der „Nordafrikaner“ zu sehen ist – befürchtet der SR diplomatische Krisen oder sollte der Film eigentlich ein Märchen werden?

Hobbyrätsel-Omas Rätselspaß

Der Umgang mit diesem schön verwitterten Freizeitpark, der Gulliver-Welt, die Ende Oktober erst geschlossen wurde, ist jedenfalls viel zu mysteriös, wo sich mit dem konkreten Ort doch bequem das machen ließe, was der SR bestimmt sonst auch immer will: Standortmarketing.

Nee, nee, nee, Nachsynchronisation, das Handy-Foto telepathisch versenden, die „FC Saarbrücken“-Fanschaft („Super, danke“), diese Hobbyrätsel-Oma (Silvia Bervingas) mit dem Denunzianten-Gatten (Willi Fries) – das ist noch nicht mal alles und schon viel zu viel für die wenige Zeit und vor allem: viel zu doof in der Anlage. Das Traurige an Melinda ist, dass man noch nicht einmal erkennen kann, dass da einer irgendwas wollenden Groteske – wie weiland Tukurs Dorf – von einem ängstlichen Fernsehredaktionsbürokatismus die Flügel gestutzt worden sind.

In späteren Jahren – keine Ahnung, warum wir in letzter Zeit immer so ewigkeitsselig den Gang der Geschichte evozieren müssen – wird man die völlig misslungene Folge mit demselben gelangweilten Staunen schauen wie heute den Fall Geisterbahn aus den Anfangsjahren Frankfurts. Bring mir den Kopf von Prof. Boerne! – Münster, lustig, das zieht doch.

Darauf – hätte auch nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, lieber René Artois – einen Seifert

Etwas, das man über diesen Tatort nicht sagen kann: „Machst du keine Probleme“

Etwas, das man über diesen Tatort sagen kann: „Also, das passt irgendwie alles nicht zusammen“

Etwas, das man über diesen Tatort auch noch sagen kann: „Also ehrlich gesagt, ich bin da etwas ratlos“

 

Kommentare (67)

nosferatu 27.01.2013 | 22:06

....also also, wir fanden den tatort SUPER. Der Kniff mit der Rätsel-Oma (woher hatten die eigentlich noch das alte Auto?!), die eine Karikatur der Tatort-Süchtigen (also wir hier ;-)) ist - einfach genial. Und im übrigen, die märchenhafte Ästhetik ziemlich verspult verdrogt untermalt mit der passenden musik war vielleicht nicht ganz 08/15-Tatort-style, aber so what? deutlich besser als der dortmunder war's allemal (dort bekommt man ja nur Kopfschmerzen vom schnellen schnitt) - und "der Neue" war doch mal eine richtig sympathisch - für diesen Tatort sehr passender - Kommissar. Und wie hier die Geschlechterrollen auch noch durcheinandergewirbelt wurden....nur die Staatsanwältin nervte und überzeugte mit ihrer Naivität und ihrer völlig hilflosen (oder doch eher Blödheit?!) Art..... to cut a long story short: wir freuen uns auf den nächsten Tatort aus Saarbrücken mit einem gehörigen Schuss Schimanski auf Dope!

arianamania 27.01.2013 | 22:20

Ich fand den Tatort sehr unterhaltsam. Im besten Sinne. Logik ist in den meisten Tatorten eh ein Fremdwort. Lara Croft ist für die Jungs dabei und die Staatsanwältin irgendwie... überflüssig. Dass man sich da nicht in die üblichen Diskussionen verheddern wollte, indem man ein Land nennt ist wohl der Politik geschuldet... wen hätte man denn hernehmen sollen ohne dass es irgendwo ausflippt? Die alte Dame fand ich großartig. Bitte lasst den Kommissar bei ihr einziehen. "Ich lass mich scheiden". Herrlich. Besonders schön fand ich, dass man sich mal umarmte. 

Leider wurde ein fulminantes Team ersetzt. Ich hätte da andere Kandidaten gewusst... vielleicht macht Sie das so biestig, Herr Dell?

Verwirrend fand ich nur eins: die Frau im Baumarkt sah exakt so aus wie die Psychologin im Krankenhaus. Oder? 

Lars Sänger 27.01.2013 | 22:21

Hallo Matthias,

angesichts einer sich fremdschämenden Saarbrückerin neben mir auf der Couch (in Erfurt) und dem mir immer noch ins Gesicht geschriebene Entsetzen über das Gesehene, kann ich nur sagen: Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ein Jahr lang dachte ich es ginge nicht schlimmer, als "Familie Heinz Becker" als Tatort-Persiflage über den Bildschirm flimmern zu lassen. Und dann das... Ganz bitter. Eine vergebene Chance. 

Robert Baberske 27.01.2013 | 22:26

Ich habe schon Angst gehabt, das der Film in der Dellschen Kritik als Kunstwerk abgetan wird. Aber zum Glück ist dem nicht so. Hanebüchen und zusammengeschustert. Die "Rätsel-Oma" löst jeden Krimi nach 20 Minuten, ich bin mal gespannt, wann sie gelöst hätte, das der Dolmetscher der Täter.

Ich frage mich nach wie vor, welchen Sinn die "Ultimate-Fighting"-Szene hatte. Vielleicht war die Szene in der Marx zum Schießtraining geht noch absurder. Eben viel irrelevantes, den Krimi hätte man auch am Vorabend in 45 Minuten erzählen können.  

Die Figuren zudem eine Zumutung, ich weiß nicht, ob das schauspielerisch Hand und Fuß hatte. Einfach abhaken und nächste Woche auf Besserung hoffen. 

Samira 27.01.2013 | 22:39

Sie sprechen uns aus der Seele -  Lange nicht so einen unfassbar unterträglichen Tatort gesehen! Im Bann des Fremdschämens doch noch bis zum Ende durchgehalten...und heimlich gehofft, das Elend möge doch bitte bald vorüber sein. Lisa Marx - die achso dominante Hardlinerin (@arianamania: für welche Jungs genau?)  die dann "so in einer Stunde mal da sein könnte" und ansonsten mitten in den Ermittlungen ein einsames Schießtraining in einer leeren Fabrikhalle abhalten muss - warum, könnte man sich fragen... Dann der "neue Kollege", natürlich "nicht von hier" - mit dauerhaft treudoofen blauäugigen Blicken... die Staatsanwältin, tja, da fehlen einem die Worte - sollte da Arroganz gespielt werden? Hilfe... Undglaubwürdig, unvollständig KONSTRUIERTE "unkonventionelle" Geschlechterrollen schlagen eher in die heteronormative Kerbe als Anlass zur Hoffnung zu geben!  Saarbrücken und Dortmund könnten ja mal gemeinsam einen Fall lösen^^

lina heil 27.01.2013 | 22:40

... vielleicht sollten wir es mit saarbrücken einfach wie herr striesow eigens im interview gesagt hat handhaben:

"Ich lege es jetzt nicht darauf an, dass am Sonntagabend um 20.15 Uhr die Kiste angemacht wird. Das mache ich nicht. Wenn man dazu kommt, gut. Wenn man nicht dazu kommt, ist es ruckzuck wieder Montag und man hat es vergessen: Ach, war ja Sonntag."

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1989420/

großer schauspieler, groß gespielt - aber völlig bekloppte story.

aber dass er inzwischen schon telepathisch fotos vom handy übermitteln kann - während unser eins noch ein handy ohne kamera hat - nehm ich ihm übel.

sehr schön aber, "wenn du den stock rausziehst, wirds vielleicht noch" oder so ähnlich.

die reggae oma - so skurril - das auch das dann schön.

ansonsten bis auf devid - alles schnell vergessen. (o.k. - ich gestehe, ich bin ein fan!)

Rene Artois 27.01.2013 | 22:49

My cher Dell, ich habe heute vormittag den FAZ Preview gelesen, war also derart vorgewarnt, daß mich no ten chevaux an diesen Tatort gebracht hätten. Das einzig positive, was mir zu Strielow einfällt: Der hat ja sowas von Glück gehabt, daß er kein Mädchen wurde, dem seine DDR-Eltern dann den Namen "Kerolein" verpaßt haben. Und "Keroleins" gibt's leider auch noch viel zu viele.

Ich les' jetzt meinen Val McDermid weiter "A Place for Execution"; dank eines hervorragenden Films weiß ich zwar schon (fast) alles, aber Val ist immer lesenswert. So wie gewisse angliszismenhinüberfrachtete Fernsehkritiken. Was macht eigentlich die Recherche nach den aufgemotzten alten 110-Folgen?

janto ban 27.01.2013 | 23:09

Wollte den Text nach der Einleitung gar nicht lesen - und habe mich nach dem zweiten Absatz dann so geärgert, dass ich doch noch damit angefangen hatte, dass ich abgebrochen habe.

Habe mich durch einen Tatort selten so unterhalten gefühlt. Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen. Außer vielleicht, dass ein solch überzeugter Verriss ganz gut in die Debatten der letzten Wochen passt. Irgendwie hysterisch.

Wiesengrund 27.01.2013 | 23:14

Zu diesem Tatort fällt einem wirklich nichts Sinnvolles mehr ein. Nicht einmal parodistisch lässt sich dem Gesehenen noch näher kommen. Eine Gesamtkatastrophe – Absolument! Der Stoff drei Nummern zu groß und die Figuren völliger Genrezirkus: Ein tischerückender Fischerhosen-Ermittler, eine Marxdominakollegin mit Wandschmuck am Handgelenk, eine Dorfjuristin mit Einlauf aus Berlin, vier Straße-rauf-und-runter-fahr-Araber und Margot Honecker als Unterschlupfoma....  Melinda, was für ein schöner nordafrikanischer Name? To be continued – Please not!

Ob die Genderpossen mit der Sternredaktion wohl vor einem Jahr abgemacht wurden?

mai 28.01.2013 | 00:07

Naja...
Zumindest der Charakter der älteren Frau war super. In allem Anderem muss man dem Dell recht geben.

Der neue Kommissar wächst vielleicht noch. Die Melindaschauspielerin fand ich gut und den Charakter auch. Endlich braucht es mal keine Kindergekritzel analysierende Kinderpädagogin (in die sich dann schnulzige Kommissar verknallt) sondern ein Kind malt tough und bewusst dass, was sie nicht sagen kann weil der Kommissar zu bescheuert ist irgendeinen arabischsprachigen Menschen aufzutreiben und sie wie auch ihre diplomatischen Bedränger wohl aus dem ärgsten nordafrikanischen Kaff kommen, wo kein französisch und keine Verwandten in der Banlieue existieren (wobei, nie in Saarbrücken gewesen, vielleicht findet man dort ja tatsächlich niemanden, der das Arabische beherrscht?)
Die Staatsanwältin muss weg. Die Drehbuchschreiber auch. Alles in allem kommt es mir aber bemüht vor.

Kollateralnutzen des bescheuerten Drehbuches war, dass sich kaum viel Privatblödsinn bei "dem Neuen" ausging (auch wenn die nächsten Folgen da wohl was abkriegen werden. Ich habe den Eindruck, dass eine Affäre zwischen Düboah und dem wohl am längsten nüchternen Reaggeafan angedacht ist)

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 00:09

Also bitte Herr Dell,

sich über so eine Sendung so verrissmäßig zu erregen, tss tss...

Verbrechen ist trivial, PolizeiverfolgerInnen sowieso und Krimi-DrehbuchautorInnen aus D doch erst recht.

Wozu die Aufregung? Nach 2 min Quereinstieg sagte ich meiner Frau, daß der Dolmetscher nicht ganz sauber sei und ich auf seine Komparsen warten würde, denn die seien ganz klar die Bösen...

Ist doch ne tolle Sache wenn deutsche Krimi-Unterhaltung so schön ausrechenbar ist, dann kann man beim Gucken noch was anderes machen und sich an den kleinen Gags erfreuen, die die heutige Aufführung so bot.

Hängen Sie mal den Anspruch tiefer Herr Dell.

Der Tatort ist ne nebenbei-Unterhaltung, wenn nichts Besseres kommt oder man einfach mal wieder über die deutsche Bullerei ablästern will...

Denn man kann über den Tatort ja sagen was man will:

die Polizei ist da leider oft sehr authentisch abgebildet. Das hat allerdings auch was selten Komisches, für den / die den Laden kennt.

Obwohl: die deutsche Polizei-Wirklichkeit ist oft noch schräger als der Tatort...

Nichts für ungut.

 

Inkoust 28.01.2013 | 02:32

Habe den Tatort eben in der Mediathek gesehen, war total von den Socken. Mein spontaner Gedanke: DER BESTE TATORT SEIT LANGER ZEIT (zumindest seit dem Wegwerfmädchen, der war große Klasse).  Umso erstaunter war ich, wieviele Menschen diesen Tatort überhaupt nicht mögen. Nun, jeder hat so seine Meinung, aber ich kann's echt nicht verstehen. Ich war bis zur letzten Sekunde gebannt und total begeistert von den schrägen Charakteren. Die Ausstattung war so perfekt, so detailreich, so findungsreich wie sonst nur in ganz großen Kinoproduktionen (der Märchenwald, die Jugenstilvilla). Man sieht, dass es allen einen Heidenspaß gemacht hat, diesen Film zu machen, und der hat sich auch auf mich übertragen. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal Saarbrücken!!!!

dePetry 28.01.2013 | 05:05

wie ich diese Vorab-Rezensionen hasse! Der Spiegel rät: nicht einschalten, Herr Nils (Mit dem Kopf durch die Welt) Minkmar hat auch im Voraus was zu nörgeln, was soll der Quatsch? Börne/Thiels Plots sind mindestens genauso hanebüchen wie dieser Saarbrücker Tatort und dennoch unterhaltsam. Mein Fazit: gar nicht so übel, es ist noch Potenzial drin (Luft nach oben).

Sarah Rudolph 28.01.2013 | 09:14

Auch ich hatte ein wenig in die Vorabrezensionen gelinst, sie aber nicht ganz gelesen, und aufgrund ausgesprochen schlechter Laune ganz tapfer beschlossen, den gut zu finden. Weil man ja irgendwann auch mal positiv sein muss. Und wegen Devid Striesow. Aus Prinzip quasi. 

Und ich wurde nicht enttäuscht. Ausgemachter Quatsch natürlich. Alles Karikaturen und nicht mal im Ansatz glaubwürdig. Trotzdem: ich fühlte mich unterhalten. Zumindest wenn Frau Dubios nichts zu sagen hatte. Wie kann eine Schauspielerin denn so beschissen spielen? Das war regelrecht peinlich. 

Ansonsten: wo zum Teufel kamen denn diese Polizisten an der Grenze her? Und die plakative nicht-Nennung des obskuren Heimatlandes änderte ja auch rein gar nichts an diesem platten Orientalismus. Böse guckende Araber, natüüürlich. 

Nunja, trotzdem, ich hatte Spaß. Das ist ja auch was. 

Sarah Rudolph 28.01.2013 | 09:21

Ach, vergessen: Frau Margot Müller! 
WIe kann man die denn nicht toll finden? Was eine ganz bezaubernde Figur!! Natürlich völlig bescheuert, dass sie den Kommissar auf eine Spur bringen muss, die so offensichtlich war, dass die Zuschauerin sie ja schon beinahe wieder verworfen hätte, aber sonst? Toll gespielt und schön angelegt.

Auf Twitter wünschte sich jemand ein Ermittlerteam aus ihr und Gisbert. Ach, das ist ein Traum!

ToWi67 28.01.2013 | 09:29

Bin seit Jahrzehnten Tatort-Gucker und habe schon allerhand gesehen. Und entgegen der Kritik: ich fühlte mich gut unterhalten! Striesow ist sowieso gut, Laura Croft (äh. Fr. Marx) auch. Die Rätsel-Oma ist ein genialer Einfall (und ich hoffe, daß Stellenbrink wirklich bei ihr zur Untermiete einzieht, wie es eine Leserin schrieb). Der Fall ist komödiant angelegt, also auch etwas schwarz-weiß gestrickt. So what? Nur auf die unsägliche Staatsanwältin hätte man verzichten müssen (mein Gott, meine Tote Oma hätte das besser gespielt!). Bitte nicht entmutigen lassen - und saarländisch nuscheln darf man natürlich auch mehr!

Matthias Dell 28.01.2013 | 11:21

"Umso erstaunter war ich, wieviele Menschen diesen Tatort überhaupt nicht mögen. Nun, jeder hat so seine Meinung, aber ich kann's echt nicht verstehen."

mir geht's genauso, bloß andersrum. und würde irgendwie gern verstehen, was ich da verpasst/nicht gesehen habe (allerdings grauts mir davor, dass ding noch mal anzuschauen dafür). bei tukurs dorf damals, das ich ja auch nicht mochte, konnte ich wenigstens verstehen, was andere an der übertretung schätzten. aber hier scheint mir das so schlecht ausgeführt, dass ich nicht mal die grundidee checke bzw damit, dass es ein märchen sein soll, nichts anfangen kann. und wenn sie "wegwerfmädchen" als referenz ihres likens anführen, hilft das nur bedingt - da war doch relativ konventionelle spannungsdramaturgie am start. but hier? hmm

Linker-Torstangenbewässerer 28.01.2013 | 11:27

Man könnte sagen: Die Geschichte ist der Komik zum Opfer gefallen, so wie man das aus Münster eben kennt. Aber diese überdreht, bizarre Komik mit Ansage, die nur von der Absurdität der Figuren leben sollte, konnte zumindest mich nicht zum lachen bringen (das schafft aber auch Münster schon lange nicht mehr). Die einzige die mir (wohl unfreiwillig)ein Schmunzeln entlockte war Frau Dubois.

 

Wer jetzt vom bösen "Konsulat in Metz" abgeschreckt wurde - Metz ist eine wundervolle Stadt und unbedingt eine Reise wert!

Matthias Dell 28.01.2013 | 11:28

und @sarah rudolph

hab mich auch gefragt, ob der seifert eigentlich hier häufiger vorkam oder die keroleins? erinnert mich an ein - wahrscheinlich auch wegen des herrlichen "no ten chevaux" - japanisches märchen, in dem eine junge von einer insel entkommen kann, in dem er die fische fragt, obs mehr steine oder fische auf der welt gibt, und die fische natürlich angeben wollen, und sich aufstellen, dass er sie zählen, aber eigentlich auf ihnen zum festland düsen kann. 

ich war abgeschwiffen. eigentlich find ich "devid" nämlich groß, das sieht nur aus so ner – will nix unterstellen, dearest R.A., is klar – hochsprachdeutschen bildungs-und-geschmacksbürgerlichen naserümpfigkeit wie ein "fehler" aus, die ossis, können halt kein englisch, wie auch, wenn die mauer stand, da verstehen sie alles falsch. dabei ist "devid" doch schickste appropriation, und nichts anderes soll der mensch doch machen mit der welt. sieht gut aus und unterscheidet bei einem namen, der auf den vornamenlisten bestimmt seit äonen irgendwas einstelliges ist gleich hinter luca. und diese geschmackstragende schicht von früher, der adel, die haben doch die praxisferne ihrer brutbezeichnungen auch immer mit den irrwitzigsten veralberungen zu überwinden, sich eben anzueignen versucht. und dann dürfen die eltern von striesown das allemal

miauxx 28.01.2013 | 12:22

"Etwas, das man über diesen Tatort sagen kann: „Also, das passt irgendwie alles nicht zusammen“

Ja. Wer wollte da widersprechen? Wie schon nach Dortmund frage ich mich, wie da die nächste Folge, geschweige denn die nächsten, aussehen sollen?! So einen Klamauk, und die ganze Folge war ja nichts anderes, kann man ja nicht noch mal bzw. weiterhin bringen! Aber was bliebe übrig? Wie sollen der kindisch-naive-Träumer-Yoga-Onkel und der Kampfhund Lisa zusammenkommen? Das Freidrehen vom Onkel war so übertrieben ... Wenn man noch wohlwollend sein will, könnte man sagen: Viel zu viel Personenzeichnung für eine Person, die ja zwangsläufig als Hauptperson bleiben muss. Doch nun ist bereits so viel Konfetti verschossen ... Naja, und der Fall an sich verschwand fast völlig. Schon nach kurzem war klar, dass es keine wirkliche Lösung geben wird - weil alle "Bösen" mit Diplomatenstatus - und auch sonst war alles so durchsichtig ... Eben nur Hintergrund für das Austoben des lieben Onkels.

seriousguy47 28.01.2013 | 13:03

Das kommt davon, wenn man "professionell" TV guckt und auch noch dabei denkt. Nebenher geschaut war das Ding erkennbar irrational, schräg und passte insofern auch noch gut zur Sexismus-Hysterie als ein "cooler" Typ sich ständig von irgendwelchen  nervigen Zicken sabotiert sah (bei Oma und Opa war es umgekehrt). Die Spannung kam nicht aus dem "Fall" selbst, sondern aus genau dieser Konstellation. Die Frage war: Wird er "Melinda" trotz der Zicken retten können?

Dass es kein Tatort war, war verschmerzbar, weil es anders war und so viel Schräges und Unerwartbares brachte, dass man das Ende nur schwer vorhersehen konnte.

Gut, bei der Polizei geht es so ganz gewiss nicht zu. Aber der übliche Tatort tut auch nur so, als ob er Realität abbilden würde. Insofern war dieser jetzt auch mal richtig ehrlich und verbreitete schon deswegen nicht die Mär vom tollen Super-Psycho-Mucki-Alkohol-One-Night-Stand-Kaputt-Problem-Einheits-Kommissar, der ansonsten   Bildschirm keucht....Luft!...., weil das alles erkennbar nicht glaubhaft war.

Und geschossen wurde auch, so dass die Waffenlobby ihre nötige Werbung bekam. Wo also ist das Problem?

Bluebird 28.01.2013 | 14:01

Uns hat der gestrige Tatort sehr gut gefallen! So!

Striesow hat gespielt wie kein Zweiter, die Idee mit der Margot Müller war einfach nur genial, und eine derart beknackte Staatsanwältin ist dafür gut, um irgendeine Person im Film besonders doof finden zu können. Ungereimtheiten gibt es in jedem Tatort, und auch wenn ich das alte saarländische Team vermisse....ich freu mich wie Bolle auf den nächsten Tatort aus Saaurbrücken!!!!

 

Gut, dass man zu allem eine eigene Meinung haben kann ;), meine bisherige Bilanz "in" 2013: einige hervorragende Tatorte und Polizeirufe! So kann es weitergehen!!!!

Johannes Renault 28.01.2013 | 17:30

Das erste mal hier, im dumpf-drögen Tatort Chat, und natürlich:

Jetzt wo es mal einigermaßen unterhaltsam war, da versagen die Versager der "Ach ich bin so social-slummin Fussball-gut-find horny" Liga total!

Was war denn da nun so viel schlechter als beim üblichen Panne-Who-Done-It?

Endlich mal Anflüge von Witz & Ungereimtheit. 

Ich suche mir bald eine andere Nation! Ich sags euch.

Ich täume, es verschwinden tatsächlich Menschen in Deutschland, und keiner sagt etwas. Oder wie?

So fühlt man sich, liesst man den Fleiss hier und in meiner geliebten FAZ.NET.

Schämen tu ich mich. Alle meine deitsch-kritischen Ex'en hatten doch recht! 

Was Ihr wollt, ist nur noch was Ihr bekommt! Scheisse.

fudge 28.01.2013 | 17:52

Dem kann ich nur zustimmen. Grundweg hanebüchen und zum Teil wirklich bescheuert, aber irgendwie doch auch trashig unterhaltsam, wenn man sich mit diesem seltsamen Format angefreundet hatte und über sämtliche Konstruktionsschwurbel hinwegsah (wie, es war der Dolmetscher? Na sowas.)

Und ja, in der Tat an manchen Stellen way too much (vgl. M.D.) -- dazu zählten m.E. auch diese Gummistiefel und die Toughigkeit dieser Marx. Und Dubois war mit Abstand das schlechteste, was ich seit langem auf der Mattscheibe gesehen habe (wer hat bitteschön diese furchtbaren Cappuccino-Dialoge gebastelt?). Am deutlichsten wurde die Unausgegorenheit eigentlich durch die Transformation des armen Assistenten Horst. Der war früher doch irgendwie überzeugender.

Also einerseits sehr viel Grusel und Konstrukt, andererseits doch eine interessante Figurenanlage respektive Stellbrink. Auf die Entwicklung des ganzen bin ich also gespannt und werde garantiert den nächsten Saarbrücken-Tatort anschalten. Immerhin verspricht er neben Unterhaltung auch unterhaltende Diskussionen.

RALF 28.01.2013 | 18:03

Die Geschmäcker sind verschieden. Und das sollen sie auch sein und bleiben. Aber entweder einigt man sich darauf, dass es so etwas wie objektive Qualität nicht gibt - dann kann man vollständig darauf verzichten, Filmkritiken zu schreiben, weil es nur noch eine Sache des Mögens und Nichtmögens ist - oder man orientiert sich - zumindest - an grundlegenden Dingen des Filmemachens, des Geschichtenerzählens, der Dramaturgie, der Kohärenz, der Kunst Figuren zu erschaffen und auszuarbeiten, Dialoge glaubwürdig zu schreiben etc. Bei diesem Tatort hat man erstaunlich viele dieser einfachen handwerklichen Voraussetzungen vermisst. Das mag denjenigen ja egal sein, die nicht diesen Anspruch haben (und ich möchte das gar nicht abwertend sagen) und sich einfach gut unterhalten gefühlt haben - aber diesem Tatort eine Qualität zuzuschreiben, die er einfach nicht besitzt ist nicht nur unfair denjenigen gegenüber, die wirklich gute Stoffe produzieren, sondern einfach unrichtig und auch fatal, was die Entwicklung des Fernsehens - insbesondere des öffentlich-rechtlichen betrifft.

vergo 28.01.2013 | 18:23

herr je, ... also gut... ja, das war viel blödsinn und schlecht gespieltes rollenzeugs darinnen, von den üblichen ungereimtheiten ganz abgesehen, in diesem neuen - das muss man sich mal vorstellen ! - n e u en tatort.

dennoch, der streifen hatte was, was unterhielt, denn, und nur darum geht es, der tatort soll unterhalten und einen gewissen sozialkritischen unterton irgendwie reinzwirbeln.

ich mochte den streifen gerne sehen, meine bessere ebenfalls, weil der film lustig war und atmosphäre hatte und habe mir gott sei dank die ganzen vorabrezensionen gekniffen. (schlimm, schlimm, schlimm, immer muss alles gleich tüvgeprüft werden, was auf den michel losgelassen wird.)

und um das fass vollzumachen - ja, ich freue mich sogar auf till schweiger !  ich will sehen, ob das geht mit der alten nuschelschnauze.

derKrieger 28.01.2013 | 18:41

War schon ziemlich daneben, bzw. eben ständig einen Tick zu ... zu eben. Schade, manchmal ist weniger eben mehr.

Wirklich schlimm waren die völlig unrealistischen/unglaubwürdigen Szenen. Allein dieser Quatsch mit der armen Streifenpolizistin, die Stellbrinken da fesselt und knebelt. Selbst wenn er dadurch die Welt retten würde, wäre der in Deutschland damit keinen Tag mehr im Polizeidienst. Im Übrigen passte es gar nicht zu der Figur, dass er so rücksichtslos mit Unschuldigen umgeht.

zephyr 28.01.2013 | 18:49

Und wenn dann jede/r seinen eigenen Kommisar spielt und auch die letzte Groß-und Kleinstadt zum Tatort geworden ist, dann können sich alle untereinander besuchen kommen und abwechselnd Täter/in und Kommisar/in darstellen, im Tatort, in der Nachtschicht, in den diversen Kommisar/in X Serien, bei Marie und Ewa und überall sonst und im Polizeiruf dürfen alle einmal bei Schulze auf dem Beifahrersitz mitfahren, wenn der Schäferhund es erlaubt.

Thomas Wetzlar 28.01.2013 | 19:30

Ich habe diesen Tatort verpasst. Manchmal meint es das Schicksal offensichtlich gut mit einem. Trotzdem wollte ich nun natürlich zumindest verstehen, was der Stein des Anstoßes ist. 

Obwohl ich den Schreibstil des Freitag gewöhnlich als sehr angenehm empfinde, muss ich leider konstatieren, dass man vom Lesen dieser eher wirren Aneinandereihung von Worten nicht nur Kopfschmerzen bekommt, sondern nach dem Lesen ähnlich schlau ist wie vorher.

Was ist geschehen?! Gab es gestern Zauberpilze und Herr Dell leidet immer noch ein wenig...?

Grundgütiger 29.01.2013 | 09:29

Eine Bitte hab ich, lieber Matthias, nicht abschreiben. Der von der FAZ analysiert ansonsten Siemensbilanzen. Kollege vom Feulleton krank, und schon kommt ein Korinthenkacker. Hat eigentlich nur noch die Numerierung gefehlt.

Mich hat der Tatort an meine Jugend erinnert. Morgens ein Joint, und der Tag ist dein Freund.  Saarbrücken war ein Joint, und kein schlechter.

Gut, hie und da ein wenig Verschnitt.

Sie haben ja noch Zeit. Kann es doch geben, etwas zwischen Münster und Mannheim.

So richtig surreal war er noch nicht, kommt aber bestimmt.

Und der Devid steht ausserhalb des sichtbaren Universums.

Die Araber waren doch so, wie sie in Bild dargestellt werden, übermotorisiert, hinterhältig und stets bewaffnet.

Schade ist, das ich jetzt nicht mehr an Gras komme, alle Dealer in Frankreich.

Matthias Dell 29.01.2013 | 11:46

"Der war früher doch irgendwie überzeugender."

eben das ist das komische, man erkennt ihn gar nicht wieder. wiesengrunds zwischenruf ernst nehmend: dass was mir für den tatort zu sprechen scheint aus den kommentaren außer – ganz wertfrei: erstmal nicht weiter begründetem amüsement – ist so ne idee von trash. erklärt sich mir aber noch nicht recht - braucht trash die zeit, um später als irgendwie interessant gewürdigt zu werden?

Magda 29.01.2013 | 11:52

"Kappl und Deininger (aka Maximilian Brückner und Gregor Weber) sind umsonst gestorben."

Wenn man bloß wüsste, warum man die beiden abgesägt hat.

Aber, nach zehn Minuten haben wir  "Damals wars" beim MDR angeguckt. Und es gab eine Menge zu raten, weil ich die Künstler aus dem gesuchten Jahr alle nicht kannte. Vielleicht hat die wer gemeuchelt. Zeit wäre es gewesen. 

RALF 29.01.2013 | 13:13

Die Definition von Trash könnte genau das sein: Nach ein paar Jahren schaut man sich das an und findet es irgendwie interessant - weil es nicht mehr der Zeit entspricht oder weil so unglaublich schlecht ist, dass man es kaum glauben mag. Das würde ich nun nicht gerade als Würdigung abtun und ändert auch nichts an der Qualität.

Das Amüsemang - an etwas, dass nun Trash genannt wird oder nicht - muss sich dir aber auch gar nicht erklären - Ein Blick auf die Einschaltquoten der Dschungelbachelorcobraelfs dieser Welt reicht da aus - Unterhaltung is für nen janz großen Teil keine Frage der Qualität eines Programms, sondern das Gegenteil: Je banaler, wertfreier, anspruchsloser die Sendung, desto mehr Menschen schauen zu. Schlimm genug dass es im (überwiegend werbefinanzierten) Fernsehen kaum noch gute Produktionen gibt - beteiligen sich auch ARD und ZDF an dieser Entwicklung .

Matthias Dell 29.01.2013 | 17:23

da würde ich widersprechen: wenn amüsement so funktioniert, wie hier häufiger artikuliert, fahrenlassen aller ansprüche und einfach über alles lachen, was komisch sein will, dann ist mir das zu unscharf. und das dschungelcamp würde ich nicht in solche töpfe werfen, das ist - anders als dieser tatort, so weit ich ihn verstanden habe - eine sehr gut gemachte sendung, die deshalb als trash gilt, weil sie vulgarität gestattet, voyeurismus bedient und mit diesem schleimekelkram schrecken will. das sollte man auseinanderhalten auf der suche nach kriterien

Heinz Lambarth 29.01.2013 | 17:24

Nach soviel wind und gegenwind und gejammere über qualität und rationalität, über wahn- und unsinn, über das produkt "tatort" überhaupt, wird es zeit die kirche ins dorf zurück zu bringen.

Hier handelt es sich um mittelmässige TV-unterhaltung, nicht um eine gesundheits- oder gar polizeireform und schon gar nicht um eine insitution (oder ein gefängnis); es ist schlicht ein filmchen, sonst nichts. "Flimchen" mit komödiantischem einschlag - JA; klassischer "kirmi" - NEIN. Das letztere ist der "tatort" schon lange nicht mehr, wer wirklich gute krimis sehen will, der muss (schon seit langer zeit!) auf anderen TV-kanälen gucken. Und wenn der T-ort kein krimi ist, muss er auch nicht als solcher reszensiert werden, sondern sollte für den Grimme-Preis in der kategorie "Dschungel-Camp" vorgeschlagen werden.

Wozu also all der schaum vorm mund?

Wiesengrund 30.01.2013 | 01:09

@Kirche im Dorf Restauratör

Prämisse: Dass die Tatort-Abende – gerne mit Unterhaltungcharakter – nicht im Dschungelterror  enden, ist das Anliegen aller hier Beteiligten. (Siehe letzter Dell Kommentar zur Differenzierung von Humor und Amüsemeng...)

Ihre gebrachten staatstragenden Abgrenzungsbeispiele belegen leider nur die Abstraktionsschwäche im Sinne einer Argumentationslosigkeit. In der Diskussion um Qualitäts-Kriterien führt die Verhärtung der Meinung nicht weiter. Ohne Sie unnötig weiter aufregen zu wollen, aber Aussagen wie „wer wirklich gute krimis sehen will, der muss auf anderen kanälen gucken“, zeugen nur von der Anrufung des Positiven, dessen Zwillingssatz auf den Namen „schlimmer geht`s immer“ hört.

Zu fordern wäre natürlich weiterhin und an jedem Sonntag Qualität, die der Tatort in jedem Fall zu bieten in der Lage ist und gesellschaftlich/ästhetisch/kriminologisch/cineastisch/ humorvolles Potential, das die Kritik/der Diskurs zu suchen sich aufmacht.

Die Forderung nach Kategorien „des Geschichtenerzählens, der Dramaturgie, der Kohärenz, der Kunst Figuren zu erschaffen und auszuarbeiten, Dialoge glaubwürdig zu schreiben etc.“, die selbstredend auch dekonstruiert werden dürfen, bildet dazu immer Hintergrund

Und Kritik muss, wenn sie den Anspruch besitzt, auf einen Erkenntnisgewinn abzuzielen, natürlich auf ihrem rationalen, begriffsverschwisterten Niveau beharren – ansonsten ist sie überflüssig.

In diesem Sinne, besser Schaum vor´m Mund, als gar keine Ambitionen... 

Horge 30.01.2013 | 12:30

Also mir war der Clobürstenhype im Baumarkt etwas zu überdreht. Auch der vollgestopfte Einkaufswagen und später der nicht minder trappierte  Roller ließen mich doch eher darauf schließen, einen auch klamottentechnischen, gummibestiefelten Komplettchaoten beim lösen eines Kriminalfalles beizuwohnen. Weit gefehlt. Ein grenzwertig bekleideter Individualist als Beamter bei der Mordkommission!! Einer , dem ich zugetraut hätte, statt ständig seinen Schreibtisch in Position zu schieben, sein Lieblingsposter von den Dead Kennedys an die Bürowand zu pinnen. Ich für meinen Teil fühlte mich so manchesmal ob des Gespielten und der Locations/Kulissen an die Sendung mit der Maus erinnert. Beim Anschauen quasi durchaus amüsiert und positiv verunsichert, ob Zeit und Kanal richtig gewählt sind. Letzte Einlassung, wenn den Herren Konsulatsangestellten ob ihres kriminellen Tuns ein wenig mehr professionelles Handwerk beim "Verfolgen" ins Buch geschrieben worden wäre, dann dachte ich mir, wäre Gummistiefel/Socken-Stellbrink schnell gestellt und abgehandelt gewesen und Herr Jauch hätte bereits um 21 Uhr seine "6 Experten" aus "5 Ländern" zum sinnbefreiten "Wortehülsengipfel" begrüßen können.

ceebee 02.02.2013 | 12:04

So wird die nächste Tatort Besprechung: Till Schweiger wird den harten Kerl mimen, zum Glück den Mund halten und einen zweiten Gesichtsausdruck entdecken. Woraufhin der junge Nietzsche -only this and nothing more- den Dienstmanta fordern und die allfälligen Zustimmkommentatoren, nevermind, ansatzweise subtil beipflichten.