merdeister
06.01.2013 | 16:41 89

ADHS und Tonnen von Medikamenten

Pharmaconcern Die Menge des in Deutschland verschriebenen 'Ritalin' hat sich seit 1993 von 34 Kilogramm auf 1,8 Tonnen im Jahr 2010 erhöht. Ein Empörungsversuch

Hans Guck in die Luft

 

 

 

Früher war alles besser, vor allem für die Kinder. So lese ich es oft und höre es gelegentlich. Besonders, wenn es um eine bestimmte Gruppe von Kindern geht: Kinder mit einer AD(H)S oder dem Zappelphilipp-Syndrom. Hier liegt schon das erste Missverständnis, denn nicht jedes Kind mit AD(H)S fällt durch gesteigerte Aktivität auf. Das 'H' steht für Hyperaktivität und, wie den aufmerksamen LeserInnen aufgefallen sein wird, in Klammern. Im Vordergrund steht 'AD', das Aufmerksamkeitsdefizit. Und ein Aufmerksamkeitsdefizit fällt weniger schnell auf, zumindest für Außenstehende.

Interessant wäre jedoch, was mit "Früher" gemeint ist. Ist es die Zeit, in der ich Kind war, Helmut Kohl das Privatfernsehen erfand und mir eine Jugend mit BaywatchMacGyver und Star Trek - Next Generation bescherte (vom Nachtprogramm der Privatsender will ich gar nicht sprechen. Heutige Jugendliche werden darüber müde lächeln, aber das waren einfach andere Zeiten: Wir hatten doch nichts anderes!)?

Oder liegt früher weiter in der Vergangenheit? Als mit antiautoritärer Erziehung experimentiert wurde? Dass Kinder mit einer AD(H)S in so einer Umgebung weniger auffallen ist klar, ob es ihnen besser ging als heute, ist eine interessante Frage. Oder muss man noch weiter zurück?

Wer im Nachkriegsdeutschland hungrig in die Schule ging und ein Stück Kohle mitbringen musste, um die Temperatur im Klassenraum über dem Gefrierpunkt zu halten, dürfte eine schlechte Vergleichsgruppe für heutige Kinder und Jugendliche darstellen.

Eine Zeit, in der Kinder wirklich noch Kinder sein konnten, viel Bewegung hatten und traditionelle Werte beigebracht bekamen, könnte zwischen 1933 und 1945 gelegen haben. Wir erinnern uns noch alle an das Motto der damaligen Jugendarbeit:

"Flink wie Windhund, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und keine AD(H)S!"

Früher ist dann, wann es mir passt.

Während psychische (und neurologische) Erkrankungen früher eher verteufelt wurden, scheinen sie heute eher verharmlost oder komplett umgedeutet und überhöht zu werden.

Um sich zu empören ist die jüngere Vergangenheit sowieso ausreichend. So flatterte vor einigen Wochen ein Tweet durch meine Twitter-Timeline, in dem die Entwicklung der Menge an Ritalin (gemeint war wohl Methylphenidat (MPH)) seit 1993 thematisiert wurde. 34kg seien damals verschrieben worden, 2011 seien es bereits 1,8t gewesen. Skandal! Unsere Kinder werden ruhiggestellt, zugedröhnt und vollgestopft mit Drogen, die wirken wie Kokain!!!

Noch ein Missverständnis, denn MPH wirkt nicht wie Kokain, sondern greift lediglich an ähnlichen Strukturen im Gehirn an. MPH verhält sich zu Kokain wie ein Feuerzeug zu einem Flammenwerfer. Egal, das Mem ist in der Welt und wird sie so schnell nicht verlassen.

Aber warum muss man eigentlich ein Medikament nehmen, nur weil man etwas unaufmerksam oder hyperaktiv oder beides ist? Menschen mit einer AD(H)S haben Probleme Reize zu filtern, im folgenden Video wird das deutlich. Der Autor versucht zu zeigen, wie es sich für einen Menschen mit AD(H)S (oder Autismus) anfühlen kann, wenn er sich durch die Welt bewegt. Einigen dieser Menschen hilft MPH, Reize besser zu filtern.

Sensory overload

OK, wir wollten uns empören, über 1,8t Tonnen MPH im Jahr! Also los. Die maximale empfohlene Dosis von MPH liegt bei 60mg/d, wir rechnen einfach mit der Hälfte pro Person, das dürfte eine gute Annäherung sein. 1993 konnten mit 34kg ca. 5700 Personen behandelt werden (ich habe 200 Einnahmetage im Jahr zugrunde gelegt, weil viele Eltern am Wochenende und in den Ferien auf die Gabe verzichten). Wenn man nun weiter annimmt, jedes Jahr kommen 5700 Menschen dazu, landet man 2003 bei 340kg/Jahr. Da jedoch Kinder wachsen, muss die Dosis angepasst werden, so dass ich nochmal 1/3 dazu rechne, 500kg/Jahr. Das ist schon ziemlich nah an den 603Kg für 2001, die in einem Artikel der FAZ genannt wurden. Bei mir reicht das nicht für Empörung.

Doch es gibt Hoffnung, denn in den nächsten 10 Jahren kamen 1200kg dazu, doppelt soviel wie in den 10 Jahren davor. Alle ruhiggestellt und abgefüllt. In der "Welt" wird eine Dame zitiert, die sich im Dienste der Techniker Krankenkasse äußert:

"Im Jahr 2009 bekamen rund 27 von 1000 bei der Kasse versicherte Sechs- bis Achtzehnjährige das Arzneimittel Ritalin (Methylphenidat), wie die TK in Hamburg mitteilte. Im Vergleich zu 2006 – damals waren es 20 von 1000 - sei dies eine Steigerung von 32 Prozent."

Das ist natürlich ein dramatischer Anstieg und empörend! Zumindest, wenn man nicht weiß, dass ca. 5% (3-10%) aller Kinder Symptome einer AD(H)S zeigen. 20 von 1000 sind 2%, da fehlt also mindestens 1%, wahrscheinlich jedoch mehr. Mit 34kg kann man 5700 Menschen im Jahr behandeln, mit 1,8t 300 000 (unter der Annahme pro Patient 6g/Jahr zu benötigen). 300 000 entspricht wiederum 3% der Personen zwischen 6 und 20 Jahren (ca. 10 000 000). Dabei werden Erwachsene noch nicht berücksichtigt, die ebenfalls MPH erhalten können, AD(H)S verschwindet nämlich nicht einfach mit der Volljährigkeit. Ich habe mich ehrlich gesagt schon mehr empört.

Vielleicht über den jungen Mann mit AD(H)S, der im FAZ-Artikel erwähnt wird. Der verkauft seine Medikamente an Gleichaltrige, die damit leistungsfähiger zu werden glauben. Wirklich zu würdigen weiß man diese Geschichte allerdings erst, wenn man eine Studie* kennt, die Ende letzten Jahres im New England Journal of Medicine erschien: Es ist bekannt, dass Menschen mit AD(H)S häufiger kriminell sind als neurotypische (das sind wir anderen). In Schweden waren das bei den Männern 36% der AD(H)Sler und 9% der übrigen Bevölkerung. Wenn man allerdings die AD(H)S mit Medikamenten behandelt hat, sank die Kriminalitätsrate um bis zu 40%. Der junge Mann in dem Artikel kann jedenfalls sein Zeug nur verkaufen, wenn er es nicht nimmt. Und wenn er es nicht nimmt, neigt er eher dazu, es zu verkaufen.

Was bleibt? Viel Empörung, wenig Grund dazu. Naja, vielleicht doch. So empören sich mittlerweile auch Eltern, die versuchen, ihren Kindern unter anderem mit Medikamenten zu helfen, über die Unterstellungen, die man ihnen da so entgegenhält: Mangelnde Erziehung, überzogene Erwartungen an die Kinder, blindes Vertrauen in die "Schulmedizin".

Gut gefallen hat mir der im Artikel der "Welt" festgehaltene Kommentar der Dame von der TK:

"Ritalin könne aber eine ganzheitliche Therapie nicht ersetzen: 'Die betroffenen Kinder müssen lernen, langfristig mit ihren Symptomen umzugehen - auch ohne Medikamente.' "

Die Gabe von MPH, so steht es in den Leitlinien der Kinder- und Jugendpsychiater in Deutschland, soll in ein Therapiekonzept mit Psychotherapie für die Betroffenen und Psychoedukation für Betroffene und deren Umfeld eingebettet sein. In der Realität darf man dann allerdings, nachdem man 6 Monate auf den Platz gewartet hat und die Diagnose lege artis gestellt wurde, einen ambulanten Psychotherapeuten suchen, der ebenfalls eine mehrmonatige Wartezeit hat. Vielleicht sollten die Krankenkassen Anreize schaffen, damit sich mehr Ärzte (und Psychologen) um das psychische Wohl der Bevölkerung kümmern können. Stattdessen hält man Betroffenen vor, sie müssten lernen, ohne Medikamente klarzukommen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich ist es großartig, wenn man eine AD(H)S hat und keine Medikamente nehmen muss. Das ist aber nicht das Ziel einer Therapie! Das Ziel einer Therapie ist, dass aus den Unterschieden in der Hirnphysiologie keine (überproportionalen) Nachteile entstehen und man nicht unter ihnen leidet. Man stelle sich vor, obiger Satz wäre im Zusammenhang mit "Herzschwäche" gefallen. Das wäre empörend!

Versuch geglückt. Geht doch!

*Die größte Schwäche der Studie ist aus meiner Sicht, dass nicht klar wird, ob unter MPH weniger Taten geschehen oder die Betroffenen einfach seltener erwischt werden.

[Bildquelle]

Mehr?
Eine Website zu unterschiedlicher Wahrnehmung gibt es hier, wobei der Asperger-Autismus im Vordergrund steht.

 

 

Aufmacherfoto: TK_Presse/ Flickr (CC)

Kommentare (89)

Achtermann 06.01.2013 | 19:00

Es wäre auch mal an der Zeit, die Symptome von ADHS konkret zu beschreiben. Was mir mal eine Lehrerin beschrieben hat, fand ich ziemlich anstrengend für die Umwelt: unmotivierte Wutausbrüche, Schlagen der Mitschüler, Herumliegen auf dem Boden, Rumrennen im Klassenzimmer, Zerreißen der Hefte, Werfen von Gegenständen, Schreien. Und das alles während des Unterrichts. Folge: Soziale Isolation, weil die Klassenkameraden dieses Verhalten nicht einordnen und damit umgehen können.

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Ehemaliger Nutzer 06.01.2013 | 19:37

ADHS als Folge fehlender Erziehungsbereitschaft von Eltern - oder recht eigentlich Ausdruck von Überforderung einiger erziehender Elten?

Absedieren mit Ritalin klingt so einfach wie: hier, mein Kind ist kaputt, mußt nicht unbedingt wieder Heilemachen, reicht wenn das Kind ruhig ist.

...

 

Magda 07.01.2013 | 13:10

Hallo merdeister,

ich habe einige Jahre ein bisschen redaktionelle Brücke gespielt zwischen Berlin und Aachen für die Zeitschrift "die Akzente", die von ADHS Deutschland herausgegeben wird.

Da habe ich mich mit der AD(H)S - Geschichte ziemlich intensiv befasst.

Eltern sind halt "froh" manchmal, wenn sie eine Diagnose haben und ein Medikament, mit dem alles "heil" wird.
Und Ritalin hilft ja auch zappligen Kindern, die keine AD(H)S haben, habe ich gelesen. Da ist der Griff zu Pille eben schnell getan.

Es gibt - dem Zeitgeist folgend - sicherlich auch Schnelldiagnosen. Aber, das ändert nicht am Schicksal der Betroffenen, die diese Krankheit haben und leiden. Inzwischen gibts ja auch eindeutige Diagnose-Kriterien.

Vieles wurde mir bei den verschiedenen Treffen deutlich. Ich habe mit Eltern gesprochen, die erst durch ihr Kind verstanden haben, dass auch sie genetisch von der Krankheit betroffen sind. Oder, die an ihrem Kind schier verzweifelten bis sie wussten, es ist ADHS oder ADS. Übrigens sagt man,dass Mädchen eher die stilere Variante ADS haben. Das wunderte mich dann wieder. Es hat so einen biologistischen Hintergrund.
Es ist ein echtes Minenfeld. Mit erbitterten Gegnerschaften und Unterstellungen und Ängsten. Die merkwürdigen Angaben über den MPH-Gebrauch gehören da sicher mit zu.

Hier ist die Website von Christopher Lauer (Piraten), der ja auch diese Krankheit hat.

http://www.christopherlauer.de/2012/01/24/adhs/

Fand ich interessant, weil dessen Auftreten manchmal befremdlich ist. Er sagt, er nimmt die Tabletten nicht immer. Und dann wirkt er halt zerfahren, arrogant und "komisch". 

 

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 17:44

Jörg Blech, der Autor des Buches

Die Krankheitserfinder

Wie wir zu Patienten gemacht werden

hat zu Ritalin oder Methylphenidat eine recht kritische Analyse nach eingehender Recherche geschrieben.

In diesem Zusammenhang scheint mir der Einwand von Achtermann doch zu wenig beachtet worden zu sein.

Ich habe mal eine kleine Analyse Deines Zahlenwerkes vorgenommen und komme eigentlich zu ganz anderen Ergebnissen. Da Ritalin offenbar auch von Erwachsenen genommen wird, bin ich von der Annahme einer kontinuierlichen Einnahme ausgegangen, wobei ich die Dosis pro Jahr von 30 mg / d (8 jähriges Kind) um 2 mg / Jahr bis auf 60 mg / d gesteigert und dabei Deine Annahme übernommen habe, das jährlich 5700 Patienten (also Kranke) hinzugekommen sind.

Du schriebst:

Die maximale empfohlene Dosis von MPH liegt bei 60mg/d, wir rechnen einfach mit der Hälfte pro Person, das dürfte eine gute Annäherung sein. 1993 konnten mit 34kg ca 5700 Personen behandelt werden (ich habe 200 Einnahmetage im Jahr zugrunde gelegt, weil viele Eltern am Wochenende und in den Ferien auf die Gabe verzichten). Wenn man nun weiter annimmt, jedes Jahr kommen 5700 Menschen dazu, landet man 2003 bei 340kg/Jahr. Da jedoch Kinder wachsen, muss die Dosis angepasst werden, so dass ich nochmal 1/3 dazu rechne 500kg/Jahr. Das ist schon ziemlich nah an den 603Kg für 2001, die in einem Artikel der FAZ genannt wurden.

Unter der genannten Menge von 602 kg wurden 2001 schon 114.000 Patienten behandelt; unter der von Dir genannten Steigerungsrate konnten 2001 allerdings erst 51.300 Patienten an den Segnungen dieses Dopaminbeschleunigers teilhaben. Also muss die Steigerungsrate wesentlich größer sein.

Für das jahr 2012 komme ich unter der Annahme, dass das Medikament unter den v.g Voraussetzungen eingenommen wird auf eine Menge von 1.047 Kg in Anwendung an o.g. 114.000 Patienten. Das sind dann aber alle, die 1993 begonnen haben, das Zeug zu schlucken und dies kontinuierlich weiter tun. D.h., dass der 1993 8 Jährige mit 28 immer noch unter ADS leidet, das H sparen wir uns, schließlich wird man ruhiger mit den Jahren.

Da ich nicht davon ausgehe, dass meine Berechnung in irgendeiner Form der Wirklichkeit entspricht, sondern lediglich eine Hochrechnung Deiner Zahlen ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Verabreichungen nicht linear, sondern in irgendeiner Form exponentiell gestiegen ist. Erstaunlich an diesem Tatbestand ist im Grunde nur die Tatsache, bei wie vielen Kindern in der jüngeren Vergangenheit ein Krankheitssymptom festgestellt wurde, das bis 1944 nicht bekannt war: Allerdings stellte Leandro Panizzon in dem Jahr fest, dass seine Frau Marguerite, genannt Rita, mit der Dröhnung besser Tennis spielen konnte. Er nannte den Stoff demnach: Ritalin.

Ich weiß ja nicht, was das Zeug kostet; aber unter den von mir berechneten Voraussetzungen haben die Hersteller an die 114.000 Schlucker seit 1993 ca. 12 Tonnen Methylphenidat vertickt. Da die Menge jedoch schon bei 1,8 Tonnen / Jahr angelangt ist, passt das natürlich nicht mehr und da z.B. in den USA ca. 5.000.000 Mio. User herumeiern ist das natürlich vorwiegend eins: ein gigantisches Geschäft zur Behandlung von Symptomen, die eigentlich nur der Unbequemlichkeit von Erziehern im weitesten Sinne geschuldet sind.

Und jetzt meine Kardinalsfrage: Hat man eigentlich schon einmal untersucht, was in den Gehirnen von Kindern geschieht, die (wie früher) sich normal austoben und frei herumlaufen konnten, ohne von einer Glotze oder einer Spielkonsole gefesselt zu sein? Das wäre doch interessant zu wissen. Ist es allerdings nicht untersucht worden, diagnostiziere ich ein Informationsdefizit, dessen Folge fragwürdige Diagnosen sind.

Gruß

merdeister 07.01.2013 | 20:28

Das entspricht ungefähr dem, was man typischerweise darüber hört. In dem Fall werden jedoch Kinder beschrieben, bei denen die Hyperaktivität und mangelnde Impulskontrolle im Vordergrund steht. Kinder die vor allem unaufmerksam sind, fallen weniger auf, weil sie die Umwelt weniger stören.

Ein Problem, dass in der öffentlichen Diskussion häufig vergessen wird, ist die von Dir genannte soziale Isolation. Es gibt Kinder die können mit Unterstützung durch MPH zum ersten mal Freundschaften aufbauen und aufrecht erhalten.

merdeister 07.01.2013 | 21:03

AD(H)S wird bei Erwachsenen noch gar nicht so lange diagnostiziert, bis vor einigen Jahren wurden andere Störungsbilder diagnostiziert oder eben gar nichts. MPH ist für Erwachsene erst seit wenigen Jahren zugelassen (ich glaube 2010), da es eines Betäubungsmittelrezepts bedarf wird vorher die Nutzung unter Erwachsenen eher gering gewesen sein.

Es ist aber bekannt, dass in den letzen Jahren exponentiell zugenommen hat (siehe auch Grafik hier). Das liegt unter anderem daran, dass einfach mehr über diese Störung bekannt wurde und mehr darauf geachtet wurde. Man geht von einer Prävalenz von 5% unter den 6-15jährigen aus und davon, dass sich die Störung bei ca. 50% "herauswächst"

ADHS war bereits vor der Synthese von MPH bekannt, ich kopiere mal aus der Wikipedia:

"

1845 beschrieb der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann im Struwwelpeter einige typische ADHS-Verhaltensweisen (Zappel-Philipp, Hanns Guck-in-die-Luft). Hoffmann betrachtete diese jedoch als Erziehungsprobleme und nicht als Krankheit.

1901 schrieb Sigmund Freud in seiner Schrift Zur Psychopathologie des Alltagslebens: „Es gibt Menschen, die man als allgemein vergesslich bezeichnet und darum in ähnlicher Weise als entschuldigt gelten lässt wie etwa den Kurzsichtigen, wenn er auf der Straße nicht grüßt.“ Freud vermutete als mögliche Ursache „Abänderungen der Blutversorgung im nervösen Zentralorgan“.[4]

1902 beschrieb der englische Kinderarzt George Frederic Still das Störungsbild erstmals wissenschaftlich und postulierte, dass nicht eine schlechte Erziehung oder ungünstige Umweltbedingungen, sondern eine angeborene neurobiologische Konstitution die Ursache sei."

Der Patentschutz ist mittlerweile auch nicht mehr vorhanden und auch wenn die Zahlen viel erscheinen, lässt sich sicher leichter Geld verdienen. Auch das MPH 1971 unter das Betäubungsmittelgesetz viel spricht nicht wirklich dafür. Auch 5 Millionen Nutzer in den USA sind nicht unbedingt viel. Um das einsschätzen zu können bräuchte man mehr Zahlen (Prävalenz in den USA--> höher als bei uns, Anzahl der Kinder im relevanten Alter, Anzahl der Erwachsenen). In den USA gibt es allerdings auch eine andere Kultur zum Beispiel das Direktmarketing welches sich an Patienten richtet.

Es sind Unterschiede in der Struktur und der Physiologie des Gehirn zwischen Kindern mit und ohne ADHS bekannt, die Forschung in dem Bereich hat jedoch noch viel zu entdecken. Ein Vertreter der These, ADHS habe vor allem (!) mit dem Lebensstil von Kindern zu tun ist Gerald Hüther, der diese These auch offensiv vertritt. Zur Zeit deutet jedoch alles darauf hin, dass die Ursachen vor allem genetischer Natur sind. Was nicht heißt, dass nicht auch einigen mit Veränderungen der Umwelt und dem Umgang mit der Störung ausreichend geholfen werden könnte.

NICKLASCOMIX 07.01.2013 | 21:10
/D.h., dass der 1993 8 Jährige mit 28 immer noch unter ADS leidet, das H sparen wir uns, schließlich wird man ruhiger mit den Jahren./ Ja, die Hyperaktivität kann sich verlagern. Leider ist es ja so dass Personen mit dem stillen ADS, so wie Merdeister schreibt, schelchter erkannt werden. Gerade bei Frauen ist dies tragisch, gelten eigenschaften wie Zurückhaltung und Verträumtheit doch noch immer als geschlechtsspezoifisch. Dass sich die Stoffwechselkrankheit mit 18 Jahren 'auswächst', ist Quatsch. Erwachsene müssen die teuren Medis (in D.) aus eigener Tasche, also als Privatrezept, zahlen und es ist schwierig, diese ganz ohne begleitende Psychotherapie zu bekommen. Ebenfalls schwierig ist es, einen Therapeuten zu finden, der Kassenpatienten nimmt. Retardiertes MPH (+CONCERTA*), 36mg, kostet um die 50 Euro und beinhaltet 30 Tabletten. Klamme Patenten besorgen sich das Zeug also am Betsen illegal oder bleiben in Schule und Beruf auf der Strecke. Es gab seinerzeit, so um 2011, eine Gesetzesänderung in D., dass Erwachsene während der einer begleitenden Psychotherapie MPH günstiger bekommen. Aber so genau weiß ich es nicht mehr. Korrigiere mich, der mehr weiß.
oi2503 07.01.2013 | 21:30

So viel Unverstand, so wenig Kenntnis in so wenigen Kommentaren. Ich kann gar nicht so viel kotzen, wie ich möchte.

 Wer kannte 1993 ADHS, mit oder ohne H? Wer konnte demnach die „Krankheit“ erkennen und therapieren (und das meint lindern)? Wen wundert die Zunahme an Medikamentengabe vor diesem Hintergrund wirklich? Irgend jemand Schlaues hat mal gefragt, ob die Psychoanalyse die Therapie sei oder die Krankheit. Meint, nur was wir kennen, können wir als „Krankheit“ erkennen und behandeln.

 Und hier nun der gesammelte Griff in die Kloschüssel, frei von Kenntnis bei euch, geleitet von Vorurteil: „fehlender Erziehungsbereitschaft von Eltern“, „Absedieren“, „mein Kind ist kaputt, mußt nicht unbedingt wieder Heilemachen, reicht wenn das Kind ruhig ist.“, „Eltern sind halt "froh" manchmal, wenn sie eine Diagnose haben und ein Medikament, mit dem alles "heil" wird.“, „D.h., dass der 1993 8 Jährige mit 28 immer noch unter ADS leidet“, „haben die Hersteller an die 114.000 Schlucker“, „ca. 5.000.000 Mio. User herumeiern“, „Behandlung von Symptomen, die eigentlich nur der Unbequemlichkeit von Erziehern im weitesten Sinne geschuldet sind“, „was in den Gehirnen von Kindern geschieht, die (wie früher) sich normal austoben und frei herumlaufen konnten, ohne von einer Glotze oder einer Spielkonsole gefesselt zu sein?“.

 Ich habe ein solches Kind. Das mittlerweile 27 Jahre ist. Das unter ADHS gelitten hat. Weil es sich nicht konzentrieren konnte bzw. nur ganz manchmal. Er war der Typ, der morgens aus dem Wohnzimmer geht um sich etwas zu essen zu holen. Auf dem Weg dahin fällt ihm seine Puppe ins Auge, die geheilt werden muss. Also hoch damit, ins Zimmer. Auf der Suche nach Nadel und Faden stößt er auf das neue Bilderbuch, nur kurz anschauen, darin sieht er ein Fahrrad, da fällt ihm ein, dass der Reifen geflickt werden muss. Draußen, auf dem Weg zum Schuppen, erinnert er sich an Matze, seinen  besten Kumpel. Also auf. Am Abend schließlich kommt er zurück, sagt: „Ich hab einen Bärenhunger, hab den ganzen Tag noch nichts gegessen.“ (Und für die ganz Blöden: Wir hatten nicht einmal einen Fernseher zu der Zeit. Weil das Kind total optisch gepolt war, selbst beim Video im Baumarkt mit offenem Mund stehenblieb. Spielekonsole gab es auch nicht).

 Das Syndrom hat auch Vorteile, oft. Dazu gehört erhöhte Kreativität.

Wundert sich eigentlich niemand hier, dass Speed, Amphetamine, sedieren, wie ihr (fast) alle schreibt oder meint? Wie kann das nur sein? Was ist eigentlich dran daran, dass Morphium bei Schmerzpatienten nicht abhängig macht? Weisheit des Körpers? Wenig Weisheit der Community. Wie gesagt, kotzen möchte ich. Speed macht konzentrieren können. Abgefahren, oder?

 P.S. Ich habe keine Eltern erlebt, die es sich „leicht“ machen, ihren Kindern dies Medikament zu geben, es mag sie geben Ies wird auch dumpfe Blogger geben, schätze ich). Ich habe auch keine erlebt, die ihre Kids ruhigstellen wollten.

 P.P.S. Dem Kind geht’s prima. Er nimmt seit Jahren keine Medis mehr. Er studiert, ja und er ist kreativ geblieben.

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 21:42

Ja, ja, aber ich sprach von einer numerischen Simulation. Die Folge daraus, dass es eben nicht so ist (siehe merdeister) verweist auf eine inflationäre Praxis. In dem Buch, dass ich Eingangs anführte, wird beschrieben, glaubhaft beschrieben, dass selbst Zahnärzte Ritalin verschrieben, ohne jegliche psychiatrische Ausbildung.

Insgesamt verweisen also die verschriebenen Quantitäten, wenn sie eben nicht dem linearen Muster folgen,sondern  auf ein exponentielles Wachstum diagnostisch begründeter Verschreibungen für eine höchst beschränkte Personengruppe. Und ich bin nicht unbedingt der Überzeugung, dass dieses mit einer verbesserten Diagnose oder einem Erkenntnisschub einhergegangen ist, sondern eher auf intensivere Schulungsmaßnahmen von Seiten des pharmazeutischen Komplexes.

Bisweilen liest man auch, dass Eltern geradezu erwarten (verlangen) dass der Fratz das Wundermittel verschrieben bekommt. Was z.B. Achtermann da von einer Lehrerin schildert hat m.E. nichts mit AD(H)S zu tun, sondern zum einen mit Erziehungsproblemen und Disziplinlosigkeit hervorgerufen durch Überforderung im Elternhaus, zum anderen durch die Machtlosigkeit und den Mangel an Mitteln des Lehrkörpers, diese Disziplineinforderung mittels Maßnahmen durchsetzen zu können. Prinzipiell ist ein solches Verhalten asozial, asozial gegenüber den Mitschülern.

NICKLASCOMIX 07.01.2013 | 21:49
Psychoanalsyse ist etwas völlig anderes als Psychotherapie. -anlyser wird mit Kindern oder Adoleszenten, die von AD(H)S betroffen gar nicht gemacht, denn dieses dauert über Jahre und ist für junge Menschen gar nicht ausgelegt und geeignet. Verhaltenstherapie ist viel mehr am Alltag, den es zu bewältigen gilt. (Mich wundert sowieso, dass hier, in einer linken Com., andauernd nur die Psychoanalse angesprochen wird, wenn bestimmte probleme angesprochen werden - als gäbe es nichts anderes in der Psychologie.) Kreativ muss eine von AD(H)S betroffene Person sein, sonst könnte sie ihren Alltag nicht meistern. Dieses sind vielmehr 'Eselsbrücken', die saich so mancher AD(H)Sler mühsam schafft und von seiner unbetroffenen Umwelt so schön easy und positiv als 'Kreativität' wahrgenommen wird.Wichtigere Dinge bekommen weniger Zeit der Kontzentration. Die Qualen und die Ressourcenverschwendung, die dahinterstehen, werden oft völlig ausgeblendet und somit auch ein tieferes Verständnis für Betroffene. Sicher gibt und gab es voreilige Diagnosen, aber nach meiner Erfahrung war das vor mehr als etwa 15_20 Jahren.
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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 21:54

Und noch was: es wird schon seit 1970 exponentiell steigend in den USA verkauft und diente, wie interessant, in Problembezirken der Befriedung - ja du hast richtig gelesen - der Befriedung von Problemschülern. Das Du ein Problemkind hast, ist trauriges Schicksal, ich kann es nicht ändern, aber wer mir erzählen will dass diese inflationäre Entwicklung an hunderttausenden seit 1993 auftaucht, den kann ich nicht ernst nehmen. Man sollte schon trennen zwischen persönlicher Betroffenheit, einem abstrakten Zahlenwerk und dem dahinter sich verbergenden Geschäft

NICKLASCOMIX 07.01.2013 | 21:57
Jaja (heißt leck mich). Psychotherapeuten7Psychologen können MPH 'verschreiben', aber Du musst damit zusätlich zum Neurologen oder Hausarzt, damit du es auch bekommst, denn diese sind ja keine Mediziner. Verantwortungsbewußte Mediziner tun dieses eben nicht. Du weißt sicher auch, dass AD(H)S-Symptome ähnlich der Verhaltenweisen hochintelliger (gelangweilter) Menschen sind? Auch da müssen gute Mediziner und Psychologen differenzieren.
NICKLASCOMIX 07.01.2013 | 22:02
Die erstgenannten sind keine Mediziner, deshalb können sie lediglich 'Empfehlungen' aussprechen, mit denen Du dann zu Ärzten eiern musst. Betäubungmittel bekommt niemand einfach mal so auf Rezept, außer vielleicht überkandidelte Privatpatentenmütterchen für den durchgeknallten, emotional vernachlässigten, hochkreativen und -intelligenten Sohnemann, der Frösche aufbläst. :)
oi2503 07.01.2013 | 22:07

Ja, alles klar, Du schriebst von Dröhnung und von User, die herumeiern und "Hat man eigentlich schon einmal untersucht, was in den Gehirnen von Kindern geschieht, die (wie früher) sich normal austoben und frei herumlaufen konnten, ohne von einer Glotze oder einer Spielkonsole gefesselt zu sein?". Was ja nur bedeuten kann, dass (heute) Kinder mit ADS oder ADHS eben nicht ... Ich kann dir glaubhaft versichern, dass mein Kind sehr viuel draußen war, keine Glotze und keine Spielkonsole hatte. Und nun? Bei dir noch irgendetwas klar? War es das eigentlich schon einmal?

Deine unbeholfene Pseudokalkulation habe ich auch gesehen, ja. Was für ein Bullshit.

oi2503 07.01.2013 | 22:15

„Psychoanalsyse ist etwas völlig anderes als Psychotherapie.“

 Ehrlich? Lies noch einmal, vielleicht verstehst du dann, was ich ausdrücken wollte.

 „Kreativ muss eine von AD(H)S betroffene Person sein, sonst könnte sie ihren Alltag nicht meistern. Dieses sind vielmehr 'Eselsbrücken', die saich so mancher AD(H)Sler mühsam schafft und von seiner unbetroffenen Umwelt so schön easy und positiv als 'Kreativität' wahrgenommen wird.“

 Schon mal von einem BMW-Porsche gehört? Na dann ..

oi2503 07.01.2013 | 22:28

„Das Du ein Problemkind hast, ist trauriges Schicksal,... „

Autsch, das tut physisch weh.

Nein, ist es nicht. Es war und ist die reine Freude. Das Kind ist klasse, mein Leben mit ihm war großartig und weit weg von traurig. Und ein Kind mit ADHS oder ADS ist kein Problemkind. So wenig wie die von dir genannten „Problemschüler“ in den USA dies sind. Probleme haben mit "Problemschülern" immer nur die anderen. In diesem Falle du, weil du über jemanden sprichst, den du nicht kennst und ihn zum Problem erklärst. Begreifst du eigentlich, was du so schreibst?

 

„ich kann es nicht ändern, aber wer mir erzählen will dass diese inflationäre Entwicklung an hunderttausenden seit 1993 auftaucht, den kann ich nicht ernst nehmen.“

 

Frag Merdie, der hat die Zahlen für D. geliefert. Rd. 34 kg auf 1,irgendwas Tonnen. 1993 bis 2010. Und auf diese Zahlen bezog sich deine Pseudokalkulation. Also komm mir jetzt nicht mit den USA um die Ecke.

 

„Man sollte schon trennen zwischen persönlicher Betroffenheit, einem abstrakten Zahlenwerk und dem dahinter sich verbergenden Geschäft“.

 Kann ich. Trennen. Alles drei. Deshalb dachte ich auch, es wäre ganz gut in die Runde der sich selbst bestätigenden Pharmakritiker mal die Realität einzuführen. Kannst du Realität auch vertragen, kannst du persönliche Anschauung, du nennst es persönliche Betroffenheit?

abghoul 07.01.2013 | 22:32

Der Deal ist halt nicht ganz einfach.

Und alles auch noch sehr subjektiv.

AD(H)S ist auch nur eine Krankheit, nach dem was ich lese eher ein Symptom, da gibt es ja noch viel mehr.

Und sicher auch eine nicht nur menschenfreundlich denkende Industrie dazu. Die hat sicher Kritik verdient...

Nichtsdestotrotz gibt es auch den jeweiligen Nutzen des Patienten.

Der hat eine ganz eigene Kritik verdient, das wird zu oft vermengt.

 

Hier mal mein akuter Deal als Beispiel.

Von circa sieben am Tag auf drei die Woche für eine leichte Überdosis an Antileptika.

Schmeckt mir nicht aber ich hätte halt nicht auffallen dürfen so als Hirnmutant, nun bin ich nicht verwertbar und muss mich melden wenn ich drei Tage keine Pillen gegessen hab.

Aber wenn ich meine Pillen gegessen hab werde ich nicht unbedingt klüger oder konzentrierter;) und bin letztenendes auch nicht verwertbar weil ich ja immer noch Anfälle habe.

Eigentlich ein Scheißdeal aber ich arbeite auch noch dran.

Ich könnte auch gut ganz wieder ohne Medikamente nicht funktionieren;)

OKOKOK, das ist ja auch keine AD(H)S aber schon generell die gleiche Thematik. Bei mir ist ja auch schon Sachschaden vorgekommen.

Jetzt geht die Argumentation "Besser du frist deine Pillen als du greifst mein Kind aus dem Kinderwagen, schreist "Brainzzz" und frisst es auf. Verantwortung vor der Gesellschaft als Motivation denke ich mal. Dabei bin ich gar kein so böser Junge, und reife Gehirne sind doch auch viel wohlschmeckender als die frischen, nicht wahr Herr Gourmet?

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 23:46

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, aus den Geburten der letzten Jahre eine Statistik unter den Voraussetzungen zu erstellen, die in diesem Blog genannt werden.

 

Jahr  Geburten AD(H)S   Annahme  Betroffene

2011  662.712  33.136  108.300  614.697

2010     677.947  33.897  102.600  620.041

2009  665.126  33.256  96.900     626.066

2008  682.514  34.126  91.200   632.224

2007  684.862  34.243  85.500   637.513

2006  672.724  33.636  79.800   642.685

2005  685.795  34.290  74.100   648.463

2004  705.622  35.281  68.400   653.588

2003  706.721  35.336  62.700   657.721

2002  719.250  35.963  57.000   622.385

2001  734.475  36.724  51.300   586.423

2000     766.999  38.350  45.600   549.699

1999  770.744  38.537  39.900   511.349

1998  785.034  39.252  34.200   472.812

1997  812.173  40.609  28.500   433.560

1996  796.013  39.801  22.800   392.952

1995  765.221  38.261  17.100   353.151

1994  769.603  38.480  11.400   314.890

1993  798.447  39.922  05.700   276.410

1992  788.291  39.415  000000   236.487

1991  788.291  39.415  000000   197.073

1990  788.291  39.415  000000   157.658

1989  788.291  39.415  000000   118.244

1988  788.291  39.415  000000    78.829

1987  788.291  39.415  000000    39.415

 

Dies ist eine Tabelle der Geburtenraten von 1993 – 2011. Die Zahlen bis 1993 sind die Mittelwertbildungen aus den Jahren 1993 – 1998. Bei der getroffenen Annahme, dass ca. 5% der Kinder unter ADS leiden, bedeutet das, dass die Anzahl der Betroffenen unter der Annahme, dass das Syndrom mit 6 Jahren erkannt und behandelt wird und sich nach 10 Jahren verwachsen hat ab dem Jahre 2000 immer in einem Bereich von ca. 600.000 und darüber liegt.

Dies wird jedoch auch in der Vergangenheit der Fall gewesen sein, denn das Leiden wird ja nicht erst seit dem Einsatz von Retalin aufgekommen sein. Niemand kann mir erzählen, dass eine solche, im wahrsten Sinne Volksseuche der Aufmerksamkeit entgangen ist

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 00:00

siehe die Statistik. mehr war auch in dem was du kritisiert hast nicht enthalten. Ich halte es schlicht für äußerst unwahrscheinlich, dass die getroffenen annahmen der Medizin auch nur im Ansatz etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Wenn das Phänomen, wie es kolportiert wird, diese Ausmaße hat, stellt asich doch die Frage, warum es bislang nicht erkannt worden ist, wenn es nunmehr als behandlungsbedürftig heraus gestellt wird.

Zu deinem Kind: was du beschreibst klingt eher nach Asperger denn nach ADS ... wir haben in der Bekanntschaft solch einen Fall.

Verzeih meinen Ausfall, aber ich habe es eben mit Zahlen und sehe die massive Anwendung von Ritalin eben aus der Perspektive. Das ist doch Irrsinn, was sich da abzeichnet, aus den Zahlen meine ich. Ich weiß doch was ich rechne. Das ist ein gigantisches Geschäft!

Wie hörte ich es einmal ... Es gibt keine Gesunden, es wird nur nicht genau oder tief genug untersucht! Und hinsichtlich von Diagnosen bin ich ein gebranntes Kind: Vor Weihnachten war ich beim Arzt wegen einer Hauirritation. Er schaute, wiegte den Kopf und konstatierte: das ist eine Beckenvenenthrombose ...

Nach Krankenhausanalyse ... Nein, auf keinen Fall.

Wieder hin zu dem Wunderdoktor ... doch das muss es sein

Ich zum Hautarzt ... es sind Borelien von einem Zeckenbiss! Ich stelle mir mit Grausen vor, der hätte mir was gegen Thrombose verschrieben ... ich krieg einen Affen

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 07:32

Hinsichltich der Tabelle ist zu sagen:

Das Potential ist noch längst nicht ausgeschöpft! Trotz rückgängiger Geburtenrate liegt die zu verschreibende Menge unter den beschriebenen Voraussetzungen von 1,08 g/Monat (12,96 g/jahr) bei möglichen ~11.150 kg/Jahr.

Davon sind bei verschriebenen 1.800 kg erst 16,16 % der Möglichkeiten und Notwendigkeiten ausgeschöpft. Ärzte, Psychologen, Psychiater und nicht zu vergessen Eltern ... sie alle schauen nur nicht genau hin!!!

Das sind die Konsequenzen aus den behaupteten Annahmen, das 5% aller Kinder an einem Aufmerksamkeitssyndrom (was für eine WischiWaschi - Begriff) leiden.

Dieses ADS, sollte es genetisch bedingt sein, hätte in der Vergangenheit - und damit meine ich einen Zeitraum von 10.000 Jahren und mehr - mit absoluter Sicherheit dazu geführt, dass die Trages dieses Gens eine geringere Überlebenschanche gehabt hätten als Nichtträger. Sie wären schon längst aus dem genetischen Pool verschwunden, schon in der Frühzeit!

Wird jetzt denn langsam deutlich, um was es geht?

oi2503 08.01.2013 | 10:14

Ende 2011 lebten in D rd. 6,75 Mio. Kinder im Alter von 6 bis unter 15 Jahren (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/AltersgruppenFamilienstand.html). Das entspricht ungefähr, nicht ganz der Altergruppe, die du annnimmst als potentiell betroffen von ADHS.

Nimm davon deine 5% und du hast die Anzahl der potentiellen ADHS-Kids (rd. 337.000). Nach deinen Annahmen. Deine Tabelle zeichnet sich wirklich durch Mühe aus. Ist nur irgendwie, na ja, bist du mit kompliziert und nicht zu Ende gedacht und "enthält viel zu viel Vorannahmen!" einverstanden?

oi2503 08.01.2013 | 10:23

"Niemand kann mir erzählen, dass eine solche, im wahrsten Sinne Volksseuche der Aufmerksamkeit entgangen ist"

Scheint so, dass dir das niemand erzählen kann. Und wenn es doch so ist? Wenn zuerst eine Sensibilisierung für das Krankeitsbild stattfinden muss, bevor es "massenweise" erkannt wird? Wenn dann danach - ja auch ich habe Kritik an Ritalin als Glücksbringer - all zu leicht und allzu häufig das Modelabel verpasst wurde und wenn dann wieder danach ein Rollback stattfindet und Kritik dazu neigt, das Kind mit dem Bade auszuschütten?

Du brauchst das Krankeitsbild um es so benennen zu können. Das ist das, was ich versuchte in Bezug auf die Psychoanalyse mit auf den Diskussionsstrang zu geben. Und dabei sollte man sich immer klar bleiben, dass es ein Bild ist und nicht das,was tatsächlich stattfindet.

Aber sicher haben sich die Diagnosen mit ADHS in den letzten 20 Jahren exponentiell entwickelt. Und genau so klar waren die Symptome auch vorher schon - wahrscheinlich in ungefähr der gleichen Höhe - da.

oi2503 08.01.2013 | 10:35

„Zu deinem Kind: was du beschreibst klingt eher nach Asperger denn nach ADS ... wir haben in der Bekanntschaft solch einen Fall.“

Das tut schon wieder weh. Das S am Ende beachten. Syndrom. Viele, vielfältigste Ausprägungen, verschiedene Schweregrade sowieso. Das wird auch bei Asperger so sein. Wie du nun dazu kommst auf Grund des wenigen, was ich über meinen Kleinen geschrieben habe ihn zum Autisten zu machen, wirst du wohl wissen. Ich darf davon ausgehen, dass du anerkannter Ferndiagnostiker bist?

Ich bin kein Doc, deshalb hier noch einmal Wikipedia: „Als Asperger-Syndrom wird eine tiefgreifende Entwicklungsstörung innerhalb des Autismusspektrums bezeichnet, die vor allem durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet ist sowie von eingeschränkten und stereotypen Aktivitäten und Interessen bestimmt wird. Beeinträchtigt ist vor allem die Fähigkeit, nonverbale und parasprachliche Signale bei anderen Personen intuitiv zu erkennen und intuitiv selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Asperger-Autisten erscheint dadurch „merkwürdig“ und ungeschickt und wie eine milde Variante des frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom). Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt jedoch nicht als Autisten, sondern höchstens als „wunderlich“ wahrgenommen.“

Nichts davon habe ich beschrieben. Nichts davon trifft auch nur annähernd auf das Kind zu. Und jetzt darfst du dich schämen gehen. Und dich dabei fragen, was du für Bilder im Kopf hast, wenn du an die "traurigen Problemfälle ADHS-Kinder" denkst.

oi2503 08.01.2013 | 11:31

„Aufmerksamkeitssyndrom (was für eine WischiWaschi - Begriff) leiden.“

Aufmerksamkeitdefizitsyndrom. Warum ist "leiden" fett gesetzt?

„Dieses ADS, sollte es genetisch bedingt sein, hätte in der Vergangenheit - und damit meine ich einen Zeitraum von 10.000 Jahren und mehr - mit absoluter Sicherheit dazu geführt, dass die Trages dieses Gens eine geringere Überlebenschanche gehabt hätten als Nichtträger. Sie wären schon längst aus dem genetischen Pool verschwunden, schon in der Frühzeit!“

So wie die genetisch mitbedingten Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs, Rheuma, Asthma, ach eigentlich so wie Krankheiten generell

„Wird jetzt denn langsam deutlich, um was es geht?“

Nein.

 

thinktankgirl 08.01.2013 | 12:13

Dieses ADS, sollte es genetisch bedingt sein, hätte in der Vergangenheit - und damit meine ich einen Zeitraum von 10.000 Jahren und mehr - mit absoluter Sicherheit dazu geführt, dass die Trages dieses Gens eine geringere Überlebenschanche gehabt hätten als Nichtträger. Sie wären schon längst aus dem genetischen Pool verschwunden, schon in der Frühzeit!

Wo du recht hast, hast du recht!

 

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 12:57

Auch Asperger tritt in verschiedenen Intensitäten auf und es ist durchaus nicht gesagt, dass dabei - ohne Dir zu nahe treten zu wollen - die Symptome bis zur Altagsunfähigkeit gehen. Was Du beschreibst, ist die Fokussierung auf Dinge, Gegenstände, die in dem Augenblick, wo sie ins Bewusstsein treten, die Aufmerksamkeit fokussieren und alle anderen Dinge in den Hintergrund treten.

Das bedeutet nicht, dass der Mensch, der als Kind mit diesen Symptome - sagen wir mal - ausgestattet ist, sich nicht entwickeln kann, sogar, gerade weil eine solch enorme Fokussierung auf einen Gegenstand der Aufmerksamkeit möglich ist, zu außergewöhnlichen Leistungen in der Lage zu sein scheint.

Ein Beispiel dafür ist z.B. Paul Adrien Maurice Dirac dem man ein leichtes Asperger Syndrom nachsagt. So antwortete er häufig in Gesprächen und Diskussionen nur mit Ja, Nein oder weiß ich nicht. bei WIKI wird dies so umschrieben:

Dirac war von zurückhaltender Natur. Es machte ihm nichts aus, in Gesellschaft zu schweigen und auf Fragen nur sehr wortkarge, einer strikten Wahrheitsliebe verpflichtete Antworten zu geben, wovon zahlreiche Anekdoten verbreitet waren.

Eine der schönsten Anekdoten aus der Physik befasst sich mit ihm:

Dirac war überzeugter Atheist. Auf die Frage nach seiner Meinung zu Diracs Ansichten bemerkte Wolfgang Pauli in Anspielung auf das islamische Gottesbekenntnis:

„Wenn ich Dirac richtig verstehe, meint er Folgendes: Es gibt keinen Gott und Dirac ist sein Prophet.“

 

oi2503 08.01.2013 | 13:09

„Auch Asperger tritt in verschiedenen Intensitäten auf und es ist durchaus nicht gesagt, dass dabei - ohne Dir zu nahe treten zu wollen - die Symptome bis zur Altagsunfähigkeit gehen.“ Schreibst du. Ich schrieb: „Viele, vielfältigste Ausprägungen, verschiedene Schweregrade sowieso. Das wird auch bei Asperger so sein.“

Mensch, Kunibert, merken: wir sind uns einig. Das ist ein Teilerfolg. Und das ist Ernst gemeint. Zu nahe tritts du mir sowieso nicht.

„Was Du beschreibst, ist die Fokussierung auf Dinge, Gegenstände, die in dem Augenblick, wo sie ins Bewusstsein treten, die Aufmerksamkeit fokussieren und alle anderen Dinge in den Hintergrund treten.“ Was ich versuchte zu beschreiben ist die schwach oder schwächer ausgeprägte Fähigkeit, Reize zu filtern, sie in Rangreihen zu bringen. Und das – so habe ich es damals gelernt; das „Kind“ ist 27, die „Diagnose“ ist rd. 16 alt – sei was geschieht. Im Wesentlichen geschieht bei AD(ganz leichtes H)S.

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 13:20

Wo du Recht hast, hast du Recht. Ich hatte in der Tabelle zu spät begonnen, die geheilten Fälle aus dem Bereich 10 Jahre zuvor wieder zu subtrahieren. Dann stimmt jedoch eher die Annahme, dass es etwas 3 % sein sollen, was mir jedoch unter der Annahme des genetischen Pools (siehe etwas höher) immer noch viel zu viel erscheint ...

ich habs noch mal kurz kalkuliert: unter der Annahme von 4% würde es passen - zahlenmäßig. Aber ich denke, was Columbus in seinem Blog (siehe dort) geschrieben hat ist durchaus stickhaltig und logisch. Sind dann aber immer noch ~4,800 kg / Jahr.

Das entspricht, unter der Prämisse, dass von den 50,00€ pro Monatsration (30 Pillen á 36 mg) bei einer Verabreichung von 1,08 Gramm, 24,00€ an den Hersteller gehen, einen Umsatz von:

1.272.066.094,08 €

und das meine ich mit: Wird jetzt langsam deutlich um was es geht?

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 13:33

Um noch ein Beispiel zu nennen ...

Ich habe vor mehr als 20 Jahren in Oldenburg einen Programmierer kennengelernt, der - ich weiß es nicht genau - entweder ein Asperger Syndrom hatte oder ein leichter Autist war. Sein Kopf, und das sah seltsam aus, war definitiv schief auf den Hals gewachsen.

Aber er hat in 3 Wochen !!! ein Betriebssystem mit allem Pipapo für einen Computer geschrieben, der auf einem MOTOROLA 68030 basierte. Die Fa. für die er arbeitete ist zwar in Konkurs gegangen, aber etwa 10 jahre später sind mir diese Rechner - vor allen mit seinem Betriebssystem - wieder begegnet: Als Analyserechner für die damals gerade aufkommende Technik von EEG's ... eine absolute Glanzleistung mit dem Rückschluss höchster Intelligenz.

Ismene 08.01.2013 | 16:00

Hallo Merdeister,

Ein Problem, dass in der öffentlichen Diskussion häufig vergessen wird, ist die von Dir genannte soziale Isolation. Es gibt Kinder die können mit Unterstützung durch MPH zum ersten mal Freundschaften aufbauen und aufrecht erhalten.

Dieses Phänomen kenne ich aus meiner Familie auch. In diesem einen Fall hat das Medikament dem Kind geholfen, sich zu orientieren und auch die Suizidgedanken konnte man in den Griff kriegen. Es hat nicht einmal sechs Monate gedauert. Aber ohne verhaltenstherapeutische Maßnahmen wäre das nicht gelungen.

Liebe Grüße

Ismene

Ismene 08.01.2013 | 16:08

Lieber Oi,

ich kann Deine Wut gut nachvollziehen. Mein Kind ist noch nicht so alt. Ich finde manche Formulierung auch sehr verletzend, allerdings kenne ich durchaus Eltern, die ihre Kinder einfach unkompliziert wollen und dabei eher an Pillen oder so was denken.

Was ich aber bei aller Diskussion wichtig finde: unsere Kinder sind liebenswerte, wundervolle Menschen, sie sind anspruchsvoll, aber das ist - wie Du schon geschrieben hast - kein Nachteil.

Persönlich gebe ich aber zu, dass ich an manchen Tagen an meine Grenzen komme (und weit darüber hinaus) und manchmal einfach auch ratlos und erschöpft, wütend und hilflos bin. Mehr als Medikamente helfen mir dann allerdings (vermutlich) Freundinnen und Bekannte. Manchmal reicht ein gutes Wort ja auch schon viel weiter als man denkt.

Gut, jedenfalls, dass Du mal aus der Sicht eines Betroffenen geschildert hast, wie grausam und verletzend manche - ja durchaus gut gemeinten - Beiträge wirken können.

Liebe Grüße

Ismene

oi2503 08.01.2013 | 20:11

330 Millionen Dollar Umsatz machte Novartis im vergangenen Jahr mit der Ritalin-Gruppe. (...) Allein im vergangenen Jahr stieg Novartis' weltweiter Umsatz mit Ritalin-Produkten um 37 Prozent, hat aber trotz allem nach Angaben des Unternehmenssprechers „nicht das Potential, einer unserer großen Blockbuster zu werden“.

Ein Grund ist, dass die Konkurrenz auf dem Markt mitmischt. So machte Johnson & Johnson mit seiner ADHS-Pille Concerta allein im vergangenen Jahr 930 Millionen Dollar Umsatz, ein Wachstum von mehr als zwanzig Prozent im Vergleich zum Jahr 2005. Der deutsche Marktführer, die Firma Medice Arzneimittel Pütter, konnte mit Methylphenidat-Produkten den Firmenumsatz innerhalb weniger Jahre verdoppeln. „Wir konnten jedes Jahr zwanzig Prozent mehr Mitarbeiter einstellen“, sagt Geschäftsführer Richard Ammer. Den Gesamtmarkt in Deutschland beziffert er auf 80 Millionen Euro.

(aus: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/ritalin-die-karriere-einer-pille-1459215.html)

 

merdeister 08.01.2013 | 20:29

MPH ist nicht mehr das richtige Medikament um viel Geld damit zu verdienen, es hat keinen Patentschutz mehr. Das einzige womit zur Zeit wohl ganz gut abgeräumt werden kann ist Concerta. C. hat den Vorteil, dass das MPH über den gesamten Tag freigesetzt wird, das hat den Vorteil, dass man im Laufe des Schultages nicht nochmal eine Tablette nehmen muss, unretardiert wirkt nämlich MPH nur wenige Stunden. Diese langsame Freisetzung lässt sich der Hersteller von Concerta bezahlen, es scheint nicht ganz einfach zu sein, das so hinzubekommen, sonst gäbe es mehr Nachahmer. Die Betroffenen sind froh, nicht noch eine Tablette nehmen zu müssen, weil ihnen so eine Stigmatisierung erspart bleibt.

Die Diagnostik einer AD(H)S sollte von jemandem gemacht werden, der sich damit auskennt, ein Zahnarzt gehört nicht dazu. Ich würde gerne wissen, ob das jemals ein relevantes Problem war oder es sich einfach um Anekdoten handelt, die man hübsch in seinem Buch verwursten kann. Ich habe "Die Krankheitserfinder" selbst vor einigen Jahren gelesen und hatte in Bezug auf AD(H)S, dem Autor folgend, eine ähnliche Meinung wie Kuni und  Columbus. Heute denke ich, dass der Autor sich zumindest in dem Fall geirrt hat.

merdeister 08.01.2013 | 20:33

"Dieses ADS, sollte es genetisch bedingt sein, hätte in der Vergangenheit - und damit meine ich einen Zeitraum von 10.000 Jahren und mehr - mit absoluter Sicherheit dazu geführt, dass die Trages dieses Gens eine geringere Überlebenschanche gehabt hätten als Nichtträger. Sie wären schon längst aus dem genetischen Pool verschwunden, schon in der Frühzeit!"

 

Das ist Blödsinn. Denn ähnliches würde dann für Cystische Fibrose, Autismus, Chorea Huntington, Fragiles X-Syndrom und viele weitere genetische Erkrankungen gelten.

oi2503 08.01.2013 | 20:40

Liebe Ismene,

vielen Dank für diese Zeilen. Meine Freundin hat mich gestern gefragt, als ich ihr von meinem aktuellen „Problem-Blog“ erzählte, ob ich denn auch Unterstützung erhalten hätte. Das musste ich verneinen. Nun nicht mehr. Das ist toll.

Ein alter Prof. von mir hat mal auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Sozialisation und Vererbung die Antwort gegeben: „Die Wirklichkeit ist manchmal fast entmutigend komplex“. Damals (junger Kerl) habe ich ihn dafür ein Weichei geschimpft. Heute sehe ich darin eine Weisheit, eine Leitlinie. Die auch für den Umgang mit ADHS gilt (oder Beschneidung). Manchmal gibt es Eltern die bequem sind. Deshalb sind nicht alle Eltern bequem. Und damit hilft die Aussage im Erkenntnisgewinn nichts (in Worten: 0).

Wut. Ja, Wahrscheinlich. Über so viel Undifferenziertes. Schwarz oder weiß. Die Pharmakonzerne. Klar kann ich mich auch gar nicht wieder einkriegen wenn der damalige Scheffe von Schering (gab es noch) auf einer Pressekonferenz von 16% Umsatzrendite erzählt. Und dass er zufrieden sei, aber eben nicht ganz. Weil zum Benchmark noch 2% fehlten. 16% auf den Umsatz, nicht auf das Eigenkapital. Unglaublich das.

So, Schluss damit. Ich wünsche dir alle Kraft dieser Welt. Und all die Freude, die du mit deinem Kind haben wirst. Es ist dein Kind. Und es ist wunderbar und einzigartig. Und wenn es anstrengend ist, bleibt das so, auch wenn es nicht immer leicht zu sehen ist.

Dank nochmal, LG

Oi

 

 

merdeister 08.01.2013 | 20:50

"Aber ohne verhaltenstherapeutische Maßnahmen wäre das nicht gelungen."

Klar und vermutlich (hoffe ich mal) gab es auch eine oder mehrere Elternschulungen in denen Verstärkerpläne besprochen wurden. Wer sich einmal die Leitlinien ansieht wird feststellen, dass Psychoedukation und Therapie an erster Stelle steht. Nur Leider ist die nicht in jedem Fall sofort verfügbar (das ist ein gesellschaftliches Problem, für welche Ressourcen sind wir bereit zu zahlen) und dann beginnt man schon mal mit der Medikation. Es gibt auch Kinder, die ohne MPH gar nicht therapierbar sind.

Dir und Deinem Rabauken alles Gute.

merdeister 08.01.2013 | 20:58

"Zu deinem Kind: was du beschreibst klingt eher nach Asperger denn nach ADS ... wir haben in der Bekanntschaft solch einen Fall."

 

Du kannst doch nicht mit so oberflächlichen Kenntnissen einfach solche Behauptungen aufstellen.

Aperger Autismus unterscheidet sich von Frühkindlichen in erster Linie durch das Fehlen einer Sprachentwicklungsverzögerung, es ist nicht "eine milde Form" von Autismus. Die Menschen die Du kennenlernst sind genau aus diesem Grunde weniger betroffen: Weil Du Sie kennenlernst oder besser, weil sie in der Lage sind, Dich kennenzulernen. Wenn derjenige, den Du kennst Dich an die Schilderungen von OI erinnert, dann weil es von außen ähnlich aussehen mag oder weil er zusätzlich zum Asperger Syndrom noch eine AD(H)S hat. Je nachdem wie viel Therapie er bereits hatte und wie hoch sein Leidensdruck unter der Symptomatik ist, könnte ihm MPH u.U. helfen*.

 

*das ist keine Therapieempfehlung! Höchstens eine Idee, mit der man u.U. einen qualifizierten Psychiater konfrontieren könnte.

 

 

Ismene 08.01.2013 | 22:09

Hallo Oi,

das ist mir ein Anliegen - allein ist man mit einem anspruchsvollem Kind genug.

Mir ist es dabei zunächst mal völlig egal, woher das kommt oder wie das heißt - ich wollte immer wissen, was ich tun kann, ich habe nämlich noch ein Kind, dem ich auch gerecht werden will.

Wütend haben mich immer zwei Ansichten gemacht und zwar weil da immer über all die Mühen, die ich mir machte hinweggesehen wurde: die einen behaupten, das Kind sei schlecht erzogen und die anderen, das sei doch alles nicht so schlimm... Ich bin allerdings wirklich in der glücklichen Lage, mich darüber hinwegzusetzen und vieles zu überhören.

Danke für Deine guten Wünsche

Liebe Grüße

Ismene

Ismene 08.01.2013 | 22:15

Lieber Merdeister,

Die beschriebene Erfahrung bezieht sich nicht auf mein Kind, aber ich habe daraus gelernt, ganz früh zu agieren. Nachdem ich dann einige Jahre später die Diagnose hatte, wurde mir eine Art Elterntherapie vorgeschlagen. Damals standen wir vor der Einschulung und mit sehr wenigen Veränderungen des täglichen Lebens und sehr viel Konsequenz sind wir gut voran gekommen. Vielleicht ist es eben eine milde Ausprägung, vielleicht auch nicht. Wichtig ist, aus der Hilflosigkeit rauszukommen, selbs

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2013 | 13:48

Das ist Blödsinn. Denn ähnliches würde dann für Cystische Fibrose, Autismus, Chorea Huntington, Fragiles X-Syndrom und viele weitere genetische Erkrankungen gelten.

Mein Argument bezog sich auf folgenden Kommentar:

Zur Zeit deutet jedoch alles darauf hin, dass die Ursachen vor allem genetischer Natur sind.

Das hast Du geschrieben, nicht ich. Ich halte es von der Ursache her eher mit dem Inhalt dieses Blogs:

Und wieder zurück …

Die Anzahl der genannten Fälle liegen, Deinem Bekunden nach bei ~ 350.000 (dreihundertfünfzigtausend)

 

Cystische Fibrose

Aus Wiki::

Rund 8.000 Menschen leben zur Zeit in Deutschland mit dieser bisher unheilbaren Erbkrankheit. Vier Prozent der deutschen Bevölkerung, also rund drei Millionen Menschen, sind gesunde Genträger, die das mutierte Allel weitervererben können. Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt

Das sind keine 350.000 Tausend!

 

Autismus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus#M.C3.B6gliche_Ursachen_von_Autismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus#Fallanstieg

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus#Genetische_Faktoren

 

Frage: wie viele Autisten gibt es in Deutschland? Fälle, die z.B. denen des Birger Sellin ähneln?

 

Chorea Huntington

Aus Wiki:

Es ist eine autosomal-dominant vererbte, neuro-degenerative Erkrankung, die meist um das 40. Lebensjahr zu ersten Krankheitssymptomen – Bewegungsstörungen und psychischen Symptomen – führt. Männer und Frauen sind in gleicher Häufigkeit betroffen. Die Krankheit nimmt immer einen schweren Verlauf und führt im Durchschnitt 15 Jahre nach den ersten Symptomen zum Tod. Mit wenigen Ausnahmen erkranken alle Merkmalsträger früher oder später (vollständige Penetranz). Die Chorea Huntington ist eine der häufigsten erblich bedingten Hirnstörungen mit einer Inzidenz von 5:100.000.

Das sind auch auf keinen Fall 350.000!

Auch hier gilt: dies kann durchaus im genetischen Pool verblieben sein, denn welcher neolithische Jäger erreichte schon das 40. Lebensjahr? Dein Argument scheint diesbezüglich nicht sehr überzeugend.

 

Fragiles X-Syndrom

Die Häufigkeit des Fragiles-X-Syndroms wird in der Literatur sehr breit angegeben, da in vielen Studien auch unterschiedliche Bemessungsgrundlagen für eine Vollmutation angelegt wurden.

Im Schnitt beträgt die Häufigkeit 1:1.200 bei Männern und 1:2.500 bei Frauen. Damit stellt diese Besonderheit nach dem Down-Syndrom (Trisomie 21) die häufigste Form von genetisch bedingter kognitiver Behinderung dar.

Auch das sind keine 350.000!

Und ich bleibe dabei: wenn die Ursache genetischer Natur sein sollte, haben die genetischen Defekte seit ~ 1970 in den USA und seit ~1990 – durch welchen Umstand auch immer (wäre zu beweisen und kann bewiesen werden durch genetische Analysen) rapide zugenommen. In der Vergangenheit wäre diese Krankheit (so es denn eine ist) aus dem genetischen Pool verschwunden. Sie wäre nach Diagnose viel zu häufig aufgetreten. Die anderen Beispiele die genannt wurden, führen entweder zu frühem Tod oder sind als normale Spielart genetischer Fluktuation anzusehen, die immer wieder auftreten aber eben nicht als Massenerscheinung … das ist doch das, was mir nicht behagt, und nicht nur mir!

Im Übrigen gab es hier ja einige interessante Zahlenspielereien, alle auf linearer Basis; wie Du erkennst aus den unterschiedlichen Angaben innerhalb dieses Kommentarstrangs, sollte man mit solchen Angaben sehr vorsichtig sein. Mir will scheinen, dass eine Gaußverteilung wesentlich besser passen würde, wobei der linke Teil unter der Kurve dem entspricht, was in diesem Blogs steht.

Gruß

chrislow 11.01.2013 | 08:53

Naja, herr merdeister. Nix schön im Inhalt, aber schön geschrieben. Nicht besonders erwähnenswert, dass ADHS´ler plötzlich krimminelle seien, weil ihnen das Zeug hinterhergeworfen wird und niemand eine Kontrolle für nötig hält - und ... das wichtigste dabei: Das das Zeug eine Modedroge ist, ist nicht Schuld des Diagnostizierten. Ich würde es genauso machen. Ärzte könnte ich ähnlich krimminalisieren.

Interessant und amüsant war der vergleich zwischen MPH und Kokain (Feuerzeug und Flammenwerfer). Wäre aber besser gewesen, zu erklären, warum das so ist. Ich vermute aber, es sei deswegen, weil Kokain nicht in Milligram dosiert wird, aber MPH schön je Pille immer gleich und niedrig dosiert ist. Alternativ kann man dann ja 10 oder 20 MPH auf einmal nehmen (wenn dass so funktioniert). Aber vielleicht ist auch die gleiche Menge MPH nicht so potent wie gleiche Menge Kokain (vom feinsten und ungestreckt - aber wo bekommt man sowas schon?). Jedenfalls scheint mir eine Differenzierung nicht so sinnvoll, wenn im Kern doch gleiche Funktionen bestehen. Ausser der Dosisfrage ist mir der Unterschied zwischen illegalen Drogen und Psychopharmaka nicht deutlich genug zu erkennen - beide greifen in den Hirnstoffwechsel ein. Und die Researchsubstanzen sind auch nur dewegen erfunden worden, weil es Drogen und Rauschmittel schon gab, weil dadurch die Wirkungen bekannt und die Molekühlgruppen erkenntlich wurden, die Hirngängig und darum wirksam sind.
Es bleibt natürlich immer die Frage, ob man Kindern mit derart Medikation schon im Organismus herrumpfuscht. Wenn dass Schule macht (und das scheint es gemacht zu haben), dann sehe ich schwarz für die Zukunft und die Gesundheit der Menschen (denn wer Pillen schluckt, ist demnach krank).

Dein Link zum Autismus-Wahrnehmung ist aber irgendwie banal und auf alle Menchen anwendbar, was dort geschrieben steht.

Dass die Seite mit einen Preis gewürdigt wurde, ist beinahe schon ein Euphemismus. Alles, was ich bisher lass, ist in einem derart naivem Duktus geschrieben, dass man sich fragen muß, ob das noch sinn macht. Und einige Inhalte sind ganz sicher nicht Zielführend oder irgendwie Ratsam - wenn nicht sogar vollständig falsch interpretiert. So ist nicht eindeutig, ob es dem Betroffenen um den strukturierten Tagesablauf geht, oder dem Umfeld - wenn dass nämlich durch Probleme mit dem Autisten sich aufregt, liegt hier der Wunsch wohl eher auf Seiten des Umfeldes, anstatt die Notwendigkeit beim Autisten.

Wer lässt sich schon gerne von Fremden anfassen (umarman, antippen oder eine fremde Hand auf dem Körper gelegt bekommen - ja, es kommen einem sogar die eigene Familie fremd vor, wenn die einem zu nahe kommt), wenig unterschiedliche Kleidung kennt man aus der Geschäftswelt ohne Ende (Anzug und Kravatte), auch Überraschungen sind für niemanden gerne gesehen, wenn sie unangenehm sind, niemand gefällt es, wenn man etwas konzentriert hören will, aber im Hintergrund Geräusche sind - sich davon nicht stören zu lassen mag zwar sozialverträglich und auch sonst ganz vorteilhaft in einer Fernsehsituation sein, aber auf der Strasse etwa ist dass dann schon wieder fast selbstmord, wenn man sich nicht von Geräuschen beeindrucken lässt. Fazit? So besonders sind also Autisten auch nicht. Das nicht zu erkennen, ist die eigendliche Fehlleistung des Umfeldes.

Und ja, es sieht so aus, als ob selbst die unmittelbar in Familie umgebenen Menschen fremd sind. Eine emotionale Bindungsstörung liegt vor. Es ist in den alltäglichen Problemsituationen eindeutig, dass dabei nur Ablehnung auftritt, anstatt sich in der Gruppe auf das Problem einzulassen und kollektiv zu empfinden.

Für mich steht sowieso fest: Autisten und anderes psychisch Gestörte haben eine latente (Angst)Erregungsstarre, die ihnen die Aufmerksamkeit und Konzentration erschwert - was sich noch verstärkt, wenn Menschen in der Nähe des Betroffenen sind.. Würde ein derart geplagter Mensch allerdings mehr souveränität und Kontrolle über sich selbst haben (ohne ruhigstellene Medikamente) wären sie die absoluten Wahrnehmungskünstler. Die scheinbare externe und interne Reizüberlastung (weil oft und leicht ablenkbar) ist bei Übung und Souveränität dann ein Segen, der unmögliches möglich macht.

Übrigens wird in der zukünftigen DSM 5 Liste Asperger-Autismus nicht mehr vorkommen. Offenbar wird hier mehr mit einem Autismus-Spektrum als mit fest abgegrenzten Diagnosen gearbeitet.

Auf diesen Beitrag oben schrieb wer anderes seine Sicht auf. Darin ist zu lesen, dass Autismus und AD(H)S unterschiedlich sind.
Ich meine, dass das natürlich stimmt. Aber vielleicht ist auch hier nur ein Spektrum erkennbar und keine andere Ursache, sodass vollständig differenziert werden kann.

merdeister 12.01.2013 | 15:00

Das ist ja noch nicht mal falsch.

Als Anregung: Wenn man davon spricht, allen Menschen ginge es in gewissem Maße wie Menschen mit Autismus, es sich dabei demnach nicht um eine Erkrankung handeln könne, im weiteren Verlauf jedoch auf das kommende (!) DSM-V hinzuweisen, in welchem nur noch von Autismusspektrumstörung gesprochen wird, kann man sich noch mal überlegen, ob das Kommentierte Sinn ergibt.

chrislow 12.01.2013 | 20:08

Ja, da steckt ein Widerspruch drinnen. Aber nur, weil ich eine andere Version der "Krankheit" visioniert habe, als in der Liste diagnostizierbar enthalten sei. Und die Änderung der Liste habe ich nur als Info über die reale Handhabung angehängt.

Für die zukünftige DSM V bin ich nicht verantwotlich, werde aber davon (im Zweifel) betroffen sein (indirekt).

Aber du scheinst es in etwa verstanden zu haben: Keine abgrenzbarre Krankheit, sondern eine Extremkonstitution liegt bei den diagnostizierten Autisten vor, die in seinen Details und Ausprägungen  mehr unauffällig bei jedem Menschen vorkommen kann.

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Ehemaliger Nutzer 24.01.2013 | 23:48

mit pseudowissenschaftlichen fresszetteln wie dem amerikanischen DSM-V lässt sich immerhin ganz gut den arsch abwischen. dessen vollstrecker werden künftig sedierterweise mittels langjähriger haftstrafen auf die anerkennung der körperlichen unversehrtheit hin exorziert. koks aus kontrolliert-biologischem anbau hingegen, wird ihnen im direktverkauf nahezu gewinnfrei unter verweis auf die bekannten nebenwirkungen von der bäckereifachverkäuferin ihres vertrauens im coffeeshop ab 18 verkauft. aus karlsruhe nix neues dazu, aber wen dort kümmert seit 2001 für was er/sie bezahlt wird.

Terrich 03.02.2013 | 10:11

Nachsatz:

http://www.spektrum.de/alias/aufmerksamkeitsstoerung/adhs-ist-keine-modekrankheit/1182826

Zitat:

Die Fälle sind schon leicht angestiegen, das haben auch andere Studien gezeigt. Das Gehirn eines Kindes, das beispielsweise mitten in New York aufwächst, passt sich an die Reizüberflutung an, es wird alerter auf die vielen Verkehrssignale reagieren als ein Kind vom Land. Diese breite, unfokussierte Aufmerksamkeit sichert quasi sein Überleben. Leider erfolgt diese frühkindliche Anpassung an die Reizfülle auch durch die heute allgegenwärtige Beschallung. Dabei geht es nicht nur um MP3-Player, Fernsehen und Computerspiele. Auch das allabendliche Kinderhörspiel zum Einschlafen oder gut gemeinte Lernangebote können eine Überforderung des sich entwickelnden Gehirns darstellen. Wer vielen Reizen ausgesetzt ist, hat auch eine größere Tendenz, eine ADHS auszubilden – allerdings nur, wenn eine Veranlagung vorliegt.

Terry Rich

rheinhold2000 13.02.2013 | 14:51

"Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich ist es großartig, wenn man eine AD(H)S hat und keine Medikamente nehmen muss. Das ist aber nicht das Ziel einer Therapie! Das Ziel einer Therapie ist, dass aus den Unterschieden in der Hirnphysiologie keine (überproportionalen) Nachteile entstehen und man nicht unter ihnen leidet. Man stelle sich vor, obiger Satz wäre im Zusammenhang mit "Herzschwäche" gefallen. Das wäre empörend!"

 

Interessant finde ich, dass die Unterschiede in der Hirnphysiologie die ja wohl organisch bedingt sein sollen und die zu allem Überfluss auch noch genetisch beding sein sollen auschließlich über die SYMPTOME diagnostiziert werden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung#Die_Diagnosekriterien_von_ICD_10_und_DSM-IV_im_Vergleich

warum gibts keine anderen Diagnosenmöglichkeiten? keine gentests? könnte es vieleicht sein, dass man überhaupt nicht weiß wie diese "krankheit" ensteht? oder könnte es sein das man mit der diagnose adhs ganz im stil der schwarzen pädagogik dysfunktionale familiensysteme von ihrer verantwortung entbinden möchte?

rheinhold2000 13.02.2013 | 14:58

übrigens gibts studien die belegen, dass die medikation wirkungslos ist:

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38550/1.html

 

im heiise forum gabs dann auch die üblichen ach so betroffenen eltern mit schaum vorm mund

und ne nette erwiederung:

Na ihr seid mir ja richtige Experten,lol...also erstens: Das
Neurologen (und zwar weltweit) praktisch nichts wissen über die
chemischen Gleichgewichte im Gehirn,noch Genaues über das
Zusammenspiel der komplexen biolgischen Strukturen und den
Botenstoffen, hält Dich wohl nicht davon ab einfach mal irgendeine
hochpotente und vor allem psychoaktive chemische Substantz zu
verschreiben. Dass Ganze bloß weil es eine sedierende/beruhigende
Wirkung hat.
Dass die Gabe solcher Medikamente manchen Menschen im Umfeld von
Betroffenen dass Leben erleichtert, kann ich mir schon vorstellen.
Bloß die Frage ist um welchen Preis: Stichwort Nebenwirkung. Und
bevor du Dich noch weiter in Rage und Beleidigungen verfängst: Schau
mal nach was die Amerikaner so für Erfahrung mit den Nebenwirkungen
dieser Medikamentengruppe gemacht haben....und dann überleg
nochmal... :)

MiTho 13.03.2013 | 10:04

Um die Diskussion um Ritalin zu versachlichen, muss sie an der passenden Stelle emotionalisiert werden - und zwar dringend.

Wir sind eine Familie mit vier Kindern; zwei davon wurden auf ADHS diagnostiziert, keines davon wird mehr mit Ritalin medikamentiert.

Das ist die heutige Situation.

Als unser ältester Sohn 14 Jahre alt war, hatte er bereits mehrere Schulformen hinter sich, ein massives (!) Gewaltproblem und ungeheure Schwierigkeiten, mit seiner Umwelt auch nur ansatzweise klarzukommen. Meine Frau wird den Moment niemals vergessen, als er in Tränen aufgelöst vor ihr stand und schluchzte: "Ich will einfach nur ein normales Kind sein". Das Jugendamt drang auf uns ein, das Kind unverzüglich in eine "langjährige Heimunterbringung ohne jeden therapeutischen Ansatz" zu überstellen, da er bereits mehrere Therapieversuche (mit klassischen und modernen Ansätzen) ergebnislos durchlaufen hatte. Zu diesem Zeitpunkt existierte für uns keine Hoffnung mehr; alle Schulen hatten ihn abgelehnt, die Polizei führte eine Akte, Therapien sind durchgeführt worden. Im Ergebnis war er ein Heranwachsender ohne jede Zukunftsaussicht mit der Option, (möglichst schwer sediert) in irgendeiner "Einrichtung" sein Leben zu verdämmern oder aber im Knast zu landen.

Anlässlich eines erneuten, extrem gefährlichen Übergriffs "landete" er in einem Landeskrankenhaus - und dort war es ein junger Arzt, der uns vorschlug, den Jungen auf ADHS zu testen und möglicherweise Ritalin zu versuchen.

HEUTE: Der Junge hat erfolgreich seine Schule abgeschlossen, erfolgreich darüberhinaus einen höheren Abschluss gemacht, erfolgreich zwei Berufsausbildungen abgeschlossen, erfolgreich eine Beziehung begonnen.

All dies haben wir Ritalin zu verdanken - auch wenn er es seit nunmehr beinahe sechs Jahren wieder absetzen konnte.

Wenn wir heute ADHS-Kinder erleben, die schreiend und tobend in den Händen ihrer wohlmeinenden Eltern zappeln und leiden, weil diese ihrem Kind keine "Sedierung", keine "Chemie" und vor allem keine "Drogen" verabreichen wollen, bricht es uns bald das Herz.

Die Diskussion ist längst keine mehr - sondern wurde von hysterischen Extremisten gekapert und bis Oberkante Unterlippe mit Halb- wie Unwissen befrachtet. Wer dabei buchstäblich sein Leben verliert, sind die Betroffenen - die zumeist viel zu klein sind, selbst zu entscheiden oder in ihrem Interesse ein Veto gegen den beschriebenen Unsinn einzulegen.

karamasoff 31.03.2013 | 23:19

Bei solch einem extremen Anstieg an Medikamentenabsatz stellt sich mir GRUNDSÄTZLICH die Frage, ob das auf der Basis korrekt diagnostizierter Fälle geschah, also eine echten FORTSCHRITT für eine Gesellschaft bedeutet oder auf der Basis marktwirtschaftlicher Interessen der Pharmaindustrie.

Bei ersterem könnte man noch fragen, worin deiser Fortschritt denn bestünde oder wie er sich definiert? Optimal wirtschaftlich einsetzbares Menschenmaterial ohne Problem?

Ich habe selbst seit nun 5 Jahren jedes Jahr im Sommer etliche Kinder und Jugendliche mitbetreut, die meisten davon aus Einrichtungen. Bei sehr vielen wurde auch ADS diagnostiziert (mein Eindruck ist eher PROGNOSTIZIERT!), etliche Sedationsmittel verschrieben und auch eingesetzt. In den seltensten Fällen waren wirklich harte Fälle darunter. Die meisten waren bei geleiteter Aktivität so ausgepowered und beschäftigt, daß sie gar nicht auffielen utner den "normalen" ausgepowerten und beschäftigten Jugendliche.

Das scheint das Kernproblem zu sein auf das das Zahlenmaterial hinweisen könnte:

der Gesellschaft sind in der Breite die Mittel abhanden gekommen, um Kinder und Jugendliche entsprechend zu beschäftigen, zu interessieren auszupoweren, anzuleiten usw...

Ich kenne sogar einen persönlichen Fall, da wurde der Jugendliche als hoffnungsloser Fall mit allen mögliche Mitteln zugepumpt, völlig antriebslos, und amtlich als geistig zurückgeblieben und zu Betreuen eingestuft.

Bis er mal anfing (ohne Medikamente) mit einem Betreuer Schach zu spielen (ohne das Brett zu sehen, denn er hatte Küchendienst).

Vielen prfiessionellen Betreuern fiel das nichtmal mehr auf, Fall amtlich abgesegnet udn wird auch so behandelt, bei einem EHRENAMTLICHEN Betreuer schrillten die Alarmglocken "da stimmt doch was nicht"...

Der Junge studierte (mit extrem runterdosiertem EInsatz von MEdikamenten) inzwischen Jura mit Erfolg und ist Rechtsanwalt.

 

Al Olio 08.04.2013 | 00:44

Hallo, das was Du beschreibst klingt eher nach Borderliner, also emotional instabiler Persönlichkeit. Ich denke, dass AD(H)S Kinder auch unglaublich lieb sein können, nur furchtbar schusselig und vergesslich. Wenn das nicht diagnostiziert wird, dann werden solche Kinder leider manchmal oft irrtümlich als frech, unfolgsam usw. abgetan. In der Folge werden sie strenger behandelt, obwohl sie mit mehr Nachsicht behandelt werden müssten und gezielte Hilfe brauchen. Und dann kommt die Wut hoch...