niclas quinten
14.08.2013 | 12:57 11

Verniedlichen! Verkleinern!

Ein großes Nichts! Das Land hat keine Probleme. Uns geht es im Vergleich gut. Laßt nur keine Störung im überflüssigen Wahlkampf zu

Verniedlichen! Verkleinern!

Foto: Sean Gallup/Getty Images

„Demokratie marktkonform machen.“ Das ist die Essenz der merkelschen Politik. Täglich sollte man daran erinnern und sie nicht auslassen.

In dieser Formulierung steckt das grundlegende Politikverständnis der Frau Bundeskanzlerin. Alles, was auf dem Weg einer ihr genehmen Lösung stört, ist lästig. Dazu passt auch das arrogante Verhalten von Pofalla, der Herrin erster Diener. Keineswegs ist die Spähaffäre beendet. (Man denke auch daran wie Pofalla mit dem andersdenkenden Bosbach in der Finanzkrise umgesprungen ist.) Es gab und gibt die massenhaften Ausspähungen, es gab und gibt die Beteiligung des BND. Dieses alle demokratischen Spielregeln negierende Verhalten von Pofalla ist Teil des Systems Merkel.

Dieses ewige kleinreden und verniedlichen von Problemen, das herrische Beenden einer Diskussion, das Lösungen als alternativlos erklären, das plaudernd darüber hinweggehen, das ist die Politik der Frau Bundeskanzlerin.

Frau Merkel ist keine leidenschaftliche Europäerin, das bemerkt Steinbrück richtig. Merkel entwickelt für nichts Leidenschaft, außer für den Machterhalt. Leidenschaft für die Demokratie muss man ihr nach dem Ausspruch „Die Demokratie muss marktfähig werden“ nicht unbedingt und zwingend unterstellen. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie Wahlen nur als eine Behinderung im täglichen Politikgeschäft versteht.

So findet derzeit keine Diskussion über die Finanzkrise in Europa statt. Es wird einfach geschwiegen. Die Finanztransaktionssteuer hat ein stilles Begräbnis weit ab von der Öffentlichkeit gefunden. Dabei wäre es doch für die Bürger wichtig zu wissen, was an neuen Belastungen auf unsere Gesellschaft zukommt (und sie kommen - mit Sicherheit).

Schweigen, kleinreden und warten bis nach der Wahl. Wegducken, fintieren und ansonsten auf alles den Deckel draufhalten, das beherrscht die Frau Bundeskanzlerin.

In der dunkelsten Nacht raubt mir der Gedanke den Schlaf, dass Frau Bundeskanzlerin so lange wie Kohl regieren wird. Ein Alptraum fürwahr!

 

Kommentare (11)

GEBE 14.08.2013 | 13:25

Ich schrieb eben an anderer Stelle dies:

 

„Das Einzige was jeder dagegen setzen kann ist Spiritualität! Und dies bedeutet Bewußtmachung seines Menschentums. Und das wiederum ist vollkommen entfernt von einer wie auch immer gearteten Demokratisierung mit sogenannten Umverteilungsideologien. Es ist dies der ganz persönliche, ganz individuelle Weg, sich Tag für Tag mindestens ein Dutzend Mal zu positionieren und entsprechend zu handeln, gemäß: Tuet den Menschen das, was ihr wollt, daß sie euch tun mögen. Und dazu gehört vor allem das Üben von Entsagungen, und zwar aus vollkommen freier und nicht utilitaristischer Entscheidungskraft. Alleine dann, werden mit jeder dieser Entscheidung alltäglich und ganz lebenspraktisch sich auch die Verhältnisse von Mensch zu Mensch jenseits von Kapitalismus und jenseits von Sozialismus und auch vollkommen jenseits von utilitaristischem Demokratiegehabe fruchtbar entwickeln. Diese persönlichen Entscheidungen sind die einzigen, die  s o f o r t, ab der nächsten Minute nämlich schon, unmittelbar ihre Wirksamkeit auf das Miteinander von Menschen heilend entfalten.“

Darauf zu hoffen, zu warten, zu spekulieren, daß ein mehrheitlicher Konsens entsteht, sich dieser demokratisch abbildet, und die Verhältnisse dann andere würden, etwa ein mitmenschlicheres Leben verordnet werden könne, ist vollkommen töricht. Man sollte selbst tun, was man unmittelbar tun kann.

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Ehemaliger Nutzer 15.08.2013 | 15:35

Solange in Deutschland Politiker im Grunde nix anderes als Lobbyisten sind werden wir auch kein Wahlkampf haben. Die Politikberatung sowie die Karriere Förderung von Politikern ist die Ursache das kein Wahlkampf stattfindet weil sie alle dieselben Förderer haben. Die Folge ist das undemokratische neoliberale Kräfte mittels Geld die Möglichkeit haben ihre Leute in Entscheider Positionen zu installieren mit dem Ziel sich direkt an den Gesellschaften zu bedienen. Sichtbar wird das alles an der Lobbygesetzgebung Hartz4, ESM, Bundeswehreinsatz im Innern, Bestandsdatengesetz, Rentenabbau, Sozialabbau, Sozialrassismus, Privatisierung, TV-Zwangsabgabe, dasselbe im Europaparlament und in den Kommissionen, uvm., die mittels einer gleichgeschalteten Politik sowie entsprechenden Abstimmungsverhalten umgesetzt wird. Im Grunde haben wir ein wieder Er staken der DDR nun mit kapitalistischen Funktionären die im Hintergrund die Politik bestimmen. Die Stasi 2.0 ist der BND und die NSA bespitzelt wird nur die eigene Bevölkerung genau wie in der DDR weil die 1 Prozent und ihre Handlanger Angst haben ihre Privilegien zu verlieren. Demokratie findet nicht statt da die Politik nur ausführendes Organ der Superreichen ist und deshalb sind auch nur angepasste karriereorientierte Mitläufer im Parlament ohne eigene Meinung(Larven).

JR's China Blog 15.08.2013 | 16:59

Der Wahlkampf ist, um im Sinne der Kanzlerin bei einem marktwirtschaftlichen Bild zu bleiben, ein Verkäufermarkt. Will sagen: die "Käufer" haben keine sehr genaue Vorstellung von dem, was sie wollen, so nötig das angesichts der Platitüden aus allen politischen Parteien auch wäre. Die Parteien bestimmen den Wahlkampf.
Insofern braucht, wer "wählen geht", eine innere Motivation, so wie er sie auch zu eigenen Entscheidungen und Aktivitäten zwischen den Wahltagen braucht. Die Plakatierung der CDU läuft weniger darauf hinaus, Wähler zu gewinnen, die sonst eher weiter links im Spektrum wählen, sondern darauf, sie am Wahlsonntag zu Hause zu halten.Mittelfristig geht das allerdings auch zu Lasten der Union: ein klassischer Konservativer hat eigentlich ebenfalls nur noch einen Grund, den mattschwarzen Verein zu wählen: Angst vor einer "roten Flut". Und so harm- und ideenlos, wie jene Flut sich mittlerweile ausnimmt, kann auch der oder die Konservative eigentlich getrost zu hause bleiben und abwarten, ob die nächsten Amtsinhaber schwarze, gelbe, grüne oder blaue rote Hütchen tragen.Ich freue mich aber schon auf das parteiübergreifende Gemotze am Abend des 22. September: wie schändlich doch das Ausmaß sei, in dem sich die Bürgerinnen und Bürger ihres Stimmrechts enthielten.

IronCandy 15.08.2013 | 19:17

Ich liebe es wie die Politik alle Probleme immer technokratisch verklärt und sich auf Konjunkturzyklen und Marktvertrauen und sonstige dem Wetter ähnliche unvorhersehbare Momente stützt.

Wie wäre es einfach Mal mit einer Analyse der Ideologie des herrschenden Wirtschaftssystems?

Einer Analyse des Neoliberalismus... und zwar der der unter Pinochet in Chile begann...

und deren Instrumente wie zB Weltbank, IWF, WTO und co bis heute überall zur Liberalisierung der Welt beitragen... vorallem der 3. Welt.

 

ABER NEIN ES SIND PERSONEN! MERKEL ODER SCHRÖDER ODER RÖSLER ODER BLAIR ODER BUSH!

Wenn immer es dem System an den Kragen geht.. die Presse hinter der Einzeltäterthese steht.

roswitha 15.08.2013 | 21:15

Werter Gebe, Ihre Kommentare achte ich immer sehr. Heute muss ich widersprechen. Ich bekenne, ich bin eine Umverteilungsideologin. Im Sinne Meister Eckarts. Den genauen Wortlaut kenne ich nicht mehr, aber beeindruckt hat mich folgende Überlegung: "Und wäre ich im Himmel in der Seligkeit und sähe auf der Erde einen Mitbruder darben; ich würde aus der Seligkeit zu ihm hinuntersteigen und ihm ein Süppchen reichen."

GEBE 16.08.2013 | 12:03

Werte roswitha, ich frage mich, ob Ihr Widerspruch wirklich so gegensätzlich ist. Ich sehe keine besonders große Diskrepanz. Ich hätte nichts dagegen, wenn eine Umverteilung von Eigentum und Besitz zugunsten der Besitzlosen vonstatten gehen könnte. Meine Lebenserfahrung hat mir gezeigt, daß dies aber weder durch Programme, noch durch irgendwelche anderen politische resp. an Satzungen gebundene möglich ist. Es kommt ja immer auf die Einsicht der Notwendigkeit dazu bei jedem Menschen an. Und die Einsicht fehlt zumindest immer auf seiten derjenigen, denen genommen werden soll. Diejenigen, denen in Aussicht gestellt wird, gegeben zu bekommen, bei diesen entwickelt sich stets genau der strukturell gleiche Egoismus, wie derjenige ist, der besitzen wollende antreibt. Und genau das ist der Punkt, weshalb strukturell sich nichts ändert. Es bleiben die materialistischen Ansprüche und utilitaristische Weltsicht.

Dieser Utilitarismus wird sich nur wandeln, wenn man hergeht und sich befleißigt, das Leben allgemein spirituell zu begreifen und zu behandeln. Und dann käme man dazu, daß es nicht nur hier im Leben zwischen Geburt und Tod z.B. um Nahrung für alle Menschen gehen kann, sondern daß auch diejenigen Menschen, die im Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind, der Nahrung bedürfen, daß wir Ihnen durch unsere Gedanken, durch unsere Spiritualität diese Nahrung zu geben haben. – Das ist Meister Eckart wirklich zuende gedacht. Aus all unserem Handeln erwächst die Nahrung, die Speise für die sogenannten Toten, insbesondere für diejenigen, mit denen man in besonderer Weise verbunden war, die vorangegangen sind in die geistige Welt. Nur so entstehen wahrhaftige, lebenswirkliche Wandlungsimpulse. - Dies nur ganz kurz anskizziert, worauf es wirklich ankommt.

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2013 | 12:33

Diejenigen, denen in Aussicht gestellt wird, gegeben zu bekommen, bei diesen entwickelt sich stets genau der strukturell gleiche Egoismus, wie derjenige ist, der besitzen wollende antreibt. Und genau das ist der Punkt, weshalb strukturell sich nichts ändert. Es bleiben die materialistischen Ansprüche und utilitaristische Weltsicht.

Wie schön, kurz und prägnant Sie das ausgedrückt haben. *****

roswitha 16.08.2013 | 13:39

Lieber Gebe, ich wusste, dass ich mit einer niveauvollen Antwort rechnen konnte. Ich teile Ihre Lebenserfahrung bezüglich der gleichen Haltung von Arm und Reich  zu Besitz. Dass ein Umdenken oder eine spirituelle Haltung nötig ist, sehe ich ebenso.

Ihre Art und Weise, Meister Eckart zu Ende zu denken, berührt mich.

Meine größte Enttäuschung, mit der ich fertig werden muss, ist die, dass bei der internen Gehaltsordnung spirituell denkender Menschen - Sie wissen, was ich meine - dieselben Egoismen geherrscht haben. Man kann sagen, diese Menschengruppe  habe Spiritualität falsch verstanden, davon bin ich überzeugt; nichtsdestotrotz gehörte ich, weil keine Lobby, zu den großen Gebern und späteren großen Verlierern (Rente). Fazit: Ungerechtigkeit kann von innen und von außen kommen, selbst von spirituell Strebenden.

Übrigens ist meine zweite Enttäuschung die Einsicht, dass Bildung nicht zu Moralität verhilft.

Was nun? Immerhin steht im Grundgesetz, dass Reichtum verpflichtet. Mittlerweile müsste es wohl gestrichen werden, da, so wurde mir wörtlich gesagt, "die Menschen heute anders ticken."

Freier und spritueller kann man nur werden, indem man bei sich selbst beginnt. Müssen nicht trotzdem ungerechte Strukturen aufgelöst werden?

Als Don Quichote im Sterben lag, sagte er sinngemäß Folgendes: "Ich habe viele Soldaten sterben sehen. Die Fragen, die sie stellten, waren nicht 'Warum sterbe ich?', sondern 'Wozu habe ich gelebt?' "

In diesem Sinne beste Grüße.

 

Martin Franz 17.08.2013 | 16:39

.......liebe Roswitha......ich klinke mich "hier" mal ein..."Wozu habe ich gelebt?" ........als Beamter, der mal WIRKLICH so tätig wurde, werden musste, wie es Beamte wohl eigentlich sollten......vom Volk finanziert, (positiv) für das Volk.....denn staatliches Denken und Handeln sollte ja wohl stets möglichst positive Lebensumstände und entsprechende Perspektiven fürs Volk im Auge und im Sinn haben!!!......mein entsprechendes "Tätigwerden" offenbarte "nur" wie krank, verlogen, kriminell und versumpft "unser" System ist!!!.....und mündete, nach vier entsprechenden "Vor-Artikeln",  in meinem Resümee über den "SINN des LEBENS?!?"  .....als ich jetzt in  Deinem  Kommentar "Don Quichote"  las, liefen insbesondere meine letzten Jahre "an mir vorbei" als Don Quichote im (eigentlich) gesetzlich zwingenden Auftrag!!! ....und "darum" befinden WIR ALLE UNS in diesen armseligen, erbärmlichen, jämmerlichen Zuständen.....mit den entsprechenden Perspektiven.....aber die Hoffnung auf den Himmel hält wohl, nicht nur mich, aufrecht......in diesen Sinnen.....per aspera ad astra........

roswitha 18.08.2013 | 10:27

Lieber Martin Franz, erst einmal zu mir. Ich habe den Don Quichote erwähnt, um zu zeigen, dass ich aus der Gebe geschilderten Verzweiflung schon wieder einen Weg heraus gefunden habe.Schließlich muss man bei sich selbst beginnen, um "die Welt" zu ändern und zum Schluss nicht so wie die Soldaten zu sterben.

Ihre Lage erahne ich als eine besonders schwierige und wünsche Ihnen die Kraft, einen gangbaren Weg zu finden. Da ich Ihre Situation nicht genau kenne, kann ich mich nur so allgemein ausdrücken.