oi2503
13.02.2013 | 11:39 21

Der Tod bleibt ein Meister aus Deutschland

Rüstungsexporte Deutschland liefert immer mehr Kriegsgerät in Drittländer, profitiert von Spannungen und Konflikten. Das ist nicht nur pervers, es sollte sofort geändert werden

Der Tod bleibt ein Meister aus Deutschland

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Auf Platz 5 unter den Rüstungsexporteuren: Deutschland im Jahr 2011.

Mit einem Auftragsvolumen von rd. 1,21 Mrd. € (in Preisen von 1990). Für die Jahre 2007 bis 2011 konnte sich Deutschland 9% der weltweiten Rüstungsexporte sichern.

Die wesentlichen Player sind Krauss-Maffei-Wegmann, EADS-Cassidian, Rheinmetall, HDW, Lürssen-Werft. Geliefert wird alles, was geht. Kampf- und Transportpanzer, U-Boote, Kriegsschiffe, Flugzeuge, Flugabwehrsysteme.

So weit, so bekannt. Unter dieser Oberfläche vollzieht sich ein Richtungswechsel. Immer mehr Exporte gehen an Drittländer. Drittländer sind alle Staaten außerhalb von EU, Nato sowie Australien, Neuseeland, Japan und der Schweiz. In 2011 waren dies 843 Mio. € , im Jahr zuvor noch 453 Mio. €. Allerdings lag der Gesamtumsatz in 2010 mit rd. 2,1 Mrd. € erheblich über dem von 2011 (rd. 1,3 Mrd. €). Die Exportpolitik wird offensiver. Von den für 2011 genehmigten Ausfuhren in Höhe von 10 Mrd. € sollten rd. die Hälfte in Drittländer gehen. Ein Jahr zuvor waren das rd. Ein Drittel. Von den tatsächlich verkauften Waffen gingen rund zwei Drittel an Drittstaaten.

Ein langfristiger Trend. Der seine Ursachen zum einen in der sinkenden Binnennachfrage hat, die Bundeswehr braucht auch nach eigenem Ermessen nicht mehr so viel Totschießzeug. Zum anderen der Finanzkrise geschuldet ist, denn die Nachfrage aus den Ländern Griechenland, Portugal, Spanien ist extrem gesunken. Griechenland z.B. kaufte 2010 noch für rd. 400 Mio. € Waffen in Deutschland und im Jahr darauf noch für 7,1 Mio.

In den USA kann die Totmachindustrie Deutschlands nicht Fuß fassen, die haben selbst eine. Südostasien ist zwischen China und USA aufgeteilt. Bei steigendem Exportdruck drängen deutsche Unternehmen also in den Nahen Osten. Wenn es den Iran nicht gäbe, Krauss-Maffei und Co. hätten das Land bestimmt erfunden. Die permanenten Spannungen – derzeit mit Iran - machen aus dem Nahen Osten eine der beliebtesten Regionen weltweit.

Bernhard Gerwert, Chef der EADS-Tochter Cassidian sieht sein Unternehmen noch zu sehr auf Europa fixiert: „Bis 2016 wollen wir die Hälfte unseres Umsatzes außerhalb Europas erzielen, dort wachsen die Verteidigungs- und Sicherheitsbudgets“ (Zitat, wie auch alle Zahlen, aus: Handelsblatt, „Ausweitung der Kampzone“ vom 12.2.2013).

„Deutschland“, also einige wenige Deutsche, verdient gut an Konflikten im Nahen Osten. Das schreit zum Himmel, ist pervers und sollte dringend und sofort geändert werden. Die Rüstungskontrolle muss aus dem halbseidenen des Bundessicherheitsrates heraus auf den Marktplatz. Transparenz ist gefragt: Wer will was bei wem kaufen und wofür.

"Keine Waffen in Krisenregionen" (also tendenziell nirgendwo hin) muss bedingungslos gelten.

Mit deutschen Waffen soll nie wieder ein Krieg geführt werden.

Kommentare (21)

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2013 | 13:21

Wenn der Tod tatsächlich ein "Meister aus Deutschland" bliebe, wäre das unser aller baldiges Ende. Das geflügelte Wort stammt aus dem Dreißigjährigen Krieg. Zu Beginn der Feindseligkeiten zählte die Bevölkerung im damaligen Reich etwa 40 Millionen. Beim Westfälischen Frieden waren es kaum mehr als zehn Millionen. Neben den Opfern von Krieg, Kampf, Mord und Totschlag starben die Menschen vor allen an Seuchen, die eine buntscheckige Soldateska aus aller Herren Länder eingeschleppt hatten. Deshalb sagten die Leute der Tod sei ein Meister aus Deutschland, weil hier zu Hause zu sein schien.

Den Spruch mit Rüstunggeschäften in Zusammenhang zu bringen ist griffig aber daneben.

oi2503 13.02.2013 | 14:25

Tatsächlich nehme ich im Titel Anleihe an die Todesfuge von Paul Celan, der in dem Gedicht die Judenverfolgung thematisiert. Und ich habe bei dem Titel mehr als drei Mal nachgedacht, ob ich den nehmen kann.

Durch das "bleibt" will ich deutlich machen, dass D. auch nach der vorläufigen Niederschlagung des Faschismus hier bei uns am 8. Mai 1945 Nutznießer und Hintergrundakteur von Krieg, Verfolgung, Unterdrückung weltweit ist.

"Daneben"? Vielleicht, aber in einem anderen Sinne als ich von dir las.

fahrwax 13.02.2013 | 16:53

Aus einem Aufruf gegen die "Sicherheitskonferenz" am 1. Februar-Wochenende in München:

Deutschland ist weltweit der drittgrößte Rüstungsexporteur bei schwerem Kriegsgerät. Bei Kleinwaffen auch noch größter.
Nicht nur Deutschland, sondern weltweit bereiten sich viele Staaten auf bevorstehende Verteilungskriege um knapper werdende Ressourcen und Märkte vor. Die globale Rüstungsindustrie boomt und ihr Gewinn stieg in den letzten Jahren um 50%.

Auch die zur Aufstandsbekämpfung eingesetzte Spähsoftware sichert mörderische Gewinne im Nahen Osten.

OECD-Beschwerden gegen Hersteller von Überwachungssoftware:

http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/oecd-beschwerden-gegen-hersteller-von-ueberwachungssoftware/

 

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2013 | 17:53

Die Deutschen wollten die Wiederbewaffnung nicht!! Die Bundeswehr war ein Geschenk der Lobbypolitik damals CDU/CSU an die Waffenindustrie ein früher Beweis für Lobbyismus. Genau wie die Staatsverschuldung heute fast 2500 Milliarden Euro bzw.  unüberschaubar. Davon sind 2300 Milliarden Euro während CDU/CSU und FDP Regierung entstanden.  Für mich das Ergebnis von Lobbyarbeit!! Die Wiederbewaffnung Deutschlands   wurden mittels der Reste des deutschen Rentenkapitalstocks finanziert danach wurde die Rente in das so genannte Umlagesystem umgewandelt. Hat man die Betroffenen um Erlaubnis gefragt? Auch heute ist es wieder so,  dass die Demokratie durch Lobbyismus ausgehebelt wird daher kann man nicht schreiben die Deutschen sind die fünftgrößten Waffenexporteure sondern diejenigen die mittels Lobbyarbeit die Politik bestimmen und die Politiker die dafür verantwortlich sind das diese Verhältnisse entstanden sind.

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2013 | 18:42

Hat bitte jemand Katalogmaterial? Und die Nummer von der Hotline direkt dazu. Wann kommt eigentlich endlich der neue Leo 3 raus? Gibt es den dann auch mit Leder? Keyless-go finde ich auch immer gut. Für meine Frau bestelle ich gleich einen mit. In Rosa, lila Herzen embedded. Btw, so ein Eurofighter, kann der was? Bin ja im Augenblick mehr in A-10 Stimmung unterwegs. Ach und, fast hätte ich es vergessen: Wo krieg ich denn ein dreckiges Duzend Uranangereichtes her? Mein Vorrat neigt sich langsam dem Ende. Wie meine Tüte Herbes de Provence übrigens auch : (

oi2503 13.02.2013 | 19:20

Ich hab gerade noch einmal nachgeschaut (die Nr. 3 für die BRD hatte ich auch im Kopf). Nach dem Bericht, der sich in Teilen auf den Rüstungsexportbericht 2011" der Bundesregierung bezieht (hier: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CDMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.bmwi.de%2FBMWi%2FRedaktion%2FPDF%2FPublikationen%2Fruestungsexportbericht-2011%2Cproperty%3Dpdf%2Cbereich%3Dbmwi2012%2Csprache%3Dde%2Crwb%3Dtrue.pdf&ei=ctIbUZWZLo_E4gT1pYGIBA&usg=AFQjCNEt8hR1ezeiyFVJ2orA2xoWYGMK1g&bvm=bv.42261806,d.bGE)

liegen die USA, Russland, Frankreich und China vor der BRD. Ist aber m.E. unerheblich ob 3, 4, 5 oder 7. Vor allem vor dem Hintergrund der genehmigten Exporte von rd. 10 Mrd. allein in 2011, die eben später tatsächlich in die "Umsatz"statistik kommen können.

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2013 | 21:21

Hi, war nicht unbedingt als direkte Autorenkritik zu verstehen!! Eher eine persönliche Betroffenheit und kurze persönliche Schilderung der Hintergründe die zur Wiederbewaffnung führten die wiederum sehr viel Ähnlichkeit mit der Staatsverschuldung haben, da auch dort ähnliche Vorgänge zu beobachten sind. Nach der Überschrift kommt „Deutschland liefert Kriegsgerät und profitiert von Spannungen und Konflikten“. Dazu fällt mir seit einiger Zeit auf, das die Deutschen zunehmend in eine Täterrolle gedrückt werden für eine Politik die mit der Mehrheit der Deutschen nichts zu tun hat, dazu gehört auch Griechenland oder die Rolle in Europa. Der sehr große damalige Protest gegen die Wiederbewaffnung und die Machtlosigkeit der Bevölkerung machen das deutlich. Aber letztendlich ist es so, dass wenn Deutschland fett genannt wird andere Länder oder Menschen die Vorkommnisse oft als „die Deutschen  wahrnehmen“ und das wiederum führt zur Polarisierung. Menschen werden gegeneinander aufgebracht und die eigentlichen Drahtzieher, die Großaktionäre zusammen mit der Lobbypolitik, können in aller Ruhe ihren Geschäften nachgehen während sich das gemeine Volk die Köpfe einschlägt. Diese ewig grüßt das Murmeltiertatsache wollte ich zusätzlich verdeutlichen, mehr nicht!!!

Um Irritationen zu vermeiden  sollte, wie ich finde, die Kernaussage, dass es letztendlich nur einige wenige Profiteure sind sofort in der Überschrift zu erkennen sein weil manch einer liest nicht alles und denkt sich “siehste wieder die bösen Deutschen“.

rose 14.02.2013 | 08:14

Ein Hinweis auf den Kapitalismus hätte genügt, einen auf den Verrat der Grünen, nicht der SPD. 1., 2. 6. Stelle ist wurscht, ausserdem exportiert dland mehr als Liechtenstein, nach Sudan und nach Schweden. Kurz, ein Beitrag ohne aktuelle oder grundsätzliche Bedeutung. Durch den Missbrauch von Celan wird das ganze noch dazu peinlich und dumm, er kann nicht dazu beitragen, moralische Empörung zu steigern, um den Artikel doch ernst zu nehmen.

beobachtermann 14.02.2013 | 10:39

Sie mögen 98.000 neue Arbeitslose vlt nicht schrecken.

Wollen Sie einer von denen sein?

 

Und: es sind mehr, bedenken Sie bitte, wieviele Zulieferfirmen etc. pp. davon auch betroffen sein könnten.

 

Gleichwohl finde ich, dass man stets mit den Menschen rechnen sollte - gegen  sie, so spinnefeind man sich ihnen gegenüber auch wähnen sollte, machte das evtl auch kaum Sinn.

Die Raumfahrt soll fälschlicherweise die Teflonpfanne "erfunden" haben.

Der Krieg ist keine "Erfindung" der Menschen: Am Top der Nahrungs(mittel)kette geht es kaum anders zu als im Rest der Natur.

Ohne Bellizist zu sein, oder mich als solcher sehen zu müssen: "I have a dream" hatte zu wenig mehr ermutigt, als ihn zu ermorden.

Wohlan: kämpfen wir weiter für das Unmöglich erscheinende.

Grüße

Helmut Eckert 14.02.2013 | 11:26

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13522317.html

In der „Fritz Werner Maschinenfabrik Geisenheim im Rheingau“ arbeiteten einige meiner Klassenkameraden.  Keiner dieser christlich erzogenen Männer hatte je moralische Bedenken, hinsichtlich ihres Tuns! Sie verdienten „gutes Geld“. Gründeten Familien und bauten sich im Rheingau schmucke Eigenheime. Brav besuchten sie die Sonntagsmesse. Ihre Kinder wurden getauft und gingen zur Kommunion. Eine christliche Familie , so wie man es im katholischen Rheingau erwartete. Mit der Hilfe dieser braven Bundesbürger bauten die Iraner eigene Munitionsfabriken im Iran. Diese Munition tötete tausende und abertausende Menschen.  Einige der dortigen Arbeiter und Ingenieure hatten erst vor wenigen Jahren ihre Väter im II. Weltkrieg verloren.

Der Waffenverkauf, die Produktion und das Geldgeschäft ist nicht anonym.  Deren Auswirkungen lässt sich quer durch das Land verfolgen.  Es geht doch immer nur um das liebe Geld. Den Götzen der Menschheit. Deutsche Waffen töten weltweit unsere Freunde und Verbündete. Sie töten Kinder und Mütter, Alte und Junge. Zu Hause, also hier im Land genießen abertausende  Menschen = auch Christen ein recht sorgenfreies Leben. Ihr Glück baut auf den Tod der Fremden dieser Welt!  Kein Pfarrer, kein Kirchenfürst und nicht einmal der Papst hat die Herstellung und den Verkauf von Waffen verboten! Im Gegenteil: Selbst der Vadikan ist mit seinem Kapital an diesem Geschäft beteiligt!

beobachtermann 14.02.2013 | 12:52

...und stilles Einvernehmen gilt in der Jurisprudenz als Einvernehmen.

Darauf wird gesetzt: und es funktioniert, zur Not mit Hinweis auf Arbeitsplätzchen, wie von mir angeführt.

Nein, davon haben wir aber alle auch rein garnichts gewußt.

Im Gegensatz zu früher gilt heute:

Davon wissen wir aber alle alles.

Mit dem Nichtwissen ist Demokratieparasiten jedweder Grund und Boden entzogen - und das ist gut so!