MopperKopp
14.02.2013 | 15:12 22

Sklaven bei Amazon

Arbeit ARD hat hinter die Kulissen von Amazon geschaut und in Deutschland erschreckende Zustände vorgefunden, Arbeitssklaven werden von rechtsradikalen Sicherheitsleuten bewacht

Sklaven bei Amazon

Foto: Aurelijus Valeiša/ Flickr (CC)

Die schöne neue Online-Welt des größten Online-Händlers hat Schattenseiten. Auch hier werden ganz reale Produkte von Menschen verpackt und verschickt. Die Bedingungen, unter denen das geschieht, die Arbeitsverhältnisse, hat ARD in einer mutigen Dokumentation aufgedeckt. Mitten in Deutschland werden Leiharbeiter aus ganz Europa kaserniert und teilweise von rechtsradikalen Sicherheitsleuten bewacht, unter Missachtung aller Persönlichkeitsrechte. Auszug aus Wikipedia, der komplette Text befindet sich in der linken Informationsspalte:

An den Unterbringungsorten wurden die Leiharbeitnehmer durch angsteinflößende „Securityleute“ der Firma H.E.S.S überwacht, die jederzeit rechtsverletzend bis in die „Privatsphäre“ der abgesonderten Arbeitnehmer vordringen konnten: „Das ist unser Haus. Das sind unsere Regeln. Ihr müsst das machen, was wir sagen“, erläuterte einer der Securities den „Wanderarbeitern“ aus Südeuropa. Bei weiteren Recherchen zu der „Sicherheitsfirma“ stießen die Reporter „auf zahlreiche Verbindungen zur rechten Szene“.

Virtuelle Welten produzieren realen Kasernenkapitalismus und Sonderwirtschaftszonen

Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon

Amazon ist der mit Abstand größte Online-Händler der Welt und auch in Deutschland schon lange die Nummer eins. Fast jedes Produkt lässt sich hier günstig bestellen, geliefert wird oft über Nacht – selbst noch am Heiligen Abend. Doch wer packt die Pakete für die Bescherung? Jedes Jahr zur Hochsaison wirbt Amazon Deutschland tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland an. Für viele Spanier ist der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn.

Was die Arbeiter tatsächlich erwartet, ist eine böse Überraschung. Nicht Amazon legt ihnen in Deutschland einen Vertrag vor, sondern eine Leiharbeitsfirma. Deutlich weniger Lohn als bei der Anwerbung in Spanien versprochen, nach Feierabend stundenlanges Warten auf den überfüllten Bus, der sie über zig Kilometer Autobahn in ihre Unterkunft bringen soll. Sie leben zu zweit auf engstem Raum in einem zu dieser Jahreszeit verlassenen Ferienpark.

Hier führt ein Sicherheitsdienst ein Regime, das auf Einschüchterung setzt und immer wieder in die Privatsphäre der Arbeiter eindringt. Wer sich wehrt, fliegt raus. Fristlos. Die Reportage deckt auf, was sich hinter der Fassade von Amazon.de verbirgt und wer dafür zahlt, dass die schöne neue Warenwelt des Internethändlers so billig zu haben ist.

Film von Diana Löbl und Peter Onneken

 

Kommentare (22)

Baszlo 14.02.2013 | 18:55

Sicher sind die Zustände in der modernen Arbeitswelt ausgesprochen hässlich, aber die Schuld daran liegt nicht bei Firmen wie Amazon, Zalando, u.a. Konzernen. Die machen nur das, was der Gesetzgeber den Firmen erlaubt, damit diese maximalen Profit machen können.
Auch die rechtsradikalen Schlägertruppen der Konzerne können nur ihrem Tagewerk nachgehen, weil der Gesetzgeber das so will.

Statt also diese Firmen zu beschimpfen und zu boykottieren, sollten sich die Proteste an Parteien, Gewerkschaften und die Justiz richten, die diese menschenunwürdigen Bedingungen, tatsächlich zu verantworten haben.

Denn ansonsten wird sich nichts ändern und die wahren Verantwortlichen, für Zwangsarbeit und Ausbeutung, kommen wiedereinmal ungeschoren davon.

Baszlo 14.02.2013 | 21:52

"Er startet ganz normal eine Arbeitsroutine, die unterschiedlich gestaltet sein kann, von ... bis ..."

Es gibt gesetzliche Rahmenbedingungen für die Arbeitswelt, bestimmt von politischen Parteien und/oder ausgehandelt von Gewerkschaften und letztlich bestätigt von der Justiz und an diese halten sich diese Konzerne. Die haben diese Regeln aber nicht gemacht, sondern ziehen nur den größtmöglichen Profit daraus. Genauso wie der Käufer, der einen möglichst großen Gegenwert, für sein Geld zu erzielen versucht.

Diesem Käufer, oder dem Konzern, die Schuld an den gesellschaftlichen Verhältnissen zu geben, ist doch nur ein Ablenkungsmanöver, von Politikern und Journalisten, die die bestehenden Verhältnisse verteidigen wollen.

Momo Lebeurre 15.02.2013 | 06:51

"Diesem Käufer, oder dem Konzern, die Schuld an den gesellschaftlichen Verhältnissen zu geben, ist doch nur ein Ablenkungsmanöver, von Politikern und Journalisten, die die bestehenden Verhältnisse verteidigen wollen."

Sie denken also, gesetzliche Regelungen entbinden Unternehmen und Verbraucher von jeglicher moralischer Reflexion?

Die Werte unserer Gesellschaft sollten sich natürlich in unseren Gesetzen widerspiegeln, jedoch kann dies niemals erschöpfend passieren. Inwiefern Unternehmen dieses moralische Vakuum füllen können, ist sicher fraglich. Dies bedeutet aber auch, dass es zum Teil bei den Verbrauchern liegt, ihr Kaufverhalten an solchen Kriterien zu orientieren und eben nicht nur auf die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu verweisen. Politiker sind immerhin von UNS gewählte Repräsentanten.

Baszlo 15.02.2013 | 10:22

"Sie denken also, gesetzliche Regelungen entbinden Unternehmen und Verbraucher von jeglicher moralischer Reflexion?"

 Tja, Moral ist nun mal relativ, jede(r) hat eine andere und genau aus dem Grunde, braucht es Gesetze, um trotzdem, ein für alle einigermaßen faires Zusammenleben zu ermöglichen.

 Wenn aber Konzernen die Leiharbeit und Zwangsarbeit und Nazi-Schlägertruppen, zur Bewachung der so gut wie rechtlosen Arbeiter, gesetzlich erlaubt werden, dann gerät jede Firma ins Hintertreffen, die solche billigen Methoden nicht anwendet.

 D.h. die Fa. Amazon wäre nicht mehr lange die Nr. 1 unter den Versandhändlern, wenn sie aus purer Gutherzigkeit, auf solche Methoden verzichten würde. Dann würde eine andere Firma diese Stelle übernehmen, die den gesetzlichen Rahmen eben ausschöpft.

 Deshalb macht es keinen Sinn eine bestimmte Firma zu boykottieren, denn solche oder ähnliche Methoden, werden bekanntlich nicht nur von dieser einen Firma angewendet, sondern von vielen Firmen (Zalando, Lidl, Aldi,...).

 Sinnvoller wäre es also, den Gesetzgeber dazu zu bewegen, menschenrechtskonforme Gesetze in die Arbeitswelt (wieder) einzuführen. Sicher ist das viel schwerer, als einfach nur woanders einzukaufen, aber letztlich liegt darin die einzige Lösung.

 Wenn also jemand boykottiert werden sollte, dann sind das SPD/Grüne/CDU/FDP und die dazugehörigen Gewerkschaften, denen wir diesen Rückfall, in die Methoden der frühen Industrialisierung zu verdanken haben.

Momo Lebeurre 15.02.2013 | 15:33

Ich weiß nicht, inwieweit Moral relativ bzw. subjektiv ist. Bisher habe ich jedenfalls von niemandem gehört, dass es in Ordnung wäre so mit Menschen umzugehen.

Natürlich sehe ich auch die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung. Jedoch ist es widersprüchlich diese zu fordern und gleichzeitig gegen besseren Wissens bei entsprechenden Unternehmen einzukaufen, weil es ja noch erlaubt ist.

Um die Politik auf Probleme aufmerksam zu machen, ist das Kaufverhalten der Bürger sicher nicht das schlechteste Mittel.

"[...] denen wir diesen Rückfall, in die Methoden der frühen Industrialisierung zu verdanken haben."

Ob es sich hierbei wirklich um einen Rückfall handelt, ist zu bezweifeln, denn das würde bedeuten, dass es schon einmal besser war.

MopperKopp 15.02.2013 | 16:44

Nach ARD-Reportage: Erste Stellungnahme von Amazon (Update)

"Die ARD zeigte gestern eine Reportage über den Online-Versand Amazon. Die Dokumentation mit dem Titel "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" zeigt die widrigen Umstände, unter denen die Arbeiter Pakete für den Versand vorbereiten. Der Bericht zieht eine Welle der Entrüstung auf Facebook nach sich. Nun hat sich Amazon zu den Vorwürfen geäußert."

Amanda Donata 15.02.2013 | 21:11

Lieber Moppel..,

verzeihen Sie, aber ARD und ZDF und CO - AG;-) wären gut beraten in ihre eigene "Fabrik" hineinzuschauen, meinen Sie nicht?

 

..  http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/oeffentlich-rechtliche-mdr-und-br-legen-intendanten-gehalt-offen-a-712908.html   

 

..  -lang ist's her ..;-)))

 

 

.. wie ist das mit der Zwangssteuer, genannt "GEZ"?  .. eine Freundin aus Deutschland schilderte mir solche Liebenswürdigkeiten.

.. und außerdem ist das nur die Spitze der Eisberg-Sklaverei in Deutschland..;-.)

Lassen Sie sich nicht von dem einen Auge so verarschen;-)))

 

AD

 

 

 

miauxx 16.02.2013 | 00:51

Von Zalando ist so ziemlich gleiches bekannt geworden.

Ich kaufe bei diesen Versendern nichts. Das jedoch, weil mir Alles-aus- dem-Netz sowieso unsympathisch ist und ich überdies die Benutzerführung auf diesen Seiten unmöglich finde! Diese grausigen Arbeitsbedingungen und das Herausreden von Amazon, Zalando & Co. auf ihre Subunternehmer und das man das "selbstverständlich prüfen werde" geben mir noch den Rest dazu!

Aber es kann noch so grausig kommen: Der Bürger will halt billig!

 

Baszlo 16.02.2013 | 12:35

"Bisher habe ich jedenfalls von niemandem gehört, dass es in Ordnung wäre so mit Menschen umzugehen."

Hm, den größten Teil der menschlichen Geschichte über hielt man Sklaverei für ganz normal, sogar große Philosophen taten das.

Heutzutage gibte es bekanntlich immer noch viel Befürworter der Zwangsarbeit, auch wenn diese den Begriff tunlichst vermeiden. Da müssen sie nur mal in die Politik, die Wirtschaft und in Behörden wie dem  Jobcenter schauen.

Mir ist unklar wie man dieses übersehen kann!?

"Ob es sich hierbei wirklich um einen Rückfall handelt, ist zu bezweifeln, denn das würde bedeuten, dass es schon einmal besser war."

Im letzten Jahrhundert wurden viele Arbeitnehmerrechte erkämpft und für ein paar Jahrzehnte war es tatsächlich besser (zumindest in der BRD). Leider wurden und werden diese Rechte seit der Wiedervereinigung sukzessiv abgebaut, bis zur heutigen Zwangs- und Leiharbeit. Und das Ende ist vermutlich noch nicht erreicht.

MopperKopp 21.02.2013 | 00:30

Schwere Vorwürfe gegen Amazon im Bundestag

"Der Online-Händler Amazon musste sich im Bundestag am Mittwoch im Rahmen der von der ARD aufgedeckten Zeitarbeiteraffäre scharfe Kritik gefallen lassen. Der Konzern habe "menschenunwürdige Arbeitsbedingungen" begünstigt und geduldet, dass Leiharbeiter "auf Schritt und Tritt bespitzelt" worden seien, kritisierte Beate Müller-Gemmeke von den Grünen in einer Aktuellen Stunde des Parlaments. Menschen seien "wie Waren behandelt" worden. Es reiche daher nicht, wenn der Versandhändler einzelnen Dienstleistern kündige: "Auch Amazon selbst muss auf den Prüfstand." Nötig seien zudem neue "soziale Leitplanken auf dem Arbeitsmarkt"."