MopperKopp
19.12.2012 | 15:43 4

Überbackenes Rascheln

Bäcker Was unterscheidet den Profi vom Laien und welches Produkt schmeckte besser: Print oder Printen?

Heute habe ich einen interessanten Kommentar gelesen:

"Jeder hat das Recht zu sagen, die Brötchen schmecken mir nicht. Ärgerlich wirds dann, wenn das in Worten daher kommt, die suggerieren, man hätte Ahnung vom Brötchenbacken, womöglich mehr als die Bäcker."

Da möchte man fast spontan zustimmen. Gibt es doch genug Beispiele, Häuslebauer, die auf den Architekten verzichten, weil sie meinen, mit Baumarkt ginge es billiger, Unternehmen, die ihren Auftritt und ihr Logo selbst entwerfen, weil sie meinen, Grafiker und Designer seien zu teuer und außerdem habe man Photoshop. Die Ergebnisse sind meist entsprechend. Die genannten Profis zeichnet jahrelange Praxis, Erfahrung, systematisches Denken, Planung und manch andere Eigenschaften aus, deren Fehlen ein Laie gerade wegen eines vordergründigen Schnäppchendenkens unter dem Strich teuer bezahlt.

Zurück zum Bäcker. Diese handgebackenen Brötchen, knusperig, wohlgeformt, aus besten Zutaten, wohlriechend, wer möchte die auf seinem Frühstückstisch schon vermissen? Jetzt wird bestimmt der ein oder andere sich fragen, welche Drogen der Verfasser dieser Zeilen konsumiert hat. Die Brötchen, die man heute in jeder Bäckerei kaufen kann, die sind alles oder nichts, auf jeden Fall nicht das, was da eben beschrieben wurde.

Heute backt auch die Aushilfe Brötchen, die werden vorgefertigt angeliefert, kurz aufgebacken und in den Korb gekippt. Überbackene Luft. Die handwerkliche Fähigkeit, backen in aller Herrgottsfrühe, das war einmal. Nach und nach wurde maschiniert, standardisiert, die Gewinnspanne stieg, einhergehend mit dem Verfall all dessen, was den Beruf des Bäckers einmal ausgemacht hat.

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Journalisten und realen Handlungen sind rein zufällig. Überbackene dpa-Meldungen machen noch keine Zeitung.

Spaß beiseite, es gibt durchaus Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede. Überbackene Luft und überbackenes Rascheln passen zusammen. Heute kann sich jeder seine Zeitung, sein Buch, seinen Beitrag selbst backen, in jeder Form, fast umsonst, in jeglicher Weise. Genau so, wie man noch in Feinkostläden handgebackene Brötchen für 3 Euro das Stück finden kann, genau so gibt es handgeschriebene Beiträge in erlesenen Blättern.

Daraus ließe sich ein Werbespot generieren:

Ein langer Tisch, auf der linken Seite, dort ohne Tischdecke, eine Person, etwas verwahrlost, vor sich auf dem Teller überbackene Luft, lesend in der Bild, eine Tasse Kaffee trinkend, die Zigarette qualmend im Aschenbecher. Man kann nun Wetten abschließen, wird diese Person zuerst verhungern, verblöden, an Herzinfarkt wegen des Koffeins oder an Lungenkrebs wegen des Nikotins sterben?

Auf der rechten Seite, mit Tischdecke, wunderbar dekoriert, Blumen, Kerzen, verschiedene Silbertöpfchen und Schalen mit Zutaten, Müsli, Obstgetränke, eine sehr gepflegte Person, vor sich einen Teller von Hutschenreuther, darauf ein duftendes, knackiges vom Bäcker eigenhändig hergestelltes Brötchen, lesend im Freitag, eine Tasse Tee trinkend. Gebildet und unsterblich.

Vielleicht könnte man diesen Werbespot mit Augstein und Blome drehen. Obwohl, Blome ist gut gekleidet, sieht wohlgenährt, intelligent und gesund aus. Hmmm, irgendwie habe ich mich nun wohl verheddert. Macht nichts, ich wollte eh zum Bäcker und dort ein leckeres Vollkornmüslibrötchen kaufen.

Kommentare (4)

Vaustein 19.12.2012 | 17:22

Sonntags gibts bei mir immer selbst gemachte Brötchen. Aber jedes Wochenende etwas anders zusammengesetzt. Mehle gibts reichlich zur  Auswahl, Roggenmehl, Dinkelmehl, Weizenmehl, Vollkorn oder fein gemahlen. Mal nur mit Hefe oder Hefe und Sauerteig oder nur mit Sauerteig. Unterschiedliche Körner passen auch manchmal dazu. Lediglich Laugenbrötchen werden noch gekauft. Und das Beste ist: Sie munden immer.

ch.paffen 20.12.2012 | 03:21

puki puki ne, ne, ne der "feind" trinkt tee, ist unsterblich, hat silbertöpfchen, schälchen und raschelnde brötchen für 3 euro an dieser stelle möchte ich anmerken, gelungene visualisierung und jepp ein klares feindbild kann weiterhelfen .....

vollkornbrötchen aber auch * jede jeck is anners und man muß auch jönne könne * rascheln, porsche, style also gönn ich mir mal puki on wat auch immer .... und als "danke" mal ein handgeklöpplter kommentar (jippie hey jo, schweinebacke) * feine restwoche vorm x-mas day cp

MopperKopp 20.12.2012 | 07:48

Nun, die Seite mit den Silbertöpfchen und der Tischdecke, das ist mein Frühstückstisch. Ich stopfe mir auch nicht gedankenlos Pizza oder Chips rein, vor dem Fernseher oder Computer, auf der Couch, nicht mal im Lounge Chair. Und mit den Bildern ist das so eine Sache, ich kenne Neureiche, die fressen wie die Schweine, ohne Stil, ohne Manieren, dann gibt es Personen, die leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und legen viel Wert auf ein anspruchs- und liebevoll gestaltetes Wohn- und Lebensumfeld. An den Brötchen wirst du sie erkennen, das ist richtig   :-)