MopperKopp
02.02.2013 | 13:06 180

Es brodelt in der Community

Freitag Kocht die Community eines Tages über?

In der Community kocht und brodelt es andauernd, unter der Oberfläche und auf der Oberfläche. Dieses Brodeln ist oft wenig kreativ, es kann zerstörerische Züge annehmen. Auf welcher Flamme wird da was hochgekocht, wer zündelt, wer schäumt über? Zur Beantwortung dieser Fragen könnte man nun

  • ein Heer von Psychologen anheuern, 
  • eine Studie anfertigen lassen, 
  • all das ignorieren, 
  • unzulässig aber verständlich vereinfachen.

Ich wende mich der letzten Variante zu.

Wer?

Wer wurstelt eigentlich in der Community rum? Ein grober Überblick: Rentner, Lehrer, Medienmitarbeiter, Juristen, Ärzte, Studenten, Auszubildende jeglicher Art und "Überflüssige".  Zur Gruppe der "Überflüssigen" gehören Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger, Arme, kurz gesagt, es sind die für den Kapitalismus Überflüssigen. Nun ordne ich diesen Gruppen jeweils ein passendes Mem zu.

  • Rentner -> Mecker-Mem
  • Lehrer -> Belehrungs-Mem
  • Studierende -> Besserwisser-Mem
  • Medienmitarbeiter -> Dünkel-Mem
  • Juristen, Ärzte -> Wertungs-Mem
  • Psychologen -> Schlauberger-Mem
  • Nerds -> Solipsismus-Mem
  • Linke -> Verkomplizierungs-Mem
  • Rechte -> Provokations-Mem
  • Gläubige -> Abgehobenheits-Mem
  • Ungläubige -> Materialismus-Mem
  • Überflüssige A -> Anpassungs -Mem
  • Überflüssige W -> Widerstands -Mem

Freischwebend, bisher ohne konkrete Zuordnung, haben wir noch das:

  • Relativierungs-Mem
  • Zickenkrieg-Mem

Natürlich lassen sich die Meme kombinieren und sind abgeschwächt auch in den anderen Gruppen vorhanden, aber ich will es nicht unnötig verkomplizieren. Diese kleine Auflistung gibt uns einen Wink.

Wie?

In der Community geht es zu wie im Kolosseum: Jeder gegen jeden, Mem gegen Mem, Blut muss fließen, dazu gibt es trocken Brot.

Offen vs. Geschlossen

Ein geschlossenes System ist schnell ausgeblutet und verhungert, ein offenes System bekommt stetig Nachschub, the show must go on. Das geschlossene System frisst sich selbst, siehe den untergegangenen, nicht mehr real existierenden Kommunismus. 

Warum?

Ein offenes System ist auch aus einem weiteren Grund wichtig: Ab und an verirrt sich ein Wanderer in die Arena, ein AufHeller, er bringt die Aufklärung mit, Wissen, Rationalität, Sachlichkeit. Für einen kurzen Moment stockt das sich im Kreis drehende Gemetzel, eine interessante Abwechslung, hört, hört, etwas bleibt hängen, es ist nicht viel, aber es reicht, es stupst die Blutprozession auf eine neue Ebene und sorgt für Fortschritt. Dann geht es weiter, immer weiter.

Kapitalistische Lösung

Der kapitalistische Ansatz ist simpel: Wer zahlt bleibt friedlich und konstruktiv, resultierend aus der proklamierten Tatsache, dass wirtschafliches Denken und Handeln Gewalt ausschließt. Auch die Demokratie wird reformiert: Kaufen statt Wählen. Konsumismus als Demokratie 2.0. Diejenigen, die sich ein Mitmachen nicht leisten können, haben wenig Möglichkeiten, sie dürfen schweigen und/oder ihre Stimme verkaufen.

Nachtrag

Eine Not-Lösung:
Wenn es kocht, brodelt oder brennt
kommt FERDINAND der Reporterhund angerennt.

 

Kommentare (180)

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Ehemaliger Nutzer 02.02.2013 | 13:56

klar ... - keine frage komma eigentlich. aber wie darf/soll ich deine aussage verstehen? ist es a) so zu verstehen, dass mopperkopp sich mit dem artikel lediglich selbst darstellen will, im 'spot'?

oder b), generell viele beiträge darauf abzielen, sich selbst darzustellen?

wobei das sich selbst darstellen ja noch nicht grundsätzlich verwerfliches darstellt, nach meinem empfinden. sich selbst darzustellen, mit seiner meinung, von mir aus auch mit seiner/ihrer politischen meinung, kulturellen meinung, humanistisch bemühten meinung ... - was also meinen sie mit ihrer aussage? UND das meine ich genau so 1 zu 1; also null (0) ironie.

 

- grüße vom max

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Ehemaliger Nutzer 02.02.2013 | 14:07

"Datenmüll" - yep! hab mich leider, leider, leider auch schon versündigt, was den datenmüll betrifft, was ich ein 'jedes mal' zutiefst bedauert habe, weil ich selbst - an mich, den anspruch habe, mich DER sache zu widmen, die es zu diskutieren gilt, zu erörtern gilt. eigentlich müsste 'man' - also ICH, den arsch in der hose haben und die eigene verfehlung kundtun, falls passiert ... - ich arbeite daran. (auch wenn sich das jetzt wie eine nicht eingeforderte rechtfertigung liest, an der aussage ändert das nix.)

- der max

seriousguy47 02.02.2013 | 14:44

Ich habe das nicht persönlich adressiert, sondern nur allgemein als die "Masse an Text", in der anderes ziemlich schnell untergeht und selbst dann nur noch schwer wieder zu finden ist, wenn man sich kommentierend selbst beteiligt hat. Das schafft schon mal Aggressionen....

Es ist auch nicht als Ruf nach einem Zensor oder "Steuermann" zu verstehen, sondern einfach als subjektiver Eindruck. Ansonsten bleibt es jedem/ jeder Einzelnen überlassen, darüber zu entscheiden, worüber man wie schreibt.

Dass ich der Meinung bin, dass eine solche Community mit der derzeitigen Praxis nicht überleben kann, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls geht es mir nicht darum Einzelne herauszupicken und anzugreifen, sondern darum, darauf hinzuweisen, weshalb es meiner Meinung nach "brodelt". Und darum geht es ja im Blog.

MopperKopp 02.02.2013 | 15:02

"Dass ich der Meinung bin, dass eine solche Community mit der derzeitigen Praxis nicht überleben kann, steht auf einem anderen Blatt."

Warum denn nicht? Das ist doch auch (ein) Thema dieses Beitrages. Liegt es daran, das das System zu offen ist, nicht restiktiv genug, nicht moderiert genug? Oder ist es zu restiktiv? 

Jagt es die Beiträge zu schnell durch? Woran liegt es denn, dass die Masse an Text Unübersichtlichkeit schafft?

UnwiseNomad 02.02.2013 | 15:14

Das verzerrte Meinungsbild, das dadurch entsteht, dass sich die Nicht-Überflüssigen notgedrungen nur ausserhalb der Geschäftszeiten äußern können, wenn Rentner und Hausfrauen ihren Senf schon abgelassen haben, ist nur ein Teil des Problems.

Bedenklicher ist meiner Ansicht nach das unter so gut wie jedem Beitrag durchschimmernde fragend-anklagende "Ist-das-auch-links?". Themen, die nur dann diskussionswürdig sind, wenn sie in die orthodox-linke Kategorie passen, sind keine.

Mir ist ziemlich schnuppe, ob sich die passende Weltanschauung in einem Beitrag manifestiert, zumal die bemüht-korrekten Beiträge meistens die langweiligsten sind. Inzwischen weiß ich, dass "man" am liebsten unter sich wäre und sich im gegenseitigen Schulterklopfen erginge. Gerade dann ist es nötig, durch ein wenig Provokation wachzurütteln.

seriousguy47 02.02.2013 | 15:17

Warum denn nicht?

Weil es bereits auf ZO nicht funktionierte. Die "Überlegenheit" der FREITAG-Community lag im Vergleich zu ZO bislang in der weitaus besseren Moderation und in der linken Ecke, in der man sich bewegte. Seit letzteres nicht mehr der Fall ist und die Freiheit der Beliebigkeit herrscht, übernimmt zunehmend der "Boulervard". Der aber bringt Themen und Menschen hierher, die eher Kaffeeklatsch/ Stammtisch haben wollen. Und wozu das führt, kennt man doch aus dem nicht-viruellen Leben......Und nicht zuletzt kommt im Schlepptau des "Kuschelns" dann eben auch der "Rosenkrieg.....

Das würde ich vom "Brodern" unterscheiden, wo es ja immer noch um wichtige Themen geht.

seriousguy47 02.02.2013 | 15:24

Also mich stört das nicht. Vielleicht manchmal störend fürs Ego, wenn man sieht, was so die Hits sind. Aber dann muss sich das Ego halt wieder rappeln...;

Nein, mich stört schon die Masse. Und da sehe ich keine Lösung, solange es eben nur diese eine, zeitungsgebundene Community gibt. Es fehlt die Konkurrenz, es fehlen die Alternativen/ Optionen/ "Sparten", unter denen sich bestimmte Interessen sammeln könnten....

Was mich am Beitrag stört und weshalb ich kommentierte, ist die unterschwellige Andeutung von "Sündenböcken". Bei den Genannten aber sehe ich das eigentliche Problem nicht. Es ist die beliebige Masse, die reine Quantität, die in negative Qualität umschlägt.

Konflikte kann man lösen - wenn man will. Dieses Grundsatzproblem eher nicht.

MopperKopp 02.02.2013 | 15:30

Provokation kann aber auch zur Manie werden, als passendes Spiegelbild zur linken Passendmachung. Schon haben wir eine dem Kolosseum angemessene Gegnerschaft, die hervorragende und blutspritzende Kämfe garantiert. 

Die unterschiedliche Tagesgestaltung und das daraus resultierende Zeitfenster einer möglichen Teilnahme ist gegeben, kann aber durch ein gesetzlich verankertes Recht auf Kommentierung auch während der Arbeitszeit gelöst werden :-)

philmus 02.02.2013 | 15:32

Das verzerrte Meinungsbild, das dadurch entsteht, dass sich die Nicht-Überflüssigen notgedrungen nur ausserhalb der Geschäftszeiten äußern können, wenn Rentner und Hausfrauen ihren Senf schon abgelassen haben, ist nur ein Teil des Problems.

Es gibt ja nu auch Selbständige und Andere...

Oder würden Sie einen deutlich wahrnehmbaren Zusammenhang zwischen Uhrzeit und Kommentarqualität behaupten?

 

MopperKopp 02.02.2013 | 15:36

Schon klar, die Meme :-)

Ist das nicht ein sehr sehr grundsätzliches Problem? Überspitzt gesagt, ist es nicht die Frage: Auslese, ja oder nein? Zugangskontrolle, ja oder nein?

Man kann es auch so formulieren, dass es sich in die Arena werfen lässt und sofort wieder blutige Kämpfe ausbrechen:

Kann eine Community hochgezüchtet werden, so dass dort nur noch hochwertige Themen behandelt werden, von reinrassigen erstklassigen Mitgliedern??

seriousguy47 02.02.2013 | 15:49

Wie schon gesagt: ich sehe keine Lösung. Vielleicht hilft ja das schon angesprochene "totlaufen" lassen.

Außerdem habe ich insofern einen Tunnelblick, als ich selbst in der Tat nicht nach "Kommunikation", sondern nach "Themen" suche. Und bei den Themen muss man auch nur ganz bestimmte vermeiden....

Für Menschen, die eher nach "Kommunikation" suchen, mag sich die Sache ganz anders darstellen: Gruppenklüngelei, Mobbing, Stalking  usw. Davon bekomme ich nur dann etwas mit, wenn ich es versäume, bestimmte Themen zu meiden. Aber da dürfte es natürlich am meisten "menscheln" und  brodeln.

Was da dann hilft. "Reden"? Erziehung? Notfalls das Abschalten der Kommentarfunktion. Notfallstens  Ausschluß. Jedenfalls nicht das Ende des freien Zugangs zur Community. Wer sollte dann wie die "Auslese" treffen....?

Und ab jetzt bin ich wieder weg....;)

 

Wolfram Heinrich 02.02.2013 | 16:25

@MopperKopp

Die Bildsuche von Google spuckt zu öhm folgendes Bild aus, ganz schön clever, so ein Algorithmus

 

Mit meinem Kommentar "öhm" (gegen den inhaltlich sicher keiner etwas einzuwenden hat), verhält es sich folgendermaßen:

Ich wollte heute am frühen Nachmittag einen Kommentar im Blog "Reichensteuer" absetzen, wurde aber stets automatisch ausgeloggt. Nach vielen vergeblichen Versuchen habe ich es in einem anderen Blog mit einem Kommentar versucht, nämlich hier. Zu kommentieren hatte ich nichts, also schrieb ich "öhm". Überraschenderweise hat hier das Kommentieren geklappt.

Das "öhm" ist keine, auch keine versteckte Kritik, weder am Blogtext, noch an einem der Kommentare.

 

Ciao

Wolfram

MopperKopp 02.02.2013 | 16:59

Versteckt in der Weise, dass er für Normalsterbliche in der Übersicht nicht mehr auftaucht, oder ich habe Tomaten auf den Augen. Du hast höchstwahrscheinlich einen direkten Link gespeichert ...

Da Wochendene ist, der Freitag auf Online-Sparflamme köchelt, brodelt bei der Community-Betreuung momentan wohl nur die Suppe im Topf, eine Reaktion wird wohl erst Montag erfolgen, die Augen auf der Suppe können schließlich nicht überall sein :-)

Oberham 02.02.2013 | 17:28

na... ob das blogituri so stehen kann?

In jedem Fall könnte man uns mit den Darstellern einer Naumachie vergleichen - insofern kann ich verstehen wie du auf den Gruß kommst.

Nur - ich würd wohl eher auf dem Bötchen harren, zitternd, bibbernd und hoffen, dass mich keiner findet - vor allem mich kein Krokodil zur Nachspeise erwischt.

Die tägliche Ökonomieschlacht macht aus uns die lächerlichsten Darsteller ever - .....

mit der lächerlichsten Figur auf der Tribüne - ever - dagegen war Nero wahrscheinlich noch ein Kuscheltier.

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Ehemaliger Nutzer 02.02.2013 | 18:11

ja klar! daher empfinde ich deinen artikel HIER ja auch so ... so ... - hat was sakrales, oder auch was reinigendes - ja, eine art sommerplatzregen ... - wobei es jedem 'schwarzfußindianerkind' absolut freigestellt ist/bleibt, ob es sich in den warmen regen stellt oder nicht - wobei mit 'warmen regen' keinesfalls der urinstrahl eines dingenskirchen gemeint sein soll ... - ich finde deinen artikel als sehr konstruktiv, mehr kann ich jetzt auch nicht dazu schreiben, wertgeschätzter mopperkopp.

eldorado 02.02.2013 | 20:21

Diskussionskultur

Es gibt eine kleine Geschichte, die etwas Licht ins Dunkel bringen kann:

Es stehen vier Menschen um einen Baum, je einer im Süden, Westen, Osten und Norden. Jeder Mensch beschreibt den Baum so wie er ihn sieht wo er steht. Jeder sieht den Baum anders, weil jeder einen anderen "Standpunkt" und daher auch eine andere "Sichtweise" hat.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie man auf die Sichtweise der anderen reagieren kann.

Das, was ich vom Baum sehe, ist genau gleich von den anderen Himmelsrichtungen aus gesehen. Anders kann es nicht sein. Also ist meine Meinung eine allgemeine Meinung, die für alle gilt. Sehen das die anderen drei gleich, entsteht ein Streit darum, welcher im Recht ist.

Ein anderer kommt vielleicht zu diesen Gedanken: Ich sehe nur einen Teil des ganzen Baumes. Erzählt ein anderer, der an einer anderen Stelle vor dem Baum steht, wie er den Baum sieht, kann er sich auch fragen: "Oh, der Baum muss noch mehr sein, als was ich sehe. Interessant!" Und statt ihm seine Sichtweise als allgemeingültig hinzustellen, fängt er an nachzufragen, wie denn das genau sei, was er sehe.

Schaut man die beiden Arten von Reaktionen an, kann man unschwer erkennen, welche Diskussionskultur bereichernder ist. Kein Mensch kann das Ganze überblicken. Jeder Mensch ist geprägt, durch das, was er im Leben erfährt. Durch gute Gesprächskultur ist es möglich seine beschränkte Sichtweise zu erweitern und sich nach und nach einer umfassenderen Sichtweise zu nähern. Und das beschämen der anderen Diskussionsteilnehmern verschwindet immer mehr.

Nun noch etwas dazu, wie man das erreichen kann: So etwas ist unmöglich von allen zu verlangen. Das entsteht ganz persönlich im Inneren eines jeden selbst. Sowie ich das von anderen erwarte, begebe ich mich wieder auf meine Seite des Baumes und schliesse somit die anderen Sichtweisen aus. Das ist schwer auszuhalten. Es kann aber eine grosse Dankbarkeit entstehen, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Und dadurch kann ich Milde denen gegenüber walten lassen, die in dem Sinne ihre Sicht noch nicht erweitern konnten.

 

MopperKopp 02.02.2013 | 20:38

Das ist ein sehr ansprechendes Bild und es reicht, ähnlich wie der Baum mit seinen Wurzeln, sehr tief in Bereiche, Ebenen, die selbst hartgesottene Physiker den Gedanken an etwas Übergreifendes denken lässt, eine Metaebene, von der wir hier und da ein Zipfelchen erhaschen, deren Gestalt wir bisher aber nocht nicht einmal erahnen. Andere sagen schlicht Gott. Darin, in dieser Betrachtungsweise, liegt möglicherweise ein Schlüssel verborgen, es ist ein Unterschied, ob man über etwas nachdenkt, diskutiert, auch streitet, miteinander, oder ob man um etwas kämpft, gegeneinander.

eldorado 02.02.2013 | 21:36

Du hast es angesprochen, ich nehm es auf: Gott

Ja, es ist entscheidend, welchem Geist wir uns zuwenden, dem Geist, der beherrschen will oder dem Geist der niemanden ausschliesst und den Menschen die Entscheidung lässt.

Der Geist der beherrschen will, geht auf die Menschen zu und will sie verführen. Der Geist der die Menschen frei lässt, überlässt es den Menschen, ob sie sich ihm zuwenden wollen oder nicht.

Ich habe erst jetzt genau die Mem Kategorien genau studiert. Ohje, ich gehöre zu den Meckerern. Ich fühle mich allerdings in dieser Gruppe sehr einsam, weil das mir sehr ferne liegt. Diese Schublade hat sich vor meiner Nase zugeschlagen, wofür ich dankbar bin.

Auch die Definitionen sind alles Schubladen. Ich hab die alle überflogen und nachgelesen. Das sind auch alles Schubladen. Ich bin frei und lass mich nicht einsperren in solche Systeme.

Am ehesten kann man mich noch bei den Anarchisten einstufen. Da ist die Freiheit und innere Bestimmung des Einzelnen oberstes Gebot, also eine Liberalisierung von unten. Ich weise alles von mir, was die Integrität und Selbstbestimmung des einzelnen Individuums beschneidet.

MopperKopp 02.02.2013 | 21:55

Das ist richtig, all diese Mem-Schubladen sind nicht die Lösung sondern die Ursache vieler Probleme. Möglicherweise entspringt der fortwährende Schubladenbeschriftungswahn einem Vorgand, der bei Menschen (fast) automatisch abläuft, verankert im Hirnsystem, es komponiert Gestalten, Wolf, Auto, Kühlschrank, Rentner, Anarchist, ein Anarchsisten-Mem, hmmm, ich denke drüber nach.

Die Mem-Schublade ist keine wissenschaftliche Kategorie, sie verkörpert eine Meinungsgestalt, vielleicht ist das der richtige Begriff. Sie ist grundsätzlich nicht starr eher fluid, es sei denn, sie verhärtet, meist durch die Versteifung bei einer Konfrontation. 

Die Integrität und Selbstbestimmung des einzelnen Individuums, ist die fluid oder ist das ein Mem, ähnlich der oben angeführten? 

ed2murrow 02.02.2013 | 23:56

Sie könnten sich z.B. fragen, ob Sie sich tatsächlich als Akteur in der Arena wähnen oder nicht doch nur auf dem Rang sitzen und bei panem sich Gedanken machen, wie circenses Ihrem Gusto nach stattfinden müsste.

Das tun Sie nicht, sondern maßen sich den Platz eines (im römischen Circus nicht vorhandenen) Schiedsrichters an. Insoweit erledigt sich die Frage danach, was Ihre Hauptintention sei. In jeder Hinsicht.

ed2murrow 03.02.2013 | 00:33

Kryptische Formulierungen, lieber Mopperkopp, ersetzen keine Sachargumente. Ich bin nach Ihrer Antwort geneigt, festzustellen, dass Sie selbst überhaupt keine Ahnung haben, was Ihre Intention gewesen sein könnte außer der, im eigenen Nabel ein paar Flusen zu finden. Um sie dann als Eier des Columbus zu verkaufen.

Weiterhin viel Glück in Ihrem Bemühen, das vor allem werden Sie brauchen.

miauxx 03.02.2013 | 00:46

"Ab und an verirrt sich ein Wanderer in die Arena, ein AufHeller, er bringt die Aufklärung mit, Wissen, Rationalität, Sachlichkeit. Für einen kurzen Moment stockt das sich im Kreis drehende Gemetzel, eine interessante Abwechslung, hört, hört, etwas bleibt hängen, es ist nicht viel, aber es reicht, es stupst die Blutprozession auf eine neue Ebene und sorgt für Fortschritt."

Was Deinen Schluß angeht: Den Eindruck habe ich nicht! Freilich gibt es gute Beiträge und auch gute Debatten - das "sich im Kreis drehende Gemetzel" vermögen diese aber nicht zum Stocken zu bringen. Leider! Selbstreferenzieller Kram, der x-te Aufguss über das "Wesen" der "Community" (so wie dieser hier) und daneben das recht schmale Spektrum von Modethemen, darunter die, welche eh gerade den Medienmainstream beherrschen, sind in der Aufmerksamkeitsskala einfach nicht herunterzukühlen.

"Das meiste ist Käse". Hmm, ja - so wie das hier! Und was soll eigentlich das alberne Namedropping oben links am Rand?

Rapport 03.02.2013 | 12:26
Miauxx hat Allesanders heute Nacht in dessen Blog auf folgendes via Link hingewiesen: "JAN JASPER KOSOK 31.07.2012 | 13:05 Liebe alle, da wir momentan noch keine technische Möglichkeit haben, Texte aus dem "Meistkommentiert"-Element auf der Startseite (und anderen Seiten) zu nehmen, datieren wir diese bei Bedarf noch behelfsmäßig zurück. Dabei handelt es sich um eine redaktionelle Entscheidung, die vor allem Texte betrifft, deren Inhalte selbstrefenzieller Natur sind oder die mit Community-Interna zu tun haben – etc pp. Das Element soll aus "blattmacherischer Sicht" vor allem thematisch getriebene Debatten abbilden. Besten Gruß JJK" http://www.freitag.de/autoren/community-redaktion/fragen-und-antworten#1343732757106202 Da habe ich gedacht, dass das für alle gilt.
iDog 03.02.2013 | 13:15

"Überflüssig" sind aus dem Blickwinkel von uns Meisten eigentlich nur die Gewinner - und das im finanziell-hierarchischen  Sinn - dieser "Aufstellung". Alle anderen, selbst die als "Überflüssige" Bezeichneten, sind systemkonforme, zu verhandelnde Masse in einer kapitalistischen Herrschaftspraxis zur Erhöhung des BSP genannten Gesamtumsatzes der Gewinner. 

Das Rollenspiel bzw die Rollenverteilung innerhalb dieser Scharade ist nicht fatal aber strikt reglementiert. Selbst bei einem Kurzstreckenflug in der Business-Class nimmt jeder brav seinen Platz ein, in der Straßenbahn, Tourist-Class, dagegen herrscht Gedrängel. Jeder meint jedem in stumpfer Kopie der herrschenden Methodik auf den Fuß treten zu müssen. Hier sind wir, diese subordinierte Schubladengesellschaft der "Mem". Die psychopathischen "Grimassen" der Macht zeigen sich in den "unfreiwillig" niederen Rängen. 

An Orten, an denen Chaufeure den Rolls-Royce vorfahren, ist indes alles verboten. Der Staat gewährleistet den absoluten Schutz der Rollenstruktur, die Privatisierung der Politik, die vertikale "Mem"-Stabilität der Ideologie ... wie selbst verständllich die angebliche Undurchschaubarkeit des Banalsten.

Die Negierung der dynamischen Energie, des Chaos, wird zu Hebel und effektivem Kurzschluss, zum Lichtbogen der räuberischen Maximierung einer schlicht Ausbeute zu nennenden Auf- bzw. Gegenüberstellung bis das Chaos sich im sozialen Eklat zur Oberfläche der Wahrnehmung Bahn bricht. Diesen Moment gilt es nicht zu verpassen. Bis dahin sind wir Schläfer in der Matrix der Selbstausbeutung. 

Dazu: Wer ein "Mem" ist, hat sich schon verpasst .... Nein - wer will sich ? ... Lieber vereinnahmen lassen ?  Querfeldein oder Business-Class?

Realität ist, was man glauben machen kann, Selbstbewusstsein, was man über sich selbst zu glauben sich erlaubt. Das Glauben bewirkt Wirklichkeit. Die Casting-Show für Terroristen ist ein funktionales Remake. "Mem" sei Dank. .... es hat alle(s) bedacht - es, nur leider wir selber nicht, denn dann wäre es aus.

 

 

 

MopperKopp 03.02.2013 | 13:40

"Bis dahin sind wir Schläfer in der Matrix der Selbstausbeutung."

Gut getroffen, SELBSTausbeutung, genau das blenden manche aus, suchen gerne oder ausschließlich in den äußeren Bedingungen und vergessen ihr Mittun, ihr Mem-Sein, das oft in feindseliger Abgrenzung zu den SelbstLeidensGenossen, eine neue Studie bezüglich der sozialen Auswirkungen von beispielsweise Hartz IV zeigt es.

So eine Community ist ein verkleinertes Abbild der Gesellschaft, leicht verzerrt, aber ist die Gesellschaft als Ganzes das nicht auch?

Schreib doch über das Thema deines Kommentares einen Beitrag, der wird bestimmt interessant.

Marcus Kutsch 03.02.2013 | 15:12

Gemeinschaftsbildung ist Arbeit am Selbst.

Das was ich hier in der FC als Neuling beobachte, ist vor allem Abarbeitung  am Anderen.

 

Wen das Thema interessiert, kann sich z.B. die Arbeit und Bücher von Scott Peck anschauen:

" [...] durch einen Prozess in dem die Themen klar ausgesprochen werden, alle Mitglieder das Gefühl bekommen wirklich gehört worden zu sein, in dem jeder die gleiche Macht und Verantwortung hat und wo unterschiedliche Einflussnahme aufgrund persönlicher Eigensinnigkeit oder Charisma vermieden wird, so dass alle mit dem Prozess zufrieden sind. Der Prozess verlangt von seinen Mitgliedern, dass sie emotional präsent und beteiligt sind, geradeheraus in liebevoll gegenseitigem respektvollen Verhalten, feinfühlig miteinander, selbstlos, gelassen und fähig, sich selbst zu entleeren, mit der paradoxen Bewusstheit was Menschen und Zeit angeht."

http://www.gemeinschaftsbildung.com/interview.html

 

Alles Gute

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 15:22

siehe auch: (verlag matthes & seitz berlin, 2012) Byung-Chul Han, in "Agonie des Eros", kapitel "nicht-können-können", seite 15 . ff.:

"(...) der ruf nach motivation, initiative und projekt ist wirksamer für die ausbeutung als peitsche und befehle. als unternehmer seiner selbst ist das leistungssubjekt zwar insofern frei, als es keinem gebietenden und ausbeutenden anderen unterworfen ist, aber wirklich frei ist es nicht, denn es beutet nun sich selbst aus, und zwar aus freien stücken. der ausbeutende ist der ausgebeutete. man ist täter und opfer zugleich. sie selbstausbeutung ist viel effizienter als die fremdausbeutung, weil sie mit dem gefühl der freiheit einhergeht. möglich wird dadurch die ausbeutung auch ohne herrschaft. (...)"

übrigens ... - schönen sonntag noch - gruß max

iDog 03.02.2013 | 15:45

so ist es wohl ... im Hintergrund lauert die Erkenntnis, dass sich ohne Gewalt, ohne Unrecht kein Staat, kein Imperium machen lässt. Dies aber wird im Rechtfertigungsdenkmodell herumgedreht und zur gesellschaftlichen Verpflichtung und Solidarität eines braven Steuersklaven, Metöken, der sich an den lodernden Feuern des Unrechts und der Raubzüge "von höherer Gewalt" wärmen möge oder möchte, oder der sich industriell und systematisch einreden lässt, es gäbe keine Alternative zur Mittäterschaft an solcherlei Untaten. Und dann wundern und empören sich gar einige auch noch, dass zu bestimmten Gelegenheiten die Phalanx der Willigen über die Klinge springen muss und musste.

Die Tiefe des ideologischen Brainwashs ,  umindest seit der Renaissance,  setzte sich hierzulande im  20. Jh mit der Kultfigur des "Meister Proper" als sinnstiffender und moralbildender Mythos nicht von Ungefähr in der Waschmittelwerbung ein Denkmal. 

Saubere Sklaven , saubere Gehirne , saubere Abwicklung der menschlichen Natur , saubere Genozide  .... usw. 

Die Ausbeutung der Natur ist in letzter Konsequenz eine Ausbeutung des Menschen. Zur Okultierung dessen bedarf es einer gehörigen Portion der Vernebelung und der philosophischen Interpretation derselben . Macht euch die Natur Untertan. War es nicht das? Ein zweifelhafter Ausverkauf der eigenen Zukunft ... wir  verheizen unser Oma ihr klein Häuschen, damit wir es darin auch schön warm haben. Ein Art Autodaffé der Dummheit ? Das imaginierte Feuer der Hölle ? In jedem Fall verbrannte Erde ... 

Ein Freund wieß mich die Tage darauf hin , es sei an der Zeit den alten Rousseau wieder hervorzukramen. Sein 300ster Geburtstag sei ohne viel Aufsehens eher nicht begangen worden. Wir fragen uns nicht warum. Seit ihm ist allerdings nicht viel neues zum Thema gesagt worden ... 

iDog 03.02.2013 | 16:14

Einspruch euer Ehren:

"Selbstausbeutung ohne Herrschaft", das müsste man vielleicht noch mal festhalten als quasi Definition, sollte lieber als nicht entfremdete, selbstbestimmte Arbeit des einzelnen und/oder  der sozialen Gruppe zur eignen Existenzsicherung bezeichnet werden. Hier wird eben keine anonyme Herrschaft, sonderen allenfalls die solidarische Gemeinschaft alimentiert. Der Arbeitende ist durch die direkte Wirkung seines Engagements motiviert, anstatt durch eine indirekte und imaginären Existenzsicherung durch eine ebenso imaginäre Instanz der Verantwortung wie Staat oder Herrschaft, zumal diese ja in jedem Fall durch den Arbeitenden selber exekutiert wird : Soldaten erschießen, Chemiker vergiften, Bürokraten verurteilen , Dienstleister übervorteilen, usw... im Sinne einer systemerforderlichen Konkurrenz, welche Elend und Tod anderer nícht zufällig zum lukrativsten Geschäftsmodell macht.

Wir sind der Kollaterlschaden ...

... dabei ist ein "Haushalten" in und mit der Natur im Sinne von Okonomie und Ökologie (Oikos)  ja erwiesenermaßen nicht unmöglich. 

Selbstausbeutung ist dagegen die freiwillige oft wissentliche Unterwerfung unter ein ausbeuterisches und zerstörerisches "Wirtschafts" bzw Ent- und Aneignungsmodell zugunsten weniger Unterwerfer, Lehnsherren , etc. - you name it.

Wir sollten uns bemühen, zumindest die Begriffe soweit möglich nicht zu verbrennen.

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 16:31

werter IDOG, wenn sie mir schreiben "Wir sollten uns bemühen, zumindest die Begriffe soweit möglich nicht zu verbrennen.", dann mögen sie für sich recht haben, weil sie über den nötigen durchblick verfügen - und das meine ich 1:1, und keineswegs ironisch. was mein zitat betrifft, hatte mich halt an den text erinnert und in fleisarbeit abgeschrieben, zumal ich mich ja selbst so empfinde, also mein tun, als selbstausbeuterisch betrachte - siehe auch die geschichte von mir "die steißgeburt einer glückssträhne - und deren kurzes leben". ich selbst bin nun alles andere als ein philosophisch begabeter mensch, bzw. habe philosophen-papier in meinem bücherregal - siehe auch die geschichte "die sache mit dem ding" ... - lange rede kurzer sonntagnachmittag: klar würde ich mich ab und an ein wenig 'besser' fühlen, im sinne von philosophischer draufsicht auf erwiderungen, wie die ihre, adäquder reagieren zu können.

ich WILL ja lernen! ich WILL ja keine inflation der begrifflichkeiten befördern! ich will - ich will - ich will ja diese welt verstehen, bevor ich dieses leben loszulassen habe - ich will!!!

ihnen einen schönen sonnatg noch - grüße vom max

eldorado 03.02.2013 | 17:20

Oh, ich denke, dass die führenden Schichten diese Schubladen sehr gerne haben. So lassen sich die Menschen nämlich besser gängeln. (Siehe Kasten in Indien). So schlimm ist es bei uns allerdings nicht. Aber es geht in die gleiche Richtung.

 

Zuerst will ich wieder eine Geschichte hinschreiben:

Es wohnen Menschen in einem schönen Tal, das durch einen hohen Berg abgeschlossen ist. Die Menschen im Tal arbeiten, streiten sich auch immer wieder. Jeder will die besseren Chancen haben, als die anderen. Jeder will das bessere Ansehen haben als die anderen. usw.

Nun gibt es Menschen, die sich auf den Weg machen, um den Berg zu erklimmen. Je weiter einer nach oben kommt, je besser wird für ihn der Ueberblick über das Tal. Auch sieht er unter sich Menschen, die sich, wie er selbst, auf den Weg gemacht haben, den Berg zu erklimmen.

Dieser Mensch sieht wohl sehr gut, was die Menschen unter ihm machen. Schaut er aber den Berg hinauf, kann er nichts erkennen. Er sieht weder was über ihm ist, noch wie weit der Weg noch ist bis zum Gipfel.

Je weiter er aber nach oben kommt, je besser wird er gewahr, was sich die Menschen unten antun, indem sie gegeneinander kämpfen. Sie verbrauchen alle ihre Kräfte im Kampf darum, angesehener mächtiger zu werden. Und je weiter er hinaufsteigt, kommen ihm Gedanken, wozu denn eigentlich die Menschen auf der Erde sind. Manchmal rutscht er auch wieder ein Stück einen steilen Hang hinunter und verliert wieder einen Teil davon, was sehr wesentlich ist. Je höher er kommt, je einsamer fühlt er sich. Dort oben hat es nur sehr wenige Menschen. Die unten verstehen ihn nicht mehr, sehen dort doch viele nicht mal über den eigenen Tellerrand hinaus. Bestenfalls sehen sie bis an den Fuss des Berges.

Der Berggänger beschloss aber trotzdem wieder hinunter ins Tal zu steigen, um den Menschen behilflich zu sein und ihnen von seinen neuen Erkenntnissen dort oben zu erzählen. Fast niemand interessierte sich dafür. Aber immerhin machten sich Vereinzelte auf den Weg. Auch sie kamen gestärkt zurück.

 

Ein wahrer Anarchist lässt sich nicht in eine Schublade quetschen, weil er ja von sich aus von seinem inneren aus spricht, wo sein Gewissen sitzt, das er sorgsam pflegt.

eldorado 03.02.2013 | 17:28

Du lernst doch mit jedem Schritt, den Du machst und mit jedem Schritt, den Du unterlässt. Du lernst mit jedem Satz, den Du aussprichst oder hinschreibst. Du lernst aber genausoviel (vielleicht noch mehr), wenn Du hinhörst, was andere sagen und statt gleich zu urteilen, um das Empfangene in eine Schublade kippen zu können, frage nach, um noch besser zu verstehen, was der andere meint.

Wenn Du Dein Eigenes anderen mitteilst, kann das interessant für andere sein. Es kann aber auch sein, dass Du nur alten Kafi loswerden willst, den Du immer und immer wieder aufwärmst. Am weitesten kommt man, auch zum Verständnis, was so zwischen den Menschen läuft, wenn man hinhört und -horcht, wenn man dem Gegenüber Raum gibt.

MopperKopp 03.02.2013 | 19:10

Reale Perspektivwechsel werden weniger, simulierte mehr. Warum noch mühsam auf einen Berg kraxeln, kann man sich den Blick von dort oben, eine 360° Perspektive, doch am Handy reinziehen, schön gemütlich aus dem Sessel, Trinken und Knabbern in Reichweite. Ähnlich virtuell turnen Jugendliche durch Abenteuerwelten, Dreifachsalto mit doppeltem Rittberger und Zielschießen dabei, ganz locker, dabei bekommen sie ihren fetten Hintern kaum noch hoch, nur die Wurstfinger bleiben geschmeidig. Eine unzulässige Memisierung, ich weiß, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Und nicht folgenlos. Ist es realisierte Simulationen oder simulierte Realität? Das Gehirn kommt mit der Entschlüsselung komm noch nach. Es entsteht ein neues Selbst, ein so noch nie dagewesenes, nicht unter Drogen, medial. Können wir eine daraus resultierende Selbstausbeutung mit den alten Begriffen fassen? Spannend.

eldorado 03.02.2013 | 19:19

Ich fürchte, Du hast mich falsch verstanden. Das ist wie bei der Geschichte weiter oben, ein Bild.

Wenn Du Dich mit Deiner irdischen Identität mit anderen misst, bist Du im Tal unten.

Wenn Du, bildich gesprochen, einen Schritt aus Dir heraustrittst und Dich und die anderen von aussen ansiehst, hast Du einen Schritt den Berg hinaufgekommen. So kannst Du, wenn Du willst, sachlich beurteilen, was der Mopperkopp so treibt.

Je mehr Schritte Du Distanz von Dir nehmen kannst, je weniger bist Du an Deine Identität gebunden und je mehr wirkt Deine Individualität. Die Identität wertet und schubladiesiert, die Individualität charakterisiert und wertet nicht.

MopperKopp 03.02.2013 | 19:49

Dass es ein Bild ist, das habe ich durchaus verstanden. Die Vorstellung, man könne aus sich heraustreten, lässt sich dekonstruieren. Wer tritt da eigentlich aus was raus und wen oder was sieht/erkennt man dann wie? Kann das, was du beschreibst, kann das nicht sehr unterschiedliche Formen annehmen, je nach Bewußtsein? Das Problem der Identität liegt einerseits in der Definition, andererseits in der Annahme, jedes Individuum habe nur eine. Was ist, wenn wir nun jedem Individuum unbegrenzt viele Identitäten zugestehen ohne gleich in der Dissoziation zu landen? Das erscheint Menschen, die in den neuen Medien aufwachsen, ganz natürlich, während es vielen Philosophen und Ärzten Schweißperlen auf die Stirn treibt :-) Und schon bekommt die Frage der Selbstausbeutung, gekoppelt an Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung eine neue Richtung.

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 21:05

werter ELDORADO, mal ganz ehrlich? mir wäre es lieber (gewesen) sie würden sich - zumindest mir gegenüber, klarer ausdrücken, selbst auf die gefahr hin, dass dabei was gelbes durch die gegend spritzt. ich steh überhaupt nicht auf derartiges geschwurbsel, das sich wie eine plastikeinkaufstüte anfühlt, die mir da über den kopf gestülpt wird, wobei ich auch noch zu bestimmen habe, welchen werbeaufdruck diese tüte haben soll. mit anderen worten: derartiges konnten sie doch nur daher tippen, weil ich mich - in gewisser weise, als 'intellektuell weniger begabt dargestellt' habe; aber ich darf das auch, mir gegenüber. alein dass ich noch lebe, stellt an sich eine lebensleistung dar! wie also wollen sie die lebensleistung anderer beurteilen? also: 'reden' sie mit mir deutsch komma bitte. sagen sie mir, was phase ist, aus ihrer sicht - und gut.

eldorado 03.02.2013 | 21:13

ok. Das tut mir leid, dass es bei Ihnen als Geschwurbel angekommen ist. Ich finde dass jeder, egal wo er steht, im Alltag dazulernen kann. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit Erfahrungen machen. Es stand mir gar nicht im Sinn, Ihnen zu nahe zu treten. Und von Leistung habe ich gar nicht gesprochen. Sie haben mich falsch verstanden. Wahrscheinlich ist es am besten, sie vergessen, was ich Ihnen geschrieben habe, dass Ihnen wieder wöhler wird.

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 21:32

ach ... MENSCH; das stimmt, dass sie nicht von lebensleistung geschrieben haben - absolut kein thema, doch wenn ich behaupte,  mich - so gut es mir gelingen will, auf dem laufenden halten zu wollen, bzw. im lernmodus bleiben zu wollen, dann stellt es eine lebensleistung dar, noch zu leben, obwohl um mich herum die scheiße am dampfen ist - und das nicht zu wenig. ihr oben angeschlagener ton, der war auf eine perfide? art der versuch, mich wie einen  trottel aussehen zu lassen, ein netter trottel, dem 'man' ruhig mal väterlich die hand des philosophen auf die schulter legen kann, um mir den ratenden schlag zu geben, doch erst mal den großen und erwachsenen genau zuzuhören, um eventuell - an einer geeigneten stelle, mal was beisteuern zu können/dürfen ... - so lese ich denr ersten text von ihnen an mich.

eldorado 03.02.2013 | 22:01

Ich befürchte schwer, dass wir aneinander vorbeireden.

Das meinen eben die Gstudierten, dass nur das Lernen ist, was man Abstracktes in seinen Kopf quetscht. Das sind dann die sachverständigen Allrounder, die über alles Bescheid wissen. Das meinte ich echt nicht.

Am meisten habe ich zum Beispiel gelernt, in der Zeit als ich meine beiden Mädchen grosszog, Wie sich das entwickelte. Wie sozusagen aus einer Knospe eine Blüte wurde, das zu begleiten, war meine grösste Lehrzeit. Finden sie das denn so geschwurbelt?

Was ich hingegen in der Schule und später für den Beruf gelernt habe (ausser lesen und schreiben lernen und sonst noch ein paar Sachen) hat mich viel weniger weit gebracht. Das hilft vielleicht höchstens finaniell, aber menschlich nicht.

Ich meinte ja eben, dass man sich von den verkopften, gschtudierten Menschen nicht verunsichern lassen soll. Das ist alles nur Theorie. Der Alltag hilft am besten weiter und gerade das machen die runter. Und so viele lassen sich dabei verunsichern. Das tut mir so weh. Und so haben die uns dann in den Fingern. Mit diesem System werden Massen von Menschen stranguliert, die keine Arbeit mehr auf dem Arbeitsmarkt finden. Sie machen denen mit Akribie weis, dass das deren Schuld ist, keine Arbeit zu haben. Dabei, wenn man das ein wenig von aussen ansieht, merkt man, dass wir nie mehr ohne Arbeitslose leben werden. Und die sind genau so viel wert, wie die, die noch nicht aussortiert wurden.

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 22:13

MENSCH ELDORADO, dass ich sie so missverstehen konnte/missverstanden habe  - NICHT WOLLTE!!! - das tut mir gerade aufrichtig leid - vollkommen ehrlich. hoffe darauf, in zukunft derartige missverständnisse durch ein nochmaliges nachfragen, bereits im keim ersticken zu können.

wünsche ihnen noch einen geruhsamen ausklang des wie immer viel zu kurzen wochenendes - mit freundlichen grüßen der max.

eldorado 03.02.2013 | 23:41

Ich habs nochmals genau durchgelesen und verstehe jetzt von was sie reden und was sie nicht verstehen. Ich versuche das noch ein wenig genauer zu umschreiben und hoffe, dass dann das gegenseitige Verständnis klappt.

Wenn jemand nicht offen ist für die Ansichten und Standpunkte anderer, dann bleibt er auf seinem Standpunkt beharren und verteidigt ihn. Ich nehme an, dass das klar ist.

Ist jemand offen für die Ansichten und Standpunkte anderer und schliesst die nicht von vorneherein aus, bereichert ihn das und erweitert seinen Horizont.

Damit will ich sagen, dass, wenn man diese Erfahrung gemacht hat, die Ansichten anderer nicht abzuweisen und er dann kommt und denkt, die Armen! Denen will ich beibringen, wie viel besser das ist nicht auf sich zu beharren! Dann fällt er zurück, weil er das, obwohl es objektiv besser ist, den anderen aufzwingen will. So beharrt der auch wieder auf seinen Erfahrungen, die zwar besser sind und den Menschen weiter bringt. Dabei hat er aber vergessen, dass er auch den anderen die Freiheit lassen muss, sich zu bereichern oder nicht.

Oh ist schwierig. Verstehen Sie es jetzt ein wenig besser?

klonkifanko 04.02.2013 | 01:32

Nun habe ich es verstanden:

Mopperkopp ist selbst das Zeichen des restlosen Verfalls dieser Community. Verfall deshalb, weil es nun entgültig um nichts mehr geht als die Community selbst.

Das ganze wird vor sich selbst verpackt als Meinungsbildung und Gedankenaustausch, dessen Reiz gerade darin besteht, dass Menschen nichts Besseres zu tun haben, als einen Nachmittag und Abend damit zu verplempern, Hülsen in diverse Tastaturen zu meißeln.

Liebe Leute, geht raus und produziert etwas. Dabei trefft Ihr auch Menschen.

PS: Ich bin schlaflos.

rose 04.02.2013 | 04:11

auch ich rechtfertige meinen beitrag mit schlaflosigkeit.

dieser blog ist keine mogelei, er ist gemeint und zu verstehen als blödelei, nach welcher die comunity giert.

ob frau im funk und kreuzworträtsel oder dies hier ist doch egal. niemand bewirkt hier mit seinen beiträgen etwas in dem weltgeschehen. du bist hier in speaker s corner, das wissen alle..

Aussie42 04.02.2013 | 06:03

...jetzt bin ich ja doch beruhigt.

So um Sylvester rum, hat mir der F-community-support auf eine entsprechende  Frage per e-mail mitgeteilt:

"Grundsätzlich gibt es keine wirkliche "Nabelschau-Rubrik"."

...es sei denn Mopperkopp hoert es unwirklich brodeln. (wurde offensichtlich von support weggelassen)

Gut, dass  es Radio Eriwan noch gibt und auch die Debatte dieses Blogs finde ich unterhaltend.

Ene sachliche Ergaenzung:

Mir fehlt das "DDR-es-war-einmal-Mem".

Ansonsten moechte ich anmerken, dass die F-Community  german-centric   ist.

Deutschland aus 11.000 km Entfernung erscheint mir oft als etwas putziges Land, indem sich Zwerge wegen zwergischer Differenzen riesenhaft anschreien.

Die Community scheint mir nicht viel anders zu sein, allerdings deutlich  unterhaltsamer als deutsche Politiker und die uebrigen Medien. Und das ist schon sehr sehr viel, finde ich.

Was lehrt uns das? Keine Ahnung.

 

balsamico 04.02.2013 | 11:23

Ich habe schon etliche Communities, große und kleine, blühen und verwelken sehen, was vor allem dann passiert, wenn die ModeratorInnen das Gängelband zu straff anziehen, wofür es viele Gründe gibt, angefangen von bloßer Wichtigtuerei bis hin zur blanken, ordinären Zensur. Das ist, so empfinde ich es, hier nicht so. Darüber bin ich sehr froh.  Deshalb bin ich sehr dafür, alles so zu lassen wie es ist. Ok, es gibt auch hier (wo nicht?) Licht und Schatten aber imho unter dem Strich mehr Licht als Schatten. Mir, für meinen Teil, genügt das vollkommen. 

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Ehemaliger Nutzer 07.02.2013 | 14:12

* * * * *
Find's auch putzig, wie sich hier Ostalgiker und Pseudolinke beharken.
Immer die gleichen Selbstdarsteller, die sich gegenseitig auf den Kopf scheißen. Das hat zwar einen veritablen unterhaltungswert, unterminiert aber den "FREITAG", als glaubwürdiges, linkes Medium. BTW. keiner, wirklich keiner nimmt den "FREITAG", ob ON oder OFF, wirklich ernst, solange  Augsteins Schosshündchen und dessen Gassigeher sich immer in der eigenen Leine verfangen.


blog1 07.02.2013 | 16:02

Wie wär`s denn mit dem Song von Culture Candela, so quasi als Einstimmung für die Community:

http://www.youtube.com/watch?v=ZIoVMKkNSZI

Zunächst einmal halte ich von dieser Art von Selbstdarstellung wesentlich mehr als von dem Beitrag von Mopperkopp. Die Community ist wie sie ist. Wir kennen uns doch alle nicht, wie wir leben, was wir denken oder fühlen. Es ist ziemlich anmaßend von dem Autor, hier eine Klassifizierung vorzunehmen. Aber selbst das steht ihm zu, schließlich ist er Teil der Community. Nur mit Nestbeschmutzung sollte man vorsichtig sein. Die Mindestanforderung wäre dann, dass man den Müll selbst entsorgt, den man hinterlassen hat.