MopperKopp
16.08.2013 | 15:00 141

Grabmal der Menschenrechte

Ägypten Im angeblichen Kampf gegen Terror werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Das wird nun von hoher staatlicher Stelle offiziell bestätigt

Der Mann bringt es auf den Punkt

Ahmed Ali, Sprecher des ägyptischen Verteidigungsministeriums, droht: "Im Kampf gegen den Terrorismus spielen Bürger- und Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle."

Wenn man diese Aussage noch um die Bermerkung ergänzt, dass "im Kampf gegen den Terrorismus Menschenleben nur eine untergeordnete Rolle spielen", dann werden die Gemetzel an wehrlosen Demonstranten verständlich.

Muss man mehr dazu schreiben? Das sind Worte aus den Kreisen, die John Kerry für die "Wiederherstellung der Demokratie" lobte und die von westlichen Medien mit Samthandschuhen angefasst werden. Der Grund dafür ist klar, immerhin fließt viel Geld aus den Schatullen antidemokratischender Regierungen der Nachbarländer von Ägypten über Anlagevermögen in Werbung.

"Die Hand, die mich füttert, gegen die schreibe ich nicht." Dieses Motto scheint in Verlagen gepredigt zu werden, auch da müssen Menschenrechte schon mal in die zweite Reihe treten.

So wird ein blutiger Militärputsch weiterhin als Neustart der Demokratie verkauft und in Foren feiern Anhänger von Sarrazin, Broder und Breivik die Angelegenheit als ein notwendiges und reinigendes Schlachtfest. Die Achse der Fanatiker aller Richtungen befindet sich auf dem Vormarsch.

 People writing down their names on their forearms in case they get shot. #Egypt http://t.co/Jpfj2BD9jv

People writing down their names on their forearms in case they get shot.#Egypt http://t.co/Jpfj2BD9jv

Das spielt in einer anderen Liga als die Montagsdemos.

Kommentare (141)

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2013 | 15:47

"Das spielt in einer anderen Liga als die Montagsdemos."

 

Wären die Montagsdemonstranten auch mit "Kind und Kalaschnikow untern Arm" zur Demo gegangen und hätten dann dort auch ca. 54 Polizisten erschossen (welche übrigens auch das Menschenrecht auf Leben hatten), dann würden wir heute auch anders über diese Demonstrationen denken...

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2013 | 16:02

Man sollte auch mal erwähnen, dass die Islamisten seit Wochen u.a. auf dem Sinai Mordanschläge auf Soldaten und Polizisten verüben. Das diese dann nicht gerade entspannt reagieren wenn sie auf schwerbewaffnete Islamisten treffen erklärt sich eigentlich von selbst.

 

Die ägyptische Armee und Polizei macht gerade genau das was die Armee und Polizei in der Weimarer Republik nicht gemacht hat: Sie geht gegen bewaffnete antidemokratische "Freikorps" vor.

MopperKopp 16.08.2013 | 16:12

Genau diese Art von Kommentar ist gemeint, realitätsverzerrend, rechtslastig und gewaltrelativierend. Es ist schon schlimm, wie schwer es friedliebende Demonstranten den Militärs, Polizisten, Sondereinheiten und Folterknechten machen, nicht wahr, auch damals musste man bedauernswerte Sondereinheiten betreuen, denen Massenerschießungen von Frauen und Kindern psychische Probleme bereiteten. Es ist auch unverantwortlich und gewalttätig, sich in den militärischen Kugelhagel zu stellen, der doch nur für einen friedlichen Übergang zur westlichen Demokratie sorgen soll. Von den Belastungen, denen die nun reaktivierten Folterknechte ausgesetzt sind, ganz zu schweigen. Jetzt fehlt nur noch die momentan so beliebte Falschaussage, dass auch Hitler durch eine demokratische Wahl an die Macht gebracht wurde...

MopperKopp 16.08.2013 | 16:21

Passend zu manchen Kommentaren gibt es auch vor Ort Personen, die sich dem Militärregime andienen:

"In vielen Stadtvierteln Kairos haben Gruppen von Mursi-Gegnern Straßensperren errichtet. Die Bürgerwehren durchsuchen Autos und schikanieren Leute, die ihnen verdächtig erscheinen, mit den Muslimbrüdern zu sympathisieren. Ein Mitarbeiter von SPIEGEL ONLINE sah, wie eine Gruppe junger Männer mit langen Messern bewaffnet Jagd auf mehrere Männer machte. An anderen Checkpoints hatten mehrere selbsternannte Gehilfen der Polizei selbstgebaute Pistolen im Gürtel stecken. "Die Szenerie ist äußerst beängstigend. Die Bewaffneten greifen sich willkürlich Leute heraus, die ihnen nicht passen", so der SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter."

MopperKopp 16.08.2013 | 16:34

"Khaled Daud, Sprecher der Nationalen Heilsfront (NSF), zu der sich elf liberale Parteien zusammengeschlossen haben, hat seinen Rücktritt erklärt. Er protestiert damit gegen die Unterstützung des Bündnisses für das Vorgehen von Polizei und Armee. Er hatte schon zuvor SPIEGEL-ONLINE-Korrespondentin Ulrike Putz gesagt: "Die Polizei hat brutale, exzessive Gewalt angewendet. Es ist eine Katastrophe.""

 

Wobei der Name Nationale Heilsfront (NSF) für elf liberale Parteien aus dem Leben des Brian oder von Loriot stammen könnte.

MopperKopp 16.08.2013 | 16:38

"Das Fernsehen zeigte Bilder von Männern, die aus Kalaschnikows feuerten - es war jedoch nicht zu erkennen, ob die Schützen Polizisten in Zivil oder Demonstranten waren.

...

Ein Augenzeuge berichtet in Kairo, dass im Zusammenhang mit den Unruhen 13 Leichen in eine Moschee gebracht worden sind. Alle Toten hätten Schusswunden."

Unruhen? Friedliche Demonstrationen.

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2013 | 17:03

@MopperKopp

Wurden die ca. 54 getöteten ägyptischen Polizisten von "friedliebenden" Islamisten erschossen?

 

#MopperKopp

"Genau diese Art von Kommentar ist gemeint, realitätsverzerrend, rechtslastig und gewaltrelativierend"

 

Wenn auf der einen Seite ca. 500 Personen sterben und auf der Gegenseite dann ca. 10% davon (ca. 50 Personen), dann ist es "gewaltrelativierend" wenn man dann von "friedliebenden Demonstranten" spricht.

 

In keinem Land der Welt würde die Polizei nicht auf Demonstranten schießen, wenn es auf der Seite der Polizei zu sovielen Toten käme.

#MopperKopp

"Jetzt fehlt nur noch die momentan so beliebte Falschaussage, dass auch Hitler durch eine demokratische Wahl an die Macht gebracht wurde..."

 

Hitler kam durch eine demokratische Wahl an die Macht. Irgendwelche Gegenargumente?

h.yuren 16.08.2013 | 17:05

lieber mopperkopp,

ägypten zeigt offen, was herrschaft und staat bedeuten. da geht es nicht mehr um so petitessen wie datenschutz oder menschenrechte. da wird die herrschaft verteidigt - mit allen mitteln. das ist ordentliches oder auch typisches staatsverhalten. nicht im film, sondern in freier wildbahn.

état c'est soldat.

grüße, hy

MopperKopp 16.08.2013 | 17:13

Nun hat sich einer der großen "Geldgeber" geäußert:

"Saudi-Arabiens König hat sich in einer kurzen Erklärung zu den Ereignissen in Ägypten geäußert. König Abdullah sagte, er unterstütze den Kampf der Ägypter gegen den Terrorismus und gegen Versuche des Auslands, Ägypten zu destabilisieren. Es passiert äußerst selten, dass sich der greise Monarch zu aktuellen Entwicklungen in der Region äußert."

Genau mit solch einem Vorzeigedemokraten machen sich die genannten und auch hier aufschlagenden Gewaltversteher gemein, kein Wunder, hießen doch genau diese Länder ausrangierte Entwicklungshilfe des "Großen Demokraten" gerne willkommen und bauten mit ihrer Hilfe Gewalt- und Geheimdienste auf. Das gilt übrigens auch und insbesondere für Ägypten.

So ist es auch verständlich, das ägyptische private Medien schrieben:

"Sisis Botschaft ist ergangen – und das Volk antwortet, wir ermächtigen dich."

MopperKopp 16.08.2013 | 17:22

Es wird live übertragen. Ein Militärputsch mit tödlichen Folgen für die "Verliererseite", altbekannt aus vielen Gegenden der Erde. Noch fühlen sich "zivilisierte" Europäer als Betrachter und blicken überheblich auf die angeblich für eine Demokratie zu dummen Betroffenen. Der Backlash rückt näher, zusätzlich brodelt es in vielen Staaten Europas, noch hält der dünne Stoff der Demokratie und die erfolgreiche Dressur durch Arbeit und Medien die Panzer fern. Noch.

MopperKopp 16.08.2013 | 17:28

Nun folgt die absolute mediale Gleichschaltung:

"Mehrere lokale Kanäle der al-Dschasira-Gruppe waren am Nachmittag in Ägypten nicht mehr zu empfangen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Ulrike Putz aus Kairo. Abgestellt wurden der Livesender al-Dschasira Mubascher und der lokale Kanal al-Dschasira Masr. Das ägyptische Regime wirft dem al-Dschasira-Medienkonzern mit Sitz in Katar vor, Propaganda für die Muslimbrüder zu machen. Tatsächlich waren dessen Sender bis zu ihrer jetzigen Abschaltung die einzigen verbliebenen lokalen Anstalten, die über die Anliegen der Islamisten berichteten. Alle anderen ägyptischen Sender - sowohl die staatlichen als auch die privaten - waren nach der Entmachtung der Brüder zugleichgeschalteten Sprachrohren des herrschenden Militärs geworden."

MopperKopp 16.08.2013 | 17:37

"Die Zahl der Toten steigt weiter. Augenzeugen berichten, dass inzwischen allein in der Moschee am Kairoer Ramses-Platz 27 Leichname aufgebahrt worden seien."

Man stelle sich einmal vor, so würde Erdogan gegen Demonstranten vorgehen, an einem Tag ~ 500 tote Demonstranten und nun schon wieder 30 tote Demonstranten. Dann wäre medial Hölle los, Sondersendungen ohne Ende, es würde schon längst ein besonderes Symbolfoto geben, ein leidender Angehöriger hält ein blutüberströmtes Opfer, Sohn, Tochter, Frau, im Arm, untergehende Sonne usw.

Sondersitzungen, Einberufung des Sicherheitsrates, Sanktionen...

Nun, Politiker und Medien sind nicht Justitia, sie sind nur auf einem Auge blind.

MopperKopp 16.08.2013 | 17:49

"Die Tageszeitung "Daily News Egypt" twittert, dass das Gesundheitsministerium die Zahl der Toten bei den schweren Zusammenstößen am Mittwoch auf 638 nach oben korrigiert habe. Die Gewaltexzesse vom Mittwoch waren der Anlass für die heutigen Protestkundgebungen gegen das ägyptische Militär."

Demokratisierung aus den Gewehrläufen der Militärs.

MopperKopp 16.08.2013 | 18:13

Und nun kommt die typische "braune" Brut hinzu, die fast zwangsläufig im Windschatten einer Militärherrschaft ihr Haupt erhebt, SPIEGEL-ONLINE-Korrespondentin Ulrike Putz:

"Lynchmobs attackieren Andersdenkende, Bürgerwehren terrorisieren Autofahrer: In Kairo herrscht nach den Freitagsgebeten ein hochgefährliches Klima der Gewalt. Politiker und Armee tun nichts, um die Lage zu entschärfen - der Pöbel erledigt für sie die Drecksarbeit.

...

Dort, umgeben von aufgebrachten Anhängern der ägyptischen Armee, hebt sie an, zu schreien: "Seid ihr wirklich Muslime? Habt ihr nicht das Massaker gesehen? Wie könnt Ihr die vielen Toten ignorieren?"

Weiter kommt die Frau nicht, denn die vielleicht 500 Männer, die eben noch für den Armeechef Mohammed al-Sisi skandierten, haben sich jetzt zu ihr umgedreht. In den Gesichtern steht Hass, innerhalb von Sekunden ist die Frau umzingelt, der Mob geifert, schiebt und drückt. "Hure, Hure", brüllen die Männer, die Frau duckt sich ängstlich in der Erwartung des ersten Schlags. Sie stolpert, versucht, sich zum Eingang zur Unterführung zurückzuarbeiten. Dort treffen wir sie und eskortieren sie die Treppe hinab. Oben tobt die Menge."

"Verbrennt sie. Tötet sie!", schreien die Männer...

MopperKopp 16.08.2013 | 18:15

Und so endet militärische Demokratiesierung:

"Mit selbstgebauten Pistolen, Fleischermessern und Knüppeln bewaffnete Bürgerwehren halten wahllos Autos an und terrorisieren die Insassen. Mit langen Messern bewaffnete Unterstützer der Armee machen Jagd auf fliehende Mursi-Anhänger.

An anderer Stelle sind es wiederum genau jene Mursi-Anhänger, von denen die Gewalt ausgeht. Auch sie sind bewaffnet, ebenfalls mit selbstgebauten Schusswaffen, Messern und Knüppeln."

MopperKopp 16.08.2013 | 18:39

Dieser ägyptische Regisseur lebte als Kind in Ägypten, nun lebt er in Deutschland. Seine Sichtweise ist schablonenhaft, er bringt eine typische "rechte" Schablone, wie man sie immer wieder nach einer blutigen Militärherrschaft, egal welcher Dauer, hört. Wenn das Militär alle "Gegner" abgeschlachtet hat, dann wird zu einer "Tag der Versöhnung" aufgerufen. Umgekehrt akzeptieren Militär und die Dahinterstehenden niemals einen "Tag der Versöhnung".

Das Gedankengut der Muslimbrüder ist nicht meine Welt, allerdings ist das kein Freifahrtschein zum Gemetzel.

Vielleicht sollte man darüber nachdenken, warum diese Gruppierung in armen Gegenden Fuß fassen kann und ob das vielleicht auch mit der Schwäche der "Linken" zu tun hat, die sich bevorzug um eine Anpassung an den Kapitalismus bemüht und mit Armen wenig am Hut hat, Hartz IV lässt grüßen. Momentan fällt weltweit die "Armenversorgung" wieder zurück in die Hände der Religion, mit entsprechenden Konsequenzen und Auswirkungen.

elisRea 16.08.2013 | 18:52

Berichtigung:

"... von dem, was worüber Sie hier schreiben."

Gruß an Mopperkopp

Haben Sie gestern den katholischen Priester aus Kairo in den Nachrichten gehört? Und anschließend Westerwelle?

Nicht ganz einfach, da gelassen zu bleiben.

Im Übrigen ist es erstaunlich, dass, was die Moslembrüder betrifft, plötzlich von Terroristen (als würden sie erst seit gestern die Moslembrüder u.a. in Gaza unterstützen) und Fundamentalisten (als wären sie das z.Z. Mubaraks und der sogenannten Revolution nicht gewesen, gesprochen wird. Nicht aber von den Salafisten und ihrer Partei, die gemeinsam mit den Moslembrüder regierten.

Total tote Hose - diesbezüglich jedenfalls. WIESO?  Ist mir da in den Nachrichten etwas entgangen?

Für alle Fälle: schönes WE.

aram Ockert 16.08.2013 | 19:04

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat vor der Gefahr von Pogromen gegen Christen in Ägypten gewarnt und einen besseren Schutz der Minderheit gefordert. „Indizien deuten darauf hin, dass es sich bei der Zerstörung von Kirchen und Einrichtungen der Christen um eine gezielte Terror-Kampagne von Islamisten handelt, mit der das brutale Vorgehen der Militärs gegen Mursi-Anhänger gerächt werden soll“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Innerhalb weniger Stunden wurden Kirchen, Klöster, Pfarrämter, konfessionelle Schulen und Wohnhäuser nicht nur in Kairo und Umgebung, sondern auch in Alexandria, Suez und in Oberägypten vorsätzlich in Brand gesetzt. Die Tatorte liegen oft hunderte Kilometer voneinander entfernt. Viele Angriffe erfolgten zeitgleich, so dass es sich um einen langfristig geplanten Rachefeldzug zu handeln scheint.“ 


Mindestens 26 Kirchen, Klöster, kirchliche Schulen und Wohnhäuser von Kopten, Katholiken, Protestanten, Baptisten und Griechisch-Orthodoxen in verschiedensten christlichen Siedlungsgebieten Ägyptens sind seit gestern Mittag mutwillig von Islamisten angegriffen und zerstört worden. Gleichzeitig wurden Christen jedoch auch von Muslimen unterstützt. So halfen Muslime in einigen Orten Oberägyptens Christen beim Schutz ihrer Kirchen oder ihres Eigentums. Auch riefen einige Salafisten die Muslimbrüder dazu auf, die Angriffe zu beenden. 

„Bei allem Entsetzen und aller Wut über die Brutalität der Sicherheitskräfte bei der Räumung von Protestlagern der Mursi-Anhänger gibt es keine Rechtfertigung für den blutigen Rachefeldzug radikaler Islamisten gegen die christliche Minderheit. Denn auch Christen haben in den vergangenen Jahren unter der Brutalität und Willkür der Sicherheitskräfte gelitten und die Minderheit ist nicht verantwortlich für den Staatsterror der Militärs“, sagte Delius. „Diese erneute Welle der gezielt gegen Christen gerichteten Gewalt schadet nicht nur dem Ruf Ägyptens und der muslimischen Mehrheitsbevölkerung, sondern wird auch das Zusammenleben zwischen den Religionsgemeinschaften weiter erschweren.“ Schon nach dem Sturz von Diktator Mubarak litten die Kopten besonders unter Rechtlosigkeit und Übergriffen extremistischer Muslime. 

Knüppel 16.08.2013 | 19:32

@Mopperkopp 

„(…) Dieser ägyptische Regisseur lebte als Kind in Ägypten, nun lebt er in Deutschland. Seine Sichtweise ist schablonenhaft …“ 

Das ist richtig. Darf ich - in diesem Zusammenhang, rein interessehalber, - fragen in welchem Land Sie leben, Mopperkopp? 

Und um eine evtl. Gegenfrage vorab zu beantworten, weil ich mich jetzt aus dem Internet zurückziehe, ich lebe seit etwa 1 Jahr nicht mehr in Deutschland, sondern in einem Land, das eine gemeinsame Grenze mit Ägypten hat (Israel). 

„(…) So, nun knurrt mein Magen aber wirklich ganz bedenklich...“ 

Dann wünsche Ich guten Appetit! und vielleicht bis demnächst einmal… 

Gruß Knüppel 

JR's China Blog 16.08.2013 | 19:32

Solange nicht "aufgerechnet" wird, ist es richtig, auf diese Seite des Islamismus zu verweisen. Das kann aber nicht der Grund für die deutsche Presse sein, die Tatsache mit Schweigen zu übergehen, dass eine mit dem Westen verbündete Macht - das ägyptische Militär - sich mit Aktionen wie diesen delegitimiert, und zwar unabhängig davon, ob es im Sinne einer Mehrheit oder Minderheit handelt.

Hier zeigt sich ein Problem vieler Diktaturen (und etwas anderes war Ägypten ja auch vor dem Sturz Mubaraks nicht). Die "Eliten" - übrigens auch in Syrien - spielen Angehörige verschiedener Bevölkerungsgruppen gegeneinander aus, anstatt Ausgleich unter ihnen zu schaffen, und versagen dann naheliegenderweise ebenfalls, wenn sie in letzter Minute den gesellschaftlichen "Frieden" retten wollen.Vielleicht ist das Thema der Presse einfach zu heiß, denn hier würden Methoden der Machtausübung besprochen, die zwar in Europa anders aussehen mögen, unter denen aber auch hier bewusst ausgewählt wird.

Oberham 16.08.2013 | 19:40

Paulsen hat heute vom perfektem Menschen getippt -

perfekt sind die Massen, die ich lenken kann!

Das Bündel, die Kampfgruppe, die Opferlämmer, zur Schlachtbank gehen sie, mit Frau und Kind.

Heute schossen als erstes Ägypter in die Menge, wohlhabende Ägypter, die ihre Geschäfte seit jeher mit den Militärs machen.....

Danach schoss die Polizei wieder mit.

Kann sich hier noch jemand an die Geschichte des 9.Mai 1945 erinnern - in Paris feierten sie das Ende des Krieges - in Sétif massakrierten französische Kolonialisten und Polizisten sowie Militär zig tausende von Algeriern die für ein autonomes Statut auf die Straße gingen - Jahre bevor der Algerienkrieg ausbrach.

Erinnert sich noch jemand an das Massaker von Paris ich glaube es wahr 62? - jedenfalls läutete es das Ende des Krieges durch einen Opfermarsch ähnlich jener jetzt in Ägypten ein.

Tausende von Algeriern gingen in Paris auf die Straße und die Polizei aufgeladen vor Zorn - aufgrund diverser Anschläge im Vorfeld - massakrierte eine unbekannte - bis heute unbekannte Zahl von Demonstranten.

Nur - die Drahtzieher dieser Demo - sie wollten doch gerade dieses Massaker, jeder Tote war ein kleiner Preis für sie - ein Bonuspunkt im Öffentlichkeitsbild.

Beide Seiten sind dunkel, beide Seiten sind verflucht!

Da dieser Kampf der Interessen nun im eigenen Land stattfindet - wird es eben keinen Frieden geben, sondern schlicht und traurig einen Bürgerkrieg - wie in Syrien - und wieder kann ich zumindest keine Seite sehen, die für eine gute Sache stirbt - die die sterben, sterben für die Interessen von Minderheiten, die Interessen von machtgeilen Irren - sie opfern sich für Psychopathen - wie in jedem Krieg!

Die Ungleichheit, das Gewinner-Verliererspiel, letztlich kulminiert es immer und immer wieder in Mord und Todschlag - da es immer zu dem Punkt kommt da die Verlierer sich von anderen instrumentalisieren lassen und sich freiwillig abschlachten lassen, freiwillig anschließend die Waffen nehmen und freiwillig am Ende sich gegenseitig massakrieren.

Was bleibt ist der ein - oder der andere Sieger, der auf einbem Haufenb Leichen hockt und grinst,  das Spiel beginnt von Neuem.

Oberham 16.08.2013 | 19:53

Da ich gerade jetzt diesen Kommentar lese (nachdem ich meinen tippte....) - habe ich das Pariser Massaker als Link herausgesucht -

ups.... Frankreich 1961 - soweit ich weiß, war das damals ein demokratischer Staat, mit einer legitimierten Regierung...... - sie sollten das nicht als das Problem der Diktaturen eingrenzen - es ist schlicht das Problem des jeweiligen Machtblocks - egal unter welchem Mantel er seinen grottigen Körper verbirgt - wenn man ihn reizt, beisst er!

Das perfide daran ist - die Menschen auf den Straßen sind wie eine Fliege die ein gemeines Kind ins das Netz der Spinne wirft, sie sollen möglichst zahlreich massakriert werden, was es den Initiatoren dieser Demonstrationen ermöglicht, wunderbar auf den Terror der Staatsmacht zu verweisen - die hier sogar noch als nicht legitimiert bezeichnet werden kann.

Nein - hier gibt es nur die auf der Straße die sterben und morden - und jene, die in den Salons des four Seasons ihre Pläne schmieden.

Das Prinzip bleibt immer das Gleiche - es ist schlicht die Ursache für unser aller baldigen Abgang - da es nicht nur die Macht, sondern das ganze menschliche Sein betrifft!

Der Mensch zerfleischt sich selbst - wie schon die Römer wunderbar überlieferten. Homo homini lupus...... (es sei den er kennt einander - doch das ist leider im Krieg sehr selten der Fall.....)

 

MopperKopp 16.08.2013 | 20:08

Momentan wird folgender Dreisatz einstudiert:

Muslimbrüder - Islamisten - Terroristen

Bei den Muslimbrüdern fällt eine kritische Betrachtung leicht, ist das gemacht, geht man zur nächst größeren Gruppe über, steckt alle in einen Sack und klebt schlussendlich das moderne Ausgrenzungszeichen darauf - Terroristen.

Ähnlich wie 68er - RAF

Wer die Anschläge gegen die Kirchen ausübt, das muss geklärt werden, auch der Reichstag hat mal gebrannt und das ägyptische Militär und der Geheimdienst haben viel von Altnazis höchstpersönlich gelernt.

MopperKopp 16.08.2013 | 20:16

Die Feststellung bezüglich des Regisseurs war nicht wertend, "ägyptischer Regisseur" erweckte nur den Eindruck einer Person vor Ort.

Ich lebe in Deutschland.

In Israel würde es solch ein Gemetzel des Militärs an friedlichen Demonstranten nie geben. Heute habe ich noch Bilder aus Israel gegen das ägyptische Militär gesehen. Oder liege ich da falsch?

Besten Dank, bis dann wann...

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2013 | 20:20

"euronews-Korrespondent Mohammed Shaikhibrahim ist auf der Brücke des 15. Mai in Kairo.

“Es gibt Zusammenstöße zwischen Mitgliedern der Muslimbruderschaft und den Sicherheitskräften. Man sieht unter den Islamisten ganz deutlich bewaffnete Männer. Sie haben auf ihrem Weg zum Ramses-Platz in Gebäude geschossen, die hier in der Nähe der Brücke sind. Die Muslimbrüder hatten gesagt, die Proteste würden friedlich sein, aber wie man sieht, hat sich dieser Wille zur Gewaltlosigkeit gewandelt. Sie tragen Waffen und es sieht so aus, als würden sie auch auf die Sicherheitskräfte schießen, die das Feuer erwidert haben."

 

Gestern waren die auch schon bewaffnet:

Oberham 16.08.2013 | 20:38

Na, sorry - mit dem Tod argumentierenb die nicht - die argumentieren mit ganz anderen Dingen - bei uns war es die schöne Aussicht als Herrenmensch den Russenb als Fußwaschanlage nutzen zu dürfen, in Nordafrika kommen da auch ganz profane materielle Gründe ins Spiel......  - Geschäfte sind das Argument nummero uno - und Wohlstand für die Opferlämmer auf den Straßen - vorher muss man halt sein Leben opfern - aber man könnte ja überleben.... -

ist so eine Art Infinite-Monkey-Theorem - irgendwann wird - wenn er unendlich lang lebt - jeder Milliardär - nur blöd - dafür stirbt so mancher schon morgen.

.... oder war das jetzt ganz dezidiert auf den Islam gemünzt=Märyrer?

Ernstchen 17.08.2013 | 01:33

Ich finde es bemerkenswert wie klar hier viele die Linie zwischen Gut und Böse ziehen, zwischen friedliebend und gewalttätig, aus der Perspektive des deutschen Computernutzers, weit weg vom Geschehen. Ich maße mir kein Urteil an, dazu ist die Situation zu verfahren. Noch vor einigen Wochen gab es hier (sehr berechtigte) Empörungsschreie über Massenvergewaltigungen von Frauen in Kairo, heute ist das Militär das westgesteuerte Böse ... all das ergibt für mich kein kohärentes Bild in dem ich mich moralisch zurechtfinde. Es sei denen gegönnt die das meinen zu tun aber ich an eurer Stelle wäre mit absoluten Urteilen hier sehr sehr vorsichtig!

MopperKopp 17.08.2013 | 08:37

Die Vergewaltigungen fanden auf dem Tahrir-Platz statt, ausgeübt von Unterstützern des Militärregimes, bei Massenprotesten gegen Mursei. Das passt genau zu der Reportage weiter oben, bezüglich der Pro-Militär Bürgerwehren:

"In den Gesichtern steht Hass, innerhalb von Sekunden ist die Frau umzingelt, der Mob geifert, schiebt und drückt. "Hure, Hure", brüllen die Männer..."

Hat sich da bei Ihnen vielleicht schon so ein Kurzschluss eingenistet? Vergewaltiger können natürlich nur die Muslimbrüder sein?

Zusätzlich geht es nicht um eine abstrakte Unterscheidung zwischen "Gut und Böse". Ein Massaker an friedlichen Demonstranten lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass es (natürlich) wenig friedfertige Personen gibt, vielleicht an anderen Orten, die nun in einen Topf geworfen werden, weil man einen Begriff für sie gefunden hat: Islamisten = Terroristen. Auf die Art kann man problemlos jede Demonstration gegen Atommülllagerung oder gegen Bankenrettung zusammenschießen lassen, irgendwo finden sich bestimmt ein paar militante Personen mit entsprechender Nähe zu Occupy.

Auch weit weg vom Geschehen ist das Niedermetzeln von friedlichen Demonstranten kein demokratischer Akt.

h.yuren 17.08.2013 | 10:36

Es wird live übertragen. Ein Militärputsch mit tödlichen Folgen für die "Verliererseite", altbekannt aus vielen Gegenden der Erde. Noch fühlen sich "zivilisierte" Europäer als Betrachter und blicken überheblich auf die angeblich für eine Demokratie zu dummen Betroffenen.

lieber mopperkopp,

warum moppers du so? wer sagt dir, wie europäer die sache sehen?

die staatliche ära, das ist die ära der herrschaft, hat immer solche bilder und schreckensszenen produziert. da ist nichts neu im alten ägypten.

das militär war und ist das rückgrat aller herrschaft. seit 6000 jahren.

weder die militärs noch die betrachter machen sich gedanken über die zukunftsunfähigkeit der alten weltunordnung. das ist der punkt.

grüße, hy

MopperKopp 17.08.2013 | 11:00

Ich sage nicht, dass alle Europäer die Sache so sehen, lese allerdings in europäischen Foren und Medien und da gibt es eine nicht kleine Überheblichkeit bezüglich einer scheinbaren Überlegenheit der Europäer (manchmal warte ich nur noch auf den Ausdruck "der europäischen Rasse") gegenüber den überwiegend "dummen" Ägyptern, die noch nicht reif seien für eine Demokratie und die Wahl von Mursei wäre letztendlich keine "echte" demokratische Wahl gewesen, deren Annulation durch einen blutigen Militärputsch gerechtfertigt sei.

Welche Höllenpforten damit geöffnet werden, das entgeht vielen dieser Kommentatoren, wähnt man sich doch auf der sicheren Insel der Glückseeligen und reifen Demokraten.

Die Verknüpfung von Herrschaft, Staat und Gewalt ist ein sehr komplexes Thema. Auf alle Fälle scheint ein Militärputsch weltweit eher akzeptiert zu werden, als ein militärisches Vorgehen einer vereinten Wirtschaftslobby, obwohl es sich letztendlich darum handelt.

MopperKopp 17.08.2013 | 11:42

"In der türkischen Hauptstadt Ankara widersetzen sich Demonstranten offenbar weiterhin einer Aufforderung von Erdogan und der Polizei, eine Kirche zu räumen. Die Demonstranten hatten gestern tagsüber auf dem Platz vor der Kirche demonstriert. Als am Abend die Ausgangssperre begann, suchten sie in der KIrche Schutz.

Wie die Lage in und um die Kirche aktuell ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Augenzeugen sagten den freien Medien, erste Demonstranten hätten am Morgen die KIrche nach stundenlangen Verhandlungen verlassen. Es hielten sich noch rund 700 Menschen im Inneren auf. Sie hätten Angst vor Erdogans Sicherheitskräften und Schlägerbanden. In anderen Berichten heißt es, Soldaten seien ohne Gewalteinsatz in die Kirche eingedrungen."

 

Nein, natürlich gibt es diese Meldung nicht. Die richtige Meldung lautet:

 

Mursi-Anhänger harren in Moschee aus

"In der ägyptischen Hauptstadt Kairo widersetzen sich islamistische Demonstranten offenbar weiterhin einer Aufforderung der Polizei, eine Moschee zu räumen. Die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi hatten gestern tagsüber auf dem Platz vor der Al-Fath-Moschee demonstriert. Als am Abend die Ausgangssperre begann, verbarrikadierten sie sich in der Moschee.

Wie die Lage in und um die Moschee aktuell ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Augenzeugen sagten dem Nachrichtensender Al Dschasira, erste Mursi-Anhänger hätten am Morgen die Moschee nach stundenlangen Verhandlungen verlassen. Es hielten sich noch rund 700 Menschen im Inneren auf. Sie hätten Angst vor den Sicherheitskräften und Schlägerbanden. In anderen Berichten heißt es, Soldaten seien ohne Gewalteinsatz in die Moschee am Ramses-Platz eingedrungen."

MopperKopp 17.08.2013 | 11:53

Der Spiegel berichtet:

Ägypter über die Zukunft ihres Landes: "Supermann gesucht!"

Von Dieter Bednarz und Ralf Hoppe

"In Ägypten toben Straßenschlachten zwischen Mursi-Anhängern, Mursi-Gegnern und dem Militär. Was sagen Menschen, die nicht auf die Barrikaden gehen? Vier Bürgerinnen und Bürger aus Kairo berichten über ihre Ängste und Hoffnungen für das gespaltene Land."

 

Die Stimmverteilung? 100% pro Militär. Gipfel ist der Kommentar einer Wirtschaftsjournalistin bei "al-Ahram":

"Und jetzt? Jetzt brauchen wir einen Charismatiker. Supermann gesucht!"

MopperKopp 17.08.2013 | 12:13

Bild, diese ausgewogene Nachrichtenmagazin, in all der schon oben angesprochenen Täter-Opfer-Rhetorik:

 

NEUES BLUTBAD IN ÄGYPTEN BEFÜRCHTET
Muslimbrüder drohen mit Woche der Proteste
Islamisten verschanzen sich in Moschee in Kairo

 

Das Militär? Fehlanzeige. Das Blutbad wird von den Demonstranten angerichtet, deren demokratisch gewählter Präsident immer noch in "Untersuchungshaft" sitzt und die nun in gemeingefährlicher Absicht ein weiteres Blutbad mit ihrem eigenen Blut anrichten werden.

Auch hier stelle man sich die Berichterstattung von, wenn Erdogan an Demonstranten solch ein Massaker verüben würde. Das ist Qualitätsjournalismus, für den man unbedingt zahlen muss.

 

 

MopperKopp 17.08.2013 | 12:26

Auch das Handelsblatt versucht sich in der verdrehten Täter-Opfer-Rhetorik:

 

Ägyptische Islamisten setzen weiter auf Gewalt

"Die Muslimbrüder in Ägypten denken nicht ans Einlenken. Trotz immer mehr Toten beim Machtkampf mit Übergangsregierung und Militär wollen sie ihre Proteste fortsetzen. Das Land versinkt immer tiefer im Chaos."

 

Hier ist besonders deutlich abzulesen, dass es sich um die militärische Aktion einer Wirtschaftslobby gegen eine nicht zulässige Alternative handelt. Während bei der (durch von autoritären Scheichs finanzierte) Pro-Militär-Demonstration das Durchhaltevermögen der Demonstranten tätglich gefeiert wurde, wird nun der Widerstand gegen einen blutigen Pro-Wirtschaft-Militär-Putsch als trotziges Verhalten diskreditiert.

MopperKopp 17.08.2013 | 12:43

Wie sieht es mit Mubarak aus?

"Der Prozess gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mubarak und neun weitere Angeklagte wurde unterdessen aus Sicherheitsgründen ohne Mubaraks Anwesenheit fortgesetzt. Auch seine beiden Söhne Alaa und Gamal sowie Ex-Innenminister El-Adly wurden am Samstag von der Polizei nicht zum Gerichtssaal in der Polizeiakademie von Kairo gebracht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizei habe einen störungsfreien Transport Mubaraks zum Gerichtsgebäude aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht gewährleisten können."

MopperKopp 17.08.2013 | 12:46

Mubarak for ever?

Mubaraks Willkürherrschaft ist wieder da

"Das Land ist de facto eine Militärdiktatur – und die Demokratie in Weite Ferne gerückt

Armeechef Abdel Fattah al-Sissi sagte, es gelte nur für einen Monat. Es ist die Rhetorik, die schon der gestürzte Präsident Hosni Mubarak nach der Ermordung seines Vorgängers nutzte, als er ein vorübergehendes Notstandsgesetz einführte. Auch Mubarak war General. Das Notstandsgesetz blieb 30 Jahre in Kraft."

MopperKopp 17.08.2013 | 13:06

Nix bleibt aussen vor, immerhin handelt es sich hier um eine neutrale, objektive und ausgewogenen Berichterstattung. Aber nun mal im Ernst, das Handelsblatt ist, nach dem Ableben der FTD, das Blatt der "Leistungsträger", deren Wünsche immer ein offenes Ohr bei den Parteien finden. Nichts zu wissen ist keine gute Strategie, wie man an den Anhängern der sPD sehen konnte, denen die sich lange vorher abzeichnende Entwicklung bezüglich Hartz XY als plötzliche Überraschung ins Haus schneite. Also, immer schön die Kulleraugen aufhalten...

tlacuache 17.08.2013 | 13:27

..."Nichts zu wissen ist keine gute Strategie, wie man an den Anhängern der sPD sehen konnte, denen die sich lange vorher abzeichnende Entwicklung bezüglich Hartz XY als plötzliche Überraschung ins Haus schneite. Also, immer schön die Kulleraugen aufhalten"...

Dementsprechend wird die Wahl ausgehen, Kulleraugen werden sehr mit dem Ergebnis von Dortmund oder Bayern FC beschäftigt sein, "Huch, heute waren Wahlen, ich wollte doch germans next top - Model sehen", und nich' die olle Merkel oder wie heisst die andere Partei noch?"...

MopperKopp 17.08.2013 | 14:33

"Da können Sie gern an mich schreiben, das werden wir korrigieren."

Der Spruch ist gut, den kann man überall einsetzen, bei der Bahn, bei der Revolution usw. 

Die FTD entstand zu der Zeit, als es Medien noch gut ging, sie mit Werbegeld überhäuft wurden, der lesende Kunde eher ein störendes Anhängsel war und man das Produkt verschleuderte, beispielsweise massenhaft als kostenlose Dreingabe für Flieger.

Als diese Blase, auch eine Art Blase, platzte, wurde schnell klar, dass auch "Leistungsträger" nicht die gleichen Meldungen in zwei Verpackungen lesen wollen. Eigentlich schade, diese Lachsfarbe hatte was.

tlacuache 17.08.2013 | 14:48

Ich sehe gerade, den Mopperkopp kann man nicht so einfach ueber den Tisch ziehen, ich entsinne mich noch an Zeiten da wurde die FTD als Klopapier auf der Fressgass' in Frankfurt/M verteilt, keine 500 Meter von der deutschen Bank Zentrale, nur die Bundesbank war ca. 5 Km entfernt, aber die hatten Klopapier aus Kina, JR...

...Ich hab's auch schon an der Blase...

Wir gehen Pinkeln...

;-))))

MopperKopp 17.08.2013 | 17:25

Und weiter geht es mit der absehbaren Entwicklung.

Machtkampf gegen Islamisten: Ägypten plant neues Verbot der Muslimbruderschaft

"Ägyptens Regierung will nach den neuen Unruhen mit "eiserner Faust" durchgreifen. Die Muslimbruderschaft soll offenbar erneut verboten und aufgelöst werden. Tausend Islamisten wurden allein am Freitag festgenommen. Vor der umstellten Fatah-Moschee in Kairo eskaliert die Lage."

 

So also sieht Demokratisierung aus, die stärkste Gruppe der vorherigen demokratischen Wahl wird verboten. Anschließend folgen weitere. Das Militär sitzt fest im Sattel, Mubarak lebt. Die folgende "freie und demokratische Wahl" ist nur eine Farce. Auch hier haben die ägyptische Militärs gut auf ihre Lehrmeister, ausrangierte Nazis, gehört, alles verbieten, zerstören und vernichten, was einem im Wege steht und dann wählen lassen. 

MopperKopp 17.08.2013 | 17:28

Das Ergebnis einer unerwünschten friedlichen Demonstration:

"Derweil gab das Gesundheitsministerium die Zahl der beim "Freitag der Wut" getöteten Menschen mit 173 an. Auch der Sohn des Chefs der ägyptischen Muslimbrüder, Mohammed Badie, soll bei den jüngsten Zusammenstößen in Kairo getötet worden. Ammar Badie sei am Freitag auf dem Ramses-Platz erschossen worden, erklärte die Partei der Freiheit und der Gerechtigkeit, der politische Arm der Muslimbrüder. Nach Angaben der Behörden wurden mehr als 1000 Anhänger der Muslimbruderschaft festgenommen."

MopperKopp 17.08.2013 | 17:35

Schwere Vorwürfe von Amnesty

"Ägyptens Armee hat laut Amnesty International bei der Räumung der Protestlager wahllos getötet. Die Sicherheitskräfte hätten offensichtlich keinen Unterschied gemacht zwischen gewalttätigen und gewaltlosen Demonstranten.

Die Sicherheitskräfte seien mit «völlig unangemessener Gewalt» vorgegangen, hielt die Menschenrechtsorganisation in einem am Samstag veröffentlichten Bericht fest. «Ohne zwingende Notwendigkeit» sei scharfe Munition zum Einsatz gekommen. Entgegen früheren Versprechen hätten die Sicherheitskräfte auch die Verwundeten nicht gehen oder abtransportieren lassen.

Es bestehe kaum ein Zweifel daran, dass die Sicherheitskräfte «keinerlei Rücksicht auf menschliches Leben genommen haben», wurde der Leiter des Amnesty-Nordafrika-Programms, Philip Luther, zitiert. Es seien auch einige der Demonstranten gewalttätig gewesen. Die «brutale Reaktion» der Sicherheitskräfte darauf sei aber «völlig unangemessen» gewesen, hiess es weiter.

Spital in Brand gesteckt

Die Gewalt habe selbst unbeteiligte Zuschauer getroffen. Zu diesem Schluss kamen die Amnesty-Expertinnen und -Experten aufgrund von Untersuchungen in Ägypten, wie die Organisation weiter mitteilte. Die Behörden hätten versprochen, bei der Räumung auf dem Rabaa-al-Adawija-Platz in Kairo «nur graduell Gewalt einzusetzen», die Demonstrierenden rechtzeitig zu warnen und ihnen das Verlassen des Platzes zu ermöglichen. All diese Versprechen seien nicht eingehalten worden.

Zahlreiche Augenzeugen und ärztliches Personal hätten zudem berichtet, dass etliche Menschen mit gezielten Schüssen auf Kopf und Brust getötet worden seien. Ferner wurden auch Spitäler angegriffen. So musste das Rabaa-al-Adawiya-Spital evakuiert werden, nachdem Sicherheitskräfte mit Tränengas angegriffen und den ersten Stock in Brand gesteckt hätten.

Ägypten solle die Vorgänge vom 14. und 15. August von Uno-Experten untersuchen lassen, forderte Amnesty International. Namentlich Christof Heyns, Uno-Sonderberichterstatter für aussergerichtliche, summarische und willkürliche Hinrichtungen, solle ins Land gelassen werden. Die Uno-Leute sollten «das Muster exzessiver und unrechtmässiger tödlicher Waffeneinsätze durch die ägyptischen Behörden» seit Januar untersuchen."

MopperKopp 17.08.2013 | 17:42

Es ist zu eindeutig und in westlichen Medien wird es in allen Beiträgen als Begründung angeführt:

Nach Gefecht, nach Schusswechsel usw.

Das Schema ist altbekannt und würde in dem oben schon erwähnten anderen Kontext, Erdogan ließe eine KIrche räumen, seine Militärs befinden sich seit Stunden innerhalb der KIrche, nun würde plötzlich von der KIrche aus auf die gepanzerten Fahrzeuge geschossen, darauf hin stürmen Militärs die Kirche und räumen sie gewaltsam, als völlig unglaubwürdig kommentiert werden.

MopperKopp 17.08.2013 | 17:49

Man kombiniere zwei Meldungen:

 

"Alle anderen ägyptischen Sender - sowohl die staatlichen als auch die privaten - waren nach der Entmachtung der Brüder zugleichgeschalteten Sprachrohren des herrschenden Militärs geworden.""

 

und

 

"Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena meldete, die in der Moschee verschanzte Mursi-Anhänger hätten das Feuer auf gepanzerte Armeefahrzeuge eröffnet."

MopperKopp 17.08.2013 | 18:01

Ein Kommentar bringt es auf den Punkt:

"Selbst Journalisten haben die Moschee nicht freiwillig verlassen: Al Jazeera English – Live News Streaming (http://www.aljazeera.com/watch_now/) Die sind da jounalistisch einfach näher dran. Die Ursachen der Tötungen ist völlig ungeklärt. Und da empfiehlt sich eine neutrale Berichterstattung. Das ist sicher nicht gegeben, wenn da nur von Islamisten, die sich in einer Moschee verschanzen, die Rede ist - das ist eine glatte Falschmeldung."

MopperKopp 17.08.2013 | 18:38

Der Grund für Mohamed ElBaradeis Rücktritt kristalisiert sich heraus, es ist die geplante und gewollte Gewalt gegen die Demonstranten seitens des Militärs:

Militärchef soll Friedensabkommen verhindert haben

"Ägyptens Militärchef ließ Friedensabkommen angeblich scheitern: Wenige Tage vor der jüngsten Gewalteskalation standen die verfeindeten Lager einem Medienbericht zufolge offenbar kurz vor einem Friedensabkommen. Die von den USA und ihren Partnern aus Europa und den Golfstaaten vermittelte Lösung hätte das neuerliche Blutvergießen mit Hunderten Toten möglicherweise vermeiden können, berichtete die US-Zeitung Washington Post. Der inzwischen zurückgetretene ägyptische Vize-Präsident Mohamed ElBaradei habe Militärchef Abel Fattah al-Sisi aber offenbar nicht dazu bewegen können, dem Friedensabkommen zuzustimmen. Dem Bericht zufolge war unter anderem eine Untersuchung zu den Vorwürfen zwischen beiden Lagern geplant. Der Abkommensentwurf sah ferner Gespräche zwischen der Übergangsregierung und den islamistischen Muslimbrüdern vor, berichtet die Washington Post unter Berufung auf den EU-Sonderbeauftragten für Ägypten, Bernardino León."

Dreizehn 17.08.2013 | 21:23

Ja, ich hab mich jetzt bis hier durchgearbeitet, und die Beiträge sind sehr von der Hektik des Tages geprägt. Es spielen andere Dinge mit hinein und soll doch niemand erzählen, die Amerikaner wollten Demokratie etablieren oder gar Menschenrechte.

De facto haben sie, wo immer sie sich eingemischt haben,  funktionierende Infrastruktur zerstört und staatliche Zusammenhänge aufgelöst. Kannstu anfangen wo du willst: Afghanistan, Pakistan, Irak, arabischer "Frühling" und längst nicht zu Ende. Der Westen ist komplett unglaubwürdig.

Außerdem hängt Ägypten eng mit Israel zusammen, und nun schwimmen  der westlichen Nahostpolitik die Felle davon. Normal kauft sich "der" Westen seine Bündnispartner, aber die Zeiten sind wohl vorbei, auch die Saudis können kaufen.

MopperKopp 18.08.2013 | 09:15

Ägypten ist ein Lehrstück bezüglich militärischer Aneignung von Herrschaft und den damit einhergehenden Erscheinungen.

Ermächtigung, Militärputsch, Machtergreifung, Stigmatisierung, Wegsperren der mit XYZ benannten Gruppe, Töten der XYZ benannten Gruppe, Stillhalten und zusehen weiter Teile der Bevölkerung, da die Gruppe der Opfer vorher erfolgreich stigmatisiert wurde, Lynchmob, der sich im Umfeld militärischer Gewaltaktionen gegen Bevölkerungsteile bildet, genau das hat es auch in vielen Ländern gegeben, in denen die Wehrmacht auftauchte, dort bildete sich ein "hilfreicher" Lynchmob, Berichterstattung, Verkehrung von Ursache und Wirkung, von Opfer und Täter, Mitglieder der mit XYZ benannten Gruppe "sterben" oder es "gab Tote", Polizisten und Militärs werden abgeschlachtet, gelyncht und verstümmelt, usw., Pakistan, Chile, Nazideutschland usw.

MopperKopp 18.08.2013 | 09:24

Ein Beispiel entsprechender Berichterstattung, Hervorhebungen von mir:

Kairo erwägt Verbot der Muslimbrüder

"Die Fronten im Machtkampf zwischen Islamisten und dem Staat in Ägypten verhärten sich weiter. Die Islamisten wollen auch nach den blutigen Konfrontationen der vergangenen Tage ihre Proteste gegen die Übergangsregierung und das Militär fortsetzen.

Die Islamisten wollen ihre Proteste gegen die Übergangsregierung in Kairo fortsetzen, die will mit harter Hand gegen gewalttätige Islamisten vorgehen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die wachsende Gewalt in Ägypten. In einer am Samstag in New York veröffentlichten Erklärung nannte Ban Angriffe auf Kirchen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen inakzeptabel. ---selektiv, Auslassung---

Bei den gewaltsamen Zusammenstößen vom Freitag waren nach Angaben der Regierung 173 Zivilisten getötet und weitere 1330 Menschen verletzt worden.

Mustafa Hegasi, ein Berater von Übergangspräsident Adli Mansur, warf internationalen Medien vor, sie berichteten nicht über die Gräueltaten militanter Islamisten, beispielsweise über die Erstürmung der Polizeistation im Kairoer Bezirk Kerdasa, wo Offiziere getötet und ihre Leichen geschändet worden waren.

Reporter ägyptischer Fernsehsender sagten, die Sicherheitskräfte seien von Bewaffneten vom Minarett der Moschee aus beschossen worden. (--- "Alle anderen ägyptischen Sender - sowohl die staatlichen als auch die privaten - waren nach der Entmachtung der Brüder zugleichgeschalteten Sprachrohren des herrschenden Militärs geworden." ---)

Laut Umfragen hat sie seither einen großen Teil ihrer Popularität eingebüßt. Mursi war 2012 als Kandidat der Muslimbrüder zum Präsidenten gewählt worden. Am 3. Juli 2013 setzte ihn das Militär nach Massenprotesten ab.

MopperKopp 18.08.2013 | 09:30

Der Spiegel mit einer kritischen Hintergrundberichterstattung:

Kairos neue Außenpolitik: Ägyptens Militär wendet sich vom Westen ab

Die Organisatoren der Tamarud-Bewegung, die Ende Juni Millionen Ägypter zu Massendemonstrationen gegen den islamistischen Präsidenten mobilisierten, haben sich ein neues Ziel gesetzt. Seit Samstagmittag sammelt die Bewegung auf ihrer Internetseite Unterschriften für ein Ende der Partnerschaft mit den USA.

Ihre Forderungen: "Erstens: Die Ablehnung von Hilfe von den Vereinigten Staaten an Ägypten in all ihren Formen. Zweitens: Die Aufkündigung des Friedensvertrags zwischen Ägypten und dem israelischen Gebilde." Die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten Ägyptens und Washingtons Unterstützung für "Terrorgruppen in Ägypten" - gemeint sind die Muslimbrüder - müssten aufhören.

Die Tamarud-Bewegung hat sich inzwischen zur Jugendorganisation der in Entstehung befindlichen Militärdiktatur entwickelt. Ihr Sprecher Mahmud Badr, durfte am 3. Juli im Staatsfernsehen reden, direkt nachdem Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi die Absetzung von Präsident Mursi verkündete. Seither tritt der 28-Jährige im Polo-Shirt regelmäßig im Fernsehen auf, um dem Volk die Politik der neuen Führung zu verkaufen. Am Donnerstag lobte er die Sicherheitskräfte für die Auflösung der Islamisten-Zeltlager in Kairo, zugleich rief er die Ägypter auf, in ihren Stadtteilen Bürgerwehren zu bilden, um sich den "Terroristen" entgegenzustellen.

...

Übergangsregierung und die gleichgeschalteten Medien stellen Mursi und die Muslimbrüder als Marionetten des Westens dar, die im Auftrag des Auslands den Charakter des Landes verändern wollten.

...

Die Golfstaaten haben Kairo nach dem Putsch bereits Zahlungen in Höhe von zwölf Milliarden US-Dollar versprochen.

MopperKopp 18.08.2013 | 09:49

Interactive timeline: Egypt in turmoil

Follow the ongoing political and social upheaval in the Arab world's most populous country.

 

Von der professionellen medialen Inszenierung der Anti-Musi-Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz, finanziert aus den Schatullen entsprechend interessierter Nachbarstaaten, bis hin zu den blutigen Gemetzen unter Beihilfe eines sich bildenen Lynchmobs. Letztendlich werden die militanten Extremisten beider Seiten das Bild bestimmen, friedliche Demonstranten bleiben aus und die "Übergangsregierung" kann sich mit sauberen militärische Aktionen als Retter der Nation ins rechte Bild rücken.

MopperKopp 18.08.2013 | 10:53

Eine ganz neue Idee:

"Die ägyptische Armee soll nach Informationen eines anerkannten israelischen Politikers aus Furcht vor Unruhen den Ausgang der Präsidentenwahl in dem Land gefälscht haben. Demnach habe der Vertreter des alten Systems, Ahmed Schafik, die Stichwahl im Juni 2012 knapp gegen den Islamisten Mohammed Mursi gewonnen, schrieb Jossi Beilin am Sonntag in der Zeitung „Israel Hajom“. Das Militär habe aber gefährliche Unruhen befürchtet, falls Mursi nicht gewinnen würde. Schafik gehörte zum System des im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. "

MopperKopp 18.08.2013 | 11:55

Und so mutiert der Militärputsch medial fröhlich vor sich hin und aus der Übergangsregierung wird nun schon die Regierung...

Regierung beklagt bewaffneten Terror gegen Bevölkerung

"Die ägyptische Regierung teilte in der Nacht zum Sonntag mit, Außenminister Nabil Fahmi habe am Samstag mit dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle, sowie mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und den Außenministern von Bahrain und Großbritannien telefoniert. In seinen Gesprächen habe er beklagt, in Ägypten hätten bewaffnete Gruppen damit begonnen, die Bevölkerung zu terrorisieren."

 

Die bewaffneten Gruppen waren bisher hauptsächlich Anhänger der Regierung und sie haben Demonstranten terrorisiert. Auch hier mutiert die Darstellung nun Richtung Demonstranten=Terroristen und diese Terroristen terrorisieren (was sonst machen Terroristen auch schon) die friedliebenden Anhänger der Regierung=Bevölkerung.

MopperKopp 18.08.2013 | 12:58

Ein Beitrag auf Telepolis zum Thema:

Anti-Coup statt Pro-Morsi

"Der "Fetisch des Staates", das Prinzip des übergeordneten Staatsprestiges, das in allen die Armee und den Sicherheitsapparat gegen terroristische und ausländische Interessen unterstützenden Erklärungen anklingt, wurde seit Monaten in der ägyptischen Öffentlichkeit propagiert.

Damit wurde ein Framing angelegt, das auf Tradition und Stabilität zählt, und die Muslimbrüder täglich deutlicher als Staatsfeinde herausstellt. Und als Retter: die Armee

Dazu kam die Gleichsetzung von Muslimbrüdern mit Terroristen."

Tad Baste 18.08.2013 | 13:41

@ Mopperkopp MopperKopp 18.08.2013 | 11:55

 

Unöggonomisch, das von Hand Verlinken. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, z.B. die aktuellen Ergebnisse vom 4.Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga, gibt es im Live-Ticker

 

Aber jetzt war schon Anstoß, und ich muss mich sputen. Daher nur ein kleiner themenbezogener Exkurs:

Die stickstoffgeschäumte Zuckermasse mit kakaohaltigem Fettüberzug heißt Schokokuss, nicht mehr Mohrenkopf oder gar, igitt, Negerkuss.

Ist zwar die identische Pampe, aber klingt einfach korrekter. Hier hat das Finden einer korrekten Benennung viele Jahre gedauert.

 

Jetzt haben wir  in Ägypten eine Regierung, und es ist zu hoffen, dass sie dann in einer Woche auch schon „demokratisch“ heißt (weil das „Volk“, außer der paar noch lebendigen Terroristen, will sie ja - zumindest hört man nichts mehr Gegenteiliges).

Klingt doch gut, ehrlich und stabilisierend-zukunftsweisend. Zumindest besser als Übergangsregierung (wie gestern noch) oder Militärputsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mursi.

Das neue Wording hat auch nur knapp mehr als einen Monat gebraucht. Wie beim Negerkuss ist die Zusammensetzung, sieht man mal vom Feigenblatt Friedensnobelpreisträger ab, auch noch identisch. Ich finde es gut, dass die sprachzivilisatorische Geradebiegung - der Mensch ist doch lernfähig - nun deutlich dynamisiert hat. Man erinnere sich nur daran, wie unnötig quälend lang dieser Prozess noch bei der Entwicklung von Muslim über Islamist zu Terrorist andauerte…

 

Weil´s mir gerade einfällt, und Sie ja viel lesen, hätte ich noch eine Frage: Von Herrn Putin habe ich bisher zu Ägypten nix gelesen, und zu Syrien auch schon einige Zeit nichts mehr gehört. Dann gehe ich doch davon aus, dass es der dortigen demokratischen Regierung in Syrien gut geht und die ihre Terroristen langsam im Griff haben, oder wissen Sie da mehr?

MopperKopp 18.08.2013 | 14:11

Eine aufschlussreiche Sicht auf die Geschehnisse in Ägypten in Verbindeung mit denen in der Türkei, das Iterview mit dem Ägypter Ephraim Gergis, der das Militär in Schutz nimmt, im Deutsch Türkischen Journal:

"Diese Ereignisse werden das Land in einen Bürgerkrieg stürzen. Aber nicht, weil das Militär gewalttätig ist, sondern weil beide Seiten nicht fähig sind, sich einander anzunähern oder zu verstehen.

...

Die ägyptische Armee hat interveniert, weil die Armee die einzige Macht in Ägypten ist, die es mit der Muslimbruderschaft aufnehmen kann.

Außerdem hat die Armee den Willen des Volkes, der echten Ägypter, durchgeführt und nicht die nicht vorhandene Legitimität Mursis und seiner Anhänger verteidigt.

...

Ich selbst war damals dafür, dass Mubarak seine restliche Präsidentschaft, die bei Ausbruch der Revolution im Jahre 2011 nur noch sechs Monate dauern sollte, hätte beenden sollen. Das wäre damals weiser gewesen, hätte man sich an diese „demokratische“ Frist gehalten.

...

Ja, Mursi war eine große Gefahr für die christliche Gemeinschaft in Ägypten. Und seine Anhänger sind nun sogar eine noch größere Bedrohung. Die ägyptischen Christen befürchten eine religiöse Säuberungsaktion. Seit dem 30. Juni sind über 100 christliche Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Büchereien, Bibelgesellschaften und Wohlfahrtsorganisationen angegriffen worden, hunderte Häuser von Christen wurden verbrannt.

...

Einer der berühmtesten Slogans der Revolution war beispielsweise: Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde. Weil bei all diesen Dingen ein Mangel herrschte.

Heute gibt es ebenfalls kaum mehr Brot zu kaufen und die gesamte Grundversorgung ist gefährdet. Die Freiheit, soziale Gerechtigkeit und unsere Menschenwürde wurden schwer beschädigt. Heute wünschen sich viele Ägypter, sie hätten keine Revolution gegen Mubarak gestartet."

MopperKopp 18.08.2013 | 14:18

Statement by the State Information Service (SIS) on currentevents in Egypt (August 17, 2013)

The State Information Service (SIS), as an Egyptian nationalinstitution, welcomes and appreciates contacting all media outletsand extending all assistance for facilitating the great job of foreigncorrespondents through supplying them with all facts about thecurrent situation in Egypt. The SIS while underlining thesevocational principles, expresses all appreciation for the sinceremedia outlets which are keen on conveying events in Egypthonestly and precisely in line with the common vocational andethical criteria without any distortion.

At a time when the SIS expresses its respect for the freedom of opinion and expression, it noticed that some media coverage hassteered away from objectivity and neutrality that areinternationally common, according to a certain political agenda; astate of affairs that led to conveying a distorted image that is verymuch far from the facts and media coverage. This raises manyquestions about the neutrality of this media coverage and its goalsout of the following considerations:

First: Egypt is feeling severe bitterness towards some Westernmedia coverage that is biased to the Muslim Brotherhood andignores shedding light on violent and terror acts that areperpetrated by this group in the form of intimidation operationsand terrorizing citizens let alone killing of innocent people andsetting churches and public and private property on fire alongwith storming police stations and blocking roads and all other

forms of thuggery and sabotage.Second: Some media sources are still falling short of describing theevents of June 30 as an expression of a popular will where millionsof people took to the street to express themselves.

Third: Despite the danger of "Al-Qaeda" organization at theinternational level, the fact that the Muslim Brotherhood hassought the support of some of its elements is completely ignored.Some Egyptian media organs have noticed on Friday that morethan five vehicles have entered Ramsis square, in Cairo downtown,carrying masked elements carrying the black flag of al-Qaedaalong with automatic weapons amid celebrations by the MuslimBrotherhood elements who were present in the square.

Fourth: Despite an escalation by the Muslim Brotherhood andsupporters of the ousted president, police men, in cooperation withthe Armed Forces men and through popular assistance, managedto carry out all missions assigned to them and were able to controlthe security situation in face of the terrorist attempts by theMuslim Brotherhood to fling the country into violence. Thissituation refutes allegations about a civil war in Egypt inaccordance with comments by experts and analysts withinternational research centers (such as the Middle East StudiesInstitute and the US Foreign Relations Council along withBrookings Institute).

Fifth: Several media sources are seeking to focus on Westernpolitical stances that are adopting an approach different from theEgyptian one while making inaccurate remarks about the situationin Egypt ignoring this way several Arab and regional stancessupporting Egypt in its war against terrorism such as the stancesof Saudi Arabia, Kuwait, Jordan, Bahrain and the UAE. The

importance of these stances lies in the fact that they came fromcapitals that have a regional influence and are associated withstrong political and strategic relations with Western quarters; anindication to the possibility for backing the Egyptian State's stancein the face of terrorism and Western political and media doubtingcampaigns.

Sixth: Several international media sources have ignored makingreference to the huge numbers of victims from the Armed Forcesand the police in face of the Muslim Brotherhood's violence. Theyalso ignored making reference to the participation of non-Egyptianelements from Pakistan, Syria and Palestine in violent actscommitted by the Brotherhood group.

Seventh: These acts of violence by the Muslim Brotherhood groupattest to the fact that they have exceeded all red lines regardingcommon humanitarian rules where a building owned by the ArabContracts Company in Ramsis square was set on fire due tohurling Molotov Cocktails against it by Brotherhood elements.Fire columns extended to nearby Blood Bank building. TheBrotherhood group is seeking shelter inside mosques that are usedby them in their confrontations with the police forces as wasmanifested in the events of Al-Iman Mosque in Nasr City and Al-Fatah Mosque in Ramsis.

While the SIS reiterates its keenness on maintaining all channels of contact open with all foreign correspondents and media peopleand its respect for the freedom of opinion and the other opinion, iturges all media outlets to be accurate in their coverage and not torely on false information and use only verified reports in a bid toconvey an honest image without any distortion. It also urges themto be neutral so that they would convey a true picture to the local  and world public opinion.

MopperKopp 18.08.2013 | 17:51

Die FAZ nennt Anti-coup protester:

"Die sogenannte Allianz gegen den Putsch, die von den Muslimbrüdern dominiert wird, sagte für den Nachmittag geplante Protestmärsche in der Hauptstadt Kairo „aus Sicherheitsgründen“ kurzfristig ab. Trotzdem sollte es Gerüchten zufolge in einigen Stadtteilen Kairos Proteste geben."

Aber immerhin habe

"Westerwelle (habe) ein ernstes Gespräch mit Fahmi geführt und an die Regierung appelliert, den Weg zu einer politischen Lösung nicht zu verbauen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes."

 

Dann wird alles gut...

MopperKopp 18.08.2013 | 19:38

Eine gute Frage. Es ist bestimmt alles genau geplant, die mediale Vorarbeit läuft schon lange (Islamist=Terrorist), in der kurzen Mursi-Zeit kamen einflussreiche Muslimbrüder aus ihren Verstecken, die geheimen Verflechtungen wurden aufgedeckt, ein paar Enthauptungsschläge, gegen Mursi selber, dessen Freilassung keiner wirklich vorantreibt (Westerwelle, EU, USA), zusätzlich weitere führende Köpfe und tausende sonstige Verhaftungen, Schlägertrupps wurden aufgeboten, Medien sind gleichgeschaltet, Fernsehen, Radio, Internet?, Forentrolle arbeiten auf Hochtouren - auch in Deutschland (Spiegel, FAZ, Welt, Tagesschau ...), die Putschisten sprechen als "Regierung", Geld aus den Nachbarländern fließt, notfalls werden auch noch ein paar erprobte Libyen/Syrien-Kämpfer geschickt, die Sondereinheiten sind reaktiviert und im Einsatz, Sondergefängnisse wieder in Hochbetrieb, Also, nur etwas Geduld, dann ebben die Demos ab, EU und USA sagen noch ein paar böse Worte, das Tagegeschäft kann wieder beginnen, das Eigentum ist gesichert und die Armen schauen dumm aus der Wäsche, reiben sich verwundert die Augen und stehen da, wie vor der "Revolution". So ist es angedacht. Schau'n mer mal.

MopperKopp 18.08.2013 | 20:21

Extracts from Egyptian army chief General Abdel Fattah el-Sisi's televised speech earlier in the day:

"We honest men, we are not supporting any malice, treachery, intrigue, or schemes. I remind you all, we do not betray or conspire. We are an honest patriotic intuition that dealt with absolute respect and honour for more than a year. The Egyptian people have their own free will, they choose whomsoever they will to rule them. Now, the army and police are the honest guardian to this will. The honour of safeguarding people will and freedom is much greater than the honour of ruling Egypt. I once said that the Egyptians are capable of making a difference in the world. Now, if the Egyptian are willing to make a difference in Egypt, they are capable; and they will."

MopperKopp 18.08.2013 | 20:23

Al Jazeera's Bernard Smith, reporting from Al Jazeera, quoted a source saying that the men had been arrested following the clearout of Cairo's Fateh mosque on Saturday.

He said the men had taken a police officer hostage as they were being transported to a prison in Cairo, but other police had put guns through the van's windows and killed all those inside.

MopperKopp 18.08.2013 | 23:10

Ja, das ist er, von Robert Fisk immer, besten Dank.

Ausnahmezustand...

"I was crossing the 6 October bridge over the Nile after curfew on Friday when I found more than 30 young men in galabia gowns sitting on the pavement with their hands over their heads. Striding among them were black-uniformed cops with shotguns, and gangs of “beltagi” – the bully-boys employed by state security (I suppose we might call them the “good’ terrorists”) – and I suddenly saw what “state of emergency” means. Fear. No rights. No arrest warrants. No law."

Ein Interview zur Lage von Robert Fisk

MopperKopp 18.08.2013 | 23:27

Den weiter oben schon aufgefürten Vorfall

"He said the men had taken a police officer hostage as they were being transported to a prison in Cairo, but other police had put guns through the van's windows and killed all those inside."

bezüglich der Gefangenenbefreiung gibt es, natürlich möchte man sagen, in mehreren Varianten:

 

"Al Jazeera's Bernard Smith, reporting from Cairo, said that there were several conflicting reports of what had happened.

He said one version of events, given by the Egyptian MENA news agency, stated that the van transporting the men pulled over and was attacked by armed gunmen. The prisoners took a police officer hostage in an attempt to escape but were killed in a shootout.

However, Al Jazeera was told by a source that the prisoners staged a fight and then took a police officer hostage when the van pulled over. Other police then fired into the van, killing those inside."

 

Wie beschreibt Zeit-Online den Vorfall?

 

Sicherheitskräfte töten viele Islamisten bei Fluchtversuch

"In Kairo versuchten Bewaffnete, festgenommene Muslimbrüder zu befreien. Dabei kamen offenbar zahlreiche Islamisten ums Leben.

Bei dem Versuch, festgenommene Mitglieder der Muslimbruderschaft zu befreien, sind mindestens 36 Menschen getötet worden. "Unbekannte Bewaffnete" hätten am Sonntagabend im Norden von Kairo eine Wagenkolonne mit festgenommenen Muslim-Brüdern angegriffen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

Unter den Angreifern sollen demnach Mitglieder der Muslimbruderschaft gewesen sein. Sie wollten mehr als 600 Kameraden befreien, die in das Gefängnis Abu Saabal transportiert werden sollten.

Das Innenministerium bestätigte die Totenzahl zunächst nicht. Ein Sprecher sagte, dass mehrere Insassen einen Polizisten als Geisel genommen hätten. Sie seien anschließend auf dem Weg zum Gefängnis an Tränengas erstickt."

 

Kein Hinweis auf gleichgeschaltete Medien, auf verschiedene Variationen des Vorfalls. Wenn die Verlautbarungen der dortigen Putsch-Medien auch zukünftig derart unreflektiert übernommen werden, wenn ausschließlich nur "Regierungsmitglieder" zu Wort kommen, dann stellt sich schon die Frage, wie eigentlich Qualitätsjournalismus definiert wird.

MopperKopp 18.08.2013 | 23:33

Wie beschreiben die Öffentlich-Rechtlichen den Vorfall?

Viele Tote bei Gefangenenausbruch in Kairo

"In Ägypten sind bei einem Fluchtversuch offenbar mindestens 36 inhaftierte Islamisten getötet worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf Sicherheitskräfte berichtet, wurden die Männer getötet, als sie während des Transports in ein Gefängnis am Rande von Kairo zu fliehen versuchten. Der Transport sei von Helfern der Häftlinge angegriffen worden.

Das ägyptische Innenministerium bestätigte den Vorfall, machte aber zunächst keine Angaben über die Zahl der Todesopfer. Laut dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira nahmen die festgenommenen Männer bei dem Fluchtversuch einen Polizeioffizier als Geisel. Auch Al Dschasira berichtete von Dutzenden Toten."

MopperKopp 18.08.2013 | 23:37

Der Spiegel bringt verschiedene Varianten ins Spiel:

Dutzende Islamisten bei Fluchtversuch getötet

"Beim Fluchtversuch während eines Gefangenentransports sind am Sonntag mehrere Anhänger der Muslimbruderschaft in Ägypten getötet worden. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht unter Berufung auf Sicherheitskreise von mindestens 38 Opfern, AP meldet 36 Tote. Das ägyptische Innenministerium bestätigt, dass eine Gruppe von Häftlingen ums Leben gekommen sei. Eine genaue Opferzahl nannte das Ministerium nicht.

Die Polizei sei gegen Muslimbrüder vorgegangen, die fliehen wollten, als sie in das Gefängnis Abu Saabal am Rande Kairos transportiert werden sollten, teilte das Innenministerium am Abend mit. Einem Vertreter der Polizei zufolge wurde Tränengas eingesetzt.

Über den genauen Verlauf der gewaltsamen Konfrontationen bei dem Fluchtversuch der Häftlinge gibt es unterschiedliche Berichte.

Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira meldete, die bereits am Samstag festgenommenen Männer hätten bei ihrem Fluchtversuch einen Polizeioffizier als Geisel genommen. Andere Polizisten hätten von außen durch die Fenster eines Gefangenentransporters das Feuer eröffnet und alle Insassen des Fahrzeugs erschossen. Eine offizielle Stellungnahme der Behörden zu dieser Darstellung gibt es bislang nicht.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete am Sonntagabend, eine Gruppe von Bewaffneten habe versucht, den Transport zu stoppen, mit dem 612 Gefangene in die Haftanstalt gebracht werden sollten. Es entbrannte den Angaben zufolge ein Gefecht zwischen der Polizei und den Angreifern. Dabei seien 36 der Angreifer getötet worden. Einige Gefangene hätten Erstickungsanfälle durch das Tränengas erlitten."

MopperKopp 19.08.2013 | 00:01

Anderer Meinung sein, das kann die Karriere knicken, insbesondere, wenn man für einen Top-Unterstützer des Putsches arbeitet:

 

TV preacher fired for Brotherhood links

"Saudi Prince Alwaleed bin Talal has fired a renowned Kuwaiti preacher and motivational speaker from the top job at the religious television channel he owns for what he described as "extremist inclinations" and links to the Muslim Brotherhood.

There is no place for those who carry any deviant thoughts at Al Resalah Channel, Alwaleed wrote in a letter to Tareq al-Suwaidan, according to a news release from the prince's office.

Prince Alwaleed said in the letter that he had repeatedly warned Suwaidan against political affiliation.

Suwaidan who has more than 1.9 million Twitter followers and is known across the Arab world for his lectures on self-improvement from an Islamic perspective, had identified himself as "one of the leaders of the Muslim Brotherhood" during a lecture in Yemen, Prince Alwaleed said. 

Only the weak worry about earning a living, and no one abandons his principles but he who cares about earthly matters, Suwaidan responded on Twitter."

 

There is no place for those who carry any deviant thoughts...

 

Genau das ist die Basis der Demokratisierung, wie sie von Kerry gelobt und denen unterstützt wird, die Geschäfte mit Saudi Arabien machen. Kleinere Probleme bei der Durchsetzung solcher Geschäftsprinzipien lassen sich leicht mit ein paar europäischen Panzern aus den Gedanken möglicher Kritiker entfernen.

MopperKopp 19.08.2013 | 10:01

Die Unterstützer der weggeputschten Regierungspartei kommen hauptsächlich vom Lande, hauptsächlich aus den ärmeren Schichten. In den Großstädten, säkularer wie fast alle Großstädte, ballen sich die Nutznießer des jeweils herrschenden Wirtschaftssytems, wie in fast allen Großstädten weltweit, in diesem Fall handelt es sich um einen seit Jahrzehnten etablierten militärisch-wirtschaftlichen Komplex.

Kurz gesagt: die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf Kairo, dort gibt es symbolträchtige Plätze, die Stadt ist kontrollierbar und auch medial fest in den Händen des Militärs. Hier hat die Militärdiktatur Heimvorteil, ein Pro-Militär-Mob ist schnell organisiert, etwaige Gegner müssen sich aus dem Umfeld auf den Weg machen.

Die "Revolution" der Vergangenheit führte zu einem seltenen Zusammenschluss der Stadt- und der bitterarmen Landbevölkerung. Das war die Quelle ihrer die Kraft - und genau das haben die Muslimbrüder verkannt. Sie zerstörten diese "Einheit" im Zuge ihrer Regierungszeit und sind wieder auf die hauptsächliche Unerstützung durch Anhänger vom Land zurückgeworfen. Demonstrationen auf dem Lande oder in kleineren Städten lassen sich medial ausblenden, sie fallen unter den Tisch.

Also:

Sind die Muslimbrüder nicht kompromissbereit, werden sie (wieder) auf dem Land isoliert, rücken aus dem medialen Brennpunkt oder werden verboten. Die Variante spaltet die Gesellschaft und wird kurz- oder langfristig wieder zu Unruhen führen. Sind die Muslimbrüder kompromissbereit, weichen von Extrempositionen ab, öffnen sich einem liberalen und demokratischen Prozess, wird sich ein Machtkampf innerhalb entwickeln, zwischen jüngeren Reformern einerseits und Beharrern, die jegliche Modifikation als Existenzbedrohung ansehen andererseits. Der Machtkampf der verschiedenen religiösen Fraktion bildet ein weiteres Korsett.

Auf alle Fälle wird mit aller Gewalt verhindert, dass die Mulimbrüder in ihrer jetzigen Form Erfolg haben, die Gefahr eines befürchteten Ansteckungsprozesses ist zu groß. Notfalls lässt man (weiterhin) die gesamte Wirtschaft darben und untergräbt somit die Basis, den starken Einfluss auf ärmere Schichten, denen es dann noch schlechter geht.

Es gab mehrere Varianten, den Konflikt konstruktiver zu lösen, jungen Leute einen freiheitlichen und demokratischen Weg zu eröffnen. Die unverhältnismäßige Gewalt hat aber genau diesen Leuten den Weg hin zu einem demokratischen Prozess massiv verbaut. Die Gewalt der letzten Tage fordert viele Opfer, auf verschiedenen Ebenen.

MopperKopp 19.08.2013 | 13:42

Na also, seine Wiederkehr wird bestimmt ausgiebig gefeiert:

 

Mubarak kurz vor der Freilassung?

Der inhaftierte frühere ägyptische Präsident Hosni Mubarak könnte noch diese Woche freigelassen werden. Für eine weitere Inhaftierung gebe es keine Gründe mehr, erklärten ägyptische Justizvertreter.

 "Alles, was noch bleibt, ist ein einfaches Verwaltungsverfahren, das nicht mehr als 48 Stunden in Anspruch nehmen sollte. Er sollte bis Ende der Woche freigelassen werden."

Lethe 19.08.2013 | 14:26

der größte Teil der Berichterstattung über die Situation in Ägypten ist eine einzige Schweinerei. Da wird der erste seit Jahrzehnten frei gewählte Präsident abgesetzt, weil seine Politik denen nicht nicht passt, die ihn nicht gewählt haben, und unsere Presse ergeht sich darin, mit der "Islamismus"-Diffamierung diesen Putsch meht oder weniger zu rechtfertigen - ich könnte jedesmal schreien, wenn ich dieses Wort im Deutschlandfunk höre oder sonstwo lese. "Du bist Islamist, du hast es irgenwie verdient und dir selbst zuzuschreiben, niedergeknüppelt oder erschossen zu werden, und wir können verstehen und billigen es, dass dir solches angetan wird" - das und nichts anderes besagt die Verwendung dieses Begriffes. Wir kloppen  uns die extrem komplexe Struktur und Situation einer uralten Kulturnation auf die Bedüfnisse unserer Stammtischreden und politischen Absichten hin zurecht, wobei noch die Frage zu klären wäre, ob die Stammtischreden oder die politischen Absichten auf dem höherem Niveau angesiedelt sind - ein abgrundtief von Gemeinheit geprägtes Nieveau ist es in beiden Fällen.

Lethe 19.08.2013 | 14:38

ps bzgl. "Grabmal der Menschenrechte": Selbstverständlich sind 1000 Tote 1000 Tote zu viel, gleichgültig auf welcher Seite. 

Aber nur zur Vergegenwärtigung der Relationen: zwischen dem 6. April 1994 bis Mitte Juli 1994 starben in Ruanda etwa 800 Tausend bis 1 Million Menschen. Die Roten Khmer töteten in knapp vier Jahren etwa 2,2 Millionen Menschen.

Das Blutvergießen in Ägypten ist nachgerade als milde aufzufassen.

MopperKopp 19.08.2013 | 17:22

Ägypten ist jetzt, hier und heute, man unterhält Wirtschaftsbeziehungen, liefert Waffen und Touristen, bestaunt Pyramiden und Grabmäler, tuckert den Nil runter und hat nun das Vergnügen, nach dem Ende des Krieges gegen den Kommunismus den unendlichen Krieg gegen den Terrorismus hautnah miterleben zu dürfen. Wer weiß, was daraus entsteht, aus dem vergangenen Krieg gegen den Kommiunismus entstand der jetzt vorherrschende StaatsDumpingKapitalismus, eine Kapitalismusform mit ungeahnter Dymnamik, bei der Länder mit nun kapitalisiertem Staatseigentum den Takt vorgeben. Vielleicht sehen wir hier den schon in Chile, Italien, Griechenland und andersorten erprobten Nachfolger, einen, ich bin geneigt zu sagen: zwangsläufig folgenden nackten westlichen Diktaturkapitalismus im demokratischen Mäntelchen, als Schablone für ein Europa ohne souveräne Staaten und ohne soziale Komponente.

MopperKopp 19.08.2013 | 18:40

A report released by New York-based rights group Human Rights Watch (HRW) has said that the use of lethal force by Egyptian security forces to disperse anti-coup protesters on August 14 led to the most serious incident of mass unlawful killings in modern Egyptian history.

Security Forces Used Excessive Lethal Force

HRW: security officials bear resp.. for failure to protect churches & Christian communities against predictable reprisal attacks #Egypt

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

HRW: failure of authorities to provide safe exit from sit-in inc for ppl wounded by live fire..serious violation of intl standards #Egypt

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013
HRW puts death toll from Rabaa sit-in dispersal at 377 (based on first-hand documentation, intrvws w health workers, other lists) #Egypt

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

HRW spoke to witnesses, priests, residents who confirmed 'Islamists in at least nine cities attacked & burned at least 32 churches' #Egypt

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

New accusations Morsi face inc: partaking in torturing protesters, aiding murder/atmptd murder, undermining investigations #Egypt #PT

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013
#Morsi also being accused of allegedly meddling in public job (presumably prosecutor), abating thuggery & fear mongering #Egypt #PT

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

HRW: #Egypt security lethal force to disperse sit-ins 'led to most serious incident of mass unlawful killings in modern Egyptian history'

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

.. and was not justified by disruptions caused by demonstrations or limited possession of arms by some protesters - HRW #Egypt 2/2

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

 

HRW: Use (of) live ammunition on large scale from outset reflected failure to observe basic intl policing standards.. 1/2 #Egypt

— Rawya Rageh (@RawyaRageh) August 19, 2013

MopperKopp 19.08.2013 | 20:32

Spiegel-Online verschärft den kritischen Ton, man ist selbst von den Repressalien des Militär-Regiems betroffen.

Ihr seid Feinde Ägyptens

"Gerade eben erst hatten wir ein Interview in einem Hauseingang begonnen, da tauchte eine Gruppe von zivil gekleideten Polizisten auf. "Ihr gehört zu den Terroristen", schrien sie uns an. Angeblich hätten wir aus dem vierten Stock des Wohnblocks auf die Polizei gefeuert. Kurz darauf aber wurde klar, dass sie uns festnahmen, weil sie ausländische Reporter als Feinde und lästige Lügner ansehen.

...

Mit meinem ägyptischen Kollegen gingen die Beamten - keiner von ihnen nannte seinen Namen oder trug einen Dienstausweis - weniger glimpflich um. Laut und mit drohenden Gesten beschimpften sie ihn in dem kleinen Verhörraum als Verräter, da er mit einem ausländischen Journalisten zusammenarbeite. Später kündigten sie ihm brutale Racheakte an seiner Familie und Folter in den berüchtigten ägyptischen Gefängnissen an. 

...

Seitdem gibt es für die meisten Ägypter mehr oder weniger nur noch das Staatsfernsehen als Informationsquelle. Dort wurde die exzessive Gewalt beim Vorgehen gegen den politischen Gegner vergangene Woche völlig ausgeblendet. Stattdessen feiert man "Ägyptens Krieg gegen den Terror" mit einer roten Dauereinblendung am Bildschirmrand."

MopperKopp 19.08.2013 | 20:36

Einen anderen Aspekt erörtert die SZ.

Beihilfe zur Unterdrückung

"Er ist elf Tonnen schwer und sechs Meter lang, Kenner loben seine Vielseitigkeit. Ägyptens Armee setzt bei der blutigen Niederschlagung von Protesten einen Radpanzer ein, den es ohne deutsche Hilfe nicht gäbe. Die Regierung denkt über einen Stopp von Waffenlieferungen nach. Die Opposition wirft Kanzlerin Merkel vor, zweimal den gleichen Fehler gemacht zu haben."

 

Vielleicht sollte man es noch deutlicher:

Behilfe zum Massenmord

nennen.

MopperKopp 19.08.2013 | 21:13

Auch die FAZ wird kritischer, Drangsalierungen und Beschimpfungen der Presse hinterlassen Spuren.

Feind ist, wer nicht für Sisi ist

"In Ägypten wird der Ton immer schriller - gegenüber den Muslimbrüdern, aber auch gegenüber westlichen Ländern und Medien. Schon gibt es Übergriffe.

Der Grundton in Ägypten ist dieser Tage schrill und nationalistisch. Als wären sie gleichgeschaltet, verbreiten die ägyptischen Medien die Erzählung vom Kampf der neuen Führung gegen ein terroristisches Komplott. Sie huldigen dem neuen starken Mann, Armeechef Abd al Fattah al Sisi. „Ganz Ägypten ist al Sisi“, titelte unlängst die eigentlich unabhängige Zeitung „Saut al Umma“. Beunruhigender ist der Umkehrschluss: Wer nicht für Sisi ist, ist nicht mehr Ägypter. Und wer nicht Ägypter ist, und nicht Sisi, ist der Feind."

 

MopperKopp 19.08.2013 | 22:01

Ein tagesschau.de-Interview:

Ägyptens Generäle haben neue Freunde

"Die USA überweisen Milliarden an Hilfsgeldern nach Kairo, dennoch ist der Einfluss Obamas begrenzt. Die eigentlichen Unterstützer der Militärregierung am Nil sind die reichen Golfmonarchien, sagt Ex-Diplomat Gunter Mulack im tagesschau.de-Interview.

...

Es gibt aber auch einen wichtigen innenpolitischen Grund. Das Königshaus in Saudi-Arabien etwa hat kein Interesse an einem demokratischen Musterstaat im arabischen Raum. Die Muslimbrüder in Ägypten sind sehr gut organisiert in vielen Ländern. Das könnte Begehrlichkeiten der Bevölkerung in den reichen, aber wenig demokratischen Golfmonarchien wecken und die Staaten in einen "arabischen Frühlingstaumel" stürzen. Das wollen die Herrscherhäuser um jeden Preis verhindern und das erklärt auch die enorme Menge von rund zwölf Milliarden Dollar, die in den vergangenen Monaten nach Kairo geflossen sind."

 

Saudi-Arabien ist ein Umschlagplatz für Geld und Waffen, die einserseits von den USA/Europa geliefert werden und dann in die entsprechenden "Krisen"regionen verteilt werden um mögliche politische "Schwankungen" auszugleichen, Obama kann zögern, die EU-Staaten können kürzen, Merkel kann zaudern, egel, Geld und Waffen fließen weiter. Und für zwölf Milliarden Dollar bekommt man einen hübschen Militärputsch.

MopperKopp 20.08.2013 | 09:56

Die Sprachverwirrung geht weiter:

Oberhaupt der Muslimbruderschaft gefasst

(gefasst ...)

"In Ägypten haben die Behörden den Anführer der islamistischen Muslimbrüder festgenommen."

(Wer sind "die Behörden"?)

 

Auch das gewalttätige Vorgehen gegen die Medien geht weiter:

"Am Montagabend erschossen Polizisten einen Journalisten der staatlichen ägyptischen Zeitung "Al Ahram" und verletzten einen weiteren Reporter. Die Armee gab an, die beiden Männer hätten sich während der Ausgangssperre verdächtig benommen."

 

Erschossen, weil verdächtig benommen, das reicht schon

Allerdings ist das kein großer Unterschied zur Tötung von Verdächtigen durch Drohnen.

Hans Springstein 20.08.2013 | 11:04

Die Frage, die mich angesichts der Nachrichten aus Ägypten beschäftigt, ist: Was tun? Wer soll und kann die Gewalt stoppen? Ist das ägyptische Militär tatsächlich nichts weiter als das sich gegenwärtig zeigende Machtmonster oder wird es genauso fälschlicherweise dämonisiert wie die undifferenzierte Dämonisierung der Muslimbrüder falsch, auch wenn die Kritik an beiden jeweils berechtigt ist? Ich bekomme immer Bauchschmerzen, wenn mir die westlichen Mainstream-Medien erklären, was demokratisch und was das nicht ist, auch wer Terrorist und wer Rebell ist ... Manchmal führen mich aber auch meine Bauchschmerzen dabei in die Irre. Und zu jeder Regel gibt es zum Glück Ausnahmen.

Der interessante Konflikt zwischen den sunnitischen Muslim-Brüdern und dem eigentlich auf sunnitischer Seite stehenden Saudi-Arabien ließ bei mir auch Fragezeichen aufkommen. Eine möglich Antwort fand ich im Mainstream-Medium Welt vom 5. Juli 2013: "Die Saudis haben den Muslimbrüdern nie vergeben, dass diese sich während der Besetzung Kuwaits durch Saddam Hussein 1990 ausgerechnet auf die Seite des irakischen Diktators stellten. Und das, nachdem Saudi-Arabien den beispielsweise in Syrien und Ägypten verfolgten Anhängern der Bruderschaft jahrzehntelang Asyl gewährt hatte. Die Erinnerung an diesen "Verrat" wirkt bis heute nach."

Hans Springstein 20.08.2013 | 13:00

Wie schon im Fall Syrien gilt für mich: Jeder Tote, egal auf welcher Seite und egal aus welchen Motiven, ist einer zu viel. Die Empörung darüber teile ich ohne Abstriche. Die Frage nach den Verantwortlichkeiten für die Ereignisse und ihre Folgen, also auch für die Toten, ist aber für mich nicht so einfach zu beantworten. Auch auf die Gefahr des Irrtums hin bin ich mir nicht so sicher, wer da wen verheizt, für welches Ziel. Und da ich als ferner Beobachter leider nichts tun kann, auch nichts verhindern, bleibt mir nur der Versuch, die Ereignisse, ihre Ursachen, Hintergründe und Folgen zu verstehen.

MopperKopp 20.08.2013 | 13:14

Wenn die Grünen zu einer Demonstration aufrufen, verheizen sie dann Demonstranten?

Kerry, immerhin Außenminister der Vereinigten Staaten, hat den Putsch als Demokratisierung bezeichnet. Wie kann es sein, dass der Aufruf, friedlich gegen die militärische Entmachtung der demokratisch gewählten Partei zu demonstrieren, als verheizen in Betracht gezogen wird? Steht da nicht eine gewisse Einordnung hinter, die genau das macht, was Kerry auch macht, die Tote relativiert?

Hans Springstein 20.08.2013 | 13:30

Bitte unterstellen Sie mir nichts. Deuten Sie auch nichts zusammen, was ich nicht zusammen gebracht habe. Ich versuche bloß, vorschnellen Urteilen aus dem Weg zu gehen, auch wenn solche angesichts der Gewaltopfer in Ägypten verständlich sind und sich quasi aufdrängen. Dass auf Seiten der extremistischen Islamisten im Hintergrund einige wirken, die die jungen Empörten für ihre Ziele verheizen und ihnen dafür das Paradies versprechen, und das nicht nur in Syrien und Ägypten, ist belegt. Ein entsprechendes Zitat kann ich Ihnen leider erst heute abend nachliefern, da sich das entsprechende Dokument nicht an dem Ort befindet, an dem ich gerade bin.

MopperKopp 20.08.2013 | 14:07

Ich habe nicht den Eindruck, Sie rechtfertigen das Abschlachten von Demonstranten, sondern habe etwas zugespitzt, angeregt durch die Begriffe dämonisieren und verheizen. Welche Möglichkeiten sehen Sie denn für die Gruppe, die durch einen Militärputsch und nachfolgende Maßnahmen, Verhaftungen und Erlässe mehr oder weniger in die Illegalität gedrängt werden soll? Einen "Tag der Versöhnung", wie er so gerne nach blutiger Militärherrschaft ausgerufen wird und der das geschehene Unrecht begraben soll, direkt neben den Ermordeten?

MopperKopp 20.08.2013 | 18:32

Eine sehr kritische Zusammenfassung kommt von Matthias Gebauer aus Kairo, Spiegel-Online

Rachefeldzug des Regimes treibt Muslimbrüder in die Enge

"Nicht nur durch die Verhaftung von Badi erscheint die Bruderschaft massiv geschwächt. Seit Tagen nehmen Polizei und Militär im ganzen Land fast jeden fest, der auch nur ansatzweise wie ein Mitglied der Islamisten aussieht, wegen des geltenden Ausnahmezustands braucht man weder einen Grund noch eine Anklage. Ebenso sitzt bei den Anhängern der Schock nach dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte bei der Auflösung der Protestcamps tief."

Auch dieser Beitrag, der die Geschehnisse der letzten Tage ungeschminkt aufbereitet, zieht wieder Forentrolle an, deren eindeutige Ausrichtung sich wie aus einem Regiebuch liest.

 

MopperKopp 20.08.2013 | 20:25

Nun wird es fast peinlich

Cairo court sets trial date for ElBaradei

"A Cairo court has set a September trial date for Mohamed ElBaradei, the recently-resigned interim vice president for foreign affairs, on charges of "breaching national trust."

The charges against ElBaradei were filed by a law professor at Cairo's Helwan University, according to a report in the state-run Al-Ahram.

He stands accused of "betraying" the public by resigning on August 14, a misdemeanour charge that could carry an $1,430 fine if he is convicted.

Khaled Dawoud, a former spokesman of the National Salvation Front of which ElBaradei was one of the founders, told Al Jazeera that the prosecutor general's decision to refer the case to court was probably a consequence of the current atmosphere of polarisation in the country.

"This is a reflection of the atmosphere in Egypt right now. You cannot take your independent stand or otherwise you will be considered breaching national trust" Dawoud said.

"The complaint against ElBaradei is ridiculous. I just even could not believe this kind of case will be filed.""

MopperKopp 20.08.2013 | 20:53

Auch Thomas Pany versucht sich in Telepolis an einer kritischen Beleuchtung der Hintergründe.

Dem König wird getrotzt

"Demgegenüber steht eine Verfestigung der Herrschaft, die von der Angst vor Chaos und Terror lebt und sie bezeiten schürt. Eine erfolgreiche demokratische Regierung der Muslimbrüder wäre nicht im Interesse der Herrscherhäuser in Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen. Sie übernehmen die Gleichsetzung von Muslimbrüder mit "Terrorismus, Aufstachelung zur Gewalt und Unordnung" bereitwillig, wie eine Rede des saudischen Königs Abdullah unmissverständlich klarstellte. Darin forderte er alle Araber auf, sich hinter den Crackdown gegen den Terrorismus in Ägypten zu stellen."

MopperKopp 21.08.2013 | 15:09

Für zwischendurch

Ein Putsch für die Ölindustrie

"Jahrzehntelang hat die CIA geleugnet, 1953 den iranischen Ministerpräsidenten Mossadeq gestürzt zu haben. Nun wurden Dokumente veröffentlicht die beweisen: Die CIA war damals die treibende Kraft. Beim Putsch ging es vor allem um die Ölquellen Irans.

...

Doch die CIA gab nicht auf, sondern steuerte die Proteste zu ihrem Vorteil, wie CIA-Agent Cottam berichtete: "Wir brachten unsere Agenten und all die Leute, auf die wir zählen konnten, auf die Straßen von Teheran. Sie warfen Steine und sollten sich so als gewalttätige und kommunistische Mossadeq-Anhänger darstellen. Sie waren Provokateure."