MopperKopp
13.01.2014 | 17:46 1

12 Jahre ein Sklave

Film Ein Film über die Sklaverei. Oskarpreisverdächtig. Ein Film über die Vergangenheit und die Gegenwart, der zeigt, dass unser aller Leben aus Trippelschritten besteht

12 Years a Slave erzählt eine auf Tatsachen beruhende Geschichte. Der Geigenspieler Solomon Northup, der 1841 als freier Mann und Familienvater in New York lebt, wird von Sklavenjägern entführt und an einen Plantagenbesitzer in Louisiana verkauft. Zwölf Jahre lebt er in Gefangenschaft als Sklave.

Ausführliche Kritiken zu diesem Film gibt es mehrere, siehe

Ich werde nur eine Szene herausgreifen.

Solomon Northup legt sich mit einem Aufseher an. Zur Strafe wird er mit einer Schlinge um den Hals an einen Baum gehängt. Nur seine Fußspitzen berühren knapp den Boden. Um nicht zu ersticken, muss er kleine Trippelschritte vollführen. Minuten werden zur Ewigkeit.

Dann wird der Hintergrund eingeblendet. Das Leben geht weiter. Eine Frau trägt einen Korb, Kinder spielen, Männer arbeiten. Eine Perversion der heilen Welt? Längst vergangene Tage?

Erinnern wir uns.

Der Handel mit Aktien entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In etwa zu der Zeit, als die Sklaverei in Nordamerika abgeschafft worden ist. Das ist die Zeit, in der 12 Years a Slave spielt. Nachdem es keinen Sklavenhandel mehr mit Afrika gab, wurde es ganz normal, Farbige aus dem Norden in den Süden zu entführen.

Der Handel mit Sklaven ist Handel mit Menschen am Stück. Was ist der Handel mit Aktien? Der Handel mit Aktien ist Handel mit Menschen en gros. Es wird mit Unternehmensanteilen gehandelt und Menschen sind durch Arbeitsverträge an die Unternehmen gekoppelt.

Erinnern wir uns.

Solomon Northup legt sich mit einem Aufseher an. Zur Strafe wird er mit einer Schlinge um den Hals an einen Baum gehängt. Nur seine Fußspitzen berühren knapp den Boden. Um nicht zu ersticken, muss er kleine Trippelschritte vollführen. 

Das war der einzelne Sklave.

Heute haben wir es mit vielen Menschen zu tun, deren Hals in Unternehmen in einer Schlinge steckt und die nur kleine Trippelschritte machen können, wollen sie nicht aus dem System fallen.

Am Stück und en gros. Und das Leben ringsum geht in seiner scheinbaren Normalität weiter.

Und das en gros wird immer umfangreicher. Im Zuge der Bankenkrise wird den Menschen ganzer Staaten die Schlinge um den Hals gelegt, auf dass sie nur kleine Trippelschritte vollführen können, wollen sie nicht verhungern oder an Krankheiten sterben, da es an entsprechender Versorgung mangelt.

Die Verursacher der Krisen des Kapitalismus werden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.

Lassen wir den Regisseur zu Wort kommen:

"Wenn man Menschen erlaubt, mit allem davonzukommen, dann werden sie alles anrichten", sagt McQueen. "Jeder wird davon infiziert. Denn die Sklaverei ist so inhuman, dass man darüber nur verrückt werden kann."

Kommentare (1)

h.yuren 13.01.2014 | 19:27

Die Verursacher der Krisen des Kapitalismus werden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.

du meinst wahrscheinlich die tragenden säulen des kapitalismus, lieber mopperkopp. die ursachen bzw verursacher sind irgendwo in der fernen vergangenheit zu suchen.

es geht um herrschaft und sklaverei in verschiedenen formen. die ollen griechen, die edlen vorbilder der deutschen klassik und die selbstverständlichkeit für die großen philosophen athens, unterhielten schon silberminen, in denen angekettete sklaven tag und nacht schuften mussten. muster für platons berühmtes höhlengleichnis. im alltag war hellas ohne sklaven nicht denkbar. wo wir heute maschinen haben, hatten die hellenen ihre haussklaven für alle zwecke.

drum, es geht um herrschaft. wir müssen die unterschiedlichen erscheinungsformen der herrschaft nur klar erkennen, um sie eines tages hoffentlich zu überwinden.

so ein film ist vielleicht für den geschichtsunterricht geeignet. so aber lenkt er von den gegenwärtigen sklaven und herrschaften nur ab. denk nur an die textilarbeiter/innen in bangladesh und anderswo. denk nur an den menschenhandel in europa, damit die rotlichtviertel bedient werden können...

grüße, hy