MopperKopp
21.01.2013 | 18:03 220

Pressemonopolisten verschärfen Lügenkampagne

Orwell 2013 Bei der Errichtung eines Monopols und der damit einhergehenden Zerstörung offener demokratischer Strukturen täuschen Verleger die Öffentlichkeit mit einer Lügenkampagne

Im Zuge der Zerstörung der offenen Strukturen des Internet fahren die Monopolisten, vertreten durch den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), eine groß angelegte Lügenkampagne in bestem Neusprech. Zur Unterstützung zitieren sie ein willfähriges Gutachten, welches im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger angefertigt wurde. 

Kampagne

In einer wahrhaft historischen Vertuschungs- Manipulations- und Desinformationskampagne wird eine Besserstellung von Verlegern gegenüber Urhebern mit einem fragwürdigen, systemwidrigen Gesetz (Leistungsschutzrecht) angestrebt, welches durch Hinterzimmergespräche auf höchster Ebene eingeläutet wurde und nun mit Parteiräson durchgedrückt werden soll.

Ziel

Klares Ziel ist das uneingeschränkte, gesetzlich abgesicherte Monopol auf die Manipulation der Öffentlichkeit durch Presseerzeugnisse. 

Ist dieses Monopol errichtet, kann die schon begonnene Strategie der gnadenlosen Ausbeutung von Mitarbeitern weiter verschärft werden. Es gibt dann für Betroffene keine Alternative mehr außerhalb des Monopols der Presseverleger, sie wandern direkt in Hartz IV oder müssen umschulen. Bezüglich der Suchmaschinen fahren Verleger eine Ausbeutungs- und Kostenlos-Strategie, Suchmaschinen sollen für den Verweis auf Presseprodukte zahlen, während die Benutzung der Suchmaschinen für Presseverleger kostenlos bleiben soll. Auch die Leistung der Kommentatoren und Blogger wollen Verleger nicht nur weiterhin kostenlos abgreifen, zukünftig sollen diese für ihre erbrachte Leistung sogar zahlen. Unterstüzt werden all diese Aktionen durch verängstigte Mitarbeiter, durch getarnte U-Boote, die als Kommentatoren und Blogger auftreten oder durch Personen, die sich durch Anbiederung Vorteile versprechen.

Auswirkungen

Gesamt gesehen sichert das Kapital in einem der reichsten Länder der Erde, basierend auf Expansion, Export, den uneingeschränkt funktionierenden Betrieb einer beispiellosen und sehr skrupellosen Manipulationsmaschinerie, die den Bürgern die Alternativlosigkeit zum Kapitalismus nicht nur vor Augen führen soll, nein, diese Alternativlosigkeit wird zementiert und abgesichert durch

  • den Zwang zur Arbeit zu jedem Preis,
  • Kampagnen zur Notwendigkeit von Kriegen,
  • die Umschreibung der Krisen des Kapitalismus (Bankenkrise in Staatsschuldenkrise),
  • Propagierung von Deregulierung und Privatisierung,
  • Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  • Anstachelung zu Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.

Wie schon zur Weimarer Zeit unterstützen auch nun wieder Verleger durch eine groß angelegte Aktion die Zerstörung der Demokratie.

LSR Motto

Ich schlage ein Motto zur Feier des neuen Monopols vor:

Ideal ist nach Hobbes jener Zustand des Staates, in dem die Infragestellung seiner Gesetze und Vorschriften vollständig aus dem Horizont des Möglichen verbannt ist. Daran arbeiten wir mit vereinten Kräften.

Ihre Presseverleger ...

LSR Realität

"Das geplante Presseleistungsschutzrecht verhält sich zur Öffentlichkeit wie ein Vampir zum Sonnenlicht."

Gefunden auf neunetz.com

 

Kommentare (220)

MopperKopp 21.01.2013 | 19:48

Die Links habe ich im Laufe der Zeit unter meinem Beitrag vom 30.11.2012 Die FAZ und das Leistungsschutzrecht zusammengetragen und ergänze sie nun hier weiter. Man bekommt das bei alten Beiträgen leider nicht mit, aus den Augen und weg.

Vielleicht macht es noch nachdenklicher, wenn man bedenkt, dass diese domokratiefeindliche Aktion als Vorbild für ganz Europa dienen soll. Verleger in Italien (Berlusconi & Co) und anderen Ländern stehen schon in den Startlöchern und wollen die Meinungs- und Diskussionsfreiheitfreiheit massiv beschränken. Da werden ungute Erinnerungen wach, zu lebendig ist die Vergangenheit und die entsprechenden antidemokratischen Seilschaften haben bis auf den heutigen Tag überdauert. 

Man mag über die USA schimpfen wie man will, aber bezüglich Demokratie und Meinungsfreiheit sind sie Europa meilenweit voraus.

eldorado 21.01.2013 | 19:53

Hallo

Ich hab die links noch nicht angeschaut. Aber schon beim Text muss ich sagen, dass die Medien sehr oft nicht sachlich informieren.

Sie sagen da, dass die Medien da Macht ausüben.

Ich frage mich eher, ob die meisten nicht eher einfach zu Sprachrohren der Wirtschaftsmacht mutiert sind. Ja ebenfalls der Regierungen. Aber die sind ja auch unter der Macht der Wirtschaft.

Ich werde mir dann die links später noch zu Gemüte führen.

poor on ruhr 21.01.2013 | 20:01

@Mopperkopp

Eine Berlusconisierung der europäischen Medienlandschaft würde ich auch als ziemlich erschreckend ansehen. Mir fehlen aber die Kenntnisse das genau einzuschätzen. Obwohl auch für die USA gilt . sagt mir mein "Bauchgefühl" dass Dein Schlusssatz zu den USA richtig ist! Bei der Einschätung der europäischen Medienlandchaft versagt mein  Bauch völlig. Vielleicht auch eine Art Betriebsblindheit wei auch ich leider zu oft viel zu viel im Fernsehen als Zuschauer passiv per Fernbedienung unterwegs bin, auch wenn mir klar ist, dass die Medienlandschaft zum Glück nicht nur aus Fernsehen besteht. 

 

MopperKopp 21.01.2013 | 20:05

Die Links sind eine Art chronologische Mitschrift der Entwicklungen zum Leistungsschutzrecht.

Wenn man sich die Strukturen der Medien anschaut, dann stellt man fest, dass sie Teil der Macht sind. Medien in Deutschland sind kapitalschwere Konzerne, die nun ein absolutes Monopol errichten wollen. Sie sind gleichzeitig das Sprachrohr des Kapitals, schwächelten in letzter Zeit allerdings, Ihre Propaganda-Lautsprecher krächzten zwar weiterhin die Parolen, allerdings ging das immer mehr im Rauschen des Internet unter. So kommt es, dass Unternehmen schon eigene Nachrichtenseiten schalten, auf denen neben der Webung für ihre Produkte auch noch eine Art Boulevard-Journalismus betrieben wird. Im Zuge dessen brachen für die Presseverleger die Werbeeinnahmen weg. Dem will man nun durch dieses Gesetz begegnen und wieder 1. und möglichst einziger Kapital-Lautsprecher werden.

eldorado 21.01.2013 | 20:14

Ich bin aus der Schweiz. Da entwickelt es sich auch nicht gut. Tamedia frisst immer mehr auf und immer mehr Blättern sind nur noch die ersten Seiten eigen.

Dann haben wir noch einen SVP Politiker (ganz rechts) der fängt an mit seinen Getreuen Blätter aufzukaufen und diese mutieren dann zu Sprachrohren der SVP.

Weiterhin scheint es sogar möglich, dass die beiden kontrahenten anfangen sich, so ganz versteckt, zu verbandeln.

Ich bin Laie, habe aber immer Augen und Ohren offen und bekomme so, schon rein gefühlsmässig viel mit.

MopperKopp 21.01.2013 | 20:14

Meiner Meinung lag liegt das Problem in der Dynamik der Entwicklung bezüglich der Weltwirtschaft und der damit einhergehenden Krise des Kapitalismus. Man muss nur bedenken, mit welch rasender Geschwindigkeit der Sozialstaat in Deutschland zerstört wurde um die Gefahr der Zerstörung weiterer Errungenschaften einer offenen Gesellschaft zu befürchten. China ist diesbezüglich das Vorbild: keine Mitbestimmung, Regulierung der öffentlichen Meinung, ein Zwitter aus Kapital- und Staats-Diktatur.

Weltweit agierende Unternehmen, Konzerne schätzen diese Einschränkungen der Demokratie und wollen sie nun über ihre Regierungsnähe in Europa einführenen um konkurrenzfähig zu bleiben. Das sind keine Hirngespinste, leider hält man die Betroffenen bisher mit einer medialen Event-Strategie bei Laune und unter Kontrolle.

MopperKopp 21.01.2013 | 20:22

Die Schweiz als Gold-Depot war schon immer eine Hafen des Kapitalismus und entsprechender Herrschaftsstrukturen, nicht erst seit sie die päpstliche (Schweizer)Garde stellen. Jean Ziegler hat schon früh auf diese Problematik hingewiesen. Die Schweizer pflegen einerseits eine aktive politische Bürgerbeteiligung, welche andererseits zu einer marginalen Wahlbeteiligung führt, man klärt ja die einen interessierenden Dinge durch Initiativen.

Eine Aufdeckung der schweizer medialen (Macht)Verhältnisse ist immer von Interesse, sie rundet das Bild ab und kann entstehende Seilschaften offenlegen.

MopperKopp 21.01.2013 | 20:30

Vielleicht, weil du "verrückt" genug bist. Die abgerichteten, angepassten, geschmeidigen, stromlinienförmigen,  wettbewerbstauglichen und meist verschuldeten modernen Arbeits-Sklaven des Kapitals haben sich Kritik selbst abdressiert, sie erlauben sich nur noch sterile scheinkritische Beiträge, damit auch nie die Gefahr eines Aufstandes entstehen kann. Selbstverwertung, Selbstverwurstung, Selbstverblödung - nun noch die Selbstabschaffung und wir haben die Kacke am Dampfen, um es mit Dir zu sagen :-)

eldorado 21.01.2013 | 20:34

Frankreich hat mal was in die Welt gestellt, das die Lösung bringen könnte, wurde aber schon damals zerschlagen:

Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit. Rudolf Steiner (Anthroposophie) hat das aufgegriffen und weitergeführt und nennt sich da soziale Dreigliederung.

Heute ist die Freiheit im Wirtschaftsleben und dem Geld. Da diese beiden eigentlich für die Menschen da sein sollte ist da eigentlich Brüderlichkeit angesagt.

Gleichheit gehört zum Gesetz: Alle Menschen sollen (sollten) vor dem Gesetz gleich sein.

Die Freiheit hingegen gehört in die Kultur, dazu gehört auch die Ausbildung. Die sollte frei sein und die Kinder zur Freiheit führen im Erwachsenenleben. Auch die weiteren Ausbildungsstätten, wie die UNI sollten frei sein. Es solle wirklich Neues entstehen können und nicht einfach funktionstüchtige Jasager für die Wirtschaft entstehen. In Basel haben wir z.B. zwei Pharmariesen (Novartis und Roche). Die sponsern noch so gerne Geld für die Uni. Aber bitte, dann wollen wir auch mitreden. Das ist sehr bedenklich. Zum Glück durchschaut das der aktuelle Rektor. Allerdings hat er es sehr schwer.

MopperKopp 21.01.2013 | 20:40

Dieses Sponsoring mit eingebautem Mitstracherecht ist ein großes Problem, ähnlich den Stiftungen. Erst schafft man eine Versteuerung ab, welche eine Ungleichheitsschere und all die daraus resultierenden Probleme verhindern würde, dann kommen diese der Allgemeinheit entzogenen Gelder und wollen unter Ausschluss der Allgemeinheit Interessen durchsetzen. Auch hier findet eine massive Erosion demokratischer Strukturen statt, die in der Vergangenheit schon zu den größten und schrecklichsten Katastrophen geführt hat.

MopperKopp 21.01.2013 | 20:47

Die oft in esoterischem Denken endende nostalgische Verklärung vergangener Ideen und Verhältnisse, die auch in sehr kritischen Ansichten münden kann, man schaue nur auf die Entwicklung von Steiner, nachdem er finanziell von einer "Sponsorin" abhängig wurde und daraufhin ihre teils gegenaufklärerischen Gedanken in seine Pamphlete einbaute, also, diese meist von weitem schöngeistig anmutenden Ideen sind meiner Meinung nach kein geeignetes Mittel des Widerstandes gegen die massive aktuelle Entdemokratisierung. Was dann? Genau das ist die spannende Frage.

eldorado 21.01.2013 | 21:03

Hä - Davon weiss ich nichts, dass Rudolf Steiner eine Sponsorin hatte. Und ich wohne doch nur gut 2 km vom Goetheanum weg.

Wer war das? Ich habe so ein leises Gefühl davon, welchen Namen Du sagen wirst.

Wegen der französischen Aufklärung und dem Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, finde ich, dass es einfach darauf ankommt, ob man das über dem Boden schwebend träumt oder die Begriffe wirklich in das Leben verwebt.

eldorado 21.01.2013 | 21:38

Das hab ich vermutet, dass diese Antwort von Dir kommt. Er hat sich aber aufgrund der gleichen Richtung dieser Gesellschaft angeschlossen und hat sich dann ein paar Jahre später von dieser Gesellschaft getrennt, wegen unvereinbarer Unstimmigkeiten. Anschliessend hat er mit denen die ihm von dort gefolgt sind, die anthroposophische Gesellschaft gegründet.

Verdient hat er dann sein Geld vor allem mit dem Schreiben seiner Bücher und seinen Vorträgen.

So, das weiss ich aus den Quellen, die ich habe. Wer von uns hat nun recht? Das weiss wohl nur der Himmel. Oder was meinst Du?

eldorado 21.01.2013 | 21:58

Genau, das habe ich ja oben geschrieben. Mit der Anwendung der Bedeutung der Begriffe wurde Schindluderei getrieben.

Und die Verblendung wird vorangetrieben, steht doch für diese Macher viel oder sogar alles auf dem Spiel, wenn das durchschaut ist.

Menschen die dahinter kommen und das Aufdecken und wehe, das sogar verbreiten, ergeht das wie Jean Ziegler.

Ich kenne das. Ich hab dieser Erfahrung schon als kleines Kind gemacht. Ich will Dir ein Beispiel hinschreiben. Ich war etwa 10 Jahre alt. Wir waren Mittelstand. Meine Mutter gab die ausgetragenen Kleider von meiner Schwester und mir immer an eine arme Arbeiterfrau für ihre Tochter weiter. Da einmal, als sie wieder kam, ich war mit an der Türe, als meine Mutter ihr die Kleider übergab. Die Frau machte Bücklinge aus lauter Dankbarkeit, meine Mutter wurde dabei um gefühlte cm grösser. Wie die Frau weg war, sagte ich meiner Mutter. Du hättest der Frau sagen sollen, dass sie sich nicht verneigen soll. Das ist nicht recht. Da meinte meine Mutter, dass ich nichts davon verstehe. Schliesslich sei das eine primitive Arbeiterfrau. Ich kochte innerlich und schrie auch ein wenig vor Empörung. Es ist mir nicht bekommen und bekam es zu spüren. Ich merkte schon damals dass die Frau viel Herz hatte. Sie sprach so liebevoll und respektvoll über ihre Kinder. Meine Mutter aber hatte viel Kopf und kaum Einfühlungsvermögen. Das merkte ich schon als Kind und bekam es jeden Tag zu spüren.

Dieses und viele weitere Erlebnisse solcher und anderer Art haben mich schon als Kind geweckt und gelernt die Welt mit anderen Augen zu sehen als meine Umgebung. Die Kindheit war sehr traumatisch und ich wäre beinahe gar nicht alt geworden.

Je mehr ich das abarbeite werde ich auch dankbar dafür, weil ich so viel offener durch die Welt kann und mich nichts mehr schnell aus dem Konzept bringen kann.

MopperKopp 21.01.2013 | 22:05

Allerdings wird das hier im Freitag schwierig, zu passend erzogen ist das Umfeld schon, Disziplinierungsmaßnahmen intern greifen, extern, also im Bereich der Kommentatoren und Blogger, erfolgt die weitere Befriedung und Aussöhnung mit der kapitalistischen Alternativlosigkeit in Kürze durch die von Herrn Augstein angekündigte Beendigung eines spannendes Experimentes: "Aber kostenlos - das läuft leider aus." Was bleibt ist eine geschmeidige Gruppe Gleichgesinnter.

MopperKopp 21.01.2013 | 22:16

Das ist eine sehr persönliche Erfahrung. In ihr kommt etwas zur Sprache, was meiner Meinung nach tabuisiert wird, ohne nun verallgemeinernd die guten Armen zu konstruieren. 

Einen Klaus Kinkski erkennt man als destruktive Person recht einfach, die Kritik an dem, was er mit seiner Tochter getan hat, ist berechtigt und wichtig. Dieses Geschehen beinhaltet allerdings auch die Gefahr der unzulässigen Vereinfachung und Reduzierung auf Äußerlichkeiten: Das Böse ist immer deutlich sichtbar.

Dabei findet viel "Gewalt" in jeglicher Form findet in äußerlich unscheinbaren, ja, hinter den Fassaden eines guten und besten Benehmens statt. Den prügelnden Alkoholiker erkennt und verurteilt jeder, den intelligenten und gesellschaftsfähigen Despoten übersieht man gerne. So werden Kinder aus guten oder besten Verhältnissen beneidet, was sie ohnmächtig zur Kenntnis nehmen, weil keiner die Hölle hinter der Fassade erkennt oder anspricht. Ein ganz eigenes Thema.

eldorado 21.01.2013 | 23:31

Oder auch nicht. Man muss dann nur die Konsequenzen davor nicht fürchten.

Was mich betrifft, hatte ich nach dieser Kindheit keine andere Wahl, um mich nicht vor mir selber zu ekeln. Den Beruf konnte ich auch nicht auswählen. Mit dem verordneten Beruf konnte ich gar nichts anfangen. Vom Chef wurde ich massiv gemobbt, so wie zuhause auch, darum merkte ich das nicht weil ich ja nichts anderes kannte. Und so habe ich dauernd Stellen wegen Mobbing verloren, bis mir ein Lich aufging. Ich brachte es halt einfach nicht fertig mich zu verleugnen und überall war Mief.

Ich hab zwei Mädchen schon von sehr klein an allein aufgezogen, mit praktisch kein Geld. Ich versuchte vor allem eins, sie stark zu machen. Es muss mir gut gelungen sein. Vor allem die Jüngere sagte mir ab und zu, dass sie eine reiche Kindheit hatte. Aus der Not machte ich ihnen vor, nicht dem nachzutrauern was nicht ist, sondern aus dem was da ist, etwas zu machen. Leider findet man bei so unangepassten Kindern keine Tagesmutter. So habe ich nachts die Tageszeitungen vertragen und am Tag zu ihnen geschaut. Und am Tag hatte ich die Wohnung immer voller Kinder, weil es bei mir anders war, als bei Ihnen zuhause.

Ich hab den meine Ueberzeugung eher im Stillen gelebt, aber dennoch hat es auf einige Wirkung erziehlt. Für anderes reichte die Kraft nicht mehr.

Einige Zeit nachdem die Kinder ausgeflogen waren, bin ich zusammengebrochen, Fieber  jeden Tag, ohne ersichtlichen Grund, keine Kraft für nichts mehr. Ich bekam dann IV (Invalidenrente). Es stellte sich heraus, dass ich seit der Kindheit starke Depressionen hatte. In der Schweiz gibt es mehr als zum Ueberleben. Endlich hatte ich Geld, um für mich zu schauen. Und eine Begleitung (kein Psychiater, um Himmels willen), mit der ich nach und nach verstehen und alles einordnen konnte. So schlimm und schwierig mein Leben war, es war sehr reich an Erlebnissen und Eindrücken. Von da an, war es mir auch immer mehr möglich alles einzuordnen und zu verstehen - ein riesiges Geschenk. Meine beiden Geschwister leben im gleichen Mief wie meine Mutter und der grösste Teil der Menschheit. Kontakt ist kaum mehr da, war ich doch ein paar Jahre Sozialschmarozer. Das wiegt schwer.

eldorado 21.01.2013 | 23:53

Schau mal: Wir haben in Basel eine Zeitung, die ähnlich aufgebaut ist, wie der Freitag: www.tageswoche.ch

Es ist eine Zeitung mit starkem regionalen Teil, jeden Tag Neuigkeiten im Internet, am Freitag eine Printausgabe mit vertieftem Inhalt. Etwas Neues war nötig, weil unsere BaZ nicht mehr haltbar war, weil sie von einem SVP Milliardär aufgekauft wurde. Es waren vor allem Redaktoren, die von der BaZ abgesprungen waren oder denen gekündigt wurde wegen Differenzen, die das in die Wege leiteten. Sie suchten für den Start einen Sponsor und sind fündig geworden für 3 Jahre. Und wereli wer war das. Das war eine von den Roche Erben (Pharmafirma). Und das muss man dieser Familie lassen. Wenn sie sieht, dass Not ist, springen die immer wieder ein oder man kann sie anfragen. Vorgaben gab es keine, ausser dass das Projekt mit Zahlen auf den Tisch gelegt werden musste, als Basis.

Die Printausgabe hat bei jedem Artikel einen code mit dem man zur Inernetausgabe verlinken kann und gleich nach dem Erscheinen kann man so einen Kommentar schreiben. Jemand der nicht Abonnent ist, kann, wenn er auf den Kommentar stösst und diesen anklickt, auch gleich den Artikel lesen. Das finde ich gut. Die gedruckte Tageswoche können alle als pdf-datei herunterladen, wie die nächste erscheint. Das finde ich eine vernünftige Lösung. Bei jedem Artikel steht auch, dass man den honorieren kann. Diese Zeitung gibt es nun ein gutes Jahr. Und sie scheint auf gutem Weg zu sein. Der Erfolg ist in dieser Zeit jedenfalls grösser als erwartet.

MopperKopp 21.01.2013 | 23:56

Bedingte Liebe, die auf normativen Grundsätzen ("Sozialschmarotzer") beruht, ist keine Liebe.

Leider passiert es bei nicht wirklich verarbeiteten eigenen Gegebenheiten, dass Kinder unbewußt einbezogen werden, womit man ihnen ein Päckchen der eigenen Probleme mitgiebt. Kinder spüren ein Bedürfniss nach etwas sehr genau und versuchen es zu erfüllen.

Die Aufschlüsselung verkapselter Grundlagen kann sehr lange dauern, besonders, wenn sie schon sehr früh stattgefunden hat. Oft sind es Zufälligkeiten, manchmal Erschütterungen der Umgebung und die Milchglasscheibe wird endlich durchsichtig. Man spürt das, nach jahrelanger Ruhelosigkeit klären sich viele scheinbar nicht zusammenpassende Verhaltensweisen und Enscheidungen und rutschen wie von alleine zu einem vollständigen Mosaik zusammen.

Diese Möglichkeit soll meiner Meinung nach jeder Mensch bekommen, leider wird es allerdings durch die kapitalistischen Funktionsanforderungen in Kombination mit einer medialen Scheinwelt verhindert. Ein weiterer und sehr wichtiger Grund zum Widerstand und zur Schaffung alternativer Wege und Möglichkeiten.

MopperKopp 22.01.2013 | 00:13

Zwischendurch ein weiterer Hinweis zum Beitrag:

Meine Stellungnahme zum Leistungsschutzrecht für den Rechtsausschuss des Bundestages

"Am 30.01.2013 findet im Rechtsausschuss des Bundestages eine Anhörung zum geplanten Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse statt, zu der ich als Sachverständiger geladen bin. Meine elfseitige schriftliche Stellungnahme ist mittlerweile fertig. Diese Stellungnahme befasst sich primär mit den rechtlichen Fragen des geplanten Leistungsschutzrechts, geht aber auch auf rechts- und wirtschaftspolitische Aspekte ein."

eldorado 22.01.2013 | 00:20

Jetzt hab ich's gefunden, war schon ziemlich weit nach oben gerutscht.

Es ist schon verrückt. Seit dem zweiten Weltkrieg wird die Schweiz reich und reicher. Seit der Dollar und das Pfund heruntergepurzelt ist, ist der Franken mehr oder weniger die stabilste und hohe Währung geworden.

Fangen wir von vorne an. Napoleon war es, der uns den Schweizer Franken verpasst hat. Vorher war die Schweiz im dem Sinne auch noch kein Staat. Da hatten sich ein paar Bünde zusammengetan, dort ein paar andere, usw., die sich auch überschnitten. Aber ein gemeinsamer Ueberbau war nicht da. Auch keine gemeinsame Währung. Napoleon hat uns auf die Sprünge geholfen und die Helvetische Republick geführt und uns den Franken verpasst (in Anlehnung and den franc). Das dauerte nur sehr kurz und Napoleon war wieder weg. Einzelheiten weiss ich nicht. Dann wurde sie umgetauft in Confoederatica Helvetica, eben Schweizerische Eidgenossenschaft, wie es immer noch auf dem Fünfliber steht. Was heute das englisch, war im europäischen Sprachraum früher ja das Lateinische. Zu dieser Zeit bis zwischen den Weltkriegen, wanderten massenhaft Schweizer aus - aus Armut, auch zwei meiner Grosstanten mit 14 und 15 Jahren ganz allein, in die USA. Es gingen viele in die USA, Argentinien, Chile, Russland und viele andere Staaten.

Ich kann schlecht nachvollziehen warum heute dermassen über Wirtschaftsflüchtlinge hergefahren wird, waren wir doch selbst mal darauf angewiesen. Allerdings könnte man das heute auch anders lösen, indem Weltwirtschaft nicht mehr aufgrund von Eigennutzen betreibt, sondern als dienst am Mitmenschen. Sind wir doch alles Brüder und Schwestern auf dieser Erde.

Hat ein Land Exportüberschuss, muss ein anderes Land zwingend mehr Import als Export haben. Merkel sieht die Lösung in Niedriglöhnen, die Schweiz in niederen Steuern. Ist doch klar, dass dabei ein Sog entsteht, die Menschen zum wandern treibt, ob sie wollen oder nicht. Bei uns sind die Niedriglöhne verpönt. Man nennt sie Dumpinglöhne. Sie werden geahndet. Da werden Menschen aufgespürt, die zu 8 oder 9 Euro oder 12, 13 Franken die Stunde arbeiten. Bei uns ist das doppelte ein miserabler Lohn.

eldorado 22.01.2013 | 00:25

Bei der TW geistere ich unter dem Namen Maya Eldorado herum.

Die Woz habe ich früher regelmässig gelesen und habe sie dann aus den Augen verloren. Als regelmässige Zeitungsverträgerin (es gibt immer Reserveexemplare, hatte ich die BaZ, die BZ (Basellandschaftliche, die NZZ und den Tagi und manchmal die FAZ aus Deutschland. Das war mehr als genug und Geld für ein Abo hatte ich da sowieso nicht.

MopperKopp 22.01.2013 | 00:38

Ein ganz interessanter und wesentlicher Aspekt. Alle aktuellen Untersuchungen weisen darauf hin oder weisen nach, das Mindestlöhne und der Kampf gegen Lohndumping Wirtschaft und Gesellschaft stabilisiert - so sie denn ausgeglichen sind. Das ist das hüpfende Komma. Eine einseitig auf Export fixierten Wirtschaft setzt, wenn sie auf keinen Widerstand trifft, stetig sinkende Löhne durch, bis hin zu Lager- oder Gefängnisarbeit. Das ist zweifach schädigend, innen, weil immer mehr Mitglieder der Gesellschaft in prekäre Verhältnisse rutschen und extern, weil mit solch gesellschaftschädigenden Angriffen kaum jemand konkurrieren kann und somit ganze andere Gesellschaften zerstört werden, siehe Griechenland. Würde man das ohne Namen, rein abstrakt Personen vorlegen, sie kämen recht schnell auf Deutschland, allerdings verstärkt auch die schrecklichen Machtbestrebungen im letzten Jahrhundert.

Schon sind wir wieder beim Thema. Diese zerstörerischen Strukturen, die primär von Deutschland ausgegehen und Europa gefährden, werden von der deutschen Presse (die ein konkretes Interesse hat und eingebunden ist, sozusagem Mittäter), kaschiert, beschönigt, vertuscht, schreibt um, man lenkt ab, schreibt von faulen Griechen oder zündelt mit Kampagnen, Nationalismus, Rassismus oder Antisemitismus, auch das wieder eine Weiterführung alter Methoden.

eldorado 22.01.2013 | 00:45

Das will ich mir dann genauer anschauen, wenn ich geschlafen habe.

Hier etwas aus der TW, betreffend Grundeinkommen. Bei uns ist ja eine Initiative am Laufen für das Grundeinkommen. Das könnte natürlich Herrn Augsteins Problem und allgemein der Presse weitgehend lösen.

Unterdessen ist Halbzeit. Hier der Artikel.

https://www.tageswoche.ch/de/2013_03/schweiz/502649/grundeinkommen-kommt-gut-an.htm

Ich hab ihn ausprobiert. Er funktionniert.

Spannend ist, dass diese Zeitung eher links ist und das vor allem auch die Community.

Hier sieht man sehr gut, dass sich ein  rechter SVPler eingeschlichen hat. Offenbar ist er nicht auf der Sonnenseite des Lebens. In seinem Profil steht: "zwangsbevormundet". Menschen, die nicht selber denken wollen oder gar nicht können findet man sehr viele in diesem Verein.

eldorado 22.01.2013 | 01:08

Oh, bei uns ist der Widerstand auch gross.

Es gibt Deutsche, die so fasziniert sind vom Grundeinkommen, dass sie auch mit Unterschriftenbögen herumweibeln um uns zu helfen. Sie sehen das bei uns wie einen Probelauf für Deutschland. Und durch facebook von Daniel Häni, habe ich auch Einiges über Deutschland erfahren, weil dort fast mehr Deutsche sind als Schweizer. Und auch bei Euch scheint es eifrige Verfechter und Befürworter zu geben.

MopperKopp 22.01.2013 | 01:18

Das stimmt, natürlich ist "die Deutschen" eine unzulässige Verallgemeinerung. Es gibt, wenn man genau schaut und sucht, auch Befürworter des BGE. Aufschlussreich ist die Abwehrhaltung linker Kreise, man denke nur an Münterferings "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", denn Arbeit ist in den Kreisen ein Fetisch, ohne Arbeit, auch als Zwang, bricht eine ganze Ideologie zusammen. Arbeitslager gibt es in allen politischen Richtungen, auch Staatskapitalismus führt dorthin.

MopperKopp 22.01.2013 | 01:30

Die Piraten arbeiten beispielsweise an einem BGE-Konzept, sind aber auch hier sehr zerstritten, sie zerlegen sich momentan selbst, leider zerstören abgehalfterte Politiker aus anderen Parteien, die dort Unterschlupfsuchen, die offenen Strukturen, es kehrt das ein, was man auch von den Altparteien kennt. Ein Ergebnis unter 5% wäre das Beste, was den Piraten bei der kommenden Wahl passiern kann.

eldorado 22.01.2013 | 02:27

In der Schweiz hatte keine einzige Partei etwas damit am Hut. Sonst kommen Initiativen sehr oft von Parteien. Sie haben dann auch mehr Chancen, weil eine Organisation dahintersteckt, die das durchzieht.

Beim BGE war das nur eine Handvoll Menschen, bis dann die Initiative starte ein wenig mehr. Mit dem Start der Initiative kam das nach und nach wie eine Lawine ins Rollen. Den Parteien blieb nichts anderes übrig, als sich damit zu befassen. Ineressant ist, dass sich keine einzige Partei für oder gegen eintscheiden konnte. Die Trennung geht mitten durch die Parteien hindurch. Wer weiss, vielleicht weicht das den Parteienfilz mal etwas auf.

Im Uebrigen halte ich persönlich nicht viel von Parteien. Je geschmierter einer spricht, spürt man gar nicht mehr den Menschen der spricht. Am ehesten könnte man mich noch bei den Anarchisten einordnen, bei den friedlichen. Mit Gewalt hab ich gar nichts am Hut.

Noch eine kleine Geschichte, wie Du sehen kannst, dass das BGE bis nach Deutschland rüberschwappt. Da hat einer einen Laden in Lörrach (D), dann kommt die Grenze zur Schweiz, da ist Riehen, Basel... In seinem Laden hat er viel Kundschaft aus der Schweiz. Und was machte der gute Mann. Er besorgte sich Unterschriftenbögen des BGE und legt sie im Laden auf und ermuntert seine schweizer Kundschaft zu unterschreiben. Es scheint, dass er ziemlich erfolgreich ist.....

eldorado 22.01.2013 | 03:00

Ich habe das Gefühl und auch die Erfahrung gemacht, dass auch Menschen die guten Willens sind, je weiter sie nach oben kommen, sich entweder zerfleischen oder sich immer mehr an das Gehabe dort oben anpassen.

Deshalb - friedliche Anarchie und ziviler Ungehorsam finde ich das effizienteste. Man muss nicht mal kämpfen einfach ruhig das machen, was man von innen heraus richtig findet, auch zum Beispiel während Arbeitseinsätzen als Arbeitsloser oder wenn man bei der Fürsorge ist (glaube Hartz4 bei Euch)

Johannes Renault 22.01.2013 | 06:34

Da viele der von Ihnen (mopperkopp) hauptsächlich angesprochenen Stränge auch für  B-Journalisten der grösseren Häuser durchaus naheliegen müssen, diese das Thema aber nie streifen, wurde mir es langsam etwas zu unheimlich darüber zu sprechen. Auch wenn ich in Gesprächen mit Bekannten Zustimmung erkannte, war es nach kurzer Zeit für alle zu blöd. Für kaffeetrinkende, gut aussehende, gebildete Bekannte, meiner kleinen Kreise auf Erden, nicht fassbar. Als wolle man das vormals liebe u. vorbildhafte  Familienmitglied, welches sich täglich um halb-sechs mit einem Lama auf dem Hermannplatz paart - bevor wiederholt die Polizei einschreitet, nachdem auch wieder das Lama sein Leben geben musste, ja, das kann man den Onkels und Tanten bei der Konfirmation nicht erzählen. 

"Diese zerstörerischen Strukturen, die primär von Deutschland ausgegehen und Europa gefährden, werden von der deutschen Presse (die ein konkretes Interesse hat und eingebunden ist, sozusagem Mittäter), kaschiert, beschönigt, vertuscht, schreibt um, man lenkt ab, schreibt von faulen Griechen oder zündelt mit Kampagnen, Nationalismus, Rassismus oder Antisemitismus, auch das wieder eine Weiterführung alter Methoden."

Dem vor kurzem verstorbenen, 'letzten amerikanische Ritter' (SPIEGEL, glaube ich) und Schriftsteller (u.a.: "WASHINGTON, D.C.", 1967), Gore Vidal, war es billig Verschwörungsanalytiker zu sein, nicht -theoretiker. Er sah wie viele andere, Gründe dafür. Als Aussenseiter - in vielen Hinsichten, als Dandy, Humanist und Upperclass-Ur-Pilgrim, war er gewissermaßen illuminiert. Etwa wie die leuchtend-goldenen Bögen die Fast-Food-Bude in die weite Prärie verkünden was Sache ist, bloss umgekehrt. Wie viel mehr denkende gibt es erst heute! Und in den kommenden Jahrzenten?

Die Phasenverschiebung USA-Europa in Trend und Manier, und wie in den USA schon das Pendel wieder zurück schwenkt ("Freiheit" nicht medizinisch behandelt zu werden, "Freiheit" erschossen oder in ein Lager gebracht zu werden), lässt auch uns - in ein paar Jahren allerdings,  hoffen. Oder ist dieser Verlust an Presse nicht mehr aufzuholen? Ein jüdischer Kaufmann aus HH, jetzt Kalifornien, behauptet ja (aus meiner Erinnerung), dass "die deutschen damals keine Schuld gehabt haben: sie lasen ja nichts mehr in den Zeitungen, da war das dann 'ganz normal'. Die letzte unbeugsame Zeitung, die nicht den politisch korrekten Weg einschlagen wollte, nämlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die wurde komplett geschlossen. Und auch das wurde nirgens kommentiert. Nicht in den anderen 200 Zeitungen Deutschlands, nicht im Rundfunk oder Wochenschau. Die Masse war politisch korrekt - die Weisse Rosen "verschwanden".

Gerüchte gibts immer. Gerüchte und Verschwörungen, damit lässt es sich ganc p.c. leben.

Hier im Freitag, jedenfalls der beste Artikels seit langem.

 

Terrich 22.01.2013 | 06:54

Meiner Meinung lag liegt das Problem in der Dynamik der Entwicklung bezüglich der Weltwirtschaft und der damit einhergehenden Krise des Kapitalismus

Sie reduzieren auf einen Komplex monokausaler Ursachen, auch wenn dieser Begriff etwas widersprüchlich einher kommt. Die Weltwirtschaft wie auch die Welt leidet an einem Übermaß an Mensch(en), die zwar alle etwas verbrauchen wovon die Meisten jedoch nicht als Konsumenten in Frage kommen können ... und würden sie als Konsumenten in Frage kommen, wäre es mit dem Environment, mit der ökologischen Umgebung

Grenzfläche Erdeoberfläche <-> Weltraumvakuum

noch schneller zu Ende. Der so genannte Wachstumsprozess, das goldene Kalb des Kapitalismus ist letztlich auf eine stetig wachsende Zahl von Konsumenten angewiesen, um sich zu perpetuieren.

Das bedeutet, dass der Zuwachs an Mensch die zur Stabilisierung benötigte Infrastruktur einer Konsumptionskultur ad absurdum führt, in dem ein wachsender Anteil dieser Menschen in zunehmender Verelendung sein Leben fristen muss.

Die EU z.B. positioniert seit geraumer Zeit Waffen und Drohkulissen an den Grenzen ihres Einflussbereichs um einer realen oder vermeintlichen Gefahr zu begegnen, die sich aus dem vorher Genannten, nämlich der Überbevölkerung und der daraus wachsenden Gefahr massenhafter Wanderungsbewegungen in nördliche Breiten, ergeben.

Die damit einhergehenden Prozesse massenhafter Vernichtung, seien sie aktiver (Vernichtung durch Waffen und ähnliche Systeme) oder passiver Art (durch Mangel an Wasser und Nahrung) werden (würden) als Berichte in den öffentlichen Medien Eingang finden und bei den ansässigen, von christlichen Idealen geprägten Gesellschaften Hilfs- und Mitleidsimpulse auslösen, die sich dann wiederum auf die politischen Strukturen auswirken.

Eine von diesen Veröffentlichungszwängen befreite Presse kann diese Prozesse entweder beschönigen, verschweigen oder von Grünflächen in der Sahara berichten, von großflächigen Aufforstungen und

das alles bald besser wird.

Nichts wird besser werden. Solange alle 4 Sekunden ein Kind verhungert und alle zwei Sekunden ein Mensch an den Folgen mangelhaften Wassers oder verdorbener Nahrung stirbt, die Menschheit aber gleichwohl mit dem derzeitigen Tempo wächst, wird sich dieses Szenario nicht auflösen.

In diesem Zusammenhang, werter MOPPERKOPP von einem Abbau des Sozialstaates zu sprechen, wird in den Augen der Verhungernden reichlich nach Zynismus klingen. Was Sie beklagen ist die Gefahr einer

Ver-orwellung

der so genannten westlichen Industriegesellschaft. Dies ist real. Doch in Anbetracht dessen, was die Alternative ist, nach meinem Dafürhalten nicht die schlechteste dieser (Alternativen)

Terry Rich

 

Johannes Renault 22.01.2013 | 07:32

Besorgen Sie sich ein schnelles Pferd. Ich bin überzeugt daß sich diese üblen Zustände ganz zart eingeschlichen haben. Auch daß es Kommunikation und Sanktionsmöglichkeiten zwischen Presse/Medienverteter der entscheidenden Ebenen, Politik u. Wirtschaft gibt. Man müsste ja schon wirklich mit Infantilität geschlagen sein das Gegenteil zu behaupten.

Doch die Menschen in Form der gesellschaftlichen Traube glauben es natürlich erst wenn es Jauch auch sagt. Und zusätzlich kreditierte Autoritäten in ihrem persönlichen Umfeld. Plus, dem zeitlichen Faktor der bei jedem unterschiedlich dauert, die Erkenntnis zu reflektieren. Wie bei der Trauerarbeit vielleicht. Dann werden viele überzeugt und viele plappern es nach. Aber das ist egal, dienlich wäre es. Wichtig ist, daß durch nicht ignorierbare Ereignisse, selbst evtl. unwesentliche Kuriositäten, wie zB. Bilderberg-Einladungen bestimmter Promis, in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit kommen. Es gibt aber keine nicht zu verheimlichenden negativ Schlagzeilen in dem Zusammenhang (wie etwa Stalingrad 1942, um mal bei einem aktuellen Thema zu bleiben), welches 'gesendet' werden müsste.

 

Johannes Renault 22.01.2013 | 07:50

Sie haben recht wenn sie nach aussen denken. In den höheren Maßstab zwischen Kontineten. Da wird es keine Lösung geben die ich oder Sie oder Mopperkopp gut finden. Da wird es noch Kriege geben, nennen Sie einfach mal.. ..2046 vielleicht. Oder 2029, irgendwo, irgendwie wie schon immer, immer, immer.

Aber, bitter und realistischer könnte man sich schon egoistisch verschantzen. Europa! (Noch) nicht der gleichnamige Mond, und gewiss keine schönen oder wünschenswerten nachrichten für: sagen wir mal japan u. china. Oder einige Städte (35000000 Einwohner) woanders. 

Mopperkopps Sache scheint näher um uns herum. Das scheint realistisch. Die anderen, in anderen Realitäten und Zeiten, ferner,  bleiben ja nicht stehen. Importieren gar wieder den europ. Lebenserhaltungstrieb.

MopperKopp 22.01.2013 | 07:55

Wie kann es sein, dass diese Themen sehr oft ausgeblendet werden, auch im privaten Kreis? Ist im Zeitalter des Selbst die Selbstzensur des Denkens schon so verinnerlicht? Weiß man, dass ansonsten die restliche Selbstzufriedenheit bröckelt? Gefährdet das eine erfolgreiche Selbstvermarktung? 

Dabei wäre es so spannend, erhellend, aufschlussreich, wenn wesentlich mehr Betroffene und Interessierte ihre Gedanken zu diesem Thema ungeschminkt öffentlich diskutieren würden. Etwas mehr oder weniger verschwörungstheoretische Ansätze sind unschädlich, ist doch schon der Gebrauch dieser Begrifflichkeit meist ein Zeichen von Gedanken-Zensur.

Die angesprochene Kampagnen- und Verschweige-Möglichkeiten der Medien, egal ob Zeitung oder Rundfunk, ist bei den vorhandenen Strukturen vorhanden und wird praktiziert, man denke nur an den erklärten Boykott der FAZ gegen die Linke bezüglich der Vorwahlkampfberichterstattung bei der letzten Wahl. Auch ist keine wirkliche Vielfalt des Angebotes vorhanden, man schaue sich einfach nur die Zugehörigkeiten an, da konzentriert sich Vieles in Wenigem.

Alte Haudegen wie Gore Vidal sterben aus, was wächst nach? Da werden Positionen frei, kein Interesse? :-)

MopperKopp 22.01.2013 | 08:14

Den Abbau des Sozialstaates (in Deutschland eine ehemals heilige Kuh) habe ich in einem konkreten Kontext erwähnt, zur Verdeutlichung, dass heilige Kühe nun der Reihe nach zur Schlachtbank geführt werden, nichts bleibt verschont, egal ob Mitsprache, Meinungsfreiheit, Recht auf Leben, Demokratie.

Die Verhungernden in den wesentlich ärmeren Regionen sehen diese Veränderung ambivalent. Einerseits ist es eine nur gerechte Angleichung, leider nach unten, andererseits sinkt so auch die Messlatte, je niedriger der Lebensstandard, auf den der Kapitalismus den Status der in ihm lebenden Bevölkerung drückt, um so gefährdeter die reine Überlebensfähigkeit der armen und ärmsten Regionen, das passt zu der erwähnten Aufrüstung, der militanten Grenzsicherung und der präventiven Kriegsführung, Flüchtlinge werden sozusagen schon vor einer möglichen Flucht getötet.

Überlegungen bezüglich der Anzahl an Menschen auf der Erde sind immer kritisch. Gibt es zuviele? Tatsache ist, dass mit den vorhandenen Möglichkeiten keiner verhungern müsste. Die vorhandenen Strukturen produzieren einerseits mehr Waren, andererseits auch mehr "Überflüssige".  Es besteht somit die Gefahr, dass eine behauptete Überbevölkerung ein System, das "Überflüssige" produziert, entlastet, weil es ja nur eine fast schon natürliche Gegebenheit offenlegt. 

Terrich 22.01.2013 | 08:20

Da wird es noch Kriege geben, nennen Sie einfach mal.. ..2046 vielleicht. Oder 2029, irgendwo, irgendwie ...

Mali 2013 ... Patriot in die Türkei ... Bundeswehr in Afghanistan (kommen aber zurück, unter dem Erzgebirge wurden seltene Erden gefunden ... in erheblichen Mengen) USA zieht sich langsam aus dem nahen Osten zurück: Fracking setzt in Amerika riesiege mengen Öl und Gas frei usw. usf. Der krieg ist schon hier, er heißt nur anders.

Terry Rich

MopperKopp 22.01.2013 | 08:26

Diese Bilderberg-Geschichten haben doch nur noch Event-Charakter, wenn schon ein Trittin dort mitmischt, das wird immer mal kurz medial aufgekocht, Ende. Außerdem werden die wirklich wichtigen Entscheidungen an anderen Stellen getroffen.

War nicht die Bankenkrise sowas wie ein Stalingrad des Kapitalismus, des Neoliberalismus, der Deregulierung? Da aber keine realen Panzer rollten, wurden die erlittenen Verluste schnell ausgeglichen und auf die Bevölkerung abgewälzt, nicht nur das, die Niederlage wurde in einen Vorteil umgemünzt, schleppen die Gemeinschaften doch im Zuge der Krisenbekämpfung durch Staatsverschuldung nun riesige Schuldenberge vor sich her und haben damit Zukunftsperspektiven und Optionen verpfändet. Demokratie wird durch eine Herrschaft nicht gewählter Verwalter der Schuldenrückzahlung abgelöst, in Europa besonders deutlich, siehe Griechenland, Italien (wer ist Monti), auch dieser unsägliche SPD-Kanzlerkandidat, eine billige und willige Marionette, die hochzujodeln selbst Augstein sich nicht zu schade ist.

MopperKopp 22.01.2013 | 08:36

Nun, viele Wissenschaftler kommen zu diesem Ergebnis. Keiner muss verhungern, bei optimaler Aufteilung der Ressource und Produkte. Natürlich gibt es Zonen, Wasser in der Wüste, wo jetzt schon mit überharten Bandagen gekämpft wird.

Wie gesagt, das führt zu der sehr spannenden Frage, warum dann die erwähnten Kriege geführt werden, warum diese tödlichen Strukturen beibehalten werden? Aus einer vorhandenen Überbevölkerung und einer behaupteten Unmöglichkeit ihrer Versorgung könnte man eine Zwangsläufigkeit der momentanen Gegegebenheiten ableiten und sie somit fast schon entschulden. So lassen sich "Tatsachen" konstruieren, aus denen "einschneidende" Maßnahmen abgeleitet werden können. Ist das nicht sehr bedenklich und kritisch?

Johannes Renault 22.01.2013 | 08:50

In Ländern mit nur einem Sender, da kann sich der Mensch Vormittags um die Kühe (Gesundheit, Kälber u. Bullen, Schlachten, Wursten, Verkaufen), den Mist (abfahren, neu einstreuen), die Milch (melken, abfahren, lagern, Käse-, Buttermachen, Verkaufen), das Futter (sähen, mähen, die Fahrten u. Lagerung), die Schweine (volles Programm), die anderen Tiere (volles Programm), er kann sich mittags um Haus u. Hof kümmern (Instandhaltung, Rechnungen, volles programm), er kann noch Kleidung u. Hausrat besorgen, zusätzliche Nahrung besorgen, sich mit der Familie streiten, Frau, Kinder, Nachbarn, Freunde und Ämter, er kann noch mehr machen,  wenn er dann abends nur einen Sender hat, und nicht 50 im Fernsehen, 20 im Radio, drei Zeitschriften und 2 Computer mit unendlicher Bildungsmöglichkeit, dann könnte er was verändern. Er schaltet ja alles immer an. 

In der DDR oder Rumänien 1988, da ging noch was. In New York, London und Paris gab es die letzten tausend Jahre, ach was - noch nie, auch nur mini-mini-Revolutiönchen. So richtig ist der Boden die letzten tausend Jahre nicht gerecht verteilt worden als daß man da in Frieden drauf alt werden könnte. Geschweige denn Zeit hätte.

Ich las mal: Emanzipierung des Negers (sic), emanzipierung des Tieres, emanzipierung der Frau. In der Reihenfolge. Det ham wa jeschafft, na prima. Also hier in west-west-Asien.

So bleibt alles beim alten, biblisch, bis der grosse Knall kommt (unter dem Eindruck von acht milliarden Toten und deren Duft kein Kunststück das Zeitalter des Tiers hinter sich zu lassen). 

Positiv betrachtet, ist evtl. Schadensbegrenzung das Motto, und nicht in Religosität verfallen. Ich meine, es geht hier ja schon los, mit Veränderung. 

 

 

MopperKopp 22.01.2013 | 08:53

Kann man sagen: Parteien versauen den Ruf der repräsentativen Demokratie?

Dieses Überschwappen ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass da etwas eine Eigendynamik entwickelt. Und gleich sind wir wieder beim Thema, die gleichen Medien, die die angebliche Alternativlosigkeit der Bankenrettung mit Billionenbeträgen lauthals propagierten, schreiben nun stetig und gezielt gegen eine Grundabsicherung, weil angeblich kein Geld für solche "Hirngespinste" vorhanden ist. Und diejenigen, die einen behaupteten Geldmangel Abstreiten, denen ist die Bedingungslosigkeit der Grundversorgung ein Dorn im Auge, wird doch so ihr Arbeitszwangfetisch untergraben.

MopperKopp 22.01.2013 | 09:02

Die uralte Frage, ob Boden Privateigentum sein soll, darf, ist mal wieder höchst aktuell. 

Meiner Meinung nach kann der Mensch im Zuge der technischen Möglichkeiten immer mehr von diesem Arbeitszwang befreit werden. Roboter werden besser, sie können immer komplexere Arbeiten erledigen, der Mensch konzentriert sich auf koordinative Aufgaben. Auch ein aktives mediales weltweites Umfeld kann jedem jederzeit zur Verfügung stehen, diese MediaBrillen ermöglichen sehen, hören, lesen, sprechen ... ohne dass man unhandliche Technik rumschleppen muss.

Es gibt so viele Möglichkeiten - wenn das vorhandene System sie nicht verunmöglichen würde.

MopperKopp 22.01.2013 | 09:11

Warum eigentlich wird auf bestimmt Themen so hypersensibel bis fast schon aggressiv reagiert? Auf welche Wunde wird da der Finger gelegt? Kann es sein, dass eine offene Wunde vorhanden ist, aber verdrängt wird? Kommen daher bei zu "dreckigen" Fingern die Kommunikationsdoktoren angewackelt, damit sich nicht noch was entzündet und die eitrige Wunde aufplatzt? Lieber eine unter Kontrolle gehaltene stetige Wunde als ein echter Heilungsprozess? Zeigt her eure Wunden ...

Oberham 22.01.2013 | 09:11

Es gibt so viele Möglichkeiten - wenn das vorhandene System sie nicht verunmöglichen würde.

Der Aufwand, der für die "Verunmöglichung" betrieben wird, übersteigt jenen, der für das Mögliche betrieben wird bei Weitem!

Daher bleibt für einige Milliarden selbst das Mögliche unmöglich.

Aber dem Menschen ist eben der im Privatjet fliegende, dort in der goldenen Wanne badende, und am Telephon den nächsten Massenmord organisierende Supermensch, das ersehnte Ebenbild, seines Strebens!

Den Diogenes hat man sammt seiner Tonne in das hinterste Kellerloch gepfercht.

Von dort unten, hinten, vom Unrat der Zeit verschüttet, plärren die Mopperkopps, Oberhams, Fahrwaxe ihre Triaden in den Muff des Jahrhunderte alten Staubs, kommt wirklich mal ein Schallwellchen bis in die Winkel der ersten Normalmenschen geflogen, hauen die sofort eine vielleicht ab und an offen stehende Türe zu.

Wir in Europa hätten für einige Dekaden die Türen offenstehend, durchschreiten können, den alten Kerl herausholen können, etwas ändern können, ich fürchte die Türen sind wieder alle zu!

MopperKopp 22.01.2013 | 09:24

"Der Aufwand, der für die "Verunmöglichung" betrieben wird, übersteigt jenen, der für das Mögliche betrieben wird bei Weitem!"

Richtig.

Genau das muss man hinterfragen, kritisieren, offenlegen. Das ist die Aufgabe der Medien, hahaha, kleiner Scherz, aber es wäre sie. Und immer wieder auf eine Alternative hinweisen, sie aufzeichnen, allerdings nicht als big Plan von oben runter, das Ergebnis ist hinlänglich bekannt, es geht darum, dass jedem Menschen eine eigene und freie Lebensgestaltung möglich ist - im Zuge der Gegenseitigkeit.

Oberham 22.01.2013 | 09:45

Ich wollte tatsächlich schon mal die Recherge betreien und die Anteile am Bruttosozialprodukt entsprechend aufdröseln.

Für den Politikbetrieb käme ich auf knapp 100 Milliarden Euro - nur das nimmt mir kein Mensch ab - auch wenn ich auf den Bundeshaushalt verweise (wer macht sich schon die Mühe dort dann meinen Anregungen gedanklich zu folgen....)

Rechnet man alles zusammen (z.b. dass von den 330.000.000.000,-- Mrd. € für die Krankheitsindustrie etwa 30.000.000.000,-- genügen würden, um die Menschen in Deutschland mit gut ausgebildetem - gerecht entlohnem Heilungspersonal und Heilmitteln plus Infrastrukutr genügen würden - würde man dies alles rein Zweckorientiert, d.h. Zweck ist die Gesundheit und das Heilen bei Unfall, Krankheit, aufsetzen - ist einfach sehr komplex und die unterlegten Annahmen kann jeder der möchte - natürlich - in der Luft zerreissen - also spare ich mir das - die Leute wollen es eh nicht wissen.) kommt wohl etwa 75 % der Bruttosozialprodukts dabei heraus.

MopperKopp 22.01.2013 | 09:55

Ja, fiele noch dieses krank machende Arbeitsumfeld weg, die nicht nur die Seele fressende Angst, die miese Nahrung ... eine fahrbahre Krankenstation würde reichen :-) 

Es ist tatsächlich so, der Kapitalismus wandelt alles zu seinem Vorteil, er profitiert immer, statt gesunder Lebensbedingungen -> krankmachende Arbeitszwänge, aber daraus entstehen Profite der Krankheitsindustrie, statt einer hohen Bezahlung, die ein würdiges Leben erlaubt -> Hungerlöhne, aber so werden die Betroffenen in Schulden gezwungen ... und und und

MopperKopp 22.01.2013 | 10:09

Schon Salomo wusste: "Es gibt nichts Neues unter der Sonne"

Das stimmt, es ist noch nicht abgeschlossen, noch ist das Leistungsschutzrecht nicht durchgewunken, durchregiert. Die damit einhergehenden und hier angerissenen Probleme bleiben aber, im Falle einer eher unwahrscheinlichen Ablehnung verschwinden sie nicht.

Kommerzielle Medien als 4. Gewalt überdehnen momentan ihr Machtbestreben, sie zensieren, drücken eigene Interessen durch Nähe zur Macht durch, statt diese kritisch zu "begleiten", machen breit angelegte Kampagnen bezüglich ihrer Profite und verkaufen es als Garantie der Demokratie.

Eine Lüge jagt die nächste, Orwell wäre baff, wie schrill unf bunt Manipulation vonstattengeht. Bei der Suche nach dem Superstar crasht die Demokratie samt freier Verhältnisse gegen den nächsten Bohlen.

Oberham 22.01.2013 | 10:11

Man kann das im Übrigen ganz leicht in ein Bild bringen - ein Bild, das die etablierten Kräfte natürlich mit Hohn und Spott bedenken.

Doch es ist so einfach:

Für Deutschland BIP p. Kopf ca. 36.000,-- Euro - nimmt man ein Viertel liegt man bei 8.500,-- Euro - tja - fällt da was auf?

(Man könnte das Ganze global sogar noch wesentlich besser darlegen, da die Ressourcenproblematik integriert werden könnte - im Sinne von logistisch optimierter Prozesse)

Aber ok hier das Bild:

8.500 Euro pro Kopf - dafür jedoch 75 % weniger Arbeit, Güter Dienstleistungen.

Super - nur - man stelle sich jetzt einmal vor, die Bauern, die Müllmänner, die Krankenschwestern, die Mütter, die Pfleger, die ganzen im primären und sekundären Bereich an essentieller Stelle arbeitenden Menschen würden nur noch 25 % ab heute leisten - ups - sie bekämen dann auch nur noch ein viertel Gehalt?

Ok - es wäre ein Viertel von einem Prekariatslohn (in den meisten Fällen!).

Nun - was würde passieren, verschwänden über Nacht alle Politiker, Bankkaufleute, Juristen, Versicherungsvertreter, Fachärzte mit Privatpraxis, sämtliche Manager, Marketingstrategen, Journalisten, TV-Moderatoren, etc. etc. etc.....

Würden wir plötzlich im Chaos enden?

Ich behaupte nein - solange die Arbeiter ihre 25 % leisten - würden wir wahrscheinlich sogar besser leben - bis auf die - die ich nannte, die ganz verschwinden könnten.

Sicher eine radikale Vereinfachung - nur - der Mensch braucht keine soziale Pyramide, keine Partei, keine Führung, .....

Er müsste schlicht das Notwendige tun, kraft seines Intellekts, könnte er sich von Frohn und Mühe weitestgehend befreien, könnte Krankheiten heilen und zwar für jeden der erreichbar, der betroffen ist, könnte er durchaus individuelle Mobilität in hohem Maße darstellen, Freizügigkeit gestatten, die eben dem entspricht was ökologisch vertretbar ist.

Nur - wir gestatten den Eliten die unbegrenzte Freizügigkeit, die Vernichtung des Planeten und die Knechtung der Massen, dafür arbeiten wir drei Viertel unserer Zeit - drei Viertel als willige Helfer der Spaltung und Vernichtung!

In Kriegszeiten werden daraus dann 100% - alles ist nur zum gegenseitigen sich vernichten ausgelegt - selbst die Verwundeten möchte man zurück an die Front oder wenigstens in die Munitionsfabrik pflegen.

Die Front ist heute der Moloch globale Konsumwirtschaft und Finanzwirtschaft - er Mensch betet Zahlen in Büchern, hinter denen ein Währungssymbol steht, an, dabei vergisst er, dass er auf die Welt, von der er lebt, sie Scheisse seiner Untaten verteilt. (Wobei wir wieder bei der Kacke wären)

Mopper - ich zitere immer Becket - wir warten auf Godot - es bleibt uns nichts mehr neues zu sagen, wir drehen uns wie eine Spielfigur auf der Dose, bis jemand kommt uns uns den Saft abdreht - aber - ok - lass uns weiter aus dem Kellerloch zetern - wir sind ja nicht alleine - nur - die Tage werden eben bald nicht mehr von Menschen durchlebt werden, da bin ich mir absolut sicher, die Utopien vom Reisen durch die Galaxien - die können wir so nicht hinbekommen - nach dem Vernunftmodell, ja danach wäre es wohl möglich - nur - das ist eben keine Option für die hypersatten, vollgefressenen, dekadenten Allesschänder, Allesfresser, Alleshasser, Allesvernichter. 

 

MopperKopp 22.01.2013 | 10:37

Einerseits zeichnest du kraftvolle Bilder, andererseits sind dort ein paar Fußangeln eingebaut, die den Gedanken einer positiven Alternative sofort straucheln lassen. Zu einfach kann man Assoziation zu einer finsteren Vergangenheit herstellen, Vernichtungsbestrebungen einer und an einer wie auch immer definierten "Herrschaftsschicht" hineinlesen, vielleicht sind sie auch konkret vorhanden, aber die Vergangenheit gewinnt Oberhand, zerrt die Sätze in einen tiefen Sumpf, Gase steigen auf ...

Die Perspektive einer nur noch notwendigen Arbeitsleistung von 5% des jetzigen Volumens dank Roboter (beispielsweise), kombiniert mit einer konfortablen Lebensgestaltung, das sind Bilder in die Zukunft projiziert, die muss der Gegener erst mal madig machen, mit der Gefahr, dass er es dann ist, der sich die Hände schmutzig macht und mit Argumenten arbeitet, die man schnell zerlegen kann.

Es gibt schon länger dieses 5 Stunden sind genug Projekt inclusive frei verfügbarer Bücher. Aber, ich bin geneigt zu sagen: natürlich, verkümmern diese Gedanken still vor sich hin.

Oberham 22.01.2013 | 10:40

... das widerlichste dabei, jene die den Spiegel hochhalten, werden dann regelmäßig als Menschenhasser gebrandmarkt.

Nun, ja - jene die sich willig in den Dienst der Vernichtung unserer Lebensräume, unserer sozialen Minierrungenschaften und der Verblendung unserer Sinne stellen, die hasse ich tatsächlich, nur - das sind eben keine Menschen im Sinne von menschlich, das sind Bioroboter die Euros sammeln, Dollars sammeln, die Macht sammeln, oder sich erniedrigen und gefügig machen lassen, um wenigstens die Brösel dieses infernalischen Kuchens mitlecken zu dürfen.

Gehören wir da auch dazu? Darf ich nicht mal Luft holen ohne schon korrupt zu sein?

Am Ende bleibt mir die Zahl - ich behaupte schlicht wer sich mehr gönnt als die se 8.500,-- Euro pro Kopf, der ist ein Scheiss Arschloch, dass vor lauter Selbstgerechtigkeit nicht denken will, dass sich toll findet, gerecht findet, dass glaubt es hätte seine Reservewelten im Kühlschrank - in der Frischhaltebox.

Eine vierköpfige Familie = 32.000,-- Euro im Jahr und zwar netto!!! - wäre das zu wenig????

Vor allem man sollte dazu bedenken welche kosten dann noch dazu unnötig wären (die Nettozahl impliziert, dass man die Trottel von Politikern und Kleptokraten nicht finanziert - das die Infrastrukutur klug und nicht debil errichtet wird....etc.)

Ein einsamer Rentner hätte vielleicht nur die 8.500,-- aber er bekäme seine Pflege, Politiker würden ja in der Altenpflege arbeiten, da sie für das Politikerdasein nicht bezahlt werden, Bankkaufleute, Steuerberater - mit ihren ganzen Hilfs- und Idiontenzusatzjobs - freigestellt - im Dienst der Menschen tätig - nicht im Dienst der Zahlen...............

Es gäbe für jeden Senioren zwei, drei Erwachsene die Zeit aufbringen für den alten Menschen!

Wahrscheinlich würde eine Stunde genügen - im Übrigen, wahrscheinlich wären alte Menschen um ein vielfaches gesünder!

Unsere Nahrung würde klug nicht in Monokulturen sondern in Biozonen produziert, die Tieren Lebensjaum gäben und eine enorme Biodiversität aufwiesen - die komplexen Strukturen würden hochgebildete Biologen - Agrarbiologen - aufrecht erhalten und bewirtschaften.

Ingenieure würden schonende Erntemaschinen entwickeln, die Familien hätten wieder Zeit Essen zuzubereiten, sie würden mit hochwertigen Grundstoffen versorgt, man würde ein Allesfresser bleiben - nur - Fleisch wäre nicht das Grundnahrungsmittel schlechthin, sondern eine Besonderheit.

Die Medizin würde sich aufs Heilen und nicht aufs Geldverdienen konzentrieren.

Die Mobilität würde durch längst mögliche Konzepte von Low-Energie und Unfallfreiheit umgesetzt - Geschwindigkeit wäre ein nachrangiger Faktor.

Man würde in rießigen Segelbooten über die Ozeane reisen mit Zeit und Muse im Gepäck.

Luftschiffe für die Eiligen - aber keine Stratosphärenklipper mehr.

Die Kinder würden spielen und lernen, sich bewegen und neugierede entwicklen und stillen - nicht in Zimmern eingepfercht und zu Idioten konditioniert.

Jeder Mensch würde wohl mindestens drei oder gar mehr Sprachen sprechen - seinen Dialekt, seine Muttersprache, eine Weltsprache und die Muttersprachen der angrenzenden Regionen - man würde sich auf den Plätzen treffen, Kultur wäre der Mittelpunkt allen Lebens.

Es gäbe keine Konzerne, sondern nur Universitäten die allen Menschen die Zeit und Wissen haben Forschungsräume böten.

Die Produktion würde ebenso in offenen Anlagen maximal automatisiert ablaufen - die Robotik wäre wohl das Steckenpferd vieler Menschen die an den entsprechenden Unis die Modelle planen und bauen.

Der Witz, das ginge alles heute schon - dass alles hätte der Mensch in den letzten sechs Dekaden erschaffen können!

Doch wo stehen wir?

Ich kann die Welt aus dem Blickwinkel eines "erfolgreichen" Londoner Bankers sehen;

man schreibe einfach American Psycho in City-Psycho um -

oder ich sehe die Welt aus der Sicht eines aufstockenden Zeitarbeiters in Wuppertal

aus der Sicht einer Mutter in Somalia

aus der Sicht eines Soldaten irgendwo in den USA, der gerade eine Drohne steuert und seine Hellfire Raket abfeuert - auf einen Wagen in dem ein Terrorist mit seiner Familie sitzt.

Das ist unsere Welt heute - und die bourgoisen Trottel haben die Frechheit zu behaupten, sie wäre die ebenb am besten mögliche, da der Mensch einfach ein Egoist und ein Wettkämpfer sei, von Natur aus.

Es ist nichts weiter als die Ausrede der feigen Kleingewinnerschweine, die nicht runter wollen zu den Armen der Welt und ihnen die kalte Schulter zeigen und sei es um den Preis, die Zukunft ihrer eigenen Kinder zu vernichten.

Oberham 22.01.2013 | 11:04

auf der Seite würde ich ein Luftsegelschiff animieren - eine Gigaflugdrachen - die Dampflock das sind doch die düstern Bilder von mir - da wird mir richtig Angst und Bange ;-) (aber - die Seite ist eine gute Zusammenstellung - ich bin sicher du kennst auch den Fild der Zauberer von OZ und die entsprechnde Interpretation....)

Dort werden auch all die Zitate präsentiert....

Wir sind nicht allein, aber leider wohl zu wenige - vor allem - unsere Message kommt nicht an, da sich die Menschen anscheinend eine andere Welt gar nicht wirklich vorstellen möchten.

Wir müssten noch viel mehr kleine Inseln schaffen, Inseln wo jeder ankommen kann, weiterreisen kann oder auch lange verweilen darf - wir müssten wirklich eine Gesellschaft in der Gesellschaft bauen, weiter bauen - da es ja Ansätze gibt.

Uns besser vernetzten - nicht so vereinzelt summen und brummen - das auch - nur - ich denke in den Ballungsräumen funktioniert das wahrscheinlich eh ein klein wenig - dort käme ich mir nicht so alleine vor - nur - mir ist persönlich die Einsamkeit auf dem Land lieber - da das andere nicht so massenhaft um mich schwirrt.

Ich habe was kommunarde Gruppen betrifft ganz ambivalente Gefühle - einerseits find ich es toll und bewundernswert, andererseits mag ich keine Regeln, ja - mir ist hier der Mensch der mich richtig angeht und niedermacht fast lieber, als jender der mir mit einem ja-aber kommt.

Die Welt von der ich träume kennt eben kein aber - da die Dinge von alleine in Harmonie schwingen, einzig aus der Einsicht aller heraus, einzig da jeder das Mögliche und das Nötige im Rahmen der Gemeinschaft begreift und das individuelle in der Breite genießt, die ihm die Erde zugesteht, ohne dabei anderen Schaden zuzufügen.

So darf ich ein Tier essen, wenn ich Hunger habe, solange ich seinen Bestand nicht gefährde oder ein Lebewesen zu einer Fleischgeneriermaschine umfunktioniere und in absolutem Elend halten von der Geburt bis zum Tod.

Ja, warten, warten, warten....... - und nicht vergessen die Buchhaltung in Ordung zu bringen. brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr................

Wobei wir bei Kafka wären.

 

Oberham 22.01.2013 | 11:46

... ich verrat mal was von mir.... (hoffentlich lesen hier jetzt nicht so viele - nun ist doch gut versteckt....)

ups ... also ich hatte mit 16! im Gym eine Facharbeit verfasst fürs Abi (12. Klasse) - da hatte ich 1977 unter dem Eindruck von Meadows eine globale Bruttobilanz der möglichen Leistungen für die Menschen, durch nachhaltige Resourcenverwendung aufgestellt - damals kam ich zu dem Ergebnis, dass etwa 3 Stunden Arbeit am Tag genügen würden,  allen  Menschen (damals gut 4 Mrd. Menschen) den fiktiven Lebensstandart einer mitteleuropäischen Durchschnittsfamilie zu gewähren.

Allerdings unter der Prämisse, dass man Vermögensobergrenzen und Einkommensobergrenzen - sowie gesamtgesellschaftliche Aufgaben über Bürgerarbeit  die immer ehrenamtlich erfolgt - einführt.

Also damals hatte mich der Lehrer als Dreckskommunist beschimpft und ich bekam eine vier (die ins Abi reinging) - ich nannte ihn ein reaktionäres Arschloch und wäre fast von der Schule geflogen.

Allerdings im Studium wurde mir dann der Garaus gemacht - bzw. ich hab eben selber nicht mehr die nötige Stromlinie hinbekommen (nach dem 1. Staatsexamen und zwei Wochen Referndariat geschmissen... und in die Alpen abgehauen - ins Engadin - in die Seealpen - hatte -Sport-Germanisik phil - Sport hat mir dann ein dekadentes Leben ermöglicht - tja - meine Schuld wurde nicht geringer dadurch - nur - betteln wollte ich auch nicht und irgendwie war es fast schon eine bewußte Rache  - ich vernichte mit euch jetzt mal gemeinsam die Natur - und fress mit euch gemeinsam die Welt zu Grunde - ......- wir lassen die Jugend viel zu wenig ran - wenn sie dann angepasst sind, dann helfen sie nicht mehr, sondern schaden im Kollektiv mit den anderen.

Die wenigsten sind stark genug, über mehr als fünf Jahre dem Druck standzuhalten.

Manche kommen im Alter wieder zurück - zur Vernunft - nur - dann ist es eben  zu spät. Was bedeutet schon besser spät als nie......

Grundsätzlich habe ich mit 16 die gleichen Gedanken vertreten wie heute - nur ich habe ca. 20 Jahre politisch rein gar nichts getan, war nur zynischer Beobachter und angepasster Geldverdiener, ein absolut veritables Arschloch, genau so eines wie ich es oben beschrieben habe. (Vielleicht noch schlimmer, da ich meine Ideale ja verriet.)

Erst Todesfälle in der Familie und eine langjährige Pflege der Großmutter brachten mich zurück auf jenen damals angedachten Weg.

In der opportunistischen Lobby des vermögenden Bürgertums lebt es sich als junger Mensch ganz vortrefflich, solange man nicht die falschen Themen anspricht, sind die Menschen angenehm, erfrischend, interessant.

So komisch es kling (jetzt bin ich wahrscheinlich wieder Antsemit), die Juden aus Israel waren die wohl freundlichsten, wenn sie entspannt waren unterhaltsamsten Menschen die mir begegnet sind, mit einem fast greifbarem Lebensmut und teils unglaublichem Selbstbewußtsein - wobei da begegneten mir eben Leute aus der Oberschicht, Piloten, Delphintherapeuten, Zahnärzte etc. - da könnte ich jetzt eine nette Episode von einem Ehepaar erzählen..... ;-).....

Nur - soziale Themen waren immer tabu!! (Außer man kam an eine Frau, komisch - outete man sich als sozialromantischer, weicher Charakter öffnete sich bei den Damen so manche Türe - vielleicht die Sehnsucht nach dem was wir hier so breittreten)

Nur Urlaub ist eine Sondersituation - Ski- und Tennislehrer sind menschliche Schoßhündchen und solange sie brav das Stöckchen holen gibts Leckerlis - also wie kann man da jemanden wirklich kennenlernen - jene denen man näherkam, waren jedenfalls alle vom Traum nach einer anderen Welt beseelt - obwohl sie wohlhabend und mit interessanten Tätigkeiten versorgt waren.

Wer als Tennislehrer Baudelaire, Rimbeaud oder Rilke zitiert ist klar im Vorteil - bzw. hier sondieren sich die Gruppen, wahrscheinlich habe ich die "weiche" Gruppe angezogen, die "harte" wurde anderweitig bestens versorgt.

Nun egal - mir ist der böse Mensch jedenfalls niemals begegnet, ich habe immer nur Menschen getroffen, die ihr Glück mehr oder weniger erblinden lies.

Ja, ich denke wir sind alle so ziemlich gleich, letztlich fühlte sich wohl selbst das brutalste Alphatier in einem harmonischen Rudel wohler, als in einer eiskalt strukturierten Gruppe.

Nur - wie findet man den Exit aus der seit Jahrtausenden eingefahrenen Systematik?

Oberham 22.01.2013 | 11:59

... hm - wir sind nunmal Allesfresser - wobei - da stelle ích mich auf den bequemeren Standpunkt - meine Hochachtung vor jenen die kein Fleisch essen - und ja - es gibt kein Argument für Fleischkonsum (vielleicht ist es sogar mit ein Grund für unsere soziale Organisation - die Fischer, die Tierhalter, die Jäger, alles Menschen mit einer höchst ambivalenten Beziehung zur Natur - einerseits stecken sie mitten drinn in der Materie, andererseits ignorieren sie oft bis zum Schluss die Folgen ihrer fatalen Lebenserwerbe. Gibts eigentlich Studien über die Auswirkugen auf das Gruppenverhalten bei viel, wenig oder gar keinem Fleischkonsum?.... Wäre mal ein interessantes Forschungsfeld.

Ich kann nur Studien über die physiologischen Auswirkungen fnden - keine über psychosoziale.)

Ja, Mopper stimmt, selbst das geschossene Reh kann man in Zweifel ziehen - dann bräuchten wir aber wieder mehr Wölfe, Luchse, Bären - in diesem Bereich bin ich innerlich nicht gefestigt.

(Mir schwebten da im biodiversivizierten Agrotop durchaus die ein oder anderen Fleisch- Fisch-Quellen vor, die auch in meinem Magen landen könnten - aber das ist in der Tat auch eine philosophische Frage....)

 

MopperKopp 22.01.2013 | 13:30

Oh, Oh, Oh, da sprichst du ein Thema an. So wie es aussieht, bist Du ein lieber Kerl in einer rauhen Schale. Auch die von dir geschilderten Personen erscheinen recht harmlos, weit und breit kein böser Kapitalist :-)

Es gibt auch andere, bestens verpackt, intelligent, zuvorkommend, charmant, beste Manieren und eiskalt. Ja, die gibt es wirklich, natürlich bleibt diese eisige Kälte im Urlaub unsichtbar, meist, ansonsten würde selbst der Schnee noch schockgefrieren. Es sind nicht sehr viele, in obersten Positionen überproportional anzutreffen, die jetzigen Unternehmensstrukturen sind wie geschaffen. Und sie fühlen sich nicht in einem Rudel als solchem wohl, sie benutzen es nur für ihre Zwecke. Auch das ein eigenes Thema.

MopperKopp 22.01.2013 | 13:38

Der Mensch hat einen Willen, ob es ein freier ist, darüber streiten die Geister. Wenn dieser Willen nicht stark genug ist, das Töten von Tieren zu beenden, das große Fressen zu stoppen, dann scheitert letztlich alle Utopie, denn mit der gleichen Logik kann dir der Ausbeuter sein Tun ableiten, dann kann man sogar Krieg rechtfertigen.

Du hast viele Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung geschildert, packen wir zu den Robotern und der künstlichen Intelligenz doch noch die Ernährung. Designen wir Nahrung, schmackhaft und gesund, dann auch ruhig in Form eines Steaks. Gemeint sind nicht die schon zu kaufenden Burger, die eher nach Pappe schmecken :-)

eldorado 22.01.2013 | 13:49

Das ist echt spannend hier. Ich riskiere dabei, dass ich mehr an der Kiste hocke, als ich eigentlich will.

Wie Fleischkonsum und wenig oder gar kein Fleischkonsum auf die Menschheit wirkt, gibt es sehr wohl Untersuchungen.

Es wurde untersucht von was sich Völker früherer Zeiten ernährten. Da kam erstaunliches zutage. Völker, die auf Eroberung aus waren und Kriege anzettelten, das waren vorwiegend Fleischesser (Mongolen, Tartaren, als Beispiel). Bei Völkern mit wenig Fleischkonsum waren wenig Aggressionen nach innen wie nach aussen vorhanden.

Da wird noch der Unterschied zwischen warmen und kalten, wechselwarmen Tieren gemacht. Das Aggressionspotential soll im warmen Blut liegen. Das erklärt vielleicht auch, dass die Katholiken in der Fastenzeit Fisch und Frösche und andere wechselwarme Tiere essen durften.

Von der Kirche habe ich mich verabschiedet. Da wird die Bibel nach ihrem Gusto und ihrem Vorteil ausgelegt. Das heisst aber nicht, dass der Glaube für mich eine Bedeutung hat. Im AT wurden Tieropfer gebracht und Tiere gegessen. Die Menschen bekamen die zehn Gebote. Im NT findet man nirgends, dass Jesus Christus Fleisch von warmen Tieren gegessen hat, von Fischen aber sehr wohl. Da kann man auch nachlesen, dass er die bedingungslose Liebe auf die Welt gebracht hat (alles andere ist ja nicht eigentlich Liebe), damit sie nach und nach die Gesetze und Gebote ablösen können. Es steht aber auch, dass es Menschen, die seinen Weg gehen, es sehr schwer in der Welt haben würden und gar verfolgt werden. Es geht also nicht darum, dass andere Menschen zum richtigen? Glauben gebracht werden, sondern es ist ganz einfach eine Haltung.

Wo stehen wir heute? Schauen wir uns den ganzen Chlüngel an und was da gemacht wird! Schauen wir die Menschen an, die wirklich von innen heraus mit dem Gewissen erkannt haben, dass sie anderes für die Welt machen möchten? Man versucht sie mit allen Mitteln kalt zu machen, lächerlich zu machen, usw.

Terrich 22.01.2013 | 14:01

Wie gesagt, das führt zu der sehr spannenden Frage, warum dann die erwähnten Kriege geführt werden, warum diese tödlichen Strukturen beibehalten werden?

Das mündet dann in der wenig spannenden Antwort, dass die Erde auf Dauer definitiv keine 7 oder 8 Mrd. Großsäugetiere ernähren kann, egal ob die Ressourcen gerecht verteilt werden odr nicht. Es würde lediglich das, was wir einmal Entscheidung heißen wollen, eine Generation nach hinten schieben.

Davon abgesehen, kann man nicht alles gerecht verteilen, manche Dinge, wie z.B. überschüssige Nahrung muss transportiert und gelagert werden können, dazu bedarf es einer Infrastruktur, die das gewährleistet. Diese aufzubauen hat hier z.B. ~ 100 Jahre (mit allem Pipapo) gedauert. Soviel Zeit bleibt nicht mehr. Schauen Sie nach Indien, wo Mio. Tonnen Weizen einfach ofen herumliegen und von den Ratten aufgefressen werden, während die Hungernden mit Waffengewalt gehindert werden, sich daran zu sättigen.

Und um es nun mal offen zu gestehen. Wenn das dortige SOZIALISTISCHE System nicht in der Lage ist, diesen Ungeheuerlichkeiten ein Ende zu setzen, sehe ich mich außerstande, dort zu helfen, ja ich gehe sogar noch weiter: Ein derart reaktionäres, unmenschliches Kastensystem gehört auf den Schuttabladeplatz der Zeit. Wenn die Menschen, die hungern, nicht selbst dafür sorgen ... ja wer soll es dann tun? Wollen Sie dort hin und Gerechtigkeit und gerechte Verteilung predigen?

Man wird Sie mit Knüppeln aus dem Land vertreiben, Einmischung in die inneren Angelegenheiten oder so etwas. Da sind die Leute durch koloniale Erfahrungen ganz schön empfindlich, genauso übrigens wie in Afrika. Nur wenn die Menschen den Zusammenhang zwischen religiös bedingter und kulturell begründeter Vermehrung nicht erkennen und den Verhungernden auf den Straßen das Stigma des schlachten Karmas anhaften, MOPPERKOPP, was soll ich denn da? Was würden Sie da wollen? Das sind gesellschaftliche Prozesse, die entwickeln sich über Generationen. Als erstes gilt es, dem religiösen Wahn einen Galgen zu bauen und ihn dann baumeln zu lassen, danach kann man weitersehen.

Terry Rich

 

Oberham 22.01.2013 | 14:28

Davon abgesehen, kann man nicht alles gerecht verteilen, manche Dinge, wie z.B. überschüssige Nahrung muss transportiert und gelagert werden können, dazu bedarf es einer Infrastruktur, die das gewährleistet. Diese aufzubauen hat hier z.B. ~ 100 Jahre (mit allem Pipapo) gedauert. Soviel Zeit bleibt nicht mehr. Schauen Sie nach Indien, wo Mio. Tonnen Weizen einfach ofen herumliegen und von den Ratten aufgefressen werden, während die Hungernden mit Waffengewalt gehindert werden, sich daran zu sättigen.

 

.... ich bin so gar nicht bei Ihnen - vor allem verstehe ich hier in diesem Absatz die Zuordnung nicht.

Wo bitte liegt das logistische Problem, wenn man den Hungernden den Zutritt zu am Ort vorhandener Nahrung verwehrt, diese - natürlich aus preisbedingten Gründen - lieber verrotten lässt.

Gerade die Logistik der Verteilung ist doch dermaßen Irrsinnig, dass selbst der konservativste Kastenvertreter erkennen müsste, wie dämlich es ist, für eine Gruppe von Menschen Nahrung aus sämtlichen Teilen der Welt, permanent in größtmöglicher Vielfalt bereitstellen zu können und anderen Menschen die Hunger leiden, die Nahrung vor der Haustüre wegzufahren, bzw. ihre Böden zum Anbau von Tiernahrung, oder Biomasse als Energieträger zu stehlen!

In Afrika gabe es in den letzten 15 Jahren tausende von gut funktionierenden Kooperativen die von westlichen und mittlerweile oft auch fernöstlichen Interessen niedergewalzt wurden.

In Asien stellen sich inzwischen gravierende anderweitig gelagerte Probleme ein, die auf die Auswirkungen der Industriealisierung zurückzuführen sind - abgesehen von ebenfalls vorhanden - Afrika ähnlichen - Raubstrukturen.

Hätte man in den letzten Jahrzehnten den Kleinbauern auf Welt nicht sämtliche Versuche sich zu organisieren und in Dorfgemeinschaften eine größtmögliche Autarkie sowie ein klein wenig der medizinisch, technischen Errungenschaften in das tägliche Leben zu integrieren, sabbotiert, dort würde wahrscheinlich niemand mehr hungern!

Nein, sorry, es gibt hier kein logistisches Versorgungsproblem der Armen - die Massenflüchtlingslager bewirft man dann notfalls mit Paletten aus der Luft - es gibt nur das ethische Problem den einen alles und den anderen nichts zuzugestehen.

 

 

MopperKopp 22.01.2013 | 14:31

Natürlich kann man Utopien mit Galgen und Laternenpfählen beginnen. Man muss aber nicht. Erwiesen ist, Demokratien schützen vor Hungerkatastrophen. Wir haben technische und logistische Probleme, also lösbare. 

In freien, offenen Gesellschaften ab einem gewissen Wohlstand reduziert sich die Geburtenrate ohne äußeren Zwang, also auch lösbar.

Bleiben die reaktionären Machtstrukturen. Laterne? In den Topf? Ich denke, es geht auch anders, wenn nicht, dann ist es eh egal ... 

Oberham 22.01.2013 | 14:40

Stimmt die antropologischen Erkenntnisse sind vorhanden - nur es wäre interessant dies am modernen Menschen mal bezüglich ganz konkreter neurologischer Experimente auszutesten.

Ich fürchte die Grundtendenz bestägtigt auf  unheimliche Weise die Erfahrungen aus der Geschichte.

Fleisch macht aggressiv und asozial, pflanzliche Nahrung, eher moderat und sozial.

Gerade im neurologischen Baukasten gibt es in den letzten Jahren so spannende Entwicklungen, die auch teils Angst machen (Stichwort Brain-Programming, Chip im Kopf etc.) - das kann für Menschen mit Behinderung ein wahrer Segen werden - geht der Trend jedoch auch hier in die falsche Richtung, dürften die Dyspotien noch gruseliger werden, als sich z.B. die Matrix anlässt.

 

Oberham 22.01.2013 | 14:54

Ja - nur - ich finde den Thread hier so gar nicht vermurkst - wir tragen halt alle wieder alles zusammen - man könnte ewig hier weiterschreiben - natürlich - was sollte es bringen - nimm an, irgendwer kopiert den ganzen Sermon - der nächste benso usw. usf. und überall auf der Welt wird weitergeschrieben.

Solange ich kann schreib ich einfach immer weiter, ich atme ja auch nicht in verschiednen Techniken, hab keine Kiemen - also wird sich meine alte Botschaft aus den 70ern nicht groß ändern und unsere gemeinsame Botschaft ist - wie gesagt wahrscheinlich älter als 2500 Jahre.

Nur - wer weiß - vielleicht bricht irgendwann plötzlich die Lawine los, die Mensch  packen sich an der Nase und lassen sich nicht mehr von anderen führen, sondern sie suchen einen gemeinsamen Weg - nach der Chaos-Theorie könnte das binnen weniger Tage zu einer völlig neuen Weltgemeinschaft führen - ganz ohne Gewalt.

(Auch Waffenträger sind Menschen.....)

So pessimistisch ich auch bin, ich bin noch nicht so hoffnungslos, einfach das Laptop wegzulegen und statt das Geplärr zu tippen, mich den Genüßen eines geruhsamen Lebensabends hinzugeben.

Da kommen täglich doch einige Stunden zusammen. Ich fühle mich nicht als Slacker, unsere Worte hängen irgendwo im Netznirvana, und ab und an stolpert vielleicht einer darüber, einer den diese Gedanken nicht gleich abschrecken, sondern neugierig machen - tja - und es gibt inzwischen wohl weltweit viele Millionen von getippten Gedanken, ähnlich den unsren.

Leider sind religiöse Hetze, Konsumkonditionierung und Lagerideologieen noch in der Übermacht - doch wenigstens wird der Kampf im Netzt relativ friedlich ausgetragen.

 

eldorado 22.01.2013 | 15:49

Ich habe den Verdacht, dass Du da etwas auf den Leim gekrochen bist. Es ist nicht möglich und auch nicht richtig, andere dazu bringen oder sogar zu zwingen, die Welt zu verändern. Das machen doch die schon, die uns solch schlimme Verhältnisse bescheren.

Das Einzige, was Du, ohne andere zu überahren, verändern kannst, ist Dich selbst, mit Deiner Haltung und Deinem Gewissen, das Dich leitet. Kämpfst Du, kämppfen andere mit viel stärkeren Mitteln gegen Dich. Das wird ein Kampf ohne Ende und führt zur Vernichtung. Wenn Du mit einer konsequenten Haltung, die das Gute will, den Menschen gegenübertritst und aus dieser Haltung handelst, kann das mehr bewirken, als mit Ueberreden und Zwang.

eldorado 22.01.2013 | 15:59

Du kennst sicher Mutter Teresa. Ja, es gibt auch sehr bewundernswerte Beispiele, die mit der Kirche stark verwurzelt sind. Sie hat nicht gepredigt, sondern ist einfach in Indien zu den schwer Kranken Menschen, die auf der Strasse lagen. Hat sie gepflegt, wenn nötig in ihr Lazareth gebracht und zu ihnen geschaut. Sie hat nicht gepredigt, sondern einfach aus ihrer Haltung heraus gehandelt.

eldorado 22.01.2013 | 16:05

Ja der Mensch hat einen Willen. Das Böse ist sehr interessiert an diesem Willen und verlockt den Menschen und versucht dessen Willen an sich zu binden. Das  Gute hingegen, lässt frei, dashalb muss sich der Mensch auch frei entscheiden ob er sich mit seinem Willen, dieser Seite zuwenden will. Da sind wir doch tagtäglich damit konfrontiert, ob man seinen Willen knebeln lassen will oder ihn aus Freiheit einsetzen will.

Terrich 22.01.2013 | 16:59

Wo bitte liegt das logistische Problem, wenn man den Hungernden den Zutritt zu am Ort vorhandener Nahrung verwehrt, diese - natürlich aus preisbedingten Gründen - lieber verrotten lässt.

Hatte ich das Gegenteil behauptet?

In Afrika gabe es in den letzten 15 Jahren tausende von gut funktionierenden Kooperativen die von westlichen und mittlerweile oft auch fernöstlichen Interessen niedergewalzt wurden.

Das ist mir bekannt. Mir ist auch bekannt, dass Araber, Chinesen, Koreaner u.a. dort in großem Stiel Land kaufen oder pachten und die einheimische Bevölkerung vertrieben wird, bzw. – die Chinesen sind und waren da ganz schmerzfrei – mit Waffengewalt gezwungen wurden, sich – im wahrsten Sinne des Wortes – vom Acker zu machen.

In Asien stellen sich inzwischen gravierende anderweitig gelagerte Probleme ein, die auf die Auswirkungen der Industriealisierung zurückzuführen sind - abgesehen von ebenfalls vorhanden - Afrika ähnlichen - Raubstrukturen.

Auch das ist bekannt. Giftmülldeponien neben Äckern, deren Dämme beim erst besten kräftigen Monsunregen brechen und zum einen die Äcker vergiften zum anderen die Bäche und Flüsse.

Nein, sorry, es gibt hier kein logistisches Versorgungsproblem der Armen - die Massenflüchtlingslager bewirft man dann notfalls mit Paletten aus der Luft - es gibt nur das ethische Problem den einen alles und den anderen nichts zuzugestehen.

Entschuldigung, ich habe nicht gewusst das Massenflüchtlingslager unterhalten werden müssen, um Hungernde satt zu machen. Habe da wohl etwas missverstanden.

Das logistische Problem das ich sah, lag darin eher darin, die Überproduktion der EU dorthin zu schaffen, wo sie gebraucht werden könnte.

Alle anderen Probleme können wir zwar hier und heute beklagen; es liegt aber nicht in unserer Macht, sie derzeit zu ändern. Also bleibt jede Klage darob in Bereich des Konjunktiven.

Terry Rich

Terrich 22.01.2013 | 17:04

Natürlich kann man Utopien mit Galgen und Laternenpfählen beginnen. Man muss aber nicht. Erwiesen ist, Demokratien schützen vor Hungerkatastrophen. Wir haben technische und logistische Probleme, also lösbare. 

Indien behauptet von sich, die größte Demokratie der Welt zu sein. Habe ich da etwas missverstanden? Und das Kastesystem war, ist und bleibt ein reaktionärer Anachronismus. Religiöser Wahr!

Terry Rich

MopperKopp 22.01.2013 | 17:34

Ein anregendes Bild, all das getippte Geplärr, nein, nicht rein zufällig von einer Horde Affen, dieses Geplärr löst einen Zufallssturm aus, eine Lawine reißt alle verknöcherten Strukturen mit sich, das Auge des Orkans wandert über die Erde und binnen weniger Tage, vielleicht sind es sechs, formt sich eine neue Weltgemeinschaft, dann, am siebenten Tag kehrt Ruhe ein, man staunt und wundert sich, die Sonne bricht durch und ein neues Zeitalter beginnt ...

MopperKopp 22.01.2013 | 17:49

Frag mal Amartya Sen, den indischen Nobelpreisträger, der sich genau mit dieser Thematik befasst hat. Ein Auslöser seines Interesses war

"die Hungersnot von Bengalen im Jahre 1943. Obwohl sie ca. drei bis fünf Millionen Menschenleben kostete, konnte Sen in seiner nächsten Umgebung nicht die geringsten Anzeichen der Katastrophe erkennen, denn betroffen waren nur die untersten, die „unsichtbaren“ Schichten der Gesellschaft."

Er betont den Erfolg der indischen Demokratie, auch bei der Bekämpfung von Hunger und kommt zu folgenden Ergebnissen:

 

Kausal für Hungersnöte können sein:

- unerwartete Schwankungen des relativen Preisniveaus von Produkten,

- eine generelle Knappheit an Arbeitsplätzen,

- ein einseitiger ökonomischer Aufschwung, der nicht der Mehrheit der Bevölkerung zugute kommt,

- eine übertriebene Furcht vor Lebensmittelmangel, die die Preise kurzfristig steigen lässt.

Laut Sen gibt es drei Strategien, die man nützen könne, um dem Hunger zu entrinnen:

- Man soll systematisch ein Mindestmaß an Einkommen und Zugangsrechten für alle wiederherstellen, die vom ökonomischen Wandel betroffen sind.

- Öffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme sollen zuverlässig sein, damit das Opfer der Hungersnot nicht zu einer passiven, Almosen empfangenden Person degradiert wird.

- Das beste Mittel gegen Hungersnöte ist jedoch die Demokratie.

iDog 22.01.2013 | 22:55

sehr guter Artikel , mein lieber, der uns aber gleichzeitig auch zeigt wie nahe diese solchermaßen virulente Journaille dem eigenen Abgrund ist, denn dies sind Zeichen, dei darauf hinweisen, dass ihre Zeit eigentlich längst abgelaufen ist. Schwäche und Angst macht sich in sofern durch "Lautstärke" bemerkbar. Die wirkliche Bedrohung geht wiederum von den Instanzen aus, welche diese Hilferufe ernst nehmen ( müssen), um den eigenen Untergang zu verhindern .... usw.

Terrich 22.01.2013 | 23:30

"die Hungersnot von Bengalen im Jahre 1943. Obwohl sie ca. drei bis fünf Millionen Menschenleben kostete, konnte Sen in seiner nächsten Umgebung nicht die geringsten Anzeichen der Katastrophe erkennen, denn betroffen waren nur die untersten, die „unsichtbaren“ Schichten der Gesellschaft."

The untouchables, meine Rede, das Kastenwesen.  Amyrtia Sen hat zwar versucht, die Ursache im rein Ökonomischen zu erkennen, aber die eigentliche Ursache, nämlich die Hirarchie, die durch das religiös begründete Kastenwesen gesellschaftlicher Konsens ist, nicht in Frage gestellt, entstammte er doch letztlich selber einer gebildeten hohen Kaste. Die Verweigerung der Herrschenden Cliquen, Gleichheit zu gewähren, führt die Unberührbaren in die Unsichtbarkeit.

Das Elend dieser Welt liegt überall dort, wo es dem Außenstehden sichtbar wird, bei geschichtetem Reichtum in gesellschaftlichen Hirarchien, deren Betonierung dem relgiösen Überbau entnommen wird.

In Burkina  Faso steht ein Dom, der, vor ca. 20 Jahren fertiggestellt, als Bauwerk des Herrn der großen Moschee in Rabat (Marokko) Paroli bieten sollte. Er hat ca. 250.000.000 $$ gekostet, während an den Mauern Menschen verhungerten ... zu Ehren und zum Frommen des christlichen Gottes und dem obersten Protagonisten der Nächstenliebe, unserem Herrn und Heiland Jesus Christus ... Ich krieg das Kotzen, wenn ich daran auch nur denke.

Terry Rich

MopperKopp 22.01.2013 | 23:53

Nobelpreisträger Sen war zum Zeitpunkt der Hungersnot 10 Jahre und sie war ein Auslöser seiner langjährigen Forschungen, die weit über das Ökonomische hinausgehen. Die Problematik des Kastenwesens stellt er massiv in Frage, verhindert sie doch das, was seiner Meinung nach wesentlich ist zur Vermeidung von Hungerkrisen: Offenheit und Transparenz, die Gründe, warum sich eine wirkliche Demokratie solche Krisen "nicht leisten" kann. Fragen der Logistik und weitere technische Fragen sind in solchen Strukturen lösbar.

MopperKopp 23.01.2013 | 00:02

Die starke Lobbyarbeit auch in Brüssel wird den Presseverlegern wohl ein sicheres leistungsloses Grundeinkommen auf Staatskosten sichern, alles natürlich unter dem Aushängeschild der Demokratiesicherung. So wird auf Dauer nun all das gerettet, was Ursache der Krisen ist und die Demokratie zerstört, nur der kleine Bürger, der steht nackt da.

Schöne neue Welt, aber in Full-HD und boulevardesk, was will man mehr. Außerdem betrachten die Profiteure die Zerstörung der Demokratie nicht als eine solche, im Gegenteil, in feinstem Neusprech gilt ab nun die Kaufentscheidung als Stimmabgabe, Neudemokratie sozusagen, wer nichts kaufen kann, der hat leider keine Stimme, das Zensuswahlrecht kommt zurück, hübsch verpackt und mit Schleife.

eldorado 23.01.2013 | 02:23

In Indien ist der Hunger die grosse Not. Das Kastenwesen ist schuld.

Es gab eine Zeit, da waren die Sklaven die grosse Not.

Es gab eine Zeit, da waren die Leibeigenen eine grosse Not.

Es gab eine Zeit, da waren nicht verheiratete Frauen mit ihren Kindern die grosse Not.

Es gab eine Zeit, nein ist heute noch so, da sind Hartz4 Bezüger die grosse Not.

Weltweit sind die Wirtschaftsflüchtlinge eine grosse Not. In der Schweiz ist das kein Asylgrund. In der Schweiz bekommt Asyl wer an Leib und Leben gefährdet ist. Offenbar ist das kein Asylgrund, wenn man aus ökonomischer Not flüchtet, was oft auch mit Hunger verbunden ist.

Diese Liste liesse sich unendlich fortsetzen mit aktuellen Ereignissen.

Siehst Du etwas?

In Indien sind die Kasten schuld, die obersten Kasten natürlich, die Besitzenden. Die wollen ihre Pfründe nicht in Gefahr bringen.

Bei uns sind es die Mächtigen dieser Welt. Die Mitte wird instrumentalisiert, um alles zu zementieren. Die sind faul, das sind Sozialschmarotzer. Bei uns gibt es keine Kasten, dafür Schubladen, wo man alles schön versorgen kann, dass es weniger auffällt. Was sagst Du dazu? Was für eine Meinung hast Du dazu?

Ich meine: Jeder muss da schauen, wo er mitbetroffen ist. Auch die Inder müssen ihre Probleme selbst lösen. Da habe ich doch kürzlich etwas gehört, dass vergewaltigte Frauen sich mit Erfolg gewehrt haben. Auch anderes habe ich gelesen, was Hoffnung macht. Unsere Aufgabe ist, sie dabei zu unterstützen, wenn sie das wollen. Auch wir müssen unsere Probleme allein lösen. Nur so ist es nachhaltig.

Terrich 23.01.2013 | 06:57

OK, ich hatte mich, offen gestanden, nicht über ihn informiert. Aber da die Hungersnot 1943 grassierte und wir derzeit das Jahr 2013 schreiben, sind seit dem sage und schreibe 70 Jahre vergangen.

70 Jahre!

Und was ist geschehen? So gut wie nichts! Bis auf den Tatbestand, dass es inzwischen mehr als 7 Mrd. Menschen gibt (den Rest schrieb ich ja oben).

Was will uns dieses sagen? Mir sagt es, dass das Beharrungsvermögen der menschlichen Gleichgültigkeit offensichtlich oder möglicherweise gar keine ökonomischen Ursachen hat, sondern in seiner Natur angelegt ist. D.h. der Goethe-spruch

edel sei der Mensch, hilfreich und gut

wirkt sich nur auf jene aus, die in des Menschen Nähe leben und SIND. Wie drückte ADORNO das in seinem Negative Dialektik aus:

Was nicht hinein passt erscheint am Rande als Datum und wird, wofern klein Platz sich findet, fortgeworfen.

Ich weiß, dass das alles sehr traurig klingt, aber es scheint ebenfalls der Realität näher zu sein, als die Proklamationen und Apelle an die Empathie.

Wir können es hier und anderswo beklagen, Forderungen formulieren und idealisierte Drohkulissen aufbauen. Aber so lange wir hier sitzen und nur dieses tun, wird sich nichts ändern. Handeln verändert die Welt.

Terry Rich

MopperKopp 23.01.2013 | 12:09

Weiter oben wurde schon die Schwierigkeit angesprochen, Probleme alleine zu lösen. Die afrikanischen Kleinbauern wurden durch internationale Handelsabkommen und den daraus entstehenden nationalen Verträgen und Veränderungen in den Ruin getrieben.

Natürlich ist Einmischung immer kritisch. Inwieweit kann sich eine wie auch immer geartete (Welt)Gemeinschaft einmischen, wenn ein Schubladensystem, nehmen wir mal das Kastensystem in Indien, zu Hungerkrisen führt? Ist das eine Einmischung in innere Angelegenheiten? Was sind innere Angelegenheiten? Nationale Kisten. Somit verhindert oft das Pochen auf die eine Kiste (Nation) Veränderungen in dieser Kiste (Kastenwesen), wobei das Kastenwesen nicht mal unbedingt an die Nation gebunden ist, sondern letztendlich zu einer ganz anderen, wieder sehr großen Kiste gehört. 

In Europa ist es ähnlich. Da werden momentan die kleinen Nationalkisten in die große Europaschachtel geräumt. Ich finde das gut, aber nicht alle finden es gut, Nationalismus keimt auf. Auch hier wieder die Frage: Wer ist "allein" in puncto "Auch wir müssen unsere Probleme allein lösen."

Meiner Meinung nach sind Hunger und Menschenrecht miteinander verknüpft. Es kann doch nun wirklich nicht sein, dass es Hungertote gibt, immer noch gibt, wenn alle Probleme logistischer und herstellungstechnischer Art beherrschbar sind und auch genug vorhanden ist, sodass kein Mensch verhungern müsste. Aber nach wie vor verhungern Menschen. Momentan sind Nahrungsmittelspekulationen im Gespräch. Ist das nicht grauselig? Nicht, dass es Nahrungsmittelspekulationen gibt, das ist bedenklich, nein, dass es immer wieder irgendwelche Ausflüchte gibt in einer der grundsätzlichen Fragen: Hunger

Wie kann sich eine Spezies als intelligent und human bezeichnen, die ihre Mitglieder verhungern lässt, obwohl sie es verhindern kann? Bezüglich Verhungern forder ich: Null Toleranz, weltweit.

Diese Aggressivität, nicht anderes ist es, wenn man Hunger zulässt, findet sich auch bei modernen Kastengestaltern, beispielsweise bei Hartz IV. Da wird ein System geschaffen, dass es "Betreuern" ermöglicht Totalsanktionen auszusprechen, in einer rechtlichen Grauzone, über 60% der Klagen gegen die Sanktionen sind erfolgreich, und das mitten in einem der reichsten Staaten, einem Rechtsstaat mit noch verankerter Sozialpflicht. 

Die weiter oben erwähnte Tatsache, dass Demokratien Hungersnöte erschweren bis Verunmöglichen, hat mit Öffentlichkeit zu tun. Demokratien sind die bisher offensten Strukturen und keine Demokratie kann sich das öffentliche Verhungern von Mitgliedern der Gesellschaft erlauben. Bisher. Hier setzt die wichtige Aufgabe der Medien ein, ihre Verpflichtung: Sie, auch sie, stellen diese Öffentlichkeit her. Sie verhindern das unsichtbare Verhungern von irgendwelchen Kastenmitgliedern. Und genau hier liegt auch die große Gefahr, die Gefahr, dass Medien nicht unabhängig sind, sondern bestimmte Kasten und Kisten aktiv unterstützen. Dann blenden sie das Verhungern in diesen Kisten aus, es besteht die Gefahr, dass "Hunger", das Grausamkeit, Unrecht durch Unsichtbarkeit zurückkehren.

Und genau das ist mein großer Kritikpunkt. Manche heutige Medienkonzerne schaffen aktiv blinde Flecken und bauen emotionalisierte Kisten mit Aufklebern: Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus. Siehe: "faule Griechen". So besteht die Möglichkeit, dass das Schicksal der sich in der Kiste befindlichen Menschen (Beispiel: "faule Griechen") keine Solidarität erfährt, sondern sie verhungern und verarmen, mitten in Europa, ohne die Möglichkeit, das Problem "alleine" zu lösen.

Es gibt die immer stärkere Entwicklung Richtung Kasten-Medien, Medien sind Partei, in den meisten Fällen sind sie Partei des Kapitalismus mit all seinen schrecklichen Auswüchsen. Das muss geändert werden und darf nicht noch durch Gesetze zu einem unabänderlichen Monopol verfestigt werden. Das sind wir uns meiner Meinung nach schuldig, wollen wir weiterhin als aufgeklärt gelten.

MopperKopp 23.01.2013 | 12:28

Das ist richtig, Handeln verändert die Welt. Es stellt sich allerdings auch die Frage: welches Handeln. Es gab recht unterschiedliche Welt-verändern-durch-Handeln Ansätze in der Vergangenheit. Schnell stellt sich raus: Handeln alleine, so ganz ohne "Konzept", das kann schnell bedenklich bis katastrophal werden. Welche Handlungskonzepte sind geeignet? Nun stellt sich die Frage: geeignet wozu? Und da ist dieses kleine Freitag-Forum plötzlich strukturell verwandt mit der ganz großen Handlungskonzeptfrage: Ausschluss, Selektion durch Finanzkraft - nur noch zahlende Kunden, offener und freier Diskurs, Öffentlichkeit, halboffener Salon, geschlossene Kiste ...

eldorado 23.01.2013 | 12:56

Ich hab jetzt nicht viel Zeit, weil ich bald weg muss.

Nur schnell etwas, was bei uns im Moment passiert. Nächsten Monat stimmen wir über die Abzockerinitiative ab.

Vasella ist Chef der Novartis in Basel und verdient so ca. 40 Mio pro Jahr. Bin nicht ganz sicher, ob die Zahl genau stimmt. Aber auf jeden Fall ist es sehr, sehr viel. Es war so, dass er diesen Herbst zurücktreten wollte. Und was ist nun? Nun, wo jetzt das Datum der Abstimmung naht, kündigt der überraschend für alle viel früher. Das Datum ist ein paar Tage vor dieser Initiative. Grosses Rätselraten im Lande.

Den Rest dann heute Abend. Ich bin mit Dir auch ganz einig, dass die Welt voller Baustellen ist. Mir scheint eher, dass mehr niedergerissen als aufgebaut wird.

Herwig Sladek 23.01.2013 | 13:02

 Was Sie da über Dr. Rud. Steiner schreiben, ist nicht nur total falsch, sondern aktiv bösartig ! ... denn er war nicht bettelarm, sond. arbeitete u.a. mehrere Jahre in Weimar um im Auftrag eines gr. Verlages Goethes Naturwissenschaftliche Schriften (Farbenlehre etc.) herauszugeben. Er hatte auch mehrere Bücher geschrieben, als er (ca. 40-jähr.) im Jahr 1902  von der Theosoph. Gesellschaft gebeten wurde, dieslbe in Deutschland zu leiten, wobei er sofort darauf bestand, das in seinem Sinne tun zu können. Er war u.a. auch Herausgeber d. Zeitschrift "Lucifer Gnosis", in dr auch die späteren Bücher "Wie erlangt man Erkenntnis d. höheren Welten" sowie die "Geheimwissenschaft im Umriss" zuerst erschienen.     Seit ca. 1910 wurde Rud. Steiner durch seine Vortragsreihe: "Von Jesus zu Christus" (in Karlsruhe) in übelster Weise von der röm. kath. Kirche verfolgt; (heute wirkt diese Verleumdung im Internet durch div.  `Kurzbiografien`fort...) Ca. 1912 wurde Rud. Steiner von der Theosoph. Gesellschaft ausgeschlossen und begründete die Anthroposophische Gesellschaft. Von ihm gingen entscheidende, prägende Impulse aus in d. Landwirtschaft ("Demeter"), in d. Waldorfpäd., i.d. anthrop. orientierten Medizin, d. Begründung d. Christengemeinschaft, in der sozialen Dreigliederung (Bücher u. Aufsätze) etc.    Ich nehme -auch aufgrund Ihres `Logos`(Maske steht nicht unbed. f. Aufrichtigkeit) an, dass Ihre div. Beiträge in ähnlich schlampiger Weise recherchiert sind und deshalb - leider -  nie den Kern treffen !                                                                                       

MopperKopp 23.01.2013 | 14:04

Natürlich befand sich Steiner in seiner Phase als Freigeist und als strikter Gegener des Christentums stets in Geldschwierigkeiten, seine "innere Wende" fiel durchaus zusammen mit einem warmen Geldsegen. Kann man alles nachlesen, sogar in der Wikipedia, dort nur nicht konzentriert sondern auf verschiedene Textstellen verteilt.

Allerdings möchte ich Ihnen Ihren Glauben an Steiner nicht nehmen, Ihre teils persönlichen Angriffe zeigen, dass eine sachliche Diskussion kaum möglich scheint. Zusätzlich lege ich keinen Wert auf eine weitere Erörterung an dieser Stelle. 

Terrich 23.01.2013 | 14:25

Das ist richtig, Handeln verändert die Welt. Es stellt sich allerdings auch die Frage: welches Handeln. Es gab recht unterschiedliche Welt-verändern-durch-Handeln Ansätze in der Vergangenheit. Schnell stellt sich raus: Handeln alleine, so ganz ohne "Konzept", das kann schnell bedenklich bis katastrophal werden.

Die Frage welches Handeln stellt sich im Allgemeinen nicht sofort. Am Anfang steht im Grunde zunächst ein Erkenntnisprozess, der die Bedingungen, unter denen Handeln als notwendig erkannt wird, als behandlungsbedürftig erkennt. Die Bedingungen selber sind aber bestimmt durch ein anderes Eingebundensein, auf das der zum Handeln bereite in der Vergangenheit entweder keinen Einfluss hatte und/oder auch in der Gegenwart keinen Einfluss hat. Somit versucht er also Einfluss zu gewinnen, indem er die Bedingungen verändert.

Der Küstenbewohner baut zum Beispiel einen Deich, damit die nächste Sturmflut ihm nicht das Land wegspült; Jemand der Wasser braucht, baut z.B. einen Damm um einen Bach oder einen Fluss aufzustauen und Wasser zu speichern. Beide Bedürfnisse werden im Allgemeinen Menschen zusammenführen, da das die Bedingungen ändernde Handeln von einer einzelnen Person nicht gestemmt werden kann, gleichwohl eine einzelne Person das Konzept zu diesem Handeln erkennen und definieren kann. Es wird also das kollektive Bedürfnis nach Sicherheit oder Wasser und Nahrung zu einem Identitätsstiftenden, erzeugt aus der subjektiven Erkenntnis, eben Konzept, was oft auch Führerschaft, im weiteren Geschehen dann auch Macht manifestiert.

Und dort beginnt - in diesem einfachen Beispiel - das Problem: Wer erhält aus dem Anteil seiner Teilhabe welches Stück vom gewonnenen Land, wer erhält aus dem aufgestauten Wasser welche Portion? Die Lösung dieser Frage(n) entscheidet oft über das gesellschaftliche Werden. Entsteht eine politische Struktur totalitärer Provenienz oder wird in einem demokratischen Prozess Gerechtigkeit hergestellt?

Bislang führten (fast) alle Versuche, Gerechtigkeit über die Menschen zu bringen nicht zu den Ergebnissen, die die Bemühungen ursprünglich antrieben. Dies gilt sowohl in Hinsicht auf eine religiös geprägte Gesellschaft, die den Platz, wo Gerechtigkeit herrscht in einem obskuren Jenseits verortet und den Menschen Verhalten abverlangt oder aufzwingt, dass die Anspruch irdischer Gerechtigkeit konterkariert, als auch für politische Systeme, deren ideologischer Überbau – durch welche Beweissysteme auch immer für richtig erkannt – die Defätisten eliminiert.

Das beschreibt die Situationen, die die Weltveränderungsansätze der Vergangenheit prägten und zu unterschiedlich machtvollen Wirksystemen ausbauten, die späterhin wiederum – nämlich heute – als korrekturbedürftig eingestuft werden. Konzepte lagen beiden zu Grunde, das Problem ist:

Ideologien meiden Chaos, da zur Manifestation ihrer Einflusssphären Ordnung aufrechterhalten werden muss und sie, allzu oft gewalttätig, diese eben auch aufrechterhalten. Und das ist dann auch meine Frage:

Ist dieses Verhalten dem Menschen oder der aus ihm erwachsenden Ideologie immanent?

Terry Rich

 

MopperKopp 23.01.2013 | 16:57

Die Frage: "Ist dieses Verhalten dem Menschen oder der aus ihm erwachsenden Ideologie immanent?" kann ich nicht beantworten. 

Wie wäre es, wenn wir die Problematik in einem Gedankenexperiment als Simulation durchspielen. Dazu nehmen wir einfach an, die Erde sei eine Scheibe, in der Mitte schlängelt sich ein Fluss (Wasserkraft), auf der einen Flussseite gibt es fruchtbaren Boden fast gleicher Qualität und auf der anderen Seite sind verschiedenste Rohstoffe unter unfruchtbarem Boden. 

Das Leben auf dieser Scheibe befindet sich außerhalb des energetischen Gleichgewichts. Die Sonne scheint und spendet Energie.

Diese Scheibenwelt wurde von einer Handvoll "Menschen" entdeckt, die in diesem Anfangsstadium die Fläche gerecht aufteilen, jeder bekommt ein gleich großes Stück fruchtbaren Boden, ein gleich großes Stück Rohstofffläche, der Fluss gehört allen. Folgende technische Errungenschaft stehen ihnen zur Verfügung: Rad, einfache Ackerbauwerkzeuge und eine Wassermühle. Zusätzlich bekommt jeder noch als Startbonus ein Huhn, eine Ziege, eine Kuh und einen Elefanten.

Es gibt keine Ideologie, kein Herrschaftssystem, keine Religion.

Der Zufall sorgt für geringe Unterschiede beim Niederschlag pro Fläche, geringste Unerschiede bei der Bodenqualität, überhaupt sorgt der Zufall für geringste Abweichungen bei den Umgebungsbedingungen und bei dem Einfallsreichtum der einzelnen Bewohner. Die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier ist von gleichbleibender Qualität.

MopperKopp 23.01.2013 | 18:28

Leistungsschutzrecht: Verlage gegen Google

"Im Rahmen der Debatte um das Leistungsschutzrecht  veröffentlichte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in der vergangenen Woche auf seiner Homepage eine Antwort auf die von Google geführte Kamapgne “Verteidige dein Netz”. Mit Start der eigenen  Kampagne “Verteidige deine Presse” versucht  der VDZ die Argumente von Google gegen das Leistungsschutzrecht zu widerlegen."

Terrich 23.01.2013 | 19:02

Werter MOPPERKOPP, das ist kein Gedankenexperiment, es ist aktuelles Geschehen ... der Klimawandel wird die kleinen Unterschiede (positive Rückkopplung) verstärken und der Krieg steht vor der Tür.

Zitat:

Positive Rückkopplung oder auch Mitkopplung liegt vor, wenn sich ein Signal oder eine Größe verstärkend auf sich selbst auswirkt. Dabei ist in realen Systemen das Ausgangssignal immer begrenzt, sei es durch begrenzte Energieressourcen, durch nichtlineare Eigenschaften oder Zerstörung des Systems.

Terry Rich

MopperKopp 23.01.2013 | 19:24

Genau, es geht um die minimalen Unterschiede bei den Anfangsbedingungen. Wenn wir auf den fruchtbaren Böden Roboter arbeiten lassen, alle bringen die gleiche Leistung, dann würden winzige Unterschiede, ein paar Steinchen mehr, etwas Sonnenschein weniger, ein paar Ähren werden durch Vögel gepickt, im Laufe nicht zu langer Zeit zu einer sich öffnenden Schere führen, alte Ackerbaukulturen wußten das, es steht schon in der Bibel, ein Anlass für die Rücksetzung auf Null nach einem gewissen Zeitraum, damit die aufgelaufenen Differenzen und sich ergebenden Unfreiheiten wieder annuliert wurden, sehr sinnvoll. 

Eine sehr einfache Erkenntnis mit großen Auswirkungen. Aber es geht weiter. Was passiert, wenn wir in unserer Simulation für solch einen Ausgleich sorgen? Gibt es dann noch Fortschritt?

Findet die Rücksetzung nicht statt, entsteht auch ein Unterschied in der Zahl der Kinder, der Bevölkerungszahl, der immer wieder durch Kriege und Krisen eingeebnet (wir befinden uns in einer Simulation) wird.

Ich veranstalte diese kleine und überschaubare Simulation nur, um einer möglichen Immanenz auf die Schliche zu kommen.

rechercheuse 23.01.2013 | 21:13

"Diese zerstörerischen Strukturen, die primär von Deutschland ausgegehen und Europa gefährden, werden von der deutschen Presse (die ein konkretes Interesse hat und eingebunden ist, sozusagem Mittäter), kaschiert, beschönigt, vertuscht, schreibt um, man lenkt ab ..."

 

wäre es nicht wichtig übersetzungen aus vielen europäischen zeitungen zu organisieren und zu veröffentlichen?

MopperKopp 23.01.2013 | 21:38

Auch ein sehr spannender Ansatz. 

The European
Das Debatten-Magazin

bringt Beiträge aus vielen Ländern, Medien in vielen Sprachen unter einen Hut. Auch ist es heutzutage keine große Aktion mehr, sich verschiedenste Online-Medien durch entsprechende Tools übersetzen zu lassen, so denn die eigenen Fremdsprechenkenntnisse an Grenzen stoßen.

Allerdings stellt man fest, schaut man etwas genauer hin, hinter die Kulissen, dass die Vielfalt der größeren Medien nicht so stark ausgeprägt ist, zu verflochten sind sie. (Dieses Leistungsschutzgesetz kann eine Kettenreaktion in Europa bewirken)

Wichtig sind also auch die kleinen Zeitungen, Blätter, usw. aber auch die direkten Stimmen, die sich in den neuen sozialen Medien abbilden. Recht viel und recht komplex das alles - und genau daran arbeiten bestimmte Konzerne und Institute aus unterschiedlichsten Beweggründen. Sie erstellen sozusagen semantische Maps in Echtzeit und haben damit das Ohr immer ganz nah am Geschehen.

Abgesehen von dieser Nahperspektive ist es natürlich spannend, the long tail nicht aus den Augen zu verlieren. Dann ergibt sich eine mehrdimensionale dynamische InfoMap, die sogar für die Geschichtswissenschaften von Interesse ist. Auch dort wird am Umgang mit komplexen Systemen geforscht und gearbeitet.

Machen wir nun noch ein handliches Tool daraus, eine App, passend für den Tagesbedarf, personalisiert und bringen es auf die neuen biegsamen TouchFolien, dann nähern wir uns einer Zeitung der Zukunft, wie ich sie mir vorstellen kann :-)

rechercheuse 23.01.2013 | 21:57

alles verstehe ich nicht komplett ... doch vielen dank! du weisst viel mehr als ich zu diesem thema und ich erinner mich ... das thema mit den tool´s und dem ccc hatten wir schon an anderer stelle ...

 

es gibt jede menge baustellen und zum glück auch viele ideen, diese zu kennzeichnen ... und doch ... um so mehr ich weiss ... um so mehr ich ich am lack kratze ... ohjeh ... ich bin kein mensch für wilden aktionismus ... ich brauch dann immer wieder abstand und schau nach prioritäten ... und will mich nicht wie don quichotte fühlen und benehmen .... aber versuchen eine (informations)struktur zu finden ... ein medium, das die menschen in der mehrheit erreicht ... warum sollen das immer nur die mächtigen können??????????

MopperKopp 23.01.2013 | 22:19

"warum sollen das immer nur die mächtigen können?"

Jetzt hätte ich beinahe geantwortet: Weil so viele Menschen so mächtig blöd sind.

Aber das wäre ungerecht. Die modernen sozialen Medien sind so eine Plattform, allerdings befinden sie meist in Hand weniger Konzerne mit manch unguten Verbindungen in Bereiche, die für "Sicherheit und Ordnung" zuständig sind.

Ich kann mir einen öffentlich-rechtlichen Bereich vorstellen, ohne diesen Durchgriff suspekter Politiker, der entsprechende Strukturen mit den passenden freien Lizenzen bereitstellt, jeder Bürger hat Anspruch auf einen geschützten Bereich, eine Kommunikations- und Informationsplattform mit Anbindung an die übrigen Medien. Also eine Verknüpfung von kleinesten und größten Bereichen und Strukturen, auch geeignet als Startbasis für eigene Projekte. 

Partizipation, Kommunikation und Perzeption - oder so :-)

rechercheuse 23.01.2013 | 23:05

gandhi sagte: erst ignorieren sie dich, dann belächeln sie dich, dann bekämpfen sie dich und dann hast du gesiegt ... in welcher phase sind wir? ... ich als optimist sage es läuft gut: sie bekämpfen uns

 

eine arbeitsloseninitiative hat im dezember 2012 einen offenen brief an gauck übergeben ... jetzt haben sie eine vorladung vom polizeipräsidium: tatort: 10557 berlin, spreeweg 1, tatvorwurf: verstoß gegen das versammlungsgesetz

 

hat gauck sie angezeigt? wieviel angst haben die?

MopperKopp 23.01.2013 | 23:30

Angst?

Ist es nicht vielleicht so, dass all diese Aktionen, das Verlosen von älteren Arbeitslosen auf dem Weihnachtsmarkt, die rechtlich meist unzulässigen Totalsanktionen von nicht wirklich qualifizierten Mitarbeitern der Agentur, die Schikanen, das stellenweise suspekte Geldmachen von privaten Vermittlern mit Arbeitslosen, dass all das etwas aufzeigt, was durch die Knopperisierung der deutschen Vergangenheit überblendet ist, dass das Unmenschliche des Dritten Reiches, diese Arbeitslager und Schlimmeres, nicht von Monstern, sondern von ganz normalen banalen Eichmännern, Fahrplanoptimieren, Staatsdienern und Unternehmensmitarbeitern durchgeführt wurde, meist in buchstabengetreuer Erfüllung der Gesetze.

Ist vielleicht die kurze Nachkriegszeit, eine Zeit des Wundenleckens, ein Ausreißer, eine Anomalie in der jetzt wieder ungeschminkt anlaufenden Verwertung der Menschen im Kapitalismus?

Auch in dem Punkt kommt Medien eine besondere Rolle zu. In der Vergangenheit war die Rolle unrühmlich. Die jetzige Entwicklung, die auch hier angesprochen wird, die ist nicht vertrauenserweckend, sind doch sogar viele Mitarbeiter der Medienkonzerne schon prekär beschäftigt. Noch versucht man die Entwicklung als Reaktion auf äußere Gegebenheiten darzustellen, zeigt mit dem Finger auf andere, stellt sich als Opfer dar, wo man oft schon Täter ist.

MopperKopp 24.01.2013 | 00:03

Angstbeißer?

Auch daran zweife ich momentan. Wenn ich daran denke, wie sachlich die Auswirkungen der Krise und der jeweiligen Maßnahmen, beispielsweise in Bezug auf Griechenland, von z. B. Sinn vorhergesagt wurden, dass es Tote geben wird, Aufstände, es war einkalkuliert und wurde/wird für beherrschbar befunden. Die neue asymmetrische Kriegführung, erfolgreich erprobt in vielen Ländern, lässt in letzter Konsequenz all die möglichen und denkbaren kommenden Unruhen auch beherrschbar erscheinen. 

Natürlich geht bezüglich dieser fast schon militärischen Strategien im Inneren des Kapitalismus manchen Wald- und Wiesenpolitiker der Arsch auf Grundeis, um es mal etwas salopp zu formulieren, aber die echten Profis in der ersten Reihe, die wissen, wie man die Meute um die Fahne scharrt. Denn zeitgleich wird die Gesellschaft in verschiedene Gruppen gespalten, divide et impera, und gegeneinander in Stellung gebracht. Hier, genau hier gibt es die Angstbeißer, die um ihren Job fürchten, die nach unten treten, ein anlaufender noch stiller Bürgerkrieg.

Sollten die zur Krisenbekämpfung ausgegebenen Billionen nicht genügen, sollte die Krise sich weiter fortfressen, dann kann es ungemütlich werden.

Pardon für diese nicht sehr erbauliche Perspektive zu später Stunde :-)

rechercheuse 24.01.2013 | 00:37

ich will ja nicht sagen, dass es grund zum optimismus gibt ... ich hab nur das gefühl, dass der wind sich langsam dreht ... wie damals in der ddr ... plötzlich zeigten die kameraleute "peinliche" bilder von honecker ... es waren viele kleine subtile zeichen ... die menschen wurden immer mehr von so "einem gefühl" erfasst ...

das ist es ... schwer messbar ...

(auch umgekehrt nicht ungefährlich)

MopperKopp 24.01.2013 | 11:11

Ich bin zwar nicht angesprochen, erlaube mir aber einen kleinen Einwand. Stimmt es denn wirklich, dass es in der Presse fast nur negative Schlagzeilen gibt?

Ist es nicht viel mehr so, dass täglich verkündet wird, wie gut es Deutschland gehe, wie toll alles sei, Merkel redet nur positiv Blech daher, der Spiegel lobt die SPD täglich hoch, die Bild natürlich die CDU, und auf dem Boulevard ist auch alles klar ...

Es gibt viel Rumgenörgel, verkürzte Kritik, die aber nur dazu dient, direkt anschließend die Verhältnisse schön zu reden. Daher stimmt es in gewisser Weise schon, negative Schlagzeilen: ja, fundierte Kritik an den Verhältnissen: nein.

Die wirklich kritischen Punkte werden geschickt umgangen, eine in die Tiefe gehende Kritik kommt nicht vor, auch die FAZ dümpelt an der Oberfläche rum, streif hier und da mal eine dunkle Fläche, aber sonst spielt die Musik auf dem Oberdeck lustig weiter.

eldorado 24.01.2013 | 13:01

Das in diesen Heftli ist ja dummes Gewäsch und ist irrevelant.

Ja es ist ja schon eigenartig, dass die, die Negatives produzieren, das noch an die grosse Glocke hängen. Da sieht man, wie gross diese Macht ist.

Ich will Ihnen ein positives Beispiel hinschreiben, das mich sehr beeindruckt hat. Es ist zwar schon lange her. Es war während des 2. Weltkrieges.

Ich wohne in einer Grenzregion: Elsass, Baden-Würtenberg und Nordwestschweiz. Mein Schwager wohnte mit seiner Frau in Leymen (F). Da hatte ich ein Jahr lang einen Pflanzblätz. Da kam ich auch in Kontakt mit seiner nächsten Nachbarin. Die wohnte in Flüh (CH). Sie hatten ein kleineres Baugeschäft. Ihr Haus stand auf Schweizer Boden. Ging man aber nur einen Schritt aus der Hintertür raus, stand man auf Französischem Boden. Das hatten sie sich während des 2. Weltkrieges zunutze gemacht. Sie erzählte mir folgendes. Am Tag kauften wir Ware ein, stellten diese beim Einnachten vor die Hintertüre. Nachts kamen die Leymener und holten die Ware ab. Manchmal fand sie am nächsten Morgen auch einen Zettel, wo was draufgeschrieben stand, was sie am allernötigsten gebrauchten. Das kann man wirklich "der kleine Grenzverkehr" nennen und ist sicher nie in einer Zeitung erschienen. Sie haben es eben nicht an die grosse Glocke gehängt.

MopperKopp 24.01.2013 | 13:24

Heute würde das sofort per viralem Marketing, Facebook-Eintrag, Tweet, YouTube und Blog um die Welt gehen, das Geschäft würde boomen, in der Tagesschau gemeldet, Politker auf den Plan rufen, Überlegungen würden angestellt, ob da eine Gesetzeslücke ist, die unverzüglich geschlossen werden muss, Merkel und Hollande treffen sich, beschließen eine Sonderausnahmeregel, stellen dann aber fest, dass diese Thematik schon längst im EU-Paragraphen SR-X-337463-EU-54-KLU-2Xc geklärt ist, machen einen Besuch vor Ort, man lächelt mit der stolzen Besitzerin des Baugeschäftes in die Kamera und erteilt ihr anschließend den Auftrag, das Dreiländereck mal ordentlich ausmauern zu lassen ...

rechercheuse 24.01.2013 | 14:15

lieber oberham, es handelt sich ja hierbei um meine individuelle sicht - völlig abseits der rechthaberei … ich weiß nur, dass ich eher zur radikal-kritik und niemals zur beschönigung neige

 

… ich verfolge die deutsche medienlandschaft/philosophische + künstlerische beiträge und natürlich mein eigenes berufliches und privates umfeld und stelle dabei langsame, aber stetige veränderungen der wahrnehmungen und reflektion fest

 

einerseits nimmt die verlogenheit und dreistigkeit der „mächtigen“ in einem erschreckenden maße zu (kriege/plagiate/nsu/hartz4 usw.usw...) und doch beobachte ich z.b. bei immer breiteren bevölkerungsschichten (z.b. den kommentatoren der faz + zeit) eine nicht zu übersehende klarheit der kritik …

 

gerade diese eitelkeit und selbstgewissheit der macht (+missbrauch+) hat die erträglichkeit in der alltäglichen wahrnehmung überschritten >>> hat das ende der fahnenstange bei immer mehr menschen erreicht – auch wenn sie für sich keine möglichkeit sehen, dies der öffentlichkeit (außer evtl. durch sinkende wahlbeteiligung) zu zeigen, bin ich optimistisch (ich kann ja nix beweisen, wie in armuts-reichtumsberichten o.ä.) und vertraue mir und meiner wahrnehmung (die ich natürlich ständig kritisch hinterfrage) … wenn das andere anders interpretieren ist das ihre sache, jedoch kann es ja schwer realistisch gemessen werden und bleibt wohl eine subjektive sicht

 

ich weiß nur, dass ich in der vergangenheit mit meinen „gefühlen“ für veränderungen/irritationen überwiegend recht hatte und dies jedoch nur reale entwicklungen oft erst nach jahren gezeigt haben

 

>>> kassandra läßt grüßen ;-)))

MopperKopp 24.01.2013 | 16:52

Google Top, Presse Flop? – Zeitungsverleger mucken auf

"Es gibt neue Bereiche (z.B. Corporate Publishing) sowie bestehende die immer noch super funktionieren (z.B. Special Interest- und Fachmagazine). Nicht nur für Verlage, vor allem für Journalisten liegen hier einige Chancen. Austauschbare Angebote – darunter vor allem unzählige Tageszeitungen – haben es bei gewachsener Konkurrenz zu Recht schwer."

Oberham 24.01.2013 | 17:04

ja... das wäre ja keine Kassandra, es wäre ein gutes Ohmen ;-).... -

hm... - ich kann da leider nicht so positiv mitfühlen - wie hier schon geschildert, bringe ich mich gerade in einem Arbeitskreis Regionalentwicklung ein.

Das Absurde, die erkannten Stärken der ländlichen Region - der soziale Zusammenhalt, die noch großteils intakte Landschaft und Natur, die Diversifität und Überschaubarkeit der ökonomischen Einheiten, möchte man durch Ausbau der Infrastruktur, Flugverkehr (!!!!), "Verbesserung" der Einkaufsmöglichkeiten(!!!!), noch weiter fördern.

In den Hirnen spuckt das Schneller, Weiter, Höher herum, kein bisschen Reflektion, dass es ein großes Glück und Kapital ist, noch nicht endgültig im Strudel des Wettbewerbs aufgegangen zu sein, sondern noch ein Stück ursprüngliche Gelassenheit vorhanden ist.

Die Leute sind nicht froh, sondern sie haben Torschlusspanik, nicht doch noch den Anschluss an das Peking von morgen, auch in Niederbayern darstellen zu können.

Sie merken es nur nicht, spricht man sie darauf an, heisst es - man übertreibe - ein gewisses Maß sei einfach notwendig.

Dabei sind unsere Straßen schon alle 40tonnergeeignet, die Städt schon hoffnungslos zersiedelt und die monokuluturelle Konsummaske ziert jede Siedlung, jeden Ort - statt mehr von dem heute so wervollem Gut, möchte man eher weniger - sprich - man freut sich über seine Stärken, möchte sie aber schleifen.

Es ist wie ein Rattenschwanz des Unheils - die Großkonzerne sehnen sich nach dem vollkybernetischem Produktionsprinzip, die Staaten nach dem uniformen Ameisenmenschen, die Regionen nach mehr Globalisierung, doch sie träumen gleichzeitig, von einer friedlichen, offenen, gerechten, kulturell reichen und harmonischen Gesellschaft in einer intakten Umwelt.

Man kann sagen der Mensch träumt vom richtigen Weg, geht aber opportunistisch den falschen.

Mit meinen Einwänden kann ich leider nicht gegen die restlichen Bürger an - ja - ich finde sporadische Fürsprache und Einsicht, doch der Utopiehammer tötet dann jede weiter Debatte in diese Richtung - kein Wunder, dass man bei der Definition der Mittel dann irgendwie nicht richtig weiterkommt - ohne die Selbstbetrügereien zu erkennen - doch am Ende fürchte ich - gilt die Devise : Augen zu und durch. 

 

MopperKopp 24.01.2013 | 17:27

Sehr sehr anschaulich und einprägsam beschrieben, ich kann es mir gut als Info-Grafik vorstellen, in der Mitte die noch vorhandene ländliche Idylle, darum herum, in verschiedenen Farben und Teilkreisen die jeweiligen Perspektiven, Wünsche und Zukunftsprojektionen. Dazu dann noch in einer sich darunter befindenen Rubrik Zahlen, Daten Fakten, auch anschaulich aufbereitet, bezüglich der Entwicklungen.

rechercheuse 24.01.2013 | 18:56

am schlimmsten sind aus meiner erfahrung die kleinkarierten, untertänigen mittleren beamten ... die sind für mich ein hoffnungsloser fall und in großer masse vorhanden ... veränderungen wurden immer durch wenige gegen rießige widerstände und mit verlusten und rückschlägen vorangetrieben

 

findest du nicht auch, dass ganz ganz zaghaft sich stimmen erheben, die zumindest nachdenklich klingen? ich geb dir recht ... man hört sie kaum ... oft sind es auch nur stumme blicke in meinem umfeld ... ja, der schwachsinn übertönt sie!!! okay ... vielleicht hör ich das gras wachsen ... aber sorry ... ich hör es :-)))

MopperKopp 24.01.2013 | 20:07

Dem DJV geht der aktuelle Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht nicht weit genug

"Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat nunmehr im Vorgriff auf die Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages ebenfalls eine Stellungnahme zum geplanten Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse vorgelegt, die stolze 40 Seiten umfasst.

...

Der DJV möchte das Leistungsschutzrecht nicht auf  Suchmaschinenbetreiber und vergleichbare Diensteanbieter beschränkt lassen. Außerdem soll das Leistungsschutzrecht nicht auf die öffentliche Zugänglichmachung beschränkt werden, sondern die Vervielfältigung ebenfalls umfassen.

...

Der DJV versucht ganz gezielt zu verschleiern, dass das tatsächliche Kernanliegen des Gesetzes darin besteht, die Erfassung kleinster Textschnipsel (Snippets) zu pönalisieren."

 

Oberham 25.01.2013 | 09:22

... ich würde nicht sagen Optimismus, ich würde es eher Defätismus gegenüber den Verhältnissen nennen.

Die jungen Menschen erkennen sehr wohl ihre prekäre Situation, nur - sie fügen sich absolut devot in ihre Schicksal.

Im Gegensatz zu den 70ern sind die Kinder des Bildungsbürgertums (bei uns auf dem Land), absolute zielorientierte Performer, oberstes Prinzip, manifestiere deinen Status und stecke deine Claims ab!

Da kommt eine Generation daher, die gnadenloser spaltet, als es je in dieser Republik der Fall war.

Ich hoffe in den Städten ist es anders!

Was mich vor allem ratlos macht, gerade jene jungen Menschen, die infromiert und interessiert scheinen, glauben wohl mit Inbrunst an Bio Engeneering und die saubere Lösung eventueller sozialer Konflikte.

Da wird die Drohne zum Sozial-Putzmittel und das CO2 trägt man in die Ozeane ein, als PPP an dem man am bestgen selber das Privat repräsentiert.

Es scheint, der Mensch ist das Blut und Tränen Wesen, als das ihn uns die Kultur seit jeher zeigt - wie sollten wir das Spiegelbild da in Zweifel ziehen?

MopperKopp 25.01.2013 | 12:48

Das mit dem Optimismus war ironisch.

Ich bin mir nicht sicher, ob die jungen Menswchen sich wirklich so einfach einhegen lassen. Sie wollen das Establishment durch eine Metaebene der Kommunikation aufs Kreuz legen. Naja, leider baumelt diese Kommunikation am seidenen Faden der Virtualität. Hier ist die Landjugend klar im Vorteil, notfalls können die noch Milch direkt aus ner Kuh zapfen.

MopperKopp 25.01.2013 | 17:37

Anhörung des Rechtsausschusses zum Leistungsschutzrecht – letzter Stand

Anhörung des Rechtsausschusses am 30. Januar 2013:

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung ist nun Gegenstand einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses, die mit neun Sachverständigen am Mittwoch, 30. Januar 2013 stattfinden wird. Die Sitzung unter Vorsitz von Siegfried Kauder (CDU/CSU) beginnt um 16 Uhr im Sitzungssaal 4.300 des Paul-Löbe-Hauses in Berlin.

Liste der geladenen Sachverständigen:

Prof. Dr. Ralf Dewenter, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf/Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) oeconomicum 01.08

Prof. Dr. Dr. Jürgen Ensthaler, Technische Universität Berlin

Christoph Keese, Sprecher des Arbeitskreises Urheberrecht BDZV und VDZ, Axel Springer AG, Berlin

Dr. Till Kreutzer, Rechtsanwalt, Berlin

Benno H. Pöppelmann, Justitiar des Deutschen Journalistenverbandes, DJV-Geschäftsstelle Berlin

Prof. Dr. Rolf Schwartmann, Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, Fachhochschule Köln, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Gerald Spindler, Georg-August-Universität Göttingen, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- u. Wirtschaftsrecht, Rechtsvergleichung, Multimedia- und Telekommunikationsrecht

Thomas Stadler, Fachanwalt für IT-Recht, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Freising

Dr. Holger Paesler, Geschäftsführer Verlagsgruppe Ebner GmbH & Co. KG, Ulm

"In der Tat bestätigt sich damit, was sich bereits angedeutet hatte: Die Koalition hat zwar mit Christoph Keese einen Vertreter von Springer eingeladen, nicht aber einen Vertreter des Unternehmens google. Beide Unternehmen waren die Hauptprotagonisten der seit nunmehr mehreren Jahren öffentlich geführten Debatte"

MopperKopp 25.01.2013 | 17:44

Leistungsschutzrecht: Zur DJV-Stellungnahme

"Thomas Stadler hat am 24.01.2013 unter dem Titel "Dem DJV geht der aktuelle Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht nicht weit genug" eine verkürzte und einseitige Darstellung der DJV-Stellungnahme zum Leistungsschutzrecht veröffentlicht. Wir stellen klar: Der DJV befürwortet im Kern NICHT die Einführung des Leistungsschutzrechtes, sondern setzt sich innerhalb des laufenden Gesetzgebungsverfahrens dafür ein, dass Urheber gerecht beteiligt werden, WENN das Leistungsschutzrecht eingeführt wird.

DJV-Justiziar Benno H. Pöppelmann geht nachfolgend auf die einzelne Kritikpunkte Stadlers ein: "

MopperKopp 25.01.2013 | 19:09

Schleswig-Holstein will Leistungsschutzrecht blockieren

"Der schleswig-holsteinische Landtag hat auf Initiative der Piraten einen Antrag (PDF-Datei) gegen das geplante Leistungsschutzrecht angenommen. Falls der Bundestag den Regierungsentwurf zum Schutz der Verlegerinteressen im Internet beschließt, wird die Kieler Landesregierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband damit aufgefordert, im Bundesrat gegen Gesetz Einspruch zu erheben."

MopperKopp 28.01.2013 | 11:52

Die »Lex Google« wird ohne Google beraten

"Am kommenden Mittwoch steht im Rechtsausschuss des deutschen Bundestages das geplante Leistungsschutzrecht für Zeitungs– und Zeitschriftenverleger auf der Tagesordnung. Zu der öffentlichen Anhörung sind neun Sachverständige geladen: Vier Juristen von Universitäten, zwei Anwälte, zwei Verlagsvertreter und ein Journalistenvertreter.

Ein Vertreter von Google ist nicht dabei."

MopperKopp 29.01.2013 | 23:56

Leistungsschutzrecht für Presseverlage: Müsste Google wirklich zahlen? – eine kartellrechtliche Analyse

Abstract:     
The introduction of an ancillary copyright law is designed to allow news publishers to prohibit search engines to display snippets of their content, which, to-date, do not enjoy copyright protection. If such a law were introduced, search engines would need to either stop displaying such snippets or license them from the publishers. Using Google as an example, this article discusses the plausibility of a potential antitrust obligation to index publishers' content and pay publishers if snippets appear on a search results page. We conclude this is not the case: Google can avoid paying for snippets by refraining from indexing and displaying this content.

Note: Downloadable document is in German.

 

MopperKopp 30.01.2013 | 00:00

Übersetzung:

Mit der Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage sollen die Verlage die Möglichkeit erhalten, Suchmaschinen die Anzeige urheberrechtlich bislang nicht geschützter Auszüge ihrer Presseerzeugnisse als Anrisstexte („snippets“) zu untersagen. Suchmaschinenbetreiber würden vor die Wahl gestellt, entweder auf die Anzeige zu verzichten oder eine Lizenz zur Anzeige zu erwerben. Dieser Beitrag untersucht am Beispiel Googles, ob Suchmaschinen aus kartellrechtlicher Sicht verpflichtet sein können, Verlagsinhalte in ihren Suchindex aufzunehmen und im Fall der Anzeige von Verlagsinhalten hierfür eine Vergütung zu entrichten. Im Ergebnis ist diese Frage zu verneinen; Google kann eine Vergütungspflicht vermeiden, indem Google auf die Indexierung und etwaige Anzeige von Verlagsinhalten verzichtet.

MopperKopp 30.01.2013 | 00:39

Neues Gutachten: Leistungsschutzrecht gefährdet Social Media in Deutschland

Kurz vor der parlamentarischen Expertenanhörung im Bundestag hat heute Professor Dr. Thomas Hoeren von der Uni Münster ein neues Rechtsgutachten gegen ein Leistungsschutzrecht veröffentlicht (Das Thema wurde auch bei einem UdL Digital Talk mit Christoph Keese und Kay Oberbeck diskutiert). In dem nun vorgelegten Gutachten kommt der anerkannte Rechtswissenschaftlicher zu dem Schluss, dass der Gesetzesentwurf zur Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verleger auch und gerade aus der Sicht von Social Media unausgereift und überflüssig ist. Seiner Ansicht nach drohen jahrelange Gerichtsauseinandersetzungen und breite Abmahnwellen, die die Internetszene insgesamt und alle Nutzer von Social Media über längere Zeit lähmen werden.

MopperKopp 30.01.2013 | 00:52

Yahoo! kommentiert: Für Journalismus. Für Wettbewerb. Gegen das Leistungsschutzrecht.

"Morgen befasst sich der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags mit dem umstrittenen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum neuen Leistungsschutzrecht. Dieses soll das Verhältnis zwischen Presseverlegern im Internet und Suchmaschinenbetreibern regulieren. Heiko Genzlinger, Geschäftsführer Yahoo! Deutschland und Vice President Sales, kommentiert die Diskussion um das Leistungsschutzrecht aus Sicht des Internetpioniers Yahoo!, der sowohl als Suchmaschinenbetreiber als auch als Anbieter journalistischer Inhalte von den Gesetzesplänen betroffen ist."

MopperKopp 30.01.2013 | 01:03

Leistungsschutzrecht für Presseverlage – Der Teufel steckt im Prinzip

"Zugegeben: Zum Leistungsschutzrecht ist so ziemlich alles gesagt, was man sagen kann. Im Hinblick auf die von 1&1 geteilte Kritik empfehlen wir die Lektüre der juristischen Stellungnahme des Max-Planck-Instituts in München, der technischen Erläuterung von Michaela Merz und der ordnungspolitischen Analyse des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie. Gleichzeitig  wollen wir die Anhörung zum Anlass nehmen, unsere eigene kritische Haltung nochmals anhand drei prinzipieller Ungereimtheiten des Vorschlags zu erläutern:"

MopperKopp 30.01.2013 | 15:29

Bundesverband Deutsche Startups

"Das derzeit geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger hat zu starkes Potential Internet-Startups in Deutschland zu schaden. Regulierungen wie das Leistungsschutzrecht für Presseverleger bremsen Innovationen am Standort Deutschland und führen zu einem Wettbewerbsnachteil insbesondere im internationalen Vergleich. Deshalb lehnt der Bundesverband Deutsche Startups e.V. das geplante Gesetz ab."

MopperKopp 30.01.2013 | 20:59

Ökonomische Auswirkungen der Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseinhalte im Internet

(Leistungsschutzrecht für Presseverleger).

Gutachten im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

 

Fazit

Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger befinden sich in einem Strukturwandel. Dieser dauert seit über zehn Jahren an und ist nicht erst auf neuere Dienste wie z. B. Nachrichtenaggregatoren zurückzuführen. Ein Großteil der Aufmerksamkeit in den Leser- und Anzeigenmärkten wandert von den Print- in die Online-Märkte. Die Presseverleger haben im Internet derzeit noch weniger Erlösmöglichkeiten als in den Printmärkten gefunden, welches auch an den deutlich einfacheren Substitutions- möglichkeiten der Nutzer, und somit am intensiveren Wettbewerb im Internet liegt. Demnach ist es verständlich, dass die Presseverleger neue Erlösmöglichkeiten suchen. Insbesondere fordern sie einen Investitionsschutz ihrer wirtschaftlichen Leistung als Werkvermittler mittels eines Leistungsschutzrechts u.a. gegenüber der Übernahme von Textteilen durch Nachrichtenaggregatoren. Ein Strukturwandel ist jedoch keine hinreichende Rechtfertigung für einen Schutz von Investitionen. Ein Eingriff eines Staates in Form eines Schutzrechtes wäre zu rechtfertigen, wenn es sonst kaum Möglichkeiten gäbe, die Arbeit der Presseverleger zu schützen.

Im Gegensatz zu Filmen oder Datenbanken, für welche ein Leistungs- schutzrecht existiert, werden auch Zeitungen kaum in ihrer Gesamtheit kopiert. Ganz im Gegenteil wird die „kompositorische Leistung“ der Verlage sogar zunehmend unwichtiger, da Rezipienten bei Online-Inhalten zunehmend unterschiedliche Quellen nutzen können und so selbst „kompositorisch“ tätig werden. Die Bündelung diverser Artikel in einer Zeitung verliert somit durch das Internet zunehmend an Wert für die Verbraucher und ist damit auch weniger schützenswert.

Die Entscheidung zur entgeltfreien Bereitstellung der Angebote ist zudem mit einem rein strategischen Verhalten auf sog. zweiseitigen Märkten und andererseits durch die Wettbewerbsverhältnisse im Internet zu erklären und keineswegs in einem etwaigen Marktversagen begründet. Mit der Theorie der zweiseitigen Märkte lässt sich erklären, warum Leser nicht, oder kaum, mittels Bezahlschranken ausge- schlossen werden, da dieses seinerseits zu geringeren Werbeeinnahmen führen wird. Mittlerweile verzeichnen die Presseverleger erste Erfolge zur Einführung von Bezahlangeboten, gerade im mobilen Internet.

Die derzeit diskutierten Vergütungsverfahren würden gerade nicht den geforderten „Qualitätsjournalismus“ fördern sondern im Gegenteil zu einer Aus- richtung anhand der Mainstreams führen. Potenzielle Lizenzzahlungen werden sich anhand der Reichweite und nicht an der Qualität der Angebote richten, die Pressevielfalt eher sinken. Sollten somit vor allem die Presseverlage mit hoher Verbreitung von einem Leistungsschutzrecht profitieren und gegenüber kleinen Verlagen – relativ gesehen – noch stärker werden, wird dies die Konzentration der Presselandschaft eher beflügeln als bremsen.

Zugleich ist zu befürchten, dass aufgrund der zahlreichen ungeklärten Rechtsbegriffe wie etwa gewerbliche Nutzung oder Presseverlag mit einem erheb- lichen gerichtlichen Klärungsbedarf mit entsprechenden Kosten zu rechnen ist wie selbst die Bundesregierung (Deutscher Bundestag, 2012b) konzediert. Diese Unsicherheit sowie der mögliche Lizenzzwang wirken innovationsfeindlich und strukturkonservierend. Der Markteintritt für neue und innovative Unternehmen wird erschwert. Stattdessen wird dem Abmahnwesen Vorschub geleistet, welches weitere volkswirtschaftliche Kosten und Unsicherheiten gerade für kleine Unternehmen auslöst.

Das bestehende Urheberrecht ist ausreichend um den Trade-off zwischen den Anreizen zur Erstellung von Inhalten und einer möglichst breit gestreuten Verbreitung zu gewährleisten. Ein darüber hinaus gehendes, weiteres Leistungsschutzrecht ist aus ökonomischer Perspektive abzulehnen. Es behindert den Strukturwandel in der Presselandschaft und konterkariert die Einführung marktkonformer Bezahlmodelle, von denen dann positive Effekte für die Vielfalt und die Qualität der Angebote zu erwarten sind. Alles in allem ist das geplante Leistungsschutzrecht nicht nur überflüssig, sondern schädlich für Innovation, Meinungsvielfalt und Qualitäts- journalismus."

 

Die Studie als PDF

MopperKopp 30.01.2013 | 22:14

Vorratsdatenspeicherung, Internetsperren, Leistungsschutzrecht…

Der Hightech-Verband BITKOM hat vor der heutigen Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags zum geplanten Leistungsschutzrecht auf die rechtlichen Gefahren des Gesetzesvorhabens hingewiesen. „Die Stellungnahmen mehrerer Sachverständiger bestätigen eindeutig, dass das Leistungsschutzrecht weder rechtlich noch ökonomisch notwendig ist“, sagte BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Mehrere Sachverständige haben bei dem Gesetzesvorhaben verfassungsrechtliche und europarechtliche Bedenken.“ Der Gesetzgeber laufe Gefahr, dass das Gesetz vom Bundesverfassungsgericht nachträglich wieder gekippt wird.

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Auch wurde auf die Anhörung eines Vertreters der Netzgemeinde verzichtet. Rohleder: „Netzwirtschaft und Internetnutzer müssen letztlich die Zeche zahlen. Ein Gesetz vorzubereiten und sie bei der Ausschussanhörung außen vor zu lassen, ist für eine pluralistische Demokratie ein bemerkenswerter Vorgang.“

MopperKopp 31.01.2013 | 00:24

Experten stützen Leistungsschutzrecht für Presseverlage

„Die Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags wird zeigen, dass die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage notwendig und richtig ist“, erklärten die Sprecher von Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am 30. Januar 2013 in Berlin. Dies belegten mehrere Gutachten von zur Anhörung geladenen Experten.

MopperKopp 31.01.2013 | 01:02

Sind Suchmaschinen wirklich Alligatoren?

"Keese gilt als Vater der Idee, Zeitungstexte auch in kleinsten Schnipseln extra schützen zu lassen. Er ist Lobbyist bei Springer und argumentiert seit langem für ein solches Gesetz. In der Anhörung nannte er Suchmaschinen "Alligatoren", die noch dazu "Ausländer" seien."

Keese nennt Suchmaschinen also "Alligatoren"und "Ausländer". Ein sehr aufschlussreiches Niveau.

MopperKopp 31.01.2013 | 16:51

Anhörung im Bundestag: Das Leistungsschutzrecht kommt, letzte Rettung Bundesrat

"Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger bleibt umkämpft, ist aber auf dem Weg, vom Bundestag beschlossen zu werden. Die heutige Anhörung im Rechtsausschuss machte nur noch einmal die Fronten klar, falls sie jemand noch nicht kannte. Die einzige Chance, das Gesetz noch zu verhindern ist ein Einspruch im Bundesrat – doch der ist trotz rot-grüner Mehrheit nicht sicher."

Aus den Kommentaren dort:

"Das LSR wird kommen. Und zwar nur wegen der Bundestagswahl.
Ich stelle mir das so vor:
“Einen schönen Wahlkampf haben Sie da, wäre doch schade wenn jetzt etwas Unangenehmes in den Zeitungen steht.”
Vor allem die FDP hat gute Presse dringend nötig.
Ob der Brüderle Skandal wohl nur eine Machtdeminstration ist?"

MopperKopp 31.01.2013 | 17:28

Live-Bloggen von der Leistungsschutzrechts-Anhörung im Bundestag

"Im Rechtsausschuss im Bundestag findet ab 16 Uhr die einzige Anhörung zum Leistungsschutzrechts für Presseverleger statt. Die Bundestagsverwaltung stellt keinen Livestream bereit, über die genauen Gründe kann man nur spekulieren. Vielleicht schadet zuviel Öffentlichkeit dem Interesse, das Gesetz so schnell wie möglich durch den Bundestag zu bekommen? Mathias Schindler bloggt für uns live aus der Anhörung. Andre Meister sitzt ebenfalls vor Ort im Bundestag und schreibt anschließend eine Zusammenfassung.

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Und: Es ist ein Love-Blog, Rechtschreibfehler können enthalten sein."

MopperKopp 31.01.2013 | 18:18

Glatt durchgefallen: das Leistungsschutzrecht für Presseverlage

"Zur Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags war kein Vertreter einer Suchmaschine geladen worden, eine Liveübertragung wurde vom Vorsitzenden Siegfried Kauder abgelehnt

Seit dem Frühjahr 2009 betreibt die Axel Springer AG Lobbyarbeit für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage und findet damit Unterstützung sowohl beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Aus der fleißigen Lobbyarbeit, die in dem Ruch steht, durch persönliche Beziehungen der Springer AG ins Kanzleramt begünstigt zu sein, ist mittlerweile ein Gesetzentwurf erwachsen, mit dem die Bundesregierung dem Wunsch der Verleger nachkommen möchte. Doch in einer Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages wird der Regierungsentwurf förmlich zerrissen."

MopperKopp 06.02.2013 | 22:30

Grüne Jugend, Junge Liberale, Junge Piraten und Jusos unterstützen IGEL

"Die Jungen Liberalen, die Jusos, die Grüne Jugend und die Jungen Piraten haben sich heute dem IGEL als Unterstützer angeschlossen. Sie eint die Ablehnung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage. Bereits im vergangenen Jahr haben sich viele Jugendorganisationen der Parteien gegen ein Leistungsschutzrecht in einer gemeinsamen Erklärung ausgesprochen und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aufgefordert, diesem Gesetzentwurf nicht zuzustimmen."