Matthias Dell
09.09.2012 | 21:45 39

Ich bin gut

Tatort Das Beste vom vorletzten und letzten Mal: Mit "Borowski und der stille Gast" fährt Kiel weiter im gelben Trikot des "Tatort"-Pulks. Nur Sarahs enthüllte Krankheit saugt

"Dieser Film ist der direkte Anschlussfilm an Borowski und der coole Hund, in dem ich ein paar Fragen offen lassen konnte, die ich nun beantworten darf. Dadurch konnte ich die Filme eng miteinander verknüpfen und ihnen eine größere innere Kontinuität geben, wie sie sonst nicht üblich ist." Erklärt Regisseur Christian Alvart im Presseheft zum jüngsten Kieler Fall Borowski und der stille Gast.

Und das ist natürlich ein schöner Schmarrn, den auch der Pleonasmus "direkter Anschlussfilm" nicht aus der Welt kriegt: Das Abenteuer mit dem alten Schweden lief vor neun Monaten im Fernsehen und nicht vor einer Woche, und welches Zuschauerhirn soll jetzt, bitteschön, Boros (Axel Milberg) Auftaktanfahrt via Brücke als Rückkehr aus Schweden von der Beerdigung Enbergs erinnern und nicht für irgendeine Auftaktfahrt in diesen Tatort hinein halten? Auch auf die Gefahr, sich zu wiederholen: Der Tatort ist eine Reihe, keine Serie.

Von der anderen offene Frage, die Alvart nun endlich beantworten kann, hätten wir uns gewünscht, dass sie nie gestellt worden wäre, allerdings aus anderen Gründen: die ominöse Krankheit von Boros Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die Samuel Finzis Gerichtsmediziner lexikalisch an einem Gehirn erklären darf. Es mag ja in Ordnung sein, dass Epilepsie einmal einer breiteren Öffentlichkeit dargelegt wird, und womöglich ist es allein unserer Ignoranz geschuldet, dass uns diese Breite nervt und pflichtschuldig vorkommt.

Problembärin vom Revier

But, wir sehen das Problem nicht. Soweit unser nicht übermäßiges Wissen reicht, ist Epilepsie in den meisten Fällen doch relativ gut zu handlen mit der richtigen Medikation (was ja auch nur eine Metapher für das Verhältnis des Einzelnen zum Leben en général ist). Warum trägt Sarah Brandt also nicht einfach ein kesses "Epileppi, aber happy" auf den Lippen, und fertig ist die Laube, statt sich hier großdramatisch-cliffhangerhaft pathologisieren zu lassen als die Problembärin vom Revier?

Zumal, und das wäre neben unserer möglichen und widerlegbaren Ignoranz, die eigentliche Kritik an diesem "Geheimnis", diesem Persönlichkeitstool, das die Komplexität der Figur erhöhen soll: Es ist doch eh' nur Drohung und Behauptung einer Achillesferse. Kaum vorstellbar, dass ein upcoming Tatort mit Sarah Brandt am Steuer Boro in einen verheerenden Autounfall führen würde, weil sie plötzlich einen Anfall bekommt. Oder dass Boro umkäme, weil Sarah aufgrund eines Anfalls ihn im Feuergefecht nicht decken kann. Vor solchen Kalamitäten schützt doch jedes Drehbuch, also braucht das Drehbuch hier auch nicht so zu tun, als ob von dieser Sarah Brandt irgendeine Gefahr ausgehen könnte.

Und so bleiben wir bei unserer genderpsychologischen Anamnese: Sarah Brandt hat die Krankheit vor allem, damit der Mann an ihrer Seite auch noch was zu tun haben darf, etwa über sie walten. Allein wie Sarahs Los hier in Boros Hand gegeben wird, um zu entscheiden, ob der den Daumen hebt (Schladitz nichts sagt) oder senkt (Schladitz was sagt), hat etwas unangenehm Schöpfer-Puppe-Haftes. Und wenn man gerade am Anfang sieht, wie Sarah Brandt abgeht bei ihren Ermittlungen in diesem Internet (ob oder wie das erlaubt sein kann, wäre vielleicht ein spannenderes Konfliktfeld) und der Rest vom Revier nur so staunend drumrum steht, dann hat doch keiner mehr Respekt vor Hierarchien oder Qualitäten wie Intuition, Erfahrung oder Spürsinn. In der Welt, in der Sarah Brandt ermittelt und die der unseren vielleicht nicht ganz unähnlich ist, geht es vor allem technisches Know-how. Also das Anzapfen der Überwachungsmöglichkeiten des digitalen Lebens für eigene Zwecke.

Mourinhos Mannschaft

Und dieses Know-how macht den Reiz von Borowski und der stille Gast zu einem Großteil aus, der, bevor hier ein falscher Eindruck entsteht, schon sehr weit vorne ist im Feld der aktuellen Tatort-Produktion. Um nicht zu sagen: Kiel ist momentan state of the art. Dass unsere Begeisterung nicht ganz so begeistert ausfällt, wie sie dem Niveau entsprechend ausfallen müsste, liegt vielleicht auch daran, dass es sich hier um die Klasse von Real Madrid und Chelsea London handelt, also so kraftmackernden Mourinho-Mannschaften, die die eigenen Muskeln spielen lassen.

Kombiniert wird in Borowski und der stille Gast nämlich der alten Privatradioformel folgend das Beste aus der canonicanonischen Folge Borowski und die Frau am Fenster  (Drehbuch: Sascha Arango) und das Beste eben aus Borowski und der coole Hund (Regie: Christian Alvart, Kamera: Ngo The Chau) – den beiden Highlights der letzten Saison. Herausgekommen ist eine schöne Kraftmeierei, die weiß, was sie kann und der man den Perfektionismus in jedem Moment anmerkt. Und deren Stärke bei aller Wucht gerade in der Auslassung besteht, die einen schönen Rhythmus macht.

Schon die Einführung in die Wohnung der toten Carmen Kessler ist herrlich austariert – Wahnsinnsbetrieb, da nicht mit einer Streife, sondern gleich mit einem SEK anzurücken, gleichzeitig aber alles schlackenlos und in nüchterner Stille erzählt bis zu dem irren Moment, den Rollladen aufflexen zu müssen. Mit dieser nervösen Hochrüstung spielt der ganze Tatort, sie verschafft Lars Eidingers Korthals-Figur einen Fame der so weit reicht, dass man ihr tatsächlich zutraute, durch Wände zu gehen. Vor solcher Anspannung schlägt ein Detail wie Boros Ignoranz gegenüber dem Postboten aka Paketdienstleiter vor Sarahs Haus (ist es nicht das aus der ländlichen Anteaserfolge mit Missjö Früchtetee?), wo schon klar ist, dass die Kollegin the next Carmen Kessler werden soll, fast als Fehler ins Gewicht; wird zum Glück umgehend von Sarah korrigiert.

Facebook auf zwei Beinen

Dass Spannung nicht immer mit Täterraten verbunden sein muss, demonstriert diese Folge eindrucksvoll. Wenngleich man eine gewisse Arango-Mechanik bemerken kann, und sei es nur an den Stellen, an denen alles noch viel scarier sein könnte, zugunsten von ARD, Sonntagabend und so aber rausgenommen wird (dass, nur zum Beispiel, Korthals am Ende den Marsch in die Institution abbläst zugunsten eines Dänemark-Urlaubs).

Für die Qualität der Geschichte spricht allerdings, dass sie auch lesbar wird als etwas, was über den Tatort und Krimifreuden hinausgeht. Im Paketdienstleister (sicco!) Korthals wäre dann der fleisch- aka analoggewordene "Datenkrake" zu erkennen, der im richtigen Leben auf den Namen "Facebook" oder "Google" hört und sich in die real Lifes seiner User einschleicht bis zum Schuhgeschmack, der Kinderbetreuung und einer Totalinfiltrierung, die vor Mord nicht zurückschreckt (als Symbol allergrößter Gefahr fürs eigene Leben), bis die Staatstrojanerin Sarah unterstützt von der Brückentechnologie Boro den Endkampf erfolgreich aufnimmt. Wobei das mit dem Endkampf ja noch nicht so richtig raus ist.

 Ein Ratschlag auf der Höhe der Zeit: "Dafür gibt’s doch 'n Puff"

 Eine Lehre fürs Leben: immer mit dem Rücken zur Wand duschen

 Etwas, das wir auch schon manchmal gedacht haben: "Alles wäre besser gewesen"

Kommentare (39)

miauxx 09.09.2012 | 23:25

"Mit dieser nervösen Hochrüstung spielt der ganze Tatort, sie verschafft Lars Eidingers Korthals-Figur einen Fame der so weit reicht, dass man ihr tatsächlich zutraute, durch Wände zu gehen."

Das stimmt wohl. Die psychologisch-diffuse Bedrohung, jemand gewänne Gewalt über das Privateste, ist ständiger Gast zu Hause, wurde in der Figur Korthals gekonnt materialisiert, so dass man die ganzen Unwahrscheinlichkeiten und Ungeklärtheiten - wie fand man auf einen Handy-Anruf hin die Wohnung Kesslers, woher die Nachschlüssel, woher die Ex-spezialkommandomäßigen Fähigkeiten Korthals - geradezu sein mussten.   

Blinkfeuer 10.09.2012 | 00:35

Seltsam. Ein Land, führend im Ausrüsten der Klein-und Großkriminellen, jeden guten Diktator mit Waffen beliefernd.....ach , ne. dann doch nicht seltsam...da kann die Polizei in Kiel ja die Nacht+Nebelsichtgeräte nicht im Einsatz haben. Falls mal einer unter dem Wohnmobil liegt. 

Und der Bote, hat der schwarz in gelber Kluft gearbeitet? Nirgends gemeldet, keine Sozialversicherungsnummer? Dann hätte das Auto doch NIE die Farbe der Besseren im Drecksgewerbe gehabt? (hätte so in der "Volkszeitung gestanden, nicht aber im ...medium)

Den "Passat" erschießen? Wette: Demnächst kommt der mit'nem Volvo. Keiner ist mehr Volvo als Borowski. Denn einen überhitzetn Wagen hält man nicht auf dem Scheitelpunkt der Brücke an....außer beim Fachkräftemangel.  Im Leerlauf runter..das kühlt. Aber Tatort ist wie Politik. Null Praktiker. Aber alle sollen es dufte finden. War die Geschichte, aber das Handwerk.....seit Clement ist der Meisterzwang hier und da weg. Man spürt es. 

Aber großes Lob: Trotz windiger Gegend wackelt die Kamera nicht dauernd wie im Viva Müll- alike Tatort.. Sind die etwa krank gewesen? 

Oberham 10.09.2012 | 08:47

Der Gnadenschuss war wirklich eine Erlösung! Andererseits ein Kontrapunkt zur Nachhaltigkeitsdebatte der eine Schmauchspur hinterläßt!

(Als 61er der Nutella und Prä-Golf Generation wünschte ich mir einen Ermittler der im R16 (zumal in KIEL!) seine Mobilität zelebriert, francophiles Flair injeziert und dessen Oldtimer tadellos funktioniert! Die DS wäre overstyled!)

Millberg&Kekilli haben mich persönlich - trotz vieler Schrammen den Realismus betreffend - gut unterhalten.

Matthias Dell 10.09.2012 | 08:57

ich fand das ja gerade ungemein straight erzählt: man sieht in dieser rettungsstelle den handyanruf einlaufen - und die überprüfung der nummer, das rausfinden der besitzerin, ihrer adresse muss dann gar nicht gezeigt werden, weil jeder sowieso weiß, wie so was läuft heuer, und deshalb gleich hin zur wohnung. das SEK ist in diesem sinne etwas schwerer zu erklären, das ist schon teil der suggestion am telefon, korthalsen könne durch wände usw

Uwe Theel 10.09.2012 | 09:44

Lieber Herr Dell,

wie eigentlich immer, schöner Kommentar von Ihnen, allerdings habe ich noch eine Frage an den, der nachgucken kann:

War die Trage im Rettungswagen zum Schluß wirklich leer, d.h. der Täter war/ist entkommen?

Zum Film selbst: Er war sehr unterhaltend, allerdings wurde ein wenig zusehr bei Hitchcock (Psycho - Duschvorgang / Marnie - irgendwann kommt raus was mit Frau Brandt los ist und Connery sorgt sich) geklaut.

Ob allerdings Alvart sich leisten kann, so unglaubwürdig in der Story zu sein wie Hitchcock sei dahingestellt: Dass eine Kranke, insbesondere ohne Behandlung im Dienst der Kripo gehalten werden kann, blo0 weil "Boro" möglicherweise Beschützervorstellungen fröhnt? Ich weiß nicht.

Tipp für Borowskis Autoproblehme: Methode Schenck (Köln) oder Kopper (Ludwigshafen), Maigret, dem Milberg manchmal im Gabin-Blick nahezukommen wollen scheint fuhr gar kein Auto, sondern immer nur mit, meistens lief er aber.

Magda 10.09.2012 | 11:52

Und so bleiben wir bei unserer genderpsychologischen Anamnese: Sarah Brandt hat die Krankheit vor allem, damit der Mann an ihrer Seite auch noch was zu tun haben darf, etwa über sie walten.

Interessante Idee. Ansonsten - ich glaube, ich bin nicht die richtige Adressatin für diese Geschichten. Wäre da nicht Lars Eidingern, den ich gerade in dem schönen Film "Alle anderen" bewundert habe, mit seiner psychopathischen Rolle, ich hätte andauernd lachen müssen. Und - vieles habe ich einfach nicht verstanden. Warum hat er die erste Frau umgebracht. Was wollte er von Kekili. Bin ich zu fantasielos für solchen Kram oder ist das eine Generationenfrage?

Der Gedanke, dass die ganze Täterfigur ein Gleichnis für die Durchdringung unserer Privatsphäre durch die digitale Welt sein kann, gefällt mir ist mir aber nicht gekommen.

Mein Mann murmelt bei solchen Sachen immer: "Hilfe, Kunst". So kam mir das auch vor. 

Amanda 10.09.2012 | 13:09

Lars und Peri waren SO gut, dass ich mich am Ende fragte, wen Peri gespielt hat. Mein ich ernst. Und nicht einmal an "Tabu" gedacht.

Wer Herrn Eidinger allerdings mal in einer federleichten fröhlich-oberflächlichen Rolle besetzt, bekommt von mir n feuchten Händedruck.

Na ja, und dass ne starke Frau wie Sibel eben ir-gend-was haben MUSS, das sie mannschutznotwendig macht, hab ich glaube schon mal bemängelt. Bringt der Mörder ihr ihre Tabletten, nee...

Und Magda: Das mit Schneewittchen erklär ich dir mal in Ruhe, vgl. auch "schöne Leiche"... ;o)

rago42 10.09.2012 | 14:13

Kann man irgendwo nachlesen, welche Qualitätskriterien auf den Tatort anzuwenden sind?

Ich verstehe es immer noch nicht, wie so ein schlechter Tatort, wie der gestrige von vielen als so gut empfunden wird.

Die Anzahl schlechter/dämlicher/hölzerner Szenen war unglaublich.

Auf welchem Polizeirevier in Deutschland kommt man einfach so ungehindert in den Zellentrakt?

Wäre nicht Axel Milberg gewesen, man hätte es nicht bis zum Ende durchstehen können.

 

Timpetou 10.09.2012 | 15:38

Ist es tatsächlich so, dass wir einen Tatort nach der möglichst realitätsgetreuen Abbildung des polizeilichen (Ermittlungs)alltags messen sollten? Mit Verlaub, dann bitte sofort die gesamte REIHE stoppen. Denn diesen Anspruch kann nicht ein einziges Ermittlerteam erfüllen. Es würde hier ermüden, aus den vielen Folgen die Beispiele aufzulisten.

Es kann also nur darum gehen, wie eine bestimmte Grundidee filmisch umgesetzt wird. Insofern teile ich die Gelbe-Trikot-Einschätzung voll und ganz.

Allerdings sind für mich ein paar andere Details die wirklichen Schwächen gewesen. Als erstes wäre da mal der Zusammenhang der Motive für die erfolgten zwei Morde und den avisierten dritten. Mindestens DAS wäre ja für die Plausibilität der Grundidee von Nöten gewesen. Mir hat er sich nicht erschlossen.

Boro erschießt seinen Passat. Jo, man. Hätte ich schon lange gemacht. Diese Szenen mit dem immer kaputten Wagen nerven in JEDEM Film. Die Zeiten, da das noch Unterhaltungswert, auch nur marginalen, hatte, sind lange vorbei. Auch die, wo man das als Spannungselement "brauchte". Dabei ist letztlich auch unwichtig, was der Nachfolger wird. Danke Boro, dass Du es beendet hast! Also bitte: R.I.P. und auf Nimmerwiedersehen solche schlechten "runnig gags".

Und, offenbar im Gegensatz zu den meisten hier, finde ich den Seitenstrang mit der Epilepsie von Sarah nicht als so unpassend. Es ist schon interessant die Entwickliung von Boros Auffassung (auch in den kommenden Folgen) zu sehen. Das Spannungsfeld zwischen Kollege und Polizist, zwischen Dienstvorschriften und persönlicher Zuneigung ist nicht SO weit hergeholt.

Corina Wagner 10.09.2012 | 16:36

Danke für die kritischen Beitrag zum gestrigen Tatort. Für anspruchsvolle Zuschauer, die sich nicht nur vor dem Fernseher berieseln lassen wollen und hellwach vor der Klotze sitzen, um einen Tatort zu zelebrieren, der vom Anfang an das Gewisse ausstrahlt, vielleicht kein hundertprozentiges Aha-Erlebnis.

Nun gut! Es kommt wohl immer darauf an, was man sehen möchte. Nichts Nerviges, den Bildungsauftrag erfüllend, mit einer schonungslosen Polizisten-Glückseligkeit undundund … Hm, tja! Es ist schwierig bis ins kleinste Detail für Zuschauer mit dem vollen Durchblick der Zusammenhänge, also wenn Sie wissen, worauf ich hinaus will, diese mit dem Wow-Erlebnis zurückzulassen.  In der Haut der Tatort-Autoren möchte ich auch nicht stecken. Immer diese zu kritischen Zuschauer/innen. Wenn man alle Details ausblendet, die man kritisieren kann, muss/kann man allerdings zugeben, dass es tatsächlich schon schlechtere Abendunterhaltung im Metier Tatort gab.

Matthias Dell 10.09.2012 | 17:05

d'accord in allen punkten bis zum letzten, und das gelbe trikot verdankt sich eigentlich auch stark dem blick zurück - dass einem kaum andere highlights einfallen, erst recht nicht konstant am selben schauplatz, bankfurt und der polizeiruf aus rostock, beides aber immer mit luft zur totalbegeisterung.

interessant finde ich den hinweis auf das sich-überlebt-haben des kaputtes-auto-running-gags, dass gewisse witze ihre zeit haben, der zuschauer aber irgendwann zu klug/abgewichst für sie wird. in diesem sinne bin ich ja gegen die epilepsie, das geheimnis, das beide teilen und an dem sie sich in kommenden folgen bewähren müssen. alles so running-gag-haft. gibts keine anderen konflikt/binnenspannungsmöglichkeiten?

Matthias Dell 10.09.2012 | 17:16

nix mit real, geht um die figuren und die bilder, die sie transportieren, die ja schon was mit den bildern zu tun haben, in denen wir leben. die sarah-brandt-stärke verdankt sich zu gewissem grade so einer drehbuchanlagelogik, für die absichtsvoll vielleicht keiner was kann - sie hat diese computerskills, weil sie new, fresh und young ist, und dann finden so krasse gefechte wie korthals sie performt heuer eben im computer statt, und deshalb sieht der rest blöd aus, weil sie da nichts zu beitragen können. und dann wirkt das anvertrauen an boro vielleicht etwas doof und zwanghaft unterlegen, weil bis zu dem zeitpunkt vor allem ja sarahbrandt ermittelt hat. natürlich ist das eine übertriebene figur (wie conny mey in ffm auch), aber das ist doch das schöne am fernsehen, dass man sich so was leisten kann, und dann eben sieht, wenn es solche frauenfiguren gibt, dann muss man sich irgendwas für den mann an deren seite einfallen lassen, weil der so wie immer plötzlich nicht mehr funktioniert

Thomas Maier 11.09.2012 | 09:39

Übrigens duscht man unbewusst natürlich immer in die Richtung in der sicher der Wasserhahn befindet um bei Bedarf Wassermenge oder Temperatur zu variieren. Deshalb dusche ich in deiner einen Dusche unwillkürlich mit dem Rücken zur Wand, in der anderen mit dem Rücken zum Duschen-Einstieg. Dass ich mir dazu mal Gedanken machen werde, hätte ich auch nicht gedacht. Und das so viele Jahrzehnte nach Hitchcock.

Amanda 11.09.2012 | 10:51

Kenn ich nicht, eben nachgelesen, stimmt, klingt "in die Richtung".

Unhumorig war es ja vorgestern auch nicht bei ihm, diese leise Überwältigung, endlich allein in der Wohnung, und was jetzt tun, dies & jenes konzentriert, dann aber wieder wie nicht wissend, sich aufs Bette legend, Jeans dabei, riechend, in sihc rein hörend, und mit GRANDIOSER Miene die Jeans weglegend, daliegend - chapöchen.

Der is so gut - hoffentlich stirbt der nicht früh.

Tschuldigung.

Robert Baberske 11.09.2012 | 11:08

"Das Abenteuer mit dem alten Schweden lief vor neuen Monaten im Fernsehen und nicht vor einer Woche, und welches Zuschauerhirn soll jetzt, bitteschön, Boros (Axel Milberg) Auftaktanfahrt via Brücke als Rückkehr aus Schweden von der Beerdigung Enbergs erinnern und nicht für irgendeine Auftaktfahrt in diesen Tatort hinein halten?"

Aber damals ist er ja mit dem Leichenwagen rüber über die Brücke, im neuesten Streifen kommt er mit seinem stotternden Passat über diese. 

Wundervoll unterhaltsame Folge, die ein wenig mit den Ängsten der Zuschauer (evt. besonders Zuschauerinnen) spielt. Boro ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen, Eidingers Korthals bleibt über das Ende hinaus ein stiller Gast, aus dem man nicht so richtig schlau wird. Nur Sarah Brandt kommt ein wenig seltsam daher. Weniger mit ihrer Krankheit, mehr mit ihrer "Fuck auf Fakten"-Sprache. 

Eine Fortsetzung dieser Folge fände ich Quatsch. Die Macher haben sich für ein offenes Ende entschieden und gut. Aktuell Platz 2 im Jahresranking nach Kiel. 

Matthias Dell 11.09.2012 | 13:16

"Korthals bleibt über das Ende hinaus ein stiller Gast, aus dem man nicht so richtig schlau wird"

eben. und im presseheft sagt der autor noch, "mich interessiert, was der für ein charakter ist" - aber das sagen die immer, und ich bezweifle mal, dass das stimmt, das ist dieser herbert-reinecker-geraune von der schlechtigkeit des menschen, da landet man am ende immer nur bei plattitüden. so wie der tatort erzählt ist, interessiert sich der autor vor allem für das duell von seiner figurentechnologie vs. den ermittlerapparat. und die idee, dass korthals so ein sich an alle bereiche des lebens anschmiegendes soziales netzwerk spielt, gefällt mir zumindest viel besser als irgendeine nebenbei-erklärung von unordnung und frühem leid

Sarah Rudolph 14.09.2012 | 17:06

Wieso ist denn jetzt schon wieder Freitag, wo ist denn die Woche hin?

Eine von den Guten ja, konnte die aufgelegten 5,90 locker nehmen. Da gelbe trikot;: zweifellos, und genauso ohne Zweifel wohl auch und besonders im Vergleich mit dem was sonst so... nach dem eher margeren letzten Jahr hoffe ich auf bessere zeiten coming. Glauben natürlich nicht. 

Aber dieser stile Grusel, zwischendurch hatte ich richtig Gänsehaut,d er war schon geschickt gemacht. Eidingerlob ist ja langsam schon langweilig, ganz groß. Aber ich fand diese ganze Epiliepsie-Sache gar nicht so schlimm und versuche einfach mal nicht zu unken, dass das so ein schröcklicher Running-Gag-Quark werden könnte. Vielleicht werdens ja mal kreativ und das ganze nicht immer arg flach. We'll see. Ich finde es zumindest noch ganz spannend, bin aber als heimliches Brand-Kekili-Fangirl vielleicht auch nicht so ganz ernst zu nehmen.

Noch was? Bestimmt, ist mir aber irgendwie im Laufe der Woche verloren gegangen.